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	<title>Die Offene Bibel - Benutzerbeiträge [de]</title>
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		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Genesis_30&amp;diff=40296</id>
		<title>Genesis 30</title>
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		<updated>2026-02-26T16:10:26Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Status&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Ungeprüfte Studienfassung}}&lt;br /&gt;
{{Lesefassung folgt später}}&lt;br /&gt;
{{Zuverlässige Studienfassung|Vers 25-43}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Lesefassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{L|1}}&lt;br /&gt;
{{L|2}}&lt;br /&gt;
{{L|3}}&lt;br /&gt;
{{L|4}}&lt;br /&gt;
{{L|5}}&lt;br /&gt;
{{L|6}}&lt;br /&gt;
{{L|7}}&lt;br /&gt;
{{L|8}}&lt;br /&gt;
{{L|9}}&lt;br /&gt;
{{L|10}}&lt;br /&gt;
{{L|11}}&lt;br /&gt;
{{L|12}}&lt;br /&gt;
{{L|13}}&lt;br /&gt;
{{L|14}}&lt;br /&gt;
{{L|15}}&lt;br /&gt;
{{L|16}}&lt;br /&gt;
{{L|17}}&lt;br /&gt;
{{L|18}}&lt;br /&gt;
{{L|19}}&lt;br /&gt;
{{L|20}}&lt;br /&gt;
{{L|21}}&lt;br /&gt;
{{L|22}}&lt;br /&gt;
{{L|23}}&lt;br /&gt;
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{{L|28}}&lt;br /&gt;
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{{L|32}}&lt;br /&gt;
{{L|33}}&lt;br /&gt;
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{{L|35}}&lt;br /&gt;
{{L|36}}&lt;br /&gt;
{{L|37}}&lt;br /&gt;
{{L|38}}&lt;br /&gt;
{{L|39}}&lt;br /&gt;
{{L|40}}&lt;br /&gt;
{{L|41}}&lt;br /&gt;
{{L|42}}&lt;br /&gt;
{{L|43}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|2}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|3}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|4}} &lt;br /&gt;
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{{S|5}} &lt;br /&gt;
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{{S|6}} &lt;br /&gt;
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{{S|22}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|23}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|25}} {Und es geschah,} Als Rahel den Josef gebar (geboren hatte), sagte Jakob zu Laban: „Lass mich gehen, damit ich an meinen Ort und in mein Land gehen kann! {{par|Genesis|24|54}}&lt;br /&gt;
{{S|26}} Gib [mir] (Gib heraus)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT nur: „Gib“. Darin wird MT gestützt von SamP, einigen LXX-Handschriften und TgO, alle anderen Textzeugen (Jub 28,25; LXX-Mss, VL, VUL, Syr, TgJ, TgN) haben ein zusätzliches &#039;&#039;mir&#039;&#039;. Im Heb. ist ein solches „mir“ nicht nötig, s. [[Genesis 47#s19 |Gen 47,19]]; [[1 Samuel 9#s23 |1 Sam 9,23]]; [[2 Samuel 3#s14 |2 Sam 3,14]]; [[2 Könige 10#s15 |2 Kön 10,15]]. LXX und Syr ergänzen auch dort teilweise „mir“ (LXX: 1 Sam 9,23; 2 Sam 3,14; Syr: Gen 47,19; 2 Sam 3,14), Tg und VUL aber an keiner dieser Stellen und LXX und Syr auch an den anderen nicht. Besonders das Plus in Tg + VUL darf man also nicht ohne Weiteres als stilistische Korrektur abtun, sondern dies scheint eine echte Variante zu sein. Am Sinn und am Tonfall scheint dies nichts zu ändern. Besser übersetzt man daher „gib mir“, was jedenfalls im Deutschen natürlicher klingt.&amp;lt;/ref&amp;gt; meine Frau und meine Kinder, für die ich dir gedient habe, damit ich gehen kann! Denn du, du weißt [ja um] meinen Dienst, [mit] dem ich dir gedient habe!“&lt;br /&gt;
{{S|27}} Da sagte zu ihm Laban: „Wenn ich nur Gefallen in deinen Augen gefunden habe... –&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Wenn ich Gefallen in deinen Augen gefunden habe...&#039;&#039; ist für gewöhnlich Einleitung einer Bitte an einen Höhergestellten. Von einem Höhergestellten an einen Tiefergestellten wie hier ist die Formel also ganz ausnehmend höflich. Eine Bitte allerdings – die kommt Laban dann nicht über die Lippen; stattdessen bricht er den Satz ab und hebt neu an.&amp;lt;/ref&amp;gt; ich hatte gewahrsagt (habe getestet, hatte Pech?, hatte Erfolg?);&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;ich habe gewahrsagt (habe getestet, hatte Pech?, hatte Erfolg?)&#039;&#039; - schwieriges Wort. Für die LF am sinnvollsten wäre etwas wie „Ich hatte es schon früher vorhergesagt, und tatsächlich: Gott hat mich um deinetwillen gesegnet.“&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Genauer&#039;&#039;&#039;: Heb. &#039;&#039;niḥašti&#039;&#039;, (1) prima vista klar „ich habe gewahrsagt“, genauer: „Omen haben&#039;s mir verraten: ...“. So deuten die aktuellsten Kommentator:innen (Goldingay 2020; Peterson 2022; Tröndle 2023, S 165); dies stützen auch LXX, VL, TgJ und TgN. Warum hier aber Laban überhaupt von seinem früheren „Wahrsagen“ sprechen sollte, ist so schwer verständlich, dass wenige glücklich mit dieser Deutung sind. Die beste Erklärung bei Krauss / Küchler 2004, S. 175: Der kurze Vers soll Rachels Diebstahl von Labans Wahrsage-Instrumenten im nächsten Kapitel vorbereiten, unser Vers also nur literarisch dazu dienen, zu zeigen, dass Laban wirklich wahrsagen kann.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) TgO, Syr, VUL und der Midrasch haben stattdessen etwas wie „ich habe getestet/herausgefunden“, obwohl es im Aramäischen und Syrischen ein fast gleichlautendes synonymes Verb wie heb. &#039;&#039;naḥaš&#039;&#039; gibt. (2a) Ball 1896 mutmaßt daher, dass ihnen statt &#039;&#039;nḥštj&#039;&#039; die Konsonanten &#039;&#039;nß(j)tj&#039;&#039; vorgelegen haben könnte, was sie dann als &#039;&#039;ns(j)tj&#039;&#039; („ich habe getestet“) verstanden hätten, da Sin und Samech vielerorts gleich klang und &#039;&#039;nasiti&#039;&#039; daher wohl auch &#039;&#039;naßiti&#039;&#039; geschrieben werden konnte. Graphisch wäre das leicht möglich; vgl. {{hebr}}נחשתי{{hebr ende}} mit {{hebr}}נשתי{{hebr ende}}. (2b) Alternativ könnte dies aber auch nur eine theologische Interpretation sein; gut z.B. Grossfeld 1994, S. 109: Dass Gott Laban &#039;&#039;gesegnet&#039;&#039; hat, obwohl dieser auf schlecht angesehene Omen vertraut, kann für spätere Autoren schlecht zusammengepasst haben, weshalb TgO, Syr, VUL und Midrasch zur „harmloseren“ Variante „ich hab&#039;s ausgetestet“ gegriffen hätten. Das textkritische Zeugnis ist also nicht sehr stark.&amp;lt;br /&amp;gt;Das in dt. Üss. häufigste „Ich habe es erfahren / ich spüre / ich hab&#039;s erraten / ...“ erklärt sich hieraus, ist aber keine gute Übersetzung selbst von &#039;&#039;nasiti&#039;&#039;.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) [https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/freimann/content/pageview/558496 Michaelis 1792, S. 1632] hatte das heb. &#039;&#039;naḥaš&#039;&#039; noch abgeleitet vom arab. &#039;&#039;naḥuša&#039;&#039; („Pech haben“). Daher Michaelis 1775: „Ich hatte vorhin allerley Unglücksfälle, aber Jehova hat mich um deintwillen geseegnet“. Das ist sehr erwägenswert und zu Unrecht in Vergessenheit geraten. V. 27b sagte dann das selbe wie V. 30: „Ich hatte Pech gehabt, dann hat Gott mich um deinetwillen gesegnet“ – „Du hattest wenig vor meiner Zeit, dann hat sich&#039;s zu einer Menge ausgebreitet!“ Eine Übersetzung wie diese erklärte auch am besten die Verbfolge Qatal – Wayyiqtol in unserem Vers (richtig Torczyner  1917, Sp. 10); [https://en.wikisource.org/wiki/Gesenius%27_Hebrew_Grammar/111._The_Imperfect_with_W%C4%81w_Consecutive#cite_ref-4 GKC 111h FN 4] ist offensichtlich nur eine ad hoc-Erklärung. Dieser Ansatz ist daher mein (S.W.) Favorit, kann ob seines Alters aber schlecht für die LF gewählt werden.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Recht verbreitet ist es im Gegensatz zu (3), nach Sperber 1913 das Verb abzuleiten vom akk. &#039;&#039;naḫāšu&#039;&#039; („gedeihen, Erfolg haben“; so z.B. Wenham 1994; Hamilton 1995; Sarna 2001). Daher PAT: „Ich bin reich geworden, und der Herr hat mich um deinetwillen gesegnet“ (ähnlich HfA). Wegen der Verbfolge ist dieser Ansatz dem von Michaelis klar unterlegen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
(5) Schließlich das „Ich stand unter günstigen Vorzeichen und...“ in EÜ 80, ZÜR und bei Recker 2000 ist nur ein Kompromiss aus (1) und (4).&amp;lt;/ref&amp;gt; dann hat JHWH mich um deinetwillen (mit deiner Ankunft?)&amp;lt;ref name=&amp;quot;27.30&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;um deinetwillen (mit deiner Ankunft?)&#039;&#039; (V. 27) + &#039;&#039;mit meiner Ankunft (um meinetwillen?)&#039;&#039; (V. 30) - In Vv. 27.30 stehen im Heb. zwei unterschiedliche Ausdrücke: „um deinetwillen“ und „(gleichzeitig) mit meinem Bein“. Letzterer, der sonst nur noch [[Habakuk 3#s5 |Hab 3,5]] steht, ist wahrscheinlich eine Variante von „bei jmds Bein“ = „direkt hinter jmdm“ in [[Exodus 11#s8 |Ex 11,8]]; [[Richter 8#s5 |Ri 8,5]]; [[1 Samuel 25#s27 |1 Sam 25,27]] (so hier auch TgJ), also: Gottes Segen folgt Jakob „auf dem Fuße“. Alternativ erklärt es Ball 1896 allgemeiner als „nach mir“, da es sowohl hier als auch in Hab 3,5 mit &#039;&#039;lpnj&#039;&#039; („vor jmdm“ = „vor jmds Ankunft“) zusammensteht; noch beliebter ist die alternative Erklärung „mit deinem Bein“ = „auf Schritt und Tritt; wohin ich auch ging“ (z.B. Skinner 1910; Wenham 1994; Hamilton 1995).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: LXX (teilweise auch VL) hatte in V. 27 offenbar den selben Ausdruck vorliegen wie in V. 30: „mit deiner Ankunft“. Umgekehrt übersetzen TgO, TgN und Syr in V. 30 mit dem selben Ausdruck wie in V. 27. Beides sind wahrscheinlich Angleichungen von V. 27 an den ähnlichen V. 30 und umgekehrt.&amp;lt;/ref&amp;gt; gesegnet!{“}&lt;br /&gt;
{{S|28}} {Und er sagte: „}&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Und er sagte&#039;&#039; - Überflüssig, da Laban ja bereits in V. 27 spricht. Verbreitet sind diverse ad hoc-Erklärungen: Fokkelman 1975, S. 142f. liest heraus, dass Laban zwischen Vv. 27.28 „fieberhaft nachgedacht“ habe, was er nun sagen könnte. Zakovitch 1999, S. 128 denkt, solche überflüssigen Redeeinleitungen sollten „Nachgedanken“ markieren, während Wenham 1994 annimmt, extra eingeleitete Redeteile sollten besonders höflich klingen. Cotter 2003 schließlich erklärt rhetorisch: Der Erzähler habe Spannung aufbauen wollen. Aber solche überflüssigen Redeeinleitungen lassen sich gut einheitlich erklären: Offenbar ist es so, dass es im althebräischen Stil natürlich war, unterschiedliche Redeakte innerhalb derselben Rede doppelt einzuleiten, wie es deutlich auch gleich noch mal in [[Genesis 31#s51 |Gen 31,51]] (nach V. 48) geschieht (weitere Bspp. unten). Im Deutschen muss man sie dann aussparen (wie das hier auch LXX und VUL getan haben), da dergleichen dort nicht natürlich klingt.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Beispiele&#039;&#039;&#039;: In [[Genesis 17#s3 |Gen 17,3-16]] wird die Gottesrede drei Mal eingeleitet; jede Einleitung steht einem eigenen Redeakt voran: V. 3 der Verheißung Gottes, V. 9 seinen Forderungen, V. 15 einer weiteren Verheißung. Kurz zuvor folgte ähnlich in [[Genesis 15#s2 |Gen 15,2-3.5]] auf Abrams Frage in V. 2 sein Vorwurf in V. 3, woraufhin Gott in V. 5a ihn zu einem Blick in den Himmel auffordert und nach einer zweiten Redeeinleitung in V. 5b ein Versprechen gibt, wie auch Gottes Engel in [[Genesis 16#s9 |Gen 16,9]] einen Auftrag gibt, um dann in V. 10 mit einer weiteren Redeeinleitung ein Versprechen anzuschließen. In [[Genesis 41#s39 |Gen 41,39-41]] ernennt Pharao den Joseph in Vv. 39f. zu seinem Stellvertreter, um dann in V. 41 noch einmal feierlich zu erklären: „Du stehst jetzt über dem ganzen Land“. In [[Numeri 32#s2 |Num 32,2-5]] beginnen die Sprecher in Vv. 2-4 mit einer Beschreibung eines Landstrichs, um dann in V. 5 Mose das Land zum Geschenk zu machen. In [[Richter 8#s23 |Ri 8,23f.]] antwortet Gideon zunächst auf die Bitte seiner Gesprächsparter, um in V. 24 seinerseits eine Bitte auszusprechen. In [[Rut 2#s20 |Rut 2,20]] werden Jubelruf und Erläuterung Naomis doppelt eingeleitet. In [[1 Samuel 16#s10 |1 Sam 16,10f.]] erklärt Samuel zunächst, keiner von Isais Söhnen sei zum König geeignet, um dann in V. 11 nach David zu fragen. In [[1 Samuel 17#s34 |1 Sam 17,34-37]] berichtet David zunächst, wie er schon Löwen und Bären besiegt habe, um dann in V. 37 feierlich zu erklären, Gott werde ihn auch nun gewiss wieder beschützen. de Regt 1999, S. 59-69 und Runge 2007, S. 169 glauben ähnlich, solche doppelten Redeeinleitungen sollten den „Höhepunkt“ einer Rede eigens markieren, aber nicht viele der eigens eingeleiteten Rede-Teile lassen sich gut als Höhepunkte erkennen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bestimme deinen Lohn (auf mir=) den ich zu bezahlen habe, und ich werde ihn geben!“&lt;br /&gt;
{{S|29}} Er (sagte zu=) antwortete ihm: „Du, du weißt [ja] darum, wie ich dir gedient habe, und darum, was geschah mit deinem Vieh bei mir!&lt;br /&gt;
{{S|30}} Denn wenig [war&#039;s], was dein war (vor mir=) vor meiner Ankunft; dann hat sich&#039;s ausgebreitet zu einer Menge! JHWH hat dich gesegnet mit (meinem Schritt=) meiner Ankunft (um meinetwillen?)!&amp;lt;ref name=&amp;quot;27.30&amp;quot; /&amp;gt; (Und nun=) Also: Wann kann auch ich&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;auch ich&#039;&#039; - nicht: „auch ich, während aktuell nur meine beiden Frauen für &#039;&#039;unseren&#039;&#039; Wohlstand arbeiten“ (Raschi, Radak). Ebenso wenig: „Wann kann ich auch für meinen Haushalt arbeiten, statt nur für deinen?“ (Ramban, Tur). Sondern: „Wann kann auch ich für meinen Haushalt arbeiten, anstatt dass wir beide nur in deine Tasche arbeiten?“ So z.B. Sforno: „Wann wird&#039;s mir möglich sein, Segen auf mein Haus zu bringen – auf die selbe Weise, wie du ihn durch meine Gegenwart auf deines brachtest!?“.&amp;lt;/ref&amp;gt; etwas für &#039;&#039;meinen&#039;&#039; Haushalt tun?“&lt;br /&gt;
{{S|31}} Da (sagte=) fragte (er=) Laban: „Was soll ich dir geben?“&amp;lt;br /&amp;gt;Da (sagte=) erwiderte Jakob: „Du musst mir gar nichts geben, wenn du für mich diese Sache tust: Ich werde (darf) wieder weiden dein Kleinvieh; [es] hüten.&lt;br /&gt;
{{S|32}} Ich werde (am Tag=) heute durch all dein Kleinvieh ziehen, um auszusondern (...ziehen. Sondere aus...!)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;um auszusondern (sondere aus!)&#039;&#039; - Das zweite Verb könnte entweder Infinitiv sein und von Jakobs Handeln sprechen oder Imperativ und dann von Labans Handeln sprechen. Weil in V. 35 dann wirklich &#039;&#039;Laban&#039;&#039; das Aussondern übernimmt, haben schon LXX und VUL das Verb als Imperativ genommen; so z.B auch Seebass 1999; Ruppert 2005; Tröndle 2023, S. 165; auch B-R, EÜ; R-S, SLT, ZÜR 31. Aber das liegt ganz fern; dass Laban aussondern sollte, passt ja denkbar schlecht dazu, dass &#039;&#039;Jakob&#039;&#039; durch das Kleinvieh ziehen will (richtig Taschner 2000, S. 99 FN 59). Besser erklärt man das Gegeneinander von V. 32 vs. V. 35 literarisch: Noch am selben Tag bricht Laban das erste Mal den gerade geschlossenen Vertrag und überlässt das Aussondern eben nicht Jakob, wie es abgesprochen war, sondern dünnt bereits zuvor Jakobs Lohn empfindlich aus.&amp;lt;/ref&amp;gt; jedes gesprenkelte und gefleckte&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;gefleckt&#039;&#039; - Wortspiel; in heb. &#039;&#039;ṭalu`&#039;&#039; klingt &#039;&#039;ṭaleh&#039;&#039; („Lamm“) an, dessen Plural in [[Jesaja 40#s11 |Jes 40,11]] und in nachbiblischen Texten sogar mit den gleichen Konsonanten wie &#039;&#039;ṭalu`&#039;&#039; gebildet wird: &#039;&#039;ṭala`im&#039;&#039;. Die Bed. ist klar: In [[Josua 9#s5 |Jos 9,5]] wird das Wort von „geflicktem“ Schuhwerk verwendet; ähnlich ist &#039;&#039;ṭala`&#039;&#039; im Talmud, b.Ber 43b der „Flicken“. Die in englischen Üss. verbreitete Übersetzung „vielfarbig“ ist also falsch; ebenso falsch ist die Annahme z.B. von Steinmann 2019, Jakob verlange „alle &#039;&#039;vielfarbigen&#039;&#039;“ Ziegen und Laban  gestehe ihm dann nur gefleckte und gestreifte zu („Jacob was supposed to receive all the variegated sheep [30:3], but Laban made it more specific: spotted sheep and then streaked sheep [v. 8].“).&amp;lt;/ref&amp;gt; Tier&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;jedes gesprenkelte und gefleckte Tier&#039;&#039; - Nicht: „Schaf / Lamm“, wie die meisten Üss. übersetzen: Nach [[Exodus 12#s5 |Ex 12,5]]; [[Numeri 15#s11 |Num 15,11]]; [[Deuteronomium 14#s4 |Dtn 14,4]] heißt &#039;&#039;ßeh&#039;&#039; klar „Herdentier“ und ist Oberbegriff von Schafen &#039;&#039;und&#039;&#039; Ziegen. Wahrscheinlich haben wir danach hier ein Stilmittel vor uns: Dass Jakob haarklein auseinanderlegt, welche Tiere genau ihm zugesprochen werden sollen, wird dadurch unterstrichen, dass er drei „Tierklassen“ benennt, bei denen die zweite und dritte bereits in der ersten aufgehoben sind: „(ab) &#039;&#039;Jedes &amp;lt;u&amp;gt;gesprenkelte und gefleckte&amp;lt;/u&amp;gt; &#039;&#039;&#039;Tier&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; (a) &#039;&#039;und jedes schwarze Schaf-&#039;&#039;&#039;Tier&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; (b) &#039;&#039;und jede &amp;lt;u&amp;gt;gefleckte und gesprenkelte&amp;lt;/u&amp;gt; Ziege&#039;&#039;.“ Umso schwerer wiegt dann, was Jakob dem Laban in [[Genesis 31#s7 |Gen 31,7f.41]] vorwirft.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: U.a. deshalb, weil man sich an „gefleckten Schafen“ stieß (dabei &#039;&#039;gibt&#039;&#039; es in der Tat gefleckte Schafe; eine verbreitete Rasse ist sogar nach unserer Geschichte „[https://de.wikipedia.org/wiki/Jakobschaf Jakobschaf]“ getauft worden), vor allem aber, weil diese Phrase in LXX fehlt, haben z.B. Ball 1896 und BHK die Phrase noch für eine sekundäre Ergänzung gehalten und streichen wollen. Heute hält man umgekehrt i.d.R. die kürzere Variante in LXX für ein Homoiteleuton; w. steht im Heb. nämlich „&amp;lt;s&amp;gt;&#039;&#039;&#039;jedes Tier,&#039;&#039;&#039; gesprenkelt und gefleckt und&amp;lt;/s&amp;gt; &#039;&#039;&#039;jedes Tier,&#039;&#039;&#039; schwarz, unter den Lämmern“, wo die hier durchgestrichene Passage leicht wegen der identischen und hier gefetteten Phrasen überlesen worden sein könnte.&amp;lt;/ref&amp;gt; und jedes schwarze (braune, ?)&amp;lt;ref name=&amp;quot;schwarz&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;schwarz&#039;&#039; - welchen Farbton &#039;&#039;ḥum&#039;&#039; genau bezeichnet, ist unsicher. Das ist ärgerlich, denn die Farbe ist hier nicht unwichtig; s. die Anmerkungen. (1) Brenner 1982, S. 123 übersetzt mit Syr und z.B. ibn Ezra und Radak „schwarz“ (Radak dabei mit gutem Hinweis auf den arabischen Sprachgebrauch), (2) VUL hat teils „schwarz“, teils „dunkel“ und entsprechend empfiehlt Gradwohl 1963, S. 50f. „braunschwarz“; (3) LXX hat „dunkel“; (4) im modernen Hebräisch heißt das Wort „braun“; (5) TgJ und TgN schließlich übersetzen „rot“, wo man aber hinzusagen muss, dass in der Antike „braun“ als Stufe im Farbspektrum von „rot“ gesehen wurde (vgl. Avioz 2019, S. 461. Auch für Plinius sind in NatHist viii 73 daher asiatische Schafe „rot“, Homer kennt in Od 9.426 ähnlich „dunkelviolette Schafe“ und vielleicht ist daher auch im akk. Text Tigl. III 15.3f. mit den „Schafen mit purpurrot gefärbter Wolle“ die natürliche Fellfarbe der Tiere gemeint), weshalb auch Raschi und Ramban erläutern: „braun, leicht rötlich“. Klar ist aber, dass mit &#039;&#039;ḥum&#039;&#039;-Schafen &#039;&#039;ein-&#039;&#039;farbige Schafe bezeichnet werden. „Schwarze Schafe“ kann richtig sein, wäre aber irreführend, weil schwarze Schafe heute Ausnahmeerscheinungen sind, früher aber nicht waren (s. die Anmerkungen). Besser übersetzt man in die LF daher „braune Schafe“.&amp;lt;/ref&amp;gt; Tier unter den Lämmern und jedes Gefleckte und Gesprenkelte unter den Ziegen, und [es] sei mein Lohn (und [solches] sei mein Lohn; dann wird mir Lohn (werden=) zuwachsen).&amp;lt;ref&amp;gt;Zu &#039;&#039;[es] (solches)&#039;&#039; s. die Anmerkungen. In der LF übersetzt man vielleicht am besten: „... unter den Ziegen: Mein Lohn“, mit einer FN à la: „Worauf genau sich ‚mein Lohn‘ bezieht, ist im Hebräischen unklar. Wahrscheinlich bewusst; vermutlich ist dies nämlich einer der Knackpunkte der Erzählung: Laban macht sich diese Lücke in ihrer Lohnabsprache sogleich zunutze, indem er es &#039;&#039;nicht&#039;&#039; auf die Tiere bezieht, die aktuell in seiner Herde sind, und diese daher den Herden seiner Söhne zuführt. Nachdem Jakob dem in den Versen 37-43 ein Schnippchen schlägt, versucht Laban in Gen 31,43 gleich noch einmal, sich diese Lücke zunutze zu machen, indem er es auch nicht auf die von nun an geborenen Tiere bezieht, sondern auch diese zu &#039;&#039;seinen&#039;&#039; Tieren erklären will. Das macht Laban zum ersten Winkeladvokaten der Weltliteratur. Seine Winkelzüge macht noch härter, dass Jakob seinen Vorschlag damit stützt, dass dieser Deal sich am leichtesten ‚redlich‘ ausgestalten lassen kann, weil man so ja auf den ersten Blick sieht, welche Tiere wem gehören: Von eben dieser ‚Redlichkeit‘ hat Laban kein Quäntchen.“&amp;lt;br /&amp;gt;Die Alternative &#039;&#039;dann wird mir Lohn zuwachsen&#039;&#039; hat alternativ Lux 2009, S. 73 vorgeschlagen: „Mein Lohn wird sich dann schon einstellen“.  Sprachlich ist das möglich. Dann wäre die Logik von Gen 30-31 eine ganz andere: &#039;&#039;Jakob&#039;&#039; hätte auf einen Trick gesonnen, wie er seinen Schwiegervater zunächst mit einem ökonomisch unattraktiv scheinenden Vorschlag in Sicherheit wiegen könnte („nimm gerne alle besonders gefärbten Tiere von mir; irgendwie wird mir schon auch Lohn zukommen“), ihn dann aber mit dem im Folgenden beschriebenen Zuchttrick übers Ohr hauen könnte. Die klassische Deutung ist aber vorzuziehen, da sie die auffällige Unbestimmtheit des Wortes „sondere aus! / ... um auszusondern“ am Anfang des Verses und die Unklarheit noch in V. 33, wer nun eigentlich aussondert, runder erklärt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|33}} Dann wird für mich (mir) (antworten=) zeugen meine Gerechtigkeit am (an einem) kommenden Tag (=morgen?, =in Zukunft?), wenn (weil) du kommen wirst (sie kommen wird, ich kommen werde) über meinen (wegen meinem) Lohn vor (deinem Gesicht=) dir (dich).&amp;lt;ref&amp;gt;Schwierigster Satz der Perikope. Gehen wir vom Wortlaut des MT aus, sind mindestens vier Deutungen gleichermaßen möglich; die LF sollte aber die dritte wählen:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) „[Ich verspreche dir, ich werde die Aufteilung ehrlich vornehmen.] Am morgigen Tag, wenn du kommen wirst, um meinen Lohn zu besehen, werde ich mich als gerecht erweisen: Alles, was dann nicht schwarzes Schaf oder farbige Ziege ist, soll dann als gestohlen gelten.“ (so z.B. PAT: „Und das soll dann morgen der Beweis für meine Redlichkeit sein, wenn mein Lohn dir zu Gesicht kommt: Alle [anderen Tiere] sollen als von mir gestohlen gelten“; ähnlich EÜ, LUT, NeÜ).&amp;lt;br /&amp;gt;(2)„[Was auch immer bei diesem Deal für mich herauskommen wird, werde ich akzeptieren:] Meine Gerechtigkeit wird für mich zeugen am künftigen Tag [der Endabrechnung], an dem du besehen wirst, was bei mir als Ertrag zusammengekommen ist: Alles, was nicht schwarzes Schaf oder farbige Ziege ist, soll dann als gestohlen gelten[; mehr werde ich nicht fordern, so wenig es am Ende auch ist]“ (so z.B. ZÜR: „Und meine Redlichkeit wird dann für mich sprechen, wenn du kommst, um meinen Lohn nachzuprüfen: Alle[ anderen Tiere] sollen als von mir gestohlen gelten“; ähnlich TUR).&amp;lt;br /&amp;gt;(3) „[Diese Aussonderung und diese Vereinbarung soll nämlich vor allem dazu dienen, meine Redlichkeit zu garantieren:] So wird dann meine Redlichkeit für mich zeugen, wenn du kommst, um meinen Lohn zu besehen[, weil man ja auf den ersten Blick erkennt, welche Tiere dein und welche mein sind].“ (so Michaelis: „Auf die Art werde ich künftig immer den Beweis meiner Ehrlichkeit haben: und was unter den [Tieren andersfarbig ist], das soll gestohlen heißen, wenn es sich in meiner Herde findet“; ähnlich GN, NL).&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Oder es wird vorausgesetzt, dass bei diesem Deal allein Gott dem Jakob Ertrag als Lohn für seine Gerechtigkeit verschaffen kann, indem er Schafe schwärzt und Ziegen färbt, obwohl schwarze und farbige Muttertiere bereits entfernt wurden. Dann: „Dann wird am Tag [der Endabrechnung], an dem du besehen wirst, was bei mir als Ertrag zusammengekommen ist, dieser Ertrag [allein] (Antwort=) Frucht meiner Gerechtigkeit sein. Dagegen alles, was nicht schwarzes Schaf oder farbige Ziege ist, soll dann als gestohlen gelten.“ (so wohl SLT: „So wird dann meine Gerechtigkeit für mich sprechen am künftigen Tag vor deinen Augen, wenn du wegen meines Lohnes kommst.“; ähnlich R-S).&amp;lt;br /&amp;gt;Unter diesen Optionen wählt man am besten nicht (1), da einige Textvarianten bezeugt sind, nach denen nur vom künftigen Zahltag die Rede sein kann und nicht vom morgigen „Besichtigungs-Tag“ (s.u.). Für (4) muss man viele Zusatzannahmen treffen. (3) passt glatter zum vorangehenden Vers als (2). Schön an (3) und (4) ist außerdem, dass der trickreiche Jakob dann großsprecherisch auf seine „Redlichkeit“ abheben würde – um dann, nachdem Laban sich massiv unredlich verhalten hat, seinerseits gerade nicht seine Redlichkeit, sondern „antike genetische Tricks“ walten zu lassen. Das passte gut zu seinem Charakter im Jakobszyklus.&amp;lt;br/&amp;gt;&amp;lt;b&amp;gt;Genauer&amp;lt;/b&amp;gt; zu den einzelnen Schwierigkeiten:&amp;lt;br /&amp;gt;(1a) &#039;&#039;&#039;Meine Gerechtigkeit wird für mich antworten&#039;&#039; nimmt man heute ziemlich einheitlich für „meine Gerechtigkeit wird für mich zeugen“ und dies dann wiederum als „ich werde mich als gerecht erweisen.“ (z.B. Gunkel 1964, S. 339: „Dann wirst du einmal deutlich sehen [was du sonst wohl bezweifelt hast], daß ich ein ehrlicher Mann bin.“) Das würde dann durch den letzten Satz des Verses noch gesteigert, fügte sich also gut in den Vers.&amp;lt;br /&amp;gt;(1b) Genau so möglich ist aber: „Der Deal ist deshalb so schön, weil sein Ausgang allein von meiner Gerechtigkeit abhängt, bzw. davon, wie mich Gott für diese meine Gerechtigkeit entlohnt“ (so z.B. Hieronymus, Sforno, Nikolaus von Lyra, Tirinus): Am fraglichen Tag „wird mir meine Gerechtigkeit antworten“, d.h. „wird das Ergebnis allein von meiner Gerechtigkeit abhängen“.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Raschi, ibn Ezra und Sforno nehmen klug noch das „vor deinem Gesicht = vor dir“ vom Ende des Satzes hinzu und entledigen sich damit auch dieser Schwierigkeit: „Meine Gerechtigkeit wird &#039;&#039;vor dir&#039;&#039; für mich zeugen / mir antworten“. Ähnlich Speiser 1964 : „Meine Gerechtigkeit vor dir“ = „Your own view of my honesty“; Seebass 1999: „meine Loyalität vor dir“. Aber nach der Wortstellung muss man gewiss annehmen, dass dies zu einem anderen Satzteil gehört: (2a) Entweder &#039;&#039;kommt&#039;&#039; jemand oder etwas „über/wegen meinem Lohn &#039;&#039;zu Laban&#039;&#039;“ oder (2b) es geht um Jakobs „Lohn &#039;&#039;vor Laban&#039;&#039;“, also um die Tiere, wenn Laban sie sich einmal besieht.&amp;lt;br /&amp;gt;Geht man von (2a) aus, lässt sich der Satz unterschiedlich konstruieren; je nachdem, wer oder was „kommt“:&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
(3a) MT nämlich lässt sich nicht anders als nach (2b) auflösen: „Wenn du wegen/über meinen Lohn vor dir kommst“ &amp;gt; „wenn du kommst, damit mein Lohn vor dir sei“ &amp;gt; „wenn du kommst, um meinen Lohn zu besehen.“ Damit steht MT allerdings auch fast allein und wird nur gestützt durch Syr, TgJ, TgO und teilweise TgN. (Die Targumim und Syr zeigen dabei auch, dass „über jemandes Lohn kommen“ sehr wahrscheinlich kein Idiom mit einer Bed. wie „jemandes Lohnabrechnung überprüfen“ o.Ä. ist – so z.B. Hamilton 1995: „whenever you go over these wages of mine“ –, sondern dass „kommen“ absolut genommen werden muss: TgJ ersetzt „kommen“ durch „sein“, TgO hat die beiden Varianten „betreten“ und „gehen“, TgN und Syr nur „betreten“. Also: „Wenn du wegen meinem Lohn &#039;&#039;vorbeikommst&#039;&#039;“).&amp;lt;br /&amp;gt;(3b) LXX (+ VL&amp;lt;sup&amp;gt;S&amp;lt;/sup&amp;gt;) löst nach (2a) auf, setzt die selben Konsonanten wie MT voraus, deutet aber als Fem.-Verb mit der „Gerechtigkeit“ als Subjekt: „weil sie (=meine Gerechtigkeit) mein Lohn vor dir sein wird“ (via „...[als] mein Lohn vor dich kommt“?). Das soll wahrscheinlich das selbe bedeuten wie die oben erwähnte Deutung von Hieronymus &amp;amp; Co: „Am fraglichen Tag wird meine Gerechtigkeit offen zutage treten, denn du kannst sie ja direkt am Resultat ablesen, das ich wider alle Wahrscheinlichkeit erarbeitet habe.“ Ebenso löst verständlicher Raschi auf, deutet aber anders: „Meine Gerechtigkeit wird vor dich kommen und für mich Zeugnis ablegen.“, nämlich insofern, als du beim Besehen meines Lohns keinen Betrug feststellen wirst. Diese Deutung Raschis war in der frühen Neuzeit recht beliebt.&amp;lt;br /&amp;gt;(3c) SamP, VL&amp;lt;sup&amp;gt;O&amp;lt;/sup&amp;gt; und VUL dagegen haben oder setzen nicht &#039;&#039;tabo`&#039;&#039; voraus, sondern &#039;&#039;jabo`&#039;&#039; („er = mein Lohn / der künftige Tag kommt“). SamP offenbar: „denn er (=der kommende Tag) naht dir wegen meinem Lohn (?)“. Ähnlich VUL: „wenn dir der Tag der Absprache naht“ (via „am künftigen Tag, wenn [dieser] dir wegen meinem Lohn naht“?). Runder VL&amp;lt;sup&amp;gt;O&amp;lt;/sup&amp;gt;: „am künftigen Tag, wenn mein Lohn vor dich kommen wird“. Ball 1896 hält dies &#039;&#039;jabo`&#039;&#039; für ursprünglich, nimmt aber zusätzlich an, statt &#039;&#039;´al&#039;&#039; („wegen, über“) habe ursprünglich &#039;&#039;kol&#039;&#039; („all“) gestanden: „wenn all mein Lohn vor dich kommt“. Das ist möglich, aber nur indirekt durch VL belegt, deren Übersetzung anders unmöglich wäre. Mit VL und VUL gemeint wäre schlicht: „&#039;&#039;Wenn der Zahltag naht&#039;&#039;, werde ich mich als gerecht erweisen“. SamP verstehe ich (S.W.) ohne Balls zusätzliche Emendierung nicht; mit ihr ließe sich übersetzen wie in VL.&amp;lt;br /&amp;gt;(3d) Eine Variante im TgN setzt am glattesten statt &#039;&#039;tabo`&#039;&#039; („du kommst“) &#039;&#039;`abo`&#039;&#039; („ich komme“) voraus: „wenn ich wegen meinem Lohn vor dich komme“. Wieder wäre schlicht vom Zahltag die Rede. Leider ist dies so schwach bezeugt, dass man es gewiss als spätere Vereinfachung werten müssen wird.&amp;lt;br /&amp;gt;(4a) Einige neuere Übersetzungen haben sich stark davon leiten lassen, dass &#039;&#039;b*jom&#039;&#039; im Heb. keinen Artikel hat, und übersetzen daher: „An &#039;&#039;irgendeinem&#039;&#039; Tag“: „&#039;&#039;Wann immer&#039;&#039; du meinen Lohn besehen wirst, werde ich mich darin als gerecht erweisen, dass keine weißen Schafe und einfarbigen Ziegen in meiner Herde sind“ (so z.B. Allioli, LUT 12, MEN, TEX, ZÜR 31; gute Parallele in [[2 Samuel 18#s20 |2 Sam 18,20]]). Aber das macht nicht viel Sinn; Jakob wird als Labans Hirte ja immer auch solche Tiere bei sich haben. Die Artikellosigkeit ist wahrscheinlich auch nicht bedeutsam; auch mit zeitlicher Näherbestimmung kann &#039;&#039;jom&#039;&#039; offenbar als Constructus und daher artikellos konstruiert werden. S. z.B. [[Numeri 7#s78 |Num 7,78]]; [[2 Chroniken 29#s17 |2 Chr 29,17]]; [[Nehemia 9#s1 |Neh 9,1]], was gewiss nicht heißt: „&#039;&#039;ein&#039;&#039; zwölfter / sechszehnter / vierundzwanzigster Tag“. Alternativ muss man davon ausgehen, dass die Vrs., die mit „morgen“ übersetzen (TgJ, VL, ähnlich TgN, Syr), von einer Vokalisierung mit Artikel ausgingen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Alles, was nicht gesprenkelt und gefleckt [ist] unter den Ziegen und schwarz (braun, ?) unter den Lämmern – [als] gestohlen [gelte] es bei mir!“&lt;br /&gt;
{{S|34}} Da sagte Laban: „Deal! (Siehe!)&amp;lt;ref&amp;gt;Prima vista &#039;&#039;Siehe!&#039;&#039;. Im späteren Hebräisch heißt &#039;&#039;hen&#039;&#039; aber auch „Ja!“. Jesu Ausspruch „Euer Ja sei ein Ja!“ in [[Matthäus 5#s37 |Mt 5,37]] z.B. ist in b.B.M. 49a ähnlich überliefert als „dein &#039;&#039;hen&#039;&#039; sei redlich und dein ‚Nein‘ sei redlich!“ (gut Rosenmüller 1821, S. 472; BrSynt §4).&amp;lt;/ref&amp;gt; Durchaus geschehe [es] (nach deinem Wort/deinen Worten=), wie du gesagt hast!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|35}} Dann sonderte er (an diesem=) am selben Tag die gestreiften und gefleckten Ziegenböcke und alle gesprenkelten und gefleckten Zicken – alles, was weiß an sich [hatte] –&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;alles, was weiß an sich hatte&#039;&#039; ist nach MT, SamP-MSs, TgJ.O.N, VUL abschließende Zusammenfassung der vorangehenden Aufzählung. LXX, Syr, TgC und einige SamP-MSs dagegen hatten offenbar einen Text mit zusätzlichem „und“ vorliegen, wonach „alles, was weiß an sich hatte“ ein drittes Glied in dieser Aufzählung wäre: „die gestreiften und gefleckten Ziegenböcke und alle gesprenkelten und gefleckten Zicken und alles was weiß an sich hatte und alles Schwarze unter den Lämmern.“ In VL schließlich fehlt merkwürdigerweise das ganze Glied – eine Vereinfachung, weil dies schon mit den beiden vorangehenden Gliedern gesagt wurde, oder ein (zu) schwaches Zeugnis für einen kürzeren Wortlaut? Am Sinn änderte es jedenfalls jeweils nicht viel.&amp;lt;/ref&amp;gt; und alles Schwarze (Braune, ?)&amp;lt;ref name=&amp;quot;schwarz&amp;quot; /&amp;gt; unter den Lämmern.&amp;lt;ref&amp;gt;Welche Tiere genau Laban aussondert, sollte man wahrscheinlich nicht zu genau nehmen (wie z.B. die alten jüdischen Ausleger es taten), à la: „Dann bleiben ja immer noch gesprenkelte Böcke, gestreifte Zicken und schwarze Mutterschafe übrig!“ Die genaue Auflistung soll wahrscheinlich vielmehr unterstreichen, wie weitreichend Laban aussondert: „gefleckt“ wird gleich doppelt genannt, mit „Böcken, Zicken und Lämmern“ wird über dieses „Vater, Mutter, Kind“-Schema jedes Alter und Geschlecht genannt; die Ziegen werden unnötig noch einmal durch „alles, was nur irgendetwas Weißes an sich hatte“ zusammengefasst und direkt aufeinander folgt „weiß“ und „schwarz“ als Quasi-Merismus.&amp;lt;br /&amp;gt;Mit diesem Vers setzen außerdem zwei Wortspiele ein: (1) „Laban“ heißt „der Weiße“; es ist daher vielsagend, dass Laban „alles, was weiß an sich hatte“ zu sich nimmt, obwohl dieser Ausdruck vorher noch nicht fiel. (2) „Jakob“ könnte auch „der Gestreifte“ heißen (s. zu [[Genesis 25#s26 |Gen 25,26]]). Dass Laban auch die „gestreiften“ Tiere entfernt, obwohl wieder auch von diesen Tieren zuvor gar nicht die Rede war, ist ebenso vielsagend: Laban entfernt nicht nur alles, was sein ist, sondern sogar explizit auch noch die „Jakobs-Tiere“ aus Jakobs Herde. Jakob wird sich gleich dafür rächen, indem er Äste „labant“ („so einschneidet, dass &#039;&#039;weißes&#039;&#039; Holz sichtbar wird“) und so nicht nur „Jakobs-Tiere“ züchtet, sondern auch Tiere „mit &#039;&#039;laban&#039;&#039;“, die &#039;&#039;ihm&#039;&#039; gehören werden: Jakob wird den Enteigner enteignen (ähnlich gut Park 2010).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;´aqudim&#039;&#039; („gestreift“) ist allerdings textkritisch nicht ganz sicher: LXX, VL, Syr und TgN übersetzen, als stünde wie im folgenden Glied &#039;&#039;nequdim&#039;&#039; („gesprenkelt“). MT wird aber v.a. gestützt durch Sym und TgO, die dem neuen Wort die seltsame Bed. „weißfüßig“ geben (so auch einige jüd. Ausleger). Danach ist die Variante von LXX &amp;amp; Co. sehr wahrscheinlich als versehentliche Assimilation zu werten.&amp;lt;/ref&amp;gt; Und er gab&#039;s in die Hand seiner Söhne&lt;br /&gt;
{{S|36}} und legte eine Weg[strecke] von drei Tagen zwischen sich (zwischen sie?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Die Alternative bezeugen LXX und SamP. Das ist runder als der Wortlaut von MT, da &#039;&#039;Laban&#039;&#039; laut dem vorangehenden Vers ja gar keine Tiere bei sich hat und daher keinen Abstand zu Jakob einhalten muss. Damit ist gleichzeitig wahrscheinlich, dass die Textvariante in LXX spätere Vereinfachung ist.&amp;lt;br /&amp;gt;Eine weitere Variante bezeugt Syr: „Er (=Jakob) legte eine Wegstrecke von drei Tagen zwischen sich und &#039;&#039;Laban&#039;&#039;“; klar ebenfalls eine nachträgliche Textänderung vermutlich aus dem Grund, dass der Rest des Verses von Jakob spricht und man wirklich annehmen darf, dass Laban zum „Einlegen“ dieser Distanz nicht selbst fortgezogen ist, sondern Jakob fortgeschickt hat.&amp;lt;/ref&amp;gt; und {zwischen} Jakob (Laban).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Jakob (Laban)&#039;&#039; - Die Variante steht nur in Syr. Man muss sie ernst nehmen: Dass in Vv. 35f. &#039;&#039;Laban&#039;&#039; und nicht Jakob handelt, muss erst aus diesem Wort erschlossen werden; die beiden Verse überraschen auch, nachdem Jakob in V. 32 gesagt hat, &#039;&#039;er&#039;&#039; werde durch die Herde gehen (s. die Anmerkungen). Auch literarisch erklärte die Syr-Variante einige Auffälligkeiten des Textes besser; allem voran diese: In [[Genesis 31#s20 |Gen 31,20]] „stiehlt Jakob das &#039;&#039;leb&#039;&#039; von Laban“ (sein „Herz“), hier nimmt jemand aus Labans Herde „alles, was &#039;&#039;laban&#039;&#039; an sich hat“ („weiß“ an sich hat) – beide Wortspiele passten noch besser zusammen, wenn auch hier &#039;&#039;Jakob&#039;&#039; dass &#039;&#039;Labane&#039;&#039; an sich nimmt, wie er auch im Folgenden &#039;&#039;Labanes&#039;&#039; für seine Herde produzieren wird (s.o.). Wäre die Variante etwas stärker bezeugt als nur durch Syr, würde man sie zweifellos für ursprünglich und den Text von MT für eine ideologische Korrektur halten, mit der Jakob vom Vorwurf freigemacht werden soll, er habe sich widerrechtlich auch die &#039;&#039;gestreiften&#039;&#039; Böcke und überhaupt „alles, was weiß an sich hatte“ angeeignet. Da die Variante aber eben nur durch Syr gestützt wird, halten alle Ausleger diese Variante für sekundär.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{Und} Jakob weidete das übrige Kleinvieh Labans.&lt;br /&gt;
{{S|37}} Dann nahm sich Jakob weißes Geäst: Storax (=Weiß-Baum; Pappel?) und Mandel und Platane (=Nackt-Baum).&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Baumarten 3.png|mini|Drei Baumarten in Gen 30,37. (c) 1: [https://identify.plantnet.org/ru/the-plant-list/species/Styrax%20officinalis%20L./data identify.plantnet.org], 2: [https://www.youtube.com/watch?v=fThjdPaX78Q Youtube: Arresha], 3: [https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/f/f4/Platanus_wrightii_bark.jpg/256px-Platanus_wrightii_bark.jpg Wikimedia]]]Die drei Baumarten entsprechen in ihrer Zahl den drei Mustern der Ziegen: gestreift, gefleckt und gesprenkelt. Warum gerade diese drei Bäume gewählt wurden, lässt sich auch einigermaßen erklären: Die Identität ist zwar nur beim Mandelbaum unumstritten (&#039;&#039;luz&#039;&#039;; so heißt die Mandel auch im Arabischen). Aber auch beim letzten Baumnamen &#039;&#039;´armon&#039;&#039;  (w. „Nackt-Baum“, nur noch in [[Ezechiel 31#s8 |Ez 31,8]]; [[Jesus Sirach 24#s14 |Sir 24,14]]) sind sich die meisten Pflanzenkundler einig, und warum sie so einheitlich mit LXX auf die Platane deuten (so z.B. Löw 1924, S. 65; Moldenke / Moldenke 1952, S. 180; Musselman 2012, S. 116), erklärt sich auch leicht: Wie auf dem Bild ganz rechts zu sehen ist, schält sich die Platane von selbst (daher „Nackt-Baum“), ist damit natürlich gescheckt und deshalb vielleicht auch besonders gut geeignet, um auf die beschriebene Weise gescheckte Tiere zu produzieren. Bei &#039;&#039;libneh&#039;&#039; (w. „Weiß-Baum“, sonst nur noch in [[Hosea 4#s13 |Hos 4,13]]) allerdings schwanken Pflanzenkundler zwischen „Pappel“ (so z.B. Löw 1924, S. 338f.; Moldenke / Moldenke 1952, S. 225; so LXX in Hos 4,13) und „Storaxbaum“ (so z.B. Rosenmüller 1830, S. 261; Zohary 1986, S. 118; so LXX hier). Stark für den Storaxbaum spricht aber, dass er auch im Arabischen u.a. &#039;&#039;livnah&#039;&#039; / &#039;&#039;luvnah&#039;&#039; heißt. Wie man auf dem Bild links sieht, gilt für ihn ähnliches wie für die Platane, wenn auch weniger stark ausgeprägt. Der Mandelbaum fällt dann aus dem Muster. Ist wirklich die Färbung Grund für die Wahl gerade dieser drei Bäume, wie dies Storaxbaum und Platane nahelegen, muss man bei den Mandel-„Ästen“ vielleicht an sehr dicke Äste denken: Charakteristisch für den Mandelbaum ist eine auffällige Färbung im &#039;&#039;Querschnitt&#039;&#039; des Holzes.&amp;lt;/ref&amp;gt; Er spalte in sie weiße Spalte (entrindete von ihnen Rinde?),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;er spaltete Spalte&#039;&#039; - Heb. &#039;&#039;paṣal&#039;&#039;, nur hier belegt. Im Aramäischen heißt das genaue Kognat „spalten“, im Syrischen „spalten, öffnen“, im Mittelhebräischen ebenfalls „spalten“. (Fast?) alle geben dem Wort dennoch die Bed. „schälen“, weil scheinbar alle alten Vrs. so übersetzen. Bei LXX und VUL ist das wirklich so; dort liegt dies aber daran, dass sie den Vorgang noch genauer ausfabulieren: Für beide hätte Jakob die Äste derart partiell geschält, dass die verbliebene Rinde Muster bildete, die den erwünschten Fellmustern der Tiere entspräche. Diese Tradition ist auch bei den jüd. Auslegern reich belegt. Syr und die Targumim dagegen sind weniger klar; alle übersetzen mit &#039;&#039;qalap&#039;&#039;, was man in Wörterbüchern ebenfalls als „abschälen“ listet. Dass das Wort diese Bedeutung &#039;&#039;auch&#039;&#039; haben kann, ist sicher, z.B. in b.Nid 17a. Gleichzeitig steht die selbe Wortform aber z.B. in [[Psalm 78#s47 |Ps 78,47]], wo das hebräische „er erschlug ihre Weinstöcke mit Hagel“ angeblich durch „er schälte ihre Weinstöcke mit Hagel“ übersetzt worden sein soll, oder in [[2 Könige 18#s16 |2 Kön 18,16]], wo das hebräische „er zerbrach den Torflügel“ angeblich mit „er schälte die Tore ab“ übersetzt worden sein soll (s. [https://cal.huc.edu/showlevy.php?page=2:366 Levy, ChW 366]). Beide Belegstellen machen sehr wahrscheinlich, dass auch dieses Wort im D-Stamm auch „zerschlagen, abschlagen“ bedeuten kann. Die Vrs. sind also kein so sicherer Wegweiser, wie es zunächst scheint.&amp;lt;br /&amp;gt;In Wörterbüchern rechtfertigt man die Bed. „schälen“ etymologisch mit Verweis auf arabisches &#039;&#039;BṢL&#039;&#039; II („Rinde abschälen“). Neuerdings verweist man außerdem gelegentlich auf ein ugaritisches &#039;&#039;pzl&#039;&#039;, bei dem man erstens erst noch zusätzlich annehmen muss, dass es nur Nebenform eines unbelegten &#039;&#039;pṣl&#039;&#039; sei, und zweitens, dass „dem Menschen wird seine Schwäche abgeschält“ ein sinnvoller Ausdruck sei, weil sein Ausspruch z.B. begleitet wäre vom Ritual, eine Zwiebel zu schälen (Bordreuil / Caquot 1980, S. 349; Saracino 1982, S. 341; Hamilton 1995). Das ist schwerlich eine ausreichend sichere Basis, um auf ihr die Deutung des heb. Wortes abstützen zu dürfen; angesichts der Existenz von arab. &#039;&#039;BṢL&#039;&#039; ist es außerdem eine ganz unnötige Annahme.&amp;lt;br /&amp;gt;Wägen wir dann zwischen „spalten“ und „Rinde abschälen“ ab, liegt auch unabhängig von diesem Ugaritistik-Vorschlag „spalten“ näher: Erstens läge statt der Präp. &#039;&#039;b-&#039;&#039; die Präp. &#039;&#039;m-&#039;&#039; näher, wenn gesagt werden sollte, dass „&#039;&#039;von&#039;&#039; den Ästen“ Rinde „abgerindet“ worden sei. Und zweitens ist in der Etymologie das Aramäische und Mittelhebräische doch indikativer für das Bibelhebräische als das Arabische (oder Ugaritische). Dass dies die bessere Option ist, ist also insgesamt fast sicher.&amp;lt;/ref&amp;gt; [derart] das Weiße freilegend, das an den Ästen [war].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|38}} Dann setzte (legte, stellte) er die Äste, die er gespalten hatte, in (an) die Tröge ([Wasser-]Läufe?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Nicht: &#039;&#039;Wasserläufe&#039;&#039;, was verwandt mit aram. &#039;&#039;rahaṭ&#039;&#039; („laufen“) wäre, sondern nach [[Exodus 2#s16 |Ex 2,16]] klar „Sammelbehälter“, verwandt mit arab. &#039;&#039;rahaṭa&#039;&#039; („gesammelt werden“, vgl. Nöldeke 1897, S. 187).&amp;lt;/ref&amp;gt; an den Tränkeplätzen des Wassers, zu denen (fürs Wasser-Trinken, wohin)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039; - Die Alternative nur in SamP, VL und VUL, wohl um das leicht redundante „in die Tröge an den Tränkeplätzen des Wassers“ zu glätten (richtig BHQ, Tröndle 2023, S. 167).&amp;lt;/ref&amp;gt; das Kleinvieh (üblicherweise) kam, um im Angesicht des Kleinviehs zu trinken (um zu trinken – [direkt] vor die Augen des Kleinviehs).&amp;lt;br /&amp;gt;{Und} Sie waren brünstig,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;brünstig werden&#039;&#039; ist im Heb. auffällig gebaut: mit maskulinem Prä- und femininem Suffix. Die Masoreten haben diese Stelle und [[1 Samuel 6#s12 |1 Sam 6,12]]; [[Daniel 8#s22 |Dan 8,22]] daher damit kommentiert, dass hier jeweils ein „androgyne Wortform“ stünde. Zur Form vgl. aber Mey II §63.4b: Obwohl es in unserem Kontext so scheinen könnte, ist sie insgesamt nicht bedeutsam. Zur Bed. d. Wortes und gegen das theoretisch ebenfalls passende „einander begatten“ vgl. Hieronymus, Hebraicae Quaestiones. „Werfen“, „gebären“, wie noch häufiger übersetzt wird, passt nicht mal vom Kontext her.&amp;lt;/ref&amp;gt; wenn sie zum Trinken kamen,&lt;br /&gt;
{{S|39}} (und=) ergo war das Kleinvieh brünstig (zu den Ästen=) auf die Äste hingewandt, und das Kleinvieh gebar [daher] Gestreiftes, Gesprenkeltes und Geflecktes.&amp;lt;ref&amp;gt;(1) Einer der frühesten klaren Beleg der „Kallipädie“-Vorstellung, also des Glaubens daran, das Aussehen eines Nachkommen werde bestimmt von dem, was seine Mutter im Moment der Empfängnis und/oder kurz danach vor Augen / im Kopf hat. Entweder funktioniert Jakobs Technik so, dass die Äste &#039;&#039;ins&#039;&#039; Wasser gelegt werden, so dass sich im Wasser das Spiegelbild der dunklen Ziegen und die gescheckten und gestreiften Äste zu gescheckten und gestreiften Ziegen überlagern. Oder – wahrscheinlicher wegen der Formulierung „angesichts der Herde“ – sie funktioniert so, dass die Äste derart &#039;&#039;an&#039;&#039; die Wasserläufe gestellt werden, dass sie als Sichtschutz den Blick der sonst „angesichts der Herde trinkenden“ Tiere auf diese Herde versperren, so dass ihnen in ihrer Erregung statt dunklem Vieh geschecktes Geäst vor Augen ist (so LXX, VUL: „angesichts der Äste“). Oder man verbindet beides wie Syr: „in die Tröge, zu denen das Kleinvieh üblicherweise kam, um &#039;&#039;einander gegenüber&#039;&#039; zu trinken“. Ähnlich Westermann 1981; Boecker 1992 und Krauss / Küchler 2004, die „angesichts des Kleinviehs“ nicht vom „Trinken“ abhängen lassen, sondern vom „in-die-Tröge-Legen“ (s. die Alternativübersetzung). Am ehesten hat wirklich Syr das „angesichts der Herde“ richtig verstanden. So und so wäre es dann jeweils die Tatsache, dass sie ein geschecktes Bild vor Augen haben, die dazü führte, dass die Ziegen farbige Nachkommen zeugen und empfangen.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Parallelen&#039;&#039;&#039;: Noegel 1997, S. 9 wendet ein, diese Vorstellung sei das erste Mal im 5. Jhd. n. Chr. belegt, aber das ist nicht wahr. Aristoteles schreibt schon im 4. Jhd. v. Chr., tierische Nachkommen ähnelten ihren Eltern mehr als menschliche Nachkommen, da Menschen „im Moment der Zeugung Unterschiedlicheres durch den Kopf geht als Tieren“ (Problemata 10.10), und Aetius zitiert Empedokles (5. Jhd. v. Chr.), der das selbe Phänomen damit erklärt, „&#039;&#039;[dass] Embryos durch die Einbildungskraft der Frau zur Zeit ihrer Empfängnis geformt werden. Denn häufig verlieben sich Frauen in Statuen von Männern und in Bilder und bringen dann Nachwuchs hervor, das diesen ähnelt&#039;&#039;“ (Doxographi Graeci 5.12.2; Üs. nach Doninger / Spinner 1998, S. 100). Ihren ausführlichsten antiken Ausdruck findet diese Vorstellung in der Gynäkologie des Soranus von Ephesus, der im 4. Jhd. n. Chr. schreibt: „&#039;&#039;Wunderbarerweise hat auch der Zustand der Seele Einfluss auf die Gestaltung des Empfangenen. So wurden solche, die im Augenblicke des Coitus Affen sahen, mit affenähnlichen Wesen schwanger. Ein missgestalteter Herrscher von Kypros zwang seine Gattin während des Coitus auf sehr schöne Statuen zu blicken und erzeugte so schön gestaltete Kinder. Die Pferdezüchter stellen beim Bespringen vor die Stuten edle Tiere [!].&#039;&#039;“ (§39, Üs. [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN543073386?tify=%7B%22pages%22%3A%5B39%5D%2C%22pan%22%3A%7B%22x%22%3A0.454%2C%22y%22%3A0.359%7D%2C%22view%22%3A%22info%22%2C%22zoom%22%3A1.102%7D Lüneburg]). Stol 2000, S. 156 glaubt, diese Vorstellung lasse sich sogar schon in babylonischen Texten nachweisen, und zitiert u.a. den folgenden Text, bei dem dies wirklich wahrscheinlich ist: „&#039;&#039;Die Frau eines Mannes wurde von einem anderen schwanger und wird fortwährend zu Ischtar beten und dabei die ganze Zeit auf ihren Mann blicken: ‚Ich werde das, was in meinem Leib ist, aussehen lassen wie meinen Ehemann!‘&#039;&#039;“ (BRM 4 12:36f.). Sehr viele weitere Belegstellen findet man bei [https://books.google.de/books?id=T2yFHAAACAAJ&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA1 Preuß 1892].&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Alternative?&#039;&#039;&#039;: (2) Einigen neueren Auslegern ist es offenbar unangenehm, dass sich solcher Aberglaube auch in der Bibel finden soll, und erklären die Szene daher stattdessen mit moderner Biologie: Die Schwärze schwarzer Schafe und die Färbung farbiger Ziegen seien rezessive Erbanlagen, die auch in äußerlich weißen Schafen und schwarzen Ziegen angelegt sein können. So sei „wirklich“ zu erklären, wie die gefärbten Tiere geboren wurden, und Jakobs „Ast-Aktion“ sei nur ein Täuschungsmanöver gewesen, mit dem Jakob vor Laban verbergen wollte, dass er tatsächlich raffinierte Zuchtmethoden anwandte (z.B. Etkin 1965; Feliks 1997; Alter 1996, S. 165). Was damit gewonnen sein soll, verstehe ich (S.W.) nicht: auch dann würde die Erzählung ja die Kallipädie-Vorstellung voraussetzen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|40}} Die Lämmer wiederum separierte Jakob, und machte, [dass] in der Herde Labans die Gesichter des Kleinviehs (zu=) hingewandt auf das Gestreifte und alles Schwarze (Braune, ?)&amp;lt;ref name=&amp;quot;schwarz&amp;quot; /&amp;gt; war.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Trick mit den Ziegen wird variiert mit den Lämmern wiederholt: In Ermangelung schwarzer Schafe sorgt Jakob dafür, dass die weißen Schafe in der Herde Labans in ihrer Brunst Gestreiftes und Schwarzes – nämlich Jakobs Ziegen und Labans Ziegen – vor Augen haben, so dass auch Labans Schafe gestreifte und schwarze Junge für Jakob gebären.&amp;lt;br /&amp;gt;„in der Herde Labans“ nehme ich mit Rosenmüller 1821 und Baumgarten 1843 als Ortsangabe des Verbs („er tat das in der Herde Labans“), nicht als Spezifikation von „das Gestreifte und alles Schwarze (in der Herde Labans)“, da „das Gestreifte“ ja &#039;&#039;Jakob&#039;&#039; gehört.&amp;lt;br /&amp;gt;Möglich vielleicht auch: „Er machte, dass (die Gesichter=) die Besten des Kleinviehs auf das Gestreifte und alles Schwarze hingewandt war“ (so nach Ehrlich 1908, S. 151f.). Aber dieser Sprachgebrauch „Gesicht“ = „Bestes“ ist sonst unbelegt.&amp;lt;br /&amp;gt;Möglich vielleicht außerdem: „Er machte, dass an den (Gesichtern=) besten Positionen der Herde das Gestreifte und alles Schwarze war“ (so Fokkelman 1975 nach TgJ; TgO; Syr). Dito, und wie dies mit der Präp. &#039;&#039;`el&#039;&#039; zusammenstimmen soll, verstehe ich (S.W.) nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; So stellte er sich eigene Herden auf und stellte sie nicht zum Kleinvieh Labans hinzu.&lt;br /&gt;
{{S|41}} Und {so sollte es geschehen} die ganze Brunst (die ganze Zeit der Brunst)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: LXX, TgJ, TgO und Syr-MSS wie in der Alternative, indem sie nach „ganz“ ein zusätzliches &#039;&#039;`et&#039;&#039; („Zeit“) voraussetzen wie ähnlich in in [[Genesis 31#s10 |Gen 31,10]]. Wohl nicht auch VUL (so BHQ, Wevers 1993, S. 494): In „als zur ersten Zeit die Schafe bestiegen wurden“ ist dies „zur ersten Zeit“ mindestens mit-beeinflusst von der Rede vom Brünstig-werden der „gebundenen=starken Schafe“; s. nächste FN. Die längere Textvariante mit &#039;&#039;´et&#039;&#039; jedenfalls halten z.B. Ball 1896, BHK, BHS und z.B. Seebass 1999 und Ruppert 2005 für ursprünglich, aber weit wahrscheinlicher wurde hier der ungewöhnliche Ausdruck an den gebräuchlicheren in Gen 31,10 angeglichen.&amp;lt;/ref&amp;gt; des starken (gebundenen)&amp;lt;ref name=&amp;quot;stark&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;(gebunden=) stark&#039;&#039; (V. 41) vs. &#039;&#039;schwach sein (bedeckt sein, verschmachten)&#039;&#039; (V. 42) - W. &#039;&#039;gebunden&#039;&#039; vs. &#039;&#039;bedeckt&#039;&#039; / &#039;&#039;verschmachtend&#039;&#039;. Heute wird das erste Wort fast einheitlich nach dem Arabischen erklärt und so als „stark“ gedeutet und sodann das zweite in der Bed. umgebogen von „verschmachtend“ zu „schwächlich“. Dem sollte sich die LF anschließen. Sehr gut zu rechtfertigen ist aber v.a. die Deutung des zweiten Wortes nicht (richtig Rav Hirsch: Es „bezeichnet immer zeitlich eingetretene Schwächezustände, nicht aber eine konstitutionelle Schwäche“). Ich (S.W.) möchte daher als Alternative vorschlagen: „Die im Frühling brünstigen Schafe“, die zu dieser Zeit zum Scheren „angebunden“ und daher als „die Gebundenen“ bezeichnet wurden, vs. „die Schafe zur Zeit der Herbst-Brunst“, die zu dieser Zeit „die Bedeckten“ genannt wurden, weil ihnen ab da das Winterfell zu wachsen begann (letzteres schon im Machberet Menachem und bei Raschi). Der Wurf der Ersteren wäre besser als der Wurf der Letzteren, weil Herbstlämmer besseres Futter fanden als Frühlingslämmer. Vgl. Plinius, Naturalis historia viii 72: „&#039;&#039;[Bei Schafen] geht die Zeit der Paarung vom [13. Mai] bis zum [23. Juli]. Die Tragezeit beträgt 150 Tage. Lämmer, die vor dieser Zeit gezeugt werden, sind schwächlich. Die Alten nannten die, die danach [= nach dem 23. Juli] geboren wurden [also im wünschenswerten Zeitraum gezeugt wurden], &#039;&#039;cordi&#039;&#039; [=Gebundene]. Viele ziehen wintergeborene Lämmer den frühlingsgeborenen vor ... Es gibt zwei Hauptarten von Schafen: &#039;&#039;tectum&#039;&#039; [=(von Wolle) bedeckt] und &#039;&#039;colonicum&#039;&#039; [=„Zuchtschaf“? W. „Ackerbau-Schaf“]. Ersteres ist weicher, letzteres delikater, weil es [wegen der Schur selbst von Disteln gequält wird].&#039;&#039;“ (letzte Klammer Konjektur nach Rackham 1940, S. 132. Zu den schwächeren Spätgeborenen vgl. auch Columella, De re rustica vii 3; Varro, De re rustica ii 2.13f.; bei allen dreien auch die genannte Begründung mit dem Futter). So deuteten mit anderen Erklärungen der Wörter auch fast alle Alten, s.u. Ähnlich noch LUT 12: „Wenn aber der Lauf der Frühling-Herde war, legte er die Stäbe [hinein...], aber in der Spätlinge Lauf legte er sie nicht hinein.“. Ähnlich auch Wellhausen 1899, S. 40, der aber &#039;&#039;jaḥam&#039;&#039; falsch mit „werfen“ statt „brünstig sein“ übersetzt: „Immer, wenn die Schafe, die Frühlingslämmer warfen, besprungen wurden ..., wenn sie aber Spätlinge warfen... Und so bekam Laban alle Herbstlämmer und Jakob alle Frühlingslämmer“.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Genauer&#039;&#039;&#039;: Vv. 41.42 kontrastieren zwei Tier-„Klassen“, nämlich &#039;&#039;maquššarot&#039;&#039; in V. 41 und &#039;&#039;´aṭupim&#039;&#039; in V. 42. Beide Klassen stehen im Gegensatz zueinander, was dadurch noch unterstrichen wird, dass die erste in V. 41 mit einem femininen Wort bezeichnet wird, die zweite in V. 42 mit einem maskulinen. &#039;&#039;´aṭap&#039;&#039; heißt w. „sich bedecken, kleiden, verstecken“ ([[Ijob 23#s9 |Ijob 23,9]]; [[Psalm 65#s14 |Ps 65,14]]; [[Psalm 73#s6 |73,6]]; [[Jesus Sirach 11#s4 |Sir 11,4]]) und danach häufiger übertragen „verschmachten, traurig sein“ (ähnlich im Arab.: &#039;&#039;ġašiya&#039;&#039; „bedecken“ – &#039;&#039;ġušiya&#039;&#039; „ohnmächtig werden“), sonst aber nie: „schwächlich sein“. Und &#039;&#039;qašar&#039;&#039; heißt häufig „binden, verbinden, verbünden“; bei Tieren auch „anbinden“ ([[Ijob 39#s10 |Ijob 39,10]]; [[Ijob 40#s20 |40,29]]). Beide Worte treffen sich übrigens darin, dass sie von Schmuck oder prächtiger Kleidung gesagt werden können, mit denen man sich „bedeckt“ ([[Psalm 73#s6 |Ps 73,6]]) oder die man sich „umbindet“ ([[Jesaja 49#s18 |Jes 49,18]]), aber das scheint hier nicht bedeutsam zu sein. Es klingt also so, als würden hier die „(an)gebundenen“ Tiere in V. 41 mit den „bedeckten“ oder „verschmachtenden“ Tieren in V. 42 konstrastiert werden.&amp;lt;br /&amp;gt;Die Alten erklären fast sämtlich grob als „die frühen“ vs. „die späten“ Tiere (Sym exakt so: „die Frühen“ vs. „die Späten“), nämlich entweder genauer (1) als „einander früh vs. spät begattend“ (VUL, wahrscheinlich Raschbam, ähnlich Raschi: „die Schafe, die sich miteinander &#039;&#039;verbündeten&#039;&#039;, um früh gebären zu können“) oder (2) „früh vs. spät geboren“ (Syr, alle Targumim, Radak, ibn Ezra). Vgl. auch im Midrasch: „&#039;&#039;Rabbi Jochanan (2./3. Jhd.) sagte: ‚Die frühgeworfenen Schafe gehörten dem Laban.‘ Resch Lakisch (3. Jhd.) dagegen sagte: ‚Die spätgeworfenen Schafe gehörten dem Laban.‘&#039;&#039;“ Die Logik hinter (2) war bei manchen wahrscheinlich auch die Annahme, dass man regulär Erstgeburten markierte, indem man ihnen eine Schnur umband (s. [[Genesis 38#s28 |Gen 38,28]]); so erklärt nämlich explizit der anonyme Kommentator in Daat Zekenim („Auslegung der Alten“, 12./13. Jhd.) und Aq kontrastiert „die &#039;&#039;Gebundenen&#039;&#039;“ mit „den Spätgeborenen“. Danach hätte sich die Deutung der &#039;&#039;´aṭupim&#039;&#039; als „Spätgeborene“ von selbst ergeben; jedenfalls gibt es für dieses Wort bei den Alten keine ähnliche Erklärung wie beim ersten Wort, warum es die „späten“ Schafe bezeichnen soll. Hieronymus allerdings erläutert, dass „der &#039;&#039;Frühlingswurf&#039;&#039; der Bessere“ war, wonach sich „Frühgeboren“ vs. „Spätgeboren“ auf die beiden Wurf-Zeiten von Schafen im Jahreslauf bezöge (Schafe tragen durchschnittlich fünf Monate und können daher zweimal pro Jahr werfen). Danach müssen wir bei den Alten eigentlich anders differenzieren: (1&#039;) Erstgeburt vs. Nachgeburten, (2&#039;) Frühlingsschafe vs. Herbstschafe, wobei sich hier bei den Alten dann ebenfalls nicht herauslesen lässt, wie sie zu dieser Deutung kamen. Daneben als Sondermeinungen: (3) LXX: „schwanger“ vs. „gebärend“, was schwerlich Sinn macht (so schon Hieronymus). (4) Ramban: „gebunden“ = „einander verbunden“: Tiere, die feste Partner hatten. (5) Midrasch Lekach Tob: „verbündet“ = „diejenigen, die stark genug waren, sich zusammenzurotten“ vs. verschmachtend und daher schwach.&amp;lt;br /&amp;gt;Die meisten Autoren der frühen Neuzeit deuten als „Frühlings- und Herbstschafe“, erklären dann aber die ersteren als „anzubindende = starke Schafe“ (z.B. Franziskus Vatablus, Jakob Bonfrère, Jean de La Haye). [https://books.google.de/books?id=NjxBAAAAcAAJ&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA100 Schultens 1769, S. 100-103] und [https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/freimann/content/pageview/557558 Michaelis 1792b, S. 708f.] haben dies schließlich vereinfacht durch Verweis auf das Arabische, wo manche Worte mit der Grundbedeutung „binden“ auch „stark sein“ bedeuten, und seither steht in Kommentaren regelmäßig ohne weitere Erläuterung „die Starken“ vs. „die Schwachen“ (übrigens gibt es auch im Deutschen ähnliche Wort-Parallelen: „sehnig“ = „kräftig“; ähnlich sprechen wir von „Muskel-&#039;&#039;Strängen&#039;&#039;“). Das erste Wort ließe sich mit den arabischen Parallelen wirklich gut erklären, beim zweiten allerdings ist die Umdeutung von „verschmachtend“ zu „von schwächlicher Konstitution“ aber weniger gut zu rechtfertigen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Kleinviehs setzte (stellte, legte)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Weqatal, nicht Waw-Qatal (wie z.B. WHM analysiert); Waw-Qatal machte nach &#039;&#039;wehajah&#039;&#039; schwerlich Sinn. Das Yiqtol in SamP und Syr ist dafür nur eine Ausdrucksvariante (ähnlich häufiger in SamP), nicht „Assimilation an V. 42“ (BHQ).&amp;lt;/ref&amp;gt; Jakob die Äste vor die Augen des Kleinviehs in (an) die Tröge, so dass es bei den Ästen brünstig wurde.&lt;br /&gt;
{{S|42}} Wenn aber schwach war (bedeckt war, verschmachtete)&amp;lt;ref name=&amp;quot;stark&amp;quot; /&amp;gt; das Kleinvieh, setzte (stellte, legte) [er sie] nicht [hinein]. So wurden die schwachen (bedeckten, verschmachtenden)&amp;lt;ref name=&amp;quot;stark&amp;quot; /&amp;gt; Labans [Tiere] und die starken (gebundenen)&amp;lt;ref name=&amp;quot;stark&amp;quot; /&amp;gt; Jakobs [Tiere].&lt;br /&gt;
{{S|43}} (Der Mann breitete sich sehr, sehr aus=) So breitete sich sein Besitz sehr, sehr aus; (ihm wurden=) er gewann viel Kleinvieh und Mägde und Knechte und Kamele&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Kamele&#039;&#039; müssen kein Anachronismus sein, wie man auch in aktuellen Kommentaren noch häufig lesen kann: Der frühste klare Beleg für das domestizierte Kamel stammt aus dem 18. Jhd. v. Chr. aus Alalakh (Syrien; vgl. Bulliet 1975, S. 64). Das ließe sich selbst mit der biblischen Chronologie vereinbaren, nach der Jakob etwa in diesem Zeitraum gelebt hätte.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Esel. {{par|Genesis|12|16}} {{par|Genesis|24|35}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entweder ist für Jakob die Geburt seines jüngsten Sohnes von seiner Lieblingsfrau in &#039;&#039;&#039;V. 25&#039;&#039;&#039; das Signal, dass es nun endlich Zeit ist, aufzubrechen, oder der Vers sagt, dass durch glückliche / göttliche Fügung die langersehnte Geburt von Rahels Kind mit dem Ende des vierzehnjährigen Dienstens Jakobs bei Laban zusammenfällt. So und so: Endlich scheint die Zeit zur Rückkehr gekommen zu sein. Zwei Dinge stehen dem aber noch entgegen: Rechtliche Schwierigkeiten und Jakobs Armut. Beide Schwierigkeiten werden im Folgenden behoben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vv. 26-43&#039;&#039;&#039; schildern daher die letzten Jahre Jakobs bei Laban und genauer, wie Jakob bei Laban neben reicher Nachkommenschaft auch großen Reichtum erlangt. Der Abschnitt gliedert sich grob in eine Lohnverhandlung in Vv. 26-34, bei der auch besagte rechtliche Schwierigkeiten thematisiert werden, in einen ersten Vertragsbruch Labans in Vv. 35f. und in den Bericht über den Erfolg Jakobs als Viehzüchter in Vv. 35-43. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vv. 26-31b&#039;&#039;&#039; sind kunstvoll gebaut (das Folgende in Anlehnung an Tröndle 2023, S. 169): Die Lohnverhandlung wird dominiert von einem doppelten Verweis auf Jakobs Dienst, der Laban reich gemacht hat (Vv. 26b.29) und einem Verweis auf Gottes Segen, der auf Jakob liegt (Vv. 27.30). Um diese Vv. 26b-27 und 29-30 herum und dazwischen findet die Verhandlung darüber statt, was Laban Jakob „geben“ soll:&lt;br /&gt;
* V. 26a: „&#039;&#039;Gib&#039;&#039; mir meine Frauen und meine Kinder!“&lt;br /&gt;
* Vv. 26b-27: Jakobs Dienst und Gottes Segen&lt;br /&gt;
* V. 28: „Bestimme den Lohn, den ich zu zahlen habe, und ich werde ihn &#039;&#039;geben&#039;&#039;“&lt;br /&gt;
* Vv. 29-30: Jakobs Dienst und Gottes Segen&lt;br /&gt;
* V. 31: „Was soll ich dir &#039;&#039;geben&#039;&#039;?“ – „Du musst mir gar nichts &#039;&#039;geben&#039;&#039;, wenn...“,&lt;br /&gt;
woran sich in Vv. 31b-34 die Absprache des Deals anschließt, den Jakob und Laban schließlich machen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auf den ersten Blick wirkt die Verhandlung damit recht einfach. Tatsächlich werden in ihrem Zuge aber mehrere komplexere rechtliche Streitfragen verhandelt:&amp;lt;br /&amp;gt;Nach &#039;&#039;&#039;V. 26&#039;&#039;&#039; stehen dem Fortgang von Jakobs Familie nicht nur seine Armut entgegen, sondern auch ein rechtliches Hindernis: Annehmen kann man anscheinend eine Situation, wie sie in [[Exodus 21#s2 |Ex 21,2-6]] beschrieben wird: Hat ein Dienstherr seinem „Diener“ binnen der sieben Jahre, die dieser bei ihm diente, eine Frau gegeben und hat diese Frau Kinder bekommen, sind de jure Frau und Kinder Eigentum des Dienstherrn und dieser kann sie nach gusto einfach einbehalten. Laban jedenfalls wird dies in [[Genesis 31#43 |Gen 31,43]] voraussetzen, auch Jakob selbst rechnet in [[Genesis 31#s31 |Gen 31,31]] damit, und dies ist gewiss auch der Grund, warum Jakob hier erst die Herausgabe seiner Familie fordern muss. Jakob betont daher, dass er seine Frauen nicht einfach „erhalten“ hat, sondern dass er sie sich mit seinem Dienst &#039;&#039;verdient&#039;&#039; hat („du, du weißt ja um meinen Dienst“; vgl. Taschner 2000, S. 98f.). In der Version im Jubiläenbuch ist das noch stärker formuliert: „&#039;&#039;Gib mir meine Frauen und meine Kinder..., denn ich habe die Jahre vollendet, während denen ich bei dir gedient habe im Austausch für deine zwei Töchter!&#039;&#039;“ (Jub 28,25). Gleichzeitig betont er in der biblischen Version mit der dreifachen Rede von seinem „Dienen“ doch auch das &#039;&#039;Dienst&#039;&#039;-Verhältnis, in dem er stand. Wahrscheinlich tut er dies, um seinerseits auf rechtliche Regelungen wie die in [[Deuteronomium 15#s13 |Dtn 15,13f.]] anzuspielen (vgl. [[Genesis 31#s42 |Gen 31,42]] mit [[Deuteronomium 15#s13 |Dtn 15,13]]), wonach ein Dienstherr, bei dem ein Diener gedient hat, diesen nicht mit leeren Händen entlassen darf, sondern ihm sozusagen als Startkapital mit Tieren und Saatgut auszustatten hat (so gut Sarna 2001; Waltke/Fredricks 2001).&amp;lt;br /&amp;gt;Laban wiederum scheint das aber bewusst zu überhören. Überaus höflich hebt er in &#039;&#039;&#039;V. 27&#039;&#039;&#039; zu einer Antwort an, um Jakob in &#039;&#039;&#039;V. 28&#039;&#039;&#039; vorgeblich gar einen Blankoscheck auszustellen – aber einen Blankoscheck über Jakobs &#039;&#039;Lohn&#039;&#039;: Dass er ihn mit Geschenken nach Hause schickt, steht außer Frage; will Jakob nicht mit leeren Händen zurückkehren, muss er sich seine Habe schon selbst als Lohnknecht verdienen.&amp;lt;br /&amp;gt;Jakobs Worte in &#039;&#039;&#039;V 29&#039;&#039;&#039; sind danach wohl nicht nur höfliche Floskeln bei einer Verhandlung, sondern durchaus entnervter Vorwurf (gut Cotter 2003): „Du, du weißt ja darum, wie ich dir gedient habe und darum, was mit deinem Vieh bei mir geschah!“, d.h.: Ich habe dich &#039;&#039;reich&#039;&#039; gemacht! Und nun sollte ich dennoch noch weiter für &#039;&#039;dich&#039;&#039; arbeiten? Nein: Wenn du schon so spielen willst, dann will ich dabei immerhin gleichzeitig etwas ausschließlich für &#039;&#039;meinen&#039;&#039; Haushalt tun können (&#039;&#039;&#039;V. 30&#039;&#039;&#039;; gut Goldingay 2020). Jakob fordert also, wie Miller 1993b, S. 33f. und Arnold 2009 richtig gesehen haben, nun immerhin in einem anderen Verhältnis zu Laban weiterarbeiten zu können: Nicht mehr als Diener, sondern als &#039;&#039;Partner&#039;&#039;, der endlich auch einmal Gewinn für seinen eigenen Haushalt erwirtschaften kann.&amp;lt;br /&amp;gt;Darauf wird Laban sich gleich auch einlassen, und es sind diese Verhandlungserfolge, die durch die Progression „Gib meine Frauen und Kinder!“ – „Bestimme den Lohn, den ich zu zahlen habe, und ich werde ihn geben.“ – „Was soll ich dir geben?“ markiert wird: Jakob wird erstens seine Frauen und Kinder erhalten, er wird zweitens noch zusätzlichen Lohn erhalten, und er wird sich diesen drittens nicht als Lohnknecht, sondern als Labans Partner verdienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was genau im folgenden Deal abgesprochen wird und was danach geschieht, ist leider nicht sehr gut verständlich. Klar ist, dass Jakob in &#039;&#039;&#039;V. 31c-33&#039;&#039;&#039; „besonders gefärbte“ Tiere als seinen Lohn einfordert (nicht: „abnorm gefärbt“, s. gleich). Klar ist auch, dass Laban in &#039;&#039;&#039;V. 34&#039;&#039;&#039; sofort auf diesen Deal eingeht, aber nach &#039;&#039;&#039;Vv. 35f.&#039;&#039;&#039; schon am selben Tag das erste Mal wortbrüchig wird, indem entgegen der Absprache &#039;&#039;er&#039;&#039; durch die Herden geht, Jakob um alle oder viele der gefärbten Tiere raubt, diese entführt und den Herden, die er und seine Söhne hüten, zuschlägt (gut Taschner 2000, S. 99f.). Stark Chizkuni: „&#039;&#039;Laban begann sofort mit seinen Vertragsbrüchen, indem er alle Tiere entfernte, die nach allgemeiner Annahme wahrscheinlich Junge [mit den entsprechenden Färbungen] zeugen oder gebären würden. Dieser Vertragsbruch zwang Jakob, einen anderen Weg zu finden...&#039;&#039;“ Dieser andere Weg, auch das ist klar, ist es nach &#039;&#039;&#039;Vv. 37-42&#039;&#039;&#039;, kreative, nach antiker Ansicht aber sinnvolle Zuchtmethoden anzuwenden. Mit diesen steigert er einerseits seinen Anteil in dieser Partnerschaft Tier um Tier, andererseits – zum Teil gewiss auch aus Rache für das in Vv. 35f. Erzählte (gut Galambush 2018) – mindert und schwächt er mit ihnen Labans Anteil immer weiter, bis Labans Söhne in Gen 31,1 ihm gar darob zürnen können, dass er „sich alles einverleibt, was unserem Vater gehörte, und sich von dem, was unserem Vater gehörte, Reichtum verschafft“.&amp;lt;br /&amp;gt;Mit dieser Bewertung haben Labans Söhne wohl Recht. Auch Hosea wird später Jakobs Handeln in diesen letzten Versen harsch verurteilen: „&#039;&#039;Er ist ein Abzocker mit gezinkter Waage in der Hand; er liebt&#039;s zu übervorteilen!&#039;&#039;“ ([[Hosea 12#s8 |Hos 12,8]]). Gut daher Turner 2000b, S. 135: „&#039;&#039;Jakobs Zuchtverhalten mag den Buchstaben ihres Vertrags entsprochen haben, seinem Geist aber gewiss nicht.&#039;&#039;“ Im Codex Hammurapi wäre sein Handeln sogar klar als Rechtsbruch zu gewertet worden: „&#039;&#039;Wenn ein Hirt, dem Rinder oder Kleinvieh zum WEiden gegeben sind, nachdem er zu seiner Zufriedenheit seinen Lohn erhalten hat, die Rinder verringert, das Kleinvieh verringert und den Nachwuchs weniger werden lässt, so soll er seinen vertraglichen Abmachungen entsprechend Nachwuchs und Ertrag abgeben.&#039;&#039;“ (§264, Üs.: TUAT I 73)&amp;lt;br /&amp;gt;So wird hier am Ende also Unrecht mit Unrecht ausgeglichen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Unklar ist aber zweierlei: Erstens klingt das Ende von V. 31 so, als sollten nur &#039;&#039;diejenigen&#039;&#039; besonders gefärbten Tiere Jakobs Lohn sein, die es &#039;&#039;zum Zeitpunkt der Absprache&#039;&#039; in Labans Herde gibt („&#039;&#039;[es]&#039;&#039; = das eben genannte Auszusondernde sei mein Lohn“). Das machte es umso verwerflicher, wie Laban in Vv. 35f. handelt. Dagegen steht aber die Logik der Erzählung von Gen 30,37-31,2, die klar voraussetzt, dass auch die ab Absprache geborenen besonders gefärbten Tiere Jakob gehören, und der Vers [[Genesis 31#s18 |Gen 31,18]], der explizit erklärt, dass es sich wirklich so verhält. Warum dann aber die Formulierung in V. 31?&amp;lt;br /&amp;gt;Noch weiter verkompliziert wird die Sachlage dadurch, dass zum einen [[Genesis 31#s7 |Gen 31,7f.41]] auf einmal von noch weiteren Absprachen zwischen Jakob und Laban sprechen werden, und dass zum anderen Laban in [[Genesis 31#s43 |Gen 31,43]] erklären wird, die Herde, die Jakob bei sich hat, gehöre &#039;&#039;ihm&#039;&#039;. Wahrscheinlich sind diese Spannungen teilweise auch mit unterschiedlichen Autoren zu erklären (s. zum nächsten Kapitel). Wollen wir aber beide Kapitel als kohärente Erzählung lesen, müssen wir entweder davon ausgehen, dass „und mein Lohn sei&#039;s“ ohne Parallelen etwas wie „&#039;&#039;dieses und solches&#039;&#039; sei mein Lohn“ bedeutet und dass Laban in Gen 31,43 die Unwahrheit spricht, oder davon, dass Jakob ungeschickterweise unpräzise gesprochen hat und dass Laban dies erstens sogleich ausnutzt, indem er doch ganz gemäß dieser so formulierten Absprache die Tiere aus Jakobs Herde entfernt, mit denen Jakob eigentlich gerechnet hat, und danach zweitens wirklich nicht zu Unrecht behaupten kann, die Tiere, die Jakob bei sich habe, gehörten ihm (V. 34: „Es geschehe nach deinem Wort“ = „Genau so, wie du es gesagt hast, soll&#039;s geschehen!“). Ich (S.W.) präferiere diese zweite Deutung.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Farbige Tiere.png|mini|Gepunktete und gestreifte Ziegen, schwarzes Schaf. (c) 1: [https://www.britishmuseum.org/collection/object/Y_EA10016-1 BM EA10016,1]; 2: Ryder 1983; 3: [https://ka.wikipedia.org/wiki/%E1%83%A4%E1%83%90%E1%83%98%E1%83%9A%E1%83%98:Animals_ram_mummy.jpg Wikimedia]]]&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es ist zweitens gar nicht klar, ob Jakob in Vv. 31b-33 eigentlich einen außergewöhnlich geringen Anteil fordert, weshalb Laban denn auch sofort einschlägt, oder einen außergewöhnlich großen. Am fraglichsten ist dies bei den Schafen: Jakob fordert entweder die „braunen“ oder die „schwarzen“ Schafe (s. zum Wort in V. 19). Beide waren im Alten Israel aber mitnichten selten: &#039;&#039;&#039;Schwarze Schafe&#039;&#039;&#039; waren zu Jakobs Zeit keine „Freaks of Nature“, die nur durch Zufall geboren wurden, sondern eine eigene Rasse: In babylonischen Texten unterschied man hauptsächlich zwischen sumerischen Schafen, Fettschwanzschafen, Bergschafen und eben „Schwarz-Schafen“. Diese Rassen wurden auch wirklich teilweise in unterschiedlichen Herden gehütet, weil auch an bestimmten Tempeln, bestimmten Göttern oder zu bestimmten Ritualen nur bestimmte Schafrassen geopfert wurden (der Göttin Inana z.B. wurden nur schwarze Schafe geopfert, s. YOS 4,237 und vgl. z.B. Sallaberger 2014, S. 104f.). Aus der Tatsache, dass es eine eigene Rasse „Schwarzschafe“ gab, leitet Sallaberger ab, dass demnach die anderen Rassen weiß gewesen sein mussten, so dass immerhin die Anzahl schwarzer Schafe durchschnittlich gering gewesen sein dürfte. Aber selbst das ist ein non sequitur und wahrscheinlich nachweislich falsch: Schafe im Alten Israel waren vermutlich überwiegend &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;braune&#039;&#039; Schafe&#039;&#039;&#039;. Noch heute überwiegen im Orient braune und schwarze Schafe (Fish 1936, S. 318), Ramban merkt zu unserer Stelle an, dass das selbe im 13. Jhd. galt, und Breniquet 2014, S. 69 nimmt daher auch für die biblische Zeit an, dass Wolle in der Levante üblicherweise von brauner bis schwarzer Farbe war. Gootwine 2017 hat ab S. 16 viele antike mediterrane und orientalische Darstellungen von Schafen zusammengetragen – die meisten gefärbten Darstellungen sind wirklich braun; inklusive derer der Fettschwanzschafe, die biblische Opfertexte klar voraussetzen und die auch am häufigsten in der Levante abgebildet sind. Mindestens diese waren danach sehr wahrscheinlich nicht regulär weiß. Insgesamt daher: Wie viele schwarze/braune Schafe man im alten Israel und speziell in der Herde Labans annehmen darf, ist unklar; jedenfalls gilt aber, dass Jakobs Forderung von „schwarzen/braunen Schafen“ entgegen dem heutigen Sprachgebrauch nicht automatisch heißt, dass er damit außergewöhnliche und daher wenige Schafe fordert: Beide dürften im Alten Israel weit häufiger gewesen sein als im heutigen Europa.&amp;lt;br /&amp;gt;Ob das selbe auch für &#039;&#039;&#039;Ziegen&#039;&#039;&#039; gilt, ist nicht ähnlich klar; jedenfalls war aber „gefleckt“ ebenfalls eine häufige Bezeichnung der Farben auch von Ziegen in babylonischen Texten (vgl. z.B. Steinkeller 1995, S. 55), wonach zumindest die häufige Aussage in Kommentaren, Ziegen seien in der antiken Levante üblicherweiße braun gewesen, ebenfalls falsch ist.&amp;lt;br /&amp;gt;Es ist zweitens wichtig zu wissen, dass ähnliche &#039;&#039;&#039;Lohn-Arrangements&#039;&#039;&#039; wie das zwischen Jakob und Laban aus babylonischen und den Nuzi-Texten gut bekannt sind: Entweder galt dort die Absprache, dass Hirten 20% der neugeborenen Tiere als Lohn erhielten, oder die, dass pro 100 Muttertieren dem Herdenbesitzer 66 2/3 Junge gehörten und Hirten der Überschuss als Lohn zustand, jeweils abzüglich der Verluste, die aufs Konto des Hirten gingen (vgl. z.B. Finkelstein 1968, S. 33f.). Wie genau diese Arrangements dem zwischen Jakob und Laban entsprechen, zeigen [[Genesis 31#s38 |Gen 31,38f.]], wonach Laban nicht nur die Tiere abgezogen hatte, deren Verlust auf Jakobs Konto gingen, sondern auch die, die von wilden Tieren gerissen worden waren und die, die Jakob  selbst verzehrt hatte: In anderen altorientalischen Lohnabsprachen und Gesetzen gehen diese explizit nicht auf Kosten des Hirten (s. zum Vers). In diesem Zusammenhang hat neuerdings aber Kozuh 2015, bes. S. 182-185 gezeigt, dass beide Weisen der Lohnberechnung in Babylon gar nicht realistisch waren und de facto stattdessen dazu dienten, Hirten durch diese unrealistischen Berechnungs-Modelle immer tiefer in die Schuldenfalle zu treiben, so dass sie trotz Lohnabsprachen letztlich doch nur Sklaven waren, die über ihre Kost hinaus gar nichts von ihren Herdenbesitzern erhielten: Herdenbesitzer hatten durch solche Absprachen ein garantiertes Einkommen, Verluste dagegen hatten überwiegend die Hirten zu tragen und als Nebenfolge dieser Arrangements erhielten Herdenbesitzer neben dem garantierten Einkommen auch noch Schuldsklaven obendrein. Können wir auch in dieser Hinsicht ähnliche Arrangements auch als Norm für das Alte Israel annehmen, hätte hier im Gegensatz zu den üblichen Arrangements &#039;&#039;Jakob&#039;&#039; mit den gefärbten Tieren ein garantiertes Einkommen ausgehandelt und hätte nach der Absprache &#039;&#039;allein Laban&#039;&#039; für etwaige Verluste aufkommen müssen, die Jakob zuzuschreiben waren (wogegen er dann nach Gen 31,38f. ebenfalls verstoßen hätte). Nimmt man das alles zusammen, klingt die Absprache hier also sogar nach einem zunächst sehr guten Deal für Jakob, auf den Laban dann nur eingegangen wäre, weil er schon hier auf seinen ersten Vertragsbruch in Vv. 35f. gesonnen hätte. Am Verlauf der Geschichte ändert dies allerdings nicht viel; auch dann gilt, dass nach V. 35 Laban Jakobs Chancen auf reichen Ertrag empfindlich gemindert hat, weshalb dann eben Jakob zu einem „genetischen Trick“ greifen muss.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei aller Unklarheit: Sicher ist mindestens, dass durch Jakobs Raffinesse&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;durch Jakobs Raffinesse&#039;&#039; - ob auch durch Gottes Hilfe, wie [[Genesis 31#s9 |Gen 31,9]] sagt, ist ebenfalls unklar: Wie zuverlässig ist eigentlich der trickreiche Jakob in seinen verschiedenen Aussagen in Gen 31?&amp;lt;/ref&amp;gt; sein Besitz weit über Erwarten anwächst, bis er laut &#039;&#039;&#039;V. 43&#039;&#039;&#039; nach sechs Jahren als „sehr, sehr reicher Mann“ aus dem Deal herausgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<title>Susanna (Daniel, griechische Version)</title>
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		<updated>2026-02-26T16:08:40Z</updated>

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		<author><name>Olaf</name></author>
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		<title>Brief des Jeremia</title>
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		<updated>2026-02-26T16:08:26Z</updated>

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		<author><name>Olaf</name></author>
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		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Bel_(Daniel,_griechische_Version)&amp;diff=40290</id>
		<title>Bel (Daniel, griechische Version)</title>
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		<updated>2026-02-26T16:08:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Status&lt;/p&gt;
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		<author><name>Olaf</name></author>
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		<title>Kohelet 12</title>
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		<updated>2026-02-26T16:02:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Status&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Studienfassung in Arbeit}}&lt;br /&gt;
{{Zuverlässige Studienfassung|Vers 1-7}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Lesefassung}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{L|1}}&lt;br /&gt;
{{L|2}}&lt;br /&gt;
{{L|3}}&lt;br /&gt;
{{L|4}}&lt;br /&gt;
{{L|5}}&lt;br /&gt;
{{L|6}}&lt;br /&gt;
{{L|7}}&lt;br /&gt;
{{L|8}}&lt;br /&gt;
{{L|9}}&lt;br /&gt;
{{L|10}}&lt;br /&gt;
{{L|11}}&lt;br /&gt;
{{L|12}}&lt;br /&gt;
{{L|13}}&lt;br /&gt;
{{L|14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|1}} Und ({Und})&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Und ({&amp;lt;s&amp;gt;Und&amp;lt;/s&amp;gt;})&#039;&#039; - &#039;&#039;Und&#039;&#039; könnte hier wie in [[Kohelet 11#s7 |Pred 11,7]] bloß einen neuen Unterabschnitt einleiten (so z.B. Longman), aber gerade hier ist es ganz unproblematisch: Pred 12,1-8 ist sehr klar die Fortsetzung von Pred 11,7-10. S. die Anmerkungen.&amp;lt;/ref&amp;gt; sei eingedenk deines Schöpfers&amp;lt;ref&amp;gt;Mitgehört werden kann wohl wirklich auch: &#039;&#039;Sei eingedenk deines Schöpfers [und damit auch der Tatsache, dass du Geschöpf und damit sterblich bist]&#039;&#039; (so z.B. Cohen, Fox, Murphy). Zunächst und zuvorderst ist V. 1 aber eine sehr viel ausführlichere Variante von [[Kohelet 11#s9 |Pred 11,9e]]: „(Jüngling, mach, was dir gefällt,) aber denke dabei daran, dass Gott dich für alles bestrafen wird [was du Falsches tust].“ Und dann hier: „[Mach, was dir gefällt, Jüngling,] aber denke dabei an Gott [der dich für Missetaten bestrafen wird]“.&amp;lt;br /&amp;gt;„Schöpfer“ (wie ähnlich in [[Ijob 32#s22 |Ijob 32,22]]; [[Ijob 36#s3 |36,3]]; [[Jesaja 43#s1 |Jes 43,1]]) sieht aus wie Plural, ist aber entweder nur Pluralis majestatis für Sg. (z.B. Murphy), späte Orthographie (z.B. Fox), Wortbildung eines III-Alef-Wortes nach dem Muster eines Verbum tertiae infirmae (z.B. Gordis, Seow) oder ähnlich wie in [[Kohelet 11#s9 |Pred 11,9]]; [[Kohelet 12#s7 |12,7]] abnormale Wortverwendung/-bildung zur Herstellung eines Reims (vgl. &#039;&#039;bore`eka&#039;&#039; „dein Schöpfer“ – &#039;&#039;beḥuroteka&#039;&#039; „deine Jugend“; hier ähnlich Köhlmoos; weitere Bspp. bei [[Amos 5#s25 |Am 5,25]]). Auch alle Versionen übersetzen mit Sg. Wohl wegen der ungewöhnlichen Form haben die Alten dennoch intensiver über dieses Wort nachgedacht. Zum Beispiel: „&#039;&#039;Akabja ben Mahalalel sagte: ‚Sei dreier Dinge eingedenk, und du wirst nicht der Macht der Sünde unterliegen: Woher du kamst, wohin du gehst, und vor wem du dich in Zukunft verantworten werden musst. [...]‘ (m.Ab iii 1). Das hat er aus diesem Vers abgeleitet: ‚Sei eingedenk deines &#039;&#039;bore`eka&#039;&#039; [Schöpfers], vor dem du dich verantworten werden musst, sei eingedenk deines &#039;&#039;boreka&#039;&#039; [Grabes], einem Ort von Erde, Maden und Würmern, und sei eingedenk deiner &#039;&#039;be`ereka&#039;&#039; [Quelle], die aus ihrem Ort entspringt, das heißt, dem stinkenden Tröpflein weißen Samens.&#039;&#039;‘“ (Raschi nach j.Sot xi 2). Auch Raschi las den Vers also schon in dieser doppelten Bedeutung: (1) „Denke bei deinem Handeln stets an Gott, denn er wird dir dein Tun vergelten“ und (2) „Denke daran, dass du nur ein Geschöpf bist, (entstanden aus ‚stinkendem Samen‘ und bestimmt für den Ort von Erde, Maden und Würmern).“&amp;lt;/ref&amp;gt; in den Tagen deiner Jugend,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;in den Tagen deiner Jugend&#039;&#039; deshalb, weil hier noch der mit [[Kohelet 11#s9 |Pred 11,9]] begonnene Unterabschnitt fortgesetzt wird, in dem die Jugendzeit mit den „vielen Tagen“ des Langlebigen in Pred 11,8 kontrastiert wird. Fast alle alten und die große Mehrheit der neueren Kommentatoren nehmen allerdings dieses Wort mit dem Rest des Verses zum Schlüssel für den ganzen Abschnitt und denken, dass in Pred 12,1-7 davon die Rede sei, wie schlimm ein hohes Alter ist. Das kann kaum richtig sein; Pred 11,8 macht klar, dass man (natürlich) auch mit einem langen Leben dieses ganze Leben hindurch Freude haben kann. Richtig die Zohar (I 204a): „&#039;&#039;Was sind die ‚argen Tage‘? Wenn du glaubst, das seien die Tage des Alters, liegst du daneben. Ein Mensch kann auch in hohem Alter freudige Jahre genießen, umgeben von Kindern und Enkelkindern. Was sind die argen Tage also dann? Es sind die Tage, an denen man sündigt.&#039;&#039;“ (nach Broch 1982, S. 253). Die „Tage und Jahre, die kommen“ sind dann nicht die Tage und Jahre des Alters, sondern je und je die dunklen Tage, die sich in jedem Lebensabschnitt stets dem Menschen zuschicken können.&amp;lt;br /&amp;gt;Erwähnenswert noch: Maimonides hat auf diesem Vers einen zentralen Aspekt seiner Ethik aufruhen lassen, nämlich seine Theorie der wahren Umkehr: Speziell vom &#039;&#039;Jugendlichen&#039;&#039; sei hier deshalb die Rede, weil man zwei Modi der Umkehr unterscheiden muss. Erstens die Umkehr zu einer Zeit, da man eine Missetat begangen hat und &#039;&#039;noch imstande wäre, sie ein weiteres Mal zu begehen&#039;&#039;, es aber wegen einer „Umkehr“ (&#039;&#039;teschubah&#039;&#039;) nicht tut, und zweitens die Umkehr zu einer Zeit, da man eine früher begangene Untat zwar bereut, sie aber hauptsächlich deshalb nicht mehr begeht, weil man wegen fortgeschrittenen Alters oder verstrichener Gelegenheit ohnehin nicht mehr die Chance dazu hat. Nur, wer auf die erste Weise „umkehrt“, ist ein echter &#039;&#039;ba`al teschubah&#039;&#039; („Meister der Umkehr“); vgl. Hilkot Teschubah 2,1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Bevor kommen werden die argen (bösen) Tage&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;die argen Tage&#039;&#039; im Gegensatz zur „Zeit des Lichts“ in [[Kohelet 11#s7 |Pred 11,7f.]]. Dort war das Licht „gut, angenehm“. Nun dagegen werden die „argen, bösen“ Tage geschildert, die „dunkle“ Tage sind (V. 2). In der LF besser nicht: „böse Tage“; &#039;&#039;ra´ah&#039;&#039; („böse, arg“) ist ein Leitwort in Kohelet und „böse Tage“ sind natürlich nicht „moralisch üble“ Tage, sondern „&#039;&#039;schlimme&#039;&#039; Tage“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und nahen werden die Jahre, über die (an denen) du sagst:&lt;br /&gt;
_„Für mich [liegt] nicht in ihnen&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;ihnen&#039;&#039; bezieht sich zurück sowohl auf die „Jahre“ (im Heb. fem.) als auch die „Tage“ (im Heb. mask.), daher maskulin. Annahme von Genus-Inkongruenz (so z.B. Lauha, Murphy mit Verweis auf [https://en.wikisource.org/wiki/Gesenius%27_Hebrew_Grammar/135._The_Personal_Pronoun#GHGpar-135-o GKC §135o]) ist hier unnötig.&amp;lt;/ref&amp;gt; Freudiges!“,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Für mich liegt nicht in ihnen Freudiges&#039;&#039; - Fast stets übersetzt als „Sie gefallen mir nicht“ oder „Ich habe keinen Gefallen an ihnen“. Im Heb. wird dies aber ganz objektiv geschildert: Es liegt wirklich nichts Freudiges für den Sprechenden in ihnen. Besser in der LF daher vielleicht: „Ich finde an ihnen gar keinen Gefallen.“&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|2}} Bevor sich verfinstern werden (die Sonne und das Licht=) das Licht der Sonne&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;(die Sonne und das Licht=) das Licht der Sonne&#039;&#039; - Hendiadyoin, so sicher richtig Kugel 1999, S. 305.338; Savran 2018, S. 157. „Die Sonne und das Licht“ = daher „das Licht der Sonne“ oder „die leuchtende Sonne“.&amp;lt;br /&amp;gt;Fast alle, die auf das „Licht“ &#039;&#039;neben&#039;&#039; „Sonne, Mond und Sternen“ eingehen, behaupten mit Verweis auf [[Genesis 1#s3 |Gen 1,3-5]], im Weltbild des Alten Israel habe Licht unabhängig von den Himmelskörpern existiert. Das liegt aber schon in Gen 1 ganz fern: nach Gen 1,5 schafft Gott in Gen 1,3-5 nicht „Licht“, sondern „&#039;&#039;den Tag&#039;&#039;“, und in Gen 1,14f. heißt es explizit, dass die Himmelskörper „Lichter sein“ und „über der Erde scheinen“ sollen. Vgl. ähnlich [[Jesaja 13#s10 |Jes 13,10]]; [[Ezechiel 32#s7 |Ez 32,7]] und v.a. [[Amos 8#s9 |Am 8,9]], wo Gott jeweils die Himmelskörper verfinstert, um Dunkelheit über die Erde zu bringen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Und der Mond und die Sterne&lt;br /&gt;
_Und die Wolken nach dem Regen zurückkehren&amp;lt;ref&amp;gt;V. 2 muss nicht unbedingt übernatürliche Geschehnisse schildern. Lesende / Hörende sollen sicher an die apokalyptische Schilderungen wie in [[Jesaja 5#s30 |Jes 5,30]]; [[Jesaja 8#s20 |8,20]]; [[Jesaja 13#s10 |13,10]]; [[Ezechiel 30#s18 |Ez 30,18]]; [[Ezechiel 32#s7 |32,7]]; [[Joel 2#s2 |Joel 2,2.10]]; [[Joel 3#s3 |3,3-4]]; [[Joel 4#s15 |4,15]]; [[Amos 5#s18 |Am 5,18.20]]; [[Zefanja 1#s15 |Zef 1,15]] denken (richtig z.B. Fox, Seow, Schoors; Beal 1998, S. 295; Kang 2016, S. 332), aber auch diese apokalyptischen Geschehnisse könnten zumeist durchaus realistische Vorkommnisse schildern: „[Wie es in der Klimazone Israels tatsächlich gewöhnlich ist, lässt d]ie winterliche Jahreszeit [...] die regelmäßige Helle des Sonnenlichtes bei Tage, und in der Nacht auch das Licht der Nachtgestirne vermissen, indem nach einem Regenguß anders als in den hellen Jahreszeiten der Himmel sich nicht wieder entwölkt, sondern gleich die Wolken für den nächsten Regenguß aufziehen.“ (Zimmerli 1962, S. 246 nach Hertzberg 1957, S. 115; ähnlich z.B. Galling, Lauha). So und so; wichtig ist vor allem: Geschildert werden hier &#039;&#039;dunkle&#039;&#039; Tage; diese werden im Folgenden noch weiter spezifiziert, und auch im Folgenden weiterhin als Tage beschrieben, an denen es nicht etwa einem einzelnen Menschen schlecht geht, sondern in denen wirklich und objektiv der ganze Kosmos freudlos ist. Stark Raschbam: „&#039;&#039;Dieser Vers ist vergleichbar mit [[Jesaja 50#s3 |Jes 50,3]], und ist eine Metapher dafür, wie die Welt für Menschen in ihrem großen Leid dunkel ist.&#039;&#039;“&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|3}} Am Tag, an dem schlottern (zittern) werden die Hüter (Wächter) des Hauses&amp;lt;ref&amp;gt;Die &#039;&#039;Hüter des Hauses&#039;&#039; sind entweder echte Securities, also eine Gruppe von Angestellten, die reichere Anwesen vor Einbrechern etc. sichern sollten (so z.B. Ginsburg, Kang 2016, S. 332; Pérez 2020, S. 185) oder eine Art Hausmeister, die sich ähnlich um das Anwesen zu besorgen hatten, wie z.B. in [[Hohelied 8#s11 |Hld 8,11f.]] die „Hüter von Salomos Weingarten“ landwirtschaftliche Subunternehmer sind, die für Salomo dessen Weingarten bestellen (so z.B. Cohen, Fox; Savran 2018, S. 163). Angezielt ist aber klar der Kontrast zwischen dem „Schlottern“ und dem erwartbaren Stark-Sein der „Hüter“, der auch durch den Parallelismus der „Hüter“ mit den „mächtigen Männern“ unterstrichen wird. Viel besser käme dies in der LF durch eine Üs. mit „Wächter“ zum Ausdruck.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Und sich krümmen werden mächtige Männer&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;mächtige Männer&#039;&#039; - w. „Männer von &#039;&#039;ḥajil&#039;&#039;“, ein Wort mit weiter Bedeutungsspanne, das aber v.a. für „Kraft, Stärke“ (z.B. [[1 Samuel 2#s4 |1 Sam 2,4]]; [[Psalm 18#s40 |Ps 18,40]]; [[Kohelet 10#s10 |Pred 10,10]]) oder für „Besitz, Wohlstand“ steht (z.B. [[Ijob 5#s5 |Ijob 5,5]]; [[Jeremia 17#s3 |Jer 17,3]]; [[Jesaja 60#s5 |Jes 60,5]] s. V. 6). Wegen der zweiten Bedeutung sind hier vielleicht die Dienstgeber der „Hüter“ gemeint, die die behüteten Häuser bewohnen; der Fokus liegt aber auch dann auch auf dem Stark-Sein auch dieser Männer (so auch Savran 2018, S. 163; Pérez 2020, S. 185).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und aufhören (nicht arbeiten) werden die Mahlerinnen,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Mahlerinnen&#039;&#039; - nicht: „Müllerinnen“; dies weckt die falschen Assoziationen. Zum Mahlen vgl. z.B. [https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/200957/ Mühle (WiBiLex)]: Gemahlen wurde Mehl im Alten Israel nicht automatisch in Windmühlen oder Wassermühlen, sondern mit Handmühlen im Privathaushalt, mit denen man Getreide zwischen zwei Steinen händisch zu Mehl zerrieb. Die Handmühle gehörte so sehr zum Grundbedarf eines Haushalts, dass für sie noch strenger als für den Mantel bestimmt wurde, dass sie gar nicht verpfändet werden durfte ([[Deuteronomium 24#s6 |Dtn 24,6]]). Das Mehl-Mahlen war so mühsam und zeitraubend, dass eine Person für das Mahlen des „Tagesbedarf[s] von 4-6 Personen einen ganzen Tag mit Mahlen beschäftigt war“ (ebd.). Es musste daher in der Gesellschaft des Alten Israel, in der Männer tagsüber außer Haus ihren Brotberuf ausüben mussten, notwendig zur Frauenarbeit werden (eine Ausnahme ist [[Richter 16#s21 |Ri 16,21]], dazu s. aber dort). Haushalte, die sich das leisten konnten, beschäftigten daher dafür Mahl-Mägde oder kauften sich Mahl-Sklavinnen (s. [[Exodus 11#s5 |Ex 11,5]]; [[Jesaja 47#s2 |Jes 47,2]]). Das Geräusch des Mahlens war so charakteristisch für die Gesellschaft des Alten Israel, dass das Verstummen der Mühlen auch in [[Jeremia 25#s10 |Jer 25,10]] und [[Offenbarung 18#s22 |Offb 18,22f.]] als Metapher für die Endzeit genommen werden kann: Selbst diese Tätigkeit wird nicht mehr ausgeführt werden. Sehr ähnlich ja hier auch im nächsten Vers.&amp;lt;br /&amp;gt;Etwas besser ist daher jedenfalls die Üs. von H-R: „Mahlmägde“. Ideal ist aber auch diese Üs. noch nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; weil sie wenig geworden sind,&amp;lt;ref&amp;gt;Klangspiel: „sie werden aufhören, weil sie wenig geworden sind“ ist im Heb. &#039;&#039;ba&#039;&#039;&#039;ṭ&#039;&#039;&#039;elu ha&#039;&#039;&#039;ṭṭ&#039;&#039;&#039;oḥano&#039;&#039;&#039;t&#039;&#039;&#039; ki mi´e&#039;&#039;&#039;ṭ&#039;&#039;&#039;u&#039;&#039;. Noegel 2007, S. 14 denkt, diese Häufung von &#039;&#039;t&#039;&#039;-Lauten solle Onomatopoesie für das Mahlen von Mühlen sein. Das ist gut möglich.&amp;lt;br /&amp;gt;„Sie“ sind kaum die Mahlerinnen, die ja gerade nicht aufhören dürften, wenn ihrer nur noch wenige wären. „Sie“ dürften stattdessen &#039;&#039;alle&#039;&#039; Menschen sein: Es braucht nicht mehr gemahlen zu werden, weil hier und im Folgenden eine Geisterstadt beschrieben wird. So z.B. richtig z.B. Davis 1991, S. 309; Fox 1989, S. 292 (vs. S. 302).&amp;lt;br /&amp;gt;Möglich wäre auch, das Verb gegen die Akzente noch in die nächste Zeile zu schieben: „Die Mahlmägde hören auf, weil die aus-dem-Fenster-Guckerinnen so wenig geworden sind und sich verfinstert haben“. Dann müssten die Frauen aus der ersten Gruppe kaum noch mahlen, weil die Frauen der anderen Gruppe, denen sie dienstbar sind, so wenige geworden sind. So aber m.W. niemand.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Und sich verfinstern&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;sich verfinstern&#039;&#039; - D.h. zunächst: Man sieht sie schlechter, weil es so dunkel ist (Delitzsch). Gleichzeitig aber starkes Bild: Die Verfinsterung der Welt in V. 2 ist natürlich nicht nur eine Naturschilderung, sondern Bild für das düstere Dasein. Hier verschwimmen beide Ebenen endgültig: Nicht nur die Welt verfinstert sich, sondern sogar die Menschen selbst. Gut BigS + van Ess: „Es wird denen finster, die durch die Fenster sehen“; am besten PAT: „Dunkel wird es den Frauen, die aus den Fenstern blicken“. Ähnlich in der Zeile zuvor: &#039;&#039;baṭlu&#039;&#039; heißt nicht nur „&#039;&#039;mit etwas&#039;&#039; aufhören“, sondern auch schlechthin „aufhören[, zu sein]“.&amp;lt;br /&amp;gt;Von Menschen wird dieses Wort sonst nicht mehr gesagt, in [[Klagelieder 5#s17 |Klg 5,17]]; [[Psalm 69#s24 |Ps 69,24]] und im aramäischen Spruch des Aḥiqar 73 („Gute Augen mögen nicht verdunkelt werden / und gute Ohren [mögen nicht verstopft werden]“, Weigl 2010, S. 374) aber von Augen: In Ps und Aḥ wirklich vom Erblinden, in Klg aber wahrscheinlich vom Erblinden-vor-Tränen. Seow nimmt daher an, so müsse auch unsere Stelle verstanden werden: „Die Frauen verfinstern sich“ &amp;lt; „Die Augen der Frauen verfinstern sich“ &amp;lt; „Die Frauen weinen so viel, dass sie kaum noch sehen können“. Fox ähnlich kompliziert: Heb. &#039;&#039;qadar&#039;&#039; heißt ebenfalls „verdunkeln“, wird aber häufiger i.S.v. „trauern“ von Menschen gesagt (z.B. [[Psalm 35#s14 |Ps 35,14]]; [[Jeremia 8#s21 |Jer 8,21]]; [[Jeremia 14#s2 |14,2]]). Das soll entsprechend dann nur hier auch für dieses Wort gelten. Ganz fernliegend schließlich Gordis: „Die Frauen verfinstern sich“ = man sieht sie schlechter, weil sie seltener ans Fenster gehen (so auch H-R: „die durch die Fenster lugen, verbergen sich“) Solche Umwege sind gar nicht nötig und machen den Text schwächer, als er ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; werden die aus-den-Fenstern-Guckerinnen,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;aus-den-Fenstern-Guckerinnen&#039;&#039; - Kohelet ist ein junger Text aus der hellenistischen Zeit. Charakteristisch besonders für diese war es, dass Frauen in der israelitischen Gesellschaft idealiter im Haus bleiben mussten, sich nicht auf öffentlichen Plätzen zeigen sollten und nicht mal im Haus selbst von fremden Männeraugen gesehen werden durften (s. z.B. [[Jesus Sirach 42#s9 |Sir 42,9-14]]; [[2 Makkabäer 3#s19 |2 Makk 3,19]]; 3 Makk 1,18; 4 Makk 18,7; Ps.-Phokylides 215f.). Ein krasses Beispiel aus noch etwas jüngerer Zeit: „&#039;&#039;[Als die Häuser der Juden durchsucht wurden, trauerten diese, weil] die weggeschlossenen (!) Frauen, die nicht in die Öffentlichkeit gingen, und die Mädchen, die zu Hause blieben, weil sie sich aus züchtiger Scham vor Männeraugen selbst vor ihren Verwandten verbargen, nun nicht nur Fremden, sondern sogar Soldaten zum Anblick dargeboten wurden.&#039;&#039;“ (Philo, Flac 89). Ebenso krass aber schon Sir 42,11f.: „&#039;&#039;Wache streng über deine Tochter ...: Wo sie sich aufhält, soll kein Fenster sein, kein Ausblick auf die Wege ringsum; keinem Mann darf sie ihre Schönheit zeigen.&#039;&#039;“ Selbst der Liebende in [[Hohelied 2#s9 |Hld 2,9]] muss daher „durchs Fenster und durchs Gitter“ um seine Angebetene werben. Frauen – besonders höhergestellte Frauen – werden in der Bibel daher noch häufiger am Fenster dargestellt; s. noch [[Richter 5#s28 |Ri 5,28f.]]; [[2 Samuel 6#s16 |2 Sam 6,16]]; [[2 Könige 9#s30 |2 Kön 9,30-37]]; [[Sprichwörter 7#s6 |Spr 7,6]] LXX; [[Tobit 3#s11 |Tob 3,11]] (übrigens gibt es von diesen „Frauen im Fenster“-Motiven zufällig auch bildliche Darstellungen aus dem 9.-7. Jhd.; einige bekanntere Bspp. finden sich z.B. bei [http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/propylaeumdok/1103/1/Rehm_Abschied_von_der_Heiligen_Hure_2003.pdf Rehm 2003, S. 506f.]. Die biblische Frau im Fenster und diese Darstellungen hängen aber nicht miteinander zusammen.). Frauen sind zur Abfassungszeit des Kohelet-Buches also häufig „Fenster-Wesen“; besonders höhergestellte Frauen bekam man anders als durchs Fenster kaum zu Gesicht. Von solchen ist dann eben auch hier die Rede. Orientiert man sich daran, dass auch die meisten der anderen biblischen „Fenster-Frauen“ höhergestellte Frauen sind, kann man annehmen, dass dies auch für die Frauen in diesem Vers gelten muss und dass demnach die Fenster-Frauen sich zu den Mahlerinnen also ebenso verhalten wie die mächtigen Männer zu den Hauswächtern. So z.B. auch Ginsburg, Cohen und Fox.&amp;lt;br /&amp;gt;Seow hat leider auf den Aufsatz von Abramsky 1980 hingewiesen, wo diese die Erzählungen von Siseras Mutter (Ri 5), Michal (2 Sam 6) und Isebel (2 Kön 9) miteinander vergleicht, und ihr Ergebnis zusammengefasst mit „The motif of women who look through the window belongs to a literary convention, often used to express the dashed hopes of the women“ (S. 356). So nun z.B. auch Bartholomew; Enns; Bennett 2018, S. 226f.; Savran 2018, S. 164; Pérez 2020, S. 180. Das ist kaum eine adäquate Widergabe von Abramskys Aufsatz, erst recht keine adäquate Deutung der entsprechenden Stellen und darf daher sicher auch nicht von dort aus hier hineingelesen werden.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|4}} Und man schließen wird die Doppelpforte auf der Straße (?, auf dem Platz, zur Straße / zum Platz hin)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;die Doppelpforte auf der Straße (?, auf dem Platz, zur Straße / zum Platz hin)&#039;&#039; - „Straße“ ist im Heb. nicht &#039;&#039;derek&#039;&#039;, &#039;&#039;oreaḥ&#039;&#039; o.Ä., sondern &#039;&#039;šuq&#039;&#039;: die „geschäftige Straße, auch: der Straßenbasar“ – die „Markt-Straße“. Vgl. arab. &#039;&#039;suq&#039;&#039; („der Markt“). Richtig schon LXX: &#039;&#039;agora&#039;&#039;, „der Platz“. Gut dann Alter: „auf dem Markt“, Kugel 1999, S. 305 + Savran 2018, S. 157: „auf dem Markplatz“, am besten Seow: „auf dem Straßen-Basar“. Schon ibn Tibbon hält die „Doppelpforte zur Straße“ daher für die Tür eines Ladens auf einem Markt, in dem Brot verkauft wird. Der Dual von „Tür“ (daher hier „Doppel-Pforte“) legt allerdings nahe, dass an ein großes, zentrales Tor mit zwei Flügeln gedacht ist. Was diese „Doppelpforte zu/auf“ dieser Marktstraße dann aber sein soll, ist ungewiss; vgl. LamR 1,1: „Jeder &#039;&#039;šuq&#039;&#039; hatte 24 [sc. viele] Passagen“ – man kann sich altorientalische Märkte also nicht als abgeschlossenen Platz vorstellen, zu dem man durch ein Haupttor Zugang hatte (was ohnehin klar ist). Der Sinn des Bilds ist dennoch deutlich: Der Markt der Geisterstadt ist tot, auch öffentliches Leben gibt es dort keines mehr.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Beim (Sinken=) Verklingen des Klangs (der Mühle=) des Mühlsteins;&amp;lt;ref&amp;gt;Die sehr aus der Reihe fallende Formulierung mit &#039;&#039;b-&#039;&#039; + Infinitiv markiert hier wahrscheinlich das Ende eines Unterabschnitts. Ab der nächsten Zeile ist erst mal nicht mehr vom Menschen die Rede. Ein ähnlicher Stilbruch begegnet sonst nur noch in 5f mit Partizip statt Yiqtol oder Weqatal, und auch dort folgt darauf in V. 6 sehr klar ein neuer „bevor“-Unterabschnitt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und (sich erhebt=) erklingen wird der Klang des Vogels (und man aufstehen wird zum/beim Klang des Vogels?; und [jemandes Stimme] sich erheben wird zu Vogelgepiepse?; und sich erheben wird zum Klang=Gesang der Vogel?; und sich [wieder] erheben wird zum Klang des Vogels?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;erklingen wird der Klang des Vogels (und man aufstehen wird zum/beim Klang des Vogels?; und [jemandes Stimme] sich erheben wird zu Vogelgepiepse?; und sich erheben wird zum Klang=Gesang der Vogel?; und sich [wieder] erheben wird zum Klang des Vogels?)&#039;&#039; - Wg. dem Lamed vor „Klang“ auf den ersten Blick etwas wie die Alternativen. Am besten nimmt man es mit Seow und Savran 2018, S. 170 nach JM §125l als Lamed des Subjekts. Alternativ: Variante 1 die meisten Neueren (z.B. Lauha, Murphy, Longman, Schoors, Köhlmoos): Man hat einen so leichten Schlaf, dass man schon wegen Vogelgezwitscher aufwacht („zum“=„wegen“) oder schon beim Hahnenschrei aufsteht („beim“). So fast alle dt. Üss. Variante 2 auch nicht wenige (z.B. Plumptre, Zimmerli, Hertzberg): Alte Menschen bekommen qua Alter eine hohe Stimme, die an Vogelgepiepse erinnert (ist das wahr?). Daher BigS: „so dass das Knirschen der Mühle [das für die Stimme eines alten Menschen stehen soll, s. die Anmerkungen] schwindet, hoch wie das Zwitschern der Vögel klingt.“ Variante 3 nach Ginsburg; der Satz bedeutete dann nur: Vögel fliegen auf, um zu singen. Aber „zum Klang“ wäre doch eine unschöne Umschreibung von „um zu singen“. Ähnlich, aber sprachlich unmöglich, Taylor. Variante 4 z.B. PAT: „der Laut der Mühle verklingt – er wird wieder erklingen mit der Stimme der Vögel“. Ähnlich, und wirklich erwägenswert BB: „das Geräusch der Mühle wird leiser, bis es in Vogelgezwitscher übergeht.“ Verbreitet ist schließlich fünftens noch die Textkorrektur von &#039;&#039;wejaqum leqol&#039;&#039; zu &#039;&#039;wejiqmal qol&#039;&#039;, was heißen soll: „es verwelkt die Stimme“ (z.B. Wildeboer, Zapletal, Levy, Galling, BHS). Daher ZÜR 31: „wenn das Zwitschern des Vögleins erstirbt“. Aber richtig Seow: Nach den bekannten Kognaten (z.B. akk. &#039;&#039;kalmatu&#039;&#039; „Ungeziefer“, arab. &#039;&#039;qaml&#039;&#039; „Laus“, syr. &#039;&#039;qmal&#039;&#039; „schimmlig werden“, &#039;&#039;qalma&#039;&#039; „Laus“, s. Ges18) müsste das heißen: „die Stimme verlaust“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Und herunterkommen werden alle Töchter des Lieds,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Töchter des Lieds&#039;&#039; - Theoretisch könnten das Sängerinnen sein (z.B. Fox: Klagesängerinnen, die sich beugen, wie dies der Klage gemäß ist); nach dem Parallelismus sind es aber sicher ebenfalls die Vögel, die sich nun nicht mehr nur hören lassen, sondern niederlassen: Die Geisterstadt wird durch die Tierwelt zurückerobert.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|5}} Sie laut (außerdem) [schon] aus der Höhe blicken werden (Man sich außerdem vor Hohem fürchten wird und...)&lt;br /&gt;
_Auf {und}&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;jr`w w...&#039;&#039;. &#039;&#039;jr`w&#039;&#039; könnte entweder defektiv geschriebenes &#039;&#039;jjr`w&#039;&#039; (wie plene z.B. [[Deuteronomium 2#s4 |Dtn 2,4]]; [[2 Könige 17#s28 |2 Kön 17,28]]; [[Psalm 33#s8 |Ps 33,8]]) von &#039;&#039;jr`&#039;&#039; („sich fürchten“) sein oder von &#039;&#039;r`h&#039;&#039; („sehen, blicken“) kommen. MT, VUL und ähnlich Syr deuten als die erste Variante, viele MSS, LXX und Sym als die zweite. Gegen die zweite Variante spricht zunächst das &#039;&#039;w-&#039;&#039; („und“), das aber entweder Dittographie (s. Syr) oder emphatisches Waw sein könnte („die &#039;&#039;Schrecken&#039;&#039;“). Die meisten Kommentatoren und alle dt. Üss. folgen MT; wie LXX aber wohl besser Seow, Kamano 2002, S. 232; Savran 2018, S. 171. Poetisch läge das näher: Wenn in den vorangehenden Zeilen von den Vögeln die Rede ist und es auch in den folgenden Zeilen um die Natur gehen wird, läge es näher, wenn das auch für diese beiden Zeilen gälte. Die Deutung als „sich fürchten“ ließe sich leicht aus dem parallelen „Schrecken“ erklären. Ist das so, sollte man außerdem &#039;&#039;gam&#039;&#039; („außerdem“) besser als &#039;&#039;gam&#039;&#039; II („laut“) nehmen; zu diesem Wort vgl. z.B. Dahood 1960, S. 402; Beirne 1963, S. 201-3; McDaniel 1968, S. 31; Hillers 1972, S. 10. Gut dann Savran 2018, S. 171f.: „The strophe as a whole gives increasing importance to the birds – first their voice is heard, then they fly low over the scene, and finally they observe and record [the terror on the street].“&amp;lt;br /&amp;gt;Schoors; Anat 1970, S. 379; Pérez 2020, S. 180 deuten „Hohes“ als Umschreibung für Gott, den „Hohen“. Aber richtig Fox (1989, S. 305): Ohne Artikel ist das extrem unwahrscheinlich; die Rede ist nicht von „dem Hohen“, sondern allgemein von „Hohem“. In seinen beiden jüngeren Kommenataren (1999, S. 327; 2004, S. 80) hat sich Fox dann doch einer Variante dieses Vorschlags angeschlossen: Er will &#039;&#039;miggaboah&#039;&#039; umvokalisieren zu &#039;&#039;miggobah&#039;&#039; („[sie fürchten] die Höhe“. Genauer tatsächlich sogar: „[Sie fürchten] aus der Höhe“, was dann angeben soll, aus welcher Richtung das kommt, was da gefürchtet wird. Aber &#039;&#039;m-&#039;&#039; „aus“ markiert nach &#039;&#039;jr`&#039;&#039; „fürchten“ oft auch nur entsemantisiert das Objekt der Furcht, vgl. DCH IV 278, s. z.B. [[Ijob 5#s21 |Ijob 5,21f.]] &#039;&#039;bis&#039;&#039;; [[Psalm 91#s5 |Ps 91,5]]; [[Jeremia 42#s16 |Jer 42,16]] u.ö. Diese Auflösung wäre bei dieser Deutung klar vorzuziehen). Das ist zwar grammatisch besser, dafür ist aber „sie fürchten die Höhe“ doch wohl kaum ein verständlicher Ausdruck für „sie fürchten Gott-in-der-Höhe“. Außerdem hat dieser Vorschlag natürlich noch grundsätzlich gegen sich, dass dafür erst noch umvokalisiert werden muss.&amp;lt;/ref&amp;gt; die Schrecken auf der Straße (dem Platz)&amp;lt;ref&amp;gt;Wortspiel: Im Wort „Schrecken“ (&#039;&#039;ḥtḥtjm&#039;&#039;) steckt das Wort &#039;&#039;tḥt&#039;&#039; („unten“), was schön mit dem „aus der Höhe“ zusammenstimmt.&amp;lt;br /&amp;gt;Nimmt man dagegen die vorangehende Zeile als „Man fürchtet sich vor Hohem“ (s. vorige FN), bildeten die Zeilen derart einen Merismus: Man fürchtet sich (1) vor Hohem und (2) vor Schrecken-auf-der-Straße = Tiefem &amp;gt; Allüberall lauert Schrecken.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und blühen wird (verachtet werden wird)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Heb. &#039;&#039;wejane`ṣ&#039;&#039;. Nach den Vokalen soll dies offenbar eine Kontraktion eines apokopierten &#039;&#039;wejane`eṣ&#039;&#039; sein („er wird verachtet werden“ so Ginsburg; auch Seow; Kang 2016, S. 333) oder das Wort kommt mit intrusivem Alef von &#039;&#039;nṣṣ&#039;&#039; („er wird blühen“; so LXX, VUL und Syr). Noch einmal anders vokalisiert hat offenbar Sym (s. BHQ *110): &#039;&#039;wina`aṣ&#039;&#039; („und er wird unaufmerksam sein“). Fast alle neueren folgen der zweiten Deutung. Zu Seows Einwand, derartige intrusive Alefs für den Vokal &#039;&#039;e&#039;&#039; gebe es nicht, s. die Bspp. in Kutscher 1974, S. 162 und s. [[Ijob 41#s7 |Ijob 41,7]] &#039;&#039;g`wh&#039;&#039; für &#039;&#039;ge(`)woh&#039;&#039; (s. LXX, Aq, VUL; vgl. Delitzsch 1920 §31b; Sutcliffe 1949, S. 68); [[1 Chroniken 5#s26 |1 Chr 5,26]] vs. [[1 Chroniken 5#s6 |1 Chr 5,6]] (&#039;&#039;plnsr&#039;&#039; und &#039;&#039;pln`sr&#039;&#039; je für &#039;&#039;pilne(`)ser&#039;&#039;); [[Jeremia 34#s1 |Jer 34,1]] vs. [[Jeremia 39#s5 |Jer 39,5]] (&#039;&#039;nbwkdnṣr&#039;&#039; und &#039;&#039;nbwkdn`ṣr&#039;&#039; je für &#039;&#039;nebukadne(`)ṣar&#039;&#039;); wohl auch [[Jesaja 30#s21 |Jes 30,21]] &#039;&#039;t`mjnw&#039;&#039; für &#039;&#039;te(`)minu&#039;&#039; (Delitzsch 1920 §31b). Auch die alte jüd. Deutung von V. 1 (s. dort) setzt ja voraus, dass man &#039;&#039;br`k&#039;&#039; auch unter Absehung von &#039;&#039;`&#039;&#039; als &#039;&#039;boreka&#039;&#039; lesen könne.&amp;lt;/ref&amp;gt; (die Mandel=) der Mandelbaum&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;der Mandelbaum&#039;&#039; - Eine der ersten Pflanzen, die nach dem Winter wieder aufblüht – nämlich gar schon, bevor ihm Blätter gewachsen sind. Ben Chorin hat ihm daher ein literarisches Denkmal gesetzt, in dem er als Symbol für das Wiedererwachen der Natur erscheint: „&#039;&#039;Freunde, dass der Mandelzweig / sich in Blüten wiegt, / bleibe uns ein Fingerzeig, / wie das Leben siegt.&#039;&#039;“ Ironischerweise gilt dies hier aber &#039;&#039;nur&#039;&#039; für die Natur, dass das „Leben siegt“. Nicht für den Menschen, s. V. 7.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Und sich beladen wird die Heuschrecke&amp;lt;ref&amp;gt;D.h. wohl: „sie frisst sich voll“; vgl. LXX, VUL: „Sie wird fett“. Ähnlich Loretz 1964b, S. 190: „sie wird schwanger“; so wohl auch Syr, daher: „sie vermehrt sich“. Das „schleppt sich ab/dahin“ in fast allen dt. Üss. ist eine andere Deutung des Hithpael („schleppen“ &amp;gt; „sich schleppen“), aber sicher ein false friend: „sich dahinschleppen“ ist ja ein dt. Idiom, das man so sicher nicht auch im Heb. voraussetzen darf.&amp;lt;br /&amp;gt;Fox (2004), Seow, Savran 2018, S. 172; Pérez 2020, Alter u.a. denken, zwischen den beiden Pflanzen müsse auch die „Heuschrecke“ eine Pflanze sein und deuten daher auf den Johannisbrotbaum, weil dieser im Englischen &#039;&#039;locust&#039;&#039; („Heuschrecke“) heißt. Vom Englischen aufs Hebräische zu schließen, ist aber nun wirklich ein non sequitur. Besser noch Ginsberg,Fox 1989, S. 280, NJPS, die den Text von &#039;&#039;ḥgb&#039;&#039; zu &#039;&#039;ḥzb&#039;&#039; („Meerzwiebel“) korrigieren, oder Löw 1881, S. 263, der rein aus dem Kontext ableitet, „Heuschrecke“ sei der Name der Kapernblüte. Beides geht nicht an. So aber ohnehin keine dt. Üs.&amp;lt;br /&amp;gt;Wahrscheinlich ist dies Lakonie: Die Heuschrecke ist eine der großen Plagen Israels; hier dagegen werden ihr nur zwei Worte gewidmet: &#039;&#039;wejistabbel heḥagab&#039;&#039;. So ist der Lauf der Welt: Sieht man vom Menschen ab, frisst die Heuschrecke nun mal das Getreide, und keinen schert&#039;s.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Und brechen (sich vermehren, [ihre Blätter] verlieren?, platzen?, unwirksam werden?)&amp;lt;ref&amp;gt;Meist: &#039;&#039;die Kaper wird unwirksam werden&#039;&#039;. Das macht nur Sinn, wenn man den Abschnitt als Allegorie auf das Alter nimmt (s. die Anmerkungen). Die Kaper regt den Appetit an; dass sie „unwirksam wird“ soll dann heißen: „Selbst Kapern machen einem keinen Appetit mehr!“ Wie man von „brechen“ auf „unwirksam sein“ kommen will, ist mir aber gar nicht klar (Provans „sie bricht [den Bund]“ &amp;gt; „sie tut nicht, was sie zu tun verspricht“ ist reine Fantasterei). Besser entweder: „die Kaper platzt“, die Kapernfrucht verstreut also ihre Samen, ohne geerntet worden zu sein (s. [https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Capparis_cartilaginea_open_fruit.jpg hier] die Darstellung einer aufgeplatzten Kapernfrucht), oder wie Seow und Kang 2016, S. 333: Das Wort sei abzuleiten von einer Wurzel &#039;&#039;*prr&#039;&#039; II, deren Bed. aus dem arab. &#039;&#039;farra&#039;&#039; („abfallen, abwerfen“) als „Blätter verlieren“ erschlossen werden könne. Beide Bedd. lassen sich aber sonst nicht belegen. Versuchsweise sei daher hier vorgeschlagen: „die Kaper bricht“ (die übliche Bed. des Wortes). Besonders charakteristisch nämlich ist für die Kaper, dass sie auf Felsen wächst, daher in Palästina wie in Deutschland der Efeu Ruinen überwuchert (vgl. z.B. Moldenke / Moldenke 1952, S. 87; Zohary 1986, S. 98. Die Sträucher z.B., die man von Bildern der Klagemauer kennt – z.B. [https://static.wixstatic.com/media/760046_220640ef170c4d98b484d2e92bf45b71~mv2.jpg/v1/fill/w_740,h_416,al_c,q_90/760046_220640ef170c4d98b484d2e92bf45b71~mv2.webp hier] –, sind Kapernpflanzen.) und diese daher wie der Efeu nach und nach zerstört. Zu einem ähnlichen Bild führte der Vorschlag von Loretz 1964b, S. 190, das Wort sei nicht abzuleiten von &#039;&#039;prr&#039;&#039; („brechen“), sondern von &#039;&#039;prh&#039;&#039; („fruchtbar sein“ &amp;gt; „Die Kaper vermehrt sich“, taucht also nach und nach allerorten auf verlassenen Gebäuden auf). Auch dies wäre wieder Lakonie. Ohnehin gilt das für das ganze Trikolon: 6c hat sechs Silben, 6d sieben, 6e acht: Kürzer kann eine Zeile in der heb. Lyrik kaum sein. Vielleicht daher in der LF erwägenswert: „Mandel blüht, Heuschreck frisst, Kaper bricht.“&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT wird nur von Syr gestützt. LXX, VUL und Sym vokalisieren &#039;&#039;wtpr&#039;&#039; alle nicht als &#039;&#039;wetaper&#039;&#039; („sie bricht“), sondern als &#039;&#039;wetupar&#039;&#039; („sie wird gebrochen“) und übersetzen dann entweder so (Sym) oder als „sie wird zerstreut“ (LXX, VUL). Aq vokalisiert wohl als &#039;&#039;weteper&#039;&#039; oder als &#039;&#039;wetipre&#039;&#039; (def. für &#039;&#039;wetipreh&#039;&#039;, „sie bringt Frucht“). BHK und BHS halten die Vokalisierung von Aq für ursprünglich, BHQ die von LXX und VUL; beide, weil der Hifil des MT transitiv wäre, hier aber kein Objekt genannt wird, das die Kaper zerbrechen könnte (daher der obige Vorschlag). Wie BHQ schon Zimmerli und Krüger, was an ihrer Üs. aber nichts ändert. Wie BHS offenbar niemand (?). Dagegen Perles 1895, S. 30; Fox, Pérez 2020, S. 188 und NJPS wollen ähnlich korrigieren zu &#039;&#039;wetipraḥ&#039;&#039; („sie wird blühen“). Warum das besser sein soll als der graphisch wahrscheinlichere Vorschlag von BHS, verstehe ich nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird die Kaper,&lt;br /&gt;
Der Mensch jedoch (denn der Mensch) zu seinem ewigen Haus&amp;lt;ref&amp;gt;Das &#039;&#039;ewige Haus&#039;&#039; ist noch heute im Judentum ein Ausdruck für das Grab; auch in der Antike breit belegt.&amp;lt;br /&amp;gt;Anders als die vielen Verben zuvor, die alle die Zukunft ausdrückten, ist dieses Verb ein Partizip, womit wahrscheinlich eine allgemeine Wahrheit ausgesagt werden soll. Vgl. zur Aussage ähnlich [[Ijob 14#s7 |Ijob 14,7-10]]. Das Weqatal in der folgenden Zeile ist dann wahrscheinlich nicht wieder Futur, sondern nennt die jeweilige Folge dieses Gangs in das ewige Haus.&amp;lt;/ref&amp;gt; geht&lt;br /&gt;
_Und Klagende auf der Straße (dem Platz) wandeln;&amp;lt;ref&amp;gt;Entweder beim letzten Geleit (so die meisten) oder (so stark Ginsburg): die professionellen Klagesänger und -redner, die für ihre Dienste auch bezahlt wurden – diese gab es tatsächlich – kreisen über die öffentliche Plätze wie Geier, begierig darauf, dass der nächste stirbt. Die Tempusfolge macht die zweite Deutung aber unwahrscheinlich. Der „Schrecken auf der Straße“, den die Vögel beobachten können, sind daher eher wirklich die fortwährenden Trauerzüge, die gar kein Ende nehmen wollen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|6}} Bevor zerrissen worden sein (?, zerreißen; gebunden werden?, fortlaufen?) wird&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Das Verb ist im Heb. doppelt überliefert: Im Ketiv als &#039;&#039;jirḥaq&#039;&#039; („es läuft fort“), im Qere als &#039;&#039;jerateq&#039;&#039; („es wird gebunden“). Vgl. die graphisch sehr ähnlichen Wörter {{hebr}}ירחק{{hebr ende}} und {{hebr}}ירתק{{hebr ende}}. Sym („es wird geschnitten“) und VUL („es zerreißt“) setzen wohl &#039;&#039;jinnateq&#039;&#039; voraus ({{hebr}}ינתק{{hebr ende}}). Das halten fast alle für den ursprünglichen Text; so auch BHK, BHS und BHQ in seltener Einmütigkeit. Nur wenige orientieren sich an Qere, und dies meist, indem sie &#039;&#039;jerateq&#039;&#039; als „privativen Nifal“ nehmen, also nicht als „es wird gebunden“, sondern als „es wird gelöst“ (z.B. Levy, Gordis, Longman, CTAT V 876f.). Die Grammatiken kennen aber kein privatives Nifal. Seow und Kang 2016, S. 333 folgen ebenfalls Qere, erklären &#039;&#039;rtq&#039;&#039; aber über aram. &#039;&#039;rtq&#039;&#039; („schlagen, klopfen“). Mit diesem Wort ist wahrscheinlich LXX zu erklären („es stürzt um“); LXX stützt also wohl nicht Ketiv (so BHQ *111), sondern Qere; für die Erklärung des MTs ist es aber wertlos, weil es nur Sinn macht im Verein mit Seows fernliegender Deutung von &#039;&#039;ḥebel&#039;&#039; als „Arm eines mehrarmigen Leuchters“, bei der auch Kang richtig nicht mitgeht.&amp;lt;br /&amp;gt;Legt man die drei Wörter nebeneinander, sollte man meinen, dass Qere ursprünglich war, da daraus am einfachsten die beiden Varianten entstanden sein könnten: Ketiv unter Einfluss des &#039;&#039;taruṣ&#039;&#039; („es läuft“) in der folgenden Zeile, LXX, Sym und VUL aufgrund des Nahkontextes (=&amp;gt; „Band“ &amp;gt; „zerreißen“): {{hebr}}ירחק{{hebr ende}} &amp;lt;= {{hebr}}ירתק{{hebr ende}} =&amp;gt; {{hebr}}ינתק{{hebr ende}}. Man könnte dann annehmen, dass hiermit auf einen Bestattungsbrauch angespielt wird: In Mesopotamien (vgl. Wyganski 2014) und später auch in der westlichen Levante (vgl. Golani 2013, S. 219f.) war es üblich, Frauen mit goldenen oder silbernen Haarbändern zu bestatten. Das Verb in der nächsten Zeile übersetzt Dahood 1968b, S. 516 als „the golden bowl is poured out“. Falls das richtig sein kann (&#039;&#039;ruṣ&#039;&#039; habe ich sonst nirgends von Flüssigkeiten gefunden), wäre von Libationen die Rede, die ebenfalls in der ganzen Levante als Bestattungsbrauch bezeugt sind. Zu 6cd vgl. Seow: Auch das Zerbrechen von Tongefäßen war ein Bestattungsbrauch im Alten Israel. Unter der Maßgabe, dass 6b so übersetzt werden könnte wie bei Dahood, wäre hier Qere vorzuziehen; weil das aber zu unsicher ist, muss hier der Standard-Deutung gefolgt werden.&amp;lt;/ref&amp;gt; das Silberband&lt;br /&gt;
_Und zerbrochen sein (zerbrechen, fortlaufen?) wird&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Heb. &#039;&#039;wetaruṣ&#039;&#039;. Auf den ersten Blick „fortlaufen“ von &#039;&#039;ruṣ&#039;&#039;. So deuten hier auch Aq, Theod, und VUL, sonst m.W. nur noch Hengstenberg und Ginsberg, die „laufen“ als „abstürzen“ o.Ä. verstehen, was aber singulär wäre, und Dahood (s. vorige FN). LXX, Sym, Syr und Tg übersetzen dagegen, als sei das Wort &#039;&#039;weteroṣ&#039;&#039; vokalisiert („sie wird zerbrochen“, von &#039;&#039;rṣṣ&#039;&#039;). So auch Raschi, Raschbam und ibn Ezra. So auch alle neueren (auch BHK, BHS, BHQ); bes. gut Gordis (mit richtigem Hinweis auf [[Sprichwörter 29#s6 |Spr 29,6]]; [[Jesaja 42#s4 |Jes 42,4]]): Die Form hier sei nur Zeichen der schrittweisen Verwischung der Konjugationsunterschiede zwischen hohlen Wurzeln und Reduplikativwurzeln. So auch Murphy. Theoretisch möglich außerdem wie Seow: Ursprünglich müsse gar nicht &#039;&#039;weteroṣ&#039;&#039; gewesen sein, weil man &#039;&#039;wetaruṣ&#039;&#039; auch als impersonal verstehen könne: „man wird zerbrechen“. Das ist rein sprachlich gesehen schon wahr, läuft aber ja völlig der Logik des Textes zuwider.&amp;lt;/ref&amp;gt; die Goldschale,&lt;br /&gt;
Und zerstört worden sein (zerstört werden) wird der Eimer über der Quelle&lt;br /&gt;
_Und zerbrochen worden sein (zerbrechen werden) wird das Rad (der Bottich? der Ball?) neben dem Brunnen&amp;lt;ref&amp;gt;Satzteil-Hyperbaton: Zu erwarten wäre, dass das &#039;&#039;Rad&#039;&#039; „über“ dem Brunnen und der &#039;&#039;Eimer&#039;&#039; „neben“ der Quelle steht / hängt. Die Hinterlassenschaften der Menschen sind völlig wirr in der Gegend verstreut.&amp;lt;br /&amp;gt;Wortspiel: Der &#039;&#039;Brunnen&#039;&#039;, heb. &#039;&#039;bor&#039;&#039;, steht bildlich für das Grab (s. zu V. 1); das Wort harmoniert daher sehr gut mit der direkt folgenden Doppelzeile.&amp;lt;br /&amp;gt;Die Zeilen in V. 6 sind unterschiedlich verstanden worden. Klar ist nach der Formulierung (Zeile a+b: „&#039;&#039;Silber&#039;&#039;-Band“ + „&#039;&#039;Gold&#039;&#039;-Schale“, Zeile c+d: „Eimer &#039;&#039;an der Quelle&#039;&#039;“ + „Rad &#039;&#039;neben dem Brunnen&#039;&#039;“), dass Zeilen a+b und c+d zwei Gruppen  bilden. So wollen auch die masoretischen Akzente den Vers gelesen wissen. Viel klarer wird er dadurch aber noch nicht. Am besten versteht ihn wohl Beal 1998, S. 301, der die Gegenstände schlicht Gegenstände sein lässt: „[...] I propose that sustained focus be given to its more literal sense, namely, a description of demolished and abandoned items used in everyday life. [...] The image here is somewhat like that of a ghost town – the aftermath of a city of chaos.“ – Der Vers müsste dann nicht mehr besagen, als was klar darin steht: Überall liegen zurückgelassene Luxus- und Gebrauchsgegenstände herum, ein Bild für die Trostlosigkeit der Geisterstadt – mehr nicht.&amp;lt;br /&amp;gt;Die meisten Kommentatoren werden stattdessen bei diesem Vers zu Hobby-Ingenieuren. Die Mehrzahl unter ihnen orientiert sich dabei immerhin an der Gruppierung der Zeilen in zwei Gruppen: Silberband + Goldschale sollen insgesamt nur eine Vorrichtung sein und Schöpfrad + Eimer ebenso. Genauer nämlich: Weil auch in [[Sacharja 4#s2 |Sach 4,2f.]] von einer Goldschale die Rede ist, denken viele aus irgendeinem Grund, dass auch hier eine aufgehängte Lampe gemeint sein müsse. Dabei ist die Goldschale in Sach 4 nicht einmal die Lampe, sondern das Ölgefäß darüber. Gelegentlich wird das dennoch sogar noch weiter ausgedeutet; der Absturz und das Zerschellen dieser Lampe kann dann z.B. für das Verlöschen des Lebenslichts stehen. Entsprechend denken dann viele außerdem in Zeilen c+d an eine Schöpfvorrichtung: Ein Eimer sei an einem Schöpfrad aufgehängt. Dabei befinden sich Rad und Eimer doch an unterschiedlichen Orten: „Brunnen“ und „Quelle“ können kaum identisch sein. Auch dies wird gern weiter ausgedeutet (was hier immerhin auch in den einzelnen Bildern liegt): Dass Brunnenrad und Eimer zerstört sind, bedeute, dass man nicht mehr an das Wasser des Lebens komme. Noch komplizierter Levy, Gordis und Fox: Nach Fox sind ganz merkwürdig drei Gegenstände – eine Goldschale, ein Eimer und ein Bottich – an einem Silberband über einen Brunnen aufgehängt, und als dieser zerreißt, stürzt alles ab und zerschellt. Und nach Levy und Gordis hängt ein Silberseil über einem Schöpfrad; an einem Ende hängt eine Goldschale, am anderen als Gegengewicht ein Ball (?). Und wieder: Als das Band zerreißt, stürzt alles ab und zerschellt. Mir scheint: Dergleichen steht hier einfach nicht im Text.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
{{S|7}} Und zurückkehren wird (muss)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039; / &#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;wird (muss)&#039;&#039; - Heb. &#039;&#039;wejašob&#039;&#039;, anscheinend also „zurückkehren &#039;&#039;muss&#039;&#039;“ (obligativer Jussiv) statt &#039;&#039;wejašub&#039;&#039; („zurückkehren &#039;&#039;wird&#039;&#039;“, Yiqtol). Das wäre gar nicht problematisch; auch der Yiqtol in der nächsten Zeile kann obligative Bed. haben und es passte ein solcher Obligativ für sich genommen auch gut zu Kohelets Lebensphilosophie. Weil nach den sehr vielen Yiqtols und Weqatals in den vorangehenden Zeilen aber so sehr auch hier Yiqtol zu erwarten wäre, und v.a., weil in der nächsten Zeile mit &#039;&#039;tašub&#039;&#039; wirklich ein solcher  Yiqtol des selben Worts folgt, wollen z.B. BHS, Galling und Krüger 1996, S. 118 den Text von &#039;&#039;wejašob&#039;&#039; zu &#039;&#039;wejašub&#039;&#039; korrigieren. Nötig ist das nicht: &#039;&#039;wejašob&#039;&#039; könnte auch nur ähnlich wie in [[Kohelet 11#s9 |Pred 11,9]]; [[Kohelet 12#s1 |12,1]] (weitere Bspp. bei [[Amos 5#s25 |Am 5,25]]) eine ungewöhnliche Yiqtol-Bildung sein, mit der das Wort lautlich an das &#039;&#039;wenaroṣ&#039;&#039; in der vorangehenden Zeile zusammengeschlossen werden soll (so gut Ginsburg; auch Schoors, Schwienhorst-Schönberger, Köhlmoos).&amp;lt;/ref&amp;gt; der Lehm zur Erde, wie er gewesen ist,&lt;br /&gt;
_Und der Atem zurückkehren wird (muss) zu Gott, der ihn gegeben hat.&amp;lt;ref&amp;gt;Zum V. s. die Anmerkungen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|8}} (Hauch des Hauchs=) Flüchtig, allzu flüchtig“, spricht der Kohelet,&amp;lt;ref&amp;gt;Zum „Namen“ &#039;&#039;Kohelet&#039;&#039; s. zu [[Kohelet 1#s1 |Pred 1,1]].&amp;lt;/ref&amp;gt; „alles ist (Hauch=) flüchtig!“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|9}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|10}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|11}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|12}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|13}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|14}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}} Koh 12,1-7 nimmt man gerne als separates Gedicht und bezeichnet es dann als das „Letzte Gedicht“ oder das „Letzte Lied“ des Kohelet – oft groß geschrieben wie „die Letzten Dinge“, denn: es geht um den Tod. Danach folgen nur noch mit Vv. 9-11 und Vv. 12-14 zwei Anhänge an das Kohelet-Buch aus fremder Hand.&amp;lt;br /&amp;gt;Tatsächlich wird aber damit das rechte Verständnis dieses „Letzten Lieds“ verbaut: Koh 12,1-7 steht nicht für sich, sondern gehört mit Koh 11,7-10 zu einem etwas längeren und komplexeren Abschnitt. Die Sinnlinien dieses Abschnitts sind grob diese:&lt;br /&gt;
* 11,7: Grundsatz: „Das Licht ist gut!“&lt;br /&gt;
* 11,8: &lt;br /&gt;
** 11,8a: Zeitangabe: „So lange dein Leben auch währt,“ &lt;br /&gt;
** 11,8b: Rat 1: „Freue dich deines Lebens“, aber&lt;br /&gt;
** 11,8c: Rat 2: „Denke dabei auch daran, dass dunkle Tage sich einstellen können“. Denn: &lt;br /&gt;
** 11,8e: Schlusssatz: „Alles, was kommt“ – inklusive den lichten Tagen – „ist flüchtig“. [Dieser Vers ist wichtig: Kohelet setzt hier deutlich voraus, dass auch bei einem langen Leben jeder Tag das Potential hat, ein lichter Tag zu sein. Dazu gleich mehr.]&lt;br /&gt;
* 11,9-10: &lt;br /&gt;
** 11,9aα: Rat 1: „Freue dich, Jüngling“&lt;br /&gt;
** 11,9aβ: Zeitangabe: „in den Tagen deiner Jugendzeit“&lt;br /&gt;
** 11,9c-10b: Entfaltung von Rat 1: Genieße dein Leben, sofern du dich dabei in den ethischen Schranken bewegst, die Gott dir gesetzt hat. Sonst wird er dich dafür bestrafen [und so führtest du selbst Dunkeltage herbei, s. [[Kohelet 8#s12 |Pred 8,12f.]]; auch [[Kohelet 7#s18 |Pred 7,18]]] (11,9e). Noch einmal: Genieße dein Leben. Denn:&lt;br /&gt;
** 11,10c: Schlusssatz: „Jugend und Dunkelhaarigkeit sind flüchtig“&lt;br /&gt;
* 12,1-7:&lt;br /&gt;
** 12,1aα: Rat 2: „Denke an Gott“&lt;br /&gt;
** 12,1aβ: Zeitangabe: „in den Tagen deiner Jugend“&lt;br /&gt;
** 12,1b-7: Entfaltung von Rat 2 (dazu gleich mehr):&lt;br /&gt;
*** 12,1b-d: „...bevor...“&lt;br /&gt;
*** 12,2-5: „...bevor...“&lt;br /&gt;
*** 12,6-7: „... bevor...“&lt;br /&gt;
** 12,8: Schlusssatz: „Flüchtig, allzu flüchtig! Alles ist flüchtig!“ (vgl. ähnlich Schoors; Ogden 1984, S. 193f.; Fredericks 1991, S. 100)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesem letzten Vers endet ursprünglich das Buch Kohelet; passend schlägt er daher einen weiten Bogen zurück zum fast exakt gleich formulierten Vers [[Kohelet 1#s2 |Pred 1,2]], mit dem zusammen er das ganze Buch Koh 1,3-12,7 umrahmt. Denn dies ist ja Kohelets Grund-These: Alles ist flüchtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese groben Linien sind leicht erkennbar. Auch die Frage danach, warum Kohelet einen solchen Fokus gerade auf Jugend und Jugendzeit legt, ist eigentlich schon beantwortet; wird doch gerade aus diesen Versen abgeleitet, dass der &#039;&#039;qahal&#039;&#039;, vor dem der &#039;&#039;qohelet&#039;&#039; referierte, eine Art &#039;&#039;Schulklasse&#039;&#039; aus Jünglingen war (s. zu [[Kohelet 1 |Pred 1]]). „Freu dich, Jüngling, in deiner Jugendzeit“ heißt also zunächst einmal nicht: „Falls du jung bist, freue dich in deiner Jugendzeit“ und gleichzeitig „falls du schon älter bist, hast du Pech gehabt: In der Jugendzeit hättest du dich freuen müssen, denn das Alter ist die Zeit des Leids“, sondern erklärt sich aus der Gesprächssituation – gesagt wird erst mal nur: „&#039;&#039;Du&#039;&#039;, zu dem ich spreche: Freue dich &#039;&#039;jetzt&#039;&#039;“. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das macht die Frage nach der Bedeutung der Verse Pred 12,1-7 aber nicht etwa leichter, sondern viel schwerer – die überwiegende Mehrheit der alten und neuen Kohelet-Forscher:innen hat den Abschnitt nämlich genau so verstanden. Das ist nicht die Auslegung, die mir (S.W.) hier am wahrscheinlichsten scheint; weil sie aber in einem solchen Maße die Mehrheitsmeinung bei der Auslegung dieser Verse ist, sei sie dennoch kurz vorgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Paradigmatisch (und gut) z.B. Zimmer 1999, S. 203:&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &amp;lt;small&amp;gt;&#039;&#039;„Sicherlich wird zu Recht darauf hingewiesen, daß in 12,2ff. zunächst verschiedene Sachverhalte dargestellt werden und daß sich dem Leser damit die Aufgabe stellt, den Zusammenhang dieser z.T. scheinbar beziehungslos nebeneinander stehenden Sachverhalte zu erschließen. Bei diesem Erschließungsprozeß sind m.E. zunächst diejenigen Hinweise dmoninant, die der Leser im Verlauf der Lektüre erhält; und diese verweisen nicht auf die eschatologische oder apokalyptische Bedeutung, die sicherlich zumindest einige der in 12,2ff verwendeten Bilder (auch) haben, sondern auf das Gegenüber von Jugend und Nicht-Jugend. Während man in 11,8 noch unsicher bleibt, was mit den &#039;&#039;finsteren Tagen&#039;&#039; gemeint ist (&#039;&#039;böse Tage&#039;&#039; in einem beliebigen Lebensabschnitt wie in 7,14, das Alter, das Sterben oder die Zeit des Tot-Seins), lenkt die Anrede des jungen Mannes in 11,9 und dann V 10, indem er die Vergänglichkeit der Jugend zu bedenken gibt, die Gedanken des Lesers eindeutig zu den unterschiedlichen Lebensphasen; 12,1 schließlich stellt der Jugendzeit die Mißfallen erweckenden Jahre gegenüber, die zwar nicht mit dem Alter als drittem und letztem großen Lebensabschnitt identisch sein müssen, die aber doch jedem als (mögliche, wenn nicht gar wahrscheinliche) Begleiterscheinungen des fortschreitenden Alters bekannt sind. Und im Fortgang des Leseprozesses wird der Eindruck, daß es sich bei den in 12,2ff geschilderten Sachverhalten um Bilder des Alterns handelt, bestätigt, denn mit dem Alter, zumal dem von erheblichen Gebrechen gezeichneten, kündigt sich der nahende Tod an, der in 12,6 zunächst bildhaft und in 12,7 dann ausdrücklich erscheint.“&#039;&#039;&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Man gelangt zu einer solchen Bedeutung der Verse 2-6, indem man die „beziehungslos nebeneinander stehenden Sachverhalte“ symbolisch auslegt. Es gibt viele verschiedene Varianten dieser symbolischen Auslegung; sehr grob kann man dabei aber eine antike Variante (zu finden in b.Schab 151a-152b, KohR, LevR 18, Tg, bei Hieronymus und den meisten jüdischen Auslegern. S. ausführlicher Knobel 1991, S. 53f.; Kraus 1999f., S. 224-231) und eine moderne Variante (zu finden z.B noch in den Kommentaren von Eaton, Crenshaw, Treier, Longman, Köhlmoos und fast allen älteren Kommentaren; auch noch z.B. bei Frevel 2009, [https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/bitstream/handle/10900/98534/Hieke_123.pdf?sequence=1&amp;amp;isAllowed=y Hieke 2012], Spieckermann 2020) unterscheiden. Nach beiden werden mindestens in Vv. 2-4 Leiden des Alters geschildert und Vers 5f-7 sprechen noch weitergehend vom sich „aus dem Alter automatisch ergebenden“ Tod. In der Reinform der symbolischen Auslegung wird auch V. 5 symbolisch als Beschreibung der Leiden des Alters verstanden; besonders Zeilen c-e dieses Verses sind aber auch bei symbolischen Auslegern äußerst umstritten. Eine ebenfalls recht häufige alternative Auslegung dieser Zeilen ist z.B.: Mit dem Menschen geht es im Alter bergab (Vv. 2-5b), doch unbekümmert davon lebt die Natur wieder auf (Vv. 5c-e), während der Mensch zu Grabe getragen wird (Vv. 5f-7). Hier aber die beiden Reinformen:&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! &amp;lt;small&amp;gt;Vers !! &amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;center&amp;gt;Stelle&amp;lt;/center&amp;gt; !! &amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;center&amp;gt;Antike Allegorese&amp;lt;/center&amp;gt; !! &amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;center&amp;gt;Moderne Allegorese&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 2 ||&amp;lt;small&amp;gt; die Sonne verfinstert sich ||&amp;lt;small&amp;gt; Falten an der Stirn || rowspan=&amp;quot;5&amp;quot; | &amp;lt;small&amp;gt;V. 2 insgesamt: Freudlosigkeit des Daseins alter Menschen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&amp;lt;small&amp;gt; V. 2 ||&amp;lt;small&amp;gt; das Licht verfinstert sich  ||&amp;lt;small&amp;gt; Falten um die Nase (?) &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&amp;lt;small&amp;gt; V. 2 ||&amp;lt;small&amp;gt; der Mond verfinstert sich ||&amp;lt;small&amp;gt; uneinheitlich: Augen / Stirn / Seele / Nase&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 2 ||&amp;lt;small&amp;gt; die Sterne verfinstern sich ||&amp;lt;small&amp;gt; Falten an den Wangen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 2 ||&amp;lt;small&amp;gt; Wolken kehren nach dem Regen zurück||&amp;lt;small&amp;gt; vom vielen Weinen ist der alte Mensch erblindet. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 3 ||&amp;lt;small&amp;gt; Wächter des Hauses zittern ||&amp;lt;small&amp;gt; Rippen werden schwach ||&amp;lt;small&amp;gt; Arme werden schwach&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 3 ||&amp;lt;small&amp;gt; mächtige Männer krümmen sich ||&amp;lt;small&amp;gt; Arme / Beine krümmen sich||&amp;lt;small&amp;gt; Beine krümmen sich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 3 ||&amp;lt;small&amp;gt; Mahlerinnen hören auf||&amp;lt;small&amp;gt; Die wenigen verbliebenen Zähne kauen nicht mehr gut. /&amp;lt;br /&amp;gt;Magen verdaut nicht mehr richtig.||&amp;lt;small&amp;gt; Die wenigen verbliebenen Zähne kauen nicht mehr gut.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 3 ||&amp;lt;small&amp;gt; Fensterfrauen verfinstern sich||&amp;lt;small&amp;gt; Augen werden schwach. ||&amp;lt;small&amp;gt; Ebenso.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 4 ||&amp;lt;small&amp;gt; Doppelpforte wird geschlossen ||&amp;lt;small&amp;gt; Die Körperöffnungen schließen sich (nicht) (sc. Stuhlgang-Probleme). /&amp;lt;br /&amp;gt; (Schön:) Die Türen zur Straße sind die Füße, diese gehen nicht mehr gut. ||&amp;lt;small&amp;gt; Die Lippen artikulieren nicht mehr gut. /&amp;lt;br /&amp;gt;Die Ohren hören nicht mehr gut. /&amp;lt;br /&amp;gt;Man ist sozial isoliert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 4 ||&amp;lt;small&amp;gt; Klang der Mühle verstummt ||&amp;lt;small&amp;gt; Der Magen verdaut nicht mehr ||&amp;lt;small&amp;gt; Wieder: Die Zähne kauen nicht mehr gut.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 4 ||&amp;lt;small&amp;gt; Erheben zu Vogelgezwitscher ||&amp;lt;small&amp;gt; Man hat einen so leichten Schlaf, dass man schon wegen Vogelgezwitscher aufwacht. ||&amp;lt;small&amp;gt; Ebenso. Oder: Die Stimme wird hoch wie Vogelgepiepse.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 4 ||&amp;lt;small&amp;gt; Sinken der Töchter der Musik ||&amp;lt;small&amp;gt; Man kann nur noch leise singen. /&amp;lt;br /&amp;gt; Man wird entscheidungsschwach, weil die Nieren dem Herzen ihren Willen nur leise kund tun. ||&amp;lt;small&amp;gt; Man hört nicht mehr gut. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 5 ||&amp;lt;small&amp;gt; Furcht vor Hohem ||&amp;lt;small&amp;gt; Man fürchtet sich davor, Hügel steigen zu müssen. /&amp;lt;br /&amp;gt;Schön ibn Ezra: Man fürchtet sich vor seinen eigenen Gedanken, die schon im Himmel weilen. ||&amp;lt;small&amp;gt; Ebenso.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 5 ||&amp;lt;small&amp;gt; Schrecken auf der Straße ||&amp;lt;small&amp;gt; Man geht nirgends mehr hin aus Angst davor, nicht den ganzen Weg bewältigen zu können. ||&amp;lt;small&amp;gt; Selbst ebenerdige Wege sind schwer zu bewältigen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 5 ||&amp;lt;small&amp;gt; Mandelbaum blüht ||&amp;lt;small&amp;gt; Die Wirbelsäule wird sichtbar. ||&amp;lt;small&amp;gt; Das Haar wird weiß.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 5 ||&amp;lt;small&amp;gt; Heuschrecke belädt sich ||&amp;lt;small&amp;gt; Man wird impotent. /&amp;lt;br /&amp;gt;Knöchel schwellen an. ||&amp;lt;small&amp;gt; Man wird impotent. /&amp;lt;br /&amp;gt; Man schleppt sich nur noch dahin.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 5 ||&amp;lt;small&amp;gt; Kaper platzt ||&amp;lt;small&amp;gt; Man hat keine Lust mehr auf Geschlechtsverkehr. ||&amp;lt;small&amp;gt; Ebenso, weil die Kaper ein Aphrodisiakum sei (was nicht der Fall zu sein scheint).&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 5 ||&amp;lt;small&amp;gt; Mensch geht ins ewige Haus ||&amp;lt;small&amp;gt; Jedem Menschen ist im Tod ein eigener Ort als „eigenes Haus“ zugewiesen ||rowspan=&amp;quot;2&amp;quot; | &amp;lt;small&amp;gt; selten symbolisch ausgelegt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 5 ||&amp;lt;small&amp;gt; Klagende auf der Straße ||&amp;lt;small&amp;gt; Maden auf dem Körper, wenn man tot ist.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 6 ||&amp;lt;small&amp;gt; Silberband reißt ||&amp;lt;small&amp;gt; Wirbelsäule wird kettenähnlich, wenn man tot ist. ||rowspan=&amp;quot;4&amp;quot; | &amp;lt;small&amp;gt; 6a+b und 6c+d als Symbole für den Tod.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 6 ||&amp;lt;small&amp;gt; Goldschale zerbricht ||&amp;lt;small&amp;gt; Schädel zerbricht, wenn man tot ist.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 6 ||&amp;lt;small&amp;gt; Eimer an der Quelle zerbricht  ||&amp;lt;small&amp;gt;Magen verwest&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 6 ||&amp;lt;small&amp;gt; Rad zerbricht ||&amp;lt;small&amp;gt; verschiedene weitere Organe verwesen. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;In der sehr viel älteren Lehre des Ptahhotep (8-21) gibt es eine Passage, mit der sich der so ausgelegte Text dann sehr gut vergleichen ließe:&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &amp;lt;small&amp;gt;&#039;&#039;Gebrechlichkeit ist entstanden, das Greisenalter ist eingetreten,&amp;lt;br /&amp;gt;Schwäche ist gekommen, die kindliche Hilflosigkeit kehrt wieder.&amp;lt;br /&amp;gt;Die Kraft schwindet, denn müde ist mein Herz,&amp;lt;br /&amp;gt;Der Mund ist verstummt, er spricht nicht mehr.&amp;lt;br /&amp;gt;Die Augen sind trübe, die Ohren sind taub,&amp;lt;br /&amp;gt;das Schlafen fällt ihm schwer jeden Tag.&amp;lt;br /&amp;gt;Das Herz ist vergesslich, es erinnert sich nicht an gestern,&amp;lt;br /&amp;gt;der Knochen ist krank wegen der Länge (der Jahre).&amp;lt;br /&amp;gt;Die Nase ist verstopft, sie kann nicht atmen,&amp;lt;br /&amp;gt;denn beschwerlich sind Aufstehen und Niedersetzen.&amp;lt;br /&amp;gt;Das Gute wird zum Schlechten, jeder Geschmackssinn ist geschwunden.&amp;lt;br /&amp;gt;Was das Alter den Menschen antut:&amp;lt;br /&amp;gt;Schlimmes in jeder Weise!&#039;&#039; (Üs.: [https://archiv.ub.uni-heidelberg.de/propylaeumdok/2249/1/Burkard_Die_Lehre_des_Ptahhotep_1991.pdf Burkhard in TUAT III/2], S. 197),&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;und für V. 3 lässt sich das diese Interpretation auch recht gut verteidigen: Auch Galen bezeichnet die Arme die „Wächter des Hauses“, das der Körper ist, und die Zähne als „Mühlen“ (vgl. Braun 1973, S. 105); ähnlich heißen sie im Arabischen „die Müllerinnen“ (s. ibn Tibbon). Eine Deutung der „mächtigen Männer“ als Beine wäre nach der Rede von den Armen sehr naheliegend, ebenso die Bed. „Augen“ von „die Guckerinnen“.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber: Die Bedeutung der anderen Bilder wäre weniger offensichtlich, das Nebeneinander von bildlicher und nicht-bildlicher Rede wäre für biblischen Stil zumindest sehr ungewöhnlich; vor allem aber lässt sich diese Auslegung kaum mit [[Kohelet 11#s8 |Pred 11,8]] am Anfang dieses Abschnitts vereinbaren (s. zu V. 1). Es passt auch schwerlich zusammen z.B. mit [[Kohelet 7#s15 |Pred 7,15]]; [[Kohelet 8#s12 |8,12]], wo es als ungerecht und unerklärlich erklärt wird, dass sündige Menschen ein derart langes Leben haben dürfen, das für Kohelet also offensichtlich etwas &#039;&#039;Gutes&#039;&#039; ist. Zuletzt wäre eine solche Auslegung ausgesprochen altersdiskriminierend; sind andere Auslegungen ähnlich plausibel, sollte eine diskriminierungssensible Auslegung die Verse besser anders verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine hilfreiche Übersicht über die meisten der häufiger vorgeschlagenen alternativen Auslegungen findet sich bei [http://www.scielo.org.za/pdf/ote/v23n2/02.pdf Debel 2010]; die Deutung, die hier folgt, ist eine Variante der dort unter Abschnitt (7) zusammengefassten Interpretationen.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Auslegungstyp (7) wird neben den in Debel referierten Auslegungen von Beal, Krüger und Seow mittlerweile z.B. auch vertreten von Kamano 2002, S. 228-234; Takeuchi 2015, S. 169-180; Kang 2016 und ähnlich von Bartholomew.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wie man an der Struktur des Abschnittes (s.o.) sieht, ist &#039;&#039;&#039;12,1-7&#039;&#039;&#039; Entfaltung von 11,8c: „Der Mensch soll eingedenk sein der Tage der Dunkelheit“. Dies wird in &#039;&#039;&#039;V. 1ab&#039;&#039;&#039; direkt wieder aufgegriffen: „Sei eingedenk deines Schöpfers, bevor die argen Tage kommen.“ Wie noch recht häufig im Kohelet-Buch erscheint also auch hier – und noch deutlicher in [[Kohelet 11#s9 |Pred 11,9]] – Gott als jene unbegreiflichen Macht, über die man gerade so weiß, dass sie Freud und Leid verursacht – und Letzteres besonders dann, wenn man gegen seinen Willen verstoßen hat (s. [[Kohelet 3#s17 |Pred 3,17]]; [[Kohelet 5#s5 |5,5]]; [[Prediger 7#s16 |7,16-18]]; [[Kohelet 8#s5 |8,5f.]].[[Kohelet 8#s12 |12f.]]). „Gedenke deines Schöpfers, bevor die argen Tage kommen“, heißt dann also: „Sei gottesfürchtig, &#039;&#039;damit nicht&#039;&#039; arge Tage kommen“; V. 1 ist damit die ausführlichere Fassung des Caveats in 11,9e: „[Genieße dein Leben,] aber wisse dabei, dass Gott dich wegen all diesem vor Gericht bringen wird.“ &#039;&#039;&#039;1cd&#039;&#039;&#039; ist eine Entfaltung dieser argen Tage: Gemeint ist eine Zeit, die dem Menschen gar nichts Freudiges bietet. Eine solche Zeit ist also (hoffentlich) die Strafe für Missetaten (obwohl sie manchmal unbegreiflicher Weise auch über Gerechte hereinbrechen kann).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;&#039;V. 2&#039;&#039;&#039; schließt sich (nach 1b) ein weiterer „bevor“-Nebensatz an. Was hier beschrieben wird, wird dann in Vv. 3-5 noch genauer bestimmt mit einem V. 2 untergeordneten temporalen Nebensatz: Das in V. 2 geschieht „am Tag, an dem...“. Schon hieran sieht man: Was auf das „bevor“ in 2a folgt, ist offenbar nicht identisch mit dem „bevor“-Satz in 1b: Dort geht es um eine Zeitspanne, hier um einen Zeitpunkt. Doch auch dieser Zeitpunkt ist ein „dunkler Tag“; sogar der ultimative dunkle Tag: Mit Vokabular, das der Bibel-Lesende besonders aus apokalyptischen Texten kennt, wird der Zeitpunkt näher beschrieben zunächst als einer, an dem Sonne, Mond und Sterne sich verfinstern, weil nicht enden wollendes Gewölk den Himmel verdeckt. Diesem trostlosen Himmel entspricht in &#039;&#039;&#039;V. 3-4b&#039;&#039;&#039; die trostlose Erde: Selbst starke Wächter zittern und selbst mächtige Männer krümmen sich aus namenlosem Schrecken, die Mahlmägde sind quantitativ kaum noch vorhanden und daher nicht mehr zu hören, die wohlhabenden Frauen qualitativ und daher nicht mehr zu sehen. Dem düsteren Himmel entspricht die dunkle Menschenwelt, in der die Menschen selbst sich „verfinstern“ (3d). Auch außerhalb der Wohnhäuser ist der öffentliche Betrieb in der Stadt zum Erliegen gekommen: Die Marktstraße wurde geschlossen, und, wieder: Nicht einmal das für die Stadt des alten Israel so charakteristische Geräusch des Mahlens lässt sich noch vernehmen. Der Mensch schwindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darauf wendet sich der Blick wieder nach oben: In &#039;&#039;&#039;4c-5e&#039;&#039;&#039; sind statt dem Geräusch des Mahlens nun Vögel zu vernehmen; diese „Töchter des Gesangs“ senken sich langsam über die Stadt und blicken auf den „Schrecken auf der Straße“ hinab. Und unten, da blüht der Mandelbaum auf; statt den Schnittern im Getreidefeld belädt sich die Heuschrecke mit Früchten, und „die Kaper bricht“. Heißt Letzteres (wie oben vorgeschlagen), dass sie aus Ruinen emporwächst und diese „zerbricht“, ist auch dies (wie die Rede von den hinabsteigenden Vögeln in die menschenleere Stadt) ein Bild dafür, wie die Natur diese Geisterstadt zurückerobert (s. ähnlich [[Jesaja 13#s21 |Jes 13,21]]; [[Jesaja 34#s13 |34,13]]; [[Jeremia 50#s39 |Jer 50,39]]). Heißt es dagegen, wie es heute oft stattdessen verstanden wird, dass ihre Früchte aufplatzen oder sie ihre Blätter verliert (s.o.) schildern 5c-e stattdessen den Lebenszyklus der Natur: Der Mandelbaum blüht als erster auf, wenn der Winter sich seinem Ende zuneigt. Die Heuschrecke schreitet im späten Frühjahr oder im Frühsommer an die Ernte, die Kapernfrucht platzt im Hochsommer oder verliert im Herbst ihre Blätter (vgl. ähnlich Köhlmoos; Tantlevskij 2019). Der Mensch dagegen ist (bereits) tot: Zu sehen sind auf den Marktstraßen nur noch Trauerprozessionen, bei denen Klagende den Verstorbenen das letzte Geleit geben (&#039;&#039;&#039;5fg&#039;&#039;&#039;).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;Dieser&#039;&#039; dunkle Tag ist also wirklich der ultimative dunkle Tag: Beschrieben wird das Ende der Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zurück bleiben von ihnen nach dem dritten „bevor“-Nebensatz in &#039;&#039;&#039;V. 6&#039;&#039;&#039; nur noch Überreste: Zerrissene Bänder, zerschellte Schalen, zerborstene Eimer, zerbrochene Räder. Mehr nicht. Denn der Mensch selbst hinterlässt keine Spuren (&#039;&#039;&#039;V. 7&#039;&#039;&#039;): Sein Leib verrottet und wird wieder zu Erde, seinen Atem haucht er aus, worauf dieser spurlos wieder zu Gott zurückkehrt, der ihn dem Menschen erst gegeben hat. Was dann und dort mit diesem Atem geschieht, das weiß Kohelet in [[Kohelet 3#s19 |Pred 3,19-21]] nicht.&amp;lt;br /&amp;gt;Wenn hier anders als dort angenommen wird, dass der Atem des Menschen zu Gott zurückkehrt, darf man dies sehr wahrscheinlich dennoch nicht verstehen als eine Art „Himmelfahrt der unsterblichen Seele“: Der „Lebensatem“ ist ein sehr anderes Konzept als die „Seele“. Selbst in Midrasch ExR 31,15 wird der Vers daher nicht auf eine unsterbliche Seele gedeutet. Als Gott gefragt wird, warum er keinen Lohn für all seine Gaben fordert, antwortet er dort nämlich: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;„Seht, wie viel ich verleihe. Und ich nehme doch keinen Zins. Seht, wie viel die Erde verleiht. Und auch sie nimmt doch keinen Zins. Ich nehme nur das Startkapital, das ich geliehen habe, und auch sie nimmt nur das ihre, wie ja geschrieben steht: ‚Zurückkehren wird der Lehm zur Erde, wie er gewesen, / und der Atem wird zurückkehren zu Gott, der ihn gegeben hat.‘“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was hier also dann doch „zu Gott zurückkehrt“, ist keine „Seele“, sondern nur das Leben, das Gott den Menschen in [[Genesis 2#s7 |Gen 2,7]] &#039;&#039;verliehen&#039;&#039; hat. „Der Atem kehrt zu Gott zurück“ heißt dann nur: „Der Mensch haucht seinen Atem aus“.&amp;lt;br /&amp;gt;So jedenfalls m.W. alle neueren Kommentatoren. Völlig sicher ist das aber nicht: Kohelet (und ebenso Jesus Sirach, [[Jesus Sirach 40#s11 |40,11]]: „Alles, was von der Erde kam, kehrt zur Erde zurück, und was aus der Höhe kam, in die Höhe.“) zitiert hier deutlich ein griechisches Sprichwort, das bei mehreren Autoren belegt ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;Epicharmus&#039;&#039;&#039;: „Sie waren zusammengefügt und lösten sich wieder auf und kehrten zurück an den Ort, woher sie kamen: Die Erde zur Erde, der Geist nach oben.“ &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;Euripides&#039;&#039;&#039;: „Der Körper werde in der Erde begraben. Woher jedes Teil kam, dahin kehrt es zurück: Der Geist zum Äther, der Körper zur Erde. Nicht als unser Eigen besitzen wir sie, nur als Gäste und als Lehen.“ &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;Lukrez&#039;&#039;&#039;: „So steigt alles auf, so kehrt alles zurück: Erde nimmt, was Erde gab, und zurück zum Himmel steigt wieder auf der ätherische Himmelstau, der herunterfiel.“ (&#039;&#039;apud&#039;&#039; Ginsburg 1861, S. 468)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mindestens wird hier also die hebräische Vorstellung vom „Lebensatem“ &#039;&#039;verquickt&#039;&#039; mit der griechischen vom „ätherischen Geist“, und auch Pred 3,19-21 zeigt ja, dass Kohelet zumindest die Vorstellung bekannt war, dass es einen qualitativen Unterschied gebe zwischen menschlichem und tierischem „Atem“, der dann mehr sein muss als nur das Schnaufen der Lebewesen. &#039;&#039;Wie sehr&#039;&#039; hier griechische Vorstellungen mit den hebräischen verschmolzen sind, ist aber nicht zu erkennen.&amp;lt;br /&amp;gt;Vermutlich aber nicht sehr stark, denn was der Sinn dieses Verses in diesem Kontext ist, sagt dann &#039;&#039;&#039;V. 8&#039;&#039;&#039;: „Flüchtig, allzu flüchtig! Alles ist flüchtig“: Der Mensch vergeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pred 12,1-7 ist damit insgesamt die ultimative Warnung zur Gottesfürchtigkeit. Straft Gott, folgen Unglückstage (12,1), oder folgt sogar der ultimative dunkle Tage (12,2-5) – der Todestag, mit dem der Mensch aufhört, „unter der Sonne“ (s. zu [[Kohelet 1#s3 |Pred 1,3]]) zu wandeln, und das, was sich daran anschließt (12,6-7): Das beinahe spurlose Verschwinden des Menschen. Die Zusammenfassung des Kohelet-Buches, die der spätere Ergänzer gleich in Vv. 13f. geben wird, ist zumindest für Pred 12,1-7 also korrekt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
	</entry>
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		<updated>2026-02-26T16:00:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Status&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Studienfassung in Arbeit}}&lt;br /&gt;
{{Lesefassung folgt später}}&lt;br /&gt;
{{Zuverlässige Studienfassung|Vers 1-7}}&lt;br /&gt;
{{Lesefassung kann erstellt werden|Vers 1-7}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Lesefassung}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{L|1}}&lt;br /&gt;
{{L|2}}&lt;br /&gt;
{{L|3}}&lt;br /&gt;
{{L|4}}&lt;br /&gt;
{{L|5}}&lt;br /&gt;
{{L|6}}&lt;br /&gt;
{{L|7}}&lt;br /&gt;
{{L|8}}&lt;br /&gt;
{{L|9}}&lt;br /&gt;
{{L|10}}&lt;br /&gt;
{{L|11}}&lt;br /&gt;
{{L|12}}&lt;br /&gt;
{{L|13}}&lt;br /&gt;
{{L|14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|1}} Und ({Und})&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Und ({&amp;lt;s&amp;gt;Und&amp;lt;/s&amp;gt;})&#039;&#039; - &#039;&#039;Und&#039;&#039; könnte hier wie in [[Kohelet 11#s7 |Pred 11,7]] bloß einen neuen Unterabschnitt einleiten (so z.B. Longman), aber gerade hier ist es ganz unproblematisch: Pred 12,1-8 ist sehr klar die Fortsetzung von Pred 11,7-10. S. die Anmerkungen.&amp;lt;/ref&amp;gt; sei eingedenk deines Schöpfers&amp;lt;ref&amp;gt;Mitgehört werden kann wohl wirklich auch: &#039;&#039;Sei eingedenk deines Schöpfers [und damit auch der Tatsache, dass du Geschöpf und damit sterblich bist]&#039;&#039; (so z.B. Cohen, Fox, Murphy). Zunächst und zuvorderst ist V. 1 aber eine sehr viel ausführlichere Variante von [[Kohelet 11#s9 |Pred 11,9e]]: „(Jüngling, mach, was dir gefällt,) aber denke dabei daran, dass Gott dich für alles bestrafen wird [was du Falsches tust].“ Und dann hier: „[Mach, was dir gefällt, Jüngling,] aber denke dabei an Gott [der dich für Missetaten bestrafen wird]“.&amp;lt;br /&amp;gt;„Schöpfer“ (wie ähnlich in [[Ijob 32#s22 |Ijob 32,22]]; [[Ijob 36#s3 |36,3]]; [[Jesaja 43#s1 |Jes 43,1]]) sieht aus wie Plural, ist aber entweder nur Pluralis majestatis für Sg. (z.B. Murphy), späte Orthographie (z.B. Fox), Wortbildung eines III-Alef-Wortes nach dem Muster eines Verbum tertiae infirmae (z.B. Gordis, Seow) oder ähnlich wie in [[Kohelet 11#s9 |Pred 11,9]]; [[Kohelet 12#s7 |12,7]] abnormale Wortverwendung/-bildung zur Herstellung eines Reims (vgl. &#039;&#039;bore`eka&#039;&#039; „dein Schöpfer“ – &#039;&#039;beḥuroteka&#039;&#039; „deine Jugend“; hier ähnlich Köhlmoos; weitere Bspp. bei [[Amos 5#s25 |Am 5,25]]). Auch alle Versionen übersetzen mit Sg. Wohl wegen der ungewöhnlichen Form haben die Alten dennoch intensiver über dieses Wort nachgedacht. Zum Beispiel: „&#039;&#039;Akabja ben Mahalalel sagte: ‚Sei dreier Dinge eingedenk, und du wirst nicht der Macht der Sünde unterliegen: Woher du kamst, wohin du gehst, und vor wem du dich in Zukunft verantworten werden musst. [...]‘ (m.Ab iii 1). Das hat er aus diesem Vers abgeleitet: ‚Sei eingedenk deines &#039;&#039;bore`eka&#039;&#039; [Schöpfers], vor dem du dich verantworten werden musst, sei eingedenk deines &#039;&#039;boreka&#039;&#039; [Grabes], einem Ort von Erde, Maden und Würmern, und sei eingedenk deiner &#039;&#039;be`ereka&#039;&#039; [Quelle], die aus ihrem Ort entspringt, das heißt, dem stinkenden Tröpflein weißen Samens.&#039;&#039;‘“ (Raschi nach j.Sot xi 2). Auch Raschi las den Vers also schon in dieser doppelten Bedeutung: (1) „Denke bei deinem Handeln stets an Gott, denn er wird dir dein Tun vergelten“ und (2) „Denke daran, dass du nur ein Geschöpf bist, (entstanden aus ‚stinkendem Samen‘ und bestimmt für den Ort von Erde, Maden und Würmern).“&amp;lt;/ref&amp;gt; in den Tagen deiner Jugend,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;in den Tagen deiner Jugend&#039;&#039; deshalb, weil hier noch der mit [[Kohelet 11#s9 |Pred 11,9]] begonnene Unterabschnitt fortgesetzt wird, in dem die Jugendzeit mit den „vielen Tagen“ des Langlebigen in Pred 11,8 kontrastiert wird. Fast alle alten und die große Mehrheit der neueren Kommentatoren nehmen allerdings dieses Wort mit dem Rest des Verses zum Schlüssel für den ganzen Abschnitt und denken, dass in Pred 12,1-7 davon die Rede sei, wie schlimm ein hohes Alter ist. Das kann kaum richtig sein; Pred 11,8 macht klar, dass man (natürlich) auch mit einem langen Leben dieses ganze Leben hindurch Freude haben kann. Richtig die Zohar (I 204a): „&#039;&#039;Was sind die ‚argen Tage‘? Wenn du glaubst, das seien die Tage des Alters, liegst du daneben. Ein Mensch kann auch in hohem Alter freudige Jahre genießen, umgeben von Kindern und Enkelkindern. Was sind die argen Tage also dann? Es sind die Tage, an denen man sündigt.&#039;&#039;“ (nach Broch 1982, S. 253). Die „Tage und Jahre, die kommen“ sind dann nicht die Tage und Jahre des Alters, sondern je und je die dunklen Tage, die sich in jedem Lebensabschnitt stets dem Menschen zuschicken können.&amp;lt;br /&amp;gt;Erwähnenswert noch: Maimonides hat auf diesem Vers einen zentralen Aspekt seiner Ethik aufruhen lassen, nämlich seine Theorie der wahren Umkehr: Speziell vom &#039;&#039;Jugendlichen&#039;&#039; sei hier deshalb die Rede, weil man zwei Modi der Umkehr unterscheiden muss. Erstens die Umkehr zu einer Zeit, da man eine Missetat begangen hat und &#039;&#039;noch imstande wäre, sie ein weiteres Mal zu begehen&#039;&#039;, es aber wegen einer „Umkehr“ (&#039;&#039;teschubah&#039;&#039;) nicht tut, und zweitens die Umkehr zu einer Zeit, da man eine früher begangene Untat zwar bereut, sie aber hauptsächlich deshalb nicht mehr begeht, weil man wegen fortgeschrittenen Alters oder verstrichener Gelegenheit ohnehin nicht mehr die Chance dazu hat. Nur, wer auf die erste Weise „umkehrt“, ist ein echter &#039;&#039;ba`al teschubah&#039;&#039; („Meister der Umkehr“); vgl. Hilkot Teschubah 2,1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Bevor kommen werden die argen (bösen) Tage&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;die argen Tage&#039;&#039; im Gegensatz zur „Zeit des Lichts“ in [[Kohelet 11#s7 |Pred 11,7f.]]. Dort war das Licht „gut, angenehm“. Nun dagegen werden die „argen, bösen“ Tage geschildert, die „dunkle“ Tage sind (V. 2). In der LF besser nicht: „böse Tage“; &#039;&#039;ra´ah&#039;&#039; („böse, arg“) ist ein Leitwort in Kohelet und „böse Tage“ sind natürlich nicht „moralisch üble“ Tage, sondern „&#039;&#039;schlimme&#039;&#039; Tage“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und nahen werden die Jahre, über die (an denen) du sagst:&lt;br /&gt;
_„Für mich [liegt] nicht in ihnen&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;ihnen&#039;&#039; bezieht sich zurück sowohl auf die „Jahre“ (im Heb. fem.) als auch die „Tage“ (im Heb. mask.), daher maskulin. Annahme von Genus-Inkongruenz (so z.B. Lauha, Murphy mit Verweis auf [https://en.wikisource.org/wiki/Gesenius%27_Hebrew_Grammar/135._The_Personal_Pronoun#GHGpar-135-o GKC §135o]) ist hier unnötig.&amp;lt;/ref&amp;gt; Freudiges!“,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Für mich liegt nicht in ihnen Freudiges&#039;&#039; - Fast stets übersetzt als „Sie gefallen mir nicht“ oder „Ich habe keinen Gefallen an ihnen“. Im Heb. wird dies aber ganz objektiv geschildert: Es liegt wirklich nichts Freudiges für den Sprechenden in ihnen. Besser in der LF daher vielleicht: „Ich finde an ihnen gar keinen Gefallen.“&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|2}} Bevor sich verfinstern werden (die Sonne und das Licht=) das Licht der Sonne&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;(die Sonne und das Licht=) das Licht der Sonne&#039;&#039; - Hendiadyoin, so sicher richtig Kugel 1999, S. 305.338; Savran 2018, S. 157. „Die Sonne und das Licht“ = daher „das Licht der Sonne“ oder „die leuchtende Sonne“.&amp;lt;br /&amp;gt;Fast alle, die auf das „Licht“ &#039;&#039;neben&#039;&#039; „Sonne, Mond und Sternen“ eingehen, behaupten mit Verweis auf [[Genesis 1#s3 |Gen 1,3-5]], im Weltbild des Alten Israel habe Licht unabhängig von den Himmelskörpern existiert. Das liegt aber schon in Gen 1 ganz fern: nach Gen 1,5 schafft Gott in Gen 1,3-5 nicht „Licht“, sondern „&#039;&#039;den Tag&#039;&#039;“, und in Gen 1,14f. heißt es explizit, dass die Himmelskörper „Lichter sein“ und „über der Erde scheinen“ sollen. Vgl. ähnlich [[Jesaja 13#s10 |Jes 13,10]]; [[Ezechiel 32#s7 |Ez 32,7]] und v.a. [[Amos 8#s9 |Am 8,9]], wo Gott jeweils die Himmelskörper verfinstert, um Dunkelheit über die Erde zu bringen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Und der Mond und die Sterne&lt;br /&gt;
_Und die Wolken nach dem Regen zurückkehren&amp;lt;ref&amp;gt;V. 2 muss nicht unbedingt übernatürliche Geschehnisse schildern. Lesende / Hörende sollen sicher an die apokalyptische Schilderungen wie in [[Jesaja 5#s30 |Jes 5,30]]; [[Jesaja 8#s20 |8,20]]; [[Jesaja 13#s10 |13,10]]; [[Ezechiel 30#s18 |Ez 30,18]]; [[Ezechiel 32#s7 |32,7]]; [[Joel 2#s2 |Joel 2,2.10]]; [[Joel 3#s3 |3,3-4]]; [[Joel 4#s15 |4,15]]; [[Amos 5#s18 |Am 5,18.20]]; [[Zefanja 1#s15 |Zef 1,15]] denken (richtig z.B. Fox, Seow, Schoors; Beal 1998, S. 295; Kang 2016, S. 332), aber auch diese apokalyptischen Geschehnisse könnten zumeist durchaus realistische Vorkommnisse schildern: „[Wie es in der Klimazone Israels tatsächlich gewöhnlich ist, lässt d]ie winterliche Jahreszeit [...] die regelmäßige Helle des Sonnenlichtes bei Tage, und in der Nacht auch das Licht der Nachtgestirne vermissen, indem nach einem Regenguß anders als in den hellen Jahreszeiten der Himmel sich nicht wieder entwölkt, sondern gleich die Wolken für den nächsten Regenguß aufziehen.“ (Zimmerli 1962, S. 246 nach Hertzberg 1957, S. 115; ähnlich z.B. Galling, Lauha). So und so; wichtig ist vor allem: Geschildert werden hier &#039;&#039;dunkle&#039;&#039; Tage; diese werden im Folgenden noch weiter spezifiziert, und auch im Folgenden weiterhin als Tage beschrieben, an denen es nicht etwa einem einzelnen Menschen schlecht geht, sondern in denen wirklich und objektiv der ganze Kosmos freudlos ist. Stark Raschbam: „&#039;&#039;Dieser Vers ist vergleichbar mit [[Jesaja 50#s3 |Jes 50,3]], und ist eine Metapher dafür, wie die Welt für Menschen in ihrem großen Leid dunkel ist.&#039;&#039;“&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|3}} Am Tag, an dem schlottern (zittern) werden die Hüter (Wächter) des Hauses&amp;lt;ref&amp;gt;Die &#039;&#039;Hüter des Hauses&#039;&#039; sind entweder echte Securities, also eine Gruppe von Angestellten, die reichere Anwesen vor Einbrechern etc. sichern sollten (so z.B. Ginsburg, Kang 2016, S. 332; Pérez 2020, S. 185) oder eine Art Hausmeister, die sich ähnlich um das Anwesen zu besorgen hatten, wie z.B. in [[Hohelied 8#s11 |Hld 8,11f.]] die „Hüter von Salomos Weingarten“ landwirtschaftliche Subunternehmer sind, die für Salomo dessen Weingarten bestellen (so z.B. Cohen, Fox; Savran 2018, S. 163). Angezielt ist aber klar der Kontrast zwischen dem „Schlottern“ und dem erwartbaren Stark-Sein der „Hüter“, der auch durch den Parallelismus der „Hüter“ mit den „mächtigen Männern“ unterstrichen wird. Viel besser käme dies in der LF durch eine Üs. mit „Wächter“ zum Ausdruck.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Und sich krümmen werden mächtige Männer&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;mächtige Männer&#039;&#039; - w. „Männer von &#039;&#039;ḥajil&#039;&#039;“, ein Wort mit weiter Bedeutungsspanne, das aber v.a. für „Kraft, Stärke“ (z.B. [[1 Samuel 2#s4 |1 Sam 2,4]]; [[Psalm 18#s40 |Ps 18,40]]; [[Kohelet 10#s10 |Pred 10,10]]) oder für „Besitz, Wohlstand“ steht (z.B. [[Ijob 5#s5 |Ijob 5,5]]; [[Jeremia 17#s3 |Jer 17,3]]; [[Jesaja 60#s5 |Jes 60,5]] s. V. 6). Wegen der zweiten Bedeutung sind hier vielleicht die Dienstgeber der „Hüter“ gemeint, die die behüteten Häuser bewohnen; der Fokus liegt aber auch dann auch auf dem Stark-Sein auch dieser Männer (so auch Savran 2018, S. 163; Pérez 2020, S. 185).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und aufhören (nicht arbeiten) werden die Mahlerinnen,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Mahlerinnen&#039;&#039; - nicht: „Müllerinnen“; dies weckt die falschen Assoziationen. Zum Mahlen vgl. z.B. [https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/200957/ Mühle (WiBiLex)]: Gemahlen wurde Mehl im Alten Israel nicht automatisch in Windmühlen oder Wassermühlen, sondern mit Handmühlen im Privathaushalt, mit denen man Getreide zwischen zwei Steinen händisch zu Mehl zerrieb. Die Handmühle gehörte so sehr zum Grundbedarf eines Haushalts, dass für sie noch strenger als für den Mantel bestimmt wurde, dass sie gar nicht verpfändet werden durfte ([[Deuteronomium 24#s6 |Dtn 24,6]]). Das Mehl-Mahlen war so mühsam und zeitraubend, dass eine Person für das Mahlen des „Tagesbedarf[s] von 4-6 Personen einen ganzen Tag mit Mahlen beschäftigt war“ (ebd.). Es musste daher in der Gesellschaft des Alten Israel, in der Männer tagsüber außer Haus ihren Brotberuf ausüben mussten, notwendig zur Frauenarbeit werden (eine Ausnahme ist [[Richter 16#s21 |Ri 16,21]], dazu s. aber dort). Haushalte, die sich das leisten konnten, beschäftigten daher dafür Mahl-Mägde oder kauften sich Mahl-Sklavinnen (s. [[Exodus 11#s5 |Ex 11,5]]; [[Jesaja 47#s2 |Jes 47,2]]). Das Geräusch des Mahlens war so charakteristisch für die Gesellschaft des Alten Israel, dass das Verstummen der Mühlen auch in [[Jeremia 25#s10 |Jer 25,10]] und [[Offenbarung 18#s22 |Offb 18,22f.]] als Metapher für die Endzeit genommen werden kann: Selbst diese Tätigkeit wird nicht mehr ausgeführt werden. Sehr ähnlich ja hier auch im nächsten Vers.&amp;lt;br /&amp;gt;Etwas besser ist daher jedenfalls die Üs. von H-R: „Mahlmägde“. Ideal ist aber auch diese Üs. noch nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; weil sie wenig geworden sind,&amp;lt;ref&amp;gt;Klangspiel: „sie werden aufhören, weil sie wenig geworden sind“ ist im Heb. &#039;&#039;ba&#039;&#039;&#039;ṭ&#039;&#039;&#039;elu ha&#039;&#039;&#039;ṭṭ&#039;&#039;&#039;oḥano&#039;&#039;&#039;t&#039;&#039;&#039; ki mi´e&#039;&#039;&#039;ṭ&#039;&#039;&#039;u&#039;&#039;. Noegel 2007, S. 14 denkt, diese Häufung von &#039;&#039;t&#039;&#039;-Lauten solle Onomatopoesie für das Mahlen von Mühlen sein. Das ist gut möglich.&amp;lt;br /&amp;gt;„Sie“ sind kaum die Mahlerinnen, die ja gerade nicht aufhören dürften, wenn ihrer nur noch wenige wären. „Sie“ dürften stattdessen &#039;&#039;alle&#039;&#039; Menschen sein: Es braucht nicht mehr gemahlen zu werden, weil hier und im Folgenden eine Geisterstadt beschrieben wird. So z.B. richtig z.B. Davis 1991, S. 309; Fox 1989, S. 292 (vs. S. 302).&amp;lt;br /&amp;gt;Möglich wäre auch, das Verb gegen die Akzente noch in die nächste Zeile zu schieben: „Die Mahlmägde hören auf, weil die aus-dem-Fenster-Guckerinnen so wenig geworden sind und sich verfinstert haben“. Dann müssten die Frauen aus der ersten Gruppe kaum noch mahlen, weil die Frauen der anderen Gruppe, denen sie dienstbar sind, so wenige geworden sind. So aber m.W. niemand.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Und sich verfinstern&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;sich verfinstern&#039;&#039; - D.h. zunächst: Man sieht sie schlechter, weil es so dunkel ist (Delitzsch). Gleichzeitig aber starkes Bild: Die Verfinsterung der Welt in V. 2 ist natürlich nicht nur eine Naturschilderung, sondern Bild für das düstere Dasein. Hier verschwimmen beide Ebenen endgültig: Nicht nur die Welt verfinstert sich, sondern sogar die Menschen selbst. Gut BigS + van Ess: „Es wird denen finster, die durch die Fenster sehen“; am besten PAT: „Dunkel wird es den Frauen, die aus den Fenstern blicken“. Ähnlich in der Zeile zuvor: &#039;&#039;baṭlu&#039;&#039; heißt nicht nur „&#039;&#039;mit etwas&#039;&#039; aufhören“, sondern auch schlechthin „aufhören[, zu sein]“.&amp;lt;br /&amp;gt;Von Menschen wird dieses Wort sonst nicht mehr gesagt, in [[Klagelieder 5#s17 |Klg 5,17]]; [[Psalm 69#s24 |Ps 69,24]] und im aramäischen Spruch des Aḥiqar 73 („Gute Augen mögen nicht verdunkelt werden / und gute Ohren [mögen nicht verstopft werden]“, Weigl 2010, S. 374) aber von Augen: In Ps und Aḥ wirklich vom Erblinden, in Klg aber wahrscheinlich vom Erblinden-vor-Tränen. Seow nimmt daher an, so müsse auch unsere Stelle verstanden werden: „Die Frauen verfinstern sich“ &amp;lt; „Die Augen der Frauen verfinstern sich“ &amp;lt; „Die Frauen weinen so viel, dass sie kaum noch sehen können“. Fox ähnlich kompliziert: Heb. &#039;&#039;qadar&#039;&#039; heißt ebenfalls „verdunkeln“, wird aber häufiger i.S.v. „trauern“ von Menschen gesagt (z.B. [[Psalm 35#s14 |Ps 35,14]]; [[Jeremia 8#s21 |Jer 8,21]]; [[Jeremia 14#s2 |14,2]]). Das soll entsprechend dann nur hier auch für dieses Wort gelten. Ganz fernliegend schließlich Gordis: „Die Frauen verfinstern sich“ = man sieht sie schlechter, weil sie seltener ans Fenster gehen (so auch H-R: „die durch die Fenster lugen, verbergen sich“) Solche Umwege sind gar nicht nötig und machen den Text schwächer, als er ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; werden die aus-den-Fenstern-Guckerinnen,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;aus-den-Fenstern-Guckerinnen&#039;&#039; - Kohelet ist ein junger Text aus der hellenistischen Zeit. Charakteristisch besonders für diese war es, dass Frauen in der israelitischen Gesellschaft idealiter im Haus bleiben mussten, sich nicht auf öffentlichen Plätzen zeigen sollten und nicht mal im Haus selbst von fremden Männeraugen gesehen werden durften (s. z.B. [[Jesus Sirach 42#s9 |Sir 42,9-14]]; [[2 Makkabäer 3#s19 |2 Makk 3,19]]; 3 Makk 1,18; 4 Makk 18,7; Ps.-Phokylides 215f.). Ein krasses Beispiel aus noch etwas jüngerer Zeit: „&#039;&#039;[Als die Häuser der Juden durchsucht wurden, trauerten diese, weil] die weggeschlossenen (!) Frauen, die nicht in die Öffentlichkeit gingen, und die Mädchen, die zu Hause blieben, weil sie sich aus züchtiger Scham vor Männeraugen selbst vor ihren Verwandten verbargen, nun nicht nur Fremden, sondern sogar Soldaten zum Anblick dargeboten wurden.&#039;&#039;“ (Philo, Flac 89). Ebenso krass aber schon Sir 42,11f.: „&#039;&#039;Wache streng über deine Tochter ...: Wo sie sich aufhält, soll kein Fenster sein, kein Ausblick auf die Wege ringsum; keinem Mann darf sie ihre Schönheit zeigen.&#039;&#039;“ Selbst der Liebende in [[Hohelied 2#s9 |Hld 2,9]] muss daher „durchs Fenster und durchs Gitter“ um seine Angebetene werben. Frauen – besonders höhergestellte Frauen – werden in der Bibel daher noch häufiger am Fenster dargestellt; s. noch [[Richter 5#s28 |Ri 5,28f.]]; [[2 Samuel 6#s16 |2 Sam 6,16]]; [[2 Könige 9#s30 |2 Kön 9,30-37]]; [[Sprichwörter 7#s6 |Spr 7,6]] LXX; [[Tobit 3#s11 |Tob 3,11]] (übrigens gibt es von diesen „Frauen im Fenster“-Motiven zufällig auch bildliche Darstellungen aus dem 9.-7. Jhd.; einige bekanntere Bspp. finden sich z.B. bei [http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/propylaeumdok/1103/1/Rehm_Abschied_von_der_Heiligen_Hure_2003.pdf Rehm 2003, S. 506f.]. Die biblische Frau im Fenster und diese Darstellungen hängen aber nicht miteinander zusammen.). Frauen sind zur Abfassungszeit des Kohelet-Buches also häufig „Fenster-Wesen“; besonders höhergestellte Frauen bekam man anders als durchs Fenster kaum zu Gesicht. Von solchen ist dann eben auch hier die Rede. Orientiert man sich daran, dass auch die meisten der anderen biblischen „Fenster-Frauen“ höhergestellte Frauen sind, kann man annehmen, dass dies auch für die Frauen in diesem Vers gelten muss und dass demnach die Fenster-Frauen sich zu den Mahlerinnen also ebenso verhalten wie die mächtigen Männer zu den Hauswächtern. So z.B. auch Ginsburg, Cohen und Fox.&amp;lt;br /&amp;gt;Seow hat leider auf den Aufsatz von Abramsky 1980 hingewiesen, wo diese die Erzählungen von Siseras Mutter (Ri 5), Michal (2 Sam 6) und Isebel (2 Kön 9) miteinander vergleicht, und ihr Ergebnis zusammengefasst mit „The motif of women who look through the window belongs to a literary convention, often used to express the dashed hopes of the women“ (S. 356). So nun z.B. auch Bartholomew; Enns; Bennett 2018, S. 226f.; Savran 2018, S. 164; Pérez 2020, S. 180. Das ist kaum eine adäquate Widergabe von Abramskys Aufsatz, erst recht keine adäquate Deutung der entsprechenden Stellen und darf daher sicher auch nicht von dort aus hier hineingelesen werden.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|4}} Und man schließen wird die Doppelpforte auf der Straße (?, auf dem Platz, zur Straße / zum Platz hin)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;die Doppelpforte auf der Straße (?, auf dem Platz, zur Straße / zum Platz hin)&#039;&#039; - „Straße“ ist im Heb. nicht &#039;&#039;derek&#039;&#039;, &#039;&#039;oreaḥ&#039;&#039; o.Ä., sondern &#039;&#039;šuq&#039;&#039;: die „geschäftige Straße, auch: der Straßenbasar“ – die „Markt-Straße“. Vgl. arab. &#039;&#039;suq&#039;&#039; („der Markt“). Richtig schon LXX: &#039;&#039;agora&#039;&#039;, „der Platz“. Gut dann Alter: „auf dem Markt“, Kugel 1999, S. 305 + Savran 2018, S. 157: „auf dem Markplatz“, am besten Seow: „auf dem Straßen-Basar“. Schon ibn Tibbon hält die „Doppelpforte zur Straße“ daher für die Tür eines Ladens auf einem Markt, in dem Brot verkauft wird. Der Dual von „Tür“ (daher hier „Doppel-Pforte“) legt allerdings nahe, dass an ein großes, zentrales Tor mit zwei Flügeln gedacht ist. Was diese „Doppelpforte zu/auf“ dieser Marktstraße dann aber sein soll, ist ungewiss; vgl. LamR 1,1: „Jeder &#039;&#039;šuq&#039;&#039; hatte 24 [sc. viele] Passagen“ – man kann sich altorientalische Märkte also nicht als abgeschlossenen Platz vorstellen, zu dem man durch ein Haupttor Zugang hatte (was ohnehin klar ist). Der Sinn des Bilds ist dennoch deutlich: Der Markt der Geisterstadt ist tot, auch öffentliches Leben gibt es dort keines mehr.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Beim (Sinken=) Verklingen des Klangs (der Mühle=) des Mühlsteins;&amp;lt;ref&amp;gt;Die sehr aus der Reihe fallende Formulierung mit &#039;&#039;b-&#039;&#039; + Infinitiv markiert hier wahrscheinlich das Ende eines Unterabschnitts. Ab der nächsten Zeile ist erst mal nicht mehr vom Menschen die Rede. Ein ähnlicher Stilbruch begegnet sonst nur noch in 5f mit Partizip statt Yiqtol oder Weqatal, und auch dort folgt darauf in V. 6 sehr klar ein neuer „bevor“-Unterabschnitt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und (sich erhebt=) erklingen wird der Klang des Vogels (und man aufstehen wird zum/beim Klang des Vogels?; und [jemandes Stimme] sich erheben wird zu Vogelgepiepse?; und sich erheben wird zum Klang=Gesang der Vogel?; und sich [wieder] erheben wird zum Klang des Vogels?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;erklingen wird der Klang des Vogels (und man aufstehen wird zum/beim Klang des Vogels?; und [jemandes Stimme] sich erheben wird zu Vogelgepiepse?; und sich erheben wird zum Klang=Gesang der Vogel?; und sich [wieder] erheben wird zum Klang des Vogels?)&#039;&#039; - Wg. dem Lamed vor „Klang“ auf den ersten Blick etwas wie die Alternativen. Am besten nimmt man es mit Seow und Savran 2018, S. 170 nach JM §125l als Lamed des Subjekts. Alternativ: Variante 1 die meisten Neueren (z.B. Lauha, Murphy, Longman, Schoors, Köhlmoos): Man hat einen so leichten Schlaf, dass man schon wegen Vogelgezwitscher aufwacht („zum“=„wegen“) oder schon beim Hahnenschrei aufsteht („beim“). So fast alle dt. Üss. Variante 2 auch nicht wenige (z.B. Plumptre, Zimmerli, Hertzberg): Alte Menschen bekommen qua Alter eine hohe Stimme, die an Vogelgepiepse erinnert (ist das wahr?). Daher BigS: „so dass das Knirschen der Mühle [das für die Stimme eines alten Menschen stehen soll, s. die Anmerkungen] schwindet, hoch wie das Zwitschern der Vögel klingt.“ Variante 3 nach Ginsburg; der Satz bedeutete dann nur: Vögel fliegen auf, um zu singen. Aber „zum Klang“ wäre doch eine unschöne Umschreibung von „um zu singen“. Ähnlich, aber sprachlich unmöglich, Taylor. Variante 4 z.B. PAT: „der Laut der Mühle verklingt – er wird wieder erklingen mit der Stimme der Vögel“. Ähnlich, und wirklich erwägenswert BB: „das Geräusch der Mühle wird leiser, bis es in Vogelgezwitscher übergeht.“ Verbreitet ist schließlich fünftens noch die Textkorrektur von &#039;&#039;wejaqum leqol&#039;&#039; zu &#039;&#039;wejiqmal qol&#039;&#039;, was heißen soll: „es verwelkt die Stimme“ (z.B. Wildeboer, Zapletal, Levy, Galling, BHS). Daher ZÜR 31: „wenn das Zwitschern des Vögleins erstirbt“. Aber richtig Seow: Nach den bekannten Kognaten (z.B. akk. &#039;&#039;kalmatu&#039;&#039; „Ungeziefer“, arab. &#039;&#039;qaml&#039;&#039; „Laus“, syr. &#039;&#039;qmal&#039;&#039; „schimmlig werden“, &#039;&#039;qalma&#039;&#039; „Laus“, s. Ges18) müsste das heißen: „die Stimme verlaust“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Und herunterkommen werden alle Töchter des Lieds,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Töchter des Lieds&#039;&#039; - Theoretisch könnten das Sängerinnen sein (z.B. Fox: Klagesängerinnen, die sich beugen, wie dies der Klage gemäß ist); nach dem Parallelismus sind es aber sicher ebenfalls die Vögel, die sich nun nicht mehr nur hören lassen, sondern niederlassen: Die Geisterstadt wird durch die Tierwelt zurückerobert.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|5}} Sie laut (außerdem) [schon] aus der Höhe blicken werden (Man sich außerdem vor Hohem fürchten wird und...)&lt;br /&gt;
_Auf {und}&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;jr`w w...&#039;&#039;. &#039;&#039;jr`w&#039;&#039; könnte entweder defektiv geschriebenes &#039;&#039;jjr`w&#039;&#039; (wie plene z.B. [[Deuteronomium 2#s4 |Dtn 2,4]]; [[2 Könige 17#s28 |2 Kön 17,28]]; [[Psalm 33#s8 |Ps 33,8]]) von &#039;&#039;jr`&#039;&#039; („sich fürchten“) sein oder von &#039;&#039;r`h&#039;&#039; („sehen, blicken“) kommen. MT, VUL und ähnlich Syr deuten als die erste Variante, viele MSS, LXX und Sym als die zweite. Gegen die zweite Variante spricht zunächst das &#039;&#039;w-&#039;&#039; („und“), das aber entweder Dittographie (s. Syr) oder emphatisches Waw sein könnte („die &#039;&#039;Schrecken&#039;&#039;“). Die meisten Kommentatoren und alle dt. Üss. folgen MT; wie LXX aber wohl besser Seow, Kamano 2002, S. 232; Savran 2018, S. 171. Poetisch läge das näher: Wenn in den vorangehenden Zeilen von den Vögeln die Rede ist und es auch in den folgenden Zeilen um die Natur gehen wird, läge es näher, wenn das auch für diese beiden Zeilen gälte. Die Deutung als „sich fürchten“ ließe sich leicht aus dem parallelen „Schrecken“ erklären. Ist das so, sollte man außerdem &#039;&#039;gam&#039;&#039; („außerdem“) besser als &#039;&#039;gam&#039;&#039; II („laut“) nehmen; zu diesem Wort vgl. z.B. Dahood 1960, S. 402; Beirne 1963, S. 201-3; McDaniel 1968, S. 31; Hillers 1972, S. 10. Gut dann Savran 2018, S. 171f.: „The strophe as a whole gives increasing importance to the birds – first their voice is heard, then they fly low over the scene, and finally they observe and record [the terror on the street].“&amp;lt;br /&amp;gt;Schoors; Anat 1970, S. 379; Pérez 2020, S. 180 deuten „Hohes“ als Umschreibung für Gott, den „Hohen“. Aber richtig Fox (1989, S. 305): Ohne Artikel ist das extrem unwahrscheinlich; die Rede ist nicht von „dem Hohen“, sondern allgemein von „Hohem“. In seinen beiden jüngeren Kommenataren (1999, S. 327; 2004, S. 80) hat sich Fox dann doch einer Variante dieses Vorschlags angeschlossen: Er will &#039;&#039;miggaboah&#039;&#039; umvokalisieren zu &#039;&#039;miggobah&#039;&#039; („[sie fürchten] die Höhe“. Genauer tatsächlich sogar: „[Sie fürchten] aus der Höhe“, was dann angeben soll, aus welcher Richtung das kommt, was da gefürchtet wird. Aber &#039;&#039;m-&#039;&#039; „aus“ markiert nach &#039;&#039;jr`&#039;&#039; „fürchten“ oft auch nur entsemantisiert das Objekt der Furcht, vgl. DCH IV 278, s. z.B. [[Ijob 5#s21 |Ijob 5,21f.]] &#039;&#039;bis&#039;&#039;; [[Psalm 91#s5 |Ps 91,5]]; [[Jeremia 42#s16 |Jer 42,16]] u.ö. Diese Auflösung wäre bei dieser Deutung klar vorzuziehen). Das ist zwar grammatisch besser, dafür ist aber „sie fürchten die Höhe“ doch wohl kaum ein verständlicher Ausdruck für „sie fürchten Gott-in-der-Höhe“. Außerdem hat dieser Vorschlag natürlich noch grundsätzlich gegen sich, dass dafür erst noch umvokalisiert werden muss.&amp;lt;/ref&amp;gt; die Schrecken auf der Straße (dem Platz)&amp;lt;ref&amp;gt;Wortspiel: Im Wort „Schrecken“ (&#039;&#039;ḥtḥtjm&#039;&#039;) steckt das Wort &#039;&#039;tḥt&#039;&#039; („unten“), was schön mit dem „aus der Höhe“ zusammenstimmt.&amp;lt;br /&amp;gt;Nimmt man dagegen die vorangehende Zeile als „Man fürchtet sich vor Hohem“ (s. vorige FN), bildeten die Zeilen derart einen Merismus: Man fürchtet sich (1) vor Hohem und (2) vor Schrecken-auf-der-Straße = Tiefem &amp;gt; Allüberall lauert Schrecken.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und blühen wird (verachtet werden wird)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Heb. &#039;&#039;wejane`ṣ&#039;&#039;. Nach den Vokalen soll dies offenbar eine Kontraktion eines apokopierten &#039;&#039;wejane`eṣ&#039;&#039; sein („er wird verachtet werden“ so Ginsburg; auch Seow; Kang 2016, S. 333) oder das Wort kommt mit intrusivem Alef von &#039;&#039;nṣṣ&#039;&#039; („er wird blühen“; so LXX, VUL und Syr). Noch einmal anders vokalisiert hat offenbar Sym (s. BHQ *110): &#039;&#039;wina`aṣ&#039;&#039; („und er wird unaufmerksam sein“). Fast alle neueren folgen der zweiten Deutung. Zu Seows Einwand, derartige intrusive Alefs für den Vokal &#039;&#039;e&#039;&#039; gebe es nicht, s. die Bspp. in Kutscher 1974, S. 162 und s. [[Ijob 41#s7 |Ijob 41,7]] &#039;&#039;g`wh&#039;&#039; für &#039;&#039;ge(`)woh&#039;&#039; (s. LXX, Aq, VUL; vgl. Delitzsch 1920 §31b; Sutcliffe 1949, S. 68); [[1 Chroniken 5#s26 |1 Chr 5,26]] vs. [[1 Chroniken 5#s6 |1 Chr 5,6]] (&#039;&#039;plnsr&#039;&#039; und &#039;&#039;pln`sr&#039;&#039; je für &#039;&#039;pilne(`)ser&#039;&#039;); [[Jeremia 34#s1 |Jer 34,1]] vs. [[Jeremia 39#s5 |Jer 39,5]] (&#039;&#039;nbwkdnṣr&#039;&#039; und &#039;&#039;nbwkdn`ṣr&#039;&#039; je für &#039;&#039;nebukadne(`)ṣar&#039;&#039;); wohl auch [[Jesaja 30#s21 |Jes 30,21]] &#039;&#039;t`mjnw&#039;&#039; für &#039;&#039;te(`)minu&#039;&#039; (Delitzsch 1920 §31b). Auch die alte jüd. Deutung von V. 1 (s. dort) setzt ja voraus, dass man &#039;&#039;br`k&#039;&#039; auch unter Absehung von &#039;&#039;`&#039;&#039; als &#039;&#039;boreka&#039;&#039; lesen könne.&amp;lt;/ref&amp;gt; (die Mandel=) der Mandelbaum&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;der Mandelbaum&#039;&#039; - Eine der ersten Pflanzen, die nach dem Winter wieder aufblüht – nämlich gar schon, bevor ihm Blätter gewachsen sind. Ben Chorin hat ihm daher ein literarisches Denkmal gesetzt, in dem er als Symbol für das Wiedererwachen der Natur erscheint: „&#039;&#039;Freunde, dass der Mandelzweig / sich in Blüten wiegt, / bleibe uns ein Fingerzeig, / wie das Leben siegt.&#039;&#039;“ Ironischerweise gilt dies hier aber &#039;&#039;nur&#039;&#039; für die Natur, dass das „Leben siegt“. Nicht für den Menschen, s. V. 7.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Und sich beladen wird die Heuschrecke&amp;lt;ref&amp;gt;D.h. wohl: „sie frisst sich voll“; vgl. LXX, VUL: „Sie wird fett“. Ähnlich Loretz 1964b, S. 190: „sie wird schwanger“; so wohl auch Syr, daher: „sie vermehrt sich“. Das „schleppt sich ab/dahin“ in fast allen dt. Üss. ist eine andere Deutung des Hithpael („schleppen“ &amp;gt; „sich schleppen“), aber sicher ein false friend: „sich dahinschleppen“ ist ja ein dt. Idiom, das man so sicher nicht auch im Heb. voraussetzen darf.&amp;lt;br /&amp;gt;Fox (2004), Seow, Savran 2018, S. 172; Pérez 2020, Alter u.a. denken, zwischen den beiden Pflanzen müsse auch die „Heuschrecke“ eine Pflanze sein und deuten daher auf den Johannisbrotbaum, weil dieser im Englischen &#039;&#039;locust&#039;&#039; („Heuschrecke“) heißt. Vom Englischen aufs Hebräische zu schließen, ist aber nun wirklich ein non sequitur. Besser noch Ginsberg,Fox 1989, S. 280, NJPS, die den Text von &#039;&#039;ḥgb&#039;&#039; zu &#039;&#039;ḥzb&#039;&#039; („Meerzwiebel“) korrigieren, oder Löw 1881, S. 263, der rein aus dem Kontext ableitet, „Heuschrecke“ sei der Name der Kapernblüte. Beides geht nicht an. So aber ohnehin keine dt. Üs.&amp;lt;br /&amp;gt;Wahrscheinlich ist dies Lakonie: Die Heuschrecke ist eine der großen Plagen Israels; hier dagegen werden ihr nur zwei Worte gewidmet: &#039;&#039;wejistabbel heḥagab&#039;&#039;. So ist der Lauf der Welt: Sieht man vom Menschen ab, frisst die Heuschrecke nun mal das Getreide, und keinen schert&#039;s.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Und brechen (sich vermehren, [ihre Blätter] verlieren?, platzen?, unwirksam werden?)&amp;lt;ref&amp;gt;Meist: &#039;&#039;die Kaper wird unwirksam werden&#039;&#039;. Das macht nur Sinn, wenn man den Abschnitt als Allegorie auf das Alter nimmt (s. die Anmerkungen). Die Kaper regt den Appetit an; dass sie „unwirksam wird“ soll dann heißen: „Selbst Kapern machen einem keinen Appetit mehr!“ Wie man von „brechen“ auf „unwirksam sein“ kommen will, ist mir aber gar nicht klar (Provans „sie bricht [den Bund]“ &amp;gt; „sie tut nicht, was sie zu tun verspricht“ ist reine Fantasterei). Besser entweder: „die Kaper platzt“, die Kapernfrucht verstreut also ihre Samen, ohne geerntet worden zu sein (s. [https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Capparis_cartilaginea_open_fruit.jpg hier] die Darstellung einer aufgeplatzten Kapernfrucht), oder wie Seow und Kang 2016, S. 333: Das Wort sei abzuleiten von einer Wurzel &#039;&#039;*prr&#039;&#039; II, deren Bed. aus dem arab. &#039;&#039;farra&#039;&#039; („abfallen, abwerfen“) als „Blätter verlieren“ erschlossen werden könne. Beide Bedd. lassen sich aber sonst nicht belegen. Versuchsweise sei daher hier vorgeschlagen: „die Kaper bricht“ (die übliche Bed. des Wortes). Besonders charakteristisch nämlich ist für die Kaper, dass sie auf Felsen wächst, daher in Palästina wie in Deutschland der Efeu Ruinen überwuchert (vgl. z.B. Moldenke / Moldenke 1952, S. 87; Zohary 1986, S. 98. Die Sträucher z.B., die man von Bildern der Klagemauer kennt – z.B. [https://static.wixstatic.com/media/760046_220640ef170c4d98b484d2e92bf45b71~mv2.jpg/v1/fill/w_740,h_416,al_c,q_90/760046_220640ef170c4d98b484d2e92bf45b71~mv2.webp hier] –, sind Kapernpflanzen.) und diese daher wie der Efeu nach und nach zerstört. Zu einem ähnlichen Bild führte der Vorschlag von Loretz 1964b, S. 190, das Wort sei nicht abzuleiten von &#039;&#039;prr&#039;&#039; („brechen“), sondern von &#039;&#039;prh&#039;&#039; („fruchtbar sein“ &amp;gt; „Die Kaper vermehrt sich“, taucht also nach und nach allerorten auf verlassenen Gebäuden auf). Auch dies wäre wieder Lakonie. Ohnehin gilt das für das ganze Trikolon: 6c hat sechs Silben, 6d sieben, 6e acht: Kürzer kann eine Zeile in der heb. Lyrik kaum sein. Vielleicht daher in der LF erwägenswert: „Mandel blüht, Heuschreck frisst, Kaper bricht.“&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT wird nur von Syr gestützt. LXX, VUL und Sym vokalisieren &#039;&#039;wtpr&#039;&#039; alle nicht als &#039;&#039;wetaper&#039;&#039; („sie bricht“), sondern als &#039;&#039;wetupar&#039;&#039; („sie wird gebrochen“) und übersetzen dann entweder so (Sym) oder als „sie wird zerstreut“ (LXX, VUL). Aq vokalisiert wohl als &#039;&#039;weteper&#039;&#039; oder als &#039;&#039;wetipre&#039;&#039; (def. für &#039;&#039;wetipreh&#039;&#039;, „sie bringt Frucht“). BHK und BHS halten die Vokalisierung von Aq für ursprünglich, BHQ die von LXX und VUL; beide, weil der Hifil des MT transitiv wäre, hier aber kein Objekt genannt wird, das die Kaper zerbrechen könnte (daher der obige Vorschlag). Wie BHQ schon Zimmerli und Krüger, was an ihrer Üs. aber nichts ändert. Wie BHS offenbar niemand (?). Dagegen Perles 1895, S. 30; Fox, Pérez 2020, S. 188 und NJPS wollen ähnlich korrigieren zu &#039;&#039;wetipraḥ&#039;&#039; („sie wird blühen“). Warum das besser sein soll als der graphisch wahrscheinlichere Vorschlag von BHS, verstehe ich nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird die Kaper,&lt;br /&gt;
Der Mensch jedoch (denn der Mensch) zu seinem ewigen Haus&amp;lt;ref&amp;gt;Das &#039;&#039;ewige Haus&#039;&#039; ist noch heute im Judentum ein Ausdruck für das Grab; auch in der Antike breit belegt.&amp;lt;br /&amp;gt;Anders als die vielen Verben zuvor, die alle die Zukunft ausdrückten, ist dieses Verb ein Partizip, womit wahrscheinlich eine allgemeine Wahrheit ausgesagt werden soll. Vgl. zur Aussage ähnlich [[Ijob 14#s7 |Ijob 14,7-10]]. Das Weqatal in der folgenden Zeile ist dann wahrscheinlich nicht wieder Futur, sondern nennt die jeweilige Folge dieses Gangs in das ewige Haus.&amp;lt;/ref&amp;gt; geht&lt;br /&gt;
_Und Klagende auf der Straße (dem Platz) wandeln;&amp;lt;ref&amp;gt;Entweder beim letzten Geleit (so die meisten) oder (so stark Ginsburg): die professionellen Klagesänger und -redner, die für ihre Dienste auch bezahlt wurden – diese gab es tatsächlich – kreisen über die öffentliche Plätze wie Geier, begierig darauf, dass der nächste stirbt. Die Tempusfolge macht die zweite Deutung aber unwahrscheinlich. Der „Schrecken auf der Straße“, den die Vögel beobachten können, sind daher eher wirklich die fortwährenden Trauerzüge, die gar kein Ende nehmen wollen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|6}} Bevor zerrissen worden sein (?, zerreißen; gebunden werden?, fortlaufen?) wird&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Das Verb ist im Heb. doppelt überliefert: Im Ketiv als &#039;&#039;jirḥaq&#039;&#039; („es läuft fort“), im Qere als &#039;&#039;jerateq&#039;&#039; („es wird gebunden“). Vgl. die graphisch sehr ähnlichen Wörter {{hebr}}ירחק{{hebr ende}} und {{hebr}}ירתק{{hebr ende}}. Sym („es wird geschnitten“) und VUL („es zerreißt“) setzen wohl &#039;&#039;jinnateq&#039;&#039; voraus ({{hebr}}ינתק{{hebr ende}}). Das halten fast alle für den ursprünglichen Text; so auch BHK, BHS und BHQ in seltener Einmütigkeit. Nur wenige orientieren sich an Qere, und dies meist, indem sie &#039;&#039;jerateq&#039;&#039; als „privativen Nifal“ nehmen, also nicht als „es wird gebunden“, sondern als „es wird gelöst“ (z.B. Levy, Gordis, Longman, CTAT V 876f.). Die Grammatiken kennen aber kein privatives Nifal. Seow und Kang 2016, S. 333 folgen ebenfalls Qere, erklären &#039;&#039;rtq&#039;&#039; aber über aram. &#039;&#039;rtq&#039;&#039; („schlagen, klopfen“). Mit diesem Wort ist wahrscheinlich LXX zu erklären („es stürzt um“); LXX stützt also wohl nicht Ketiv (so BHQ *111), sondern Qere; für die Erklärung des MTs ist es aber wertlos, weil es nur Sinn macht im Verein mit Seows fernliegender Deutung von &#039;&#039;ḥebel&#039;&#039; als „Arm eines mehrarmigen Leuchters“, bei der auch Kang richtig nicht mitgeht.&amp;lt;br /&amp;gt;Legt man die drei Wörter nebeneinander, sollte man meinen, dass Qere ursprünglich war, da daraus am einfachsten die beiden Varianten entstanden sein könnten: Ketiv unter Einfluss des &#039;&#039;taruṣ&#039;&#039; („es läuft“) in der folgenden Zeile, LXX, Sym und VUL aufgrund des Nahkontextes (=&amp;gt; „Band“ &amp;gt; „zerreißen“): {{hebr}}ירחק{{hebr ende}} &amp;lt;= {{hebr}}ירתק{{hebr ende}} =&amp;gt; {{hebr}}ינתק{{hebr ende}}. Man könnte dann annehmen, dass hiermit auf einen Bestattungsbrauch angespielt wird: In Mesopotamien (vgl. Wyganski 2014) und später auch in der westlichen Levante (vgl. Golani 2013, S. 219f.) war es üblich, Frauen mit goldenen oder silbernen Haarbändern zu bestatten. Das Verb in der nächsten Zeile übersetzt Dahood 1968b, S. 516 als „the golden bowl is poured out“. Falls das richtig sein kann (&#039;&#039;ruṣ&#039;&#039; habe ich sonst nirgends von Flüssigkeiten gefunden), wäre von Libationen die Rede, die ebenfalls in der ganzen Levante als Bestattungsbrauch bezeugt sind. Zu 6cd vgl. Seow: Auch das Zerbrechen von Tongefäßen war ein Bestattungsbrauch im Alten Israel. Unter der Maßgabe, dass 6b so übersetzt werden könnte wie bei Dahood, wäre hier Qere vorzuziehen; weil das aber zu unsicher ist, muss hier der Standard-Deutung gefolgt werden.&amp;lt;/ref&amp;gt; das Silberband&lt;br /&gt;
_Und zerbrochen sein (zerbrechen, fortlaufen?) wird&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Heb. &#039;&#039;wetaruṣ&#039;&#039;. Auf den ersten Blick „fortlaufen“ von &#039;&#039;ruṣ&#039;&#039;. So deuten hier auch Aq, Theod, und VUL, sonst m.W. nur noch Hengstenberg und Ginsberg, die „laufen“ als „abstürzen“ o.Ä. verstehen, was aber singulär wäre, und Dahood (s. vorige FN). LXX, Sym, Syr und Tg übersetzen dagegen, als sei das Wort &#039;&#039;weteroṣ&#039;&#039; vokalisiert („sie wird zerbrochen“, von &#039;&#039;rṣṣ&#039;&#039;). So auch Raschi, Raschbam und ibn Ezra. So auch alle neueren (auch BHK, BHS, BHQ); bes. gut Gordis (mit richtigem Hinweis auf [[Sprichwörter 29#s6 |Spr 29,6]]; [[Jesaja 42#s4 |Jes 42,4]]): Die Form hier sei nur Zeichen der schrittweisen Verwischung der Konjugationsunterschiede zwischen hohlen Wurzeln und Reduplikativwurzeln. So auch Murphy. Theoretisch möglich außerdem wie Seow: Ursprünglich müsse gar nicht &#039;&#039;weteroṣ&#039;&#039; gewesen sein, weil man &#039;&#039;wetaruṣ&#039;&#039; auch als impersonal verstehen könne: „man wird zerbrechen“. Das ist rein sprachlich gesehen schon wahr, läuft aber ja völlig der Logik des Textes zuwider.&amp;lt;/ref&amp;gt; die Goldschale,&lt;br /&gt;
Und zerstört worden sein (zerstört werden) wird der Eimer über der Quelle&lt;br /&gt;
_Und zerbrochen worden sein (zerbrechen werden) wird das Rad (der Bottich? der Ball?) neben dem Brunnen&amp;lt;ref&amp;gt;Satzteil-Hyperbaton: Zu erwarten wäre, dass das &#039;&#039;Rad&#039;&#039; „über“ dem Brunnen und der &#039;&#039;Eimer&#039;&#039; „neben“ der Quelle steht / hängt. Die Hinterlassenschaften der Menschen sind völlig wirr in der Gegend verstreut.&amp;lt;br /&amp;gt;Wortspiel: Der &#039;&#039;Brunnen&#039;&#039;, heb. &#039;&#039;bor&#039;&#039;, steht bildlich für das Grab (s. zu V. 1); das Wort harmoniert daher sehr gut mit der direkt folgenden Doppelzeile.&amp;lt;br /&amp;gt;Die Zeilen in V. 6 sind unterschiedlich verstanden worden. Klar ist nach der Formulierung (Zeile a+b: „&#039;&#039;Silber&#039;&#039;-Band“ + „&#039;&#039;Gold&#039;&#039;-Schale“, Zeile c+d: „Eimer &#039;&#039;an der Quelle&#039;&#039;“ + „Rad &#039;&#039;neben dem Brunnen&#039;&#039;“), dass Zeilen a+b und c+d zwei Gruppen  bilden. So wollen auch die masoretischen Akzente den Vers gelesen wissen. Viel klarer wird er dadurch aber noch nicht. Am besten versteht ihn wohl Beal 1998, S. 301, der die Gegenstände schlicht Gegenstände sein lässt: „[...] I propose that sustained focus be given to its more literal sense, namely, a description of demolished and abandoned items used in everyday life. [...] The image here is somewhat like that of a ghost town – the aftermath of a city of chaos.“ – Der Vers müsste dann nicht mehr besagen, als was klar darin steht: Überall liegen zurückgelassene Luxus- und Gebrauchsgegenstände herum, ein Bild für die Trostlosigkeit der Geisterstadt – mehr nicht.&amp;lt;br /&amp;gt;Die meisten Kommentatoren werden stattdessen bei diesem Vers zu Hobby-Ingenieuren. Die Mehrzahl unter ihnen orientiert sich dabei immerhin an der Gruppierung der Zeilen in zwei Gruppen: Silberband + Goldschale sollen insgesamt nur eine Vorrichtung sein und Schöpfrad + Eimer ebenso. Genauer nämlich: Weil auch in [[Sacharja 4#s2 |Sach 4,2f.]] von einer Goldschale die Rede ist, denken viele aus irgendeinem Grund, dass auch hier eine aufgehängte Lampe gemeint sein müsse. Dabei ist die Goldschale in Sach 4 nicht einmal die Lampe, sondern das Ölgefäß darüber. Gelegentlich wird das dennoch sogar noch weiter ausgedeutet; der Absturz und das Zerschellen dieser Lampe kann dann z.B. für das Verlöschen des Lebenslichts stehen. Entsprechend denken dann viele außerdem in Zeilen c+d an eine Schöpfvorrichtung: Ein Eimer sei an einem Schöpfrad aufgehängt. Dabei befinden sich Rad und Eimer doch an unterschiedlichen Orten: „Brunnen“ und „Quelle“ können kaum identisch sein. Auch dies wird gern weiter ausgedeutet (was hier immerhin auch in den einzelnen Bildern liegt): Dass Brunnenrad und Eimer zerstört sind, bedeute, dass man nicht mehr an das Wasser des Lebens komme. Noch komplizierter Levy, Gordis und Fox: Nach Fox sind ganz merkwürdig drei Gegenstände – eine Goldschale, ein Eimer und ein Bottich – an einem Silberband über einen Brunnen aufgehängt, und als dieser zerreißt, stürzt alles ab und zerschellt. Und nach Levy und Gordis hängt ein Silberseil über einem Schöpfrad; an einem Ende hängt eine Goldschale, am anderen als Gegengewicht ein Ball (?). Und wieder: Als das Band zerreißt, stürzt alles ab und zerschellt. Mir scheint: Dergleichen steht hier einfach nicht im Text.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
{{S|7}} Und zurückkehren wird (muss)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039; / &#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;wird (muss)&#039;&#039; - Heb. &#039;&#039;wejašob&#039;&#039;, anscheinend also „zurückkehren &#039;&#039;muss&#039;&#039;“ (obligativer Jussiv) statt &#039;&#039;wejašub&#039;&#039; („zurückkehren &#039;&#039;wird&#039;&#039;“, Yiqtol). Das wäre gar nicht problematisch; auch der Yiqtol in der nächsten Zeile kann obligative Bed. haben und es passte ein solcher Obligativ für sich genommen auch gut zu Kohelets Lebensphilosophie. Weil nach den sehr vielen Yiqtols und Weqatals in den vorangehenden Zeilen aber so sehr auch hier Yiqtol zu erwarten wäre, und v.a., weil in der nächsten Zeile mit &#039;&#039;tašub&#039;&#039; wirklich ein solcher  Yiqtol des selben Worts folgt, wollen z.B. BHS, Galling und Krüger 1996, S. 118 den Text von &#039;&#039;wejašob&#039;&#039; zu &#039;&#039;wejašub&#039;&#039; korrigieren. Nötig ist das nicht: &#039;&#039;wejašob&#039;&#039; könnte auch nur ähnlich wie in [[Kohelet 11#s9 |Pred 11,9]]; [[Kohelet 12#s1 |12,1]] (weitere Bspp. bei [[Amos 5#s25 |Am 5,25]]) eine ungewöhnliche Yiqtol-Bildung sein, mit der das Wort lautlich an das &#039;&#039;wenaroṣ&#039;&#039; in der vorangehenden Zeile zusammengeschlossen werden soll (so gut Ginsburg; auch Schoors, Schwienhorst-Schönberger, Köhlmoos).&amp;lt;/ref&amp;gt; der Lehm zur Erde, wie er gewesen ist,&lt;br /&gt;
_Und der Atem zurückkehren wird (muss) zu Gott, der ihn gegeben hat.&amp;lt;ref&amp;gt;Zum V. s. die Anmerkungen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|8}} (Hauch des Hauchs=) Flüchtig, allzu flüchtig“, spricht der Kohelet,&amp;lt;ref&amp;gt;Zum „Namen“ &#039;&#039;Kohelet&#039;&#039; s. zu [[Kohelet 1#s1 |Pred 1,1]].&amp;lt;/ref&amp;gt; „alles ist (Hauch=) flüchtig!“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|9}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|10}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|11}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|12}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|13}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|14}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}} Koh 12,1-7 nimmt man gerne als separates Gedicht und bezeichnet es dann als das „Letzte Gedicht“ oder das „Letzte Lied“ des Kohelet – oft groß geschrieben wie „die Letzten Dinge“, denn: es geht um den Tod. Danach folgen nur noch mit Vv. 9-11 und Vv. 12-14 zwei Anhänge an das Kohelet-Buch aus fremder Hand.&amp;lt;br /&amp;gt;Tatsächlich wird aber damit das rechte Verständnis dieses „Letzten Lieds“ verbaut: Koh 12,1-7 steht nicht für sich, sondern gehört mit Koh 11,7-10 zu einem etwas längeren und komplexeren Abschnitt. Die Sinnlinien dieses Abschnitts sind grob diese:&lt;br /&gt;
* 11,7: Grundsatz: „Das Licht ist gut!“&lt;br /&gt;
* 11,8: &lt;br /&gt;
** 11,8a: Zeitangabe: „So lange dein Leben auch währt,“ &lt;br /&gt;
** 11,8b: Rat 1: „Freue dich deines Lebens“, aber&lt;br /&gt;
** 11,8c: Rat 2: „Denke dabei auch daran, dass dunkle Tage sich einstellen können“. Denn: &lt;br /&gt;
** 11,8e: Schlusssatz: „Alles, was kommt“ – inklusive den lichten Tagen – „ist flüchtig“. [Dieser Vers ist wichtig: Kohelet setzt hier deutlich voraus, dass auch bei einem langen Leben jeder Tag das Potential hat, ein lichter Tag zu sein. Dazu gleich mehr.]&lt;br /&gt;
* 11,9-10: &lt;br /&gt;
** 11,9aα: Rat 1: „Freue dich, Jüngling“&lt;br /&gt;
** 11,9aβ: Zeitangabe: „in den Tagen deiner Jugendzeit“&lt;br /&gt;
** 11,9c-10b: Entfaltung von Rat 1: Genieße dein Leben, sofern du dich dabei in den ethischen Schranken bewegst, die Gott dir gesetzt hat. Sonst wird er dich dafür bestrafen [und so führtest du selbst Dunkeltage herbei, s. [[Kohelet 8#s12 |Pred 8,12f.]]; auch [[Kohelet 7#s18 |Pred 7,18]]] (11,9e). Noch einmal: Genieße dein Leben. Denn:&lt;br /&gt;
** 11,10c: Schlusssatz: „Jugend und Dunkelhaarigkeit sind flüchtig“&lt;br /&gt;
* 12,1-7:&lt;br /&gt;
** 12,1aα: Rat 2: „Denke an Gott“&lt;br /&gt;
** 12,1aβ: Zeitangabe: „in den Tagen deiner Jugend“&lt;br /&gt;
** 12,1b-7: Entfaltung von Rat 2 (dazu gleich mehr):&lt;br /&gt;
*** 12,1b-d: „...bevor...“&lt;br /&gt;
*** 12,2-5: „...bevor...“&lt;br /&gt;
*** 12,6-7: „... bevor...“&lt;br /&gt;
** 12,8: Schlusssatz: „Flüchtig, allzu flüchtig! Alles ist flüchtig!“ (vgl. ähnlich Schoors; Ogden 1984, S. 193f.; Fredericks 1991, S. 100)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesem letzten Vers endet ursprünglich das Buch Kohelet; passend schlägt er daher einen weiten Bogen zurück zum fast exakt gleich formulierten Vers [[Kohelet 1#s2 |Pred 1,2]], mit dem zusammen er das ganze Buch Koh 1,3-12,7 umrahmt. Denn dies ist ja Kohelets Grund-These: Alles ist flüchtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese groben Linien sind leicht erkennbar. Auch die Frage danach, warum Kohelet einen solchen Fokus gerade auf Jugend und Jugendzeit legt, ist eigentlich schon beantwortet; wird doch gerade aus diesen Versen abgeleitet, dass der &#039;&#039;qahal&#039;&#039;, vor dem der &#039;&#039;qohelet&#039;&#039; referierte, eine Art &#039;&#039;Schulklasse&#039;&#039; aus Jünglingen war (s. zu [[Kohelet 1 |Pred 1]]). „Freu dich, Jüngling, in deiner Jugendzeit“ heißt also zunächst einmal nicht: „Falls du jung bist, freue dich in deiner Jugendzeit“ und gleichzeitig „falls du schon älter bist, hast du Pech gehabt: In der Jugendzeit hättest du dich freuen müssen, denn das Alter ist die Zeit des Leids“, sondern erklärt sich aus der Gesprächssituation – gesagt wird erst mal nur: „&#039;&#039;Du&#039;&#039;, zu dem ich spreche: Freue dich &#039;&#039;jetzt&#039;&#039;“. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das macht die Frage nach der Bedeutung der Verse Pred 12,1-7 aber nicht etwa leichter, sondern viel schwerer – die überwiegende Mehrheit der alten und neuen Kohelet-Forscher:innen hat den Abschnitt nämlich genau so verstanden. Das ist nicht die Auslegung, die mir (S.W.) hier am wahrscheinlichsten scheint; weil sie aber in einem solchen Maße die Mehrheitsmeinung bei der Auslegung dieser Verse ist, sei sie dennoch kurz vorgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Paradigmatisch (und gut) z.B. Zimmer 1999, S. 203:&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &amp;lt;small&amp;gt;&#039;&#039;„Sicherlich wird zu Recht darauf hingewiesen, daß in 12,2ff. zunächst verschiedene Sachverhalte dargestellt werden und daß sich dem Leser damit die Aufgabe stellt, den Zusammenhang dieser z.T. scheinbar beziehungslos nebeneinander stehenden Sachverhalte zu erschließen. Bei diesem Erschließungsprozeß sind m.E. zunächst diejenigen Hinweise dmoninant, die der Leser im Verlauf der Lektüre erhält; und diese verweisen nicht auf die eschatologische oder apokalyptische Bedeutung, die sicherlich zumindest einige der in 12,2ff verwendeten Bilder (auch) haben, sondern auf das Gegenüber von Jugend und Nicht-Jugend. Während man in 11,8 noch unsicher bleibt, was mit den &#039;&#039;finsteren Tagen&#039;&#039; gemeint ist (&#039;&#039;böse Tage&#039;&#039; in einem beliebigen Lebensabschnitt wie in 7,14, das Alter, das Sterben oder die Zeit des Tot-Seins), lenkt die Anrede des jungen Mannes in 11,9 und dann V 10, indem er die Vergänglichkeit der Jugend zu bedenken gibt, die Gedanken des Lesers eindeutig zu den unterschiedlichen Lebensphasen; 12,1 schließlich stellt der Jugendzeit die Mißfallen erweckenden Jahre gegenüber, die zwar nicht mit dem Alter als drittem und letztem großen Lebensabschnitt identisch sein müssen, die aber doch jedem als (mögliche, wenn nicht gar wahrscheinliche) Begleiterscheinungen des fortschreitenden Alters bekannt sind. Und im Fortgang des Leseprozesses wird der Eindruck, daß es sich bei den in 12,2ff geschilderten Sachverhalten um Bilder des Alterns handelt, bestätigt, denn mit dem Alter, zumal dem von erheblichen Gebrechen gezeichneten, kündigt sich der nahende Tod an, der in 12,6 zunächst bildhaft und in 12,7 dann ausdrücklich erscheint.“&#039;&#039;&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Man gelangt zu einer solchen Bedeutung der Verse 2-6, indem man die „beziehungslos nebeneinander stehenden Sachverhalte“ symbolisch auslegt. Es gibt viele verschiedene Varianten dieser symbolischen Auslegung; sehr grob kann man dabei aber eine antike Variante (zu finden in b.Schab 151a-152b, KohR, LevR 18, Tg, bei Hieronymus und den meisten jüdischen Auslegern. S. ausführlicher Knobel 1991, S. 53f.; Kraus 1999f., S. 224-231) und eine moderne Variante (zu finden z.B noch in den Kommentaren von Eaton, Crenshaw, Treier, Longman, Köhlmoos und fast allen älteren Kommentaren; auch noch z.B. bei Frevel 2009, [https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/bitstream/handle/10900/98534/Hieke_123.pdf?sequence=1&amp;amp;isAllowed=y Hieke 2012], Spieckermann 2020) unterscheiden. Nach beiden werden mindestens in Vv. 2-4 Leiden des Alters geschildert und Vers 5f-7 sprechen noch weitergehend vom sich „aus dem Alter automatisch ergebenden“ Tod. In der Reinform der symbolischen Auslegung wird auch V. 5 symbolisch als Beschreibung der Leiden des Alters verstanden; besonders Zeilen c-e dieses Verses sind aber auch bei symbolischen Auslegern äußerst umstritten. Eine ebenfalls recht häufige alternative Auslegung dieser Zeilen ist z.B.: Mit dem Menschen geht es im Alter bergab (Vv. 2-5b), doch unbekümmert davon lebt die Natur wieder auf (Vv. 5c-e), während der Mensch zu Grabe getragen wird (Vv. 5f-7). Hier aber die beiden Reinformen:&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! &amp;lt;small&amp;gt;Vers !! &amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;center&amp;gt;Stelle&amp;lt;/center&amp;gt; !! &amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;center&amp;gt;Antike Allegorese&amp;lt;/center&amp;gt; !! &amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;center&amp;gt;Moderne Allegorese&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 2 ||&amp;lt;small&amp;gt; die Sonne verfinstert sich ||&amp;lt;small&amp;gt; Falten an der Stirn || rowspan=&amp;quot;5&amp;quot; | &amp;lt;small&amp;gt;V. 2 insgesamt: Freudlosigkeit des Daseins alter Menschen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&amp;lt;small&amp;gt; V. 2 ||&amp;lt;small&amp;gt; das Licht verfinstert sich  ||&amp;lt;small&amp;gt; Falten um die Nase (?) &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&amp;lt;small&amp;gt; V. 2 ||&amp;lt;small&amp;gt; der Mond verfinstert sich ||&amp;lt;small&amp;gt; uneinheitlich: Augen / Stirn / Seele / Nase&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 2 ||&amp;lt;small&amp;gt; die Sterne verfinstern sich ||&amp;lt;small&amp;gt; Falten an den Wangen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 2 ||&amp;lt;small&amp;gt; Wolken kehren nach dem Regen zurück||&amp;lt;small&amp;gt; vom vielen Weinen ist der alte Mensch erblindet. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 3 ||&amp;lt;small&amp;gt; Wächter des Hauses zittern ||&amp;lt;small&amp;gt; Rippen werden schwach ||&amp;lt;small&amp;gt; Arme werden schwach&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 3 ||&amp;lt;small&amp;gt; mächtige Männer krümmen sich ||&amp;lt;small&amp;gt; Arme / Beine krümmen sich||&amp;lt;small&amp;gt; Beine krümmen sich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 3 ||&amp;lt;small&amp;gt; Mahlerinnen hören auf||&amp;lt;small&amp;gt; Die wenigen verbliebenen Zähne kauen nicht mehr gut. /&amp;lt;br /&amp;gt;Magen verdaut nicht mehr richtig.||&amp;lt;small&amp;gt; Die wenigen verbliebenen Zähne kauen nicht mehr gut.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 3 ||&amp;lt;small&amp;gt; Fensterfrauen verfinstern sich||&amp;lt;small&amp;gt; Augen werden schwach. ||&amp;lt;small&amp;gt; Ebenso.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 4 ||&amp;lt;small&amp;gt; Doppelpforte wird geschlossen ||&amp;lt;small&amp;gt; Die Körperöffnungen schließen sich (nicht) (sc. Stuhlgang-Probleme). /&amp;lt;br /&amp;gt; (Schön:) Die Türen zur Straße sind die Füße, diese gehen nicht mehr gut. ||&amp;lt;small&amp;gt; Die Lippen artikulieren nicht mehr gut. /&amp;lt;br /&amp;gt;Die Ohren hören nicht mehr gut. /&amp;lt;br /&amp;gt;Man ist sozial isoliert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 4 ||&amp;lt;small&amp;gt; Klang der Mühle verstummt ||&amp;lt;small&amp;gt; Der Magen verdaut nicht mehr ||&amp;lt;small&amp;gt; Wieder: Die Zähne kauen nicht mehr gut.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 4 ||&amp;lt;small&amp;gt; Erheben zu Vogelgezwitscher ||&amp;lt;small&amp;gt; Man hat einen so leichten Schlaf, dass man schon wegen Vogelgezwitscher aufwacht. ||&amp;lt;small&amp;gt; Ebenso. Oder: Die Stimme wird hoch wie Vogelgepiepse.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 4 ||&amp;lt;small&amp;gt; Sinken der Töchter der Musik ||&amp;lt;small&amp;gt; Man kann nur noch leise singen. /&amp;lt;br /&amp;gt; Man wird entscheidungsschwach, weil die Nieren dem Herzen ihren Willen nur leise kund tun. ||&amp;lt;small&amp;gt; Man hört nicht mehr gut. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 5 ||&amp;lt;small&amp;gt; Furcht vor Hohem ||&amp;lt;small&amp;gt; Man fürchtet sich davor, Hügel steigen zu müssen. /&amp;lt;br /&amp;gt;Schön ibn Ezra: Man fürchtet sich vor seinen eigenen Gedanken, die schon im Himmel weilen. ||&amp;lt;small&amp;gt; Ebenso.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 5 ||&amp;lt;small&amp;gt; Schrecken auf der Straße ||&amp;lt;small&amp;gt; Man geht nirgends mehr hin aus Angst davor, nicht den ganzen Weg bewältigen zu können. ||&amp;lt;small&amp;gt; Selbst ebenerdige Wege sind schwer zu bewältigen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 5 ||&amp;lt;small&amp;gt; Mandelbaum blüht ||&amp;lt;small&amp;gt; Die Wirbelsäule wird sichtbar. ||&amp;lt;small&amp;gt; Das Haar wird weiß.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 5 ||&amp;lt;small&amp;gt; Heuschrecke belädt sich ||&amp;lt;small&amp;gt; Man wird impotent. /&amp;lt;br /&amp;gt;Knöchel schwellen an. ||&amp;lt;small&amp;gt; Man wird impotent. /&amp;lt;br /&amp;gt; Man schleppt sich nur noch dahin.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 5 ||&amp;lt;small&amp;gt; Kaper platzt ||&amp;lt;small&amp;gt; Man hat keine Lust mehr auf Geschlechtsverkehr. ||&amp;lt;small&amp;gt; Ebenso, weil die Kaper ein Aphrodisiakum sei (was nicht der Fall zu sein scheint).&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 5 ||&amp;lt;small&amp;gt; Mensch geht ins ewige Haus ||&amp;lt;small&amp;gt; Jedem Menschen ist im Tod ein eigener Ort als „eigenes Haus“ zugewiesen ||rowspan=&amp;quot;2&amp;quot; | &amp;lt;small&amp;gt; selten symbolisch ausgelegt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 5 ||&amp;lt;small&amp;gt; Klagende auf der Straße ||&amp;lt;small&amp;gt; Maden auf dem Körper, wenn man tot ist.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 6 ||&amp;lt;small&amp;gt; Silberband reißt ||&amp;lt;small&amp;gt; Wirbelsäule wird kettenähnlich, wenn man tot ist. ||rowspan=&amp;quot;4&amp;quot; | &amp;lt;small&amp;gt; 6a+b und 6c+d als Symbole für den Tod.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 6 ||&amp;lt;small&amp;gt; Goldschale zerbricht ||&amp;lt;small&amp;gt; Schädel zerbricht, wenn man tot ist.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 6 ||&amp;lt;small&amp;gt; Eimer an der Quelle zerbricht  ||&amp;lt;small&amp;gt;Magen verwest&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 6 ||&amp;lt;small&amp;gt; Rad zerbricht ||&amp;lt;small&amp;gt; verschiedene weitere Organe verwesen. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;In der sehr viel älteren Lehre des Ptahhotep (8-21) gibt es eine Passage, mit der sich der so ausgelegte Text dann sehr gut vergleichen ließe:&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &amp;lt;small&amp;gt;&#039;&#039;Gebrechlichkeit ist entstanden, das Greisenalter ist eingetreten,&amp;lt;br /&amp;gt;Schwäche ist gekommen, die kindliche Hilflosigkeit kehrt wieder.&amp;lt;br /&amp;gt;Die Kraft schwindet, denn müde ist mein Herz,&amp;lt;br /&amp;gt;Der Mund ist verstummt, er spricht nicht mehr.&amp;lt;br /&amp;gt;Die Augen sind trübe, die Ohren sind taub,&amp;lt;br /&amp;gt;das Schlafen fällt ihm schwer jeden Tag.&amp;lt;br /&amp;gt;Das Herz ist vergesslich, es erinnert sich nicht an gestern,&amp;lt;br /&amp;gt;der Knochen ist krank wegen der Länge (der Jahre).&amp;lt;br /&amp;gt;Die Nase ist verstopft, sie kann nicht atmen,&amp;lt;br /&amp;gt;denn beschwerlich sind Aufstehen und Niedersetzen.&amp;lt;br /&amp;gt;Das Gute wird zum Schlechten, jeder Geschmackssinn ist geschwunden.&amp;lt;br /&amp;gt;Was das Alter den Menschen antut:&amp;lt;br /&amp;gt;Schlimmes in jeder Weise!&#039;&#039; (Üs.: [https://archiv.ub.uni-heidelberg.de/propylaeumdok/2249/1/Burkard_Die_Lehre_des_Ptahhotep_1991.pdf Burkhard in TUAT III/2], S. 197),&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;und für V. 3 lässt sich das diese Interpretation auch recht gut verteidigen: Auch Galen bezeichnet die Arme die „Wächter des Hauses“, das der Körper ist, und die Zähne als „Mühlen“ (vgl. Braun 1973, S. 105); ähnlich heißen sie im Arabischen „die Müllerinnen“ (s. ibn Tibbon). Eine Deutung der „mächtigen Männer“ als Beine wäre nach der Rede von den Armen sehr naheliegend, ebenso die Bed. „Augen“ von „die Guckerinnen“.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber: Die Bedeutung der anderen Bilder wäre weniger offensichtlich, das Nebeneinander von bildlicher und nicht-bildlicher Rede wäre für biblischen Stil zumindest sehr ungewöhnlich; vor allem aber lässt sich diese Auslegung kaum mit [[Kohelet 11#s8 |Pred 11,8]] am Anfang dieses Abschnitts vereinbaren (s. zu V. 1). Es passt auch schwerlich zusammen z.B. mit [[Kohelet 7#s15 |Pred 7,15]]; [[Kohelet 8#s12 |8,12]], wo es als ungerecht und unerklärlich erklärt wird, dass sündige Menschen ein derart langes Leben haben dürfen, das für Kohelet also offensichtlich etwas &#039;&#039;Gutes&#039;&#039; ist. Zuletzt wäre eine solche Auslegung ausgesprochen altersdiskriminierend; sind andere Auslegungen ähnlich plausibel, sollte eine diskriminierungssensible Auslegung die Verse besser anders verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine hilfreiche Übersicht über die meisten der häufiger vorgeschlagenen alternativen Auslegungen findet sich bei [http://www.scielo.org.za/pdf/ote/v23n2/02.pdf Debel 2010]; die Deutung, die hier folgt, ist eine Variante der dort unter Abschnitt (7) zusammengefassten Interpretationen.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Auslegungstyp (7) wird neben den in Debel referierten Auslegungen von Beal, Krüger und Seow mittlerweile z.B. auch vertreten von Kamano 2002, S. 228-234; Takeuchi 2015, S. 169-180; Kang 2016 und ähnlich von Bartholomew.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wie man an der Struktur des Abschnittes (s.o.) sieht, ist &#039;&#039;&#039;12,1-7&#039;&#039;&#039; Entfaltung von 11,8c: „Der Mensch soll eingedenk sein der Tage der Dunkelheit“. Dies wird in &#039;&#039;&#039;V. 1ab&#039;&#039;&#039; direkt wieder aufgegriffen: „Sei eingedenk deines Schöpfers, bevor die argen Tage kommen.“ Wie noch recht häufig im Kohelet-Buch erscheint also auch hier – und noch deutlicher in [[Kohelet 11#s9 |Pred 11,9]] – Gott als jene unbegreiflichen Macht, über die man gerade so weiß, dass sie Freud und Leid verursacht – und Letzteres besonders dann, wenn man gegen seinen Willen verstoßen hat (s. [[Kohelet 3#s17 |Pred 3,17]]; [[Kohelet 5#s5 |5,5]]; [[Prediger 7#s16 |7,16-18]]; [[Kohelet 8#s5 |8,5f.]].[[Kohelet 8#s12 |12f.]]). „Gedenke deines Schöpfers, bevor die argen Tage kommen“, heißt dann also: „Sei gottesfürchtig, &#039;&#039;damit nicht&#039;&#039; arge Tage kommen“; V. 1 ist damit die ausführlichere Fassung des Caveats in 11,9e: „[Genieße dein Leben,] aber wisse dabei, dass Gott dich wegen all diesem vor Gericht bringen wird.“ &#039;&#039;&#039;1cd&#039;&#039;&#039; ist eine Entfaltung dieser argen Tage: Gemeint ist eine Zeit, die dem Menschen gar nichts Freudiges bietet. Eine solche Zeit ist also (hoffentlich) die Strafe für Missetaten (obwohl sie manchmal unbegreiflicher Weise auch über Gerechte hereinbrechen kann).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;&#039;V. 2&#039;&#039;&#039; schließt sich (nach 1b) ein weiterer „bevor“-Nebensatz an. Was hier beschrieben wird, wird dann in Vv. 3-5 noch genauer bestimmt mit einem V. 2 untergeordneten temporalen Nebensatz: Das in V. 2 geschieht „am Tag, an dem...“. Schon hieran sieht man: Was auf das „bevor“ in 2a folgt, ist offenbar nicht identisch mit dem „bevor“-Satz in 1b: Dort geht es um eine Zeitspanne, hier um einen Zeitpunkt. Doch auch dieser Zeitpunkt ist ein „dunkler Tag“; sogar der ultimative dunkle Tag: Mit Vokabular, das der Bibel-Lesende besonders aus apokalyptischen Texten kennt, wird der Zeitpunkt näher beschrieben zunächst als einer, an dem Sonne, Mond und Sterne sich verfinstern, weil nicht enden wollendes Gewölk den Himmel verdeckt. Diesem trostlosen Himmel entspricht in &#039;&#039;&#039;V. 3-4b&#039;&#039;&#039; die trostlose Erde: Selbst starke Wächter zittern und selbst mächtige Männer krümmen sich aus namenlosem Schrecken, die Mahlmägde sind quantitativ kaum noch vorhanden und daher nicht mehr zu hören, die wohlhabenden Frauen qualitativ und daher nicht mehr zu sehen. Dem düsteren Himmel entspricht die dunkle Menschenwelt, in der die Menschen selbst sich „verfinstern“ (3d). Auch außerhalb der Wohnhäuser ist der öffentliche Betrieb in der Stadt zum Erliegen gekommen: Die Marktstraße wurde geschlossen, und, wieder: Nicht einmal das für die Stadt des alten Israel so charakteristische Geräusch des Mahlens lässt sich noch vernehmen. Der Mensch schwindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darauf wendet sich der Blick wieder nach oben: In &#039;&#039;&#039;4c-5e&#039;&#039;&#039; sind statt dem Geräusch des Mahlens nun Vögel zu vernehmen; diese „Töchter des Gesangs“ senken sich langsam über die Stadt und blicken auf den „Schrecken auf der Straße“ hinab. Und unten, da blüht der Mandelbaum auf; statt den Schnittern im Getreidefeld belädt sich die Heuschrecke mit Früchten, und „die Kaper bricht“. Heißt Letzteres (wie oben vorgeschlagen), dass sie aus Ruinen emporwächst und diese „zerbricht“, ist auch dies (wie die Rede von den hinabsteigenden Vögeln in die menschenleere Stadt) ein Bild dafür, wie die Natur diese Geisterstadt zurückerobert (s. ähnlich [[Jesaja 13#s21 |Jes 13,21]]; [[Jesaja 34#s13 |34,13]]; [[Jeremia 50#s39 |Jer 50,39]]). Heißt es dagegen, wie es heute oft stattdessen verstanden wird, dass ihre Früchte aufplatzen oder sie ihre Blätter verliert (s.o.) schildern 5c-e stattdessen den Lebenszyklus der Natur: Der Mandelbaum blüht als erster auf, wenn der Winter sich seinem Ende zuneigt. Die Heuschrecke schreitet im späten Frühjahr oder im Frühsommer an die Ernte, die Kapernfrucht platzt im Hochsommer oder verliert im Herbst ihre Blätter (vgl. ähnlich Köhlmoos; Tantlevskij 2019). Der Mensch dagegen ist (bereits) tot: Zu sehen sind auf den Marktstraßen nur noch Trauerprozessionen, bei denen Klagende den Verstorbenen das letzte Geleit geben (&#039;&#039;&#039;5fg&#039;&#039;&#039;).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;Dieser&#039;&#039; dunkle Tag ist also wirklich der ultimative dunkle Tag: Beschrieben wird das Ende der Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zurück bleiben von ihnen nach dem dritten „bevor“-Nebensatz in &#039;&#039;&#039;V. 6&#039;&#039;&#039; nur noch Überreste: Zerrissene Bänder, zerschellte Schalen, zerborstene Eimer, zerbrochene Räder. Mehr nicht. Denn der Mensch selbst hinterlässt keine Spuren (&#039;&#039;&#039;V. 7&#039;&#039;&#039;): Sein Leib verrottet und wird wieder zu Erde, seinen Atem haucht er aus, worauf dieser spurlos wieder zu Gott zurückkehrt, der ihn dem Menschen erst gegeben hat. Was dann und dort mit diesem Atem geschieht, das weiß Kohelet in [[Kohelet 3#s19 |Pred 3,19-21]] nicht.&amp;lt;br /&amp;gt;Wenn hier anders als dort angenommen wird, dass der Atem des Menschen zu Gott zurückkehrt, darf man dies sehr wahrscheinlich dennoch nicht verstehen als eine Art „Himmelfahrt der unsterblichen Seele“: Der „Lebensatem“ ist ein sehr anderes Konzept als die „Seele“. Selbst in Midrasch ExR 31,15 wird der Vers daher nicht auf eine unsterbliche Seele gedeutet. Als Gott gefragt wird, warum er keinen Lohn für all seine Gaben fordert, antwortet er dort nämlich: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;„Seht, wie viel ich verleihe. Und ich nehme doch keinen Zins. Seht, wie viel die Erde verleiht. Und auch sie nimmt doch keinen Zins. Ich nehme nur das Startkapital, das ich geliehen habe, und auch sie nimmt nur das ihre, wie ja geschrieben steht: ‚Zurückkehren wird der Lehm zur Erde, wie er gewesen, / und der Atem wird zurückkehren zu Gott, der ihn gegeben hat.‘“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was hier also dann doch „zu Gott zurückkehrt“, ist keine „Seele“, sondern nur das Leben, das Gott den Menschen in [[Genesis 2#s7 |Gen 2,7]] &#039;&#039;verliehen&#039;&#039; hat. „Der Atem kehrt zu Gott zurück“ heißt dann nur: „Der Mensch haucht seinen Atem aus“.&amp;lt;br /&amp;gt;So jedenfalls m.W. alle neueren Kommentatoren. Völlig sicher ist das aber nicht: Kohelet (und ebenso Jesus Sirach, [[Jesus Sirach 40#s11 |40,11]]: „Alles, was von der Erde kam, kehrt zur Erde zurück, und was aus der Höhe kam, in die Höhe.“) zitiert hier deutlich ein griechisches Sprichwort, das bei mehreren Autoren belegt ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;Epicharmus&#039;&#039;&#039;: „Sie waren zusammengefügt und lösten sich wieder auf und kehrten zurück an den Ort, woher sie kamen: Die Erde zur Erde, der Geist nach oben.“ &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;Euripides&#039;&#039;&#039;: „Der Körper werde in der Erde begraben. Woher jedes Teil kam, dahin kehrt es zurück: Der Geist zum Äther, der Körper zur Erde. Nicht als unser Eigen besitzen wir sie, nur als Gäste und als Lehen.“ &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;Lukrez&#039;&#039;&#039;: „So steigt alles auf, so kehrt alles zurück: Erde nimmt, was Erde gab, und zurück zum Himmel steigt wieder auf der ätherische Himmelstau, der herunterfiel.“ (&#039;&#039;apud&#039;&#039; Ginsburg 1861, S. 468)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mindestens wird hier also die hebräische Vorstellung vom „Lebensatem“ &#039;&#039;verquickt&#039;&#039; mit der griechischen vom „ätherischen Geist“, und auch Pred 3,19-21 zeigt ja, dass Kohelet zumindest die Vorstellung bekannt war, dass es einen qualitativen Unterschied gebe zwischen menschlichem und tierischem „Atem“, der dann mehr sein muss als nur das Schnaufen der Lebewesen. &#039;&#039;Wie sehr&#039;&#039; hier griechische Vorstellungen mit den hebräischen verschmolzen sind, ist aber nicht zu erkennen.&amp;lt;br /&amp;gt;Vermutlich aber nicht sehr stark, denn was der Sinn dieses Verses in diesem Kontext ist, sagt dann &#039;&#039;&#039;V. 8&#039;&#039;&#039;: „Flüchtig, allzu flüchtig! Alles ist flüchtig“: Der Mensch vergeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pred 12,1-7 ist damit insgesamt die ultimative Warnung zur Gottesfürchtigkeit. Straft Gott, folgen Unglückstage (12,1), oder folgt sogar der ultimative dunkle Tage (12,2-5) – der Todestag, mit dem der Mensch aufhört, „unter der Sonne“ (s. zu [[Kohelet 1#s3 |Pred 1,3]]) zu wandeln, und das, was sich daran anschließt (12,6-7): Das beinahe spurlose Verschwinden des Menschen. Die Zusammenfassung des Kohelet-Buches, die der spätere Ergänzer gleich in Vv. 13f. geben wird, ist zumindest für Pred 12,1-7 also korrekt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=2_Johannes&amp;diff=40287</id>
		<title>2 Johannes</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=2_Johannes&amp;diff=40287"/>
		<updated>2026-02-26T15:55:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Status&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Ungeprüfte Studienfassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Lesefassung}}&lt;br /&gt;
{{L|1}}&lt;br /&gt;
{{L|2}}&lt;br /&gt;
{{L|3}}&lt;br /&gt;
{{L|4}}&lt;br /&gt;
{{L|5}}&lt;br /&gt;
{{L|6}}&lt;br /&gt;
{{L|7}}&lt;br /&gt;
{{L|8}}&lt;br /&gt;
{{L|9}}&lt;br /&gt;
{{L|10}}&lt;br /&gt;
{{L|11}}&lt;br /&gt;
{{L|12}}&lt;br /&gt;
{{L|13}}&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
{{S|1}}Der Älteste (ältere Mann) an die auserwählte (edle) Frau und ihre Kinder, die ich in Wahrheit liebe, und nicht ich allein, sondern auch alle, die die Wahrheit kennen gelernt haben&lt;br /&gt;
{{S|2}}wegen der Wahrheit, die in uns bleibt, und sie&amp;lt;ref&amp;gt;d.i. die Wahrheit&amp;lt;/ref&amp;gt; wird für immer mit uns sein.&lt;br /&gt;
{{S|3}}Unverdiente Güte (Gnade) wird mit uns sein, Barmherzigkeit [und] Frieden von Gott, [dem] Vater, und von Jesus Christus, dem Sohn des Vaters, mit Wahrheit und Liebe.&lt;br /&gt;
{{S|4}}Ich freue mich sehr, weil (dass) ich von deinen Kindern einige gefunden habe, die in der Wahrheit leben (wandeln), so wie wir vom Vater ein Gebot empfangen haben.&lt;br /&gt;
{{S|5}}Und nun bitte ich dich, edle Frau, als [jemand,] der dir nicht ein neues Gebot schreibt, sondern eines, das wir von Anfang an gehabt haben, dass wir einander lieben.&lt;br /&gt;
{{S|6}}Und das bedeutet Liebe: Dass wir weiterhin nach seinen Geboten leben (wandeln). Dies ist das Gebot, so wie ihr von Anfang an gehört habt, dass ihr [weiterhin]&amp;lt;ref&amp;gt;wandeln ist in Präsensform. Es geht also nicht um einmaligen Gehorsam, sondern andauernd (durativ linear) oder immer wieder (durativ iterativ).&amp;lt;/ref&amp;gt; darin&amp;lt;ref&amp;gt;Zu klären: bezieht sich das auf das Gebot oder auf die Liebe? Siebenthal/Haubeck favorisiert Liebe, aber grammatikalisch würde ich eher Gebot vermuten (beides ist weiblich).&amp;lt;/ref&amp;gt; wandeln sollt.&lt;br /&gt;
{{S|7}}Denn viele Betrüger sind in die Welt ausgegangen, [ Personen, ] die das Kommen Jesu Christi im Fleisch nicht bekennen. Dies ist der Betrüger und der Antichrist!&lt;br /&gt;
{{S|8}}Gebt acht auf euch selbst, damit ihr die Dinge nicht verliert, die wir erarbeitet haben, sondern dass ihr vollen Lohn erlangen mögt.&lt;br /&gt;
{{S|9}}Jeder, der vorausgeht ([noch] weitergeht) und nicht in der Lehre des Christus bleibt, hat Gott nicht; wer in dieser Lehre bleibt, der hat auch den Vater und seinen Sohn (sowohl den Vater als auch den Sohn).&lt;br /&gt;
{{S|10}}Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht mitbringt ([bei sich] trägt), nehmt ihn nicht in [euer] Haus auf und sagt ihm keine Grüße.&lt;br /&gt;
{{S|11}}Denn wer ihm Grüße sagt, nimmt an seinen bösen Taten teil.&lt;br /&gt;
{{S|12}}Obwohl ich euch viele Dinge zu schreiben habe, will ich dies nicht mit Papier und Tinte tun, sondern ich hoffe, zu euch zu kommen und mit euch von Angesicht zu Angesicht zu reden, damit ihr&amp;lt;ref&amp;gt;Textkritik: NA28 hat &amp;quot;unsere Freude&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Freude in vollem Maße haben mögt.&lt;br /&gt;
{{S|13}}Die Kinder deiner auserwählten Schwester senden dir ihre Grüße.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=3_Johannes&amp;diff=40286</id>
		<title>3 Johannes</title>
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		<updated>2026-02-26T15:55:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Status&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Ungeprüfte Studienfassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Lesefassung}}&lt;br /&gt;
{{L|1}}&lt;br /&gt;
{{L|2}}&lt;br /&gt;
{{L|3}}&lt;br /&gt;
{{L|4}}&lt;br /&gt;
{{L|5}}&lt;br /&gt;
{{L|6}}&lt;br /&gt;
{{L|7}}&lt;br /&gt;
{{L|8}}&lt;br /&gt;
{{L|9}}&lt;br /&gt;
{{L|10}}&lt;br /&gt;
{{L|11}}&lt;br /&gt;
{{L|12}}&lt;br /&gt;
{{L|13}}&lt;br /&gt;
{{L|14}}&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
{{S|1}}Der Älteste (ältere Mann) an Gạjus, den geliebten, den &#039;&#039;ich&#039;&#039; in Wahrheit liebe.&lt;br /&gt;
{{S|2}}Geliebter, ich bete [darum], dass es dir in allen Dingen (in jeder Hinsicht) gut geht und du gute Gesundheit hast (gesund bist), so wie es deiner Seele gut geht.&lt;br /&gt;
{{S|3}}Denn ich freute mich sehr, als Brüder kamen und für die Wahrheit Zeugnis ablegten, an die du dich [hältst], so wie du weiterhin in der Wahrheit wandelst (lebst).&lt;br /&gt;
{{S|4}}Ich habe keine größere [Ursache zur] Freude (Dankbarkeit) als diese [Dinge], dass ich höre, dass meine Kinder fortfahren, in der Wahrheit zu wandeln.&lt;br /&gt;
{{S|5}}Geliebter, du tust (leistest) treue Arbeit in dem, was immer du für die Brüder und noch dazu für Fremde&amp;lt;ref&amp;gt;Hier handelt es sich wahrscheinlich um Freunde von Johannes, die bei Gaius zu Gast waren und bei ihrer Rückkehr in der Gemeinde von Johannes davon erzählt haben.&amp;lt;/ref&amp;gt; tust,&lt;br /&gt;
{{S|6}}die vor der Versammlung (Gemeinde) von deiner Liebe Zeugnis abgelegt haben. Diese wirst du [bitte] auf eine Weise ihres Weges senden, die Gottes würdig (angemessen) ist.&lt;br /&gt;
{{S|7}}Denn zugunsten seines Namens&amp;lt;ref&amp;gt;d.i. im Namen Jesu&amp;lt;/ref&amp;gt; sind sie ausgezogen, ohne von den Leuten aus den Nationen etwas zu nehmen (anzunehmen) &amp;lt;ref&amp;gt;Also ohne Unterstützung/Gastfreundschaft von Ungläubigen in Anspruch zu nehmen.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
{{S|8}}Darum sind &#039;&#039;wir&#039;&#039; verpflichtet, solche [Personen] gastfreundlich aufzunehmen, damit wir zu Mitarbeitern in der Wahrheit werden&amp;lt;ref&amp;gt;Sie arbeiten für die Wahrheit, und indem wir sie aufnehmen, arbeiten wir ebenfalls für dieses (missionarische) Anliegen.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
{{S|9}}Ich schrieb etwas an die Versammlung, aber Diotrẹphes, der unter ihnen gern den ersten Platz einnimmt&amp;lt;ref&amp;gt;Also: ihr Leiter sein will&amp;lt;/ref&amp;gt;, nimmt von uns nichts (nimmt uns nicht)&amp;lt;ref&amp;gt;Hier wird das gleiche Wort wie in V. 10 verwendet. Es geht also 1. um die abgelehnte Gastfreundschaft und 2. um den abgelehnten Brief. Da Briefe persönlich überbracht wurden, hängt beides zusammen.&amp;lt;/ref&amp;gt; [mit Respekt] an.&lt;br /&gt;
{{S|10}}Darum will ich, wenn ich komme, an seine Werke erinnern, die er fortgesetzt tut, indem er mit bösen Worten über uns schwatzt. Und damit nicht zufrieden, nimmt er selbst auch die Brüder nicht [mit Respekt] auf, und diejenigen, die sie [aufnehmen] wollen, versucht er daran zu hindern und aus der Versammlung hinauszuwerfen&amp;lt;ref&amp;gt;Zu klären: konativ? formeller Kirchenausschluss? s. Diskussionseite.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
{{S|11}}Geliebter, ahme nicht das Böse nach, sondern das Gute. Wer Gutes tut, stammt von Gott. Wer Böses tut, hat Gott nicht gesehen&amp;lt;ref&amp;gt;Pf. - resultativ: Weil er Gott nicht gesehen hat, kennt er Gott nicht (und tut darum Böses).&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
{{S|12}}Über Demẹtrius wurde von [ihnen] allen und von der Wahrheit selbst Zeugnis abgelegt. Ja, auch wir legen Zeugnis ab, und du weißt, dass das Zeugnis, das wir geben, wahr ist.&lt;br /&gt;
{{S|13}}Ich hätte dir viele Dinge zu schreiben, doch möchte ich dir nicht weiter mit Tinte und Feder schreiben.&lt;br /&gt;
{{S|14}}Aber ich hoffe, dich bald zu sehen, und wir werden von Angesicht zu Angesicht reden.&lt;br /&gt;
Friede sei mit dir! Die Freunde&amp;lt;ref&amp;gt;aus der Gemeinde von Johannes?&amp;lt;/ref&amp;gt; senden dir ihre Grüße. Grüß die Freunde &amp;lt;ref&amp;gt;deine Freunde? unsere Freunde?&amp;lt;/ref&amp;gt; mit Namen.&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Judas&amp;diff=40285</id>
		<title>Judas</title>
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		<updated>2026-02-26T15:55:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Status&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Ungeprüfte Studienfassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Lesefassung}}&lt;br /&gt;
{{L|1}}&lt;br /&gt;
{{L|2}}&lt;br /&gt;
{{L|3}}&lt;br /&gt;
{{L|4}}&lt;br /&gt;
{{L|5}}&lt;br /&gt;
{{L|6}}&lt;br /&gt;
{{L|7}}&lt;br /&gt;
{{L|8}}&lt;br /&gt;
{{L|9}}&lt;br /&gt;
{{L|10}}&lt;br /&gt;
{{L|11}}&lt;br /&gt;
{{L|12}}&lt;br /&gt;
{{L|13}}&lt;br /&gt;
{{L|14}}&lt;br /&gt;
{{L|15}}&lt;br /&gt;
{{L|16}}&lt;br /&gt;
{{L|17}}&lt;br /&gt;
{{L|18}}&lt;br /&gt;
{{L|19}}&lt;br /&gt;
{{L|20}}&lt;br /&gt;
{{L|21}}&lt;br /&gt;
{{L|22}}&lt;br /&gt;
{{L|23}}&lt;br /&gt;
{{L|24}}&lt;br /&gt;
{{L|25}}&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
{{S|1}}Judas, ein Sklave (Diener, Knecht) von Jesus Christus und ([zugleich] aber) ein Bruder von Jakobus, [sendet Grüße an] die in (durch) Gott [dem] Vater geliebten&amp;lt;ref&amp;gt;Andere Handschriften: geheiligten&amp;lt;/ref&amp;gt; und [für] Jesus Christus bewahrten Berufenen.&lt;br /&gt;
{{S|2}}Barmherzigkeit, {und} Frieden und Liebe mögen [für] euch [immer weiter] vermehrt werden (zunehmen, sich entfalten)&amp;lt;ref&amp;gt;Das Wort zeigt starkes (zahlenmäßiges) Wachstum an. Menge (REB ähnlich): „mögen euch immer reichlicher zuteil werden“)&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
{{S|3}}Geliebte, ich habe jede Anstrengung unternommen (mich beeilt), euch über unsere gemeinsame Rettung zu schreiben, aber (und)&amp;lt;ref&amp;gt;Partizip Präsens Medium/Passiv&amp;lt;/ref&amp;gt; fand es [statt dessen] notwendig, euch Ermahnungen zu schreiben&amp;lt;ref&amp;gt;Wörtlich: euch zu schreiben, ermahnend&amp;lt;/ref&amp;gt;, dass ihr für den Glauben kämpft (einen harten Kampf führt), der den (für die) Heiligen ein für alle mal überliefert worden ist. &lt;br /&gt;
{{S|4}}Es haben sich nämlich einige (gewisse) Menschen eingeschlichen, die vor langer Zeit (früher) für dieses Gericht bestimmt worden sind: Gottlose, die die Güte (Gnade) unseres Gottes vertauschen mit (verkehren zu, umdrehen zu) Zügellosigkeit und die den unseren alleinigen Gebieter (Herrn, Herrscher)&amp;lt;ref&amp;gt;Einige Handschriften: unseren alleinigen Gebieter, Gott und Herrn, Jesus Christus&amp;lt;/ref&amp;gt; und Herrn (Herrscher, Gebieter), Jesus Christus, ablehnen.&lt;br /&gt;
{{S|5}}Ich möchte euch {aber}&amp;lt;ref&amp;gt;Andere Handschriften: also, nun&amp;lt;/ref&amp;gt; daran erinnern, auch wenn ihr alle Dinge [schon] ein für allemal&amp;lt;ref&amp;gt;In anderen Handschriften steht das „ein für alle Mal“ beim folgenden Verb: „ein für alle Mal rettete“&amp;lt;/ref&amp;gt; wisst, dass Jesus&amp;lt;ref&amp;gt;Statt „Jesus“ haben einige Handschriften „Gott“, „Gott Jesus“ oder „der Herr“.  Die sehr weit verbreitete wissenschaftliche Urtext-Ausgabe Nextle/Aland (27. Auflage) liest „der Herr“. Neuere wissenschaftliche Urtext-Ausgaben (SBL Greek New Testament, Editio Critica Maior) folgen der inhaltlich schwierigeren Lesart „Jesus“, da sich die Entstehung der anderen Lesarten so leichter erklären lässt. Die Vorstellung, dass Christus das Volk Israel beim Auszug aus Ägypten begleitet und rettet, findet sich auch in [[1 Korinther 10#s4|1. Kor 10,4–5]].&amp;lt;/ref&amp;gt; [das] Volk aus dem Land Ägypten rettete&amp;lt;ref&amp;gt;Partizip Aorist Aktiv&amp;lt;/ref&amp;gt; und (aber) später die vernichtete, die keinen Glauben hatten (sich nicht anvertrauten, nicht zum Glauben kamen)&amp;lt;ref&amp;gt;Partizip Aorist Aktiv&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
{{S|6}}Und die Engel, die ihre ursprüngliche Stellung nicht bewahrten, sondern ihre eigene rechte Wohnstätte verließen, hat er mit ewig währenden Fesseln unter dichter Finsternis für das Gericht des großen Tages aufbehalten.&lt;br /&gt;
{{S|7}}Ebenso werden Sodom und Gomorra und die umliegenden Städte, nachdem sie in gleicher Weise wie die Vorhergehenden über die Maßen Hurerei begangen hatten und dem Fleisch zu unnatürlichem Gebrauch nachgegangen waren, uns dadurch als ein warnendes Beispiel hingestellt, dass sie die richterliche Strafe ewigen Feuers (Vernichtung, Gehenna) erleiden.&lt;br /&gt;
{{S|8}}Genau so beflecken dessen ungeachtet auch diese Menschen, die sich Träumen hingeben, das Fleisch und missachten die Herrschaft und reden lästerlich über Herrliche.&lt;br /&gt;
{{S|9}}Aber als der Erzengel Michael mit dem Teufel uneins wurde und sich mit ihm wegen des Körpers [von] Mose sich prügelten, wagte er nicht, über ihn in lästernden Worten ein Gericht zu bringen, sondern sprach: JHWH schelte dich.&lt;br /&gt;
{{S|10}}Doch sie lästerten über alles, was sie in Wirklichkeit noch nicht mal kannten, aber alles, was sie von Natur aus wie die vernunftlosen Tiere verstehen, darin fahren sie fort, sich zu verderben.&lt;br /&gt;
{{S|11}}Wehe ihnen, denn sie sind den Pfad Kains gegangen und haben sich für Lohn in den Lauf des Irrtums Bileams gestürzt und sind in der rebellischen Rede Korachs zugrunde gegangen.&lt;br /&gt;
{{S|12}}Diese sind bei euren Liebesmahlen die Felsenriffe, die unter dem Wasser verborgen sind, während sie mit euch Festmahl halten, Hirten, die sich ohne Furcht selbst weiden; wasserlose Wolken, von Winden hierhin und dorthin getrieben; Bäume im Spätherbst, ohne Frucht, zweimal abgestorben, entwurzelt,&lt;br /&gt;
{{S|13}}wilde Meereswogen, die ihre eigenen Ursachen der Schande ausschäumen; Sterne ohne festgesetzte Bahn, denen für immer die Schwärze der Finsternis aufbehalten ist.&lt;br /&gt;
{{S|14}}Ja, der Siebte (siebte Sohn) nach Adam, Henoch, hat auch von ihnen prophezeit, als er sprach: Siehe! JHWH kam mit seinen heiligen Myriaden (Abertausendenen),&lt;br /&gt;
{{S|15}}um jeden zu richten und alle Gottlosen all ihrer gottlosen Werke (Taten) zu überführen, die sie auf gottlose Weise begingen, und all der anstößigen Dinge, die gottlose Sünder gegen ihn geredet haben.&lt;br /&gt;
{{S|16}}Diese sind Jammernde, solche, die [über] ihr Los im Leben meckern, die gemäß ihren eigenen Begierden vorgehen; und aus ihrem Mund kommt nur geschwollene Reden, während sie aus Eigennutz Persönlichkeiten bewundern.&lt;br /&gt;
{{S|17}}Ihr nun, Geliebte, erinnert euch an die Worte, die von den Aposteln unseres Herrn Jesus Christus vorhergesagt wurden;&lt;br /&gt;
{{S|18}}wie sie immer wieder sagten: In der letzten Zeit wird es Spötter geben, die gemäß ihren eigenen Begierden nach gottlosen Dingen vorgehen.&lt;br /&gt;
{{S|19}}Diese sind es, die Trennungen hervorrufen, animalische (tierische) Menschen, die keine geistige Gesinnung haben.&lt;br /&gt;
{{S|20}}Ihr aber, Geliebte, indem ihr euch selbst an eurem allerheiligsten Glauben erbaut und mit heiligem Geist betet,&lt;br /&gt;
{{S|21}}bewahrt euch selbst in Gottes Liebe, während ihr mit der Aussicht auf ewiges Leben auf die Barmherzigkeit unseres Herrn Jesus Christus wartet.&lt;br /&gt;
{{S|22}}Macht weiter, einigen die Zweifel haben, denen Barmherzigkeit zu erweisen, &lt;br /&gt;
{{S|23}}sie zu retten, indem ihr sie aus dem Feuer reißt. Doch erweist den anderen weiter Barmherzigkeit, und zwar mit Furcht, wobei ihr auch das vom Fleisch beschmutzte innere Kleid hasst.&lt;br /&gt;
{{S|24}}Dem, der in der Lage ist, euch vor dem Straucheln zu behüten und euch vor seiner Herrlichkeit mit großer Freude makellos hinzustellen,&lt;br /&gt;
{{S|25}}dem einzigem (alleinigen) Gott, unserem Retter, durch Jesus Christus, unserem Herrn, sei Herrlichkeit, Majestät, Macht und Gewalt für die ganze vergangene Ewigkeit und jetzt und bis in alle Ewigkeit. Amen.&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Obadja&amp;diff=40284</id>
		<title>Obadja</title>
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		<updated>2026-02-26T15:52:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Status&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Zuverlässige Studienfassung}}&lt;br /&gt;
{{Lesefassung kann erstellt werden}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Lesefassung}}&lt;br /&gt;
{{L|1}}&lt;br /&gt;
{{L|2}}&lt;br /&gt;
{{L|3}}&lt;br /&gt;
{{L|4}}&lt;br /&gt;
{{L|5}}&lt;br /&gt;
{{L|6}}&lt;br /&gt;
{{L|7}}&lt;br /&gt;
{{L|8}}&lt;br /&gt;
{{L|9}}&lt;br /&gt;
{{L|10}}&lt;br /&gt;
{{L|11}}&lt;br /&gt;
{{L|12}}&lt;br /&gt;
{{L|13}}&lt;br /&gt;
{{L|14}}&lt;br /&gt;
{{L|15}}&lt;br /&gt;
{{L|16}}&lt;br /&gt;
{{L|17}}&lt;br /&gt;
{{L|18}}&lt;br /&gt;
{{L|19}}&lt;br /&gt;
{{L|20}}&lt;br /&gt;
{{L|21}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
{{S|1}} &#039;&#039;&#039;Die Prophezeiung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Die Prophezeiung Obadjas&#039;&#039; - W.: „Vision Obadjas“; wie in [[2 Chronik 32#s32 |2 Chr 32,32]]; [[Jesaja 1#s1 |Jes 1,1]] und [[Nahum 1#s1 |Nah 1,1]] ist „Vision von X“ hier die Überschrift eines ganzen Prophetenbuchs. Deshalb und da im Buch ja von gar keiner „Vision“ berichtet wird, treffender „Prophetie“ (so oder ähnlich z.B. Dick 2005, S. 3; MEN, NL, van Ess; Wolff 1977, S. 14).&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&#039;Obadjas&#039;&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Obadja&#039;&#039; bedeutet etwa „Knecht JHWHs“, „JHWH-Verehrer“&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
So hat der Herr JHWH über (zu) Edom gesprochen,&amp;lt;ref&amp;gt;Schwieriger Vers. Schwierigkeit (1) ist, dass das Hebräische keine Anführungszeichen kennt. Diese und die nächsten beiden Zeilen können daher jeweils als Redeeinleitung gedeutet werden, auf die dann die Wiedergabe der wörtlichen Rede folgt - oder auch nicht. Mit dem Maximum an Redeebenen ergäbe dies also: &#039;&#039;[Prophetie Obadjas:] „So hat der Herr JHWH über Edom gesprochen: [Wiedergabe des Gesprochenen JHWHs:] ‚Eine Botschaft haben wir von JHWH gehört: [Wiedergabe des von JHWH Gehörten:] ‚Ein Bote wurde zu den Nationen gesandt (mit der Botschaft:) [Wiedergabe der Botschaft des Boten:] ‚Erhebt euch...‘‘‘“&#039;&#039; Welche der Sätze als wörtliche Rede analysiert werden und welche nicht, ist völlig uneinheitlich in der Exegese.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Schwierigkeit (2) ist, dass hier untypischerweise nach dem einleitenden „So spricht JHWH über/zu Edom“ offenbar keine wörtliche Rede folgt, da sonst ja JHWH selbst berichten würde, eine Botschaft von JHWH übermittelt bekommen zu haben. In der Regel wird dies entweder als eine zweite Überschrift verstanden (so die meisten) - was aber genau so untypisch wäre und ja nichts daran ändern würde, dass man nach einer solchen Überschrift eine wörtliche Rede JHWHs erwarten sollte, die eben nicht direkt folgt - oder textkritisch (-&amp;gt; Textkritik) ans Ende von V. 1 verschoben (so z.B. Nötscher 1958; Theis 1937; Wolff 1977; EÜ).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Beide Schwierigkeiten lassen sich am leichtesten lösen, wenn man der alten Deutung von Schegg 1862 folgt: Zeilen 3-4 stehen auf der selben Ebene wie Zeile 2, formen so einen Parallelismus und keine dieser Zeilen ist wörtliche Rede (s. S. 379). In drei aufeinanderfolgenden Zeilen wird derart die „Reichweite“ der Botschaft JHWHs nach und nach ausgeweitet: (1) Ohne Nennung der Reichweite: „So hat der Herr JHWH über Edom gesprochen“; (2) „&#039;&#039;Wir&#039;&#039;“ - d.h. wohl: Ich (=Obadja) und die Judäer - „haben eine Botschaft von JHWH gehört“; (3) „&#039;&#039;An [alle] Nationen&#039;&#039; wurde ein Bote gesendet“.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Vv. 2-7 thematisieren dann die Folgen dieses allgemeinen Aufrufs zum Krieg JHWHs.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_ eine Nachricht&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Nachricht ... gehört&#039;&#039; - Figura etymologica: Das Wort für &#039;&#039;Nachricht&#039;&#039; (sonst meist „Gerücht“) kommt vom selben Wortstamm wie „haben wir gehört“; es wirkt also wie: „Ein Gehörtes haben wir gehört“ (vgl. B-R: „ein Vernehmen vernahmen wir von IHM her“).&amp;lt;/ref&amp;gt; haben wir von JHWH gehört&lt;br /&gt;
_ und ein Bote&amp;lt;ref&amp;gt;Der &#039;&#039;Bote&#039;&#039; könnte ein Engel sein, dessen Botschaft das göttliche Gericht einleitete; s. [[Maleachi 3#s1 |Mal 3,1]]; [[Daniel 4#s10 |Dan 4,10.14.20]] (so z.B. Rudolph 1971, S. 302; Sellin 1922, S. 231; Schumpp 1950, S. 153). Vielleicht wird aber Gott auch nur anthropomorph als Kriegstreiber dargestellt, der wie in [[Richter 7#s24 |Ri 7,24]]; [[1Samuel 11#s7 |1 Sam 11,7]]; [[Ezechiel 17#s15 |Ez 17,15]]; [[1Chroniken 19#s16 |1 Chr 19,16]] seine Boten mit dem Aufruf zur Schlacht entsendet.&amp;lt;/ref&amp;gt; wurde zu den Nationen gesandt: &lt;br /&gt;
„Erhebt euch (Auf!), {und} lasst uns uns erheben&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Erhebt euch, lasst uns uns erheben&#039;&#039; - Oder: (1) Das einleitende „erhebt euch“ wird im Hebräischen auch häufig verwendet als bloßer „Vorbereitungsimperativ“; in etwa vergleichbar einem deutschen „Los!“, „Auf gehts!“; also „Los, lasst uns uns erheben!“. (2) Außerdem gibt es im Hebräischen einen sogenannten „Pseudo-imperativ“: In einer Imperativkette dient der erste als Bedingung, der zweite als Folge, also „Wenn ihr euch erhebt, werden auch wir uns erheben“. So aber nur Dick 2005: „Arise so we can rise against her in battle!“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dass JHWH gemeinsam mit Menschen in den Kampf zieht, ist in der Bibel nicht ungewöhnlich (etwa [[2Samuel 5#s24 |2 Sam 5,24f]]; [[Jesaja 13#s1|Jes 13,1-5]]; [[Micha 2#s13|Mi 2,13]]; [[Psalm 144|Ps 144]]).&amp;lt;/ref&amp;gt; gegen es&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;es&#039;&#039; kann sich nur auf Edom beziehen. Edom ist zwar sonst im Obadjabuch männlich, das mit „es“ übersetzte Wort dagegen weiblich, doch außerhalb des Obadjabuches findet sich Edom noch häufiger als Femininum. Es ist in der Bibel nicht ungewöhnlich, dass für Nationen verschiedene Geschlechter benutzt werden.&amp;lt;/ref&amp;gt; zur Schlacht!“ {{par|Jesaja|13|1|5}}{{par|Jeremia|6|4|5}}{{par|Jeremia|49|14}}{{par|Jeremia|50|9}}{{par|Jeremia|51|27}}{{par|Joel|4|9}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|2}}&amp;lt;ref&amp;gt;In V. 2 beginnt eine neue wörtliche Rede: V. 1e richtete sich an „uns und die Nationen“. Ab V. 2 gibt Obadja JHWHs Rede gegen „dich“ - nämlich Edom - wieder. In der Lesefassung muss man das wahrscheinlich durch eine neue Redeeinführung verdeutlichen.&amp;lt;/ref&amp;gt; „{Siehe,}&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Siehe&#039;&#039; ist eine so genannte „Diskurspartikel“, die man fast nie wörtlich übersetzen kann. Ihre Funktion ist es, die folgende Aussage besonders relevant für die aktuelle Rede zu kennzeichnen (vgl. z.B. Nic §67). Vermutlich bezieht sie sich hier also auf den vorausgehenden Aufruf zum Krieg (V. 1), dessen Folgen in den kommenden Versen (Vv. 2-7) beschrieben werden: JHWH hat Edom &#039;&#039;schon jetzt&#039;&#039; unwahrscheinlich klein und unbedeutend gemacht (Vv. 2-7), doch selbst das ist kein Vergleich zu dem, was am „Tag JHWHs“ (dazu s.u.) mit Edom geschehen wird (Vv. 8f.15).&amp;lt;/ref&amp;gt; Klein (unbedeutend) habe ich dich gemacht&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;habe ich dich gemacht&#039;&#039; - viele deuten als „prophetisches Perfekt“ (d.h.: Die Verbform Qatal, die sonst für Vergangenheit und Gegenwart verwendet wird, stünde hier für Futur): „werde ich dich machen“. Das ist nicht sehr wahrscheinlich, weil ab V. 8 die Verbformen Yiqtol und Weqatal verwendet werden, wo man noch eher ein prophetisches Perfekt erwarten würde. Theoretisch ist aber auch dies möglich.&amp;lt;/ref&amp;gt; unter den Nationen (durch die Nationen)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;unter den Nationen (durch die Nationen)&#039;&#039; - Wortspiel im Hebräischen: Die Präposition &#039;&#039;b&#039;&#039; („unter“) dient meist der Verortung, „unter den Nationen“ ist dann eine Art Superlativ: „Ich habe dich gering unter den Völkern gemacht“ entspricht mehr oder weniger „Ich habe dich zum geringsten aller Völker gemacht“; vgl. Jenson 2009, S. 13; so auch CJB: „I am making you the least of all nations“; ähnlich EVD; GN; GW; T4T. Andererseits kann die Präposition auch das „Mittel“ angeben, mithife dessen man etwas macht, also: „&#039;&#039;durch&#039;&#039; die Nationen habe ich dich gering gemacht“. Und von diesem - dass fremde Nationen Edom „gering gemacht“ haben - berichten dann ja Vv. 5-7.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
_ Du [bist] sehr verachtet.&lt;br /&gt;
{{S|3}} Die Vermessenheit deines Herzens (dein vermessenes Herz, deine Vermessenheit) hat dich getäuscht&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Die Vermessenheit deines Herzens (dein vermessenes Herz, deine Vermessenheit) hat dich getäuscht&#039;&#039; - Nicht wörtlich zu übersetzen: Das „Herz“ ist in der hebräischen Anthropologie wesentlich häufiger Sitz des Verstandes als der Emotionen (vgl. z.B. Krüger 2009, S. 104); die dt. Entsprechung ist daher meist eher „Geist, Verstand“ als „Herz“. Und das mit „täuschen“ übersetzte Wort &#039;&#039;nascha´&#039;&#039; „steht meist für die Täuschung durch scheinbar vernünftige, überzeugendes Rede oder Argumentation (z.B. [[Jesaja 36#s14 |Jes 36,14]] [|| [[2 Könige 18#s29 |2 Kön 18,29]]]; [[Jeremia 4#s10 |Jer 4,10]]; [[2 Chronik 32#s15 |2 Chr 32,15]]) und wird daher oft assoziiert mit fehlerhafter Weisheit ([[Genesis 3#s13 |Gen 3,13]]; [[Jesaja 19#s13 |Jes 19,13]] (vgl. Vv. 11-14)).“ (Ben Zvi 1996, S. 55). Treffender als die wörtliche Übersetzung „Die Vermessenheit deines Herzens hat dich getäuscht“ wäre daher etwas wie „Ob der Vermessenheit deines Geistes hat du dich verrechnet“ - was besonders an Edom gerichtet ein harter Vorwurf war, denn die Weisheit Edoms war sprichwörtlich; s. [[Ijob 2#s11 |Ijob 2,11]]; [[Jeremia 49#s7 |Jer 49,7]]; [[Baruch 3#s23 |Bar 3,23]].&amp;lt;/ref&amp;gt;,{{par|Jesaja|16|6}}{{par|Jeremia|48|29|30}}{{par|Sprichwörter|16|18}}{{par|Sprichwörter|18|12}}&lt;br /&gt;
_ [Dich, der du] in Felsenklüften&amp;lt;ref&amp;gt;Mit den „Felsenklüften“ sind sicher (oft: künstlich erweiterte und ausgehauene) Gebirgshöhlen gemeint, in denen man damals gerade im bergigen Gegenden häufig lebte.&amp;lt;/ref&amp;gt; (in den Klüften von Sela)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Felsenklüften (Klüften von Sela)&#039;&#039; - das hebräische &#039;&#039;sela&#039;&#039; kann als Klassennomen ein „Gebirge“ bezeichnen, ist aber gleichzeitig ein edomitischer Ortsname: „Sela“. Früher wurde dieses Sela oft mit der Stadt Petra gleichgesetzt; heute geht man eher davon aus, dass es sich um die edomitische Festung &#039;&#039;es-Sela&#039;&#039; nahe Bosora gehandelt haben muss (vgl. z.B. Dick 2005, S. 8; für einige Bilder s. [http://www.biblicalarchaeology.org/daily/biblical-sites-places/biblical-archaeology-sites/the-edomite-stronghold-of-sela/ hier]). Welches von beidem gemeint ist, ist nicht zu entscheiden. Als Ortsname würde es hier auch deshalb Sinn machen, weil Sela eine wichtige Rolle bei der Eroberung Edoms durch Nabonidus spielte, auf die wohl auch das Obadjabuch anspielt (s. Anmerkungen).&amp;lt;/ref&amp;gt; wohntest&amp;lt;ref&amp;gt;Die Edomiter lebten am und im Gebirge Seir (dazu s. z.B. [http://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/27607/ Seïr (Wibilex)]). Die Sicherheit eines Aufenthaltsorts im Gebirge ist ein häufiges Bild in der Bibel; hier täuscht es aber: Edom mag noch so „gebirgig“ wohnen; sicher vor JHWHs Vergeltung ist es deshalb noch lange nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; (der wohnte)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Relativsatz&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: W. &#039;&#039;Die Vermessenheit deines Herzens hat dich betrogen, [er war] wohnend in Felsenklüften, [in] der Höhe [war] sein Wohnsitz, [er war] sprechend:...&#039;&#039;. Drei asyndetische inkongruente Relativsätze: Im Hebräischen muss die Relativpartikel &#039;&#039;ascher&#039;&#039; („der“) nicht gesetzt werden, daher „[der] wohnend war“ statt „er war wohnend“ etc.; und solche asyndetische Relativsätze sind im Hebräischen häufiger inkongruent (vgl. Joosten 1993; &#039;&#039;ad loc.&#039;&#039; Ehrlich 1912b, S. 258), daher „der du wohnend warst“ statt „der wohnend war“ etc.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_ [Der du] [d]einen Wohnsitz [in]&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[in]&#039;&#039; - Brachylogie aus Stichos b oder accusativus loci.&amp;lt;/ref&amp;gt; der Höhe [hattest] (der hatte)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Relativsatz&amp;quot; /&amp;gt;,&lt;br /&gt;
[Der du] in [d]einem Herzen sprachst&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;in deinem Herzen sprachst&#039;&#039; - vom Sinn her wieder eher: „der du dir ausgerechnet hast:...“; vgl. [http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=Obadja#note_l FN l]&amp;lt;/ref&amp;gt; (der sprach)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Relativsatz&amp;quot; /&amp;gt;: &lt;br /&gt;
_ ‚Wer kann mich zur Erde herabstürzen?‘ - &lt;br /&gt;
{{S|4}} [Selbst], wenn du hoch machtest&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;wenn du hoch machtest&#039;&#039; - Oder: „Wenn du so hoch/erhaben wärest wie ein Adler“ oder „dich so hoch/erhaben machtest wie ein Adler“, d.h. „Wenn du so hoch flögest wie ein Adler“ (so z.B. Bewer 1911; Brown 1996; Dicou 1994; Eiselen 1907; Lescow 1999; Stuart 1987). Doch sehr viel wahrscheinlicher ist „dein Nest“ das Objekt des Verbs „hoch machen“ (vgl. [[Numeri 24#s21 |Num 24,21]]) und zwischen beide Satzglieder ist - den Vergleich noch übersteigernd - das „ja, selbst, wenn zwischen die Sterne gesetzt wäre“ als Ausdruck der Hybris Edoms eingeschoben.&amp;lt;/ref&amp;gt; wie ein Adler (der Adler)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;ein Adler (der Adler)&#039;&#039; - W. „&#039;&#039;der&#039;&#039; Adler“; doch in Vergleichen sind im Hebräischen Substantive häufig auch dort determiniert, wo in einem entsprechenden deutschen Vergleich ein Substantiv indeterminiert wäre (d.h.: wo das Deutsche „&#039;&#039;ein&#039;&#039; Adler“ statt „&#039;&#039;der&#039;&#039; Adler“ setzen würde); übersetze daher: „&#039;&#039;ein&#039;&#039; Adler“.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Adler ist in der Bibel öfters eine Metapher für eine zerstörerische Macht (s. noch [[Ijob 9#s26 |Ijob 9,26]]; [[Jeremia 4#s13 |Jer 4,13]]; [[Jeremia 48#s40 |48,40]]; [[Jeremia 49#s22 |49,22]]); der Vergleich meint also: „Und wenn du noch so mächtig und gesichert wärest: Ich würde dich dennoch überwältigen.“&amp;lt;/ref&amp;gt; - &lt;br /&gt;
_ ja, [selbst], wenn zwischen die Sterne gesetzt wäre (wenn du gesetzt hättest)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT hat „wenn gesetzt wäre“; LXX und VUL legen aber stark nahe, dass im ursprünglichen Text stand: „wenn du gesetzt hättest“ (s. BHS; so z.B. auch Bewer 1911; Nötscher 1958; Stuart 1987 u.a.). Mur XII dagegen stützt MT und der Text bereitet auch keine Probleme, so dass man ihn beibehalten kann.&amp;lt;/ref&amp;gt; dein Nest -  &lt;br /&gt;
[selbst] von dort würde ich dich herabstürzen!“{{par|Ijob|20|6|7}}{{par|Jesaja|14|12|15}}{{par|Jeremia|49|16}}{{par|Jeremia|51|53}}{{par|Amos|9|2}}{{par|Offenbarung|18|8}}&lt;br /&gt;
Spruch JHWHs.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Spruch JHWHs&#039;&#039; markiert oft das Ende eines Prophetieabschnitts, um diese Prophetie noch einmal zusätzlich stützen, indem sie die Prophetie explizit zurückbindet an JHWH, ihren „Auftraggeber“. So auch hier; in der LF muss das wohl freier übertragen werden. EVD z.B. verschiebt gut an den Anfang von V. 4 und übersetzt: „The Lord God says this:...“; sinnvoll auch HfA: „Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort!“; NLT: „I, the LORD, have spoken!&amp;quot;“&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;{{S|5}}&amp;lt;ref&amp;gt;Dass mit V. 5 ein neuer Abschnitt in der Strophe Vv. 2-7 beginnt, wird ganz deutlich durch den Stilwechsel: (1) sind Vv. 5-7 im Gegensatz zu Vv. 2-4 und Vv. 8-11 durch nichts als Rede JHWHs ausgezeichnet, (2) wechseln Vv. 5-7 in eine neue Textsorte („Stadtklage“; s.u.); (3) weist in diese Richtung das „Spruch JHWHs“ am Ende von V. 4, das hier - wie oft - das Ende eines Abschnitts markiert (so z.B. auch Ben Zvi 1996, S. 46; Clark 1991, S. 328; Dick 2005, S. 9).&amp;lt;/ref&amp;gt; Wenn Diebe über dich gekommen wären,&lt;br /&gt;
_ Wenn Räuber des Nachts [über dich gekommen wären]&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[Über dich gekommen wären]&#039;&#039; - Brachylogie aus Stichos 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; -&lt;br /&gt;
_ [Ach!,] wie bist bist du zerstört (zum Schweigen gebracht)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;zerstört (zum Schweigen gebracht)&#039;&#039; - Wortspiel im Hebräischen: &#039;&#039;damah&#039;&#039; meint hier primär „zerstören“, kann aber auch „zum Schweigen bringen“ bedeuten, und vor dem Hintergrund des „sich verrechnenden Großredens“ in V. 3 nimmt es hier so einen Doppelsinn an: Nicht nur Edom selbst, sondern auch seiner Großmäuligkeit hat Gott ein Ende gemacht: Edom wurde „zerstört/zum Schweigen gebracht“ (vgl. gut Ben Zvi 1996, S. 80).&amp;lt;/ref&amp;gt;!&amp;lt;ref name=&amp;quot;Stadtklage&amp;quot;&amp;gt;Die drei mit &#039;&#039;´ek&#039;&#039; („[Ach!,] wie...“) eingeleiteten Stichoi sind typische Bestandteile der Textsorte „Stadtklage“ (zur Gattung vgl. z.B. [http://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/30274/ Stadtklagen (Alter Orient) (Wibilex)], zum &#039;&#039;´ek&#039;&#039;-Ruf in Stadtklagen z.B. [http://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/36058/#h4 Totenklage (AT) (Wibilex)]), mit der der Untergang einer Stadt betrauert wird. Gerichtet an den alten Erzfeind Edom hat das natürlich etwas zutiefst sarkastisches: „Eine Runde Mitleid für Edom!“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die drei Sätze sind ein schönes Beispiel für die P-Shifts (-&amp;gt; Shift) in den Prophetenbüchern: „Wie &#039;&#039;bist du&#039;&#039; zerstört!? - Wie &#039;&#039;ist Esau&#039;&#039; durchsucht worden!? - Wie wurden &#039;&#039;seine&#039;&#039; Schätze geplündert!?“ - Da es solche Shifts im Dt. nicht gibt, sollten sie in der LF vielleicht besser aneinander angeglichen werden, obwohl es in diesem Fall sogar auch im Dt. funktionieren würde.&amp;lt;/ref&amp;gt; (Inwiefern wärest du [dann] zerstört?) - &lt;br /&gt;
_ Hätten sie nicht [nur]&amp;lt;ref name=&amp;quot;Fokuspartikel&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;[nur]&#039;&#039; + &#039;&#039;[selbst]&#039;&#039; - Fokuspartikel wie „nur“ und „selbst“ werden im Hebräischen sehr oft nicht gesetzt; im Deutschen muss man sie sich jeweils hinzudenken; vgl. &#039;&#039;ad loc.&#039;&#039; gut Ehrlich 1912b, S. 257.&amp;lt;/ref&amp;gt; genug für sich selbst gestohlen?&lt;br /&gt;
Wenn Winzer über dich gekommen wären - &lt;br /&gt;
_ hätten sie nicht eine Nachlese übrig gelassen?&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Hätten sie nicht eine Nachlese übrig gelassen?&#039;&#039; - Anspielung auf den altorientalischen Brauch, bei der Ernte Reste für die Bedürftigen übrig zu lassen, die diese nach der Ernte einsammeln konnten (s. z.B. [[Levitikus 19#s9 |Lev 19,9]]; [[Deuteronomium 24#s19 |Dtn 24,19.21]]). Die Ernte ist in der Bibel noch öfter ein Bild für die völlige Zerstörung, s. noch [[Jesaja 17#s4 |Jes 17,4-6]]; [[Jesaja 24#s12 |24,12f]]; [[Jeremia 6#s9 |Jer 6,9]] und die Parallelstelle zu unserem Vers, [[Jeremia 49#s9 |Jer 49,9]]: Selbst bei einer Ernte bleiben wegen des besagten Brauchs Reste übrig - doch Edom war diese Gnade nicht gewährt; das macht V. 6 klar: Selbst die Schätze Edoms wurden aufgestöbert (vgl. gut Isopescul 1914, S. 157f.; Jenson 2009, S. 15f).&amp;lt;br /&amp;gt;Gut übersetzt daher Schumpp 1950, S. 151: „Stehlen sie nicht bloß ihren Bedarf? ... Lassen sie dir nicht wenigstens die Nachlese?“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|6}} [Ach!,] wie ist (sind)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: W. „Wie &#039;&#039;sind&#039;&#039; Esau zerstört worden“; „Esau“ wird hier als Kollektivum mit einem Pluralverb konstruiert (vgl. Mey §94.5a; &#039;&#039;ad loc.&#039;&#039; Wolff 1977, S. 17), was ins Dt. mit Sg. übertragen werden muss. Eine Emendation ist unnötig und auch der Sg. der LXX muss nicht bedeuten, dass in einer früheren Textversion Sg. gestanden war, sondern kann auch nur heißen, dass sie das richtig gesehen hat.&amp;lt;/ref&amp;gt; Esau&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Esau&#039;&#039; - Nach einer alten Überlieferung ist der Stammvater der Judäer Jakob, der Stammvater der Edomiter dessen Bruder Esau (s. bes. [[Genesis 25#s19 |Gen 25,19-30]]); „Esau“ steht hier also für Edom. Sein Name kommt wahrscheinlich von &#039;&#039;´aßah&#039;&#039; II „bedecken“, weshalb dieser Name gerade diesem sehr haarigen Kind gegeben wird (s. [[Genesis 25#s25 |Gen 25,25]] und vgl. dazu z.B. Gordis 1978, s. 104). Dazu passt dann gut, was nach der nächsten Zeile mit ihm passiert: Alle „Verstecke“ dieses „Bedeckten“ werden „abgegrast“, und noch besser, was stattdessen in V. 10 mit ihm passieren wird: „Scham wird ihn bedecken“.&amp;lt;/ref&amp;gt; durchsucht worden!&amp;lt;ref name=&amp;quot;Stadtklage&amp;quot; /&amp;gt; (Inwiefern ist Esau durchsucht worden?)&lt;br /&gt;
_ [Ach!, wie]&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[Ach! wie] - Brachylogie aus Stichos 6a.&amp;lt;/ref&amp;gt; wurden [selbst]&amp;lt;ref name=&amp;quot;Fokuspartikel&amp;quot; /&amp;gt; seine Verstecke (versteckten Schätze)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Verstecke (versteckten Schätze)&#039;&#039; - Bedeutung unsicher (-&amp;gt; Hapax legomenon). Aber das hebräische &#039;&#039;mazpon&#039;&#039; kommt vom Verb &#039;&#039;zapan&#039;&#039; („verbergen, verstecken“) und auch LXX und VUL legen entweder die Bedeutung „Verstecke“ oder „versteckte [Dinge]“ - also Schätze - nahe.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Kriegsfall pflegte man im Alten Orient, wertvolle Dinge zu verstecken, damit sie bei einer Niederlage nicht dem Feind in die Hände fielen; von solchen Verstecken/„Schätzen“ ist hier die Rede.&amp;lt;/ref&amp;gt; geplündert&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;geplündert&#039;&#039; - meist: „durchstöbert“, „durchsucht“ o.Ä. Das seltene heb. Verb &#039;&#039;ba`ah&#039;&#039; ist aber wohl nicht einfach ein Synonym zum „durchsuchen“ im vorigen Stichos: In [[Exodus 24#s4 |Ex 24,4]] bezeichnet es das vollständige Abweiden eines Berges durch Vieh und meint also wohl hier die gewaltsame, vollständige Leerung Edoms. Gut daher GNB, GW: „looted“; NIV: „pillaged“ (beides: „geplündert“).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Hebräischen bildet der Stichos so einen entfernten Parallelismus mit der Rede von den Winzern in V. 5.: Edom ist „abgeerntet und abgegrast“.&amp;lt;/ref&amp;gt;!&amp;lt;ref name=&amp;quot;Stadtklage&amp;quot; /&amp;gt; (Inwiefern sind seine Verstecke geplündert worden?)&lt;br /&gt;
{{S|7}}&amp;lt;ref name=&amp;quot;Vers 7&amp;quot;&amp;gt;Sehr schwieriger Vers. Bis inklusive der vorletzten Zeile lautet er wörtlich etwa: „Es trieben dich bis zur Grenze alle Männer deines Bundes betrogen dich überwältigten dich Männer deines Friedens dein Brot legten eine Falle unter dich.“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Schwierigkeit (1) ist, dass die Phrasen „alle Männer deines Bundes“ und „Männer deines Friedens“ je sowohl zum vorangehenden als auch zum folgenden Verb gezogen werden könnten, also entweder „Es trieben dich bis zur Grenze alle Männer deines Bundes, / sie betrogen dich.“ oder „Sie trieben dich bis zur Grenze; / alle Männer deines Bundes betrogen dich.“ und entweder „Es überwältigten dich Männer deines Friedens, / sie legten eine Falle unter dich.“ oder „Sie überwältigten dich, / Männer deines Friedens legten eine Falle unter dich.“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Schwierigkeit (2) ist die Deutung des rätselhaften „dein Brot“. Geradezu witzig Lescow 1999: „Dein Brot! Sie legen Fußangeln unter dich!“; sinnvollere Vorschläge:&lt;br /&gt;
# „Dein Brot“ wird mit Halévy 1907, S. 458 nach LXX&amp;lt;sup&amp;gt;L&amp;lt;/sup&amp;gt;, Sym, VUL, Tg umpunktiert zu „die, die mit dir Brot aßen“ (so die meisten); also „Es überwältigten dich Männer deines Friedens; / die, die mit dir Brot aßen, legten eine Falle unter dich.“ - doch müsste man das Wort, das dann von diesen als „die, die mit dir Brot aßen“ übersetzt wird, eigentlich übersetzen als „die, die dich aßen“ (vgl. Davies 1977, S. 485f; Jenson 2009, S. 16f).&lt;br /&gt;
# „Dein Brot“ wird mit Wellhausen 1893, S. 204 nach LXX und Mur XII gestrichen oder als Glosse ausgeschieden (so z.B. Nötscher 1958; Theis 1937; Wolff 1977) - doch wäre dann nicht erklärlich, wie und warum dieses Wort/diese Glosse dann in den MT hineingekommen sein sollte (vgl. Davies 1977, S. 485f).&lt;br /&gt;
# Vor „dein Brot“ wird textkritisch das Verb „die, die essen/aßen“ ergänzt (Davies 1977, S. 486; Jenson 2009, S. 16f.; ähnlich schon Ehrlich 1912b, S. 259; ähnlich auch Ben Zvi 1996, S. 86, FN 67): „Die, die dein Brot aßen“.&lt;br /&gt;
Von diesen drei Lösungen ist für die LF sicher die dritte zu wählen; dies löst dann auch zumindest ein stückweit Schwierigkeit (1), da dann wenigstens die Zuordnung der Phrase „die Männer deines Friedens“ klar ist. Wegen des Parallelismus und weil sonst im ersten Stichos das Subjekt offengelassen wäre, sollte man dann entsprechend auch das „alle Männer deines Bundes“ zum vorangehenden Verb ziehen. Dann ist wiederum unklar, wozu das Verb „sie überwältigten dich“ gehört, was sich aber über die Poetik des Verses lösen lässt: Im ganzen Vers stehen sehr viele Wörter, die auf das Suffix &#039;&#039;-ka&#039;&#039; enden; der Vers lässt sich daher so strukturieren, dass die Stichoi sich reimen und das in jedem Sticho entweder das Subjekt oder das Verb eines Satzes steht (vgl. Dicou 1994, S. 21):&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;ad-hagäbul schilechuka&#039;&#039; („Bis zur Grenze haben dich getrieben“)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;kol ´ansche bäriteka&#039;&#039; („alle Männer deines Bundes“).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;hischi´uka jakalu läka&#039;&#039; („Es haben dich betrogen - überwältigt haben dich“)&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;´ansche schälomeka&#039;&#039; („Männer deines Friedens“).&lt;br /&gt;
&#039;&#039;[lochame] lachmäka&#039;&#039; („Die, die dein Brot aßen“)&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;jaschimu mazor tachteka&#039;&#039; („legten eine Falle unter dich“).&amp;lt;/ref&amp;gt; Bis zur Grenze haben dich getrieben&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Bis zur Grenze haben sie dich getrieben&#039;&#039; - Bedeutung unsicher. Am wahrscheinlichsten ist gemeint, (1) dass Edoms Verbündete sie aus ihrem eigenen Land vertrieben haben (so z.B. Bewer 1911) oder es ist (2) gemeint, dass Edom Unterhändler mit der Bitte um Hilfe zu seinen Verbündeten geschickt hat, die aber abgewiesen und zurück über die Grenze geschickt wurden (so z.B. Niehaus 2009; Sellin 1922). (1) ist wahrscheinlicher, da es historisch in der Tat so geschehen ist: Entweder sind mit den ehemaligen Bundesgenossen die Babylonier gemeint, die wenige Jahre nach der Eroberung Judas (587 v. Chr.) auch über Edom herfielen (553/2 v. Chr.; so z.B. Bartlett 1989, S. 159; Dick 2005, S. 11f), oder die (Vorfahren der) Nabatäer, die sich dem Einflussbereich Babylons entzogen, indem sie nach der Eroberung Edoms durch die Babylonier in Edom einwanderten/einfielen und so wiederum die Edomiter nach und nach in die Gegend der Wüste Negev abdrängten (so z.B. Jeremias 2007, S. 58.66). Gegen (2) vgl. außerdem noch gut Ben Zvi 1996, S. 88, FN 74.&amp;lt;br /&amp;gt;Sinnvoll daher die Üss. von HfA: „Sie jagen dich aus deinem Land“; T4T: „They will force you to leave your country/land.“; ähnlich BBE, EVD, GNT, GW, NIRV&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_ alle Männer deines Bundes (alle deine Bundesgenossen).&lt;br /&gt;
Es haben dich betrogen - [ja,] überwältigt haben dich&lt;br /&gt;
_ Männer deines Friedens (Verbündete von dir).&lt;br /&gt;
Die, die dein Brot aßen&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Die, die dein Brot aßen&#039;&#039; ist ebenso wie das „Männer deines Bundes“ und das „Männer deines Friedens“ ein Ausdruck für Verbündete; s. [[Psalm 41#s10 |Ps 41,10]]. Der Ausdruck geht wohl darauf zurück, dass im Alten Israel Bündnisse bei einem gemeinsamen Mahl (wofür in der Bibel sehr häufig synekdochisch nur „Brot“ steht) geschlossen wurden.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
_ legten eine Falle unter dich (werden eine Falle unter dich legen)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;legten (werden legen)&#039;&#039; - W. „&#039;&#039;werden&#039;&#039; eine Falle unter dich legen“; (bedeutungsloser) T-Shift (so z.B. auch Ben Zvi 1996, S. 92), der im Deutschen nicht beibehalten werden sollte, da es solche Shifts im Deutschen nicht gibt. Vgl. z.B. den parallelen Aufbau von [[Psalm 93#s3 |Ps 93,3]] (dazu z.B. Nic §172); vgl. außerdem den P-Shift in V. 13.&amp;lt;/ref&amp;gt; (stellten dir eine Falle).&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;Nicht mehr (nicht) [wird sein] Verstand (Einsicht) in ihm&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;In ihm&#039;&#039; - d.i. in Edom; der Stichos gehört bereits zu V. 8, wie (1) durch die parallele Formulierung in [[Deuteronomium 32#s28 |Dtn 32,28]], (2) den Wechsel von der 2. zur 3. Person (3) das verknüpfende Stichwort „Verstand“ und (4) die Verbform Weqatal in V. 8 klar wird (so z.B. schon Schegg 1862, S. 384; ähnlich Nowack 1922, S. 177; Wolff 1977, S. 33). Die Weisheit Edoms war sprichwörtlich; s. [[Ijob 2#s11 |Ijob 2,11]]; [[Jeremia 49#s7 |Jer 49,7]]; [[Baruch 3#s23 |Bar 3,23]]; dass „in Edom kein Verstand mehr sein wird“ meint also letztendlich: Edom wird völlig zernichtet.&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
{{S|8}} „{Wahrlich,} An jenem Tag“ -&lt;br /&gt;
_ Spruch JHWHs -&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;{&amp;lt;s&amp;gt;Wahrlich,&amp;lt;/s&amp;gt;} An jenem Tag - Spruch JHWHs&#039;&#039; - „An jenem Tag - Spruch JHWHs“ ist eine geprägte Wendung in der Bibel; vgl. noch [[Jesaja 22#s25 |Jes 22,25]]; [[Jeremia 4#s9 |Jer 4,9]]; [[Jeremia 30#s8 |30,8]]; [[Jeremia 39#s17 |39,17]]; [[Jeremia 49#s26 |Jer 49,26]]; [[Jeremia 50#s30 |50,30]]; [[Ezechiel 38#s18 |Ez 38,18]]; [[Hosea 2#s18 |Hos 2,18]].[[Hosea 2#s23 |23]]; [[Amos 2#s16 |Am 2,16]]; [[Amos 8#s3 |8,3]].[[Amos 8#s9 |9]]; [[Micha 4#s6 |Mi 4,6]]; [[Micha 5#s9 |5,9]]; [[Zefanja 1#s10 |Zef 1,10]]; [[Haggai 2#s23 |Hag 2,23]]; [[Sacharja 3#s10 |Sach 3,10]]; [[Sacharja 12#s4 |12,4]]; [[Sacharja 13#s2 |13,2]] (Baumgärtel 1961 listet noch weitere Stellen mit verwandten Formeln). „An jenem Tag“ bezeichnet dabei stets einen Tag des Heils oder Unheils, für den Gott eine Verheißung oder ein Unheil prophezeien lässt; „Spruch JHWHs“ soll dann diese Heils- oder Unheilsprophetie jeweils noch zusätzlich stützen, indem sie die Prophetie explizit zurückbindet an JHWH, ihren „Auftraggeber“.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Sicher ist daher nicht zu übersetzen als rhetorische Frage („Werde ich nicht an jenem Tag - Spruch JHWHs - ...?“ - so fast alle); das hebräische &#039;&#039;halo&#039;&#039; ist hier nicht das häufige &#039;&#039;halo&#039;&#039; zur Einleitung rhetorischer Fragen („ist es nicht so, dass...?“), sondern ein sogenanntes „asseveratives &#039;&#039;halo&#039;&#039;“ („Wahrlich!“, „Sicherlich!“; dazu vgl. z.B. Blau §103.3; Moshavi 2011; Sivan/Schniedewind 1993), das dem folgenden Drohorakel noch zusätzlich Gewicht verleihen soll (so lesen wohl auch LXX und Syr). Es wird ganz deutlich: Hier beginnt ein neuer Abschnitt in Obadjas Prophetie; ab hier „geht es zur Sache“: Obadja tut nun JHWHs „eigentliches“ Drohorakel kund.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Deutschen gibt es kein dem asseverativen &#039;&#039;halo&#039;&#039; vergleichbares Ausdrucksmittel; es sollte daher in der Üs. besser ausgespart werden.&amp;lt;/ref&amp;gt;   &lt;br /&gt;
„werde ich die Weisen aus Ẹdom vernichten &lt;br /&gt;
_ und den Verstand (die Einsicht) vom Berg Esau&amp;lt;ref name=&amp;quot;Berg Esau&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;Berg Esau&#039;&#039;: Das Gebirge Seir; s. FNn [http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=Obadja#note_n n].[http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=Obadja#note_ab ab].&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
{{S|9}} Und deine Krieger werden erschrecken (in Panik geraten, vernichtet werden)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;erschrecken (in Panik geraten, vernichtet werden)&#039;&#039; - Wortspiel (-&amp;gt;Janus-Parallelismus) im Hebräischen: Das Wort &#039;&#039;chatat&#039;&#039; meint meist „erschrecken“, kann aber auch für das „zerbrechen, zusammenbrechen“ i.S.v. „vergehen“ - auch von Menschen - stehen (vgl. Wolff 1977, S. 34, der auch hier mit „zusammenbrechen“ übersetzt; ebenso Brown 1996: „they shall be shattered“). Vermutlich hat es sogar wesentlich häufiger diese Bedeutung, als es i.d.R. gedeutet wird (s. noch [[2 Könige 19#s26 |2 Kön 19,26]]; [[Jesaja 20#s5 |Jes 20,5]]; [[Jesaja 37#s27 |37,27]]; [[Jeremia 8#s9 |Jer 8,9]]; [[Jeremia 17#s18 |17,18]]; [[Jeremia 49#s37 |Jer 49,37]]; [[Jeremia 50#s36 |50,36]]; [[Habakkuk 2#s17 |Hab 2,17]]; wohl auch [[Jesaja 31#s9 |Jes 31,9]]). Der Stichos kann also sowohl meinen, dass Edoms Krieger „erschrecken“, d.h., in Panik geraten (Dick 2005: „they will panic“; Hagedorn 2010: „sie werden verwirrt/in Panik geraten“; Raabe 1996: „will be panic-stricken“) - und ist so die Fortführung von V. 8 (-&amp;gt; Vernichtung des Verstandes in Edom) - oder, dass Edoms Krieger ausgerottet werden - und steht so im Parallelismus zu 9b (-&amp;gt; Ausrottung aller Bürger Edoms).&amp;lt;/ref&amp;gt;, o Teman&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Teman&#039;&#039; war neben Bosora die bedeutendste Stadt Edoms und steht daher häufig metonymisch für den ganzen südlichen Teil Edoms oder gar ganz Edom; so wohl auch hier.&amp;lt;/ref&amp;gt;,{{par|Psalm|76|6}}{{par|Jesaja|19|3}}{{par|Jesaja|19|16}}{{par|Jeremia|49|22}}{{par|Jeremia|50|36|37}}{{par|Amos|2|16}}{{par|Nahum|3|13}}&lt;br /&gt;
_ so dass (damit) jedermann ausgerottet werden wird vom Berg Esau&amp;lt;ref name=&amp;quot;Berg Esau&amp;quot; /&amp;gt; {durch Mord}&amp;lt;ref name=&amp;quot;Mord&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Nach dem masoretischen Text gehört „durch Mord“ ans Ende von V. 9; so auch Tg. LXX, VUL und Syr dagegen lasen es als erstes Wort von V. 10 („Wegen des Mordens“). Die Aufteilung der Bibel in Verse erfolgte Jahrhunderte später als die schriftliche Fixierung des Urtextes, so dass dieser beide Möglichkeiten bot. Der Lesart von LXX, VUL und Syr folgen z.B. auch BHS und viele Exegeten; dem folgen auch wir: Dafür spricht, dass dann sowohl V. 8d als auch 9b mit „Berg Esau“ enden würde und dass das Wort V. 9 inhaltsmäßig nichts hinzufügen würde; auch das am häufigsten vorgetragene Argument für die Lesart von MT und Tg - dass die doppelte Angabe des Grundes in V. 10 („wegen des Mordens, wegen der Gewalttat“) redundant war - greift nicht, denn derartige Redundanzen sind sogar typisch für den Stil des Obadjabuches und daher eher noch ein weiteres Argument für diese Lesart (vgl. „der du in Felsenklüften wohnst“ + „dessen Sitz hoch ist“ (V. 3); „hoch wie ein Adler“ + „zwischen die Sterne“ (V. 4); „Diebe“ + „Räuber bei Nacht“ (V. 5); „es haben dich betrogen“ + „es haben dich überwältigt“ (V. 7) und direkt im nächsten Vers „Am Tag, als du abseits standest“ + „Am Tag, als Fremde sein Heer fortführten“ (V. 11)).&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|10}}&amp;lt;ref&amp;gt;Hier muss man wohl einen neuen Abschnitt ansetzen: Gerichtsworte haben in der Bibel häufig die Stuktur [(A) Gerichtsankündigung] - [(B) Begründung (= (B1) Anklage + (B2) Entfaltung)] (vgl. z.B. Westermann 1960, S. 127). Die Funktion von (A) erfüllen hier Vv. 8f (und folgerichtig steht wie oft die Formel „Spruch JHWHs“ am Anfang dieses Abschnitts), die von (B1) Vv. 10f und die von (B2) Vv. 12-14. So lässt sich wohl auch die redundante Formulierung der Begründung in 10a erklären („Wegen des Mordens, wegen der Gewalttat“; s. vorige FN): Der doppelte Grund soll markieren, dass nun der Begründungsabschnitt beginnt.&amp;lt;/ref&amp;gt; [Wegen des Mordens,]&amp;lt;ref name=&amp;quot;Mord&amp;quot; /&amp;gt; wegen der Gewalttat (Unrechtstat, Freveltat) an deinem Bruder Jakob&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Bruder Jakob&#039;&#039; - gemeint ist Juda, s. [http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=Obadja#note_ad FN ad].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_ wird Scham dich bedecken&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Scham dich bedecken&#039;&#039; - laut ThWAT IV, S. 276 bildlich für „Scham wird dich völlig beherrschen/überwältigen“. Unter Umständen ist aber etwas anderes gemeint: In Israel und im ganzen Alten Orient war der Brauch verbreitet, seine Feinde nach deren Niederlage zu erniedrigen - z.B. durch Verunstaltung der Körper der Feinde (vgl. Lemos 2006). Auch dieses Erniedrigen wurde bezeichnet als „beschämen“. Als Folge einer Niederlage nennt das „von-Scham-bedeckt-sein“ auch [[Jeremia 51#s51 |Jer 51,51]]; [[Ezechiel 7#s18 |Ez 7,18]]; [[Habakkuk 2#s17 |Hab 2,17]]; [[Psalm 44#s16 |Ps 44,16]]. Vielleicht ist also hiervon die Rede; so gelesen passte der Stichos besser in den Zusammenhang der Niederlage und Vernichtung Edoms. So aber bisher niemand.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_ und du wirst ausgerottet werden auf ewig.&lt;br /&gt;
{{S|11}} An dem Tag, an dem du gegenüber standest (abseits standest)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;gegenüber standest (abseits standest)&#039;&#039; - das hebräische &#039;&#039;amad minneged&#039;&#039; kann sowohl das feindliche sich-Aufstellen-gegenüber-von-X meinen (s. [[2 Samuel 18#s13 |2 Sam 18,13]]) als auch das unbeteiligte daneben-Stehen (s. [[Psalm 38#s12 |Ps 38,12]]). Edom werden hier also entweder wieder seine feindlichen Handlungen vorgeworfen - oder nur die Tatsache, dass es für seinen „Bruder“ nicht Partei ergriffen hat. Stichos 11e („Da warst auch du wie einer von ihnen“ - d.h. wie einer von denen, die Judas Heere gefangen nahmen, die ihre Städte okkupierten und über Jerusalem Lose warfen) macht die erste Bedeutung sehr viel wahrscheinlicher.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
_ An dem Tag, an dem Fremde sein Heer (seine Habe)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Heer und Habe&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;sein Heer (seine Habe)&#039;&#039; - das hebräische &#039;&#039;chajil&#039;&#039; kann beides bedeuten; auch das in V. 11 folgende Verb („wegführten“) kann sowohl für Personen als auch für Güter stehen. Welches von beidem hier gemeint ist, ist nicht entscheidbar, denn nach den folgenden Zeilen hat sich Edom beider Dinge schuldig gemacht: Sie haben sowohl Judas Bürger in die Gefangenschaft entführt (V. 14) als auch sich seiner Habe bemächtigt (V. 13). Vielleicht ist also gerade deshalb dieses Wort gewählt, um beide Bedeutungen zuzulassen (so auch Raabe 1996); übersetze am Besten: „Heer und Habe“.&amp;lt;/ref&amp;gt; wegführten;&lt;br /&gt;
Als Ausländer in seine Tore traten&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;in seine Tore traten&#039;&#039; - nicht: „durch seine Tore traten“. Das Wort für „Tor“ meint nicht einfach eine Schwelle, durch die eine Stadt betreten werden konnte, sondern einen größeren Bereich: Im Alten Orient war das Tor das administrative Zentrum einer Stadt; hier wurde Markt gehalten, Gericht gesprochen, Nachrichten wurden ausgetauscht und Heere gemustert (für eine schöne Darstellung s. z.B. [http://www.congregationbethisraelhonesdale.org/images/SteveBleierPaper.pdf hier, S. 69]). Dass „Ausländer in seine Tore traten“ meint also, dass sie in „in seinen Torbereich“ - den Herrschaftsbereich einer Stadt - eindrangen. Bisweilen errichtete ein König bei der Eroberung einer Stadt sogar einen Thron im Tor, um damit seine nunmehr erlangte Herrschaft über diese Stadt zu symbolisieren (vgl. z.B. IDB I, S. 355; &#039;&#039;ad loc.&#039;&#039; Niehaus 2009, S. 529). Das ist hier gemeint.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
_ Als sie über Jerusalem Lose warfen&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Lose warfen&#039;&#039; - Losmantik war im ganzen Alten Orient verbreitet. Das &#039;&#039;goral&#039;&#039;-Los, von dem hier die Rede ist, leitet sich vermutlich her vom arabischen &#039;&#039;garila&#039;&#039; („steinig sein“); gelost wurde damit so, dass mehrere Steine in ein Behältnis getan wurden, das dann reihum gereicht und geschüttelt wurde. Auf denjenigen, bei dem ein besonders gekennzeichneter Stein aus dem Behältnis kam, „fiel das Los“; d.h., er war von den Göttern / von Gott ausgewählt worden für das, worüber gerade gelost wurde.&amp;lt;br /&amp;gt;Hier losen die Ausländer über &#039;&#039;Jerusalem&#039;&#039;, die heilige Stadt - ein gewaltiges Sakrileg.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&amp;lt;ref&amp;gt;Oder:&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;An dem Tag, an dem du gegenüber standest,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;An dem Tag, an dem Fremde sein Heer wegführten,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Betraten Ausländer seine Tore&#039;&#039;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Und warfen Lose über Jerusalem.&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von den Verbformen liegt das eigentlich sogar etwas näher, aber in der Exegese wird ganz einheitlich die Primärübersetzung vertreten.&amp;lt;/ref&amp;gt; - &lt;br /&gt;
Auch du warst [da] wie einer von ihnen (Auch du warst wahrhaft einer von ihnen.&amp;lt;ref&amp;gt;So sinnvoll Dick 2005, S. 4; Gordis 1943, S. 177: &#039;&#039;k&#039;&#039; nicht als Vergleichspartikel („&#039;&#039;wie&#039;&#039; einer von ihnen“), sondern als „asseveratives Kaph“ zum Ausdruck von Emphase: Wie ein Paukenschlag wird am Ende der Anklage der zentrale Vorwurf vorgebracht: Edom hielt nicht zu seinem „Bruder“ Juda, sondern zu „Fremden“ und „Ausländern“.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Auflösung ist zwar eine Minderheitenmeinung, aber wohl wirklich sinnvoller - vor allem in Kombination mit der Alternativauflösung in der vorigen FN.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Deutsche hat kein direktes Äquivalent zu diesem asseverativen Kaph; in die LF besser etwas wie: „Und du - auch du warst einer von ihnen!“&amp;lt;/ref&amp;gt;).&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;{{S|12}} Du sollst nicht sehen&amp;lt;ref name=&amp;quot;sehen&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;sehen&#039;&#039; ohne nähere Bestimmung kann alle möglichen Konnotationen haben - etwa &#039;&#039;traurig blicken&#039;&#039; (z.B. [[Genesis 21#16 |Gen 21,16]]); &#039;&#039;mitleidig blicken&#039;&#039; (z.B. [[Genesis 29#s32 |Gen 29,32]]), &#039;&#039;verachtend blicken&#039;&#039; (z.B. [[Psalm 22#s18 |Ps 22,18]]) und &#039;&#039;schadenfroh blicken&#039;&#039; (z.B. [[Psalm 54#s9 |Ps 54,9]]; [[Psalm 59#s11 |59,11]]; [[Psalm 112#s8 |112,8]]; [[Psalm 118#s7 |118,7]]). Sicher ist hier Letzteres gemeint. Gut daher z.B. Schumpp 1950, S. 151: „Du hättest nicht schadenfroh auf deinen Bruder blicken sollen... dich nicht weiden sollen am Unglück am Tage der Bedrängnis.“&amp;lt;/ref&amp;gt; (Sieh nicht...!, hättest nicht sehen sollen)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Jussiv&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;sollst nicht sehen (Sieh nicht...!, hättest nicht sehen sollen)&#039;&#039; etc. - interessantes Übersetzungsproblem: In Vv. 12-14 steht 8x die Konstruktion &#039;&#039;al&#039;&#039; („nicht“) + Jussiv. Die Sätze beziehen sich zweifellos auf die vergangenen Handlungen Edoms und viele (z.B. Brown 1996, Duhm 1910, Eiselen 1907, Hagedorn 2010, Jeremias 2007, Lescow 1999, Orelli 1893, Schumpp 1950, Theis 1937, Wolff 1977) übersetzen daher auch mit Vergangenheit: „Du hättest nicht X tun sollen“. Theoretisch ließe sich die Konstruktion auch so verwenden; faktisch findet sich diese Verwendung aber kein einziges Mal in der Bibel (außer u.U. in [[Ijob 3#s4 |Ijob 3,4-7]]; doch auch hier deutet m.W. niemand so) - &#039;&#039;al&#039;&#039; + Jussiv für Vergangenheit ist nicht idiomatisch. Idiomatisch ist die Konstruktion stattdessen für „zeitlose moralische Prinzipien“ (Dick 2005, S. 16; s. z.B. [[Sprichwörter 1#s10 |Spr 1,10]]; [[Sprichwörter 3#7 |Spr 3,7]] u.ö.) und für Verbote (s. z.B. [[Exodus 20#s3 |Ex 20,3-17]]).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Warum also greift der Dichter zu dieser Konstruktion und wie ist demzufolge in der LF zu übersetzen?&lt;br /&gt;
# Obadja lässt sich durch seine intensiven Empfindungen in die Vergangenheit zurückversetzen und spricht daher aus der Perspektive der Vergangenheit - so, als würden Edoms Sünden gerade eben geschehen (so z.B. Bewer 1911, S. 27; v.a. bei den älteren Exegeten beliebte Erklärung). Dann wäre jeweils als aufgeregter Ausruf zu übersetzen: „Sieh nicht...!; Freue dich nicht...!“ etc. So z.B. TEXT.&lt;br /&gt;
# Der Dichter verwendet ganz bewusst ein Idiom für Verbote, da wir uns ja im Kontext eines &#039;&#039;Gerichtswortes&#039;&#039; befinden. Dann wäre jeweils zu übersetzen: „Du sollst nicht sehen...; Du sollst dich nicht freuen...“ etc.; vielleicht gar etwas wie: „§1: Du sollst nicht sehen...; §2: Du sollst dich nicht freuen...“ etc. So z.B. LUT, SLT.&lt;br /&gt;
# Beide Übersetzungsmöglichkeiten sind aber in der LF wohl nicht ohne eine Fußnote o.Ä. möglich; vielleicht sollte man daher doch einfach jeweils übersetzen: „Du hättest nicht sehen dürfen...; Du hättest dich nicht freuen dürfen...“ etc. So z.B. GN, H-R, HER05, MEN, NL, R-S, van Ess.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_ am Tag (Unglückstag) deines Bruders&amp;lt;ref&amp;gt;Oder: „&#039;&#039;Du sollst nicht sehen auf den Tag deines Bruders / am Tag seines Unglücks.&#039;&#039;“ So viele, doch erstens sehe ich nicht, wie man „schadenfroh auf einen &#039;&#039;Tag&#039;&#039; sehen“ sollte; zweitens ist das Hauptargument für diese Deutung das, dass sonst redundant zwei Zeitangaben aufeinander folgen würden - doch das greift nicht, s. [http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=Obadja#note_aq FN aq] und siehe den vorigen Vers, in dem gleich vier Zeitangaben aufeinandergehäuft sind.&amp;lt;/ref&amp;gt;, am Tag seines Unglücks&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Unglücks&#039;&#039; - Bed. unsicher (-&amp;gt; Hapax legomenon). Auch das verwandte Wort in [[Ijob 31#s3 |Ijob 31,3]] steht - wie unser Wort in unserem Vers - im Parallelismus mit &#039;&#039;ed&#039;&#039; („Unglück, Unheil“), so dass recht wahrscheinlich auch dieses Wort eine ähnliche Bedeutung hat.&amp;lt;/ref&amp;gt;;&lt;br /&gt;
Du sollst nicht schadenfroh sein (sei nicht schadenfroh!, hättest dich schadenfroh sein sollen)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Jussiv&amp;quot; /&amp;gt; über die Söhne Judas&amp;lt;ref name=&amp;quot;Söhne&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;Söhne von X&#039;&#039; - Idiom für „Bewohner/Bürger von X“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_ Am Tag ihres Untergangs;&lt;br /&gt;
Du sollst deinen Mund nicht groß machen&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Mund groß machen&#039;&#039; - Idiom für feindliches Reden; s. noch [[Ijob 16#s10 |Ijob 16,10]]; [[Psalm 22#s14 |Ps 22,14]]; [[Jesaja 57#s4 |Jes 57,4]]; [[Klagelieder 2#s16 |Klg 2,16]]; [[Klagelieder 3#s46 |3,46]].&amp;lt;/ref&amp;gt; (mach deinen Mund nicht groß!, hättst deinen Mund nicht groß machen dürfen)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Jussiv&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
_ Am Tag der Bedrängnis.&lt;br /&gt;
{{S|13}} Du sollst nicht kommen (Komme nicht!, hättest nicht kommen dürfen)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Jussiv&amp;quot; /&amp;gt; in das Tor&amp;lt;ref&amp;gt;Zu &#039;&#039;Kommen in das Tor&#039;&#039; vgl. [http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=Obadja#note_aw FN aw]. Das „Tor meines Volkes“ ist entweder speziell das Tor Jerusalems oder ein Kollektivum für die „Tor&#039;&#039;e&#039;&#039;“ der judäischen Städte (s. [[Genesis 22#s17 |Gen 22,17]]; vgl. Raabe 1996).&amp;lt;/ref&amp;gt; meines Volkes&lt;br /&gt;
_ Am Tag ihres (seines)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;ihres&#039;&#039; - Das Possessivpronomen steht hier einmal im Plural und zweimal im Singular. Gemeint ist jedes Mal Juda (-&amp;gt; bedeutungsloser P-Shift; vgl. Niehaus 2009, S. 532); übersetze: „&#039;&#039;seines&#039;&#039; Unheils“.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der P-Shift hat hier ein Wortspiel als „Nebenwirkung“: &#039;&#039;´edam&#039;&#039; („ihres Unheils“) erinnert an &#039;&#039;Edom&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unheils.&lt;br /&gt;
Du sollst nicht sehen&amp;lt;ref name=&amp;quot;sehen&amp;quot; /&amp;gt; (Sehe nicht!, hättest nicht sehen sollen)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Jussiv&amp;quot; /&amp;gt; - gerade du! - auf sein Unglück&lt;br /&gt;
_ Am Tag seines Unheils;&lt;br /&gt;
Du sollst nicht [die Hand] ausstrecken&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[die Hand] ausstrecken&#039;&#039; - Das Objekt „Hand“ wird vor dem Verb „ausstrecken“ auch in [[2 Samuel 6#s6 |2 Sam 6,6]] und [[Psam 18#s17 |Ps 18,17]] ausgespart und muss dazugedacht werden (so schon Tg; vgl. auch auch Ben Zvi 1996; Isopescul 1914; Jeremias 2007; Raabe 1996; Stuart 1987). Das Verb ist nicht zu analysieren als Imperativ + Suffix &#039;&#039;-na´&#039;&#039;, das als &#039;&#039;-nah&#039;&#039; verschrieben wurde (so viele), denn wo &#039;&#039;al&#039;&#039; („nicht“) und dieses Suffix zusammen vorkommen, wird das Suffix nicht an das Verb, sondern an &#039;&#039;al&#039;&#039; angehängt. Das Verb ist ein Imperativ mit &#039;&#039;Nun energeticum&#039;&#039; (vgl. z.B. JM §61f - auch &#039;&#039;ad loc&#039;&#039; -; vgl. auch Ben Zvi 1996; Raabe 1996; Stuart 1987).&amp;lt;/ref&amp;gt; (strecke nicht [die Hand] aus!, du hättest nicht [die Hand] ausstrecken dürfen)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Jussiv&amp;quot; /&amp;gt; nach seinem Heer (seiner Habe)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Heer und Habe&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
_ Am Tag seines Unheils.&lt;br /&gt;
{{S|14}} Du sollst nicht stehen (Stehe nicht!, hättest nicht stehen dürfen)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Jussiv&amp;quot; /&amp;gt; am Ausschlupf (an der Weggabelung)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Ausschlupf, Weggabelung&#039;&#039; - Bedeutung unsicher (-&amp;gt; Dis legomenon). Das Wort leitet sich her vom Verb &#039;&#039;paraq&#039;&#039; („wegreissen, abreissen, spalten“); in [[Nahum 3#s1 |Nah 3,1]] steht es für „das Entrissene“, d.h. „Beute“. Weil man in Ob &#039;&#039;`amad `al&#039;&#039; einheitlich nimmt als „stehen an/auf“, geht man davon aus, dass es dort für eine Ortsangabe stehen müsse; und ein Ort, den man als den „Gespaltenen“ bezeichnen kann, soll dann entweder ein „Spalt“ in der Mauer - ein „Ausschlupf“ (LXX: „Ausweg“, Sym: „Fluchtweg“, VUL: „Ausgang“) - oder eine „Weggabelung“ (so die meisten Üss) sein. Von diesen beiden ist allein schon wegen des Rückhalts der alten Übersetzungen sicher das erstere vorzuziehen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Anm. d. Üs.&#039;&#039;&#039; (S.W.): Allerdings kann evt. &#039;&#039;`amad `al&#039;&#039; auch „streben nach“ bedeuten (wohl als „harren auf“); s. [[Levitikus 19#s16 |Lev 19,16]]: „&#039;&#039;Du sollst nicht &#039;&#039;amad `al&#039;&#039; das Blut deines Nächsten... Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen.&#039;&#039;“ (vgl. KBL3, S. 795). Mit dieser Deutung von &#039;&#039;`amad `al&#039;&#039; würde „Beute“ eigentlich auch hier Sinn machen; denn das Folgende muss nicht notwendig als finaler Nebensatz („um zu“) genommen werden, sondern kann auch konsekutiv oder gradierend gelesen werden („Du sollst nicht nach Beute streben / und so die Entronnenen ausrotten“ resp. „Du sollst nicht nach Beute streben / bis dahin, dass du [selbst] die Entronnenen ausrottest“). Doch ist das m.W. noch nie vertreten worden.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
_ Um seine Entronnenen auszurotten;&lt;br /&gt;
Du sollst nicht ausliefern&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;ausliefern&#039;&#039; - gemeint ist sicher der Sklavenhandel mit den gefangenen Flüchtlingen (so z.B. Nötscher 1958, S. 744); vgl. z.B. [[Amos 1#s6 |Am 1,6.9]].&amp;lt;/ref&amp;gt; (Liefere nicht aus!, hättest nicht ausliefern dürfen)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Jussiv&amp;quot; /&amp;gt; seine Überlebenden&lt;br /&gt;
_ Am Tag der Bedrängnis.&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;{{S|15}}&amp;lt;ref&amp;gt;Der Zhg. von V. 15 mit V. 14 und V. 16 ist umstritten; drei Positionen sind verbreitet:&lt;br /&gt;
# V. 15 wird zu V. 14 gezogen, „&#039;&#039;Denn nahe ist der Tag JHWHs&#039;&#039;“ soll dann JHWHs Befehle in Vv. 12-14 begründen. - Aber die Funktion der Befehle in Vv. 12-14 ist ja klar (s. [http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=Obadja#note_ar FN ar]); sie selbst sind ja schon Begründung von Vv. 8-9. Dass „denn nahe ist der Tag JHWHs“ u.Ä. &#039;&#039;stets&#039;&#039; vorangegangene Befehle begründen soll, ist ohnehin unwahr; s. [[Deuteronomium 32#s35 |Dtn 32,35]]; [[Jesaja 2#s12 |Jes 2,12]]; [[Jesaja 34#s8 |34,8]]; [[Joel 2#s11 |Joel 2,11]]; [[Joel 4#s14 |4,14]], die gar nicht auf Befehle folgen.&lt;br /&gt;
# Seit Wellhausen 1893 wollen viele Exegeten (z.B. Allen, Bewer, Deissler, Duhm, Nötscher, Rudolph, Sellin, Wehrle, Wolff; zuletzt Assis 2014, S. 217f) die Reihenfolge von 15a und 15bc vertauschen, 15bc zu 8-14 ziehen und mit 15a einen neuen Abschnitt beginnen lassen, um auf diese Weise zwei „thematisch saubere“ Abschnitte zu erhalten: V. 8-14.15bc handelte dann nur von der Bestrafung Edoms, V. 15a.16-21 nur von der Bestrafung der Völker. - Eine solche Versumstellung kann aber nur die ultima ratio sein; auch handeln Vv. 16-21 gar nicht nur von der Bestrafung der Völker unabhängig von Edom, und auch der Wechsel von 2. Pers. Sg. zu 2. Pers. Pl. in 15bc.16, mit dem oft argumentiert wird, ist nicht störend (s. dort).&lt;br /&gt;
# Mit V. 15 beginnt ein neuer Abschnitt; Vv. 15bc.16 sind dann Auslegung von „Ja!, nahe ist der Tag JHWHs!“ (unsere Position. Einen neuen Abschnitt beginnen lassen auch Brown 1996, Jeremias 2007, Niehaus 2009, Stuart 1987, Theis 1937).&amp;lt;/ref&amp;gt; Ja! (Denn) der Tag JHWHs bei allen Nationen (gegen alle Nationen)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;bei (gegen)&#039;&#039; - Theoretisch könnte &#039;&#039;al-kol-hagojim&#039;&#039; sowohl den Bereich angeben, an dem das Gericht JHWHs am „Tag JHWHs“ stattfinden wird („&#039;&#039;bei&#039;&#039; allen Nationen“, s. [[Jesaja 25#s7 |Jes 25,7]]; [[Sacharja 7#s14 |Sach 7,14]]) als auch das „Objekt“ des Tages JHWHs („&#039;&#039;wider&#039;&#039; alle Nationen“, so fast alle) - aber was soll denn ein „Objekt eines &#039;&#039;Tages&#039;&#039;“ sein?&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Mit „Tag JHWHs“ werden in den Prophetenbüchern diverse Gerichtstage JHWHs bezeichnet: Entweder handelt JHWH an einem solchen „Tag JHWHs“ strafend mithilfe anderer Völker an seinem eigenen Volk (z.B. [[Jesaja 2#s12 |Jes 2,12-17]]; [[Jesaja 22#s1 |Jes 22,1-14]]; [[Klagelieder 1#s12 |Klg 1,12]]; [[Klagelieder 2#s1 |2,1]].[[Klagelieder 2#s21 |21f]]; [[Zefanja 1#s7 |Zef 1,7-16]] u.ö.) oder er handelt strafend an anderen Völkern (z.B.: [[Jes 13#s6 |Jes 13,6]]: An Babylon; [[Jeremia 46#s10 |Jer 46,10]]; [[Ezechiel 30#s3 |Ez 30,3]]: An Ägypten; vgl. z.B. [https://www.bibelwissenschaft.de/de/stichwort/32258/#h8 Tag Jahwes (AT) (Wibilex)]). Das Obadjabuch greift auf beide Konzepte zurück: Vv. 11-14 sprechen von ihm als einem Unheilstag Judas; Vv. 8f.15 als einem Gerichtstag an den Völkern - speziell Edom (vgl. gut Beck 2013, S. 27). Diese Universalität &#039;&#039;dieses&#039;&#039; „Tags JHWHs“ soll durch die Hinzufügung von „bei &#039;&#039;allen&#039;&#039; Nationen“ zum Ausdruck kommen. Gut daher Beck 2013, S. 27: „Denn er ist nahe, der Tag des Herrn, für alle Völker“; GW, NIRV, NIV: „The day of the LORD is near for all nations“; MSG: „God&#039;s Judgment Day is near for all the godless nations“.&amp;lt;br /&amp;gt;In der LF muss „Tag JHWHs“ wahrscheinlich expliziert werden; vielleicht als „Tag [des Gerichts] JHWHs“ o.Ä. - vgl. HfA: „Der Tag, an dem ich, der Herr, allen Völkern ihr Urteil spreche“; NLT: „The day is near when I, the LORD, will judge the godless nations!“&amp;lt;/ref&amp;gt; ist nahe:{{par|Jeremia|9|25|26}}{{par|Ezechiel|30|3}}&lt;br /&gt;
So, wie du getan hast, wird dir getan werden.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;So, wie du getan hast, wird dir getan werden&#039;&#039; - Sehr knappe Formulierung im Hebräischen: &#039;&#039;ka´ascher `aßita je`aßeh&#039;&#039;; stilistisch getreuer wäre daher etwas wie „Wie du getan, wird dir getan.“ (so z.B. PAT, ähnlich R-S).&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
_ Dein Tun wird wider deinen Kopf zurückkommen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Dein Tun wird wider deinen Kopf zurückkommen&#039;&#039; - Zum Ausdruck vgl. [[1 Könige 2#s32 |1 Kön 2,32f]]; [[Psalm 7#s17 |Ps 7,17]]; [[Joel 4#s4 |Joel 4,4.7]]; der Sinn ist exakt der selbe wie im Satz zuvor. Gut daher EÜ, NeÜ: „Dein Tun fällt auf dich selbst zurück.“&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|16}}&amp;lt;ref&amp;gt;Schwieriger Vers - schwierig wegen dem plötzlichen Reden vom „Trinken“ und wegen dem plötzlichen Wechsel zur 2. Pers. &#039;&#039;Plural&#039;&#039;. Wegen dieser beiden Schwierigkeiten sind heute drei Deutungen verbreitet:&lt;br /&gt;
# Es gibt in der Bibel öfter die Metapher vom „Zornkelch JHWHs“: „JHWH gibt X den Kelch seines Zornes zu trinken“ meint: „Der Zorn Gottes kommt über X“ (s. [[Psalm 75#s9 |Ps 75,9]]; [[Jesaja 51#s17 |Jes 51,17.22]]; [[Jeremia 25#s15 |Jer 25,15-18]]; [[Jeremia 49#s12 |49,12]]; [[Jeremia 51#s7 |51,7]]; [[Klagelieder 4#s21 |Klg 4,21]]; [[Ezechiel 23#s31 |Ez 23,31-34]]; [[Habakkuk 2#s16 |Hab 2,16]]; [[Sacharja 12#s2 |Sach 12,2]]). Der Wechsel zur 2. Pers. &#039;&#039;Plural&#039;&#039; soll dann signalisieren, dass ab V. 16 nicht mehr Edom angesprochen ist, sondern Juda, und die Bedeutung ist dann: „So, wie du, Juda, meinen Zorn zu spüren bekommen hast, werden alle Völker meinen Zorn zu spüren bekommen.“ - So heute die meisten, doch das ist schwierig - erstens, weil aus dem Text ja eben nicht hervorgeht, dass nun eine andere Person angesprochen wird; zweitens, weil „trinken“, absolut gebraucht, sonst nie vom Zornkelch steht, sondern nur mit einem Objekt - entweder eben dem „Kelch“ oder „Becher“ oder einem abstrakten Objekt wie „Zorn“ oder „Trauer“ -; drittens, weil die Logik von V. 16 ja dann eine ganz andere wäre als von V. 15 (Wolff 1977, S. 19: Sie rücken „in verzerrendem Sinne nebeneinander“).&lt;br /&gt;
# Der Wechsel zur 2. Pers. &#039;&#039;Plural&#039;&#039; ließe sich aber auch als bedeutungsloser N-Shift erklären, wie sie v.a. in den Prophetenbüchern recht verbreitet sind (so scheinen auch LXX und VUL gedeutet zu haben und übersetzen einfach weiter mit Sg.). Dann wäre der Angesprochene immer noch Edom (wie sich auch sonst jedes Verb in der 2. Pers. in Ob auf Edom bezieht) und nur das zweite „Trinken“ wäre eine Metapher für den Zorneskelch; das erste dagegen drückte die Siegesfeier der Edomiter über Jerusalem aus. Der Sinn wäre dann: „So, wie du, Edom, aus Siegesfreude gezecht hast, werden alle Völker meinen Zorn zu spüren bekommen.“ So paraphrasiert z.B. der Tg: „So, wie ihr euch gefreut habt über den Schlag, der meinen heiligen Berg getroffen hat, werden alle Völker beständig den Kelch ihrer Strafe trinken.“; so z.B. auch Caspari 1842, S. 114-6; Keil 1866, S. 260f.; Orelli 1893, S. 162 - Aber auch hier wäre die Logik von V. 16 eine andere als V. 15 - ohnehin wäre V. 16 dann insgesamt nicht sehr logisch -, die Zuschreibung zweier unterschiedlicher Bedeutungen an „trinken“ ist doch eher schwierig und wieder müsste ein absolut verwendetes „trinken“ auf den Zorneskelch bezogen werden. S. aber für eine ähnliche Abfolge [[Klagelieder 4#s21 |Klg 4,21]]&lt;br /&gt;
# Übrig bleibt also nur die Deutung, dass der Angesprochene nach wie vor Edom ist und dass beide „Trinken“ wörtlich zu nehmen sind: „So, wie du, Edom, aus Freude über deinen Sieg über Juda gezecht hast, werden einst alle Völker aus Freude über ihren Sieg über dich zechen.“ (so schon Hieronymus; auch Isopescul 1914; König 1893, S. 360; wohl auch Stuart 1987). - Auch diese Deutung ist nicht ganz unproblematisch, weil V. 16 ja als Folge des Trinkens den Tod nennt; es lässt sich aber doch auf zwei Weisen verstehen: (1) s. [[Jeremia 51#s39 |Jer 51,39]].[[Jeremia 51#s57 |57]]: Auch dort „verwendet“ JHWH gerade das Trinkgelage der Babylonier, um sie umzubringen. S. auch [[Psalm 69#s23 |Ps 69,23]]: „Ihr Tisch vor ihnen soll ihnen zur Schlinge werden!“ Und (2) kann dies „so wie du“ auch einfach so verstanden werden, dass auch die anderen Nationen sich einst ebenso über ihren Sieg - nämlich über Edom - freuen und diesen feiern werden, wie Edom sich gefreut hat, dann aber ebenso wie Edom selbst vernichtet werden werden. Diese Deutung ist zwar eine Minderheitenmeinung, ist aber sicher vorzuziehen, da nur so V. 16 eine sinnvolle Entfaltung von V. 15 ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nämlich (denn): So, wie ihr auf meinem heiligen Berg getrunken habt, &lt;br /&gt;
_ Werden alle Nationen beständig (auf ewig, ringsum?, Wein?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: W. „beständig, ewig“ - unerklärlich, da es sich mit 16d beißt; egal, wie V. 16 insgesamt gedeutet wird.&amp;lt;!--Das wird man sicher nicht einfach mit Ben Zvi 1996 wegerklären können - die Annahme, auch hebräische Texte dürften logisch verfasst sein, ist doch wohl keine ungerechtfertigte.--&amp;gt; Horst/Robinson 1954, Marti 1904, Nowack 1922, Sellin 1922, Theis 1937 u.a. wollen daher nach LXX zu &#039;&#039;chemer&#039;&#039; („Wein“) emendieren: „werden alle Nationen &#039;&#039;Wein&#039;&#039; trinken“. Nötscher 1958, ZÜR 1931 (nicht mehr ZÜR) und offenbar auch Brown 1996 und R-S wollen der Variante &#039;&#039;sabib&#039;&#039; („ringsum, reihum“) folgen, die sich in vielen Handschriften findet (erwogen auch von Nowack 1922) - was viel Sinn machen würde, denn gerade die Völker rings um Israel werden ja in Vv. 19f behandelt: Edom im Süden, die Philister im Westen, Gilead im Osten und Phönizien im Norden. Beiden Vorschlägen wird in der neueren Exegese nicht mehr gefolgt; die zweite Variante wird heute außerdem meist als nachträgliche Angleichung an [[Sacharja 12#s2 |Sach 12,2]] verstanden. Auch wir werden das „auf ewig“ daher wohl beibehalten müssen.&amp;lt;/ref&amp;gt; trinken; &lt;br /&gt;
Sie werden trinken und schlürfen (stammeln)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;schlürfen (stammeln)&#039;&#039; - Bed. unsicher; heute meist gedeutet als &#039;&#039;la`a`&#039;&#039; I („schlürfen, schlucken“), seltener als &#039;&#039;la`a`&#039;&#039; II („stammeln“), noch seltener emendiert (-&amp;gt; Textkritik) von &#039;&#039;wäla`u&#039;&#039; zu &#039;&#039;wäna`u&#039;&#039; („sie torkeln“ - so Dicou 1994, Duhm 1910, Marti 1904, Nötscher 1958, Sellin 1922, Wellhausen 1893, S. 205). Wir folgen der Mehrheitsmeinung, die auch am besten in den Kontext passt.&amp;lt;/ref&amp;gt; -{{par|Jeremia|51|39}}{{par|Jeremia|51|17}}{{par|Klagelieder|4|21}}&lt;br /&gt;
_ und so werden, als ob sie nie gewesen wären.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;werden, als ob sie nie gewesen wären&#039;&#039; - Ausdruck für die gänzliche Vernichtung, s. ähnlich [[Ijob 10#s19 |Ijob 10,19]]; [[Jesus Sirach 44#s9 |Sir 44,9]]; verwandt auch [[Sach 10#s6 |Sach 10,6]]. Vielleicht sollen übrigens die beiden letzten Stichoi lautlich das Lallen Betrunkener nachahmen: &#039;&#039;wäschatu wäla`u wähaju kälo haju&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;{{S|17}} Und (doch) auf dem Berg Zion&amp;lt;ref name=&amp;quot;Zion&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;Berg Zion&#039;&#039; - Der Tempelberg in Jerusalem; in der Bibel auch standardmäßig pars pro toto für die ganze heilige Stadt Jerusalem verwendet (vgl. z.B. [https://www.bibelwissenschaft.de/de/stichwort/35418/ Zion / Zionstheologie (Wibilex)]).&amp;lt;/ref&amp;gt; werden [wieder] die Entronnenen (wird Entrinnen) sein, {{par|Psalm|69|36|37}}{{par|Ezechiel|37|21|22}}{{par|Joel|2|32}}&lt;br /&gt;
_ Und [auf dem Berg Zion]&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[auf dem Berg Zion]&#039;&#039; - Brachylogie aus Stichos a&amp;lt;/ref&amp;gt; wird [wieder] ein Heiligtum sein (und er wird/sie werden heilig sein);&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;und [auf dem Berg Zion] wird [wieder] ein Heiligtum sein&#039;&#039; - zu dieser Deutung des Stichos vgl. am besten Raabe 1996. Wenige Monate nach der Einnahme Jerusalems zerstörten die Babylonier auch den Tempel; auf die Wiedererrichtung desselben blickt der Vers voraus.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_ Und das Haus Jakob&amp;lt;ref name=&amp;quot;Haus&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;Haus X&#039;&#039; - Idiom für „die Nachkommen von X“; das „Haus Jakob“ sind die Judäer, das „Haus Josef“ die (längst (722 v. Chr.) von den Assyrern deportierten) Israeliten und das „Haus Esau“ die Edomiter. Dass die beiden Reiche Israel und Juda einst wiedervereinigt ihre Feinde besiegen würden, war eine verbreitete Hoffnung in der Zeit des Exils; s. z.B. [[Ezechiel 37#s15 |Ez 37,15-23]].&amp;lt;/ref&amp;gt; wird seine (ihre)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: W. &#039;&#039;ihre&#039;&#039;; das sg. Subjekt „das Haus Jakob“ wird hier als Kollektivum mit pl. Pronomen konstruiert (wie „Esau“ in V. 6, s. [http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=Obadja#note_ac FN ac]). Oder: Das „ihre“ bezieht sich zurück auf „alle Nationen“ im vorigen Vers (so z.B. Isopescul 1914, S. 173), doch ist das vielleicht etwas weit entfernt (mittlerweile wurden ja mit „den Entronnenen“, „dem Heiligtum“ und „dem Haus Jakob“ drei neue Subjekte eingeführt)?&amp;lt;/ref&amp;gt; Enteigner enteignen (seine Besitztümer [wieder] besetzen)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;seine Enteigner enteignen (seine Besitztümer besetzen)&#039;&#039; - Die Vokale des uns überlieferten Masoretischen Textes wurden erst im Mittelalter in diesen eingetragen. Der vokallose Konsonantentext lässt beide oben angegebene Alternativen zu; MT vereindeutigt durch die Vokalisierung zu „Besitztümer besetzen“, LXX, VUL, Syr durch Übersetzung zu „Enteigner enteignen“. Tg &#039;&#039;könnte&#039;&#039; bewusst ebenso mehrdeutig formuliert haben wie der vokallose Konsonantentext („wird das Eigentum derer besetzen, die sie enteignet haben“), könnte aber genau so gut nur die selbe Deutung wie LXX, VUL und Syr freier wiedergegeben haben. Von beiden Lesarten ist sicher die als Primärübersetzung angegebene vorzuziehen (so die meisten).&amp;lt;/ref&amp;gt;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vermutlich kurz nach der Eroberung Judas - die historischen Zhgg. liegen etwas im Dunkeln - begannen die Edomiter, in die Negev-region einzuwandern, die vorher zu den Gebieten Judas gehört hatten (vgl. z.B. Anderson 2010, S. 208f; Lyon 1974, S. 89). Der Edom-Hass der Judäer in der Zeit des Exils und danach rührt wohl v.a. von dieser Okkupation her (vgl. Assis 2006, S. 4; Dicou 1994, S. 187), so dass verständlich ist, dass V. 17 neben der Hoffnung auf Wiederherstellung Jerusalems als erstes die Rückgewinnung dieser besetzten Gebiete nennt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|18}} Und das Haus Jakob&amp;lt;ref name=&amp;quot;Haus&amp;quot; /&amp;gt; wird [zum]&amp;lt;ref name=&amp;quot;Brachylogie 18&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[zum]&#039;&#039; + &#039;&#039;[zur]&#039;&#039; - Brachylogie aus Stichos 18c.&amp;lt;/ref&amp;gt; Feuer werden&lt;br /&gt;
_ und das Haus Josef&amp;lt;ref name=&amp;quot;Haus&amp;quot; /&amp;gt; [zur]&amp;lt;ref name=&amp;quot;Brachylogie 18&amp;quot; /&amp;gt; Flamme [werden]&amp;lt;ref name=&amp;quot;Brachylogie 18 2&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[werden]&#039;&#039; - Brachylogie aus Stichos 18a.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_ und das Haus Esau&amp;lt;ref name=&amp;quot;Haus&amp;quot; /&amp;gt; zu Stroh [werden]&amp;lt;ref name=&amp;quot;Brachylogie 18 2&amp;quot; /&amp;gt;; &lt;br /&gt;
Und sie werden es (sie)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;es (sie)&#039;&#039; - W. „sie“; das „Haus Esau“ wird als Kollektivum im weiteren als Plural konstruiert. Übersetze: „es“.&amp;lt;/ref&amp;gt; verbrennen und verzehren.{{par|Psalm|83|14|15}}{{par|Jesaja|5|24}}{{par|Jesaja|10|17}}{{par|Jesaja|31|9}}{{par|Jesaja|47|14}}{{par|Joel|2|5}}{{par|Nahum|1|10}}{{par|Sacharja|12|6}}&lt;br /&gt;
_ Und dem Haus Esau&amp;lt;ref name=&amp;quot;Haus&amp;quot; /&amp;gt; wird kein Überlebender sein (Das Haus Esau wird keinen Überlebenden haben),&lt;br /&gt;
Denn JHWH hat gesprochen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Denn JHWH hat gesprochen&#039;&#039; - Standardformel zum Abschluss einer Prophezeiuung zur Unterstreichung der Autorität des Prophezeiten (s. noch [[1 Könige 14#s11 |1 Könn 14,11]]; [[Jesaja 1#s20 |Jes 1,20]]; [[Jesaja 21#s17 |21,17]]; [[Jesaja 22#s25 |22,25]]; [[Jesaja 24#s3 |24,3]]; [[Jesaja 25#s8 |25,8]]; [[Jesaja 40#s5 |40,5]]; [[Jesaja 58#s14 |58,14]]; [[Joel 4#s8 |Joel 4,8]]; [[Micha 4#s4 |Mi 4,4]]): &#039;&#039;JHWH&#039;&#039; war es, von dem die Prophetie stammte, daher ist sie sicher wahr.&amp;lt;br /&amp;gt;In der LF muss das wohl freier wiedergegeben werden; gut z.B. wieder HfA: „So habe ich, der Herr, es beschlossen!“; MSG: „God said it, and it is so“; vielleicht auch etwas wie „So wirds geschehen, denn JHWH hats bestimmt.“&amp;lt;/ref&amp;gt;{{par|Jeremia|49|17}}{{par|Jeremia|49|20}}{{par|Klagelieder|4|21}}{{par|Ezechiel|25|13}}{{par|Ezechiel|35|3}}{{par|Joel|3|19}}{{par|Amos|1|12}}{{par|Malachi|1|3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|19}}&amp;lt;ref&amp;gt;Vv. 19f lassen sich auf zwei Weisen lesen:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# [[Datei:Obadja Karte mit Zahlen (1).png|500px|rahmenlos|rechts|genannte Orte]]„&#039;&#039;19 Die [Bewohner der] Negevregion (1) werden den Berg Esau (2) enteignen und die [Bewohner der] Schefela (3) die Philister (4), und sie werden enteignen das Gebiet Efraims (5) und das Gebiet Samariens (6) und [der Stamm] Benjamin (7) [wird enteignen] Gilead (8). 20 Und die Exulanten dieser israelitischen Vormauer werden die Kanaaniter (9) bis hinauf nach Sarepta enteignen, und die Jerusalemer Exulanten, die sich in Sefarad befinden, werden die Städte in der Negevregion (10) enteignen.&#039;&#039;“ - Doch das wäre sehr merkwürdig, denn dann würden die Angehörigen des Südreiches (die „Bewohner der Negevregion“, die „Bewohner der Schefela“ und der „Stamm Benjamin“) die Gebiete des ehemaligen Nordreiches (das „Gebiet Efraim“, das „Gebiet Samarien“ und „Gilead“) in Besitz nehmen (vgl. gut Dicou 1994, S. 23f) und die Bewohner der Negevregion würden einen „Gebietstausch“ mit den Jerusalemer Exulanten vollführen: Die Bewohner der Negevregion würden sich nach Osten wenden und Edom erobern, die ehemaligen Bewohner Jerusalems dagegen würden sich in der Negevregion ansiedeln. Sinnvoller sind daher als Subjekte aller Verben „das Haus Jakob und das Haus Josef“ zu nehmen, und „der Berg Esau“ als Apposition zu „Negevregion“, „die Philister“ als Apposition zu „die Schefela“ und „Gilead“ als Apposition zu „Benjamin“ (doch s. nächste FN) zu sehen (so auch Bewer 1911, S. 44; Dicou 1994, S. 23; Wehrle 1980, S. 97; Weimar 1985, S. 67; Wellhausen 1893, S. 205; ähnlich van Hoonacker 1908, S. 309; ähnlich auch Marti 1904, S. 239; Nowack 1922, S. 180; Nötscher 1958, S. 745; Sellin 1922, S. 234; Weiser 1967, S. 209.217; Wolff 1977, S. 40: „erläuternde Glossen“):&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;„19 Und sie [d.h. die Judäer und die Israeliten] werden die Negevregion (1) - d.h., den Berg Esau (2) - enteignen und die Schefela (3) - d.h., die Philister (4) -, und sie werden enteignen das Gebiet Efraims (5) und das Gebiet Samariens (6) und [das Gebiet des Stammes] Benjamin (7) - d.h., Gilead (8). 20 Und die Exulanten dieser israelitischen Vormauer werden die Kanaaniter (9) bis hinauf nach Sarepta enteignen, und [auch] die Jerusalemer Exulanten, die sich in Sefarad befinden, werden die Städte in der Negevregion (10) enteignen.“&#039;&#039; - Auch diese Lösung ist nicht ganz unproblematisch, weil dann unerklärlich wäre, warum „Gilead“ in Apposition zu Benjamin stände, ist aber dennoch immer noch weniger schwierig als die obige erste Auflösung. Zum Problem s. außerdem die nächste FN.&amp;lt;/ref&amp;gt; Und sie werden den Negev enteignen - [das heißt:] den Berg Esau&amp;lt;ref name=&amp;quot;Berg Esau&amp;quot; /&amp;gt; -{{par|Numeri|24|18|19}}{{par|Amos|9|12}}&lt;br /&gt;
_ Und die Schefela - [das heißt:] die Philister. &lt;br /&gt;
Und sie werden das Gebiet Efraims und das Gebiet Samariens enteignen {{par|Jesaja|11|13|14}}&lt;br /&gt;
_ Und Benjamin [wird enteignen] Gilead (die Söhne Ammons - [das heißt:] Gilead)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Benjamin [wird enteignen] Gilead (die Söhne Ammons - [das heißt:] Gilead)&#039;&#039; - Nach der obigen Auflösung (2) scheint man den Text aufzufassen zu haben als „Benjamin - [das heißt:] Gilead“, was unverständlich wäre. Entweder muss man daher den Satz so deuten, dass einzig er nicht nach dem Muster der vorigen Sätze in V. 19 gebaut ist und mit „Benjamin“ ein &#039;&#039;neues&#039;&#039; Subjekt nach „sie“ (d.h. Juda + Israel) eingeführt wird, zu dem man sich das Verb „enteignen“ hinzudenken muss („und Benjamin [wird enteignen] Gilead“), oder man muss emendieren (-&amp;gt; Textkritik): Für „Benjamin“ lesen Bewer 1911, Duhm 1910 und Sellin 1922 sinnvoll das graphisch sehr ähnliche „&#039;&#039;die Söhne Ammons&#039;&#039;“ (d.h. „die Ammoniter“), also {{hebr}}בני עמן{{hebr ende}} statt {{hebr}}בנימ(י)ן{{hebr ende}}. Von beiden Möglichkeiten ist sicher die erste vorzuziehen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Gilead stand zu dieser Zeit unter der Herrschaft der Ammoniter (s. [[Jeremia 49#s1 |Jer 49,1]]), wie auch die Edomiter Teile der Negevregion, die Philister Teile der Schefela und die Phönizier Teile des ehemaligen Nordreiches erobert hatten. Im Blick wäre also nach beiden Möglichkeiten, dass das (fiktive) davidische Großreich wiederhergestellt würde (s. z.B. [http://www.christipedia.nl/@api/deki/files/394/=Israel_en_Juda-Access_Foundation.jpg diese Karte]): Die Israeliten und Judäer würden die Negevregion vom „Berg Esau“, die Schefela von den Philistern, die Teile des Nordreiches „bis hinauf nach Sarepta“ von den Phöniziern und „Gilead“ von den Ammonitern zurückerobern.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
{{S|20}} Und die Exulanten dieser Vormauer&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Vormauer&#039;&#039; - schwierige Stelle. Der MT muss sicher mit „Vormauer“ übersetzt werden und hat daher zu diversen Emendationsvorschlägen geführt, von denen aber keiner funktioniert (für eine Übersicht und Kritik vgl. Ben Zvi 1996, S. 214-222.). Am sinnvollsten wohl Barthélemy 1992, S. 704, der auch ohne Emendation auskommt: „Vormauer“ bezeichne bildlich die zuvor genannten Gebiete - nach B: Die Gebiete Efraims und Samariens - als den „Schutzwall“, der zwischen Israel und Juda einerseits und den Ammonitern andererseits steht. Dann aber wohl eher nur Gilead: „Gilead“ bezeichnet meist die israelitische Gebirgsregion östlich des Jordan; wollten die Ammoniter also in Israel einfallen, hatten sie zunächst Gilead, die Gebirgskette und den Jordan zu überwinden. Mit den „Exulanten dieser Vormauer der Söhne Israels“ sind dann die nach [[2 Könige 15#s29 |2 Kön 15,29]] durch den assyrischen König Tiglat-Pileser exilierten Bürger Gileads gemeint.&amp;lt;/ref&amp;gt; der Söhne Israels&amp;lt;ref name=&amp;quot;Söhne&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
_ Werden enteignen&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Der MT lautet: „&#039;&#039;Die Exulanten dieser Vormauer der Söhne Israels, welche bei den Kanaanitern bis nach Sarepta [sind/reicht], ...&#039;&#039;“ oder „&#039;&#039;Die Exulanten dieser Vormauer der Söhne Israels, welche bei den Kanaanitern sind, [werden enteignen] bis nach Sarepta.&#039;&#039;“; noch merkwürdiger Niehaus 2009: „&#039;&#039;Die Exulanten dieser Vormauer der Söhne Israels, welche Kanaaniter sind, [werden enteignen] bis nach Sarepta&#039;&#039;“. Sehr wahrscheinlich hat ein Schreiber unter dem Einfluss von Stichos 20c fäschlich &#039;&#039;´ascher&#039;&#039; („welche“) geschrieben für &#039;&#039;jirschu&#039;&#039; („sie werden enteignen“; so die meisten): „&#039;&#039;Die Exulanten dieser Vormauer der Söhne Israels werden enteignen die Kanaaniter bis nach Sarepta&#039;&#039;“. Vielleicht könnte man außerdem wirklich mit Barthélemy 1992 auch ohne Emendation deuten als „&#039;&#039;Die Exulanten dieser Vormauer der Söhne Israels [werden enteignen] [das,] was bei den Kanaanitern bis nach Sarepta [ist]&#039;&#039;“ (so schon Orelli 1893, S. 163f; ähnlich Keil 1866, S. 263), was auf das selbe hinauslaufen würde, aber von einer unnötig komplizierten hebräischen Formulierung ausgehen müsste.&amp;lt;/ref&amp;gt; die Kanaaniter bis nach Sarepta.&lt;br /&gt;
Und die Exulanten Jerusalems, die in Sefarad&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Sefarad&#039;&#039; - Die Identifikation von Sefarad war früher umstritten; seit Lipiński 1973 ist man sich in der Exegese recht einig, dass [http://de.wikipedia.org/wiki/Sardes Sardes] gemeint ist. Tg und Syr deuteten übrigens als „Spanien“, und von dieser Deutung dieses Verses rührt die Bezeichnung der spanischen Juden als „sephardische Juden“ her.&amp;lt;/ref&amp;gt; sind,&lt;br /&gt;
_ Werden enteignen die Städte des Negev.&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;{{S|21}} Und Retter (Gerettete)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Retter (Geretteten)&#039;&#039; - Der vokallose Konsonantentext lässt wieder beide Möglichkeiten zu; MT, Vg, Sym, Tg deuten als „Retter“; LXX und Syr dagegen als „Gerettete“. Das Wort hat keinen Artikel, so dass wir eher nicht an die zurückgekehrten Exulanten zu denken haben, und das Beieinander der Worte &#039;&#039;retten&#039;&#039; und &#039;&#039;richten&#039;&#039; lässt an das Buch der Richter denken, so dass hier ersteres vorzuziehen ist: Wie im Buch der Richter werden auch dereinst zur Rettung Israels „Retter“ aufstehen.&amp;lt;/ref&amp;gt; werden auf den Berg Zion&amp;lt;ref name=&amp;quot;Zion&amp;quot; /&amp;gt; hinaufziehen, {{par|Richter|2|16}}{{par|Richter|3|9}}{{par|2 Könige|13|5}}{{par|Jesaja|19|20}}{{par|Joel|2|32}}&lt;br /&gt;
_ Um den Berg Esau&amp;lt;ref name=&amp;quot;Berg Esau&amp;quot; /&amp;gt; zu richten (über den Berg Esau zu herrschen).&amp;lt;ref&amp;gt;Oder: „&#039;&#039;Und die Retter vom Berg Zion werden zum Richten/Herrschen auf den Berg Esau hinaufziehen&#039;&#039;.“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Exegese wird diskutiert, ob das Wort für „Richten“ hier im positiven Sinne als „beherrschen“ oder im negativen Sinne als „Bestrafen“ zu verstehen sei, da das Wort beide Bedeutungen haben kann. Im Kontext des Obadjabuches und vor dem Hintergrund von V. 18 wird man hier sicher nicht an ersteres denken dürfen (so z.B. auch Dicou 1994 S 29; Jenson 2009, S. 26).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und das Königtum wird JHWHs sein.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Und das Königtum wird JHWHs sein&#039;&#039; - Die Rede vom Königtum Gottes findet sich häufig in der Bibel. Hier weitet er noch einmal, das Buch abschließend, die Perspektive: Nicht nur politisch, sondern auch religiös wird Israel/Juda triumphieren; JHWH wird zum &#039;&#039;universalen&#039;&#039; Gott (s. z.B. [[Psalm 22#s29 |Ps 22,29-32]]; [[Sacharja 14#s9 |Sach 14,9-19]]; zum Gedanken vgl. noch [[Psalm 102#s14 |Ps 102,14-23]]; [[Jesaja 45#s14 |Jes 45,14-17]]; [[Micha 4#s1 |Mi 4,1-4]]). Diese beiden Hoffnungen hängen oft eng zusammen: Gerade die Herrlichkeit des wiederhergestellten und herrlichen Israels wird die Heiden zur Hinwendung zu JHWH veranlassen, s. z.B. die sehr ähnliche Stelle [[Ezechiel 37#s21 |Ez 37,21-28]].&amp;lt;/ref&amp;gt;{{par|Psalm|22|29}}{{par|Psalm|102|14|17}}{{par|Jesaja|9|6|7}}{{par|Sacharja|14|9}}{{par|Matthäus|6|10}}{{par|Lukas|1|32|33}}{{par|Offenbarung|11|5}}{{par|Offenbarung|19|6}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
Das kleine Buch Obadja gehört zu einer Gruppe von Texten, die sich durch einen verblüffend ausgeprägten Edom-hass auszeichnen ([[Psalm 137#s7 |Ps 137,7]]; [[Jesaja 34 |Jes 34]]; [[Jesaja 63#s1 |63,1-6]]; [[Jeremia 49#s7 |Jer 49,7-22]]; [[Klagelieder 4#s18|Klg 4,18-22]]; [[Ezechiel 2#s12 |Ez 2,12-14]]; [[Ezechiel 35#s1 |35,1-15]]; [[Ezechiel 36#s15 |36,15]] [[Joel 4#s19 |Joel 4,19-21]]; [[Amos 9#s12 |Am 9,12]]; [[Maleachi 1#s2 |Mal 1,2-4]]) und die sich nur verstehen lassen, wenn man die historischen Hintergründe dieser Texte zumindest in Grundzügen kennt. Was man aus diesen Texten ungefähr an diesen Hintergründen rekonstruieren kann, ist folgendes: Als in den Jahren 587-586 v. Chr. die Babylonier in Juda einfielen (s. [[2 Könige 25 |2 Kön 25]]), Jerusalem und den Tempel zerstörten und einen großen Teil der judäischen Oberschicht ins Exil entführte - die größte Katastrophe in der Geschichte Israels bis zum Jüdischen Krieg in den Jahren 66-74 n. Chr. -, war Israels Nachbarstaat Edom ein Bündnis mit Babylon eingegangen und auf irgend eine Weise an der Eroberung Judas beteiligt gewesen. Dabei darf man Edoms faktische Rolle bei der Eroberung Judas wohl nicht überbetonen: Auffallend ist, dass mit zunehmendem zeitlichen Abstand zum Fall Judas die Vorwürfe an Edom immer größer werden, bis hin zur Behauptung, nicht Babylon, sondern Edom habe den Jerusalemer Tempel zerstört (1Esdras 4,45; äthHen 89,66; vgl. bes. Tebes 2011); bedenklich ist außerdem, dass nach [[Jesaja 40#s11 |Jes 40,11]] einige Flüchtlinge Judas offenbar sogar Unterschlupf in Edom gefunden hatten. In welchem Ausmaß also Edom historisch an der Eroberung Judas beteiligt war, ist unsicher; &#039;&#039;dass&#039;&#039; Edom eine Rolle gespielt hatte, darf als gesichert gelten (vgl. Albertz 2001, S. 151; Assis 2006, S. 2-4; Dicou 1994 S. 184.).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Doch lange währte auch das Bündnis zwischen Edom und Babylon nicht: Im Jahre 553 fielen die Babylonier in Edom ein, und als daraufhin auch noch die (Vorfahren der) Nabatäer begannen, in Edom Fuß zu fassen, wichen die Edomiter nach und nach nach Westen aus und siedelten in der Negev-Region an - einem Gebiet, das ursprünglich unter judäischer Herrschaft gestanden hatte. Der ausgeprägte Edomhass der Judäer ist wohl v.a. als Reaktion auf diese Okkupation ihrer ursprünglichen Gebiete zu sehen (vgl. Assis 2006, S. 4; Becking 2016, S. 3; Dicou 1994, S. 187).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Vv. 2-7&amp;lt;ref&amp;gt;die wegen der verwendeten Verbformen nur als Bericht über &#039;&#039;bereits geschehene&#039;&#039; (vgl. Baudissin 1901, S. 513; Nowack 1922, S. 172.174; van Hoonacker 1908, S. 293f.; Wellhausen 1893, S. 204) oder evt. &#039;&#039;aktuell geschehende&#039;&#039; (so Jeremias 2007; Marti 1904), nicht aber als &#039;&#039;noch ausstehende&#039;&#039; Ereignisse aufgefasst werden können&amp;lt;/ref&amp;gt; thematisieren diese Niederlage Edoms; die Rolle Edoms bei der Eroberung Judas wird berichtet in Vv. 10-14 und auf den erfolgten Einzug der Edomiter in die Negev-region weist V. 19 hin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Auseinandersetzung mit diesen historischen Geschehnissen entstand also das Buch Obadja, das sich an ihnen abarbeitet, indem es von ihnen ausgehend eine Umkehrung der Verhältnisse prophezeit:&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;&#039;Vv. 1b-7f&#039;&#039;&#039; wird zunächst die bereits erfolgte Niederlage der Edomiter unter die Babylonier uminterpretiert als Handeln JHWHs: JHWH war es, der nicht nur den „Nationen“ den Befehl zum Einfall in Edom gab, sondern sogar an der Spitze des Heeres mit in den Krieg zog und sie so selbst zur „kleinsten und verächtlichsten“ aller Nationen machte. &#039;&#039;&#039;Vv. 1b-4&#039;&#039;&#039; erfüllen dabei die Funktion dieser Uminterpretation, in &#039;&#039;&#039;Vv. 5-7f&#039;&#039;&#039; fügt der Sprecher selbst noch eine sogenannte „Stadtklage“ an, in der er sarkastisch den Untergang Edoms bedauert.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Doch diese bereits erfolgte Niederlage war erst der Anfang: Ab V. 7g wechselt das Thema von der bereits erfolgten Niederlage Edoms zur endgültigen Vernichtung Edoms und aller anderen Israel umgebenden Völkern am „Tag JHWHs“. &#039;&#039;&#039;Vv. 7g-14&#039;&#039;&#039; sprechen davon in Form eines „Gerichtswortes“ an Edom: &#039;&#039;&#039;Vv. 7g-9&#039;&#039;&#039; tun einleitend das Urteil kund - jedermann vom Berg Esau wird „ausgerottet werden“ - und &#039;&#039;&#039;Vv. 10-14&#039;&#039;&#039; liefern die Begründung nach, wobei &#039;&#039;&#039;Vv. 12-14&#039;&#039;&#039; die Entfaltung der eigentlichen Begründung in &#039;&#039;&#039;Vv. 10-11&#039;&#039;&#039; sind.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vv. 15-21&#039;&#039;&#039; wechselt wieder die Perspektive: Nicht nur Edom wird am Tag JHWHs gänzlich vernichtet werden, sondern „alle Nationen“ werden dann „sein, als ob sie nie gewesen wären“. &#039;&#039;&#039;Vv. 15-18&#039;&#039;&#039; sind dabei die Überleitung, die nach und nach den Fokus weiten, nämlich in &#039;&#039;&#039;Vv. 15-16&#039;&#039;&#039; von „Edom“ zu „allen Nationen“ und in &#039;&#039;&#039;Vv. 17-18&#039;&#039;&#039; von „Edom“ zu „Juda“ und „Israel“, so dass in &#039;&#039;&#039;Vv. 19-20&#039;&#039;&#039; schließlich ganz von „Juda/Israel“ im Verhältnis zu „den Nationen“ sprechen können, von denen Edom nur noch ein Sonderfall ist.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Mit &#039;&#039;&#039;V. 21&#039;&#039;&#039; schließlich endet das Buch Obadja in einer abschließenden „Heilsverheißung“, nämlich der Verheißung der Wiederherstellung Zions und einer Heilszeit, in der Gott allen alles in allem sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Exodus_19&amp;diff=40236</id>
		<title>Exodus 19</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Exodus_19&amp;diff=40236"/>
		<updated>2025-10-31T09:28:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Syntax&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Zuverlässige Studienfassung}} &lt;br /&gt;
{{Lesefassung kann erstellt werden}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Lesefassung}} &lt;br /&gt;
{{L|1}}&lt;br /&gt;
{{L|2}}&lt;br /&gt;
{{L|3}}&lt;br /&gt;
{{L|4}}&lt;br /&gt;
{{L|5}}&lt;br /&gt;
{{L|6}}&lt;br /&gt;
{{L|7}}&lt;br /&gt;
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{{L|9}}&lt;br /&gt;
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{{L|11}}&lt;br /&gt;
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{{L|13}}&lt;br /&gt;
{{L|14}}&lt;br /&gt;
{{L|15}}&lt;br /&gt;
{{L|16}}&lt;br /&gt;
{{L|17}}&lt;br /&gt;
{{L|18}}&lt;br /&gt;
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{{L|20}}&lt;br /&gt;
{{L|21}}&lt;br /&gt;
{{L|22}}&lt;br /&gt;
{{L|23}}&lt;br /&gt;
{{L|24}}&lt;br /&gt;
{{L|25}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|1}} Zum dritten Neumond (Im dritten Monat), nachdem die Israeliten (Söhne Israels) aus dem Land Ägypten ausgezogen waren, an diesem Tag (am selben Tag, am ebensovielten Tag)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Zum dritten Neumond..., an diesem Tag&#039;&#039; - Etwas unklare Zeitangabe. Wahrscheinlich ist sie mit der Marotte eines oder mehrerer Autoren der Priesterschrift zu erklären, nicht nur Großabschnitte mit Zeitangabe statt mit Verb zu einzuleiten (vgl. z.B. Booij 1984, S. 17), sondern auch noch diverse Großereignisse der Heilsgeschichte Israels überflüssig mit „an diesem Tag“ hervorzuheben ([[Genesis 7#s11 |Gen 7,11]]: Sintflut; [[Exodus 12#s14 |Ex 12,14.17.41]]: Pesach; [[Leviticus 8#s34 |Lev 8,34]]: Priesterweihe; [[Leviticus 16#s30 |16,30]]: Jom Kippur; gut z.B. Ramban; Propp 2006; Leder 2010, S. 296), was hier zu der redundanten Formulierung „&#039;&#039;zum dritten Neumond, ... an diesem Tag&#039;&#039;“ führt. In jedem Fall ist auch nach dieser Zeitangabe klar, dass mit dem Auszug aus Ägypten eine neue Ära angebrochen ist, die eine neue Zeitrechnung erforderlich macht: „&#039;&#039;[Der Vers] lehrt, dass man die Monate/Neumonde vom Auszug der Israeliten an zählte&#039;&#039;“ (Mechilta, Baḥodeš 1; s. [[Exodus 12#2 |Ex 12,2]]: „&#039;&#039;Dieser Monat [des Auszugs aus Ägypten] soll euch der Erste der Monate [im Jahr] sein!&#039;&#039;“).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Genauer&#039;&#039;&#039;: Die Zeitangabe wurde auch deshalb schon seit frühester Zeit stark diskutiert, weil im Judentum u.a. an dieser Zeitangabe das Datum des Wochenfests festgemacht wurde (s. z.B. die Diskussion im Talmud, j.Meg iii 6). &#039;&#039;ḥodš&#039;&#039; könnte entweder der „Monat“ oder der „Neumond“ sein, was zunächst auf Ähnliches hinausliefe, da der Kalender des Alten Israel ein Mondkalender und der Neumond daher der Beginn eines neuen Monats war. Unklar ist dann aber das folgende &#039;&#039;an diesem / am selben / am ebensovielten Tag&#039;&#039;:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Muss man &#039;&#039;ḥodš&#039;&#039; i.S.v. „Neumond“ nehmen, so dass mit dem Wort von einem bestimmten Tag die Rede wäre, und dieser Tag würde hier unnötigerweise noch einmal hervorgehoben? „Am 1.3. Anno Exodi, an exakt diesem Tag“ (so z.B. Chizkuni; Kass 2021; R-S: „Am dritten Neumond ..., genau auf den Tag“)? Diese Deutung wird im Judentum präferiert (z.B. bei Jacob 1997; Cassuto 1967; Sarna 1991), da sich für das Wochenfest das Datum 50 Tage nach Pesach durchgesetzt hat ([[Leviticus 23#s15 |Lev 23,15-17]]). Der 1.3. wäre dann 45 Tage nach dem 15.1., und die Geschehnisse in Kap. 19 kann man mit etwas gutem Willen auf fünf Tage verteilen, so dass die 10 Gebote in Kap. 20 exakt am Datum des Wochenfests offenbart worden wären, an dem Ex 19-20 auch nach der jüdischen Leseordnung jeweils zu lesen ist.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Muss man &#039;&#039;ḥodš&#039;&#039; i.S.v. „Monat“ nehmen...&amp;lt;br /&amp;gt;(2a) ... und „an diesem Tag“ heißt ohne Parallelen „am Ersten diesen Monats“, was auf das selbe Datum wie (1) hinausliefe (so TgJ; Sforno; Utzschneider 2017, S. 12; HfA: „Genau am 1. Tag des 3. Monats“)?&amp;lt;br /&amp;gt;(2b) ... und „am selben Tag“ heißt „am ebensovielten Tag wie der Auszug aus Ägypten“, also am „15.3.“ (s. [[Exodus 12#s6 |Ex 12,6]].[[Exodus 12#s18 |18]]; so z.B. Houtman 1996; Dohmen 2004; BB: „Genau drei Monate nach dem Auszug aus Ägypten“)? Dann wären die Israeliten am 15.1. aus Ägypten ausgezogen, am 15.2. zur Wüste Sin gekommen ([[Exodus 16#s1 |Ex 16,1]]) und am 15.3. zur Wüste Sinai.&amp;lt;br /&amp;gt;(2c) ... und „am selben Tag“ bezöge sich auf das &#039;&#039;dritte&#039;&#039; in „im dritten Monat“, also „am 3.3.“ (so Tirinus, Menochio, Cornelius a Lapide; schon Talmud)?&amp;lt;br /&amp;gt;(2d) ... und „an diesem Tag“ funktioniert ähnlich wie das „das ist heute“ in der Gründonnerstagsliturgie und soll zum Ausdruck bringen, dass die Geschehnisse am Sinai nie passé, sondern immer aktuell sind (ganz fernliegend; so aber der Midrasch Tanchuma Buber; Raschi; Jacob 1997 und Markl 2007, S. 61f. gleichzeitig mit (1); auch EÜ 80, HER05: „Im dritten Monat ... - am heutigen Tag - ...“)?&amp;lt;/ref&amp;gt; kamen sie in die Wüste Sinai (Sin):&amp;lt;ref&amp;gt;Syr: &#039;&#039;in die Wüste Sin&#039;&#039;; alle anderen Versionen: &#039;&#039;Sinai&#039;&#039;. Nach der Logik von Ex ist Syr natürlich Unsinn; in der Wüste Sin waren die Israeliten schon vor vielen Tagen (s. [[Exodus 16#s1 |Ex 16,1]]). Doch die Variante in Syr ist vielsagend: Wie der Name „Sinai“ zu erklären ist und warum für den „Berg Sinai“ an manchen Stellen „Berg Horeb“ steht, ist umstritten; eine beliebte Erklärung ist aber, dass &#039;&#039;Sin-ai&#039;&#039; soviel heißt wie „der [Berg] in der Wüste Sin“ (vgl. z.B. Clifford 1972, S. 109; zur Lage der Wüste s. [https://www.bibelwissenschaft.de/fileadmin/buh_bibelmodul/media/wibi/map/map_WILAT_Sin_1.jpg WiBiLex]) und dass man dies in manchen Quellen durch &#039;&#039;Horeb&#039;&#039; („Wüstenei, Wildnis“) ersetzt hätte, weil auch der syrische Gott des Mondes „Sin“ hieß, so dass der biblische Gott den Israelten sonst „auf dem [Berg] des [Gottes] Sin“ begegnet wäre (z.B. Wyatt 2001, S. 93). Hat Syr dissimiliert, indem sie zunächst mit „Wüste Sin“ grob das Gebiet des Lagerns umrissen und dann mit „Wüste Sinai“ genauer den Teil der Wüste um den „Berg Sinai“ angegeben hat? Dann würde das die Herleitung des Namens des Berges von der Wüste Sin und seine Lokalisierung in derselben stützen – denn wo der „Berg Sinai / Horeb“ liegt, ist nicht einmal ungefähr klar; zu 14 (!) verschiedenen in der Literatur diskutierten Orten s. [https://www.openbible.info/geo/ancient/abfba2a/mount-sinai OpenBible].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|2}} Sie zogen von Refidim fort, kamen in die Wüste Sinai und lagerten in der Wüste. Israel lagerte dort gegenüber dem Berg.&amp;lt;ref&amp;gt;Vv. 1-2 kann man zur Not so lesen, dass V. 1 eine Kurzfassung der Reise mit Betonung des Zielorts gibt und V. 2 dann noch einmal im Einzelnen auseinanderlegt, woher genau die Israeliten kamen und wo genau sie ihr Lager aufschlugen. Da in [[Numeri 10#s12 |Num 10,12]] und [[Numeri 10#s33 |Num 10,33.35]]; [[Numeri 12#s16 |12,16]] aber auch doppelt von der Wüste Sinai / dem Berg JHWHs aufgebrochen und nach Paran gewandert wird, ist klar, dass Vv. 1.2a aus zwei unterschiedlichen Quellen stammen (vgl. Davies 1983, S. 3f.; =&amp;gt; Redaktionskritik).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Dass V. 1 aus P stammt, ist offensichtlich (s.o.); 2a (dazu vgl. [[Exodus 12#s37 |Ex 12,37a]]; [[Exodus 13#s20 |13,20]]; [[Exodus 16#s1 |16,1]]; [[Exodus 17#s1 |17,1]] und z.B. Hutzli 2023, S. 267) gehört demnach zu einer älteren Quelle als P – wahrscheinlich zu J, s. die Anmerkungen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|3}} Mose indes stieg hinauf zu Gott.&amp;lt;ref&amp;gt;Nach jüd. Auslegung am zweiten Tag, s. Mechilta; Raschi.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und JHWH rief ihm vom Berg her zu {wie folgt}:&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;„So sollst du zur Familie (zum Haus) Jakobs sagen&lt;br /&gt;
und den Kindern (Söhnen) Israels&amp;lt;ref name=&amp;quot;Familie&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;Familie Jakobs ... Söhne Israels&#039;&#039; - w. „&#039;&#039;Haus&#039;&#039; Jakobs“; eine wörtl. Übersetzung verschleiert aber, dass „Haus Jakobs“ eine &#039;&#039;soziale&#039;&#039; Größe ist: „Haus“ ist eine häufige Wechselbezeichnung für das „Haus eines Vaters“, also für die Sozialstruktur der Großfamilie, bei der um den Wohnsitz eines Stammvaters herum die Wohnsitze seiner Nachkommen angeordnet sind. Dem entspricht in der nächsten Zeile die Rede von den „&#039;&#039;Kindern&#039;&#039; Israels“. &#039;&#039;Israel&#039;&#039; ist dabei bekanntlich Zweitname des Patriarchen Jakobs, weshalb auch in 3c &#039;&#039;Jakob&#039;&#039; als Wechselbegriff für „Israel“ verwendet werden kann. Gott wendet sich an Israel also zu Beginn dieses kurzen Gedichts mit zwei &#039;&#039;Familien&#039;&#039;-Begriffen (ähnlich gut Kass 2021, S. 290: „vor-nationale oder vor-staatliche Bezeichnungen“), was dadurch noch verstärkt wird, dass das Volk näher bestimmt wird als die Nachkommenschaft ihres gemeinsamen Vorfahren Jakob/Israel.&amp;lt;br /&amp;gt;In V. 6 werden am Ende des Gedichts nach der Rede vom „Vertrag“ dagegen demonstrativ zwei &#039;&#039;politische&#039;&#039; Begriffe verwendet: &#039;&#039;heilige Nation&#039;&#039; statt dem üblichen „heiliges &#039;&#039;Volk&#039;&#039;“, weil &#039;&#039;´am&#039;&#039; („Volk“) ursprünglich ebenfalls ein Begriff aus dem Umfeld der Familie ist (gut z.B. Schüssler Fiorenza 1972, S. 136; Hausmann 1999, S. 113), und &#039;&#039;Königreich&#039;&#039; (s. dazu dort): Hier wird ein &#039;&#039;Staatsvertrag&#039;&#039; geschlossen.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Weder aus dem im AT singulären Parallelismus „Haus Jakobs ... / Söhne Israels“ noch aus den Ausdrücken „heilige Nation“ statt „heiliges Volk“ ([[Deuteronomium 7#s6 |Dtn 7,6]]; [[Deuteronomium 14#s2 |14,2]].[[Deuteronomium 14#s21 |21]]; [[Deuteronomium 26#s19 |26,19]]; [[Deuteronomium 28#s9 |28,9]]; [[Weisheit 17#s2 |Weish 17,2]]) und „Vasall“ statt „Vasallen-Volk“ ([[Deuteronomium 7#s6 |Dtn 7,6]]; [[Deuteronomium 14#s2 |14,2]]; [[Deuteronomium 26#s18 |26,18]]) darf man daher automatisch Rückschlüsse auf die Entstehungszeit von Vv. 3-8 ziehen (so z.B. Perlitt 1969, S. 169-174; Ska 2009 [=1999], S. 144.146; Gertz 2000, S. 227; Römer 2009, S. 133; =&amp;gt; Redaktionskritik), da sie rhetorisch zu erklären sind. Das Adler-Wort in V. 4 ist ein altes Mythem (s. dort) und braucht gar keine biblische Quelle; wenn außerdem wirklich bei V. 4 und [[Deuteronomium 32#s11 |Dtn 32,11]] eine Stelle die andere beeinflusst hat, geht die Richtung gewiss von unserem Vers zu Dtn, da die Vorstellung dort komplexer ist. Die Bundestheologie in Vv. 3-8 ist auch klar deuteronom(ist)isch und nicht (nach)priesterschriftlich (richtig Perlitt 1969, S. 171; Aurelius 2003, S. 151f.). Das einzige stärkere Argument für eine nach-deuteronomistische Entstehungszeit könnte also der Ausdruck „Königreich von Priestern“ sein. Dieser muss aber wahrscheinlicher sogar geradezu &#039;&#039;anti-priesterschriftlich&#039;&#039; verstanden werden (s.u.; vgl. dazu wie auch zu anderen Argumenten für nachdeuteronomistische Entstehungszeit Aurelius 2003, S. 141-151). Ist das richtig, sind insgesamt die Vv. 3-8 überdeutlich deuteronomistisch (vgl. zu diversen typischen Begriffen und weiteren Parallelen z.B. Baentsch 1903, S. 171; Dozeman 2009; Oswald 2014, S. 181).&amp;lt;/ref&amp;gt; erzählen:&lt;br /&gt;
{{S|4}} ‚Ihr&amp;lt;ref name=&amp;quot;atta&amp;quot;&amp;gt;Klangspiel: V. 4 beginnt mit &#039;&#039;`attem&#039;&#039; („ihr“), V. 5 mit &#039;&#039;(wa)´attah&#039;&#039; („und nun, daher“), V. 6 wieder mit &#039;&#039;(wa)`attem&#039;&#039; („ihr“); gut beobachtet von Beentjes 2006, S. 8f. Das unterstreicht die Logik der Verse: &#039;&#039;Ihr&#039;&#039; wurdet Zeugen davon, was ich tat, &#039;&#039;darum&#039;&#039; sollt ihr nun mein Eigentum sein: Die ganze Welt gehört zwar mir, &#039;&#039;ihr&#039;&#039; aber, die ihr Zeugen wurdet, sollt mein Königreich und meine Nation werden.&amp;lt;/ref&amp;gt; habt gesehen, &lt;br /&gt;
was ich an (in)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT: &#039;&#039;an Ägypten&#039;&#039;, d.h. „was ich den Ägyptern angetan habe“, z.B. am Schilfmeer. Viele Handschriften inkl. Tg-Hss. dagegen mit anderer Präp. &#039;&#039;in Ägypten&#039;&#039;, was sich nur auf die Plagen bezöge. Zwischen beiden Varianten lässt sich kaum entscheiden; die meisten Vrs. stützen aber MT.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ägypten getan habe&lt;br /&gt;
und [dass] ich euch auf Flügeln des Adlers (Gänsegeiers?)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Datei:Hasanlu-Schale.png|mini|Bild 2: Ausschnitt von der Goldschale von Hasanlu (10./9. Jhd. v. Chr.): Frau fliegt auf Adler gen Himmel; darüber das Reich der Götter. CC-BY-SA-4.0 via [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hasanlu-gold-cup.jpg Wikimedia]]]&amp;lt;div class=&amp;quot;tright&amp;quot; style=&amp;quot;clear:none&amp;quot;&amp;gt;[[Datei:Etana.png|mini|Bild 1: Ausschnitt aus Rollsiegel: Adler trägt Etana in den Himmel (24./23. Jhd. v. Chr.). (c) [https://www.britishmuseum.org/collection/object/W_1945-1013-24 BM 129480]]]&amp;lt;/div&amp;gt;[[Datei:Faustina.png|mini|Bild 4: Faustina die Jüngere reitet auf Adler. Römische Münze, spätes 2. Jhd. (c) [https://www.britishmuseum.org/collection/object/C_R-14738 BM, R. 14738]]]&amp;lt;div class=&amp;quot;tright&amp;quot; style=&amp;quot;clear:none&amp;quot;&amp;gt;[[Datei:Ganymed.jpg|mini|Bild 3: Entführung Ganymeds. Gemälde im palmyrenischen „Grab der drei Brüder“ (2. Jhd. n. Chr.). (c) [https://www.wmf.org/project/tomb-three-brothers wmf.org]]]&amp;lt;/div&amp;gt;Heb. &#039;&#039;nescher&#039;&#039;; trad. „&#039;&#039;Adler&#039;&#039;“. Spätestens, seit Tristram 1883, S. 172 erklärt hat, gemeint sein müsse der Gänsegeier, weil in [[Micha 1#s16 |Mi 1,16]] („Mache dich kahl und schere dich wegen der Kinder deiner Wonne; mach deine Kahlheit größer wie der &#039;&#039;nescher&#039;&#039;, denn sie wurden von dir hinweg exiliert!“) von der Kahlköpfigkeit dieses Vogels die Rede sei und weil das Arabische &#039;&#039;nissr&#039;&#039; klar den Gänsegeier meine, wird in Lexika (anders als in Kommentaren) immer häufiger stattdessen „Geier“ vorgeschlagen (z.B. Kronholm in ThWAT V, Sp. 680-689; Keel/Küchler/Uehlinger 1984, S. 154-157; [https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/12504/ Adler (WiBiLex)]; auführlich auch Schroer 1996 und nach ihr Wüste 2018, S. 160-163; letztlich zeigt Schroer aber nur, dass im Orient übrigens häufig auch Geier abgebildet wurden). Hier daher auch Dohmen 2004: „Dann habe ich euch auf Geiersflügeln getragen.“ (ebenso z.B. Propp 2006; Utzschneider 2017, S. 13. Dagegen z.B. Houtman 1996; Dozeman 2009; Albertz 2015: „Adler“).&amp;lt;br /&amp;gt;Plinius berichtet in NatHist X 3, dass von alten Naturkundlern bisweilen z.B. auch der Lämmergeier zur Gattung der „Adler“ gerechnet wurde; wahrscheinlich lassen sich die beiden Vögel terminologisch also nicht so klar scheiden, wie Exegeten dies gerne hätten. Ob daher jeweils besser mit „Adler“ oder „Geier“ zu übersetzen ist, hängt vom jeweiligen Kontext ab (so am sinnvollsten UBS 1980, S. 82). Und der spricht hier und im parallelen Vers [[Deuteronoium 32#s11 |Dtn 32,11]] sehr stark für „Adler“:&amp;lt;br /&amp;gt;Dass Menschen von Adlern getragen worden seien, ist ein verbreitetes Motiv in der Mythologie. Der sumerische König Etana etwa wird im gleichnamigen Epos (24. Jhd. v. Chr.?) von einem Adler zum Himmel getragen (Bild 1). Auf der [https://www.penn.museum/sites/expedition/the-hasanlu-gold-bowl/ Goldschale von Hasanlu] (10./9. Jhd. v. Chr.?) reitet eine unbekannte Frau auf einem Adler hinauf zum Reich der Götter (Bild 2). Aelian berichtet in NA XII.21 davon, „Gilgamosch“ [sic] sei, als er als Säugling aus dem Fenster geworfen werden sollte, von einem Adler gerettet und zu seiner Ziehmutter getragen worden. Henkelman 2006, S. 823-825 vermutet als direkte Quelle Ktesias von Knidos (5./4. Jhd. v. Chr.), der dies wiederum aus mesopotamischen Quellen geschöpft hätte. Zeus entführt Ganymed in Gestalt eines Adlers zum Olymp, und weil dies als Allegorie für den Transport von Seelen in den Himmel verstanden wurde, mauserten sich (Ganymed und) der Adler zu einem der häufigsten Motive in nabatäischen und palmyrenischen Gräbern (Bild 3). Auf römischen Darstellungen reiten Kaiser:innen v.a. des 2. Jhds. sogar häufig auf Adlern (Bild 4); dies steht für ihre „Apotheose“ oder „Vergöttlichung“ (vgl. z.B. Filipek 2023, S. 17), also eine andere Art der Himmelfahrt. Nach vier dieser fünf Zeugnisse dürfte der Transport auf Adlerflügeln also ein aufgeladenes Bild sein, das den Sinai auf eine Stufe mit dem Himmelreich hebt (gut Graupner 2021, S. 373. Alternativ müsste man den Ausdruck verstehen als Metapher dafür, dass die zurückgelegte Reise schnell und beschwingt wie auf Adlers Flügeln vonstatten ging, was nach den vorangegangenen Kapiteln absurd wäre [so aber z.B. Albertz 2015: „(gesprochen) mit einem kleinen verzeihenden Lächeln“]). Allerdings ist der Sinai nicht der Olymp (zu etwas ähnlichem wird er erst in [[Exodus 24#s9 |Ex 24,9f.]] werden): Gott hat als Adler die Israeliten &#039;&#039;zu sich&#039;&#039; gebracht; der Sinai ist olympisch erst durch seine Anwesenheit.&amp;lt;br /&amp;gt;In [[Deuteronomium 32#s11 |Dtn 32,11]] ist dieses Bild mit einem weiteren verbreiteten Volksglauben verquickt: In „&#039;&#039;Wie ein Adler sein Nest aufstört, über seinen Jungen schwebt, seine Flügel ausbreitet, es&#039;&#039; [= Israel] &#039;&#039;aufnimmt, es trägt auf seinen Schwingen&#039;&#039;“ spielen die letzten drei Verben auf die selbe Vorstellung wie unser Vers an, die ersten beiden dagegen auf den Glauben, Adler scheuchten ihre Jungen aus dem Nest (wonach sie vom Bartgeier großgezogen würden; vgl. Aristoteles, HistAn IX 23.2; Plinius, NatHist X 3; Ambrosius, Hex V 18.60 u.ö.). Im Gegensatz zum Adler hat Gott die Israeliten aus ihrem Nest gescheucht, um sie dann auf Adlers Schwingen zu tragen.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Genauer&#039;&#039;&#039;: Auch darüber hinaus sind Tristrams Argumente ohnehin nicht sehr stark. Ob auch in den alten arabischen Zeugnissen mit &#039;&#039;nisr&#039;&#039; wirklich stets der Gänsegeier gemeint ist, lässt sich gar nicht beurteilen; meist wird es ebenso wie arab. &#039;&#039;nasr&#039;&#039; als Bezeichnung sowohl für den Geier als auch für den Adler verstanden. Verwandt ist z.B. akk. &#039;&#039;našru&#039;&#039;, ein nur einmal in einem Glossar belegtes Synonym für &#039;&#039;erû&#039;&#039; („Adler“). Dass weiter Mi 1,16 auf die Glatzköpfigkeit des &#039;&#039;nescher&#039;&#039; abziele, ist auch überhaupt nicht klar. Gerade die Kahlheit am &#039;&#039;Kopf&#039;&#039; kann ein &#039;&#039;nescher&#039;&#039; ja nicht „vergrößern“. Den Schlüssel zu diesem Vers dürfte [[Psalm 103#s5 |Ps 103,5]] enthalten: Dieser Vers spricht davon, dass ein &#039;&#039;nescher&#039;&#039; „seine Jugend erneut“. Auch das passt am besten zum Adler; vgl. Physiologus 6 (2.-4. Jhd.): „&#039;&#039;Wenn der Adler alt wird, so werden seine Flügel schwer und seine Augen verdunkeln sich. Dann sucht er eine klare Quelle und fliegt von hier empor zur Sonne, wo er die Flügel und Augen ausbrennt. Darauf lässt er sich herab in die Quelle, taucht dreimal darin unter und wird so verjüngt.&#039;&#039;“ (Üs.: [http://manuscripts.org.uk/chd.dk/misc/lauchert.html Lauchert]. Auf diesen Mythos wird gewiss auch im Etana-Epos angespielt, als der federlose Adler Tag für Tag zum Sonnengott Schamasch betet und dieser ihm daraufhin Etana schickt, mit dessen Hilfe ihm neues Gefieder wächst. Abgebildet findet man diese Vorstellung z.B. [http://www.bl.uk/manuscripts/Viewer.aspx?ref=royal_ms_12_c_xix_f038r hier]). Alte Ausleger haben daher Ps 103,5 entweder direkt mit diesem Mythos erklärt oder mit der Mauser, mit der Adler ebenfalls ihr Gefieder erneuten und sich so „verjüngten“ (vgl. z.B. Maximus von Turin [4. Jhd.], Sermo 55; Saadja; Raschi; weitere bei [https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb10409820?page=88,89 Bochart II S. 168f.]; zum sich mausernden Adler z.B. auch Wünch 2016, S. 3). Auf beide Weisen würde der Adler seine „Kahlheit“ sogar maximal „vergrößern“, anders als der Geier. Ich (S.W.) bin daher unsicher, ob es überhaupt an einer Stelle sinnvoll ist, von der üblichen Üs. „Adler“ abzugehen.&amp;lt;br /&amp;gt;[[Datei:Greif und Adler.png|mini|Bild 6: Oben: Vergleich von Vogel-Apkallu mit Mönchsgeier. (c) Huxley 2000, S. 131.&amp;lt;br /&amp;gt;Unten: Assyrisches Rollsiegel (12./11. Jhd. v. Chr.): Greif und Vogel-Apkallu kämpfen um Bullen. (c) [https://www.themorgan.org/seals-and-tablets/84236 Morgan Seal 608]]]&amp;lt;div class=&amp;quot;tright&amp;quot; style=&amp;quot;clear:none&amp;quot;&amp;gt;[[Datei:Nisroch.jpg|mini|Bild 5: Nisroch-Apkallu (?). Assyrisches Relief, 9. Jhd. v. Chr. (c) [https://tammuz.tumblr.com/post/82690473352/relief-depicting-the-eagle-headed-assyrian-god Babylon Chronicles]]]&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ein weiteres schwaches Indiz könnte schließlich auch noch der assyrische &#039;&#039;Nisroch&#039;&#039; sein, von dem [[2 Könige 19#s37 |2 Kön 19,37]] = [[Jesaja 37#s38 |Jes 37,38]] sprechen. Nach Layard 1850, S. 260 wurde er häufig mit dem Götterwesen auf Bild 5, das vor allem auf und an vielen assyrischen Portalen abgebildet ist, und als &#039;&#039;nišr-ok&#039;&#039; mit heb. &#039;&#039;našr&#039;&#039;, arab. &#039;&#039;nasr&#039;&#039; / &#039;&#039;nisr&#039;&#039;, akk. &#039;&#039;našru&#039;&#039; und [https://en.wiktionary.org/wiki/Reconstruction:Proto-West_Semitic/na%C5%A1r- weiteren sem. Kognaten] in Verbindung gebracht und dann als „Großer Adler“ erklärt. Eingewandt wurde ebenso häufig, dass im Akkadischen das Wort &#039;&#039;nišr-&#039;&#039; gar nicht und der Göttername &#039;&#039;Nisroch&#039;&#039; nur in der Bibel belegt sei (vgl. zur Diskussion z.B. DDD, S. 630-632; Kraeling 1933). Das für sich wären noch keine starken Argumente: Ersteres ist seit der Veröffentlichung des Glossars mit &#039;&#039;našru&#039;&#039; nicht mehr richtig, letzteres hat wenig Schlagkraft, da es für viele kleine Götter und viele Beinamen auch bekannter Götter im Akkadischen nur je einen Beleg gibt. Seit Wiggerman 1992, bes. S. 75f. ist aber klar, dass es sich bei diesem Vogelwesen nicht um einen Gott im engen Sinn handelt, sondern um einen göttlichen &#039;&#039;Apkallu&#039;&#039; (hier: „exorzierender Schutzgeist“). Dennoch könnte dieses Wesen mit „&#039;&#039;Nisroch&#039;&#039;“ gemeint sein: Josephus fasst &#039;&#039;Nisroch&#039;&#039; in JosAnt x 5,1 nicht als Götternamen, sondern als Bezeichnung des Tempels, das dann also das „Nisroch-Haus seines Gottes“ wäre. Das lässt der hebräische Text zu. Wir wissen erstens, dass dieses Vogelwesen erst seit der Zeit Sennacheribs prominent in Tempeln und Palästen dargestellt war (vgl. Black/Green 1998, S. 143) und zweitens, dass Sennacherib in der Tat den Tempel „seines Gottes Assur“ mit diesem Vogelwesen ausgestattet hatte (vgl. z.B. Huxley 2000, S. 128-130). Ist „Nisroch“ wirklich der oben abgebildete Schutzgeist und konnte ein Tempel nach diesem als „Nisroch-Haus“ bezeichnet werden – beides unsichere Annahmen –, wären 2 Kön 19,37; Jes 37,38 ironisch zu verstehen: Gerade im erst seit Neuestem nach diesem Schutzgeist benannten und von ihm behüteten „Haus“ wäre Sennacherib mitten im Gebet von seinen beiden Söhnen erschlagen worden. Ist das richtig, wäre auch die Rede vom „Nisroch-Haus“ ein Indiz dafür, dass heb. &#039;&#039;nescher&#039;&#039; mindestens &#039;&#039;auch&#039;&#039; den Adler bezeichnen konnte: Der Kopf des &#039;&#039;Apkallu&#039;&#039; ist klar ein Adlerkopf. Huxley 2000, S. 130-132 hat zwar stark dafür argumentiert, dass das markante Kopfgefieder das Gefieder am Hals eines Mönchsgeiers darstellen soll, aber das Kopfgefieder ist exakt das selbe wie beim assyrischen Greifen, was sehr stark dafür spricht, dass es ein Adlerkopf sein soll.&amp;lt;/ref&amp;gt; getragen habe&lt;br /&gt;
und euch zu mir gebracht habe.&lt;br /&gt;
{{S|5}} Wenn (Und nun: Wenn) ihr daher&amp;lt;ref name=&amp;quot;atta&amp;quot; /&amp;gt; {hörend} auf meine Stimme hören werdet (wollt)&lt;br /&gt;
und den Vertrag (Bund)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Vertrag&#039;&#039; - traditionell: „&#039;&#039;Bund&#039;&#039;“; ein Schlüsselwort des Ersten Testaments (&#039;&#039;testamentum&#039;&#039; übrigens ist die Üs. der VL dieses Worts). Der „Bund“ zwischen Gott und Mensch ist in der Bibel stets ein Vertrag &#039;&#039;inter impares&#039;&#039; (Lohfink 1964, S. 427) – also zwischen den Menschen hier unten und Gott da oben –, bei denen entweder der Ranghöhere sich selbst zur Unterstützung des Untergebenen verpflichtet oder bei der Untergebene wie hier zur Einhaltung von Geboten und Verordnungen verpflichtet wird. Gemeint ist nie eine „Gemeinschaft“ von Gott und Mensch, wie es im dt. Wort „Bund“ zum Ausdruck käme (richtig z.B. Kwakkel 2021, S. 36f.). Die klassische Übersetzung ist daher nicht sehr treffend. Was Mose hier im Auftrag Gottes dem Volk Israel antragen soll, ist richtiger ein bindender &#039;&#039;Vertrag&#039;&#039;. S. näher zu „heilig“ und in den Anmerkungen.&amp;lt;/ref&amp;gt; mit mir halten (meinen Bund bewahren) werdet (wollt),&lt;br /&gt;
sollt (werdet)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;sollt (werdet)&#039;&#039; - Wie sich V. 5a zu 5b verhält, ist leicht umstritten. Nach dem üblichen antiken Vertragsformular (s. z.B. Altman 2004, S. 48) zu urteilen folgt hier nach der Eröffnungsformel, in der die einstigen Wohltaten des ranghöheren Vertragspartners geschildert werden, direkt die Schlussformel, in der in einem Bedingungssatz die Folgen für das (Nicht-)Einhalten des Vertrags beschrieben werden. Vgl. zu dieser Schlussformel etwa im Vertrag von Muršili II. mit Manapa-Tarḫunta: „&#039;&#039;Wenn du alle diese Dinge tust[, die in diesem ausführlichen Vertrag soeben aufgezählt wurden,] werde ich [dich] als Untertan annehmen. Sei mein Verbündeter! In Zukunft sol[en für dich] diese Verpflichtungen gelten.&#039;&#039;“ (CTA 69.A i 58f., zitiert nach Christiansen/Devecchi 2013, S. 73). Zu dieser Minimalform des Vertrags s. die Anmerkungen.&amp;lt;br /&amp;gt;Patrick 1977, S. 148 und nach ihm z.B. Moberly 1983, S. 226f. FN 4 und Davies 2004, S. 43f. ziehen es vor, stattdessen 5a nicht als  Bedingungssatz zu lesen, sondern als logische Voraussetzung: „Wenn ihr 5a tut, hat das automatisch das in 5b-6 zur Folge“. Grammatisch ist das möglich; dass hier aber Israel ein Vertrag angetragen wird, macht wahrscheinlicher, dass 5a entsprechend dem üblichen Vertragsformular zu verstehen ist (s. die Anmerkungen). Vgl. auch noch [[Deuteronomium 28#s9 |Dtn 28,9]], wo (einmal wieder im Buch Dtn) unsere Stelle zitiert wird: „&#039;&#039;JHWH wird dich installieren für sich als heiliges Volk, wie er dir geschworen hat, &#039;&#039;wenn&#039;&#039; (&#039;&#039;ki&#039;&#039;) du die Gebote deines Gottes JHWH einhalten und auf seinen Wegen wandeln willst.&#039;&#039;“. Auch sonst passt Patricks Interpretation nicht zur Theologie des Dtn, s. zu „heilig“.&amp;lt;/ref&amp;gt; ihr mir (mein) Vasall (Erwerb)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Vasall (Erwerb)&#039;&#039; - Heb. &#039;&#039;sigulah&#039;&#039;, ein weiteres theologisches Schlüsselwort: Israel ist auch laut [[Psalm 135#s4 |Ps 135,4]] und [[Maleachi 3#s17 |Mal 3,17]] &#039;&#039;sigulah&#039;&#039; Gottes; in [[Deuteronomium 7#s6 |Dtn 7,6]]; [[Deuteronomium 14#s2 |14,2]]; [[Deuteronomium 26#s18 |26,18]]; [[Titus 2#s14 |Tit 2,14]] heißt Israel sehr ähnlich „&#039;&#039;sigulah&#039;&#039;-&#039;&#039;Volk&#039;&#039; Gottes“. Sehr nah ist auch der Ausdruck &#039;&#039;´am naḥalah&#039;&#039; („Erb-Volk Gottes“; [[Deuteronomium 4#s20 |Dtn 4,20]]; ähnlich [[Deuteronomium 9#s26 |Dtn 9,26.29]]; [[Deuteronomium 32#s9 |32,9]]; [[1 Könige 8#s51 |1 Kön 8,51.53]]). &#039;&#039;sigulah&#039;&#039; steht dabei entweder für den &#039;&#039;Gewinn&#039;&#039;, den Gott sich erarbeitet hat – genauer also dafür, dass Gott sich Israel als &#039;&#039;Eigentums&#039;&#039;-Volk für seine Befreiung aus Ägypten und Führung durch die Wüste &#039;&#039;erworben&#039;&#039; hat –, oder wegen dem folgenden Vers noch wahrscheinlicher für den &#039;&#039;Benefizianten-Stand&#039;&#039; Israels – genauer also dafür, dass Israel sich Gott &#039;&#039;für seine Wohltaten&#039;&#039; freiwillig &#039;&#039;als Untertan unterworfen&#039;&#039; hat. Beide Bedeutungen treffen sich am besten im Wort „Vasall“: Israel soll Gott für sein &#039;&#039;Beneficium&#039;&#039; der Befreiung aus Ägypten und Führung durch die Wüste die Vasallentreue schwören; im Gegenzug fordert Gott per Vasallenrecht die Einhaltung des Bundesbuchs in den folgenden Kapiteln.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Genauer&#039;&#039;&#039;: Der Unterschied zwischen den Begriffen &#039;&#039;sigulah&#039;&#039; und &#039;&#039;naḥalah&#039;&#039; lässt sich aus dem rabbinischen Hebräisch und der Verwendung des verwandten akkadischen Wortes &#039;&#039;sikiltu(m)&#039;&#039; erhellen: Meist bezeichnen beide Worte präziser Eigentum, das man sich &#039;&#039;erarbeitet&#039;&#039; hat, indem man mit geliehenem Geld &#039;&#039;gewirtschaftet&#039;&#039;, indem man &#039;&#039;gespart&#039;&#039; oder indem man Kriegsbeute &#039;&#039;erbeutet&#039;&#039; hat (vgl. ThWAT V s.v.; auch Greenberg 1951; Held 1961, S. 11f.; Speiser 1956b; Stellen auch bei Lohfink 1969, S. 545f. FN 87. Letzteres auch in [[Kohelet 2#s8 |Pred 2,8]]) – im Gegensatz zur &#039;&#039;naḥalah&#039;&#039; („Erbe“), die man unverdient besitzt. Besonders oft wird das Wort verwendet, wenn minderjährige Kinder, Frauen oder Angehörende armer Bevölkerungsgruppen, die gerade noch nicht über „Erbeigentum“ verfügen, sich ungewöhnlicherweise dennoch eigenes Eigentum erarbeiten können. Die LXX übersetzt daher recht treffend in Mal 3,17 mit &#039;&#039;peripoiäsis&#039;&#039; („Gewinn“) und sonst mit &#039;&#039;periousios&#039;&#039; („überschüssig“, vgl. &#039;&#039;periousia&#039;&#039;: „Überschuss, Überfluss“). Vgl. zu dieser Bed. deutlich auch Mekilta, Baḥodeš 2 zu unserer Stelle: „&#039;&#039;[Der Ausdruck bedeutet:] Ihr seid mir genau so kostbar wie jemandem seine &#039;&#039;sigulah&#039;&#039; kostbar ist. Aber Rabbi Joschua ben Korcha [2. Jhd.] meinte, der Ausdruck diene nur der Lebendigkeit [der Darstellung]: Gerade dafür, dass man es nicht wirklich so versteht wie ‚Ihr seid &#039;&#039;msgln&#039;&#039; [=abgespart] für mich wie die Frau von ihrem Ehemann &#039;&#039;msglt&#039;&#039; [=abspart], der Sohn von seinem Vater, der Knecht von seinem Herrn und die Magd von ihrer Herrin‘, fährt die heilige Schrift fort mit: ‚Die ganze Erde gehört mir[, ich musste mir also gar nichts erarbeiten]‘.&#039;&#039;“ Wahrscheinlich mit der selben Logik, die Redeweise sei zu vermeiden, dass sich Gott Israel erst erwirtschaften musste, übersetzen Syr und die Targumim mit „Geliebte“, und ein ähnliches Verständnis hat sich nach der Umdeutung unserer Stelle in [[1 Petrus 2#s4-10 |1 Pet 2,4-10]] (vgl. Beentjes 2006, S. 12f.) auch in der christlichen Auslegung durchgesetzt und bisweilen noch bis heute durchgehalten. Gemeint ist nach dem üblichen Sprachgebrauch im Akkadischen und im rabbinischen Hebräisch im Gegenteil &#039;&#039;gerade nicht&#039;&#039; „kostbares“ oder „besonders geliebtes Eigentum“  (Houtman 1996: „precious possession“; Kass 2021, S. 287: „treasure“; Markl 2007, S. 63; Assmann 2015, S. 429: „Juwel“), sondern das kleine Vermögen, das man sich mit Mühe vom Munde abgespart hat. Das übliche Verständnis als „Schatz“ könnte höchstens der Vers [[1 Chroniken 29#s3 |1 Chr 29,3]] nahelegen, der dann nach V. 2 aber wahrscheinlich ebenfalls so zu deuten ist, dass David nicht nur Krongut für den Tempel aufgewandt hat (V. 2), sondern &#039;&#039;darüber hinaus&#039;&#039; (&#039;&#039;´od&#039;&#039; + &#039;&#039;lama´lah&#039;&#039;, V. 3) hat er sich auch noch selbst weiteren Besitz vom Munde abgespart, nur um damit ebenfalls den Tempel auszustatten. Der Unterschied der Ausdrücke &#039;&#039;´am naḥalah&#039;&#039; („Eigentumsvolk“) und &#039;&#039;´am / goj sigulah&#039;&#039; wäre danach also genauer der, dass Ersterer beschreibt, dass Israel Gottes &#039;&#039;Eigentum&#039;&#039; ist, Letzerer dagegen, dass er sich dieses Eigentumsvolk &#039;&#039;erworben&#039;&#039; hat wie hier durch sein Handeln in Ägypten und der Wüste.&amp;lt;br /&amp;gt;Neben dieser ökonomischen Verwendung des Wortes gibt es im Akkadischen und Ugaritischen aber außerdem einen politisch-religiösen Gebrauch: Man ist jemandes &#039;&#039;sikiltu(m)&#039;&#039; / &#039;&#039;sglt&#039;&#039;, wenn man dessen &#039;&#039;Untergebener&#039;&#039; ist. So ist in RS 18.038 für den hethitischen Großkönig der ugaritische König Ammurapi sein &#039;&#039;sglt&#039;&#039; und im Mari-Brief ARM XIV 81 fragt Königin Schibtu sarkastisch über eine andere Königin: „&#039;&#039;Bin ich etwa ihre Dienerin, ihre Magd oder ihre &#039;&#039;šagiltam&#039;&#039;!?&#039;&#039;“ (29f.). Besonders häufig ist jemand aber &#039;&#039;sikiltu(m)&#039;&#039; einer Gottheit – so in den Eigennamen &#039;&#039;Sikilti-Adad&#039;&#039; („&#039;&#039;Sigulah&#039;&#039; des Hadad“), &#039;&#039;Sikilti-Uqur&#039;&#039; („&#039;&#039;Sigulah&#039;&#039; des Uqur“) und der Kurzform &#039;&#039;Sikiltum&#039;&#039; („&#039;&#039;Sigulah&#039;&#039;“); auch auf Alalakh-Tafel II wird König Abban mit einer ähnlichen Reihung wie in ARM XIV bezeichnet als „&#039;&#039;Diener von Haddu, Liebling von Haddu, &#039;&#039;sikiltum&#039;&#039; von...&#039;&#039;“ (76). Welches Verhältnis bei dieser Verwendung genau mit diesem Begriff ausgedrückt wird, ist nicht klar. Bes. nach ARM XIV 81 ist jemandes &#039;&#039;sikiltum&#039;&#039; diesem wahrscheinlich &#039;&#039;untergeben&#039;&#039;; spielt auch hier die übliche Bed. von &#039;&#039;sikiltum&#039;&#039; mit hinein – wovon auszugehen ist –, wird er ihm außerdem untergeben sein wegen einer &#039;&#039;Leistung&#039;&#039; des Höhergestellten. Am besten übersetzt man daher wie vorgeschlagen mit „Vasall“.&amp;lt;/ref&amp;gt; sein&lt;br /&gt;
unter den ganzen Völkern:(;)&lt;br /&gt;
Obwohl mir die ganze Erde gehört, (denn mir gehört die ganze Erde.; Mir gehört zwar die ganze Erde, aber)&lt;br /&gt;
{{S|6}} Sollt (werdet) ihr&amp;lt;ref name=&amp;quot;atta&amp;quot; /&amp;gt; mir ein Königreich (Königtum) von Priestern sein&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Königreich von Priestern&#039;&#039; - Extrem umstrittener Ausdruck; allein mit Texten über diese kurze Phrase ließe sich eine kleine Bibliothek füllen. Sie lässt sich auch wirklich auf unterschiedlichste Weisen verstehen (s.u.); eine Abwägung ist hier sehr schwierig. Ist man mit einer derart schwierigen Stelle konfrontiert, lässt man sich am besten vom Text selbst leiten: Das Ende von V. 5 und V. 6 hängen strukturell eng zusammen: „&#039;&#039;(Wenn ihr meinen Geboten folgen wollt...,) (A) &#039;&#039;&#039;werdet ihr mir sein&#039;&#039;&#039; Vasall/Eigentum (B) unter den &#039;&#039;&#039;ganzen&#039;&#039;&#039; Völkern: (B&#039;) obwohl mir die &#039;&#039;&#039;ganze&#039;&#039;&#039; Erde gehört, (A&#039;) &#039;&#039;&#039;werdet ihr mir sein&#039;&#039;&#039; ein Königreich/Königtum von Priestern und ein eine heilige Nation.&#039;&#039;“ (gut Davies 2004, S. 59; Christian 2011, S. 107; Kim 2014, S. 258). Man wird also die drei Aussprüche darüber, was Israel „sein wird“, gemeinsam auszulegen und dabei davon auszugehen haben, dass der in (A) eine Sonderstellung gegenüber den beiden in (A&#039;) hat, da beide durch (BB&#039;) voneinander getrennt sind. Weiter: Im Satz (A-B) hat „Vasall/Eigentum unter den ganzen Völkern“ die Tiefenstruktur des üblichen Ausdrucks „Vasallen-Volk/Eigentums-Volk“ (s.o.; w.: „Volk der Vasallität/des Eigentums“, wie auch „heilige Nation“ streng wörtlich „Nation, heilig“ wäre). Israel wird also dreifach charakterisiert: (1) als „Volk der Vasallität/des Eigentums“, (2) als „Königreich/Königtum von Priestern“, (3) als „Nation, heilig“ (gut Wells 2000, S. 56; Dohmen 2004). Vergleicht man die Ausdrücke, steht in jedem potentiell ein Wort, das die Bürger Israels in ihrer Gesamtheit bezeichnet („Volk“, „Königreich“, „Nation“), und in jedem ein Wort, das Menschen beschreibt und diese Menschen in Relation zu Gott setzt („Vasall“, „Priester“, „heilig“; s.u. zu „Heiligkeit“ im Deuteronomismus). Am ehesten hat man die fraglichen einzelnen Begriffe daher in jeweils diesem Sinn zu nehmen: Die Gesamtheit der israelitischen Bürger ist „Gott vasallenpflichtig“, und das heißt konkreter: sie dient ihm „gleich Priestern“ / „als Priester“ (s.u.) und ist „ihm geheiligt“, ist also das „Privat-Volk dieses Gottes“, der über es als König herrscht. Fragt man dann schließlich nach dem Verhältnis von (A) zu (A&#039;), wird (A&#039;) am ehesten Entfaltung und Präzisierung von (A) sein: „Volk“ ist der allgemeinste Begriff, „Nation“ und „Königreich“ grenzen ein aufs Politische; ähnlich ist „Eigentum / Vasall“ algemein, während „Priester“ und „heilig“ aufs Religiöse eingrenzen. Daher im Übersetzungsvorschlag oben der Doppelpunkt nach &#039;&#039;Völkern&#039;&#039;.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Wurzel der Diskussion um den Ausdruck ist natürlich, dass er in [[1 Petrus 2#s9 |1 Pet 2,9]] und [[Offenbarung 5#s10 |Offb 5,10]] (und [[Offenbarung 1#s6 |Offb 1,6]]; [[Offenbarung 20#s6 |20,6]]) zitiert wird und Luther seinen Generalangriff gegen die katholische Kirche auf ihn gestützt hat: „&#039;&#039;Man hat&#039;s erfunden, daß Papst, Bischöfe, Priester und Klostervolk der geistliche Stand genannt werden, Fürsten, Herren, Handwerks- und Ackersleute der weltliche Stand, was eine gar feine Erdichtung und Heuchelei ist. Doch soll sich niemand dadurch einschüchtern lassen, und zwar aus diesem Grund: Alle Christen sind wahrhaft geistlichen Standes ..., wie St. Peter 1.Petr.2,9 sagt: ‚Ihr seid ein königliches Priestertum und ein priesterliches Königreich‘, und die Offenbarung: ‚Du hast uns durch dein Blut zu Priestern und Königen gemacht.‘ (Off.5,10). ... Darum ist des Bischofs Weihe nicht anders, als wenn er an Stelle und als Vertreter der ganzen Versammlung einen aus der Menge nimmt, die alle gleiche Gewalt haben, und ihm befiehlt, diese Gewalt für die andern auszuüben...!&#039;&#039;“ (An den christlichen Adel deutscher Nation. Modernisiert von U. Köpf). Diese Auslegung hat übrigens eine sehr lange Tradition; schon im Seder Elijahu Rabba 79 wird ein Ausspruch von Rabbi Acha (frühes 4. Jhd.) überliefert, der erklärt, zum Ornat des Hohepriesters gehöre deshalb eine Brustplatte mit auf Edelsteinen eingravierten Namen der zwölf Stämme Israels, weil auch der Hohepriester nur stellvertretend für alle Israeliten am Altar stehe und alle anderen theoretisch genauso gut dort vorne stehen könnten: „&#039;&#039;Warum sind die Namen der Stämme auf den Steinen eingraviert? Weil auf dem Sinai &#039;&#039;alle&#039;&#039; ‚Priester‘ genannt wurden ... Es ist (nun aber ja) unmöglich, dass (jeweils) alle (gleichzeitig) am Altar zugegen sind. Daher mussten alle Namen über dem Herzen des Hohepriesters eingraviert werden. Danach (gilt nämlich:) Wenn der Hohepriester eintritt, um vor Gott ein Opfer darzubringen, ist es, als stünde jeder von diesen als Hohepriester vor ihm, gekleidet in priesterliche Gewänder.&#039;&#039;“&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Andere Deutungen&#039;&#039;&#039;: „Königreich von Priestern“ ist im Heb. eine Genitivkonstruktion. Man hat sie v.a. auf vier verschiedene Weisen aufgelöst, die alle sprachlich möglich sind: (1) als Genitivus appositionis, (2) als Genitivus qualitatis, (3) als attribuierenden Genitiv (vgl. GKC §132c; IBHS §95.3c) und (4) als Genitivus agentis. Daraus sind dann folgende Deutungen entstanden (die meisten Ausleger kombinieren mehrere dieser Deutungen zu unterschiedlichsten Konstellationen):&amp;lt;br /&amp;gt;(1) „Ihr werdet mir sein ein Königreich, Priester“ oder mit &#039;&#039;mamlakah&#039;&#039; i.S.v. „König“: „Ihr werdet mir sein König, Priesterschaft“. Das macht wenig Sinn, so aber fast durch die Bank die alten Übersetzer: LXX wahrscheinlich „Königreich, Priesterschaft“ (vgl. Elliott 1966, S. 75); Sym, Theod: „Königreich, Priester“; TgO, TgN, TgF, Syr: „Könige, Priester“ oder „Könige und Priester“. Hieraus sind dann wahrscheinlich auch die Fomulierungen in Offb und auch in Jub 16,18 entstanden: „Könige und Priester“.&amp;lt;br /&amp;gt;(2a) Ein „priesterliches Königreich“, also ein Königreich, das &#039;&#039;als Ganzes&#039;&#039; ein Verhältnis zu Gott hat wie ein Priester. So z.B. auch Houtman 1996; Dohmen 2004, S. 63; Assmann 2015, S. 230; Kass 2021, S. 293. Verwandt ist die selbe Auflösung, bei der aber betont wird, dass Israel insofern „Königreich“ ist, als &#039;&#039;Gott&#039;&#039; von nun an König ist (s. [[Exodus 16#s18 |Ex 15,18]]; [[Numeri 23#s21 |Num 23,21f.]]; [[Psalm 114#s1 |Ps 114,1f.]] u.ö.; so z.B. Tomaso Malvenda; Elliott 1966, S. 53.55f.; Wells 2000, S. 56). Nimmt man das hinzu, ist dies die sinnvollste Deutung, s.o. Einige Ausleger wollen dies noch so weiterführen, dass sie aus [[2 Samuel 8#s18 |2 Sam 8,18]] ableiten, „Priester“ könne auch etwas bedeuten wie „Minister“, wonach die „Priester“ in diesem priesterlichen Königreich sogar wörtlich die „Gottes-Diener“ (Ramban) wären. So schon Raschi, Raschbam, Nikolaus von Lyra; z.B. auch Buber 1962, S. 121; Wildberger 1960, S. 81-83; Jacob 1997. Aber diese Wortbedeutung ist ungewiss; auch wenn sie gesichert wäre, wäre sie die hier am wenigsten wahrscheinliche.&amp;lt;br /&amp;gt;(2b) Ein Königreich, das gänzlich von Priestern im Vollsinn dieses Wortes bevölkert ist, weil alle die Priesterwürde innehaben (s. [[Numeri 16#s3 |Num 16,3]]!). Dazu s. schon oben Rabbi Acha (4. Jhd.) und Luther; ebenso b.Schab 88a (s. die Anmerkungen); b. Zeb 19a (wegen Ex 19,6 hat jeder einzelne Israelit sich ordentlich zu kleiden wie ein Priester). Diese Deutung hat heute wieder einige Anhänger, seit Blum 1990, S. 51f. gut beobachtet hat, dass in [[Exodus 24#s4 |Ex 24,4-8]], dem strukturellen Gegenstück unseres Abschnitts (s. die Anmerkungen zur Redaktionskritik), die jungen Männer gleich Priestern Gott Opfer darbringen und Mose Volk und Altar mit Blut besprengt, was seine nächsten Parallelen in der Priesterweihe in [[Exodus 29#s20 |Ex 29,20f.]]; [[Leviticus 8#s22 |Lev 8,22f.]] hat. Hinzufügen könnte man aus dem selben Abschnitt noch die Szene, wo die Ältesten im Angesicht Gottes Mahl halten, was wohl auf die die Opfermahle anspielen soll, die nur Priester im Tempel verzehren durften (s. z.B. [[Leviticus 6#s18 |Lev 6,18f.]]). Muss man im „Königreich der Priester“ noch mehr mithören als „Königreich aus Gottes-Dienern“, sollte man durchaus &#039;&#039;dies&#039;&#039; mithören (so z.B. auch Crüsemann 2015, S. 417; Utzschneider 2017, S. 14; Krause 2020, S. 113f. und Schmitt 2022, S. 176f.). Oswald 1998, S. 128f.138.142f. und Chavel 2015, S. 186 haben versucht, dies auch noch sozialgeschichtlich zu erklären: Im Hintergrund stünde die Situation des Exils, wo die exilierten und die zurückgebliebenen Israeliten keine Tempel und oft auch keine Priester zur Verfügung hatten. Daher wird in unserem Abschnitt ganz Israel zu Priestern erklärt, in 24,4-8 auch zu solchen geweiht, und [[Exodus 20#s24 |Ex 20,24-26]] bestimmt darüber hinaus, dass für den Priesterdienst nicht mehr vonnöten sei als ein schnell aufgeschütteter Erdhaufen als Altar. Mindestens als Auslegung des Endtextes, wie er in der Bibel vorliegt, ist Oswalds und Chavels Deutung wirklich rund – auch diese Theologie findet sich nun also in der Bibel: Es braucht gar kein ordiniertes Priestertum; alles, was ein Angehöriger des Volkes Gottes braucht, ist ein Stein oder Erdhaufen, auf dem er Gott opfern kann.&amp;lt;br /&amp;gt;(2c) Ein „priesterliches Königreich“, also ein Königreich, das wie in [[Sacharja 8#s22 |Sach 8,22f.]] den Gott Israels den anderen Völkern vermittelt (so z.B. Rav Hirsch; häufig kombiniert mit (2a), z.B. bei Sarna 1991; Dozeman 2009; Wright 2006, S. 330f.: Israel ist bestimmt zu Gottesdienst und Volksmission).&amp;lt;br /&amp;gt;(2d + 3): Für bspw. Paulus Fagius; Schüssler Fiorenza 1972, S. 142 und Levenson 1987, S. 31 heißt „priesterliches Königtum“ und für Davies 2004, S. 102 aus unerfindlichen Gründen „königliches Priestertum“, dass Israel spirituell und politisch so weit über den umgebenden Völkern steht, dass es im Verhältnis zu diesen geradezu als „Priester und König unter den Nationen“ bezeichnet werden müsste (vgl. [[Jesaja 61#s6 |Jes 61,6]]).&amp;lt;br /&amp;gt;(4a) „ein Königreich, über das Priester als Könige walten“, genauer nämlich über die verwaltete „heilige Nation“ (z.B. Moran 1962). Auch diese Deutung hat heute wieder einige Anhänger, seit angenommen wird, Vv. 4-8 seien sehr spät von nachpriesterschriftlichen Autoren verfasst worden (s. die Anmerkungen) und im Hintergrund stehe die Situation der hellenistischen Zeit, dass Israel quasi von Priestern regiert worden sei (z.B. Lohfink 1990b, S. 355; Otto 1996b, S. 77; Schenker 1999, S. 583-585). Aber richtig Propp 2006: Auch in dieser Zeit wurden die Hohepriester erst um 104 v. Chr. auch zu „Königen“, das ist viel zu spät zur Erklärung diesse Abschnitts. Zur Datierung als nachpriesterschriftlich s. zu V. 3.&amp;lt;br /&amp;gt;(4b) Fohrer 1963b hat dies einflussreich noch abgewandelt und wieder &#039;&#039;mamlakah&#039;&#039; i.S.v. „König“ genommen: „eine heilige Nation mit einem priesterlichen König“. Dito. Zum Argument von Moran und Fohrer (und z.B. Schüssler Fiorenza 1972, S. 141f.), es müsse dann, wenn &#039;&#039;goj&#039;&#039; („Nation“) neben &#039;&#039;mamlakah&#039;&#039; („König“ oder „Königtum“, hier genommen i.S.v. „Regierung“) steht, das eine Wort die Beherrschten und das andere die/den Beherrschenden meinen, s. nur [[Ezechiel 29#s15 |Ez 29,15]]; [[1 Chroniken 16#s20 |1 Chr 16,20]] = [[Psalm 105#s13 |Ps 105,13]], auf die auch Moran selbst hinweist, außerdem [[Ezechiel 37#s22 |Ez 37,22]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
und eine heilige (asketische, und &#039;&#039;meine&#039;&#039;)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;heilig (asketisch, &#039;&#039;meine&#039;&#039;)&#039;&#039; - Noch ein Schlüsselwort der Bibel. „Asketisch“, wie hier als Übersetzungsalternative vorgeschlagen wurde, ist eigentlich nicht sehr treffend, aber „heilig“ noch weniger, wenn man vom heutigen Verständnis dieses Wortes ausgeht. Am ehesten träfe den Sinn dieser Stelle und verwandter Stellen im Buch Dtn statt „heilige(s) Nation/Volk“ eine Übersetzung wie „&#039;&#039;meine&#039;&#039; Nation“. Ähnlich z.B. GN: „Ein Volk, das mir ganz zur Verfügung steht und mir ungeteilt dient“; HfA: „Ein heiliges Volk, das allein mir gehört“.&amp;lt;br /&amp;gt;Heute ist ein „Heiliger“ grob eine religiöse Person mit Vorbildcharakter, die Gott auch als solche anerkannt hat, daher für diese Person Wunder wirkt und sie nach ihrem Tod auf irgendeine Weise „nahe bei sich“ sein lässt. Im Alten Israel dagegen waren zwei andere Konzeptionen von „Heiligkeit“ verbreitet: Die der priesterschriftlichen Schule und die der deuteronomistischen, die auch hinter md. Vv. 4-8 unseres Kapitels steht (s. die Anmerkungen; zum Folgenden vgl. z.B. Weinfeld 1969). Nach beiden Konzeptionen ist „Heiligkeit“ soviel wie „Hingeordnet-sein auf Gott“, den Inbegriff der Heiligkeit (s. [[Jesaja 6#s3 |Jes 6,3]]).&amp;lt;br /&amp;gt;Für die priesterschriftliche Schule ist diese irdische „Heiligkeit“ aber genauer verletzlich, gestuft und kann auch Orten und Dingen zukommen: Etwas oder jemand kann seine Heiligkeit verlieren, indem er oder es „verunreinigt“ wird, z.B. durch Kontakt mit den falschen Menschen oder Dingen. Heiligkeit lässt sich aber auch wiederherstellen und „aufladen“. Etwa hier: „&#039;&#039;Ich bin JHWH, euer Gott. Darum heiligt euch und seid heilig, denn ich bin heilig. Ihr sollt euch nicht selbst verunreinigen durch irgend Gewürm, das sich auf der Erde schlängelt!&#039;&#039;“ ([[Leviticus 11#s44 |Lev 11,44]]). Besonders Priester – laut der Priesterschrift die Nachkommen Aarons – sind zu solcher Heiligkeit und Reinigung berufen, da sie ihren Dienst an „heiligem Ort“ und mit „heiligem Gerät“ verrichten. Solche „Reinigung“ kann geschehen durch spezielle Riten wie die Waschung oder durch bestimmte kultische Handlungen.&amp;lt;br /&amp;gt;Die deuteronomistische Schule hat eine radikal andere Vorstellung. Dinge und Gebäude können im Deuteronomium gar nicht heilig sein. Und auch bei Menschen gibt es nicht unterschiedliche „Grade“ von Heiligkeit: „Heilig“ ist das &#039;&#039;ganze Volk Israels&#039;&#039;, ausnahmslos und von vornherein – nur dank der Tatsache, dass Gott sich Israel in Ägypten als sein Volk erwählt hat. Das bringt für dieses auserwählte Volk aber auch eine Reihe von Verboten und Pflichten mit sich: In [[Deuteronomium 7 |Dtn 7,1-5]] etwa das Verbot, fremde Götter anzubeten – „&#039;&#039;denn du bist ein heiliges Volk für deinen Gott JHWH: Er hat dich erwählt, ihm Vasallen-Volk zu sein aus allen Völkern der Welt!&#039;&#039;“ ([[Deuteronomium 7#s6 |Dtn 7,6]]). Laut [[Deuteronomium 14#s1 |Dtn 14,1]] darf man sich nicht ritzen oder eine Glatze scheren (s. dort), – „&#039;&#039;denn du bist ein heiliges Volk für deinen Gott JHWH: Er hat dich erwählt, ihm Vasallen-Volk zu sein aus allen Völkern der Welt!&#039;&#039;“ ([[Deuteronomium 14#s2 |Dtn 14,2]]). In [[Deuteronomium 14#s3 |Dtn 14,3-21a]] wird eine Reihe von Tieren als Speise verboten, die ein Migrant, der nicht zum Volk Gottes gehört, problemlos essen darf (14,21b) – „&#039;&#039;denn du bist ein heiliges Volk für deinen Gott JHWH!&#039;&#039;“ ([[Deuteronomium 14#s21 |Dtn 14,21c]]). Und immer so weiter.&amp;lt;br /&amp;gt;Dass es diese zweite Vorstellung ist, die hinter unserem Satz steht, ist klar: Hier wird dieses Verhältnis zwischen Gott und seinem auserwählten, ihm geheiligten Volk erst ins Sein gesetzt: Sobald Israel sich dazu entscheidet, den von JHWH vorgeschlagenen Vertrag zu unterschreiben, wird es ein solches sein und hat dann im Gegenzug die noch auszuführenden Gebote einzuhalten (vgl. gut z.B. Krause 2020, S. 113f.133; s. zu dieser Idee deutlich [[Deuteronomium 26#s17 |Dtn 26,17-19]]; [[Deuteronomium 27#s9 |27,9f.]]). S. dann weiter in den Anmerkungen.&amp;lt;br /&amp;gt;Danach ist es also erstens gerade kein Automatismus, was Vv. 5f. vorschlagen: Israel ist nicht schon automatisch „heilige Nation“, wann immer sie Gottes Gebote bewahrt, sondern erst, wenn sie einwilligen, Gottes Gebote wahren zu wollen, werden sie von da an heilige Nation sein und müssen &#039;&#039;als solche&#039;&#039; dann Gott Folge Leisten. Und zweitens darf man dann gerade &#039;&#039;nicht&#039;&#039; erwarten, dass in der Zeile zuvor gesagt wird, eine &#039;&#039;Teilgruppe&#039;&#039; Israels sei „priesterlich, &#039;&#039;d.h. heilig in gesteigerter Weise und in hervorragendem Maße&#039;&#039;“ (Fohrer 1963b, S. 361, Hervorhebung: S.W.). Beides passt nicht gut zur deuteronomistischen Theologie.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nation!‘&amp;lt;ref name=&amp;quot;Familie&amp;quot; /&amp;gt; –&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dies sind die Worte, die du sprechen sollst zu den Kindern (Söhnen) Israels!“&lt;br /&gt;
{{S|7}} So ging Mose hin, rief die Familienoberhäupter (Ältesten) des Volks&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Familienoberhäupter (Älteste) des Volks&#039;&#039; - Soziale Institution altisraelitischer Ortschaften: In öffentlichen Fragen hatten die „Ältesten“ die letzte Entscheidungsgewalt und vertraten auch sonst d.Ö. die gesamte Ortsbevölkerung. Meist hält man sie für identisch mit den Familienoberhäuptern von Sippen, obwohl sich das nirgends zweifelsfrei belegen lässt (vgl. [https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/12649/#h3 Älteste (AT) (WiBiLex)]. Diese Führerrolle wurde v.a. von der deuteronomistischen Schule propagiert und wird hier in die ideale Zeit am Sinai zurückgespiegelt (Buchholz 1988, S. 41f.); ob sie jemals wirklich derart entwickelt war wie in deuteronomistischen Texten, ist ungewiss. Als solche Führer der Gemeinschaft handeln sie jedenfalls auch hier und in [[Exodus 24#s1 |Ex 24,1.9-11]], also &#039;&#039;stellvertretend&#039;&#039; für das ganze Volk Israels (V. 8: „das &#039;&#039;ganze Volk&#039;&#039;“).&amp;lt;/ref&amp;gt; [zusammen] und legte ihnen (ihren Gesichtern) all diese Worte vor, wie ihm JHWH aufgetragen hatte.&lt;br /&gt;
{{S|8}} Da antwortete das ganze Volk gemeinsam {und sagte}: „Alles, was JHWH gesprochen hat,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Alles, was JHWH gesprochen hat&#039;&#039; - Was genau eigentlich? – (1) Die Gebote, die erst ab Kap. 20 expliziert werden, auf die Gott aber schon mit der Rede von „meinem Vertrag“ und „meiner Stimme“ in V. 5 hingedeutet hat? (So die meisten; z.B. Childs 1976; Propp 2006; Albertz 2015).&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Die Gebote, die &#039;&#039;dem Leser&#039;&#039; erst ab Kap. 20 aufgezählt werden, die man sich aber schon nach Ex 19,6 als von Gott ausgesprochen denken muss? (Houtman 1996)&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Dass sie mit Gott einen Vertrag schließen und so seine Vasallen werden sollen? (So z.B. Oswald 1999, S. 178; Dohmen 2004; Dozeman 2009)&amp;lt;br /&amp;gt;(3) wäre am rundesten, aber es ist fraglich, ob „Vasall sein, Priester sein, heilig sein“ etwas ist, das man „tun“ kann. Besser denkt man daher an (1).&amp;lt;/ref&amp;gt; wollen (werden) wir tun!“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da überbrachte Mose JHWH die Worte des Volks.(:)&amp;lt;ref&amp;gt;Nach jüd. Deutung am dritten Tag; so z.B. Raschi.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|9}}{{sekundär}} {Und} JHWH sagte zu Mose: „{Siehe,} Ich komme zu dir in dichtem Gewölk, damit das Volk hört, [wie] ich mit dir spreche und auf ewig auch an dich glaubt (dir vertraut)!“&amp;lt;br /&amp;gt;Da erzählte Mose JHWH [wie gesagt] die Worte des Volks, {{sekundär ende}}&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Redaktionskritik&#039;&#039;&#039;: Man &#039;&#039;kann&#039;&#039; V. 9 sinnvoll nach V. 8 verstehen: „Mose &#039;&#039;überbrachte&#039;&#039; die Worte des Volks“ muss nur heißen, dass er auf den Berg zurückgekehrt ist; in V. 9a spricht dann Gott und erst in 9b tut Mose, was er sich vorgenommen hat, und „&#039;&#039;erzählt&#039;&#039;“ auch wirklich die Worte des Volks (so z.B. Jacob 1997; Oswald 1998, S. 34f.). So gedeutet beendet man V. 8 am besten mit Doppelpunkt statt Punkt. van Seters 1994, S. 249 will ähnlich &#039;&#039;wajjašab&#039;&#039; („er kehrte zurück“) statt &#039;&#039;wajjašeb&#039;&#039; (w. „er brachte zurück“) lesen, um ähnlich deuten zu können, aber das wäre nicht einmal notwendig. Eine dritte kleine Gruppe von Auslegern hält 9b für eine rein rhetorische Wiederaufnahme von 8a: „Er überbrachte die Worte“ – Gottesrede – „Als er wie gesagt die Worte erzählt hatte, ...“ (z.B. Sarna 1991; Houtman 1996; Römer 2009, S. 136 FN 40). Wiederaufnahmen wie die von 8b in 9b sind aber häufig ein deutliches Zeichen für spätere Einfügungen von Textergänzungen; die Technik ist auch aus der Textkritik zweifelsfrei bekannt. Ein schönes Beispiel: In 11QT&amp;lt;sup&amp;gt;a&amp;lt;/sup&amp;gt; lv 21 wird Dtn 17,5 zitiert: „Diesen Mann oder diese Frau sollst du steinigen!“. In Dtn 17,5 dagegen lautet die Stelle: „&amp;lt;u&amp;gt;Diesen Mann oder diese Frau,&amp;lt;/u&amp;gt; &amp;lt;s&amp;gt;die diese üble Tat in deinem Ort getan haben, &amp;lt;u&amp;gt;diesen Mann oder diese Frau&amp;lt;/u&amp;gt;&amp;lt;/s&amp;gt; sollst du zu Tode steinigen!“. Die überwältigende Mehrheit der aktuellen Ausleger hält daher 9a für eine spätere Einfügung und 9b für eine solche Wiederaufnahme (z.B. Dozeman 2009; Albertz 2015; Stoppel 2018, S. 304f.). Die mutmaßliche Einfügung in 9a gehört zu einer Gruppe von Stellen, die man insgesamt oft für spätere Einfügungen hält, weil sie ein gemeinsames Element in ihre Kontexte einfügen, das diesen ursprünglich fremd gewesen sein dürfte: Angeblich seien die meisten Großereignisse des Exodus auch deshalb geschehen, damit „das Volk an Mose glaubt“: Die Beauftragung des Mose laut [[Exodus 4#s31 |Ex 4,31]], das Meerwunder laut [[Exodus 14#s31 |Ex 14,31]], ähnlich auch die Transfiguration des Mose laut [[Exodus 34#s11 |Ex 34,11]], und hier eben der Bundesschluss am Sinai.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|10}} {und} JHWH sagte zu Mose: „Geh zum Volk! Heilige sie heute und morgen!&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Heiligen&#039;&#039; - d.h. lass sie sich durch (z.B. Waschungs-)Rituale und (z.B. sexuelle) Abstinenz reinigen, damit sie wohl vorbereitet sind für die Begegnung mit mir! Vgl. ähnlich [[Genesis 35#s2 |Gen 35,2f.]]; [[Numeri 8#s7 |Num 8,7]]; [[Josua 3#s5 |Jos 3,5]]. Dieses Konzept der „Heiligkeit“ ist ein merklich anderes als das im Vers 6, wonach die Israeliten dauerhaft eine „heilige Nation“ sein sollen (s. dort).&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie sollen ihre Kleider waschen!&lt;br /&gt;
{{S|11}} Und sie sollen sich vorbereiten für den dritten Tag, denn am dritten Tag wird JHWH&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;JHWH&#039;&#039; spricht häufig von sich in der dritten Person, bes. bei feierlichen Proklamationen. Vgl. zum Phänomen z.B. Malone 2009.&amp;lt;/ref&amp;gt; vor den Augen des Volks auf den Berg Sinai hinabsteigen!&amp;lt;ref&amp;gt;Danach stiege Gott also am fünften Tag hinab. Damit Gott wie gewünscht am siebten Tag die Gebote offenbart, gehen die alten Rabbinen davon aus, dass der in Ex 24 beschriebene Altarbau noch am vierten Tag geschehen sei und Gott von dort aus mit drei Tagen rechnet (Mechilta; Raschi). Das liegt sehr fern. Aber wir können annehmen, dass Gott am fünften Tag hinabstieg, dass wir uns die Geschehnisse in Vv. 20-25 aber am sechsten Tag denken müssen. Dann könnte Kapitel 20 wirklich vom siebten Tag berichten.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|12}} Du sollst das Volk (den Berg) ringsum abgrenzen&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Die meisten Vrs. wie MT: „&#039;&#039;das Volk&#039;&#039; ringsum abgrenzen“, als solle Mose Viehhürden rings um das Volk aufstellen. Sam weit logischer wie in V. 23: „&#039;&#039;den Berg&#039;&#039; ringsum abgrenzen“. Beer 1939 hält das für ursprünglich; noch Propp 2006 erwägt dies.  Aber weit wahrscheinlicher hat Sam den schwierigen Wortlaut von MT vereinfacht, indem er V. 12 an V. 23 assimiliert hat (richtig z.B. Cassuto 1967; Childs 1974; Albertz 2015).&amp;lt;/ref&amp;gt; mit den Worten: ‚Hütet euch, hinaufzusteigen&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Statt &#039;&#039;hiššamru lakem ´alot&#039;&#039; lies &#039;&#039;hiššamru lakem&#039;&#039;&#039;e&#039;&#039;&#039;´alot&#039;&#039; für &#039;&#039;hiššamru lakem me´alot&#039;&#039;, shared consonant. Zur Konstr. vgl. [[Genesis 31#s29 |Gen 31,29]]; [[2Könige 6#s9 |2 Kön 6,9]].&amp;lt;/ref&amp;gt; auf den Berg und [auch nur] seinen Rand zu berühren! Jeder, der den Berg anfasst, ist des Todes (muss sterbend sterben)!&amp;lt;ref&amp;gt;Die Mechilta überliefert hier ein Sprichwort nach Rabbi Josi, dass sich mitzuteilen lohnt: „Nicht der Ort ehrt die Person: Die Person ehrt den Ort!“ Heißt hier: Natürlich ist der Sinai nicht deshalb tabu, weil er per se heilig wäre, sondern erst Gottes Anwesenheit macht ihn nur für deren Dauer zum heiligen Ort.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|13}} Keine Hand darf ihn berühren, sonst soll er (sondern er soll)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;ihn berühren, sonst/sondern&#039;&#039; - Entweder wird noch einmal wiederholt, dass &#039;&#039;der Berg&#039;&#039; nicht berührt werden darf, und ergänzt wird die Strafe: „sonst wird der, der ihn berührt hat, getötet“. Oder es wird gesagt, dass &#039;&#039;der Missetäter&#039;&#039; nicht berührt werden darf, da man sich sonst mit seiner Sünde ansteckt, weshalb er stattdessen aus der Ferne durch Steinigung oder Erschießung getötet werden soll. S. noch nächste FN.&amp;lt;/ref&amp;gt; {steinigend} gesteinigt und {erschießend} erschossen (herabwerfend herabgeworfen) werden,&amp;lt;ref&amp;gt;Unklar. Sollen die Israeliten den Missetäter töten oder wird er durch übernatürlichen Stein- oder Blitzschlag getötet werden? Und falls die Strafe übernatürlich ist, heißt dann &#039;&#039;jaroh jijjareh&#039;&#039; „erschießend erschießen“ oder „herabwerfend herabwerfen“ (s. [[Ijob 30#s19 |Ijob 30,19]]), wonach der Missetäter nicht durch Blitze/Steinschlag abgeworfen würde, sondern getötet würde, indem Gott ihn selbst vom Berg herabwirft? Jede dieser Varianten hat Vertreter: „ihr habt ihn zu steinigen und zu erschießen“ (z.B. ibn Ezra; Ehrlich 1908, S. 338; Houtman 1996), „er wird auf übernatürliche Weise gesteinigt und erschossen werden“ (z.B. die Targumim; Jacob 1997; Albertz 2015, S. 45), „er wird auf übernatürliche Weise gesteinigt und herabgestürzt werden“ (b.San 45a; auch Dohmen 2004, der aber an herabstürzende Menschen denkt). Möglich noch Mechilta de Rabbi Schimon: „Jeder, der der gesteinigt wird, wird niedergeworfen“; offenbar wird hier der Ausdruck so gedeutet, dass nur das Vieh oder der Mensch auf dem Berg &#039;&#039;so&#039;&#039; durch gezielte Würfe gesteinigt werden soll, dass es oder er von selbst abstürzt. Dt. Übersetzungen glauben sehr einheitlich, dass man &#039;&#039;den Missetäter&#039;&#039; nicht anrühren darf, sondern dass &#039;&#039;die Israeliten&#039;&#039; ihn umbringen sollen, indem sie ihn aus der Ferne mit Steinen oder Pfeil und Bogen töten. Das ist auch am wahrscheinlichsten: &#039;&#039;mot jamut&#039;&#039; („er ist des Todes“, w. „er soll sterbend sterben“) ist ein häufiger Rechtssatz. Danach wird man dann auch „er soll steinigend gesteinigt werden“ und „er soll erschießend erschossen werden“ für solche Rechtssätze halten, obwohl die Todesstrafe durch Erschießen sonst in der Bibel nicht belegt ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; ob Vieh, ob Mensch;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Ob Vieh, ob Mensch&#039;&#039; - s. zu [[Genesis 6#s13 |Gen 6,13]]: Offenbar gehören Tiere in der Bibel zur Dorfgemeinschaft. Sie sind daher von sich ausbreitender Verderbnis durch menschliche Sünden ebenso betroffen wie die Mitmenschen der Sünder (s. ebd.) und müssen daher sogar ebenso Buße tun wie diese, wenn es gilt, sich von solchen zu reinigen (s. [[Jona 3#s7 |Jon 3,7]]). Entsprechend machte es dann hier keinen Unterschied, ob Mensch oder Vieh den Berg berührt. Übrigens schließt Gott in [[Geneiss 9#s11 |Gen 9,11]] auch mit den Tieren seinen Bund. Kann man sich dies nach diesem Vers auch hier vorstellen?&amp;lt;/ref&amp;gt; er darf (wird) nicht am Leben bleiben (leben)!&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wenn der Klang des Widderhorns sich dehnt (herbeiruft, verhallt?, ?, der Widder zieht),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039; + &#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Seltsam. &#039;&#039;mašak&#039;&#039; („ziehen“) heißt auch „andauern“, wird auch in [[Josua 6#s5 |Jos 6,5]] gesagt vom Erschallen des Widderhorn, das als Signaltrompete verwendet wurde, und wird daher oft mit „anhaltend klingen“ übersetzt. Das wird richtig sein. Problematisch ist aber erstens das Substantiv und zweitens der Zusammenhang des Verses mit dem Schluss des Kapitels: Das Substantiv &#039;&#039;jobel&#039;&#039; ist nach [[Josua 6 |Jos 6]] (5x) klar der Widder selbst und nicht sein Horn. Propp 2006 übersetzt daher wörtlich mit „When the ram pulls“; was er damit sagen will, wird aber nicht recht klar. Alle anderen gehen stillschweigend davon aus, dass „Widder“ hier synekdochisch für „Klang des Widderhorns“ steht. Ich (S.W.) bin aber gar nicht sicher, ob bloßes „Widder“ textkritisch gesichert ist: Die meisten Vrs. (Aq, Sym, Theod, Syr, die meisten Tgg) stützen MT. TgPsJ hat „der Klang (&#039;&#039;qwl&#039;&#039;) des Schofar“ was man alleine noch für Assimilation an V. 19 halten würde. Aber LXX hat „&#039;&#039;Die Klänge und&#039;&#039; das Horn“ und VUL „&#039;&#039;wenn anfängt&#039;&#039; das Horn“, was vielleicht auf &#039;&#039;ḥwl hjbl&#039;&#039; zurückgeht (von &#039;&#039;ḥll&#039;&#039;, „anfangen“, auch „(ein Instrument) blasen“, s. [[1 Könige 1#s40 |1 Kön 1,40]]). Könnten diese drei gemeinsam und je unterschiedlich {{hebr}}במשך חול היובל{{hebr ende}} („Beim Andauern &#039;&#039;des Blasens&#039;&#039; des Widder[horns]“) voraussetzen? So aber niemand.&amp;lt;br /&amp;gt;Am wichtigsten: LXX, Sym, Theod und Syr übersetzen statt „sich hinziehen“ alle etwas wie „verklingen“, „still sein“. Das aram. &#039;&#039;negad&#039;&#039; („ziehen“), mit dem hier auch TgPsJ und TgO übersetzen, kann auch „sterben, ohnmächtig werden“ bedeuten – könnte entsprechend &#039;&#039;mašak&#039;&#039; wirklich für das „Absterben“ = „Verhallen“ des Klangs stehen? Dagegen z.B. Wevers 1990, S. 300f.; Propp 2006; Tov 2017, S. 12, die wahrscheinlicher LXX (und danach Sym, Theod und Syr) für eine reine Harmonisierung mit Vv. 19-25 halten: Die natürlichste Bed. unseres Verses ist, dass hier das Hinaufsteigen beim Erklingen des Horns gestattet, nach V. 18 aber verboten wird. Weil noch andere Indizien Vv. 19-25 als sekundär erweisen, ist dies am ehesten kein Problem des Textes von V. 13, sondern ein redaktionskritisches und es war gerade das Ziel von Vv. 19-25, das Gegenteil von V. 13 zu sagen. S. die Anmerkungen.&amp;lt;br /&amp;gt;Auch einige aktuelle Ausleger wollen V. 13 mit Vv. 19-25 harmonisieren; z.B. Jacob 1997; Dohmen 2004; Stoppel 2018, S. 305 nehmen mit Raschi an, irgendein anderer Klang als der Klang des &#039;&#039;Schofar&#039;&#039; (!) in V. 19 sei Signal dafür, dass nun der Berg wieder betreten werden darf, und nur hiervon sei hier die Rede. Aber vgl. Jos 6,5 zum Parallelismus von Widderhorn und Schofar; es ist durchaus das wahrscheinlichste, dass wirklich V. 13 und V. 19 vom selben Signal sprechen, aber V. 13 etwas anderes darüber sagt als Vv. 20-25.&amp;lt;/ref&amp;gt; sollen (dürfen, werden) diese hinaufsteigen auf den Berg.“&lt;br /&gt;
{{S|14}} Also stieg Mose vom Berg hinab zum Volk, heiligte das Volk, und sie wuschen ihre Kleider. &lt;br /&gt;
{{S|15}} Und er sagte zum Volk: „Bereitet euch vor für den dritten der Tage! Naht euch keiner Frau!“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Naht euch keiner Frau&#039;&#039; wird traditionell als Aufruf zur sexuellen Abstinenz verstanden. Jacob 1997; Dohmen 2004 und Albertz 2015 wenden ein, dass erstens nach biblischem Glauben Geschlechtsverkehr nur für einen Tag unrein mache und dass „nahen“ nie für Geschlechtsverkehr stehe. Stattdessen soll der Satz bedeuten: „Sie sollen sich demnächst ja &#039;&#039;Gott&#039;&#039; nahen“ (wie Priester sich in V. 22 und wie Mose sich in [[Exodus 20#s21 |Ex 20,21]] Gott „naht“), „daher sollen sie dafür spirituell frei sein, indem sie &#039;&#039;niemandem&#039;&#039; anderen nahen“. Aber zu „nahen“ als Euphemismus für Verkehr s. Paul 2002, S. 492 zum akk. &#039;&#039;qerēbu&#039;&#039; und zu [[Genesis 20#s4 |Gen 20,4]]; [[Jesaja 8#s3 |Jes 8,3]] und [[Ezechiel 18#s6 |Ez 18,6]]. [[1 Samuel 21#s6 |1 Sam 21,6]] könnte außerdem nahelegen, dass nach einer Tradition in der Bibel Verkehr doch auch drei Tage lang unrein macht (richtig Propp 2006; für [[1 Samuel 20#s26 |1 Sam 20,26]], worauf er noch hinweist, gilt das aber wahrscheinlich gerade nicht. Aber s. noch in der Mischna, m.Schab ix 3, wo ebenfalls davon ausgegangen wird, dass eine Frau noch drei Tagen nach dem Verkehr unrein sein &#039;&#039;kann&#039;&#039;, und wo dies mit unserem Vers erklärt wird. Ebenso in der Mechilta de Rabbi Jischmael; in der Mechilta de Rabbi Schimon folgt darauf ein Disput: Laut Rabbi Jischmael währt diese Unreinheit zwischen zwei und drei Tagen, laut Rabbi Akiba stets genau zweieinhalb). Entscheidend ist aber ja ohnehin: Verkehrt wurde doch auch im Alten Israel gewiss nachts; würde ein Pärchen dies also in der kommenden Nacht tun, wären sie damit sehr wohl auch am zugehörigen folgenden Tag unrein ([[Leviticus 15#s17 |Lev 15,17f.]]: „bis zum Abend“). Die traditionelle Deutung ist durchaus wahrscheinlicher.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|16}} {Und es geschah} Am dritten Tag,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Am dritten Tag&#039;&#039; - Insgesamt also am fünften, wenn wir mit den jüd. Auslegern die Offenbarung der Gebote für den siebten Tag annehmen wollen.&amp;lt;/ref&amp;gt; als es Morgen wurde, war [da] Tosen (Lärm, Klang) und Blitze und schweres Gewölk über dem Berg, und lautes, lautes Schofar-Getöse (Klang).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;lautes, lautes Schofar-Getöse&#039;&#039; - w. „der Klang des Schofar, sehr sehr“. Das singularische „Getöse“ ist das selbe Wort wie das, das eben im Plural verwendet wurde; das „Tosen“ sollen also offenbar etwas anderes sein als der Schofar-Getöse (Rabbenu Bahja: „Dass der Donner als Erstes genannt wurde, sollte sicherstellen, dass wir das Wort nicht mit dem Schofarklang verwechseln“). Am ehesten wird Donner gemeint sein. Ist dann also der Schofar-Klang wörtlich zu nehmen? Haben wir uns unsichtbare Engelstrompeten vorzustellen, die Gottes Herabkunft begleiten? So z.B. Sarna 1991; Houtman 1996; Albertz 2015; vgl. ähnlich [[Psalm 47#s6 |Ps 47,6]]. Cassuto 1967 allerdings will auch den Schofar-Klang als natürliches Geräusch erklären, das nur an Schofarklang erinnert: Er denkt an das Sausen des Winds, Sarna 1991 alternativ auch hier an den Donnerklang. Das ist weniger wahrscheinlich.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Richter|5|4}} {{par|Psalm|68|9}} {{par|Psalm|77|19}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Da bebte das ganze Volk, das im Lager [war].&lt;br /&gt;
{{S|17}} Aber (und) Mose brachte das Volk Gott entgegen aus dem Lager. Sie stellten sich unterhalb des Bergs (am Fuß des Bergs, auf den unteren Ausläufern des Bergs?) auf.&lt;br /&gt;
{{S|18}} Und der Berg Sinai rauchte vollständig vom Hinabstieg&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;vom Hinabstieg&#039;&#039; - W. &#039;&#039;deshalb, weil Gott in Feuer auf ihn hinabgestiegen war&#039;&#039;. Der Doppelausdruck &#039;&#039;deshalb, weil&#039;&#039; scheint ein im Heb. ungewöhnlicher Aramäismus zu sein, der insgesamt die Klausel &#039;&#039;Gott war auf ihn im Feuer hinabgestiegen&#039;&#039; zum modalen Substantivsatz macht (vgl. gut Hardy 2015).&amp;lt;/ref&amp;gt; Gottes auf ihn im (als) Feuer.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;im Feuer (als Feuer)&#039;&#039; - Feuer ist noch häufiger ein Begleitphänomen von Theophanien. Sommer 2015, S. 33 denkt aber schön an [[Exodus 3 |Ex 3]], wo Gott dem Mose &#039;&#039;als&#039;&#039; Feuer begegnete. Das wäre möglich, aber s. die drei FNn weiter.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sein Rauch stieg empor wie Rauch&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Rauch&#039;&#039; - faszinierend: „er rauchte“ war &#039;&#039;´aśan&#039;&#039;, „sein Rauch“ &#039;&#039;´aśan-o&#039;&#039;, wie auch sonst „Rauch“ &#039;&#039;´aśan&#039;&#039; heißt. Hier aber, beim dritten Vorkommen, heißt der Rauch &#039;&#039;´eśen&#039;&#039;. Propp 2006 nimmt dies als ein sonst unbelegtes Synonym von &#039;&#039;´aśan&#039;&#039; an. Aber auch wenn das richtig ist, ist der Grund für die Verwendung des Synonyms / der anormalen Form gewiss der, dass der himmlische Rauch auch sprachlich vom gewöhnlichen Rauch unterschieden werden soll – als stünde im Dt. „Der Berg Sinai rauchte. Sein Rauch glich dem Reuch eines Schmelzofens“. Vielleicht meint Mechilta de Rabbi Schimon &#039;&#039;dies&#039;&#039; mit „Warum sagt die Schrift: ‚gleich Reuch‘? – Sie lässt das Ohr hören, was es zu hören vermag.“&amp;lt;/ref&amp;gt; aus dem Schmelzofen und der ganze Berg (das ganze Volk)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039; Nur Sym, die die meisten Targumim, VUL und Syr stützen MT. Einige Handschriften, LXX und zwei Targum-Varianten korrigieren dagegen zu „Volk“ wie in V. 16. Dillmann 1897; Jeremias 1965, S. 102 und selbst noch Aurelius 2003, S. 158 FN 69 halten das für ursprünglich, aber natürlich ist dies nur eine prosaische Assimilation an V. 16.&amp;lt;/ref&amp;gt; bebte sehr.&amp;lt;ref&amp;gt;Gottes Herabkunft steckt den Berg mit Himmelsphänomenen an: Die Blitze werden zu Feuer, die Wolken zu Rauch, der Donner zu Erdbeben. Nun ist der Sinai der Himmel auf Erden. Vgl. 4 Esra 3,17: „(Am Berg Sinai) &#039;&#039;neigest du den Himmel&#039;&#039;, schütteltest die Welt, erschüttertest den Erdkreis, dass selbst die Unterwelt bebte.“ Das Bild vom Himmel auf Erden ist wahrscheinlich entstanden aus der Vorstellung vom kosmischen Ort, an dem sich Erde und Himmel überlagern, und der wir bisher am deutlichsten in [[Genesis 11 |Gen 11]] vom Turm von Babel und in [[Genesis 28 |Gen 28]] bei der Treppe in den Himmel begegnet sind. S. zu dieser Vorstellung näher zu [[Amos 9#s6 |Am 9,6]].&amp;lt;br /&amp;gt;Die Feuerzungen in [[Apostelgeschichte 2#s2 |Apg 2,2-3]] erklären sich übrigens wahrscheinlich aus dieser Stelle.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|19}} {{sekundär}}{Und es geschah} Als das Getöse (der Klang) des Schofar sehr stark anstieg, redete Mose, und Gott antwortete ihm unter (mit) Getöse (Klang, einer Stimme)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Unter (mit) Getöse&#039;&#039; - Die Umstände, die man sich mit diesem V. gemacht hat, sind wahrscheinlich überflüssig: Der Vers ist wohl sekundär und soll u.a. gerade ausdrücken, dass das Getöse, das die Erlaubnis zum Aufstieg signalisieren sollte, gar nicht erst aufgehört habe. Unterstrichen wird dies durch die ungewöhnliche Verbform im Hauptsatz: Yiqtol statt Qatal oder Wayyiqtol, um zu unterstreichen, dass dies fortwährend so gegangen sei: w. „Als das Getöse sehr stark anstieg, pflegte Mose zu reden und Gott ihm unter Getöse zu antworten“. Vor allem aber löst der V. ein, was V. 9 ankündigte. Der selben Hand wie diesen Vers weisen ihn daher z.B. auch Blum 1990, S. 48; Oswald 1998, S. 42f.; Aurelius 2003, S. 159; Albertz 2015 und Stoppel 2018, S. 310 zu.&amp;lt;br /&amp;gt;Üblicherweise wird der Vers stattdessen so gedeutet, dass &#039;&#039;mit Getöse&#039;&#039; irgendwie die Weise angeben solle, auf die Gott antwortet, und dann wird gleichzeitig aber ganz fernliegend &#039;&#039;qol&#039;&#039; („Klang, Stimme, Getöse“) anders als bei den anderen drei Vorkommen als „mit einer Stimme“ übersetzt (z.B. Houtman 1996; Dozeman 2009; Kass 2021, S. 302). Besser immerhin noch Ehrlich 1908, S. 338f.: „&#039;&#039;nur&#039;&#039; mit einer Stimme“, also körperlos. Aber sollte das Wort wirklich den Modus von Gottes Sprechen angeben, ist nach der Rede vom „Tosen“, vom „lauten, lauten Schofar-Getöse“ und vom „stark ansteigenden Schofar-Getöse“ viel wahrscheinlicher, dass Gott wie in [[1 Könige 19#s12 |1 Kön 19,12f.]] mit einem besonderen Geräusch antwortet. Vgl. v.a. [[Psalm 29#s3 |Ps 29,3]]; [[Offenbarung 10#s4 |Offb 10,4]] zur Gottesrede als Donner; ähnlich das Bild von Gottes Sprechen als Sturmwind in [[Exodus 15#s8 |Ex 15,8.10]]; [[2 Samuel 22#s16 |2 Sam 22,16]] = [[Psalm 18#s16 |Ps 18,16]]; [[Ijob 4#s9 |Ijob 4,9]]; [[Sirach 43#s16 |Sir 43,16f.]]; vielleicht auch schon [[Genesis 1#s2 |Gen 1,2]]. van Seters 1994, S. 277 FN 87 berücksichtigt das immerhin; seine Deutung liegt aber auch sehr fern: Er will &#039;&#039;beqol&#039;&#039; zu &#039;&#039;baqqol&#039;&#039; („mit &#039;&#039;diesem&#039;&#039; Getöse“) umvokalisieren und den Text so sagen lassen, dass besagter Hörnerschall Gottes Stimme &#039;&#039;ist&#039;&#039;. Muss man sich also vorstellen, dass Gott in V. 16.19a wortlos geschrien hat? Ähnlich aber wieder Dohmen 2004: „Der Schofarton [...ist] die &#039;&#039;äußere Hülle&#039;&#039; der sich an Mose wendenden Stimme Gottes“, was immer das heißen soll.&amp;lt;br /&amp;gt;Dt. Üss. übersetzen sehr unterschiedlich: „Er antwortete unter Donnerschall“ (PAT); sonst deuten auch hier alle auf den Modus: „Er antwortete in einem Schall“ (B-R, TUR), „Er antwortete im Donner“ (EÜ 80, GN, H-R, HER05 NeÜ, ZÜR), „Er antwortete laut“ (HfA, LUT, MEN, SLT), „Er antwortete für alle hörbar“ (NL), „Er antwortete mit einer Stimme“ (ELB, TAF), „Er antwortete mit verstehbarer Stimme“ (EÜ 16), ganz seltsam BigS: „Er antwortete ihm persönlich“; R-S: „Er antwortete nur in einem Schall“.&amp;lt;/ref&amp;gt;:(.)&amp;lt;ref&amp;gt;Am besten nimmt man V. 19 als Zusammenfassung von Vv. 20-25, da sonst erstens unlogisch ist, dass erst in V. 20 vom Herabstieg Gottes berichtet wird und zweitens ungewiss ist, was beide eigentlich miteinander reden (daher Doppelpunkt statt Punkt; so Cassuto 1967 mit Saadja und Ramban). Wenig zufriedenstellend schließlich Jacob 1997, S. 549: „&#039;&#039;Was&#039;&#039; Gott und Mose bei dieser Gelegenheit miteinander geredet haben, sagt die Schrift nicht, weil es jetzt nur auf das &#039;&#039;Daß&#039;&#039; ankommt.“ Alternativ rät Dozeman 2009 mit Raschi und ibn Ezra darauf, dass Gott schon bei dieser Gelegenheit die 10 Gebote offenbart habe, was nur aus irgendeinem Grund später berichtet worden wäre; Houtman 1996 nimmt stattdessen an, der Vers solle besagen, dass Gott (grundsätzlich?) gedonnert habe und Mose dies interpretieren musste (wieso aber dann „Mose redet und Gott &#039;&#039;antwortet&#039;&#039;“?).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|20}} JHWH stieg [wie gesagt] hinab auf den Berg Sinai, [nämlich] zum (?) Gipfel des Bergs. Dann rief JHWH Mose zum Gipfel des Bergs,&amp;lt;ref&amp;gt;Das erste &#039;&#039;zum Gipfel des Bergs&#039;&#039; mit der Präp. &#039;&#039;`el&#039;&#039; („zum“) ist nach &#039;&#039;´al&#039;&#039; („auf“) etwas seltsam (darum TgO; FTV: &#039;&#039;b-&#039;&#039;, TgPsJ; TgN; Geniza-Tg F: &#039;&#039;´al&#039;&#039;). Das zweite &#039;&#039;zum Gipfel des Bergs&#039;&#039; wird der Grund sein: Die irreguläre und mit 20b identische Formulierung in 20a soll zum Ausdruck bringen, dass Gott Mose &#039;&#039;direkt zu sich&#039;&#039; ruft: Beide sprechen nun Aug&#039; in Auge (gut Cassuto 1967).&amp;lt;/ref&amp;gt; Mose stieg hinauf&lt;br /&gt;
{{S|21}} und JHWH sagte zu Mose: „Steig hinab; warne das Volk, damit sie nicht (; nicht, dass sie) durchbrechen&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;durchbrechen&#039;&#039;, nämlich durch die Grenze, die Mose zwischen Volk und Berg errichten sollte.&amp;lt;/ref&amp;gt; zu JHWH, um zu gucken, und so eine Menge von ihnen fällt!&lt;br /&gt;
{{S|22}} Selbst (auch) Priester (die Priester),&amp;lt;ref name=&amp;quot;Priester&amp;quot;&amp;gt;W. &#039;&#039;die Priester&#039;&#039; (V. 22), in V. 24 auch &#039;&#039;das Volk&#039;&#039;. Gemeint sein müssen trotz Artikel keine Priester, die es &#039;&#039;aktuell&#039;&#039; unter den Israeliten gibt, sondern im Heb. wird der Artikel auch verwendet, um auszudrücken, dass z.B. von einer Personen-&#039;&#039;Klasse&#039;&#039; als Ganzes die Rede ist (vgl. z.B. [https://en.wikisource.org/wiki/Gesenius%27_Hebrew_Grammar/126._Determination_by_Means_of_the_Article#GHGpar-126-m GKC §126m]).&amp;lt;br /&amp;gt;Mitgehört werden muss nach V. 6 natürlich dennoch: Solches bist du gerade &#039;&#039;nicht&#039;&#039;, du „Königreich von Priestern und heilige Nation“: Weder Priester, der sich Gott naht, noch heilig genug dafür. Die Differenzierung „die Priester und das Volk“ in V. 24 macht dann sogar noch deutlicher, dass hier durchaus zu differenzieren sei: Natürlich ist das Volk &#039;&#039;kein&#039;&#039; allgemeines „Königreich von Priestern“.&amp;lt;br /&amp;gt;Die heute übliche Erklärung, hier seien konkrete Priester gemeint und die Vv. seien nur vorsorglich hier schon mal von den Kultpriestern gesagt, die es &#039;&#039;künftig&#039;&#039; geben soll (z.B. Dozeman 2009; Kass 2021), kann kaum richtig sein – was hätte das hier zu suchen? Ältere Ausleger haben daher meist nach Personengruppen unter den Israeliten gesucht, die schon von Haus aus und vor der Einsetzung von Priestern &#039;&#039;aktuell&#039;&#039; „Priester“ genannt werden könnten. Die jüd. Ausleger dachten meist an die Erstgeborenen der israelitischen Familien, die später durch die Leviten ersetzt werden sollten und die „durch natürliches Recht Priester waren“ (Menochio. S. [[Exodus 13#s2 |Ex 13,2]]; [[Numeri 3#s12 |Num 3,12]]; [[Numeri 8#s16 |Num 8,16]]; so z.B. Mechilta; b.Zeb 115b; j.Meg i 13 u.ö.; auch Nikolaus von Lyra; Matthew Poole). Ähnlich dachte Baumgarten 1843 an die, „welche nach natürlichem Rechte und Brauch bis dahin des Priesteramtes gepflegt haben“, also die Familienoberhäupter (auch Keil 1861; Strack 1894; schon Chizkuni). Am erwägenswertesten Jacob 1997, der lakonisch festhält: „Heute sind alle Israeliten Priester“ – gemeint wären also &#039;&#039;alle&#039;&#039; Israeliten am Fuß des Bergs. Aber das widerspricht der Logik des Texts; nach Vv. 4-6 werden die Israeliten „Priester“ erst mit Vertragsschluss, was [[Exodus 24#s3 |Ex 24,3-8]] auch überdeutlich macht, und die Israeliten &#039;&#039;haben&#039;&#039; sich ja schon „geheiligt“, sogar übertrieben lang. Wieder ist übrigens das Heiligkeitskonzept ein anderes als das in V. 6; s.o.&amp;lt;/ref&amp;gt; die sich JHWH [für gewöhnlich] nahen,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;sich nahen&#039;&#039; - Partizip; die Priester werden hier also &#039;&#039;charakterisiert&#039;&#039; als solche, die dies üblicherweise tun.&amp;lt;/ref&amp;gt; müssten (müssen, sollen) sich heiligen, damit nicht JHWH bei ihnen einbricht (nicht, dass JHWH bei ihnen einbricht)!“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;bei ihnen einbrechen&#039;&#039; - Wortspiel mit dem „durchbrechen“ im V. zuvor. Gemeint ist hier aber nicht ebenfalls die Grenze; das Wort in V. 22 kann z.B. verwendet werden von einer Seuche, die an einen Ort „einbricht“ ([[Psalm 106#s29 |Ps 106,29]]) oder einem Krieger, der über jemanden „herfällt“ ([[Ijob 16#s14 |Ijob 16,14]]).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|23}} Mose erwiderte (sagte) JHWH: „Das Volk kann [doch gar] nicht hinaufsteigen auf den Berg Sinai. Schließlich (Denn) hast &#039;&#039;du&#039;&#039; uns gewarnt {wie folgt}: ‚Grenze den Berg ab und heilige ihn!‘“&amp;lt;ref&amp;gt;Das hatte Gott &#039;&#039;nicht&#039;&#039; gesagt; in V. 12 war die Rede davon, &#039;&#039;das Volk&#039;&#039; abzugrenzen und &#039;&#039;dieses&#039;&#039; zu heiligen. Mose gesteht mit diesem Satz also ein, dass in der Tat trotz der langen Vorbereitung und der „Heiligung“ des Volks der Berg nach wie vor zu heilig und damit tabu ist selbst für die „geheiligten“ Israeliten. Gleiches galt für die priesterschriftliche Schule für die Stiftshütte und den Tempel in Jerusalem (s. [[Leviticus 16#s2 |Lev 16,2f.]]; vgl. z.B. Albertz 2015), die nur vom „Hohepriester (Aaron)“ betreten werden durften (s. im nächsten V.!). Für die deuteronomistische Schule nicht; s. etwa [[Exodus 33#s12 |Ex 33,12]] vom Laien Josua. Es wird immer offensichtlicher, wie in Vv. 19-25 nicht nur erzählt, sondern vor allem Kontroverstheologie narrativ ausgetragen wird.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|24}} Aber (und) JHWH sagte zu ihm: „Geh! Steig hinab! Und dann steig wieder hinauf, und Aaron (und dein Bruder Aaron)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Aaron&#039;&#039; - für die priesterschriftliche Schule das Urbild des Priesters (s. [[Numeri 3#s3 |Num 3,3]]), obwohl er erst in [[Exodus 29 |Ex 29]] gemeinsam mit seinen Söhnen auch offiziell als Priester eingesetzt werden wird. In [[Exodus 24#s1 |Ex 24,1]] werden denn auch tatsächlich neben Mose auch Aaron zwei seiner Söhne den Berg besteigen.&amp;lt;br /&amp;gt;Viele neuere Ausleger glauben, der Sinai solle in Vv. 20-25 und [[Exodus 24#s1 |Ex 24,1]] als Symbol für den Tempel in Jerusalem dargestellt werden, mit den drei Zonen Vorhof = Bergesfuß für das Volk, Bergflanke = Tempelgebäude nur für Priester, Berggipfel = Allerheiligstes nur für den Hohepriester (und Mose. Vgl. z.B. Rodríguez 1986 mit guter Grafik auf S. 133; Morales 2011, S. 260-276; Kim 2014b, S. 184-186; Kilchör 2020). Es ist klar, dass hier wie später im Tempel differenziert wird zwischen den Zugangsrechten des ersten Hohepriesters Aaron und gewöhnlichen Priestern. Aber ob der Grund wirklich der ist, dass der Sinai wirklich als &#039;&#039;Symbol&#039;&#039; für den Tempel gestaltet werden soll, ist doch fraglich: Zwischen Bergflanke und Berggipfel wird jedenfalls nicht sehr deutlich differenziert, und dass in Ex 24,1 neben Aaron auch seine beiden Söhne genannt werden, aber in V. 2 weder Aaron noch seine Söhne auch auf den Gipfel dürfen, macht das unwahrscheinlich: Die Verse wollen differenzieren zwischen „echten“ Priestern und Volk, nicht Verhaltensregeln für den Jerusalemer Tempel begründen. Oder soll Ex 24,1 mit der Nennung gerade von Nadab und Abihu bereits [[Numeri 3#s4 |Num 3,4]] vorbereiten und besagen, dass diese beiden übrigens grundsätzlich anmaßend waren? Dann fehlte trotzdem noch Aaron in V. 2.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT, Sam, VUL und die meisten Targumim nur &#039;&#039;Aaron&#039;&#039;, aber LXX, VL, Geniza-Tg F und Syr wie üblich „dein Bruder Aaron“. Unsicher: Entweder assim-usu oder Haplographie: In {{hebr}}אַהֲרֹן אָחִיךָ{{hebr ende}} konnte leicht eines von beiden Worten als Haplographie entfallen.&amp;lt;/ref&amp;gt; mit dir! Aber Priester (die Priester)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Priester&amp;quot; /&amp;gt; und Volk (das Volk) dürfen nicht durchbrechen, um hinaufzusteigen zu JHWH, damit er nicht (; nicht, dass er) einbricht bei ihnen!“&lt;br /&gt;
{{S|25}} Da stieg Mose hinab (hinab vom Berg)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Die meisten Vrs. wie in der Primärüs. Dagegen Sam, TgPsJ, TgN, Geniza-Tg F: „er stieg hinab &#039;&#039;vom Berg&#039;&#039;“. Assim-V. 14? Alternativ Tov 2017, S. 9: Explan. Ein versehentlicher Ausfall oder eine bewusste Streichung wäre jedenfalls nicht gut erklärlich.&amp;lt;/ref&amp;gt; zum Volk und sagte zu ihm: (gebot ihm.)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;sagte zu ihm: (gebot ihm.)&#039;&#039; - &#039;&#039;`amar&#039;&#039; heißt nicht „sprechen“; wenn es nicht i.S.v. „befehlen, gebieten“ verwendet wird, fordert es ein Objekt oder eine direkte Rede, die „gesagt“ wird. Vgl. Meier 1992, S. 62-68, bes. S. 67: Er zählt unter 4132 analysierten Stellen nur 22, in denen das anders sei. Eine Reihe davon lassen sich auch noch gut erklären (z.B. mit Substantivsätzen, Brachylogien oder der Üs. als „gebieten“; zu Letzterem s. ebd.); letztlich bleiben danach nur noch [[Genesis 4#s8 |Gen 4,8]]; [[Numeri 23#s19 |Num 23,19]]; [[2 Chroniken 32#s24 |2 Chr 32,24]]; [[Ijob 8#s10 |Ijob 8,10]]; [[Psalm 50#s12 |Ps 50,12]] und [[Jesaja 38#s15 |Jes 38,15]]. Darunter sind Gen 4,8; 2 Chr 32,24; Jes 38,15 auch noch textkritisch problematisch; insgesamt bleiben mit unserem Vers also nur 4 sichere Stellen unter 4132 – gewiss zu wenig, um &#039;&#039;`amar&#039;&#039; i.S.v. „sprechen“ z.B. mit Konkel 2004, S. 26 als seltenen, aber gewöhnlichen Gebrauch des Worts anzusehen. Es macht aber auch keinen Sinn, aufzulösen: „Er sagte zum Volk: ‚&#039;&#039;Und es sprach&#039;&#039; Gott... [Zehn Gebote]‘“ (so z.B. Dozeman 2009; Berner 2013, S. 387; richtig dagegen z.B. Propp 2006). Entweder ist die Stelle also so zu erklären, dass „und er sagte zum Volk“ das folgende „Und Gott redete alle diese Worte, indem er sagte“ ([[Exodus 20#s1 |Ex 20,1]]) &#039;&#039;ersetzen&#039;&#039; sollte (=&amp;gt; Redaktionskritik), oder man übersetzt „er gebot ihnen“, er gab also Gottes Befehl weiter.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{sekundär ende}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Exodus 19 ist ein Spitzentext des Ersten Testaments. Hier beginnt der längste zusammenhängende Abschnitt der Bibel: Die sog. „Sinai-Perikope“, die erst in [[Numeri 10#s11 |Num 10,11]] enden und dann noch einmal länger im Buch Dtn rekapituliert werden wird und die sich hauptsächlich aus mehreren Gesetzessammlungen und Aufzählungen zusammensetzt. Ex 19-24, die „vordere Sinai-Perikipe“, ist davon die Einleitung, die mit der Erzählung in Kap. 19 v.a. den Rahmen dafür bereitet, dass Gott im Folgenden Gebot auf Gebot erlassen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Ex 19 ist außerdem ein Lieblingskapitel von Redaktionskritikern (=&amp;gt; &#039;&#039;&#039;Redaktionskritik&#039;&#039;&#039;). Aus guten Gründen: Dass die Israeliten in Vv. 1-2 doppelt den Sinai erreichen und in [[Numeri 10#s12 |Num 10,12]]; [[Numeri 10#s33 |10,33.35]] doppelt von dort wieder aufbrechen, zeigt deutlich, dass Ex 19 ein zusammengesetzter Text ist, an dem mindestens zwei Autoren(kreise) geschrieben haben. Die konkretere Entstehungsgeschichte des Texts ist außerordentlich umstritten; weil es hier aber auch für das rechte Verständnis der einzelnen Abschnitte so wichtig ist (Crüsemann 2015, S. 40: „Wenn irgendwo, ist hier Literarkritik nötig und unvermeidlich“), sollen hier wenigstens die gröbsten Aspekte dieser Entstehungsgeschichte nachvollzogen werden. Im letzten Absatz ist das Wichtigste der folgenden Diskussion zusammengefasst; der weniger interessierte Leser kann ohne Verlust [[#Wichtig |direkt zu diesem Absatz]] springen.&amp;lt;br /&amp;gt;Es ist erstens klar, dass Ex 19 überwiegend &#039;&#039;&#039;keine alten Traditionen&#039;&#039;&#039; verarbeitet hat, sondern dass das Gros des Kapitels spät entstanden ist: Davon, dass am Sinai Gebote erlassen worden sind, weiß erst das junge Buch Nehemia ([[Nehemia 9#s13 |Neh 9,13f.]]; vgl. z.B. Schmid 2016). Ist in alten Texten wie [[Deuteronomium 33#s2 |Dtn 33,2]]; [[Richter 5#s5 |Ri 5,5]]; [[Psalm 68#s9 |Ps 68,9.18]] vom Sinai die Rede, ist es ein Berg unter vielen (Schmid 1976, S. 154f.: „Sinaischweigen“ der biblischen Texte). Im Ersten Testament gibt es eine Reihe von Stellen, die die wichtigsten Ereignisse der israelitischen Heilsgeschichte zusammenfassen (bes. [[Deuteronomium 6#s20 |Dtn 6,20-24]]; [[Deuteronomium 26#s5 |26,5-9]]; [[Josua 24#s2 |Jos 24,2-13]]; [[Psalm 78|Ps 78]]; [[Psalm 105 |105]]; [[Psalm 106 |106]]; [[Psalm 135 |135]]; [[Psalm 136 |136]]); in keinem davon ist von Geschehnissen am Sinai die Rede (vgl. z.B. Booij 1984, S. 2f.; Crüsemann 2015, S. 44). Wenn in späteren Texten vom Bundesschluss oder der Gesetzesgabe die Rede ist, geschah das nicht am Sinai, sondern entweder „beim Auszug aus Ägypten“ oder „in der Wüste“ ([[Richter 2#s1 |Ri 2,1f.]]; [[Psalm 81#s7 |Ps 81,7-12]]; [[Jeremia 7#s22 |Jer 7,22-25]]; [[Jeremia 11#s3 |11,3-7]]; [[Jeremia 31#s32 |31,32]]; [[Jeremia 34#s13 |34,13f.]]; [[Ezechiel 20#s5 |Ez 20,5.10f.]]; vgl. Crüsemann 2015, S. 52ff.). Die Erscheinung Gottes am Ende von Ex 19 ist laut unserem Kapitel die größte und eindrücklichste der ganzen Bibel; Verfasser anderer Theophanien scheinen sie aber nicht zu kennen (Jeremias 1965, S. 109f.). Selbst [[Numeri 33 |Num 33]], in dem noch einmal die einzelnen Stationen der Reise Israels nachvollzogen werden, weiß nichts von einem Berg in der Wüste Sinai (Roskop 2011, S. 183f.). Man geht daher in der neueren Redaktionskritik überwiegend entweder davon aus, dass in den ältesten Schriftquellen des Pentateuch die Moseerzählung entweder mit dem Durchzug durchs Meer endete oder dass danach allenfalls „Itinerare“ (also Weg-Angaben wie hier „Sie zogen von Refidim fort, kamen in die Wüste Sinai und lagerten in der Wüste.“ in V. 2) folgten. Alles andere im Kapitel wären dann jüngere Fortschreibungen dieses Itinerars.&amp;lt;br /&amp;gt;Recht große Einigkeit besteht zweitens darin, dass wegen der Terminologie &#039;&#039;&#039;V. 1&#039;&#039;&#039; priesterschriftlich ist und md. &#039;&#039;&#039;Vv. 4-8&#039;&#039;&#039; deuteronomistisch (zum Alternativvorschlag, die Vv. seien noch jünger, s. zu V. 3). Diese Verse weisen voraus auf [[Exodus 24#s4 |Ex 24,4-8]]; beide Abschnitte rahmen damit die vordere Sinaiperikope als „Fachwerk, in das das Bundesbuch &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;[[Exodus 20#s22 |Ex 20,22-23,33]]] eingehängt ist“ (Otto 1996b, S. 78) – auch das dürfte noch mehrheitsfähig sein und wird gleich wichtig werden für die Interpretation von V. 6.&amp;lt;br /&amp;gt;Drittens: &#039;&#039;&#039;V. 9&#039;&#039;&#039; ist ein nachdeuteronomistischer Nachtrag, wie die Wiederaufnahme des Vers-Endes von V. 8 in V. 9 deutlich zeigt (so fast alle Redaktionskritiker). Zu diesem Vers gehört wahrscheinlich auch die &#039;&#039;&#039;Vv. 19-20a&#039;&#039;&#039;, an deren Ende ebenfalls V. 18 wiederaufgenommen wird und die einlösen, was V. 9 verspricht (z.B. Oswald 1998, S. 42f.72; Albertz 2015; Germany 2017, S. 116; Stoppel 2018, S. 310). Die Erwähnung von Aaron in V. 24 macht außerdem sehr wahrscheinlich, dass &#039;&#039;&#039;Vv. 24f.&#039;&#039;&#039; (post)priesterschriftlich sind, falls nicht nur die Rede von Aaron Nachtrag in diesen Vers ist.&amp;lt;br /&amp;gt;Bis hierhin ist die Entstehungsgeschichte des Kapitels recht klar; die folgenden Verse aber sind umstritten. Es ist gewiss, dass im deuteronomistischen Text nach V. 8 noch etwas folgen muss, bevor ab Kap. 20 Gottes Gebote erlassen werden können. [[Deuteronomium 5#s4 |Dtn 5,4]] setzt mindestens &#039;&#039;&#039;V. 18&#039;&#039;&#039; voraus, der danach nicht (post)priesterschriftlich sein wird. [[Deuteronomium 5#s5 |Dtn 5,5]] setzt außerdem md. die Vv. [[Exodus 20#s18 |Ex 20,18f]] voraus, die wiederum voraussetzen, dass sich Mose gerade beim Volk befindet – anders, als die &#039;&#039;&#039;Vv. 20-23&#039;&#039;&#039; erzählen. Damit sind die Vv. 20-25 insgesamt recht wahrscheinlich nachdeuteronomistisch und &#039;&#039;&#039;V. 17&#039;&#039;&#039; dürfte (vor)deuteronomistisch sein.&amp;lt;br /&amp;gt;Damit bleiben &#039;&#039;&#039;Vv. 10-16&#039;&#039;&#039;, die am schwierigsten zu beurteilen sind:&amp;lt;br /&amp;gt;Rechnet man Vv. 9a.19 zur selben Text-Schicht wie Vv. 20-25, könnte man &#039;&#039;&#039;insgesamt&#039;&#039;&#039; eine (vor)deuteronomistische und eine (nach)priesterschriftliche Sinaierzählung basteln, etwa:&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;JE + [D]&#039;&#039;&#039;: 2a.3b.[4-8.]10.13b-14.17-18: Die Israeliten kommen aus Refidim in die Wüste Sinai und lagern dort (2a). Mose wird auf den Berg gerufen (3b) [und bekommt dort den Vertrags-Antrag (4-6), den das Volk annimmt (7-8a), was Mose Gott zurückmeldet (8b)]. Gott befiehlt daraufhin, dass Mose das Volk heiligen und dieses sich die Kleider waschen soll (10), denn zum Signal des Widderhorns (statt des „Schofar“) soll das ganze Volk den Berg besteigen (13b). Also heiligt Mose das Volk und dieses wäscht die Kleider (14, s. 10), dann führt er es zum Fuß des Berges (17), der sogleich zu brennen und zu rauchen beginnt (18). Als das Volk Rauch und Flammen sieht, gerät es in Panik und will den Berg lieber nicht besteigen... (20,18ff).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;P (?) + [post-P]&#039;&#039;&#039;: Vv. 1.2b-3a.[9a.]11-13a.15-16.[19.]20-25: Die Israeliten kommen in der Wüste an (1), lagern sich am Berg (2b), Mose steigt hinauf (3a). Gott spricht, [dass er im Wolkendunkel kommen wolle, damit das Volk an Mose glaubt (9a);] das Volk soll sich für die Ankunft Gottes am dritten Tag bereiten (11). Mose soll außerdem Berg und Volk abgrenzen (12a), denn auf das Berühren des Berges steht die Todesstrafe (12b-13a). Mose befiehlt also, sich für den dritten Tag zu bereiten (15, s. 11), und wirklich kommt Gott am dritten Tag in dunklem Gewölk und zu Schofarklang (16, s. 11). [Während Mose und Gott redet, wird dieser Schofarklang sogar immer lauter (19, s. 16)]. Bevor die Rede auf den Inhalt des Gesprächs kommt, muss Mose allerdings noch einmal auf den Berg, um dort den Auftrag zu bekommen, dem Volk noch einmal einzuschärfen, den Berg nicht zu besteigen (20-25, s. 12-13a).&amp;lt;br /&amp;gt;Aber nichts zwingt dazu, Vv. 10-16 auf zwei Quellen aufzuteilen, und neuere Redaktionskritiker glauben überwiegend, im priesterschriftlichen Geschichts-Entwurf sei auf V. 1 direkt [[Exodus 24#s15 |Ex 24,15b]] oder ursprünglich [[Exodus 25#s1 |Ex 25,1]] gefolgt (24,15b z.B. Elliger 1952, S 121f.; Weimar 2008, S. 293; Sommer 2015, S. 53; 25,1 z.B. Pola 1995; Schmid 2010; zur Diskussion vgl. neuerdings Hutzli 2023, S. 284f.328). Teile von „P“ J zuzuweisen geht kaum an, weil Ex 19 so gar keinen Nachhall in frühen Texten gefunden hat. Geht man also von nur einer Sinaierzählung aus, könnten zwar Vv. 11-13a gut Ergänzung aus der selben Feder sein wie Vv. 9.19-25, ändern aber wenig am Sinn des Textes, weshalb man sie besser nicht ausscheidet. Als &#039;&#039;&#039;Entstehungsgeschichte&#039;&#039;&#039; kann man dann annehmen: Die ursprüngliche (spätvorexilische?) Sinaierzählung erzählte davon, wie die Israeliten zum Berg in der Wüste Sinai gelangten, wo dem ganzen Volk Gott erschien, um sein Gesetz in [[Exodus 20#s22 |Ex 20,22-23,33]] zu erlassen. Doch die Israeliten fürchteten sich vor dieser Erscheinung, so dass Mose allein Empfänger dieses Gesetzes sein musste ([[Exodus 20,18 |Ex 20,18-21]]). Daher schrieb er es auf ([[Exodus 24#s4 |24,4a]]) und besiegelte es in 4b mit einer Zeichenhandlung.&amp;lt;br /&amp;gt;Ein deuteronomistischer Autor nahm die Gelegenheit wahr, rahmte diese Erzählung mit 19,4-8 und [[Exodus 24#s5 |Ex 24,5-11]] und schrieb so die deuteronomistische Bundestheologie und die frühdeuteronomistische (?) Kulttheologie in die Perikope ein (zur Kulttheologie s. z.B. die Kap. [[Deuteronomium 12 |Dtn 12]]; [[Deuteronomium 27 |27]], die noch ganz selbstverständlich voraussetzen, dass das Volk selbst Opfer an Kultstätten darbringt. Vgl. zu dieser Behauptung der dtr. Schule v.a. auch die priesterschriftliche Polemik dagegen in [[Numeri 16 |Num 16]]; dazu z.B. Blum 1990, S. 263-271).&amp;lt;br /&amp;gt;Ein postpriesterschriftlicher Autor dagegen war nicht einverstanden mit der Vorstellung, dass Gott zu ganz Israel gesprochen und ganz Israel sogar Gott gesehen haben solle, darum fügte er erstens die Ergänzung 19,9a ein, um direkt vor dem Vers von der Vorbereitung des Volks klarzumachen, dass die Gotteserscheinung nur Mose allein gelten wird, vielleicht in Vv. 11-13a direkt vor der Rede davon, dass ganz Israel den Berg hinaufsteigen soll, stattdessen den ergänzenden Abschnitt, nach dem im Gegenteil der Berg für das Volk tabu war, in V. 19 einen Vers, laut dem der den Aufstieg signalisierende Schofarklang gar nicht aufgehört und Mose &#039;&#039;währenddessen&#039;&#039; mit Gott geredet habe, in Vv. 20-25 noch einmal eine doppelte Bekräftigung, dass wirklich der Berg für Israel tabu war, weil nur Mose und Aaron ihn besteigen durften, und in [[Exodus 24#s1 |24,1f.]] schließlich noch einen kurzen Abschnitt, der gewiss Vv. 3-11 ersetzen sollte (vgl. mit [[Exodus 24#s9 |Vv. 9-11]]) und nach dem die 70 Ältesten gerade nicht in die Nähe von Gott gekommen seien und das Volk nicht einmal auf den Berg gelangt sei.&amp;lt;br /&amp;gt;{{anchor|Wichtig}}&#039;&#039;&#039;Wichtig&#039;&#039;&#039; ist hiervon für das folgende v.a., dass Vv. 4-8 deuteronomistisch sind und sich auf 24,4-8 beziehen und dass md. Vv. 9.19-25 ursprünglich sehr wahrscheinlich nicht zu Kap. 19 gehörten, sondern &#039;&#039;Korrekturen&#039;&#039; theologischer Gegner waren. Im Folgenden wird dennoch versucht, den Endtext insgesamt sinnvoll auszulegen.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum &#039;&#039;&#039;Inhalt&#039;&#039;&#039;: Nachdem Gott die Israeliten aus Ägypten befreit und durch das Meer geführt hat, bringt er sie nun an den Berg Sinai (&#039;&#039;&#039;Vv. 1-2&#039;&#039;&#039;), um ihnen durch Mose vorzuschlagen (&#039;&#039;&#039;V. 3&#039;&#039;&#039;), nun auch offiziell seine „Vasallen“ zu werden: Ein Königreich, das insgesamt als Priester für den König JHWH zu dienen hat, eine Nation, die von groß bis klein ihm zugehörig sein soll (&#039;&#039;&#039;Vv. 4-6&#039;&#039;&#039;).&amp;lt;br /&amp;gt;Traditionell wird dies meist übersetzt als „Wenn ihr den &#039;&#039;Bund&#039;&#039; mit mir halten wollt, sollt ihr unter allen Völkern mein &#039;&#039;Schatz&#039;&#039; sein: Ein &#039;&#039;Königreich/Königtum&#039;&#039; von &#039;&#039;Priestern&#039;&#039;, eine &#039;&#039;heilige&#039;&#039; Nation.“ Man kann sich heute daher nur schwer von der Vorstellung freimachen, hier werde etwas unendlich Positives und Israel über alle Völker hinaus Würdigendes vorgeschlagen: „Bund“ klingt nach Augenhöhe, „Schatz“ und „Königreich“ sind sehr positiv aufgeladene Begriffe, und „Priester“ und „Heiligkeit“ werden doch wohl in der Bibel auch etwas Gutes sein. Liest man die Bibel außerdem von vorne nach hinten, ist man im Buch Genesis soeben mit dem „Noah-Bund“ und dem „Abrahams-Bund“ konfrontiert worden und damit mit einem sehr anderen „Bundes-Konzept“, in dem vor allem lag, dass Gott &#039;&#039;sich selbst&#039;&#039; dazu verpflichtete, ausgewählte und besonders würdige Personen zu belohnen. Entsprechendes erwartet man dann auch hier.&amp;lt;br /&amp;gt;Damit ist der Antrag aber aller Wahrscheinlichkeit nach falsch verstanden. Was Mose den Israeliten hier antragen soll, ist zunächst ein &#039;&#039;Vertrag&#039;&#039;: Das Wort stammt aus dem Bereich der Politik und beschreibt die Vereinbarung zwischen ungleich Gestellten wie insbesondere zwischen Großkönig und den von ihm unterworfenen regionalen Herrschern, die ihm mit diesem Vertrag vasallenpflichtig wurden. Man ist sich heute in der Forschung auch recht einig, dass sich die israelitische „Bundes-Theologie“ in den Büchern Ex-Dtn, die auch im Hintergrund dieses Abschnitts steht und sich etwa vom Bund mit Noah &#039;&#039;sehr unterscheidet&#039;&#039;, aus solchen antiken Vasallenverträgen heraus entwickelt hat (vgl. zur Stelle schön knapp z.B. Assmann 2015b, S. 19). Was in Vv. 3-8 genauer geschieht, entspricht auch insgesamt dem antiken Vertragswesen: In Kapitel 19 wird nicht schon der Vertrag geschlossen, sondern er wird nur grob umrissen angetragen, ohne schon Details zu klären; willigt der Vertragspartner (=Israel) ein, werden danach Nägel mit Köpfen gemacht wie hier in den folgenden Kapiteln mit dem Erlass der Zehn Gebote und des Bundesbuchs als den konkreteren Vertragsinhalten (vgl. gut z.B. Polak 2004), und erst danach wird in [[Exodus 24#s1 |Ex 24,1-11]] besagter Vertrag ratifiziert.&amp;lt;br /&amp;gt;Mit diesem Vertrag nun wird Israel nicht zum „Kronschatz“ Gottes, sondern entweder sein &#039;&#039;Eigentum&#039;&#039; oder sein &#039;&#039;Vasall&#039;&#039;, grosso modo also zur „Kolonie Gottes“ (s. zum Wort in V. 5), über die der Kolonialherr JHWH als König herrscht. Da die Israeliten damit Kolonialbürger eines &#039;&#039;Gottes&#039;&#039; werden, sind sie fortan „Priester“ (V. 6). Dieses Wort ist heute positiver konnotiert als zumindest stellenweise in der Bibel: Gerade die deuteronomistische Schule setzt die Situation voraus, dass Priester &#039;&#039;Leviten&#039;&#039; sind und als solche auf einer Stufe mit den armseligen Migranten, Waisen und Witwen stehen ([[Deuteronomium 14#s29 |Dtn 14,29]]; [[Deuteronomium 16#s11 |16,11.14]]; [[Deuteronomium 26#s11 |26,12f.]]). Primär bedeutet „Priester“ und „heilig“ (s. gleich) nach der Rede von Israel als Gottes „Vasallen-Nation“ wohl nicht mehr als: „Gottes-Diener“ (so Ramban; ähnlich Rabbenu Bahja: „Der Sinn ist: Ihr sollt mein Besitz sein“); Vv. 5-6 müssen insgesamt nicht mehr bedeuten als das oben zitierte „wenn du diesen Vertrag einhältst, werde ich dich als Untertan annehmen“ – nur eben ins Religiöse gewendet. Aber s.o. zu weiteren möglichen Bedeutungen, die mindestens mitschwingen könnten. Als solche Priester sollen sie für Gott „heilig“ sein. Wieder ist dies nichts ausschließlich Positives; ein „Heiliger“ ist in der Vorstellung des Deuteronomiums keine Person mit Vorbildcharakter wie im heutigen Sprachgebrauch, sondern „heilig“ heißt zunächst nur, &#039;&#039;Gottes&#039;&#039; Volk zu sein und dafür aber auch eine ganze Reihe von Ge- und Verboten einhalten zu müssen – Israel wird hier also auch zu &#039;&#039;Disziplin und Verzicht&#039;&#039; berufen. &#039;&#039;Bedingung&#039;&#039; dafür, dass Israel Gottes Kolonie werden darf, ihm als Priester dienen darf und seine Gebote beachten darf, ist dann auch noch, dass die Israeliten Vertragsbedingungen einhalten werden, die ihnen noch gar nicht bekannt sind und als die sich im Folgenden eine ganze Kanonade von Verordnungen entpuppen werden, und dass sie grundsätzlich „auf Gottes Stimme hören“ werden. Man könnte geradezu paraphrasieren: „Ich habe euch ja nun geholfen (und, by the way, ihr habt ja auch gesehen, wie hart ich strafen kann. Nur so als Hinweis). Nun fordere ich daher von euch, dass ihr mir gehorcht. Wenn ihr das tut, dürft ihr meine Knechte sein“. Von einer &#039;&#039;Gegenleistung&#039;&#039;, die Israel für diese Knechtung zu erwarten hat, ist dagegen gar nicht die Rede.&amp;lt;br /&amp;gt;Natürlich &#039;&#039;ist&#039;&#039; die Wahl des „erwählten Volkes“ an sich sehr wohl eine unendliche Würdigung; das Dtn wird gar nicht müde, das zu betonen. Und natürlich &#039;&#039;hat&#039;&#039; Israel für seine Vertragstreue an sich sehr wohl positive Gegenleistungen Gottes zu erwarten (s. z.B. [[Deuteronomium 7#s9 |Dtn 7,9f.]]; [[Deuteronomium 26#s19 |26,19]]). Nur – gerade hier wird anders als im Dtn beides mit keinem Wort erwähnt. Es überrascht daher sehr, dass die nörgelnden und ungehorsamen Israeliten (s. [[Exodus 14#s11 |Ex 14,11f.]]; [[Exodus 15#s24 |15,24]]; [[Exodus 16#s2 |16,2f.]].[[Exodus 16#s25 |25-29]]; [[Exodus 17#s2 |17,2-7]]) in &#039;&#039;&#039;Vv. 7-8&#039;&#039;&#039; so spontan und mit einer Stimme diesen unattraktiven Vertrag eingehen wollen, ohne auch nur seinen Inhalt zu kennen. Wenig überraschend kommt es dagegen, dass im Kapitel [[Exodus 32 |Ex 32]], das sich ursprünglich direkt an Ex 24 angeschlossen hat, just in dem Moment, da Mose den Vertrag verschriftlicht, die Israeliten ihn bereits das erste Mal brechen, indem sie das goldene Kalb gießen und zu diesem beten. Gott erlässt daraufhin für einen neuen Vertrag in [[Exodus 34 |Ex 34]] andere 10 Gebote und lenkt dann die kultischen Bedürfnisse des Volks in geordnete Bahnen, indem er in [[Exodus 35 |Ex 35-39]] einen portablen Tempel errichten und in [[Exodus 40 |Ex 40]] Aaron und seine Nachkommen zu Priestern darin bestellen lässt. Im Talmud haben Rabbi Simai (2. Jhd.) und Rabbi Chama (3. Jhd.) diese enorme Ermächtigung des Volks zu Priestern in unserem Kapitel und Ex 24 und die darauf folgende „Entmächtigung“ in Ex 35-40 so ausfabuliert, dass auf das „Ja“ der Israeliten in V. 8 tausende Engel ihnen sofort Kronen aufgesetzt und Ornate angetan hätten; nachdem sie das goldene Kalb gegossen hatten, hätten sie sie ihnen beides aber wieder genommen (b.Schab 88a). Aber das liegt noch in der Ferne; hier haben die Israeliten zunächst grundsätzlich eingewilligt, mit Gott einen Vasallenvertrag zu schließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zuvor präzisiert Gott in &#039;&#039;&#039;V. 9&#039;&#039;&#039; noch einen weiteren Zweck seiner Herabkunft: Nicht nur ein Vertrag zwischen Gott und Israel soll geschlossen werden, sondern das Folgende dient außerdem wie schon die Beauftragung des Mose laut [[Exodus 4#s31 |Ex 4,31]], das Meerwunder laut [[Exodus 14#s31 |Ex 14,31]] und später ähnlich auch die Transfiguration des Mose laut [[Exodus 34#s11 |Ex 34,11]] dazu, dass das mit Mose hadernde und so wenig auf ihn vertrauende Volk endlich auf ihn vertraut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sind dann aber die Präliminarien erledigt; &#039;&#039;&#039;Vv. 10-15&#039;&#039;&#039; schildern daher, wie Mose das Volk vorbereiten soll, damit es Gott nun selbst zum Vertragsabschluss begegnen kann: Auf seine „Heiligkeit“ soll das Volk sich vorbereiten, indem es sich selbst durch Waschungen und Askese „heiligt“ (&#039;&#039;&#039;Vv. 10.14f.&#039;&#039;&#039;). Für diese Vorbereitung wird dem Volk eine Zeit von drei Tagen eingeräumt (&#039;&#039;&#039;V. 11&#039;&#039;&#039;. Frühjüdische Schriften haben daher aus diesem Vers abgeleitet, dass eine Reihe von „Unreinheiten“ maximal drei Tage währen können). Für diese Zeit der Vorbereitung aber ist der Berg tabu; der Zutritt zu ihm wird auf Todesstrafe verboten (&#039;&#039;&#039;Vv. 12-13a&#039;&#039;&#039;). Erst, wenn als Signal eine Widderhorn-Fanfare ertönt ist, darf das Volk den Berg besteigen (&#039;&#039;&#039;13b&#039;&#039;&#039;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wirklich ist es dann am dritten Tag so weit: Gottes Herabkunft kündigt sich wie noch häufiger in der Bibel an durch den Aufruhr der Natur: Tosender Donner (?) erklingt, Blitze zucken über dem Gipfel des Sinai, schweres Gewölk umhüllt den ganzen Berg, und wie später beim Tempelgottesdienst künden hier laute Schofar-Fanfaren die Ankunft Gottes an (&#039;&#039;&#039;V. 16&#039;&#039;&#039;). Schon hier fürchtet sich das Volk; Mose aber führt sie zum Bergesfuß, um das Ende der Signalfanfare abzuwarten (&#039;&#039;&#039;V. 17&#039;&#039;&#039;). In &#039;&#039;&#039;V. 18&#039;&#039;&#039; ist dann Gott auf dem Sinai angekommen: nun brennt nicht mehr der Himmel, sondern der Berggipfel brennt; nun ist nicht mehr der Himmel umwölkt, sondern der Berg verraucht; nun grollt nicht mehr der Himmel, sondern der Berg; und das Schofar-Getöse, das schon von Morgen an erschallte, nimmt ohrenbetäubende Ausmaße an (&#039;&#039;&#039;19a&#039;&#039;&#039;): Noch ist die Zeit des Aufstiegs nicht gekommen; zunächst muss der Vertragsinhalt verlesen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;V. 19b-25&#039;&#039;&#039; berichten daher, wie Gott Mose ein weiteres Mal einschärft, das Volk vom Berg fernzuhalten: Noch hat Israels Vertrag mit Gott keine Gültigkeit; noch ist es weder „heilige Nation“ noch „Königreich von Priestern“ – aber selbst Priester müssten sich erst noch heiligen, bevor sie es wagen dürften, sich dem Berg zu nähern (&#039;&#039;&#039;Vv. 21f.24&#039;&#039;&#039;). Mose ist leicht verwirrt: Das ist doch fast exakt das, was er dem Volk im Auftrag Gottes schon in Vv. 12f. klargemacht hat (&#039;&#039;&#039;V. 23&#039;&#039;&#039;)? Aber die Sache ist zu wichtig. Und so steigt Mose vom Berg herab und übermittelt dem Volk Gottes Gebot. Dann endlich ist es so weit; in [[Exodus 20#s1 |Ex 20,1]] macht Gott sich daher an die Verlesung des ersten Teils der Vertragsbedingungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
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		<title>Genesis 31</title>
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		<updated>2025-10-30T21:19:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Syntax&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Zuverlässige Studienfassung}}&lt;br /&gt;
{{Lesefassung kann erstellt werden}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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{{L|47}}&lt;br /&gt;
{{L|48}}&lt;br /&gt;
{{L|49}}&lt;br /&gt;
{{L|50}}&lt;br /&gt;
{{L|51}}&lt;br /&gt;
{{L|52}}&lt;br /&gt;
{{L|53}}&lt;br /&gt;
{{L|54}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|1}} Und er (Jakob)&amp;lt;ref&amp;gt;Nach MT, SamP, VUL und den Targumim steht hier kein Subjekt. Schon das legt nahe, dass mindestens V. 1 noch zu Kapitel 30 gehören soll (die moderne Einteilung der Bibel in Kapitel stammt erst aus dem 13. Jhd.). Masoretische, samaritanische und syrische Handschriften haben ein Abschnittszeichen sogar erst nach V. 2. Ziehen wir Vv. 1-2 zu Kapitel 30 (so auch Goldingay 2020; häufiger wird nur V. 1 noch zu Kapitel 30 gezogen, z.B. von Wenham 1994; Seebass 1999; Taschner 2000, S. 108), schildern diese Verse die direkte Reaktion der Familie Labans auf Jakobs Gewinne und fügen sich so glatt in dieses Kapitel ein. Kapitel 31 beginnt mit V. 3 dann genau so wie [[Genesis 12#s1 |Gen 12]], was ebenfalls für diese Aufteilung spricht.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: LXX und Syr allerdings ergänzen das Subjekt &#039;&#039;Jakob&#039;&#039;. Wahrscheinlich haben beide wegen dem Wechsel der handelnden Figuren schon hier den Beginn einer neuen Szene gesehen und daher unnötigerweise das Subjekt ergänzt.&amp;lt;/ref&amp;gt; hörte die Reden (Worte) der Söhne Labans{, die besagten}: „Jakob hat alles genommen, was unserem Vater&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;unser Vater&#039;&#039; - Wortspiel: In &#039;&#039;laʾabinu&#039;&#039; klingt &#039;&#039;Laban&#039;&#039; an, was noch stärker macht, dass Labans Söhne Jakobs Besitz als Eigentum ihres Vaters Laban betrachten. Man beachte auch, wie das „all“ von Satz 1 zu Satz 2 von Laban zu Jakob transferiert wird: „Er hat genommen &#039;&#039;alles&#039;&#039;, was unserem Vater gehörte“ – „Aus &#039;&#039;dem&#039;&#039;, was unserem Vater gehörte, machte er &#039;&#039;all&#039;&#039; diesen Besitz.“&amp;lt;/ref&amp;gt; [gehört (gehörte)]; aus [dem], was unserem Vater [gehört (gehörte)], machte er all diesen Besitz (all diese Pracht)!“&amp;lt;ref&amp;gt;Offensichtlich eine Übertreibung, s. V. 19.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|2}} Und Jakob sah das Gesicht Labans{und siehe}: Es (Er?)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Gesicht&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;Es&#039;&#039; - also das Gesicht, nicht Laban selbst. „Das Gesicht war nicht mit ihm“ ist dann vermutlich ein etwas merkwürdiger Ausdruck für „es bezeigte sich nicht mehr gegen ihn wie früher“ (TEX), blickte also unfreundlicher. Gut BigS in V. 5: „Er sah am Gesicht Labans, dass er [nicht mehr mit ihm war wie früher]“. Aber s. noch zu V. 5; die Verse sind eine Herausforderung für Übersetzende.&amp;lt;br /&amp;gt;Der Ausdruck wurde wahrscheinlich für zwei weitere Wortspiele gewählt: Erstens kann Jakob so sowohl die Reden von Labans Söhnen (&#039;&#039;bane Laban&#039;&#039;) &#039;&#039;hören&#039;&#039; als auch Labans Gesicht (&#039;&#039;pane Laban&#039;&#039;) &#039;&#039;sehen&#039;&#039; und nimmt so gleich auf zwei Weisen wahr, dass nun nun wirklich die Zeit zum Aufbruch gekommen ist, weil sonst die Stimmung endgültig kippt (gut Sarna 2001; Vrolijk 2011, S. 185f.). Und zweitens kann so in Vv. 3.5 Gott, der „mit Jakob war“, mit Laban kontrastiert werden, dessen Gesicht in Vv. 2.5 „nicht mehr mit Jakob ist“ (gut z.B. Fokkelman 1975, S. 152; Frisch 2003, S. 286).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Nach MT sieht Jakob in Vv. 2.5 allerdings &#039;&#039;Laban&#039;&#039;, nicht sein &#039;&#039;Gesicht&#039;&#039;: &#039;&#039;ʾenennu&#039;&#039; („&#039;&#039;er&#039;&#039; war“) statt &#039;&#039;ʾenam&#039;&#039; („&#039;&#039;es&#039;&#039; war“). SamP, Syr und die Targumim dagegen bezeugen alle &#039;&#039;ʾenam&#039;&#039;. MT ist idiomatischer, lässt sich leicht als Assimilation von Vv. 2.5 an V. 3 erklären und ein Lesefehler von &#039;&#039;-am&#039;&#039; zu &#039;&#039;-ennu&#039;&#039; konnte leicht geschehen (vgl. Weiss 1963, S. 190); fast sicher ist daher MT sekundär und der etwas sperrige Text von SamP &amp;amp; Co. der ursprüngliche (so schon erwogen von Ball 1896; gegen BHQ).&amp;lt;/ref&amp;gt; war nicht [mehr] mit ihm wie (gestern vorgestern=) früher.&amp;lt;ref&amp;gt;Entweder sagen Vv. 1-2, dass Jakob &#039;&#039;sowohl&#039;&#039; Labans Söhne hört als auch Labans Gesicht sieht, oder V. 2 besagt, dass Laban sich von seinen Söhnen aufstacheln lässt und ist so Folgesatz auf V. 1 (so Radak; Sforno; Frisch 2003, S. 286). Dass Jakob sich in V. 5 nur auf V. 2 zurückbezieht, spricht leicht für Letzteres (richtig Frisch). Ähnlich VUL, wo Hieronymus mit Nebensatz – Hauptsatz übersetzt: „&#039;&#039;Nachdem&#039;&#039; er die Worte der Söhne Labans gehört hatte ..., bemerkte er auch das Gesicht Labans.“&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|3}} {Und} JHWH sprach zu Jakob: „Kehr zurück ins Land deiner Väter (deines Vaters)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Die Variante nur nach LXX (+ VL). BHQ denkt, dies sei spätere Angleichung an das „Haus deines Vaters“ in [[Genesis 12#s1 |Gen 12,1]], Wevers 1993, S. 498 besser, es sei Angleichung an den „Gott meines Vaters“ in Gen 31,5. Dass LXX die spätere Variante ist, ist angesichts der schwachen Bezeugung jedenfalls sehr wahrscheinlich.&amp;lt;/ref&amp;gt; und zu deiner Verwandtschaft (und an deinen Geburtsort) – ich werde mit dir sein (dann werde ich mit dir sein)!“ {{par|Genesis|12|1}} {{par|Genesis|26|3}}&lt;br /&gt;
{{S|4}} Da sandte Jakob&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;sandte&#039;&#039; - seine Söhne, dass sie seine Frauen holen sollten.&amp;lt;/ref&amp;gt; und rief Rahel und Lea aufs Feld zu seiner Herde&lt;br /&gt;
{{S|5}} und sagte zu ihnen: „Ich sehe das Gesicht eures Vaters(, dass=): Es (Er?)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Gesicht&amp;quot; /&amp;gt; ist nicht [mehr] zu mir wie (gestern vorgestern=) früher. Aber der Gott meines Vaters[, der] ist mit mir (aber der Gott meines Vaters war mit mir).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;der ist mit mir (er war mit mir)&#039;&#039; - Wichtig zunächst: Die Rede ist nun nicht mehr davon, dass Labans Gesicht „mit“ Jakob ist: Labans Gesicht ist nun „&#039;&#039;zu&#039;&#039;“ ihm, stattdessen ist &#039;&#039;Gott&#039;&#039; „mit“ ihm. Vv. 2.3.5.6 schildern also eine Entwicklung: „Labans Gesicht ist nicht mehr ‚mit‘ Jakob“ – „Gott wird ‚mit‘ Jakob sein“ – „Labans Gesicht ist nicht mehr ‚zu‘ Jakob, aber Gott &#039;&#039;ist&#039;&#039; / war ‚mit‘ Jakob.“ – „Darum lässt er nicht zu, dass Laban ‚mit‘ Jakob böse verfuhr“ (gut wieder Fokkelman 1975, S. 152). Das wird zusätzlich dadurch hervorgehoben, dass bei den letzten beiden Vorkommen nicht die Kurzform &#039;&#039;ʿimmi&#039;&#039; („mit mir“) verwendet wird, sondern die längere und wahrscheinlich etwas emphatischere &#039;&#039;ʿimmadi&#039;&#039;.&amp;lt;br /&amp;gt;Zweitens zu einer etwas schwierigen Übersetzungsfrage: Das Wort „sein“ muss im Heb. nicht ausgedrückt werden; soll nur „X ist Y“ (z.B.: „Gott ist mit mir“) gesagt werden, wird üblicherweise ein verbloser Satz „X Y“ verwendet. Heb. &#039;&#039;hajah&#039;&#039; kann sowohl „er ist“ als auch „er war“ bedeuten. Dass es hier eigens steht, kann daher (1) entweder signalisieren, dass von der Vergangenheit die Rede ist („Gott &#039;&#039;war&#039;&#039; mit mir“), (2) oder die Tatsache, dass Gott mit ihm ist, soll hervorgehoben werden („Labans Gesicht ist nicht mehr mit mir, aber Gott, &#039;&#039;der ist&#039;&#039; mit mir“). Der weitere Verlauf der Rede wird zeigen, dass Jakob hier vor allem (1) anzielt; zu Beginn seiner Rede werden seine Frauen aber zunächst (2) verstanden haben. BigS, HfA, R-S und SLT 51 übersetzen präsentisch, alle anderen dt. Üss. aber mit Vergangenheit. Am besten übersetzt man mit einem Kompromiss: „Aber der Gott meines Vaters, der war mit mir:...“&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|6}} Ihr, ihr wisst [darum], dass ich eurem Vater gedient habe – mit all meiner Kraft.&lt;br /&gt;
{{S|7}} Aber euer Vater hat mich betrogen und (immer wieder) meinen Lohn zehn Male (von zehn Anteilen? von zehn Lämmern?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Zu „meinen Lohn von zehn Lämmern“ in LXX s. Walters 1973, S. 193f. TgJ allerdings effektiv ebenso: „Meinen Lohn [von] zehn &#039;&#039;Anteilen&#039;&#039;“. TgJ deutet das Wort &#039;&#039;monim&#039;&#039; also offenbar als mask. Plural von &#039;&#039;manah&#039;&#039; („Anteil“; richtig Maher 1992, S. 108; BHQ 155*). LXX könnte ebenso gedeutet haben und hätte dann nur das „zehn Anteile“ zu „zehn Lämmer“ konkretisiert. So und so ist MT sicher ursprünglich; der Text wird gestützt durch SamP, Aq, Sym, VUL, Syr und den anderen Targumim.&amp;lt;/ref&amp;gt; geändert.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;zehn Male geändert&#039;&#039; ist zunächst ein Wortspiel: &#039;&#039;ʿaßar&#039;&#039; heißt „zehn“, &#039;&#039;ʿašar&#039;&#039; (wie in V. 16) „reich werden“. Laban hat den Lohn also nicht nur „zehn Male geändert“, sondern hat ihn auch geändert, „um sich zu bereichern“.&amp;lt;br /&amp;gt;Die Zahl &#039;&#039;zehn&#039;&#039; könnte konkret nur Übertreibung sein (dies glauben alle neueren Ausleger:innen. Im Midrasch würde dann noch stärker übertrieben: „Hundertmal“). Radak und schon Hieronymus in seinen &#039;&#039;Hebraicae Quaestiones&#039;&#039; rekonstruieren aber ein Szenario, wie dies in sechs Jahren wirklich zehnmal geschehen sein könnte: Schafe können pro Jahr zweimal werfen (s. zum vorigen Kapitel; Hieronymus zitiert als Beleg Vergils &#039;&#039;Georgica&#039;&#039; II 150: „&#039;&#039;Zweimal ist Vieh trächtig, zweimal trägt der Baum Früchte&#039;&#039;“). Laban hätte also nach jedem Wurf gesehen: „Oh, nur gestreifte Tiere! Dann sollen beim nächsten Wurf nur noch die gepunkteten Tiere dein Lohn sein“, beim Wurf darauf: „Oh, nur gepunktete Tiere! Dann seien beim nächsten Wurf nur noch die gesprenkelten Tiere dein Lohn“ usw., so dass spätestens Mitte des sechsten Jahres zehn Mal der Lohn verändert worden wäre.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039; + &#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;und (immer wieder) geändert&#039;&#039; - Das Wort könnte (1) entweder Waw-Qatal sein und dann einfach von der Vergangenheit sprechen (so Driver 1892, S. 159; Joosten 2012, S. 49) oder (2) Weqatal und dann betonen, dass dies immer wieder geschah (so Hamilton 1995). SamP ändert zu Wayyiqtol und vereindeutigt so zu (1). Wieder (s. zu [[Genesis 30#s41 |Gen 30,41]]) ist das nicht mit BHQ als „Harmonisierung mit V. 41“ zu erklären, sondern nur als eindeutigere Formulierung.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aber Gott hat nicht (ihm gegeben, böse/übel mit mir zu handeln=) zugelassen, dass er böse (übel) mit mir verfuhr.&lt;br /&gt;
{{S|8}} Wenn er jeweils so sprach: ‚Gesprenkelte sollen dein Lohn sein!‘ – dann gebar alles Kleinvieh jeweils Gesprenkelte. Und wenn er jeweils so sprach: ‚Gestreifte sollen dein Lohn sein!‘ – dann gebar alles Kleinvieh jeweils Gestreifte.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Gestreifte&#039;&#039; - Klangspiel: Jakob greift deshalb aus Gen 30 die „Gesprenkelten und Gestreiften“ heraus, weil beide Wörter im Hebräischen sich nur durch im ersten Buchstaben unterscheiden: &#039;&#039;naqudim&#039;&#039; und &#039;&#039;ʿaqudim&#039;&#039;. Laban ist also nicht nur Winkeladvokat (s. zu [[Genesis 30#s32 |Gen 30,32]]), sondern dabei auch noch Korinthenkacker.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|9}} {Und} Gott hat das Vieh eures Vaters [diesem] entzogen (das Vieh eures Vaters gerettet)&amp;lt;ref name=&amp;quot;entziehen&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;entzogen (gerettet)&#039;&#039; - W. „weggeschnappt, weggerissen“. Wohl nicht: &#039;&#039;gerettet&#039;&#039; (so Wenham 1994; Goldingay 2020), obwohl dies im Heb. häufig die Bed. des Wortes wäre und zu V. 9 auch gut passte („Vieh wird vor Laban ‚gerettet‘“). Zu V. 16 aber weniger („Reichtum wird vor Laban ‚gerettet‘“?). Im Aramäischen heißt das Wort oft auch nur „wegnehmen, entziehen“ (vgl. Labuschagne 1974, S. 180; Greenfield 2001, S. 215; Rendsburg 2006, S. 166; Bompiani 2014, S. 46); wegen V. 16 müssen wir diese Bed. wohl auch hier voraussetzen (so z.B. auch Hamilton 1995; Sarna 2001; Waltke/Fredricks 2001).&amp;lt;/ref&amp;gt; und mir gegeben:&lt;br /&gt;
{{S|10}} {Es geschah} Zur Zeit, als das Kleinvieh brünstig war, hob ich (meine Augen=) meinen Blick und sah im Traum{, siehe}: Die das Kleinvieh besteigenden&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;besteigenden&#039;&#039; - W. „hinaufsteigend“. Nicht das übliche Wort für sich paarende Tiere. Wortspiel: Jakob sieht in diesem Traum „hinaufsteigende“ Böcke, wie er in seinem ersten Traum in [[Geneiss 28#s12 |Gen 28,12]] „hinaufsteigende“ Gottesboten gesehen hat (gut Tröndle 2023, S. 199). Wahrscheinlich deshalb sind die Böcke in diesem Traum auch „gescheckt“, was in Gen 30 gar nicht erwähnt wurde: In &#039;&#039;barudim&#039;&#039; klingt &#039;&#039;joridim&#039;&#039; („hinabsteigend“, wie von den „hinabsteigenden Gottesboten“ in Gen 28,12) an.&amp;lt;/ref&amp;gt; (sich dem Kleinvieh gegenüber aufbäumenden) Böcke [waren] gestreift, gesprenkelt und gescheckt.&lt;br /&gt;
{{S|11}} Ein Bote Gottes sagte nämlich (Und ein Bote Gottes sagte) zu mir im Traum: ‚Jakob!‘, und ich (sagte=) antwortete: ‚Hier bin ich!‘,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Jakob!&#039;&#039; + &#039;&#039;Hier bin ich!&#039;&#039; - Übliche Gesprächseröffnungen; s. z.B. ebenso [[Genesis 27#s1 |Gen 27,1]]. Besonders bei Gesprächen zwischen Menschen und Gott/einem Gottesboten wird ein Mensch dabei nicht wie an dieser Stelle mit einer Verwandtschafts- oder Berufsbezeichnung angesprochen (zu dieser häufigsten Gesprächseröffnung s. Lande 1949, S. 21-36), sondern mit dem Eigennamen: [[Genesis 22#s11 |Gen 22,11]]; [[Genesis 46#s2 |46,2]]; [[Exodus 3#s4 |Ex 3,4]]; [[1Samuel 3#s4 |1 Sam 3,4.6.8.10]]. Die Antwort „Hier bin ich“ ist aber wohl nicht mit ebd., S. 37f. so zu erklären, dass sie nur für das „Ja“ eines Menschen steht, der sich selbst unsichtbar glaubt (s. dagegen [[2 Samuel 1#s7 |2 Sam 1,7]]), sondern grundsätzlich als unterwürfige Antwort, wie Landes es auch bei [[1 Samuel 22#s12 |1 Sam 22,12]] und [[Genesis 37#s13 |Gen 37,13]] annimmt: „Stehe zu Diensten!“ (vgl. [[Jesaja 6#s8 |Jes 6,8]]). Am besten übersetzt man vielleicht wie NL: „Ja, ich höre!“&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|12}} und er sagte: ‚Hebe {doch} (deine Augen=) deinen Blick und sieh: All die das Kleinvieh besteigenden Böcke [sind] gestreift, gesprenkelt und gescheckt, weil ich&amp;lt;ref name=&amp;quot;Ich&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;ich&#039;&#039; - Der „Bote“ spricht wie häufig im Namen Gottes (zu diesem häufigen Zug der Botschaften von Gottesboten vgl. z.B. Lipton 1999, S. 118); „ich“ bezieht sich daher nicht auf ihn, sd. auf Gott.&amp;lt;/ref&amp;gt; alles gesehen habe, was Laban dir getan hat.&lt;br /&gt;
{{S|13}} Ich&amp;lt;ref name=&amp;quot;Ich&amp;quot; /&amp;gt; [bin] der Gott [von] Bet-El,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039; + &#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Constructusverbindung, bei der das Nomen im Status Constructus („der Gott“) untypischerweise Artikel trägt (vgl. z.B. [https://en.wikisource.org/wiki/Gesenius%27_Hebrew_Grammar/127._The_Noun_determined_by_a_following_Determinate_Genitive#GHGpar-127-f GKC §127f]). S. ebenso z.B. [[2 Könige 23#s17 |2 Kön 23,17]]: „der Altar [von] Bet-El“. Das „Ich bin der Gott, &#039;&#039;der dir in&#039;&#039; Bet-El &#039;&#039;erschienen ist&#039;&#039;“ in LXX, TgO und TgJ setzt wahrscheinlich keine andere Textvorlage voraus, sondern ist theologische Korrektur: JHWH ist „Gott &#039;&#039;der ganzen Erde&#039;&#039;“ und daher „Gott von Bet-El“ eben nur &#039;&#039;insofern&#039;&#039;, als er dort &#039;&#039;erschienen ist&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; wo du eine Mazzebe (gesalbt=) geweiht hast und wo (hast, wo)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT, TgJ und TgN wie in der Alternative. Einige MSS, SamP, TgO und TgG bezeugen aber „und wo“; LXX, VUL und Syr sparen das zweite „wo“ (&#039;&#039;ʾašer&#039;&#039;) aus, bezeugen aber ebenfalls ein „und“.  Man &#039;&#039;könnte&#039;&#039; beides mit BHQ als syntaktische Erleichterung werten und danach MT für ursprünglich halten, aber angesichts dieser Masse an Textzeugen ist der Wortlaut von MT wahrscheinlicher nur versehentliche Angleichung des zweiten Nebensatzes an den ersten (so noch Ball 1896, BHK, BHS).&amp;lt;/ref&amp;gt; du mir ein Gelübde gelobt hast. Jetzt mach dich auf! Zieh fort aus diesem Land und kehr zurück in das Land deiner Verwandtschaft (deines Geburtsortes)!‘“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|14}} Da (antwortete[n]=) erwiderten&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;(antworten=) erwidern&#039;&#039; - W. „antworten“, hier aber wie häufig in der Bibel (s. z.B. Kleist 1936, S. 163) nicht als Antwort auf eine Frage, die Jakob ja gar nicht gestellt hat, sondern zur Bezeichnung z.B. der &#039;&#039;Reaktion&#039;&#039; auf eine vorangegangene Rede wie eben hier die des Jakob. Besser übersetzt man daher wie HfA: „Rahel und Lea erwiderten“.&amp;lt;br /&amp;gt;Das Wort mit zwei Subjekten („Rahel &#039;&#039;und&#039;&#039; Lea“) steht hier wie noch häufiger im Sg., um hervorzuheben, dass beide gemeinsam das Gleiche tun.&amp;lt;/ref&amp;gt; ihm Rahel und Lea {und sagten}: „Haben wir etwa noch Anteil und Erbe in unserem Vaterhaus?&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Haben wir etwa noch Anteil und Erbe in unserem Vaterhaus&#039;&#039; ist nicht wörtlich zu verstehen; allein schon, weil verheiratete Töchter zur Abfassungszeit ohnehin nicht erbberechtigt waren, wenn es gleichzeitig Söhne in diesem Vaterhaus gab. Wie [[2 Samuel 20#s1 |2 Sam 20,1]] und [[1 Könige 12#s16 |1 Kön 12,16]] = [[2 Chroniken 10#s16 |2 Chr 10,16]] deutlich zeigen, ist die Frage stattdessen eine geprägte Wendung mit der Bed. „Hier gibt es ja ohnehin nichts mehr für uns!“ (gut Shectman 2011, S. 216). Warum das so ist, zeigen die folgenden Sätze.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|15}} Gelten wir ihm nicht [nur so viel wie] Ausländerinnen, da er uns [ja] verkauft hat!? (Und er hat fressend gefressen=) Und dann hat er sogar unser Geld gefressen (da er uns ja verkauft hat und wirklich unser Geld gefressen hat?)!&amp;lt;ref&amp;gt;Die Logik von V. 15 im Kontext von Vv. 14-16 lässt sich wahrscheinlich auf zwei Weisen lesen:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) „Hier gibt es ja ohnehin nichts mehr für uns: Unser Vater hat uns quasi an dich &#039;&#039;verkauft&#039;&#039;, insofern er uns [zwar eine Mitgift gegeben, uns dann aber wieder] ausgebeutet hat. In dieser Hinsicht gleichen wir Ausländerinnen, die er ohne Mitgift mir dir verheiraten können hätte. Ergo ist alles, was Gott ihm entzogen und dir übereignet hat, eigentlich &#039;&#039;unser&#039;&#039; Geld. Gut so, dass er&#039;s dir übereignet hat!“&amp;lt;br /&amp;gt;(2) „Hier gibt es ja ohnehin nichts mehr für uns: Unser Vater hat uns an dich &#039;&#039;verkauft&#039;&#039;[, also ein gigantisches Brautgeld genommen und dafür nur eine mickrige Mitgift gegeben]. In dieser Hinsicht gleichen wir Ausländerinnen, die er ohne Mitgift mir dir verheiraten können hätte. Und nun hat er dieses Geld sogar auch noch wieder an dich verloren! Aber ohnehin hätte ja alles, was Gott ihm entzogen und dir übereignet hat, eigentlich &#039;&#039;unser&#039;&#039; Geld sein müssen. Gut so, dass er&#039;s dir übereignet hat!“&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Genauer&#039;&#039;&#039;: Der zweite Satz ist kompliziert, weil er auf unterschiedliche rechtliche Intitutionen anspielen könnte oder nicht:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Im Alten Orient zahlte erstens der Ehemann einen Brautpreis, wie es ja deutlich auch in unserer Erzählung in [[Genesis 29 |Gen 29]] zu sehen war. Nach Texten aus Nuzi und Emar hatte der Brautvater das Recht, diesen Brautpreis selbst zu verbrauchen, und dieser Verbrauch wird dort ausgedrückt mit dem Ausdruck „das Geld fressen“ (vgl. z.B. Burrows 1937, S. 265f.; Selman 1976, S. 132; Vita 2008, S. 235f.). Granqvist 1931, S. 128 zitiert auch eine Braut aus dem zeitgenössischen Palästina, die den Ausdruck ungefähr in diesem Sinn gebraucht („er hat das Geld verschleudert“; dazu vgl. u.). Auf den ersten Blick scheint man den Ausdruck also auch hier in diesem Sinn nehmen zu müssen. Zweitens gab der Brautvater seiner Tochter eine Mitgift zu ihrer Verfügung, mit der sie sich im Falle des kinderlosen Todes ihres Mannes versorgen können sollte (vgl. [[Josua 15#s18 |Jos 15,18f.]]; [[1 Könige 9#s16 |1 Kön 9,16]]). Aus Alalakh, Emar, Nuzi und Ugarit ist gelegentlich auch der Brauch belegt, den Brautpreis der Mitgift zuzuschlagen und beides gemeinsam der Braut zu übergeben (vgl. z.B. Westbrook 1993, S. 278f.; Hillmann 2016, S. 37-42; Stol 2016, S. 125f.), grundsätzlich waren beide Institutionen aber voneinander unabhängig, was man in der Bibel schon daran sieht, dass der Brautpreis häufiger als nicht in Form von besonderen Leistungen erbracht wurde (s. [[Josua 15#s16 |Jos 15,16]] = [[Richter 1#s12 |Ri 1,12]]; [[1 Samuel 17#s25 |1 Sam 17,25]]; [[1 Samuel 18#s17 |18,17.25]]; [[2 Samuel 3#s14 |2 Sam 3,14]]). Nimmt man beide Institutionen zusammen, könnten Labans Töchter sich hierüber beschweren: Dass dieser zwar einen Brautpreis genommen, ihnen aber keine Mitgift gegeben hat und sie also insofern „gleich Ausländerinnen (=Sklavinnen) &#039;&#039;verkauft&#039;&#039; hat“ (so z.B. Westbrook 1991, S. 150; Steinberg 1993, S. 106; Marsman 2003, S. 105; so die meisten). Dagegen spricht aber, dass nach den Texten aus Nuzi, Emar und dem zeitgenössischen Palästina „das Geld fressen“ sich auf den Brautpreis und &#039;&#039;nicht&#039;&#039; die Mitgift bezieht. Dagegen spricht auch, dass sie wahrscheinlich sehr wohl eine Mitgift erhalten haben, wie man an ihren Mägden sieht: Mägde sind in altbabylonischen Texten häufig Teil der Mitgift (vgl. z.B. Stol 2012, S. 162f.), was noch klarer macht, dass diese in [[Genesis 29#s23 |Gen 29,23f.]] als (Teil der) Mitgift zu denken sind.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Anscheinend darf man den Ausdruck „das Geld fressen“ hier also &#039;&#039;nicht&#039;&#039; entsprechend dem Sprachgebrauch aus Emar und Nuzi deuten. Dann kann man es aber ebenfalls nicht gut auf die Mitgift beziehen, denn wie dann „er hat unser Geld &#039;&#039;gefressen&#039;&#039;“ für „er hat uns unsere Mitgift &#039;&#039;vorenthalten&#039;&#039;“ stehen sollte, wäre schwer erklärlich, und wieder: Offenbar haben sie ja ohnehin doch eine Mitgift bekommen.&amp;lt;br /&amp;gt;(2a) Entweder nimmt man es daher besser im Sinn von „rauben, ausbeuten“ (wie bes. bekannt in [[Lukas 20#s47 |Lk 20,47]]: „Sie fressen die Häuser der Witwen“), (2aA) so dass der Satz bedeutet: „Indem er dich ausgenommen hat, hat er &#039;&#039;uns&#039;&#039; ausgenommen!“ (so Wenham 1994). (2aB) Oder man setzt noch einfacher wie Paulus Fagius und Franziskus Vatablus voraus, dass Jakob und seine Frauen eine Wirtschaftseinheit (und Werkgemeinschaft; s. schon zuvor [[Genesis 29#s7 |Gen 29,7.9]]) waren, so dass Laban natürlich nicht nur Jakob, sondern auch unmittelbar seine Töchter ausgebeutet hat.&amp;lt;br /&amp;gt;(2b) Oder man nimmt „fressen“ i.S.v. „verbrennen, vernichten“ (wie V. 40), so dass der Satz bedeutet: „Der Besitz, den du ihm in den letzten sechs Jahren „weg-gearbeitet“ hast und das er also so mit seiner Gier verspielt hat, war ohnehin &#039;&#039;unser&#039;&#039; Geld“ – „unser“ i.S.v. „deines und unseres“.&amp;lt;br /&amp;gt;Beide Deutungen liegen auch von den masoretischen Akzenten her näher. V. 15 wird fast stets so aufgelöst, dass sowohl der Satz vom „Verkaufen“ als auch der vom „Fressen“ sich auf die Frage in 15a beziehen (entweder wie z.B. Seebass 1999: „Hat er uns bei sich nicht als Fremde geachtet, dass er uns verkauft und also noch unser Geld verbraucht hat?“, oder wie z.B. Westermann 1981: „Gelten wir ihm nicht als Fremde? Denn er hat uns verkauft und längst unser Geld dafür aufgebraucht!“). Das passte gut zur Deutung (1). Nach dem masoretischen Akzenten sind diese beiden Sätze aber klar &#039;&#039;nicht&#039;&#039; einander beigeordnet: Beide werden durch Athnach getrennt. Auch der pleonastische Infinitiv „er hat &#039;&#039;fressend gefressen&#039;&#039;“ spricht dafür, dass dieser Satz von einem eigenen Sachverhalt spricht. Anscheinend muss man den Vers also entweder so auflösen, dass der „Verkaufs-Satz“ &#039;&#039;gemeinsam&#039;&#039; mit der Frage in 15a den V. 14 begründet und der „Fress-Satz“ separat zu nehmen ist (bei Deutung 2a), oder so, dass dieser mit dem nächsten Vers zu verbinden ist (bei Deutung 2b). So übersetzt merkwürdigerweise nur van Ess: „Wurden wir nicht von ihm als Fremde geachtet, weil er uns verkauft hat? Ja, hat er nicht auch unser Geld verzehrt?“ Nach den Akzenten zu urteilen ist das aber gewiss richtig.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|16}} Ja!, (denn) all der Reichtum, den Gott unserem Vater entzogen (gerettet)&amp;lt;ref name=&amp;quot;entziehen&amp;quot; /&amp;gt; hat – &#039;&#039;uns&#039;&#039; [gehört] der, und unseren Söhnen! (Und nun=) Darum: Alles, was dir Gott gesagt hat, das tue!“&amp;lt;ref&amp;gt;Klangspiel: In diesem letzten Satz beginnen von den sieben heb. Wörtern sechs mit einem Guttural: &#039;&#039;wa-&amp;lt;b&amp;gt;ʿ&amp;lt;/b&amp;gt;attah&#039;&#039; („Darum:“) &#039;&#039;kol&#039;&#039; („alles“) &#039;&#039;&amp;lt;b&amp;gt;ʾ&amp;lt;/b&amp;gt;ašer&#039;&#039; („was“) &#039;&#039;&amp;lt;b&amp;gt;ʾ&amp;lt;/b&amp;gt;amar&#039;&#039;&#039; („gesagt hat“) &#039;&#039;&amp;lt;b&amp;gt;ʾ&amp;lt;/b&amp;gt;elohim&#039;&#039; („Gott“) &#039;&#039;&amp;lt;b&amp;gt;ʾ&amp;lt;/b&amp;gt;eleka&#039;&#039; („zu dir“) &#039;&#039;&amp;lt;b&amp;gt;ʿ&amp;lt;/b&amp;gt;aßeh&#039;&#039; („tue“)! &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|17}} Da machte sich Jakob auf und hob seine Söhne und seine Frauen (seine Frauen und seine Söhne)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Die Variante nach SamP, LXX und Jub 29,4. Welche der beiden Varianten ursprünglich ist, lässt sich nicht entscheiden.&amp;lt;/ref&amp;gt; auf die Kamele&lt;br /&gt;
{{S|18}} und trieb all sein Vieh und all seinen Erwerb, den er gewonnen hatte; das Vieh[, das sein] Erwerb [war], ({den er gewonnen hatte; das Vieh[, das sein] Erwerb [war],})&amp;lt;ref name=&amp;quot;V 18&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Die in der Alternative gestrichene Passage, die z.B. in NVul und traditionell in LUT nicht übersetzt wird, steht so nur in MT und SamP. Ganz fehlt sie in LXX, VUL und Syr (LXX hat zwar dafür nach „Paddan-Aram“ ein zusätzliches „alles, was ihm gehörte“. Wenham 1994 will nach Gispen hierin noch einen Überrest der ausgefallenen Passage erkennen, aber weit wahrscheinlicher hat LXX die Phrase aus V. 21 hier ebenso ergänzt wie in V. 31 und wie sie auch in V. 13 noch einmal das „Und ich will mit dir sein“ aus V. 3 eingefügt hat). TgO, TgJ und TgN haben alle jeweils leicht unterschiedliche Varianten dieser Passage, TgG eine Zwischenstufe zwischen diesen Targumim und MT. Ganz grob können wir also die vier Gruppen (1) LXX, VUL, Syr; (2) MT, SamP; (3) TgG; (4) TgO.J.N unterscheiden, und der größte Unterschied ist, ob die Textzeugen grundsätzlich eine solche Passage bezeugen (Gruppe 2+3+4) oder nicht (Gruppe 1). Theoretisch ließe sich diese Differenz entweder als Augensprung erklären; wegen der identischen hier gefetteten Phrasen hätte der Schreiber der Vorlage von Gruppe 1 also die hier gestrichene Passage übersehen: &#039;&#039;all seinen Gewinn, &amp;lt;s&amp;gt;&#039;&#039;&#039;den er gewonnen hatte&#039;&#039;&#039;; das Vieh, das sein Erwerb war,&amp;lt;/s&amp;gt; &#039;&#039;&#039;den er gewonnen hatte&#039;&#039;&#039; in Paddan-Aram&#039;&#039; (so z.B. Ball 1896; BHS; Wevers 1993, S. 504; Hamilton 1995). Oder hier liegt Konflation vor: Ein Schreiber hätte „all ... und all“ ausgelassen und daher nur „das Vieh seines Erwerbs“ geschrieben; dies wäre später korrigiert worden zu „all das Vieh und all seinen Erwerb“ und am Ende wären beide Varianten in den Text geraten. Das macht z.B. TgO plausibel, wo sich jeweils die beiden Nomen in den beiden Passagen genau entsprechen: „alle Tiere und allen Bestand, den er erworben hatte; Tiere und Bestand, den er erworben hatte in Paddan-Aram“. Aber hier ist das Zeugnis der Versionen sehr chaotisch; die Zeugen der Gruppen 2-4 differieren jeweils dahingehend, ob Nomen 1 Nomen 3 entspricht (MT, SamP, TgO, TgG) oder nicht (TgJ, TgN) und ob Nomen 2 Nomen 4 entspricht (TgO, TgJ) oder nicht (MT, SamP, TgN, TgG); sie differieren außerdem dahingehend, ob die beiden Nomen in der fraglichen Passage in einer Genitivverbindung stehen (MT, SamP, TgG) oder koordiniert sind wie die vorherige Passage (TgO.J.N). Weil das so unübersichtlich ist, hat man fast keine Wahl, als mit der Mehrheit einfach MT zu folgen; sehr sicher ist dies aber nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; den er gewonnen hatte in Paddan-Aram,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Paddan-Aram&#039;&#039; - gut modernisiert in BigS: „im aramäischen Mesopotamien“.&amp;lt;/ref&amp;gt; ([und alles, was ihm gehörte])&amp;lt;ref name=&amp;quot;V 18&amp;quot; /&amp;gt;  um zu seinem Vater Isaak ins Land Kanaan zu kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|19}} Laban indes war losgegangen ([Als] Laban losgegangen war), um sein Kleinvieh zu scheren. Da hatte Rahel die Terafim&amp;lt;ref name=&amp;quot;terafim&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Teraphim.jpg|mini|Bild 3: Terrakotta-Figurine: Trommlerin. Akhzib, 8./7. Jhd. v. Chr. (c) IM, [https://www.imj.org.il/en/collections/370882-0 IAA 1944-264]]]&amp;lt;div class=&amp;quot;tright&amp;quot; style=&amp;quot;clear:none&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Siegel Totenmaske.png|mini|Bild 1: Syrisches Siegel, 18./17. Jhd. v. Chr.: In der Mitte kommuniziert eine Frau mit Masken. (c) Schroer 2011, S. 43]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Steinzeitliche Totenmaske.png|mini|Bild 2: Steinzeitliche Maske aus Nahal Hemar. (c) IM, [https://www.imj.org.il/en/collections/197936-0 IAA 1984-407]]]&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
Was genau die &#039;&#039;Terafim&#039;&#039; sind, ist ungewiss. Laban bezeichnet sie in diesem Kapitel als „seine &#039;&#039;ʾelohim&#039;&#039;“ und Rahel stiehlt sie und versteckt sie in ihrer Satteltasche. Aus [[Ezechiel 21#s26 |Ez 21,26]]; [[Sacharja 10#s2 |Sach 10,2]] und wahrscheinlich [[1 Samuel 15#s23 |1 Sam 15,23]] und [[2 Könige 23#s24 |2 Kön 23,24]] lässt sich außerdem herauslesen, dass sie besonders häufig zur Wahrsagerei verwendet wurden. Danach handelt es sich um kleine Kultobjekte, durch die sich entweder mit den Göttern oder mit den Geistern von Toten u.a. zur Wahrsagerei kommunizieren lässt (&#039;&#039;ʾelohim&#039;&#039; meint meistens Götter, in [[1 Samuel 28#s13 |1 Sam 28,13]] und vielleicht [[Jesaja 8#s19 |Jes 8,19]] aber auch Totengeister, die man sich danach wohl als eine Art Zwischenwesen zwischen Mensch und Gottheit vorstellte). In der Regel hält man sie daher entweder für Masken (Bild 1+2) oder für kleine Figurinen (Bild 3), die übernatürliche Wesen repräsentierten. Die Figurinen-Deutung wird weit häufiger vertreten, weil man [[1 Samuel 19#s13 |1 Sam 19,13-16]] meist so versteht, dass Michal &#039;&#039;Terafim&#039;&#039; so in ein Bett legt, dass man sie für einen kranken Menschen halten kann, und daraus ableitet, dass diese Figurinen also auch lebensgroß sein konnten – aber die Erzählung ist damit fast sicher missverstanden, s. dort.&amp;lt;br /&amp;gt;Das biblische Wort ist sehr wahrscheinlich ein Dysphemismus mit der Bed. „Verrottetes, Verdautes“; &#039;&#039;tarapim&#039;&#039; sind also „Kotz-Brocken“ (richtig z.B. Rouillard / Tropper 1987, S. 359; Loretz 1992, S. 141; Sarna 2001; ähnlich schon Sellin 1939; vgl. den ähnlichen Dysphemismus &#039;&#039;gillulim&#039;&#039; [„Kot-Batzen“] für Götzen). Von solchen Dysphemismen gibt es grob zwei Varianten: Bei Variante 1 hat der Dysphemismus lautlich wenig mit dem entstellten Wort zu tun (wie bei &#039;&#039;bošet&#039;&#039; [„Schande“] für &#039;&#039;Baʿal&#039;&#039;: nur die Anfangsbuchstaben entsprechen sich), bei Variante 2 werden nur die Vokale des entstellten Wortes mit denen eines Schimpfwortes ausgetauscht (wie bei &#039;&#039;molek&#039;&#039; mit den selben Vokalen wie &#039;&#039;bošet&#039;&#039; für &#039;&#039;malk&#039;&#039; „König“). Da neben &#039;&#039;t-r-p&#039;&#039; („weich/verdaut sein“) keine weitere hebräische Wurzel &#039;&#039;t-r-p&#039;&#039; bekannt ist, gehört &#039;&#039;Terafim&#039;&#039; wohl zu Variante 1, so dass sich aus ihrer Bezeichnung nichts herleiten lässt (von &#039;&#039;rapaʾ&#039;&#039; [„heilen“ &amp;gt; „Heil-Götter“] abzuleiten, wie Rouillard / Tropper vorschlagen, geht nicht an, da man hier &#039;&#039;tarpaʾim&#039;&#039; mit Alef erwarten würde. Die Belege für Ausfall von Alef, die die beiden bringen, sind sämtlich nur Beispiele für die Schreibung von Endungs-&#039;&#039;ʾ&#039;&#039; als Endungs-&#039;&#039;h&#039;&#039; und damit ohne Erklärwert). Das stärkste Indiz ist, dass Jub 29,9 die &#039;&#039;Terafim&#039;&#039; gar nicht erwähnt, aber unerwartet einen Exkurs nach [[Deuteronomium 3#s13 |Dtn 3,13]] darüber einschaltet, dass Gilead das „Land der &#039;&#039;Refaim&#039;&#039;“ war. Könnte &#039;&#039;Terafim&#039;&#039; Verballhornung von &#039;&#039;Refaim&#039;&#039; sein (so schon Albright 1968, S. 168; Loretz 1992, S. 141f.) und unsere Erzählung auch Ätiologie, wonach Gilead deshalb das „Land der &#039;&#039;Refaim&#039;&#039;“ war, weil Rahel die &#039;&#039;Terafim&#039;&#039; (lies: &#039;&#039;Refaim&#039;&#039;) hierher gebracht hat? Aber das ist nicht mehr als educated speculation.&amp;lt;br /&amp;gt;Auch ihre Funktion in unserem Kapitel ist umstritten. Überwiegend sind drei Deutungen im Umlauf:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Josephus berichtet in JosAnt 18.9.5 von einer Partherin: „&#039;&#039;Da sie nach dem Tod ihres ersten Mannes in Gefangenschaft geriet, verbarg sie die Bildnisse der Götter, die sie mit jenem Manne verehrt hatte, und nahm sie nach dem Brauch ihres Landes mit sich. In jenen Gegenden ist es nämlich allgemein Sitte, Götterbilder zu Hause zu haben und dieselben auf Reisen mitzunehmen.&#039;&#039;“ (Üs. nach Clementz). Greenberg 1962 und z.B. van Seters 1975, S. 93f.; Thompson 2002, S. 278 und Utzschneider 2019, S. 34 haben danach angenommen, Rahel habe die Götzen schlicht aus religiösen Gründen mitgenommen, da sie sich ja nun auch auf eine Reise begibt. Hinzudenken muss man sich bei dieser Deutung wohl, dass sie sie dabei untypischerweise ihrem Vater &#039;&#039;raubt&#039;&#039;, weil sie ja soeben ihren Bruch mit ihm verkündet hat. Aber zu dieser Deutung passt sehr schlecht, dass sie sich im Folgenden auf die &#039;&#039;Terafim&#039;&#039; setzen wird, woraus gewiss keine religiöse Achtung spricht.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) In altorientalischen Testamenten ist häufig die Rede von „Göttern und Toten einer Familie“, die Erben „erhalten“ oder „verehren“ sollen. In der Regel sind diese Erben die ältesten Söhne eines Vaters, die also nach seinem Tod zum &#039;&#039;pater familias&#039;&#039; werden werden. (2a) Gordon 1958, S. 129 und z.B. Taschner 2000, S. 121f. und Galambush 2018 denken daher klug, Rahel habe mit dem Diebstahl Jakob symbolisch ähnlich das Erstgeburtsrecht in der Familie Labans ergaunern wollen wie Jakob dies zuvor in der Familie Isaaks getan hat, (2b) ähnlich glauben Draffkorn 1957, S. 219f.; Pardes 1992, S. 70f.; Spanier 1992 und Fischer 1995, S. 116, Rahel habe sich nach dem Geburtswettstreit in Gen 30 mit diesen Terafim das Erstgeburtsrecht für &#039;&#039;ihre&#039;&#039; statt für Leas Söhne ergaunern wollen. Aber es ist gar nicht wahr, dass diese „Götter und Toten“ nur an die Erstgeborenen vererbt wurden: Heltzer 1998, S. 359 verweist auf das Nuzi-Testament HSS 19,5 (zum Text vgl. Deller 1981, bes. S. 48-57), in dem der Erstgeborene nur die „großköpfigen Götter“ und der Zweitgeborene die „kleinköpfigen“ erhalten soll, Sigrist 1982, S. 242-46 übersetzt einen wahrscheinlich in Emar entstandenen Text, in dem ähnlich die Götter von beiden erbenden Söhnen verehrt werden sollen. Es ist daher nicht wahrscheinlich, dass die Terafim wirklich das Erstgeburtsrecht signalisieren; noch weniger, dass sie es „sichern“.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Am wahrscheinlichsten ist daher die schon bei den alten Auslegern (z.B. PRE 36.4; Midrasch BerR, Midrasch Tanchuma; auch bei Raschbam, ibn Ezra, Radak, Ramban) verbreitete Deutung, Rahel habe ihrem Vater mit dem Raub der &#039;&#039;Terafim&#039;&#039; hauptsächlich seine Wahrsage-Instrumente stehlen wollen, damit er sie nicht verfolgen konnte (so z.B. Sarna 2001; Krauss / Küchler 2004; Plangger 2018, S. 70f.).&amp;lt;/ref&amp;gt; gestohlen, die ihrem Vater [gehörten].&lt;br /&gt;
{{S|20}} Und Jakob hatte das Herz von Laban dem Aramäer gestohlen,&amp;lt;ref name=&amp;quot;Herz&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;das Herz stehlen&#039;&#039; - unklarer Ausdruck. Sonst nur noch in [[2 Samuel 15#s6 |2 Sam 15,6]] (Absalom machte Stimmung gegen David. „Und so stahl Absalom das Herz der Männer von Israel“). Dort bedeutet er nach V. 13 („Das Herz der Männer Israel [ist nach=] hängt an Absalom“) aber gewiss „betören“, was hier nicht passt; die beiden Ausdrücke scheinen also keine geprägten Wendungen zu sein, so dass man sie unabhängig voneinander deuten muss.&amp;lt;br /&amp;gt;(1) An unserer Stelle deutet man daher heute stets mit „täuschen / überlisten“, weil das Herz in der Vorstellung der alten Israeliten Sitz des logischen Denkens war: „das Gehirn“. Dem sollte auch die LF folgen.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Alternativ wie Baumgarten 1843 nach Luther: „Er hat ihm [sein Planen] zunichte gemacht“, was sich besser aus der wörtlichen Bed. herleiten ließe,&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Oder wie Franziskus Vatablus: „Jemandem Wissen vorenthalten“, ihn also über seine Pläne im Unklaren lassen. Dito.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Erwähnt sei schließlich noch die zu Unrecht vergessene Deutung von Aloisius Lipomanus: „Das Herz“ steht synekdochisch für „das, woran jemandes Herz hängt“ (wie [[Matthäus 6#s21 |Mt 6,21]] = [[Lukas 12#s34 |Lk 12,34]]). Dann hätten v.a. Vv. 26-30 eine ganz andere Logik, weil dann „das Herz“ entweder für Labans Töchter oder ebenfalls für die Terafim stehen könnte. Vv. 26f. wären dann also mehrdeutig: Auf den ersten Blick spräche Laban davon, dass Jakob ihm damit, dass er „sein Herz gestohlen“ und „ihn bestohlen“ hat, insofern „seine Töchter gestohlen“ hat, als Jakob ihm einen Abschied von seinen Töchtern verwehrt hat (darauf wäre Jakobs „Ich hatte Angst..., dass du mir deine Töchter raubst“ in V. 31 eine sehr passende Antwort). Und erst im letzten Satz in V. 30 offenbarte sich: Eigentlich ging es Laban vor allem um die Terafim, nicht die Töchter.&amp;lt;br /&amp;gt;Unabhängig davon: gewählt wurde der seltene Ausdruck natürlich, weil Jakob und Rahel so zu Bonnie und Clyde des Alten Testaments werden: Rahel stiehlt die Terafim, und Jakob stiehlt das Herz.&amp;lt;/ref&amp;gt; indem er ihm nicht erzählt hatte, dass er fliehen würde.&lt;br /&gt;
{{S|21}} So floh er – er und alles, was ihm [gehörte]. Er machte sich auf, überquerte den (Fluss=) Euphrat und (setzte=) wandte sein Gesicht nach dem Gebirge von Gilead. {{par|Genesis|27|43}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|22}} Laban wurde am dritten Tag&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;am dritten Tag&#039;&#039; ist vielleicht dramatische Ironie: In [[Genesis 30#s36 |Gen 30,36]] hat Laban 3 Tagesmärsche Abstand zwischen sich und Jakob gebracht. Das rächt sich jetzt; erst nach drei Tagen fällt Jakobs Flucht auf (gut Krauss / Küchler 2004; Turner 2000b). S. zum „dritten Tag“ und zu den „sieben Tagen“ noch die nächste FN.&amp;lt;/ref&amp;gt; erzählt, dass Jakob geflohen war.&lt;br /&gt;
{{S|23}} Da nahm er seine Brüder mit sich, verfolgte ihn (einen Weg von sieben Tagen=) sieben Tage lang und heftete sich an ihn im Gilead-Gebirge (auf dem Berg von Gilead).&amp;lt;ref name=&amp;quot;Gilead&amp;quot;&amp;gt;[[Datei:Orte in Gen 31b.jpg|mini|Zwei Vorschläge zur Lage der Zeltlager]]Das &#039;&#039;Gilead-Gebirge&#039;&#039; ist ein recht großflächiges Gebiet. Dass das „Gebirge“ / der „Berg“ in V. 25 doppelt genannt wird, legt nahe, dass wie in einer Kriegsszenerie beide ihre Lager auf benachbarten Hügeln aufschlagen (so z.B. Westermann 1981; Taschner 2000, S. 123; Sarna 2001. VUL und TgJ wollten das offenbar in ihrer Üs. explizit ausschließen: „auf &#039;&#039;dem selben&#039;&#039; Berg Gilead“ [fehlt in BHQ]). Wo genau, lässt sich wegen der groben Ortsangabe nicht sagen. Ich (S.W.) stelle mir vor – aber das ist wieder nur educated speculation –, dass sie auf den Plateaus an der heutigen syrisch-jordanischen Grenze am Fluss Jarmuk lagerten, also am nördlichen Ausläufer des Gilead-Gebirges (rechts: „Zeltlager 1“). 17 km nordöstlich liegt Karnajim, das wohl die längste Zeit der biblischen Frühgeschichte unter aramäischer Herrschaft stand, im 8. Jhd. kurz von den Israeliten erobert und dann wieder an die Aramäer verloren wurde (s. [[Amos 1#s3 |Am 1,3]]; [[Amos 6#s13 |6,13]]); 20 km südöstlich die Stadt Ramoth-Gilead, wegen der Israeliten und Aramäer laut [[1 Könige 22#s3 |1 Kön 22,3]]; [[2 Könige 9#s14 |2 Kön 9,14]] ebenfalls Grenzstreitigkeiten hatten. Hier also verlief eines der Grenzgebiete zwischen Israel und Aram. Vgl. auch [[Ezechiel 47#s16 |Ez 47,16.18]], wonach die Grenze Israels bei vollster Ausdehnung bis zum Hauran-Gebiet reicht, also wieder bis zum Jarmuk. Dann hätte Laban aus Haran die Grenze zwischen Israel und Aram am Rand des Hauran-Gebiets gezogen, und Jakob hätte bei seiner Flucht zu Beginn den Euphrat überqueren müssen, wäre am Jarmuk noch einmal mit Laban aneinandergeraten und dann am Jabbok dem Engel begegnet. Fußläufig ist diese Gegend [https://www.google.de/maps/dir/36%C2%B051&#039;53.0%22N+39%C2%B001&#039;53.0%22E/32.830648,36.0354108/32.7374167,35.9027887/@33.0856546,35.6533384,103905m/data=!3m1!1e3!4m8!4m7!1m3!2m2!1d39.0313889!2d36.8647222!1m0!1m0!3e2?hl=de&amp;amp;entry=ttu etwa 640 km] von Haran entfernt.&amp;lt;br /&amp;gt;In der aktuellen Forschung wird der Ort stattdessen manchmal deshalb, weil in Vv. 48f. von &#039;&#039;galʿed&#039;&#039; und &#039;&#039;miṣpah&#039;&#039; die Rede ist, mit Khirbet Gelʿad identifiziert (rechts: „Zeltlager 2“), so dass wir schon hier in der Gegend bei Mahanajim am Jabbok wären, wo das nächste Kapitel spielt. Dann müssten wir noch einmal mit [https://www.google.de/maps/dir/36%C2%B051&#039;53.0%22N+39%C2%B001&#039;53.0%22E/32.830648,36.0354108/32.7374167,35.9027887/32%C2%B007&#039;03.0%22N+35%C2%B046&#039;38.0%22E/@32.1381924,35.7347592,60662m/data=!3m1!1e3!4m14!4m13!1m5!1m1!1s0x0:0x7f28e9b3e5ac5bca!2m2!1d39.031488!2d36.864781!1m0!1m0!1m3!2m2!1d35.7772222!2d32.1175!3e2?hl=de&amp;amp;entry=ttu 120 km] mehr rechnen (vgl. z.B. [https://www.odb.bibelwissenschaft.de/ortsnamen/ortsname.php?n=37 Gal-Ed (odb)]). Aber zu Vv. 48f. s. dort.&amp;lt;br /&amp;gt;Zu Pferd wären beide Strecken in sieben Tagen gut machbar, eine Kleinviehherde hätte man aber keinesfalls in zehn Tagen so weit treiben können. Üblicherweise erklärt man daher die Zahlen als runde Zahlen: nach „wenigen“ Tagen wird Jakobs Flucht gemeldet, nach „einigen“ Tagen hat Laban ihn eingeholt. Die alternative Erklärung von Steinmann 2019, Laban sei erst nach dem Ende der Schafschur aufgebrochen, hilft nichts: Nach altorientalischen Quellen wird diese inklusive Fest im Schnitt sieben Tage oder weniger gedauert haben; auch 17 Tage sind aber weit zu wenig für die Reise Jakobs. Am besten erklärt man sich daher den „dritten Tag“ wirklich als Anspielung auf Gen 30,36 (s. vorige FN) und die „sieben Tage“ i.S.v. „nach einem mehrtägigen Gewaltritt“. Gut zusammenpassen tun beide Zeitangaben dennoch nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|24}} Da kam im nächtlichen Traum Gott zu Laban dem Aramäer und sagte zu ihm: „Hüte dich, mit Jakob zu sprechen von Gut bis Böse (Übel)!“&amp;lt;ref name=&amp;quot;gutböse&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;sprechen von Gut bis Böse&#039;&#039; - unklarer Ausdruck. Üblicherweise bezeichnet eine Angabe à la „von X bis Y“ &#039;&#039;alles&#039;&#039;, also „sprich kein Wort mit Jakob!“ (vgl. bes. Honeyman 1952, S. 11f.). Das tut Laban dann aber doch, und das ganz schön ausführlich – und glaubt in V. 29 aber gleichzeitig, damit Gottes Verbot zu entsprechen. Es gibt zwei sehr nahe Parallelen: In [[2 Samuel 13#s22 |2 Sam 13,22]], nachdem Amnon seine Schwester Tamar vergewaltigt hat, heißt es: „Absalom sprach nicht mit Amnon &#039;&#039;von Böse und bis Gut&#039;&#039;, denn Absalom hasste Amnon.“ Kurze Zeit später lädt er ihn zu sich ein, um ihn auf einem Fest zu ermorden. Die zweite Parallele ist [[Genesis 24#s50 |Gen 24,50]]: Als Abrahams Knecht für Isaak um die Hand von Labans Schwester anhält und darum bittet, ihm dies entweder zu gewähren oder auszuschlagen, sagt Laban ähnlich: „Der Spruch ging von JHWH aus; wir können nicht zu dir sprechen &#039;&#039;Böses oder Gutes&#039;&#039;“, und hat dem Knecht damit die Bitte gewährt.&amp;lt;br /&amp;gt;Darf man die drei Stellen zusammenlesen – und das muss man wohl sogar –, scheint der Ausdruck also ungefähr zu bedeuten: „sich eines Urteils enthalten(, da Gott bereits geurteilt hat)“ (gut Fokkelman 1975, S. 165: „It is not for us to judge of this“). Dies hieße bei 2 Sam 13 genauer: „Absalom vermied, öffentlich ein Urteil auszusprechen, denn er hasste ihn [und hatte vor, einen auf gut Freund mit ihm zu machen, um ihn dann töten zu können]“, und an unserer Stelle beschränkt sich Laban daher auf vorwurfsvolle Fragen, weshalb auch erst Jakob eine gerichtliche Untersuchung einleiten muss.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Alternativ&#039;&#039;&#039; haben Clark 1969, S. 269 und nach ihm z.B. Sherwood 1990, S. 315 und Hamilton 1995 vermutet, der Ausdruck bedeute „rechtliche Schritte unternehmen“, was an unserer Stelle und in 2 Sam 13 ebenfalls gut passte, an der in Gen 24 aber weniger, und neuerdings hat Steinmann 2019 angenommen, „von gut bis böse sprechen“ bedeute, Gutes zu sprechen und dies dann zum Bösen zu pervertieren, was zu keiner der beiden anderen Stellen gut passt. Die alten jüd. Ausleger schließlich haben „von gut bis schlecht“ i.S.v. „weder Gutes noch Schlechtes“ genommen und dann das Verbot, Gutes zu sprechen, entweder so erklärt, dass Laban Jakob auch nicht zureden dürfe, wieder zurückzukommen (ibn Ezra, Ramban, Sforno; daher noch Michaelis 1775: „Hüte dich, weder in Gutem noch Bösen mit Jacob &#039;&#039;von der Rückreise&#039;&#039; zu reden“), oder so, dass auch das Gute, das böse Menschen sprechen, vergiftet ist (Midrasch BerR, Raschi, Tur).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|25}} Dann erreichte Laban den Jakob. Jakob hatte sein Zelt im Gebirge (auf dem Berg) aufgeschlagen und Laban hatte [seines] bei seinen Brüdern im Gilead-Gebirge (auf dem Berg von Gilead)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Gilead&amp;quot; /&amp;gt; aufgeschlagen.&amp;lt;ref&amp;gt;Witzig: Wörtlich auf den ersten Blick: „Jakob hatte sein Zelt aufgeschlagen und Laban hatte seine Brüder aufgeschlagen.“ Vielleicht ein Textfehler, bei dem {{hebr}}אהלו{{hebr ende}} („sein Zelt“) zu {{hebr}}אחיו{{hebr ende}} („seine Brüder“) verlesen wurde (so BHS), aber alle Textzeugen stützen MT. Vielleicht wurde der Wortlaut auch bewusst gewählt: „Jakob schlug sein Zelt auf und Laban wild um sich.“&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Genesis|20|3}} {{par|Numeri|22|9}}&lt;br /&gt;
{{S|26}} Laban sagte zu Jakob: „Was hast du getan&amp;lt;ref name=&amp;quot;was&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;Was hast du getan!?&#039;&#039; + &#039;&#039;Warum&#039;&#039; - Ironie: In [[Genesis 29#s25 |Gen 29,25]] hatte Jakob Laban mit diesen Worten dafür angeklagt, dass er ihm seine Tochter Lea gegeben hatte. Nun klagt ihn Laban mit den selben Worten dafür an, dass dieser ihm seine Töchter genommen hat.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;Was hast du getan&#039;&#039; und die beiden folgenden &#039;&#039;Warum&#039;&#039;-Fragen sind rhetorische Fragen, mit denen im Heb. standardmäßig Anklagen formuliert werden (vgl. Boecker 1970, S. 31.42; Mabee 1980, S. 196). Treffender ist daher normalerweise etwas wie: „Wie konntest du nur!?“ In unserem Kapitel ist es aber wahrscheinlich bedeutsam, dass Laban nur in Fragen spricht, s. die Anmerkungen.&amp;lt;/ref&amp;gt; – hast mein Herz gestohlen&amp;lt;ref name=&amp;quot;Herz&amp;quot; /&amp;gt; und meine Töchter [fort]getrieben wie (Schwert-Gefangene=) Kriegsgefangene!?&lt;br /&gt;
{{S|27}} Warum&amp;lt;ref name=&amp;quot;was&amp;quot; /&amp;gt; hast du (dich versteckt, um zu fliehen=) verborgen, dass du fliehen willst, und mich bestohlen, und mir[&#039;s] nicht erzählt, so dass ich dich mit Gesang und Liedern und Tamburin und Leier (fortsenden=) auf die Reise schicken können hätte,&lt;br /&gt;
{{S|28}} und mir nicht ermöglicht (mich nicht [so] verlassen, dass...?),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;mir nicht ermöglicht (mich nicht [so] verlassen, dass...)&#039;&#039; - seltsam. Heb. &#039;&#039;naṭaštani&#039;&#039;. &#039;&#039;naṭaš&#039;&#039; heißt sonst nur „verlassen, zurücklassen“, auch im Aramäischen. „Erlauben“, wie auch VUL übersetzt, wäre heb. &#039;&#039;natan&#039;&#039;. Greenfield 1981, S. 129; Hamilton 1995 und Bompiani 2014, S. 46 erklären als Aramäismus: Aram. &#039;&#039;šebaq&#039;&#039; heißt sowohl „verlassen“ als auch „zulassen“. Aber anders als in TgO.N.G und Syr steht hier ja gar nicht &#039;&#039;šabaq&#039;&#039;? LXX („ich war nicht würdig“) legt nahe, dass auch den alten Übesetzer das Wort Schwierigkeiten bereitete. Vielleicht richtiger nach TgJ („warum hast du nicht gewartet“): „Warum hast mich nicht [&#039;&#039;so&#039;&#039;] verlassen, dass ich meine Enkel und Töchter küssen können hätte?“, und Tg, Syr und danach VUL wären dann als bloße Übersetzungs-Aramäismen zu beurteilen. So deutet aber niemand.&amp;lt;/ref&amp;gt; meine (Söhne=) Enkel und meine Töchter zu küssen!? (Nun hast=) Also, da hast du dich töricht verhalten, [so] zu handeln!&lt;br /&gt;
{{S|29}} Es (wäre=) läge in der Macht meiner Hand (?),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Es läge in der Macht meiner Hand&#039;&#039; - etwas unklarer Ausdruck. Was er ungefähr bedeutet, ist klar, da er auch in [[Deuteronomium 28#s32 |Dtn 28,32]]; [[Nehemia 5#s5 |Neh 5,5]]; [[Sprichwörter 3#s27 |Spr 3,27]] und [[Micha 2#s1 |Mi 2,1]] in diesem Sinn verwendet wird. S. genauer zu [[Micha 2#s1 |Mi 2,1]]: Am ehesten ist wörtlich aufzulösen: „Meine Hand (ist=) wirkt für die Gottheit“. Mitzuhören ist dann: „darum führt diese Gottheit meine Hand auch“. Zur Idee vgl. z.B. [[Jesaja 45#s1 |Jes 45,1]]: Gott spricht zu seinem Gesalbten, „den ich an der rechten Hand genommen habe, um Nationen vor ihm niederzuwerfen“. Auch Ahnen können derart die Hände ihrer Nachfahren führen, s. [[Genesis 49#s24 |Gen 49,24]]. Dass Laban sich gerade dieses Ausdrucks bedient, ist dann hochironisch: Gerade das gilt ja nicht, wie der Rest des Verses zeigt.&amp;lt;br /&amp;gt;Dass der Ausdruck stets in Rechtskontexten vorkomme und daher soviel bedeute wie „ich bin befugt, X zu tun“ (Fokkelman 1975, S. 169; ähnlich Mabee 1980, S. 198 FN 15) ist schlicht falsch; ein solcher Kontext ist außer an unserer Stelle sogar &#039;&#039;nie&#039;&#039; zu erkennen.&amp;lt;/ref&amp;gt; mit euch böse (übel) zu handeln. Aber der Gott eurer Väter hat gestern zu mir gesprochen {wie folgt}: ‚Hüte dich, zu sprechen mit Jakob von Gut bis Böse (Übel)!‘&amp;lt;ref name=&amp;quot;gutböse&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|30}} Nun also: (Du bist gehend gegangen weil du verlangend verlangtest nach deinem Vaterhaus=) Ich versteh&#039; schon, du musstest gehen! Du hattest Verlangen nach deinem Vaterhaus, na klar! [Aber] warum&amp;lt;ref name=&amp;quot;was&amp;quot; /&amp;gt; hast du meine Götter gestohlen!?“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|31}} Jakob antwortete: „Weil ich mich fürchtete.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Der vorangehende Satz fehlt in LXX, wohl wegen Homoiarkton (richtig BHQ): „&#039;&#039;&amp;lt;s&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Weil&#039;&#039;&#039; ich mich fürchtete.&amp;lt;/s&amp;gt; &#039;&#039;&#039;Weil&#039;&#039;&#039; ich sagte...&#039;&#039;“&amp;lt;/ref&amp;gt; Weil ich [mir] sagte: Dass du mir [nur] nicht deine Töchter bei mir raubst ([und alles, was mir gehört])!&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;und alles, was mir gehört&#039;&#039; nur nach LXX; gewiss Angleichung an V. 21 wie in V. 18. In den folgenden Versen hat LXX den Text so gewaltig umgeschrieben, dass auf die einzelnen Varianten nicht eigens eingegangen wird; s. BHQ.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|32}} Bei wem du [allerdings] deine Götter findest, der soll nicht (leben=) am Leben bleiben! (Gegenüber=) Angesichts unserer Brüder identifiziere {dir}, was [von dir] bei mir [ist], und nimm[&#039;s] dir!“ Jakob wusste [nämlich] nicht, dass Rahel sie gestohlen hatte. {{par|Genesis|44|9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|33}} Da ging Laban ins Zelt von Jakob und ins Zelt von Lea und ins Zelt der beiden Mägde,&amp;lt;ref&amp;gt;Das &#039;&#039;Zelt der beiden Mägde&#039;&#039; stört; laut dem nächsten Satz geht Laban ja direkt vom Zelt von Lea ins Zelt von Rahel. Entweder ist ist diese Phrase spätere Ergänzung eines überkorrekten Schreibers (Boecker 1992, S. 90; Tröndle 2023, S. 183) oder der erste Satz von V. 33 ist nicht chronologisch gemeint, sondern nur eine Aufzählung: „Er ging in die Zelte von Jakob und Lea und den beiden Mägden, fand aber nichts. Als er [am Ende] Leas Zelt verließ, ging er ins Zelt von Rahel“ (ähnlich Steinmann 2019). Oder schließlich der Beginn von V. 33 ist nur die Kurzfassung der Episode, bei der das kritische Geschehnis ausgespart wurde, um es sogleich ausführlich nachzuliefern: „In den Zelten von Jakob, Lea und den beiden Mägden fand er nichts. Aus dem Zelt von Lea ging er aber ins Zelt von Rahel.“ Kommunikative Bibelübersetzungen sparen wegen dieser Schwierigkeit in der Regel den ganzen zweiten Satz aus (HfA) oder ersetzen ihn durch etwas wie „Dann ging er in Rahels Zelt“ (GN, NeÜ, NL).&amp;lt;/ref&amp;gt; aber fand nichts. Er ging hinaus&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;er fand nichts. Er ging hinaus&#039;&#039; - Klangspiel: &#039;&#039;(loʾ) maṣaʾ (waj-)jeṣeʾ&#039;&#039;, das eine Wort von &#039;&#039;maṣaʾ&#039;&#039; („finden“), das andere von &#039;&#039;jaṣaʾ&#039;&#039; („hinausgehen“) – nun wird es also kritisch.&amp;lt;/ref&amp;gt; aus dem Zelt von Lea und kam ins Zelt von Rahel.&lt;br /&gt;
{{S|34}} Rahel indes hatte die Terafim genommen, sie in den Kamel-Sattel&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Kissensattel 2.png|mini|Bild 3: Kamelreiter auf Kissensattel. Relief aus Tell Halav, 9./8. Jhd. (c) [https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:Syrian_-_Slab_with_Dromedary_Rider_from_Tell_Halaf_-_Walters_2115.jpg Wikimedia]]]&amp;lt;div class=&amp;quot;tright&amp;quot; style=&amp;quot;clear:none&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Kissensattel.png|mini|Bild 1: Kamelreiter und Pferdereiter. Assyrisches Siegel, 6./5. Jhd. v. Chr. (c) [https://www.britishmuseum.org/collection/object/W_1925-0613-1 BM, 117716]]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Kissensattel 3.jpg|mini|Bild 2: Psyche reitet auf beladenem Kamel. Griechisches Relief, 3. Jhd. v. Chr. (c) [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Psyche_on_a_camel.jpg Wikimedia]]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;Historisch voraussetzen müssen wir beim &#039;&#039;Kamel-Sattel&#039;&#039; entweder den südarabischen Sattel oder den Kissensattel, vgl. Bulliet 1975, bes. Kapitel 3. Dass Rahel die Terafim im Sattel verstauen und sich danach auf &#039;&#039;sie&#039;&#039; setzen kann, macht sehr wahrscheinlich, dass ein Kissensattel gemeint ist, wie er rechts auf Bild 1 abgebildet ist: eine dicke Matte und darauf ein Kissen, die mit Seilen o.Ä. an das Kamel gezurrt wurden. Transportgüter wurden dann wiederum z.B. in Satteltaschen an diesem Konstrukt befestigt (s. Bild 2). Ein solcher Kissensattel ist auch auf dem Relief aus Tell Halav abgebildet (Bild 3, vgl. ebd., S. 80); der Reiter sitzt dort also nicht auf einer „Box“ (so Sarna 2001; Waltke/Fredricks 2001; Cook 2011), so schön das auch zu unserer Erzählung passen würde. Der nordarabische Sattel, an den z.B. Galambush 2018 zu denken scheint, wenn sie darauf hinweist, Kamelsattel hätten Füße (gleich Stühlen), kam erst ab dem 5. Jhd. v. Chr. auf (vgl. ebd., S. 87).&amp;lt;br /&amp;gt;Im Alten Israel schlief man für gewöhnlich auf dem bloßen Boden und deckte sich mit seinem Mantel zu, zumal auf Reisen. Ein Kissensattel war also im Verhältnis dazu sehr bequem und wirklich eine gute Sitz- oder Liegegelegenheit für eine Frau mit Menstruationsbeschwerden.&amp;lt;/ref&amp;gt; gelegt und sich auf sie gesetzt. Laban betastete das ganze Zelt,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;betastete das ganze Zelt&#039;&#039; - symbolisch: Wie der blinde Isaak in [[Genesis 27#s22 |Gen 27,22]] im Zelt nach seinem Sohn „tasten“ musste und dabei getäuscht wurde, so muss nun Laban im Zelt „herumtasten“ und wird ebenso getäuscht (gut Turner 2000b). Der Hellseher Laban ist durch den Diebstahl seiner Terafim zum Blindfisch degradiert worden.&amp;lt;/ref&amp;gt; aber er fand nichts:&lt;br /&gt;
{{S|35}} Rahel sagte zu ihrem Vater: „Es (erzürne=) gereiche nicht zum Zorn in den Augen meines Herrn,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;es erzürne nicht in den Augen meines Herrn&#039;&#039; - Hier und in [[Genesis 45#s5 |Gen 45,5]] offenbar Kombination aus „&#039;&#039;es erzürne nicht&#039;&#039; den Zorn &#039;&#039;meines Herrn&#039;&#039;“ ([[Genesis 44#s18 |Gen 44,18]]; [[Exodus 32#s22 |Ex 32,22]]; [[Richter 6#s39 |Ri 6,39]]) und „es sei nicht böse &#039;&#039;in den Augen meines Herrn&#039;&#039;“ ([[Genesis 21#s12 |Gen 21,12]]; [[Genesis 38#s10 |38,10]]; [[Genesis 48#s17 |48,17]]). Soll die Formulierung hyper-höflich sein? Dass Rahel ihren Vater in der 3. Pers. als „mein Herr“ anspricht, ist jedenfalls eine (häufige) Höflichkeitsstrategie.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: LXX („Nicht führe es bei meinem Herrn zu Beleidigung“) kann frei übersetzt haben (richtig Wevers 1993, S. 514f.), aber VUL und Syr („mein Herr zürne mir nicht“ / „es erzürne meinen Herrn nicht“) setzen wahrscheinlich wirklich nur die erste Redensart voraus; TgN dagegen übersetzt, als stünde die zweite. SamP, TgJ und TgO stützen MT; wahrscheinlich haben also LXX, VUL, Syr und TgN alle auf drei unterschiedliche Weisen versucht, mit der unerwarteten Formulierung zurechtzukommen. Die Varianten fehlen merkwürdigerweise in jeder textkritischen Edition.&amp;lt;/ref&amp;gt; dass ich nicht aufstehen kann vor (deinem Gesicht=) deinen Augen, weil mir[s gerade nach] der Weise der Frauen (ist=) ergeht.“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;es ergeht mir gerade nach der Weise der Frauen&#039;&#039; - w. „mir ist der Weg der Frauen“, d.h. wahrscheinlich: „Ich habe gerade meine Menstruation“ (vgl. ähnlich [[Genesis 18#s11 |Gen 18,11]]). Tur erwägt hier und Ramban zu Gen 18, ob „der Pfad/Weg der Frauen“ nicht statt der Menstruation die Schwangerschaft sein könnte, aber das hat schon unter den jüd. Auslegern keine Anhänger gefunden.&amp;lt;br /&amp;gt;Dass Rahel gerade ihre Tage hat, stimmt natürlich nicht; Rahel ist gerade schwanger (vgl. Herr 1998; Friedman 2001). Mitzuhören ist bei dieser Ausrede entweder, dass sie wegen ihrer angeblichen Menstruation zu sehr geschwächt ist um aufzustehen (Hamilton 1995, wahlweise schon Ramban) oder dass sie es nicht wagt, aufzustehen, weil sie in ihrer Unreinheit ihrem Vater nicht zu nahe kommen will (Krauss / Küchler 2004, schon Rabbenu Bahja und wahlweise Ramban). Letzteres nämlich ist sicher der Clou ihres Handelns: In der Vorstellung der alten Israeliten waren menstruierende Frauen „unrein“, und diese Unreinheit würde alles „infizieren“, womit sie in Berührung kam – inklusive ihrem Vater (s. [[Leviticus 15#s19  |Lev 15,19]]) und allem, worauf sie saß oder lag (s. [[Leviticus 15#s23 |Lev 15,23]]).&amp;lt;br /&amp;gt;Dass Rahel ihre Unreinheit nur vortäuscht, ändert nichts daran, dass sie mit ihrem Handeln die Heiligkeit von Terafim massivst mit Füßen tritt: Die Götterbilder werden degradiert zu Damenbinden (Fokkelman 1975, S. 170).&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;So suchte er, fand aber die Terafim nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|36}} Da (erzürnte=) packte der Zorn den Jakob&amp;lt;ref&amp;gt;In &#039;&#039;Vv. 36-42&#039;&#039; sind viele Sätze und Phrasen parallel gebaut, was typisch für biblische Poesie wäre, und viele haben auch die richtige Länge für biblische Poesie. Alter 1996 hält diese Verse daher rundweg für ein Gedicht, die meisten bestimmen sie stattdessen als etwas wie „lange Rede in fast dichterischem Stil, sogar mit rhythmischer Gestaltung“ (Boecker 1992), „fast Poesie“ (Waltke/Fredricks 2001), „metrische Kunstprosa, bei denen manche Zeilen reine Poesie sind“ (Fokkelman 1975, S. 171.173). Wir geben sie daher zeilenweise wieder, formatieren aber nicht als Gedicht. Noch leichter als Poesie lassen sich Vv. 43f. deuten, die auch ebenso eingeleitet werden wie Vv. 36-42. Seltsamerweise sind diese noch nicht als Poesie oder „fast Poesie“ verstanden worden. Wir haben sie daher ebenso formatiert.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und er klagte an (stritt mit, focht an) Laban:&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es antwortete Jakob&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{Und er sagte zu} Laban:&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Worin habe ich mich vergangen&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
und ({und})&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Die Konjunktion fehlt nur in MT und TgO; alle anderen Versionen und auch viele heb. Handschriften bezeugen sie. Bei dieser Masse an Zeugen sollte man gewiss MT als Angleichung an den vorangehenden Satz auffassen (richtig BHS, gegen BHQ).&amp;lt;/ref&amp;gt; worin habe ich gefehlt, {{par|1 Samuel|20|1}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
dass du hergejagt bist hinter mir&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|37}} und ({und})&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Eine ähnliche Differenz wie die in V. 36: Die Konjunktion fehlt in MT, Syr und den Targumim, wird aber bezeugt durch SamP, LXX und VUL. Hier wird die kürzere Variante also stärker bezeugt als in V. 36. Was ursprünglich ist, lässt sich kaum entscheiden; nachdem MT und TgO aber wohl schon in V. 36 eine Konjunktion gestrichen haben, wird man auch hier eher LXX für ursprünglich halten (richtig Ball 1896, gegen BHQ).&amp;lt;/ref&amp;gt; dass du betastet hast all meine Sachen!?&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Was&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Was&#039;&#039; - im Heb. das selbe Fragewort die beiden &#039;&#039;Worins&#039;&#039; in V. 36.&amp;lt;/ref&amp;gt; hast du gefunden von allen Sachen deines Hauses!?&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Leg es dort vor meine Brüder und deine Brüder,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;meine Brüder und deine Brüder&#039;&#039; - In V. 32 hießen sie noch „unsere Brüder“. Jakob und Laban sind endgültig geschiedene Leute (gut Fokkelman 1975, S. 174).&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
und sie sollen urteilen (einen Rechtsentscheid fällen) zwischen uns beiden!&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|38}} 20 Jahre [sind&#039;s] jetzt, [dass] (20 Jahre jetzt, ganze 20 Jahre)&amp;lt;ref name=&amp;quot;zeh&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Heb. &#039;&#039;zéh&#039;&#039; („dies, hier, jetzt“) wird in den Gramamtiken us. gedeutet. „Diese 20 Jahre“, wie viele dt. Üss. übersetzen, ist jedenfalls falsch; das immerhin ist sicher. (1a) [https://en.wikisource.org/wiki/Gesenius%27_Hebrew_Grammar/136._The_Demonstrative_Pronoun#GHGpar-136-d GKC §136d] hält es für eine Partikel zur Emphase von Fragewörtern, ähnlich dem deutschen „Wer &#039;&#039;jetzt&#039;&#039;!?“ statt bloßem „Wer?“. So soll es für ihn auch mit Zahlwörtern zu verstehen sein, und zwar sowohl in Gen 31,38 als auch in Gen 31,41, wo es „von seinem Zahlwort getrennt“ sei. (1b) Dieser Interpretation folgt ungefähr auch Williams §118, der aber in seinen Beispielsätzen jeweils anders übersetzt. [[Genesis 27#s36 |Gen 27,36]] z.B. wäre für Gesenius „zweimal jetzt“ zu übersetzen, für Williams dagegen „wirklich zwei Male; ganze zwei Male“.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) JM §143a dagegen erklärt das Wort an unserer Stelle als ursprüngliches Demonstrativadverb („hier, da, jetzt“), wonach Gen 31,38.41 verblose Sätze wären. Ebenso BrSynt §14bγ; Brockelmann übersetzt daher V. 38 und Joüon V. 41: „20 Jahre sind es jetzt, dass ich bei dir bin“. Dass in V. 41 ein &#039;&#039;li&#039;&#039; („für mich“) zwischen &#039;&#039;zeh&#039;&#039; und „20 Jahre“ steht, spricht sehr stark für die zweite Deutung: „20 Jahre sind es jetzt &#039;&#039;für mich&#039;&#039;, dass ich bei dir bin!“.&amp;lt;/ref&amp;gt; ich bei dir [bin];&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Deine Zibben&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Zibbe&#039;&#039; ist im Heb. &#039;&#039;rahel&#039;&#039;: Deine „Rahels“ hatten keine Fehlgeburt. Das stimmt sogar mit Bezug auf die „echte“ Rahel.&amp;lt;/ref&amp;gt; haben nie (nicht) fehlgeboren,&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
([und])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Wieder eine ähnliche Textdifferenz wie in Vv. 36.37. Hier ist es jetzt aber umgekehrt wie in V. 37: MT, Syr und die Targumim bezeugen „und“, SamP, LXX und VUL die kürzere Variante. Was ursprünglich ist, lässt sich nicht entscheiden. Da die Zeile aber parallel sowohl mit der vorangehenden &#039;&#039;als auch&#039;&#039; mit der folgenden steht, ist die kürzere Variante eher zu erwarten.&amp;lt;/ref&amp;gt; die Böcke deines Kleinviehs habe ich nie (nicht) gegessen;&amp;lt;ref&amp;gt;Entweder setzt diese Zeile voraus, dass Hirten das Recht hatten, Böcke zu essen, dass aber Jakob von diesem Recht keinen Gebrauch gemacht hat (soe Boecker 1992), oder Jakob weist von sich, unberechtigt Labans Böcke gegessen und dies dann z.B. als Raub durch wilde Tiere ausgegeben zu haben. Weil wir von einem solchen Hirtenrecht sonst nichts wissen und es überraschend wäre, wenn es ein solche gäbe, liegt die zweite Deutung näher. Dass ein Hirte in beiden Fällen die Böcke und nicht die Zibben gegessen hätte, ist jedenfalls klar; um eine Herde anwachsen zu lassen, brauchte es weniger Böcke als Zibben (richtig Steinman 2019).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|39}} Gerissenes&amp;lt;ref&amp;gt;d.h. „von wilden Tieren &#039;&#039;Gerissenes&#039;&#039;“ im Gegensatz zu „vom Hirten Gegessenes“.&amp;lt;/ref&amp;gt; brachte ich nicht zu dir:&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wenn ich es verlor (verletzte; ich musste es ersetzen, du...?; ich musste es bezahlen, du...?),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;verlor (verletzte; ersetzen?, bezahlen?)&#039;&#039; - In orientalischen Hirtenverträgen wird gelegentlich unterschieden zwischen Tieren, die durch höhere Gewalt (wie Raubtiere oder Seuchen) verloren gingen und Tieren, die durch eigenes Verschulden des Hirten verloren wurden. Erste mussten Hirten den Besitzern nicht erstatten, letztere schon (s. [[Exodus 22#s9 |Ex 22,9-12]]; Codex des Hammurapi §266f.; vgl. Finkelstein 1968). Um von der Schuld am Tod eines Tieres freigesprochen zu werden, musste der Hirte daher seine Überreste zum Besitzer bringen und einen Eid schwören, dass dieses Tier ohne sein Verschulden gestorben war. Das ist hier gemeint mit dem „es zu Laban bringen“. Doch selbst diese Regelung galt nicht beim ausbeuterischen Arbeitgeber Laban: auch gerissene Tiere musste Jakob aus eigener Tasche ersetzen.&amp;lt;br /&amp;gt;Die Standardübersetzung „ich musste es ersetzen“ lässt sich kaum rechtfertigen.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Genauer&#039;&#039;&#039;: Das heb. Wort sieht aus, als sei es eine Form von &#039;&#039;ḥaṭaʾ&#039;&#039; („sündigen, sich verfehlen“), bei der das Alef ausgefallen ist (vgl. [https://en.wikisource.org/wiki/Gesenius%27_Hebrew_Grammar/23._The_Feebleness_of_the_Gutturals_%D7%90_and_%D7%94#GHGpar-23-f GKC §23f]; so deutet auch TgJ; ibn Ezra). Traditionell wird es nach LXX („zurückzahlen, ersetzen“) und VUL („ersetzen“) übertragen als „ich musste es ersetzen“. Das wird auf zwei unterschiedliche Weisen rechtfertigt:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Loretz 1975, S. 208; Loewenstamm 1978, S. 410 und Milgrom 1991, S. 1084 nehmen nach dem akkadischen &#039;&#039;ḫiāṭu&#039;&#039; („zur Zahlung abwiegen“) eine sonst unbelegte Wurzel &#039;&#039;ḥīṭ&#039;&#039; („bezahlen“) an, wofür Ges18 338 die „herkömmliche“ Übersetzung „ersetzen“ vorschlägt. Es wäre aber merkwürdig, wenn für den fraglichen Vorgang gerade dieses Wort verwendet würde, da Hirten verlorene Schafe nicht in abzuwiegendem Geld ersetzen mussten, sondern so, dass sie mit den ihnen als Lohn übertragenen Schafen verrechnet wurden. Für „erstatten“ ohne diese Spezialbedeutung „Geld abwiegen“ stehen im Heb. mehrere Worte bereit; in Ex 22,10 z.B. &#039;&#039;šalam&#039;&#039;.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Finkelstein 1968, S. 32 macht darauf aufmerksam, dass das akkadische Kognat &#039;&#039;ḫaṭû&#039;&#039; („sich verfehlen, sündigen“) von heb. &#039;&#039;ḥaṭaʾ&#039;&#039; gelegentlich auch „ein Schaf durch Nachlässigkeit verlieren“ bedeutet, und leitet daraus die Bedeutung „einen Verlust &#039;&#039;wiedergutmachen&#039;&#039; = ersetzen“ ab. Dagegen zurecht Loretz 1975, S. 208: &#039;&#039;Diese&#039;&#039; Bedeutung hat &#039;&#039;ḫaṭû&#039;&#039; nie.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Da beide Optionen nicht einfach sind, ist es die beste Option, Frankena 1972 zu folgen, der von Finkelstein ausgehend näher am Akkadischen bleibt: „Wann immer ich etwas verlor, hast du es dir aus meiner Tasche bezahlen lassen“ – wie dies üblich war, s. bei Finkelstein.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Alternativ hat Landau 2019 kürzlich vorgeschlagen, das Wort nicht nach akk. &#039;&#039;ḫaṭû&#039;&#039; zu deuten, sondern nach &#039;&#039;ḫuṭṭû&#039;&#039; („verletzen“): „Wenn ich ein Tier verletzte, hast du es dir aus meiner Hand erstatten lassen“. Auch das ist ein kluger Vorschlag; für den von Frankena spricht aber, dass er sich leichter mit dem altorientalischen Recht vereinbaren lässt.&amp;lt;/ref&amp;gt;hast du es (jeweils von meiner Hand gefordert=) dir jeweils von mir ersetzen lassen,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[Ob es] Raub des Tages oder Raub der Nacht [war].&amp;lt;ref&amp;gt;Mit dieser Differenzierung von &#039;&#039;Raub des Tages&#039;&#039; und &#039;&#039;Raub der Nacht&#039;&#039; wird gewiss nicht vorausgesetzt, dass Hirten auch für nachts geraubte Tiere nicht belangt wurden (so Finkelstein 1968; Wenham 1994). Besser so: Noch häufiger wird im alten Orient erwähnt, dass es den Hirtenberuf besonders auszeichnete, dass sie nachts wegen der Furcht um ihre Herden keinen Schlaf fanden. Vgl. im Gilgamensch-Epos Zz. 109-112: „&#039;&#039;[Enkidu] nahm seine Waffen, griff die Löwen an; / es legten sich die Hirten jetzt nachts zum Schlafen. / Die Wölfe erschlug er, er überwältigte die Löwen, / es schliefen die großen Hüter&#039;&#039;“ (TUAT III/4 651); Ischum und Erra, Zz. 86f.: „&#039;&#039;Löwe und Wolf vernichten die Herden Schakkans, / der Hirte kommt wegen seines Kleinviehs Tag und Nacht nicht zur Ruhe, er fleht dich an.&#039;&#039;“ (TUAT III/4 786). Die Zeile leitet also bereits über zum nächsten Vers, wo Jakob allgemein über das harte Leben von Hirten klagt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|40}} Ich war [einer, den] tagsüber {mich} die Hitze verzehrte und die Kälte nachts&amp;lt;ref&amp;gt;Ganz merkwürdige Zeile. Mit dem einleitenden „Ich war“ ist nichts anzufangen. Die SF übersetzt nach HKL III §383a, wo die Satzfügung als Relativsatzgefüge ohne Stützwort verstanden wird. Das ist schwerlich zufriedenstellend, aber immer noch die beste Erklärung. In deutschen Übersetzungen greift man meist zur Verlegenheitsübersetzung „So ergings mir: Tagsüber verzehrte mich die Hitze“. Entweder tut man in der LF dies oder lässt das unverständliche „ich war“ aus.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
und {mein} Schlaf floh meine Augen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|41}} 20 Jahre [sind&#039;s] jetzt für mich&amp;lt;ref name=&amp;quot;zeh&amp;quot; /&amp;gt; in deinem Haus;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
ich diente dir 14 Jahre für deine beiden Töchter&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
und sechs Jahre für dein Kleinvieh –&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
und meinen Lohn hast du verändert zehnmal!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|42}} Wäre nicht der Gott meines Vaters, der Gott Abrahams und der Schrecken (Hoden?) Isaaks,&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schrecken&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;Schrecken (Hoden?) Isaaks&#039;&#039; (V. 42) + &#039;&#039;Schrecken (Hoden) seines Vaters Isaak&#039;&#039; (V. 53) - umstrittenste Stellen dieses Kapitels. Offensichtlich ist „&#039;&#039;paḥad&#039;&#039; Isaaks“ eine Bezeichnung für Gott. Wie genau sie zu verstehen ist, wird aber heiß diskutiert. Am besten plausibilisieren lässt sich diese Deutung: Der biblische Gott wird noch häufiger als jemand dargestellt, der nicht nur Ehrfurcht einflößt, sondern insbesondere in Kriegskontexten in der Tat &#039;&#039;schrecklich&#039;&#039; ist. In [[Jeremia 49#s5 |Jer 49,5]] z.B. heißt es: „‚Ich lasse Schrecken über dich kommen von allen her, die um dich herum wohnen‘ – so spricht JHWH, der Herr der Heere!“, und in [[2 Chroniken 20#s29 |2 Chr 20,29]]: „Es entstand Schrecken vor Gott in allen Königreichen der Länder, als sie hörten, dass JHWH gegen die Feinde Israels Krieg geführt hatte.“ Vgl. näher [https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/27305/#h5 Schrecken (WiBiLex)]. Besonders stark gemacht hat das Josef Gikatilla; ein kurzer Auszug aus seinen „Toren des Lichts“: „&#039;&#039;Wisse: Als der Aramäer Laban den Jakob verfolgte und alles entwurzeln wollte, erschien Gott in dieser Weise, um Laban zu entwurzeln und mit ihm zu kämpfen. ... In dieser Weise [Gottes sind enthalten] alle Arten von Feuresbrunst, alle Arten von Kriegsgerät und Werkzeug der Verderbnis, um zu vernichten, zu töten, niederzumachen, zu entwurzeln, durchzuschütteln und niederzumachen!&#039;&#039;“&amp;lt;br /&amp;gt;Auf diesen schrecklichen Gott seiner Familie beruft sich Jakob hier: In V. 42, um Laban zu drohen und dem „Rechtsentscheid“, den Gott damit gefällt hat, dass er Laban im Traum verbot, seinerseits ein Urteil gegen Jakob zu fällen, noch größeres Gewicht zu verleihen (vgl. z.B. ThWAT VI 561; Steinmann 2019; Scholz 2021, S. 119f.); in V. 53, um gerade diese „aggressive Seite Gottes“ für den Nichtangriffspakt bürgen zu lassen.&amp;lt;br /&amp;gt;Das ist ein Gottesbild, das denkbar weit entfernt ist vom „lieben Gott“ heutiger westlicher Christen. Gewiss auch deshalb hat man die Stelle auf viele &#039;&#039;&#039;alternative&#039;&#039;&#039; Weisen zu deuten versucht. Die wichtigsten der noch aktuellen:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Gott heißt nur „Schrecken Isaaks“, weil Isaak sich einmal vor ihm erschreckt hatte (z.B. Recker 2000, S. 236)&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Gott heißt nur „Schrecken“, weil &#039;&#039;Laban&#039;&#039; sich letzte Nacht im Schlaf vor ihm erschreckt hatte (z.B. DDD 330f.; Wenham 1994; Sarna 2001)&amp;lt;br /&amp;gt;(3) „Schrecken“ kann man auch i.S.v. „Ehrfurcht“ verstehen (bes. Becker 1965, S. 178. Auch Goldingay 2020 übersetzt daher „the Reverence of Yiṣḥaq“). Aber das ist unwahrscheinlich, ein möglicher Beleg für diese Bed. des nicht seltenen Worts ist nur [[2 Chroniken 19#s7 |2 Chr 19,7]].&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Auf den ersten Blick absurd, auf den zweiten aber durchaus Ernst zu nehmen: &#039;&#039;paḥad&#039;&#039; ist in [[Ijob 40#s17 |Ijob 40,17]] und gelegentlich auch im Aramäischen mit der Bed. „Hoden“ bezeugt. In [[Genesis 24#s2 |Gen 24,2f.]] und [[Genesis 47#s29 |Gen 47,29]] ist außerdem von einem merkwürdigen Schwur-Gestus zu lesen: Man legte die Hände auf das Gehänge eines Familienoberhauptes und leistete darauf einen Schwur, wie man es heute mit der Verfassung tut. Deutet man unsere Stelle in diesem Sinn, ist „&#039;&#039;paḥad&#039;&#039; Isaaks“ &#039;&#039;kein&#039;&#039; Gottestitel, sondern Jakob beruft sich erstens auf den Gott und zweitens auf die Hoden seines Vaters. Wofür diese dann symbolisch stehen sollen, wird unterschiedlich beschrieben: (4a) für seine Familie und die „ancestral spirits of Isaac“, die in ihr am Wirken sind (Malul 1985, S. 200), (4b) für die „starke Zeugungskraft des Ahnen Isaaks, die auf geheimnisvolle Weise in seinen Nachkommen weiter wirkt“ (nach Koch 1980, S. 113), (4c) für Isaak selbst, der auf geheimnisvolle Weise immer noch anwesend ist (Utzschneider 2019, S. 29).&amp;lt;/ref&amp;gt; für mich gewesen (für mich), dann&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Nicht: „oh, dann“ oder „wahrlich, dann“ (so z.B. Boecker 1992; Hamilton 1995; Tröndle 2023): &#039;&#039;ki ʿattah&#039;&#039; leitet standardmäßig die Apodosis nach hypothetischem Vordersatz ein und ist dann nicht besonders emphatisch zu verstehen. S. ebenso [[Genesis 43#s10 |Gen 43,10]]; [[Numeri 22#s29 |Num 22,29.33]]; [[1 Samuel 14#s30 |1 Sam 14,30]]; [[Ijob 8#s6 |Ijob 8,6]]. In [[1 Samuel 13#s13 |1 Sam 13,13]] und [[Ijob 13#s19 |Ijob 13,19]] signalisiert der Ausdruck sogar ohne Vordersatz, dass der so eingeleitete Satz hypothetisch zu verstehen ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; hättest du mich (leer=) mit leeren Händen (fortgesandt=) auf die Reise geschickt! {{par|Deuteronomium|15|13}} Gott hat mein Elend und die Mühsal meiner Hände gesehen&amp;lt;ref&amp;gt;Dass &#039;&#039;Gott sie gesehen&#039;&#039; hat, ist ein häufiger Ausdruck für: „Gott ist mein Elend bewusst geworden, er hat sich daher meiner erbarmt und ist tätig geworden“ – hier nämlich eben in der Weise, dass er Laban im Traum erschien und für Jakob Partei ergriff.&amp;lt;/ref&amp;gt; – und gestern einen Rechtsentscheid gefällt!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|43}} Da antwortete Laban&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{und sagte} dem Jakob:&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die Töchter [sind] meine Töchter&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
und die Söhne [sind] meine Söhne&amp;lt;ref&amp;gt;gemeint sind die &#039;&#039;Söhne&#039;&#039; von Labans &#039;&#039;Töchtern&#039;&#039;, nicht seine eigenen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
und das Kleinvieh [ist] mein Kleinvieh&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und [überhaupt] alles, was du [hier] siehst – mir gehört&#039;s (gehörte [es])!&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Doch (und) meine(n) Töchter(n) – was kann (könnte, werde) ich heute für sie tun (ihnen antun),&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
oder für ihre Söhne (ihren Söhnen), die sie geboren haben?&amp;lt;ref&amp;gt;Die Logik von &#039;&#039;Vv. 43f.&#039;&#039; ist v.a. auch wegen diesen beiden Zeilen 43gh nicht sehr klar. Wahrscheinlich muss man die Zeilen mithilfe der Textgeschichte des Kapitels erklären; dann ist der Sinn klar (s. die Anmerkungen). Deutet man ihre Funktion nur im Rahmen des Kapitels, nicht: Heb. &#039;&#039;ʿaßah la-&#039;&#039;X kann sowohl negativ heißen „jemandem etwas antun“ (z.B. [[Numeri 22#s2 |Num 22,2]]), neutral „etwas mit jemandem tun“ (z.B. [[Exodus 29#s1 |Ex 29,1]]) und postitiv „etwas für jemanden tun“ (z.B. [[2 Chroniken 7#s10 |2 Chr 7,10]]). Wie verhalten sich also 43c-f, 43gh und 44 zueinander? –&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Lenkt Laban schon in 43c ein? – „[Da kann ich wirklich nichts mehr dagegegen sagen.] Und alles, was du da bei dir hast, stammt ja von mir. Insbesondere meine Töchter und deren Söhne. Was kann ich daher heute für sie tun? Ich weiß: Lass uns ein Bündnis schließen!“ (ähnlich z.B. Thompson 2002, S. 279)&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Besteht Laban trotzdem darauf, dass alles ihm gehört, lenkt dann aber ein, weil er seinen Töchtern ja nichts antun möchte? – „Das alles ist und bleibt eigentlich meins, du Räuber! Aber naja, wie könnte ich meinen Töchtern etwas antun? Darum lass uns einen Vertrag schließen!“ (so z.B. Vrolijk 2011, S. 205).&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Ist 43c-f verächtlich gesprochen? – „Pah, du Niemand! Ohne mich hättest du weder Frauen noch Söhne... Aber wenn es sich nun schon so verhält: Was könnte ich dann immerhin heute noch für meine Töchter tun, bevor ich sie endgültig dir zum Wohl und Weh ausliefern muss? Hm... vielleicht ein Bündnis?“ (so z.B. Sarna 2001)&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Ruft Laban weinerlich: „Aber das gehört doch alles mir! Was könnte ich nur für meine Töchter tun!? Dann bitte, lass uns immerhin ein Bündnis schließen!“ (so z.B. Wenham 1994)&amp;lt;br /&amp;gt;(1) ist nicht sehr wahrscheinlich, da man 43c-f eher nicht so hören würde. Die anderen Optionen sind aber alle gut möglich. (2) hat die meisten Anhänger; v.a. glaubt die große Mehrheit der Ausleger, dass Laban hier durchaus noch ein letztes Mal seine Besitzansprüche erklärt (wenn auch vielleicht nur noch, um sein Gesicht zu wahren). In der LF sollte man daher am besten nach (2) übersetzen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|44}} (und nun=) Nun denn, komm!&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Lass uns ein Bündnis (schneiden=) schließen – ich und du;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Das&#039;&#039; - das Schließen des Bündnisses, nicht das Bündnis selbst: „Bündnis“ ist im Heb. feminin, das Verb maskulin. Daraus erklärt sich R-S, die nach Raschi annehmen, der ungenannte &#039;&#039;Gott&#039;&#039; sei Subjekt („Der Herr sei Zeuge zwischen mir und dir“). Anders B-R („&#039;&#039;etwas&#039;&#039; sei da zu einem Zeugen“) und besonders gut BB, bei der sich sehr glatt der nächste Vers anschließt: „Aber wir brauchen einen Zeugen für den Vertrag zwischen uns. (Da nahm Jakob einen Stein...)“. Aber dafür hätte man gewiss &#039;&#039;wehajah ʿed&#039;&#039; geschrieben („ein Zeuge sei“), nicht &#039;&#039;wehajah laʿed&#039;&#039; („X sei &#039;&#039;als&#039;&#039; Zeuge“).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: BHS und z.B. Westermann 1981 und Boecker 1992 haben alternativ angenommen, hier sei ein Satz entfallen wie „Lass uns einen Steinhaufen errichten (und &#039;&#039;der&#039;&#039; sei Zeuge...)“. Dafür gibt es keine Hinweise in den Versionen. So unter dt. Üss. auch nur ZÜR 31.&amp;lt;/ref&amp;gt; [diene als] Zeuge zwischen mir und dir!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|45}} Da nahm Jakob einen Stein und errichtete ihn [als] Mazzebe.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Mazzebe&#039;&#039; - also als Gedenkstein, der hier wie auch in [[Exodus 24#s4 |Ex 24,4]] symbolisch für ein Bündnis und gleichzeitig wie auch in [[Jesaja 19#s19 |Jes 19,19]] und wahrscheinlich auch [[1 Samuel 7#s12 |1 Sam 7,12]] (s. Vv. 11-13) zur Markierung einer Landesgrenze dienen soll. Für ein Bsp. s. die Anmerkungen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|46}} Und Jakob sagte zu seinen Brüdern:&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;seine Brüder&#039;&#039; - also die Verwandten Labans wie in V. 37. „Brüder“ ist im Alten Orient aber auch ein stehender Begriff für Bündnispartner und wird hier gewiss mindestens auch in diesem Sinn verwendet.&amp;lt;/ref&amp;gt; „Sammelt Steine!“&amp;lt;br /&amp;gt;Da nahmen (sammelten)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Bei den meisten Textzeugen „nahmen“ wie in V. 45, nach LXX und TgJ aber „sie sammelten“. Ob „Sammeln“ oder „Nehmen“ Angleichung an V. 45, lässt sich nicht entscheiden. Aber LXX ist in den folgenden Versen, in denen sie sich sehr stark vom MT unterscheidet, fast sicher sekundär (Boecker 1992 und Ruppert 2005 halten dort jeweils LXX für den ursprünglichen Text, aber die Unterschiede lassen meist gut erklären; s. z.B. bei Tröndle), darum sollte man sich besser auch hier am MT orientieren. Wieder werden im Folgenden die einzelnen Unterschiede von LXX nicht einzeln verzeichnet; s. dafür BHQ.&amp;lt;/ref&amp;gt; sie Steine und machten einen Haufen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Steinhaufen&#039;&#039; - eine andere Form von Steinmonument, errichtet aus aufeinandergehäuften Feldsteinen. Wird manchmal auch als „Cairn“ bezeichnet; das bekannteste (aber untypische) Beispiel aus Israel heißt daher „Jethro&#039;s Cairn“, den man z.B. [https://youtu.be/_g34w96yA9k?t=54 in diesem YouTube-Video] schön sehen kann. S. noch nächste FN.&amp;lt;/ref&amp;gt; Beim (auf dem)&amp;lt;ref&amp;gt;Natürlich nicht „&#039;&#039;auf dem&#039;&#039; Haufen“, wie meist übersetzt wird. Ein typischer bronzezeitlicher Cairn hatte den Durchmesser von 1m; er war außerdem ein heiliger Ort, der Gott vorbehalten war und auf dem daher wahrscheinlich auch Libationen als Opfer darbegracht wurden (vgl. Avner 1984, S. 127). So auch hier: Der Cairn ist nicht nur „Denkmal“ (V. 48) für ihren Vertrag, sondern soll in V. 49 auch als „Aussichtsplattform“ für Götter dienen, die über diesen Vertrag wachen sollen – &#039;&#039;diese&#039;&#039; stellte man sich also „auf dem Haufen“ vor. Cairns der Bronzezeit begegnen meist in reihenförmigen Gruppen, manchmal auch noch gemeinsam mit freistehenden Miniatur-„Mauern“. Damit war ein Cairn als Teil einer Cairn-Reihe oder -Mauer äußerst gut dafür geeignet, Landesgrenzen u.Ä. zu markieren.&amp;lt;/ref&amp;gt; Haufen aßen sie auch.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;aßen sie auch&#039;&#039; - Gemeint ist wahrscheinlich schon hier das Mahl in V. 54 (richtig Wenham 1994; Krauss / Küchler 2004).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|47}} Laban nannte ihn [auf Aramäisch] „Jegar-Sahaduta“ (=Steinhaufen/Altar des Zeugnisses) und Jakob nannte ihn [auf Hebräisch]  „Gal-Ed“ (=Steinhaufen-Zeugnis),&lt;br /&gt;
{{S|48}} (und=) denn Laban sagte: „Dieser Haufen [sei] (heute=) von heute an Zeuge zwischen mir und dir!“ Darum nennt man (nannte er)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;nennt man (nannte er)&#039;&#039; - Prima vista „er nannte ihn“ . Das macht nach V. 47 keinen Sinn, das Verb ist daher impersonal (vgl. [https://en.wikisource.org/wiki/Gesenius%27_Hebrew_Grammar/144._Peculiarities_in_the_Representation_of_the_Subject_(especially_in_the_Verbal-clause)#GHGpar-144-b GKC §144b]; richtig z.B. Boecker 1992; Hamilton 1995; Tröndle 2023). In diesem Kapitel wurde diese Form aber wahrscheinlich bewusst gewählt, s. die Anmerkungen.&amp;lt;/ref&amp;gt; seinen Namen: „Gal-Ed“&amp;lt;ref&amp;gt;Darum, weil erstens Jakob ihn so nannte, und dies tat er zweitens wiederum deshalb, weil Laban ihn zum „Zeugen“ bestimmte: „Haufen“ ist heb. &#039;&#039;gal&#039;&#039;, „Zeuge“ ist &#039;&#039;ʿed&#039;&#039;. Der Name ist gleichzeitig Volksetymologie für die Region des Vertragsschlusses, also „Gilead“, was tatsächlich aber wahrscheinlich „rauhes Bergland“ bedeutet (vgl. [https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/200683#h0 Gilead (WiBiLex)]).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|49}} und „Aussichtsplattform“ (Mizpa?)&amp;lt;ref&amp;gt;Meist übersetzt mit „&#039;&#039;Mizpa&#039;&#039;“. Das Wort ist der heb. Begriff für „Aussichtsplattformen“ oder „Wachtürme“. Nach solchen Plattformen waren viele Orte benannt; allein in der Bibel sind ungefähr sechs &#039;&#039;Mizpa&#039;&#039;s belegt, vielleicht noch mehr, vielleicht auch weniger (vgl. z.B. [https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/27913/ Mizpa/Mizpe (WiBiLex)]). Eines der unsicheren &#039;&#039;Mizpas&#039;&#039; ist &#039;&#039;Mizpe-Gilead&#039;&#039; in [[Richter 11#s29 |Ri 11,29]], das man nach [[Richter 10#s17 |Ri 10,17]] anscheinend auch nur „Mizpa“ nennen konnte und das man für gewöhnlich in die Nähe des Flusses Jabbok verortet. Manche Ausleger glauben wegen diesen Versen, es solle in unserem Kapitel nicht nur mit V. 48 „Gilead“ volksetymologisch erklärt werden, sondern außerdem mit V. 49 auch dieses „Mizpe“, oder sogar mit Vv. 48f. insgesamt der Doppelname des Ortes „Mizpe-Gilead“, und verorten deshalb die Handlung des Vertragsschlusses an den Jabbok (für eine Karte s.o.; so z.B. Winnett 1965, S. 8; Ottosson 1969, S. 41-46; Hamilton 1995). Verwandt ist eine Überlegung, die davon ausgeht, dass unser Abschnitt der Jakobserzählung eine uralte Tradition bewahrt habe, die den tatsächlichen Grenzverlauf noch vor der Zeit der Omriden voraussetze, und aus diesem Grund würde hier die Grenze zwischen Israel und Aram nicht wie üblich an den Jarmuk, sondern an den Jabbok verortet (so bes. klar z.B. Finkelstein 2016, S. 20f.). Aber Finkelstein hat hier Unrecht; der letzte Abschnitt von Kap. 31 ist mitnichten eine volkstümliche Erzählung, sondern offensichtlich eine streng durchkomponierte literarische Konstruktion (s. die Anmerkungen). Zur These von Winnett &amp;amp; Co. zwingt dann nichts, und geographisch liegt sie fern. Besser ist das Wort daher nicht mit der Mehrheit als Ortsname &#039;&#039;Mizpa&#039;&#039; / &#039;&#039;Mizpe&#039;&#039; zu verstehen, sondern als Klassennomen zur Funktionsbestimmung des Steinhaufens (wie z.B. Wenham 1994 deutet). Auch LXX, die &#039;&#039;Mizpa&#039;&#039; und &#039;&#039;Mizpe&#039;&#039; sonst stets transkribiert, übersetzt einzig hier mit „Aussicht“, wie auch alle anderen Versionen deuten (Syr ebenso; TgO.J.N.C wählen mit &#039;&#039;sakutaʾ&#039;&#039; und &#039;&#039;ṣapitaʾ&#039;&#039; jeweis andere Worte für „Wachturm“ als MT mit &#039;&#039;miṣpah&#039;&#039;). Der Artikel vor dem Wort, mit dem z.B. Tal in BHQ 157* für das Selbe argumentiert, ist aber kein gutes Argument: Die meisten Mizpas haben ungewöhnlicherweise Artikel, weil fast sicher all diese Ortsnamen nach natürlichen Formationen oder ähnlichen Monumenten wie unserem Steinhaufen benannt waren.&amp;lt;/ref&amp;gt;, weil er [außerdem] sagte: „JHWH halte Aussicht zwischen mir und dir, auch wenn (ein Mann von seinem Freund=) einer vom anderen verborgen ist!&lt;br /&gt;
{{S|50}} Wenn du meine Töchter bedrückst (vergewaltigst) oder wenn du Frauen zusätzlich zu meinen Töchtern nimmst – [auch, wenn] niemand bei uns ist, siehe, Gott [sei (ist) dann] Zeuge zwischen mir und dir!“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Wenn du bedrückst ... oder nimmst&#039;&#039; - abgebrochene Fluch-Formel; diese Konstruktion gibt es häufig in der Bibel (z.B. [[Nehemia 13#s25 |Neh 13,25]]; [[Psalm 95#s11 |Ps 95,11]]; [[Psalm 132#s3 |132,3-5]]; [[Hohelied 2#s7 |Hld 2,7]]; [[Jeremia 22#s6 |Jer 22,6]] u.ö.).&amp;lt;br /&amp;gt;Die Fortsetzung &#039;&#039;Gott [sei (ist) dann] Zeuge zwischen mir und dir!&#039;&#039; entspricht nicht ganz einem deutschen „dann gnade dir Gott“; die „Zeugenschaft“ Gottes muss man sich konkreter vorstellen (s. die Anmerkungen). Besser übersetzt man daher „sei“, nicht wie üblich „ist“. Selbst dann, wenn „niemand bei uns ist“, also gar kein Gerichtskontext gegeben ist, soll Gott seiner Aufgabe als Zeuge nachkommen.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: LXX und VUL haben die Logik dieses Satzes nicht verstanden und ihn daher umgebaut: „außer Gott gibt es bei uns keinen Zeugen“. Das ist zweifellos nicht ursprünglich.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|51}} [Weiterhin] sagte Laban zu Jakob: „(Siehe diesen Haufen und siehe, diese Mazzebe=) Der Haufen hier und die Mazzebe hier, die ich aufgestellt habe zwischen mir und dir: &lt;br /&gt;
{{S|52}} Zeuge [sei] dieser Haufen und Zeugin [sei] die Mazzebe: Wenn ich nicht ({nicht}?) überschreite zu dir (diesen Haufen=) die Grenze bei diesem Haufen und wenn du nicht ({nicht}?) überschreitest zu mir (diesen Haufen und diese Mazzebe=) die Grenze bei diesem Haufen und dieser Mazzebe als Freund (zum Bösen?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Schwieriger Vers. Hier steht die selbe abgebroche Schwurformel wie in V. 50, nur negativ. Vv. 50-53 haben also die Struktur: „Wenn du X tust, dann gnade dir Gott! Wenn ich und du &#039;&#039;nicht&#039;&#039; Y tun, dann gnade uns Gott!“ Y aber ist hier: „die Grenze &#039;&#039;zum Bösen&#039;&#039; überschreiten“. Gesagt wird hier also offenbar: „Du sollst keinesfalls meine Töchter bedrücken, und wir sollen unbedingt die Grenze zum jeweils anderen zum Bösen überschreiten.“ Das macht natürlich keinen Sinn. Fast alle übersetzen daher etwas wie „Dieser Haufen und die Mazzebe seien Zeugen, &#039;&#039;dass&#039;&#039; wir diese Grenze nicht zum Bösen überschreiten.“ Aber das gibt der hebräische Text nicht her. BHS; Conklin 2011, S. 17 u.a. wollen daher stattdessen die beiden „nicht“ streichen, so dass gesagte würde: „Wenn du meine Töchter bedrückst, gnade dir Gott! Und wenn wir die Grenze des jeweils anderen zum Bösen überschreiten, dann gnade uns Gott!“ Aber das ist beliebig; alle Textzeugen bezeugen beide Male „nicht“. Lies daher mit Jub 29,7 nicht &#039;&#039;la-raʿah&#039;&#039; („zum Bösen, in böser Absicht“), sondern &#039;&#039;la-reʿeh&#039;&#039; („als Freund, in freundschaftlicher Absicht“; zu dieser Verwendung von Lamed vgl. Giesebrecht 1876, S. 49 unten. Die Differenz fehlt in BHQ). Hier wird also ein Nichtangriffspakt geschlossen: Wer die Grenze in anderer als freundschaftlicher Absicht überschreitet, den soll Gott strafen.&amp;lt;/ref&amp;gt; –&lt;br /&gt;
{{S|53}} Der Gott Abrahams und der Gott (die Götter) Nahors sollen (soll) [dann] richten (Recht durchsetzen) zwischen uns, die Götter (der Gott) ihres Vaters ({die Götter ihres Vaters}).“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;die Götter (der Gott) ihres Vaters&#039;&#039; - &#039;&#039;ihr Vater&#039;&#039; ist Terach, also der Urgroßvater von Jakob und der Großvater von Laban. Entweder setzt Laban hier voraus, dass der eine Gott Abrahams auch der Gott von Abrahams Bruder Nahor war (so z.B. Galambush 2018), oder er spricht von den mehreren Göttern Terachs, von denen einer der Gott Abrahams und (ein) andere(r) der Gott oder die Götter Nahors wurden (so die meisten wegen [[Josua 24#s2 |Jos 24,2]], aber s. bei „Textkritik“). &#039;&#039;ʾelohim&#039;&#039; ist ein Pluralwort auch dann, wenn es nur einen „Gott“ bezeichnet. Das Verb steht im Plural, auch das ist aber möglich, wenn &#039;&#039;ʾelohim&#039;&#039; nur einen Gott bezeichnen soll (s. [https://en.wikisource.org/wiki/Gesenius%27_Hebrew_Grammar/145._Agreement_between_the_Members_of_a_Sentence,_especially_between_Subject_and_Predicate,_in_respect_of_Gender_and_Number#GHGpar-145-i GKC §145i]), so dass sich aus der Grammatik nicht ablesen lässt, was hier gemeint ist. SamP, LXX, VUL und Syr deuten als Singular, die Targumim als Plural. Nur deshalb, weil es klare Parallelen in altorientalischen Grenzverträgen hätte, wenn hier mehrere Götter angerufen würden, deutet man besser wie die Targumim und übersetzt: „Die Götter Abrahams und Nahors sollen dann zwischen uns richten, die Götter ihres Vaters.“&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;b&amp;gt;Textkritik&amp;lt;/b&amp;gt;: &amp;lt;i&amp;gt;der Gott &lt;br /&gt;
/ die Götter ihres Vaters&amp;lt;/i&amp;gt; fehlt in LXX. Als Apposition steht es auch an ungewöhnlicher Stelle; man hätte es eher direkt nach „der Gott / die Götter Nahors“ erwartet. Die meisten Ausleger halten den Nachsatz daher für eine spätere Hinzufügung eines Schreibers, der klarstellen wollte, dass „der Gott Abrahams und der Gott / die Götter Nahors“ wirklich nur &#039;&#039;der eine&#039;&#039; Gott ihres Vaters sein soll. Aber das lässt sich auch aus dieser Phrase ja gerade nicht deutlich herauslesen. Wahrscheinlicher hat daher LXX die Phrase gestrichen, weil es in Jos 24,2 eben heißt, dass Terach &#039;&#039;noch nicht&#039;&#039; den Gott Abrahams verehrt hatte. Das macht uns gleichzeitig deutlich, dass man unsere Stelle &#039;&#039;nicht&#039;&#039; mit diesem Vers zusammenlesen darf: Im Unterschied zu Jos 24,2 sagt er nach dem MT mindestens, dass Terach &#039;&#039;unter anderem auch&#039;&#039; bereits den Gott Abrahams verehrt hat.&amp;lt;/ref&amp;gt; Da schwur Jakob beim Schrecken (Hoden?)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schrecken&amp;quot; /&amp;gt; seines Vaters Isaak.&lt;br /&gt;
{{S|54}} Dann opferte Jakob ein Opfer auf dem Berg und (rief seine Brüder=) lud seine Brüder ein, Brot zu essen. Dann übernachteten sie auf dem Berg.&amp;lt;br /&amp;gt;[Am Morgen stand Laban auf, küsste seine (Söhne=) Enkel und seine Töchter und segnete sie. Dann ging er und kehrte zurück zu seinem [Wohn-]Ort.]&amp;lt;ref&amp;gt;Die letzten beiden Sätze sind der Vers Gen 32,1, der so offensichtlich noch zu Kapitel 31 gehört, dass die meisten englischen Bibeln und z.B. H-R und ZÜR 31 ihn als Gen 31,55 führen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;&#039;Gen 31-32,1&#039;&#039;&#039; stammen wahrscheinlich nicht viele Verse vom selben Autor wie [[Genesis 30 |Gen 30]]. Aus den meisten, offenkundig zutiefst ideologischen Versen spricht vor allem ein gänzlich anderes Verhältnis von Israeliten und Aramäern als aus dem vorigen, älteren Kapitel. Am wahrscheinlichsten müssen einige Inkohärenzen zwischen Kapitel 31 und Kapitel 30 so erklärt werden.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;In &#039;&#039;&#039;Vv. 4-17.20f.36-43&#039;&#039;&#039; wird daher neu interpretiert, wie Jakob seinen Besitz von „Laban dem Aramäer“ in „Paddan-Aram“ erworben hat: Jakob hat nicht etwa Laban durch genetische Trickserei übervorteilt, vielmehr ist es so, dass Laban Jakob gleich mehrfach getäuscht hat, und nur Gott ist es zu verdanken, dass Jakob dennoch als reicher Mann aus ihrem unfairen Arbeitsverhältnis herausgehen konnte, obgleich ihm Laban bis zum Ende (V. 43) weder Frauen noch Nachkommen noch Besitz gönnt und zugestehen will (vgl. dazu bes. Rom-Shiloni 2012). Nebenbei werden auch Labans Söhne und Töchter als geldgeil und sogar diebisch hingestellt, so dass dies geradezu zum Charakterzug von Aramäern zu werden scheint. In &#039;&#039;&#039;Vv. 19.22-35&#039;&#039;&#039; werden außerdem noch die aramäischen Götter lächerlich gemacht: Sie sind nur verabscheuungswürdige &#039;&#039;Terafim&#039;&#039; („Kotzbrocken“, s. zu V. 19), die man einfach rauben kann, die in die Satteltasche des unreinen Kamels gepackt werden können und auf die die gerade unreine Rahel sich einfach setzen kann. In Gen 35 werden sie zu allem Überfluss auch noch schlicht entsorgt werden. In V. 53 dagegen spricht Laban wieder vom „Gott Abrahams und Gott Nahors, dem Gott ihres Vaters“.&amp;lt;br /&amp;gt;Sehr wahrscheinlich ist es daher so, dass Vv. 44-53 dem Jakobzyklus aus einer anderen Quelle als der Rest des Kapitels zugewachsen sind, und die letzten beiden Zeilen von V. 43 sollen diese beiden Abschnitte miteinander verbinden.&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier soll das Kapitel dennoch so erklärt werden, wie es uns heute überliefert wurde.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vv. 1-2&#039;&#039;&#039; schließen noch Kapitel 30 ab und schildern die Reaktion von Labans Familie auf Jakobs Erfolge (und Labans Misserfolg): Labans Söhne und auch Laban selbst missgönnen sie ihm. Als in &#039;&#039;&#039;V. 3&#039;&#039;&#039; dann auch noch Gott ihn auffordert, es sei jetzt Zeit aufzubrechen und er werde dabei anders als Laban auch „mit ihm sein“, schreitet Jakob sofort zur Tat und bestellt in &#039;&#039;&#039;V. 4&#039;&#039;&#039; seine Frauen zu sich.&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;V. 3 spielt dabei offensichtlich auf [[Genesis 12#s1 |Gen 12,1]] an – doch während Abram „&#039;&#039;aus&#039;&#039; seinem Land und von seiner Verwandtschaft“ nach Kanaan aufbrechen soll, ist zwei Generationen später für Jakob bereits &#039;&#039;Kanaan&#039;&#039; das „Land seiner Väter und seiner Verwandtschaft“. Hier wird ausgelotet, was „Heimat“ ist: Abrahams Geburtsort Ur ist es für Jakob, diesen Migranten der zweiten Generation, schon nicht mehr, und das Land Labans, wo er nun schon 20 Jahre gelebt hat, ist es immer noch nicht – „Heimat“, das ist in der Vorstellung des Autors erstens das Land, in dem bereits jemandes Eltern gelebt haben, und zweitens das Land, in dem entweder noch weitere Verwandte wohnen oder wo man selbst geboren wurde.&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;An beide Frauen richtet Jakob in &#039;&#039;&#039;Vv. 5-13&#039;&#039;&#039; eine lange Rede. In dieser wird in &#039;&#039;&#039;Vv. 5-9&#039;&#039;&#039; drei Mal Laban mit Gott kontrastiert: &lt;br /&gt;
* „Laban ist nicht mehr ‚zu‘ Jakob“. Aber „Gott ist mit Jakob“ (Vv. 5a.5b). Dies wird nun konkretisiert:&lt;br /&gt;
* Laban hat Jakob betrogen und mehrfach seinen Lohn geändert, obwohl Jakob ihm mit all seiner Kraft gedient hat. Aber Gott ließ nicht zu, dass er dabei Schaden nahm (Vv. 6-7a.7b). Dies wird nun noch einmal konkretisiert:&lt;br /&gt;
* Laban hat unfairerweise mehrfach an ihren Vertragskonditionen geschraubt. Aber Gott hat Jakob zum Ausgleich Labans Tiere geschenkt (Vv. 8.9)&lt;br /&gt;
Kurz: Jakob hat seinen Besitz &#039;&#039;verdient&#039;&#039;. Laban dagegen ist ein Betrüger und hat daher seine Verluste verdient. Und wenn euch das noch nicht genügt, liebe Ehefrauen: Das hat sich zwar auch so entwickelt, weil ich mit aller Kraft gearbeitet habe (V. 6). Aber letztlich war es außerdem und ohnehin Gottes Wille, dass es sich so fügte (V. 9).&amp;lt;br /&amp;gt;Dies kann Jakob dann in &#039;&#039;&#039;Vv. 10-13&#039;&#039;&#039; auch noch mit einem Traum belegen. Für diesen Beleg zäumt Jakob das Pferd auffällig von hinten auf: Die Aussage in 9 wird zunächst allgemein mit einer Traumvision in &#039;&#039;&#039;V. 10&#039;&#039;&#039; gestützt. Diese Traumvision wiederum wird in &#039;&#039;&#039;Vv. 11f.&#039;&#039;&#039; gleichzeitig erst mit dem Auftrag eines Engels ermöglicht und im selben Zug begründet: Dass das Kleinvieh je mit Jungen der benötigten Färbung trächtig wurde, geschah deshalb, weil Gott alles wahrgenommen hat, was Laban Jakob angetan hatte. &amp;lt;br /&amp;gt;Gottes Hinweis in &#039;&#039;&#039;V. 13&#039;&#039;&#039; auf Jakobs Gelübde in Bet-El ([[Genesis 28#s20 |Gen 28,20f.]]) ist einesteils dann wiederum hierfür Begründung – dort nämlich hatte Jakob versprochen, JHWH werde „sein Gott sein“, wenn dieser ihn behütet und mit Brot und Kleidung versorgt; darum ist es überhaupt erst so, dass Gott es so wichtig nimmt, wie Laban mit Jakob verfährt –, andernteils begründet der Verweis auf dieses Gelübde gleichzeitig den Auftrag zum Aufbruch in V. 3, der nun noch einmal ausführlicher wiedergegeben wird. „Dieses Behüten und Versorgen“, sagt Gott mit seinem Hinweis, „ist nun geschehen. Kommen wir zum zweiten Teil deines Gelübdes: Ich soll dein Gott sein, ‚wenn ich mit dir bin und du in Frieden zurückkehrst ins Haus eines Vaters‘? Dann mach das mal!“&amp;lt;ref&amp;gt;So ausgelegt ist dieser Traum also (1) wirklich geschehen, (2) war &#039;&#039;ein&#039;&#039; Traum (3) und war identisch mit dem Auftrag, der in V. 3 knapp zusammenfasst wurde und der nun noch einmal ausführlicher erzählt wird. Das ist nicht die üblichste Auslegung:&amp;lt;br /&amp;gt;Zu (2) glauben viele, dass Kapitel 31 mindestens zwei, vielleicht sogar drei Visionen voraussetzt: Vision 1 wäre der Auftrag zum Aufbruch in V. 3, Vision 2 der geträumte Auftrag zum Aufbruch in V. 13, Vision 3 die Traum-Schau der farbigen Tiere in Vv. 10-12. Und bei (3) gehen die meisten davon aus, dass mindestens ein Teil von Vv. 10-13 schon vor sechs Jahren geträumt worden sein muss. Cotter 2003 und Fokkelman 1975, S. 155 etwa denken, der gesamte in Vv. 10-13 geschilderte Traum sei schon sechs Jahre alt und nach V. 3 sei dann später &#039;&#039;noch einmal&#039;&#039; der Auftrag zum Aufbruch erfolgt. Die meisten denken stattdessen, nur Vv. 10-12 seien vor sechs Jahren geträumt worden, während V. 13 identisch ist mit V. 3, und Jakob habe beide Träume hier nur aus Pragmatik „zusammen-erzählt“ (z.B. Sarna 2001; Waltke/Fredricks 2001; Krauss / Küchler 2004). Zu (1) schließlich denken wiederum nicht wenige, dass Jakob tatsächlich &#039;&#039;überhaupt&#039;&#039; keinen Traum gehabt habe, sondern ihn nur erfindet, um seine Frauen besser zum Aufbruch überreden zu können (z.B. Pardes 1992, S. 70; Brett 2000; Galambush 2018). Ich (S.W.) halte die Auslegung oben für einfacher und runder.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dieser langen Rede erscheint Jakobs moralisch so fragwürdiges Handeln in [[Genesis 30 |Gen 30]] in ganz neuem Licht: Dass er mit seinen Zuchtmethoden Laban geradezu enteignet hat, war nicht etwa unfair, sondern Laban hat es sich durch sein eigenes unfaires Verhalten selbst zuzuschreiben. Und dass Jakob sich im selben Zuge gewaltig bereicherte, war mitnichten eigennützig: &#039;&#039;Er&#039;&#039; hat nur „hart gearbeitet“; dass dies gefruchtet hat, ist &#039;&#039;Gott&#039;&#039; zuzuschreiben.  Was in Gen 30 geschah, erscheint nun &#039;&#039;gut&#039;&#039; und &#039;&#039;rechtens&#039;&#039;.&amp;lt;br /&amp;gt;Aber die lange Rede Jakobs wäre offenbar gar nicht nötig gewesen: Ohne zu zögern sagen sich Labans Töchter in &#039;&#039;&#039;V. 14&#039;&#039;&#039; von Vater und Vaterhaus los und begründen diese Lossagung in &#039;&#039;&#039;V. 15&#039;&#039;&#039; damit, dass Laban sich auch an ihnen vergangen hat, indem er sich auch ihr Geld angeeignet hat, und ihre Parteinahme für Jakob in &#039;&#039;&#039;V. 16&#039;&#039;&#039; damit, dass demnach der Reichtum, den Gott von Laban an Jakob übertragen hat, ohnehin eigentlich &#039;&#039;ihr&#039;&#039; Reichtum sein müssen hätte. Auch für die Lossagung in V. 14 verwenden sie dabei eine geprägte Wendung, die vordergründig von Besitz und Eigentum spricht (s. zum Vers), so dass sich vier von ihren fünf Sätzen um Finanzen zu drehen scheinen. Das passt; der Apfel fällt hier offenbar nicht weit vom Stamm. Auch Jakob hatte zwar drei Mal von seinem „Lohn“ gesprochen – jedesmal ging es dabei aber um etwas, was &#039;&#039;Laban&#039;&#039; mit seinem Lohn gemacht hat: &#039;&#039;Dieser&#039;&#039; hat „Jakobs Lohn“ geändert (V. 7) und mal gesprenkelte Tiere als seinen „Lohn“ bestimmt, mal gestreifte Tiere (Vv. 8a.b). Jakob selbst dagegen spricht von „Vieh“: „Gott hat &#039;&#039;das Vieh&#039;&#039; eures Vaters diesem entzogen und mir gegeben.“ Dagegen war schon Ausgangspunkt für Gen 31 die Behauptung der Söhne Labans, &#039;&#039;Jakob&#039;&#039; habe sich „alles“ angeeignet, „was unserem Vater gehört“, und sich so unrechtmäßig „Besitz“ erworben; nun offenbaren die Töchter Labans ihre finanziellen Interessen: „All der &#039;&#039;Reichtum&#039;&#039;, den Gott unserem Vater entzogen hat – uns [gehört] der, und unseren Söhnen!“ Die ganze Familie Labans offenbart sich hier als geldgeil, während Jakob nur Instrument Gottes war (ähnlich gut Fuchs 1988, S. 72).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Jakob und seine Frauen sich also derart einig sind, gehen sie ohne Umschweife ihren Aufbruch an. &#039;&#039;&#039;Vv. 17f.&#039;&#039;&#039; schildern den Aufbruch selbst. &#039;&#039;&#039;Vv. 19f.&#039;&#039;&#039; gehen noch einmal einen Schritt zurück und ergänzen den Aufbruch um drei Zusatzinformationen: (1) Sie wählen zum Aufbruch die Zeit der Schafschur. Das ist geschickt, weil dies eine arbeitsame Zeit war, zu deren Abschluss wohl auch ein großes Fest gefeiert wurde (s. [[1 Samuel 25#s5 |1 Sam 25,5-7.36]]; [[2 Samuel 13#s23 |2 Sam 13,23f.]]), und daher eine unübersichtliche Zeit. (2) Kurz zuvor hatte Rahel die &#039;&#039;Terafim&#039;&#039; ihres Vaters gestohlen. Diese werden gleich noch eine größere Rolle spielen. Rahels Handlung selbst, die gar nicht kommentiert wird, müssen wir uns wahrscheinlich so erklären, dass diese Götzenfiguren Laban zum Wahrsagen dienten (s. zum Wort und vgl. [[Genesis 30#s27 |Gen 30,27]]) und Rahel mit ihrem Diebstahl daher verhindern wollte, dass er sie mit ihrer Hilfe aufspüren kann. (3) Jakob hat ihm keine &#039;&#039;Terafim&#039;&#039; gestohlen, sondern „das Herz“. Danach ist Laban gleich dreifach der Gelackmeierte: Nun steht er da ohne den Gewinn, den ihm Jakob die Jahre zuvor erarbeitet hatte, in den letzten sechs Jahren aber wieder „weggearbeitet“ hat, ohne Terafim, und unversehens auch ohne Töchter und Schwiegersohn. Nach diesen drei Anmerkungen fasst &#039;&#039;&#039;V. 21&#039;&#039;&#039; abschließend noch einmal die Flucht Jakobs zusammen und leitet über zur nächsten Szene, dich sich bereits in Gilead abspielt, dem östlichsten Ausläufer des geloben Landes.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Die &#039;&#039;&#039;Zeit der Schafschur&#039;&#039;&#039; ist dabei vielleicht auch noch symbolisch: Das Schafschur-Fest ist wahrscheinlich einer der Ursprünge des später ungefähr zur selben Zeit stattfindenden Pesach-Fests. Damit wäre zu erklären, warum beim Pesach nicht nur zur Feier der Ernte Brot, sondern auch Lämmer verzehrt wurden (vgl. mit [[1 Samuel 25#s11 |1 Sam 25,11]]). Geoghegan 2008 ist nun aufgefallen: An Pesach wird die Befreiung Israels aus der Sklaverei gefeiert; Jakob befreit sich hier von seinem Dienstherr Laban, und Nabal spricht zur Zeit der Schafschur: „&#039;&#039;Heute gibt es viele Sklaven, die von ihren Herren davonlaufen&#039;&#039;“ ([[1 Samuel 25#s10 |1 Sam 25,10]]). Danach nimmt er an, dass das Fest der Schafschur traditionell ein Fest war, bei dem Schuldsklaven ihre Freiheit wiedererlangten. Das ließe sich leicht erklären: Fast sicher wurde nämlich zur Schafschur die Jahresabrechnung bei Hirten gemacht und der Lohn ausgezahlt. Schuldknechte hätten danach regelmäßig an diesem Tag ihre Freiheit wiedererlangt, weil sich hier das Hirtenjahr wendete, und Lohnknechte hätten sich bei gutem Lohn zu diesem Zeitpunkt selbständig machen können. Ist das wahr, wäre der Zeitpunkt von Jakobs Flucht hochsymbolisch: Er wäre zur selben Zeit vor Laban geflohen, zu der man später auch an die Flucht der Israeliten aus Ägypten zurückdachte und zu der regulär Knechte ihre Freiheit erlangten.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr Plan geht auf: Erst nach drei Tagen bekommt es Laban überhaupt mit, dass sie geflohen sind (&#039;&#039;&#039;V. 22&#039;&#039;&#039;). Laban mustert eine kleine Streitkraft aus Verwandten (&#039;&#039;&#039;V. 23&#039;&#039;&#039;), doch kurz bevor er sie im Gilead-Gebirge und damit direkt an der Grenze zum gelobten Land einholt, erscheint ihm Gott im Traum und warnt ihn – vermutlich (s. zum Vers) davor, Jakob zu verurteilen.&amp;lt;br /&amp;gt;Ist der Ausdruck „von Gut bis Böse sprechen“ damit richtig verstanden, sind &#039;&#039;&#039;Vv. 25-30&#039;&#039;&#039; nicht ohne Komik: Weil Laban sich eines Urteils enthalten muss, hat er keine Wahl, als Jakob in Vv. 26-28 nur eine Reihe von Fragen vorzulegen, dann in V. 29 erklären, er dürfe nach Gottes Willen darüber natürlich gar nicht urteilen, und so in V. 30 verständnisvoll die Sache ad acta zu legen: „Nun bist du also gegangen, schließlich hattest du Verlangen nach deinem Vaterhaus!“ Am klarsten zeigt sich die Absurdität von Labans Lage in V. 29, wo man übersetzen könnte: „Die Gottheit würde meine Hand dabei stützen, wenn ich böse mit euch handelte – aber der Gott eurer Väter, der hat&#039;s mir verboten!“ (s. zum Vers). Gleichzeitig zieht sich dennoch eine kaum verhohlene Anklage von Anfang bis zum Ende durch die ganze Rede: „Was hast du mein Herz gestohlen!? ... Warum hast du mich bestohlen!? ... Warum hast du meine Götter gestohlen!?“&amp;lt;br /&amp;gt;Die erste Fragen-Kanonade kann Jakob in &#039;&#039;&#039;V. 31&#039;&#039;&#039; schnell kontern: „Warum ich dein Herz ‚gestohlen‘ und deine Töchter heimlich fortgeführt habe? Weil ich Angst hatte, dass sonst &#039;&#039;du&#039;&#039; mir deine Töchter &#039;&#039;raubst&#039;&#039;!“ Dass er &#039;&#039;das Recht&#039;&#039; hatte, mit ihnen fortzuziehen, setzt das Wort „rauben“ dabei klar voraus, aber diesen Teil von Labans Anfragen hatte ja ohnehin bereits dieser selbst ad acta gelegt. Die letzte Anfrage allerdings – „warum hast du meine Götter gestohlen?“ – wiegt schwer. Hier tut daher nun Jakob, was dem Laban verboten wurde, und leitet in &#039;&#039;&#039;V. 32&#039;&#039;&#039; eine Art gerichtliche Untersuchung ein: Die Verwandten werden zu Zeugen ernannt, und Laban darf – wenn er schon nicht anklagen darf – immerhin Inspektor spielen. Sich selbst jedoch macht Jakob zum Richter, indem er schon vor der Untersuchung gleich doppelt ein Urteil vorwegnimmt: Kann Laban einen Götterdieb identifizieren, ist der des Todes, und findet er sonst etwas von seinem Eigentum bei Jakob, soll&#039;s ihm gehören. Damit wird auch schon im Zuge dieser Untersuchung endgültig klar, dass Jakob alles, was er bei sich hat, wirklich mit Recht bei sich hat, wenn auch Laban in V. 43 noch einmal aufbegehren wird.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Vv. 33-35&#039;&#039;&#039; berichten, wie dank Rahel diese Inspektion erfolglos bleibt: Nachdem Laban dreimal nach Jakobs Diebstahl gefragt hat, heißt es nun dreimal, dass er „nichts findet“ (Vv. 33.34.36).&amp;lt;br /&amp;gt;Spätestens hier wird Rahel damit auf eine Stufe mit Jakob gestellt. Schon zuvor hatte „sie Labans Terafim gestohlen und Jakob hatte Labans Herz gestohlen“ (Vv. 19-20); nun wird auf den Raub des Erstgeburtssegens in [[Genesis 27 |Gen 27]] angespielt: Wie dort der blinde Isaak „herumtasten“ musste und dabei von Jakob getäuscht wurde, so hier auch der mit dem Diebstahl der Terafim geblendete Hellseher Laban. Und wieder ist es eine Frau, die den &#039;&#039;pater familias&#039;&#039; mit den Waffen einer Frau schlägt: Rebekka mit ihrem Leckerbissen, Rahel mit ihrer Menstruation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit hat Rahel einen Rollentausch ermöglicht: „Nach diesem Mißerfolg Labans hat sich Jakobs Situation in der Rechtsauseinandersetzung grundlegend verändert. Die Beschuldigung Labans ist in sich zusammengebrochen, jetzt geht Jakob zum Gegenangriff über“ (Boecker 1992, S. 90) – und auf einmal ist Jakob, der 20 Jahre unter der harten Hand Labans gedient hatte, nicht nur Richter, sondern seinerseits Ankläger: In &#039;&#039;&#039;Vv. 36f.&#039;&#039;&#039; weist er daher noch einmal darauf hin, dass die Anschuldigungen Labans haltlos waren, so dass er sich mit seiner Durchsuchung auch noch höchst ungebührlich verhalten hat. In &#039;&#039;&#039;Vv. 38-40&#039;&#039;&#039; hält er dagegen, welch guter Diener er in all den vergangenen Jahren er für seinen Onkel war: Nach &#039;&#039;&#039;V. 38f.&#039;&#039;&#039; hatten Labans Tiere überhaupt keine Fehlgeburt, und auch überhaupt keine anderen Verluste, weil Jakob widerrechtlich alle etwaigen Verluste aus eigener Tasche bezahlen musste. Er seinerseits hat dafür härteste Entbehrungen etragen müssen (&#039;&#039;&#039;V. 39&#039;&#039;&#039;). 20 Jahre hat er jetzt unter diesen Bedingungen für all seinen Besitz gearbeitet, und ihn sich damit &#039;&#039;wirklich rechtens&#039;&#039; erarbeitet, und das, obwohl Laban sich auch darin noch an ihm vergangen hat, dass er immer wieder ihre Absprachen zu Jakobs Nachteil geändert hat. &#039;&#039;&#039;V. 42&#039;&#039;&#039; ist der Höhepunkt der Rede; hier bricht daher auch die metrische Gestaltung der Rede in sich zusammen, als es aus Jakob herausbricht: Wäre nicht all die Jahre Gott auf seiner Seite gewesen – jener &#039;&#039;schreckliche&#039;&#039; Gott, bei dem Laban sich hüten soll, gegen seinen Willen zu handeln! –, Laban hätte ihn am Ende gar mit leeren Händen fortgeschickt, wie man es nicht einmal mit einem Sklaven getan hätte (s. [[Deuteronomium 15#s13 |Dtn 15,13]]). Doch Gott hat nicht nur grundsätzlich zu ihm gehalten: Über den konkreten Streitpunkt hinaus, den sie gerade in ihrer gerichtlichen Untersuchung geklärt haben, hat Gott damit, dass er Laban letzte Nacht erschienen ist, auch über alles andere, was zwischen Jakob und Laban schwelte wie insbesondere die Frage, ob Jakobs Habe &#039;&#039;wirklich&#039;&#039; ihm gehört, seinen Rechtsspruch gefällt: JA, SO IST&#039;S!. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laban hat selbst hier noch kein Einsehen und erklärt in &#039;&#039;&#039;V. 43&#039;&#039;&#039; ein letztes Mal: Nein, so ist&#039;s &#039;&#039;eigentlich&#039;&#039; nicht! &#039;&#039;Eigentlich&#039;&#039; gehört alles ihm, nicht Jakob (hier sei noch einmal auf die Anmerkungen zu Gen 30 hingewiesen: Ob das rein rechtlich falsch ist, ist gar nicht so klar). Nur für seine Töchter und Enkel wird er seine „gerechte Sache“ nun doch fahren lassen. Dazu schlägt er in &#039;&#039;&#039;V. 44&#039;&#039;&#039; ein Bündnis vor, das nach der arg redundanten Formulierung „ich und du, zwischen mir und dir“ mindestens als Bündnis auf Augenhöhe gedacht ist. Ein Israelit jedoch wird gewiss mitgehört haben: Die letzten beiden Male, als in der Bibel ein Mensch einem anderen ein Bündnis antrug – war der Antragssteller stets der Schwächere ([[Genesis 21#s22 |Gen 21,22-24]]; [[Genesis 26#s26 |Gen 26,26-31]]; gut z.B. Steinmann 2019), der mit diesem Antrag auch jeweils anerkannte, dass der mächtige Gott wirklich mit ihrem starken Vertragspartner war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Pazarcik-Stele.jpg|mini|Die assyrische Pazarcık-Stele. (c) Klaus-Peter Simon via [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kahramanmaras_Museum_Keilschrift_Gözlügöl.jpg Wikimedia]]]Damit hat Laban übergeleitet zum vorletzten Abschnitt der Jakob-Laban-Erzählung: In &#039;&#039;&#039;Vv. 45-53&#039;&#039;&#039; werden zwei altorientalische Rechtsdokumente in Erzählform gegossen, nämlich ein Grenzvertrag und ein Ehevertrag. Für den Grenzvertrag errichtet Jakob in &#039;&#039;&#039;V. 45&#039;&#039;&#039; eine Mazzebe, also einen Gedenkstein, der im Alten Orient häufig Landesgrenzen markierte. Als Beispiel ist rechts die Pazarcık-Stele abgebildet, wo wie noch häufiger sowohl über eine Heirat als auch über Grenzbestimmungen geschrieben und am Ende mehrere Götter angerufen werden, die den Grenzvertrag mit einem bestimmten Verhalten in einer „Gerichtsverhandlung“ garantieren sollen. Aus der Inschrift:&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;[Von] Šalmaneser, dem starken König des Landes Assyrien ...und seinem Feldmarschall Šamši-Ilu:&amp;lt;br /&amp;gt;Als ich nach Damaskus kam, nahm ich als Tribut von Hadiani aus Damaskus Silber, Gold, Kupfer ... und seine Tochter mit reicher Mitgift ... entgegen.&amp;lt;br /&amp;gt;Bei meiner Rückkehr setzte ich zugunsten von Ušpilulume, König der Stadt Kummuh, diese(n) Grenze/Grenzstein.&amp;lt;br /&amp;gt;Wer auch immer von den Ländereien Ušpilulumes, seinen Söhnen oder seinen Enkeln raubt, für den sollen die Götter Aššur, Marduk, Adad, Sin und Šamaš im Gericht nicht einstehen, seine Gebete nicht erhören und sein Land vernichten.&#039;&#039; (frei nach Hasegawa 2010, S. 6).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sieht an diesem Beispiel schön, dass derjenige, der eine Grenz-Mazzebe errichtete, entweder der Herrscher über den ganzen Raum war, in dem die beiden angrenzenden Gebiete lagen, oder derjenige, der bei Grenz-Konflikten die Oberhand hatte. Hier dagegen heißt es in &#039;&#039;&#039;V. 45&#039;&#039;&#039; von Jakob, dass er sie errichtet habe, und &#039;&#039;&#039;V. 51&#039;&#039;&#039; verlautet dasselbe von Laban. Ähnlich gibt in &#039;&#039;&#039;V. 46&#039;&#039;&#039; Jakob den Auftrag zur Errichtung eines Steinhaufens, und die Ausführenden sind „seine Brüder“ unter den Männern Labans. In &#039;&#039;&#039;V. 47&#039;&#039;&#039; geben dann auch noch beide Parteien diesem Steinhaufen unterschiedliche Namen mit der selben Bedeutung, und &#039;&#039;&#039;V. 48&#039;&#039;&#039; ist gewiss bewusst so formuliert, dass es so klingt, als hätte danach auch Laban dem Haufen dann noch einmal den selben Namen gegeben wie zuvor Jakob: Schon zu Beginn wird klar herausgestellt, wie es auch die immer wieder wiederholte Phrase „zwischen mir und dir“ (Vv. 44.48.49.50.51) tut, dass &#039;&#039;dies&#039;&#039; wirklich ein Grenzvertrag zwischen gleichberechtigten Parteien ist, wie ihn Laban sich ja auch vorgestellt hat.&amp;lt;br /&amp;gt;Nachdem in Vv. 48 grundsätzlich die Zeugen-Funktion von Steinhaufen und Mazzebe geklärt wurden, werden in &#039;&#039;&#039;Vv. 49-50&#039;&#039;&#039; zunächst die Einzelheiten des Ehevertrags abgesprochen, wie sie im Alten Orient üblich waren. Bestimmt wurden in solchen Eheverträgen Heiratsbedingungen (wie z.B.: „&#039;&#039;[Der Bräutigam] darf keine Freundin haben, die zusätzlich bei ihnen lebt. Er darf keine weitere Kultprostituierte in Kaniš oder Niḫriya heiraten.&#039;&#039;“; AKT I 77 nach Stol 2016, S. 188) und oft auch gleich Scheidungsbedingungen (wie z.B.: „&#039;&#039;[Wenn die Braut] ihn fortwährend angreift, soll sie ihre Mitgift und alles, was ihr von ihres Vaters Besitz zubestimmt worden ist, nehmen und frei davongehen.&#039;&#039;“, Alalakh-Tafel 92, nach Wiseman 1953, S. 54). Ähnliche Bestimmungen werden hier gemacht: Jakob darf seine Frauen nicht „bedrücken“ und zusätzlich zu seinen beiden Frauen keine weiteren Frauen nehmen (dies war eine häufige Bestimmung in Eheverträgen; weitere Bspp. bei van Seters 1975, S. 84).&amp;lt;br /&amp;gt;In &#039;&#039;&#039;Vv. 51-53&#039;&#039;&#039; folgt die Absprache des Grenzvertrags: Keiner der beiden darf die Grenze zum anderen in anderer als freundschaftlicher Absicht überschreiten. Tut er es doch, sollen die verschiedenen Götter, die wie auf der Pazarcık-Stele die Wahrung der Grenzen garantieren, nicht nur „als Zeugen“ auftreten, sondern gleich als &#039;&#039;Richter&#039;&#039;, und so die Grenzverletzung strafen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;&#039;Gen 31,54-32,1&#039;&#039;&#039; endet die Erzählung von Jakob und Laban wie die entsprechenden Erzählungen von Abraham und Abimelech in [[Genesis 21#s22 |Gen 21,22-32]] und die von Isaak und Abimelech in [[Genesis 26#s26 |Gen 26,26-31]]: Nachdem Jakob und Laban einen Bund geschlossen haben (vgl. mit [[Genesis 21#s27 |Gen 21,27.32]]; [[Genesis 26#s28 |26,28]]), für den wie in [[Genesis 21#s30 |Gen 21,30]] „Zeugen“ bestimmt wurden, und nachdem beide Vertragsparteien „geschworen“ haben (vgl. mit [[Genesis 21#s23 |Gen 21,23.24.31]]; [[Genesis 26#s31 |26,31]]), geht nach einem gemeinsamen Mahl wie in [[Genesis 26#s30 |Gen 26,30]], das das Bündnis besiegeln soll, der Partner des jeweiligen Patriarchen seiner Wege (vgl. mit [[Genesis 21#s32 |Gen 21,32]]; [[Genesis 26#s31 |26,31]]; ähnlich gut gesehen von Taschner 2000, S. 130). In Gen 32,2-3 wird sich dann gleich außerdem eine ähnliche kurze Ortserzählung anschließen wie in [[Genesis 21#s33 |Gen 21,33f.]]; [[Genesis 26#s32 |26,32f.]]. Damit endet ein weiteres Kapitel von Jakobs Leben: Das Zerwürfnis mit seinem Onkel wurde mithilfe eines Vertrags gekittet. Was nun noch offen ist, ist sein Zerwürfnis mit seinem Bruder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Genesis_31&amp;diff=40234</id>
		<title>Genesis 31</title>
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		<updated>2025-10-30T21:10:26Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Syntax&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Zuverlässige Studienfassung}}&lt;br /&gt;
{{Lesefassung kann erstellt werden}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Lesefassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{L|1}}&lt;br /&gt;
{{L|2}}&lt;br /&gt;
{{L|3}}&lt;br /&gt;
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{{L|51}}&lt;br /&gt;
{{L|52}}&lt;br /&gt;
{{L|53}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|1}} Und er (Jakob)&amp;lt;ref&amp;gt;Nach MT, SamP, VUL und den Targumim steht hier kein Subjekt. Schon das legt nahe, dass mindestens V. 1 noch zu Kapitel 30 gehören soll (die moderne Einteilung der Bibel in Kapitel stammt erst aus dem 13. Jhd.). Masoretische, samaritanische und syrische Handschriften haben ein Abschnittszeichen sogar erst nach V. 2. Ziehen wir Vv. 1-2 zu Kapitel 30 (so auch Goldingay 2020; häufiger wird nur V. 1 noch zu Kapitel 30 gezogen, z.B. von Wenham 1994; Seebass 1999; Taschner 2000, S. 108), schildern diese Verse die direkte Reaktion der Familie Labans auf Jakobs Gewinne und fügen sich so glatt in dieses Kapitel ein. Kapitel 31 beginnt mit V. 3 dann genau so wie [[Genesis 12#s1 |Gen 12]], was ebenfalls für diese Aufteilung spricht.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: LXX und Syr allerdings ergänzen das Subjekt &#039;&#039;Jakob&#039;&#039;. Wahrscheinlich haben beide wegen dem Wechsel der handelnden Figuren schon hier den Beginn einer neuen Szene gesehen und daher unnötigerweise das Subjekt ergänzt.&amp;lt;/ref&amp;gt; hörte die Reden (Worte) der Söhne Labans{, die besagten}: „Jakob hat alles genommen, was unserem Vater&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;unser Vater&#039;&#039; - Wortspiel: In &#039;&#039;la`abinu&#039;&#039; klingt &#039;&#039;Laban&#039;&#039; an, was noch stärker macht, dass Labans Söhne Jakobs Besitz als Eigentum ihres Vaters Laban betrachten. Man beachte auch, wie das „all“ von Satz 1 zu Satz 2 von Laban zu Jakob transferiert wird: „Er hat genommen &#039;&#039;alles&#039;&#039;, was unserem Vater gehörte“ – „Aus &#039;&#039;dem&#039;&#039;, was unserem Vater gehörte, machte er &#039;&#039;all&#039;&#039; diesen Besitz.“&amp;lt;/ref&amp;gt; [gehört (gehörte)]; aus [dem], was unserem Vater [gehört (gehörte)], machte er all diesen Besitz (all diese Pracht)!“&amp;lt;ref&amp;gt;Offensichtlich eine Übertreibung, s. V. 19.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|2}} Und Jakob sah das Gesicht Labans{und siehe}: Es (Er?)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Gesicht&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;Es&#039;&#039; - also das Gesicht, nicht Laban selbst. „Das Gesicht war nicht mit ihm“ ist dann vermutlich ein etwas merkwürdiger Ausdruck für „es bezeigte sich nicht mehr gegen ihn wie früher“ (TEX), blickte also unfreundlicher. Gut BigS in V. 5: „Er sah am Gesicht Labans, dass er [nicht mehr mit ihm war wie früher]“. Aber s. noch zu V. 5; die Verse sind eine Herausforderung für Übersetzende.&amp;lt;br /&amp;gt;Der Ausdruck wurde wahrscheinlich für zwei weitere Wortspiele gewählt: Erstens kann Jakob so sowohl die Reden von Labans Söhnen (&#039;&#039;bane Laban&#039;&#039;) &#039;&#039;hören&#039;&#039; als auch Labans Gesicht (&#039;&#039;pane Laban&#039;&#039;) &#039;&#039;sehen&#039;&#039; und nimmt so gleich auf zwei Weisen wahr, dass nun nun wirklich die Zeit zum Aufbruch gekommen ist, weil sonst die Stimmung endgültig kippt (gut Sarna 2001; Vrolijk 2011, S. 185f.). Und zweitens kann so in Vv. 3.5 Gott, der „mit Jakob war“, mit Laban kontrastiert werden, dessen Gesicht in Vv. 2.5 „nicht mehr mit Jakob ist“ (gut z.B. Fokkelman 1975, S. 152; Frisch 2003, S. 286).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Nach MT sieht Jakob in Vv. 2.5 allerdings &#039;&#039;Laban&#039;&#039;, nicht sein &#039;&#039;Gesicht&#039;&#039;: &#039;&#039;`enennu&#039;&#039; („&#039;&#039;er&#039;&#039; war“) statt &#039;&#039;`enam&#039;&#039; („&#039;&#039;es&#039;&#039; war“). SamP, Syr und die Targumim dagegen bezeugen alle &#039;&#039;`enam&#039;&#039;. MT ist idiomatischer, lässt sich leicht als Assimilation von Vv. 2.5 an V. 3 erklären und ein Lesefehler von &#039;&#039;-am&#039;&#039; zu &#039;&#039;-ennu&#039;&#039; konnte leicht geschehen (vgl. Weiss 1963, S. 190); fast sicher ist daher MT sekundär und der etwas sperrige Text von SamP &amp;amp; Co. der ursprüngliche (so schon erwogen von Ball 1896; gegen BHQ).&amp;lt;/ref&amp;gt; war nicht [mehr] mit ihm wie (gestern vorgestern=) früher.&amp;lt;ref&amp;gt;Entweder sagen Vv. 1-2, dass Jakob &#039;&#039;sowohl&#039;&#039; Labans Söhne hört als auch Labans Gesicht sieht, oder V. 2 besagt, dass Laban sich von seinen Söhnen aufstacheln lässt und ist so Folgesatz auf V. 1 (so Radak; Sforno; Frisch 2003, S. 286). Dass Jakob sich in V. 5 nur auf V. 2 zurückbezieht, spricht leicht für Letzteres (richtig Frisch). Ähnlich VUL, wo Hieronymus mit Nebensatz – Hauptsatz übersetzt: „&#039;&#039;Nachdem&#039;&#039; er die Worte der Söhne Labans gehört hatte ..., bemerkte er auch das Gesicht Labans.“&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|3}} {Und} JHWH sprach zu Jakob: „Kehr zurück ins Land deiner Väter (deines Vaters)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Die Variante nur nach LXX (+ VL). BHQ denkt, dies sei spätere Angleichung an das „Haus deines Vaters“ in [[Genesis 12#s1 |Gen 12,1]], Wevers 1993, S. 498 besser, es sei Angleichung an den „Gott meines Vaters“ in Gen 31,5. Dass LXX die spätere Variante ist, ist angesichts der schwachen Bezeugung jedenfalls sehr wahrscheinlich.&amp;lt;/ref&amp;gt; und zu deiner Verwandtschaft (und an deinen Geburtsort) – ich werde mit dir sein (dann werde ich mit dir sein)!“ {{par|Genesis|12|1}} {{par|Genesis|26|3}}&lt;br /&gt;
{{S|4}} Da sandte Jakob&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;sandte&#039;&#039; - seine Söhne, dass sie seine Frauen holen sollten.&amp;lt;/ref&amp;gt; und rief Rahel und Lea aufs Feld zu seiner Herde&lt;br /&gt;
{{S|5}} und sagte zu ihnen: „Ich sehe das Gesicht eures Vaters(, dass=): Es (Er?)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Gesicht&amp;quot; /&amp;gt; ist nicht [mehr] zu mir wie (gestern vorgestern=) früher. Aber der Gott meines Vaters[, der] ist mit mir (aber der Gott meines Vaters war mit mir).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;der ist mit mir (er war mit mir)&#039;&#039; - Wichtig zunächst: Die Rede ist nun nicht mehr davon, dass Labans Gesicht „mit“ Jakob ist: Labans Gesicht ist nun „&#039;&#039;zu&#039;&#039;“ ihm, stattdessen ist &#039;&#039;Gott&#039;&#039; „mit“ ihm. Vv. 2.3.5.6 schildern also eine Entwicklung: „Labans Gesicht ist nicht mehr ‚mit‘ Jakob“ – „Gott wird ‚mit‘ Jakob sein“ – „Labans Gesicht ist nicht mehr ‚zu‘ Jakob, aber Gott &#039;&#039;ist&#039;&#039; / war ‚mit‘ Jakob.“ – „Darum lässt er nicht zu, dass Laban ‚mit‘ Jakob böse verfuhr“ (gut wieder Fokkelman 1975, S. 152). Das wird zusätzlich dadurch hervorgehoben, dass bei den letzten beiden Vorkommen nicht die Kurzform &#039;&#039;´immi&#039;&#039; („mit mir“) verwendet wird, sondern die längere und wahrscheinlich etwas emphatischere &#039;&#039;´immadi&#039;&#039;.&amp;lt;br /&amp;gt;Zweitens zu einer etwas schwierigen Übersetzungsfrage: Das Wort „sein“ muss im Heb. nicht ausgedrückt werden; soll nur „X ist Y“ (z.B.: „Gott ist mit mir“) gesagt werden, wird üblicherweise ein verbloser Satz „X Y“ verwendet. Heb. &#039;&#039;hajah&#039;&#039; kann sowohl „er ist“ als auch „er war“ bedeuten. Dass es hier eigens steht, kann daher (1) entweder signalisieren, dass von der Vergangenheit die Rede ist („Gott &#039;&#039;war&#039;&#039; mit mir“), (2) oder die Tatsache, dass Gott mit ihm ist, soll hervorgehoben werden („Labans Gesicht ist nicht mehr mit mir, aber Gott, &#039;&#039;der ist&#039;&#039; mit mir“). Der weitere Verlauf der Rede wird zeigen, dass Jakob hier vor allem (1) anzielt; zu Beginn seiner Rede werden seine Frauen aber zunächst (2) verstanden haben. BigS, HfA, R-S und SLT 51 übersetzen präsentisch, alle anderen dt. Üss. aber mit Vergangenheit. Am besten übersetzt man mit einem Kompromiss: „Aber der Gott meines Vaters, der war mit mir:...“&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|6}} Ihr, ihr wisst [darum], dass ich eurem Vater gedient habe – mit all meiner Kraft.&lt;br /&gt;
{{S|7}} Aber euer Vater hat mich betrogen und (immer wieder) meinen Lohn zehn Male (von zehn Anteilen? von zehn Lämmern?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Zu „meinen Lohn von zehn Lämmern“ in LXX s. Walters 1973, S. 193f. TgJ allerdings effektiv ebenso: „Meinen Lohn [von] zehn &#039;&#039;Anteilen&#039;&#039;“. TgJ deutet das Wort &#039;&#039;monim&#039;&#039; also offenbar als mask. Plural von &#039;&#039;manah&#039;&#039; („Anteil“; richtig Maher 1992, S. 108; BHQ 155*). LXX könnte ebenso gedeutet haben und hätte dann nur das „zehn Anteile“ zu „zehn Lämmer“ konkretisiert. So und so ist MT sicher ursprünglich; der Text wird gestützt durch SamP, Aq, Sym, VUL, Syr und den anderen Targumim.&amp;lt;/ref&amp;gt; geändert.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;zehn Male geändert&#039;&#039; ist zunächst ein Wortspiel: &#039;&#039;´aßar&#039;&#039; heißt „zehn“, &#039;&#039;´ašar&#039;&#039; (wie in V. 16) „reich werden“. Laban hat den Lohn also nicht nur „zehn Male geändert“, sondern hat ihn auch geändert, „um sich zu bereichern“.&amp;lt;br /&amp;gt;Die Zahl &#039;&#039;zehn&#039;&#039; könnte konkret nur Übertreibung sein (dies glauben alle neueren Ausleger:innen. Im Midrasch würde dann noch stärker übertrieben: „Hundertmal“). Radak und schon Hieronymus in seinen &#039;&#039;Hebraicae Quaestiones&#039;&#039; rekonstruieren aber ein Szenario, wie dies in sechs Jahren wirklich zehnmal geschehen sein könnte: Schafe können pro Jahr zweimal werfen (s. zum vorigen Kapitel; Hieronymus zitiert als Beleg Vergils &#039;&#039;Georgica&#039;&#039; II 150: „&#039;&#039;Zweimal ist Vieh trächtig, zweimal trägt der Baum Früchte&#039;&#039;“). Laban hätte also nach jedem Wurf gesehen: „Oh, nur gestreifte Tiere! Dann sollen beim nächsten Wurf nur noch die gepunkteten Tiere dein Lohn sein“, beim Wurf darauf: „Oh, nur gepunktete Tiere! Dann seien beim nächsten Wurf nur noch die gesprenkelten Tiere dein Lohn“ usw., so dass spätestens Mitte des sechsten Jahres zehn Mal der Lohn verändert worden wäre.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039; + &#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;und (immer wieder) geändert&#039;&#039; - Das Wort könnte (1) entweder Waw-Qatal sein und dann einfach von der Vergangenheit sprechen (so Driver 1892, S. 159; Joosten 2012, S. 49) oder (2) Weqatal und dann betonen, dass dies immer wieder geschah (so Hamilton 1995). SamP ändert zu Wayyiqtol und vereindeutigt so zu (1). Wieder (s. zu [[Genesis 30#s41 |Gen 30,41]]) ist das nicht mit BHQ als „Harmonisierung mit V. 41“ zu erklären, sondern nur als eindeutigere Formulierung.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aber Gott hat nicht (ihm gegeben, böse/übel mit mir zu handeln=) zugelassen, dass er böse (übel) mit mir verfuhr.&lt;br /&gt;
{{S|8}} Wenn er jeweils so sprach: ‚Gesprenkelte sollen dein Lohn sein!‘ – dann gebar alles Kleinvieh jeweils Gesprenkelte. Und wenn er jeweils so sprach: ‚Gestreifte sollen dein Lohn sein!‘ – dann gebar alles Kleinvieh jeweils Gestreifte.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Gestreifte&#039;&#039; - Klangspiel: Jakob greift deshalb aus Gen 30 die „Gesprenkelten und Gestreiften“ heraus, weil beide Wörter im Hebräischen sich nur durch im ersten Buchstaben unterscheiden: &#039;&#039;naqudim&#039;&#039; und &#039;&#039;´aqudim&#039;&#039;. Laban ist also nicht nur Winkeladvokat (s. zu [[Genesis 30#s32 |Gen 30,32]]), sondern dabei auch noch Korinthenkacker.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|9}} {Und} Gott hat das Vieh eures Vaters [diesem] entzogen (das Vieh eures Vaters gerettet)&amp;lt;ref name=&amp;quot;entziehen&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;entzogen (gerettet)&#039;&#039; - W. „weggeschnappt, weggerissen“. Wohl nicht: &#039;&#039;gerettet&#039;&#039; (so Wenham 1994; Goldingay 2020), obwohl dies im Heb. häufig die Bed. des Wortes wäre und zu V. 9 auch gut passte („Vieh wird vor Laban ‚gerettet‘“). Zu V. 16 aber weniger („Reichtum wird vor Laban ‚gerettet‘“?). Im Aramäischen heißt das Wort oft auch nur „wegnehmen, entziehen“ (vgl. Labuschagne 1974, S. 180; Greenfield 2001, S. 215; Rendsburg 2006, S. 166; Bompiani 2014, S. 46); wegen V. 16 müssen wir diese Bed. wohl auch hier voraussetzen (so z.B. auch Hamilton 1995; Sarna 2001; Waltke/Fredricks 2001).&amp;lt;/ref&amp;gt; und mir gegeben:&lt;br /&gt;
{{S|10}} {Es geschah} Zur Zeit, als das Kleinvieh brünstig war, hob ich (meine Augen=) meinen Blick und sah im Traum{, siehe}: Die das Kleinvieh besteigenden&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;besteigenden&#039;&#039; - W. „hinaufsteigend“. Nicht das übliche Wort für sich paarende Tiere. Wortspiel: Jakob sieht in diesem Traum „hinaufsteigende“ Böcke, wie er in seinem ersten Traum in [[Geneiss 28#s12 |Gen 28,12]] „hinaufsteigende“ Gottesboten gesehen hat (gut Tröndle 2023, S. 199). Wahrscheinlich deshalb sind die Böcke in diesem Traum auch „gescheckt“, was in Gen 30 gar nicht erwähnt wurde: In &#039;&#039;barudim&#039;&#039; klingt &#039;&#039;joridim&#039;&#039; („hinabsteigend“, wie von den „hinabsteigenden Gottesboten“ in Gen 28,12) an.&amp;lt;/ref&amp;gt; (sich dem Kleinvieh gegenüber aufbäumenden) Böcke [waren] gestreift, gesprenkelt und gescheckt.&lt;br /&gt;
{{S|11}} Ein Bote Gottes sagte nämlich (Und ein Bote Gottes sagte) zu mir im Traum: ‚Jakob!‘, und ich (sagte=) antwortete: ‚Hier bin ich!‘,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Jakob!&#039;&#039; + &#039;&#039;Hier bin ich!&#039;&#039; - Übliche Gesprächseröffnungen; s. z.B. ebenso [[Genesis 27#s1 |Gen 27,1]]. Besonders bei Gesprächen zwischen Menschen und Gott/einem Gottesboten wird ein Mensch dabei nicht wie an dieser Stelle mit einer Verwandtschafts- oder Berufsbezeichnung angesprochen (zu dieser häufigsten Gesprächseröffnung s. Lande 1949, S. 21-36), sondern mit dem Eigennamen: [[Genesis 22#s11 |Gen 22,11]]; [[Genesis 46#s2 |46,2]]; [[Exodus 3#s4 |Ex 3,4]]; [[1Samuel 3#s4 |1 Sam 3,4.6.8.10]]. Die Antwort „Hier bin ich“ ist aber wohl nicht mit ebd., S. 37f. so zu erklären, dass sie nur für das „Ja“ eines Menschen steht, der sich selbst unsichtbar glaubt (s. dagegen [[2 Samuel 1#s7 |2 Sam 1,7]]), sondern grundsätzlich als unterwürfige Antwort, wie Landes es auch bei [[1 Samuel 22#s12 |1 Sam 22,12]] und [[Genesis 37#s13 |Gen 37,13]] annimmt: „Stehe zu Diensten!“ (vgl. [[Jesaja 6#s8 |Jes 6,8]]). Am besten übersetzt man vielleicht wie NL: „Ja, ich höre!“&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|12}} und er sagte: ‚Hebe {doch} (deine Augen=) deinen Blick und sieh: All die das Kleinvieh besteigenden Böcke [sind] gestreift, gesprenkelt und gescheckt, weil ich&amp;lt;ref name=&amp;quot;Ich&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;ich&#039;&#039; - Der „Bote“ spricht wie häufig im Namen Gottes (zu diesem häufigen Zug der Botschaften von Gottesboten vgl. z.B. Lipton 1999, S. 118); „ich“ bezieht sich daher nicht auf ihn, sd. auf Gott.&amp;lt;/ref&amp;gt; alles gesehen habe, was Laban dir getan hat.&lt;br /&gt;
{{S|13}} Ich&amp;lt;ref name=&amp;quot;Ich&amp;quot; /&amp;gt; [bin] der Gott [von] Bet-El,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039; + &#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Constructusverbindung, bei der das Nomen im Status Constructus („der Gott“) untypischerweise Artikel trägt (vgl. z.B. [https://en.wikisource.org/wiki/Gesenius%27_Hebrew_Grammar/127._The_Noun_determined_by_a_following_Determinate_Genitive#GHGpar-127-f GKC §127f]). S. ebenso z.B. [[2 Könige 23#s17 |2 Kön 23,17]]: „der Altar [von] Bet-El“. Das „Ich bin der Gott, &#039;&#039;der dir in&#039;&#039; Bet-El &#039;&#039;erschienen ist&#039;&#039;“ in LXX, TgO und TgJ setzt wahrscheinlich keine andere Textvorlage voraus, sondern ist theologische Korrektur: JHWH ist „Gott &#039;&#039;der ganzen Erde&#039;&#039;“ und daher „Gott von Bet-El“ eben nur &#039;&#039;insofern&#039;&#039;, als er dort &#039;&#039;erschienen ist&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; wo du eine Mazzebe (gesalbt=) geweiht hast und wo (hast, wo)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT, TgJ und TgN wie in der Alternative. Einige MSS, SamP, TgO und TgG bezeugen aber „und wo“; LXX, VUL und Syr sparen das zweite „wo“ (&#039;&#039;`ašer&#039;&#039;) aus, bezeugen aber ebenfalls ein „und“.  Man &#039;&#039;könnte&#039;&#039; beides mit BHQ als syntaktische Erleichterung werten und danach MT für ursprünglich halten, aber angesichts dieser Masse an Textzeugen ist der Wortlaut von MT wahrscheinlicher nur versehentliche Angleichung des zweiten Nebensatzes an den ersten (so noch Ball 1896, BHK, BHS).&amp;lt;/ref&amp;gt; du mir ein Gelübde gelobt hast. Jetzt mach dich auf! Zieh fort aus diesem Land und kehr zurück in das Land deiner Verwandtschaft (deines Geburtsortes)!‘“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|14}} Da (antwortete[n]=) erwiderten&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;(antworten=) erwidern&#039;&#039; - W. „antworten“, hier aber wie häufig in der Bibel (s. z.B. Kleist 1936, S. 163) nicht als Antwort auf eine Frage, die Jakob ja gar nicht gestellt hat, sondern zur Bezeichnung z.B. der &#039;&#039;Reaktion&#039;&#039; auf eine vorangegangene Rede wie eben hier die des Jakob. Besser übersetzt man daher wie HfA: „Rahel und Lea erwiderten“.&amp;lt;br /&amp;gt;Das Wort mit zwei Subjekten („Rahel &#039;&#039;und&#039;&#039; Lea“) steht hier wie noch häufiger im Sg., um hervorzuheben, dass beide gemeinsam das Gleiche tun.&amp;lt;/ref&amp;gt; ihm Rahel und Lea {und sagten}: „Haben wir etwa noch Anteil und Erbe in unserem Vaterhaus?&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Haben wir etwa noch Anteil und Erbe in unserem Vaterhaus&#039;&#039; ist nicht wörtlich zu verstehen; allein schon, weil verheiratete Töchter zur Abfassungszeit ohnehin nicht erbberechtigt waren, wenn es gleichzeitig Söhne in diesem Vaterhaus gab. Wie [[2 Samuel 20#s1 |2 Sam 20,1]] und [[1 Könige 12#s16 |1 Kön 12,16]] = [[2 Chroniken 10#s16 |2 Chr 10,16]] deutlich zeigen, ist die Frage stattdessen eine geprägte Wendung mit der Bed. „Hier gibt es ja ohnehin nichts mehr für uns!“ (gut Shectman 2011, S. 216). Warum das so ist, zeigen die folgenden Sätze.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|15}} Gelten wir ihm nicht [nur so viel wie] Ausländerinnen, da er uns [ja] verkauft hat!? (Und er hat fressend gefressen=) Und dann hat er sogar unser Geld gefressen (da er uns ja verkauft hat und wirklich unser Geld gefressen hat?)!&amp;lt;ref&amp;gt;Die Logik von V. 15 im Kontext von Vv. 14-16 lässt sich wahrscheinlich auf zwei Weisen lesen:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) „Hier gibt es ja ohnehin nichts mehr für uns: Unser Vater hat uns quasi an dich &#039;&#039;verkauft&#039;&#039;, insofern er uns [zwar eine Mitgift gegeben, uns dann aber wieder] ausgebeutet hat. In dieser Hinsicht gleichen wir Ausländerinnen, die er ohne Mitgift mir dir verheiraten können hätte. Ergo ist alles, was Gott ihm entzogen und dir übereignet hat, eigentlich &#039;&#039;unser&#039;&#039; Geld. Gut so, dass er&#039;s dir übereignet hat!“&amp;lt;br /&amp;gt;(2) „Hier gibt es ja ohnehin nichts mehr für uns: Unser Vater hat uns an dich &#039;&#039;verkauft&#039;&#039;[, also ein gigantisches Brautgeld genommen und dafür nur eine mickrige Mitgift gegeben]. In dieser Hinsicht gleichen wir Ausländerinnen, die er ohne Mitgift mir dir verheiraten können hätte. Und nun hat er dieses Geld sogar auch noch wieder an dich verloren! Aber ohnehin hätte ja alles, was Gott ihm entzogen und dir übereignet hat, eigentlich &#039;&#039;unser&#039;&#039; Geld sein müssen. Gut so, dass er&#039;s dir übereignet hat!“&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Genauer&#039;&#039;&#039;: Der zweite Satz ist kompliziert, weil er auf unterschiedliche rechtliche Intitutionen anspielen könnte oder nicht:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Im Alten Orient zahlte erstens der Ehemann einen Brautpreis, wie es ja deutlich auch in unserer Erzählung in [[Genesis 29 |Gen 29]] zu sehen war. Nach Texten aus Nuzi und Emar hatte der Brautvater das Recht, diesen Brautpreis selbst zu verbrauchen, und dieser Verbrauch wird dort ausgedrückt mit dem Ausdruck „das Geld fressen“ (vgl. z.B. Burrows 1937, S. 265f.; Selman 1976, S. 132; Vita 2008, S. 235f.). Granqvist 1931, S. 128 zitiert auch eine Braut aus dem zeitgenössischen Palästina, die den Ausdruck ungefähr in diesem Sinn gebraucht („er hat das Geld verschleudert“; dazu vgl. u.). Auf den ersten Blick scheint man den Ausdruck also auch hier in diesem Sinn nehmen zu müssen. Zweitens gab der Brautvater seiner Tochter eine Mitgift zu ihrer Verfügung, mit der sie sich im Falle des kinderlosen Todes ihres Mannes versorgen können sollte (vgl. [[Josua 15#s18 |Jos 15,18f.]]; [[1 Könige 9#s16 |1 Kön 9,16]]). Aus Alalakh, Emar, Nuzi und Ugarit ist gelegentlich auch der Brauch belegt, den Brautpreis der Mitgift zuzuschlagen und beides gemeinsam der Braut zu übergeben (vgl. z.B. Westbrook 1993, S. 278f.; Hillmann 2016, S. 37-42; Stol 2016, S. 125f.), grundsätzlich waren beide Institutionen aber voneinander unabhängig, was man in der Bibel schon daran sieht, dass der Brautpreis häufiger als nicht in Form von besonderen Leistungen erbracht wurde (s. [[Josua 15#s16 |Jos 15,16]] = [[Richter 1#s12 |Ri 1,12]]; [[1 Samuel 17#s25 |1 Sam 17,25]]; [[1 Samuel 18#s17 |18,17.25]]; [[2 Samuel 3#s14 |2 Sam 3,14]]). Nimmt man beide Institutionen zusammen, könnten Labans Töchter sich hierüber beschweren: Dass dieser zwar einen Brautpreis genommen, ihnen aber keine Mitgift gegeben hat und sie also insofern „gleich Ausländerinnen (=Sklavinnen) &#039;&#039;verkauft&#039;&#039; hat“ (so z.B. Westbrook 1991, S. 150; Steinberg 1993, S. 106; Marsman 2003, S. 105; so die meisten). Dagegen spricht aber, dass nach den Texten aus Nuzi, Emar und dem zeitgenössischen Palästina „das Geld fressen“ sich auf den Brautpreis und &#039;&#039;nicht&#039;&#039; die Mitgift bezieht. Dagegen spricht auch, dass sie wahrscheinlich sehr wohl eine Mitgift erhalten haben, wie man an ihren Mägden sieht: Mägde sind in altbabylonischen Texten häufig Teil der Mitgift (vgl. z.B. Stol 2012, S. 162f.), was noch klarer macht, dass diese in [[Genesis 29#s23 |Gen 29,23f.]] als (Teil der) Mitgift zu denken sind.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Anscheinend darf man den Ausdruck „das Geld fressen“ hier also &#039;&#039;nicht&#039;&#039; entsprechend dem Sprachgebrauch aus Emar und Nuzi deuten. Dann kann man es aber ebenfalls nicht gut auf die Mitgift beziehen, denn wie dann „er hat unser Geld &#039;&#039;gefressen&#039;&#039;“ für „er hat uns unsere Mitgift &#039;&#039;vorenthalten&#039;&#039;“ stehen sollte, wäre schwer erklärlich, und wieder: Offenbar haben sie ja ohnehin doch eine Mitgift bekommen.&amp;lt;br /&amp;gt;(2a) Entweder nimmt man es daher besser im Sinn von „rauben, ausbeuten“ (wie bes. bekannt in [[Lukas 20#s47 |Lk 20,47]]: „Sie fressen die Häuser der Witwen“), (2aA) so dass der Satz bedeutet: „Indem er dich ausgenommen hat, hat er &#039;&#039;uns&#039;&#039; ausgenommen!“ (so Wenham 1994). (2aB) Oder man setzt noch einfacher wie Paulus Fagius und Franziskus Vatablus voraus, dass Jakob und seine Frauen eine Wirtschaftseinheit (und Werkgemeinschaft; s. schon zuvor [[Genesis 29#s7 |Gen 29,7.9]]) waren, so dass Laban natürlich nicht nur Jakob, sondern auch unmittelbar seine Töchter ausgebeutet hat.&amp;lt;br /&amp;gt;(2b) Oder man nimmt „fressen“ i.S.v. „verbrennen, vernichten“ (wie V. 40), so dass der Satz bedeutet: „Der Besitz, den du ihm in den letzten sechs Jahren „weg-gearbeitet“ hast und das er also so mit seiner Gier verspielt hat, war ohnehin &#039;&#039;unser&#039;&#039; Geld“ – „unser“ i.S.v. „deines und unseres“.&amp;lt;br /&amp;gt;Beide Deutungen liegen auch von den masoretischen Akzenten her näher. V. 15 wird fast stets so aufgelöst, dass sowohl der Satz vom „Verkaufen“ als auch der vom „Fressen“ sich auf die Frage in 15a beziehen (entweder wie z.B. Seebass 1999: „Hat er uns bei sich nicht als Fremde geachtet, dass er uns verkauft und also noch unser Geld verbraucht hat?“, oder wie z.B. Westermann 1981: „Gelten wir ihm nicht als Fremde? Denn er hat uns verkauft und längst unser Geld dafür aufgebraucht!“). Das passte gut zur Deutung (1). Nach dem masoretischen Akzenten sind diese beiden Sätze aber klar &#039;&#039;nicht&#039;&#039; einander beigeordnet: Beide werden durch Athnach getrennt. Auch der pleonastische Infinitiv „er hat &#039;&#039;fressend gefressen&#039;&#039;“ spricht dafür, dass dieser Satz von einem eigenen Sachverhalt spricht. Anscheinend muss man den Vers also entweder so auflösen, dass der „Verkaufs-Satz“ &#039;&#039;gemeinsam&#039;&#039; mit der Frage in 15a den V. 14 begründet und der „Fress-Satz“ separat zu nehmen ist (bei Deutung 2a), oder so, dass dieser mit dem nächsten Vers zu verbinden ist (bei Deutung 2b). So übersetzt merkwürdigerweise nur van Ess: „Wurden wir nicht von ihm als Fremde geachtet, weil er uns verkauft hat? Ja, hat er nicht auch unser Geld verzehrt?“ Nach den Akzenten zu urteilen ist das aber gewiss richtig.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|16}} Ja!, (denn) all der Reichtum, den Gott unserem Vater entzogen (gerettet)&amp;lt;ref name=&amp;quot;entziehen&amp;quot; /&amp;gt; hat – &#039;&#039;uns&#039;&#039; [gehört] der, und unseren Söhnen! (Und nun=) Darum: Alles, was dir Gott gesagt hat, das tue!“&amp;lt;ref&amp;gt;Klangspiel: In diesem letzten Satz beginnen von den sieben heb. Wörtern sechs mit einem Guttural: &#039;&#039;wa-&amp;lt;b&amp;gt;´&amp;lt;/b&amp;gt;attah&#039;&#039; („Darum:“) &#039;&#039;kol&#039;&#039; („alles“) &#039;&#039;&amp;lt;b&amp;gt;`&amp;lt;/b&amp;gt;ašer&#039;&#039; („was“) &#039;&#039;&amp;lt;b&amp;gt;`&amp;lt;/b&amp;gt;amar&#039;&#039;&#039; („gesagt hat“) &#039;&#039;&amp;lt;b&amp;gt;`&amp;lt;/b&amp;gt;elohim&#039;&#039; („Gott“) &#039;&#039;&amp;lt;b&amp;gt;`&amp;lt;/b&amp;gt;eleka&#039;&#039; („zu dir“) &#039;&#039;&amp;lt;b&amp;gt;´&amp;lt;/b&amp;gt;aßeh&#039;&#039; („tue“)! &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|17}} Da machte sich Jakob auf und hob seine Söhne und seine Frauen (seine Frauen und seine Söhne)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Die Variante nach SamP, LXX und Jub 29,4. Welche der beiden Varianten ursprünglich ist, lässt sich nicht entscheiden.&amp;lt;/ref&amp;gt; auf die Kamele&lt;br /&gt;
{{S|18}} und trieb all sein Vieh und all seinen Erwerb, den er gewonnen hatte; das Vieh[, das sein] Erwerb [war], ({den er gewonnen hatte; das Vieh[, das sein] Erwerb [war],})&amp;lt;ref name=&amp;quot;V 18&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Die in der Alternative gestrichene Passage, die z.B. in NVul und traditionell in LUT nicht übersetzt wird, steht so nur in MT und SamP. Ganz fehlt sie in LXX, VUL und Syr (LXX hat zwar dafür nach „Paddan-Aram“ ein zusätzliches „alles, was ihm gehörte“. Wenham 1994 will nach Gispen hierin noch einen Überrest der ausgefallenen Passage erkennen, aber weit wahrscheinlicher hat LXX die Phrase aus V. 21 hier ebenso ergänzt wie in V. 31 und wie sie auch in V. 13 noch einmal das „Und ich will mit dir sein“ aus V. 3 eingefügt hat). TgO, TgJ und TgN haben alle jeweils leicht unterschiedliche Varianten dieser Passage, TgG eine Zwischenstufe zwischen diesen Targumim und MT. Ganz grob können wir also die vier Gruppen (1) LXX, VUL, Syr; (2) MT, SamP; (3) TgG; (4) TgO.J.N unterscheiden, und der größte Unterschied ist, ob die Textzeugen grundsätzlich eine solche Passage bezeugen (Gruppe 2+3+4) oder nicht (Gruppe 1). Theoretisch ließe sich diese Differenz entweder als Augensprung erklären; wegen der identischen hier gefetteten Phrasen hätte der Schreiber der Vorlage von Gruppe 1 also die hier gestrichene Passage übersehen: &#039;&#039;all seinen Gewinn, &amp;lt;s&amp;gt;&#039;&#039;&#039;den er gewonnen hatte&#039;&#039;&#039;; das Vieh, das sein Erwerb war,&amp;lt;/s&amp;gt; &#039;&#039;&#039;den er gewonnen hatte&#039;&#039;&#039; in Paddan-Aram&#039;&#039; (so z.B. Ball 1896; BHS; Wevers 1993, S. 504; Hamilton 1995). Oder hier liegt Konflation vor: Ein Schreiber hätte „all ... und all“ ausgelassen und daher nur „das Vieh seines Erwerbs“ geschrieben; dies wäre später korrigiert worden zu „all das Vieh und all seinen Erwerb“ und am Ende wären beide Varianten in den Text geraten. Das macht z.B. TgO plausibel, wo sich jeweils die beiden Nomen in den beiden Passagen genau entsprechen: „alle Tiere und allen Bestand, den er erworben hatte; Tiere und Bestand, den er erworben hatte in Paddan-Aram“. Aber hier ist das Zeugnis der Versionen sehr chaotisch; die Zeugen der Gruppen 2-4 differieren jeweils dahingehend, ob Nomen 1 Nomen 3 entspricht (MT, SamP, TgO, TgG) oder nicht (TgJ, TgN) und ob Nomen 2 Nomen 4 entspricht (TgO, TgJ) oder nicht (MT, SamP, TgN, TgG); sie differieren außerdem dahingehend, ob die beiden Nomen in der fraglichen Passage in einer Genitivverbindung stehen (MT, SamP, TgG) oder koordiniert sind wie die vorherige Passage (TgO.J.N). Weil das so unübersichtlich ist, hat man fast keine Wahl, als mit der Mehrheit einfach MT zu folgen; sehr sicher ist dies aber nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; den er gewonnen hatte in Paddan-Aram,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Paddan-Aram&#039;&#039; - gut modernisiert in BigS: „im aramäischen Mesopotamien“.&amp;lt;/ref&amp;gt; ([und alles, was ihm gehörte])&amp;lt;ref name=&amp;quot;V 18&amp;quot; /&amp;gt;  um zu seinem Vater Isaak ins Land Kanaan zu kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|19}} Laban indes war losgegangen ([Als] Laban losgegangen war), um sein Kleinvieh zu scheren. Da hatte Rahel die Terafim&amp;lt;ref name=&amp;quot;terafim&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Teraphim.jpg|mini|Bild 3: Terrakotta-Figurine: Trommlerin. Akhzib, 8./7. Jhd. v. Chr. (c) IM, [https://www.imj.org.il/en/collections/370882-0 IAA 1944-264]]]&amp;lt;div class=&amp;quot;tright&amp;quot; style=&amp;quot;clear:none&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Siegel Totenmaske.png|mini|Bild 1: Syrisches Siegel, 18./17. Jhd. v. Chr.: In der Mitte kommuniziert eine Frau mit Masken. (c) Schroer 2011, S. 43]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Steinzeitliche Totenmaske.png|mini|Bild 2: Steinzeitliche Maske aus Nahal Hemar. (c) IM, [https://www.imj.org.il/en/collections/197936-0 IAA 1984-407]]]&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
Was genau die &#039;&#039;Terafim&#039;&#039; sind, ist ungewiss. Laban bezeichnet sie in diesem Kapitel als „seine &#039;&#039;`elohim&#039;&#039;“ und Rahel stiehlt sie und versteckt sie in ihrer Satteltasche. Aus [[Ezechiel 21#s26 |Ez 21,26]]; [[Sacharja 10#s2 |Sach 10,2]] und wahrscheinlich [[1 Samuel 15#s23 |1 Sam 15,23]] und [[2 Könige 23#s24 |2 Kön 23,24]] lässt sich außerdem herauslesen, dass sie besonders häufig zur Wahrsagerei verwendet wurden. Danach handelt es sich um kleine Kultobjekte, durch die sich entweder mit den Göttern oder mit den Geistern von Toten u.a. zur Wahrsagerei kommunizieren lässt (&#039;&#039;`elohim&#039;&#039; meint meistens Götter, in [[1 Samuel 28#s13 |1 Sam 28,13]] und vielleicht [[Jesaja 8#s19 |Jes 8,19]] aber auch Totengeister, die man sich danach wohl als eine Art Zwischenwesen zwischen Mensch und Gottheit vorstellte). In der Regel hält man sie daher entweder für Masken (Bild 1+2) oder für kleine Figurinen (Bild 3), die übernatürliche Wesen repräsentierten. Die Figurinen-Deutung wird weit häufiger vertreten, weil man [[1 Samuel 19#s13 |1 Sam 19,13-16]] meist so versteht, dass Michal &#039;&#039;Terafim&#039;&#039; so in ein Bett legt, dass man sie für einen kranken Menschen halten kann, und daraus ableitet, dass diese Figurinen also auch lebensgroß sein konnten – aber die Erzählung ist damit fast sicher missverstanden, s. dort.&amp;lt;br /&amp;gt;Das biblische Wort ist sehr wahrscheinlich ein Dysphemismus mit der Bed. „Verrottetes, Verdautes“; &#039;&#039;tarapim&#039;&#039; sind also „Kotz-Brocken“ (richtig z.B. Rouillard / Tropper 1987, S. 359; Loretz 1992, S. 141; Sarna 2001; ähnlich schon Sellin 1939; vgl. den ähnlichen Dysphemismus &#039;&#039;gillulim&#039;&#039; [„Kot-Batzen“] für Götzen). Von solchen Dysphemismen gibt es grob zwei Varianten: Bei Variante 1 hat der Dysphemismus lautlich wenig mit dem entstellten Wort zu tun (wie bei &#039;&#039;bošet&#039;&#039; [„Schande“] für &#039;&#039;Ba´al&#039;&#039;: nur die Anfangsbuchstaben entsprechen sich), bei Variante 2 werden nur die Vokale des entstellten Wortes mit denen eines Schimpfwortes ausgetauscht (wie bei &#039;&#039;molek&#039;&#039; mit den selben Vokalen wie &#039;&#039;bošet&#039;&#039; für &#039;&#039;malk&#039;&#039; „König“). Da neben &#039;&#039;t-r-p&#039;&#039; („weich/verdaut sein“) keine weitere hebräische Wurzel &#039;&#039;t-r-p&#039;&#039; bekannt ist, gehört &#039;&#039;Terafim&#039;&#039; wohl zu Variante 1, so dass sich aus ihrer Bezeichnung nichts herleiten lässt (von &#039;&#039;rapa`&#039;&#039; [„heilen“ &amp;gt; „Heil-Götter“] abzuleiten, wie Rouillard / Tropper vorschlagen, geht nicht an, da man hier &#039;&#039;tarpa`im&#039;&#039; mit Alef erwarten würde. Die Belege für Ausfall von Alef, die die beiden bringen, sind sämtlich nur Beispiele für die Schreibung von Endungs-&#039;&#039;`&#039;&#039; als Endungs-&#039;&#039;h&#039;&#039; und damit ohne Erklärwert). Das stärkste Indiz ist, dass Jub 29,9 die &#039;&#039;Terafim&#039;&#039; gar nicht erwähnt, aber unerwartet einen Exkurs nach [[Deuteronomium 3#s13 |Dtn 3,13]] darüber einschaltet, dass Gilead das „Land der &#039;&#039;Refaim&#039;&#039;“ war. Könnte &#039;&#039;Terafim&#039;&#039; Verballhornung von &#039;&#039;Refaim&#039;&#039; sein (so schon Albright 1968, S. 168; Loretz 1992, S. 141f.) und unsere Erzählung auch Ätiologie, wonach Gilead deshalb das „Land der &#039;&#039;Refaim&#039;&#039;“ war, weil Rahel die &#039;&#039;Terafim&#039;&#039; (lies: &#039;&#039;Refaim&#039;&#039;) hierher gebracht hat? Aber das ist nicht mehr als educated speculation.&amp;lt;br /&amp;gt;Auch ihre Funktion in unserem Kapitel ist umstritten. Überwiegend sind drei Deutungen im Umlauf:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Josephus berichtet in JosAnt 18.9.5 von einer Partherin: „&#039;&#039;Da sie nach dem Tod ihres ersten Mannes in Gefangenschaft geriet, verbarg sie die Bildnisse der Götter, die sie mit jenem Manne verehrt hatte, und nahm sie nach dem Brauch ihres Landes mit sich. In jenen Gegenden ist es nämlich allgemein Sitte, Götterbilder zu Hause zu haben und dieselben auf Reisen mitzunehmen.&#039;&#039;“ (Üs. nach Clementz). Greenberg 1962 und z.B. van Seters 1975, S. 93f.; Thompson 2002, S. 278 und Utzschneider 2019, S. 34 haben danach angenommen, Rahel habe die Götzen schlicht aus religiösen Gründen mitgenommen, da sie sich ja nun auch auf eine Reise begibt. Hinzudenken muss man sich bei dieser Deutung wohl, dass sie sie dabei untypischerweise ihrem Vater &#039;&#039;raubt&#039;&#039;, weil sie ja soeben ihren Bruch mit ihm verkündet hat. Aber zu dieser Deutung passt sehr schlecht, dass sie sich im Folgenden auf die &#039;&#039;Terafim&#039;&#039; setzen wird, woraus gewiss keine religiöse Achtung spricht.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) In altorientalischen Testamenten ist häufig die Rede von „Göttern und Toten einer Familie“, die Erben „erhalten“ oder „verehren“ sollen. In der Regel sind diese Erben die ältesten Söhne eines Vaters, die also nach seinem Tod zum &#039;&#039;pater familias&#039;&#039; werden werden. (2a) Gordon 1958, S. 129 und z.B. Taschner 2000, S. 121f. und Galambush 2018 denken daher klug, Rahel habe mit dem Diebstahl Jakob symbolisch ähnlich das Erstgeburtsrecht in der Familie Labans ergaunern wollen wie Jakob dies zuvor in der Familie Isaaks getan hat, (2b) ähnlich glauben Draffkorn 1957, S. 219f.; Pardes 1992, S. 70f.; Spanier 1992 und Fischer 1995, S. 116, Rahel habe sich nach dem Geburtswettstreit in Gen 30 mit diesen Terafim das Erstgeburtsrecht für &#039;&#039;ihre&#039;&#039; statt für Leas Söhne ergaunern wollen. Aber es ist gar nicht wahr, dass diese „Götter und Toten“ nur an die Erstgeborenen vererbt wurden: Heltzer 1998, S. 359 verweist auf das Nuzi-Testament HSS 19,5 (zum Text vgl. Deller 1981, bes. S. 48-57), in dem der Erstgeborene nur die „großköpfigen Götter“ und der Zweitgeborene die „kleinköpfigen“ erhalten soll, Sigrist 1982, S. 242-46 übersetzt einen wahrscheinlich in Emar entstandenen Text, in dem ähnlich die Götter von beiden erbenden Söhnen verehrt werden sollen. Es ist daher nicht wahrscheinlich, dass die Terafim wirklich das Erstgeburtsrecht signalisieren; noch weniger, dass sie es „sichern“.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Am wahrscheinlichsten ist daher die schon bei den alten Auslegern (z.B. PRE 36.4; Midrasch BerR, Midrasch Tanchuma; auch bei Raschbam, ibn Ezra, Radak, Ramban) verbreitete Deutung, Rahel habe ihrem Vater mit dem Raub der &#039;&#039;Terafim&#039;&#039; hauptsächlich seine Wahrsage-Instrumente stehlen wollen, damit er sie nicht verfolgen konnte (so z.B. Sarna 2001; Krauss / Küchler 2004; Plangger 2018, S. 70f.).&amp;lt;/ref&amp;gt; gestohlen, die ihrem Vater [gehörten].&lt;br /&gt;
{{S|20}} Und Jakob hatte das Herz von Laban dem Aramäer gestohlen,&amp;lt;ref name=&amp;quot;Herz&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;das Herz stehlen&#039;&#039; - unklarer Ausdruck. Sonst nur noch in [[2 Samuel 15#s6 |2 Sam 15,6]] (Absalom machte Stimmung gegen David. „Und so stahl Absalom das Herz der Männer von Israel“). Dort bedeutet er nach V. 13 („Das Herz der Männer Israel [ist nach=] hängt an Absalom“) aber gewiss „betören“, was hier nicht passt; die beiden Ausdrücke scheinen also keine geprägten Wendungen zu sein, so dass man sie unabhängig voneinander deuten muss.&amp;lt;br /&amp;gt;(1) An unserer Stelle deutet man daher heute stets mit „täuschen / überlisten“, weil das Herz in der Vorstellung der alten Israeliten Sitz des logischen Denkens war: „das Gehirn“. Dem sollte auch die LF folgen.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Alternativ wie Baumgarten 1843 nach Luther: „Er hat ihm [sein Planen] zunichte gemacht“, was sich besser aus der wörtlichen Bed. herleiten ließe,&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Oder wie Franziskus Vatablus: „Jemandem Wissen vorenthalten“, ihn also über seine Pläne im Unklaren lassen. Dito.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Erwähnt sei schließlich noch die zu Unrecht vergessene Deutung von Aloisius Lipomanus: „Das Herz“ steht synekdochisch für „das, woran jemandes Herz hängt“ (wie [[Matthäus 6#s21 |Mt 6,21]] = [[Lukas 12#s34 |Lk 12,34]]). Dann hätten v.a. Vv. 26-30 eine ganz andere Logik, weil dann „das Herz“ entweder für Labans Töchter oder ebenfalls für die Terafim stehen könnte. Vv. 26f. wären dann also mehrdeutig: Auf den ersten Blick spräche Laban davon, dass Jakob ihm damit, dass er „sein Herz gestohlen“ und „ihn bestohlen“ hat, insofern „seine Töchter gestohlen“ hat, als Jakob ihm einen Abschied von seinen Töchtern verwehrt hat (darauf wäre Jakobs „Ich hatte Angst..., dass du mir deine Töchter raubst“ in V. 31 eine sehr passende Antwort). Und erst im letzten Satz in V. 30 offenbarte sich: Eigentlich ging es Laban vor allem um die Terafim, nicht die Töchter.&amp;lt;br /&amp;gt;Unabhängig davon: gewählt wurde der seltene Ausdruck natürlich, weil Jakob und Rahel so zu Bonnie und Clyde des Alten Testaments werden: Rahel stiehlt die Terafim, und Jakob stiehlt das Herz.&amp;lt;/ref&amp;gt; indem er ihm nicht erzählt hatte, dass er fliehen würde.&lt;br /&gt;
{{S|21}} So floh er – er und alles, was ihm [gehörte]. Er machte sich auf, überquerte den (Fluss=) Euphrat und (setzte=) wandte sein Gesicht nach dem Gebirge von Gilead. {{par|Genesis|27|43}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|22}} Laban wurde am dritten Tag&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;am dritten Tag&#039;&#039; ist vielleicht dramatische Ironie: In [[Genesis 30#s36 |Gen 30,36]] hat Laban 3 Tagesmärsche Abstand zwischen sich und Jakob gebracht. Das rächt sich jetzt; erst nach drei Tagen fällt Jakobs Flucht auf (gut Krauss / Küchler 2004; Turner 2000b). S. zum „dritten Tag“ und zu den „sieben Tagen“ noch die nächste FN.&amp;lt;/ref&amp;gt; erzählt, dass Jakob geflohen war.&lt;br /&gt;
{{S|23}} Da nahm er seine Brüder mit sich, verfolgte ihn (einen Weg von sieben Tagen=) sieben Tage lang und heftete sich an ihn im Gilead-Gebirge (auf dem Berg von Gilead).&amp;lt;ref name=&amp;quot;Gilead&amp;quot;&amp;gt;[[Datei:Orte in Gen 31b.jpg|mini|Zwei Vorschläge zur Lage der Zeltlager]]Das &#039;&#039;Gilead-Gebirge&#039;&#039; ist ein recht großflächiges Gebiet. Dass das „Gebirge“ / der „Berg“ in V. 25 doppelt genannt wird, legt nahe, dass wie in einer Kriegsszenerie beide ihre Lager auf benachbarten Hügeln aufschlagen (so z.B. Westermann 1981; Taschner 2000, S. 123; Sarna 2001. VUL und TgJ wollten das offenbar in ihrer Üs. explizit ausschließen: „auf &#039;&#039;dem selben&#039;&#039; Berg Gilead“ [fehlt in BHQ]). Wo genau, lässt sich wegen der groben Ortsangabe nicht sagen. Ich (S.W.) stelle mir vor – aber das ist wieder nur educated speculation –, dass sie auf den Plateaus an der heutigen syrisch-jordanischen Grenze am Fluss Jarmuk lagerten, also am nördlichen Ausläufer des Gilead-Gebirges (rechts: „Zeltlager 1“). 17 km nordöstlich liegt Karnajim, das wohl die längste Zeit der biblischen Frühgeschichte unter aramäischer Herrschaft stand, im 8. Jhd. kurz von den Israeliten erobert und dann wieder an die Aramäer verloren wurde (s. [[Amos 1#s3 |Am 1,3]]; [[Amos 6#s13 |6,13]]); 20 km südöstlich die Stadt Ramoth-Gilead, wegen der Israeliten und Aramäer laut [[1 Könige 22#s3 |1 Kön 22,3]]; [[2 Könige 9#s14 |2 Kön 9,14]] ebenfalls Grenzstreitigkeiten hatten. Hier also verlief eines der Grenzgebiete zwischen Israel und Aram. Vgl. auch [[Ezechiel 47#s16 |Ez 47,16.18]], wonach die Grenze Israels bei vollster Ausdehnung bis zum Hauran-Gebiet reicht, also wieder bis zum Jarmuk. Dann hätte Laban aus Haran die Grenze zwischen Israel und Aram am Rand des Hauran-Gebiets gezogen, und Jakob hätte bei seiner Flucht zu Beginn den Euphrat überqueren müssen, wäre am Jarmuk noch einmal mit Laban aneinandergeraten und dann am Jabbok dem Engel begegnet. Fußläufig ist diese Gegend [https://www.google.de/maps/dir/36%C2%B051&#039;53.0%22N+39%C2%B001&#039;53.0%22E/32.830648,36.0354108/32.7374167,35.9027887/@33.0856546,35.6533384,103905m/data=!3m1!1e3!4m8!4m7!1m3!2m2!1d39.0313889!2d36.8647222!1m0!1m0!3e2?hl=de&amp;amp;entry=ttu etwa 640 km] von Haran entfernt.&amp;lt;br /&amp;gt;In der aktuellen Forschung wird der Ort stattdessen manchmal deshalb, weil in Vv. 48f. von &#039;&#039;gal´ed&#039;&#039; und &#039;&#039;miṣpah&#039;&#039; die Rede ist, mit Khirbet Gel´ad identifiziert (rechts: „Zeltlager 2“), so dass wir schon hier in der Gegend bei Mahanajim am Jabbok wären, wo das nächste Kapitel spielt. Dann müssten wir noch einmal mit [https://www.google.de/maps/dir/36%C2%B051&#039;53.0%22N+39%C2%B001&#039;53.0%22E/32.830648,36.0354108/32.7374167,35.9027887/32%C2%B007&#039;03.0%22N+35%C2%B046&#039;38.0%22E/@32.1381924,35.7347592,60662m/data=!3m1!1e3!4m14!4m13!1m5!1m1!1s0x0:0x7f28e9b3e5ac5bca!2m2!1d39.031488!2d36.864781!1m0!1m0!1m3!2m2!1d35.7772222!2d32.1175!3e2?hl=de&amp;amp;entry=ttu 120 km] mehr rechnen (vgl. z.B. [https://www.odb.bibelwissenschaft.de/ortsnamen/ortsname.php?n=37 Gal-Ed (odb)]). Aber zu Vv. 48f. s. dort.&amp;lt;br /&amp;gt;Zu Pferd wären beide Strecken in sieben Tagen gut machbar, eine Kleinviehherde hätte man aber keinesfalls in zehn Tagen so weit treiben können. Üblicherweise erklärt man daher die Zahlen als runde Zahlen: nach „wenigen“ Tagen wird Jakobs Flucht gemeldet, nach „einigen“ Tagen hat Laban ihn eingeholt. Die alternative Erklärung von Steinmann 2019, Laban sei erst nach dem Ende der Schafschur aufgebrochen, hilft nichts: Nach altorientalischen Quellen wird diese inklusive Fest im Schnitt sieben Tage oder weniger gedauert haben; auch 17 Tage sind aber weit zu wenig für die Reise Jakobs. Am besten erklärt man sich daher den „dritten Tag“ wirklich als Anspielung auf Gen 30,36 (s. vorige FN) und die „sieben Tage“ i.S.v. „nach einem mehrtägigen Gewaltritt“. Gut zusammenpassen tun beide Zeitangaben dennoch nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|24}} Da kam im nächtlichen Traum Gott zu Laban dem Aramäer und sagte zu ihm: „Hüte dich, mit Jakob zu sprechen von Gut bis Böse (Übel)!“&amp;lt;ref name=&amp;quot;gutböse&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;sprechen von Gut bis Böse&#039;&#039; - unklarer Ausdruck. Üblicherweise bezeichnet eine Angabe à la „von X bis Y“ &#039;&#039;alles&#039;&#039;, also „sprich kein Wort mit Jakob!“ (vgl. bes. Honeyman 1952, S. 11f.). Das tut Laban dann aber doch, und das ganz schön ausführlich – und glaubt in V. 29 aber gleichzeitig, damit Gottes Verbot zu entsprechen. Es gibt zwei sehr nahe Parallelen: In [[2 Samuel 13#s22 |2 Sam 13,22]], nachdem Amnon seine Schwester Tamar vergewaltigt hat, heißt es: „Absalom sprach nicht mit Amnon &#039;&#039;von Böse und bis Gut&#039;&#039;, denn Absalom hasste Amnon.“ Kurze Zeit später lädt er ihn zu sich ein, um ihn auf einem Fest zu ermorden. Die zweite Parallele ist [[Genesis 24#s50 |Gen 24,50]]: Als Abrahams Knecht für Isaak um die Hand von Labans Schwester anhält und darum bittet, ihm dies entweder zu gewähren oder auszuschlagen, sagt Laban ähnlich: „Der Spruch ging von JHWH aus; wir können nicht zu dir sprechen &#039;&#039;Böses oder Gutes&#039;&#039;“, und hat dem Knecht damit die Bitte gewährt.&amp;lt;br /&amp;gt;Darf man die drei Stellen zusammenlesen – und das muss man wohl sogar –, scheint der Ausdruck also ungefähr zu bedeuten: „sich eines Urteils enthalten(, da Gott bereits geurteilt hat)“ (gut Fokkelman 1975, S. 165: „It is not for us to judge of this“). Dies hieße bei 2 Sam 13 genauer: „Absalom vermied, öffentlich ein Urteil auszusprechen, denn er hasste ihn [und hatte vor, einen auf gut Freund mit ihm zu machen, um ihn dann töten zu können]“, und an unserer Stelle beschränkt sich Laban daher auf vorwurfsvolle Fragen, weshalb auch erst Jakob eine gerichtliche Untersuchung einleiten muss.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Alternativ&#039;&#039;&#039; haben Clark 1969, S. 269 und nach ihm z.B. Sherwood 1990, S. 315 und Hamilton 1995 vermutet, der Ausdruck bedeute „rechtliche Schritte unternehmen“, was an unserer Stelle und in 2 Sam 13 ebenfalls gut passte, an der in Gen 24 aber weniger, und neuerdings hat Steinmann 2019 angenommen, „von gut bis böse sprechen“ bedeute, Gutes zu sprechen und dies dann zum Bösen zu pervertieren, was zu keiner der beiden anderen Stellen gut passt. Die alten jüd. Ausleger schließlich haben „von gut bis schlecht“ i.S.v. „weder Gutes noch Schlechtes“ genommen und dann das Verbot, Gutes zu sprechen, entweder so erklärt, dass Laban Jakob auch nicht zureden dürfe, wieder zurückzukommen (ibn Ezra, Ramban, Sforno; daher noch Michaelis 1775: „Hüte dich, weder in Gutem noch Bösen mit Jacob &#039;&#039;von der Rückreise&#039;&#039; zu reden“), oder so, dass auch das Gute, das böse Menschen sprechen, vergiftet ist (Midrasch BerR, Raschi, Tur).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|25}} Dann erreichte Laban den Jakob. Jakob hatte sein Zelt im Gebirge (auf dem Berg) aufgeschlagen und Laban hatte [seines] bei seinen Brüdern im Gilead-Gebirge (auf dem Berg von Gilead)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Gilead&amp;quot; /&amp;gt; aufgeschlagen.&amp;lt;ref&amp;gt;Witzig: Wörtlich auf den ersten Blick: „Jakob hatte sein Zelt aufgeschlagen und Laban hatte seine Brüder aufgeschlagen.“ Vielleicht ein Textfehler, bei dem {{hebr}}אהלו{{hebr ende}} („sein Zelt“) zu {{hebr}}אחיו{{hebr ende}} („seine Brüder“) verlesen wurde (so BHS), aber alle Textzeugen stützen MT. Vielleicht wurde der Wortlaut auch bewusst gewählt: „Jakob schlug sein Zelt auf und Laban wild um sich.“&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Genesis|20|3}} {{par|Numeri|22|9}}&lt;br /&gt;
{{S|26}} Laban sagte zu Jakob: „Was hast du getan&amp;lt;ref name=&amp;quot;was&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;Was hast du getan!?&#039;&#039; + &#039;&#039;Warum&#039;&#039; - Ironie: In [[Genesis 29#s25 |Gen 29,25]] hatte Jakob Laban mit diesen Worten dafür angeklagt, dass er ihm seine Tochter Lea gegeben hatte. Nun klagt ihn Laban mit den selben Worten dafür an, dass dieser ihm seine Töchter genommen hat.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;Was hast du getan&#039;&#039; und die beiden folgenden &#039;&#039;Warum&#039;&#039;-Fragen sind rhetorische Fragen, mit denen im Heb. standardmäßig Anklagen formuliert werden (vgl. Boecker 1970, S. 31.42; Mabee 1980, S. 196). Treffender ist daher normalerweise etwas wie: „Wie konntest du nur!?“ In unserem Kapitel ist es aber wahrscheinlich bedeutsam, dass Laban nur in Fragen spricht, s. die Anmerkungen.&amp;lt;/ref&amp;gt; – hast mein Herz gestohlen&amp;lt;ref name=&amp;quot;Herz&amp;quot; /&amp;gt; und meine Töchter [fort]getrieben wie (Schwert-Gefangene=) Kriegsgefangene!?&lt;br /&gt;
{{S|27}} Warum&amp;lt;ref name=&amp;quot;was&amp;quot; /&amp;gt; hast du (dich versteckt, um zu fliehen=) verborgen, dass du fliehen willst, und mich bestohlen, und mir[&#039;s] nicht erzählt, so dass ich dich mit Gesang und Liedern und Tamburin und Leier (fortsenden=) auf die Reise schicken können hätte,&lt;br /&gt;
{{S|28}} und mir nicht ermöglicht (mich nicht [so] verlassen, dass...?),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;mir nicht ermöglicht (mich nicht [so] verlassen, dass...)&#039;&#039; - seltsam. Heb. &#039;&#039;naṭaštani&#039;&#039;. &#039;&#039;naṭaš&#039;&#039; heißt sonst nur „verlassen, zurücklassen“, auch im Aramäischen. „Erlauben“, wie auch VUL übersetzt, wäre heb. &#039;&#039;natan&#039;&#039;. Greenfield 1981, S. 129; Hamilton 1995 und Bompiani 2014, S. 46 erklären als Aramäismus: Aram. &#039;&#039;šebaq&#039;&#039; heißt sowohl „verlassen“ als auch „zulassen“. Aber anders als in TgO.N.G und Syr steht hier ja gar nicht &#039;&#039;šabaq&#039;&#039;? LXX („ich war nicht würdig“) legt nahe, dass auch den alten Übesetzer das Wort Schwierigkeiten bereitete. Vielleicht richtiger nach TgJ („warum hast du nicht gewartet“): „Warum hast mich nicht [&#039;&#039;so&#039;&#039;] verlassen, dass ich meine Enkel und Töchter küssen können hätte?“, und Tg, Syr und danach VUL wären dann als bloße Übersetzungs-Aramäismen zu beurteilen. So deutet aber niemand.&amp;lt;/ref&amp;gt; meine (Söhne=) Enkel und meine Töchter zu küssen!? (Nun hast=) Also, da hast du dich töricht verhalten, [so] zu handeln!&lt;br /&gt;
{{S|29}} Es (wäre=) läge in der Macht meiner Hand (?),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Es läge in der Macht meiner Hand&#039;&#039; - etwas unklarer Ausdruck. Was er ungefähr bedeutet, ist klar, da er auch in [[Deuteronomium 28#s32 |Dtn 28,32]]; [[Nehemia 5#s5 |Neh 5,5]]; [[Sprichwörter 3#s27 |Spr 3,27]] und [[Micha 2#s1 |Mi 2,1]] in diesem Sinn verwendet wird. S. genauer zu [[Micha 2#s1 |Mi 2,1]]: Am ehesten ist wörtlich aufzulösen: „Meine Hand (ist=) wirkt für die Gottheit“. Mitzuhören ist dann: „darum führt diese Gottheit meine Hand auch“. Zur Idee vgl. z.B. [[Jesaja 45#s1 |Jes 45,1]]: Gott spricht zu seinem Gesalbten, „den ich an der rechten Hand genommen habe, um Nationen vor ihm niederzuwerfen“. Auch Ahnen können derart die Hände ihrer Nachfahren führen, s. [[Genesis 49#s24 |Gen 49,24]]. Dass Laban sich gerade dieses Ausdrucks bedient, ist dann hochironisch: Gerade das gilt ja nicht, wie der Rest des Verses zeigt.&amp;lt;br /&amp;gt;Dass der Ausdruck stets in Rechtskontexten vorkomme und daher soviel bedeute wie „ich bin befugt, X zu tun“ (Fokkelman 1975, S. 169; ähnlich Mabee 1980, S. 198 FN 15) ist schlicht falsch; ein solcher Kontext ist außer an unserer Stelle sogar &#039;&#039;nie&#039;&#039; zu erkennen.&amp;lt;/ref&amp;gt; mit euch böse (übel) zu handeln. Aber der Gott eurer Väter hat gestern zu mir gesprochen {wie folgt}: ‚Hüte dich, zu sprechen mit Jakob von Gut bis Böse (Übel)!‘&amp;lt;ref name=&amp;quot;gutböse&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|30}} Nun also: (Du bist gehend gegangen weil du verlangend verlangtest nach deinem Vaterhaus=) Ich versteh&#039; schon, du musstest gehen! Du hattest Verlangen nach deinem Vaterhaus, na klar! [Aber] warum&amp;lt;ref name=&amp;quot;was&amp;quot; /&amp;gt; hast du meine Götter gestohlen!?“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|31}} Jakob antwortete: „Weil ich mich fürchtete.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Der vorangehende Satz fehlt in LXX, wohl wegen Homoiarkton (richtig BHQ): „&#039;&#039;&amp;lt;s&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Weil&#039;&#039;&#039; ich mich fürchtete.&amp;lt;/s&amp;gt; &#039;&#039;&#039;Weil&#039;&#039;&#039; ich sagte...&#039;&#039;“&amp;lt;/ref&amp;gt; Weil ich [mir] sagte: Dass du mir [nur] nicht deine Töchter bei mir raubst ([und alles, was mir gehört])!&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;und alles, was mir gehört&#039;&#039; nur nach LXX; gewiss Angleichung an V. 21 wie in V. 18. In den folgenden Versen hat LXX den Text so gewaltig umgeschrieben, dass auf die einzelnen Varianten nicht eigens eingegangen wird; s. BHQ.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|32}} Bei wem du [allerdings] deine Götter findest, der soll nicht (leben=) am Leben bleiben! (Gegenüber=) Angesichts unserer Brüder identifiziere {dir}, was [von dir] bei mir [ist], und nimm[&#039;s] dir!“ Jakob wusste [nämlich] nicht, dass Rahel sie gestohlen hatte. {{par|Genesis|44|9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|33}} Da ging Laban ins Zelt von Jakob und ins Zelt von Lea und ins Zelt der beiden Mägde,&amp;lt;ref&amp;gt;Das &#039;&#039;Zelt der beiden Mägde&#039;&#039; stört; laut dem nächsten Satz geht Laban ja direkt vom Zelt von Lea ins Zelt von Rahel. Entweder ist ist diese Phrase spätere Ergänzung eines überkorrekten Schreibers (Boecker 1992, S. 90; Tröndle 2023, S. 183) oder der erste Satz von V. 33 ist nicht chronologisch gemeint, sondern nur eine Aufzählung: „Er ging in die Zelte von Jakob und Lea und den beiden Mägden, fand aber nichts. Als er [am Ende] Leas Zelt verließ, ging er ins Zelt von Rahel“ (ähnlich Steinmann 2019). Oder schließlich der Beginn von V. 33 ist nur die Kurzfassung der Episode, bei der das kritische Geschehnis ausgespart wurde, um es sogleich ausführlich nachzuliefern: „In den Zelten von Jakob, Lea und den beiden Mägden fand er nichts. Aus dem Zelt von Lea ging er aber ins Zelt von Rahel.“ Kommunikative Bibelübersetzungen sparen wegen dieser Schwierigkeit in der Regel den ganzen zweiten Satz aus (HfA) oder ersetzen ihn durch etwas wie „Dann ging er in Rahels Zelt“ (GN, NeÜ, NL).&amp;lt;/ref&amp;gt; aber fand nichts. Er ging hinaus&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;er fand nichts. Er ging hinaus&#039;&#039; - Klangspiel: &#039;&#039;(lo`) maṣa` (waj-)jeṣe`&#039;&#039;, das eine Wort von &#039;&#039;maṣa`&#039;&#039; („finden“), das andere von &#039;&#039;jaṣa`&#039;&#039; („hinausgehen“) – nun wird es also kritisch.&amp;lt;/ref&amp;gt; aus dem Zelt von Lea und kam ins Zelt von Rahel.&lt;br /&gt;
{{S|34}} Rahel indes hatte die Terafim genommen, sie in den Kamel-Sattel&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Kissensattel 2.png|mini|Bild 3: Kamelreiter auf Kissensattel. Relief aus Tell Halav, 9./8. Jhd. (c) [https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:Syrian_-_Slab_with_Dromedary_Rider_from_Tell_Halaf_-_Walters_2115.jpg Wikimedia]]]&amp;lt;div class=&amp;quot;tright&amp;quot; style=&amp;quot;clear:none&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Kissensattel.png|mini|Bild 1: Kamelreiter und Pferdereiter. Assyrisches Siegel, 6./5. Jhd. v. Chr. (c) [https://www.britishmuseum.org/collection/object/W_1925-0613-1 BM, 117716]]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Kissensattel 3.jpg|mini|Bild 2: Psyche reitet auf beladenem Kamel. Griechisches Relief, 3. Jhd. v. Chr. (c) [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Psyche_on_a_camel.jpg Wikimedia]]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;Historisch voraussetzen müssen wir beim &#039;&#039;Kamel-Sattel&#039;&#039; entweder den südarabischen Sattel oder den Kissensattel, vgl. Bulliet 1975, bes. Kapitel 3. Dass Rahel die Terafim im Sattel verstauen und sich danach auf &#039;&#039;sie&#039;&#039; setzen kann, macht sehr wahrscheinlich, dass ein Kissensattel gemeint ist, wie er rechts auf Bild 1 abgebildet ist: eine dicke Matte und darauf ein Kissen, die mit Seilen o.Ä. an das Kamel gezurrt wurden. Transportgüter wurden dann wiederum z.B. in Satteltaschen an diesem Konstrukt befestigt (s. Bild 2). Ein solcher Kissensattel ist auch auf dem Relief aus Tell Halav abgebildet (Bild 3, vgl. ebd., S. 80); der Reiter sitzt dort also nicht auf einer „Box“ (so Sarna 2001; Waltke/Fredricks 2001; Cook 2011), so schön das auch zu unserer Erzählung passen würde. Der nordarabische Sattel, an den z.B. Galambush 2018 zu denken scheint, wenn sie darauf hinweist, Kamelsattel hätten Füße (gleich Stühlen), kam erst ab dem 5. Jhd. v. Chr. auf (vgl. ebd., S. 87).&amp;lt;br /&amp;gt;Im Alten Israel schlief man für gewöhnlich auf dem bloßen Boden und deckte sich mit seinem Mantel zu, zumal auf Reisen. Ein Kissensattel war also im Verhältnis dazu sehr bequem und wirklich eine gute Sitz- oder Liegegelegenheit für eine Frau mit Menstruationsbeschwerden.&amp;lt;/ref&amp;gt; gelegt und sich auf sie gesetzt. Laban betastete das ganze Zelt,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;betastete das ganze Zelt&#039;&#039; - symbolisch: Wie der blinde Isaak in [[Genesis 27#s22 |Gen 27,22]] im Zelt nach seinem Sohn „tasten“ musste und dabei getäuscht wurde, so muss nun Laban im Zelt „herumtasten“ und wird ebenso getäuscht (gut Turner 2000b). Der Hellseher Laban ist durch den Diebstahl seiner Terafim zum Blindfisch degradiert worden.&amp;lt;/ref&amp;gt; aber er fand nichts:&lt;br /&gt;
{{S|35}} Rahel sagte zu ihrem Vater: „Es (erzürne=) gereiche nicht zum Zorn in den Augen meines Herrn,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;es erzürne nicht in den Augen meines Herrn&#039;&#039; - Hier und in [[Genesis 45#s5 |Gen 45,5]] offenbar Kombination aus „&#039;&#039;es erzürne nicht&#039;&#039; den Zorn &#039;&#039;meines Herrn&#039;&#039;“ ([[Genesis 44#s18 |Gen 44,18]]; [[Exodus 32#s22 |Ex 32,22]]; [[Richter 6#s39 |Ri 6,39]]) und „es sei nicht böse &#039;&#039;in den Augen meines Herrn&#039;&#039;“ ([[Genesis 21#s12 |Gen 21,12]]; [[Genesis 38#s10 |38,10]]; [[Genesis 48#s17 |48,17]]). Soll die Formulierung hyper-höflich sein? Dass Rahel ihren Vater in der 3. Pers. als „mein Herr“ anspricht, ist jedenfalls eine (häufige) Höflichkeitsstrategie.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: LXX („Nicht führe es bei meinem Herrn zu Beleidigung“) kann frei übersetzt haben (richtig Wevers 1993, S. 514f.), aber VUL und Syr („mein Herr zürne mir nicht“ / „es erzürne meinen Herrn nicht“) setzen wahrscheinlich wirklich nur die erste Redensart voraus; TgN dagegen übersetzt, als stünde die zweite. SamP, TgJ und TgO stützen MT; wahrscheinlich haben also LXX, VUL, Syr und TgN alle auf drei unterschiedliche Weisen versucht, mit der unerwarteten Formulierung zurechtzukommen. Die Varianten fehlen merkwürdigerweise in jeder textkritischen Edition.&amp;lt;/ref&amp;gt; dass ich nicht aufstehen kann vor (deinem Gesicht=) deinen Augen, weil mir[s gerade nach] der Weise der Frauen (ist=) ergeht.“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;es ergeht mir gerade nach der Weise der Frauen&#039;&#039; - w. „mir ist der Weg der Frauen“, d.h. wahrscheinlich: „Ich habe gerade meine Menstruation“ (vgl. ähnlich [[Genesis 18#s11 |Gen 18,11]]). Tur erwägt hier und Ramban zu Gen 18, ob „der Pfad/Weg der Frauen“ nicht statt der Menstruation die Schwangerschaft sein könnte, aber das hat schon unter den jüd. Auslegern keine Anhänger gefunden.&amp;lt;br /&amp;gt;Dass Rahel gerade ihre Tage hat, stimmt natürlich nicht; Rahel ist gerade schwanger (vgl. Herr 1998; Friedman 2001). Mitzuhören ist bei dieser Ausrede entweder, dass sie wegen ihrer angeblichen Menstruation zu sehr geschwächt ist um aufzustehen (Hamilton 1995, wahlweise schon Ramban) oder dass sie es nicht wagt, aufzustehen, weil sie in ihrer Unreinheit ihrem Vater nicht zu nahe kommen will (Krauss / Küchler 2004, schon Rabbenu Bahja und wahlweise Ramban). Letzteres nämlich ist sicher der Clou ihres Handelns: In der Vorstellung der alten Israeliten waren menstruierende Frauen „unrein“, und diese Unreinheit würde alles „infizieren“, womit sie in Berührung kam – inklusive ihrem Vater (s. [[Leviticus 15#s19  |Lev 15,19]]) und allem, worauf sie saß oder lag (s. [[Leviticus 15#s23 |Lev 15,23]]).&amp;lt;br /&amp;gt;Dass Rahel ihre Unreinheit nur vortäuscht, ändert nichts daran, dass sie mit ihrem Handeln die Heiligkeit von Terafim massivst mit Füßen tritt: Die Götterbilder werden degradiert zu Damenbinden (Fokkelman 1975, S. 170).&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;So suchte er, fand aber die Terafim nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|36}} Da (erzürnte=) packte der Zorn den Jakob&amp;lt;ref&amp;gt;In &#039;&#039;Vv. 36-42&#039;&#039; sind viele Sätze und Phrasen parallel gebaut, was typisch für biblische Poesie wäre, und viele haben auch die richtige Länge für biblische Poesie. Alter 1996 hält diese Verse daher rundweg für ein Gedicht, die meisten bestimmen sie stattdessen als etwas wie „lange Rede in fast dichterischem Stil, sogar mit rhythmischer Gestaltung“ (Boecker 1992), „fast Poesie“ (Waltke/Fredricks 2001), „metrische Kunstprosa, bei denen manche Zeilen reine Poesie sind“ (Fokkelman 1975, S. 171.173). Wir geben sie daher zeilenweise wieder, formatieren aber nicht als Gedicht. Noch leichter als Poesie lassen sich Vv. 43f. deuten, die auch ebenso eingeleitet werden wie Vv. 36-42. Seltsamerweise sind diese noch nicht als Poesie oder „fast Poesie“ verstanden worden. Wir haben sie daher ebenso formatiert.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und er klagte an (stritt mit, focht an) Laban:&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es antwortete Jakob&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{Und er sagte zu} Laban:&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Worin habe ich mich vergangen&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
und ({und})&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Die Konjunktion fehlt nur in MT und TgO; alle anderen Versionen und auch viele heb. Handschriften bezeugen sie. Bei dieser Masse an Zeugen sollte man gewiss MT als Angleichung an den vorangehenden Satz auffassen (richtig BHS, gegen BHQ).&amp;lt;/ref&amp;gt; worin habe ich gefehlt, {{par|1 Samuel|20|1}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
dass du hergejagt bist hinter mir&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|37}} und ({und})&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Eine ähnliche Differenz wie die in V. 36: Die Konjunktion fehlt in MT, Syr und den Targumim, wird aber bezeugt durch SamP, LXX und VUL. Hier wird die kürzere Variante also stärker bezeugt als in V. 36. Was ursprünglich ist, lässt sich kaum entscheiden; nachdem MT und TgO aber wohl schon in V. 36 eine Konjunktion gestrichen haben, wird man auch hier eher LXX für ursprünglich halten (richtig Ball 1896, gegen BHQ).&amp;lt;/ref&amp;gt; dass du betastet hast all meine Sachen!?&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Was&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Was&#039;&#039; - im Heb. das selbe Fragewort die beiden &#039;&#039;Worins&#039;&#039; in V. 36.&amp;lt;/ref&amp;gt; hast du gefunden von allen Sachen deines Hauses!?&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Leg es dort vor meine Brüder und deine Brüder,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;meine Brüder und deine Brüder&#039;&#039; - In V. 32 hießen sie noch „unsere Brüder“. Jakob und Laban sind endgültig geschiedene Leute (gut Fokkelman 1975, S. 174).&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
und sie sollen urteilen (einen Rechtsentscheid fällen) zwischen uns beiden!&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|38}} 20 Jahre [sind&#039;s] jetzt, [dass] (20 Jahre jetzt, ganze 20 Jahre)&amp;lt;ref name=&amp;quot;zeh&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Heb. &#039;&#039;zéh&#039;&#039; („dies, hier, jetzt“) wird in den Gramamtiken us. gedeutet. „Diese 20 Jahre“, wie viele dt. Üss. übersetzen, ist jedenfalls falsch; das immerhin ist sicher. (1a) [https://en.wikisource.org/wiki/Gesenius%27_Hebrew_Grammar/136._The_Demonstrative_Pronoun#GHGpar-136-d GKC §136d] hält es für eine Partikel zur Emphase von Fragewörtern, ähnlich dem deutschen „Wer &#039;&#039;jetzt&#039;&#039;!?“ statt bloßem „Wer?“. So soll es für ihn auch mit Zahlwörtern zu verstehen sein, und zwar sowohl in Gen 31,38 als auch in Gen 31,41, wo es „von seinem Zahlwort getrennt“ sei. (1b) Dieser Interpretation folgt ungefähr auch Williams §118, der aber in seinen Beispielsätzen jeweils anders übersetzt. [[Genesis 27#s36 |Gen 27,36]] z.B. wäre für Gesenius „zweimal jetzt“ zu übersetzen, für Williams dagegen „wirklich zwei Male; ganze zwei Male“.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) JM §143a dagegen erklärt das Wort an unserer Stelle als ursprüngliches Demonstrativadverb („hier, da, jetzt“), wonach Gen 31,38.41 verblose Sätze wären. Ebenso BrSynt §14bγ; Brockelmann übersetzt daher V. 38 und Joüon V. 41: „20 Jahre sind es jetzt, dass ich bei dir bin“. Dass in V. 41 ein &#039;&#039;li&#039;&#039; („für mich“) zwischen &#039;&#039;zeh&#039;&#039; und „20 Jahre“ steht, spricht sehr stark für die zweite Deutung: „20 Jahre sind es jetzt &#039;&#039;für mich&#039;&#039;, dass ich bei dir bin!“.&amp;lt;/ref&amp;gt; ich bei dir [bin];&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Deine Zibben&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Zibbe&#039;&#039; ist im Heb. &#039;&#039;rahel&#039;&#039;: Deine „Rahels“ hatten keine Fehlgeburt. Das stimmt sogar mit Bezug auf die „echte“ Rahel.&amp;lt;/ref&amp;gt; haben nie (nicht) fehlgeboren,&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
([und])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Wieder eine ähnliche Textdifferenz wie in Vv. 36.37. Hier ist es jetzt aber umgekehrt wie in V. 37: MT, Syr und die Targumim bezeugen „und“, SamP, LXX und VUL die kürzere Variante. Was ursprünglich ist, lässt sich nicht entscheiden. Da die Zeile aber parallel sowohl mit der vorangehenden &#039;&#039;als auch&#039;&#039; mit der folgenden steht, ist die kürzere Variante eher zu erwarten.&amp;lt;/ref&amp;gt; die Böcke deines Kleinviehs habe ich nie (nicht) gegessen;&amp;lt;ref&amp;gt;Entweder setzt diese Zeile voraus, dass Hirten das Recht hatten, Böcke zu essen, dass aber Jakob von diesem Recht keinen Gebrauch gemacht hat (soe Boecker 1992), oder Jakob weist von sich, unberechtigt Labans Böcke gegessen und dies dann z.B. als Raub durch wilde Tiere ausgegeben zu haben. Weil wir von einem solchen Hirtenrecht sonst nichts wissen und es überraschend wäre, wenn es ein solche gäbe, liegt die zweite Deutung näher. Dass ein Hirte in beiden Fällen die Böcke und nicht die Zibben gegessen hätte, ist jedenfalls klar; um eine Herde anwachsen zu lassen, brauchte es weniger Böcke als Zibben (richtig Steinman 2019).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|39}} Gerissenes&amp;lt;ref&amp;gt;d.h. „von wilden Tieren &#039;&#039;Gerissenes&#039;&#039;“ im Gegensatz zu „vom Hirten Gegessenes“.&amp;lt;/ref&amp;gt; brachte ich nicht zu dir:&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wenn ich es verlor (verletzte; ich musste es ersetzen, du...?; ich musste es bezahlen, du...?),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;verlor (verletzte; ersetzen?, bezahlen?)&#039;&#039; - In orientalischen Hirtenverträgen wird gelegentlich unterschieden zwischen Tieren, die durch höhere Gewalt (wie Raubtiere oder Seuchen) verloren gingen und Tieren, die durch eigenes Verschulden des Hirten verloren wurden. Erste mussten Hirten den Besitzern nicht erstatten, letztere schon (s. [[Exodus 22#s9 |Ex 22,9-12]]; Codex des Hammurapi §266f.; vgl. Finkelstein 1968). Um von der Schuld am Tod eines Tieres freigesprochen zu werden, musste der Hirte daher seine Überreste zum Besitzer bringen und einen Eid schwören, dass dieses Tier ohne sein Verschulden gestorben war. Das ist hier gemeint mit dem „es zu Laban bringen“. Doch selbst diese Regelung galt nicht beim ausbeuterischen Arbeitgeber Laban: auch gerissene Tiere musste Jakob aus eigener Tasche ersetzen.&amp;lt;br /&amp;gt;Die Standardübersetzung „ich musste es ersetzen“ lässt sich kaum rechtfertigen.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Genauer&#039;&#039;&#039;: Das heb. Wort sieht aus, als sei es eine Form von &#039;&#039;ḥaṭa`&#039;&#039; („sündigen, sich verfehlen“), bei der das Alef ausgefallen ist (vgl. [https://en.wikisource.org/wiki/Gesenius%27_Hebrew_Grammar/23._The_Feebleness_of_the_Gutturals_%D7%90_and_%D7%94#GHGpar-23-f GKC §23f]; so deutet auch TgJ; ibn Ezra). Traditionell wird es nach LXX („zurückzahlen, ersetzen“) und VUL („ersetzen“) übertragen als „ich musste es ersetzen“. Das wird auf zwei unterschiedliche Weisen rechtfertigt:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Loretz 1975, S. 208; Loewenstamm 1978, S. 410 und Milgrom 1991, S. 1084 nehmen nach dem akkadischen &#039;&#039;ḫiāṭu&#039;&#039; („zur Zahlung abwiegen“) eine sonst unbelegte Wurzel &#039;&#039;ḥīṭ&#039;&#039; („bezahlen“) an, wofür Ges18 338 die „herkömmliche“ Übersetzung „ersetzen“ vorschlägt. Es wäre aber merkwürdig, wenn für den fraglichen Vorgang gerade dieses Wort verwendet würde, da Hirten verlorene Schafe nicht in abzuwiegendem Geld ersetzen mussten, sondern so, dass sie mit den ihnen als Lohn übertragenen Schafen verrechnet wurden. Für „erstatten“ ohne diese Spezialbedeutung „Geld abwiegen“ stehen im Heb. mehrere Worte bereit; in Ex 22,10 z.B. &#039;&#039;šalam&#039;&#039;.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Finkelstein 1968, S. 32 macht darauf aufmerksam, dass das akkadische Kognat &#039;&#039;ḫaṭû&#039;&#039; („sich verfehlen, sündigen“) von heb. &#039;&#039;ḥaṭa`&#039;&#039; gelegentlich auch „ein Schaf durch Nachlässigkeit verlieren“ bedeutet, und leitet daraus die Bedeutung „einen Verlust &#039;&#039;wiedergutmachen&#039;&#039; = ersetzen“ ab. Dagegen zurecht Loretz 1975, S. 208: &#039;&#039;Diese&#039;&#039; Bedeutung hat &#039;&#039;ḫaṭû&#039;&#039; nie.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Da beide Optionen nicht einfach sind, ist es die beste Option, Frankena 1972 zu folgen, der von Finkelstein ausgehend näher am Akkadischen bleibt: „Wann immer ich etwas verlor, hast du es dir aus meiner Tasche bezahlen lassen“ – wie dies üblich war, s. bei Finkelstein.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Alternativ hat Landau 2019 kürzlich vorgeschlagen, das Wort nicht nach akk. &#039;&#039;ḫaṭû&#039;&#039; zu deuten, sondern nach &#039;&#039;ḫuṭṭû&#039;&#039; („verletzen“): „Wenn ich ein Tier verletzte, hast du es dir aus meiner Hand erstatten lassen“. Auch das ist ein kluger Vorschlag; für den von Frankena spricht aber, dass er sich leichter mit dem altorientalischen Recht vereinbaren lässt.&amp;lt;/ref&amp;gt;hast du es (jeweils von meiner Hand gefordert=) dir jeweils von mir ersetzen lassen,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[Ob es] Raub des Tages oder Raub der Nacht [war].&amp;lt;ref&amp;gt;Mit dieser Differenzierung von &#039;&#039;Raub des Tages&#039;&#039; und &#039;&#039;Raub der Nacht&#039;&#039; wird gewiss nicht vorausgesetzt, dass Hirten auch für nachts geraubte Tiere nicht belangt wurden (so Finkelstein 1968; Wenham 1994). Besser so: Noch häufiger wird im alten Orient erwähnt, dass es den Hirtenberuf besonders auszeichnete, dass sie nachts wegen der Furcht um ihre Herden keinen Schlaf fanden. Vgl. im Gilgamensch-Epos Zz. 109-112: „&#039;&#039;[Enkidu] nahm seine Waffen, griff die Löwen an; / es legten sich die Hirten jetzt nachts zum Schlafen. / Die Wölfe erschlug er, er überwältigte die Löwen, / es schliefen die großen Hüter&#039;&#039;“ (TUAT III/4 651); Ischum und Erra, Zz. 86f.: „&#039;&#039;Löwe und Wolf vernichten die Herden Schakkans, / der Hirte kommt wegen seines Kleinviehs Tag und Nacht nicht zur Ruhe, er fleht dich an.&#039;&#039;“ (TUAT III/4 786). Die Zeile leitet also bereits über zum nächsten Vers, wo Jakob allgemein über das harte Leben von Hirten klagt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|40}} Ich war [einer, den] tagsüber {mich} die Hitze verzehrte und die Kälte nachts&amp;lt;ref&amp;gt;Ganz merkwürdige Zeile. Mit dem einleitenden „Ich war“ ist nichts anzufangen. Die SF übersetzt nach HKL III §383a, wo die Satzfügung als Relativsatzgefüge ohne Stützwort verstanden wird. Das ist schwerlich zufriedenstellend, aber immer noch die beste Erklärung. In deutschen Übersetzungen greift man meist zur Verlegenheitsübersetzung „So ergings mir: Tagsüber verzehrte mich die Hitze“. Entweder tut man in der LF dies oder lässt das unverständliche „ich war“ aus.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
und {mein} Schlaf floh meine Augen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|41}} 20 Jahre [sind&#039;s] jetzt für mich&amp;lt;ref name=&amp;quot;zeh&amp;quot; /&amp;gt; in deinem Haus;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
ich diente dir 14 Jahre für deine beiden Töchter&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
und sechs Jahre für dein Kleinvieh –&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
und meinen Lohn hast du verändert zehnmal!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|42}} Wäre nicht der Gott meines Vaters, der Gott Abrahams und der Schrecken (Hoden?) Isaaks,&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schrecken&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;Schrecken (Hoden?) Isaaks&#039;&#039; (V. 42) + &#039;&#039;Schrecken (Hoden) seines Vaters Isaak&#039;&#039; (V. 53) - umstrittenste Stellen dieses Kapitels. Offensichtlich ist „&#039;&#039;paḥad&#039;&#039; Isaaks“ eine Bezeichnung für Gott. Wie genau sie zu verstehen ist, wird aber heiß diskutiert. Am besten plausibilisieren lässt sich diese Deutung: Der biblische Gott wird noch häufiger als jemand dargestellt, der nicht nur Ehrfurcht einflößt, sondern insbesondere in Kriegskontexten in der Tat &#039;&#039;schrecklich&#039;&#039; ist. In [[Jeremia 49#s5 |Jer 49,5]] z.B. heißt es: „‚Ich lasse Schrecken über dich kommen von allen her, die um dich herum wohnen‘ – so spricht JHWH, der Herr der Heere!“, und in [[2 Chroniken 20#s29 |2 Chr 20,29]]: „Es entstand Schrecken vor Gott in allen Königreichen der Länder, als sie hörten, dass JHWH gegen die Feinde Israels Krieg geführt hatte.“ Vgl. näher [https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/27305/#h5 Schrecken (WiBiLex)]. Besonders stark gemacht hat das Josef Gikatilla; ein kurzer Auszug aus seinen „Toren des Lichts“: „&#039;&#039;Wisse: Als der Aramäer Laban den Jakob verfolgte und alles entwurzeln wollte, erschien Gott in dieser Weise, um Laban zu entwurzeln und mit ihm zu kämpfen. ... In dieser Weise [Gottes sind enthalten] alle Arten von Feuresbrunst, alle Arten von Kriegsgerät und Werkzeug der Verderbnis, um zu vernichten, zu töten, niederzumachen, zu entwurzeln, durchzuschütteln und niederzumachen!&#039;&#039;“&amp;lt;br /&amp;gt;Auf diesen schrecklichen Gott seiner Familie beruft sich Jakob hier: In V. 42, um Laban zu drohen und dem „Rechtsentscheid“, den Gott damit gefällt hat, dass er Laban im Traum verbot, seinerseits ein Urteil gegen Jakob zu fällen, noch größeres Gewicht zu verleihen (vgl. z.B. ThWAT VI 561; Steinmann 2019; Scholz 2021, S. 119f.); in V. 53, um gerade diese „aggressive Seite Gottes“ für den Nichtangriffspakt bürgen zu lassen.&amp;lt;br /&amp;gt;Das ist ein Gottesbild, das denkbar weit entfernt ist vom „lieben Gott“ heutiger westlicher Christen. Gewiss auch deshalb hat man die Stelle auf viele &#039;&#039;&#039;alternative&#039;&#039;&#039; Weisen zu deuten versucht. Die wichtigsten der noch aktuellen:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Gott heißt nur „Schrecken Isaaks“, weil Isaak sich einmal vor ihm erschreckt hatte (z.B. Recker 2000, S. 236)&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Gott heißt nur „Schrecken“, weil &#039;&#039;Laban&#039;&#039; sich letzte Nacht im Schlaf vor ihm erschreckt hatte (z.B. DDD 330f.; Wenham 1994; Sarna 2001)&amp;lt;br /&amp;gt;(3) „Schrecken“ kann man auch i.S.v. „Ehrfurcht“ verstehen (bes. Becker 1965, S. 178. Auch Goldingay 2020 übersetzt daher „the Reverence of Yiṣḥaq“). Aber das ist unwahrscheinlich, ein möglicher Beleg für diese Bed. des nicht seltenen Worts ist nur [[2 Chroniken 19#s7 |2 Chr 19,7]].&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Auf den ersten Blick absurd, auf den zweiten aber durchaus Ernst zu nehmen: &#039;&#039;paḥad&#039;&#039; ist in [[Ijob 40#s17 |Ijob 40,17]] und gelegentlich auch im Aramäischen mit der Bed. „Hoden“ bezeugt. In [[Genesis 24#s2 |Gen 24,2f.]] und [[Genesis 47#s29 |Gen 47,29]] ist außerdem von einem merkwürdigen Schwur-Gestus zu lesen: Man legte die Hände auf das Gehänge eines Familienoberhauptes und leistete darauf einen Schwur, wie man es heute mit der Verfassung tut. Deutet man unsere Stelle in diesem Sinn, ist „&#039;&#039;paḥad&#039;&#039; Isaaks“ &#039;&#039;kein&#039;&#039; Gottestitel, sondern Jakob beruft sich erstens auf den Gott und zweitens auf die Hoden seines Vaters. Wofür diese dann symbolisch stehen sollen, wird unterschiedlich beschrieben: (4a) für seine Familie und die „ancestral spirits of Isaac“, die in ihr am Wirken sind (Malul 1985, S. 200), (4b) für die „starke Zeugungskraft des Ahnen Isaaks, die auf geheimnisvolle Weise in seinen Nachkommen weiter wirkt“ (nach Koch 1980, S. 113), (4c) für Isaak selbst, der auf geheimnisvolle Weise immer noch anwesend ist (Utzschneider 2019, S. 29).&amp;lt;/ref&amp;gt; für mich gewesen (für mich), dann&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Nicht: „oh, dann“ oder „wahrlich, dann“ (so z.B. Boecker 1992; Hamilton 1995; Tröndle 2023): &#039;&#039;ki ´attah&#039;&#039; leitet standardmäßig die Apodosis nach hypothetischem Vordersatz ein und ist dann nicht besonders emphatisch zu verstehen. S. ebenso [[Genesis 43#s10 |Gen 43,10]]; [[Numeri 22#s29 |Num 22,29.33]]; [[1 Samuel 14#s30 |1 Sam 14,30]]; [[Ijob 8#s6 |Ijob 8,6]]. In [[1 Samuel 13#s13 |1 Sam 13,13]] und [[Ijob 13#s19 |Ijob 13,19]] signalisiert der Ausdruck sogar ohne Vordersatz, dass der so eingeleitete Satz hypothetisch zu verstehen ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; hättest du mich (leer=) mit leeren Händen (fortgesandt=) auf die Reise geschickt! {{par|Deuteronomium|15|13}} Gott hat mein Elend und die Mühsal meiner Hände gesehen&amp;lt;ref&amp;gt;Dass &#039;&#039;Gott sie gesehen&#039;&#039; hat, ist ein häufiger Ausdruck für: „Gott ist mein Elend bewusst geworden, er hat sich daher meiner erbarmt und ist tätig geworden“ – hier nämlich eben in der Weise, dass er Laban im Traum erschien und für Jakob Partei ergriff.&amp;lt;/ref&amp;gt; – und gestern einen Rechtsentscheid gefällt!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|43}} Da antwortete Laban&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{und sagte} dem Jakob:&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die Töchter [sind] meine Töchter&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
und die Söhne [sind] meine Söhne&amp;lt;ref&amp;gt;gemeint sind die &#039;&#039;Söhne&#039;&#039; von Labans &#039;&#039;Töchtern&#039;&#039;, nicht seine eigenen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
und das Kleinvieh [ist] mein Kleinvieh&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und [überhaupt] alles, was du [hier] siehst – mir gehört&#039;s (gehörte [es])!&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Doch (und) meine(n) Töchter(n) – was kann (könnte, werde) ich heute für sie tun (ihnen antun),&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
oder für ihre Söhne (ihren Söhnen), die sie geboren haben?&amp;lt;ref&amp;gt;Die Logik von &#039;&#039;Vv. 43f.&#039;&#039; ist v.a. auch wegen diesen beiden Zeilen 43gh nicht sehr klar. Wahrscheinlich muss man die Zeilen mithilfe der Textgeschichte des Kapitels erklären; dann ist der Sinn klar (s. die Anmerkungen). Deutet man ihre Funktion nur im Rahmen des Kapitels, nicht: Heb. &#039;&#039;´aßah la-&#039;&#039;X kann sowohl negativ heißen „jemandem etwas antun“ (z.B. [[Numeri 22#s2 |Num 22,2]]), neutral „etwas mit jemandem tun“ (z.B. [[Exodus 29#s1 |Ex 29,1]]) und postitiv „etwas für jemanden tun“ (z.B. [[2 Chroniken 7#s10 |2 Chr 7,10]]). Wie verhalten sich also 43c-f, 43gh und 44 zueinander? –&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Lenkt Laban schon in 43c ein? – „[Da kann ich wirklich nichts mehr dagegegen sagen.] Und alles, was du da bei dir hast, stammt ja von mir. Insbesondere meine Töchter und deren Söhne. Was kann ich daher heute für sie tun? Ich weiß: Lass uns ein Bündnis schließen!“ (ähnlich z.B. Thompson 2002, S. 279)&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Besteht Laban trotzdem darauf, dass alles ihm gehört, lenkt dann aber ein, weil er seinen Töchtern ja nichts antun möchte? – „Das alles ist und bleibt eigentlich meins, du Räuber! Aber naja, wie könnte ich meinen Töchtern etwas antun? Darum lass uns einen Vertrag schließen!“ (so z.B. Vrolijk 2011, S. 205).&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Ist 43c-f verächtlich gesprochen? – „Pah, du Niemand! Ohne mich hättest du weder Frauen noch Söhne... Aber wenn es sich nun schon so verhält: Was könnte ich dann immerhin heute noch für meine Töchter tun, bevor ich sie endgültig dir zum Wohl und Weh ausliefern muss? Hm... vielleicht ein Bündnis?“ (so z.B. Sarna 2001)&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Ruft Laban weinerlich: „Aber das gehört doch alles mir! Was könnte ich nur für meine Töchter tun!? Dann bitte, lass uns immerhin ein Bündnis schließen!“ (so z.B. Wenham 1994)&amp;lt;br /&amp;gt;(1) ist nicht sehr wahrscheinlich, da man 43c-f eher nicht so hören würde. Die anderen Optionen sind aber alle gut möglich. (2) hat die meisten Anhänger; v.a. glaubt die große Mehrheit der Ausleger, dass Laban hier durchaus noch ein letztes Mal seine Besitzansprüche erklärt (wenn auch vielleicht nur noch, um sein Gesicht zu wahren). In der LF sollte man daher am besten nach (2) übersetzen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|44}} (und nun=) Nun denn, komm!&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Lass uns ein Bündnis (schneiden=) schließen – ich und du;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Das&#039;&#039; - das Schließen des Bündnisses, nicht das Bündnis selbst: „Bündnis“ ist im Heb. feminin, das Verb maskulin. Daraus erklärt sich R-S, die nach Raschi annehmen, der ungenannte &#039;&#039;Gott&#039;&#039; sei Subjekt („Der Herr sei Zeuge zwischen mir und dir“). Anders B-R („&#039;&#039;etwas&#039;&#039; sei da zu einem Zeugen“) und besonders gut BB, bei der sich sehr glatt der nächste Vers anschließt: „Aber wir brauchen einen Zeugen für den Vertrag zwischen uns. (Da nahm Jakob einen Stein...)“. Aber dafür hätte man gewiss &#039;&#039;wehajah ´ed&#039;&#039; geschrieben („ein Zeuge sei“), nicht &#039;&#039;wehajah la´ed&#039;&#039; („X sei &#039;&#039;als&#039;&#039; Zeuge“).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: BHS und z.B. Westermann 1981 und Boecker 1992 haben alternativ angenommen, hier sei ein Satz entfallen wie „Lass uns einen Steinhaufen errichten (und &#039;&#039;der&#039;&#039; sei Zeuge...)“. Dafür gibt es keine Hinweise in den Versionen. So unter dt. Üss. auch nur ZÜR 31.&amp;lt;/ref&amp;gt; [diene als] Zeuge zwischen mir und dir!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|45}} Da nahm Jakob einen Stein und errichtete ihn [als] Mazzebe.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Mazzebe&#039;&#039; - also als Gedenkstein, der hier wie auch in [[Exodus 24#s4 |Ex 24,4]] symbolisch für ein Bündnis und gleichzeitig wie auch in [[Jesaja 19#s19 |Jes 19,19]] und wahrscheinlich auch [[1 Samuel 7#s12 |1 Sam 7,12]] (s. Vv. 11-13) zur Markierung einer Landesgrenze dienen soll. Für ein Bsp. s. die Anmerkungen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|46}} Und Jakob sagte zu seinen Brüdern:&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;seine Brüder&#039;&#039; - also die Verwandten Labans wie in V. 37. „Brüder“ ist im Alten Orient aber auch ein stehender Begriff für Bündnispartner und wird hier gewiss mindestens auch in diesem Sinn verwendet.&amp;lt;/ref&amp;gt; „Sammelt Steine!“&amp;lt;br /&amp;gt;Da nahmen (sammelten)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Bei den meisten Textzeugen „nahmen“ wie in V. 45, nach LXX und TgJ aber „sie sammelten“. Ob „Sammeln“ oder „Nehmen“ Angleichung an V. 45, lässt sich nicht entscheiden. Aber LXX ist in den folgenden Versen, in denen sie sich sehr stark vom MT unterscheidet, fast sicher sekundär (Boecker 1992 und Ruppert 2005 halten dort jeweils LXX für den ursprünglichen Text, aber die Unterschiede lassen meist gut erklären; s. z.B. bei Tröndle), darum sollte man sich besser auch hier am MT orientieren. Wieder werden im Folgenden die einzelnen Unterschiede von LXX nicht einzeln verzeichnet; s. dafür BHQ.&amp;lt;/ref&amp;gt; sie Steine und machten einen Haufen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Steinhaufen&#039;&#039; - eine andere Form von Steinmonument, errichtet aus aufeinandergehäuften Feldsteinen. Wird manchmal auch als „Cairn“ bezeichnet; das bekannteste (aber untypische) Beispiel aus Israel heißt daher „Jethro&#039;s Cairn“, den man z.B. [https://youtu.be/_g34w96yA9k?t=54 in diesem YouTube-Video] schön sehen kann. S. noch nächste FN.&amp;lt;/ref&amp;gt; Beim (auf dem)&amp;lt;ref&amp;gt;Natürlich nicht „&#039;&#039;auf dem&#039;&#039; Haufen“, wie meist übersetzt wird. Ein typischer bronzezeitlicher Cairn hatte den Durchmesser von 1m; er war außerdem ein heiliger Ort, der Gott vorbehalten war und auf dem daher wahrscheinlich auch Libationen als Opfer darbegracht wurden (vgl. Avner 1984, S. 127). So auch hier: Der Cairn ist nicht nur „Denkmal“ (V. 48) für ihren Vertrag, sondern soll in V. 49 auch als „Aussichtsplattform“ für Götter dienen, die über diesen Vertrag wachen sollen – &#039;&#039;diese&#039;&#039; stellte man sich also „auf dem Haufen“ vor. Cairns der Bronzezeit begegnen meist in reihenförmigen Gruppen, manchmal auch noch gemeinsam mit freistehenden Miniatur-„Mauern“. Damit war ein Cairn als Teil einer Cairn-Reihe oder -Mauer äußerst gut dafür geeignet, Landesgrenzen u.Ä. zu markieren.&amp;lt;/ref&amp;gt; Haufen aßen sie auch.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;aßen sie auch&#039;&#039; - Gemeint ist wahrscheinlich schon hier das Mahl in V. 54 (richtig Wenham 1994; Krauss / Küchler 2004).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|47}} Laban nannte ihn [auf Aramäisch] „Jegar-Sahaduta“ (=Steinhaufen/Altar des Zeugnisses) und Jakob nannte ihn [auf Hebräisch]  „Gal-Ed“ (=Steinhaufen-Zeugnis),&lt;br /&gt;
{{S|48}} (und=) denn Laban sagte: „Dieser Haufen [sei] (heute=) von heute an Zeuge zwischen mir und dir!“ Darum nennt man (nannte er)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;nennt man (nannte er)&#039;&#039; - Prima vista „er nannte ihn“ . Das macht nach V. 47 keinen Sinn, das Verb ist daher impersonal (vgl. [https://en.wikisource.org/wiki/Gesenius%27_Hebrew_Grammar/144._Peculiarities_in_the_Representation_of_the_Subject_(especially_in_the_Verbal-clause)#GHGpar-144-b GKC §144b]; richtig z.B. Boecker 1992; Hamilton 1995; Tröndle 2023). In diesem Kapitel wurde diese Form aber wahrscheinlich bewusst gewählt, s. die Anmerkungen.&amp;lt;/ref&amp;gt; seinen Namen: „Gal-Ed“&amp;lt;ref&amp;gt;Darum, weil erstens Jakob ihn so nannte, und dies tat er zweitens wiederum deshalb, weil Laban ihn zum „Zeugen“ bestimmte: „Haufen“ ist heb. &#039;&#039;gal&#039;&#039;, „Zeuge“ ist &#039;&#039;´ed&#039;&#039;. Der Name ist gleichzeitig Volksetymologie für die Region des Vertragsschlusses, also „Gilead“, was tatsächlich aber wahrscheinlich „rauhes Bergland“ bedeutet (vgl. [https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/200683#h0 Gilead (WiBiLex)]).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|49}} und „Aussichtsplattform“ (Mizpa?)&amp;lt;ref&amp;gt;Meist übersetzt mit „&#039;&#039;Mizpa&#039;&#039;“. Das Wort ist der heb. Begriff für „Aussichtsplattformen“ oder „Wachtürme“. Nach solchen Plattformen waren viele Orte benannt; allein in der Bibel sind ungefähr sechs &#039;&#039;Mizpa&#039;&#039;s belegt, vielleicht noch mehr, vielleicht auch weniger (vgl. z.B. [https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/27913/ Mizpa/Mizpe (WiBiLex)]). Eines der unsicheren &#039;&#039;Mizpas&#039;&#039; ist &#039;&#039;Mizpe-Gilead&#039;&#039; in [[Richter 11#s29 |Ri 11,29]], das man nach [[Richter 10#s17 |Ri 10,17]] anscheinend auch nur „Mizpa“ nennen konnte und das man für gewöhnlich in die Nähe des Flusses Jabbok verortet. Manche Ausleger glauben wegen diesen Versen, es solle in unserem Kapitel nicht nur mit V. 48 „Gilead“ volksetymologisch erklärt werden, sondern außerdem mit V. 49 auch dieses „Mizpe“, oder sogar mit Vv. 48f. insgesamt der Doppelname des Ortes „Mizpe-Gilead“, und verorten deshalb die Handlung des Vertragsschlusses an den Jabbok (für eine Karte s.o.; so z.B. Winnett 1965, S. 8; Ottosson 1969, S. 41-46; Hamilton 1995). Verwandt ist eine Überlegung, die davon ausgeht, dass unser Abschnitt der Jakobserzählung eine uralte Tradition bewahrt habe, die den tatsächlichen Grenzverlauf noch vor der Zeit der Omriden voraussetze, und aus diesem Grund würde hier die Grenze zwischen Israel und Aram nicht wie üblich an den Jarmuk, sondern an den Jabbok verortet (so bes. klar z.B. Finkelstein 2016, S. 20f.). Aber Finkelstein hat hier Unrecht; der letzte Abschnitt von Kap. 31 ist mitnichten eine volkstümliche Erzählung, sondern offensichtlich eine streng durchkomponierte literarische Konstruktion (s. die Anmerkungen). Zur These von Winnett &amp;amp; Co. zwingt dann nichts, und geographisch liegt sie fern. Besser ist das Wort daher nicht mit der Mehrheit als Ortsname &#039;&#039;Mizpa&#039;&#039; / &#039;&#039;Mizpe&#039;&#039; zu verstehen, sondern als Klassennomen zur Funktionsbestimmung des Steinhaufens (wie z.B. Wenham 1994 deutet). Auch LXX, die &#039;&#039;Mizpa&#039;&#039; und &#039;&#039;Mizpe&#039;&#039; sonst stets transkribiert, übersetzt einzig hier mit „Aussicht“, wie auch alle anderen Versionen deuten (Syr ebenso; TgO.J.N.C wählen mit &#039;&#039;sakuta`&#039;&#039; und &#039;&#039;ṣapita`&#039;&#039; jeweis andere Worte für „Wachturm“ als MT mit &#039;&#039;miṣpah&#039;&#039;). Der Artikel vor dem Wort, mit dem z.B. Tal in BHQ 157* für das Selbe argumentiert, ist aber kein gutes Argument: Die meisten Mizpas haben ungewöhnlicherweise Artikel, weil fast sicher all diese Ortsnamen nach natürlichen Formationen oder ähnlichen Monumenten wie unserem Steinhaufen benannt waren.&amp;lt;/ref&amp;gt;, weil er [außerdem] sagte: „JHWH halte Aussicht zwischen mir und dir, auch wenn (ein Mann von seinem Freund=) einer vom anderen verborgen ist!&lt;br /&gt;
{{S|50}} Wenn du meine Töchter bedrückst (vergewaltigst) oder wenn du Frauen zusätzlich zu meinen Töchtern nimmst – [auch, wenn] niemand bei uns ist, siehe, Gott [sei (ist) dann] Zeuge zwischen mir und dir!“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Wenn du bedrückst ... oder nimmst&#039;&#039; - abgebrochene Fluch-Formel; diese Konstruktion gibt es häufig in der Bibel (z.B. [[Nehemia 13#s25 |Neh 13,25]]; [[Psalm 95#s11 |Ps 95,11]]; [[Psalm 132#s3 |132,3-5]]; [[Hohelied 2#s7 |Hld 2,7]]; [[Jeremia 22#s6 |Jer 22,6]] u.ö.).&amp;lt;br /&amp;gt;Die Fortsetzung &#039;&#039;Gott [sei (ist) dann] Zeuge zwischen mir und dir!&#039;&#039; entspricht nicht ganz einem deutschen „dann gnade dir Gott“; die „Zeugenschaft“ Gottes muss man sich konkreter vorstellen (s. die Anmerkungen). Besser übersetzt man daher „sei“, nicht wie üblich „ist“. Selbst dann, wenn „niemand bei uns ist“, also gar kein Gerichtskontext gegeben ist, soll Gott seiner Aufgabe als Zeuge nachkommen.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: LXX und VUL haben die Logik dieses Satzes nicht verstanden und ihn daher umgebaut: „außer Gott gibt es bei uns keinen Zeugen“. Das ist zweifellos nicht ursprünglich.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|51}} [Weiterhin] sagte Laban zu Jakob: „(Siehe diesen Haufen und siehe, diese Mazzebe=) Der Haufen hier und die Mazzebe hier, die ich aufgestellt habe zwischen mir und dir: &lt;br /&gt;
{{S|52}} Zeuge [sei] dieser Haufen und Zeugin [sei] die Mazzebe: Wenn ich nicht ({nicht}?) überschreite zu dir (diesen Haufen=) die Grenze bei diesem Haufen und wenn du nicht ({nicht}?) überschreitest zu mir (diesen Haufen und diese Mazzebe=) die Grenze bei diesem Haufen und dieser Mazzebe als Freund (zum Bösen?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Schwieriger Vers. Hier steht die selbe abgebroche Schwurformel wie in V. 50, nur negativ. Vv. 50-53 haben also die Struktur: „Wenn du X tust, dann gnade dir Gott! Wenn ich und du &#039;&#039;nicht&#039;&#039; Y tun, dann gnade uns Gott!“ Y aber ist hier: „die Grenze &#039;&#039;zum Bösen&#039;&#039; überschreiten“. Gesagt wird hier also offenbar: „Du sollst keinesfalls meine Töchter bedrücken, und wir sollen unbedingt die Grenze zum jeweils anderen zum Bösen überschreiten.“ Das macht natürlich keinen Sinn. Fast alle übersetzen daher etwas wie „Dieser Haufen und die Mazzebe seien Zeugen, &#039;&#039;dass&#039;&#039; wir diese Grenze nicht zum Bösen überschreiten.“ Aber das gibt der hebräische Text nicht her. BHS; Conklin 2011, S. 17 u.a. wollen daher stattdessen die beiden „nicht“ streichen, so dass gesagte würde: „Wenn du meine Töchter bedrückst, gnade dir Gott! Und wenn wir die Grenze des jeweils anderen zum Bösen überschreiten, dann gnade uns Gott!“ Aber das ist beliebig; alle Textzeugen bezeugen beide Male „nicht“. Lies daher mit Jub 29,7 nicht &#039;&#039;la-ra´ah&#039;&#039; („zum Bösen, in böser Absicht“), sondern &#039;&#039;la-re´eh&#039;&#039; („als Freund, in freundschaftlicher Absicht“; zu dieser Verwendung von Lamed vgl. Giesebrecht 1876, S. 49 unten. Die Differenz fehlt in BHQ). Hier wird also ein Nichtangriffspakt geschlossen: Wer die Grenze in anderer als freundschaftlicher Absicht überschreitet, den soll Gott strafen.&amp;lt;/ref&amp;gt; –&lt;br /&gt;
{{S|53}} Der Gott Abrahams und der Gott (die Götter) Nahors sollen (soll) [dann] richten (Recht durchsetzen) zwischen uns, die Götter (der Gott) ihres Vaters ({die Götter ihres Vaters}).“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;die Götter (der Gott) ihres Vaters&#039;&#039; - &#039;&#039;ihr Vater&#039;&#039; ist Terach, also der Urgroßvater von Jakob und der Großvater von Laban. Entweder setzt Laban hier voraus, dass der eine Gott Abrahams auch der Gott von Abrahams Bruder Nahor war (so z.B. Galambush 2018), oder er spricht von den mehreren Göttern Terachs, von denen einer der Gott Abrahams und (ein) andere(r) der Gott oder die Götter Nahors wurden (so die meisten wegen [[Josua 24#s2 |Jos 24,2]], aber s. bei „Textkritik“). &#039;&#039;`elohim&#039;&#039; ist ein Pluralwort auch dann, wenn es nur einen „Gott“ bezeichnet. Das Verb steht im Plural, auch das ist aber möglich, wenn &#039;&#039;`elohim&#039;&#039; nur einen Gott bezeichnen soll (s. [https://en.wikisource.org/wiki/Gesenius%27_Hebrew_Grammar/145._Agreement_between_the_Members_of_a_Sentence,_especially_between_Subject_and_Predicate,_in_respect_of_Gender_and_Number#GHGpar-145-i GKC §145i]), so dass sich aus der Grammatik nicht ablesen lässt, was hier gemeint ist. SamP, LXX, VUL und Syr deuten als Singular, die Targumim als Plural. Nur deshalb, weil es klare Parallelen in altorientalischen Grenzverträgen hätte, wenn hier mehrere Götter angerufen würden, deutet man besser wie die Targumim und übersetzt: „Die Götter Abrahams und Nahors sollen dann zwischen uns richten, die Götter ihres Vaters.“&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;b&amp;gt;Textkritik&amp;lt;/b&amp;gt;: &amp;lt;i&amp;gt;der Gott &lt;br /&gt;
/ die Götter ihres Vaters&amp;lt;/i&amp;gt; fehlt in LXX. Als Apposition steht es auch an ungewöhnlicher Stelle; man hätte es eher direkt nach „der Gott / die Götter Nahors“ erwartet. Die meisten Ausleger halten den Nachsatz daher für eine spätere Hinzufügung eines Schreibers, der klarstellen wollte, dass „der Gott Abrahams und der Gott / die Götter Nahors“ wirklich nur &#039;&#039;der eine&#039;&#039; Gott ihres Vaters sein soll. Aber das lässt sich auch aus dieser Phrase ja gerade nicht deutlich herauslesen. Wahrscheinlicher hat daher LXX die Phrase gestrichen, weil es in Jos 24,2 eben heißt, dass Terach &#039;&#039;noch nicht&#039;&#039; den Gott Abrahams verehrt hatte. Das macht uns gleichzeitig deutlich, dass man unsere Stelle &#039;&#039;nicht&#039;&#039; mit diesem Vers zusammenlesen darf: Im Unterschied zu Jos 24,2 sagt er nach dem MT mindestens, dass Terach &#039;&#039;unter anderem auch&#039;&#039; bereits den Gott Abrahams verehrt hat.&amp;lt;/ref&amp;gt; Da schwur Jakob beim Schrecken (Hoden?)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schrecken&amp;quot; /&amp;gt; seines Vaters Isaak.&lt;br /&gt;
{{S|54}} Dann opferte Jakob ein Opfer auf dem Berg und (rief seine Brüder=) lud seine Brüder ein, Brot zu essen. Dann übernachteten sie auf dem Berg.&amp;lt;br /&amp;gt;[Am Morgen stand Laban auf, küsste seine (Söhne=) Enkel und seine Töchter und segnete sie. Dann ging er und kehrte zurück zu seinem [Wohn-]Ort.]&amp;lt;ref&amp;gt;Die letzten beiden Sätze sind der Vers Gen 32,1, der so offensichtlich noch zu Kapitel 31 gehört, dass die meisten englischen Bibeln und z.B. H-R und ZÜR 31 ihn als Gen 31,55 führen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;&#039;Gen 31-32,1&#039;&#039;&#039; stammen wahrscheinlich nicht viele Verse vom selben Autor wie [[Genesis 30 |Gen 30]]. Aus den meisten, offenkundig zutiefst ideologischen Versen spricht vor allem ein gänzlich anderes Verhältnis von Israeliten und Aramäern als aus dem vorigen, älteren Kapitel. Am wahrscheinlichsten müssen einige Inkohärenzen zwischen Kapitel 31 und Kapitel 30 so erklärt werden.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;In &#039;&#039;&#039;Vv. 4-17.20f.36-43&#039;&#039;&#039; wird daher neu interpretiert, wie Jakob seinen Besitz von „Laban dem Aramäer“ in „Paddan-Aram“ erworben hat: Jakob hat nicht etwa Laban durch genetische Trickserei übervorteilt, vielmehr ist es so, dass Laban Jakob gleich mehrfach getäuscht hat, und nur Gott ist es zu verdanken, dass Jakob dennoch als reicher Mann aus ihrem unfairen Arbeitsverhältnis herausgehen konnte, obgleich ihm Laban bis zum Ende (V. 43) weder Frauen noch Nachkommen noch Besitz gönnt und zugestehen will (vgl. dazu bes. Rom-Shiloni 2012). Nebenbei werden auch Labans Söhne und Töchter als geldgeil und sogar diebisch hingestellt, so dass dies geradezu zum Charakterzug von Aramäern zu werden scheint. In &#039;&#039;&#039;Vv. 19.22-35&#039;&#039;&#039; werden außerdem noch die aramäischen Götter lächerlich gemacht: Sie sind nur verabscheuungswürdige &#039;&#039;Terafim&#039;&#039; („Kotzbrocken“, s. zu V. 19), die man einfach rauben kann, die in die Satteltasche des unreinen Kamels gepackt werden können und auf die die gerade unreine Rahel sich einfach setzen kann. In Gen 35 werden sie zu allem Überfluss auch noch schlicht entsorgt werden. In V. 53 dagegen spricht Laban wieder vom „Gott Abrahams und Gott Nahors, dem Gott ihres Vaters“.&amp;lt;br /&amp;gt;Sehr wahrscheinlich ist es daher so, dass Vv. 44-53 dem Jakobzyklus aus einer anderen Quelle als der Rest des Kapitels zugewachsen sind, und die letzten beiden Zeilen von V. 43 sollen diese beiden Abschnitte miteinander verbinden.&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier soll das Kapitel dennoch so erklärt werden, wie es uns heute überliefert wurde.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vv. 1-2&#039;&#039;&#039; schließen noch Kapitel 30 ab und schildern die Reaktion von Labans Familie auf Jakobs Erfolge (und Labans Misserfolg): Labans Söhne und auch Laban selbst missgönnen sie ihm. Als in &#039;&#039;&#039;V. 3&#039;&#039;&#039; dann auch noch Gott ihn auffordert, es sei jetzt Zeit aufzubrechen und er werde dabei anders als Laban auch „mit ihm sein“, schreitet Jakob sofort zur Tat und bestellt in &#039;&#039;&#039;V. 4&#039;&#039;&#039; seine Frauen zu sich.&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;V. 3 spielt dabei offensichtlich auf [[Genesis 12#s1 |Gen 12,1]] an – doch während Abram „&#039;&#039;aus&#039;&#039; seinem Land und von seiner Verwandtschaft“ nach Kanaan aufbrechen soll, ist zwei Generationen später für Jakob bereits &#039;&#039;Kanaan&#039;&#039; das „Land seiner Väter und seiner Verwandtschaft“. Hier wird ausgelotet, was „Heimat“ ist: Abrahams Geburtsort Ur ist es für Jakob, diesen Migranten der zweiten Generation, schon nicht mehr, und das Land Labans, wo er nun schon 20 Jahre gelebt hat, ist es immer noch nicht – „Heimat“, das ist in der Vorstellung des Autors erstens das Land, in dem bereits jemandes Eltern gelebt haben, und zweitens das Land, in dem entweder noch weitere Verwandte wohnen oder wo man selbst geboren wurde.&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;An beide Frauen richtet Jakob in &#039;&#039;&#039;Vv. 5-13&#039;&#039;&#039; eine lange Rede. In dieser wird in &#039;&#039;&#039;Vv. 5-9&#039;&#039;&#039; drei Mal Laban mit Gott kontrastiert: &lt;br /&gt;
* „Laban ist nicht mehr ‚zu‘ Jakob“. Aber „Gott ist mit Jakob“ (Vv. 5a.5b). Dies wird nun konkretisiert:&lt;br /&gt;
* Laban hat Jakob betrogen und mehrfach seinen Lohn geändert, obwohl Jakob ihm mit all seiner Kraft gedient hat. Aber Gott ließ nicht zu, dass er dabei Schaden nahm (Vv. 6-7a.7b). Dies wird nun noch einmal konkretisiert:&lt;br /&gt;
* Laban hat unfairerweise mehrfach an ihren Vertragskonditionen geschraubt. Aber Gott hat Jakob zum Ausgleich Labans Tiere geschenkt (Vv. 8.9)&lt;br /&gt;
Kurz: Jakob hat seinen Besitz &#039;&#039;verdient&#039;&#039;. Laban dagegen ist ein Betrüger und hat daher seine Verluste verdient. Und wenn euch das noch nicht genügt, liebe Ehefrauen: Das hat sich zwar auch so entwickelt, weil ich mit aller Kraft gearbeitet habe (V. 6). Aber letztlich war es außerdem und ohnehin Gottes Wille, dass es sich so fügte (V. 9).&amp;lt;br /&amp;gt;Dies kann Jakob dann in &#039;&#039;&#039;Vv. 10-13&#039;&#039;&#039; auch noch mit einem Traum belegen. Für diesen Beleg zäumt Jakob das Pferd auffällig von hinten auf: Die Aussage in 9 wird zunächst allgemein mit einer Traumvision in &#039;&#039;&#039;V. 10&#039;&#039;&#039; gestützt. Diese Traumvision wiederum wird in &#039;&#039;&#039;Vv. 11f.&#039;&#039;&#039; gleichzeitig erst mit dem Auftrag eines Engels ermöglicht und im selben Zug begründet: Dass das Kleinvieh je mit Jungen der benötigten Färbung trächtig wurde, geschah deshalb, weil Gott alles wahrgenommen hat, was Laban Jakob angetan hatte. &amp;lt;br /&amp;gt;Gottes Hinweis in &#039;&#039;&#039;V. 13&#039;&#039;&#039; auf Jakobs Gelübde in Bet-El ([[Genesis 28#s20 |Gen 28,20f.]]) ist einesteils dann wiederum hierfür Begründung – dort nämlich hatte Jakob versprochen, JHWH werde „sein Gott sein“, wenn dieser ihn behütet und mit Brot und Kleidung versorgt; darum ist es überhaupt erst so, dass Gott es so wichtig nimmt, wie Laban mit Jakob verfährt –, andernteils begründet der Verweis auf dieses Gelübde gleichzeitig den Auftrag zum Aufbruch in V. 3, der nun noch einmal ausführlicher wiedergegeben wird. „Dieses Behüten und Versorgen“, sagt Gott mit seinem Hinweis, „ist nun geschehen. Kommen wir zum zweiten Teil deines Gelübdes: Ich soll dein Gott sein, ‚wenn ich mit dir bin und du in Frieden zurückkehrst ins Haus eines Vaters‘? Dann mach das mal!“&amp;lt;ref&amp;gt;So ausgelegt ist dieser Traum also (1) wirklich geschehen, (2) war &#039;&#039;ein&#039;&#039; Traum (3) und war identisch mit dem Auftrag, der in V. 3 knapp zusammenfasst wurde und der nun noch einmal ausführlicher erzählt wird. Das ist nicht die üblichste Auslegung:&amp;lt;br /&amp;gt;Zu (2) glauben viele, dass Kapitel 31 mindestens zwei, vielleicht sogar drei Visionen voraussetzt: Vision 1 wäre der Auftrag zum Aufbruch in V. 3, Vision 2 der geträumte Auftrag zum Aufbruch in V. 13, Vision 3 die Traum-Schau der farbigen Tiere in Vv. 10-12. Und bei (3) gehen die meisten davon aus, dass mindestens ein Teil von Vv. 10-13 schon vor sechs Jahren geträumt worden sein muss. Cotter 2003 und Fokkelman 1975, S. 155 etwa denken, der gesamte in Vv. 10-13 geschilderte Traum sei schon sechs Jahre alt und nach V. 3 sei dann später &#039;&#039;noch einmal&#039;&#039; der Auftrag zum Aufbruch erfolgt. Die meisten denken stattdessen, nur Vv. 10-12 seien vor sechs Jahren geträumt worden, während V. 13 identisch ist mit V. 3, und Jakob habe beide Träume hier nur aus Pragmatik „zusammen-erzählt“ (z.B. Sarna 2001; Waltke/Fredricks 2001; Krauss / Küchler 2004). Zu (1) schließlich denken wiederum nicht wenige, dass Jakob tatsächlich &#039;&#039;überhaupt&#039;&#039; keinen Traum gehabt habe, sondern ihn nur erfindet, um seine Frauen besser zum Aufbruch überreden zu können (z.B. Pardes 1992, S. 70; Brett 2000; Galambush 2018). Ich (S.W.) halte die Auslegung oben für einfacher und runder.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dieser langen Rede erscheint Jakobs moralisch so fragwürdiges Handeln in [[Genesis 30 |Gen 30]] in ganz neuem Licht: Dass er mit seinen Zuchtmethoden Laban geradezu enteignet hat, war nicht etwa unfair, sondern Laban hat es sich durch sein eigenes unfaires Verhalten selbst zuzuschreiben. Und dass Jakob sich im selben Zuge gewaltig bereicherte, war mitnichten eigennützig: &#039;&#039;Er&#039;&#039; hat nur „hart gearbeitet“; dass dies gefruchtet hat, ist &#039;&#039;Gott&#039;&#039; zuzuschreiben.  Was in Gen 30 geschah, erscheint nun &#039;&#039;gut&#039;&#039; und &#039;&#039;rechtens&#039;&#039;.&amp;lt;br /&amp;gt;Aber die lange Rede Jakobs wäre offenbar gar nicht nötig gewesen: Ohne zu zögern sagen sich Labans Töchter in &#039;&#039;&#039;V. 14&#039;&#039;&#039; von Vater und Vaterhaus los und begründen diese Lossagung in &#039;&#039;&#039;V. 15&#039;&#039;&#039; damit, dass Laban sich auch an ihnen vergangen hat, indem er sich auch ihr Geld angeeignet hat, und ihre Parteinahme für Jakob in &#039;&#039;&#039;V. 16&#039;&#039;&#039; damit, dass demnach der Reichtum, den Gott von Laban an Jakob übertragen hat, ohnehin eigentlich &#039;&#039;ihr&#039;&#039; Reichtum sein müssen hätte. Auch für die Lossagung in V. 14 verwenden sie dabei eine geprägte Wendung, die vordergründig von Besitz und Eigentum spricht (s. zum Vers), so dass sich vier von ihren fünf Sätzen um Finanzen zu drehen scheinen. Das passt; der Apfel fällt hier offenbar nicht weit vom Stamm. Auch Jakob hatte zwar drei Mal von seinem „Lohn“ gesprochen – jedesmal ging es dabei aber um etwas, was &#039;&#039;Laban&#039;&#039; mit seinem Lohn gemacht hat: &#039;&#039;Dieser&#039;&#039; hat „Jakobs Lohn“ geändert (V. 7) und mal gesprenkelte Tiere als seinen „Lohn“ bestimmt, mal gestreifte Tiere (Vv. 8a.b). Jakob selbst dagegen spricht von „Vieh“: „Gott hat &#039;&#039;das Vieh&#039;&#039; eures Vaters diesem entzogen und mir gegeben.“ Dagegen war schon Ausgangspunkt für Gen 31 die Behauptung der Söhne Labans, &#039;&#039;Jakob&#039;&#039; habe sich „alles“ angeeignet, „was unserem Vater gehört“, und sich so unrechtmäßig „Besitz“ erworben; nun offenbaren die Töchter Labans ihre finanziellen Interessen: „All der &#039;&#039;Reichtum&#039;&#039;, den Gott unserem Vater entzogen hat – uns [gehört] der, und unseren Söhnen!“ Die ganze Familie Labans offenbart sich hier als geldgeil, während Jakob nur Instrument Gottes war (ähnlich gut Fuchs 1988, S. 72).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Jakob und seine Frauen sich also derart einig sind, gehen sie ohne Umschweife ihren Aufbruch an. &#039;&#039;&#039;Vv. 17f.&#039;&#039;&#039; schildern den Aufbruch selbst. &#039;&#039;&#039;Vv. 19f.&#039;&#039;&#039; gehen noch einmal einen Schritt zurück und ergänzen den Aufbruch um drei Zusatzinformationen: (1) Sie wählen zum Aufbruch die Zeit der Schafschur. Das ist geschickt, weil dies eine arbeitsame Zeit war, zu deren Abschluss wohl auch ein großes Fest gefeiert wurde (s. [[1 Samuel 25#s5 |1 Sam 25,5-7.36]]; [[2 Samuel 13#s23 |2 Sam 13,23f.]]), und daher eine unübersichtliche Zeit. (2) Kurz zuvor hatte Rahel die &#039;&#039;Terafim&#039;&#039; ihres Vaters gestohlen. Diese werden gleich noch eine größere Rolle spielen. Rahels Handlung selbst, die gar nicht kommentiert wird, müssen wir uns wahrscheinlich so erklären, dass diese Götzenfiguren Laban zum Wahrsagen dienten (s. zum Wort und vgl. [[Genesis 30#s27 |Gen 30,27]]) und Rahel mit ihrem Diebstahl daher verhindern wollte, dass er sie mit ihrer Hilfe aufspüren kann. (3) Jakob hat ihm keine &#039;&#039;Terafim&#039;&#039; gestohlen, sondern „das Herz“. Danach ist Laban gleich dreifach der Gelackmeierte: Nun steht er da ohne den Gewinn, den ihm Jakob die Jahre zuvor erarbeitet hatte, in den letzten sechs Jahren aber wieder „weggearbeitet“ hat, ohne Terafim, und unversehens auch ohne Töchter und Schwiegersohn. Nach diesen drei Anmerkungen fasst &#039;&#039;&#039;V. 21&#039;&#039;&#039; abschließend noch einmal die Flucht Jakobs zusammen und leitet über zur nächsten Szene, dich sich bereits in Gilead abspielt, dem östlichsten Ausläufer des geloben Landes.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Die &#039;&#039;&#039;Zeit der Schafschur&#039;&#039;&#039; ist dabei vielleicht auch noch symbolisch: Das Schafschur-Fest ist wahrscheinlich einer der Ursprünge des später ungefähr zur selben Zeit stattfindenden Pesach-Fests. Damit wäre zu erklären, warum beim Pesach nicht nur zur Feier der Ernte Brot, sondern auch Lämmer verzehrt wurden (vgl. mit [[1 Samuel 25#s11 |1 Sam 25,11]]). Geoghegan 2008 ist nun aufgefallen: An Pesach wird die Befreiung Israels aus der Sklaverei gefeiert; Jakob befreit sich hier von seinem Dienstherr Laban, und Nabal spricht zur Zeit der Schafschur: „&#039;&#039;Heute gibt es viele Sklaven, die von ihren Herren davonlaufen&#039;&#039;“ ([[1 Samuel 25#s10 |1 Sam 25,10]]). Danach nimmt er an, dass das Fest der Schafschur traditionell ein Fest war, bei dem Schuldsklaven ihre Freiheit wiedererlangten. Das ließe sich leicht erklären: Fast sicher wurde nämlich zur Schafschur die Jahresabrechnung bei Hirten gemacht und der Lohn ausgezahlt. Schuldknechte hätten danach regelmäßig an diesem Tag ihre Freiheit wiedererlangt, weil sich hier das Hirtenjahr wendete, und Lohnknechte hätten sich bei gutem Lohn zu diesem Zeitpunkt selbständig machen können. Ist das wahr, wäre der Zeitpunkt von Jakobs Flucht hochsymbolisch: Er wäre zur selben Zeit vor Laban geflohen, zu der man später auch an die Flucht der Israeliten aus Ägypten zurückdachte und zu der regulär Knechte ihre Freiheit erlangten.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr Plan geht auf: Erst nach drei Tagen bekommt es Laban überhaupt mit, dass sie geflohen sind (&#039;&#039;&#039;V. 22&#039;&#039;&#039;). Laban mustert eine kleine Streitkraft aus Verwandten (&#039;&#039;&#039;V. 23&#039;&#039;&#039;), doch kurz bevor er sie im Gilead-Gebirge und damit direkt an der Grenze zum gelobten Land einholt, erscheint ihm Gott im Traum und warnt ihn – vermutlich (s. zum Vers) davor, Jakob zu verurteilen.&amp;lt;br /&amp;gt;Ist der Ausdruck „von Gut bis Böse sprechen“ damit richtig verstanden, sind &#039;&#039;&#039;Vv. 25-30&#039;&#039;&#039; nicht ohne Komik: Weil Laban sich eines Urteils enthalten muss, hat er keine Wahl, als Jakob in Vv. 26-28 nur eine Reihe von Fragen vorzulegen, dann in V. 29 erklären, er dürfe nach Gottes Willen darüber natürlich gar nicht urteilen, und so in V. 30 verständnisvoll die Sache ad acta zu legen: „Nun bist du also gegangen, schließlich hattest du Verlangen nach deinem Vaterhaus!“ Am klarsten zeigt sich die Absurdität von Labans Lage in V. 29, wo man übersetzen könnte: „Die Gottheit würde meine Hand dabei stützen, wenn ich böse mit euch handelte – aber der Gott eurer Väter, der hat&#039;s mir verboten!“ (s. zum Vers). Gleichzeitig zieht sich dennoch eine kaum verhohlene Anklage von Anfang bis zum Ende durch die ganze Rede: „Was hast du mein Herz gestohlen!? ... Warum hast du mich bestohlen!? ... Warum hast du meine Götter gestohlen!?“&amp;lt;br /&amp;gt;Die erste Fragen-Kanonade kann Jakob in &#039;&#039;&#039;V. 31&#039;&#039;&#039; schnell kontern: „Warum ich dein Herz ‚gestohlen‘ und deine Töchter heimlich fortgeführt habe? Weil ich Angst hatte, dass sonst &#039;&#039;du&#039;&#039; mir deine Töchter &#039;&#039;raubst&#039;&#039;!“ Dass er &#039;&#039;das Recht&#039;&#039; hatte, mit ihnen fortzuziehen, setzt das Wort „rauben“ dabei klar voraus, aber diesen Teil von Labans Anfragen hatte ja ohnehin bereits dieser selbst ad acta gelegt. Die letzte Anfrage allerdings – „warum hast du meine Götter gestohlen?“ – wiegt schwer. Hier tut daher nun Jakob, was dem Laban verboten wurde, und leitet in &#039;&#039;&#039;V. 32&#039;&#039;&#039; eine Art gerichtliche Untersuchung ein: Die Verwandten werden zu Zeugen ernannt, und Laban darf – wenn er schon nicht anklagen darf – immerhin Inspektor spielen. Sich selbst jedoch macht Jakob zum Richter, indem er schon vor der Untersuchung gleich doppelt ein Urteil vorwegnimmt: Kann Laban einen Götterdieb identifizieren, ist der des Todes, und findet er sonst etwas von seinem Eigentum bei Jakob, soll&#039;s ihm gehören. Damit wird auch schon im Zuge dieser Untersuchung endgültig klar, dass Jakob alles, was er bei sich hat, wirklich mit Recht bei sich hat, wenn auch Laban in V. 43 noch einmal aufbegehren wird.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Vv. 33-35&#039;&#039;&#039; berichten, wie dank Rahel diese Inspektion erfolglos bleibt: Nachdem Laban dreimal nach Jakobs Diebstahl gefragt hat, heißt es nun dreimal, dass er „nichts findet“ (Vv. 33.34.36).&amp;lt;br /&amp;gt;Spätestens hier wird Rahel damit auf eine Stufe mit Jakob gestellt. Schon zuvor hatte „sie Labans Terafim gestohlen und Jakob hatte Labans Herz gestohlen“ (Vv. 19-20); nun wird auf den Raub des Erstgeburtssegens in [[Genesis 27 |Gen 27]] angespielt: Wie dort der blinde Isaak „herumtasten“ musste und dabei von Jakob getäuscht wurde, so hier auch der mit dem Diebstahl der Terafim geblendete Hellseher Laban. Und wieder ist es eine Frau, die den &#039;&#039;pater familias&#039;&#039; mit den Waffen einer Frau schlägt: Rebekka mit ihrem Leckerbissen, Rahel mit ihrer Menstruation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit hat Rahel einen Rollentausch ermöglicht: „Nach diesem Mißerfolg Labans hat sich Jakobs Situation in der Rechtsauseinandersetzung grundlegend verändert. Die Beschuldigung Labans ist in sich zusammengebrochen, jetzt geht Jakob zum Gegenangriff über“ (Boecker 1992, S. 90) – und auf einmal ist Jakob, der 20 Jahre unter der harten Hand Labans gedient hatte, nicht nur Richter, sondern seinerseits Ankläger: In &#039;&#039;&#039;Vv. 36f.&#039;&#039;&#039; weist er daher noch einmal darauf hin, dass die Anschuldigungen Labans haltlos waren, so dass er sich mit seiner Durchsuchung auch noch höchst ungebührlich verhalten hat. In &#039;&#039;&#039;Vv. 38-40&#039;&#039;&#039; hält er dagegen, welch guter Diener er in all den vergangenen Jahren er für seinen Onkel war: Nach &#039;&#039;&#039;V. 38f.&#039;&#039;&#039; hatten Labans Tiere überhaupt keine Fehlgeburt, und auch überhaupt keine anderen Verluste, weil Jakob widerrechtlich alle etwaigen Verluste aus eigener Tasche bezahlen musste. Er seinerseits hat dafür härteste Entbehrungen etragen müssen (&#039;&#039;&#039;V. 39&#039;&#039;&#039;). 20 Jahre hat er jetzt unter diesen Bedingungen für all seinen Besitz gearbeitet, und ihn sich damit &#039;&#039;wirklich rechtens&#039;&#039; erarbeitet, und das, obwohl Laban sich auch darin noch an ihm vergangen hat, dass er immer wieder ihre Absprachen zu Jakobs Nachteil geändert hat. &#039;&#039;&#039;V. 42&#039;&#039;&#039; ist der Höhepunkt der Rede; hier bricht daher auch die metrische Gestaltung der Rede in sich zusammen, als es aus Jakob herausbricht: Wäre nicht all die Jahre Gott auf seiner Seite gewesen – jener &#039;&#039;schreckliche&#039;&#039; Gott, bei dem Laban sich hüten soll, gegen seinen Willen zu handeln! –, Laban hätte ihn am Ende gar mit leeren Händen fortgeschickt, wie man es nicht einmal mit einem Sklaven getan hätte (s. [[Deuteronomium 15#s13 |Dtn 15,13]]). Doch Gott hat nicht nur grundsätzlich zu ihm gehalten: Über den konkreten Streitpunkt hinaus, den sie gerade in ihrer gerichtlichen Untersuchung geklärt haben, hat Gott damit, dass er Laban letzte Nacht erschienen ist, auch über alles andere, was zwischen Jakob und Laban schwelte wie insbesondere die Frage, ob Jakobs Habe &#039;&#039;wirklich&#039;&#039; ihm gehört, seinen Rechtsspruch gefällt: JA, SO IST&#039;S!. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laban hat selbst hier noch kein Einsehen und erklärt in &#039;&#039;&#039;V. 43&#039;&#039;&#039; ein letztes Mal: Nein, so ist&#039;s &#039;&#039;eigentlich&#039;&#039; nicht! &#039;&#039;Eigentlich&#039;&#039; gehört alles ihm, nicht Jakob (hier sei noch einmal auf die Anmerkungen zu Gen 30 hingewiesen: Ob das rein rechtlich falsch ist, ist gar nicht so klar). Nur für seine Töchter und Enkel wird er seine „gerechte Sache“ nun doch fahren lassen. Dazu schlägt er in &#039;&#039;&#039;V. 44&#039;&#039;&#039; ein Bündnis vor, das nach der arg redundanten Formulierung „ich und du, zwischen mir und dir“ mindestens als Bündnis auf Augenhöhe gedacht ist. Ein Israelit jedoch wird gewiss mitgehört haben: Die letzten beiden Male, als in der Bibel ein Mensch einem anderen ein Bündnis antrug – war der Antragssteller stets der Schwächere ([[Genesis 21#s22 |Gen 21,22-24]]; [[Genesis 26#s26 |Gen 26,26-31]]; gut z.B. Steinmann 2019), der mit diesem Antrag auch jeweils anerkannte, dass der mächtige Gott wirklich mit ihrem starken Vertragspartner war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Pazarcik-Stele.jpg|mini|Die assyrische Pazarcık-Stele. (c) Klaus-Peter Simon via [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kahramanmaras_Museum_Keilschrift_Gözlügöl.jpg Wikimedia]]]Damit hat Laban übergeleitet zum vorletzten Abschnitt der Jakob-Laban-Erzählung: In &#039;&#039;&#039;Vv. 45-53&#039;&#039;&#039; werden zwei altorientalische Rechtsdokumente in Erzählform gegossen, nämlich ein Grenzvertrag und ein Ehevertrag. Für den Grenzvertrag errichtet Jakob in &#039;&#039;&#039;V. 45&#039;&#039;&#039; eine Mazzebe, also einen Gedenkstein, der im Alten Orient häufig Landesgrenzen markierte. Als Beispiel ist rechts die Pazarcık-Stele abgebildet, wo wie noch häufiger sowohl über eine Heirat als auch über Grenzbestimmungen geschrieben und am Ende mehrere Götter angerufen werden, die den Grenzvertrag mit einem bestimmten Verhalten in einer „Gerichtsverhandlung“ garantieren sollen. Aus der Inschrift:&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;[Von] Šalmaneser, dem starken König des Landes Assyrien ...und seinem Feldmarschall Šamši-Ilu:&amp;lt;br /&amp;gt;Als ich nach Damaskus kam, nahm ich als Tribut von Hadiani aus Damaskus Silber, Gold, Kupfer ... und seine Tochter mit reicher Mitgift ... entgegen.&amp;lt;br /&amp;gt;Bei meiner Rückkehr setzte ich zugunsten von Ušpilulume, König der Stadt Kummuh, diese(n) Grenze/Grenzstein.&amp;lt;br /&amp;gt;Wer auch immer von den Ländereien Ušpilulumes, seinen Söhnen oder seinen Enkeln raubt, für den sollen die Götter Aššur, Marduk, Adad, Sin und Šamaš im Gericht nicht einstehen, seine Gebete nicht erhören und sein Land vernichten.&#039;&#039; (frei nach Hasegawa 2010, S. 6).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sieht an diesem Beispiel schön, dass derjenige, der eine Grenz-Mazzebe errichtete, entweder der Herrscher über den ganzen Raum war, in dem die beiden angrenzenden Gebiete lagen, oder derjenige, der bei Grenz-Konflikten die Oberhand hatte. Hier dagegen heißt es in &#039;&#039;&#039;V. 45&#039;&#039;&#039; von Jakob, dass er sie errichtet habe, und &#039;&#039;&#039;V. 51&#039;&#039;&#039; verlautet dasselbe von Laban. Ähnlich gibt in &#039;&#039;&#039;V. 46&#039;&#039;&#039; Jakob den Auftrag zur Errichtung eines Steinhaufens, und die Ausführenden sind „seine Brüder“ unter den Männern Labans. In &#039;&#039;&#039;V. 47&#039;&#039;&#039; geben dann auch noch beide Parteien diesem Steinhaufen unterschiedliche Namen mit der selben Bedeutung, und &#039;&#039;&#039;V. 48&#039;&#039;&#039; ist gewiss bewusst so formuliert, dass es so klingt, als hätte danach auch Laban dem Haufen dann noch einmal den selben Namen gegeben wie zuvor Jakob: Schon zu Beginn wird klar herausgestellt, wie es auch die immer wieder wiederholte Phrase „zwischen mir und dir“ (Vv. 44.48.49.50.51) tut, dass &#039;&#039;dies&#039;&#039; wirklich ein Grenzvertrag zwischen gleichberechtigten Parteien ist, wie ihn Laban sich ja auch vorgestellt hat.&amp;lt;br /&amp;gt;Nachdem in Vv. 48 grundsätzlich die Zeugen-Funktion von Steinhaufen und Mazzebe geklärt wurden, werden in &#039;&#039;&#039;Vv. 49-50&#039;&#039;&#039; zunächst die Einzelheiten des Ehevertrags abgesprochen, wie sie im Alten Orient üblich waren. Bestimmt wurden in solchen Eheverträgen Heiratsbedingungen (wie z.B.: „&#039;&#039;[Der Bräutigam] darf keine Freundin haben, die zusätzlich bei ihnen lebt. Er darf keine weitere Kultprostituierte in Kaniš oder Niḫriya heiraten.&#039;&#039;“; AKT I 77 nach Stol 2016, S. 188) und oft auch gleich Scheidungsbedingungen (wie z.B.: „&#039;&#039;[Wenn die Braut] ihn fortwährend angreift, soll sie ihre Mitgift und alles, was ihr von ihres Vaters Besitz zubestimmt worden ist, nehmen und frei davongehen.&#039;&#039;“, Alalakh-Tafel 92, nach Wiseman 1953, S. 54). Ähnliche Bestimmungen werden hier gemacht: Jakob darf seine Frauen nicht „bedrücken“ und zusätzlich zu seinen beiden Frauen keine weiteren Frauen nehmen (dies war eine häufige Bestimmung in Eheverträgen; weitere Bspp. bei van Seters 1975, S. 84).&amp;lt;br /&amp;gt;In &#039;&#039;&#039;Vv. 51-53&#039;&#039;&#039; folgt die Absprache des Grenzvertrags: Keiner der beiden darf die Grenze zum anderen in anderer als freundschaftlicher Absicht überschreiten. Tut er es doch, sollen die verschiedenen Götter, die wie auf der Pazarcık-Stele die Wahrung der Grenzen garantieren, nicht nur „als Zeugen“ auftreten, sondern gleich als &#039;&#039;Richter&#039;&#039;, und so die Grenzverletzung strafen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;&#039;Gen 31,54-32,1&#039;&#039;&#039; endet die Erzählung von Jakob und Laban wie die entsprechenden Erzählungen von Abraham und Abimelech in [[Genesis 21#s22 |Gen 21,22-32]] und die von Isaak und Abimelech in [[Genesis 26#s26 |Gen 26,26-31]]: Nachdem Jakob und Laban einen Bund geschlossen haben (vgl. mit [[Genesis 21#s27 |Gen 21,27.32]]; [[Genesis 26#s28 |26,28]]), für den wie in [[Genesis 21#s30 |Gen 21,30]] „Zeugen“ bestimmt wurden, und nachdem beide Vertragsparteien „geschworen“ haben (vgl. mit [[Genesis 21#s23 |Gen 21,23.24.31]]; [[Genesis 26#s31 |26,31]]), geht nach einem gemeinsamen Mahl wie in [[Genesis 26#s30 |Gen 26,30]], das das Bündnis besiegeln soll, der Partner des jeweiligen Patriarchen seiner Wege (vgl. mit [[Genesis 21#s32 |Gen 21,32]]; [[Genesis 26#s31 |26,31]]; ähnlich gut gesehen von Taschner 2000, S. 130). In Gen 32,2-3 wird sich dann gleich außerdem eine ähnliche kurze Ortserzählung anschließen wie in [[Genesis 21#s33 |Gen 21,33f.]]; [[Genesis 26#s32 |26,32f.]]. Damit endet ein weiteres Kapitel von Jakobs Leben: Das Zerwürfnis mit seinem Onkel wurde mithilfe eines Vertrags gekittet. Was nun noch offen ist, ist sein Zerwürfnis mit seinem Bruder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Richter_14&amp;diff=40233</id>
		<title>Richter 14</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Richter_14&amp;diff=40233"/>
		<updated>2025-10-30T21:07:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Syntax&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Zuverlässige Studienfassung}}&lt;br /&gt;
{{Ungeprüfte Lesefassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Lesefassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{L|1}} Und Simson ging nach Timna und sah dort eine Philisterin, in die er sich verliebte.&lt;br /&gt;
{{L|2}}  Da ging er zu seinen Eltern und erzählte ihnen: „Ich habe in Timna eine schöne Philisterin gesehen, die möchte ich heiraten!“&lt;br /&gt;
{{L|3}} Da sagten seine Eltern zu ihm: „Gefällt dir denn keine der Töchter deiner Brüder oder keine Frau aus dem Volk, dass du eine Frau von den Philistern, den Unbeschnittenen, willst?“ Da sagte Simson zu seinem Vater: „Ich will sie, denn sie gefällt mir.“&lt;br /&gt;
{{L|4}} Seine Eltern wussten nicht, dass Simsons Wunsch von JHWH kam, denn er suchte einen Grund, etwas gegen die Philister zu tun, die zu der Zeit in Israel herrschten.&lt;br /&gt;
{{L|5}} Daraufhin gingen Simson und seine Eltern nach Timna. Bei den Weinbergen von Timna wurde Simson von einem jungen Löwen angegriffen.&lt;br /&gt;
{{L|6}} Da drang der Geist JHWHs in ihn ein und Simson zerriss den Löwen mit bloßen Händen, wie man ein Böckchen zerreißt. Aber seinen Eltern erzählte er nicht, was er getan hatte.&lt;br /&gt;
{{L|7}} Danach ging er zu der Philisterin und redete mit ihr und war von ihr begeistert.&lt;br /&gt;
{{L|8}} Als er nach einigen Tagen wieder nach Timna ging, um sie zu heiraten, ging er auch zu dem toten Löwen. In dem toten Löwen sah er ein Bienennest mit Honig.&lt;br /&gt;
{{L|9}} Er nahm den Honig und aß ihn beim Weitergehen. Er ging auch zu seinen Eltern und gab ihnen etwas und sie aßen es. Aber er sagte ihnen nicht, dass er den Honig aus dem toten Löwen hatte.&lt;br /&gt;
{{L|10}} Danach ging sein Vater zu der Philisterin, und Simson feierte ein Fest, wie jeder andere.&lt;br /&gt;
{{L|11}} Als einige Philister bemerkten, dass Simson ein Fest feierte, feierten dreißig von ihnen mit.&lt;br /&gt;
{{L|12}} Und Simson sagte zu ihnen: „Ich möchte euch ein Rätsel aufgeben. Wenn ihr es innerhalb der sieben Tage des Festes löst, werde ich euch dreißig Leinenhemden und dreißig Wechselkleider geben.&lt;br /&gt;
{{L|13}} Aber wenn ihr das Rätsel nicht lösen könnt, dann müsst ihr mir dreißig Leinenhemden und dreißig Wechselkleider geben.“ Darauf antworteten sie: „Wir wollen dein Rätsel hören!“&lt;br /&gt;
{{L|14}} Er sagte zu ihnen: „Vom Fresser kam Nahrung und vom Starken kam Süßes.“ Aber sie konnten das Rätsel drei Tage lang nicht lösen.&lt;br /&gt;
{{L|15}} Am vierten Tag sagten sie zu Simsons Frau: „Verleite deinen Mann, dir dies Lösung des Rätsels zu sagen, sonst verbrennen wir dich und deine Familie. Habt ihr uns eingeladen, um uns arm zu machen?“&lt;br /&gt;
{{L|16}} Da ging Simsons Frau weinend zu ihm und sagte: „Du hasst mich nur, du liebst mich nicht! Du hast den Söhnen meines Volkes ein Rätsel aufgegeben, aber mir hast du die Lösung nicht verraten!“ Da sagte er zu ihr: „Ich habe sie nicht einmal meinen Eltern verraten. Sollte ich sie da dir verraten?“&lt;br /&gt;
{{L|17}} Da saß sie sieben Tage bei ihm und weinte, während sie das Fest veranstalteten. Am siebten Tag verriet er ihr die Lösung, weil sie ihn so unter Druck setzte, und sie verriet die Lösung den Söhnen ihres Volkes.&lt;br /&gt;
{{L|18}} Da sagten die Männer der Stadt zu ihm am siebten Tag, bevor die Sonne unterging: „Was ist süßer als Honig? Und was ist stärker als ein Löwe?“ Da sagte er zu ihnen: „Wenn ihr nicht mit meinem Kalb gepflügt hättet, dann hättet ihr das Rätsel nicht lösen können!“&lt;br /&gt;
{{L|19}} Der Geist JHWHs ging in Simson und Simson ging nach Aschkelon und tötete dort dreißig Männer. Er nahm was sie bei sich hatten und gab die Kleidung denen, die das Rätsel gelöst hatten. Er war sehr zornig und ging zum Haus seines Vaters.&lt;br /&gt;
{{L|20}} Da wurde Simsons Frau die Frau seines Begleiters, der für ihn Brautführer gewesen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
{{S|1}} {Und} Simson ging hinab nach Timna (Timnat, Timnata)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Timna (Timnat, Timnata)&#039;&#039; - der heutige Tell el-Bataschi, vier Meilen nordwestlich von Beth-Schemesch.&amp;lt;br /&amp;gt;Der heb. Name ist unklar. (1) Die Bezeichnung „Timnäer“ z.B. in [[Richter 15#s6 |Ri 15,6]] für die Stadtbewohner legt eigentlich nahe, dass die Stadt &#039;&#039;Timna&#039;&#039; hieß, wie sie z.B. in [[Josua 15#s10 |Jos 15,10]] auch wirklich genannt wird. (2) Nach der Form hier, die z.B. auch LXX und VUL bezeugen, müsste man dagegen meinen, dass ihr Name &#039;&#039;Timnata&#039;&#039; war. (3) Seit Moore 1900, S. 14.54 denken daher einige (z.B. noch BHQ *91), vorausgesetzt werde hier und andernorts tatsächlich der Name &#039;&#039;Timnat&#039;&#039;, die kanaanäische Variante von &#039;&#039;Timnah&#039;&#039;, und dieser sei von den Masoreten und den alten Übersetzern nur falsch als &#039;&#039;Timnata&#039;&#039; vokalisiert worden; (4) andere (z.B. [https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/freimann/content/pageview/1094427 HKL III 269a-b]) denken ähnlich, diese Formen auf &#039;&#039;-tah&#039;&#039; seien die korrekte Entsprechung dieser kanaanäischen Variante.&amp;lt;br /&amp;gt;Wie auch immer; interessanter sind ihr Name und ihre Geschichte: &#039;&#039;Timnah&#039;&#039; und &#039;&#039;Timnat&#039;&#039; bedeuten „Los, Anteil“ und bezeichnen die Landstücke, die den Israeliten bei der Landvergabe zugeteilt wurden. Ebenso wie der Name &#039;&#039;Manoach&#039;&#039; („Heimstatt“) in Kapitel 13 unterstreicht also hier der Name gerade dieser Stadt die missliche Lage der Daniten, &#039;&#039;keine&#039;&#039; Heimstatt zu haben, weil sie sich den ihnen zugelosten Anteil nicht aneignen konnten (s. [[Richter 1#s35 |Ri 1,35]]). Dazu, dies zu unterstreichen, eignete sich die Stadt Timnah auch wegen ihrer Geschichte besonders gut: Timnah lag an der Grenze Israels. Laut [[Josua 19#s43 |Jos 19,43]] gehörte sie zum „Anteil“ des Stammes Dan; unser Kapitel setzt aber voraus, dass die Stadt noch unter philistäischer Herrschaft stand. Es ist sogar wahrscheinlich, dass der Stamm Dan Timnah &#039;&#039;nie&#039;&#039; erobern konnte, denn wie die Städte in Ri 13 wurde auch Timnah später von den Judäern erobert, nachdem Dan in den Norden weitergezogen war. Und gerade in diese Stadt will nun Simson einheiraten und gerade diese Stadt wird er im nächsten Kapitel angreifen.&amp;lt;/ref&amp;gt; und sah eine Frau in Timna unter den (Töchtern der Philister=) Philisterinnen.&lt;br /&gt;
{{S|2}} Da ging er [wieder] hinauf und erzählte&amp;lt;ref name=&amp;quot;erzählen&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;erzählen&#039;&#039; - &#039;&#039;Das&#039;&#039; Leitwort schlechthin in Ri 14. Ins Deutsche müsste es eigentlich mal mit „erzählen“, mal mit „verraten“ und mal mit „erraten“ übersetzt werden, doch dadurch würde verschleiert, wie sehr dies „Erzählen“ hier im Zentrum der Erzählung steht.&amp;lt;/ref&amp;gt; seinem Vater und seiner Mutter {und sagte}: „Ich habe in Timna eine Frau unter den (Töchtern der Philister=) Philisterinnen gesehen. {Und jetzt:}&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Und jetzt&#039;&#039; - Heb. &#039;&#039;we´attah&#039;&#039;, eine sog. „Diskurspartikel“, die hier wie oft nur anzeigt, dass die Redeweise z.B. wie hier von Bericht zu Wunsch wechselt. In der Üs. ins Dt. fast stets besser auszusparen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nehmt sie mir zur Frau!“ {{par|Genesis|34|3}}&lt;br /&gt;
{{S|3}} Da sagte[n] sein Vater und [auch] seine Mutter zu ihm: „Gibt es unter den Töchtern deiner Brüder und unter meinem ganzen Volk&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;mein ganzes Volk&#039;&#039; - der Vater ist der Wortführer; von &#039;&#039;seinem&#039;&#039; Volk ist hier also die Rede. Gleichzeitig kommt aber schon hierin gut zum Ausdruck, wie sehr Simson sich mit dieser Heirat von seinem Volk distanzieren würde: Sein Vater kann gar nicht mehr gut von „&#039;&#039;unserem&#039;&#039; Volk“ sprechen.&amp;lt;br /&amp;gt;Zudem bereitet der V. mit dieser Formulierung bereits V. 16 vor: Dort wird sich als grundlegende Problematik herausstellen, dass die Loyalität von Simsons Frau &#039;&#039;ihrem&#039;&#039; „meinem Volk“ gehört.&amp;lt;/ref&amp;gt; keine Frau, dass du [hin]gehst, um [dir] eine Frau von den Philistern, den Unbeschnittenen, zu nehmen!?“ Da sagte Simson zu seinem Vater: „Diese nimm mir, denn sie ist recht (schön) in meinen Augen!“&lt;br /&gt;
{{S|4}} Sein Vater und seine Mutter wussten nicht, dass dies von JHWH [kam], denn er suchte eine Anlass (eine Gelegenheit) von den Philistern.&amp;lt;ref&amp;gt;Gemeint ist natürlich: Gott will &#039;&#039;Simson&#039;&#039; einen Anlass geben, gegen die Philister zu streiten; er selbst braucht dazu nicht erst eine Gelegenheit (vgl. Zapletal 1906, S. 63: „Simson erscheint überall als ein Held, der nur deshalb gegen die Philister kämpft, weil sie ihm dazu Anlaß geben; die Ehe mit der Philisterin wird ihm dazu die erste Gelegenheit bieten.“). Gut ZÜR 31: „Weil er gegenüber den Philistern einen Anlass schaffen wollte“, am besten aber übersetzt man noch freier: „...weil er ihm einen Anlass geben wollte, gegen die Philister zu streiten.“ Simson ist dann vollumfänglich Marionette Gottes: Nicht nur bringt er ihn dazu, sich zu verlieben, sondern dies ist ihm auch noch nur das Mittel, um Simson zu weiterem Handeln anzutreiben. Über diesen Vers dürfte bisher noch zu wenig geforscht worden sein; er hat sehr weitreichende Implikationen für das Gottesbild im Alten Israel.&amp;lt;/ref&amp;gt; In jener Zeit herrschten nämlich die Philister in Israel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|5}} (Und=) Später ging[en] Simson und [auch] sein Vater und seine Mutter hinab nach Timna. Und er kam&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;er kam&#039;&#039; - d.h. er allein machte einen Abstecher, weshalb seine Eltern von der folgenden Begegnung auch nichts mitbekommen. LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B&amp;lt;/sup&amp;gt;, SyH und VL verdeutlichen dies, indem sie übersetzen: „er bog ab zu den Weinbergen von Timna“. S. dazu näher auf der [https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Kommentar:Richter_14 Kommentarseite] zu V. 5.&amp;lt;/ref&amp;gt; zu den Weinbergen von Timna. (Und siehe=) Plötzlich [kam] ihm brüllend ein (Junglöwe der Löwen=) reißender Löwe &amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;reißender Löwe&#039;&#039; - Heb. &#039;&#039;kepir `arajot&#039;&#039;, w.: „ein Junglöwe der Löwen“. Die Lösung des Rätsels in V. 18 ist &#039;&#039;`ari&#039;&#039; („Löwe“), der Sg. des Plurals &#039;&#039;`arajot&#039;&#039;, nicht &#039;&#039;kepir&#039;&#039; („Junglöwe“). Erklärungsbedürftig ist dann erstens, warum hier nicht nur vom &#039;&#039;`ari&#039;&#039; die Rede ist, und zweitens, warum der alternative Begriff &#039;&#039;kepir&#039;&#039; dann doch durch &#039;&#039;`arajot&#039;&#039; präzisiert wurde. Letzteres erklärt am besten Spronk 2019 damit, &#039;&#039;`arajot&#039;&#039; sei überflüssigerweise hinzugefügt worden, um den Zusammenhang dieses Verses mit V. 18 deutlicher zu machen. Ist das richtig, ist diese Präzisierung im Dt. unnötig und wird daher richtig von fast allen dt. Üss. ausgespart. Zur ersten Frage hat am ausführlichsten Strawn 2009 geschrieben. Er glaubt, ein &#039;&#039;kepir&#039;&#039; sein eine Bezeichnung speziell des allein umherstreifenden nomadischen Löwen, aber dagegen vgl. [[Ezechiel 19#s2 |Ez 19,2]]. Besser geht man daher mit Hope 1991 davon aus, dass „Junglöwen“ unter den Löwen die aktivsten Jäger sind, so dass man geradezu mit Hope als „Jagdlöwe“ oder „Killer-Löwe“ übersetzen könnte: Ein &#039;&#039;kepir&#039;&#039; ist &#039;&#039;noch&#039;&#039; gefährlicher als ein durchschnittlicher &#039;&#039;`ari&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; ([kam] ihm ein brüllender Junglöwe) entgegen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[kam] ihm brüllend ein Junglöwe ([kam] ihm ein brüllender Junglöwe) entgegen&#039;&#039; - die Grammatik ist des Ausdrucks hier ist etwas kompliziert; s. näher auf der der [https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Kommentar:Richter_14 Kommentarseite]. Entweder übersetzt man etwa „Doch da! Plötzlich kommt ihm brüllend ein Junglöwe entgegen!“ (so deutet die Grammatik z.B. LUT) oder „Plötzlich kam ihm ein brüllender Junglöwe entgegen“ (so deutet die Grammatik z.B. HfA). Die Auflösung von EÜ dagegen ist falsch: „da brüllte ihm ein junger Löwe entgegen“.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
{{S|6}} Da drang der Geist JHWHs in ihn ein&amp;lt;ref name=&amp;quot;eindringen&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;drang ein&#039;&#039; - So THAT II, s.v. {{Hebr}}צלך{{Hebr ende}}. Das Wort bezeichnet hier offenbar ein machtvolles oder „gewaltsames“ Eindringen des Geistes JHWHs in Simson, so dass „[mit Macht]“ ergänzt werden könnte.&amp;lt;/ref&amp;gt; und er zerriss ihn, wie [man] ein Böckchen zerreißt,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;wie [man] ein Böckchen zerreißt&#039;&#039; - W.: „gleich dem Zerreißen eines Böckchens“. (1) Entweder wird Simson durch diesen Vergleich mit einem Raubtier gleichgesetzt: „Er zerriß ihn, wie [ein Raubtier] ein Böckchen zerreißt“; Simson wäre dann also sozusagen ein Hyper-Raubtier. So z.B. Boling 1975. (2) Oder Bildspender ist das gebratene Böckchen beim Mahl, daher Gese 1985, S. 265: „er zerriss ihn, wie man ein (gebratenes) Böckchen zerreißt“. Oder schließlich (3), Bildspender ist das in [[Levitikus 1#s17 |Lev 1,17]] geschilderte Opferritual und Simson zerreißt den Löwen so mühelos, wie ein Priester beim Opfer einer Taube die Flügel abreißt (so z.B. Groß 2009 und Nelson 2017). Wie auch immer; auf jeden Fall verbildlicht der Vergleich die Mühelosigkeit von Simsons Sieg.&amp;lt;/ref&amp;gt; obwohl (wobei) er nichts in seiner Hand hatte. {{par|1 Samuel|17|36}} {{par|2 Samuel|23|20}} {{par|1 Chronik|11|22}}&amp;lt;br /&amp;gt;Und er erzählte&amp;lt;ref name=&amp;quot;erzählen&amp;quot; /&amp;gt; seinem Vater und seiner Mutter nicht, was er getan hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
{{S|7}} (Und=) Später ging er hinab und redete mit der Frau,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;redete mit der Frau&#039;&#039; - am besten wohl gedeutet von Zapletal 1906, S. 64: „Simson allein bespricht sich nun mit der Philisterin wegen der Ehe.“ Sowohl die Eltern Simsons als auch die der Philisterin werden also bei der Brautwerbung übergangen.&amp;lt;/ref&amp;gt; und sie war recht (schön) in Simsons Augen. &lt;br /&gt;
{{S|8}} Nach [einigen] Tagen kam er (zurück=) noch einmal, um sie zu (nehmen=) heiraten. Da bog er ab, um nach dem Kadaver des Löwen zu sehen. (Und siehe=) Da sah er im Körper (Maul)&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Samson findet Honig.png|mini|Christoph Weigel: &#039;&#039;Simson findet Honig im Kadaver des Löwen&#039;&#039;, Kupferstich]]&amp;lt;div class=&amp;quot;tright&amp;quot; style=&amp;quot;clear:none&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Löwenkampf.jpeg|mini|Lucas Cranach: &#039;&#039;Simsons Kampf mit dem Löwen&#039;&#039;. Public domain, via Wikimedia Commons]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Vom „Körper“ sprechen hier nur MT, JosAnt, Tg und Syr. Dagegen LXX, VL und VUL haben hier „im Mund“, manche LXX-Handschriften haben außerdem auch in V 9 zwei Mal „aus seinem Mund“ (s. näher auf der [https://offene-bibel.de/wiki/Kommentar:Richter_14#note_h Kommentarseite]). Das hält man heute einheitlich für Schreibfehler. Sehr sicher ist das zwar nicht; bei der sehr einheitlichen Position in der Forschung wird aber klar auch OfBi mit „Mund“ übersetzen müssen. Die Variante ist hier aber dennoch erwähnenswert, weil sie doppelt auf die Kunstgeschichte gewirkt hat: Erstens findet wegen dieser Variante Simson auch auf Gemälden und Stichen den Honig stets im „Mund“, zweitens und als Folge davon tötet er daher auch den Löwen meistens, indem er ihm die beiden Kiefer auseinanderreißt.&amp;lt;/ref&amp;gt; des Löwen einen Bienen-Gemeinde&amp;lt;ref name=&amp;quot;Vv. 8f.&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;Bienen-Gemeinde&#039;&#039; - vermutlich nicht das gewöhnliche Wort für „Bienenschwarm“ (vgl. z.B. Emmrich 2001, S. 69f.). &#039;&#039;´edah&#039;&#039; ist sonst eigentlich die israelitische Gemeinde derer, die an den Gott JHWH glauben. Die Frucht dieser „Bienengemeinde“ wird dann in V. 9 von Simson „&#039;&#039;unterworfen&#039;&#039;“; ebenfalls nicht das erwartbare Wort dafür, dass Simson dem Kadaver Bienenwaben „entnimmt“. Fast sicher wird man daher die beiden Verse mindestens &#039;&#039;auch&#039;&#039; symbolisch nehmen müssen: Wie die Philister die Israeliten unterdrücken, so „unterwirft“ hier Simson die „Gemeinde“ der Bienen, wie er später auch die Philister im Tempel übermannen wird.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Honig. &lt;br /&gt;
{{S|9}} {Und} Er unterwarf&amp;lt;ref name=&amp;quot;Vv. 8f.&amp;quot; /&amp;gt; ihn auf seine Handflächen und aß im Gehen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;aß im Gehen&#039;&#039; - W. „er ging gehen und essen“, ein sog. pleonastischer Infinitivus absolutus. Vgl. ähnlich z.B. [[Genesis 8#s3 |Gen 8,3.5.7]]; [[Genesis 12#s9 |12,9]]; [[Josua 6#s9 |Jos 6,9]] [[1 Samuel 6#s12 |1Sam 6,12]] u.ö. Übersetze am besten wie vorgeschlagen; der pleonastische Inf. abs. ist eine Eigentümlichkeit der heb. Sprache, die offenbar keine besondere Bed. hat.&amp;lt;/ref&amp;gt; Er ging zu seinem Vater und zu seiner Mutter und gab ihnen [etwas Honig], und sie aßen [ihn]. Aber er erzählte&amp;lt;ref name=&amp;quot;erzählen&amp;quot; /&amp;gt; ihnen nicht, dass er den Honig aus dem Körper (Kadaver) des Löwen unterworfen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|10}} (Und=) Später ging sein Vater zu der Frau.&amp;lt;ref&amp;gt;Was Simsons &#039;&#039;Vater&#039;&#039; hier soll, ist schwer verständlich. Gewiss ist der Satz literarisch zu erklären: In V. 5 gehen „Simson und auch sein Vater und seine Mutter“ hinab, in V. 7 geht nur „Simson“ hinab, in V. 10 schließlich nur „sein Vater“. Aber was diese Textgestaltung zum Ausdruck bringen soll, hat bisher noch niemand erkennen können.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Einige wollen daher ohne Stütze in den alten Versionen &#039;&#039;sein Vater&#039;&#039; durch &#039;&#039;Simson&#039;&#039; ersetzen (z.B. noch Gese 1985, S. 264). Aber das geht gewiss nicht an; die Anwesenheit seines Vaters beim Hochzeitsfest macht auch erst erklärlich, warum in Vv. 6.9 eigens gesagt werden musste, Simson habe seinen Eltern nichts von dem Löwen erzählt – nur deshalb kann er sich in V. 18 sicher sein, dass seine Verlobte dies den Philistern verraten haben muss.&amp;lt;/ref&amp;gt; {Und} Simson veranstaltete dort ein Trinkgelage, wie [es] die jungen Männer zu tun pflegten.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;wie es die jungen Männer zu tun pflegen&#039;&#039;, d.h. entweder: Simson handelt so „wie die jungen Männer“, indem &#039;&#039;er&#039;&#039; statt dem Brautvater das Trinkgelage ausrichtet (so Webb 2012; das Trinkgelage zur Hochzeit im Haus des Brautvaters selbst ist breit bezeugt; vgl. z.B. indirekt [[Genesis 29#s27 |Gen 29,27f.]]; klarer [[Tobit 8#s20 |Tob 8,20]]; [[Tobit 10#s7 |10,7]]; JosAs 21,7 und weitere frühjüdische Schriften). Dann würde Simson hiermit den Brautvater ebenso übergehen, wie er in V. 7 seinen Vater bei den Ehe-Absprachen übergangen hat. Oder: Er handelt „wie [gewöhnliche] &#039;&#039;junge Männer&#039;&#039;“ und nicht wie ein Nasiräer, der sich ja Alkohol zu enthalten hatte.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|11}} {Und es geschah:} Als sie ihn sahen, (nahmen=) bestimmten sie dreißig Gefährten.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Gefährten&#039;&#039; - Gemeint sind ironisch gespiegelt &#039;&#039;schoschbinin&#039;&#039;, also eine Art jüdische Brautführer (= das männliche Pendant der Brautjunger) des Bräutigams. Es ist natürlich möglich, dass die Philister die Hintergedanken hatten, Simson durch dieses „Gefährten“ auch bewachen zu lassen. Gesagt wird es aber nicht, und wichtiger: Die folgende Geschichte schildert eine Entfremdungsgeschichte; aus den „Gefährten“ werden in Vv. 16f. zunächst „Volksgenossen seiner Frau“ und dann in V. 18 nur noch „Männer der Stadt“ (sehr gut Webb 2012, S. 374). Es passt daher sehr gut, dass am Anfang dieser Entwicklung dieses harmonische Wort einen Zustand der Harmonie schildert.&amp;lt;/ref&amp;gt; [Diese] waren bei ihm.&lt;br /&gt;
{{S|12}} Und Simson sagte zu ihnen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;„Ich will euch ein Rätsel rätseln. &lt;br /&gt;
Wenn ihr es mir {erzählend} erzählen könnt&amp;lt;ref name=&amp;quot;erzählen&amp;quot; /&amp;gt; &lt;br /&gt;
_Innerhalb der sieben Tage des Trinkgelages&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Sekundär}}Und [es] herausbekommt,{{Sekundär ende}}&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;und es herausbekommt&#039;&#039; fehlt in LXX und VUL. BHQ nimmt an, es sei dort nur gestrichen worden, um den Stil zu verbessern, aber wahrscheinlicher Moore 1900; BHS; Schreiner 1957, S. 32; Groß 2009 uva.: Das Wort wurde erst später eingefügt, um die „Spielregeln“ des Rätselwettstreits zu verändern: Mit „Wenn ihr es mir erzählen könnt“ wird nur verlangt, dass die Philister die korrekte Antwort sagen können. Mit „Wenn ihr es herausbekommt“ dagegen forderte Simson explizit, dass die Philister selbst das Rätsel knacken können müssen. Erst mit Hinzufügung dieses Worts hätten die Philister also unfair gespielt. S. in V. 19 für eine ähnliche Ergänzung.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;Dann werde ich euch geben dreißig Leinengewänder &lt;br /&gt;
_Und dreißig Wechselkleider (Panzerkleider).&amp;lt;ref name=&amp;quot;Panzer&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;Wechselkleider (Panzerkleider)&#039;&#039; - Heb. &#039;&#039;ḥalipot begadim&#039;&#039;, w. offenbar „Wechsel der Kleidung“. I.d.R. erklärt als &#039;&#039;besondere&#039;&#039; Gewänder, mit denen man an bestimmten Tagen seine Alltagskleidung tauscht, und daher als „Festgewänder“ oder „Sonntagskleider“ (so schön Knauf 2016).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Anm. d. Üs.&#039;&#039;&#039;: Ich (S.W.) zweifle sehr an dieser Erklärung: In V. 19 erbeutet Simson dreißig &#039;&#039;ḥaliṣot&#039;&#039;, was nach [[2 Samuel 2#s21 |2 Sam 2,21]] gewiss „Rüstung“ bedeutet, und gibt diese als &#039;&#039;ḥalipot&#039;&#039; an die Männer weiter. Danach scheint &#039;&#039;ḥalipot&#039;&#039; neben „Wechsel“ mindestens &#039;&#039;auch&#039;&#039; „Rüstung“ bedeuten zu können. Das lässt sich etymologisch stützen: Das akkadische &#039;&#039;ḫalāpu(m)&#039;&#039; heißt „sich kleiden“ und auch speziell „sich rüsten“; danach ließe sich gut ein hebräisches &#039;&#039;ḥalipah&#039;&#039; II „Rüstung“ annehmen. Das Wort steht in ähnlichem Kontext sonst nur noch in [[Genesis 45#s22 |Gen 45,22]]; [[2 Könige 5#s5 |2 Kön 5,5.22f.]]. Dort werden &#039;&#039;ḥalipot&#039;&#039; nebst Edelmetallen als Zahlungsmittel verwendet. Auch diese Stellen passen mindestens ebenso gut zu Rüstungen wie zu kostbaren Festtagsgewändern. Lässt man sich hiervon leiten und nimmt wirklich ein &#039;&#039;ḥalipah&#039;&#039; II „Rüstung“ an, verspricht Simson „dreißig Leinengewänder und dreißig Panzerkleider“, und in V. 19 „nimmt er ihre Rüstungen und gibt diese Panzer“ an die Gefährten weiter. So deutet bisher aber niemand; einstweilen sollte daher besser auch OfBi bei der klassischen Deutung bleiben.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|13}} Aber wenn ihr[s] mir nicht erzählen könnt,&amp;lt;ref name=&amp;quot;erzählen&amp;quot; /&amp;gt; &lt;br /&gt;
Dann müsst ihr mir geben dreißig Leinengewänder &lt;br /&gt;
_Und dreißig Wechselkleider (Panzerkleider).“&amp;lt;/poem&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sagten sie ihm: &lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;„Rätsle uns dein Rätsel,&lt;br /&gt;
_Wir wollen es hören (damit wir es hören)!“&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|14}} Da sagte er zu ihnen: &lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;„Vom Fresser geht (ging) Fraß aus&lt;br /&gt;
_Und vom Starken (Gewaltigen) geht (ging) Süßes aus.“&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber (und) sie konnten das Rätsel drei Tage [lang] nicht erzählen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;erzählen&amp;quot; /&amp;gt; &lt;br /&gt;
{{S|15}} {Und es geschah:} Am vierten (siebten)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Wortlaut z.B. mit BHS; Sicre 2018; LUT 17 nach LXX u.a. Dagegen MT u.a. Textzeugen: „Am &#039;&#039;siebten&#039;&#039; Tag“; das halten z.B. auch BHQ; Spronk 2019 und EÜ 16 für den ursprünglichen Text. S. dazu näher auf der [https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Kommentar:Richter_14 Kommentarseite].&amp;lt;/ref&amp;gt; Tag sagten sie zu Simsons Frau: „Betöre deinen Mann, damit er uns das Rätsel erzählt!&amp;lt;ref name=&amp;quot;erzählen&amp;quot; /&amp;gt; Sonst werden wir dich und (das Haus=) den Hausstand deines Vaters mit (im) Feuer verbrennen! Habt ihr, um uns arm zu machen (zu enteignen, zu ruinieren),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;arm machen (enteignen, ruinieren)&#039;&#039; - Die Konsonanten dieses Wortes wurden von den Alten unterschiedlich gedeutet: (1) Von MT als Qal von &#039;&#039;jaraš&#039;&#039; „enteignen“; (2a) von Tg als Hifil von &#039;&#039;jaraš&#039;&#039; „um uns zu ruinieren“ wie in [[Exodus 15#s9 |Ex 15,9]]; (2b) wohl von hier aus auch LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B&amp;lt;/sup&amp;gt;: „um uns zu (unter)drücken“; (3) von LXX&amp;lt;sup&amp;gt;A&amp;lt;/sup&amp;gt; schließlich als Hifil von &#039;&#039;ruš&#039;&#039; „arm sein“ &amp;gt; „arm machen“. Fast alle neueren dt. Üss. präferieren dieses „arm machen“. Nach (1) aber z.B. BigS, ELB, H-R: „um uns zu berauben“, B-R, TUR: „um uns auszuerben“. So neuerdings auch einige neue Kommentare: Knauf 2016: „um uns auszunehmen“; Niditch 2008; Nelson 2017; Spronk 2019: „to dispossess us“; Webb 2012: „to rob us“.&amp;lt;/ref&amp;gt; uns eingeladen hierher!?“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Wortlaut z.B. mit BHS; Webb 2012; EÜ 16, LUT 17 nach Tg und fünf heb. Handschriften. Dagegen MT hat ein unerklärliches „Habt ihr ... uns eingeladen? Nicht?“, was heute die meisten für ursprünglich halten, aber grammatisch unerklärlich ist. S. dazu näher auf der [https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Kommentar:Richter_14 Kommentarseite].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|16}} Da weinte Simsons Frau vor ihm (an ihm, wider ihn)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;vor ihm (an ihm, wider ihm)&#039;&#039; - entweder also schlicht „in seiner Gegenwart“. So übersetzen die meisten, z.B. LUT: „Da weinte Simsons Frau vor ihm“. Oder sie wirft sich ihm an den Hals und weint an seiner Schulter So z.B. GN: „Da hängte die Frau sich weinend an Simsons Hals“. Oder schon in der Präposition kommt zum Ausdruck, wie sehr sie ihn mit ihrem Weinen nervt und auch nerven will: „sie heulte ihm etwas vor“. Ähnlich z.B. BigS: „Da weinte Simsons Frau ihn an“.&amp;lt;/ref&amp;gt; und sagte: &lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;„Du hasst mich nur, &lt;br /&gt;
_Du liebst mich nicht! &lt;br /&gt;
Du hast (den Söhnen meines Volkes=) meinen Volksgenosssen ein Rätsel gerätselt, &lt;br /&gt;
_Aber mir hast du[&#039;s] nicht erzählt!“&amp;lt;ref name=&amp;quot;erzählen&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;/poem&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sagte er zu ihr: &lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;„(Siehe: nicht=) Nicht einmal meinem Vater und meiner Mutter habe ich[&#039;s] erzählt. &lt;br /&gt;
_Sollte ich[&#039;s] dir erzählen?“&amp;lt;ref name=&amp;quot;erzählen&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Sollte ich&#039;s dir erzählen?&#039;&#039; - Keine wirklich klare Abweisung. Und tatsächlich wird ja schon im nächsten Vers Simson in der Tat einzig ihr die Lösung des Rätsels verraten. Besser übersetzt man daher wie vorgeschlagen als offene Frage, nicht wie z.B. EÜ: „Wie sollte ich es dir sagen?“&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|17}} Und sie weinte vor ihm (an ihm, wider ihn) die [ganzen] sieben Tage, an denen das Trinkgelage war (an denen sie das Fest hatten).&amp;lt;ref&amp;gt;D.h. wohl: Sie hat schon am ersten Tag – noch bevor ihre Volksgenossen auf sie zukamen – mit ihrem Heulen begonnen. So schon ibn Ezra; z.B. auch Ryan 2007; Webb 2012; Spronk 2019. Alternativ z.B. Boling 1975; Block 1999; Schneider 2000: Sie weint ab dem vierten Tag &#039;&#039;den Rest&#039;&#039; der sieben Tage. Aber das wäre arg knapp formuliert.&amp;lt;/ref&amp;gt; {Und es geschah:} Am siebten Tag erzählte er[s] ihr,&amp;lt;ref name=&amp;quot;erzählen&amp;quot; /&amp;gt; weil sie ihn [so] bedrängte (bedrängt hatte), und sie erzählte&amp;lt;ref name=&amp;quot;erzählen&amp;quot; /&amp;gt; das Rätsel (den Söhnen ihres Volkes=) ihren Volksgenossen. &lt;br /&gt;
{{S|18}} Da sagten zu ihm die Männer der Stadt am siebten Tag, [gerade,] bevor die Sonn&#039; (untergehen würde=) unterging:&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;die Sonn&#039;&#039;&#039; - verwendet wird nicht das übliche Wort &#039;&#039;šamš&#039;&#039;, das wahrscheinlich auch in Simsons Namen steckt, sondern das sehr seltene &#039;&#039;ḥarsah&#039;&#039;. Darüber hinaus ist die Form des Wortes auffällig, aber dazu s. näher auf der [https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Kommentar:Richter_14 Kommentarseite].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;„Was [ist] süßer als Honig? &lt;br /&gt;
_Und was [ist] stärker (gewaltiger) als ein Löwe?“&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sagte er zu ihnen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;„Wenn ihr nicht mit meiner Jungkuh gepflügt hättet,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;mit meiner Jungkuh pflügen&#039;&#039; - gemeint ist natürlich die Erpressung von Simsons Verlobter durch die Philister. &#039;&#039;Jungkuh&#039;&#039; muss man nicht abwertend verstehen (so z.B. Spronk 2019); Kühe waren in der Antike sogar ein Paradigma für Schönheit. Vgl. v.a. [[Jeremia 46#s20 |Jer 46,20]]: „Ägypten ist eine schöne hübsche Jungkuh“. Nach diesem Tier benannte man daher auch seine Töchter: Lea ist die „Kuh“, Egla (wie hier) die „Jungkuh“. Entsprechend wurde eine Reihe von kanaanäischen und ägyptischen Göttinnen – gerade auch Liebesgöttinnen, bes. Hathor – mit Kühen assoziiert; der ägyptische Gott Sin und der kanaanäische Gott Baal hatten Geschlechtsverkehr mit einer Kuh, und auch der griechische Gott Zeus hatte etwas Ähnliches mit Io, als sie noch die Gestalt einer Kuh hatte (er zeugt mit ihr den Epaphos durch „Anhauchung“), während seine Frau Hera den Beinamen „die Kuh-Äugige“ hat, was ihre Schönheit hervorheben soll. Zu einigen dieser Mythen vgl. gut Barstad 1984, S. 45-47.&amp;lt;br /&amp;gt;Entweder ist nur gemeint: Ihr habt unfair gespielt, auf diese meine Ressource hättet ihr nicht zugreifen dürfen! So z.B. Groß 2009; Chisholm 2013. Oder aber hier wird auf einen Ehebruch angespielt; „pflügen“ ist im Heb. (und auch Gr.) eine häufige Metapher für Geschlechtsverkehr. So zur Stelle schon Ralbag und Abravanel; auch viele neuere, z.B. Paul 2008; Nelson 2017; Bar 2018, S. 82. Besonders gut zum Verlauf der Erzählung passt das aber nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
_Hättet ihr mein Rätsel nicht herausbekommen!“&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|19}} {{Sekundär}} Da drang der Geist JHWHs in ihn ein,&amp;lt;ref name=&amp;quot;eindringen&amp;quot; /&amp;gt; er ging hinab nach Aschkelon&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Aschkelon&#039;&#039; - eine der fünf Hauptstädte Philistäas, 40km von Timna entfernt. Simson hätte also mal eben 80 km zurückgelegt, um den Timnäern ihre Kleidungen zu besorgen, anstatt z.B. in eine der beiden benachbarten Hauptstädte Gath oder Ekron zu ziehen. Daher sinnvoll Gaß 2007, S. 383: „Die Verlagerung dieser Episode ins entfernte Aschkelon soll wohl verhindern, dass Simson von den wütenden Angehörigen der getöteten 30 Männer verfolgt werden kann.“ Oder Aschkelon wurde gewählt, um neben Timna am nördlichen Rand des Philisterreiches und Gaza am südlichen Rand auch noch die &#039;&#039;zentrale&#039;&#039; philistäische Hafenstadt zwischen Gaza und Aschdod in der Geschichte unterzubringen.&amp;lt;/ref&amp;gt; und erschlug von ihnen dreißig Mann. Er nahm ihre Ausrüstung (Rüstung) und gab die Wechsel[kleider] (Panzer)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Panzer&amp;quot; /&amp;gt; denen, die das Rätsel erzählt&amp;lt;ref name=&amp;quot;erzählen&amp;quot; /&amp;gt; hatten.{{Sekundär ende}}&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Die Satzfolge macht offensichtlich wenig Sinn: (1) Die Philister schummeln – (2) Simson beschwert sich – (3) Simson organisiert seine Wettschulden – (4) und dann erst wird er zornig. Wahrscheinlich ist dieser Teil von V. 19 daher ähnlich zu erklären wie das „und wenn ihr es herausbekommt“ in V. 12: Ursprünglich ist Simson erbost über die Schummelei der Philister postwendend nach Hause gezogen. Um aber das Simson-Bild aufzuhübschen, haben ihm spätere Schreiber zunächst noch seine Wettschulden bezahlen lassen, indem sie erst später diesen Satz an wenig sinnvoller Stelle einfügten (so z.B. noch Groß 2009).&amp;lt;/ref&amp;gt; Da entflammte sein Zorn und er ging hinauf zum Haus seines Vaters. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|20}} Und Simsons Frau wurde [die] seines Genossen, der sein Gefährte&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Genosse&#039;&#039; + &#039;&#039;Gefährte&#039;&#039; - Theoretisch auch möglich wie bei Knauf 2016: „Sie wurde die Frau seines Genossen, dessen Gefährtin &#039;&#039;sie&#039;&#039; war“. Gemeint ist nach V. 11 aber mit dem zweiten Wort klar der „Ober-&#039;&#039;schoschbin&#039;&#039;“, also unter den altorientalischen &#039;&#039;schoschbinin&#039;&#039; = Brautführern, die mit dem ersten Wort gemeint sind, jener, dessen Amt am ehesten dem des heutigen Trauzeugen entsprach: „Sie wurde die Frau desjenigen seiner Brautführer, der für ihn Trauzeuge gewesen war“. Vgl. dann näher in den Anmerkungen.&amp;lt;/ref&amp;gt; [gewesen war].&amp;lt;ref&amp;gt;V. 20 gehört eigentlich bereits zu Kapitel 15. So urteilt Kim 1993, S. 266f. aus literarischen Gründen, vor allem aber gliedern so auch viele heb. Handschriften den Text.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Ri 14 beginnt Simson seine Folge von Heldentaten, mit denen er sich &#039;&#039;&#039;Schritt für Schritt ins Zentrum des Philisterreiches&#039;&#039;&#039; vorkämpft. Altorientalische Städte hatten gelegentlich im Stadtkern einen Tempel oder einen Palast; große Orte waren von einer Mauer mit einer großen Toranlage umfriedet. Lag die Stadt im Tal (so hier: Simson „geht nach Timna &#039;&#039;hinab&#039;&#039;“), schlossen sich daran in der näheren Umgebung die Felder der Bewohner:innen an; Weingärten dagegen wurden i.d.R. auf künstlichen Terassen auf Bergen angebaut (wo Getreide nicht so gut gedieh, da es weniger natürliche Wasserläufe gab und Regenwasser zu schnell ablief, vgl. z.B. Vogelstein 1894, S. 13). Simson nun vollbringt seine erste Heldentat in einem philistäischen Weingarten, dann vernichtet er in Ri 15 Getreidefelder, verschleppt in Ri 16 zu Beginn eine Toranlage, um am Ende in einer philistäischen Hauptstadt einen Tempelpalast zum Einsturz zu bringen. Nach und nach arbeitet er sich also von außen nach innen vor, und unser Kapitel schildert von dieser Progression den ersten Schritt.&amp;lt;br /&amp;gt;[[Datei:Orte Ri 14.png|gerahmt|Orte in Ri 14; 16]]Noch in einem weiteren Sinn arbeitet er sich immer weiter ins Philisterreich vor: Simsons erster Ausflug geht nach Timna, gerade auf der anderen Seite des Flusses Sorek, dem Wohnort seiner zweiten großen Liebe in Ri 16, den man sich in Ri 13-16 wohl als natürliche Grenze zwischen dem Gebiet der Daniten und der Philister denken muss. Man sieht, wie nahe beieinander Eschtaol, Zora, Timna und der Fluss Sorek liegen – Simsons primäres Wirkungsgebiet ist winzig. Doch seine erste große Liebe in Ri 14 wird ihm am Ende des Kapitels Gelegenheit geben, im weit entfernte Aschkelon auf Kriegszug zu gehen, seine zweite große Liebe bringt ihn schließlich nach Gaza, die entfernteste philistäische Großstadt. Am Ende des Simson-Zyklus hat Simson so die ganze Fläche des Philisterreichs durchmessen. Auf der Karte abgebildet ist noch Hebron, wohin Simson in [[Richter 16#s1 |Ri 16,1-3]] aberwitzigerweise das Stadttor Gazas verfrachtet haben soll; zu diesem Abschnitt s. dort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein dritter Zug verbindet alle folgenden Geschichten: Stets ist ihr Ausgang der &#039;&#039;&#039;Umgang Simsons mit einer philistäischen Frau&#039;&#039;&#039;. Wie dies zu bewerten ist, ist nach [[Richter 3#s6 |Ri 3,6f.]], wo dies als die neue Ursünde der Israeliten identifiziert wird, ohnehin klar. Dass Simson auch noch erklärt, sie sei „recht in seinen Augen“, und damit die zweite entscheidende Sünde der Israeliten aus [[Richter 17#s6 |Ri 17,6]] und [[Richter 21#s25 |Ri 21,25]] vorwegnimmt (s. dort), unterstreicht es noch zusätzlich. Um es dann aber sogar noch offensichtlicher zu machen, stellt der Autor dem Simson-Zyklus noch &#039;&#039;&#039;Vv. 1-4&#039;&#039;&#039; als eine Art zweiten Prolog voran: In den Augen rechtschaffener Israeliten ist klar zu verurteilen, wie Simson hier jeweils handelt; von den Frauen fremder Völker – und gerade von den Frauen dieses fremdesten, unbeschnittenen Volks – hat sich ein guter Israelit gefälligst fernzuhalten. Doch &#039;&#039;&#039;V. 4&#039;&#039;&#039; verrät auch gleich, was weder Manoach noch seine Frau wissen: Dieses Handeln Simsons „kommt von Gott“. Vorausgesetzt ist offenbar, dass auch der Gott JHWH ganz selbstverständlich wie z.B. die Götter Amor oder Eros Menschen dazu bringen kann, sich in andere Menschen zu verlieben, weshalb die Liebe im Hohelied gar als „grausame Flamme JHWHs“ bezeichnet werden kann ([[Hohelied 8#s6 |Hld 8,6]]).&amp;lt;ref&amp;gt;Ähnlich leiteten entweder Rabbi Abahu (3.-4. Jhd. n. Chr.) oder Rabbi Aibo (4. Jhd.) aus diesem Vers (und [[Genesis 24#s50 |Gen 24,50]] und [[Sprichwörter 19#s14 |Spr 19,14]]) ab, dass &#039;&#039;Gott&#039;&#039; jedem Menschen den idealen Partner zubestimmte, s. b.B.Q. 18b; Midrasch BerR 68,3; Midrasch Teh 59,2.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;&#039;Vv. 5f.&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;Vv. 7-9&#039;&#039;&#039; folgen zwei Abschnitte, die v.a. das Folgende vorbereiten. Beide beginnen damit, dass Simson „nach Timna hinabgeht“, beide enden damit, dass Simson seinen Eltern „etwas nicht erzählt“. Schon hier klingt also wieder die Thematik von Geheimnis und Verschwiegenheit an, die bereits in der Erzählung über Simsons Geburt so zentral war: Simson beginnt sein richterliches Wirken als Geheimniskrämer. Simsons Eltern dagegen haben mit [[Richter 13#s21 |Ri 13,21]] aufgehört, „Wissende“ zu sein; nachdem sie in V. 4 schon keine Einsicht mehr hatten in Gottes geheimes Wirken in Simsons Schwäche für Philisterfrauen, lässt sie nun auch ihr Sohn über sein Handeln im Unklaren.&amp;lt;br /&amp;gt;Was er seinen Eltern nicht erzählt, ist im ersten der beiden Abschnitte, dass er einen Löwen getötet hat, im zweiten, dass er ihnen Bienenhonig aus dem Kadaver des Löwen vorgesetzt hat. Es sind dies die beiden Elemente des Rätsels, das er in V. 14 den Philistern stellen und die er fatalerweise dann doch seiner Frau verraten wird.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Daneben könnte außerdem schon Simsons Sieg über den Löwen ein &#039;&#039;&#039;Bruch mit den Nasiräergesetzen&#039;&#039;&#039; sein (s. zu Kap. 13): Nasiräer durften nach [[Numeri 6#s6 |Num 6,6]] nicht in Kontakt mit „Leichen“ kommen. Galten (1) auch Tiere (2) schon im Moment ihres Todes als „Leichen“ (w. in Num 6,6: „tote Lebewesen“), hätte der Nasiräer Simson den Löwen illegal getötet. Beides ist aber ungewiss.&amp;lt;ref&amp;gt;Recht eigentlich ist es sogar ganz unwahrscheinlich: Im Talmud wird in b.Naz 4b abgewogen: „&#039;&#039;Woher wissen wir, dass Simson durch Kontakt mit Leichen verunreinigt wurde? Daher, dass es heißt: ‚Mit dem Kieferknochen eines Esels erschlug ich 1000 Mann‘ etwa? [Nein:] Vielleicht hat er [schließlich] damit nach ihnen geworfen und so so nicht berührt.&#039;&#039;“ Heißt: Im Talmud gilt selbst der Kieferknochen des Esels nicht als „Leichen-Teil“; umso weniger dann der Löwe, bei dem dies im Talmud ja nicht einmal erwogen wird. Menschen aber galten in der Tat schon im Moment ihres Todes als „Leichen“, weshalb eben mit dem Eselskiefer geworfen werden muss.&amp;lt;/ref&amp;gt; Etwas wahrscheinlicher sind dann die Geschehnisse aus Vv. 7-9 ein Bruch mit jüdischen Geboten: Da Bienen ihre Waben im Körper des Löwen gebaut und sogar bereits Nektar gesammelt haben, ist dieser schon seit längerem tot und damit „Aas“, und auch dann, wenn auch „Aas“ nicht als „Leiche“ galt, stand das Essen von Aas-Honig gewiss mindestens im Widerspruch zu den allgemeinen jüdischen Reinheitsgeboten und damit umso mehr mit den noch schärferen nasiräischen (s. z.B. [[Levitikus 11#s24 |Lev 11,24f.]]).&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;Die &#039;&#039;&#039;Bienen im Körper des Löwen&#039;&#039;&#039; sind nicht verwunderlich. In griechischen antiken Texten gibt es einige parallele Stellen: Herodot berichtet in Hist 5.114, Bienen hätten ihre Waben im Schädel des getöteten Onesilus gebaut. Noch relevanter ist die sog. „Bugonie“ (s. [https://de.wikipedia.org/wiki/Bugonie Wikipedia]), ein breit bezeugter Volksglaube, nach dem Bienen aus den Kadavern von Tieren entstanden (s. z.B. Vergil, Georg. IV 555-558; Philo, SpecLeg I 291; weitere Stellen z.B. bei [https://books.google.de/books?id=n5hTAAAAcAAJ&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA391#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false Merx 1887, Sp. 391f.]), wie man ähnlich noch in der frühen Neuzeit z.B. glaubte, Mäuse entstünden aus Schimmel. Wurzel dieses Volksglaubens war wahrscheinlich eine Verwechselung der Honigbiene mit der häufig Kadaver umschwirrenden Mistbiene (vgl. z.B. Osten-Sacken 1894; Engels 2008, S. 26f.). Aber so und so; jedenfalls ist gut erklärlich, wie in einem antiken Text dergleichen berichtet werden konnte.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit &#039;&#039;&#039;V. 10&#039;&#039;&#039; dann beginnt der längste Unter-Abschnitt von Ri 14: Wie dies für altorientalische Hochzeiten noch häufiger belegt ist, begibt sich Simson ins Haus des Brautvaters, um dort bei einem siebentägigen Fest seine Verlobte zu heiraten. Dieses „Fest“ ist wörtlich ein „Trinkgelage“; nach Simsons Kontakt mit der Löwenleiche und vor allem seinem Essen des Aas-Honigs folgt hier also gleich die nächste Gelegenheit, bei der man mindestens mithören könnte, dass Simsons Handeln nicht dem eines idealen Nasiräers entspricht, für den ja Alkohol verboten war. Aber dass Simson selbst Alkohol trank, wird ja nicht einmal gesagt; wenn überhaupt, ist dies also ein Nebenthema. Hauptthema des Abschnitts ist dagegen klar das Rätsel, das Simson nach &#039;&#039;&#039;Vv. 12-13&#039;&#039;&#039; seinen 30 philistäischen Trauzeugen aufgeben will. Wahrscheinlich muss man &#039;&#039;&#039;Vv. 14-18&#039;&#039;&#039; zunächst so verstehen: Dass Simson überhaupt ein &#039;&#039;Rätsel&#039;&#039; erzählt, passt zum Geheimhaltungsmotiv in Ri 13-14. Wider Erwarten stellt Simson aber nicht einmal ein gewöhnliches Rätsel, sondern ein sogenanntes „Vexierrätsel“, das die Philister unmöglich erraten können, weil die Antwort voraussetzt, dass man um Simsons Erlebnis mit dem Löwen (s. Vv. 5f.) und dem Honig (s. Vv. 7-9) weiß; Simson erweist sich also geradezu als Meister der Geheimhaltung. Dass er zu einem Vexierrätsel greift, ist nicht „anständig“, aber regelkonform bei einem Rätselwettstreit. Dass die Philister dann Simsons Frau dazu bringen, ihm die Lösung zu entlocken, ist ebenfalls nicht anständig, aber ebenso regelkonform (s. dazu näher auf der [https://offene-bibel.de/wiki/Kommentar:Richter_14 Kommentarseite], wo außerdem eine Reihe weiterer Ausdeutungen des Rätselabschnitts gesammelt wurden).&amp;lt;br /&amp;gt;Wichtiger ist dann aber, was &#039;&#039;im Zuge&#039;&#039; des Rätselwettstreits geschieht: Simson bricht entscheidend mit einer Reihe weisheitlicher Empfehlungen aus dem altorientalischen Kulturraum, wie sie kürzlich stark Sasson 2021 zusammengetragen hat, und verstößt damit das erste Mal gegen das &#039;&#039;&#039;Ideal der Geheimniskrämerei&#039;&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: „&#039;&#039;Öffne dein Herz nicht deiner lieben Frau&#039;&#039; [sc.: Verrate ihr nichts davon, was du auf dem Herzen hast].  &#039;&#039;Selbst, wenn sie dich hart bedrängt, verschließe die Geschenke in einem versiegelten Lagerraum. Lass deine Frau nicht (einmal) um das Innere deiner Geldbörse wissen.&#039;&#039;“ (Babylonischer Weisheitsspruch: Šimâ milka 186,16-19)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: „&#039;&#039;Öffne deine Gedanken nicht einer Frau, die du liebst. Versiegle [sie], wie sehr sie dich auch bekuschelt oder bedrängt&#039;&#039;.“ (Ugaritischer Weisheitsspruch: Weisung des Schupe-Ameli ii 16-19)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: „&#039;&#039;Öffne dein Herz nicht deiner Frau. Was immer du ihr gesagt hast, geht bald auf der Straße hausieren.&#039;&#039;“ (Ägyptischer Weisheitsspruch: Khasheshonqy 13,16; nach Sasson 2021, S. 587)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:  „&#039;&#039;Öffne deine Geheimnisse nicht deiner Frau. Denn sie ist schwach und von kleinem Geist, wird&#039;s den Mächtigen verraten, und du wirst verachtet sein.&#039;&#039;“  (Aramäischer Weisheitsspruch: Aḥiqar, Armenische Rezension, A 74)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:  „&#039;&#039;Mein Sohn, gibt dich ruhig mit deiner Frau ab, aber verrate ihr nicht deine Geheimnisse. Sie kann kein Wort in ihrem Herzen bewahren, sondern eröffnet&#039;s ihren Nachbarn, denn sie hat einen mickrigen Verstand, ist von kleinem Geist und (daher) unfähig, durchzuhalten.&#039;&#039;“  (ebd., B 74; beides apud Ayali-Darshan 2018, S. 96)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass Frauen die Geheimnisse ihrer Geliebten und Ehemänner weiterzuerzählen pflegen, war in der altorientalischen Weisheitslehre also ein Gemeinplatz. Sehr unerwartet in dieser Heldenerzählung erweist sich nun dies auch hier als das nach Ri 13 mit Ri 14 und Ri 16 zentrale Thema des Simson-Zyklus: Dass es &#039;&#039;&#039;Verderben bringt, wenn man seiner Geliebten oder Ehefrau seine Geheimnisse „erzählt“&#039;&#039;&#039; (so das Leitwort unseres Kapitels), anstatt sich wie der Gottesbote in Ri 13 unzugänglich zu zeigen. In unserem Kapitel erzählt zunächst Simson etwas denkbar Kleines wie die Lösung eines Rätsels an seine Verlobte weiter. Doch das ganze 15. Kapitel wird gleich darlegen, wie selbst dieser kleine Fehler sich nach und nach zu einem totalen Krieg zwischen Simson, den Philistern und den Judäern entfaltet. Simson jedoch wird dadurch nicht etwa klüger, sondern in der Simon-Erzählung ist &#039;&#039;er&#039;&#039; es, der sich sich in Kapitel 16 als „schwach und von kleinem Geist“ erweist: Gleich vier Mal wird er dort diesen Fehler wiederholen, was dann letztendlich gar zu seinem Tod führen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Folge davon, dass Simson sich nicht an die zitierten Empfehlungen gehalten hat, schildert vielleicht direkt &#039;&#039;&#039;V. 19&#039;&#039;&#039;, wo von Simsons erstem Kriegszug berichtet wird: Um seinen Wetteinsatz zu organisieren, zieht er ins 40 km entfernte Aschkelon, erschlägt dort einfach so 30 Mann und gibt deren Rüstungen an seine Brautführer weiter. Dieser Halbvers allerdings wurde vermutlich erst später zum Text hinzugefügt; ursprünglich dürfte die erste Folge vielmehr die nun folgende gewesen sein: Simson ist ob der Unanständigkeit der Philister und dem Verhalten seiner Verlobten so erbost, dass er just vor Vollzug der Ehe dieselbe absagt und sich wieder nach Hause begibt. Die nächste Folge schildert &#039;&#039;&#039;V. 20&#039;&#039;&#039;, der eigentlich bereits Einleitung von Kapitel 15 ist: Der Brautvater gibt nun Simsons Braut weiter an dessen Trauzeugen. Das wird dann Anlass sein für alle weiteren Entwicklungen im folgenden Kapitel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Früher hat man häufiger angenommen, dass der Vater durch diese Tat &#039;&#039;&#039;rechtlich Simsons Ehe bricht&#039;&#039;&#039;: Die Ehe habe tatsächlich bereits Bestand gehabt, gleichwohl sie noch nicht vollzogen worden war, und der Brautvater hätte mit dieser zweiten Verheiratung also unrechtmäßig gehandelt. Das ist wahrscheinlich auch richtig; vgl. v.a. [[Richter 15#s6 |Ri 15,6]]. Alternativ kann man die rechtlichen Hintergründe mit van Selms 1950; Galpaz-Feller 2006, S. 124f. und Groß 2009 auch so verstehen: In mehreren altorientalischen Gesetzeswerken gab es das spezielle Verbot, bei einer abgebrochenen Hochzeit dürfe eine Braut einzig mit dem Trauzeugen &#039;&#039;nicht&#039;&#039; verheiratet werden. Vgl. z.B. im Gesetzescodex Lipit-Ishtar, §29: &#039;&#039;Wenn ein (zukünftiger) Schwiegersohn bereits in das Haus seines Schwiegevaters eingetreten ist und die Brautgabe erbracht hat, man ihn danach aber wieder hinausschickt und seine (zukünftige) Ehefrau einem seiner befreundeten Altersgenossen [=einem der Brautführer] [geben will], wird man die Brautgabe, die er gebracht hat, ihm doppelt zurückgeben; diese seine (zukünftige) Ehefrau wird der [eine] befreundete Altersgenosse [=der Trauzeuge] nicht heiraten.&#039;&#039; (TUAT I/1, S. 29). Was von beidem hier auch der Fall ist, jedenfalls handelt der Brautvater mit der Weiterverheiratung von Simsons Verlobter unrechtmäßig – weshalb sich in Kapitel 15 dann die Situation noch weiter aufschaukelt. Womit Gott sein Ziel erreicht hat: Mit Ri 14,20 hat Simson endgültig einen sogar außerordentlich guten Anlass, um gegen die Philister vorzugehen.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
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		<title>Jesaja 29</title>
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		<updated>2025-10-30T21:05:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Syntax&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Lesefassung}} &#039;&#039;(kommt später)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|2}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|3}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|5}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|6}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|7}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|8}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|9}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|10}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|11}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|12}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|13}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|14}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|15}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|16}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|17}} Noch&amp;lt;ref&amp;gt;Wörtlich: „ist es nicht noch …?“ - eine Zweifelsfrage, die eine bejahende Antwort suggeriert, vgl. Brockelmann, Hebräische Syntax, § 54c.&amp;lt;/ref&amp;gt; ein klein wenig, &lt;br /&gt;
dann wird der Libanon zu einem Baumgarten werden &lt;br /&gt;
und der Baumgarten als Wald gelten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|18}} An diesem Tage werden die Tauben die Worte des Buches hören, &lt;br /&gt;
und aus Dunkelheit und Finsternis werden die Augen der Blinden sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|19}} {Und} Die Geringen werden wieder Freude haben an JHWH, &lt;br /&gt;
und die Armen unter den Menschen werden über den Heiligen Israels frohlocken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|20}} Denn ein Ende hat der Tyrann, &lt;br /&gt;
und der Spötter vergeht, &lt;br /&gt;
und ausgerottet werden alle, die auf Böses lauern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|21}} Die einen Menschen durch ein Wort als schuldig hinstellen &lt;br /&gt;
und den, der im Tor Recht spricht, mit dem Stellholz fangen &lt;br /&gt;
und durch Nichtiges den Gerechten beugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|22}} Darum, so spricht JHWH, der Abraham erlöst hat, zum Haus Jakob: &lt;br /&gt;
Jakob soll sich nicht mehr schämen &lt;br /&gt;
und sein Gesicht soll nicht mehr erbleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|23}} Denn wenn er&amp;lt;ref&amp;gt;Jakob ist Israel, vgl. Gen 32,29, und steht hier pars pro toto für das Volk Israel, darum steht das Verb im Sg.; später sind die Israeliten das Subjekt, das Verb steht im Pl.&amp;lt;/ref&amp;gt; sehen wird seine Kinder, das Werk meiner Hände, in seiner Mitte, &lt;br /&gt;
werden sie meinen Namen heiligen &lt;br /&gt;
und den Heiligen Jakobs heilig sein lassen &lt;br /&gt;
und den Gott Israels fürchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|24}} Und die im Geist Verwirrten werden Verstehen erlangen, &lt;br /&gt;
und die Unzufriedenen (Murrenden) Einsicht lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Genesis_3&amp;diff=40231</id>
		<title>Genesis 3</title>
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		<updated>2025-10-30T20:55:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Syntax&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Ungeprüfte Studienfassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Lesefassung}}&lt;br /&gt;
{{L|1}}&lt;br /&gt;
{{L|2}}&lt;br /&gt;
{{L|3}}&lt;br /&gt;
{{L|4}}&lt;br /&gt;
{{L|5}}&lt;br /&gt;
{{L|6}}&lt;br /&gt;
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{{L|8}}&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
{{S|1}} Die Schlange nun war [ohne Gewand und] (klug, verschlagen=) gewandt,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;gewandt&#039;&#039; - Wortspiel mit „ohne Gewand“ in 2,25; s. dort. Tatsächlich lässt sich hier sowohl übersetzen: „Sie war nackter als alle anderen Tiere“, als auch: „sie war klüger als alle anderen Tiere“. Die obige Üs. orientiert sich am klugen Vorschlag von Crüsemann (auch in der Kirchentags-Übersetzung): „Sie hatte weniger an, aber mehr drauf als alle anderen Tiere“.&amp;lt;br /&amp;gt;Heute fast ausschließlich übersetzt mit „klug“, und merkwürdigeweise von der großen Mehrheit auch so kommentiert, dass &#039;&#039;´arum&#039;&#039; in der Bibel ausschließlich positiv zu verstehen sei, also eben als „klug“ statt als „verschlagen“ o.Ä. Dabei stimmt das gerade nicht: Positiv gemeint ist das Wort in der Tat sehr häufig im Buch der Sprichwörter. Aber auch nur dort. Für das Adjektiv s. [[Ijob 5#s12 |Ijob 5,12]]; [[Ijob 15#s5 |15,5]], für das verwandte Substantiv [[Exodus 21#s14 |Ex 21,14]]; [[Josua 9#s4 |Jos 9,4]]; [[Ijob 5#s13 |Ijob 5,13]]; für das Verb [[1 Samuel 23#s22 |1 Sam 23,22]]; [[Psalm 83#s4 |Ps 83,4]], wo es jeweils „(hinter)listig“, „(Hinter)list“ und „hinterlistig sein“ bedeutet. Eine Schlange, die &#039;&#039;´arum&#039;&#039; ist, kann also sehr wohl die negative Seite der „Erkenntnis von Gut und Böse“ repräsentieren.&amp;lt;br /&amp;gt;„Klug“ heißt auch im Buch der Sprichwörter nicht „gelehrt“, sondern „&#039;&#039;lebensklug&#039;&#039;“ – „gewandt“, was hier primär zur Übersetzung des Wortspiels gewählt wurde, passt also sogar ziemlich gut.&amp;lt;/ref&amp;gt; mehr als alle (Lebewesen des Feldes=) wilden Tiere, die JHWH-Gott gemacht hatte. Sie sagte zur Frau: „(Auch, wenn =) Obwohl Gott gesagt hat (Um wieviel mehr, da Gott gesagt hat...; Selbst, wenn Gott gesagt hat...; Hat Gott wirklich gesagt!?),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;(auch, wenn=) obwohl (Um wievielmehr, da; Selbst, wenn; wirklich...!?)&#039;&#039; - schwer erklärlich im Heb.&amp;lt;br /&amp;gt;(1) &#039;&#039;`ap ki&#039;&#039; findet sich häufig in der Bibel und hat sehr stabil die Bed. „um wieviel mehr/weniger“ (z.B. [[1 Könige 8#s27 |1 Kön 8,27]]: „Wenn schon der Himmel dich nicht fassen kann – um wieviel weniger könnte dich da dieses Häuslein fassen, das ich gebaut habe!?“). Ibn Ezra und Radak wollen die Fügung auch hier so auffassen und nehmen daher an, dass mit ihr angedeutet werden solle, dass eine längere Diskussion zwischen Frau und Schlange vorausgegangen ist (vgl. ähnlich [[Esther 5#s11 |Est 5,11f.]]).&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Ausnahmen von diesem häufigsten Gebrauch sind nur [[Ijob 35#s14 |Ijob 35,14]]; [[Ezechiel 14#s21 |Ez 14,21]] und [[Nehemia 9#s18 |Neh 9,18]], wo &#039;&#039;`ap&#039;&#039; und &#039;&#039;ki&#039;&#039; jeweils separat genommen werden müssen: „Sogar, wenn...“ / „Selbst, wenn...“ (in [[Ezechiel 23#s40 |Ez 23,40]] und [[Habakuk 2#s5 |Hab 2,5]] ist der MT unverständlich, trägt aber auch nichts zum Verständnis von Gen 3,1 bei). So Hirsch: „Selbst, wenn es Gott gesagt hat...“ Ähnlich wie ibn Ezra und Radak kommentiert er dann: „&#039;&#039;Dieser Beginn der Rede zeigt uns bereits den Menschen in Unterhaltung mit dem Tiere. Es hatte bereits der Mensch das Gottesverbot als Grund des Nichtgenusses hervorgehoben.&#039;&#039;“ Aber dazu passt die Antwort Evas kaum.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Die meisten Neueren verstehen ebenfalls wie bei diesen drei Stellen als zwei separate Partikeln, fassen sie aber anders auf: „(Es gilt) wirklich, dass...“ Das wird dann wie in 4QGen&amp;lt;sup&amp;gt;k&amp;lt;/sup&amp;gt; (&#039;&#039;ha`ap ki&#039;&#039;), LXX und VUL („warum?“) als unmarkierte Frage genommen („Ist es auch der Fall, dass...?“) und dies dann wiederum geglättet zu „Hat wirklich...!?“ (Z.B. BrSynt §159a: „Ist es nicht auch, daß Gott gesprochen hat?“; JM §157a: „&#039;&#039;Is it also that he said? = is it then true that he said?&#039;&#039;“). Das Problem ist nicht (wie z.B. Speiser einwendet) die Deutung als Fragesatz; unmarkierte Fragesätze finden sich in der Tat sehr häufig. Das Problem ist vielmehr: Vergleicht man die idiomatische Frageeinleitung &#039;&#039;haki&#039;&#039; statt &#039;&#039;`ap ki&#039;&#039; (z.B. [[Genesis 29#s15 |Gen 29,15]]; [[2 Samuel 23#s19 |2 Sam 23,19]]; [[Ijob 6#s22 |Ijob 6,22]]), sieht man, dass bei einer Üs. von &#039;&#039;`ap ki&#039;&#039; mit „Gilt wirklich, dass...?“ gerade das fragliche &#039;&#039;`ap&#039;&#039; unerklärt bleibt und in der Üs. „weg-geglättet“ wird. Obwohl das also in diesen beiden großen Grammatiken (und z.B. auch in Williams §487) steht, lässt sich diese Deutung wohl nicht rechtfertigen.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Raschi, Chizkuni, Sforno und auch Ehrlich 1908, Speiser 1964 und ALTER deuten daher &#039;&#039;`ap ki&#039;&#039; wie &#039;&#039;gam ki&#039;&#039;: „Obwohl Gott gesagt hat...“ In Ermangelung einer besseren Alternative wird man sich dem anschließen müssen. Die Frau würde der Schlange dann also korrigierend ins Wort fallen, was dann gleich auch die Alternative „von keinem Baum“ wahrscheinlicher macht als „nicht von jedem Baum“.&amp;lt;/ref&amp;gt; ‚Ihr dürft von keinem Baum (nicht von jedem Baum) des Gartens essen‘,...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|2}} Da sagte die Frau zur Schlange: „Von (der Frucht=) den Früchten (des Baums=) der Bäume des Gartens dürfen wir [sehr wohl] essen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|3}} Aber von (der Frucht=) den Früchten des Baumes (Gebäums), welcher in der Mitte des Gartens [steht], hat Gott gesagt: ‚Ihr sollt nicht davon essen und ihr sollt sie nicht anrühren, damit&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;damit&#039;&#039; - vielleicht schon der erste Casus Knacksus. Evas Wiedergabe von Gottes Verbot entspricht mehrfach nicht seiner Formulierung. Offensichtlich ist die gleich folgende Hinzufügung des „nicht-Anfassens“. Aber bereits hier formuliert die Frau anders als Gott mit einem &#039;&#039;damit&#039;&#039;-Satz. Gott dagegen sagte: „Du wirst durchaus sterben“, &#039;&#039;mot tamut&#039;&#039;. Anders als &#039;&#039;mot jamut&#039;&#039;-Sätze („[Wer X tut], muss durchaus sterben“) kommen &#039;&#039;mot tamut&#039;&#039;-Sätze nicht aus dem israelitischen Rechtswesen, sondern als &#039;&#039;mot-tamut&#039;&#039;-Sätze werden göttliche und königliche &#039;&#039;Urteile&#039;&#039; formuliert („Du bist des Todes“). Vgl. [[1 Samuel 14#s44 |1 Sam 14,44]]; [[1 Samuel 22#s16 |22,16]]; [[1 Könige 2#s37 |1 Kön 2,37]].[[1 Könige 2#s42 |42f.]] von königlichen Urteilen, [[Genesis 20#s7 |Gen 20,7]]; [[2 Könige 1#s4 |2 Kön 1,4.6.16]]; [[Ezechiel 3#s18 |Ez 3,18]] = [[Ezechiel 33#s8 |Ez 33,8.14]] von göttlichen (ähnlich noch [[Jeremia 26#s8 |Jer 26,8]]). Über einen &#039;&#039;damit&#039;&#039;-Satz kann man sich hinwegsetzen: Trifft die Folge einer Handlung nicht zu, vor der gewarnt wurde, ist die Handlung unproblematisch. Über ein Urteil Gottes dagegen kann man sich nicht hinwegsetzen; es gilt schlechthin. Doch für die Frau scheint der Ausspruch Gottes eine Warnung gewesen zu sein; mit ihrer Formulierung macht sie der Schlange ihre Gegenrede also leicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; ihr nicht ersterbt.‘“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;ersterbt&#039;&#039; - Auffällige Wortform mit sog. „paragogischem Nun“ (insgesamt nur 4x im AT). Man beachte, dass die Schlange diese Wortform wiederholt, wie ähnlich zuvor die Frau die in diesem Kontext auffällige Gottesbezeichnung „Gott“ statt „JHWH-Gott“ der Schlange wiederholt hat.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|4}} Da sagte die Schlange zur Frau: „Ihr werdet nicht ‚durchaus ersterben.‘&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;durchaus ersterben&#039;&#039; - ein Mischzitat: Die Schlange zitiert exakter als die Frau die Formulierung Gottes aus [[Genesis 2#s17 |Gen 2,17]], greift aber auch die auffällige Wortform der Frau aus dem vorangehenden Vers auf.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|5}} Vielmehr weiß Gott:&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Vielmehr weiß Gott&#039;&#039; - Sc. „Gott hat euch etwas vorgeschwindelt, damit ihr nicht so klug werdet wie er.“ Gottes Ausspruch in V. 22 klingt dann auch wirklich so, als sei dies sein Beweggrund. S. dazu dann die Anmerkungen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am Tag, an dem ihr davon esst,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Am Tag, an dem ihr davon esst&#039;&#039; - Fast exaktes Zitat des zweiten Teils von Gottes Verbot. Die Schlange präsentiert sich als Fachtier in Sachen Baum und Gott, das über beide besser Bescheid weiß als die Frau.&amp;lt;/ref&amp;gt; werden euch die Augen geöffnet werden, und ihr werdet werden (sein) wie Gott (Götter): erkennend Gut und Böse (Schlecht).“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Gut und Böse (Schlecht)&#039;&#039; - Hier sehr umstrittene Fügung.&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Ausleger des 20. Jhd.s hielten „Gut und Böse“ oft für einen bloßen Merismus, der dann nicht weniger bedeute als: „Alles“ (so z.B. auch noch Sarna 2001; Habel 2011; Mettinger 2007, S. 63; Good 2009, S. 25.38). Gemeint wäre dann: „Ihr werdet allwissend werden“, und die Frau würde aus Hybris zugreifen. Aber der Mensch ist ja nicht allwissend; das ist schwerlich möglich.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) „Moralisch gut und moralisch böse“, also Urteilskraft. So bes. Budde 1883, S. 65-70; z.B. auch Dohmen 1988, S. 265f.; Otto 1996, S. 176f. Das wird richtig sein; s. gleich. Gemeint ist dann in diesem Kontext am ehesten: Der Mensch ermannt sich, selbst zu entscheiden, was Gut und Böse ist, erkennt dabei aber ironischerweise, was in &#039;&#039;Gottes&#039;&#039; Augen Gut und Böse ist – und er selbst hat sich nun als böse erwiesen. Die Frucht des Baums erlangen sie so übrigens bereits im Vollzug der Tat, nicht magisch durch Verspeisen der Frucht.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
(3) Aktuell am beliebtesten: „Heilsam und Schädlich“. Das geht zurück auf Wellhausen 1905, S. 299-301, der sich dies noch psychologisch hergeleitet hat. Neuere wollen dies statt (2) aus der sonstigen Verwendung der Fügung „Gut/Heilsam und Schlecht/Schädlich/Böse“ ableiten (bes. Albertz 1993, S. 92-94; z.B. auch Gertz 2018; Goldingay 2020; Kiefer 2018, S. 144f.). Was das dann in diesem Kontext heißen soll, ist aber nicht klar, und ohnehin lehrt „ein Blick in die Konkordanz“ (Ego 2015, S. 4) das gerade nicht: In [[1 Könige 3#s9 |1 Kön 3,9.12]] ist diese „Kenntnis“ die Eigenschaft, die ein guter &#039;&#039;Richter&#039;&#039; braucht. Vgl. sehr ähnlich [[1 Samuel 14#s17 |1 Sam 14,17]]: Eine Frau gibt vor, ihre Sache dem Urteil von König David zu überlassen, weil dieser „Gut und Böse heraushören kann“. Vgl. ähnlich noch [[Jeremia 4#s22 |Jer 4,22]]: „Mein Volk ist nur darin weise, Böses zu tun; Gutes zu tun dagegen verstehen sie nicht.“ In frühjüdischen Texten wird die Fügung stets im Zhg. mit Gottes &#039;&#039;Geboten&#039;&#039; verwendet. Vgl. zunächst [[Jesus Sirach 17#s7 |Sir 17,7]], eine Auslegung unserer Stelle: dort wird die „Erkenntnis &#039;&#039;Gut&#039;&#039; und &#039;&#039;Böse&#039;&#039;“ in Vv. 8-14 weiter so entfaltet, dass Gott den Israeliten verschiedene Gebote gab und außerdem das Verbot, Unrecht zu tun, wie nach Vv. 15f. die anderen Völker ungerecht sind. In 4QInstruktion ist ebenfalls die „Erkenntnis von Gut und Böse“ Kennzeichen des &#039;&#039;Gerechten&#039;&#039;; man erlangt sie, indem man Gottes Gebote meditiert (vgl. Rey 2017, S. 486-489). Nach 1QSa 1,10f. verfügt man dann über „Erkenntnis von Gut und Böse“, wenn man mit 20 Jahren zehn Jahre lang ausgebildet wurde in göttlichen Geboten und Gesetzen. Aus [[Deuteronomium 1#s39 |Dtn 1,39f.]] und [[Jesaja 7#s15 |Jes 7,15f.]] dagegen lässt sich inhaltlich gar nichts ableiten; erkennbar ist nur, dass Kinder und Jugendliche über diese Fähigkeit noch nicht verfügen. [[2 Samuel 19#s36 |2 Sam 19,36]] schließlich passt zu beidem nicht gut; hier geht es um den Unterschied von „Hochwertig vs. Minderwertig“: Jerusalemer Haute Cuisine vs. Rogelimer Straßenküche, Jerusalemer Hochkultur vs. Rogelimer Amateurgesang. „Heilsamer“ oder „schädlicher“ ist jedenfalls keins davon als das andere. Wenn ein Blick in die Konkordanz für eine von beiden Alternativen spricht, dann sicher für (2) und nicht für (3), und ein stärkeres Indiz als die Konkordanz haben wir hier nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;{{S|6}} Da sah die Frau, &lt;br /&gt;
dass der Baum gut als Essen [war]&lt;br /&gt;
_und dass er eine Lust für die Augen [war]:&lt;br /&gt;
_Der Baum [war] begehrenswert anzuschauen (begehrenswert [darin], [dass er] weise machte). (und [dass] der Baum begehrenswert anzuschauen [war])&amp;lt;ref&amp;gt;Alle lösen syntaktisch auf wie in der Alternative: &#039;&#039;und dass der Baum begehrenswert war, weise zu machen.&#039;&#039; Aber es ist doch sehr auffällig, dass die vorigen beiden Sätze im Heb. ein „dass“ haben, dieser Satz aber nicht, und dass in diesem Satz der „Baum“ als Subjekt noch einmal ausdrücklich erwähnt wird, nachdem er im Satz zuvor ausgespart war (was grammatisch so unerwartet kommt, dass LXX und VUL es streichen). Besser hebt man den Satz in der Üs. heraus, wie er im Heb. syntaktisch herausgehoben ist.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Grosso modo erkennt die Frau hier nur, was nach [[Genesis 2#s9 |Gen 2,9]] für alle Bäume gilt:&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gott ließ aus dem Erdboden jeglichen &#039;&#039;&#039;Baum&#039;&#039;&#039; sprießen,&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;begehrenswert&#039;&#039;&#039; anzusehen und &#039;&#039;&#039;gut als Essen.&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; (2,9)&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;Die Frau sah,&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;dass der &#039;&#039;&#039;Baum gut als Essen war&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;und dass er eine Lust für die Augen war:&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;Der &#039;&#039;&#039;Baum&#039;&#039;&#039; war &#039;&#039;&#039;begehrenswert&#039;&#039;&#039;, anzuschauen.&#039;&#039; (3,6)&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;lehaßkil&#039;&#039; ist doppeldeutig; das Wort bed. sowohl „anschauen“, wie hier alle alten Vrs. und z.B. auch ALTER deuten, als auch „weise machen“. Soll es hier primär die Bed. „weise machen“ haben, ist der Zweck des Wortspiels nicht klar; heißt es hier primär „anschauen“ und ist damit parallel mit Gen 2,9 und mit der direkt vorangehenden Zeile, schon: Bereits hier deutet sich die dämmernde Erkenntnis an. Ist das nicht zu veraltet, übersetzt man vielleicht am besten ins Dt.: „Er war begehrenswert, zu gewahren“ (wählt man dagegen als Primärbed. „weise machen“, vielleicht: „begehrenswert, Einsicht zu verleihen“).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Da nahm sie von seiner Frucht und aß. &lt;br /&gt;
_Dann gab sie auch ihrem Mann bei ihr und er aß.&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|7}} Da wurden ihnen beiden die Augen geöffnet, und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren. Daher nähten sie Feigenblätter zusammen und machten sich Gürtel (Lendenschurze?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Gürtel (Lendenschurze?)&#039;&#039; - Schwierig zu deuten. Am ehesten versuchen Adam und Eva entweder vergeblich (s. V. 10), ihre Nacktheit zu bedecken, was JHWH in V. 21 dann „ordentlich“ tut, oder die „Gürtel“ sind Symbol für das um die Hüften getragene „Sacktuch“, also die israelitische Buß- und Trauerkleidung, die Gott in V. 21 nach der erfolgten Bestrafung durch ordentliche Gewänder als Zeichen für das Ende der Buß- und/oder Trauerzeit ersetzt wie ähnlich in [[Psalm 30#s12 |Ps 30,12]]; [[Jesaja 52#s1 |Jes 52,1]]; [[Jesaja 61#s3 |61,3.10]]; [[Sacharja 3#s4 |Sach 3,4f.]]; [[Lukas 15#s21 |Lk 15,21f.]].&amp;lt;br /&amp;gt;[[Datei:Gürtel Ugarit.png|mini|Ugaritisches Schmuckstück mit umgürteter Göttin. (c) Platt 1976, S. 105]]&amp;lt;div class=&amp;quot;tright&amp;quot; style=&amp;quot;clear:none&amp;quot;&amp;gt;[[Datei:Phallusgürtel Davies Plt 7.png|mini|Ägyptische Ernteszene; die Personen rechts tragen Lendenschurz (der auch nicht notwendig die Scham bedeckte, s. oben rechts), die Personen links nur Gürtel. (c) [https://archive.org/details/mastabaofptahhet09davi/page/n71/mode/2up Davies 1900, Plate VII].]]&amp;lt;/div&amp;gt;&amp;lt;div class=&amp;quot;tright&amp;quot; style=&amp;quot;clear:none&amp;quot;&amp;gt;[[Datei:Gürtel.png|mini|Zwei sumerische Rollsiegel mit Gürtel tragenden Kriegern. (c) [https://archive.org/details/sealcylindersofw00warduoft/page/43/mode/1up Ward 1910, S. 43.55].]]&amp;lt;/div&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Genauer&#039;&#039;&#039;: Fast stets übersetzt mit „Schurze“. Diese Bed. hat heb. &#039;&#039;ḥagorah&#039;&#039; aber nie; sonst bezeichnet es stets den Gürtel. Das muss nicht untypischerweise pars pro toto für „Kleidung“ stehen (Haag 1970, S. 59; ähnlich Brichto 1998, S. 83: pars pro toto für den Lendenschurz): Die beiden ersten Abbildungen rechts zeigen, dass das Minimum an Kleidung im Alten Orient nicht der Lendenschurz, sondern in der Tat der Gürtel war (richtig Lutz 1922). Will man dennoch davon ausgehen, dass ein solcher Gürtel den Schambereich verdeckte, stellt man ihn sich am besten vor wie auf dem ganz rechts abgebildeten ugaritischen Schmuckstück – einen solchen hätte man sich zur Not aus Zweigen (s.u. die linke Zweiggöttin) und einem Feigenblatt in der Tat basteln können. Wichtiger ist aber die Frage nach der Bedeutung des Gürtels:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Entweder hält man den Gürtel wirklich schlicht für dieses Minimum an Kleidung, was Gott dann in V. 21 &#039;&#039;aus Fürsorge&#039;&#039; noch überbieten würde (so die meisten, die den Gürtel überhaupt kommentieren. Vgl. zum Motiv dann ähnlich [[Genesis 37#s3 |Gen 37,3]]). Noch genauer müsste man dies dann als &#039;&#039;misslungenen&#039;&#039; Versuch verstehen, etwas gegen die beschämende (2,25) Nacktheit zu unternehmen (so Lambden 1992, S. 76; Bender 2008, S. 102.104; ähnlich Tsukimoto 2014, S. 336): Auch in V. 10 sagt Adam ja trotz diesem Gürtel von sich, er sei „nackt“. Das stimmt gut zusammen mit [[Ezechiel 23#s15 |Ez 23,15]], wo Abbildungen wie die rechts als antike &#039;&#039;Pornographie&#039;&#039; charakterisiert werden. Vgl. außerdem [[2 Samuel 6|2 Sam 6]]: David trägt in V. 14-16 „einen leinenen Ephod“. Offenbar trägt er nur diesen, denn in der Folge fährt ihn seine Frau Michal an, „er habe sich entblößt, wie nur einer der losen Leute sich entblößen würde“ (V. 20) – obwohl der Ephod, wie immer er ausgesehen haben mag, sicher mehr bedeckte als ein Gürtel. Aber auch [[1 Chroniken 15#s27 |1 Chr 15,27]] scheint das zu weit gegangen zu sein, weshalb David dort zusätzlich ein Gewand aus Muschelseide trägt. Gürtel waren also gerade nicht dazu angetan, Nacktheit zu bedecken.&amp;lt;br /&amp;gt;[[Datei:Qedeschen-Gürtel.png|mini|Schmuck-Gürtel. (c) Platt 1976, S. 106]]&amp;lt;div class=&amp;quot;tright&amp;quot; style=&amp;quot;clear:none&amp;quot;&amp;gt;[[Datei:Zweiggöttin.png|mini|Zweiggöttin mit unterschiedlichen Gürteln. (c) Schroer 1989, S 204.]]&amp;lt;/div&amp;gt;(2) Alternativ kann man davon ausgehen, dass ein israelitischer Leser an besondere Gürtel oder eine besondere Bedeutung eines Gürtels denken sollte. Zunächst naheliegend: Wie die Fähigkeit, „gut und böse erkennen zu können“ (s. die Anmerkungen), war auch das Tragen eines Gürtels Zeichen von &#039;&#039;Erwachsenen&#039;&#039;, die daher in [[2 Könige 3#s21 |2 Kön 3,21]] als „jene, die den Gürtel gürten“ bezeichnet werden, wie ähnlich auch in Ägypten „den Gürtel umbinden“ ein Wechsel-Ausdruck für „mannbar und wehrhaft werden“ war (vgl. z.B. [https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/34986/ Hüften / Lenden (AT) (WiBiLex)]). Vgl. auch [[Ijob 38#s3 |Ijob 38,3]]; [[Ijob 40#s7 |40,7]]: „Umgürte doch wie ein Mann deine Hüften!“, sc.: „Hör doch auf, hier so kindisch rumzuheulen!“. Denn mit all diesen Ausdrücken muss nicht der Waffengurt gemeint sein, obwohl 2 Kön 3,21 von Kriegsvorbereitungen handelt: Auch Frauen trugen ähnliche Gürtel. Rechts etwa ein Exemplar, das in Tell el-&#039;Ajjul gefunden wurde; an der rechten Abbildung der Zweiggöttin daneben sieht man, wie er getragen wurde. Dass dieser Gürtel gerade dort gefunden wurde, macht fast sicher, dass solche Gürtel keine „Prostituierten-Gürtel“ o.Ä. waren, sondern selbst (und gerade auch) von Frauen aus reichen Haushalten getragen wurden. Vgl. auch [[Judit 9#s2 |Jud 9,2]] und JosAs 14,12.14, wo der  „Gürtel der Jungfrau“ und der „reine, doppelte Gürtel der Jungfräulichkeit“ offenbar ein besonderer Gürtel ist, der Frauen als unverheiratete Frau kenntlich macht. Wahrscheinlich ist es der gleiche, den Bräute auch zur Hochzeit trugen (s. JosAs 18,6; angedeutet auch in JosAs 3,6; 10,10f.). Auch die Gürtel der beiden ägyptischen Arbeiter oben rechts sind ja keine Waffengurte – offenbar ist der Gürtel &#039;&#039;an sich&#039;&#039; Zeichen für das Erwachsen-Sein. Das Gewand in V. 21 müsste man dann aber ebenso deuten wie bei Deutung (1); sehr gut zusammen passt das nicht.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Ausleger:innen, die Adam und Eva für die Urbilder von Priester:innen halten, können an deren kultische Gewänder denken: Auch Priester trugen u.a. &#039;&#039;ketonet&#039;&#039;-Gewänder wie in V. 21 und Gürtel, die meist &#039;&#039;`abneṭ&#039;&#039; heißen, in [[Exodus 29#s9 |Ex 29,9]]; [[Levitikus 8#s7 |Lev 8,7.13]]; [[Levitikus 16#s4 |16,4]] aber ebenfalls &#039;&#039;ḥagorah&#039;&#039; genannt werden. Aber diese Priester-Deutung ist recht unwahrscheinlich.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Möglich schließlich noch: In [[Jesaja 3#s24 |Jes 3,24]] wird das &#039;&#039;Sacktuch&#039;&#039;, also die israelitische Trauer- und Bußkleidung, mit einem mit &#039;&#039;ḥagorah&#039;&#039; verwandten Wort als &#039;&#039;maḥgoret&#039;&#039;-„Sacktuch“ bezeichnet; Raschi übersetzt: „Gürtel aus Sacktuch“. S. auch [[Psalm 30#s12 |Ps 30,12]]: „Du hast mein Sacktuch gelöst und mich [stattdessen] mit Freude gegürtet“. Dies ist sicher so formuliert, weil es auch von Sacktüchern meist heißt, dass man sich in sie kleidet, indem man sie „umgürtet“ ([[Ezechiel 7#s18 |Ez 7,18]] (!); auch [[2 Samuel 3#s31 |2 Sam 3,31]]; [[1 Könige 20#s32 |1 Kön 20,32]]; [[Klagelieder 2#s10 |Klg 2,10]]; [[Jesaja 15#s3 |Jes 15,3]]; [[Jesaja 22#s12 |22,12]]; [[Jeremia 4#s8 |Jer 4,8]]; [[Jeremia 6#s26 |6,26]]; [[Jeremia 49#s3 |49,3]]; [[Ezechiel 27#s31 |Ez 27,31]]; [[Joel 1#s8 |Joel 1,8]]) oder wie den Gürtel „um die Hüften legt“ ([[Genesis 37#s34 |Gen 37,34]]; [[Jeremia 48#s37 |Jer 48,37]]; [[Amos 8#s10 |Am 8,10]]; auch [[Jesaja 20#s2 |Jes 20,2]]). Das dürfte so zu deuten sein, dass auch dieses Sacktuch mitnichten ein „Sack-Gewand“ ist, wie man meist glaubt, sondern ebenfalls gürtelförmig: den ersten Ausdruck könnte man noch so deuten, dass ein Gewand mit einem damit nicht identischen Gürtel &#039;&#039;befestigt&#039;&#039; wird, den zweiten aber wird man so deuten müssen, dass das Sacktuch &#039;&#039;selbst&#039;&#039; es war, was man um die Hüften trug. Entsprechend galt man wahrscheinlich auch als „nackt“, wenn man Sacktuch trug; vgl. nämlich [[Jesaja 32#s11 |Jes 32,11]], was doch wohl nicht bedeutet: „Zieht euch aus, entblößt euch – und dann bedeckt euren Schambereich wieder mit einem Sackgewand“, sondern: „Zieht euch aus, entblößt euch: gürtet das Sacktuch um die Hüften!“ Entsprechend hat man v.a. im 18. und 19. Jhd. auch [[Micha 1#s8 |Mi 1,8]] häufig so gedeutet, dass mit „nackt“ gemeint sei: „nur mit einem Sacktuch bekleidet“ (heute allerdings weit verbreiteter: Micha sei wirklich „nackt und barfuß“ gegangen wie Jesaja in [[Jesaja 20#s2 |Jes 20,2]]; so z.B. Beyer 2019, S. 495). Der „Gürtel“ in V. 7 wäre dann ein Zeichen der Reue und Trauer von Adam und Eva, das „Gewand“ in V. 21 dagegen ein Zeichen für Vergebung und das Ende der Trauer wie ähnlich in [[Psalm 30#s12 |Ps 30,12]] (s.o.); [[Jesaja 52#s1 |Jes 52,1]]; [[Jesaja 61#s3 |61,3.10]]; [[Sacharja 3#s4 |Sach 3,4f.]]; [[Lukas 15#s21 |Lk 15,21f.]]. S. dann weiter die Anmerkungen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|8}} Später hörten sie die Stimme (den Klang) des Gottes JHWH, der zur Brise des Tages (zum wehenden Sturm)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Brise des Tages (wehender Sturm)&#039;&#039; - w. auf den ersten Blick: „zum Wind/Hauch des Tages (&#039;&#039;jom&#039;&#039;)“. Urteilt man nach [[Hohelied 2#s17 |Hld 2,17]]; [[Hohelied 4#s6 |4,6]] („Bis der &#039;&#039;jom&#039;&#039; weht und die Schatten fliehen“), ist damit eine Brise gemeint, die in Israel typischerweise kurz nach Mittag (wenn die Schatten „fliehen“ = wieder länger werden) oder kurz vor Einbruch der Nacht (wenn die Schatten „fliehen“ = schwinden) wehen würde. KBL3 und HALOT allerdings nehmen neben diesem &#039;&#039;jom&#039;&#039; = „Tag“ auch ein zweites, mit dem akadischen &#039;&#039;umu&#039;&#039; („Wind“) verwandtes &#039;&#039;jom&#039;&#039; II mit der Bed. „Wind, Sturm“ an, wonach die Hld-Stellen glatter übersetzbar wären: „Bis der &#039;&#039;Wind&#039;&#039; weht und die Schatten fliehen“. Ist das richtig, muss man auch hier davon ausgehen, dass &#039;&#039;jom&#039;&#039; in dieser Bedeutung verwendet wird; Gott spaziert im „Hauch/Wind des Windes/Sturmes“, was dann wie in der Wendungn &#039;&#039;ruḥ hasa´rah&#039;&#039; („Sturm-Wind“; [[Psalm 107#s25 |Ps 107,25]]; [[Psalm 148#s8 |148,8]]; [[Ezechiel 1#s4 |Ez 1,4]]; [[Ezechiel 13#s11 |13,11.13]]) den stark wehenden Wind bezeichnen würde. &#039;&#039;ruḥ hajjom&#039;&#039; statt &#039;&#039;ruḥ hasa´rah&#039;&#039; würde dann verwendet, um mit &#039;&#039;jom&#039;&#039; auf diesen selben „Tag“, an dem sie gegessen haben (V. 5!), anzuspielen (ThWAT VII S. 405), was so und so sicher der Fall ist. Dieser Vorschlag von Niehaus 1994 hat sich bisher allerdings nicht durchsetzen können; auch OfBi sollte daher besser bei der klassischen Übersetzung bleiben.&amp;lt;/ref&amp;gt; im Garten umherwandelte, und der Mensch und seine Frau versteckten sich vor dem Angesicht JHWH Gottes inmitten der Bäume des Gartens.&lt;br /&gt;
{{S|9}} Da rief JHWH zum (nach dem) Menschen{ und er sprach}: „Wo bist du?“&lt;br /&gt;
{{S|10}} Und er sprach: „Deine Stimme (deinen Klang) hörte ich im Garten, aber (und) ich fürchtete mich, weil ich nackt war (bin), und so versteckte ich mich.“&lt;br /&gt;
{{S|11}} Und er sprach: „Wer hat dir mitgeteilt, dass du nackt bist? Hast du von dem Baum gegessen, von dem nicht zu essen ich dir geboten hatte?“&lt;br /&gt;
{{S|12}} Und der Mensch sagte: „Die Frau, die du mir beigegeben hast, sie gab mir [Frucht] von dem Baum, und so aß ich.“&lt;br /&gt;
{{S|13}} JHWH Gott sprach zur Frau: „Was hast du da [nur] getan!?“ Und die Frau sprach: „Die Schlange — sie betrog mich, und so aß ich.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|14}} JHWH sprach zur Schlange: &lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;„Weil du das getan hast, &lt;br /&gt;
verflucht bist du unter allen Tieren (Haustieren) &lt;br /&gt;
_und unter allen wilden Tieren des Feldes. &lt;br /&gt;
Auf deinem Bauch wirst du kriechen,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;du wirst kriechen&#039;&#039; - d.h., die „Ur-Schlange“ hatte noch Beine. Für den Midrasch sah sie aus wie ein Kamel; viele jüd. Ausleger dagegen fabulieren, sie sei neben dem Menschen das einzige Wesen mit aufrechtem Gang gewesen.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
_und Staub wirst du fressen &lt;br /&gt;
_alle Tage deines Lebens.&lt;br /&gt;
{{S|15}} Und ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau &lt;br /&gt;
_und zwischen (deinem Samen und ihrem Samen=) deinen Nachkommen und ihren Nachkommen. &lt;br /&gt;
(Er wird=) sie werden nach deinem Kopf lechzen (dir den Kopf zermalmen), &lt;br /&gt;
_und du wirst nach (seiner=) ihrer Ferse lechzen (schnappen, ihre Ferse zermalmen).“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;lechzen (schnappen, zermalmen)&#039;&#039; - Hier scheint zwei Mal ein hebräisches Wort &#039;&#039;šūp&#039;&#039; verwendet worden zu sein. Dieses ist relativ sicher nur noch in [[Ijob 9,17 |Ijob 9,17]] belegt und scheint dort „zerschmettern“ zu bedeuten. Das passt zur ersten Zeile („sie werden deinen Kopf zerschmettern“), aber wenig zur zweiten (*„du wirst ihre Ferse zerschmettern“). Verben wie &#039;&#039;šūp&#039;&#039; sind aber häufig Nebenformen von Verben wie &#039;&#039;ša`ap&#039;&#039;, und dieses Verb ist häufig mit der Bedeutung „schnappen, lechzen“ belegt. Das passt zur zweiten Zeile („du wirst ihm nach der Ferse schnappen“) und einigermaßen zur ersten („sie werden nach deinem Kopf lechzen“ = „sie wollen deinen Kopf“); besser passte dort aber wie gesagt &#039;&#039;šūp&#039;&#039; = „zerschmettern“. Insgesamt wird hier also entweder zwei Mal das Verb &#039;&#039;ša`ap&#039;&#039; in seiner Nebenform &#039;&#039;šūp&#039;&#039; verwendet oder nur einmal und das erste Wort ist stattdessen &#039;&#039;šūp&#039;&#039; = „zerschmettern“, so dass man insgesamt auflösen könnte: (1) „sie werden deinen Kopf zerschmettern und du wirst ihnen nach der Ferse schnappen“; (2) „sie werden nach deinem Kopf lechzen und du wirst ihnen nach der Ferse schnappen“ oder (3) „sie werden nach deinem Kopf lechzen und du wirst nach ihrer Ferse lechzen“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|16}} Zur Frau sagte er: &lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;„Ich werde deine Mühsal und deine Empfängnis (die Mühsal deiner Empfängnis) sehr mehren; &lt;br /&gt;
_mit Geburtsschmerzen wirst du Kinder gebären, &lt;br /&gt;
und dein Verlangen (deine Rückkehr)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Verlangen (Rückkehr)&#039;&#039; - Äußerst wichtiges Wort; in der Auslegungsgeschichte hat man weitreichende Folgerungen über das Verhältnis von Mann und Frau aus dem ganzen Vers gezogen. Die Bed. des Satzes ist aber leider unsicher; am besten deutet man entweder (1) als „du wirst deinem Mann &#039;&#039;willens&#039;&#039; sein und er wird dich beherrschen“ oder (2) als „du wirst gegen deinen Mann &#039;&#039;aufbegehren&#039;&#039;, aber er wird dich beherrschen“. Vorzuziehen ist hiervon eher (1): Dies hat mit [[Hohelied 7#s11 |Hld 7,11]] eine gute Parallele und man muss die letzten beiden Zeilen nicht als einen zweiten Fluch neben dem Gebären nehmen, sondern kann beides zusammenlesen: „Unter Mühsal wirst du gebären, [aber an deinem Gebären wird dennoch kein Weg vorbei führen, denn:] Du wirst deinem Mann willens sein und er wird dich beherrschen“, sc. „Dein Gebären wird dir Mühsal bereiten, aber wenn dein Mann es für gut befindet, dass Nachwuchs gezeugt werde, wirst du ihm gefügig sein müssen“ – beschrieben würde hier also eine Familiendynamik, die es im Alten Orient so ja leider wirklich gab.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Genauer&#039;&#039;&#039;: Auszugehen ist von der Bed. „Verlangen“, s.u. Was kann das hier bedeuten?&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Die klassische Deutung ist die, dass zu allem Überfluss die Frau neben ihrer mühseligen Schwangerschaft auch noch ständig sexuelles Begehren nach ihrem Mann haben wird und so selbst die Zahl ihrer Schwangerschaften nach oben treibt, während unabhängig davon Männer dazu bestimmt sind, „Frauen zu beherrschen“. In [[Genesis 4#s7 |Gen 4,7]] wird der selbe Satz aber noch mal fast identisch wiederholt, und hier passt diese Deutung offensichtlich gar nicht, das liegt also sehr fern. So deuten dennoch heute z.B. Carr 2021 und nur unwesentlich besser Bührer 2014, S. 251; Gertz 2018. Was kann der Satz hier sonst meinen? –&amp;lt;br /&amp;gt;Die drei Flüche bilden zum Abschluss deutlich jeweils Pärchen: (a) (Nachkommenschaft der) Frau vs. (Nachkommenschaft der) Schlange: Sie wird nach ihr &#039;&#039;ješup&#039;&#039;, jene wird nach dieser &#039;&#039;tešup&#039;&#039; („nacheinander lechzen“ o.Ä., s.o.). (c) Adam und Adamah: Adam wurde einerseits „von ihr genommen“, andererseits wird er zu ihr &#039;&#039;tašub&#039;&#039; („zurückkehren“). Ähnlich eben hier: (b) Frau und Mann: Er soll sie beherrschen, nach ihm soll ihre &#039;&#039;tešuqah&#039;&#039; sein. Dann ist zu erwarten, dass &#039;&#039;tešuqah&#039;&#039; vs. „beherrschen“ einen ähnlich deutlichen Gegensatz bilden wie „lechzen nach“ vs. „lechzen nach“ und „von X genommen sein“ vs. „zu X zurückkehren“. Möglich sind dann v.a. zwei Interpretationen:&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
(2) &#039;&#039;tešuqah&#039;&#039; steht gegen „beherrschen“ wie „lechzen“ gegen „lechzen“. Das passt auch gut zu Gen 4,7, wo der selbe Satz fast identisch wiederholt wird. Stark Vogels 1996, S. 204f.: „Gott sagt [dort] Kain, dass die Sünde [...] versucht, ihn zu überwältigen, zu versklaven, in Besitz zu nehmen. Übertragen wir das auf das Verhältnis von Mann und Frau in 3,16b, wäre das Verlangen der Frau entsprechend, ihren Mann zu kontrollieren, zu besitzen oder zu manipulieren. [Unser Wort spräche] von ihrem Verlangen nach der Macht in der Beziehung.“ (ebenso z.B. Foh 1974/75, S. 379-382; Arnold 2009; Bediako / Andor 2018).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
(3) &#039;&#039;tešuqah&#039;&#039; „passt“ zu „beherrschen“; „nach ihm wird dein Verlangen sein“ hieße also etwa „du wirst ihm willens sein“. Das passt auch gut zu [[Hohelied 7#s11 |Hld 7,11]], der dritten und letzten Stelle, an der das Wort &#039;&#039;tešuqah&#039;&#039; („Verlangen“) verwendet wird („Ich gehöre meinem Geliebten und nach mir ist seine &#039;&#039;tešuqah&#039;&#039;“, vgl. [[Hohelied 2#s16 |Hld 2,16]]; [[Hohelied 6#s3 |6,3]]: „Er ist mein und ich bin sein“). Ähnlich haben unseren Ausdruck „Verlangen“ viele alte Ausleger gedeutet, z.B. Ephräm der Syrer („du wirst von ihm beraten werden wollen, nicht ihn beraten“), ibn Ezra („dein Gehorsam“), Calvin („du sollt nichts begehren als das, was dein Ehemann wünscht“); z.B. auch Schelkle 1979, S. 16; Deurloo 1987.&amp;lt;br /&amp;gt;Beide Deutungen sind grundsätzlich möglich. Die erste spräche vom Geschlechterkampf, die zweite von der Unterordnung der Frau unter den Mann, die im Alten Orient Realität war, die hier aber recht modern als dem idealen Zustand zu Uranfang &#039;&#039;widersprechender Fluch&#039;&#039; dargestellt würde. Beide passen aber zu einer der beiden Parallelstellen Gen 4,7 und Hld 7,11 nicht besonders gut. Nur, weil Hld 7,11 klarer ist als Gen 4,7 (richtig Busenitz 1986; Condren 2017, S. 230-234), sollte man sich besser an dieser Parallele orientieren und Deutung (3) vorziehen; anders ist eine gute Entscheidung zwischen beiden Deutungsoptionen kaum möglich.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;dein Verlangen (deine Rückkehr)&#039;&#039; - textkritisch komplexe Stelle. Für gründlichere Überblicke vgl. am besten Reuling 2006, S. 23-47 und Lohr 2011. Die Textzeugen lassen sich grob in zwei Gruppen gliedern: (1a) MT + SamP: &#039;&#039;tešuqah&#039;&#039; („Verlangen“), (1b) TgO2 (&#039;&#039;ti`ubta`&#039;&#039;, eine echte Variante [falsch in vielen Aufsätzen], s. Sperber) + TgJ: „Begehren“, (1c) Sym: „Eifern“ vs. (2a) Aq: „Einheit/Vereinigung“, (2b) LXX (+ VL) + Syr (s. Smith, Thesaurus Sp. 3167) + TgO1 (&#039;&#039;tejubta`&#039;&#039;) + TgN1 + ApkMos 25,4 + Hieronymus, Hebraicae Quaestiones 3,6: „Umkehr/Rückkehr/Hinwendung“, (2c) TgN2: „Zuversicht“, Jub 3,24: „Zuflucht“.&amp;lt;br /&amp;gt;(1b-c) stützen deutlich (1a). (2c) setzt stattdessen sicher &#039;&#039;tešubah&#039;&#039; voraus. Das selbe gilt für (2a) = Aq, wenn man sich seine „Vereinigung“ erklärt als „Rückkehr zum Mann, von dem du soeben erst getrennt wurdest“ (gut Condren 2017, S. 235 FN 49). (2b) lässt sich prima vista sogar am besten mit &#039;&#039;tešubah&#039;&#039; erklären; das Zeugnis dieser Untergruppe wird aber entscheidend dadurch geschwächt, dass LXX an &#039;&#039;allen&#039;&#039; Stellen, an denen im MT &#039;&#039;tešuqah&#039;&#039; steht (hier, Gen 4,7 und Hld 7,11) mit &#039;&#039;apostrofä&#039;&#039; oder &#039;&#039;epistrofä&#039;&#039; („Umkehr, Rückkehr“) übersetzt – es ist fast ausgeschlossen, dass LXX an &#039;&#039;allen&#039;&#039; Stellen &#039;&#039;tešubah&#039;&#039; statt &#039;&#039;tešuqah&#039;&#039; vorliegen hatte (richtig Bergmeier 1967, S. 77). Dieses Phänomen ist bisher noch unerklärt (Bergmeiers Erklärung liegt sehr fern). Solange das so ist, muss man das Zeugnis der Versionen aber so werten, dass gegeneinander stehen: MT, SamP, Sym, TgJ, TgO2: &#039;&#039;tešuqah&#039;&#039; vs. LXX (+ VL), Aq, TgO1, TgN1, TgN2, Syr, Jub 3,24, ApkMos 25,4, Hieronymus: &#039;&#039;tešubah&#039;&#039;.&amp;lt;br /&amp;gt;Lohr 2011, S. 238 hat außerdem gut auf Midrasch BerR 20,7 hingewiesen: Die Auslegung „Du wirst zurückkehren (&#039;&#039;tšwbj&#039;&#039;) zu deinem Verlangen (&#039;&#039;tšwqtk&#039;&#039;), du wirst zurückkehren (&#039;&#039;tšwbj&#039;&#039;) zu deinem Verlangen (&#039;&#039;tšwqtk&#039;&#039;) nach deinem Mann“ zu unserer Stelle setzt wahrscheinlich einen hebräischen Text voraus, in dem beide Varianten als Konflation nebeneinander standen. Das wäre wichtig, weil es in mehreren Aufsätzen heißt, dass LXX wegen der gerade geschilderten Merkwürdigkeit nicht notwendig ein &#039;&#039;tešubah&#039;&#039; voraussetzt (z.B. BHQ; Qimron 1989; Lohr 2011; Condren 2017). Nimmt man LXX und die von ihr abhängigen Versionen für sich, könnte das so sein, aber Untergruppe (2c) tut es doch, (2a) auch, sofern Aq oben richtig verstanden wurde (Aq kann jedenfalls nicht sekundär aus LXX entstanden sein), und der Midrasch könnte sich nun als (2d) ebenfalls zu diesen Textzeugen hinzugesellen – und selbst nur mit Aq, TgN, Jub und dem Midrasch wäre das dann ein starkes Zeugnis für &#039;&#039;tešubah&#039;&#039;.&amp;lt;br /&amp;gt;Aber eine Verschreibung von (1) nach (2) ist leicht erklärlich: Die Qumranschriften zeigen, dass für die „Rückkehr“ zur Erde, von der gleich V. 19 sprechen wird, regelmäßig das Wort &#039;&#039;tešubah&#039;&#039; verwendet wurde, s. 1QH 18,4; 20,26; 4QInstr&amp;lt;sup&amp;gt;d&amp;lt;/sup&amp;gt; 69.2,6. Ist das so, hätten Schreiber dieses Wort im Hinterkopf gehabt, wenn sie zu unserer vielzitierten Stelle gekommen wären, wonach sie schnell jenes nur leicht andere Wort für dieses Wort verlesen können hätten. Dass die Schlange zuvor &#039;&#039;tešup&#039;&#039; („lechzen“ o.Ä.) und der Mann danach &#039;&#039;tašub&#039;&#039; („zurückkehren“) soll, kann sein Übriges dazu getan haben, dass auch hier nach &#039;&#039;tešu-&#039;&#039; ein Bilabial verlesen wurde. Eine Verschreibung in die umgekehrte Richtung wäre weniger leicht erklärlich; mehr spricht daher für die Ursprünglichkeit von MT.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird nach deinem (zu) Mann sein, &lt;br /&gt;
_und (aber) er wird dich beherrschen.“&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|17}} Und zu Adam (zum Menschen?) sprach er: &lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Weil du auf die Stimme deiner Frau gehört hast &lt;br /&gt;
_und von dem Baum gegessem jast, &lt;br /&gt;
von dem ich dir geboten habe{ wie folgt}: &lt;br /&gt;
_Du sollst nicht davon essen, &lt;br /&gt;
so ist der Erdboden deinetwegen verflucht; &lt;br /&gt;
_in Mühsal wirst du seinen Ertrag essen alle Tage deines Lebens.&lt;br /&gt;
{{S|18}} Dornen und Disteln wird er dir wachsen lassen, &lt;br /&gt;
_und du sollst die Pflanzen des Feldes essen.&lt;br /&gt;
{{S|19}} Im Schweiße deines Angesichts wirst du Brot essen, &lt;br /&gt;
_bis du zum Erdboden zurückkehrst, &lt;br /&gt;
denn von ihm wurdest du genommen (von dem du genommen wurdest).&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Denn Staub bist du, &lt;br /&gt;
_und zum Staub wirst du zurückkehren.“&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|20}} Danach gab der Mensch (Adam) seiner Frau den Namen Eva, weil sie die Mutter alles Lebenden war.&lt;br /&gt;
{{S|21}} Und JHWH machte (Haut-Kleider=) Kleider für die Haut (Kleider aus Fell) für Adam und Eva.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|22}} Und JHWH sprach: „Sieh, der Mensch ist jetzt wie einer von uns geworden: er erkennt jetzt Gut und Böse! Und nun, dass er seine Hand nicht ausstreckt und [tatsächlich] auch [Frucht] vom Baum des Lebens nimmt und ißt und ewig lebt.&lt;br /&gt;
{{S|23}} Daraufhin verwies JHWH den Menschen aus dem Garten Eden, damit er [auf] dem Erdboden diene, von wo er genommen worden war.&lt;br /&gt;
{{S|24}} Und so trieb er den Menschen hinaus und stellte im Osten des Gartens Eden die Keruben auf und die Flamme des sich hin und her wendenden Schwerts, damit sie den Weg zum Baum des Lebens bewachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit &#039;&#039;&#039;2,25-3,7&#039;&#039;&#039; sind wir an den kritischen Punkt von Gen 2-3 gelangt, der direkt zum Höhe- und Zielpunkt der beiden Kapitel in Vv. 8-19 führt: Nachdem die Frau als Krone der Schöpfung ins Dasein getreten ist, folgt in V. 25 noch eine Aussage über den Zustand der beiden; darauf folgt als &#039;&#039;erste&#039;&#039; Handlung des Menschenpaars direkt, wie sie gegen das &#039;&#039;einzige&#039;&#039; Gebot verstoßen, das Gott erlassen hat. &#039;&#039;Was genau&#039;&#039; hier passiert, ist jedoch völlig unklar; umstritten sind vor allem folgende fünf Aspekte:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Welche Bewandtnis hat es mit dem Wortspiel „ohne Gewand“ (2,25) – „gewandt“ (V. 1) – „kein Gewand“ (V. 7)? Genauer: Ist der wichtigere Unterschied der zwischen „ohne Gewand“ (&#039;&#039;´arum&#039;&#039;, 2,25) und „gewandt“ (V. 1), der zwischen „ohne Gewand“ (2,25) und „kein Gewand“ (V. 7) oder der zwischen „gewandt“ (V. 1) und „kein Gewand“ (V. 7)? Anders gefragt: Ist die kluge Schlange hier noch mehr „Mensch“, als es die Menschen sind, sind die Menschen zuerst „nackt“, später aber „entblößt“, oder wollen die Menschen „gewandt“ werden, werden aber nur „nackt“?&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Welche Fähigkeit ist es, die der „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ verleiht, und wie genau hängt sie mit der Erkenntnis, „kein Gewand zu haben“, zusammen?&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Ist Nacktheit im Alten Orient eigentlich etwas Erotisches? Und ist es bedeutsam, dass „erkennen“ im biblischen Sprachgebrauch ein Ausdruck für Geschlechtsverkehr ist, dass der Baum als „Lust“ und „begehrenswert“ beschrieben wird, und hängt dies irgendwie zusammen damit, dass die „Braut“ in [[Hohelied 4#s13 |Hld 4,13]] ein „Lustgarten aus Granatapfelbäumen mit köstlichen Früchten“ ist?&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Wer ist überhaupt die Schlange – warum kann sie als einziges Tier der Bibel von sich aus sprechen, und warum sind die ersten und letzten Worte des Schlangengeschlechts die Opposition gegen Gottes Gebote?&amp;lt;br /&amp;gt;(5) Und schließlich: Begehen Eva und Adam hier tatsächlich die erste Sünde, oder hat es Gott vielleicht genau so geplant, wie es vonstatten ging? Sind sie überhaupt schuldfähig, bevor sie „Gut und Böse erkennen“ können?&amp;lt;br /&amp;gt;Weil das alles so unklar ist, seien hier drei verbreitete Deutungen vorgestellt. Vorzuziehen ist sicher die zweite.&lt;br /&gt;
# Die &#039;&#039;&#039;klassisch-christliche&#039;&#039;&#039; (stellvertretend für viele und viele Konfessionen sei hier als Vertreter der KKK, der „Katechismus der katholischen Kirche“, zitiert): In der Schlange wirkt der Satan, des Gegenspielers Gottes. Angedeutet wird dies zum einen mit dem Wort „gewandt“, das hier i.S.v. „verschlagen“ genommen werden muss, zum anderen damit, dass die Schlange &#039;&#039;qua Schlange&#039;&#039; der „kleine Bruder“ der Chaosschlange in [[Jesaja 27#s1 |Jes 27,1]]; [[Amos 9#s3 |Am 9,3]] ist, die in [[Offenbarung 12#s9 |Offb 12,9]] mit dem Satan identifiziert wird. Als solcher will sie Adam und Eva zur ersten Sünde verführen: Natürlich sind die beiden bereits schuldfähig; Adam hat sich ja sogar bereits als weise genug erwiesen, alle Tiere der Erde zu benennen. Der „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ verleiht trotz V. 22 nicht wirklich die Fähigkeit der Erkenntnis von Gut und Böse; dies kann nur Gott. Vielmehr „&#039;&#039;erinnert er sinnbildich an die unüberschreitbare Grenze, die der Mensch als Geschöpf freiwillig anerkennen und vertrauensvoll achten soll. Der Mensch hängt vom Schöpfer ab, er untersteht den Gesetzen der Schöpfung und den sittlichen Normen, die den Gebrauch der Freiheit regeln&#039;&#039;“ (KKK 396).&amp;lt;br /&amp;gt;Üblicherweise bleibt diese Deutung hier aber nicht stehen; aus der „Sündendeutung“ wird häufig eine „Ursünden-Deutung“: Auf irgendeine Weise ist diese erste Sünde dann noch weiter sogar die „Ursünde“, die von Adam und Eva an alle Menschen weitervererbt wird auf „&#039;&#039;geheimnisvolle Weise, die wir nicht völlig verstehen können&#039;&#039;“ (KKK 404). Für diese Ursünden-Deutung ist es dann sogar nötig, zu glauben: „&#039;&#039;Der Bericht vom Sündenfall (Gen 3) verwendet eine bildhafte Sprache, beschreibt jedoch ein Urereignis, das zu Beginn der Geschichte des Menschen [tatsächlich] stattgefunden hat.&#039;&#039;“ (KKK 390). Die Strafen Gottes in Vv. 8-19 sind dann schlicht die gerechte Strafe für diese Erst- und Ursünde. – Das häufigste Gegenargument gegen diese Deutung greift nicht: Eine bereits entwickelte Satansvorstellung muss man nicht voraussetzen; es reicht, wenn man annimmt, dass die Schlange den Leser an die Chaos-Schlange denken lassen soll, die ja wirklich spätestens zur Zeit von Amos und Jesaja als „Feind der Schöpfung“ dargestellt werden konnte. Die größte Schwäche der &#039;&#039;Sünden&#039;&#039;-Deutung ist V. 22. Dass es gerade der „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ ist, von dem die beiden essen, und dass sie am Ende wirklich über gottgleiche „Erkenntnis von Gut und Böse“ verfügen, lässt sich hiernach nicht gut erklären. Einige alte Christen haben V. 22 daher als „ironische Äußerung“ verstanden wissen wollen, aber das liegt völlig fern. Die Weiterführung der Sündendeutung zur „Ursünden-Deutung“ dagegen lässt sich überhaupt nicht aus dem Text herauslesen, aber das gestehen Vertreter dieser Deutung auch freimütig zu: „&#039;&#039;Obwohl das Gottesvolk des Alten Bundes im Licht der im Buche Genesis erzählten Geschichte vom Sündenfall die menschliche Daseinsverfassung irgendwie erkannte, konnte es den letzten Sinn dieser Geschichte nicht erfassen; dieser tritt erst im Licht des Todes und der Auferstehung Jesu Christi zutage (vgl. [[Römer 5#s12 |Röm 5,12-21]]). Man muss Christus als den Quell der Gnade kennen, um Adam als den Quell der Sünde zu erkennen.&#039;&#039;“ (KKK 388). Heißt: Auslegung von Gen 3 soll die &#039;&#039;Ursünden&#039;&#039;-Deutung ohnehin nicht sein; als sinnvolle Deutung von Gen 3 &#039;&#039;selbst&#039;&#039; scheidet diese Variante daher von vornherein aus. Die reine &#039;&#039;Sünden&#039;&#039;-Deutung dagegen ist die aktuell verbreitetste Deutung; sie ist aber weit näherliegend zu einer von der Ursünden-Deutung unabhängigen &#039;&#039;ätiologischen&#039;&#039; Deutung weiterentwickelt worden:&lt;br /&gt;
# Die &#039;&#039;&#039;ätiologische&#039;&#039;&#039;: Ob Adam und Eva hier tatsächlich schon „sündigen“ können, ist irrelevant; klar ist jedenfalls, dass sie Gottes Gebot übertreten: Statt dem „Baum des Lebens“ wählen sie gegen Gottes Willen die „Erkenntnis von Gut und Böse“. Sie vollziehen damit das, was Karl Barth wunderbar als „die Schlangenmöglichkeit“ des Menschen bezeichnet hat: Das Recht für sich zu beanspruchen, &#039;&#039;selbst&#039;&#039; zu entscheiden, was Gut und was Böse sei, da Gott  mit seinen Geboten jemandem möglicherweise ja etwas Gutes, gar das Beste, vorenthalten könnte (KD IV/1, S. 481-3).&amp;lt;br /&amp;gt;Insgesamt soll diese Geschichte erklären, warum der Mensch erstens sterblich ist, warum er zweitens klug ist, warum er drittens mit dieser eigentlich so positiven Eigenschaft der Klugheit gegen Gottes Willen verstoßen kann, und warum aber ebendiese Klugheit ihm viertens durch Beschämung für solche schlechte Taten die Augen öffnet (darum folgt &#039;&#039;´erom&#039;&#039;, „entblößt“, statt &#039;&#039;´arum&#039;&#039;, „nackt“, aus &#039;&#039;´arum&#039;&#039;, „klug“). Daran schließen sich in Vv. 8-19 noch weitere Ätiologien an: Woher kommt es, dass die Schlange keine Beine hat? Woher kommt die Feindschaft zwischen dem Menschen und der Schlange? Woher kommt es, dass die erste &#039;&#039;`adamah&#039;&#039; – die Erde – mit den Pflanzen so mühelos Nachkommen gebiert, die zweite &#039;&#039;`adamah&#039;&#039; – die &#039;&#039;`iššah&#039;&#039; des &#039;&#039;`iš&#039;&#039;s Adam – dagegen unter solchen Schmerzen? Warum sind Frau und Mann nicht ein Geist und eine Seele, obwohl sie doch ein Fleisch und Blut sind? Und woher kommt es schließlich, dass die Bäume so mühelos Frucht bringen, der Mensch dagegen die Früchte der Erde derselben im Schweiße seines Angesichtes abringen muss? Zu all diesen Fragen siehe dann Gen 3; hier ist die Erklärung nachzulesen. Gen 2-3 ist dann also &#039;&#039;insgesamt&#039;&#039; eine Ätiologie in Reinform. (Zu dieser Deutung s. näher z.B. [https://www.jungekirche.de/2009/sonderheft09/2009_Extra_04-12.pdf Ebach 2009]; [https://www.academia.edu/34494768/2009_Das_verlorene_Paradies_Genesis_2_3_ Levin 2009]).&amp;lt;br /&amp;gt;Ein Letztes: Vertreter dieser Deutung denken, dazu würden sie deshalb von der &#039;&#039;Schlange&#039;&#039; verführt, weil diese als sprichwörtlich kluges Tier (vgl. [[Matthäus 10#s16 |Mt 10,16]]) einfach die logische Wahl als „Agent der Klugheit“ war. Besser hält man die „kluge“ Schlange hier aber für den Genius dieses Baums der „Erkenntnis“: Ist der Baum das, was „dem Menschen seine Schlangenmöglichkeit &#039;&#039;verleiht&#039;&#039;“ – die Klugheit also, die auch die Opposition gegen Gott ermöglicht – dann ist die Schlange &#039;&#039;Verkörperung&#039;&#039; dieser Schlangenmöglichkeit. Man kann sich gut vorstellen und soll das vielleicht auch, dass die Schlange anders als der Mensch bereits von der verbotenen Frucht gekostet hat (schön Chizkuni). Von dieser so bedingten Klugheit rührte dann erstens ihre Sprachfähigkeit her, zweitens ihr Opponieren gegen Gott.&amp;lt;ref&amp;gt;Diese Erklärung ist auch deshalb vorzuziehen, weil die angebliche Sprichwörtlichkeit der „Klugheit der Schlange“ sich auch durch [[Matthäus 10#s16 |Mt 10,16]] kaum stützen lässt: Die „Arglosigkeit der Taube“ wird dort in Vv. 19-20 als Aufrichtigkeit vor Gericht näher beschrieben, die „Klugheit der Schlange“ dagegen in V. 23: Gemeint ist kein hoher IQ, sondern die Eigenschaft der „flüchtigen Schlange“ ([[Ijob 26#s13 |Ijob 26,13]]; [[Jesaja 27#s1 |Jes 27,1]]), Gott und Mensch zu fliehen – ein ganz anderes Motiv als hier. Die einzige andere Parallele steht im Midrasch zu Hld 2,14  („Vor Gott ist Israel rein wie die Taube, unter den Völkern dagegen klug wie die Schlange“); erstens stammt der Spruch nach dem Midrasch aus dem 4. Jhd. n. Chr. und ist zweitens wahrscheinlich ein Zitat von Mt 10,16: Ähnlich wie dort wird auch im Midrasch die Arglosigkeit der Taube dann als Unterwerfung unter die staatliche Macht näher bestimmt; anders als dort ist aber die „Klugheit der Schlange“ unmotiviert, weil auf sie gar nicht weiter eingegangen wird.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
# Die &#039;&#039;&#039;erkenntnis-optimistische&#039;&#039;&#039;: Eine Variante von Deutung (2). Der Erdling war nie für den Garten Eden bestimmt: Er war dafür geschaffen worden, um auf dem &#039;&#039;Erdboden&#039;&#039; zu dienen (2,5), nicht „im Garten“ (2,15). Mit der „Strafe“, „auf dem Erdboden dienen“ zu müssen (V. 23), ist der Mensch also nur dort angelangt, wo er von jeher hin sollte. Für diese Aufgabe braucht er aber außerdem noch Klugheit. Weil diese wirklich so ambivalent ist wie in Deutung (2) beschrieben, geht der Erzähler den erzählerischen Umweg, den Menschen Klugheit erlangen zu lassen, indem er gegen Gottes Gebot verstößt – eine „Sünde“ ist dies aber nicht; der Mensch war ja schließlich noch gar nicht schuldfähig, und entsprechend fällt in Gen 3 kein einziges Mal ein Wort wie „Schuld“ oder „Sünde“. (Zu dieser Deutung s. näher z.B. [http://hgpadre.org/dbfoto/fo_theo_neueschristusbild/theo_nacktheit_gen_suendenfall_krueger_2007.pdf Krüger 2007]; [https://www.academia.edu/35129759/Barbara_Schmitz_Der_Mensch_als_erkennendes_Wesen._Anthropologische_Aspekte_nach_Gn_2_4_3_24_in_Christof_M%C3%BCller_Guntram_F%C3%B6rst_Hg._Von_Menschenwerk_und_Gottesmacht._Der_Streit_um_die_Gnade_im_Laufe_der_Jahrhunderte_W%C3%BCrzburg_Echter_2016_13_25 Schmitz 2016]). – Diese Deutung ist anregend, kann aber wohl nicht richtig sein: „Was ist dies, was du getan hast!?“ (V. 13) ist unbezweifelbar entweder eine starke Verurteilung oder ein Ausruf des Entsetzens über die Handlung Evas (s. zum Vers); dass hier „nur geschah, was Gott geplant hatte“, lässt sich damit kaum vereinbaren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Genesis_3&amp;diff=40230</id>
		<title>Genesis 3</title>
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		<updated>2025-10-30T20:52:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Syntax&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Ungeprüfte Studienfassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Lesefassung}}&lt;br /&gt;
{{L|1}}&lt;br /&gt;
{{L|2}}&lt;br /&gt;
{{L|3}}&lt;br /&gt;
{{L|4}}&lt;br /&gt;
{{L|5}}&lt;br /&gt;
{{L|6}}&lt;br /&gt;
{{L|7}}&lt;br /&gt;
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{{L|18}}&lt;br /&gt;
{{L|19}}&lt;br /&gt;
{{L|20}}&lt;br /&gt;
{{L|21}}&lt;br /&gt;
{{L|22}}&lt;br /&gt;
{{L|23}}&lt;br /&gt;
{{L|24}}&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
{{S|1}} Die Schlange nun war [ohne Gewand und] (klug, verschlagen=) gewandt,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;gewandt&#039;&#039; - Wortspiel mit „ohne Gewand“ in 2,25; s. dort. Tatsächlich lässt sich hier sowohl übersetzen: „Sie war nackter als alle anderen Tiere“, als auch: „sie war klüger als alle anderen Tiere“. Die obige Üs. orientiert sich am klugen Vorschlag von Crüsemann (auch in der Kirchentags-Übersetzung): „Sie hatte weniger an, aber mehr drauf als alle anderen Tiere“.&amp;lt;br /&amp;gt;Heute fast ausschließlich übersetzt mit „klug“, und merkwürdigeweise von der großen Mehrheit auch so kommentiert, dass &#039;&#039;´arum&#039;&#039; in der Bibel ausschließlich positiv zu verstehen sei, also eben als „klug“ statt als „verschlagen“ o.Ä. Dabei stimmt das gerade nicht: Positiv gemeint ist das Wort in der Tat sehr häufig im Buch der Sprichwörter. Aber auch nur dort. Für das Adjektiv s. [[Ijob 5#s12 |Ijob 5,12]]; [[Ijob 15#s5 |15,5]], für das verwandte Substantiv [[Exodus 21#s14 |Ex 21,14]]; [[Josua 9#s4 |Jos 9,4]]; [[Ijob 5#s13 |Ijob 5,13]]; für das Verb [[1 Samuel 23#s22 |1 Sam 23,22]]; [[Psalm 83#s4 |Ps 83,4]], wo es jeweils „(hinter)listig“, „(Hinter)list“ und „hinterlistig sein“ bedeutet. Eine Schlange, die &#039;&#039;´arum&#039;&#039; ist, kann also sehr wohl die negative Seite der „Erkenntnis von Gut und Böse“ repräsentieren.&amp;lt;br /&amp;gt;„Klug“ heißt auch im Buch der Sprichwörter nicht „gelehrt“, sondern „&#039;&#039;lebensklug&#039;&#039;“ – „gewandt“, was hier primär zur Übersetzung des Wortspiels gewählt wurde, passt also sogar ziemlich gut.&amp;lt;/ref&amp;gt; mehr als alle (Lebewesen des Feldes=) wilden Tiere, die JHWH-Gott gemacht hatte. Sie sagte zur Frau: „(Auch, wenn =) Obwohl Gott gesagt hat (Um wieviel mehr, da Gott gesagt hat...; Selbst, wenn Gott gesagt hat...; Hat Gott wirklich gesagt!?),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;(auch, wenn=) obwohl (Um wievielmehr, da; Selbst, wenn; wirklich...!?)&#039;&#039; - schwer erklärlich im Heb.&amp;lt;br /&amp;gt;(1) &#039;&#039;`ap ki&#039;&#039; findet sich häufig in der Bibel und hat sehr stabil die Bed. „um wieviel mehr/weniger“ (z.B. [[1 Könige 8#s27 |1 Kön 8,27]]: „Wenn schon der Himmel dich nicht fassen kann – um wieviel weniger könnte dich da dieses Häuslein fassen, das ich gebaut habe!?“). Ibn Ezra und Radak wollen die Fügung auch hier so auffassen und nehmen daher an, dass mit ihr angedeutet werden solle, dass eine längere Diskussion zwischen Frau und Schlange vorausgegangen ist (vgl. ähnlich [[Esther 5#s11 |Est 5,11f.]]).&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Ausnahmen von diesem häufigsten Gebrauch sind nur [[Ijob 35#s14 |Ijob 35,14]]; [[Ezechiel 14#s21 |Ez 14,21]] und [[Nehemia 9#s18 |Neh 9,18]], wo &#039;&#039;`ap&#039;&#039; und &#039;&#039;ki&#039;&#039; jeweils separat genommen werden müssen: „Sogar, wenn...“ / „Selbst, wenn...“ (in [[Ezechiel 23#s40 |Ez 23,40]] und [[Habakuk 2#s5 |Hab 2,5]] ist der MT unverständlich, trägt aber auch nichts zum Verständnis von Gen 3,1 bei). So Hirsch: „Selbst, wenn es Gott gesagt hat...“ Ähnlich wie ibn Ezra und Radak kommentiert er dann: „&#039;&#039;Dieser Beginn der Rede zeigt uns bereits den Menschen in Unterhaltung mit dem Tiere. Es hatte bereits der Mensch das Gottesverbot als Grund des Nichtgenusses hervorgehoben.&#039;&#039;“ Aber dazu passt die Antwort Evas kaum.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Die meisten Neueren verstehen ebenfalls wie bei diesen drei Stellen als zwei separate Partikeln, fassen sie aber anders auf: „(Es gilt) wirklich, dass...“ Das wird dann wie in 4QGen&amp;lt;sup&amp;gt;k&amp;lt;/sup&amp;gt; (&#039;&#039;ha`ap ki&#039;&#039;), LXX und VUL („warum?“) als unmarkierte Frage genommen („Ist es auch der Fall, dass...?“) und dies dann wiederum geglättet zu „Hat wirklich...!?“ (Z.B. BrSynt §159a: „Ist es nicht auch, daß Gott gesprochen hat?“; JM §157a: „&#039;&#039;Is it also that he said? = is it then true that he said?&#039;&#039;“). Das Problem ist nicht (wie z.B. Speiser einwendet) die Deutung als Fragesatz; unmarkierte Fragesätze finden sich in der Tat sehr häufig. Das Problem ist vielmehr: Vergleicht man die idiomatische Frageeinleitung &#039;&#039;haki&#039;&#039; statt &#039;&#039;`ap ki&#039;&#039; (z.B. [[Genesis 29#s15 |Gen 29,15]]; [[2 Samuel 23#s19 |2 Sam 23,19]]; [[Ijob 6#s22 |Ijob 6,22]]), sieht man, dass bei einer Üs. von &#039;&#039;`ap ki&#039;&#039; mit „Gilt wirklich, dass...?“ gerade das fragliche &#039;&#039;`ap&#039;&#039; unerklärt bleibt und in der Üs. „weg-geglättet“ wird. Obwohl das also in diesen beiden großen Grammatiken (und z.B. auch in Williams §487) steht, lässt sich diese Deutung wohl nicht rechtfertigen.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Raschi, Chizkuni, Sforno und auch Ehrlich 1908, Speiser 1964 und ALTER deuten daher &#039;&#039;`ap ki&#039;&#039; wie &#039;&#039;gam ki&#039;&#039;: „Obwohl Gott gesagt hat...“ In Ermangelung einer besseren Alternative wird man sich dem anschließen müssen. Die Frau würde der Schlange dann also korrigierend ins Wort fallen, was dann gleich auch die Alternative „von keinem Baum“ wahrscheinlicher macht als „nicht von jedem Baum“.&amp;lt;/ref&amp;gt; ‚Ihr dürft von keinem Baum (nicht von jedem Baum) des Gartens essen‘,...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|2}} Da sagte die Frau zur Schlange: „Von (der Frucht=) den Früchten (des Baums=) der Bäume des Gartens dürfen wir [sehr wohl] essen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|3}} Aber von (der Frucht=) den Früchten des Baumes (Gebäums), welcher in der Mitte des Gartens [steht], hat Gott gesagt: ‚Ihr sollt nicht davon essen und ihr sollt sie nicht anrühren, damit&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;damit&#039;&#039; - vielleicht schon der erste Casus Knacksus. Evas Wiedergabe von Gottes Verbot entspricht mehrfach nicht seiner Formulierung. Offensichtlich ist die gleich folgende Hinzufügung des „nicht-Anfassens“. Aber bereits hier formuliert die Frau anders als Gott mit einem &#039;&#039;damit&#039;&#039;-Satz. Gott dagegen sagte: „Du wirst durchaus sterben“, &#039;&#039;mot tamut&#039;&#039;. Anders als &#039;&#039;mot jamut&#039;&#039;-Sätze („[Wer X tut], muss durchaus sterben“) kommen &#039;&#039;mot tamut&#039;&#039;-Sätze nicht aus dem israelitischen Rechtswesen, sondern als &#039;&#039;mot-tamut&#039;&#039;-Sätze werden göttliche und königliche &#039;&#039;Urteile&#039;&#039; formuliert („Du bist des Todes“). Vgl. [[1 Samuel 14#s44 |1 Sam 14,44]]; [[1 Samuel 22#s16 |22,16]]; [[1 Könige 2#s37 |1 Kön 2,37]].[[1 Könige 2#s42 |42f.]] von königlichen Urteilen, [[Genesis 20#s7 |Gen 20,7]]; [[2 Könige 1#s4 |2 Kön 1,4.6.16]]; [[Ezechiel 3#s18 |Ez 3,18]] = [[Ezechiel 33#s8 |Ez 33,8.14]] von göttlichen (ähnlich noch [[Jeremia 26#s8 |Jer 26,8]]). Über einen &#039;&#039;damit&#039;&#039;-Satz kann man sich hinwegsetzen: Trifft die Folge einer Handlung nicht zu, vor der gewarnt wurde, ist die Handlung unproblematisch. Über ein Urteil Gottes dagegen kann man sich nicht hinwegsetzen; es gilt schlechthin. Doch für die Frau scheint der Ausspruch Gottes eine Warnung gewesen zu sein; mit ihrer Formulierung macht sie der Schlange ihre Gegenrede also leicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; ihr nicht ersterbt.‘“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;ersterbt&#039;&#039; - Auffällige Wortform mit sog. „paragogischem Nun“ (insgesamt nur 4x im AT). Man beachte, dass die Schlange diese Wortform wiederholt, wie ähnlich zuvor die Frau die in diesem Kontext auffällige Gottesbezeichnung „Gott“ statt „JHWH-Gott“ der Schlange wiederholt hat.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|4}} Da sagte die Schlange zur Frau: „Ihr werdet nicht ‚durchaus ersterben.‘&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;durchaus ersterben&#039;&#039; - ein Mischzitat: Die Schlange zitiert exakter als die Frau die Formulierung Gottes aus [[Genesis 2#s17 |Gen 2,17]], greift aber auch die auffällige Wortform der Frau aus dem vorangehenden Vers auf.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|5}} Vielmehr weiß Gott:&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Vielmehr weiß Gott&#039;&#039; - Sc. „Gott hat euch etwas vorgeschwindelt, damit ihr nicht so klug werdet wie er.“ Gottes Ausspruch in V. 22 klingt dann auch wirklich so, als sei dies sein Beweggrund. S. dazu dann die Anmerkungen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am Tag, an dem ihr davon esst,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Am Tag, an dem ihr davon esst&#039;&#039; - Fast exaktes Zitat des zweiten Teils von Gottes Verbot. Die Schlange präsentiert sich als Fachtier in Sachen Baum und Gott, das über beide besser Bescheid weiß als die Frau.&amp;lt;/ref&amp;gt; werden euch die Augen geöffnet werden, und ihr werdet werden (sein) wie Gott (Götter): erkennend Gut und Böse (Schlecht).“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Gut und Böse (Schlecht)&#039;&#039; - Hier sehr umstrittene Fügung.&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Ausleger des 20. Jhd.s hielten „Gut und Böse“ oft für einen bloßen Merismus, der dann nicht weniger bedeute als: „Alles“ (so z.B. auch noch Sarna 2001; Habel 2011; Mettinger 2007, S. 63; Good 2009, S. 25.38). Gemeint wäre dann: „Ihr werdet allwissend werden“, und die Frau würde aus Hybris zugreifen. Aber der Mensch ist ja nicht allwissend; das ist schwerlich möglich.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) „Moralisch gut und moralisch böse“, also Urteilskraft. So bes. Budde 1883, S. 65-70; z.B. auch Dohmen 1988, S. 265f.; Otto 1996, S. 176f. Das wird richtig sein; s. gleich. Gemeint ist dann in diesem Kontext am ehesten: Der Mensch ermannt sich, selbst zu entscheiden, was Gut und Böse ist, erkennt dabei aber ironischerweise, was in &#039;&#039;Gottes&#039;&#039; Augen Gut und Böse ist – und er selbst hat sich nun als böse erwiesen. Die Frucht des Baums erlangen sie so übrigens bereits im Vollzug der Tat, nicht magisch durch Verspeisen der Frucht.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
(3) Aktuell am beliebtesten: „Heilsam und Schädlich“. Das geht zurück auf Wellhausen 1905, S. 299-301, der sich dies noch psychologisch hergeleitet hat. Neuere wollen dies statt (2) aus der sonstigen Verwendung der Fügung „Gut/Heilsam und Schlecht/Schädlich/Böse“ ableiten (bes. Albertz 1993, S. 92-94; z.B. auch Gertz 2018; Goldingay 2020; Kiefer 2018, S. 144f.). Was das dann in diesem Kontext heißen soll, ist aber nicht klar, und ohnehin lehrt „ein Blick in die Konkordanz“ (Ego 2015, S. 4) das gerade nicht: In [[1 Könige 3#s9 |1 Kön 3,9.12]] ist diese „Kenntnis“ die Eigenschaft, die ein guter &#039;&#039;Richter&#039;&#039; braucht. Vgl. sehr ähnlich [[1 Samuel 14#s17 |1 Sam 14,17]]: Eine Frau gibt vor, ihre Sache dem Urteil von König David zu überlassen, weil dieser „Gut und Böse heraushören kann“. Vgl. ähnlich noch [[Jeremia 4#s22 |Jer 4,22]]: „Mein Volk ist nur darin weise, Böses zu tun; Gutes zu tun dagegen verstehen sie nicht.“ In frühjüdischen Texten wird die Fügung stets im Zhg. mit Gottes &#039;&#039;Geboten&#039;&#039; verwendet. Vgl. zunächst [[Jesus Sirach 17#s7 |Sir 17,7]], eine Auslegung unserer Stelle: dort wird die „Erkenntnis &#039;&#039;Gut&#039;&#039; und &#039;&#039;Böse&#039;&#039;“ in Vv. 8-14 weiter so entfaltet, dass Gott den Israeliten verschiedene Gebote gab und außerdem das Verbot, Unrecht zu tun, wie nach Vv. 15f. die anderen Völker ungerecht sind. In 4QInstruktion ist ebenfalls die „Erkenntnis von Gut und Böse“ Kennzeichen des &#039;&#039;Gerechten&#039;&#039;; man erlangt sie, indem man Gottes Gebote meditiert (vgl. Rey 2017, S. 486-489). Nach 1QSa 1,10f. verfügt man dann über „Erkenntnis von Gut und Böse“, wenn man mit 20 Jahren zehn Jahre lang ausgebildet wurde in göttlichen Geboten und Gesetzen. Aus [[Deuteronomium 1#s39 |Dtn 1,39f.]] und [[Jesaja 7#s15 |Jes 7,15f.]] dagegen lässt sich inhaltlich gar nichts ableiten; erkennbar ist nur, dass Kinder und Jugendliche über diese Fähigkeit noch nicht verfügen. [[2 Samuel 19#s36 |2 Sam 19,36]] schließlich passt zu beidem nicht gut; hier geht es um den Unterschied von „Hochwertig vs. Minderwertig“: Jerusalemer Haute Cuisine vs. Rogelimer Straßenküche, Jerusalemer Hochkultur vs. Rogelimer Amateurgesang. „Heilsamer“ oder „schädlicher“ ist jedenfalls keins davon als das andere. Wenn ein Blick in die Konkordanz für eine von beiden Alternativen spricht, dann sicher für (2) und nicht für (3), und ein stärkeres Indiz als die Konkordanz haben wir hier nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;{{S|6}} Da sah die Frau, &lt;br /&gt;
dass der Baum gut als Essen [war]&lt;br /&gt;
_und dass er eine Lust für die Augen [war]:&lt;br /&gt;
_Der Baum [war] begehrenswert anzuschauen (begehrenswert [darin], [dass er] weise machte). (und [dass] der Baum begehrenswert anzuschauen [war])&amp;lt;ref&amp;gt;Alle lösen syntaktisch auf wie in der Alternative: &#039;&#039;und dass der Baum begehrenswert war, weise zu machen.&#039;&#039; Aber es ist doch sehr auffällig, dass die vorigen beiden Sätze im Heb. ein „dass“ haben, dieser Satz aber nicht, und dass in diesem Satz der „Baum“ als Subjekt noch einmal ausdrücklich erwähnt wird, nachdem er im Satz zuvor ausgespart war (was grammatisch so unerwartet kommt, dass LXX und VUL es streichen). Besser hebt man den Satz in der Üs. heraus, wie er im Heb. syntaktisch herausgehoben ist.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Grosso modo erkennt die Frau hier nur, was nach [[Genesis 2#s9 |Gen 2,9]] für alle Bäume gilt:&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gott ließ aus dem Erdboden jeglichen &#039;&#039;&#039;Baum&#039;&#039;&#039; sprießen,&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;begehrenswert&#039;&#039;&#039; anzusehen und &#039;&#039;&#039;gut als Essen.&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; (2,9)&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;Die Frau sah,&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;dass der &#039;&#039;&#039;Baum gut als Essen war&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;und dass er eine Lust für die Augen war:&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;Der &#039;&#039;&#039;Baum&#039;&#039;&#039; war &#039;&#039;&#039;begehrenswert&#039;&#039;&#039;, anzuschauen.&#039;&#039; (3,6)&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;lehaßkil&#039;&#039; ist doppeldeutig; das Wort bed. sowohl „anschauen“, wie hier alle alten Vrs. und z.B. auch ALTER deuten, als auch „weise machen“. Soll es hier primär die Bed. „weise machen“ haben, ist der Zweck des Wortspiels nicht klar; heißt es hier primär „anschauen“ und ist damit parallel mit Gen 2,9 und mit der direkt vorangehenden Zeile, schon: Bereits hier deutet sich die dämmernde Erkenntnis an. Ist das nicht zu veraltet, übersetzt man vielleicht am besten ins Dt.: „Er war begehrenswert, zu gewahren“ (wählt man dagegen als Primärbed. „weise machen“, vielleicht: „begehrenswert, Einsicht zu verleihen“).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Da nahm sie von seiner Frucht und aß. &lt;br /&gt;
_Dann gab sie auch ihrem Mann bei ihr und er aß.&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|7}} Da wurden ihnen beiden die Augen geöffnet, und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren. Daher nähten sie Feigenblätter zusammen und machten sich Gürtel (Lendenschurze?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Gürtel (Lendenschurze?)&#039;&#039; - Schwierig zu deuten. Am ehesten versuchen Adam und Eva entweder vergeblich (s. V. 10), ihre Nacktheit zu bedecken, was JHWH in V. 21 dann „ordentlich“ tut, oder die „Gürtel“ sind Symbol für das um die Hüften getragene „Sacktuch“, also die israelitische Buß- und Trauerkleidung, die Gott in V. 21 nach der erfolgten Bestrafung durch ordentliche Gewänder als Zeichen für das Ende der Buß- und/oder Trauerzeit ersetzt wie ähnlich in [[Psalm 30#s12 |Ps 30,12]]; [[Jesaja 52#s1 |Jes 52,1]]; [[Jesaja 61#s3 |61,3.10]]; [[Sacharja 3#s4 |Sach 3,4f.]]; [[Lukas 15#s21 |Lk 15,21f.]].&amp;lt;br /&amp;gt;[[Datei:Gürtel Ugarit.png|mini|Ugaritisches Schmuckstück mit umgürteter Göttin. (c) Platt 1976, S. 105]]&amp;lt;div class=&amp;quot;tright&amp;quot; style=&amp;quot;clear:none&amp;quot;&amp;gt;[[Datei:Phallusgürtel Davies Plt 7.png|mini|Ägyptische Ernteszene; die Personen rechts tragen Lendenschurz (der auch nicht notwendig die Scham bedeckte, s. oben rechts), die Personen links nur Gürtel. (c) [https://archive.org/details/mastabaofptahhet09davi/page/n71/mode/2up Davies 1900, Plate VII].]]&amp;lt;/div&amp;gt;&amp;lt;div class=&amp;quot;tright&amp;quot; style=&amp;quot;clear:none&amp;quot;&amp;gt;[[Datei:Gürtel.png|mini|Zwei sumerische Rollsiegel mit Gürtel tragenden Kriegern. (c) [https://archive.org/details/sealcylindersofw00warduoft/page/43/mode/1up Ward 1910, S. 43.55].]]&amp;lt;/div&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Genauer&#039;&#039;&#039;: Fast stets übersetzt mit „Schurze“. Diese Bed. hat heb. &#039;&#039;ḥagorah&#039;&#039; aber nie; sonst bezeichnet es stets den Gürtel. Das muss nicht untypischerweise pars pro toto für „Kleidung“ stehen (Haag 1970, S. 59; ähnlich Brichto 1998, S. 83: pars pro toto für den Lendenschurz): Die beiden ersten Abbildungen rechts zeigen, dass das Minimum an Kleidung im Alten Orient nicht der Lendenschurz, sondern in der Tat der Gürtel war (richtig Lutz 1922). Will man dennoch davon ausgehen, dass ein solcher Gürtel den Schambereich verdeckte, stellt man ihn sich am besten vor wie auf dem ganz rechts abgebildeten ugaritischen Schmuckstück – einen solchen hätte man sich zur Not aus Zweigen (s.u. die linke Zweiggöttin) und einem Feigenblatt in der Tat basteln können. Wichtiger ist aber die Frage nach der Bedeutung des Gürtels:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Entweder hält man den Gürtel wirklich schlicht für dieses Minimum an Kleidung, was Gott dann in V. 21 &#039;&#039;aus Fürsorge&#039;&#039; noch überbieten würde (so die meisten, die den Gürtel überhaupt kommentieren. Vgl. zum Motiv dann ähnlich [[Genesis 37#s3 |Gen 37,3]]). Noch genauer müsste man dies dann als &#039;&#039;misslungenen&#039;&#039; Versuch verstehen, etwas gegen die beschämende (2,25) Nacktheit zu unternehmen (so Lambden 1992, S. 76; Bender 2008, S. 102.104; ähnlich Tsukimoto 2014, S. 336): Auch in V. 10 sagt Adam ja trotz diesem Gürtel von sich, er sei „nackt“. Das stimmt gut zusammen mit [[Ezechiel 23#s15 |Ez 23,15]], wo Abbildungen wie die rechts als antike &#039;&#039;Pornographie&#039;&#039; charakterisiert werden. Vgl. außerdem [[2 Samuel 6|2 Sam 6]]: David trägt in V. 14-16 „einen leinenen Ephod“. Offenbar trägt er nur diesen, denn in der Folge fährt ihn seine Frau Michal an, „er habe sich entblößt, wie nur einer der losen Leute sich entblößen würde“ (V. 20) – obwohl der Ephod, wie immer er ausgesehen haben mag, sicher mehr bedeckte als ein Gürtel. Aber auch [[1 Chroniken 15#s27 |1 Chr 15,27]] scheint das zu weit gegangen zu sein, weshalb David dort zusätzlich ein Gewand aus Muschelseide trägt. Gürtel waren also gerade nicht dazu angetan, Nacktheit zu bedecken.&amp;lt;br /&amp;gt;[[Datei:Qedeschen-Gürtel.png|mini|Schmuck-Gürtel. (c) Platt 1976, S. 106]]&amp;lt;div class=&amp;quot;tright&amp;quot; style=&amp;quot;clear:none&amp;quot;&amp;gt;[[Datei:Zweiggöttin.png|mini|Zweiggöttin mit unterschiedlichen Gürteln. (c) Schroer 1989, S 204.]]&amp;lt;/div&amp;gt;(2) Alternativ kann man davon ausgehen, dass ein israelitischer Leser an besondere Gürtel oder eine besondere Bedeutung eines Gürtels denken sollte. Zunächst naheliegend: Wie die Fähigkeit, „gut und böse erkennen zu können“ (s. die Anmerkungen), war auch das Tragen eines Gürtels Zeichen von &#039;&#039;Erwachsenen&#039;&#039;, die daher in [[2 Könige 3#s21 |2 Kön 3,21]] als „jene, die den Gürtel gürten“ bezeichnet werden, wie ähnlich auch in Ägypten „den Gürtel umbinden“ ein Wechsel-Ausdruck für „mannbar und wehrhaft werden“ war (vgl. z.B. [https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/34986/ Hüften / Lenden (AT) (WiBiLex)]). Vgl. auch [[Ijob 38#s3 |Ijob 38,3]]; [[Ijob 40#s7 |40,7]]: „Umgürte doch wie ein Mann deine Hüften!“, sc.: „Hör doch auf, hier so kindisch rumzuheulen!“. Denn mit all diesen Ausdrücken muss nicht der Waffengurt gemeint sein, obwohl 2 Kön 3,21 von Kriegsvorbereitungen handelt: Auch Frauen trugen ähnliche Gürtel. Rechts etwa ein Exemplar, das in Tell el-&#039;Ajjul gefunden wurde; an der rechten Abbildung der Zweiggöttin daneben sieht man, wie er getragen wurde. Dass dieser Gürtel gerade dort gefunden wurde, macht fast sicher, dass solche Gürtel keine „Prostituierten-Gürtel“ o.Ä. waren, sondern selbst (und gerade auch) von Frauen aus reichen Haushalten getragen wurden. Vgl. auch [[Judit 9#s2 |Jud 9,2]] und JosAs 14,12.14, wo der  „Gürtel der Jungfrau“ und der „reine, doppelte Gürtel der Jungfräulichkeit“ offenbar ein besonderer Gürtel ist, der Frauen als unverheiratete Frau kenntlich macht. Wahrscheinlich ist es der gleiche, den Bräute auch zur Hochzeit trugen (s. JosAs 18,6; angedeutet auch in JosAs 3,6; 10,10f.). Auch die Gürtel der beiden ägyptischen Arbeiter oben rechts sind ja keine Waffengurte – offenbar ist der Gürtel &#039;&#039;an sich&#039;&#039; Zeichen für das Erwachsen-Sein. Das Gewand in V. 21 müsste man dann aber ebenso deuten wie bei Deutung (1); sehr gut zusammen passt das nicht.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Ausleger:innen, die Adam und Eva für die Urbilder von Priester:innen halten, können an deren kultische Gewänder denken: Auch Priester trugen u.a. &#039;&#039;ketonet&#039;&#039;-Gewänder wie in V. 21 und Gürtel, die meist &#039;&#039;`abneṭ&#039;&#039; heißen, in [[Exodus 29#s9 |Ex 29,9]]; [[Levitikus 8#s7 |Lev 8,7.13]]; [[Levitikus 16#s4 |16,4]] aber ebenfalls &#039;&#039;ḥagorah&#039;&#039; genannt werden. Aber diese Priester-Deutung ist recht unwahrscheinlich.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Möglich schließlich noch: In [[Jesaja 3#s24 |Jes 3,24]] wird das &#039;&#039;Sacktuch&#039;&#039;, also die israelitische Trauer- und Bußkleidung, mit einem mit &#039;&#039;ḥagorah&#039;&#039; verwandten Wort als &#039;&#039;maḥgoret&#039;&#039;-„Sacktuch“ bezeichnet; Raschi übersetzt: „Gürtel aus Sacktuch“. S. auch [[Psalm 30#s12 |Ps 30,12]]: „Du hast mein Sacktuch gelöst und mich [stattdessen] mit Freude gegürtet“. Dies ist sicher so formuliert, weil es auch von Sacktüchern meist heißt, dass man sich in sie kleidet, indem man sie „umgürtet“ ([[Ezechiel 7#s18 |Ez 7,18]] (!); auch [[2 Samuel 3#s31 |2 Sam 3,31]]; [[1 Könige 20#s32 |1 Kön 20,32]]; [[Klagelieder 2#s10 |Klg 2,10]]; [[Jesaja 15#s3 |Jes 15,3]]; [[Jesaja 22#s12 |22,12]]; [[Jeremia 4#s8 |Jer 4,8]]; [[Jeremia 6#s26 |6,26]]; [[Jeremia 49#s3 |49,3]]; [[Ezechiel 27#s31 |Ez 27,31]]; [[Joel 1#s8 |Joel 1,8]]) oder wie den Gürtel „um die Hüften legt“ ([[Genesis 37#s34 |Gen 37,34]]; [[Jeremia 48#s37 |Jer 48,37]]; [[Amos 8#s10 |Am 8,10]]; auch [[Jesaja 20#s2 |Jes 20,2]]). Das dürfte so zu deuten sein, dass auch dieses Sacktuch mitnichten ein „Sack-Gewand“ ist, wie man meist glaubt, sondern ebenfalls gürtelförmig: den ersten Ausdruck könnte man noch so deuten, dass ein Gewand mit einem damit nicht identischen Gürtel &#039;&#039;befestigt&#039;&#039; wird, den zweiten aber wird man so deuten müssen, dass das Sacktuch &#039;&#039;selbst&#039;&#039; es war, was man um die Hüften trug. Entsprechend galt man wahrscheinlich auch als „nackt“, wenn man Sacktuch trug; vgl. nämlich [[Jesaja 32#s11 |Jes 32,11]], was doch wohl nicht bedeutet: „Zieht euch aus, entblößt euch – und dann bedeckt euren Schambereich wieder mit einem Sackgewand“, sondern: „Zieht euch aus, entblößt euch: gürtet das Sacktuch um die Hüften!“ Entsprechend hat man v.a. im 18. und 19. Jhd. auch [[Micha 1#s8 |Mi 1,8]] häufig so gedeutet, dass mit „nackt“ gemeint sei: „nur mit einem Sacktuch bekleidet“ (heute allerdings weit verbreiteter: Micha sei wirklich „nackt und barfuß“ gegangen wie Jesaja in [[Jesaja 20#s2 |Jes 20,2]]; so z.B. Beyer 2019, S. 495). Der „Gürtel“ in V. 7 wäre dann ein Zeichen der Reue und Trauer von Adam und Eva, das „Gewand“ in V. 21 dagegen ein Zeichen für Vergebung und das Ende der Trauer wie ähnlich in [[Psalm 30#s12 |Ps 30,12]] (s.o.); [[Jesaja 52#s1 |Jes 52,1]]; [[Jesaja 61#s3 |61,3.10]]; [[Sacharja 3#s4 |Sach 3,4f.]]; [[Lukas 15#s21 |Lk 15,21f.]]. S. dann weiter die Anmerkungen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|8}} Später hörten sie die Stimme (den Klang) des Gottes JHWH, der zur Brise des Tages (zum wehenden Sturm)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Brise des Tages (wehender Sturm)&#039;&#039; - w. auf den ersten Blick: „zum Wind/Hauch des Tages (&#039;&#039;jom&#039;&#039;)“. Urteilt man nach [[Hohelied 2#s17 |Hld 2,17]]; [[Hohelied 4#s6 |4,6]] („Bis der &#039;&#039;jom&#039;&#039; weht und die Schatten fliehen“), ist damit eine Brise gemeint, die in Israel typischerweise kurz nach Mittag (wenn die Schatten „fliehen“ = wieder länger werden) oder kurz vor Einbruch der Nacht (wenn die Schatten „fliehen“ = schwinden) wehen würde. KBL3 und HALOT allerdings nehmen neben diesem &#039;&#039;jom&#039;&#039; = „Tag“ auch ein zweites, mit dem akadischen &#039;&#039;umu&#039;&#039; („Wind“) verwandtes &#039;&#039;jom&#039;&#039; II mit der Bed. „Wind, Sturm“ an, wonach die Hld-Stellen glatter übersetzbar wären: „Bis der &#039;&#039;Wind&#039;&#039; weht und die Schatten fliehen“. Ist das richtig, muss man auch hier davon ausgehen, dass &#039;&#039;jom&#039;&#039; in dieser Bedeutung verwendet wird; Gott spaziert im „Hauch/Wind des Windes/Sturmes“, was dann wie in der Wendungn &#039;&#039;ruḥ hasa´rah&#039;&#039; („Sturm-Wind“; [[Psalm 107#s25 |Ps 107,25]]; [[Psalm 148#s8 |148,8]]; [[Ezechiel 1#s4 |Ez 1,4]]; [[Ezechiel 13#s11 |13,11.13]]) den stark wehenden Wind bezeichnen würde. &#039;&#039;ruḥ hajjom&#039;&#039; statt &#039;&#039;ruḥ hasa´rah&#039;&#039; würde dann verwendet, um mit &#039;&#039;jom&#039;&#039; auf diesen selben „Tag“, an dem sie gegessen haben (V. 5!), anzuspielen (ThWAT VII S. 405), was so und so sicher der Fall ist. Dieser Vorschlag von Niehaus 1994 hat sich bisher allerdings nicht durchsetzen können; auch OfBi sollte daher besser bei der klassischen Übersetzung bleiben.&amp;lt;/ref&amp;gt; im Garten umherwandelte, und der Mensch und seine Frau versteckten sich vor dem Angesicht JHWH Gottes inmitten der Bäume des Gartens.&lt;br /&gt;
{{S|9}} Da rief JHWH zum (nach dem) Menschen{ und er sprach}: „Wo bist du?“&lt;br /&gt;
{{S|10}} Und er sprach: „Deine Stimme (deinen Klang) hörte ich im Garten, aber (und) ich fürchtete mich, weil ich nackt war (bin), und so versteckte ich mich.“&lt;br /&gt;
{{S|11}} Und er sprach: „Wer hat dir mitgeteilt, dass du nackt bist? Hast du von dem Baum gegessen, von dem nicht zu essen ich dir geboten hatte?“&lt;br /&gt;
{{S|12}} Und der Mensch sagte: „Die Frau, die du mir beigegeben hast, sie gab mir [Frucht] von dem Baum, und so aß ich.“&lt;br /&gt;
{{S|13}} JHWH Gott sprach zur Frau: „Was hast du da [nur] getan!?“ Und die Frau sprach: „Die Schlange — sie betrog mich, und so aß ich.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|14}} JHWH sprach zur Schlange: &lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;„Weil du das getan hast, &lt;br /&gt;
verflucht bist du unter allen Tieren (Haustieren) &lt;br /&gt;
_und unter allen wilden Tieren des Feldes. &lt;br /&gt;
Auf deinem Bauch wirst du kriechen,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;du wirst kriechen&#039;&#039; - d.h., die „Ur-Schlange“ hatte noch Beine. Für den Midrasch sah sie aus wie ein Kamel; viele jüd. Ausleger dagegen fabulieren, sie sei neben dem Menschen das einzige Wesen mit aufrechtem Gang gewesen.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
_und Staub wirst du fressen &lt;br /&gt;
_alle Tage deines Lebens.&lt;br /&gt;
{{S|15}} Und ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau &lt;br /&gt;
_und zwischen (deinem Samen und ihrem Samen=) deinen Nachkommen und ihren Nachkommen. &lt;br /&gt;
(Er wird=) sie werden nach deinem Kopf lechzen (dir den Kopf zermalmen), &lt;br /&gt;
_und du wirst nach (seiner=) ihrer Ferse lechzen (schnappen, ihre Ferse zermalmen).“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;lechzen (schnappen, zermalmen)&#039;&#039; - Hier scheint zwei Mal ein hebräisches Wort &#039;&#039;šūp&#039;&#039; verwendet worden zu sein. Dieses ist relativ sicher nur noch in [[Ijob 9,17 |Ijob 9,17]] belegt und scheint dort „zerschmettern“ zu bedeuten. Das passt zur ersten Zeile („sie werden deinen Kopf zerschmettern“), aber wenig zur zweiten (*„du wirst ihre Ferse zerschmettern“). Verben wie &#039;&#039;šūp&#039;&#039; sind aber häufig Nebenformen von Verben wie &#039;&#039;ša`ap&#039;&#039;, und dieses Verb ist häufig mit der Bedeutung „schnappen, lechzen“ belegt. Das passt zur zweiten Zeile („du wirst ihm nach der Ferse schnappen“) und einigermaßen zur ersten („sie werden nach deinem Kopf lechzen“ = „sie wollen deinen Kopf“); besser passte dort aber wie gesagt &#039;&#039;šūp&#039;&#039; = „zerschmettern“. Insgesamt wird hier also entweder zwei Mal das Verb &#039;&#039;ša`ap&#039;&#039; in seiner Nebenform &#039;&#039;šūp&#039;&#039; verwendet oder nur einmal und das erste Wort ist stattdessen &#039;&#039;šūp&#039;&#039; = „zerschmettern“, so dass man insgesamt auflösen könnte: (1) „sie werden deinen Kopf zerschmettern und du wirst ihnen nach der Ferse schnappen“; (2) „sie werden nach deinem Kopf lechzen und du wirst ihnen nach der Ferse schnappen“ oder (3) „sie werden nach deinem Kopf lechzen und du wirst nach ihrer Ferse lechzen“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|16}} Zur Frau sagte er: &lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;“Ich werde deine Mühsal und deine Empfängnis (die Mühsal deiner Empfängnis) sehr mehren; &lt;br /&gt;
_mit Geburtsschmerzen wirst du Kinder gebären, &lt;br /&gt;
und dein Verlangen (deine Rückkehr)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Verlangen (Rückkehr)&#039;&#039; - Äußerst wichtiges Wort; in der Auslegungsgeschichte hat man weitreichende Folgerungen über das Verhältnis von Mann und Frau aus dem ganzen Vers gezogen. Die Bed. des Satzes ist aber leider unsicher; am besten deutet man entweder (1) als „du wirst deinem Mann &#039;&#039;willens&#039;&#039; sein und er wird dich beherrschen“ oder (2) als „du wirst gegen deinen Mann &#039;&#039;aufbegehren&#039;&#039;, aber er wird dich beherrschen“. Vorzuziehen ist hiervon eher (1): Dies hat mit [[Hohelied 7#s11 |Hld 7,11]] eine gute Parallele und man muss die letzten beiden Zeilen nicht als einen zweiten Fluch neben dem Gebären nehmen, sondern kann beides zusammenlesen: „Unter Mühsal wirst du gebären, [aber an deinem Gebären wird dennoch kein Weg vorbei führen, denn:] Du wirst deinem Mann willens sein und er wird dich beherrschen“, sc. „Dein Gebären wird dir Mühsal bereiten, aber wenn dein Mann es für gut befindet, dass Nachwuchs gezeugt werde, wirst du ihm gefügig sein müssen“ – beschrieben würde hier also eine Familiendynamik, die es im Alten Orient so ja leider wirklich gab.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Genauer&#039;&#039;&#039;: Auszugehen ist von der Bed. „Verlangen“, s.u. Was kann das hier bedeuten?&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Die klassische Deutung ist die, dass zu allem Überfluss die Frau neben ihrer mühseligen Schwangerschaft auch noch ständig sexuelles Begehren nach ihrem Mann haben wird und so selbst die Zahl ihrer Schwangerschaften nach oben treibt, während unabhängig davon Männer dazu bestimmt sind, „Frauen zu beherrschen“. In [[Genesis 4#s7 |Gen 4,7]] wird der selbe Satz aber noch mal fast identisch wiederholt, und hier passt diese Deutung offensichtlich gar nicht, das liegt also sehr fern. So deuten dennoch heute z.B. Carr 2021 und nur unwesentlich besser Bührer 2014, S. 251; Gertz 2018. Was kann der Satz hier sonst meinen? –&amp;lt;br /&amp;gt;Die drei Flüche bilden zum Abschluss deutlich jeweils Pärchen: (a) (Nachkommenschaft der) Frau vs. (Nachkommenschaft der) Schlange: Sie wird nach ihr &#039;&#039;ješup&#039;&#039;, jene wird nach dieser &#039;&#039;tešup&#039;&#039; („nacheinander lechzen“ o.Ä., s.o.). (c) Adam und Adamah: Adam wurde einerseits „von ihr genommen“, andererseits wird er zu ihr &#039;&#039;tašub&#039;&#039; („zurückkehren“). Ähnlich eben hier: (b) Frau und Mann: Er soll sie beherrschen, nach ihm soll ihre &#039;&#039;tešuqah&#039;&#039; sein. Dann ist zu erwarten, dass &#039;&#039;tešuqah&#039;&#039; vs. „beherrschen“ einen ähnlich deutlichen Gegensatz bilden wie „lechzen nach“ vs. „lechzen nach“ und „von X genommen sein“ vs. „zu X zurückkehren“. Möglich sind dann v.a. zwei Interpretationen:&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
(2) &#039;&#039;tešuqah&#039;&#039; steht gegen „beherrschen“ wie „lechzen“ gegen „lechzen“. Das passt auch gut zu Gen 4,7, wo der selbe Satz fast identisch wiederholt wird. Stark Vogels 1996, S. 204f.: „Gott sagt [dort] Kain, dass die Sünde [...] versucht, ihn zu überwältigen, zu versklaven, in Besitz zu nehmen. Übertragen wir das auf das Verhältnis von Mann und Frau in 3,16b, wäre das Verlangen der Frau entsprechend, ihren Mann zu kontrollieren, zu besitzen oder zu manipulieren. [Unser Wort spräche] von ihrem Verlangen nach der Macht in der Beziehung.“ (ebenso z.B. Foh 1974/75, S. 379-382; Arnold 2009; Bediako / Andor 2018).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
(3) &#039;&#039;tešuqah&#039;&#039; „passt“ zu „beherrschen“; „nach ihm wird dein Verlangen sein“ hieße also etwa „du wirst ihm willens sein“. Das passt auch gut zu [[Hohelied 7#s11 |Hld 7,11]], der dritten und letzten Stelle, an der das Wort &#039;&#039;tešuqah&#039;&#039; („Verlangen“) verwendet wird („Ich gehöre meinem Geliebten und nach mir ist seine &#039;&#039;tešuqah&#039;&#039;“, vgl. [[Hohelied 2#s16 |Hld 2,16]]; [[Hohelied 6#s3 |6,3]]: „Er ist mein und ich bin sein“). Ähnlich haben unseren Ausdruck „Verlangen“ viele alte Ausleger gedeutet, z.B. Ephräm der Syrer („du wirst von ihm beraten werden wollen, nicht ihn beraten“), ibn Ezra („dein Gehorsam“), Calvin („du sollt nichts begehren als das, was dein Ehemann wünscht“); z.B. auch Schelkle 1979, S. 16; Deurloo 1987.&amp;lt;br /&amp;gt;Beide Deutungen sind grundsätzlich möglich. Die erste spräche vom Geschlechterkampf, die zweite von der Unterordnung der Frau unter den Mann, die im Alten Orient Realität war, die hier aber recht modern als dem idealen Zustand zu Uranfang &#039;&#039;widersprechender Fluch&#039;&#039; dargestellt würde. Beide passen aber zu einer der beiden Parallelstellen Gen 4,7 und Hld 7,11 nicht besonders gut. Nur, weil Hld 7,11 klarer ist als Gen 4,7 (richtig Busenitz 1986; Condren 2017, S. 230-234), sollte man sich besser an dieser Parallele orientieren und Deutung (3) vorziehen; anders ist eine gute Entscheidung zwischen beiden Deutungsoptionen kaum möglich.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;dein Verlangen (deine Rückkehr)&#039;&#039; - textkritisch komplexe Stelle. Für gründlichere Überblicke vgl. am besten Reuling 2006, S. 23-47 und Lohr 2011. Die Textzeugen lassen sich grob in zwei Gruppen gliedern: (1a) MT + SamP: &#039;&#039;tešuqah&#039;&#039; („Verlangen“), (1b) TgO2 (&#039;&#039;ti`ubta`&#039;&#039;, eine echte Variante [falsch in vielen Aufsätzen], s. Sperber) + TgJ: „Begehren“, (1c) Sym: „Eifern“ vs. (2a) Aq: „Einheit/Vereinigung“, (2b) LXX (+ VL) + Syr (s. Smith, Thesaurus Sp. 3167) + TgO1 (&#039;&#039;tejubta`&#039;&#039;) + TgN1 + ApkMos 25,4 + Hieronymus, Hebraicae Quaestiones 3,6: „Umkehr/Rückkehr/Hinwendung“, (2c) TgN2: „Zuversicht“, Jub 3,24: „Zuflucht“.&amp;lt;br /&amp;gt;(1b-c) stützen deutlich (1a). (2c) setzt stattdessen sicher &#039;&#039;tešubah&#039;&#039; voraus. Das selbe gilt für (2a) = Aq, wenn man sich seine „Vereinigung“ erklärt als „Rückkehr zum Mann, von dem du soeben erst getrennt wurdest“ (gut Condren 2017, S. 235 FN 49). (2b) lässt sich prima vista sogar am besten mit &#039;&#039;tešubah&#039;&#039; erklären; das Zeugnis dieser Untergruppe wird aber entscheidend dadurch geschwächt, dass LXX an &#039;&#039;allen&#039;&#039; Stellen, an denen im MT &#039;&#039;tešuqah&#039;&#039; steht (hier, Gen 4,7 und Hld 7,11) mit &#039;&#039;apostrofä&#039;&#039; oder &#039;&#039;epistrofä&#039;&#039; („Umkehr, Rückkehr“) übersetzt – es ist fast ausgeschlossen, dass LXX an &#039;&#039;allen&#039;&#039; Stellen &#039;&#039;tešubah&#039;&#039; statt &#039;&#039;tešuqah&#039;&#039; vorliegen hatte (richtig Bergmeier 1967, S. 77). Dieses Phänomen ist bisher noch unerklärt (Bergmeiers Erklärung liegt sehr fern). Solange das so ist, muss man das Zeugnis der Versionen aber so werten, dass gegeneinander stehen: MT, SamP, Sym, TgJ, TgO2: &#039;&#039;tešuqah&#039;&#039; vs. LXX (+ VL), Aq, TgO1, TgN1, TgN2, Syr, Jub 3,24, ApkMos 25,4, Hieronymus: &#039;&#039;tešubah&#039;&#039;.&amp;lt;br /&amp;gt;Lohr 2011, S. 238 hat außerdem gut auf Midrasch BerR 20,7 hingewiesen: Die Auslegung „Du wirst zurückkehren (&#039;&#039;tšwbj&#039;&#039;) zu deinem Verlangen (&#039;&#039;tšwqtk&#039;&#039;), du wirst zurückkehren (&#039;&#039;tšwbj&#039;&#039;) zu deinem Verlangen (&#039;&#039;tšwqtk&#039;&#039;) nach deinem Mann“ zu unserer Stelle setzt wahrscheinlich einen hebräischen Text voraus, in dem beide Varianten als Konflation nebeneinander standen. Das wäre wichtig, weil es in mehreren Aufsätzen heißt, dass LXX wegen der gerade geschilderten Merkwürdigkeit nicht notwendig ein &#039;&#039;tešubah&#039;&#039; voraussetzt (z.B. BHQ; Qimron 1989; Lohr 2011; Condren 2017). Nimmt man LXX und die von ihr abhängigen Versionen für sich, könnte das so sein, aber Untergruppe (2c) tut es doch, (2a) auch, sofern Aq oben richtig verstanden wurde (Aq kann jedenfalls nicht sekundär aus LXX entstanden sein), und der Midrasch könnte sich nun als (2d) ebenfalls zu diesen Textzeugen hinzugesellen – und selbst nur mit Aq, TgN, Jub und dem Midrasch wäre das dann ein starkes Zeugnis für &#039;&#039;tešubah&#039;&#039;.&amp;lt;br /&amp;gt;Aber eine Verschreibung von (1) nach (2) ist leicht erklärlich: Die Qumranschriften zeigen, dass für die „Rückkehr“ zur Erde, von der gleich V. 19 sprechen wird, regelmäßig das Wort &#039;&#039;tešubah&#039;&#039; verwendet wurde, s. 1QH 18,4; 20,26; 4QInstr&amp;lt;sup&amp;gt;d&amp;lt;/sup&amp;gt; 69.2,6. Ist das so, hätten Schreiber dieses Wort im Hinterkopf gehabt, wenn sie zu unserer vielzitierten Stelle gekommen wären, wonach sie schnell jenes nur leicht andere Wort für dieses Wort verlesen können hätten. Dass die Schlange zuvor &#039;&#039;tešup&#039;&#039; („lechzen“ o.Ä.) und der Mann danach &#039;&#039;tašub&#039;&#039; („zurückkehren“) soll, kann sein Übriges dazu getan haben, dass auch hier nach &#039;&#039;tešu-&#039;&#039; ein Bilabial verlesen wurde. Eine Verschreibung in die umgekehrte Richtung wäre weniger leicht erklärlich; mehr spricht daher für die Ursprünglichkeit von MT.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird nach deinem (zu) Mann sein, &lt;br /&gt;
_und (aber) er wird dich beherrschen.“&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|17}} Und zu Adam (zum Menschen?) sprach er: &lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Weil du auf die Stimme deiner Frau gehört hast &lt;br /&gt;
_und von dem Baum gegessem jast, &lt;br /&gt;
von dem ich dir geboten habe{ wie folgt}: &lt;br /&gt;
_Du sollst nicht davon essen, &lt;br /&gt;
so ist der Erdboden deinetwegen verflucht; &lt;br /&gt;
_in Mühsal wirst du seinen Ertrag essen alle Tage deines Lebens.&lt;br /&gt;
{{S|18}} Dornen und Disteln wird er dir wachsen lassen, &lt;br /&gt;
_und du sollst die Pflanzen des Feldes essen.&lt;br /&gt;
{{S|19}} Im Schweiße deines Angesichts wirst du Brot essen, &lt;br /&gt;
_bis du zum Erdboden zurückkehrst, &lt;br /&gt;
denn von ihm wurdest du genommen (von dem du genommen wurdest).&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Denn Staub bist du, &lt;br /&gt;
_und zum Staub wirst du zurückkehren.“&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|20}} Danach gab der Mensch (Adam) seiner Frau den Namen Eva, weil sie die Mutter alles Lebenden war.&lt;br /&gt;
{{S|21}} Und JHWH machte (Haut-Kleider=) Kleider für die Haut (Kleider aus Fell) für Adam und Eva.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|22}} Und JHWH sprach: „Sieh, der Mensch ist jetzt wie einer von uns geworden: er erkennt jetzt Gut und Böse! Und nun, dass er seine Hand nicht ausstreckt und [tatsächlich] auch [Frucht] vom Baum des Lebens nimmt und ißt und ewig lebt.&lt;br /&gt;
{{S|23}} Daraufhin verwies JHWH den Menschen aus dem Garten Eden, damit er [auf] dem Erdboden diene, von wo er genommen worden war.&lt;br /&gt;
{{S|24}} Und so trieb er den Menschen hinaus und stellte im Osten des Gartens Eden die Keruben auf und die Flamme des sich hin und her wendenden Schwerts, damit sie den Weg zum Baum des Lebens bewachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit &#039;&#039;&#039;2,25-3,7&#039;&#039;&#039; sind wir an den kritischen Punkt von Gen 2-3 gelangt, der direkt zum Höhe- und Zielpunkt der beiden Kapitel in Vv. 8-19 führt: Nachdem die Frau als Krone der Schöpfung ins Dasein getreten ist, folgt in V. 25 noch eine Aussage über den Zustand der beiden; darauf folgt als &#039;&#039;erste&#039;&#039; Handlung des Menschenpaars direkt, wie sie gegen das &#039;&#039;einzige&#039;&#039; Gebot verstoßen, das Gott erlassen hat. &#039;&#039;Was genau&#039;&#039; hier passiert, ist jedoch völlig unklar; umstritten sind vor allem folgende fünf Aspekte:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Welche Bewandtnis hat es mit dem Wortspiel „ohne Gewand“ (2,25) – „gewandt“ (V. 1) – „kein Gewand“ (V. 7)? Genauer: Ist der wichtigere Unterschied der zwischen „ohne Gewand“ (&#039;&#039;´arum&#039;&#039;, 2,25) und „gewandt“ (V. 1), der zwischen „ohne Gewand“ (2,25) und „kein Gewand“ (V. 7) oder der zwischen „gewandt“ (V. 1) und „kein Gewand“ (V. 7)? Anders gefragt: Ist die kluge Schlange hier noch mehr „Mensch“, als es die Menschen sind, sind die Menschen zuerst „nackt“, später aber „entblößt“, oder wollen die Menschen „gewandt“ werden, werden aber nur „nackt“?&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Welche Fähigkeit ist es, die der „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ verleiht, und wie genau hängt sie mit der Erkenntnis, „kein Gewand zu haben“, zusammen?&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Ist Nacktheit im Alten Orient eigentlich etwas Erotisches? Und ist es bedeutsam, dass „erkennen“ im biblischen Sprachgebrauch ein Ausdruck für Geschlechtsverkehr ist, dass der Baum als „Lust“ und „begehrenswert“ beschrieben wird, und hängt dies irgendwie zusammen damit, dass die „Braut“ in [[Hohelied 4#s13 |Hld 4,13]] ein „Lustgarten aus Granatapfelbäumen mit köstlichen Früchten“ ist?&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Wer ist überhaupt die Schlange – warum kann sie als einziges Tier der Bibel von sich aus sprechen, und warum sind die ersten und letzten Worte des Schlangengeschlechts die Opposition gegen Gottes Gebote?&amp;lt;br /&amp;gt;(5) Und schließlich: Begehen Eva und Adam hier tatsächlich die erste Sünde, oder hat es Gott vielleicht genau so geplant, wie es vonstatten ging? Sind sie überhaupt schuldfähig, bevor sie „Gut und Böse erkennen“ können?&amp;lt;br /&amp;gt;Weil das alles so unklar ist, seien hier drei verbreitete Deutungen vorgestellt. Vorzuziehen ist sicher die zweite.&lt;br /&gt;
# Die &#039;&#039;&#039;klassisch-christliche&#039;&#039;&#039; (stellvertretend für viele und viele Konfessionen sei hier als Vertreter der KKK, der „Katechismus der katholischen Kirche“, zitiert): In der Schlange wirkt der Satan, des Gegenspielers Gottes. Angedeutet wird dies zum einen mit dem Wort „gewandt“, das hier i.S.v. „verschlagen“ genommen werden muss, zum anderen damit, dass die Schlange &#039;&#039;qua Schlange&#039;&#039; der „kleine Bruder“ der Chaosschlange in [[Jesaja 27#s1 |Jes 27,1]]; [[Amos 9#s3 |Am 9,3]] ist, die in [[Offenbarung 12#s9 |Offb 12,9]] mit dem Satan identifiziert wird. Als solcher will sie Adam und Eva zur ersten Sünde verführen: Natürlich sind die beiden bereits schuldfähig; Adam hat sich ja sogar bereits als weise genug erwiesen, alle Tiere der Erde zu benennen. Der „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ verleiht trotz V. 22 nicht wirklich die Fähigkeit der Erkenntnis von Gut und Böse; dies kann nur Gott. Vielmehr „&#039;&#039;erinnert er sinnbildich an die unüberschreitbare Grenze, die der Mensch als Geschöpf freiwillig anerkennen und vertrauensvoll achten soll. Der Mensch hängt vom Schöpfer ab, er untersteht den Gesetzen der Schöpfung und den sittlichen Normen, die den Gebrauch der Freiheit regeln&#039;&#039;“ (KKK 396).&amp;lt;br /&amp;gt;Üblicherweise bleibt diese Deutung hier aber nicht stehen; aus der „Sündendeutung“ wird häufig eine „Ursünden-Deutung“: Auf irgendeine Weise ist diese erste Sünde dann noch weiter sogar die „Ursünde“, die von Adam und Eva an alle Menschen weitervererbt wird auf „&#039;&#039;geheimnisvolle Weise, die wir nicht völlig verstehen können&#039;&#039;“ (KKK 404). Für diese Ursünden-Deutung ist es dann sogar nötig, zu glauben: „&#039;&#039;Der Bericht vom Sündenfall (Gen 3) verwendet eine bildhafte Sprache, beschreibt jedoch ein Urereignis, das zu Beginn der Geschichte des Menschen [tatsächlich] stattgefunden hat.&#039;&#039;“ (KKK 390). Die Strafen Gottes in Vv. 8-19 sind dann schlicht die gerechte Strafe für diese Erst- und Ursünde. – Das häufigste Gegenargument gegen diese Deutung greift nicht: Eine bereits entwickelte Satansvorstellung muss man nicht voraussetzen; es reicht, wenn man annimmt, dass die Schlange den Leser an die Chaos-Schlange denken lassen soll, die ja wirklich spätestens zur Zeit von Amos und Jesaja als „Feind der Schöpfung“ dargestellt werden konnte. Die größte Schwäche der &#039;&#039;Sünden&#039;&#039;-Deutung ist V. 22. Dass es gerade der „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ ist, von dem die beiden essen, und dass sie am Ende wirklich über gottgleiche „Erkenntnis von Gut und Böse“ verfügen, lässt sich hiernach nicht gut erklären. Einige alte Christen haben V. 22 daher als „ironische Äußerung“ verstanden wissen wollen, aber das liegt völlig fern. Die Weiterführung der Sündendeutung zur „Ursünden-Deutung“ dagegen lässt sich überhaupt nicht aus dem Text herauslesen, aber das gestehen Vertreter dieser Deutung auch freimütig zu: „&#039;&#039;Obwohl das Gottesvolk des Alten Bundes im Licht der im Buche Genesis erzählten Geschichte vom Sündenfall die menschliche Daseinsverfassung irgendwie erkannte, konnte es den letzten Sinn dieser Geschichte nicht erfassen; dieser tritt erst im Licht des Todes und der Auferstehung Jesu Christi zutage (vgl. [[Römer 5#s12 |Röm 5,12-21]]). Man muss Christus als den Quell der Gnade kennen, um Adam als den Quell der Sünde zu erkennen.&#039;&#039;“ (KKK 388). Heißt: Auslegung von Gen 3 soll die &#039;&#039;Ursünden&#039;&#039;-Deutung ohnehin nicht sein; als sinnvolle Deutung von Gen 3 &#039;&#039;selbst&#039;&#039; scheidet diese Variante daher von vornherein aus. Die reine &#039;&#039;Sünden&#039;&#039;-Deutung dagegen ist die aktuell verbreitetste Deutung; sie ist aber weit näherliegend zu einer von der Ursünden-Deutung unabhängigen &#039;&#039;ätiologischen&#039;&#039; Deutung weiterentwickelt worden:&lt;br /&gt;
# Die &#039;&#039;&#039;ätiologische&#039;&#039;&#039;: Ob Adam und Eva hier tatsächlich schon „sündigen“ können, ist irrelevant; klar ist jedenfalls, dass sie Gottes Gebot übertreten: Statt dem „Baum des Lebens“ wählen sie gegen Gottes Willen die „Erkenntnis von Gut und Böse“. Sie vollziehen damit das, was Karl Barth wunderbar als „die Schlangenmöglichkeit“ des Menschen bezeichnet hat: Das Recht für sich zu beanspruchen, &#039;&#039;selbst&#039;&#039; zu entscheiden, was Gut und was Böse sei, da Gott  mit seinen Geboten jemandem möglicherweise ja etwas Gutes, gar das Beste, vorenthalten könnte (KD IV/1, S. 481-3).&amp;lt;br /&amp;gt;Insgesamt soll diese Geschichte erklären, warum der Mensch erstens sterblich ist, warum er zweitens klug ist, warum er drittens mit dieser eigentlich so positiven Eigenschaft der Klugheit gegen Gottes Willen verstoßen kann, und warum aber ebendiese Klugheit ihm viertens durch Beschämung für solche schlechte Taten die Augen öffnet (darum folgt &#039;&#039;´erom&#039;&#039;, „entblößt“, statt &#039;&#039;´arum&#039;&#039;, „nackt“, aus &#039;&#039;´arum&#039;&#039;, „klug“). Daran schließen sich in Vv. 8-19 noch weitere Ätiologien an: Woher kommt es, dass die Schlange keine Beine hat? Woher kommt die Feindschaft zwischen dem Menschen und der Schlange? Woher kommt es, dass die erste &#039;&#039;`adamah&#039;&#039; – die Erde – mit den Pflanzen so mühelos Nachkommen gebiert, die zweite &#039;&#039;`adamah&#039;&#039; – die &#039;&#039;`iššah&#039;&#039; des &#039;&#039;`iš&#039;&#039;s Adam – dagegen unter solchen Schmerzen? Warum sind Frau und Mann nicht ein Geist und eine Seele, obwohl sie doch ein Fleisch und Blut sind? Und woher kommt es schließlich, dass die Bäume so mühelos Frucht bringen, der Mensch dagegen die Früchte der Erde derselben im Schweiße seines Angesichtes abringen muss? Zu all diesen Fragen siehe dann Gen 3; hier ist die Erklärung nachzulesen. Gen 2-3 ist dann also &#039;&#039;insgesamt&#039;&#039; eine Ätiologie in Reinform. (Zu dieser Deutung s. näher z.B. [https://www.jungekirche.de/2009/sonderheft09/2009_Extra_04-12.pdf Ebach 2009]; [https://www.academia.edu/34494768/2009_Das_verlorene_Paradies_Genesis_2_3_ Levin 2009]).&amp;lt;br /&amp;gt;Ein Letztes: Vertreter dieser Deutung denken, dazu würden sie deshalb von der &#039;&#039;Schlange&#039;&#039; verführt, weil diese als sprichwörtlich kluges Tier (vgl. [[Matthäus 10#s16 |Mt 10,16]]) einfach die logische Wahl als „Agent der Klugheit“ war. Besser hält man die „kluge“ Schlange hier aber für den Genius dieses Baums der „Erkenntnis“: Ist der Baum das, was „dem Menschen seine Schlangenmöglichkeit &#039;&#039;verleiht&#039;&#039;“ – die Klugheit also, die auch die Opposition gegen Gott ermöglicht – dann ist die Schlange &#039;&#039;Verkörperung&#039;&#039; dieser Schlangenmöglichkeit. Man kann sich gut vorstellen und soll das vielleicht auch, dass die Schlange anders als der Mensch bereits von der verbotenen Frucht gekostet hat (schön Chizkuni). Von dieser so bedingten Klugheit rührte dann erstens ihre Sprachfähigkeit her, zweitens ihr Opponieren gegen Gott.&amp;lt;ref&amp;gt;Diese Erklärung ist auch deshalb vorzuziehen, weil die angebliche Sprichwörtlichkeit der „Klugheit der Schlange“ sich auch durch [[Matthäus 10#s16 |Mt 10,16]] kaum stützen lässt: Die „Arglosigkeit der Taube“ wird dort in Vv. 19-20 als Aufrichtigkeit vor Gericht näher beschrieben, die „Klugheit der Schlange“ dagegen in V. 23: Gemeint ist kein hoher IQ, sondern die Eigenschaft der „flüchtigen Schlange“ ([[Ijob 26#s13 |Ijob 26,13]]; [[Jesaja 27#s1 |Jes 27,1]]), Gott und Mensch zu fliehen – ein ganz anderes Motiv als hier. Die einzige andere Parallele steht im Midrasch zu Hld 2,14  („Vor Gott ist Israel rein wie die Taube, unter den Völkern dagegen klug wie die Schlange“); erstens stammt der Spruch nach dem Midrasch aus dem 4. Jhd. n. Chr. und ist zweitens wahrscheinlich ein Zitat von Mt 10,16: Ähnlich wie dort wird auch im Midrasch die Arglosigkeit der Taube dann als Unterwerfung unter die staatliche Macht näher bestimmt; anders als dort ist aber die „Klugheit der Schlange“ unmotiviert, weil auf sie gar nicht weiter eingegangen wird.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
# Die &#039;&#039;&#039;erkenntnis-optimistische&#039;&#039;&#039;: Eine Variante von Deutung (2). Der Erdling war nie für den Garten Eden bestimmt: Er war dafür geschaffen worden, um auf dem &#039;&#039;Erdboden&#039;&#039; zu dienen (2,5), nicht „im Garten“ (2,15). Mit der „Strafe“, „auf dem Erdboden dienen“ zu müssen (V. 23), ist der Mensch also nur dort angelangt, wo er von jeher hin sollte. Für diese Aufgabe braucht er aber außerdem noch Klugheit. Weil diese wirklich so ambivalent ist wie in Deutung (2) beschrieben, geht der Erzähler den erzählerischen Umweg, den Menschen Klugheit erlangen zu lassen, indem er gegen Gottes Gebot verstößt – eine „Sünde“ ist dies aber nicht; der Mensch war ja schließlich noch gar nicht schuldfähig, und entsprechend fällt in Gen 3 kein einziges Mal ein Wort wie „Schuld“ oder „Sünde“. (Zu dieser Deutung s. näher z.B. [http://hgpadre.org/dbfoto/fo_theo_neueschristusbild/theo_nacktheit_gen_suendenfall_krueger_2007.pdf Krüger 2007]; [https://www.academia.edu/35129759/Barbara_Schmitz_Der_Mensch_als_erkennendes_Wesen._Anthropologische_Aspekte_nach_Gn_2_4_3_24_in_Christof_M%C3%BCller_Guntram_F%C3%B6rst_Hg._Von_Menschenwerk_und_Gottesmacht._Der_Streit_um_die_Gnade_im_Laufe_der_Jahrhunderte_W%C3%BCrzburg_Echter_2016_13_25 Schmitz 2016]). – Diese Deutung ist anregend, kann aber wohl nicht richtig sein: „Was ist dies, was du getan hast!?“ (V. 13) ist unbezweifelbar entweder eine starke Verurteilung oder ein Ausruf des Entsetzens über die Handlung Evas (s. zum Vers); dass hier „nur geschah, was Gott geplant hatte“, lässt sich damit kaum vereinbaren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Genesis_2&amp;diff=40229</id>
		<title>Genesis 2</title>
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		<updated>2025-10-30T20:49:09Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Syntax&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Zuverlässige Studienfassung}}&lt;br /&gt;
{{Lesefassung kann erstellt werden}}&lt;br /&gt;
{{Lesefassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{L|1}} Die Welt und alles darauf war vollendet, {{L|2}} und so erklärte Gott am siebten Tag sein Werk als vollbracht. Am siebten Tag ruhte er sich aus von diesem Werk. {{L|3}} Und weil er an diesem Tag geruht hatte von dem Werk, an dem er gearbeitet hatte, erklärte er den siebten Tag für heilig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{L|4}}&lt;br /&gt;
{{L|5}}&lt;br /&gt;
{{L|6}}&lt;br /&gt;
{{L|7}}&lt;br /&gt;
{{L|8}}&lt;br /&gt;
{{L|9}}&lt;br /&gt;
{{L|10}}&lt;br /&gt;
{{L|11}}&lt;br /&gt;
{{L|12}}&lt;br /&gt;
{{L|13}}&lt;br /&gt;
{{L|14}}&lt;br /&gt;
{{L|15}}&lt;br /&gt;
{{L|16}}&lt;br /&gt;
{{L|17}}&lt;br /&gt;
{{L|18}}&lt;br /&gt;
{{L|19}}&lt;br /&gt;
{{L|20}}&lt;br /&gt;
{{L|21}}&lt;br /&gt;
{{L|22}}&lt;br /&gt;
{{L|23}}&lt;br /&gt;
{{L|24}}&lt;br /&gt;
{{L|25}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|1}} (So)&amp;lt;ref&amp;gt;Nach Zenger 1983, S. 67 (der hier Steck folgt) ist V. 1 nicht Einleitung von Gen 2,2-3, sondern rückblickende Unterschrift von Gen 1,1-31. Das ist aber sehr unwahrscheinlich, da V. 1 durch die wiederholte Verwendung des Wortes {{hebr}}כלה{{hebr ende}} „vollenden“ viel zu sehr mit den folgenden Versen zusammenhängt, als dass man es ohne schwerwiegende Indizien aus diesem Zusammenhang herausreißen dürfte.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Vollendet war (wurde) die Welt (Himmel und Erde)&amp;lt;ref&amp;gt;Der Merismus „Himmel und Erde“ ist der im Hebräischen übliche Ausdruck für den Kosmos/das Universum; vgl. [http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=Genesis_1#note_c Fußnote c] zu Gen 1,1.&amp;lt;/ref&amp;gt; und ihr ganzes Heer (alles darauf und darin),&amp;lt;ref&amp;gt;Das „Heer des Himmels“ sind nach [[Jesaja 40#s26 |Jes 40,26]] die Sterne; entsprechend wird das „Heer von Himmel und Erde“ alles bezeichnen, was sich im Himmel und auf der Erde befindet (vgl. Scharbert 1990, S. 47). Äquivalente Formeln existieren im Assyrischen und Babylonischen, die in etwa das selbe bezeichnen (so z.B. schon Delitzsch 1887, S. 69).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|2}} Darum (und)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Waw&#039;&#039; kann auch eine Folgerung einleiten; vgl. Lexikon / [http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=%D7%95%D6%B0 Lemma {{hebr}}וְ{{hebr ende}}]&amp;lt;/ref&amp;gt; erklärte (erachtete) als vollendet (vollendete)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;erklärte als vollendet (vollendete, erachtete als vollendet)&#039;&#039; - Der folgende Text zeigt deutlich, dass Gott am siebten Tag eben nicht mehr an der Welt arbeitet; das Piel ist daher wohl am besten z.B. mit König und Heidel 1964, S. 127 als deklaratives – vielleicht auch ästimatives – Piel zu deuten. Aber s. noch nächste FN.&amp;lt;/ref&amp;gt;Gott am sechsten (siebten) Tag&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;sechsten (siebten)&#039;&#039; - VUL und Tg stützen MT. Sam, LXX, Syr, die gr. Torah v. Ptolemäus Philadelphus, Jub 2,16 und BerR aber lesen „am sechsten Tag“. Meist wird davon ausgegangen, dass es sich hier um eine theologische Korrektur handle, damit nicht der Eindruck entstünde, Gott habe auch am Sabbat noch gearbeitet (so z.B. Westermann, Soggin, s. auch BHQ). Für ursprünglich halten diese sehr stark bezeugte Variante aber z.B. Ball und Hendel 1998, S. 122, und richtig Ball (1896, S. 73): „{{hebr}}ויכל{{hebr ende}} [„vollenden“] is not the same as {{hebr}}ויכל מן{{hebr ende}} [„aufhören“], but means &#039;&#039;finished, completed&#039;&#039;, as is clear from v. 1 [dazu s. aber vorige FN. Richtig dann aber:] Besides, there is an intentional antithesis between {{hebr}}ביום הששי{{hebr ende}} [„sechster Tag“] and {{hebr}}ביום השביעי{{hebr ende}} [„siebter Tag“]. Else why not {{hebr}}וישבת בו{{hebr ende}} [„und er ruhte an ihm“] in the second clause (&#039;&#039;cf.&#039;&#039; v. 3)?“&amp;lt;/ref&amp;gt; sein Werk (seine Arbeit), das er gemacht hatte; und er ruhte (hörte auf, feierte, arbeitete nicht)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;ruhte (hörte auf, feierte, arbeitete&#039;&#039; - Mit dem Verb {{hebr}}שבת{{hebr ende}} (&#039;&#039;schabat&#039;&#039;) wird häufig die konstitutive Tätigkeit bezeichnet, die man am Sabbat ausführt, beide Wörter klingen fast identisch, vielleicht hängen sie außerdem etymologisch zusammen. Zusammen mit der Nennung des „siebten Tages“ ({{hebr}}יוֹם שְבִיעִי{{hebr ende}} &#039;&#039;jom schbi´i&#039;&#039;) muss sich einem hebräischen Hörer ganz notwendig die Assoziation des Sabbats aufdrängen (so z.B. richtig Scharbert). Dennoch wollen neuerdings einige Exegeten merkwürdigerweise den Bezug der Verse 1-3 zum Sabbat in Abrede stellen. Das ist entschieden abzulehnen; hier einen engen Zusammenhang mit dem Sabbat zu verneinen ist, als würde man einem deutschen Text, in dem es heißt, jemand würde „am siebten Tag der Woche sonntagen“ den Bezug zum Sonntag absprechen. Dass gerade dem Gott JHWH, der nach dem Talmud (b.Ber 6a.7a) Sabbats sogar Tephilin trägt, der Sabbat verwehrt sein sollte, ist durchaus nicht einzusehen. Vgl. ebenso Cole 2003.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Jede der obigen Übersetzungsalternativen ist in der Forschung mehrfach vertreten worden; wir haben uns nur deshalb für „ruhen“ entschieden, da das Ruhen des Schöpfergottes nach Vollendung der Schöpfung ein verbreitetes Motiv in altorientalischen Schöpfungsmythen ist (vgl. z.B. Atwell 2000, S. 445).&amp;lt;/ref&amp;gt; am siebten Tag von seinem ganzen Werk (seiner ganzen Arbeit), das er gemacht hatte.&lt;br /&gt;
{{S|3}} Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn für heilig (heiligte ihn),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;erklärte ihn für heilig (heiligte ihn)&#039;&#039; - Auch hier ist entweder die faktitive oder die deklarative Piel-Deutung möglich. Da hier aber offensichtlich eine Ätiologie (Ursprungsmythos) des Sabbats vorliegt, der seinen Lesern erklären will, &#039;&#039;warum&#039;&#039; der Sabbat heilig ist, liegt vielleicht auch hier die deklarative Deutung näher.&amp;lt;/ref&amp;gt; da er an ihm von seinem ganzen Werk (all seiner Arbeit), das er arbeitend (indem er es gemacht hatte)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;arbeitend (indem er es gemacht hatte)&#039;&#039; - Auf den Ausdruck {{hebr}}אֲשֶׁר-בָּרָא אֱלֹהִים לַעֲשׂוֹת{{hebr ende}} (wörtl.: „[das Werk], das Gott geschaffen hatte, indem er es gemacht hatte“) wird selten eingegangen; die sehr unterschiedlichen Übersetzungen zeigen aber, wie schwierig er ist (Bspp.: Delitzsch: „das er schöpferisch ausgeführt hatte“, König: „das Gott geschaffen hatte, indem er (es) machte“, Soggin: „das Gott durch sein Wirken geschaffen hatte“. Zenger, BigS und Kirchentagsübersetzung sogar „das Gott geschaffen hat, um zu machen“, was immer das heißen soll). Viele Übersetzungen streichen daher entweder eines der Verben (z.B. ALTER: „that He had done“) oder formulieren komplett um (z.B. EÜ: „nachdem er das ganze Werk der Schöpfung vollendet hatte“).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
So rätselhaft ist der Versteil aber wohl gar nicht: „denn an ihm hatte er geruht“ berichtet von Gottes Ruhen, „von seinem Werk, dass er geschaffen hatte, indem er es machte“ blickt dagegen zurück auf die diesem Ruhen entgegengesetzte erste Arbeitswoche Gottes. Das „indem er es gemacht hatte“ unterstreicht dabei nur noch zusätzlich diesen Gegensatz, indem sie einen weiteren „Arbeits“-Begriff darauf-häuft. Wir haben versucht, dies durch die Umformulierung „arbeitend geschaffen“ ausdrücklich zu machen.&amp;lt;/ref&amp;gt; geschaffen hatte, geruht hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Qatal ist hier wegen des rückblickenden Charakters der Textsorte „Ätiologie“ sehr sicher plusquamperfektisch zu übersetzen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Die Aufteilung der Bibel in Kapitel wurde erst im 14. Jh. von der Vulgata übernommen und in den hebräischen Text eingefügt. Im Falle von Gen 1-2 ist man sich in der Exegese einig, dass hier die Kapitelaufteilung nicht die Struktur des hebräischen Textes trifft. Uneinigkeit allerdings besteht darin, ob der Text stattdessen richtiger zwischen Gen 2,3 und Gen 2,4, zwischen Gen 2,4a und Gen 2,4b oder zwischen Gen 2,4 und Gen 2,5 (diese letzte Variante haben wir bisher nur bei Collins 1999 und bei Delitzsch 1887 entdeckt) anzusetzen wäre.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Klares Indiz dabei ist der Einsatz von Gen 2,4 mit der sog. &#039;&#039;Toledot&#039;&#039;-Formel „Dies ist die Geschichte“, die sonst in der sog. „Priesterschrift“ noch weitere 10 Male vorkommt und bis auf [[Genesis 36#s9 |Gen 36,9]] stets als Überschrift fungiert. Wenn keine starken Argumente für eine andere Aufteilung vorgebracht werden - und derart schlagende Argumente haben wir bisher nirgends entdecken können - muss daher auch hier Kap. 1 mit Gen 2,3 enden und Gen 2,4 das nächste Kapitel einleiten; so z.B. auch Bandstra 2008; Junker 1953; König 1919; Lode 2002; NET; Wenham 1987. Dafür spricht außerdem, dass der MT nach Gen 2,3 den Sektionsmarker &#039;&#039;Petucha&#039;&#039; hat, nach Gen 2,4a und Gen 2,4b dagegen nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|4}} {Dies [sind]} &#039;&#039;&#039;Die Nachkommen (Erzeugnisse; [ist] die Geschichte?; [ist] das Buch der Nachkommen?)&#039;&#039;&#039;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Nachkommen&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;Nachkommen&#039;&#039; (V. 4) + &#039;&#039;Hauch des Lebens&#039;&#039; (V. 7) - In V. 4 steht die selbe Überschrift wie in [[Genesis 6#s9 |Gen 6,9]]; [[Genesis 10#s1 |10,1]]; [[Genesis 11#s10 |11,10]].[[Genesis 11#s27 |27]]: &#039;&#039;toledot&#039;&#039; von X. Weil die meisten neueren Exegeten denken, in Gen 2-3 ginge es hauptsächlich um den Menschen, erwägenswert und sinnvoll Fischer 2018 und Carr 2021: Bei den anderen vier Stellen wird damit die Aufzählung der / Erzählung über die &#039;&#039;Nachkommen&#039;&#039; von X eingeleitet; entsprechend erscheint also hier der Mensch als „Nachkomme“ von Himmel und Erde.&amp;lt;br /&amp;gt;Wie der Mensch „Nachkomme“ der Erde sein soll, ist in 7a auch offensichtlich. Wie er gleichzeitig Nachkomme des Himmels sein soll, allerdings weniger. Möglich wäre dies: In [[Kohelet 12#s7 |Pred 12,7]] zerfällt der Mensch wieder in seine Bestandteile: Es wird „&#039;&#039;zurückkehren der Staub zur Erde, wie er gewesen ist / und der Atem/Hauch/Wind wird zurückkehren zu Gott, der ihn gegeben hat.&#039;&#039;“ Damit wird ein in hellenistischen Texten häufiges Motiv verdichtet; vgl. [[Jesus Sirach 40#s11 |Sir 40,11]]: „&#039;&#039;Alles, was von der Erde kam, kehrt zur Erde zurück, und was aus der Höhe kam, in die Höhe&#039;&#039;“; Epicharmus: „&#039;&#039;[Der Mensch] löste sich wieder auf: Die Erde zur Erde, der Geist nach oben&#039;&#039;“; Lukrez: „&#039;&#039;So steigt alles auf, so kehrt alles zurück: Erde nimmt, was Erde gab, und zurück zum Himmel steigt wieder auf der ätherische Himmelstau, der herunterfiel.&#039;&#039;“ (gr. Parallelen bei Ginsburg 1861, S. 468). Kann man schon hier erste Spuren der Vorstellung annehmen, der „Atem“/„Hauch“/„Wind“ sei dasjenige, was dem Menschen &#039;&#039;aus der Höhe&#039;&#039; zugeeignet wurde? Vgl. noch [[Ijob 34#s14 |Ijob 34,14]]; [[Psalm 104#s29 |Ps 104,29]]; [[Psalm 146#s4 |146,4]]; [[Kohelet 3#s21 |Pred 3,21]]. S. auch im Midrasch: „&#039;&#039;[Die Stelle] lehrt, dass [der Mensch ursprünglich] als leblose Masse geschaffen wurde, die von der Erde bis in den Himmel ragte, von wo ihm dann der Hauch verliehen wurde.&#039;&#039;“&amp;lt;br /&amp;gt;Alternativ wie z.B. Ramban und Sforno: „Nachkommen von Himmel und Erde“ sind nicht nur die Menschen, sondern alle Lebewesen, die ihr Dasein der Erde und dem Regen verdanken. Auch das ist nicht unproblematisch: der Regen erscheint zwar häufiger als Frucht des Himmels, Gen 2-3 gehen aber ja explizit noch von einer Situation aus, in der es noch &#039;&#039;nicht&#039;&#039; regnet (s. V. 5).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Die meisten alten Vrs. wie MT. LXX aber wie in [[Genesis 5#s1 |Gen 5,1]]: „Dies ist das Buch der Nachkommen“. Auch Philo kannte diese Variante. Und auch TgN übersetzt hier wie dort: „Dies ist die Genealogie der Nachkommen“. Zu TgN vgl. aber McNamara 1992, S. 56: TgN hat noch häufiger die Kurzform der Überschrift „Dies sind die Nachkommen“ mit der Langform „Dies ist die Genealogie der Nachkommen“ übersetzt; textkritisch relevant ist das eher nicht; es wäre dann nur ein Zufall, dass TgN hier mit LXX zusammenstimmt. Ball 1896 hielt die Variante von LXX, TgN und Philo noch für ursprünglich, wahrscheinlicher richtig aber Hendel 1998 und BHQ: Assimilation an Gen 5,1, die nächste Stelle, in der diese Überschrift kommt.&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&#039;von Himmel und Erde (des Landes), als sie geschaffen&#039;&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Gen 2,4.png|mini|rechts|Gen 2,4 in [https://digitalcollections.jtsa.edu/islandora/object/jts%3A267103#page/30/mode/1up JTS L44a]]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;geschaffen&#039;&#039; - Eines von je nach Handschrift etwa 100 Wörtern in der hebräischen Bibel, in denen ein Buchstabe abnorm geschrieben wird. In diesem Fall ist das &#039;&#039;He&#039;&#039; in &#039;&#039;be&#039;&#039;&#039;h&#039;&#039;&#039;ibbar`am&#039;&#039; („bei ihrem Geschaffen-werden“) kleiner als die anderen Buchstaben. In vielen der ältesten Handschriften ist das nicht so und auch hier sieht man deutlich, dass das kleiner geschriebene He eine (mit anderer Tinte geschriebene) nachträgliche Korrektur ist. Dennoch hat Ball 1896 auf dieser Basis erwogen, ob statt &#039;&#039;bhbr`m&#039;&#039; nicht vielleicht &#039;&#039;bbr`m&#039;&#039; („als er sie schuf“) ursprünglich sei; BHK und BHS hielten das sogar für wahrscheinlich. Die Bedeutung dieser kleiner geschriebenen Buchstaben ist aber nicht klar; alternativ denkt z.B. Eisenstein in [https://www.jewishencyclopedia.com/articles/13809-small-and-large-letters EncJud XI 411f.], mit ihnen solle darauf hingewiesen werden, dass der jeweilige Buchstabe Gegenstand einer Auslegung in Talmud, Midrasch etc. sei. So auch schon Rabbi Culi im Me&#039;am Lo&#039;ez. Hier gibt es in der Tat sogar gleich zwei solcher Auslegungen: &#039;&#039;Man lese nicht &#039;&#039;bhbr`m&#039;&#039; („bei ihrem Geschaffen-werden“), sondern &#039;&#039;bh br`m&#039;&#039; („er erschuf sie mit einem He“). Warum wurde die Welt mit einem He geschaffen?&#039;&#039;. (b.Men 29b). (1) &#039;&#039;Bei allen Buchstaben macht es Mühe, sie auszusprechen, nur das &#039;&#039;He&#039;&#039; macht keine Mühe. Entsprechend schuf der Heilige, gepriesen sei Er, die Welt ohne Mühe und Arbeit.&#039;&#039; (BerR xii 10). (2) &#039;&#039;Weil das He unten offen ist – dies ist ein Zeichen dafür, dass alle Kreaturen in die Unterwelt hinabsteigen werden. Weil das He eine Spitze hat – [dies ist ein Zeichen dafür], dass, sobald sie hinabfahren, sie auch aufsteigen. Und weil das He an allen Seiten geöffnet ist – dies ist ein Zeichen dafür, dass Gott allen, die bereuen, eine Tür öffnet.&#039;&#039; (j.Chag ii 1,15; ähnlich Raschi und Ramban).&amp;lt;br /&amp;gt;Klar ist jedenfalls, dass die abnorme Schreibweise keinesfalls alleinige Basis dafür sein kann, den Text zu ändern.&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&#039;wurden&#039;&#039;&#039;:&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Gen 2,4-6&#039;&#039; eignen alle typischen Merkmale biblischer Poesie. Sachsse 1921; Ouro 2002, S. 225 und Polak 2002, S. 22 haben daher in der Tat 2,5-6 als Lyrik analysiert; Sievers 1907b, S. 6; Procksch 1913, S. 20; Gray 1915, S. 220-222 und Walsh 1977, S. 162 sogar 2,4b-6. Die meisten tun das nicht, und das Gesamt von 2,4a-6 hat m.W. (S.W.) bisher niemand als einheitliches Gedicht interpretiert. Das sollte daher auch OfBi besser nicht tun; um die poetische Struktur erkenntlich zu machen, habe ich die Verse immerhin in die poetischen Zeilen gegliedert. Poetisch analysiert wäre zu formatieren:&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;Dies sind die Nachkommen von Himmel und Erde, als sie geschaffen wurden&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Am Tag, als JHWH-Gott Erde und Himmel machte:&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Alle Sträucher der Steppe waren noch nicht auf der Erde&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;und alle Kräuter des Feldes wuchsen noch nicht,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;weil JHWH-Gott es nicht regnen ließ über der Erde&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;und es keinen Erdling gab, um den Erdboden zu bestellen,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;aber Flut emporstieg aus der Erde,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;und das Angesicht des Erdbodens tränkte.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als JHWH-Gott (Am Tag, [an dem])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;JHWH-Gott&#039;&#039; - sehr seltene Gottesbezeichnung, die sich fast nur in den Büchern der Chroniken und in Gen 2-3 findet (im Gegensatz zu „Gott“ in Gen 1 und „JHWH“ in Gen 4). Die traditionelle Erklärung ist die z.B. von Collins 2006 und Gertz 2018: Ursprünglich sei in Gen 2-3 „JHWH“ gewesen sein; dies wäre dann spät mit dem „Gott“ aus Gen 1 kombiniert worden, um Kontinuität zwischen Gen 1 und Gen 2-3 zu stiften und um zu signalisieren, dass Gen 1 und Gen 2-3 komplementär als „zwei Seiten einer Medaille“ zu lesen seien, die vom selben „Gott“ sprechen.&amp;lt;br /&amp;gt;Liest man dagegen Gen 2-3 mit Gen 1 und Gen 4 zusammen, lässt sich eine schrittweise Transformation Gottes erkennen: Von &#039;&#039;`elohim&#039;&#039; in Gen 1 über &#039;&#039;JHWH-`elohim&#039;&#039; in Gen 2-3 bis zu &#039;&#039;JHWH&#039;&#039; im Kapitel Gen 4, das passend in [[Genesis 4#s26 |Gen 4,26]] schließt mit: „Damals begann man, den Namen JHWHs anzurufen“.&amp;lt;/ref&amp;gt; Erde (Land) und Himmel machte,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Die Syntax von &#039;&#039;Gen 2,4&#039;&#039; ist umstritten. Geht man davon aus, dass mit Gen 2,4a (und nicht Gen 2,4b) das nächste Kapitel beginnt (s.o.), sind immer noch mehrere Auflösungen möglich. Prominentere Auflösungen in neueren Kommentaren sind folgende:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Gen 2,4a = Überschrift; Gen 2,4b = Nebensatz, Gen 2,5-6 = Parenthese, Gen 2,7 = Hauptsatz (z.B. Arneth 2007b, S. 24.129; Arnold 2009; Fischer 2018; Gertz 2018; Carr 2021; auch B-R, BigS, MEN, TEX)&amp;lt;br /&amp;gt;(2) 2,4a = Überschrift; 2,4b = NS, 2,5 = HS (z.B. Soggin 1997; auch EÜ, HER05, H-R, NeÜ, NL, R-S, TUR u.a.)&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Gen 2,4a = Überschrift; Gen 2,4b-6 = Nebensätze zum Hauptsatz Gen 2,7 (Bandstra 2008; auch ZÜR; ähnlich z.B. Steck 1970; Goldingay 2020)&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Gen 2,4a = HS, Gen 2,4b = NS; Gen 2,5a = NS, Gen 2,6b-6 = Parenthese, Gen 2,7=HS (Collins 2006; auch SLT).&amp;lt;br /&amp;gt;Klar ist im Kontext von Gen 1-11, dass Gen 2,4 (Teil einer) Überschrift ist; s. [[Genesis 6#s9 |Gen 6,9]]; [[Genesis 10#s1 |10,1]]; [[Genesis 11#s10 |11,10]]; [[Genesis 11#s27 |11,27]]. Das ist aber noch nicht sehr hilfreich: Entweder ist diese Überschrift hier bei ihrem ersten Vorkommen um 2,4b erweitert, oder sie ist nur um 2,4aB („als sie geschaffen wurden“) erweitert und 2,4b beginnt den eigentlichen Text – zwischen (1) - (3) vs. (4) lässt sich auf dieser Basis noch nicht entscheiden.&amp;lt;br /&amp;gt;Für (4) spricht zunächst, dass Gen 2,4a und Gen 2,4b offensichtlich bewusst chiastisch formuliert sind: „Dies sind die Nachkommen (a) von Himmel (b) und Erde, (c) als sie geschaffen wurden, (c&#039;) als Gott-JHWH machte (b&#039;) Erde (a&#039;) und Himmel.“ Dagegen und für (1) - (3) aber spricht, dass in 2,4a „Himmel und Erde“ im Heb. Artikel haben, in 2,4b aber nicht, was bei einem NS-HS-Gefüge so nicht zu erwarten wäre, und dass nach den anderen Überschriften in Gen 1-11 asyndetisch (d.h. ohne „und“) fortgefahren wird, Gen 2,5 dagegen mit „und“ beginnt (richtig Carr 2021). Für (2) spricht außerdem: Viele entscheiden sich hauptsächlich deshalb für (1), weil dann Gen 2,4-7 syntaktisch ihrer Deutung der Syntax von Gen 1,1-3 entsprechen würde. OfBi hat dort anders aufgelöst; orientieren wir uns an diesem häufigsten Argument, wäre in OfBi hier (2) vorzuziehen: Sowohl Gen 1,1-3 als auch Gen 2,4b-7 hätten dann die Abfolge [temporaler Nebensatz] - [X existiert noch nicht] - [Schöpfungstätigkeit Gottes]. Und für (3) spricht zusätzlich, dass Gen 2,4-7 dann einem häufigen Sprachmuster von Schöpfungserzählungen mit vielen Nebensätzen vor dem ersten Hauptsatz entsprechen würde. Vgl. z.B. Enuma Elisch I 1-9: &#039;&#039;Als in der Höhe dem Himmel noch kein Name gegeben war, und in der Tiefe der Unterwelt noch nicht mit Namen genannt wurde, ... als noch keine Götter gezeugt worden waren, (und) keiner mit Namen genannt war, als noch kein Schicksal zugeteilt war – da bildeten sich in die[sen beiden] die Götter.&#039;&#039; (nach COS 1.111).&amp;lt;br /&amp;gt;Insgesamt sprechen die meisten Argumente also für (2) oder (3); eine sichere Entscheidung ist hier aber nicht möglich. Wir haben uns daher am häufigsten Argument, das hier für (2) spricht, orientiert.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|5}} war alles Unkraut (waren alle Sträucher) des Feldes noch nicht auf der Erde&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
und wuchsen alle Nutzpflanzen (Kräuter) des Feldes noch nicht (sprossten noch nicht empor),&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
weil JHWH-Gott es nicht regnen ließ (noch nicht regnen lassen hatte) über (auf) der Erde&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
und es keinen Erdling (Menschen) gab, um [auf] dem (um dem) Erdboden&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Erdling (Mensch)&#039;&#039; + &#039;&#039;Erdboden&#039;&#039;&#039; - Hier wird mit der Verwandtschaft der Wörter „Mensch“ (&#039;&#039;`adam&#039;&#039;) und „Erdboden“ (&#039;&#039;`adamah&#039;&#039;) gespielt: Der Mensch ist erstens &#039;&#039;aus&#039;&#039; Erde – ist ein „Erdenkloß“ (Luther) und daher „Sohn der Erde“ – und &#039;&#039;dient&#039;&#039; zweitens der Erde – ist also ein „Erdling“, ist &#039;&#039;wesensmäßig&#039;&#039; „Ackerknecht“. Die Üs. „Erdling“ folgt dem guten Vorschlag von Meyers 1988, S. 81f.; Scoralick 2018, S. 72.&amp;lt;br /&amp;gt;Hyperbaton: Unkraut wuchs nicht (5a), weil es nicht regnete (5c), und Nutzpflanzen gab es nicht (5b), weil kein Mensch den Erdboden bestellte (5d; gut Futato 1998, S. 5).&amp;lt;/ref&amp;gt; zu dienen (zu arbeiten),&amp;lt;ref name=&amp;quot;dienen&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;dienen (arbeiten)&#039;&#039; (Vv. 5.15) + &#039;&#039;hüte (bewahre, bewachen)&#039;&#039; (V. 15) - dt. Üss. manchmal: „bebaue und pflege“ (so H-R, R-S, ähnlich PAT: „bebaue und erhalte“), was kontextuell natürlich stimmig ist, aber verschleiert, welch auffällige Verben im Heb. verwendet werden. &#039;&#039;´abad&#039;&#039; heißt manchmal in der Tat schlechthin „arbeiten“ ([[Exodus 20#s9 |Ex 20,9]] = [[Deuteronomium 5#s13 |Dtn 5,13]]; ([[Kohelet 5#s11 |Pred 5,11]]?)) und dann auch „an etw. arbeiten, etw. bearbeiten“ (s. bes. [[Sprichwörter 12#s11 |Spr 12,11]] = [[Sprichwörter 28#s19 |Spr 28,19]]; auch [[Deuteronomium 15#s19 |Dtn 15,19]]; [[Deuteronomium 28#s39 |28,39]]; [[Jesaja 19#s9 |Jes 19,9]]); primär heißt es aber „dienen, für jmdn einen Dienst verrichten“ (dies auch in [[2 Samuel 9#s10 |2 Sam 9,10]]; [[Sacharja 13#s5 |Sach 13,5]]). Davon abgeleitet ist &#039;&#039;´ebed&#039;&#039; („Diener, Sklave“). Vor dem Hintergrund verwandter altorientalischer Mythen, in denen der Mensch geschaffen wird, um für die Götter die Feldarbeit zu verrichten (s. zu V. 6), ist daher fast sicher, dass der Mensch mit diesem Wort zu Gottes Förster des Gartens bestimmt wird: Er soll „im Garten Dienst tun“ oder sogar „dem Garten dienen“. Vgl. z.B. Good 2009, S. 26; Habel 2011, S. 52; Tsukimoto 2014, S. 333-335.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;šamar&#039;&#039; heißt „bewachen, bewahren“ und wird sonst nicht von landwirtschaftlicher Tätigkeit im engeren Sinn verwendet (aber s. gleich); im gewöhnlichen Sinn z.B. sicher bewusst in [[Genesis 3#s24 |Gen 3,24]]; ähnlich von Nabals Ländereien in [[1 Samuel 25#s21 |1 Sam 25,21]]. Die meisten dt. Üss. frei: „bearbeiten und bewahren“, als würde der Mensch mit dem zweiten Verb zum Naturschützer bestimmt (was im weiteren Sinn in Gen 2 natürlich wirklich geschieht). So auch wirklich Habel 2011: „Moreover, the coupling of &#039;&#039;abad&#039;&#039; with &#039;&#039;shamar&#039;&#039; (keep/preserve) in Gen. 2.15 suggests that this combination of verbs means something like ‚serve and preserve‘ or ‚care for and conserve‘.“ (S. 49).&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Das auch in Hld 1,6 verwendete sinnverwandte &#039;&#039;naṭar&#039;&#039; (aram. für &#039;&#039;naṣar&#039;&#039; „beschützen“, falls es nicht von *&#039;&#039;naṣar&#039;&#039; „blühen, sprießen“ abgeleitet ist, vgl. &#039;&#039;neṣar&#039;&#039; „Spross, Schössling“) in [[Hohelied 8#s11 |Hld 8,11f.]] könnte nahelegen, dass „einen Garten/ein Feld hüten“ &#039;&#039;doch&#039;&#039; auch für landwirtschaftliche Subunternehmer-Tätigkeiten verwendet werden kann. Danach hätte &#039;&#039;šamar&#039;&#039; fast die selbe Bed. wie &#039;&#039;´abad&#039;&#039;: „Feldknecht und Reisiger sein“.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
(2) Chizkuni konkretisiert das „bewachen“: „&#039;&#039;um ihn vor Tieren zu schützen, die [Pflanzen] niedertrampeln könnten.&#039;&#039;“ Ähnlich Radak; ähnlich etwas allgemeiner Chaim ben Attar im &#039;&#039;Or haChajim&#039;&#039;, einem Torah-Kommentar aus dem 18. Jhd.: „&#039;&#039;vor schädlichen Dingen, die die Pflanzen verderben könnten&#039;&#039;“. Diese Aufgabe gab es im Ackerbau des Alten Orients wohl wirklich, manchmal mussten daher Mädchen Weingärten „behüten“ (s. [[Hohelied 1#s6 |Hld 1,6]] und vgl. dazu erstens P.Anastasi I 24.2 [„&#039;&#039;Du wirst ein kleines Mädchen finden, das den Garten bewacht.&#039;&#039;“] und zweitens [[Hohelied 2#s15 |Hld 2,15]]; [[Psalm 80#s14 |Ps 80,14]]; [[Jesaja 5#s5 |Jes 5,5]]; [[Hosea 2#s15 |Hos 2,15]]).&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Am wahrscheinlichsten aber wird das Wort hier v.a. verwendet, um [[Genesis 3#s24 |Gen 3,24]] vorzubereiten: Obwohl nicht klar ist, &#039;&#039;vor wem&#039;&#039; der Mensch den Garten „bewachen“ soll, soll hier &#039;&#039;er&#039;&#039; ihn vor Eindringlingen bewachen – wohingegen in Gen 3,24 der Garten &#039;&#039;vor ihm&#039;&#039; und &#039;&#039;seinem&#039;&#039; Eindringen bewacht werden soll. So schon Gregor von Nyssa, In Cant Hom 2 zum „Weingarten“ in [[Hohelied 1#s6 |Hld 1,6]]: „&#039;&#039;Man muss aber unter dem ‚Weinberg‘ dasselbe verstehen wie das Paradies. Denn auch dort wurde der Mensch beauftragt, das Paradies zu bewachen [wie in Hld 1,6 das Mädchen den Weinberg ‚hüten‘ – nach Gregor: ‚gegen Feinde beschützen‘ – soll]. Die Nachlässigkeit in der Bewachung aber vertreibt den Menschen aus dem Paradies und macht ihn zum Bewohner des Westens, nachdem sie ihn vom Osten entfernt hat.&#039;&#039;“&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Weil &#039;&#039;šamar&#039;&#039; mit Tieren / Herden als Objekt auch „Hirte sein“ bedeutet, denkt Goldingay 2020, mit dem Wort sei neben der Feldarbeit auch die Arbeit an Tieren („caring for animals“, S. 60) gemeint. Das liegt sehr fern, ähnlich aber schon ApkMos (1. Jhd. n. Chr.?), wo die Deutungen (3)-(4) miteinander kombiniert sind: In ApkMos 15 hütet Adam die männlichen Tiere im Norden und Osten Edens, Eva dagegen die weiblichen im Süden und Westen (wie im Koran wird das Paradies also vorgestellt als geviertelter Garten). Sodann verführt die Schlange Eva „von der Paradiesmauer“ herab (ApkMos 17), woraufhin ihr Eva in ApkMos 18 das Paradies „öffnet“.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Die Fügung „dienen und bewahren“ wird in der hebräischen Bibel sonst v.a. in zwei Kontexten verwendet:&amp;lt;br /&amp;gt;(5) „Gott dienen und seine Gebote bewahren=halten“ ([[Deuteronomium 13#s5 |Dtn 13,5]]; [[Josua 22#s5 |Jos 22,5]]; [[Maleachi 3#s14 |Mal 3,14]]). Die alten jüdischen Ausleger haben hieran gedacht: TgJ und TgN übersetzen „&#039;&#039;am Gebot arbeiten und Gottes Gebote halten&#039;&#039;“; so deuten auch der Midrasch, Sifre zu Dtn 41,24 und PRE 12; ebenso der christliche Ausleger Severian von Gabala in &#039;&#039;Über die Erschaffung der Welt&#039;&#039; 5.5 (vgl. ACC, S. 60): „&#039;&#039;Gottes Gebote zu halten und diesen Geboten zu folgen war der Gottes-‚Dienst‘. ... Ebenso, wie es ‚Arbeit‘ ist, an Christus zu glauben, galt das für Adams treues Wahren des Gebotes Gottes.&#039;&#039;“&amp;lt;br /&amp;gt;(6) Der liturgische Dienst im Tempel hieß „Dienst und Wacht“; im Tempel tätig zu sein daher „den Dienst dienen und die Wacht wachen“ ([[Numeri 3#s7 |Num 3,7]]; [[Numeri 8#s26 |8,26]]; ähnlich [[Numeri 3#s8 |Num 3,8]]; [[Numeri 18#s7 |18,7]]). Einige neuere Exegeten denken daher, mit diesem Ausdruck solle der Mensch als Urbild des Priesters dargestellt werden, der mit seiner Arbeit im Garten den Vorläufer des Tempeldienstes tut (so z.B. Wenham 1987; Witte 1998, S. 270; Beale 2018). Das ist eine schöne Deutung, man wird sie aber eher als modernen Midrasch werten müssen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|6}} aber (und) Sturzflut (Grundwasser, Nebel, Gewölk)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Sturzflut (Grundwasser, Nebel, Gewölk)&#039;&#039; - Entweder wird hier die notwendige Vorbedingung dafür geschildert, dass der Mensch trotz Abwesenheit von Regenwasser etwas an der Trockenheit des Erdbodens ändern kann (heraufzuholendes [s. die nächste FN] „Grundwasser“) oder neben dem mangelnden Regen und dem mangelnden Menschen wird ein weiterer Grund genannt, warum aktuell noch keine Pflanzen wachsen: Weil in regelmäßigen Abständen Sturzfluten die Erde überschwemmen (so Kidner 1966; Tsumura 1989 S. 119). Nach dieser zweiten Alternative gemeint sind wahrscheinlich artesische Quellen. Das lehrt eine nahe Parallele: Das sumerische Paradies &#039;&#039;Dilmun&#039;&#039;, wo auch der Lebensbaum des Gilgamesch-Epos stand, ist fast sicher identisch mit der Insel Bahrain (zur Lage s. die Karten unten). Die „Quellen“, von denen dort die Rede ist, sind dann sehr wahrscheinlich die artesischen Quellen, für die Bahrain einst bekannt war, die heute aber leider versiegt sind. Vgl. dazu Rausch u.a. 2014.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Genauer&#039;&#039;&#039;: Heb. &#039;&#039;´ed&#039;&#039;, unsicheres Wort: neben Gen 2,6 nur noch in [[Ijob 36#s27 |Ijob 36,27]].&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Die meisten leiten ab von einem akkadischen Kognat &#039;&#039;edû&#039;&#039; mit der Bed. &#039;&#039;Wasserflut, Sturzflut&#039;&#039;, daher z.B. LUT: „ein Strom“, ZÜR: „ein Wasserschwall“. So aber keine der alten Üss.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Mankowski 2000 und Arnold 2009 leiten ab vom sumerischen &#039;&#039;adea&#039;&#039; („Grundwasser, Bewässerung“; die Ableitung von einem sumerischen &#039;&#039;id&#039;&#039; „Fluss“ dagegen hat sich als Fehler erwiesen, vgl. Speiser 1955, S. 9; Tsumura 1989, S. 104. Gegen Tsumuras weiteren sumerischen Alternativvorschlag vgl. Hasel / Hasel 2000, S. 325), daher z.B. BigS: „ein Quell“, NeÜ: „Grundwasser“. So schon LXX, VUL, Syr: „Quelle / Brunnen“.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Yahuda 1933, S. 157; Görg 1986, S. 23f. und Hasel / Hasel 2000 leiten ab von ägyptischen und arabischen Kognaten mit der Bed. „Nebel / Tau“ (dagegen vgl. aber die Einwände von Müller in Witte 1998, S. 84f. FN 30), daher z.B. NL: „Nebel“, SLT: „ein Dunst“. So fast alle alten jüd. Ausleger.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Dahood 1981, S. 535f.; Kline 1996 und Futato 1998, S. 6-9 schließlich leiten ab von einem unsicheren eblaitischen &#039;&#039;ì-du&#039;&#039; („Wolke“. Hier sind die Einwände von Hasel / Hasel 2000, S. 330 nicht fair; richtig bleibt aber: Das Kognat ist und bleibt unsicher. Und der Text wäre unsinnig: Welchen Sinn sollen die Wolken haben, wenn es gleichzeitig heißt, dass es noch nicht regnet?). So keine der neueren Üss., aber schon TgO: „Wolke“; ebenso der Midrasch („Wolken haben fünf Namen: &#039;&#039;´ab&#039;&#039;, &#039;&#039;`ed&#039;&#039;, &#039;&#039;´anan&#039;&#039;, &#039;&#039;nasi&#039;&#039; und &#039;&#039;ḥaziz&#039;&#039;.“) und noch Schüle 2006, S. 149: „Da stieg eine Wolke auf von der Erde und tränkte die Oberfläche des Erdbodens.“&amp;lt;br /&amp;gt;(5) Das „Feuchtigkeit“ in EÜ und PAT scheint komplett aus dem Kontext abgeleitet zu sein.&amp;lt;br /&amp;gt;Vorzuziehen ist klar (1) oder (2): Gen 2,5-6 schildern ja offensichtlich einen Erde, auf der noch &#039;&#039;keine&#039;&#039; Pflanzen wachsen; bei den meisten Vorschlägen allerdings hat man nach Kognaten gesucht, nach denen V. 6 besagt, dass die Erde trotz noch nicht vorhandenem Regen auf alternative Weisen bewässert wird.&amp;lt;/ref&amp;gt; aus der Erde emporzusteigen pflegte (indem er das Grundwasser heraufholte&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;indem er das Grundwasser heraufholte&#039;&#039; - so Bea 1933, S. 147ff.: Man analysiere &#039;&#039;ja´aleh&#039;&#039; nicht als Qal, sondern als das homonyme Hifil, und den Satz nicht als selbstständigen Satz, sondern als durch Wortstellung (Objekt - Verb) markierten modalen Nebensatz. Meines Erachtens (S.W.) ist dies die rundeste Interpretation.&amp;lt;br /&amp;gt;Vor allem spricht dafür, dass sich so interpretiert dann viele Anklänge an verwandte Schöpfungsmythen fänden. Drei Beispiele: (1) Im sumerischen Mythos „Enki und Ninmach“ und im babylonischen Atramchasis-Mythos werden die Menschen &#039;&#039;deshalb&#039;&#039; geschaffen, weil die Götter keine Lust mehr haben, selbst Kanäle graben und sie mit ihren Gefäßen mit Wasser füllen zu müssen. Diese beiden Mythen sind sehr bekannt; ähnlich ist es auch im zweisprachigen (sumerischen und akkadischen) Schöpfungsmythos VAT 9307 / KAR 4. Die Aufgabe des Menschen wird dort so bestimmt: „&#039;&#039;Das Arbeitspensum der Götter sei ihr Arbeitspensum! Auf ewige Tage den Grenzgraben festzusetzen, Hacke und Tragkorb in ihre Hand zu legen, die große Wohnung der Götter für einen erhabenen Hochsitz geeignet zu machen, Flur an Flur (zu planen), auf ewige Tage den Grenzgraben festzusetzen, den Deich herzurichten, den Grenzgraben festzusetzen, das Grundstück zu bewässern, Pflanzen gedeihen zu lassen, Regen in Menge ...&#039;&#039;“ (TUAT III/4, S. 607). (2) In einem sumerischen Fragment ist dieses „Wasser-Schöpfen“ paradigmatisch für die Zeit des Menschen; die Zeit vor seiner Erschaffung wird daher beschrieben mit „&#039;&#039;An, der Herr, erhellte den Himmel, die Erde war dunkel, in die Unterwelt wurde [noch] nicht geschaut, &#039;&#039;aus der Tiefe wurde (noch) kein Wasser geschöpft&#039;&#039;, [noch war] nichts geschaffen...&#039;&#039;“ (TUAT III/3, S. 353). (3) Vergleichbar ist auch der sumerische Mythos „Enki, Ninsikila und Ninchursaga“. Dort wird von der Entstehung der urzeitlichen Stadt Tilmun (Dilmun, s.o.) berichtet: Der Gott Enki hat sie seiner Tochter zum Geschenk gemacht. Doch sie spricht: „&#039;&#039;Tilmun, eine Stadt, hast du gegeben, eine Stadt hast du gegeben, was soll ich mit deiner Schenkung? Eine Stadt, die in den Kanälen kein Wasser hat! Tilmun, eine Stadt hast du gegeben, eine Stadt hast du gegeben, was soll ich mit deiner Schenkung?&#039;&#039;“ Anders als in den ersten vier Beispielen ist das Wasser-Schöpfen hier aber nicht Aufgabe des Menschen; stattdessen spricht Enki: „&#039;&#039;Möge Utu, der am Himmel steht, ... aus dem Munde des Wassers, das in der Erde strömt, dir süßes Wasser aus der Erde kommen lassen, daraus das Wasser in deine großen Becken aufsteigen lassen, möge er dir deine Stadt Wasser des Überflusses trinken lassen, Tilmun dir Wasser des Überflusses trinken lassen, ... möge deine Stadt das Haus des Ertrages des Kais des Landes Sumer sein...!&#039;&#039;“ (ebd., S. 367f.).&amp;lt;br /&amp;gt;Dafür spricht auch, dass dann erklärlich würde, warum &#039;&#039;`adam&#039;&#039; nicht nur ein Wortspiel bildet mit &#039;&#039;`adamah&#039;&#039;, sondern auch mit &#039;&#039;`ed&#039;&#039; ({{hebr}}אד{{hebr ende}} – {{hebr}}אדם{{hebr ende}} – {{hebr}}אדמה{{hebr ende}}; vgl. gut Jacob 1934, S. 82f.): Des Menschen Auftrag wäre es dann eben, &#039;&#039;`ed&#039;&#039; auf die &#039;&#039;`adamah&#039;&#039; zu bringen.&amp;lt;br /&amp;gt;Mir (S.W.) ist die Interpretation Beas daher ausgesprochen sympathisch; weil er mit dieser Interpretation bisher aber m.W. allein steht, sollte auch OfBi nicht dieser Interpretation folgen.&amp;lt;br /&amp;gt;Erwägenswert ist außerdem noch der Vorschlag von Bandstra 2008, S. 123, das „noch nicht“ aus 5ab tue double duty, und der ähnliche und bessere Vorschlag von Saadia (erwogen auch von Radak), Calmet 1730, S. 16f. und Sachsse 1921, S. 279f., das „es gab kein“ aus 5c tue double duty: „Unkraut und Nutzpflanzen wuchsen noch nicht, weil es keinen Erdling gab, der den Erdboden bestellte, und [noch nicht] Grundwasser aufzusteigen pflegte / und [weil] es [kein] Grundwasser [gab], [das] aufzusteigen pflegte...“. Dagegen aber richtig McClellan 1939, S. 110 (vgl. auch Houbigant 1777b, S. 4f.): Das „noch nicht“ ist zu weit entfernt, um double duty zu tun, und „kein“ kann nicht double duty tun, weil 6a im Heb. stattdessen „nicht“ (&#039;&#039;lo`&#039;&#039;) erforderte.&amp;lt;/ref&amp;gt;)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
und die ganze Oberfläche (das ganze Angesicht) des Erdbodens zu [er]tränken pflegte (gaben zu trinken).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|7}} Da formte (bildete, gestaltete) JHWH-Gott den Erdling (Menschen): Staub&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Khnum töpfert.jpg|mini|rechts|Ägyptisches Relief in Dendera: Der Gott Khnum töpfert ein Kind, die Göttin Isis verleiht ihm Leben. (c) Didia via [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Chnum-ihy-isis.jpg Wikimedia Commons] ]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Staub&#039;&#039; - nicht „Lehm“ o.ä., woraus man gut etwas formen könnte und woraus nach [[Ijob 10#s9 |Ijob 10,9]]; [[Ijob 33#s6 |33,6]]; [[Jesaja 29#s16 |Jes 29,16]]; [[Jesaja 45#s9 |45,9]]; [[Jesaja 64#s8 |64,8]] wirklich auch der Mensch geformt ist. Auch das macht in V. 6 die Bed. „Grundwasser heraufholen“ noch mal wahrscheinlicher; der Grund für die Wortwahl wäre dann, dass die Erde eben noch nicht durch „einen Strom“, „Feuchtigkeit“, „Wolken“ oder „Tau“ befeuchtet wurde, so dass es noch gar keinen „Lehm“ gab. Alternativ muss man annehmen, mit „Staub“ solle bereits hier auf die Sterblichkeit des Menschen hingewiesen werden. Aber ob der Mensch zu diesem Zeitpunkt bereits als sterblich gedacht sein soll, ist ganz ungewiss.&amp;lt;br /&amp;gt;Die Schöpfung des Menschen aus Erde ist ein Urmythos und findet sich nicht nur in mehreren altorientalischen Mythen, sondern auch in der griechischen Mythologie, in afrikanischen Volksmärchen etc. (vgl. Becking 2011, S. 6f.).&amp;lt;/ref&amp;gt; vom&amp;lt;ref&amp;gt;Die Präp. &#039;&#039;vom&#039;&#039; kommt im Hebräischen überraschend; erwartet hätte man eine Genitivkonstruktion „Staub des Erdbodens“. Sicher soll damit V. 23 vorbereitet werden: Wie der Rohstoff für die Frau „&#039;&#039;vom&#039;&#039; Menschen“ genommen werden wird, so hier der Rohstoff für den Menschen „&#039;&#039;vom&#039;&#039; Erdboden“.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: In der jüdischen Antike wurde dies Basis einer schönen Auslegung: Mit „Staub &#039;&#039;vom&#039;&#039; Erdboden“ solle gesagt sein, dass Gott Erde aus allen vier Himmelsrichtungen zusammensammelte, um den Menschen zu formen, damit der Mensch bei seinem Tod auch in allen vier Himmelsrichtungen von der Erde wieder aufgenommen werde (so Midrasch Tanchuma, Pekudei 3; auch Raschi u.a.). Nach Gen 2,7 wäre der Mensch so selbst noch im Tod „Weltbürger:in“. Ähnlich auch schon TgJ, der bei dieser Gelegenheit auch noch wundervoll betont, dass bereits zu dieser Zeit der Mensch mit all seinen Hautfarben geschaffen worden sei: „&#039;&#039;Er nahm Staub vom Ort des Tempels und aus allen vier Himmelsrichtungen der Welt, außerdem ein Gemisch aus allen Wassern der Welt und schuf ihn rot (braun), schwarz und weiß.&#039;&#039;“&amp;lt;/ref&amp;gt; Erdboden (formte JHWH-Gott den Erdling [aus] Staub vom Erdboden und...). {{par|Genesis|3|19}} {{par|Ijob|33|6}} {{par|Psalm|103|14}} {{par|Jesaja|29|16}} {{par|Jesaja|64|8}} {{par|Jeremia|18|1|2}} {{par|1 Korinther|15|47}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und er blies (atmete) in seine Nase Hauch (Wind) des Lebens,&amp;lt;ref name=&amp;quot;Nachkommen&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;und [so] wurde der Erdling (Mensch) [zu] einem Lebewesen (einer lebendigen Seele).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Gen 2,7b wurde von den alten jüdischen und christlichen Auslegern sehr häufig als Beleg dafür genommen, dass der Mensch seine &#039;&#039;Seele&#039;&#039; von Gott empfangen hatte, und dies werde hier gesagt (Radak, Sforno; Tertullian, Basilius, Chrysostomus u.a. Zwei Beispiele: [1] Ramban: „&#039;&#039;Der Vers sagt, dass er den Hauch des Lebens in seine Nase geblasen habe, um uns darüber in Kenntnis zu setzen, dass die Seele nicht aus den Elementen besteht ..., sondern vom Geist Gottes herrührt.&#039;&#039;“; [2] Gregor von Nazianz, Dogmatischer Hymnus 7: „&#039;&#039;Die Seele ist der Atem Gottes, ist himmlisch&#039; Ding vermischt mit tiefster Erde, ist Licht, gesperrt in eine Höhle – und doch ganz göttlich, unzerstörbar...&#039;&#039;“). Gesagt wird das hier nicht: &#039;&#039;nešamah&#039;&#039; ist nicht die „Seele“, sondern der „Atem“, der jedem Lebewesen eignet und der es erst zu einer &#039;&#039;nefeš ḥajah&#039;&#039; („einer lebendigen Seele“ = „einem Lebewesen“) macht, was gleichfalls kein Alleinstellungsmerkmal des Menschen ist: Auch die Tiere werden in [[Genesis 1#s20 |Gen 1,20]] als „lebendige Seelen“ bezeichnet, auch sie haben in [[Genesis 7#s21 |Gen 7,21f]] „Atem (statt: Hauch) des Lebens“ in ihrer Nase. Ganz prosaisch und richtiger daher ibn Ezra: „&#039;&#039;Die Bedeutung von ‚er blies in seine Nase Hauch des Lebens‘ ist: Der Mensch lebt vermöge seiner Nasenlöcher. Durch sie entweicht die vom Herzen erhitzte Luft und wird durch frische Luft ersetzt.&#039;&#039;“ Alleinstellungsmerkmal könnte hier allenfalls sein, dass nur vom Menschen explizit gesagt wird, dass ihm sein Atem &#039;&#039;von Gott&#039;&#039; eingehaucht wurde. So Chizkuni: „&#039;&#039;‚Er blies in seine Nase den Hauch des Lebens‘ – Gott höchstselbst behauchte den Menschen mit dem Hauch des Lebens; etwas, was er für kein anderes seiner Geschöpfe getan hatte. Warum war dies nötig? Damit der Mensch Weisheit haben könne, d.h. heiligen Geist.&#039;&#039;“ (ähnlich Haag 1970, S. 46; Sarna 2001, S. 17).&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|27|3}} {{par|Ijob|33|4}}&lt;br /&gt;
{{S|8}} Und JHWH-Gott pflanzte einen Garten (Park) in Eden (Lust, Wonne) im Osten (im [fernen] Osten, in der Urzeit),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;im Osten (im [fernen] Osten, in der Urzeit)&#039;&#039; - (1) Ob &#039;&#039;miqqedem&#039;&#039; (mit der Präp. &#039;&#039;mi(n)-&#039;&#039; statt &#039;&#039;be-&#039;&#039; wie in &#039;&#039;be´eden&#039;&#039; „in Eden“) wirklich eine zweite Ortsangabe ist, ist umstritten. Dafür z.B. Bührer 2014, S. 212 und Carr 2021 mit dem sehr richtigen Hinweis auf [[Genesis 2#s14 |Gen 2,14]]; [[Genesis 3#s24 |3,24]]. So auch LXX und z.B. auch schon Basilius der Große in &#039;&#039;Über den Heiligen Geist&#039;&#039; 27.66: „&#039;&#039;Aus diesem Grund blicken wir beim Beten nach Osten. Nur wenige wissen, dass der Grund dafür ist, dass wir damit in Richtung unseres einstigen Heimatlands blicken, das Gott in Eden gen Osten gepflanzt hatte.&#039;&#039;“&amp;lt;br /&amp;gt;(2) &#039;&#039;miqqedem&#039;&#039; hat häufiger auch zeitliche Bed.: „zur Urzeit“. So daher fast alle alten Vrs.: Aq, Sym, Theod, VUL, Syr, TgJ. Nur TgO und TgN verwenden das selbe Wort wie MT und sind daher nicht eindeutig. Auch der Midrasch kennt diese Deutung: „&#039;&#039;Du glaubst vielleicht, &#039;&#039;miqqedem&#039;&#039; bedeute ‚vor der Schöpfung der Welt‘, aber das ist nicht der Fall. Vielmehr bedeutet es: ‚vor der Schöpfung Adams‘, denn Adam wurde am sechsten Tag geschaffen, der Garten in Eden dagegen am dritten.&#039;&#039;“ Vgl. auch 4 Esra 3,6: &#039;&#039;Dann führtest du [den Menschen] ins Paradies, das deine Hand gepflanzt hatte, ehe die Erde entstand.&#039;&#039;. So bes. Stordalen 2000, S. 261-270; z.B. auch Jericke 2013, S. 26.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Gertz 2018 schließlich übersetzt mit „in der Urzeit im fernen Osten“, um offenzuhalten, ob der Ausdruck lokal oder temporal gemeint sei, und gleichzeitig klarzumachen, dass hier von keinem konkreten Ort die Rede sei. Ich (S.W.) halte das für klug und für die LF für erwägenswert.&amp;lt;br /&amp;gt;Ausnahmslos alle dt. Üss. wählen wie die meisten Kommentare etwas wie „im Osten“ und verfremden höchstens ein wenig mit der Üs. „gegen Morgen“ (LUT 84, SLT 51). Wegen Gen 3,24 ist das auch in der Tat am wahrscheinlichsten, gemeint ist aber wohl wirklich etwas wie Gertz&#039; „ferner Osten“: „Der Osten, wo die Sonne aufgeht, ist ein symbolischer Ort, der &#039;&#039;Zwischen-Raum&#039;&#039; an der Grenze von Himmel und Erde, der Ort, zu dem Gilgamesch reisen musste, um Unsterblichkeit zu erlangen“ (Goldingay 2020, S. 58).&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;und er setzte dort[hin] den Erdling (Menschen), den er geformt (gebildet, gestaltet) hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;den Erdling (Menschen), den er gebildet hatte&#039;&#039; - Wiederaufnahme von V. 7: &#039;&#039;er bildete den Erdling... den Erdling, den er gebildet hatte&#039;&#039; (gut Walsh 1977, S. 162). Geht man nicht davon aus, dass Gen 2 ein echtes Gedicht ist, liegt es daher eher fern, dass Vv. 7.8 zu unterschiedlichen Abschnitten gehören (wie oft gegliedert wird). In einem Gedicht dagegen könnte dies das Stilmittel der „Concatenatio“ sein, das gerade signalisieren würde, dass die Verse mit den einander entsprechenden Zeilen zu unterschiedlichen Strophen gehören.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|9}} Und JHWH-Gott ließ aus dem Erdboden jeglichen Baum sprießen, begehrenswert anzusehen und gut als Essen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und der Baum des Lebens&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Baum des Lebens&#039;&#039; - ein weiterer Urmythos: Erzählungen von Bäumen, die ewiges Leben schenken, gab es im ganzen Alten Orient und auch vielfach in der skandinavisch-germanischen Welt. Viele Beispiele hat Wünsche 1905 zusammengetragen. In den meisten dieser Mythen dienen die Früchte dieses Baums als Speise für die &#039;&#039;Götter&#039;&#039;; wahrscheinlich ist daher, dass dieser Baum in der ursprünglichen Sage nicht etwa als „Test“ für den Menschen o.Ä. in den Garten gepflanzt wurde, sondern dass er zum gewöhnlichen Ensemble eines „Gottes-Gartens“ gehörte.&amp;lt;/ref&amp;gt; [wuchs (war)] (er ließ sprießen jeglichen Baum..., auch den Baum des Lebens)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Die meisten dt. Üss. wie in der Alternativübersetzung. Nach den hebräischen Akzenten ist 9b aber offensichtlich ein zweiter Hauptsatz und liefert nicht ein zweites und drittes Subjekt im selben Hauptsatz nach.&amp;lt;/ref&amp;gt; mitten im Garten&amp;lt;br /&amp;gt;und der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse [auch].&amp;lt;ref&amp;gt;Zum &#039;&#039;Baum der Erkenntnis von Gut und Böse&#039;&#039; s. die Anmerkungen zu Gen 3.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[auch]&#039;&#039; - Auch der zweite Baum wuchs in der Mitte des Gartens. Syntaktisch ist Gen 2,9b eine sogenannte „gespaltene Koordination“ (vgl. bes. Michel 1997b, S. 1-22; z.B. auch Carr 2021; Mettinger 2007, S. 22; Bauks 2012, S. 268; Bührer 2014, S. 213f.): Im Hebräischen kann eine Aussage &#039;&#039;a&#039;&#039; sowohl über Subjekt &#039;&#039;A&#039;&#039; als auch über Subjekt &#039;&#039;B&#039;&#039; ausgesagt werden, indem man einen Satz bildet mit dem Muster &#039;&#039;A a und B&#039;&#039;, hier also etwa: „Baum 1 war X und Baum 2“ = „Baum 1 und 2 waren X“. Das wussten schon die alten jüd. Exegeten, die daher gar nicht über die grammatische Konstruktion nachdachten, sondern gleich darüber, wie es denn möglich sei, dass &#039;&#039;zwei&#039;&#039; Bäume &#039;&#039;exakt&#039;&#039; in der Mitte des Gartens wachsen könnten (z.B.: Sie teilten sich &#039;&#039;einen&#039;&#039; Stamm, oder: Baum 2 wuchs um Baum 1 herum etc.). Dass mit „Mitte“ nicht die &#039;&#039;exakte&#039;&#039; Mitte gemeint sein muss, ist aber ja klar.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|10}} {Und} Ein Strom nun geht aus (würde ausgehen)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Verben&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;geht aus&#039;&#039; + &#039;&#039;teilt sich&#039;&#039; + &#039;&#039;und wird&#039;&#039; - Das erste Vb. ist Partizip; i.d.R. wird es daher präsentisch gedeutet: Der Fluss tut dies immer noch; für den Verfasser befände sich der Garten also immer noch irgendwo. Das zweite ist ein Yiqtol- und das dritte ein Weqatal-Verb. Beide Vb.-Formen werden i.d.R. zum Ausdruck von Zukünftigkeit oder Modalität verwendet. Daher etwa Bandstra 2008: „A river &#039;&#039;exits&#039;&#039;. ... From there it &#039;&#039;will divide&#039;&#039;. And it &#039;&#039;will become&#039;&#039; four heads.“&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Das Partizip allerdings ist im klassischen Bibelhebräisch zeitlos; seine Temporalität muss aus dem Kontext erschlossen werden und kann dann ebenfalls Zukunft sein (Bsp.: [[Jona 1#s3 |Jon 1,3]]: „Er fand ein Schiff, das nach Tarschisch &#039;&#039;fahren würde&#039;&#039;“; vgl. z.B. GKC §116d). Der Nahkontext mit dem Yiqtol- und Weqatal-Verb spricht dann eigentlich dafür, dass auch das Ptz. zukünftig zu deuten ist: Aktuell hat der Garten noch keine Wasserquelle, weshalb es den Menschen braucht. Später allerdings – nach der Verbannung des Menschen – &#039;&#039;würde&#039;&#039; ein Strom von Eden ausgehen, um den Garten zu bewässern, und &#039;&#039;würde&#039;&#039; sich dann wieder in vier Flüsse teilen. So aber niemand.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) JM §119u denkt an durative Vergangenheit: „Er teilte sich dauerhaft und wurde dauerhaft zu vier Häuptern“. Aber wie soll „teilen“ und „zu etwas werden“ anders durativ sein als „ausgehen“?&amp;lt;br /&amp;gt;(3) An Joüons „duratives Yiqtol der Vergangenheit“ glauben ohnehin nicht viele hebraistische Grammatiker. GKC §107d etwa daher dagegen: iterative Vergangenheit: „... Gn 2:10 represents the river as going out of Eden in a continuous, uninterrupted stream, but {{hebr}}יִפָּרֵר{{hebr ende}}, which immediately follows, describes how the parting of its waters is always taking place afresh.“; ebenso Dav §54b; Nic 40; Bartelmus 1982, S. 201. Idem; und: der Fluss wird doch gerade nicht &#039;&#039;wiederholt&#039;&#039; zu mehreren Flüssen, sondern konkret zu den genannten vier? Dagegen vgl. auch HKL III §160.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Vielleicht auch nur durch Wortstellung (Waw-X-Yiqtol) markierter temporaler Nebensatz: „... wonach er sich von dort aus teilt und zu vier Flusshäuptern wird“?&amp;lt;br /&amp;gt;Aber alle dt. Üss. übergehen das und übersetzen schlicht gleichzeitig mit dem Partizip in 10a; das sollte dann besser auch OfBi tun.&amp;lt;/ref&amp;gt; von Eden, um den Garten zu tränken (ertränken),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;von Eden, um den Garten zu tränken&#039;&#039; legt wie „ein Garten &#039;&#039;in&#039;&#039; Eden“ nahe, dass der Garten und Eden nicht identisch sind. V. 15 dagegen „der Garten Eden“; offenbar sind der Eden und der Garten in Eden koextensiv. Dann entspringt der Fluss im Garten selbst.&amp;lt;/ref&amp;gt; und von dort aus teilt er sich (würde er sich teilen) und wird (würde werden)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Verben&amp;quot; /&amp;gt; zu vier Häuptern (Fluss-Quellen, Fluss-Anfängen).&amp;lt;ref name=&amp;quot;Namen&amp;quot;&amp;gt;[[Datei:Paradies 2.jpg|rahmenlos|rechts|Lage des Paradieses, Variante 1]]&lt;br /&gt;
Die Lage der &#039;&#039;vier Flüsse&#039;&#039; und damit auch die Lage Edens und des Gottesgartens ist umstritten. Klar identifizierbar sind Tigris und Euphrat, und damit auch „Assur“, das dann nicht Assyrien, sondern seine gleichnamige Hauptstadt &#039;&#039;Aššur&#039;&#039; meinen muss (die anders als das Gros Assyriens westlich des Tigris lag). Umstritten sind der Pischon (vgl. [https://www.odb.bibelwissenschaft.de/ortsnamen/ortsname.php?n=95 Pischon (odb)]) und das Land Hawila (vgl. [https://www.odb.bibelwissenschaft.de/ortsnamen/ortsname.php?n=49 Hawila (odb)]) in V. 11 und der Gihon (vgl. [https://www.odb.bibelwissenschaft.de/ortsnamen/ortsname.php?n=267 Gihon, Strom (odb)]) und das Land Kusch (vgl. [https://www.odb.bibelwissenschaft.de/ortsnamen/ortsname.php?n=66 Kusch (odb)]) in V. 13. Besonders sechs Deutungsvarianten sind im Umlauf, keine ist wirklich überzeugend:&amp;lt;br /&amp;gt;(1a) Klassisch wird der &#039;&#039;Giḥon&#039;&#039; (von &#039;&#039;gi(a)ḥ&#039;&#039; „hervorbrechen, hervorkommen“ &amp;gt; „der Quell-Fluss“) mit dem Nil identifiziert (so schon [[Jesus Sirach 24#s27 |Sir 24,27]]; Jer 2,18 LXX; 1QGenAp 21,15; JosAnt I 39f.), v.a. weil &#039;&#039;Kusch&#039;&#039; meist ein Volk im damaligen Südägypten meint. Den &#039;&#039;Pischon&#039;&#039; (vielleicht von äg. &#039;&#039;p3 šnj&#039;&#039; „der Umgreifende“; eher von heb. &#039;&#039;puš&#039;&#039; „springen“ &amp;gt; „rauschender Fluss“) hielten schon Josephus, Eusebius und die Targumim ganz fernliegend für den Ganges in Indien (nicht auf der Karte); wohl, weil damit gleich vier kulturprägende Flüsse auf einmal aus Eden entsprängen.&amp;lt;br /&amp;gt;(1b) Aber der Nil wird häufig in der Bibel erwähnt und heißt nie „Gihon“. Witte 1998, S. 265-267; Gerhards 2013, S. 202; Kang 2020, S. 95f. u.a. halten daher den &#039;&#039;Pischon&#039;&#039; für den Nil (wie er ebenfalls nie bezeichnet wird) und den Gihon für das gleichnamige Bächlein, das in Jerusalem entspringt, und das durch die Behauptung, dass es bis zu den Kuschiten fließe und sogar das ganze Land umgebe, aufgewertet werden soll. Ähnlich halten Gertz 2018 und Carr 2021 den Gihon für den Nil, der aber als „Gihon“ bezeichnet werde, um so ebenfalls das Jerusalemer Bächlein aufzuwerten. Hawila und der Pischon müssten dann am besten wie in (3b) erklärt werden, s. gleich.&amp;lt;br /&amp;gt;(1c) Haag 1970, S. 37f., Sarna 2001 und Jericke 2013b dagegen halten den Gihon für den weißen und den Pischon für den blauen Nil, also den südwestlichen und den südöstlichen Quellfluss des ägyptischen Nils. Beide würden mit den Kunstnamen „Quellwasser“ und „Sprudelwasser“ bezeichnet. Hawila wird dann nach den Genealogien in [[Genesis 10#s7 |Gen 10,7]]; [[1 Chroniken 1#s9 |1 Chr 1,9]] (neben Saba, Sabta, Ragma, Scheba und Dedan) ans Rote Meer und genauer an die Westküste östlich des Nils verortet, was zum blauen Nil passen würde. Wie aber der weiße Nil ganz Kusch umflossen haben soll, verstehe ich (S.W.) nicht.&amp;lt;br /&amp;gt;Nach (1a-c) wären die Ortsangaben also geographisch nicht logisch: Euphrat und Tigris haben keine gemeinsame Quelle, Nil und Ganges und Gihon sind weder mit diesen beiden noch miteinander verbunden. Die Ortsangabe wäre dann vergleichbar mit dem Ort, da der Regenbogen die Erde berührt, oder mit Coleridges „sacred Alph river“ in Xanadu: ein mythisches Nirgendwo.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Es sei denn, man deutet wie Ephrem der Syrer: „&#039;&#039;Weil das Paradies sehr hoch liegt, werden die Flüsse wieder verschluckt, fließen dann ... wie durch eine große Wasserleitung durch die Erde unter dem Meer zur Erde. Dann speit die Erde sie alle wieder aus: Als die Donau (!) – das ist der Pischon – im Westen, als den Gihon im Süden, und als Euphrat und Tigris im Norden.&#039;&#039;“ Ähnlich bar Salibi, Mose bar Kepha und noch Rav Hirsch.&amp;lt;br /&amp;gt;[[Datei:Paradies 1.jpg|rahmenlos|rechts|Lage des Paradieses, Variante 2]] (3a) Die verbreitetste alternative Deutung ist diese: Man verstehe „Ein Fluss geht aus von Eden und teilt sich dort...“ nicht als Aussage über die Flussrichtung, sondern nur über den von Eden aus gesehenen Verlauf der Flüsse. Mit dem Fluss, der sich dann in Euphrat und Tigris teilt, ist dann der Schatt al-Arab gemeint, in den die beiden kurz vor dem Persischen Golf zusammenfließen. Weiter: Der samaritanische Pentateuch gibt den Gihon mit &#039;&#039;`Asqop&#039;&#039; wieder, was Speiser 1967, S. 25 sinnvoll mit dem Karkeh identifiziert, der in den selben Fluss mündet wie Euphrat und Tigris. Zu &#039;&#039;Kusch&#039;&#039; vgl. dann am ausführlichsten Burrell 2020, S. 147-167 (und wieder bereits Speiser 1967, S. 25; z.B. auch Harris 1968, S. 179): Mehrere Quellen legen nahe, dass &#039;&#039;Kusch&#039;&#039; nicht nur Äthiopien südlich von Ägypten bezeichnen konnte, sondern auch eine mesopotamische Region – was ebenfalls in die entsprechende Gegend weisen würde. Der Pischon schließlich wird d.Ö. mit dem einstigen Pasitigris gleichgesetzt, dem heutigen Karun (so z.B. Hölscher 1949, S. 35-44; Dietrich 2001), der auch in sumerischen und akkadischen Mythen häufig erwähnt wird. Hawila endlich wird man dann am besten nicht als Eigennamen eines Ortes oder Stamms verstehen, sondern – da das Wort im MT und SamP ohnehin einen für Eigennamen unüblichen Artikel trägt – als Klassennomen: „das Sandland“ = „die Wüste“. Nach dieser Variante würden Gen 2,10-14 das Paradies also auf geographisch sinnvolle Weise an den Persischen Golf ins Delta von Euphrat, Tigris, Karkeh und Karun verorten.&amp;lt;br /&amp;gt;(3b) Möglich dann noch: Hawila könnte nach den Genealogien in Gen 10,7; 1 Chr 1,9 auch auf der Ostseite des Roten Meeres auf der Arabischen Halbinsel liegen. Der m.E. beste Vorschlag ist der von Knauf 1985, S. 64, der Ort sei mit Ha&#039;il zu identifizieren. Das passt einigermaßen zu einem neuerdings populären Vorschlag (vgl. z.B. Scolnic 2005, S. 21f.), mit dem vierten Fluss sei der heute ausgetrocknete, früher aber (in der Tat) große „Kuwait-Fluss“ gemeint, der einst durch das Wadi Batin floss. So insgesamt z.B. Collins 2006: Wadi Batin, Karun oder Karkeh, Euphrat, Tigris. Auch nach dieser Deutung läge Eden am Schatt al-Arab im heutigen Irak. Das passt auch gut zu den „ertränkenden Fluten“ in V. 6: In diesem Flussdelta liegt ein (aktuell vom Austrocknen bedrohtes) Marschland, wie es in dieser Wüstenregion so selten ist, dass die UNESCO es 2016 zum Welterbe erklärt hat.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|11}} Der Name des ersten [ist] „Pischon“;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Namen&amp;quot; /&amp;gt; das [ist der,] der das ganze Land Hawila (der das ganze Sandland)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Namen&amp;quot; /&amp;gt; umfließt, wo es das Gold&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;das Gold&#039;&#039; - also besonders viel Gold oder, wie V. 12 sagt, Gold von besonders hoher Qualität (so Radak, König 1919; Haag 1970, S. 39).&amp;lt;/ref&amp;gt; gibt.&lt;br /&gt;
{{S|12}} Und das Gold jenes Landes ist gut. Dort gibt es auch das Bdelliumharz (die Perle?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Bdelliumharz (die Perle?)&#039;&#039; - unsicheres Wort; nur noch in [[Numeri 11#s7 |Num 11,7]]. LXX: „Kohle“ woraus Goldingay 2020 ableiten will, es seien Rubine gemeint. Aq, VUL und der Midrasch (s. gleich) &#039;&#039;Bdelliumharz&#039;&#039;, eine Art Weihrauch. Die gr. und lat. Worte sind dem heb. sehr ähnlich; Goldingay glaubt daher, dies sei ein &#039;&#039;false friend&#039;&#039; und daher eine Fehlübersetzung von Aq und VUL. Aber s. Rabbi Aibu (4./5. Jhd.) im Midrasch: „&#039;&#039;Du glaubst jetzt vielleicht, dass das &#039;&#039;bedolach&#039;&#039; des Apothekers / Parfum-Herstellers gemeint sei. [...] Aber wie das folgende Wort ein Edelstein ist, so ist auch dies ein Edelstein.&#039;&#039;“ – auch das heb. Wort hatte also sicher (auch) diese Bed. So auch alle dt. Üss.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Saadia, ibn Balaam und Radak dagegen halten es für die „Perle“ (Radak berichtet bei der Gelegenheit faszinierend, wie man sich zu seiner Zeit die Entstehung von Perlen vorstellte: Perlen sind Tautropfen, die in Flüssen versunken waren). Das passte besser als Bdelliumharz, da es sich hier neben dem Gold und dem Schoham-Stein immerhin ebenfalls um einen Bodenschatz im weitesten Sinne handelt, aber für diese Bed. gibt es kein Indiz. Die mutmaßliche Geschichte hinter dieser Deutung ist ein kleines Lehrstück; sie sei daher hier am Anfang der Bibel kurz nacherzählt: TgO übersetzt ins Aramäische: &#039;&#039;bdwlḥ`&#039;&#039; ({{hebr}}בדולחא{{hebr ende}}) &#039;&#039;w`bnj bwrl`&#039;&#039; ({{hebr}}בורלא{{hebr ende}}), „Bdellium und Beryl-Stein“. Syr dann ursprünglich wohl fast ebenso: ܒܕܘܠܚܐ ܘܟܐ̈ܦܐ ܕܒܪܘܠܐ &#039;&#039;bdwlḥ` wk`p` dbrwl`&#039;&#039;. Unter Einfluss von &#039;&#039;brwl`&#039;&#039; verliest ein Schreiber dann aber &#039;&#039;bdwlḥ`&#039;&#039; (ܒܕܘܠܚܐ) als &#039;&#039;brwlḥ`&#039;&#039; (ܒܪܘܠܚܐ, „Perle“, s. Smith). Vom Syrischen wanderte dies dann zu Saadja ins Arabische; vielleicht wieder vermittelt durch Mose bar Kepha, den Saadja eifrig gelesen zu haben scheint und der nach Syr kommentiert: „&#039;&#039;Der Hebräer bezeichnet mit &#039;&#039;brwlḥ`&#039;&#039; die Perle&#039;&#039;“ (fast ebenso bar Salibi). Und von Saadja schließlich wandert es über Radak wieder zurück in die hebräische Auslegung. Was lehrt, mit welcher Vorsicht diese späteren Auslegungen auszuwerten sind: Sie haben eine Jahrhunderte währende Vorgeschichte. &#039;&#039;Diese&#039;&#039; Vorgeschichte jedenfalls macht klar, dass „Perle“ fast sicher nicht Bed. des heb. Wortes ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; und den Schoham-Stein.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Schoham-Stein&#039;&#039; - irgendein Edelstein. TgO, TgJ, Syr: „Beryl“; Aq, Sym, Theod, VUL: „Onyx“ (so auch ELB, R-S, SLT). Wegen der Nähe von &#039;&#039;šoham&#039;&#039; zu akk. &#039;&#039;šamtu&#039;&#039; („rot“) viele neuere auch „Karneol“; z.B. Gertz 2018, S. 114, auch B-R, PAT, EÜ, H-R, ZÜR. Die meisten dt. Üss.: „den Schoham-Stein“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|13}} Und der Name des zweiten Stromes ist „Gihon“;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Namen&amp;quot; /&amp;gt; das [ist der,] der das ganze Land Kusch&amp;lt;ref name=&amp;quot;Namen&amp;quot; /&amp;gt; umfließt.&lt;br /&gt;
{{S|14}} Und der Name des dritten Stromes ist „Tigris“;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Namen&amp;quot; /&amp;gt; das [ist der,] der östlich von Assur (Assyrien)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Namen&amp;quot; /&amp;gt; fließt. Und der vierte Strom, das [ist] der Eufrat.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|15}} {Und} JHWH-Gott nahm&amp;lt;ref&amp;gt;Zum &#039;&#039;nehmen&#039;&#039; vgl. bes. gut Haag 1970, S. 40, der auf die Parallelen [[Exodus 6#s7 |Ex 6,7]]; [[Numeri 3#s12 |Num 3,12]]; [[Deuteronomium 4#s20 |Dtn 4,20]]; [[Josua 24#s3 |Jos 24,3-15]]; [[2 Samuel 7#s8 |2 Sam 7,8]]; [[1 Könige 11#s37 |1 Kön 11,37]]; [[Psalm 78#s70 |Ps 78,70]]; [[Jesaja 66#s21 |Jes 66,21]]; [[Amos 7#s15 |Am 7,15]]; [[Haggai 2#s23 |Hag 2,23]] hinweist: Dass Gott jemanden „nimmt“, ist i.d.R. ein Bild dafür, dass er ihm ein bestimmtes Schicksal zuweist.&amp;lt;br /&amp;gt;Der Midrasch, Raschi und Radak dagegen denken, Gott habe den Menschen an einem bestimmten Ort geschaffen, und von dort werde er tatächlich „genommen“ und dann im Garten wieder abgesetzt. So schon TgJ: „&#039;&#039;JHWH-Gott nahm Adam vom Berg der Verehrung herunter, dem Ort, wo er geschaffen worden war&#039;&#039;“.&amp;lt;/ref&amp;gt; [also] den Erdling (Menschen)([, den er geschaffen hatte]&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: So LXX; auch TgJ (s.o.) stützt dies. Aber sicher Assimilation an V. 8; so richtig Hendel 1998, S. 124; BHQ.&amp;lt;/ref&amp;gt;) und ließ ihn wohnen im (setzte ihn in den)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;ließ ihn wohnen im (setzte ihn in den)&#039;&#039; - &#039;&#039;nuḥ&#039;&#039; hat zwei unterschiedliche Hifil-Formen: (1) &#039;&#039;heniaḥ&#039;&#039; und (2) &#039;&#039;hinniaḥ&#039;&#039;. Beide haben us. Bed.: (1) „jmdm Ruhe / einen Wohnort geben“, (2) „etw./jmdn absetzen, liegen lassen, in Ruhe lassen“ (vgl. JM §80p). MT, LXX, Sym und VUL deuten die Konsonanten wie (2); TgO, TgN und Midrasch („er ließ ihn wohnen“) wie (1). Letzteres z.B. auch Witte 1998, S. 269. Das ist sinnvoller. MT, LXX, Sym und VUL haben wahrscheinlich „er nahm den Menschen“ wörtlich verstanden  (s. zwei FN zuvor) und daher hier das Vb. in der zweiten Bed. genommen, die auch fast der des Verbs in V. 8 entspricht. Näher liegt aber (1). Will man den Sinn des Heb. wiedergeben, üs. vielleicht: „er bestimmte ihm den Garten zur Wohnung“ o.Ä. Gut EÜ: „Er gab ihm seinen Wohnsitz im Garten Eden“ auch EÜ aber davor: „Er nahm den Menschen“. Die anderen dt. Üss. alle „nahm und setzte“.&amp;lt;/ref&amp;gt; Garten Eden, damit er (um zu) [in] ihm&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Das im Heb. fem. &#039;&#039;ihm&#039;&#039; bezieht sich auf die ganze Fügung „Garten Eden“, in der das mask. „Garten“ wegen dem fem. „Eden“ ebenfalls fem. ist; so richtig BrSynt §16g; Haag 1970, S. 41; Bührer 2014, S. 218. &#039;&#039;gan&#039;&#039; („Garten“) ist sicher nicht sowohl mask. als auch fem. (so schon ibn Ezra, Ramban), da neben dem mask. &#039;&#039;gan&#039;&#039; ja auch das fem. &#039;&#039;ganah&#039;&#039; existiert.&amp;lt;/ref&amp;gt; (damit er ihm) diene (arbeite) und ihn hüte (bewahre, bewache).&amp;lt;ref name=&amp;quot;dienen&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|16}} Und JHWH-Gott gebot&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Im Talmud wird in b.San 56 geglaubt, in diesem Vers würden die sieben „noachidischen Gebote“ grundgelegt, also die göttlichen Gebote, die nicht nur für alle Jüd:innen, sondern für alle Menschen gelten: Mit fast jedem Wort würde auf eines dieser Gebote angespielt, die ausführlicher andernorts in der Bibel ausformuliert seien, und zwar dergestalt, dass Worte verwendet werden, die sich auch in den ersten fünf dieser ausführlicheren Formulierungen finden (vgl. auch Chizkuni, Rabbenu Bahja):&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Das Gebot der Rechtspflege: &#039;&#039;es gebot&#039;&#039;, s. [[Genesis 18#s19 |Gen 18,19]].&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Das Verbot der Gotteslästerung: &#039;&#039;JHWH&#039;&#039;, s. [[Levitikus 24#s16 |Lev 24,16]].&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Das Verbot des Götzendienstes: &#039;&#039;Gott&#039;&#039;, s. [[Exodus 20#s3 |Ex 20,3]].&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Das Verbot des Blutvergießens: &#039;&#039;dem Erdling &#039;&#039;, s. [[Genesis 9#s6 |Gen 9,6]].&amp;lt;br /&amp;gt;(5): Das Verbot der Unzucht: &#039;&#039;besagend&#039;&#039;, s. [[Jeremia 3#s1 |Jer 3,1]].&amp;lt;br /&amp;gt;(6) Das Verbot es Raubes: &#039;&#039;von allen Bäumen des Gartens&#039;&#039;.&amp;lt;br /&amp;gt;(7) Das Verbot, &#039;&#039;lebende&#039;&#039; Tiere zu essen: &#039;&#039;darfst du essen&#039;&#039;.&amp;lt;br /&amp;gt;In der Folge entspann sich ein Auslegungsstreit darüber, ob dies wirklich die korrekten sieben noachidischen Gebote seien, die hier gesammelt wurden, ob der Vers vielleicht noch auf weitere Gebote anspiele (Bsp: In b.San 56b selbst glaubt Rabbi Eleazar, auch auf das für jüdische Gesetze so typische Gebot der Kreuzung von Tieren und Pflanzen werde hier angespielt, weil hier mit „von jedem Baum“ nur jene Bäume gemeint sein könnten, die Gott „natürlich“ erschaffen hatte und nicht solche, die erst vom Menschen gekreuzt wurden.) und ob dies vielleicht gar nicht der Fall sei, sondern Vv. 16f. „einfach nur“ das Verbot wiedergäben, dass Adam nicht von diesem konkreten Baum essen dürfe. Diese Diskussion braucht (und kann) hier nicht nachgezeichnet werden; die obigen sieben sind klar die Mehrheitsmeinung in der halachischen Auslegung.&amp;lt;br /&amp;gt;In der protestantischen Theologie werden die beiden Verse aus einem anderen Grund diskutiert: In [[Hosea 6#s7 |Hos 6,7]] und in [[Jesus Sirach 14#s17 |Sir 14,17]] LXX wird dieses Gebot als ein „Bund“ bezeichnet. Danach wäre dies schon vor dem Bund, den Gott mit Noah schloss, der erste „Bund“, den Gott mit dem Menschen geschlossen hatte. Im Lichte von Gen 9 könnte man ihn etwa so formulieren: „Ich gewähre dir, von allen Pflanzen des Gartens zu essen. Im Gegenzug gebe ich dir ein Gebot – nur eines! –, das du halten musst: Iss nicht vom verbotenen Baum!“. Man nennt diesen Bund daher auch den „Werkbund“ (&#039;&#039;foedus operum&#039;&#039;), der aber bereits von Adam und Eva stellvertretend für alle Menschen gebrochen worden sei. Dahinter stecken zwei theologische Ideen: Erstens ist die Theorie vom adamitischen Werkbund an sich nur eine legalistische Umformulierung der Erbsündenlehre; in dieser Umformulierung aber wird besonders betont, dass die Gnade der Sünde vorausging: &#039;&#039;Zuerst&#039;&#039; hatte Gott mit dem Menschen einen Bund geschlossen, &#039;&#039;danach&#039;&#039; hatte der Mensch das erste Mal gesündigt. Zweitens lässt sich mit dieser Idee genauer formulieren, was Christus geleistet habe: &#039;&#039;Dieser Werkbund&#039;&#039; sei es gewesen, den Christus dann wieder aufrichtete (s. [[Römer 5#s12 |Röm 5,12-21]]), nun aber nicht als „Werkbund“, bei dem der Mensch ein bestimmtes Werk tun müsse, sondern als „&#039;&#039;Gnaden&#039;&#039;-Bund“ (&#039;&#039;foedus gratiae&#039;&#039;), der den an Christus Glaubenden „einfach so“ geschenkt würde. Die Werkbund-Idee wird noch heute v.a. im reformierten und evangelikalen Christentum diskutiert.&amp;lt;/ref&amp;gt; dem (auf den) Erdling (Menschen) {besagend}: Von jedem Baum darfst (sollst) du durchaus essen (essend).&lt;br /&gt;
{{S|17}} Vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse aber: Nicht darfst du essen [etwas] von ihm. Denn am Tag, [an dem] (wenn)&amp;lt;ref name=&amp;quot;V 17&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;am Tag, [an dem] (wenn)&#039;&#039; + &#039;&#039;sterben&#039;&#039; - die Crux von Gen 2: Offensichtlich stirbt der Mensch in Gen 3 ja nicht, oder jedenfalls nicht schon „am Tag, an dem er vom Baum isst“. Die meisten behelfen sich damit, „am Tag, [an dem]“ mit „wenn“ zu übersetzen, was der Ausdruck wirklich d.Ö. bedeutet (z.B. Mettinger 2007, S. 22. Effektiv ähnlich schon der Midrasch: „ein Tag“ = „ein Gottestag“ wie in [[Psalm 90#s4 |Ps 90,4]], also 1000 Jahre). Aber richtig Bührer 2014, S. 218: &lt;br /&gt;
: „Das Problem wird dadurch vergrößert, dass der Vers in 3,4f. in negierter Form wieder aufgenommen wird. Die Schlange spricht zur Frau: ‚Ihr werdet nicht sterben... An dem Tag [...], da ihr von ihm (dem verbotenen Baum) esst, werden eure Augen aufgetan...‘ Tatsächlich werden unmittelbar nach dem Essen der Frucht ihre Augen ‚aufgetan‘. Die Analogie zu 3,5 und den darauf folgenden Ereignissen spricht dafür, auch in 2,17 mit einer Koinzidenz des Essens und der Konsequenz daraus zu rechnen.“ &lt;br /&gt;
Sollte es eine Lösung geben, liegt sie also entweder im Wort „sterben“ oder in der Konsequenz Gottes: Entweder hat es Gott wirklich so gemeint, wie es hier klingt, wird dann in Gen 3 aber spontan gnädig sein und die Strafe nicht durchsetzen (so schon ibn Ezra; z.B. auch Gertz 2018; Goldingay 2020), oder mit „sterben“ ist etwas anderes gemeint – etwa wie in [[1 Könige 2#s37 |1 Kön 2,37]] „von diesem Tag an seid ihr zum Tod verurteilt“ (so schon TgJ; auch Saadia, Lekach Tob, Ramban, noch Hirsch), „ihr werdet sterblich werden“ (so schon Aq, Quinta; auch Chizkuni, Rabbenu Bahja; Tur, auch Blum 2010, S. 16; Bührer 2014, S. 218), „ihr werdet früher sterben als geplant“ (Radak), „ihr werdet den spirituellen Tod der Entfremdung von Gott sterben“ (Collins 2006; was auch immer das bedeuten soll) o.ä. Vgl. ebenso vieldeutig [[Weisheit 2#s23 |Weish 2,23f.]]; [[Römer 5#s12 |Röm 5,12-14]].&amp;lt;br /&amp;gt;Richtig Blum 2010, S. 16: [[Genesis 3#s19 |Gen 3,19]], wo vom Todes-&#039;&#039;Geschick&#039;&#039; des verbannten und verdammten Menschen spricht, macht sehr wahrscheinlich, dass hier wirklich „Sterblichkeit“ gemeint ist, und zwar konkreter in Form des Todesurteils Gottes, dass dem Menschen künftig der Zugang zum Baum des Lebens verwehrt werden wird.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Die christliche Tradition indes hat die Crux anders aufgelöst: Für Christ:innen ist hier vom &#039;&#039;ewigen Leben&#039;&#039; die Rede: Nach dem Opfer Christi sterben Christ:innen nicht mehr den „ewigen / finalen Tod“ (Augustinus, Gottesstaat 13.12), sondern Christus hat ihnen stattdessen das „ewige Leben“ wieder-gewonnen (vgl. wieder [[Römer 5#s12 |Röm 5,12-21]]; z.B. auch die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre 29-30).&amp;lt;/ref&amp;gt; du davon isst, wirst (musst) du durchaus sterben (sterbend).&amp;lt;ref name=&amp;quot;V 17&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|18}} Und JHWH-Gott dachte (sagte): „Es ist nicht gut, dass der Erdling (Menschen) allein ist. Ich werde (will) ihm einen (Lasst uns ihm einen; Ich werde sie ihm als&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Lasst uns ihm einen&#039;&#039; - so LXX, VUL, Jub 3,4 wie in [[Genesis 1#s26 |Gen 1,26]]. Wahrscheinlich richtig Hendel 1998, S. 124, BHQ: Assimilation an diesen Vers.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;ich werde sie machen&#039;&#039; - So Leningradensis mit Mappiq in &#039;&#039;`e´eßehh&#039;&#039; (statt &#039;&#039;`e´eßeh&#039;&#039;), daher: „ich will &#039;&#039;sie&#039;&#039; machen“. So fast keine andere Handschrift, keine der Vrs. und kein:e Textkritiker:in; sicher nur eine Fehlinterpretation von L.&amp;lt;/ref&amp;gt;) Beistand (eine Hilfe, eine Gehilfin)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Beistand&amp;quot;&amp;gt;Traditionell und bis heute übersetzt mit &#039;&#039;Hilfe&#039;&#039; oder &#039;&#039;Gehilfin&#039;&#039;. Besser &#039;&#039;Beistand&#039;&#039;; das heb. &#039;&#039;´ezer&#039;&#039; drückt keine Subordination aus wie das dt. „Hilfe“ und noch mehr „Gehilfin“ (richtig z.B. Gertz 2018, Goldingay 2020, Carr 2021). Was genau mit dieser „Hilfe“ gemeint ist, ist umstritten. Diskutiert wird: „Damit er nicht einsam sei“ (z.B. Bührer 2014, S. 224; Gertz 2018; so schon der Midrasch), „Damit er sich fortpflanzen könne“ (z.B. Clines 1990, S. 32-35; so schon Ambrosius, Augustinus) oder „damit sie sich die Arbeit teilen können“ (z.B. Goldingay 2020; schon Ephrem der Syrer, Sforno). Am wahrscheinlichsten ist hier Letzteres gemeint. S. näher die Anmerkungen.&amp;lt;/ref&amp;gt; machen als sein Gegenüber.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;Gegenüber&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;als Gegenüber&#039;&#039; - also „ihm ganz entsprechend“ (Scharbert 1990, S. 52); anders als die Tiere, die ihm zwar durchaus hätten „helfen“ können (Chizkuni) – ihm aber nicht entsprachen.  Nicht wie NL: „ein Wesen, das zu ihm passt“; es geht um &#039;&#039;wechselseitige&#039;&#039; Entsprechung. Gut daher LUT: „eine Hilfe, die ihm entspricht“. Am besten vielleicht in Orientierung an BB: „ich will ihm einen Beistand machen – ein Gegenüber, das ihm entspricht.“&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Schöner Midrasch: Bei der Auslegung von [[Genesis 1#s27 |Gen 1,27]] dachten einige Rabbinen an den platonischen Mythos des Kugelmenschen: Der Mensch sei als &#039;&#039;ein&#039;&#039; männlich-weibliches Kompositwesen geschaffen (s. z.B. im Talmud, b.Ber 61). Entsprechend dann hier Ramban, Tur, Rabbenu Bahja, Chaim ben Attar: &#039;&#039;Als Gegenüber&#039;&#039; bedeute: Als zweites Wesen, das dem Menschen &#039;&#039;gegenüber&#039;&#039; stehen kann – wonach Gott den Kugelmenschen teilt.&amp;lt;br /&amp;gt;Ebenso schön Radak: &#039;&#039;Als Gegenüber&#039;&#039;, nämlich dann, wenn der Mann droht, auf einen Pfad der Sünde zu geraten – dann soll ihm die Frau in den Weg treten.&amp;lt;br /&amp;gt;Radak leitet dann aus dieser Stelle auch noch ab, dass der Mann höher stehe als die Frau, da sie ja nur eines seiner Körperteile sei, weshalb es ja nur logisch sei, dass Männer stärker und intelligenter seien als Frauen. Dagegen s. zu V. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Jesus Sirach|36|29}}&lt;br /&gt;
{{S|19}} Und JHWH-Gott formte (bildete, gestaltete) ([weiterhin (noch einmal)]&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[weiterhin (noch einmal)]&#039;&#039; - so SamP, LXX. Ball 1896, S. 73 hält das für ursprünglich; das „weiterhin“ soll zurückverweisen auf V. 7. Hendel 1998, S. 124 und BHQ dagegen beziehen es (wie schon der Midrasch) als „noch einmal“ zurück auf [[Genesis 1#s24 |Gen 1,24f.]] und erklären es daher zum „explizierenden Plus“. Weil eine spätere Einfügung leichter erklärlich ist als ein späterer Ausfall, sinnvoller wie Hendel und BHQ.&amp;lt;/ref&amp;gt;) aus dem Erdboden jedes wilde Tier (Lebewesen des Feldes) und jeden Vogel des Himmels, und er brachte [jedes Tier] ([es])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039; - SamP, TgO und TgJ wie MT ohne Objekt: „er brachte zum Menschen“. Dass „jedes wilde Tier und jeder Vogel des Himmels“ Objekt ist, muss man sich dann hinzudenken. LXX, VUL, Syr und TgN dagegen haben alle ein zusätzliches „es“. Sicher richtig BHQ: Dies setzt keinen alternativen Wortlaut voraus, sondern ist explizierende Einfügung.&amp;lt;/ref&amp;gt; zum Erdling (Menschen), um zu sehen, wie er es nennen würde; und wie immer der Erdling (Mensch) – als Lebewesen (lebendige Seele)! – es nennen würde (wie immer der Erdling, das Lebewesen, es nenne würde?; wie immer der Erdling es, das Lebewesen, nennen würde?; wie immer der Erdling es als Lebewesen nennen würde? was immer der Erdling „Lebewesen“ nenne würde?; wie immer der Mensch es {ein Lebewesen} nennen würde?),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;der Mensch – als Lebewesen!&#039;&#039; - die anderen grammatischen Auflösungen und textkritischen Lösungen in dt. Üss. sind unmöglich oder zu gewagt, s.u. Nimmt man Gen 2-3 für sich und löst auf wie oben, lässt sich die Stelle kaum anders erklären als mit Hirsch: „Der Mensch gibt den Dingen Namen, nicht als Gott, der dem Wesen der Dinge auf den Grund schaut, sondern von seinem individuellen Standpunkt aus, als [bloßes Lebewesen].“ Ähnlich Chizkuni: „als Lebewesen“ wird präzisiert, um zu betonen, dass nicht &#039;&#039;Gott&#039;&#039; die Tiere benennt und sodann nur Gott die Namen der Tiere kennt, sondern eben auch der Mensch, der daher nicht jedes Mal extra Gott befragen muss, wie ein Tier heiße (anders als Hirsch gehen allerdings Chizkuni wie auch der Midrasch und Rabbenu Bahja davon aus, dass der Mensch vermöge seines „von Gott gegebenen Atems“ &#039;&#039;als Lebewesen&#039;&#039; eben doch dazu in der Lage war, bei der Benennung der Tiere ihrem Wesen auf den Grund zu sehen, weshalb er z.B. den Esel &#039;&#039;ḥmwr&#039;&#039; nannte, da er ja &#039;&#039;ḥwmr&#039;&#039; [eine Maßeinheit für Getreide] transportiere). Vgl. auch Tur: „&#039;&#039;Die Bedeutung von ‚das sollte sein Name sein‘ ist: Gott war mit den Namen einverstanden, die Adam den Tieren gab, und bezeichnete von da an auch selbst die Tiere mit den Namen, die Adam ihnen gegeben hatte.&#039;&#039;“&amp;lt;br /&amp;gt;Vielleicht ist die Stelle allerdings besser textgeschichtlich zu erklären: Die Versteile über die Benennung der Tiere in Vv. 19f. könnten eine aus V. 23 abgeleitete spätere Ergänzung sein, die eine Leerstelle aus Gen 1 füllen soll: Die Namen von Tag, Nacht, Himmel, Erde und Meer kommen von Gott; woher die Namen der Tiere (und Pflanzen) kommen, wird dort aber nicht erwähnt. Das würde dann hier nachgeliefert: Sie kommen &#039;&#039;von den Lebewesen selbst&#039;&#039;!&amp;lt;br /&amp;gt;Alternativ nimmmt Schellenberg 2007 mit fast allen neueren Kommentaren an, dass die Namensgabe ein „Herrschaftsakt“ sei, mit dem der Mensch Macht über die Tiere ausübe, so dass gesagt wäre: „Wie immer der Mensch – obwohl auch er ein Lebewesen ist! – es nennen würde, so würde sein Name sein“. Aber das ist sicher unrichtig; gg. die Deutung der Namensgabe als einem Herrschafstakt vgl. Ramsey 1988 und Büsing 1994 und s. nur [[Genesis 16#s13 |Gen 16,13]], wo Hagar &#039;&#039;Gott&#039;&#039; einen Namen gibt, [[Genesis 33#s20 |Gen 33,20]], wo Jakob einem Altar als Wohnort Gottes den Namen „Gott, Gottheit Israels“ gibt, und [[Genesis 26#s17 |Gen 26,17-21]], wo Isaak just da, wo er zwei Orte &#039;&#039;aufgibt&#039;&#039;, diese benennt.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Lebewesen&#039;&#039; steht an einer merkwürdigen Position im Satz. (1) Entweder bezieht es sich auf den Menschen ([a] als Apposition: &#039;&#039;der Mensch, das Lebewesen&#039;&#039;, oder [b] als adverbialer Akkusativ: &#039;&#039;der Mensch als Lebewesen&#039;&#039;) (2) oder auf &#039;&#039;lo&#039;&#039; („es“: [a] als Apposition: &#039;&#039;wie der Mensch es, das Lebewesen, benennen würde&#039;&#039;, oder [b] als adverbialer Akkusativ: &#039;&#039;wie der Mensch es als Lebewesen benennen würde&#039;&#039;). Für (1a) TAF, für (1b) z.B. Gertz 2018, ZÜR; für (2a) z.B. ibn Ezra; Fischer 2018; auch ELB, EÜ, H-R, LUT, PAT; für (2b) B-R. Bei (1a) würde man aber Artikel erwarten (vgl. Schellenberg 2007, S. 301), bei (2a+b) stört die Wortstellung (vgl. HKL III, §333e. Die fehlende Präp. dagegen stört auch bei [2a] nicht, vgl. Holmstedt / Jones 2017, S. 23).&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Theoretisch möglich noch wie Ramban, Tur, Speiser 1964 und Bandstra 2008: „Whatever the human being called a living being, it became its name“ (Goldingay 2020), aber das liegt ja völlig fern – was hätte der Mensch denn &#039;&#039;nicht&#039;&#039; „Lebewesen“ nennen sollen (so richtig schon Sifte Chakamim)?&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Raschi und Radak schließlich halten die Konstruktion für eine Art Casus pendens mit verkehrter Wortfolge: „jedes Lebewesen – wie immer der Mensch es nennen würde, so...“ = „wie immer der Mensch jedes Lebewesen nennen würde, so...“. Aber selbst, wenn es diese Konstruktion gäbe, wäre das unmöglich, da dann mindestens „jedes“ bei „Lebewesen“ stehen müsste.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: (5) Ball 1896, S. 73, BHK, BHS und z.B. noch Bührer 2014, S. 222, MEN und HER05 halten die Fügung daher für eine sekundäre Glosse. Als Ausdrucksvariante des zweiten &#039;&#039;lo&#039;&#039; wäre es auch wirklich gut erklärlich: „Wie immer der Erdling &amp;lt;s&amp;gt;es&amp;lt;/s&amp;gt; [ein Lebewesen] nennen würde, das sollte sein Name sein.“ Aber alle Vrs. stützen MT; Hendel 1998 und BHQ folgen dem daher richtig nicht mehr.&amp;lt;/ref&amp;gt; das sollte sein Name sein.&lt;br /&gt;
{{S|20}} Also (und) gab (rief) der Erdling (Mensch) allem Vieh&amp;lt;ref&amp;gt;Man beachte, wie die Kategorie des „&#039;&#039;Viehs&#039;&#039;“ (vs. „wilde Tiere“) erst im Zusammenhang mit der Benennung der Tiere durch Adam in Gen 2 eingeführt wird (gut beobachtet Magonet 1992, S. 40), was noch auffälliger ist, da es von dieser Kategorie durch die „Vögel“ getrennt wird. Ist, synchron gelesen, hier schon der Unterwerfungs-Auftrag aus Gen 1 umgesetzt? Ist „Vieh“ vom Menschen unterworfenes und separiertes Wild?&amp;lt;/ref&amp;gt; und den (allen)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039; - SamP, TgO, TgN wie MT: &#039;&#039;den Vögeln&#039;&#039;. LXX, TgJ, Syr und VUL dagegen wie bei „Vieh“ und „wilde Tiere“: &#039;&#039;allen Vögeln&#039;&#039;. So auch 4 MSS, wahrscheinlich also nicht nur an den Kontext angleichende Übersetzung (so BHQ, ähnlich schon ibn Ezra). Ball 1896, BHK, BHS und Hendel 1998, S. 124 halten dies für ursprünglich; nach Hendel soll es ein Homoiteleuton gewesen sein (&#039;&#039;w&amp;lt;u&amp;gt;l&amp;lt;/u&amp;gt;k&amp;lt;u&amp;gt;l&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039; „und alle“ &amp;gt; &#039;&#039;wl&#039;&#039; „und die“). Weit wahrscheinlicher Assimilation an das Vieh und die wilden Tiere. Der Text ist in Ordnung; Aufzählungen in der heb. Bibel müssen nicht symmetrisch sein.&amp;lt;/ref&amp;gt; Vögeln am Himmel (des Himmels) und allen wilden Tieren (Getier des Feldes) Namen. Aber für Adam (für den Erdling, für einen Erdling?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;für Adam (für den Erdling, für einen Erdling?)&#039;&#039; - ohne Artikel. (1) Auf den ersten Blick daher &#039;&#039;für Adam&#039;&#039;, denn Eigennamen weisen keine Artikel auf. So übersetzen daher z.B. Sarna 2001 und Collins 2006. Sonst kaum jemand; unter den dt. Üss. so auch nur ELB. (2) Einige Ausleger (z.B. Goldingay 2020; Arneth 2007b, S. 129; Bührer 2014, S. 189) glauben dagegen, &#039;&#039;`adam&#039;&#039; werde hier als Gattungs-Begriff verwendet: „für &#039;&#039;einen Menschen&#039;&#039;“. So auch B-R, MEN, R-S, TEX. Aber richtig Ball 1896, S. 73: Gerade auch Nomen, die als Gattungsbegriffe verwendet werden, haben Artikel. (3) Die meisten Ausleger und Üss. halten dies daher für eine Fehl-Vokalisation im MT: Korrekt sei nicht &#039;&#039;le`adam&#039;&#039; („für Adam“), sondern &#039;&#039;la`adam&#039;&#039; („für den Menschen“). Aber es ist doch sehr auffällig, dass spätestens hier &#039;&#039;alle&#039;&#039; alten Vrs. von der selben Vokalisierung ausgehen wie MT. Der Midrasch und Rabbenu Bahja erdichten sogar einen Grund: Offenbar hat der Mensch ineins mit den Tieren hier auch gleich sich selbst den Namen „Adam“ gegeben:  „&#039;&#039;Als Gott Adam fragte, was sein eigener Name sein solle, antwortete dieser: ‚Adam‘. Er erklärte, diesen Namen habe er gewählt, da er ja aus &#039;&#039;`adamah&#039;&#039; geschaffen sei.&#039;&#039;“ (Bahja). Hier umzuvokalisieren ist also zu gewagt. So daher früher zwar Ball 1896, BHK, BHS, heute richtiger aber nicht mehr Hendel 1998 und BHQ. Die meisten der neuesten Kommentare aber schon, z.B. Fischer 2018, Gertz 2018, Carr 2021.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) NeÜ&#039;s „für sich“ folgt offenbar der Erklärung von ibn Ezra, Radak und Tur, s. nächste FN.&amp;lt;/ref&amp;gt; fand sich (er)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039; - auf den ersten Blick &#039;&#039;fand er&#039;&#039;; Subjekt könnte (1) Gott sein oder (2) der Mensch, der auch direkt zuvor Subjekt des Verbs war. Wie (2) auch schon TgN, ibn Ezra, Radak und Tur. Die letzten drei weisen klug hin auf [[Genesis 4#s23 |Gen 4,23]]; [[Exodus 24#s1 |Ex 24,1]] und [[1 Samuel 12#s11 |1 Sam 12,11]], wo jeweils ähnlich Lamech, Gott und Samuel von sich nicht als „ich“, sondern als „Lamech“, „JHWH“ und „Samuel“ sprechen. Vergleichbare Stellen gibt es wirklich häufig, aber mit unserem Vers vergleichbar sind sie nicht sehr gut: Anders als diese ist „[Der Mensch] fand für den Menschen keinen Beistand“ ja keine wörtl. Rede. (3) Die meisten übersetzen daher wahrscheinlich richtig mit LXX, VUL, TgO, TgJ und Syr impersonal: „&#039;&#039;es&#039;&#039; fand &#039;&#039;sich&#039;&#039;“.&amp;lt;br /&amp;gt;Die Frage ist theologisch nicht ganz unbedeutsam: Klar ist auf jeden Fall, dass auch die Entstehung der Tiere hier so erklärt wird, dass sie ursprünglich als potentielle &#039;&#039;Partner&#039;&#039; des Menschen konzipiert waren. Und dann lässt sich der Vers weiter entweder so deuten, (a) dass die Tiere diesem Anspruch aber nicht genügen, (b) oder so, dass sie (nur) &#039;&#039;in den Augen des Menschen&#039;&#039; diesem Anspruch nicht genügen. Die alten Rabbinen kombinieren überwiegend beide Deutungen: Gott habe natürlich bereits gewusst, dass die Tiere keine adäquaten Partner des Menschen seien, daher habe er die Tier-Parade aus V. 20 veranstaltet, damit dies auch der Mensch auf ewig einsehe und sodann akzeptiere, dass Gottes Not-OP in V. 21 nötig sei (so Ramban, Chizkuni, Tur). Ähnlich sehr witzig schon der Talmud in b.Jeb 63a: „&#039;&#039;Rabbi Eleazar [2. Jhd.] sagte: [....Dieser Vers] lehrt, dass Adam mit jedem Vieh und jedem wilden Tier geschlafen hatte. Erst, als er mit Eva geschlafen hatte, war er befriedigt.&#039;&#039;“&amp;lt;/ref&amp;gt; kein Beistand (keine Hilfe / Gehilfin)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Beistand&amp;quot; /&amp;gt; als sein Gegenüber.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Gegenüber&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|21}} Da (und) ließ JHWH-Gott einen Tiefschlaf über den Erdling (Menschen) fallen (kommen), so dass er schlief (und er schlief ein). Dann (und) nahm er&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;er nahm&#039;&#039; - Im Talmud ist in b.San 39a eine schöne Tradition überliefert: „Der Kaiser sprach zu Rabbi Gamaliel (1. Jhd.): Euer Gott ist ein Dieb, denn es heißt: [... ‚Er nahm eine seiner Rippen und baute daraus eine Frau‘]. Da sagte seine Tochter: ‚Lass nur, ich will ihm antworten.‘ Dann sagte sie zu ihm: ‚Schick mir einen Polizisten!‘ – ‚Wozu?‘ – ‚Heute Nacht haben uns Diebe ausgeraubt; sie haben einen silbernen Pokal gestohlen, aber dafür einen goldenen Pokal zurückgelassen!‘ – ‚Solche Diebe können gerne jeden Tag kommen.‘ – ‚[Nicht wahr?] Muss es nicht [ähnlich] angenehm für Adam gewesen sein, eine Rippe geraubt zu bekommen, dafür aber eine Magd zur Bedienung zu erhalten?‘“&amp;lt;br /&amp;gt;Ist „Magd zur Bedienung“ Sarkasmus (was angesichts der Sprecherin recht wahrscheinlich ist), könnte dies die erste feministische Textauslegung überhaupt sein.&amp;lt;/ref&amp;gt; eine [Rippe (Seite)] von seinen Rippen (Seiten)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Rippe (Seite)&#039;&#039; - Meist „Rippe“. Sonst wird das Wort in der Bibel nur für die „Seite“ oder die „Etage“ eines Gebäudes verwendet; alternativ daher zu verstehen als „eine seiner Seiten“, was die Schöpfung der Frau „aus Knochen &#039;&#039;und&#039;&#039; Fleisch“ (V. 23) besser erklärt (so NET; Batto 1992, S. 54; Ebach 2009, S. 7; erwogen auch von Goldingay 2020). Dt. Üss. und neuere Kommentare aber sehr einheitlich und mit allen Vrs. und mit 4 Makk 18,7: „Rippe“ (die Einwände von Kawashima 2006, S. 52 allerdings greifen nicht: Das Verb passt nicht besser zur Rippe als zur Seite, die man sich ja ebenfalls nicht einfach von einem Menschen „nehmen“ kann, auch ein Mensch mit md. zwei Seiten hat &#039;&#039;mehrere&#039;&#039; Seiten, „von denen“ eine genommen kann, und dass „der Mann“ als identisch mit „dem Erdling“ gedacht wird, steht ja nicht zur Debatte – die Frage nach „Rippe“ vs. „Seite“ ist eine semantische und text-logische Frage, keine feministische oder antifeministische).&amp;lt;br /&amp;gt;Im Midrasch ist ein Auslegungsstreit darüber überliefert, ob „Rippe“ oder „Seite“ gemeint sei (für Letzteres Rabbi Samuel ben Nachmani [3./4. Jhd.]). Für „Seite“ optieren noch weitere jüd. Ausleger, die hier wieder an den Kugelmenschen denken (s. zu Vv. 18.20) – daher noch genauer eigentlich: „er nahm eine seiner &#039;&#039;Hälften&#039;&#039;“ (z.B. Raschi, ibn Ezra, Abravanel und noch Hirsch).&amp;lt;/ref&amp;gt; und verschloss ihren Ort ([die Stelle] unter ihr)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;ihren Ort ([die Stelle] unter ihr)&#039;&#039; - w. „unter ihr“, was besser zur Bed. „Seite“ als „Rippe“ zu passen scheint. Vgl. aber [[Exodus 16#s29 |Ex 16,29]]; [[2 Samuel 2#s23 |2 Sam 2,23]]; [[Ijob 40#s12 |Ijob 40,12]], wo „unter jmdm“ jeweils bed.: „der Ort, wo jmd war“, entsprechend dann hier: „der Ort, wo sie (die Rippe/Seite) einst saß“. Ähnlich [[Psalm 37#s10 |Ps 37,10]]; [[Psalm 103#s16 |103,16]] u.ö.&amp;lt;/ref&amp;gt; [mit] Fleisch. &lt;br /&gt;
{{S|22}} Dann (und) baute&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;baute&#039;&#039; ist eigentlich ein Begriff aus der Architektur. Schön ALTER: Wie oben die Erschaffung des Menschen aus Lehm mit einem Wort bezeichnet wurde, das man eher für das Töpfern verwenden würde, so hier bei der Erschaffung der Frau aus Knochen mit einem Wort, das besser zur Konstruktion mit harten Materialien passt.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Im Midrasch leitet Rabbi Jose ben Zimra (2./3. Jhd.) und im Talmud (b.Nid 45b) Rabbi Chisda (3./4. Jhd.) &#039;&#039;wajjiben&#039;&#039; nicht von &#039;&#039;banah&#039;&#039; („bauen“) ab, sondern von &#039;&#039;bin&#039;&#039; („verstehen, verständig sein“), daher: „&#039;&#039;[...Dieser Vers] lehrt, dass der Heilige – gepriesen sei er! – der Frau mehr Verstand (&#039;&#039;binah&#039;&#039;) gegeben hat als dem Mann.&#039;&#039;“. Diese Auslegung ist vielleicht der Grund, warum die weitergehenden Auslegungen der Rabbinen zur Schöpfung der Frau i.d.R. wertschätzender sind als die der alten christlichen Ausleger.&amp;lt;/ref&amp;gt; JHWH-Gott die Rippe (Seite), die er vom (aus dem) Erdling (Menschen) genommen hatte (nahm), zu einer Frau und führte sie&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Ein Wort, das bei jüd. Hochzeiten auch für die Tätigkeit des Anführers einer Braut-Prozession verwendet wird. Viele alte Ausleger haben daher hier an eine solche Brautprozession, z.B. b.Ber 61a, b.Erub 18b, ARN 4,3, PRE 12 und viele Rabbis im Midrasch. Luther und Goldingay 2020 übertragen das ähnlich auf eine christliche Hochzeit: Gott werde vorgestellt wie der Brautvater, der seine Tochter dem Mann zuführt.&amp;lt;/ref&amp;gt; zu dem Erdling (Menschen). &lt;br /&gt;
{{S|23}} Da (und) rief (sagte) der Erdling (Mensch): &lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Dies (diese, dieses Mal)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Dies (diese)&#039;&#039; - Das Pronomen ist zwar feminin, (1) kann sich aber entweder auf „Knochen“ (f) (2) oder die Frau beziehen und muss entsprechend übersetzt werden. (3) Möglich auch: „Dieses Mal“; so Tg, Saadia, Ramban. Die Doppelung „Dieses Mal“ und „endlich“ würde den Satz nur noch stärker machen. Aber neben &#039;&#039;diese&#039;&#039; in Zeile c und Zeile d, wo es sich jeweils zweifellos auf die Frau bezieht, liegt ein anderes Verständnis als (2) hier sehr fern.&amp;lt;/ref&amp;gt; endlich [ist(&#039;s)] Gebein von meinem Gebein&lt;br /&gt;
_Und Fleisch von meinem Fleisch!&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch&#039;&#039; - Abwandlung der heb. Verwandtschaftsformel „Du bist mein Gebein und mein Fleisch“ ([[Genesis 29#s14 |Gen 29,14]]; [[Richter 9#s2 |Ri 9,2]]; [[2 Samuel 5#s1 |2 Sam 5,1]]; [[2 Samuel 19#s13 |2 Sam 19,13f.]]; [[1 Chroniken 11#s1 |1 Chr 11,1]]), die an diesen Kontext angepasst wurde. Sicher verwendet, um die „Familienähnlichkeit“ zu unterstreichen, die Mann und Frau anders als Mensch und Tier eignen. Mensch und Tier haben mit dem „Erdboden“ die selbe Mutter und sind damit mindestens Halbgeschwister, aber Mann und Frau sind im Vergleich dazu geradezu siamesische Zwillinge.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Diese wird „Frau“&amp;lt;ref name=&amp;quot;23&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;Frau&#039;&#039; + &#039;&#039;Mann&#039;&#039; - Unübersetzbares Wortspiel im Heb., da das Wort für „Frau“ ({{Hebr}}אִשָּׁה{{Hebr ende}} &#039;&#039;`iššah&#039;&#039;) klingt wie das Femininum des Worts für Mann ({{Hebr}}אִישׁ{{Hebr ende}} &#039;&#039;`iš&#039;&#039;). Luther versuchte, dies mit der etwas missverständliche Übersetzung „Mann und Männin“ zu übertragen. So heute noch LUT 17; auch ELB, MEN, NL, PAT, SLT, TAF, TEX, ZÜR 31 (nicht mehr ZÜR 07). Besser B-R und ähnlich BigS, NeÜ: „Die sei gerufen &#039;&#039;Ischa&#039;&#039;, Weib, denn von &#039;&#039;Isch&#039;&#039;, vom Mann, ist die genommen.“&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Wie MT auch Sym, Theod, VUL, TgJ, TgN, Syr. Dagegen SamP, LXX, TgO und Jub 3,6 setzen ein anderes Wortspiel voraus: „Diese soll &#039;&#039;`iššah&#039;&#039; („Frau“) genannt werden, denn von &#039;&#039;`iššahh&#039;&#039; (&#039;&#039;ihrem&#039;&#039; Ehemann‘) wurde sie genommen!“ Ball 1896 hielt das für ursprünglich, Hendel 1998 dagegen hielt es für eine Harmonisierung mit [[Genesis 3#s6 |Gen 3,6]] und BHQ noch sinnvoller für eine Harmonisierung mit V. 24. Das ist wahrscheinlicher: Beide Wortspiele sind stark, aber das in MT ist nicht derart besser als das in SamP, dass Letzteres zu Ersterem korrigiert worden sein sollte. Und natürlich sind „Frau und Mann“ ein viel erwartbareres Paar als „Frau und Ehemann“.&amp;lt;/ref&amp;gt; genannt werden (Zu dieser wird „Frau“ gesagt), &lt;br /&gt;
_Denn vom Mann&amp;lt;ref name=&amp;quot;23&amp;quot; /&amp;gt; wurde genommen diese (wurde sie genommen).“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;diese&#039;&#039; - fein wird das kleine Gedicht gerahmt vom selben Wort (&#039;&#039;zo`t&#039;&#039;, „diese“), mit dem Zeile 1 und Zeile 3 beginnen.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Jedenfalls in MT, SamP und den Tgg. LXX, VUL, Syr und einige MT-MSS haben dieses abschließende &#039;&#039;zo`t&#039;&#039; nicht. Hendel 1998 und BHQ halten es daher für ein explizierendes Plus, das später eingefügt worden sei. Aber eine solche Explikation wäre nach dem &#039;&#039;zo`t&#039;&#039; in Zeile 3 unnötig. Die Frage ist kaum entscheidbar; weder ein Ausfall noch eine Einfügung sind gut erklärlich.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|24}} Daher (darum) [kommt es, dass]&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Daher (darum) [kommt es, dass]&#039;&#039; - W. nur „darum“, hier wie öfter ist dies aber die typische Einleitung einer „ätiologischen Erklärung“, also eines Erzählerkommentars, der aus einer alten Geschichte erklärt, warum heute etwas so ist, wie es ist. Das erklärt auch die Verbform Yiqtol, die hier neben Qatal gebräuchlich ist: W. „Aus diesem Grund &#039;&#039;würde [später]&#039;&#039; geschehen“ (s. ähnlich [[Genesis 10#s9 |Gen 10,9]]; [[Numeri 21#s14 |Num 21,14]].[[Numeri 21#s27|27]]; [[1 Samuel 19#s24 |1 Sam 19,24]]; [[2 Samuel 5#s8 |2 Sam 5,8]]). Dass gerade hier die Yiqtol-Variante gewählt wird, ist klar: Adam und Eva haben ja gar keine leiblichen Eltern; die Ätiologie blickt also vollständig in die Zukunft. Gut übersetzt daher Brichto 1998, S. 75: „Hence it is...“&amp;lt;/ref&amp;gt; verlässt (lässt zurück; wird verlassen) ein Mann seinen Vater und seine Mutter und hängt sich an seine Frau, und (so dass, dann) sie (die beiden)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;sie&#039;&#039; nur im MT. Alle anderen Vrs. dagegen „die beiden“ wie in V. 25. Auch im NT wird der Vers mehrfach so zitiert und auch Philo kannte diese Textvariante. Wegen dieser überwältigenden externen Evidenz hielten dies Ball 1896, S. 73 und BHK für ursprünglich und findet sich diese Variante auch in vielen dt. Üss., aber richtig Hendel 1998, S. 124 und BHQ: Sicher Angleichung an V. 25; ein Ausfall dagegen wäre unerklärlich. – Ein Lehrstück der Textkritik gleich zu Beginn der Bibel: Externe Evidenz heißt sehr wenig für die Wahrscheinlichkeit der Ursprünglichkeit einer Textvariante.&amp;lt;/ref&amp;gt; werden (werden sein) zu einem Fleisch.&amp;lt;ref&amp;gt;Dass &#039;&#039;ein Mann seine Eltern&#039;&#039; verlässt, ist gar nicht der Fall, umgekehrt verlässt im Alten Israel bei einer Heirat &#039;&#039;die Frau&#039;&#039; ihre Eltern. Wahrscheinlich ein Bild, das gleichzeitig damit, dass es überhaupt auf die Institution der Ehe anspielt (dazu s. aber die Anmerkungen), spezieller besagt: So eng die Bindung zwischen einem Menschen und seinen Eltern auch ist – das Eheband, das Menschen miteinander zu einer neuen Familie verbindet, bindet noch enger (So Blum 2010, S. 12; Gertz 2018; Goldingay 2020). Ähnlich schon PRE 34: „&#039;&#039;Bis ein Mann heiratet, richtet seine Liebe sich auf seine Eltern; wenn er heiratet, wird seine Liebe auf seine Ehefrau transferiert.&#039;&#039;“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Mit &#039;&#039;sich hängen an&#039;&#039; und &#039;&#039;ein Fleisch werden&#039;&#039; ist entgegen den Beteuerungen vieler Kommentatoren kein Sex gemeint. Zum „ein Fleisch werden“ vgl. deutlich [[1 Korinther 6#s16 |1 Kor 6,16]]. Besser als die wörtl. Üs. daher BB, GN, HfA: „Sie werden eins mit Leib und Seele“; NL: „sie werden zu einer Einheit“.&amp;lt;br /&amp;gt;„Sich hängen an“ meint in [[Genesis 34#s3 |Gen 34,3]] zwar in der Tat die Liebe zwischen Mann und Frau, aus der dort sogar auch wirklich Geschlechtsverkehr folgt. Primär meint das Wort aber die &#039;&#039;Zusammengehörigkeit&#039;&#039;, s. z.B. [[Numeri 36#s7 |Num 36,7.9]] (Israeliten sollen „an ihrem Land hängen“ = „es nicht fortgeben“); [[Deuteronomium 4#s4 |Dtn 4,4]]; [[Deuteronomium 10s#20 |10,20]]; [[Deuteronomium 11#s22 |11,22]] u.ö. (die häufigste Verwendung: „an Gott hängen“ = „Gott treu verehren“); [[Josua 23#s12 |Jos 23,12]] („Israel soll sich nicht an andere Nationen hängen und sich nicht mit ihnen verschwägern“); [[Rut 1#s14 |Rut 1,14]] (Orpa verlässt ihre Schwiegermutter, Rut aber „hängt sich an sie“ = „bleibt bei ihr“; s. dazu noch [[Rut 1#s16 |Rut 1,16]]) usw. Die meisten dt. Üss. wählen daher „anhangen“, noch treffender aber EÜ 80, HER05, NL: „Er bindet sich an seine Frau“.&amp;lt;br /&amp;gt;Insgesamt daher am sinngemäßesten: „Daher kommt es, dass ein Mann sich von seinen Eltern löst, sich stattdessen an seine Frau bindet und die beiden mit Leib und Seele eins werden.“&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Deuteronomium|10|20}} {{par|Jesus Sirach|19|2}} {{par|Eph|5|31}} {{par|Mk|10|7}} {{par|Mt|19|5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|25}} {und} Beide hatten kein Gewand (waren nackt),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;kein Gewand&#039;&#039; - w. „sie waren nackt“. Komplexes Wortspiel: &#039;&#039;nackt&#039;&#039; ist in Gen 2-3 sonst &#039;&#039;´erum&#039;&#039;, hier aber &#039;&#039;´arum&#039;&#039; und damit gleichlautend mit dem &#039;&#039;´arum&#039;&#039; („gewandt“) im folgenden Vers (→ irreguläre Assonanz), aber &#039;&#039;anders&#039;&#039;-lautend als das „nackt“ in Gen 3,7. Zu diesem Wortspiel s. die Anmerkungen zu Kap. 3. Gen 2,25 gehört damit auch eher zu Gen 3,1-7 als zu Gen 2,18-24 (so z.B. Sarna 2001; Good 2009; Brichto 1998, S. 79); die meisten halten ihn ähnlich für einen „Brückenvers“. Dagegen Arnold 2009 und Willi-Plein 1995, S. 6 wegen der Syntax von Gen 3,1, aber das Waw-X-Qatal dort markiert nur den Subjektwechsel, nicht einen neuen Abschnitt.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Faustregel: Je jünger eine Auslegung, desto stärker ist diese Nacktheit sexualisiert worden. Bis erstens dahin, dass die witzige Vorstellung der christlichen Philosophie hier eingetragen wird, bei Adam und Eva und bei späteren Menschen nach ihrem Tod sei es so (gewesen), dass sie ihre Sexualorgane willentlich bewegen könnten wie unsereiner die Arme oder Beine (ähnlich schon Augustinus, Gottesstaat 14.17: „&#039;&#039;Sie wussten natürlich, dass sie nackt waren, aber sie schämten sich nicht, weil noch keine Begierde ihre Sexualorgane gegen ihre willentliche Entscheidung erregte. Die Zeit war noch nicht gekommen, da die Rebellion des Körpers Zeuge von und Vorwurf gegen die Rebellion des Menschen wider seinen Schöpfer sein würde.&#039;&#039;“), und bis zweitens dahin, dass gesagt werden konnte, Sünde „konzentriere sich in den Sexualorganen“, was der Grund dafür sei, dass Juden beschnitten werden (Or haChaim). Dass mit der Sünde auch die Sexualität in die Welt gekommen sei, sehe man dann daran, dass Adam und Eva sich ab Gen 3,7 eben doch schämen.&amp;lt;br /&amp;gt;Neuere Ausleger weisen demgegenüber regelmäßig darauf hin, dass Nacktheit in der Bibel nie sexuell konnotiert sei, sondern ein Zeichen der Schande: Arme waren nackt, Kriegsgefangene waren nackt etc., aber die Nacktheit von Mann und Frau würde nie problematisiert. Das stimmt so auch nicht; s. [[2 Samuel 6#s20 |2 Sam 6,20]], wo Michal die leichte Bekleidung Davids explizit kritisiert, weil er sich mit ihr „vor den Frauen seiner Untergebenen“ entblößt habe; richtig ist aber dennoch, dass Nacktheit in der Bibel &#039;&#039;primär&#039;&#039; Ausdruck der &#039;&#039;Statuslosigkeit&#039;&#039; und nicht sexuell aufgeladen war. Das wäre angesichts der Kleidungsnormen im Alten Orient auch merkwürdig, s. zu [[Genesis 3#s7 |Gen 3,7]]. Ohnehin kann man sich fragen, ob es denn eigentlich wirklich der Fall ist, dass gerade Ehemann und Ehefrau sich in ihrer Nacktheit voreinander schämen und deshalb ihre Scham voreinander verbergen &#039;&#039;wollen&#039;&#039;, und dass deshalb dieser Zustand hier ätiologisch erklärt werden müsste. Aus b.Schab 9b geht hervor, dass man im Alten Israel sogar das Abendessen ohne Gürtel – d.h.: komplett unbekleidet – einnehmen konnte (Rabbi Chaninah [4. Jhd.]: „Wann beginnt das Abendessen? Wenn man seinen Gürtel geöffnet hat.“); hier gilt dies also sogar noch weniger als in unserer Kultur. Den Sinn erfasst daher wohl richtiger Philo in &#039;&#039;Fragen und Antworten zur Genesis&#039;&#039;: „&#039;&#039;Sie schämten sich zweitens nicht wegen ihrer Arglosigkeit und der Schlichtheit ihrer Sitten und wegen ihrer natürlichen Disposition, zu der noch keinen Hauch von &#039;&#039;Stolz&#039;&#039; gehörte.&#039;&#039;“: Kleidung ist im Alten Orient ein &#039;&#039;Status-Symbol&#039;&#039;, Kleidungslosigkeit heißt Statuslosigkeit, heißt: „Ich stehe niedrig“ – was nach dem Vergehen Adams und Evas ja auch wirklich der Fall war.&amp;lt;/ref&amp;gt; der Erdling (Mensch) und seine Frau, aber (und) sie mussten sich nicht voreinander schämen (pflegten nicht, einander zu beschämen).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;sich voreinander schämen müssen (einander zu beschämen pflegen)&#039;&#039; - Hitpolel. Hitpolel als Variante des Hitpael macht i.d.R. ein Verb reflexiv („&#039;&#039;sich&#039;&#039; schämen“) oder reziprok („&#039;&#039;einander&#039;&#039; beschämen“). Bei &#039;&#039;boš&#039;&#039; ist schon der Qal reflexiv; Funktion kann daher hier nur Reziprozität sein. Basis der Verb-Transformation könnte sowohl das Qal („sich schämen“) als auch ein in dieser Bed. nicht belegter Polel („jmdn beschämen“) sein, daher die beiden Übersetzungsalternativen. Letztere halten Gertz 2018; Sasson 1985 und Hartenstein 2005, S. 286 für richtig. Grammatisch ist das gut möglich, aber idiomatisch für „jmdn beschämen“ ist das häufige &#039;&#039;kalam&#039;&#039; Hifil (z.B. [[Sprichwörter 28#s7 |Spr 28,7]]), weshalb ja auch der Polel von &#039;&#039;boš&#039;&#039; in dieser Bed. gar nicht belegt ist, der stattdessen die Sonder-Bed. „sich verzögern“ angenommen hat.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit &#039;&#039;&#039;Gen 2,2-3&#039;&#039;&#039; endet der Schöpfungsbericht; mit &#039;&#039;&#039;Gen 2,4&#039;&#039;&#039; beginnt ein neuer Abschnitt. Das zeigt schon ein kurzer Blick auf die Struktur: Der Abschluss in Gen 2,2-3 ist offensichtlich:&lt;br /&gt;
: (a) &#039;&#039;Gott erklärte als vollendet am sechsten Tag&#039;&#039; (b1) &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;sein Werk&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;, (b2) &#039;&#039;das &#039;&#039;&#039;er gemacht&#039;&#039;&#039; hatte,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
: (a&#039;) &#039;&#039;und ruhte sich am siebten Tag aus&#039;&#039; (b1&#039;) &#039;&#039;von &#039;&#039;&#039;seinem ganzen Werk&#039;&#039;&#039;,&#039;&#039; (b2&#039;) &#039;&#039;das &#039;&#039;&#039;er gemacht&#039;&#039;&#039; hatte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
: (a&amp;lt;nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) &#039;&#039;Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn für heilig, da er an ihm ausgeruht hatte&#039;&#039; (b1&amp;lt;nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) &#039;&#039;von &#039;&#039;&#039;seinem ganzen Werk&#039;&#039;&#039;,&#039;&#039; (b2&amp;lt;nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) &#039;&#039;das Gott &#039;&#039;&#039;machend&#039;&#039;&#039; geschaffen hatte.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Gen 2,2-3 wird von manchen Ausleger:innen für einen Bericht über den „siebten Schöpfungstag“, an dem Gott nach dem Menschen nicht den &#039;&#039;Menschen&#039;&#039;, sondern &#039;&#039;den Sabbat&#039;&#039; als die „Krone der Schöpfung“ geschaffen habe. Dass hier nebenbei erklärt wird, woher der Sabbat kommt, ist offensichtlich. Dass dieser Sabbat das siebte Schöpfungswerk wäre, liegt aber nicht sehr nahe, weil V. 7 auch unabhängig davon, dass die üblichen Strukturelemente der ersten sechs Schöpfungstage in Gen 1 fehlen und dass in Gen 2,1 explizit gesagt wird, dass mit Gen 1,31 die Welt „vollendet“ ist, die Rede vom sechsten und vom siebten Tag jeweils nur Einleitung dieses Sprachspiels ist, auf dem hier klar der Fokus liegt: Gott hat sein Werk getan, getan, getan – und ist nun fertig.&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;Mit „&#039;&#039;das Gott machend geschaffen hatte&#039;&#039;“, heb. &#039;&#039;`ašer-&#039;&#039;&#039;bara`  `elohim&#039;&#039;&#039; la´aßot&#039;&#039; wird noch einmal die Brücke geschlagen zu Gen 1,1: Das zweitletzte und drittletzte Wort ist das selbe wie das zweite und dritte dort: &#039;&#039;berešit &#039;&#039;&#039;bara` `elohim&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass mit Gen 2,4 ein neuer Abschnitt beginnt, kann man nach diesen beiden Struktur-Spielen also kaum bezweifeln, und Gen 2,4 legt mit einem deutlichen Chiasmus sogar noch ein drittes dazu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Dies sind die Nachkommen von&#039;&#039; (a) &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Himmel&#039;&#039;&#039; und&#039;&#039; (b) &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Erde&#039;&#039;&#039;, als sie&#039;&#039; (c) &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;geschaffen&#039;&#039;&#039; wurden:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Als JHWH-Gott&#039;&#039; (c&#039;) &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;machte&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; (b&#039;) &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Erde&#039;&#039;&#039; und&#039;&#039; (a&#039;) &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Himmel&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit beginnt der Abschnitt &#039;&#039;&#039;Gen 2,4-3,24&#039;&#039;&#039;, den man oft einen „zweiten Schöpfungsbericht“ nach Gen 1,1-2,3 nennt. Dass es &#039;&#039;zwei&#039;&#039; Schöpfungserzählungen gegeben haben soll, wäre auch gar nicht verwunderlich: Uns sind auch jeweils mehrere sumerische, babylonische und akkadische Schöpfungserzählungen überliefert und tatsächlich finden sich  auch in der Bibel noch eine Reihe weiterer Schöpfungsberichte: [[Psalm 104 |Ps 104]] besingt in Lied-Form die Schöpfung der Welt, in [[Sprichwörter 8#s22 |Spr 8,22-31]] schildert die Weisheit die Weltschöpfung aus ihrer Perspektive und in [[Jesus Sirach 42#s15 |Sir 42,15-43,33]] buchstabiert Jesus Sirach preisend die einzelnen Schöpfungswerke durch. Entsprechend ist häufig und viel darüber nachgedacht worden, worin diese beiden Schöpfungsberichte sich entsprechen und worin sie sich unterscheiden.&amp;lt;br /&amp;gt;Tatsächlich liegt der Fokus von Gen 2-3 aber gar nicht auf der Schöpfung. Nach der Überschrift Gen 2,4a beginnt Gen 2,4-3,24 strukturell sehr ähnlich wie Gen 1,1-2,3:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! !! Gen 1,1-2,3 !! Gen 2,4b-3,24&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;&#039;Zeitlicher Vordersatz&#039;&#039;&#039; || &#039;&#039;Am Anfang [davon, dass]&amp;lt;br /&amp;gt;Gott schuf Himmel und Erde,&#039;&#039; || &#039;&#039;Am Tag, [an dem]&amp;lt;br /&amp;gt;JHWH-Gott machte Erde und Himmel,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;&#039;Hauptsatz: Überschwemmung statt Erde&#039;&#039;&#039; || &#039;&#039;war die Erde nichts und nichts: Dunkelheit war über der Oberfläche der Tiefe und ein Wind Gottes stürmte über der Oberfläche des Wassers.&#039;&#039; || &#039;&#039;war alles Unkraut des Feldes noch nicht auf der Erde und wuchsen alle Nutzpflanzen des Feldes noch nicht, weil JHWH-Gott es nicht regnen ließ über der Erde und es keinen Erdling gab, um den Erdboden zu bestellen, aber Sturzflut aus der Erde emporzusteigen pflegte und die ganze Ob{erfläche des Erdbodens zu ertränken pflegte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;&#039;Beginn der Schöpfung&#039;&#039;&#039; || &#039;&#039;Da sprach Gott ...&#039;&#039; || &#039;&#039;Da formte Gott ...&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dieser Schöpfung selbst wird aber nur in wenigen der darauf folgenden Verse berichtet: (a) Der Mann wird in &#039;&#039;&#039;V. 7&#039;&#039;&#039; erschaffen, (b) der Garten (in) Eden (c) und die Bäume des Gartens in &#039;&#039;&#039;Vv. 8f.&#039;&#039;&#039;, (d) die Tiere in &#039;&#039;&#039;Vv. 18-19&#039;&#039;&#039; (e) und die Frau in &#039;&#039;&#039;Vv. 21-22&#039;&#039;&#039;. Alles andere, was in den oben erwähnten Schöpfungstexten sonst erwähnt wird, ist hier ausgespart – was hier geschaffen wird, ist nur das „Dramatis Personae“ von Gen 3, wo (d&#039;) ein Tier (e&#039;) die Frau dazu verführt, (c&#039;) von einem Baum des Gartens zu essen, diese wiederum (a&#039;) den Mann zum Selben verführt und danach beide (b&#039;) aus dem Garten vertrieben werden. Das ist entscheidend für das Verständnis von Gen 2-3: Die beiden Kapitel sind nicht wirklich eine zweite Schöpfungserzählung nach der ersten, sondern hauptsächlich eine &#039;&#039;&#039;Erzählung über die Vertreibung aus dem Garten Gottes&#039;&#039;&#039;. In diesem Licht müssen dann die einzelnen Verse von Gen 2-3 verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Das heißt auch, dass Gen 1-2,3 und Gen 2,4-3,24 einander gar nicht notwendig widersprechen müssen. Dass die beiden Texte von unterschiedlichen Autoren stammen, ist fast sicher. Davon unabhängig ist es aber möglich, die beiden Erzählungen miteinander zu harmonisieren: In der Auslegung der Alten hat man Gen 2 stets so verstanden, dass „der Autor Mose“ nach der Zusammenfassung der ganzen Schöpfung noch einmal spezieller auf den dritten Tag (Schöpfung der Erde und der Pflanzen) und den fünften und sechsten Tag (Schöpfung der Tiere und des Menschen) eingehen wollte. Geht man hiervon aus, ist der einzige große Unterschied noch der Zeitpunkt der Menschen-Schöpfung: Am Ende in Gen 1, am Anfang dagegen in Gen 2. Versteht man die Menschen-Schöpfung in Gen 2 dann aber noch mit Brichto 1998, S. 76 so, dass sie richtig ja erst abgeschlossen sei mit der Schöpfung der Frau, wonach der Mensch auch erst „männlich und weiblich“ ([[Genesis 1#s27 |Gen 1,27]]) geschaffen sei, muss auch dies kein Widerspruch mehr sein. Das eröffnet dann auch die Möglichkeit, dass die eine Erzählung auf die andere hin geschrieben sein könnte und beide sich so gegenseitig erhellen können – in der neuesten Bibelauslegung beginnt man aber gerade erst wieder, diese Möglichkeit auszuforschen.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|2,4b-6}}&#039;&#039;&#039;2,4b-6&#039;&#039;&#039; schildern dabei zunächst eine &#039;&#039;defiziente&#039;&#039; Schöpfung: Himmel und Erde gibt es bereits; auf der Erde wachsen aber noch keine Pflanzen: Dafür braucht es den Erdling (heb. &#039;&#039;`adam&#039;&#039;), der den Erdboden (&#039;&#039;`adamah&#039;&#039;) bestellt (Vv. 5), und den Gott daher in &#039;&#039;&#039;V. 7&#039;&#039;&#039; auch „&#039;&#039;aus&#039;&#039; Staub vom Erdboden“ &#039;&#039;herstellt&#039;&#039;. Mensch und Erde danach also Symbionten; der eine braucht den anderen, um seinen Zweck zu erfüllen.&amp;lt;br /&amp;gt;Die Verse greifen dabei ein häufiges Motiv aus altorientalischen Mythen auf: Der Mensch ist das Arbeitstier von Göttern, das sich an ihrer Statt um die Erde zu sorgen hat (s. zu V. 6). Entgegen einer verbreiteten Vorstellung ist der Garten in Eden auch nicht ein Schlaraffenland, in dem der Mensch nicht zu arbeiten braucht, weil Gott bereits alle Bäume wachsen lassen hat, die dem Menschen Nahrung spenden (V. 9), sondern &#039;&#039;&#039;V. 15&#039;&#039;&#039; sagt es explizit: Der Garten Eden ist natürlich ein Lustgarten (&#039;&#039;´eden&#039;&#039;: „Lust, Luxus“) – aber ein Lustgarten &#039;&#039;Gottes&#039;&#039;. Dem &#039;&#039;Menschen&#039;&#039; bestimmt Gott den Garten zur Wohnung, damit dieser dort als Feldarbeiter tätig wird und „im Garten dient“ oder gar „dem Garten dient“. Wenn Gott den Menschen in [[Genesis 3#s23 |Gen 3,23]] aus dem Garten verbannt, damit er „den Erdboden bestellt, von dem er genommen worden war“, ist &#039;&#039;dies&#039;&#039; also keine Strafe, sondern nur Fortsetzung dessen, was der Mensch von Anfang an tun sollte und tat. Verflucht wird dort ja ohnehin nicht der Mann zur Arbeit, sondern der Erdboden; nämlich dergestalt, dass diese Arbeit fortan &#039;&#039;mühseliger&#039;&#039; vonstatten gehen werde ([[Genesis 3#s17 |Gen 3,17f.]]). Insgesamt also: „Die Erde wird nicht zum Nutzen des Menschen geschaffen: Menschen werden geschaffen zum Nutzen der Erde...“ (Habel 2011, S. 49).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das ist wichtig: Sieht man das nicht, hat man keine Wahl, als den Abschnitt {{Anker|18-25}}&#039;&#039;&#039;Vv. 18-25&#039;&#039;&#039; so zu verstehen, dass „das helfende Gegenüber“ des Mannes ihm &#039;&#039;dabei&#039;&#039; helfen soll, „nicht allein zu sein“ – ein anderer Mangel, dem mit einem „helfenden Gegenüber“ Abhilfe geschaffen werden soll, würde dann ja nicht erwähnt. Wonach die Frau wesensmäßig „Gespielin“ des Mannes wäre (Luther: „eine Gehilfin, die um ihn sei“). Oder – noch unschöner – wie z.B. bei [https://isidore.co/aquinas/summa/FP/FP092.html#FPQ92OUTP1 Thomas von Aquin, Summa Theologiae Ia 92 1]:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Meine Antwort: Es war notwendig, dass die Frau – wie die Bibel sagt – zur „Hilfe“ für den Mann geschaffen wurde. Nicht zur Hilfe bei irgendwelchen Arbeiten, wie manche sagen, denn dabei können andere Männer dem Mann ja wesentlich effektiver helfen, sondern zur Hilfe bei der Fortpflanzung. [...] Bei perfekten Tieren kommt nämlich dem Mann die aktive Rolle bei der Fortpflanzung zu, der Frau dagegen die passive [und insofern ist sie „Helferin“].&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viel sinnvoller Greenstein 2002, S. 235f.:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Die meisten Ausleger verstehen den Satz „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist“ so, dass er sich auf das menschliche Geschöpf bezieht; das heißt: Es ist nicht gut &#039;&#039;für den Menschen&#039;&#039;, dass er allein ist. Das hat man dann entweder so verstanden, dass der Mensch sonst einsam wäre oder dass der Mensch allein bliebe, wenn er keinen Geschlechtspartner hätte, mit dem er sich fortpflanzen könnte. Es bietet sich aber noch eine weitere Auslegung an [...]: Es ist nicht gut &#039;&#039;für Gott&#039;&#039;, dass der Mensch allein ist. [...] Der zweite Mensch wurde geschaffen, um dem ersten Menschen dabei zu helfen, &#039;&#039;Gottes Arbeit zu tun. (Hervorhebung und Übersetzung: OfBi).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Greenstein verweist dann noch auf die tatsächlich offensichtlichen Parallelen zum „es ist nicht gut, dass der Erdling allein ist[, &#039;&#039;weil er seine Arbeit sonst nicht schafft&#039;&#039;]“ in [[Exodus 18#s17 |Ex 18,17f.]]; [[Numeri 11#s14 |Num 11,14-17]]; [[Deuteronomium 1#s9 |Dtn 1,9.12]].&amp;lt;br /&amp;gt;Vorausgesetzt ist hier also die Situation des vorhellenistischen Israel, in der der Mann und die Frau(en) eines Haushalts eine „Werk-Gemeinschaft“ bildeten und Frauen selbstverständlich auch bei der Feldarbeit mitwirkten (vgl. dazu z.B. auch Marsman 2003, S. 160f.; Ebeling 2016). Man denke nur an [[Rut 2#s8 |Rut 2,8f.]] (s. auch die Anmerkungen dort), wo bei der Ernte Männer als Schnitter und Frauen als Garbenbinderinnen (und Nachleserinnen) arbeiteten, oder an Simsons Mutter in [[Richter 13#s9 |Ri 13,9]], die gerade ohne ihren Mann auf dem Feld ist, als ihr der Gottesbote begegnet.&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;Danach wäre es auch nicht so (wie der Abschnitt z.B. in der traditionellen christlichen Exegese immer noch oft aufgefasst wird), dass hier Frau und Mann zur zweigeschlechtlichen Zwei-Personen-Ehe berufen würden, sondern Vv. 18-25 sind eine &#039;&#039;Ätiologie&#039;&#039; (und damit ohnehin keine „Vorschrift“) der Ehe &#039;&#039;als der für die Gesellschaft des Alten Israel fundamentalen Arbeitsgemeinschaft&#039;&#039;, die also erklärt, wie es dazu kam, dass Menschen sich überhaupt zusammentun: Weil sie Mitmenschen brauchen, um den Sinn ihres Lebens verwirklichen zu können. Dass mit Gen 2,24 nicht die Zwei-Personen-Ehe in die Schöpfung eingestiftet wird, ist ohnehin klar, weil der kulturelle Kontext, in dem Gen 2-3 geschrieben wurden, die &#039;&#039;Polygamie&#039;&#039; ist, die noch bis in die ersten Jahrhunderte nach der Zeitenwende gebräuchlich blieb. Und dass er keine Vorschrift einer Ehe zwischen Mann und Frau ist, ist auch unabhängig von der Gattung des Textes ebenso klar, weil in Gen 2 ja gar nicht &#039;&#039;Gott&#039;&#039; die Frau zum „passenden“ Gegenüber des Manns erklärt, sondern &#039;&#039;der Mensch&#039;&#039; (V. 23) – nachdem ihm zuvor Gott als potentiellen Partner jegliches Tier vorgestellt hat.&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;Am Ende hat der Mensch also zwei Gegenüber: Der &#039;&#039;`adam&#039;&#039; wurde aus &#039;&#039;`adamah&#039;&#039; geschaffen, um dieser &#039;&#039;`adamah&#039;&#039; „zu dienen“, und zu diesem Zweck braucht ein &#039;&#039;`iš&#039;&#039; eine &#039;&#039;`iššah&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vv. 10-14&#039;&#039;&#039; nennt man die „Paradies-Geographie“. Die meisten Ausleger halten sie für eine spätere Einfügung, mit der ein Schreiber aus irgendeinem Grund gezeigt haben soll, dass er über „Listen-Weisheit“ verfügt. Besser versteht man die Verse von Vv. 8.15 her: Sie sollen erklären, dass und wie die „begehrenswert anzusehenden und gut zu essenden Bäume“ des Gartens (V. 9) dort auch nach der Vertreibung von Gottes Ackerknecht noch wachsen können: Aus dem Garten entspringt nun ein Strom, der so mächtig ist, dass sich aus ihm sogar Euphrat, Tigris und noch weitere Flüsse speisen. Dieser gigantische Strom macht es also entweder überflüssig, dass der Mensch den Garten bewässert, indem er Grundwasser nach oben pumpt, oder er bringt mit sich, dass die Sturzfluten abfließen können, die zuvor den Garten überschwemmt haben (s. zur Übersetzungsproblematik von V. 6). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich &#039;&#039;&#039;Vv. 9bc.16f.&#039;&#039;&#039; mit ihrer Rede von den beiden besonderen Bäumen in der Mitte des Gartens bereiten wie auch &#039;&#039;&#039;V. 25&#039;&#039;&#039; hauptsächlich Kapitel 3 vor; s. daher die Anmerkungen dort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Genesis_2&amp;diff=40228</id>
		<title>Genesis 2</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Genesis_2&amp;diff=40228"/>
		<updated>2025-10-30T20:47:46Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Syntax&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Zuverlässige Studienfassung}}&lt;br /&gt;
{{Lesefassung kann erstellt werden}}&lt;br /&gt;
{{Lesefassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{L|1}} Die Welt und alles darauf war vollendet, {{L|2}} und so erklärte Gott am siebten Tag sein Werk als vollbracht. Am siebten Tag ruhte er sich aus von diesem Werk. {{L|3}} Und weil er an diesem Tag geruht hatte von dem Werk, an dem er gearbeitet hatte, erklärte er den siebten Tag für heilig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{L|4}}&lt;br /&gt;
{{L|5}}&lt;br /&gt;
{{L|6}}&lt;br /&gt;
{{L|7}}&lt;br /&gt;
{{L|8}}&lt;br /&gt;
{{L|9}}&lt;br /&gt;
{{L|10}}&lt;br /&gt;
{{L|11}}&lt;br /&gt;
{{L|12}}&lt;br /&gt;
{{L|13}}&lt;br /&gt;
{{L|14}}&lt;br /&gt;
{{L|15}}&lt;br /&gt;
{{L|16}}&lt;br /&gt;
{{L|17}}&lt;br /&gt;
{{L|18}}&lt;br /&gt;
{{L|19}}&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|1}} (So)&amp;lt;ref&amp;gt;Nach Zenger 1983, S. 67 (der hier Steck folgt) ist V. 1 nicht Einleitung von Gen 2,2-3, sondern rückblickende Unterschrift von Gen 1,1-31. Das ist aber sehr unwahrscheinlich, da V. 1 durch die wiederholte Verwendung des Wortes {{hebr}}כלה{{hebr ende}} „vollenden“ viel zu sehr mit den folgenden Versen zusammenhängt, als dass man es ohne schwerwiegende Indizien aus diesem Zusammenhang herausreißen dürfte.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Vollendet war (wurde) die Welt (Himmel und Erde)&amp;lt;ref&amp;gt;Der Merismus „Himmel und Erde“ ist der im Hebräischen übliche Ausdruck für den Kosmos/das Universum; vgl. [http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=Genesis_1#note_c Fußnote c] zu Gen 1,1.&amp;lt;/ref&amp;gt; und ihr ganzes Heer (alles darauf und darin),&amp;lt;ref&amp;gt;Das „Heer des Himmels“ sind nach [[Jesaja 40#s26 |Jes 40,26]] die Sterne; entsprechend wird das „Heer von Himmel und Erde“ alles bezeichnen, was sich im Himmel und auf der Erde befindet (vgl. Scharbert 1990, S. 47). Äquivalente Formeln existieren im Assyrischen und Babylonischen, die in etwa das selbe bezeichnen (so z.B. schon Delitzsch 1887, S. 69).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|2}} Darum (und)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Waw&#039;&#039; kann auch eine Folgerung einleiten; vgl. Lexikon / [http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=%D7%95%D6%B0 Lemma {{hebr}}וְ{{hebr ende}}]&amp;lt;/ref&amp;gt; erklärte (erachtete) als vollendet (vollendete)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;erklärte als vollendet (vollendete, erachtete als vollendet)&#039;&#039; - Der folgende Text zeigt deutlich, dass Gott am siebten Tag eben nicht mehr an der Welt arbeitet; das Piel ist daher wohl am besten z.B. mit König und Heidel 1964, S. 127 als deklaratives – vielleicht auch ästimatives – Piel zu deuten. Aber s. noch nächste FN.&amp;lt;/ref&amp;gt;Gott am sechsten (siebten) Tag&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;sechsten (siebten)&#039;&#039; - VUL und Tg stützen MT. Sam, LXX, Syr, die gr. Torah v. Ptolemäus Philadelphus, Jub 2,16 und BerR aber lesen „am sechsten Tag“. Meist wird davon ausgegangen, dass es sich hier um eine theologische Korrektur handle, damit nicht der Eindruck entstünde, Gott habe auch am Sabbat noch gearbeitet (so z.B. Westermann, Soggin, s. auch BHQ). Für ursprünglich halten diese sehr stark bezeugte Variante aber z.B. Ball und Hendel 1998, S. 122, und richtig Ball (1896, S. 73): „{{hebr}}ויכל{{hebr ende}} [„vollenden“] is not the same as {{hebr}}ויכל מן{{hebr ende}} [„aufhören“], but means &#039;&#039;finished, completed&#039;&#039;, as is clear from v. 1 [dazu s. aber vorige FN. Richtig dann aber:] Besides, there is an intentional antithesis between {{hebr}}ביום הששי{{hebr ende}} [„sechster Tag“] and {{hebr}}ביום השביעי{{hebr ende}} [„siebter Tag“]. Else why not {{hebr}}וישבת בו{{hebr ende}} [„und er ruhte an ihm“] in the second clause (&#039;&#039;cf.&#039;&#039; v. 3)?“&amp;lt;/ref&amp;gt; sein Werk (seine Arbeit), das er gemacht hatte; und er ruhte (hörte auf, feierte, arbeitete nicht)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;ruhte (hörte auf, feierte, arbeitete&#039;&#039; - Mit dem Verb {{hebr}}שבת{{hebr ende}} (&#039;&#039;schabat&#039;&#039;) wird häufig die konstitutive Tätigkeit bezeichnet, die man am Sabbat ausführt, beide Wörter klingen fast identisch, vielleicht hängen sie außerdem etymologisch zusammen. Zusammen mit der Nennung des „siebten Tages“ ({{hebr}}יוֹם שְבִיעִי{{hebr ende}} &#039;&#039;jom schbi´i&#039;&#039;) muss sich einem hebräischen Hörer ganz notwendig die Assoziation des Sabbats aufdrängen (so z.B. richtig Scharbert). Dennoch wollen neuerdings einige Exegeten merkwürdigerweise den Bezug der Verse 1-3 zum Sabbat in Abrede stellen. Das ist entschieden abzulehnen; hier einen engen Zusammenhang mit dem Sabbat zu verneinen ist, als würde man einem deutschen Text, in dem es heißt, jemand würde „am siebten Tag der Woche sonntagen“ den Bezug zum Sonntag absprechen. Dass gerade dem Gott JHWH, der nach dem Talmud (b.Ber 6a.7a) Sabbats sogar Tephilin trägt, der Sabbat verwehrt sein sollte, ist durchaus nicht einzusehen. Vgl. ebenso Cole 2003.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Jede der obigen Übersetzungsalternativen ist in der Forschung mehrfach vertreten worden; wir haben uns nur deshalb für „ruhen“ entschieden, da das Ruhen des Schöpfergottes nach Vollendung der Schöpfung ein verbreitetes Motiv in altorientalischen Schöpfungsmythen ist (vgl. z.B. Atwell 2000, S. 445).&amp;lt;/ref&amp;gt; am siebten Tag von seinem ganzen Werk (seiner ganzen Arbeit), das er gemacht hatte.&lt;br /&gt;
{{S|3}} Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn für heilig (heiligte ihn),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;erklärte ihn für heilig (heiligte ihn)&#039;&#039; - Auch hier ist entweder die faktitive oder die deklarative Piel-Deutung möglich. Da hier aber offensichtlich eine Ätiologie (Ursprungsmythos) des Sabbats vorliegt, der seinen Lesern erklären will, &#039;&#039;warum&#039;&#039; der Sabbat heilig ist, liegt vielleicht auch hier die deklarative Deutung näher.&amp;lt;/ref&amp;gt; da er an ihm von seinem ganzen Werk (all seiner Arbeit), das er arbeitend (indem er es gemacht hatte)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;arbeitend (indem er es gemacht hatte)&#039;&#039; - Auf den Ausdruck {{hebr}}אֲשֶׁר-בָּרָא אֱלֹהִים לַעֲשׂוֹת{{hebr ende}} (wörtl.: „[das Werk], das Gott geschaffen hatte, indem er es gemacht hatte“) wird selten eingegangen; die sehr unterschiedlichen Übersetzungen zeigen aber, wie schwierig er ist (Bspp.: Delitzsch: „das er schöpferisch ausgeführt hatte“, König: „das Gott geschaffen hatte, indem er (es) machte“, Soggin: „das Gott durch sein Wirken geschaffen hatte“. Zenger, BigS und Kirchentagsübersetzung sogar „das Gott geschaffen hat, um zu machen“, was immer das heißen soll). Viele Übersetzungen streichen daher entweder eines der Verben (z.B. ALTER: „that He had done“) oder formulieren komplett um (z.B. EÜ: „nachdem er das ganze Werk der Schöpfung vollendet hatte“).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
So rätselhaft ist der Versteil aber wohl gar nicht: „denn an ihm hatte er geruht“ berichtet von Gottes Ruhen, „von seinem Werk, dass er geschaffen hatte, indem er es machte“ blickt dagegen zurück auf die diesem Ruhen entgegengesetzte erste Arbeitswoche Gottes. Das „indem er es gemacht hatte“ unterstreicht dabei nur noch zusätzlich diesen Gegensatz, indem sie einen weiteren „Arbeits“-Begriff darauf-häuft. Wir haben versucht, dies durch die Umformulierung „arbeitend geschaffen“ ausdrücklich zu machen.&amp;lt;/ref&amp;gt; geschaffen hatte, geruht hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Qatal ist hier wegen des rückblickenden Charakters der Textsorte „Ätiologie“ sehr sicher plusquamperfektisch zu übersetzen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Die Aufteilung der Bibel in Kapitel wurde erst im 14. Jh. von der Vulgata übernommen und in den hebräischen Text eingefügt. Im Falle von Gen 1-2 ist man sich in der Exegese einig, dass hier die Kapitelaufteilung nicht die Struktur des hebräischen Textes trifft. Uneinigkeit allerdings besteht darin, ob der Text stattdessen richtiger zwischen Gen 2,3 und Gen 2,4, zwischen Gen 2,4a und Gen 2,4b oder zwischen Gen 2,4 und Gen 2,5 (diese letzte Variante haben wir bisher nur bei Collins 1999 und bei Delitzsch 1887 entdeckt) anzusetzen wäre.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Klares Indiz dabei ist der Einsatz von Gen 2,4 mit der sog. &#039;&#039;Toledot&#039;&#039;-Formel „Dies ist die Geschichte“, die sonst in der sog. „Priesterschrift“ noch weitere 10 Male vorkommt und bis auf [[Genesis 36#s9 |Gen 36,9]] stets als Überschrift fungiert. Wenn keine starken Argumente für eine andere Aufteilung vorgebracht werden - und derart schlagende Argumente haben wir bisher nirgends entdecken können - muss daher auch hier Kap. 1 mit Gen 2,3 enden und Gen 2,4 das nächste Kapitel einleiten; so z.B. auch Bandstra 2008; Junker 1953; König 1919; Lode 2002; NET; Wenham 1987. Dafür spricht außerdem, dass der MT nach Gen 2,3 den Sektionsmarker &#039;&#039;Petucha&#039;&#039; hat, nach Gen 2,4a und Gen 2,4b dagegen nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|4}} {Dies [sind]} &#039;&#039;&#039;Die Nachkommen (Erzeugnisse; [ist] die Geschichte?; [ist] das Buch der Nachkommen?)&#039;&#039;&#039;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Nachkommen&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;Nachkommen&#039;&#039; (V. 4) + &#039;&#039;Hauch des Lebens&#039;&#039; (V. 7) - In V. 4 steht die selbe Überschrift wie in [[Genesis 6#s9 |Gen 6,9]]; [[Genesis 10#s1 |10,1]]; [[Genesis 11#s10 |11,10]].[[Genesis 11#s27 |27]]: &#039;&#039;toledot&#039;&#039; von X. Weil die meisten neueren Exegeten denken, in Gen 2-3 ginge es hauptsächlich um den Menschen, erwägenswert und sinnvoll Fischer 2018 und Carr 2021: Bei den anderen vier Stellen wird damit die Aufzählung der / Erzählung über die &#039;&#039;Nachkommen&#039;&#039; von X eingeleitet; entsprechend erscheint also hier der Mensch als „Nachkomme“ von Himmel und Erde.&amp;lt;br /&amp;gt;Wie der Mensch „Nachkomme“ der Erde sein soll, ist in 7a auch offensichtlich. Wie er gleichzeitig Nachkomme des Himmels sein soll, allerdings weniger. Möglich wäre dies: In [[Kohelet 12#s7 |Pred 12,7]] zerfällt der Mensch wieder in seine Bestandteile: Es wird „&#039;&#039;zurückkehren der Staub zur Erde, wie er gewesen ist / und der Atem/Hauch/Wind wird zurückkehren zu Gott, der ihn gegeben hat.&#039;&#039;“ Damit wird ein in hellenistischen Texten häufiges Motiv verdichtet; vgl. [[Jesus Sirach 40#s11 |Sir 40,11]]: „&#039;&#039;Alles, was von der Erde kam, kehrt zur Erde zurück, und was aus der Höhe kam, in die Höhe&#039;&#039;“; Epicharmus: „&#039;&#039;[Der Mensch] löste sich wieder auf: Die Erde zur Erde, der Geist nach oben&#039;&#039;“; Lukrez: „&#039;&#039;So steigt alles auf, so kehrt alles zurück: Erde nimmt, was Erde gab, und zurück zum Himmel steigt wieder auf der ätherische Himmelstau, der herunterfiel.&#039;&#039;“ (gr. Parallelen bei Ginsburg 1861, S. 468). Kann man schon hier erste Spuren der Vorstellung annehmen, der „Atem“/„Hauch“/„Wind“ sei dasjenige, was dem Menschen &#039;&#039;aus der Höhe&#039;&#039; zugeeignet wurde? Vgl. noch [[Ijob 34#s14 |Ijob 34,14]]; [[Psalm 104#s29 |Ps 104,29]]; [[Psalm 146#s4 |146,4]]; [[Kohelet 3#s21 |Pred 3,21]]. S. auch im Midrasch: „&#039;&#039;[Die Stelle] lehrt, dass [der Mensch ursprünglich] als leblose Masse geschaffen wurde, die von der Erde bis in den Himmel ragte, von wo ihm dann der Hauch verliehen wurde.&#039;&#039;“&amp;lt;br /&amp;gt;Alternativ wie z.B. Ramban und Sforno: „Nachkommen von Himmel und Erde“ sind nicht nur die Menschen, sondern alle Lebewesen, die ihr Dasein der Erde und dem Regen verdanken. Auch das ist nicht unproblematisch: der Regen erscheint zwar häufiger als Frucht des Himmels, Gen 2-3 gehen aber ja explizit noch von einer Situation aus, in der es noch &#039;&#039;nicht&#039;&#039; regnet (s. V. 5).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Die meisten alten Vrs. wie MT. LXX aber wie in [[Genesis 5#s1 |Gen 5,1]]: „Dies ist das Buch der Nachkommen“. Auch Philo kannte diese Variante. Und auch TgN übersetzt hier wie dort: „Dies ist die Genealogie der Nachkommen“. Zu TgN vgl. aber McNamara 1992, S. 56: TgN hat noch häufiger die Kurzform der Überschrift „Dies sind die Nachkommen“ mit der Langform „Dies ist die Genealogie der Nachkommen“ übersetzt; textkritisch relevant ist das eher nicht; es wäre dann nur ein Zufall, dass TgN hier mit LXX zusammenstimmt. Ball 1896 hielt die Variante von LXX, TgN und Philo noch für ursprünglich, wahrscheinlicher richtig aber Hendel 1998 und BHQ: Assimilation an Gen 5,1, die nächste Stelle, in der diese Überschrift kommt.&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&#039;von Himmel und Erde (des Landes), als sie geschaffen&#039;&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Gen 2,4.png|mini|rechts|Gen 2,4 in [https://digitalcollections.jtsa.edu/islandora/object/jts%3A267103#page/30/mode/1up JTS L44a]]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;geschaffen&#039;&#039; - Eines von je nach Handschrift etwa 100 Wörtern in der hebräischen Bibel, in denen ein Buchstabe abnorm geschrieben wird. In diesem Fall ist das &#039;&#039;He&#039;&#039; in &#039;&#039;be&#039;&#039;&#039;h&#039;&#039;&#039;ibbar`am&#039;&#039; („bei ihrem Geschaffen-werden“) kleiner als die anderen Buchstaben. In vielen der ältesten Handschriften ist das nicht so und auch hier sieht man deutlich, dass das kleiner geschriebene He eine (mit anderer Tinte geschriebene) nachträgliche Korrektur ist. Dennoch hat Ball 1896 auf dieser Basis erwogen, ob statt &#039;&#039;bhbr`m&#039;&#039; nicht vielleicht &#039;&#039;bbr`m&#039;&#039; („als er sie schuf“) ursprünglich sei; BHK und BHS hielten das sogar für wahrscheinlich. Die Bedeutung dieser kleiner geschriebenen Buchstaben ist aber nicht klar; alternativ denkt z.B. Eisenstein in [https://www.jewishencyclopedia.com/articles/13809-small-and-large-letters EncJud XI 411f.], mit ihnen solle darauf hingewiesen werden, dass der jeweilige Buchstabe Gegenstand einer Auslegung in Talmud, Midrasch etc. sei. So auch schon Rabbi Culi im Me&#039;am Lo&#039;ez. Hier gibt es in der Tat sogar gleich zwei solcher Auslegungen: &#039;&#039;Man lese nicht &#039;&#039;bhbr`m&#039;&#039; („bei ihrem Geschaffen-werden“), sondern &#039;&#039;bh br`m&#039;&#039; („er erschuf sie mit einem He“). Warum wurde die Welt mit einem He geschaffen?&#039;&#039;. (b.Men 29b). (1) &#039;&#039;Bei allen Buchstaben macht es Mühe, sie auszusprechen, nur das &#039;&#039;He&#039;&#039; macht keine Mühe. Entsprechend schuf der Heilige, gepriesen sei Er, die Welt ohne Mühe und Arbeit.&#039;&#039; (BerR xii 10). (2) &#039;&#039;Weil das He unten offen ist – dies ist ein Zeichen dafür, dass alle Kreaturen in die Unterwelt hinabsteigen werden. Weil das He eine Spitze hat – [dies ist ein Zeichen dafür], dass, sobald sie hinabfahren, sie auch aufsteigen. Und weil das He an allen Seiten geöffnet ist – dies ist ein Zeichen dafür, dass Gott allen, die bereuen, eine Tür öffnet.&#039;&#039; (j.Chag ii 1,15; ähnlich Raschi und Ramban).&amp;lt;br /&amp;gt;Klar ist jedenfalls, dass die abnorme Schreibweise keinesfalls alleinige Basis dafür sein kann, den Text zu ändern.&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&#039;wurden&#039;&#039;&#039;:&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Gen 2,4-6&#039;&#039; eignen alle typischen Merkmale biblischer Poesie. Sachsse 1921; Ouro 2002, S. 225 und Polak 2002, S. 22 haben daher in der Tat 2,5-6 als Lyrik analysiert; Sievers 1907b, S. 6; Procksch 1913, S. 20; Gray 1915, S. 220-222 und Walsh 1977, S. 162 sogar 2,4b-6. Die meisten tun das nicht, und das Gesamt von 2,4a-6 hat m.W. (S.W.) bisher niemand als einheitliches Gedicht interpretiert. Das sollte daher auch OfBi besser nicht tun; um die poetische Struktur erkenntlich zu machen, habe ich die Verse immerhin in die poetischen Zeilen gegliedert. Poetisch analysiert wäre zu formatieren:&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;Dies sind die Nachkommen von Himmel und Erde, als sie geschaffen wurden&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Am Tag, als JHWH-Gott Erde und Himmel machte:&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Alle Sträucher der Steppe waren noch nicht auf der Erde&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;und alle Kräuter des Feldes wuchsen noch nicht,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;weil JHWH-Gott es nicht regnen ließ über der Erde&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;und es keinen Erdling gab, um den Erdboden zu bestellen,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;aber Flut emporstieg aus der Erde,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;und das Angesicht des Erdbodens tränkte.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als JHWH-Gott (Am Tag, [an dem])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;JHWH-Gott&#039;&#039; - sehr seltene Gottesbezeichnung, die sich fast nur in den Büchern der Chroniken und in Gen 2-3 findet (im Gegensatz zu „Gott“ in Gen 1 und „JHWH“ in Gen 4). Die traditionelle Erklärung ist die z.B. von Collins 2006 und Gertz 2018: Ursprünglich sei in Gen 2-3 „JHWH“ gewesen sein; dies wäre dann spät mit dem „Gott“ aus Gen 1 kombiniert worden, um Kontinuität zwischen Gen 1 und Gen 2-3 zu stiften und um zu signalisieren, dass Gen 1 und Gen 2-3 komplementär als „zwei Seiten einer Medaille“ zu lesen seien, die vom selben „Gott“ sprechen.&amp;lt;br /&amp;gt;Liest man dagegen Gen 2-3 mit Gen 1 und Gen 4 zusammen, lässt sich eine schrittweise Transformation Gottes erkennen: Von &#039;&#039;`elohim&#039;&#039; in Gen 1 über &#039;&#039;JHWH-`elohim&#039;&#039; in Gen 2-3 bis zu &#039;&#039;JHWH&#039;&#039; im Kapitel Gen 4, das passend in [[Genesis 4#s26 |Gen 4,26]] schließt mit: „Damals begann man, den Namen JHWHs anzurufen“.&amp;lt;/ref&amp;gt; Erde (Land) und Himmel machte,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Die Syntax von &#039;&#039;Gen 2,4&#039;&#039; ist umstritten. Geht man davon aus, dass mit Gen 2,4a (und nicht Gen 2,4b) das nächste Kapitel beginnt (s.o.), sind immer noch mehrere Auflösungen möglich. Prominentere Auflösungen in neueren Kommentaren sind folgende:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Gen 2,4a = Überschrift; Gen 2,4b = Nebensatz, Gen 2,5-6 = Parenthese, Gen 2,7 = Hauptsatz (z.B. Arneth 2007b, S. 24.129; Arnold 2009; Fischer 2018; Gertz 2018; Carr 2021; auch B-R, BigS, MEN, TEX)&amp;lt;br /&amp;gt;(2) 2,4a = Überschrift; 2,4b = NS, 2,5 = HS (z.B. Soggin 1997; auch EÜ, HER05, H-R, NeÜ, NL, R-S, TUR u.a.)&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Gen 2,4a = Überschrift; Gen 2,4b-6 = Nebensätze zum Hauptsatz Gen 2,7 (Bandstra 2008; auch ZÜR; ähnlich z.B. Steck 1970; Goldingay 2020)&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Gen 2,4a = HS, Gen 2,4b = NS; Gen 2,5a = NS, Gen 2,6b-6 = Parenthese, Gen 2,7=HS (Collins 2006; auch SLT).&amp;lt;br /&amp;gt;Klar ist im Kontext von Gen 1-11, dass Gen 2,4 (Teil einer) Überschrift ist; s. [[Genesis 6#s9 |Gen 6,9]]; [[Genesis 10#s1 |10,1]]; [[Genesis 11#s10 |11,10]]; [[Genesis 11#s27 |11,27]]. Das ist aber noch nicht sehr hilfreich: Entweder ist diese Überschrift hier bei ihrem ersten Vorkommen um 2,4b erweitert, oder sie ist nur um 2,4aB („als sie geschaffen wurden“) erweitert und 2,4b beginnt den eigentlichen Text – zwischen (1) - (3) vs. (4) lässt sich auf dieser Basis noch nicht entscheiden.&amp;lt;br /&amp;gt;Für (4) spricht zunächst, dass Gen 2,4a und Gen 2,4b offensichtlich bewusst chiastisch formuliert sind: „Dies sind die Nachkommen (a) von Himmel (b) und Erde, (c) als sie geschaffen wurden, (c&#039;) als Gott-JHWH machte (b&#039;) Erde (a&#039;) und Himmel.“ Dagegen und für (1) - (3) aber spricht, dass in 2,4a „Himmel und Erde“ im Heb. Artikel haben, in 2,4b aber nicht, was bei einem NS-HS-Gefüge so nicht zu erwarten wäre, und dass nach den anderen Überschriften in Gen 1-11 asyndetisch (d.h. ohne „und“) fortgefahren wird, Gen 2,5 dagegen mit „und“ beginnt (richtig Carr 2021). Für (2) spricht außerdem: Viele entscheiden sich hauptsächlich deshalb für (1), weil dann Gen 2,4-7 syntaktisch ihrer Deutung der Syntax von Gen 1,1-3 entsprechen würde. OfBi hat dort anders aufgelöst; orientieren wir uns an diesem häufigsten Argument, wäre in OfBi hier (2) vorzuziehen: Sowohl Gen 1,1-3 als auch Gen 2,4b-7 hätten dann die Abfolge [temporaler Nebensatz] - [X existiert noch nicht] - [Schöpfungstätigkeit Gottes]. Und für (3) spricht zusätzlich, dass Gen 2,4-7 dann einem häufigen Sprachmuster von Schöpfungserzählungen mit vielen Nebensätzen vor dem ersten Hauptsatz entsprechen würde. Vgl. z.B. Enuma Elisch I 1-9: &#039;&#039;Als in der Höhe dem Himmel noch kein Name gegeben war, und in der Tiefe der Unterwelt noch nicht mit Namen genannt wurde, ... als noch keine Götter gezeugt worden waren, (und) keiner mit Namen genannt war, als noch kein Schicksal zugeteilt war – da bildeten sich in die[sen beiden] die Götter.&#039;&#039; (nach COS 1.111).&amp;lt;br /&amp;gt;Insgesamt sprechen die meisten Argumente also für (2) oder (3); eine sichere Entscheidung ist hier aber nicht möglich. Wir haben uns daher am häufigsten Argument, das hier für (2) spricht, orientiert.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|5}} war alles Unkraut (waren alle Sträucher) des Feldes noch nicht auf der Erde&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
und wuchsen alle Nutzpflanzen (Kräuter) des Feldes noch nicht (sprossten noch nicht empor),&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
weil JHWH-Gott es nicht regnen ließ (noch nicht regnen lassen hatte) über (auf) der Erde&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
und es keinen Erdling (Menschen) gab, um [auf] dem (um dem) Erdboden&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Erdling (Mensch)&#039;&#039; + &#039;&#039;Erdboden&#039;&#039;&#039; - Hier wird mit der Verwandtschaft der Wörter „Mensch“ (&#039;&#039;`adam&#039;&#039;) und „Erdboden“ (&#039;&#039;`adamah&#039;&#039;) gespielt: Der Mensch ist erstens &#039;&#039;aus&#039;&#039; Erde – ist ein „Erdenkloß“ (Luther) und daher „Sohn der Erde“ – und &#039;&#039;dient&#039;&#039; zweitens der Erde – ist also ein „Erdling“, ist &#039;&#039;wesensmäßig&#039;&#039; „Ackerknecht“. Die Üs. „Erdling“ folgt dem guten Vorschlag von Meyers 1988, S. 81f.; Scoralick 2018, S. 72.&amp;lt;br /&amp;gt;Hyperbaton: Unkraut wuchs nicht (5a), weil es nicht regnete (5c), und Nutzpflanzen gab es nicht (5b), weil kein Mensch den Erdboden bestellte (5d; gut Futato 1998, S. 5).&amp;lt;/ref&amp;gt; zu dienen (zu arbeiten),&amp;lt;ref name=&amp;quot;dienen&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;dienen (arbeiten)&#039;&#039; (Vv. 5.15) + &#039;&#039;hüte (bewahre, bewachen)&#039;&#039; (V. 15) - dt. Üss. manchmal: „bebaue und pflege“ (so H-R, R-S, ähnlich PAT: „bebaue und erhalte“), was kontextuell natürlich stimmig ist, aber verschleiert, welch auffällige Verben im Heb. verwendet werden. &#039;&#039;´abad&#039;&#039; heißt manchmal in der Tat schlechthin „arbeiten“ ([[Exodus 20#s9 |Ex 20,9]] = [[Deuteronomium 5#s13 |Dtn 5,13]]; ([[Kohelet 5#s11 |Pred 5,11]]?)) und dann auch „an etw. arbeiten, etw. bearbeiten“ (s. bes. [[Sprichwörter 12#s11 |Spr 12,11]] = [[Sprichwörter 28#s19 |Spr 28,19]]; auch [[Deuteronomium 15#s19 |Dtn 15,19]]; [[Deuteronomium 28#s39 |28,39]]; [[Jesaja 19#s9 |Jes 19,9]]); primär heißt es aber „dienen, für jmdn einen Dienst verrichten“ (dies auch in [[2 Samuel 9#s10 |2 Sam 9,10]]; [[Sacharja 13#s5 |Sach 13,5]]). Davon abgeleitet ist &#039;&#039;´ebed&#039;&#039; („Diener, Sklave“). Vor dem Hintergrund verwandter altorientalischer Mythen, in denen der Mensch geschaffen wird, um für die Götter die Feldarbeit zu verrichten (s. zu V. 6), ist daher fast sicher, dass der Mensch mit diesem Wort zu Gottes Förster des Gartens bestimmt wird: Er soll „im Garten Dienst tun“ oder sogar „dem Garten dienen“. Vgl. z.B. Good 2009, S. 26; Habel 2011, S. 52; Tsukimoto 2014, S. 333-335.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;šamar&#039;&#039; heißt „bewachen, bewahren“ und wird sonst nicht von landwirtschaftlicher Tätigkeit im engeren Sinn verwendet (aber s. gleich); im gewöhnlichen Sinn z.B. sicher bewusst in [[Genesis 3#s24 |Gen 3,24]]; ähnlich von Nabals Ländereien in [[1 Samuel 25#s21 |1 Sam 25,21]]. Die meisten dt. Üss. frei: „bearbeiten und bewahren“, als würde der Mensch mit dem zweiten Verb zum Naturschützer bestimmt (was im weiteren Sinn in Gen 2 natürlich wirklich geschieht). So auch wirklich Habel 2011: „Moreover, the coupling of &#039;&#039;abad&#039;&#039; with &#039;&#039;shamar&#039;&#039; (keep/preserve) in Gen. 2.15 suggests that this combination of verbs means something like ‚serve and preserve‘ or ‚care for and conserve‘.“ (S. 49).&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Das auch in Hld 1,6 verwendete sinnverwandte &#039;&#039;naṭar&#039;&#039; (aram. für &#039;&#039;naṣar&#039;&#039; „beschützen“, falls es nicht von *&#039;&#039;naṣar&#039;&#039; „blühen, sprießen“ abgeleitet ist, vgl. &#039;&#039;neṣar&#039;&#039; „Spross, Schössling“) in [[Hohelied 8#s11 |Hld 8,11f.]] könnte nahelegen, dass „einen Garten/ein Feld hüten“ &#039;&#039;doch&#039;&#039; auch für landwirtschaftliche Subunternehmer-Tätigkeiten verwendet werden kann. Danach hätte &#039;&#039;šamar&#039;&#039; fast die selbe Bed. wie &#039;&#039;´abad&#039;&#039;: „Feldknecht und Reisiger sein“.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
(2) Chizkuni konkretisiert das „bewachen“: „&#039;&#039;um ihn vor Tieren zu schützen, die [Pflanzen] niedertrampeln könnten.&#039;&#039;“ Ähnlich Radak; ähnlich etwas allgemeiner Chaim ben Attar im &#039;&#039;Or haChajim&#039;&#039;, einem Torah-Kommentar aus dem 18. Jhd.: „&#039;&#039;vor schädlichen Dingen, die die Pflanzen verderben könnten&#039;&#039;“. Diese Aufgabe gab es im Ackerbau des Alten Orients wohl wirklich, manchmal mussten daher Mädchen Weingärten „behüten“ (s. [[Hohelied 1#s6 |Hld 1,6]] und vgl. dazu erstens P.Anastasi I 24.2 [„&#039;&#039;Du wirst ein kleines Mädchen finden, das den Garten bewacht.&#039;&#039;“] und zweitens [[Hohelied 2#s15 |Hld 2,15]]; [[Psalm 80#s14 |Ps 80,14]]; [[Jesaja 5#s5 |Jes 5,5]]; [[Hosea 2#s15 |Hos 2,15]]).&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Am wahrscheinlichsten aber wird das Wort hier v.a. verwendet, um [[Genesis 3#s24 |Gen 3,24]] vorzubereiten: Obwohl nicht klar ist, &#039;&#039;vor wem&#039;&#039; der Mensch den Garten „bewachen“ soll, soll hier &#039;&#039;er&#039;&#039; ihn vor Eindringlingen bewachen – wohingegen in Gen 3,24 der Garten &#039;&#039;vor ihm&#039;&#039; und &#039;&#039;seinem&#039;&#039; Eindringen bewacht werden soll. So schon Gregor von Nyssa, In Cant Hom 2 zum „Weingarten“ in [[Hohelied 1#s6 |Hld 1,6]]: „&#039;&#039;Man muss aber unter dem ‚Weinberg‘ dasselbe verstehen wie das Paradies. Denn auch dort wurde der Mensch beauftragt, das Paradies zu bewachen [wie in Hld 1,6 das Mädchen den Weinberg ‚hüten‘ – nach Gregor: ‚gegen Feinde beschützen‘ – soll]. Die Nachlässigkeit in der Bewachung aber vertreibt den Menschen aus dem Paradies und macht ihn zum Bewohner des Westens, nachdem sie ihn vom Osten entfernt hat.&#039;&#039;“&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Weil &#039;&#039;šamar&#039;&#039; mit Tieren / Herden als Objekt auch „Hirte sein“ bedeutet, denkt Goldingay 2020, mit dem Wort sei neben der Feldarbeit auch die Arbeit an Tieren („caring for animals“, S. 60) gemeint. Das liegt sehr fern, ähnlich aber schon ApkMos (1. Jhd. n. Chr.?), wo die Deutungen (3)-(4) miteinander kombiniert sind: In ApkMos 15 hütet Adam die männlichen Tiere im Norden und Osten Edens, Eva dagegen die weiblichen im Süden und Westen (wie im Koran wird das Paradies also vorgestellt als geviertelter Garten). Sodann verführt die Schlange Eva „von der Paradiesmauer“ herab (ApkMos 17), woraufhin ihr Eva in ApkMos 18 das Paradies „öffnet“.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Die Fügung „dienen und bewahren“ wird in der hebräischen Bibel sonst v.a. in zwei Kontexten verwendet:&amp;lt;br /&amp;gt;(5) „Gott dienen und seine Gebote bewahren=halten“ ([[Deuteronomium 13#s5 |Dtn 13,5]]; [[Josua 22#s5 |Jos 22,5]]; [[Maleachi 3#s14 |Mal 3,14]]). Die alten jüdischen Ausleger haben hieran gedacht: TgJ und TgN übersetzen „&#039;&#039;am Gebot arbeiten und Gottes Gebote halten&#039;&#039;“; so deuten auch der Midrasch, Sifre zu Dtn 41,24 und PRE 12; ebenso der christliche Ausleger Severian von Gabala in &#039;&#039;Über die Erschaffung der Welt&#039;&#039; 5.5 (vgl. ACC, S. 60): „&#039;&#039;Gottes Gebote zu halten und diesen Geboten zu folgen war der Gottes-‚Dienst‘. ... Ebenso, wie es ‚Arbeit‘ ist, an Christus zu glauben, galt das für Adams treues Wahren des Gebotes Gottes.&#039;&#039;“&amp;lt;br /&amp;gt;(6) Der liturgische Dienst im Tempel hieß „Dienst und Wacht“; im Tempel tätig zu sein daher „den Dienst dienen und die Wacht wachen“ ([[Numeri 3#s7 |Num 3,7]]; [[Numeri 8#s26 |8,26]]; ähnlich [[Numeri 3#s8 |Num 3,8]]; [[Numeri 18#s7 |18,7]]). Einige neuere Exegeten denken daher, mit diesem Ausdruck solle der Mensch als Urbild des Priesters dargestellt werden, der mit seiner Arbeit im Garten den Vorläufer des Tempeldienstes tut (so z.B. Wenham 1987; Witte 1998, S. 270; Beale 2018). Das ist eine schöne Deutung, man wird sie aber eher als modernen Midrasch werten müssen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|6}} aber (und) Sturzflut (Grundwasser, Nebel, Gewölk)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Sturzflut (Grundwasser, Nebel, Gewölk)&#039;&#039; - Entweder wird hier die notwendige Vorbedingung dafür geschildert, dass der Mensch trotz Abwesenheit von Regenwasser etwas an der Trockenheit des Erdbodens ändern kann (heraufzuholendes [s. die nächste FN] „Grundwasser“) oder neben dem mangelnden Regen und dem mangelnden Menschen wird ein weiterer Grund genannt, warum aktuell noch keine Pflanzen wachsen: Weil in regelmäßigen Abständen Sturzfluten die Erde überschwemmen (so Kidner 1966; Tsumura 1989 S. 119). Nach dieser zweiten Alternative gemeint sind wahrscheinlich artesische Quellen. Das lehrt eine nahe Parallele: Das sumerische Paradies &#039;&#039;Dilmun&#039;&#039;, wo auch der Lebensbaum des Gilgamesch-Epos stand, ist fast sicher identisch mit der Insel Bahrain (zur Lage s. die Karten unten). Die „Quellen“, von denen dort die Rede ist, sind dann sehr wahrscheinlich die artesischen Quellen, für die Bahrain einst bekannt war, die heute aber leider versiegt sind. Vgl. dazu Rausch u.a. 2014.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Genauer&#039;&#039;&#039;: Heb. &#039;&#039;´ed&#039;&#039;, unsicheres Wort: neben Gen 2,6 nur noch in [[Ijob 36#s27 |Ijob 36,27]].&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Die meisten leiten ab von einem akkadischen Kognat &#039;&#039;edû&#039;&#039; mit der Bed. &#039;&#039;Wasserflut, Sturzflut&#039;&#039;, daher z.B. LUT: „ein Strom“, ZÜR: „ein Wasserschwall“. So aber keine der alten Üss.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Mankowski 2000 und Arnold 2009 leiten ab vom sumerischen &#039;&#039;adea&#039;&#039; („Grundwasser, Bewässerung“; die Ableitung von einem sumerischen &#039;&#039;id&#039;&#039; „Fluss“ dagegen hat sich als Fehler erwiesen, vgl. Speiser 1955, S. 9; Tsumura 1989, S. 104. Gegen Tsumuras weiteren sumerischen Alternativvorschlag vgl. Hasel / Hasel 2000, S. 325), daher z.B. BigS: „ein Quell“, NeÜ: „Grundwasser“. So schon LXX, VUL, Syr: „Quelle / Brunnen“.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Yahuda 1933, S. 157; Görg 1986, S. 23f. und Hasel / Hasel 2000 leiten ab von ägyptischen und arabischen Kognaten mit der Bed. „Nebel / Tau“ (dagegen vgl. aber die Einwände von Müller in Witte 1998, S. 84f. FN 30), daher z.B. NL: „Nebel“, SLT: „ein Dunst“. So fast alle alten jüd. Ausleger.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Dahood 1981, S. 535f.; Kline 1996 und Futato 1998, S. 6-9 schließlich leiten ab von einem unsicheren eblaitischen &#039;&#039;ì-du&#039;&#039; („Wolke“. Hier sind die Einwände von Hasel / Hasel 2000, S. 330 nicht fair; richtig bleibt aber: Das Kognat ist und bleibt unsicher. Und der Text wäre unsinnig: Welchen Sinn sollen die Wolken haben, wenn es gleichzeitig heißt, dass es noch nicht regnet?). So keine der neueren Üss., aber schon TgO: „Wolke“; ebenso der Midrasch („Wolken haben fünf Namen: &#039;&#039;´ab&#039;&#039;, &#039;&#039;`ed&#039;&#039;, &#039;&#039;´anan&#039;&#039;, &#039;&#039;nasi&#039;&#039; und &#039;&#039;ḥaziz&#039;&#039;.“) und noch Schüle 2006, S. 149: „Da stieg eine Wolke auf von der Erde und tränkte die Oberfläche des Erdbodens.“&amp;lt;br /&amp;gt;(5) Das „Feuchtigkeit“ in EÜ und PAT scheint komplett aus dem Kontext abgeleitet zu sein.&amp;lt;br /&amp;gt;Vorzuziehen ist klar (1) oder (2): Gen 2,5-6 schildern ja offensichtlich einen Erde, auf der noch &#039;&#039;keine&#039;&#039; Pflanzen wachsen; bei den meisten Vorschlägen allerdings hat man nach Kognaten gesucht, nach denen V. 6 besagt, dass die Erde trotz noch nicht vorhandenem Regen auf alternative Weisen bewässert wird.&amp;lt;/ref&amp;gt; aus der Erde emporzusteigen pflegte (indem er das Grundwasser heraufholte&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;indem er das Grundwasser heraufholte&#039;&#039; - so Bea 1933, S. 147ff.: Man analysiere &#039;&#039;ja´aleh&#039;&#039; nicht als Qal, sondern als das homonyme Hifil, und den Satz nicht als selbstständigen Satz, sondern als durch Wortstellung (Objekt - Verb) markierten modalen Nebensatz. Meines Erachtens (S.W.) ist dies die rundeste Interpretation.&amp;lt;br /&amp;gt;Vor allem spricht dafür, dass sich so interpretiert dann viele Anklänge an verwandte Schöpfungsmythen fänden. Drei Beispiele: (1) Im sumerischen Mythos „Enki und Ninmach“ und im babylonischen Atramchasis-Mythos werden die Menschen &#039;&#039;deshalb&#039;&#039; geschaffen, weil die Götter keine Lust mehr haben, selbst Kanäle graben und sie mit ihren Gefäßen mit Wasser füllen zu müssen. Diese beiden Mythen sind sehr bekannt; ähnlich ist es auch im zweisprachigen (sumerischen und akkadischen) Schöpfungsmythos VAT 9307 / KAR 4. Die Aufgabe des Menschen wird dort so bestimmt: „&#039;&#039;Das Arbeitspensum der Götter sei ihr Arbeitspensum! Auf ewige Tage den Grenzgraben festzusetzen, Hacke und Tragkorb in ihre Hand zu legen, die große Wohnung der Götter für einen erhabenen Hochsitz geeignet zu machen, Flur an Flur (zu planen), auf ewige Tage den Grenzgraben festzusetzen, den Deich herzurichten, den Grenzgraben festzusetzen, das Grundstück zu bewässern, Pflanzen gedeihen zu lassen, Regen in Menge ...&#039;&#039;“ (TUAT III/4, S. 607). (2) In einem sumerischen Fragment ist dieses „Wasser-Schöpfen“ paradigmatisch für die Zeit des Menschen; die Zeit vor seiner Erschaffung wird daher beschrieben mit „&#039;&#039;An, der Herr, erhellte den Himmel, die Erde war dunkel, in die Unterwelt wurde [noch] nicht geschaut, &#039;&#039;aus der Tiefe wurde (noch) kein Wasser geschöpft&#039;&#039;, [noch war] nichts geschaffen...&#039;&#039;“ (TUAT III/3, S. 353). (3) Vergleichbar ist auch der sumerische Mythos „Enki, Ninsikila und Ninchursaga“. Dort wird von der Entstehung der urzeitlichen Stadt Tilmun (Dilmun, s.o.) berichtet: Der Gott Enki hat sie seiner Tochter zum Geschenk gemacht. Doch sie spricht: „&#039;&#039;Tilmun, eine Stadt, hast du gegeben, eine Stadt hast du gegeben, was soll ich mit deiner Schenkung? Eine Stadt, die in den Kanälen kein Wasser hat! Tilmun, eine Stadt hast du gegeben, eine Stadt hast du gegeben, was soll ich mit deiner Schenkung?&#039;&#039;“ Anders als in den ersten vier Beispielen ist das Wasser-Schöpfen hier aber nicht Aufgabe des Menschen; stattdessen spricht Enki: „&#039;&#039;Möge Utu, der am Himmel steht, ... aus dem Munde des Wassers, das in der Erde strömt, dir süßes Wasser aus der Erde kommen lassen, daraus das Wasser in deine großen Becken aufsteigen lassen, möge er dir deine Stadt Wasser des Überflusses trinken lassen, Tilmun dir Wasser des Überflusses trinken lassen, ... möge deine Stadt das Haus des Ertrages des Kais des Landes Sumer sein...!&#039;&#039;“ (ebd., S. 367f.).&amp;lt;br /&amp;gt;Dafür spricht auch, dass dann erklärlich würde, warum &#039;&#039;`adam&#039;&#039; nicht nur ein Wortspiel bildet mit &#039;&#039;`adamah&#039;&#039;, sondern auch mit &#039;&#039;`ed&#039;&#039; ({{hebr}}אד{{hebr ende}} – {{hebr}}אדם{{hebr ende}} – {{hebr}}אדמה{{hebr ende}}; vgl. gut Jacob 1934, S. 82f.): Des Menschen Auftrag wäre es dann eben, &#039;&#039;`ed&#039;&#039; auf die &#039;&#039;`adamah&#039;&#039; zu bringen.&amp;lt;br /&amp;gt;Mir (S.W.) ist die Interpretation Beas daher ausgesprochen sympathisch; weil er mit dieser Interpretation bisher aber m.W. allein steht, sollte auch OfBi nicht dieser Interpretation folgen.&amp;lt;br /&amp;gt;Erwägenswert ist außerdem noch der Vorschlag von Bandstra 2008, S. 123, das „noch nicht“ aus 5ab tue double duty, und der ähnliche und bessere Vorschlag von Saadia (erwogen auch von Radak), Calmet 1730, S. 16f. und Sachsse 1921, S. 279f., das „es gab kein“ aus 5c tue double duty: „Unkraut und Nutzpflanzen wuchsen noch nicht, weil es keinen Erdling gab, der den Erdboden bestellte, und [noch nicht] Grundwasser aufzusteigen pflegte / und [weil] es [kein] Grundwasser [gab], [das] aufzusteigen pflegte...“. Dagegen aber richtig McClellan 1939, S. 110 (vgl. auch Houbigant 1777b, S. 4f.): Das „noch nicht“ ist zu weit entfernt, um double duty zu tun, und „kein“ kann nicht double duty tun, weil 6a im Heb. stattdessen „nicht“ (&#039;&#039;lo`&#039;&#039;) erforderte.&amp;lt;/ref&amp;gt;)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
und die ganze Oberfläche (das ganze Angesicht) des Erdbodens zu [er]tränken pflegte (gaben zu trinken).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|7}} Da formte (bildete, gestaltete) JHWH-Gott den Erdling (Menschen): Staub&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Khnum töpfert.jpg|mini|rechts|Ägyptisches Relief in Dendera: Der Gott Khnum töpfert ein Kind, die Göttin Isis verleiht ihm Leben. (c) Didia via [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Chnum-ihy-isis.jpg Wikimedia Commons] ]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Staub&#039;&#039; - nicht „Lehm“ o.ä., woraus man gut etwas formen könnte und woraus nach [[Ijob 10#s9 |Ijob 10,9]]; [[Ijob 33#s6 |33,6]]; [[Jesaja 29#s16 |Jes 29,16]]; [[Jesaja 45#s9 |45,9]]; [[Jesaja 64#s8 |64,8]] wirklich auch der Mensch geformt ist. Auch das macht in V. 6 die Bed. „Grundwasser heraufholen“ noch mal wahrscheinlicher; der Grund für die Wortwahl wäre dann, dass die Erde eben noch nicht durch „einen Strom“, „Feuchtigkeit“, „Wolken“ oder „Tau“ befeuchtet wurde, so dass es noch gar keinen „Lehm“ gab. Alternativ muss man annehmen, mit „Staub“ solle bereits hier auf die Sterblichkeit des Menschen hingewiesen werden. Aber ob der Mensch zu diesem Zeitpunkt bereits als sterblich gedacht sein soll, ist ganz ungewiss.&amp;lt;br /&amp;gt;Die Schöpfung des Menschen aus Erde ist ein Urmythos und findet sich nicht nur in mehreren altorientalischen Mythen, sondern auch in der griechischen Mythologie, in afrikanischen Volksmärchen etc. (vgl. Becking 2011, S. 6f.).&amp;lt;/ref&amp;gt; vom&amp;lt;ref&amp;gt;Die Präp. &#039;&#039;vom&#039;&#039; kommt im Hebräischen überraschend; erwartet hätte man eine Genitivkonstruktion „Staub des Erdbodens“. Sicher soll damit V. 23 vorbereitet werden: Wie der Rohstoff für die Frau „&#039;&#039;vom&#039;&#039; Menschen“ genommen werden wird, so hier der Rohstoff für den Menschen „&#039;&#039;vom&#039;&#039; Erdboden“.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: In der jüdischen Antike wurde dies Basis einer schönen Auslegung: Mit „Staub &#039;&#039;vom&#039;&#039; Erdboden“ solle gesagt sein, dass Gott Erde aus allen vier Himmelsrichtungen zusammensammelte, um den Menschen zu formen, damit der Mensch bei seinem Tod auch in allen vier Himmelsrichtungen von der Erde wieder aufgenommen werde (so Midrasch Tanchuma, Pekudei 3; auch Raschi u.a.). Nach Gen 2,7 wäre der Mensch so selbst noch im Tod „Weltbürger:in“. Ähnlich auch schon TgJ, der bei dieser Gelegenheit auch noch wundervoll betont, dass bereits zu dieser Zeit der Mensch mit all seinen Hautfarben geschaffen worden sei: „&#039;&#039;Er nahm Staub vom Ort des Tempels und aus allen vier Himmelsrichtungen der Welt, außerdem ein Gemisch aus allen Wassern der Welt und schuf ihn rot (braun), schwarz und weiß.&#039;&#039;“&amp;lt;/ref&amp;gt; Erdboden (formte JHWH-Gott den Erdling [aus] Staub vom Erdboden und...). {{par|Genesis|3|19}} {{par|Ijob|33|6}} {{par|Psalm|103|14}} {{par|Jesaja|29|16}} {{par|Jesaja|64|8}} {{par|Jeremia|18|1|2}} {{par|1 Korinther|15|47}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und er blies (atmete) in seine Nase Hauch (Wind) des Lebens,&amp;lt;ref name=&amp;quot;Nachkommen&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;und [so] wurde der Erdling (Mensch) [zu] einem Lebewesen (einer lebendigen Seele).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Gen 2,7b wurde von den alten jüdischen und christlichen Auslegern sehr häufig als Beleg dafür genommen, dass der Mensch seine &#039;&#039;Seele&#039;&#039; von Gott empfangen hatte, und dies werde hier gesagt (Radak, Sforno; Tertullian, Basilius, Chrysostomus u.a. Zwei Beispiele: [1] Ramban: „&#039;&#039;Der Vers sagt, dass er den Hauch des Lebens in seine Nase geblasen habe, um uns darüber in Kenntnis zu setzen, dass die Seele nicht aus den Elementen besteht ..., sondern vom Geist Gottes herrührt.&#039;&#039;“; [2] Gregor von Nazianz, Dogmatischer Hymnus 7: „&#039;&#039;Die Seele ist der Atem Gottes, ist himmlisch&#039; Ding vermischt mit tiefster Erde, ist Licht, gesperrt in eine Höhle – und doch ganz göttlich, unzerstörbar...&#039;&#039;“). Gesagt wird das hier nicht: &#039;&#039;nešamah&#039;&#039; ist nicht die „Seele“, sondern der „Atem“, der jedem Lebewesen eignet und der es erst zu einer &#039;&#039;nefeš ḥajah&#039;&#039; („einer lebendigen Seele“ = „einem Lebewesen“) macht, was gleichfalls kein Alleinstellungsmerkmal des Menschen ist: Auch die Tiere werden in [[Genesis 1#s20 |Gen 1,20]] als „lebendige Seelen“ bezeichnet, auch sie haben in [[Genesis 7#s21 |Gen 7,21f]] „Atem (statt: Hauch) des Lebens“ in ihrer Nase. Ganz prosaisch und richtiger daher ibn Ezra: „&#039;&#039;Die Bedeutung von ‚er blies in seine Nase Hauch des Lebens‘ ist: Der Mensch lebt vermöge seiner Nasenlöcher. Durch sie entweicht die vom Herzen erhitzte Luft und wird durch frische Luft ersetzt.&#039;&#039;“ Alleinstellungsmerkmal könnte hier allenfalls sein, dass nur vom Menschen explizit gesagt wird, dass ihm sein Atem &#039;&#039;von Gott&#039;&#039; eingehaucht wurde. So Chizkuni: „&#039;&#039;‚Er blies in seine Nase den Hauch des Lebens‘ – Gott höchstselbst behauchte den Menschen mit dem Hauch des Lebens; etwas, was er für kein anderes seiner Geschöpfe getan hatte. Warum war dies nötig? Damit der Mensch Weisheit haben könne, d.h. heiligen Geist.&#039;&#039;“ (ähnlich Haag 1970, S. 46; Sarna 2001, S. 17).&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|27|3}} {{par|Ijob|33|4}}&lt;br /&gt;
{{S|8}} Und JHWH-Gott pflanzte einen Garten (Park) in Eden (Lust, Wonne) im Osten (im [fernen] Osten, in der Urzeit),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;im Osten (im [fernen] Osten, in der Urzeit)&#039;&#039; - (1) Ob &#039;&#039;miqqedem&#039;&#039; (mit der Präp. &#039;&#039;mi(n)-&#039;&#039; statt &#039;&#039;be-&#039;&#039; wie in &#039;&#039;be´eden&#039;&#039; „in Eden“) wirklich eine zweite Ortsangabe ist, ist umstritten. Dafür z.B. Bührer 2014, S. 212 und Carr 2021 mit dem sehr richtigen Hinweis auf [[Genesis 2#s14 |Gen 2,14]]; [[Genesis 3#s24 |3,24]]. So auch LXX und z.B. auch schon Basilius der Große in &#039;&#039;Über den Heiligen Geist&#039;&#039; 27.66: „&#039;&#039;Aus diesem Grund blicken wir beim Beten nach Osten. Nur wenige wissen, dass der Grund dafür ist, dass wir damit in Richtung unseres einstigen Heimatlands blicken, das Gott in Eden gen Osten gepflanzt hatte.&#039;&#039;“&amp;lt;br /&amp;gt;(2) &#039;&#039;miqqedem&#039;&#039; hat häufiger auch zeitliche Bed.: „zur Urzeit“. So daher fast alle alten Vrs.: Aq, Sym, Theod, VUL, Syr, TgJ. Nur TgO und TgN verwenden das selbe Wort wie MT und sind daher nicht eindeutig. Auch der Midrasch kennt diese Deutung: „&#039;&#039;Du glaubst vielleicht, &#039;&#039;miqqedem&#039;&#039; bedeute ‚vor der Schöpfung der Welt‘, aber das ist nicht der Fall. Vielmehr bedeutet es: ‚vor der Schöpfung Adams‘, denn Adam wurde am sechsten Tag geschaffen, der Garten in Eden dagegen am dritten.&#039;&#039;“ Vgl. auch 4 Esra 3,6: &#039;&#039;Dann führtest du [den Menschen] ins Paradies, das deine Hand gepflanzt hatte, ehe die Erde entstand.&#039;&#039;. So bes. Stordalen 2000, S. 261-270; z.B. auch Jericke 2013, S. 26.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Gertz 2018 schließlich übersetzt mit „in der Urzeit im fernen Osten“, um offenzuhalten, ob der Ausdruck lokal oder temporal gemeint sei, und gleichzeitig klarzumachen, dass hier von keinem konkreten Ort die Rede sei. Ich (S.W.) halte das für klug und für die LF für erwägenswert.&amp;lt;br /&amp;gt;Ausnahmslos alle dt. Üss. wählen wie die meisten Kommentare etwas wie „im Osten“ und verfremden höchstens ein wenig mit der Üs. „gegen Morgen“ (LUT 84, SLT 51). Wegen Gen 3,24 ist das auch in der Tat am wahrscheinlichsten, gemeint ist aber wohl wirklich etwas wie Gertz&#039; „ferner Osten“: „Der Osten, wo die Sonne aufgeht, ist ein symbolischer Ort, der &#039;&#039;Zwischen-Raum&#039;&#039; an der Grenze von Himmel und Erde, der Ort, zu dem Gilgamesch reisen musste, um Unsterblichkeit zu erlangen“ (Goldingay 2020, S. 58).&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;und er setzte dort[hin] den Erdling (Menschen), den er geformt (gebildet, gestaltet) hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;den Erdling (Menschen), den er gebildet hatte&#039;&#039; - Wiederaufnahme von V. 7: &#039;&#039;er bildete den Erdling... den Erdling, den er gebildet hatte&#039;&#039; (gut Walsh 1977, S. 162). Geht man nicht davon aus, dass Gen 2 ein echtes Gedicht ist, liegt es daher eher fern, dass Vv. 7.8 zu unterschiedlichen Abschnitten gehören (wie oft gegliedert wird). In einem Gedicht dagegen könnte dies das Stilmittel der „Concatenatio“ sein, das gerade signalisieren würde, dass die Verse mit den einander entsprechenden Zeilen zu unterschiedlichen Strophen gehören.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|9}} Und JHWH-Gott ließ aus dem Erdboden jeglichen Baum sprießen, begehrenswert anzusehen und gut als Essen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und der Baum des Lebens&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Baum des Lebens&#039;&#039; - ein weiterer Urmythos: Erzählungen von Bäumen, die ewiges Leben schenken, gab es im ganzen Alten Orient und auch vielfach in der skandinavisch-germanischen Welt. Viele Beispiele hat Wünsche 1905 zusammengetragen. In den meisten dieser Mythen dienen die Früchte dieses Baums als Speise für die &#039;&#039;Götter&#039;&#039;; wahrscheinlich ist daher, dass dieser Baum in der ursprünglichen Sage nicht etwa als „Test“ für den Menschen o.Ä. in den Garten gepflanzt wurde, sondern dass er zum gewöhnlichen Ensemble eines „Gottes-Gartens“ gehörte.&amp;lt;/ref&amp;gt; [wuchs (war)] (er ließ sprießen jeglichen Baum..., auch den Baum des Lebens)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Die meisten dt. Üss. wie in der Alternativübersetzung. Nach den hebräischen Akzenten ist 9b aber offensichtlich ein zweiter Hauptsatz und liefert nicht ein zweites und drittes Subjekt im selben Hauptsatz nach.&amp;lt;/ref&amp;gt; mitten im Garten&amp;lt;br /&amp;gt;und der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse [auch].&amp;lt;ref&amp;gt;Zum &#039;&#039;Baum der Erkenntnis von Gut und Böse&#039;&#039; s. die Anmerkungen zu Gen 3.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[auch]&#039;&#039; - Auch der zweite Baum wuchs in der Mitte des Gartens. Syntaktisch ist Gen 2,9b eine sogenannte „gespaltene Koordination“ (vgl. bes. Michel 1997b, S. 1-22; z.B. auch Carr 2021; Mettinger 2007, S. 22; Bauks 2012, S. 268; Bührer 2014, S. 213f.): Im Hebräischen kann eine Aussage &#039;&#039;a&#039;&#039; sowohl über Subjekt &#039;&#039;A&#039;&#039; als auch über Subjekt &#039;&#039;B&#039;&#039; ausgesagt werden, indem man einen Satz bildet mit dem Muster &#039;&#039;A a und B&#039;&#039;, hier also etwa: „Baum 1 war X und Baum 2“ = „Baum 1 und 2 waren X“. Das wussten schon die alten jüd. Exegeten, die daher gar nicht über die grammatische Konstruktion nachdachten, sondern gleich darüber, wie es denn möglich sei, dass &#039;&#039;zwei&#039;&#039; Bäume &#039;&#039;exakt&#039;&#039; in der Mitte des Gartens wachsen könnten (z.B.: Sie teilten sich &#039;&#039;einen&#039;&#039; Stamm, oder: Baum 2 wuchs um Baum 1 herum etc.). Dass mit „Mitte“ nicht die &#039;&#039;exakte&#039;&#039; Mitte gemeint sein muss, ist aber ja klar.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|10}} {Und} Ein Strom nun geht aus (würde ausgehen)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Verben&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;geht aus&#039;&#039; + &#039;&#039;teilt sich&#039;&#039; + &#039;&#039;und wird&#039;&#039; - Das erste Vb. ist Partizip; i.d.R. wird es daher präsentisch gedeutet: Der Fluss tut dies immer noch; für den Verfasser befände sich der Garten also immer noch irgendwo. Das zweite ist ein Yiqtol- und das dritte ein Weqatal-Verb. Beide Vb.-Formen werden i.d.R. zum Ausdruck von Zukünftigkeit oder Modalität verwendet. Daher etwa Bandstra 2008: „A river &#039;&#039;exits&#039;&#039;. ... From there it &#039;&#039;will divide&#039;&#039;. And it &#039;&#039;will become&#039;&#039; four heads.“&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Das Partizip allerdings ist im klassischen Bibelhebräisch zeitlos; seine Temporalität muss aus dem Kontext erschlossen werden und kann dann ebenfalls Zukunft sein (Bsp.: [[Jona 1#s3 |Jon 1,3]]: „Er fand ein Schiff, das nach Tarschisch &#039;&#039;fahren würde&#039;&#039;“; vgl. z.B. GKC §116d). Der Nahkontext mit dem Yiqtol- und Weqatal-Verb spricht dann eigentlich dafür, dass auch das Ptz. zukünftig zu deuten ist: Aktuell hat der Garten noch keine Wasserquelle, weshalb es den Menschen braucht. Später allerdings – nach der Verbannung des Menschen – &#039;&#039;würde&#039;&#039; ein Strom von Eden ausgehen, um den Garten zu bewässern, und &#039;&#039;würde&#039;&#039; sich dann wieder in vier Flüsse teilen. So aber niemand.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) JM §119u denkt an durative Vergangenheit: „Er teilte sich dauerhaft und wurde dauerhaft zu vier Häuptern“. Aber wie soll „teilen“ und „zu etwas werden“ anders durativ sein als „ausgehen“?&amp;lt;br /&amp;gt;(3) An Joüons „duratives Yiqtol der Vergangenheit“ glauben ohnehin nicht viele hebraistische Grammatiker. GKC §107d etwa daher dagegen: iterative Vergangenheit: „... Gn 2:10 represents the river as going out of Eden in a continuous, uninterrupted stream, but {{hebr}}יִפָּרֵר{{hebr ende}}, which immediately follows, describes how the parting of its waters is always taking place afresh.“; ebenso Dav §54b; Nic 40; Bartelmus 1982, S. 201. Idem; und: der Fluss wird doch gerade nicht &#039;&#039;wiederholt&#039;&#039; zu mehreren Flüssen, sondern konkret zu den genannten vier? Dagegen vgl. auch HKL III §160.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Vielleicht auch nur durch Wortstellung (Waw-X-Yiqtol) markierter temporaler Nebensatz: „... wonach er sich von dort aus teilt und zu vier Flusshäuptern wird“?&amp;lt;br /&amp;gt;Aber alle dt. Üss. übergehen das und übersetzen schlicht gleichzeitig mit dem Partizip in 10a; das sollte dann besser auch OfBi tun.&amp;lt;/ref&amp;gt; von Eden, um den Garten zu tränken (ertränken),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;von Eden, um den Garten zu tränken&#039;&#039; legt wie „ein Garten &#039;&#039;in&#039;&#039; Eden“ nahe, dass der Garten und Eden nicht identisch sind. V. 15 dagegen „der Garten Eden“; offenbar sind der Eden und der Garten in Eden koextensiv. Dann entspringt der Fluss im Garten selbst.&amp;lt;/ref&amp;gt; und von dort aus teilt er sich (würde er sich teilen) und wird (würde werden)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Verben&amp;quot; /&amp;gt; zu vier Häuptern (Fluss-Quellen, Fluss-Anfängen).&amp;lt;ref name=&amp;quot;Namen&amp;quot;&amp;gt;[[Datei:Paradies 2.jpg|rahmenlos|rechts|Lage des Paradieses, Variante 1]]&lt;br /&gt;
Die Lage der &#039;&#039;vier Flüsse&#039;&#039; und damit auch die Lage Edens und des Gottesgartens ist umstritten. Klar identifizierbar sind Tigris und Euphrat, und damit auch „Assur“, das dann nicht Assyrien, sondern seine gleichnamige Hauptstadt &#039;&#039;Aššur&#039;&#039; meinen muss (die anders als das Gros Assyriens westlich des Tigris lag). Umstritten sind der Pischon (vgl. [https://www.odb.bibelwissenschaft.de/ortsnamen/ortsname.php?n=95 Pischon (odb)]) und das Land Hawila (vgl. [https://www.odb.bibelwissenschaft.de/ortsnamen/ortsname.php?n=49 Hawila (odb)]) in V. 11 und der Gihon (vgl. [https://www.odb.bibelwissenschaft.de/ortsnamen/ortsname.php?n=267 Gihon, Strom (odb)]) und das Land Kusch (vgl. [https://www.odb.bibelwissenschaft.de/ortsnamen/ortsname.php?n=66 Kusch (odb)]) in V. 13. Besonders sechs Deutungsvarianten sind im Umlauf, keine ist wirklich überzeugend:&amp;lt;br /&amp;gt;(1a) Klassisch wird der &#039;&#039;Giḥon&#039;&#039; (von &#039;&#039;gi(a)ḥ&#039;&#039; „hervorbrechen, hervorkommen“ &amp;gt; „der Quell-Fluss“) mit dem Nil identifiziert (so schon [[Jesus Sirach 24#s27 |Sir 24,27]]; Jer 2,18 LXX; 1QGenAp 21,15; JosAnt I 39f.), v.a. weil &#039;&#039;Kusch&#039;&#039; meist ein Volk im damaligen Südägypten meint. Den &#039;&#039;Pischon&#039;&#039; (vielleicht von äg. &#039;&#039;p3 šnj&#039;&#039; „der Umgreifende“; eher von heb. &#039;&#039;puš&#039;&#039; „springen“ &amp;gt; „rauschender Fluss“) hielten schon Josephus, Eusebius und die Targumim ganz fernliegend für den Ganges in Indien (nicht auf der Karte); wohl, weil damit gleich vier kulturprägende Flüsse auf einmal aus Eden entsprängen.&amp;lt;br /&amp;gt;(1b) Aber der Nil wird häufig in der Bibel erwähnt und heißt nie „Gihon“. Witte 1998, S. 265-267; Gerhards 2013, S. 202; Kang 2020, S. 95f. u.a. halten daher den &#039;&#039;Pischon&#039;&#039; für den Nil (wie er ebenfalls nie bezeichnet wird) und den Gihon für das gleichnamige Bächlein, das in Jerusalem entspringt, und das durch die Behauptung, dass es bis zu den Kuschiten fließe und sogar das ganze Land umgebe, aufgewertet werden soll. Ähnlich halten Gertz 2018 und Carr 2021 den Gihon für den Nil, der aber als „Gihon“ bezeichnet werde, um so ebenfalls das Jerusalemer Bächlein aufzuwerten. Hawila und der Pischon müssten dann am besten wie in (3b) erklärt werden, s. gleich.&amp;lt;br /&amp;gt;(1c) Haag 1970, S. 37f., Sarna 2001 und Jericke 2013b dagegen halten den Gihon für den weißen und den Pischon für den blauen Nil, also den südwestlichen und den südöstlichen Quellfluss des ägyptischen Nils. Beide würden mit den Kunstnamen „Quellwasser“ und „Sprudelwasser“ bezeichnet. Hawila wird dann nach den Genealogien in [[Genesis 10#s7 |Gen 10,7]]; [[1 Chroniken 1#s9 |1 Chr 1,9]] (neben Saba, Sabta, Ragma, Scheba und Dedan) ans Rote Meer und genauer an die Westküste östlich des Nils verortet, was zum blauen Nil passen würde. Wie aber der weiße Nil ganz Kusch umflossen haben soll, verstehe ich (S.W.) nicht.&amp;lt;br /&amp;gt;Nach (1a-c) wären die Ortsangaben also geographisch nicht logisch: Euphrat und Tigris haben keine gemeinsame Quelle, Nil und Ganges und Gihon sind weder mit diesen beiden noch miteinander verbunden. Die Ortsangabe wäre dann vergleichbar mit dem Ort, da der Regenbogen die Erde berührt, oder mit Coleridges „sacred Alph river“ in Xanadu: ein mythisches Nirgendwo.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Es sei denn, man deutet wie Ephrem der Syrer: „&#039;&#039;Weil das Paradies sehr hoch liegt, werden die Flüsse wieder verschluckt, fließen dann ... wie durch eine große Wasserleitung durch die Erde unter dem Meer zur Erde. Dann speit die Erde sie alle wieder aus: Als die Donau (!) – das ist der Pischon – im Westen, als den Gihon im Süden, und als Euphrat und Tigris im Norden.&#039;&#039;“ Ähnlich bar Salibi, Mose bar Kepha und noch Rav Hirsch.&amp;lt;br /&amp;gt;[[Datei:Paradies 1.jpg|rahmenlos|rechts|Lage des Paradieses, Variante 2]] (3a) Die verbreitetste alternative Deutung ist diese: Man verstehe „Ein Fluss geht aus von Eden und teilt sich dort...“ nicht als Aussage über die Flussrichtung, sondern nur über den von Eden aus gesehenen Verlauf der Flüsse. Mit dem Fluss, der sich dann in Euphrat und Tigris teilt, ist dann der Schatt al-Arab gemeint, in den die beiden kurz vor dem Persischen Golf zusammenfließen. Weiter: Der samaritanische Pentateuch gibt den Gihon mit &#039;&#039;`Asqop&#039;&#039; wieder, was Speiser 1967, S. 25 sinnvoll mit dem Karkeh identifiziert, der in den selben Fluss mündet wie Euphrat und Tigris. Zu &#039;&#039;Kusch&#039;&#039; vgl. dann am ausführlichsten Burrell 2020, S. 147-167 (und wieder bereits Speiser 1967, S. 25; z.B. auch Harris 1968, S. 179): Mehrere Quellen legen nahe, dass &#039;&#039;Kusch&#039;&#039; nicht nur Äthiopien südlich von Ägypten bezeichnen konnte, sondern auch eine mesopotamische Region – was ebenfalls in die entsprechende Gegend weisen würde. Der Pischon schließlich wird d.Ö. mit dem einstigen Pasitigris gleichgesetzt, dem heutigen Karun (so z.B. Hölscher 1949, S. 35-44; Dietrich 2001), der auch in sumerischen und akkadischen Mythen häufig erwähnt wird. Hawila endlich wird man dann am besten nicht als Eigennamen eines Ortes oder Stamms verstehen, sondern – da das Wort im MT und SamP ohnehin einen für Eigennamen unüblichen Artikel trägt – als Klassennomen: „das Sandland“ = „die Wüste“. Nach dieser Variante würden Gen 2,10-14 das Paradies also auf geographisch sinnvolle Weise an den Persischen Golf ins Delta von Euphrat, Tigris, Karkeh und Karun verorten.&amp;lt;br /&amp;gt;(3b) Möglich dann noch: Hawila könnte nach den Genealogien in Gen 10,7; 1 Chr 1,9 auch auf der Ostseite des Roten Meeres auf der Arabischen Halbinsel liegen. Der m.E. beste Vorschlag ist der von Knauf 1985, S. 64, der Ort sei mit Ha&#039;il zu identifizieren. Das passt einigermaßen zu einem neuerdings populären Vorschlag (vgl. z.B. Scolnic 2005, S. 21f.), mit dem vierten Fluss sei der heute ausgetrocknete, früher aber (in der Tat) große „Kuwait-Fluss“ gemeint, der einst durch das Wadi Batin floss. So insgesamt z.B. Collins 2006: Wadi Batin, Karun oder Karkeh, Euphrat, Tigris. Auch nach dieser Deutung läge Eden am Schatt al-Arab im heutigen Irak. Das passt auch gut zu den „ertränkenden Fluten“ in V. 6: In diesem Flussdelta liegt ein (aktuell vom Austrocknen bedrohtes) Marschland, wie es in dieser Wüstenregion so selten ist, dass die UNESCO es 2016 zum Welterbe erklärt hat.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|11}} Der Name des ersten [ist] „Pischon“;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Namen&amp;quot; /&amp;gt; das [ist der,] der das ganze Land Hawila (der das ganze Sandland)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Namen&amp;quot; /&amp;gt; umfließt, wo es das Gold&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;das Gold&#039;&#039; - also besonders viel Gold oder, wie V. 12 sagt, Gold von besonders hoher Qualität (so Radak, König 1919; Haag 1970, S. 39).&amp;lt;/ref&amp;gt; gibt.&lt;br /&gt;
{{S|12}} Und das Gold jenes Landes ist gut. Dort gibt es auch das Bdelliumharz (die Perle?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Bdelliumharz (die Perle?)&#039;&#039; - unsicheres Wort; nur noch in [[Numeri 11#s7 |Num 11,7]]. LXX: „Kohle“ woraus Goldingay 2020 ableiten will, es seien Rubine gemeint. Aq, VUL und der Midrasch (s. gleich) &#039;&#039;Bdelliumharz&#039;&#039;, eine Art Weihrauch. Die gr. und lat. Worte sind dem heb. sehr ähnlich; Goldingay glaubt daher, dies sei ein &#039;&#039;false friend&#039;&#039; und daher eine Fehlübersetzung von Aq und VUL. Aber s. Rabbi Aibu (4./5. Jhd.) im Midrasch: „&#039;&#039;Du glaubst jetzt vielleicht, dass das &#039;&#039;bedolach&#039;&#039; des Apothekers / Parfum-Herstellers gemeint sei. [...] Aber wie das folgende Wort ein Edelstein ist, so ist auch dies ein Edelstein.&#039;&#039;“ – auch das heb. Wort hatte also sicher (auch) diese Bed. So auch alle dt. Üss.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Saadia, ibn Balaam und Radak dagegen halten es für die „Perle“ (Radak berichtet bei der Gelegenheit faszinierend, wie man sich zu seiner Zeit die Entstehung von Perlen vorstellte: Perlen sind Tautropfen, die in Flüssen versunken waren). Das passte besser als Bdelliumharz, da es sich hier neben dem Gold und dem Schoham-Stein immerhin ebenfalls um einen Bodenschatz im weitesten Sinne handelt, aber für diese Bed. gibt es kein Indiz. Die mutmaßliche Geschichte hinter dieser Deutung ist ein kleines Lehrstück; sie sei daher hier am Anfang der Bibel kurz nacherzählt: TgO übersetzt ins Aramäische: &#039;&#039;bdwlḥ`&#039;&#039; ({{hebr}}בדולחא{{hebr ende}}) &#039;&#039;w`bnj bwrl`&#039;&#039; ({{hebr}}בורלא{{hebr ende}}), „Bdellium und Beryl-Stein“. Syr dann ursprünglich wohl fast ebenso: ܒܕܘܠܚܐ ܘܟܐ̈ܦܐ ܕܒܪܘܠܐ &#039;&#039;bdwlḥ` wk`p` dbrwl`&#039;&#039;. Unter Einfluss von &#039;&#039;brwl`&#039;&#039; verliest ein Schreiber dann aber &#039;&#039;bdwlḥ`&#039;&#039; (ܒܕܘܠܚܐ) als &#039;&#039;brwlḥ`&#039;&#039; (ܒܪܘܠܚܐ, „Perle“, s. Smith). Vom Syrischen wanderte dies dann zu Saadja ins Arabische; vielleicht wieder vermittelt durch Mose bar Kepha, den Saadja eifrig gelesen zu haben scheint und der nach Syr kommentiert: „&#039;&#039;Der Hebräer bezeichnet mit &#039;&#039;brwlḥ`&#039;&#039; die Perle&#039;&#039;“ (fast ebenso bar Salibi). Und von Saadja schließlich wandert es über Radak wieder zurück in die hebräische Auslegung. Was lehrt, mit welcher Vorsicht diese späteren Auslegungen auszuwerten sind: Sie haben eine Jahrhunderte währende Vorgeschichte. &#039;&#039;Diese&#039;&#039; Vorgeschichte jedenfalls macht klar, dass „Perle“ fast sicher nicht Bed. des heb. Wortes ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; und den Schoham-Stein.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Schoham-Stein&#039;&#039; - irgendein Edelstein. TgO, TgJ, Syr: „Beryl“; Aq, Sym, Theod, VUL: „Onyx“ (so auch ELB, R-S, SLT). Wegen der Nähe von &#039;&#039;šoham&#039;&#039; zu akk. &#039;&#039;šamtu&#039;&#039; („rot“) viele neuere auch „Karneol“; z.B. Gertz 2018, S. 114, auch B-R, PAT, EÜ, H-R, ZÜR. Die meisten dt. Üss.: „den Schoham-Stein“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|13}} Und der Name des zweiten Stromes ist „Gihon“;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Namen&amp;quot; /&amp;gt; das [ist der,] der das ganze Land Kusch&amp;lt;ref name=&amp;quot;Namen&amp;quot; /&amp;gt; umfließt.&lt;br /&gt;
{{S|14}} Und der Name des dritten Stromes ist „Tigris“;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Namen&amp;quot; /&amp;gt; das [ist der,] der östlich von Assur (Assyrien)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Namen&amp;quot; /&amp;gt; fließt. Und der vierte Strom, das [ist] der Eufrat.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|15}} {Und} JHWH-Gott nahm&amp;lt;ref&amp;gt;Zum &#039;&#039;nehmen&#039;&#039; vgl. bes. gut Haag 1970, S. 40, der auf die Parallelen [[Exodus 6#s7 |Ex 6,7]]; [[Numeri 3#s12 |Num 3,12]]; [[Deuteronomium 4#s20 |Dtn 4,20]]; [[Josua 24#s3 |Jos 24,3-15]]; [[2 Samuel 7#s8 |2 Sam 7,8]]; [[1 Könige 11#s37 |1 Kön 11,37]]; [[Psalm 78#s70 |Ps 78,70]]; [[Jesaja 66#s21 |Jes 66,21]]; [[Amos 7#s15 |Am 7,15]]; [[Haggai 2#s23 |Hag 2,23]] hinweist: Dass Gott jemanden „nimmt“, ist i.d.R. ein Bild dafür, dass er ihm ein bestimmtes Schicksal zuweist.&amp;lt;br /&amp;gt;Der Midrasch, Raschi und Radak dagegen denken, Gott habe den Menschen an einem bestimmten Ort geschaffen, und von dort werde er tatächlich „genommen“ und dann im Garten wieder abgesetzt. So schon TgJ: „&#039;&#039;JHWH-Gott nahm Adam vom Berg der Verehrung herunter, dem Ort, wo er geschaffen worden war&#039;&#039;“.&amp;lt;/ref&amp;gt; [also] den Erdling (Menschen)([, den er geschaffen hatte]&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: So LXX; auch TgJ (s.o.) stützt dies. Aber sicher Assimilation an V. 8; so richtig Hendel 1998, S. 124; BHQ.&amp;lt;/ref&amp;gt;) und ließ ihn wohnen im (setzte ihn in den)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;ließ ihn wohnen im (setzte ihn in den)&#039;&#039; - &#039;&#039;nuḥ&#039;&#039; hat zwei unterschiedliche Hifil-Formen: (1) &#039;&#039;heniaḥ&#039;&#039; und (2) &#039;&#039;hinniaḥ&#039;&#039;. Beide haben us. Bed.: (1) „jmdm Ruhe / einen Wohnort geben“, (2) „etw./jmdn absetzen, liegen lassen, in Ruhe lassen“ (vgl. JM §80p). MT, LXX, Sym und VUL deuten die Konsonanten wie (2); TgO, TgN und Midrasch („er ließ ihn wohnen“) wie (1). Letzteres z.B. auch Witte 1998, S. 269. Das ist sinnvoller. MT, LXX, Sym und VUL haben wahrscheinlich „er nahm den Menschen“ wörtlich verstanden  (s. zwei FN zuvor) und daher hier das Vb. in der zweiten Bed. genommen, die auch fast der des Verbs in V. 8 entspricht. Näher liegt aber (1). Will man den Sinn des Heb. wiedergeben, üs. vielleicht: „er bestimmte ihm den Garten zur Wohnung“ o.Ä. Gut EÜ: „Er gab ihm seinen Wohnsitz im Garten Eden“ auch EÜ aber davor: „Er nahm den Menschen“. Die anderen dt. Üss. alle „nahm und setzte“.&amp;lt;/ref&amp;gt; Garten Eden, damit er (um zu) [in] ihm&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Das im Heb. fem. &#039;&#039;ihm&#039;&#039; bezieht sich auf die ganze Fügung „Garten Eden“, in der das mask. „Garten“ wegen dem fem. „Eden“ ebenfalls fem. ist; so richtig BrSynt §16g; Haag 1970, S. 41; Bührer 2014, S. 218. &#039;&#039;gan&#039;&#039; („Garten“) ist sicher nicht sowohl mask. als auch fem. (so schon ibn Ezra, Ramban), da neben dem mask. &#039;&#039;gan&#039;&#039; ja auch das fem. &#039;&#039;ganah&#039;&#039; existiert.&amp;lt;/ref&amp;gt; (damit er ihm) diene (arbeite) und ihn hüte (bewahre, bewache).&amp;lt;ref name=&amp;quot;dienen&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|16}} Und JHWH-Gott gebot&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Im Talmud wird in b.San 56 geglaubt, in diesem Vers würden die sieben „noachidischen Gebote“ grundgelegt, also die göttlichen Gebote, die nicht nur für alle Jüd:innen, sondern für alle Menschen gelten: Mit fast jedem Wort würde auf eines dieser Gebote angespielt, die ausführlicher andernorts in der Bibel ausformuliert seien, und zwar dergestalt, dass Worte verwendet werden, die sich auch in den ersten fünf dieser ausführlicheren Formulierungen finden (vgl. auch Chizkuni, Rabbenu Bahja):&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Das Gebot der Rechtspflege: &#039;&#039;es gebot&#039;&#039;, s. [[Genesis 18#s19 |Gen 18,19]].&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Das Verbot der Gotteslästerung: &#039;&#039;JHWH&#039;&#039;, s. [[Levitikus 24#s16 |Lev 24,16]].&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Das Verbot des Götzendienstes: &#039;&#039;Gott&#039;&#039;, s. [[Exodus 20#s3 |Ex 20,3]].&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Das Verbot des Blutvergießens: &#039;&#039;dem Erdling &#039;&#039;, s. [[Genesis 9#s6 |Gen 9,6]].&amp;lt;br /&amp;gt;(5): Das Verbot der Unzucht: &#039;&#039;besagend&#039;&#039;, s. [[Jeremia 3#s1 |Jer 3,1]].&amp;lt;br /&amp;gt;(6) Das Verbot es Raubes: &#039;&#039;von allen Bäumen des Gartens&#039;&#039;.&amp;lt;br /&amp;gt;(7) Das Verbot, &#039;&#039;lebende&#039;&#039; Tiere zu essen: &#039;&#039;darfst du essen&#039;&#039;.&amp;lt;br /&amp;gt;In der Folge entspann sich ein Auslegungsstreit darüber, ob dies wirklich die korrekten sieben noachidischen Gebote seien, die hier gesammelt wurden, ob der Vers vielleicht noch auf weitere Gebote anspiele (Bsp: In b.San 56b selbst glaubt Rabbi Eleazar, auch auf das für jüdische Gesetze so typische Gebot der Kreuzung von Tieren und Pflanzen werde hier angespielt, weil hier mit „von jedem Baum“ nur jene Bäume gemeint sein könnten, die Gott „natürlich“ erschaffen hatte und nicht solche, die erst vom Menschen gekreuzt wurden.) und ob dies vielleicht gar nicht der Fall sei, sondern Vv. 16f. „einfach nur“ das Verbot wiedergäben, dass Adam nicht von diesem konkreten Baum essen dürfe. Diese Diskussion braucht (und kann) hier nicht nachgezeichnet werden; die obigen sieben sind klar die Mehrheitsmeinung in der halachischen Auslegung.&amp;lt;br /&amp;gt;In der protestantischen Theologie werden die beiden Verse aus einem anderen Grund diskutiert: In [[Hosea 6#s7 |Hos 6,7]] und in [[Jesus Sirach 14#s17 |Sir 14,17]] LXX wird dieses Gebot als ein „Bund“ bezeichnet. Danach wäre dies schon vor dem Bund, den Gott mit Noah schloss, der erste „Bund“, den Gott mit dem Menschen geschlossen hatte. Im Lichte von Gen 9 könnte man ihn etwa so formulieren: „Ich gewähre dir, von allen Pflanzen des Gartens zu essen. Im Gegenzug gebe ich dir ein Gebot – nur eines! –, das du halten musst: Iss nicht vom verbotenen Baum!“. Man nennt diesen Bund daher auch den „Werkbund“ (&#039;&#039;foedus operum&#039;&#039;), der aber bereits von Adam und Eva stellvertretend für alle Menschen gebrochen worden sei. Dahinter stecken zwei theologische Ideen: Erstens ist die Theorie vom adamitischen Werkbund an sich nur eine legalistische Umformulierung der Erbsündenlehre; in dieser Umformulierung aber wird besonders betont, dass die Gnade der Sünde vorausging: &#039;&#039;Zuerst&#039;&#039; hatte Gott mit dem Menschen einen Bund geschlossen, &#039;&#039;danach&#039;&#039; hatte der Mensch das erste Mal gesündigt. Zweitens lässt sich mit dieser Idee genauer formulieren, was Christus geleistet habe: &#039;&#039;Dieser Werkbund&#039;&#039; sei es gewesen, den Christus dann wieder aufrichtete (s. [[Römer 5#s12 |Röm 5,12-21]]), nun aber nicht als „Werkbund“, bei dem der Mensch ein bestimmtes Werk tun müsse, sondern als „&#039;&#039;Gnaden&#039;&#039;-Bund“ (&#039;&#039;foedus gratiae&#039;&#039;), der den an Christus Glaubenden „einfach so“ geschenkt würde. Die Werkbund-Idee wird noch heute v.a. im reformierten und evangelikalen Christentum diskutiert.&amp;lt;/ref&amp;gt; dem (auf den) Erdling (Menschen) {besagend}: Von jedem Baum darfst (sollst) du durchaus essen (essend).&lt;br /&gt;
{{S|17}} Vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse aber: Nicht darfst du essen [etwas] von ihm. Denn am Tag, [an dem] (wenn)&amp;lt;ref name=&amp;quot;V 17&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;am Tag, [an dem] (wenn)&#039;&#039; + &#039;&#039;sterben&#039;&#039; - die Crux von Gen 2: Offensichtlich stirbt der Mensch in Gen 3 ja nicht, oder jedenfalls nicht schon „am Tag, an dem er vom Baum isst“. Die meisten behelfen sich damit, „am Tag, [an dem]“ mit „wenn“ zu übersetzen, was der Ausdruck wirklich d.Ö. bedeutet (z.B. Mettinger 2007, S. 22. Effektiv ähnlich schon der Midrasch: „ein Tag“ = „ein Gottestag“ wie in [[Psalm 90#s4 |Ps 90,4]], also 1000 Jahre). Aber richtig Bührer 2014, S. 218: &lt;br /&gt;
: „Das Problem wird dadurch vergrößert, dass der Vers in 3,4f. in negierter Form wieder aufgenommen wird. Die Schlange spricht zur Frau: ‚Ihr werdet nicht sterben... An dem Tag [...], da ihr von ihm (dem verbotenen Baum) esst, werden eure Augen aufgetan...‘ Tatsächlich werden unmittelbar nach dem Essen der Frucht ihre Augen ‚aufgetan‘. Die Analogie zu 3,5 und den darauf folgenden Ereignissen spricht dafür, auch in 2,17 mit einer Koinzidenz des Essens und der Konsequenz daraus zu rechnen.“ &lt;br /&gt;
Sollte es eine Lösung geben, liegt sie also entweder im Wort „sterben“ oder in der Konsequenz Gottes: Entweder hat es Gott wirklich so gemeint, wie es hier klingt, wird dann in Gen 3 aber spontan gnädig sein und die Strafe nicht durchsetzen (so schon ibn Ezra; z.B. auch Gertz 2018; Goldingay 2020), oder mit „sterben“ ist etwas anderes gemeint – etwa wie in [[1 Könige 2#s37 |1 Kön 2,37]] „von diesem Tag an seid ihr zum Tod verurteilt“ (so schon TgJ; auch Saadia, Lekach Tob, Ramban, noch Hirsch), „ihr werdet sterblich werden“ (so schon Aq, Quinta; auch Chizkuni, Rabbenu Bahja; Tur, auch Blum 2010, S. 16; Bührer 2014, S. 218), „ihr werdet früher sterben als geplant“ (Radak), „ihr werdet den spirituellen Tod der Entfremdung von Gott sterben“ (Collins 2006; was auch immer das bedeuten soll) o.ä. Vgl. ebenso vieldeutig [[Weisheit 2#s23 |Weish 2,23f.]]; [[Römer 5#s12 |Röm 5,12-14]].&amp;lt;br /&amp;gt;Richtig Blum 2010, S. 16: [[Genesis 3#s19 |Gen 3,19]], wo vom Todes-&#039;&#039;Geschick&#039;&#039; des verbannten und verdammten Menschen spricht, macht sehr wahrscheinlich, dass hier wirklich „Sterblichkeit“ gemeint ist, und zwar konkreter in Form des Todesurteils Gottes, dass dem Menschen künftig der Zugang zum Baum des Lebens verwehrt werden wird.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Die christliche Tradition indes hat die Crux anders aufgelöst: Für Christ:innen ist hier vom &#039;&#039;ewigen Leben&#039;&#039; die Rede: Nach dem Opfer Christi sterben Christ:innen nicht mehr den „ewigen / finalen Tod“ (Augustinus, Gottesstaat 13.12), sondern Christus hat ihnen stattdessen das „ewige Leben“ wieder-gewonnen (vgl. wieder [[Römer 5#s12 |Röm 5,12-21]]; z.B. auch die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre 29-30).&amp;lt;/ref&amp;gt; du davon isst, wirst (musst) du durchaus sterben (sterbend).&amp;lt;ref name=&amp;quot;V 17&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|18}} Und JHWH-Gott dachte (sagte): „Es ist nicht gut, dass der Erdling (Menschen) allein ist. Ich werde (will) ihm einen (Lasst uns ihm einen; Ich werde sie ihm als&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Lasst uns ihm einen&#039;&#039; - so LXX, VUL, Jub 3,4 wie in [[Genesis 1#s26 |Gen 1,26]]. Wahrscheinlich richtig Hendel 1998, S. 124, BHQ: Assimilation an diesen Vers.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;ich werde sie machen&#039;&#039; - So Leningradensis mit Mappiq in &#039;&#039;`e´eßehh&#039;&#039; (statt &#039;&#039;`e´eßeh&#039;&#039;), daher: „ich will &#039;&#039;sie&#039;&#039; machen“. So fast keine andere Handschrift, keine der Vrs. und kein:e Textkritiker:in; sicher nur eine Fehlinterpretation von L.&amp;lt;/ref&amp;gt;) Beistand (eine Hilfe, eine Gehilfin)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Beistand&amp;quot;&amp;gt;Traditionell und bis heute übersetzt mit &#039;&#039;Hilfe&#039;&#039; oder &#039;&#039;Gehilfin&#039;&#039;. Besser &#039;&#039;Beistand&#039;&#039;; das heb. &#039;&#039;´ezer&#039;&#039; drückt keine Subordination aus wie das dt. „Hilfe“ und noch mehr „Gehilfin“ (richtig z.B. Gertz 2018, Goldingay 2020, Carr 2021). Was genau mit dieser „Hilfe“ gemeint ist, ist umstritten. Diskutiert wird: „Damit er nicht einsam sei“ (z.B. Bührer 2014, S. 224; Gertz 2018; so schon der Midrasch), „Damit er sich fortpflanzen könne“ (z.B. Clines 1990, S. 32-35; so schon Ambrosius, Augustinus) oder „damit sie sich die Arbeit teilen können“ (z.B. Goldingay 2020; schon Ephrem der Syrer, Sforno). Am wahrscheinlichsten ist hier Letzteres gemeint. S. näher die Anmerkungen.&amp;lt;/ref&amp;gt; machen als sein Gegenüber.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;Gegenüber&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;als Gegenüber&#039;&#039; - also „ihm ganz entsprechend“ (Scharbert 1990, S. 52); anders als die Tiere, die ihm zwar durchaus hätten „helfen“ können (Chizkuni) – ihm aber nicht entsprachen.  Nicht wie NL: „ein Wesen, das zu ihm passt“; es geht um &#039;&#039;wechselseitige&#039;&#039; Entsprechung. Gut daher LUT: „eine Hilfe, die ihm entspricht“. Am besten vielleicht in Orientierung an BB: „ich will ihm einen Beistand machen – ein Gegenüber, das ihm entspricht.“&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Schöner Midrasch: Bei der Auslegung von [[Genesis 1#s27 |Gen 1,27]] dachten einige Rabbinen an den platonischen Mythos des Kugelmenschen: Der Mensch sei als &#039;&#039;ein&#039;&#039; männlich-weibliches Kompositwesen geschaffen (s. z.B. im Talmud, b.Ber 61). Entsprechend dann hier Ramban, Tur, Rabbenu Bahja, Chaim ben Attar: &#039;&#039;Als Gegenüber&#039;&#039; bedeute: Als zweites Wesen, das dem Menschen &#039;&#039;gegenüber&#039;&#039; stehen kann – wonach Gott den Kugelmenschen teilt.&amp;lt;br /&amp;gt;Ebenso schön Radak: &#039;&#039;Als Gegenüber&#039;&#039;, nämlich dann, wenn der Mann droht, auf einen Pfad der Sünde zu geraten – dann soll ihm die Frau in den Weg treten.&amp;lt;br /&amp;gt;Radak leitet dann aus dieser Stelle auch noch ab, dass der Mann höher stehe als die Frau, da sie ja nur eines seiner Körperteile sei, weshalb es ja nur logisch sei, dass Männer stärker und intelligenter seien als Frauen. Dagegen s. zu V. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Jesus Sirach|36|29}}&lt;br /&gt;
{{S|19}} Und JHWH-Gott formte (bildete, gestaltete) ([weiterhin (noch einmal)]&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[weiterhin (noch einmal)]&#039;&#039; - so SamP, LXX. Ball 1896, S. 73 hält das für ursprünglich; das „weiterhin“ soll zurückverweisen auf V. 7. Hendel 1998, S. 124 und BHQ dagegen beziehen es (wie schon der Midrasch) als „noch einmal“ zurück auf [[Genesis 1#s24 |Gen 1,24f.]] und erklären es daher zum „explizierenden Plus“. Weil eine spätere Einfügung leichter erklärlich ist als ein späterer Ausfall, sinnvoller wie Hendel und BHQ.&amp;lt;/ref&amp;gt;) aus dem Erdboden jedes wilde Tier (Lebewesen des Feldes) und jeden Vogel des Himmels, und er brachte [jedes Tier] ([es])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039; - SamP, TgO und TgJ wie MT ohne Objekt: „er brachte zum Menschen“. Dass „jedes wilde Tier und jeder Vogel des Himmels“ Objekt ist, muss man sich dann hinzudenken. LXX, VUL, Syr und TgN dagegen haben alle ein zusätzliches „es“. Sicher richtig BHQ: Dies setzt keinen alternativen Wortlaut voraus, sondern ist explizierende Einfügung.&amp;lt;/ref&amp;gt; zum Erdling (Menschen), um zu sehen, wie er es nennen würde; und wie immer der Erdling (Mensch) – als Lebewesen (lebendige Seele)! – es nennen würde (wie immer der Erdling, das Lebewesen, es nenne würde?; wie immer der Erdling es, das Lebewesen, nennen würde?; wie immer der Erdling es als Lebewesen nennen würde? was immer der Erdling „Lebewesen“ nenne würde?; wie immer der Mensch es {ein Lebewesen} nennen würde?),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;der Mensch – als Lebewesen!&#039;&#039; - die anderen grammatischen Auflösungen und textkritischen Lösungen in dt. Üss. sind unmöglich oder zu gewagt, s.u. Nimmt man Gen 2-3 für sich und löst auf wie oben, lässt sich die Stelle kaum anders erklären als mit Hirsch: „Der Mensch gibt den Dingen Namen, nicht als Gott, der dem Wesen der Dinge auf den Grund schaut, sondern von seinem individuellen Standpunkt aus, als [bloßes Lebewesen].“ Ähnlich Chizkuni: „als Lebewesen“ wird präzisiert, um zu betonen, dass nicht &#039;&#039;Gott&#039;&#039; die Tiere benennt und sodann nur Gott die Namen der Tiere kennt, sondern eben auch der Mensch, der daher nicht jedes Mal extra Gott befragen muss, wie ein Tier heiße (anders als Hirsch gehen allerdings Chizkuni wie auch der Midrasch und Rabbenu Bahja davon aus, dass der Mensch vermöge seines „von Gott gegebenen Atems“ &#039;&#039;als Lebewesen&#039;&#039; eben doch dazu in der Lage war, bei der Benennung der Tiere ihrem Wesen auf den Grund zu sehen, weshalb er z.B. den Esel &#039;&#039;ḥmwr&#039;&#039; nannte, da er ja &#039;&#039;ḥwmr&#039;&#039; [eine Maßeinheit für Getreide] transportiere). Vgl. auch Tur: „&#039;&#039;Die Bedeutung von ‚das sollte sein Name sein‘ ist: Gott war mit den Namen einverstanden, die Adam den Tieren gab, und bezeichnete von da an auch selbst die Tiere mit den Namen, die Adam ihnen gegeben hatte.&#039;&#039;“&amp;lt;br /&amp;gt;Vielleicht ist die Stelle allerdings besser textgeschichtlich zu erklären: Die Versteile über die Benennung der Tiere in Vv. 19f. könnten eine aus V. 23 abgeleitete spätere Ergänzung sein, die eine Leerstelle aus Gen 1 füllen soll: Die Namen von Tag, Nacht, Himmel, Erde und Meer kommen von Gott; woher die Namen der Tiere (und Pflanzen) kommen, wird dort aber nicht erwähnt. Das würde dann hier nachgeliefert: Sie kommen &#039;&#039;von den Lebewesen selbst&#039;&#039;!&amp;lt;br /&amp;gt;Alternativ nimmmt Schellenberg 2007 mit fast allen neueren Kommentaren an, dass die Namensgabe ein „Herrschaftsakt“ sei, mit dem der Mensch Macht über die Tiere ausübe, so dass gesagt wäre: „Wie immer der Mensch – obwohl auch er ein Lebewesen ist! – es nennen würde, so würde sein Name sein“. Aber das ist sicher unrichtig; gg. die Deutung der Namensgabe als einem Herrschafstakt vgl. Ramsey 1988 und Büsing 1994 und s. nur [[Genesis 16#s13 |Gen 16,13]], wo Hagar &#039;&#039;Gott&#039;&#039; einen Namen gibt, [[Genesis 33#s20 |Gen 33,20]], wo Jakob einem Altar als Wohnort Gottes den Namen „Gott, Gottheit Israels“ gibt, und [[Genesis 26#s17 |Gen 26,17-21]], wo Isaak just da, wo er zwei Orte &#039;&#039;aufgibt&#039;&#039;, diese benennt.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Lebewesen&#039;&#039; steht an einer merkwürdigen Position im Satz. (1) Entweder bezieht es sich auf den Menschen ([a] als Apposition: &#039;&#039;der Mensch, das Lebewesen&#039;&#039;, oder [b] als adverbialer Akkusativ: &#039;&#039;der Mensch als Lebewesen&#039;&#039;) (2) oder auf &#039;&#039;lo&#039;&#039; („es“: [a] als Apposition: &#039;&#039;wie der Mensch es, das Lebewesen, benennen würde&#039;&#039;, oder [b] als adverbialer Akkusativ: &#039;&#039;wie der Mensch es als Lebewesen benennen würde&#039;&#039;). Für (1a) TAF, für (1b) z.B. Gertz 2018, ZÜR; für (2a) z.B. ibn Ezra; Fischer 2018; auch ELB, EÜ, H-R, LUT, PAT; für (2b) B-R. Bei (1a) würde man aber Artikel erwarten (vgl. Schellenberg 2007, S. 301), bei (2a+b) stört die Wortstellung (vgl. HKL III, §333e. Die fehlende Präp. dagegen stört auch bei [2a] nicht, vgl. Holmstedt / Jones 2017, S. 23).&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Theoretisch möglich noch wie Ramban, Tur, Speiser 1964 und Bandstra 2008: „Whatever the human being called a living being, it became its name“ (Goldingay 2020), aber das liegt ja völlig fern – was hätte der Mensch denn &#039;&#039;nicht&#039;&#039; „Lebewesen“ nennen sollen (so richtig schon Sifte Chakamim)?&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Raschi und Radak schließlich halten die Konstruktion für eine Art Casus pendens mit verkehrter Wortfolge: „jedes Lebewesen – wie immer der Mensch es nennen würde, so...“ = „wie immer der Mensch jedes Lebewesen nennen würde, so...“. Aber selbst, wenn es diese Konstruktion gäbe, wäre das unmöglich, da dann mindestens „jedes“ bei „Lebewesen“ stehen müsste.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: (5) Ball 1896, S. 73, BHK, BHS und z.B. noch Bührer 2014, S. 222, MEN und HER05 halten die Fügung daher für eine sekundäre Glosse. Als Ausdrucksvariante des zweiten &#039;&#039;lo&#039;&#039; wäre es auch wirklich gut erklärlich: „Wie immer der Erdling &amp;lt;s&amp;gt;es&amp;lt;/s&amp;gt; [ein Lebewesen] nennen würde, das sollte sein Name sein.“ Aber alle Vrs. stützen MT; Hendel 1998 und BHQ folgen dem daher richtig nicht mehr.&amp;lt;/ref&amp;gt; das sollte sein Name sein.&lt;br /&gt;
{{S|20}} Also (und) gab (rief) der Erdling (Mensch) allem Vieh&amp;lt;ref&amp;gt;Man beachte, wie die Kategorie des „&#039;&#039;Viehs&#039;&#039;“ (vs. „wilde Tiere“) erst im Zusammenhang mit der Benennung der Tiere durch Adam in Gen 2 eingeführt wird (gut beobachtet Magonet 1992, S. 40), was noch auffälliger ist, da es von dieser Kategorie durch die „Vögel“ getrennt wird. Ist, synchron gelesen, hier schon der Unterwerfungs-Auftrag aus Gen 1 umgesetzt? Ist „Vieh“ vom Menschen unterworfenes und separiertes Wild?&amp;lt;/ref&amp;gt; und den (allen)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039; - SamP, TgO, TgN wie MT: &#039;&#039;den Vögeln&#039;&#039;. LXX, TgJ, Syr und VUL dagegen wie bei „Vieh“ und „wilde Tiere“: &#039;&#039;allen Vögeln&#039;&#039;. So auch 4 MSS, wahrscheinlich also nicht nur an den Kontext angleichende Übersetzung (so BHQ, ähnlich schon ibn Ezra). Ball 1896, BHK, BHS und Hendel 1998, S. 124 halten dies für ursprünglich; nach Hendel soll es ein Homoiteleuton gewesen sein (&#039;&#039;w&amp;lt;u&amp;gt;l&amp;lt;/u&amp;gt;k&amp;lt;u&amp;gt;l&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039; „und alle“ &amp;gt; &#039;&#039;wl&#039;&#039; „und die“). Weit wahrscheinlicher Assimilation an das Vieh und die wilden Tiere. Der Text ist in Ordnung; Aufzählungen in der heb. Bibel müssen nicht symmetrisch sein.&amp;lt;/ref&amp;gt; Vögeln am Himmel (des Himmels) und allen wilden Tieren (Getier des Feldes) Namen. Aber für Adam (für den Erdling, für einen Erdling?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;für Adam (für den Erdling, für einen Erdling?)&#039;&#039; - ohne Artikel. (1) Auf den ersten Blick daher &#039;&#039;für Adam&#039;&#039;, denn Eigennamen weisen keine Artikel auf. So übersetzen daher z.B. Sarna 2001 und Collins 2006. Sonst kaum jemand; unter den dt. Üss. so auch nur ELB. (2) Einige Ausleger (z.B. Goldingay 2020; Arneth 2007b, S. 129; Bührer 2014, S. 189) glauben dagegen, &#039;&#039;`adam&#039;&#039; werde hier als Gattungs-Begriff verwendet: „für &#039;&#039;einen Menschen&#039;&#039;“. So auch B-R, MEN, R-S, TEX. Aber richtig Ball 1896, S. 73: Gerade auch Nomen, die als Gattungsbegriffe verwendet werden, haben Artikel. (3) Die meisten Ausleger und Üss. halten dies daher für eine Fehl-Vokalisation im MT: Korrekt sei nicht &#039;&#039;le`adam&#039;&#039; („für Adam“), sondern &#039;&#039;la`adam&#039;&#039; („für den Menschen“). Aber es ist doch sehr auffällig, dass spätestens hier &#039;&#039;alle&#039;&#039; alten Vrs. von der selben Vokalisierung ausgehen wie MT. Der Midrasch und Rabbenu Bahja erdichten sogar einen Grund: Offenbar hat der Mensch ineins mit den Tieren hier auch gleich sich selbst den Namen „Adam“ gegeben:  „&#039;&#039;Als Gott Adam fragte, was sein eigener Name sein solle, antwortete dieser: ‚Adam‘. Er erklärte, diesen Namen habe er gewählt, da er ja aus &#039;&#039;`adamah&#039;&#039; geschaffen sei.&#039;&#039;“ (Bahja). Hier umzuvokalisieren ist also zu gewagt. So daher früher zwar Ball 1896, BHK, BHS, heute richtiger aber nicht mehr Hendel 1998 und BHQ. Die meisten der neuesten Kommentare aber schon, z.B. Fischer 2018, Gertz 2018, Carr 2021.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) NeÜ&#039;s „für sich“ folgt offenbar der Erklärung von ibn Ezra, Radak und Tur, s. nächste FN.&amp;lt;/ref&amp;gt; fand sich (er)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039; - auf den ersten Blick &#039;&#039;fand er&#039;&#039;; Subjekt könnte (1) Gott sein oder (2) der Mensch, der auch direkt zuvor Subjekt des Verbs war. Wie (2) auch schon TgN, ibn Ezra, Radak und Tur. Die letzten drei weisen klug hin auf [[Genesis 4#s23 |Gen 4,23]]; [[Exodus 24#s1 |Ex 24,1]] und [[1 Samuel 12#s11 |1 Sam 12,11]], wo jeweils ähnlich Lamech, Gott und Samuel von sich nicht als „ich“, sondern als „Lamech“, „JHWH“ und „Samuel“ sprechen. Vergleichbare Stellen gibt es wirklich häufig, aber mit unserem Vers vergleichbar sind sie nicht sehr gut: Anders als diese ist „[Der Mensch] fand für den Menschen keinen Beistand“ ja keine wörtl. Rede. (3) Die meisten übersetzen daher wahrscheinlich richtig mit LXX, VUL, TgO, TgJ und Syr impersonal: „&#039;&#039;es&#039;&#039; fand &#039;&#039;sich&#039;&#039;“.&amp;lt;br /&amp;gt;Die Frage ist theologisch nicht ganz unbedeutsam: Klar ist auf jeden Fall, dass auch die Entstehung der Tiere hier so erklärt wird, dass sie ursprünglich als potentielle &#039;&#039;Partner&#039;&#039; des Menschen konzipiert waren. Und dann lässt sich der Vers weiter entweder so deuten, (a) dass die Tiere diesem Anspruch aber nicht genügen, (b) oder so, dass sie (nur) &#039;&#039;in den Augen des Menschen&#039;&#039; diesem Anspruch nicht genügen. Die alten Rabbinen kombinieren überwiegend beide Deutungen: Gott habe natürlich bereits gewusst, dass die Tiere keine adäquaten Partner des Menschen seien, daher habe er die Tier-Parade aus V. 20 veranstaltet, damit dies auch der Mensch auf ewig einsehe und sodann akzeptiere, dass Gottes Not-OP in V. 21 nötig sei (so Ramban, Chizkuni, Tur). Ähnlich sehr witzig schon der Talmud in b.Jeb 63a: „&#039;&#039;Rabbi Eleazar [2. Jhd.] sagte: [....Dieser Vers] lehrt, dass Adam mit jedem Vieh und jedem wilden Tier geschlafen hatte. Erst, als er mit Eva geschlafen hatte, war er befriedigt.&#039;&#039;“&amp;lt;/ref&amp;gt; kein Beistand (keine Hilfe / Gehilfin)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Beistand&amp;quot; /&amp;gt; als sein Gegenüber.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Gegenüber&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|21}} Da (und) ließ JHWH-Gott einen Tiefschlaf über den Erdling (Menschen) fallen (kommen), so dass er schlief (und er schlief ein). Dann (und) nahm er&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;er nahm&#039;&#039; - Im Talmud ist in b.San 39a eine schöne Tradition überliefert: „Der Kaiser sprach zu Rabbi Gamaliel (1. Jhd.): Euer Gott ist ein Dieb, denn es heißt: [... ‚Er nahm eine seiner Rippen und baute daraus eine Frau‘]. Da sagte seine Tochter: ‚Lass nur, ich will ihm antworten.‘ Dann sagte sie zu ihm: ‚Schick mir einen Polizisten!‘ – ‚Wozu?‘ – ‚Heute Nacht haben uns Diebe ausgeraubt; sie haben einen silbernen Pokal gestohlen, aber dafür einen goldenen Pokal zurückgelassen!‘ – ‚Solche Diebe können gerne jeden Tag kommen.‘ – ‚[Nicht wahr?] Muss es nicht [ähnlich] angenehm für Adam gewesen sein, eine Rippe geraubt zu bekommen, dafür aber eine Magd zur Bedienung zu erhalten?‘&#039;&#039;“&amp;lt;br /&amp;gt;Ist „Magd zur Bedienung“ Sarkasmus (was angesichts der Sprecherin recht wahrscheinlich ist), könnte dies die erste feministische Textauslegung überhaupt sein.&amp;lt;/ref&amp;gt; eine [Rippe (Seite)] von seinen Rippen (Seiten)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Rippe (Seite)&#039;&#039; - Meist „Rippe“. Sonst wird das Wort in der Bibel nur für die „Seite“ oder die „Etage“ eines Gebäudes verwendet; alternativ daher zu verstehen als „eine seiner Seiten“, was die Schöpfung der Frau „aus Knochen &#039;&#039;und&#039;&#039; Fleisch“ (V. 23) besser erklärt (so NET; Batto 1992, S. 54; Ebach 2009, S. 7; erwogen auch von Goldingay 2020). Dt. Üss. und neuere Kommentare aber sehr einheitlich und mit allen Vrs. und mit 4 Makk 18,7: „Rippe“ (die Einwände von Kawashima 2006, S. 52 allerdings greifen nicht: Das Verb passt nicht besser zur Rippe als zur Seite, die man sich ja ebenfalls nicht einfach von einem Menschen „nehmen“ kann, auch ein Mensch mit md. zwei Seiten hat &#039;&#039;mehrere&#039;&#039; Seiten, „von denen“ eine genommen kann, und dass „der Mann“ als identisch mit „dem Erdling“ gedacht wird, steht ja nicht zur Debatte – die Frage nach „Rippe“ vs. „Seite“ ist eine semantische und text-logische Frage, keine feministische oder antifeministische).&amp;lt;br /&amp;gt;Im Midrasch ist ein Auslegungsstreit darüber überliefert, ob „Rippe“ oder „Seite“ gemeint sei (für Letzteres Rabbi Samuel ben Nachmani [3./4. Jhd.]). Für „Seite“ optieren noch weitere jüd. Ausleger, die hier wieder an den Kugelmenschen denken (s. zu Vv. 18.20) – daher noch genauer eigentlich: „er nahm eine seiner &#039;&#039;Hälften&#039;&#039;“ (z.B. Raschi, ibn Ezra, Abravanel und noch Hirsch).&amp;lt;/ref&amp;gt; und verschloss ihren Ort ([die Stelle] unter ihr)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;ihren Ort ([die Stelle] unter ihr)&#039;&#039; - w. „unter ihr“, was besser zur Bed. „Seite“ als „Rippe“ zu passen scheint. Vgl. aber [[Exodus 16#s29 |Ex 16,29]]; [[2 Samuel 2#s23 |2 Sam 2,23]]; [[Ijob 40#s12 |Ijob 40,12]], wo „unter jmdm“ jeweils bed.: „der Ort, wo jmd war“, entsprechend dann hier: „der Ort, wo sie (die Rippe/Seite) einst saß“. Ähnlich [[Psalm 37#s10 |Ps 37,10]]; [[Psalm 103#s16 |103,16]] u.ö.&amp;lt;/ref&amp;gt; [mit] Fleisch. &lt;br /&gt;
{{S|22}} Dann (und) baute&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;baute&#039;&#039; ist eigentlich ein Begriff aus der Architektur. Schön ALTER: Wie oben die Erschaffung des Menschen aus Lehm mit einem Wort bezeichnet wurde, das man eher für das Töpfern verwenden würde, so hier bei der Erschaffung der Frau aus Knochen mit einem Wort, das besser zur Konstruktion mit harten Materialien passt.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Im Midrasch leitet Rabbi Jose ben Zimra (2./3. Jhd.) und im Talmud (b.Nid 45b) Rabbi Chisda (3./4. Jhd.) &#039;&#039;wajjiben&#039;&#039; nicht von &#039;&#039;banah&#039;&#039; („bauen“) ab, sondern von &#039;&#039;bin&#039;&#039; („verstehen, verständig sein“), daher: „&#039;&#039;[...Dieser Vers] lehrt, dass der Heilige – gepriesen sei er! – der Frau mehr Verstand (&#039;&#039;binah&#039;&#039;) gegeben hat als dem Mann.&#039;&#039;“. Diese Auslegung ist vielleicht der Grund, warum die weitergehenden Auslegungen der Rabbinen zur Schöpfung der Frau i.d.R. wertschätzender sind als die der alten christlichen Ausleger.&amp;lt;/ref&amp;gt; JHWH-Gott die Rippe (Seite), die er vom (aus dem) Erdling (Menschen) genommen hatte (nahm), zu einer Frau und führte sie&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Ein Wort, das bei jüd. Hochzeiten auch für die Tätigkeit des Anführers einer Braut-Prozession verwendet wird. Viele alte Ausleger haben daher hier an eine solche Brautprozession, z.B. b.Ber 61a, b.Erub 18b, ARN 4,3, PRE 12 und viele Rabbis im Midrasch. Luther und Goldingay 2020 übertragen das ähnlich auf eine christliche Hochzeit: Gott werde vorgestellt wie der Brautvater, der seine Tochter dem Mann zuführt.&amp;lt;/ref&amp;gt; zu dem Erdling (Menschen). &lt;br /&gt;
{{S|23}} Da (und) rief (sagte) der Erdling (Mensch): &lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Dies (diese, dieses Mal)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Dies (diese)&#039;&#039; - Das Pronomen ist zwar feminin, (1) kann sich aber entweder auf „Knochen“ (f) (2) oder die Frau beziehen und muss entsprechend übersetzt werden. (3) Möglich auch: „Dieses Mal“; so Tg, Saadia, Ramban. Die Doppelung „Dieses Mal“ und „endlich“ würde den Satz nur noch stärker machen. Aber neben &#039;&#039;diese&#039;&#039; in Zeile c und Zeile d, wo es sich jeweils zweifellos auf die Frau bezieht, liegt ein anderes Verständnis als (2) hier sehr fern.&amp;lt;/ref&amp;gt; endlich [ist(&#039;s)] Gebein von meinem Gebein&lt;br /&gt;
_Und Fleisch von meinem Fleisch!&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch&#039;&#039; - Abwandlung der heb. Verwandtschaftsformel „Du bist mein Gebein und mein Fleisch“ ([[Genesis 29#s14 |Gen 29,14]]; [[Richter 9#s2 |Ri 9,2]]; [[2 Samuel 5#s1 |2 Sam 5,1]]; [[2 Samuel 19#s13 |2 Sam 19,13f.]]; [[1 Chroniken 11#s1 |1 Chr 11,1]]), die an diesen Kontext angepasst wurde. Sicher verwendet, um die „Familienähnlichkeit“ zu unterstreichen, die Mann und Frau anders als Mensch und Tier eignen. Mensch und Tier haben mit dem „Erdboden“ die selbe Mutter und sind damit mindestens Halbgeschwister, aber Mann und Frau sind im Vergleich dazu geradezu siamesische Zwillinge.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Diese wird „Frau“&amp;lt;ref name=&amp;quot;23&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;Frau&#039;&#039; + &#039;&#039;Mann&#039;&#039; - Unübersetzbares Wortspiel im Heb., da das Wort für „Frau“ ({{Hebr}}אִשָּׁה{{Hebr ende}} &#039;&#039;`iššah&#039;&#039;) klingt wie das Femininum des Worts für Mann ({{Hebr}}אִישׁ{{Hebr ende}} &#039;&#039;`iš&#039;&#039;). Luther versuchte, dies mit der etwas missverständliche Übersetzung „Mann und Männin“ zu übertragen. So heute noch LUT 17; auch ELB, MEN, NL, PAT, SLT, TAF, TEX, ZÜR 31 (nicht mehr ZÜR 07). Besser B-R und ähnlich BigS, NeÜ: „Die sei gerufen &#039;&#039;Ischa&#039;&#039;, Weib, denn von &#039;&#039;Isch&#039;&#039;, vom Mann, ist die genommen.“&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Wie MT auch Sym, Theod, VUL, TgJ, TgN, Syr. Dagegen SamP, LXX, TgO und Jub 3,6 setzen ein anderes Wortspiel voraus: „Diese soll &#039;&#039;`iššah&#039;&#039; („Frau“) genannt werden, denn von &#039;&#039;`iššahh&#039;&#039; (&#039;&#039;ihrem&#039;&#039; Ehemann‘) wurde sie genommen!“ Ball 1896 hielt das für ursprünglich, Hendel 1998 dagegen hielt es für eine Harmonisierung mit [[Genesis 3#s6 |Gen 3,6]] und BHQ noch sinnvoller für eine Harmonisierung mit V. 24. Das ist wahrscheinlicher: Beide Wortspiele sind stark, aber das in MT ist nicht derart besser als das in SamP, dass Letzteres zu Ersterem korrigiert worden sein sollte. Und natürlich sind „Frau und Mann“ ein viel erwartbareres Paar als „Frau und Ehemann“.&amp;lt;/ref&amp;gt; genannt werden (Zu dieser wird „Frau“ gesagt), &lt;br /&gt;
_Denn vom Mann&amp;lt;ref name=&amp;quot;23&amp;quot; /&amp;gt; wurde genommen diese (wurde sie genommen).“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;diese&#039;&#039; - fein wird das kleine Gedicht gerahmt vom selben Wort (&#039;&#039;zo`t&#039;&#039;, „diese“), mit dem Zeile 1 und Zeile 3 beginnen.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Jedenfalls in MT, SamP und den Tgg. LXX, VUL, Syr und einige MT-MSS haben dieses abschließende &#039;&#039;zo`t&#039;&#039; nicht. Hendel 1998 und BHQ halten es daher für ein explizierendes Plus, das später eingefügt worden sei. Aber eine solche Explikation wäre nach dem &#039;&#039;zo`t&#039;&#039; in Zeile 3 unnötig. Die Frage ist kaum entscheidbar; weder ein Ausfall noch eine Einfügung sind gut erklärlich.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|24}} Daher (darum) [kommt es, dass]&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Daher (darum) [kommt es, dass]&#039;&#039; - W. nur „darum“, hier wie öfter ist dies aber die typische Einleitung einer „ätiologischen Erklärung“, also eines Erzählerkommentars, der aus einer alten Geschichte erklärt, warum heute etwas so ist, wie es ist. Das erklärt auch die Verbform Yiqtol, die hier neben Qatal gebräuchlich ist: W. „Aus diesem Grund &#039;&#039;würde [später]&#039;&#039; geschehen“ (s. ähnlich [[Genesis 10#s9 |Gen 10,9]]; [[Numeri 21#s14 |Num 21,14]].[[Numeri 21#s27|27]]; [[1 Samuel 19#s24 |1 Sam 19,24]]; [[2 Samuel 5#s8 |2 Sam 5,8]]). Dass gerade hier die Yiqtol-Variante gewählt wird, ist klar: Adam und Eva haben ja gar keine leiblichen Eltern; die Ätiologie blickt also vollständig in die Zukunft. Gut übersetzt daher Brichto 1998, S. 75: „Hence it is...“&amp;lt;/ref&amp;gt; verlässt (lässt zurück; wird verlassen) ein Mann seinen Vater und seine Mutter und hängt sich an seine Frau, und (so dass, dann) sie (die beiden)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;sie&#039;&#039; nur im MT. Alle anderen Vrs. dagegen „die beiden“ wie in V. 25. Auch im NT wird der Vers mehrfach so zitiert und auch Philo kannte diese Textvariante. Wegen dieser überwältigenden externen Evidenz hielten dies Ball 1896, S. 73 und BHK für ursprünglich und findet sich diese Variante auch in vielen dt. Üss., aber richtig Hendel 1998, S. 124 und BHQ: Sicher Angleichung an V. 25; ein Ausfall dagegen wäre unerklärlich. – Ein Lehrstück der Textkritik gleich zu Beginn der Bibel: Externe Evidenz heißt sehr wenig für die Wahrscheinlichkeit der Ursprünglichkeit einer Textvariante.&amp;lt;/ref&amp;gt; werden (werden sein) zu einem Fleisch.&amp;lt;ref&amp;gt;Dass &#039;&#039;ein Mann seine Eltern&#039;&#039; verlässt, ist gar nicht der Fall, umgekehrt verlässt im Alten Israel bei einer Heirat &#039;&#039;die Frau&#039;&#039; ihre Eltern. Wahrscheinlich ein Bild, das gleichzeitig damit, dass es überhaupt auf die Institution der Ehe anspielt (dazu s. aber die Anmerkungen), spezieller besagt: So eng die Bindung zwischen einem Menschen und seinen Eltern auch ist – das Eheband, das Menschen miteinander zu einer neuen Familie verbindet, bindet noch enger (So Blum 2010, S. 12; Gertz 2018; Goldingay 2020). Ähnlich schon PRE 34: „&#039;&#039;Bis ein Mann heiratet, richtet seine Liebe sich auf seine Eltern; wenn er heiratet, wird seine Liebe auf seine Ehefrau transferiert.&#039;&#039;“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Mit &#039;&#039;sich hängen an&#039;&#039; und &#039;&#039;ein Fleisch werden&#039;&#039; ist entgegen den Beteuerungen vieler Kommentatoren kein Sex gemeint. Zum „ein Fleisch werden“ vgl. deutlich [[1 Korinther 6#s16 |1 Kor 6,16]]. Besser als die wörtl. Üs. daher BB, GN, HfA: „Sie werden eins mit Leib und Seele“; NL: „sie werden zu einer Einheit“.&amp;lt;br /&amp;gt;„Sich hängen an“ meint in [[Genesis 34#s3 |Gen 34,3]] zwar in der Tat die Liebe zwischen Mann und Frau, aus der dort sogar auch wirklich Geschlechtsverkehr folgt. Primär meint das Wort aber die &#039;&#039;Zusammengehörigkeit&#039;&#039;, s. z.B. [[Numeri 36#s7 |Num 36,7.9]] (Israeliten sollen „an ihrem Land hängen“ = „es nicht fortgeben“); [[Deuteronomium 4#s4 |Dtn 4,4]]; [[Deuteronomium 10s#20 |10,20]]; [[Deuteronomium 11#s22 |11,22]] u.ö. (die häufigste Verwendung: „an Gott hängen“ = „Gott treu verehren“); [[Josua 23#s12 |Jos 23,12]] („Israel soll sich nicht an andere Nationen hängen und sich nicht mit ihnen verschwägern“); [[Rut 1#s14 |Rut 1,14]] (Orpa verlässt ihre Schwiegermutter, Rut aber „hängt sich an sie“ = „bleibt bei ihr“; s. dazu noch [[Rut 1#s16 |Rut 1,16]]) usw. Die meisten dt. Üss. wählen daher „anhangen“, noch treffender aber EÜ 80, HER05, NL: „Er bindet sich an seine Frau“.&amp;lt;br /&amp;gt;Insgesamt daher am sinngemäßesten: „Daher kommt es, dass ein Mann sich von seinen Eltern löst, sich stattdessen an seine Frau bindet und die beiden mit Leib und Seele eins werden.“&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Deuteronomium|10|20}} {{par|Jesus Sirach|19|2}} {{par|Eph|5|31}} {{par|Mk|10|7}} {{par|Mt|19|5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|25}} {und} Beide hatten kein Gewand (waren nackt),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;kein Gewand&#039;&#039; - w. „sie waren nackt“. Komplexes Wortspiel: &#039;&#039;nackt&#039;&#039; ist in Gen 2-3 sonst &#039;&#039;´erum&#039;&#039;, hier aber &#039;&#039;´arum&#039;&#039; und damit gleichlautend mit dem &#039;&#039;´arum&#039;&#039; („gewandt“) im folgenden Vers (→ irreguläre Assonanz), aber &#039;&#039;anders&#039;&#039;-lautend als das „nackt“ in Gen 3,7. Zu diesem Wortspiel s. die Anmerkungen zu Kap. 3. Gen 2,25 gehört damit auch eher zu Gen 3,1-7 als zu Gen 2,18-24 (so z.B. Sarna 2001; Good 2009; Brichto 1998, S. 79); die meisten halten ihn ähnlich für einen „Brückenvers“. Dagegen Arnold 2009 und Willi-Plein 1995, S. 6 wegen der Syntax von Gen 3,1, aber das Waw-X-Qatal dort markiert nur den Subjektwechsel, nicht einen neuen Abschnitt.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Faustregel: Je jünger eine Auslegung, desto stärker ist diese Nacktheit sexualisiert worden. Bis erstens dahin, dass die witzige Vorstellung der christlichen Philosophie hier eingetragen wird, bei Adam und Eva und bei späteren Menschen nach ihrem Tod sei es so (gewesen), dass sie ihre Sexualorgane willentlich bewegen könnten wie unsereiner die Arme oder Beine (ähnlich schon Augustinus, Gottesstaat 14.17: „&#039;&#039;Sie wussten natürlich, dass sie nackt waren, aber sie schämten sich nicht, weil noch keine Begierde ihre Sexualorgane gegen ihre willentliche Entscheidung erregte. Die Zeit war noch nicht gekommen, da die Rebellion des Körpers Zeuge von und Vorwurf gegen die Rebellion des Menschen wider seinen Schöpfer sein würde.&#039;&#039;“), und bis zweitens dahin, dass gesagt werden konnte, Sünde „konzentriere sich in den Sexualorganen“, was der Grund dafür sei, dass Juden beschnitten werden (Or haChaim). Dass mit der Sünde auch die Sexualität in die Welt gekommen sei, sehe man dann daran, dass Adam und Eva sich ab Gen 3,7 eben doch schämen.&amp;lt;br /&amp;gt;Neuere Ausleger weisen demgegenüber regelmäßig darauf hin, dass Nacktheit in der Bibel nie sexuell konnotiert sei, sondern ein Zeichen der Schande: Arme waren nackt, Kriegsgefangene waren nackt etc., aber die Nacktheit von Mann und Frau würde nie problematisiert. Das stimmt so auch nicht; s. [[2 Samuel 6#s20 |2 Sam 6,20]], wo Michal die leichte Bekleidung Davids explizit kritisiert, weil er sich mit ihr „vor den Frauen seiner Untergebenen“ entblößt habe; richtig ist aber dennoch, dass Nacktheit in der Bibel &#039;&#039;primär&#039;&#039; Ausdruck der &#039;&#039;Statuslosigkeit&#039;&#039; und nicht sexuell aufgeladen war. Das wäre angesichts der Kleidungsnormen im Alten Orient auch merkwürdig, s. zu [[Genesis 3#s7 |Gen 3,7]]. Ohnehin kann man sich fragen, ob es denn eigentlich wirklich der Fall ist, dass gerade Ehemann und Ehefrau sich in ihrer Nacktheit voreinander schämen und deshalb ihre Scham voreinander verbergen &#039;&#039;wollen&#039;&#039;, und dass deshalb dieser Zustand hier ätiologisch erklärt werden müsste. Aus b.Schab 9b geht hervor, dass man im Alten Israel sogar das Abendessen ohne Gürtel – d.h.: komplett unbekleidet – einnehmen konnte (Rabbi Chaninah [4. Jhd.]: „Wann beginnt das Abendessen? Wenn man seinen Gürtel geöffnet hat.“); hier gilt dies also sogar noch weniger als in unserer Kultur. Den Sinn erfasst daher wohl richtiger Philo in &#039;&#039;Fragen und Antworten zur Genesis&#039;&#039;: „&#039;&#039;Sie schämten sich zweitens nicht wegen ihrer Arglosigkeit und der Schlichtheit ihrer Sitten und wegen ihrer natürlichen Disposition, zu der noch keinen Hauch von &#039;&#039;Stolz&#039;&#039; gehörte.&#039;&#039;“: Kleidung ist im Alten Orient ein &#039;&#039;Status-Symbol&#039;&#039;, Kleidungslosigkeit heißt Statuslosigkeit, heißt: „Ich stehe niedrig“ – was nach dem Vergehen Adams und Evas ja auch wirklich der Fall war.&amp;lt;/ref&amp;gt; der Erdling (Mensch) und seine Frau, aber (und) sie mussten sich nicht voreinander schämen (pflegten nicht, einander zu beschämen).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;sich voreinander schämen müssen (einander zu beschämen pflegen)&#039;&#039; - Hitpolel. Hitpolel als Variante des Hitpael macht i.d.R. ein Verb reflexiv („&#039;&#039;sich&#039;&#039; schämen“) oder reziprok („&#039;&#039;einander&#039;&#039; beschämen“). Bei &#039;&#039;boš&#039;&#039; ist schon der Qal reflexiv; Funktion kann daher hier nur Reziprozität sein. Basis der Verb-Transformation könnte sowohl das Qal („sich schämen“) als auch ein in dieser Bed. nicht belegter Polel („jmdn beschämen“) sein, daher die beiden Übersetzungsalternativen. Letztere halten Gertz 2018; Sasson 1985 und Hartenstein 2005, S. 286 für richtig. Grammatisch ist das gut möglich, aber idiomatisch für „jmdn beschämen“ ist das häufige &#039;&#039;kalam&#039;&#039; Hifil (z.B. [[Sprichwörter 28#s7 |Spr 28,7]]), weshalb ja auch der Polel von &#039;&#039;boš&#039;&#039; in dieser Bed. gar nicht belegt ist, der stattdessen die Sonder-Bed. „sich verzögern“ angenommen hat.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit &#039;&#039;&#039;Gen 2,2-3&#039;&#039;&#039; endet der Schöpfungsbericht; mit &#039;&#039;&#039;Gen 2,4&#039;&#039;&#039; beginnt ein neuer Abschnitt. Das zeigt schon ein kurzer Blick auf die Struktur: Der Abschluss in Gen 2,2-3 ist offensichtlich:&lt;br /&gt;
: (a) &#039;&#039;Gott erklärte als vollendet am sechsten Tag&#039;&#039; (b1) &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;sein Werk&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;, (b2) &#039;&#039;das &#039;&#039;&#039;er gemacht&#039;&#039;&#039; hatte,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
: (a&#039;) &#039;&#039;und ruhte sich am siebten Tag aus&#039;&#039; (b1&#039;) &#039;&#039;von &#039;&#039;&#039;seinem ganzen Werk&#039;&#039;&#039;,&#039;&#039; (b2&#039;) &#039;&#039;das &#039;&#039;&#039;er gemacht&#039;&#039;&#039; hatte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
: (a&amp;lt;nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) &#039;&#039;Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn für heilig, da er an ihm ausgeruht hatte&#039;&#039; (b1&amp;lt;nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) &#039;&#039;von &#039;&#039;&#039;seinem ganzen Werk&#039;&#039;&#039;,&#039;&#039; (b2&amp;lt;nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) &#039;&#039;das Gott &#039;&#039;&#039;machend&#039;&#039;&#039; geschaffen hatte.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Gen 2,2-3 wird von manchen Ausleger:innen für einen Bericht über den „siebten Schöpfungstag“, an dem Gott nach dem Menschen nicht den &#039;&#039;Menschen&#039;&#039;, sondern &#039;&#039;den Sabbat&#039;&#039; als die „Krone der Schöpfung“ geschaffen habe. Dass hier nebenbei erklärt wird, woher der Sabbat kommt, ist offensichtlich. Dass dieser Sabbat das siebte Schöpfungswerk wäre, liegt aber nicht sehr nahe, weil V. 7 auch unabhängig davon, dass die üblichen Strukturelemente der ersten sechs Schöpfungstage in Gen 1 fehlen und dass in Gen 2,1 explizit gesagt wird, dass mit Gen 1,31 die Welt „vollendet“ ist, die Rede vom sechsten und vom siebten Tag jeweils nur Einleitung dieses Sprachspiels ist, auf dem hier klar der Fokus liegt: Gott hat sein Werk getan, getan, getan – und ist nun fertig.&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;Mit „&#039;&#039;das Gott machend geschaffen hatte&#039;&#039;“, heb. &#039;&#039;`ašer-&#039;&#039;&#039;bara`  `elohim&#039;&#039;&#039; la´aßot&#039;&#039; wird noch einmal die Brücke geschlagen zu Gen 1,1: Das zweitletzte und drittletzte Wort ist das selbe wie das zweite und dritte dort: &#039;&#039;berešit &#039;&#039;&#039;bara` `elohim&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass mit Gen 2,4 ein neuer Abschnitt beginnt, kann man nach diesen beiden Struktur-Spielen also kaum bezweifeln, und Gen 2,4 legt mit einem deutlichen Chiasmus sogar noch ein drittes dazu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Dies sind die Nachkommen von&#039;&#039; (a) &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Himmel&#039;&#039;&#039; und&#039;&#039; (b) &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Erde&#039;&#039;&#039;, als sie&#039;&#039; (c) &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;geschaffen&#039;&#039;&#039; wurden:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Als JHWH-Gott&#039;&#039; (c&#039;) &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;machte&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; (b&#039;) &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Erde&#039;&#039;&#039; und&#039;&#039; (a&#039;) &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Himmel&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit beginnt der Abschnitt &#039;&#039;&#039;Gen 2,4-3,24&#039;&#039;&#039;, den man oft einen „zweiten Schöpfungsbericht“ nach Gen 1,1-2,3 nennt. Dass es &#039;&#039;zwei&#039;&#039; Schöpfungserzählungen gegeben haben soll, wäre auch gar nicht verwunderlich: Uns sind auch jeweils mehrere sumerische, babylonische und akkadische Schöpfungserzählungen überliefert und tatsächlich finden sich  auch in der Bibel noch eine Reihe weiterer Schöpfungsberichte: [[Psalm 104 |Ps 104]] besingt in Lied-Form die Schöpfung der Welt, in [[Sprichwörter 8#s22 |Spr 8,22-31]] schildert die Weisheit die Weltschöpfung aus ihrer Perspektive und in [[Jesus Sirach 42#s15 |Sir 42,15-43,33]] buchstabiert Jesus Sirach preisend die einzelnen Schöpfungswerke durch. Entsprechend ist häufig und viel darüber nachgedacht worden, worin diese beiden Schöpfungsberichte sich entsprechen und worin sie sich unterscheiden.&amp;lt;br /&amp;gt;Tatsächlich liegt der Fokus von Gen 2-3 aber gar nicht auf der Schöpfung. Nach der Überschrift Gen 2,4a beginnt Gen 2,4-3,24 strukturell sehr ähnlich wie Gen 1,1-2,3:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! !! Gen 1,1-2,3 !! Gen 2,4b-3,24&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;&#039;Zeitlicher Vordersatz&#039;&#039;&#039; || &#039;&#039;Am Anfang [davon, dass]&amp;lt;br /&amp;gt;Gott schuf Himmel und Erde,&#039;&#039; || &#039;&#039;Am Tag, [an dem]&amp;lt;br /&amp;gt;JHWH-Gott machte Erde und Himmel,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;&#039;Hauptsatz: Überschwemmung statt Erde&#039;&#039;&#039; || &#039;&#039;war die Erde nichts und nichts: Dunkelheit war über der Oberfläche der Tiefe und ein Wind Gottes stürmte über der Oberfläche des Wassers.&#039;&#039; || &#039;&#039;war alles Unkraut des Feldes noch nicht auf der Erde und wuchsen alle Nutzpflanzen des Feldes noch nicht, weil JHWH-Gott es nicht regnen ließ über der Erde und es keinen Erdling gab, um den Erdboden zu bestellen, aber Sturzflut aus der Erde emporzusteigen pflegte und die ganze Ob{erfläche des Erdbodens zu ertränken pflegte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;&#039;Beginn der Schöpfung&#039;&#039;&#039; || &#039;&#039;Da sprach Gott ...&#039;&#039; || &#039;&#039;Da formte Gott ...&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dieser Schöpfung selbst wird aber nur in wenigen der darauf folgenden Verse berichtet: (a) Der Mann wird in &#039;&#039;&#039;V. 7&#039;&#039;&#039; erschaffen, (b) der Garten (in) Eden (c) und die Bäume des Gartens in &#039;&#039;&#039;Vv. 8f.&#039;&#039;&#039;, (d) die Tiere in &#039;&#039;&#039;Vv. 18-19&#039;&#039;&#039; (e) und die Frau in &#039;&#039;&#039;Vv. 21-22&#039;&#039;&#039;. Alles andere, was in den oben erwähnten Schöpfungstexten sonst erwähnt wird, ist hier ausgespart – was hier geschaffen wird, ist nur das „Dramatis Personae“ von Gen 3, wo (d&#039;) ein Tier (e&#039;) die Frau dazu verführt, (c&#039;) von einem Baum des Gartens zu essen, diese wiederum (a&#039;) den Mann zum Selben verführt und danach beide (b&#039;) aus dem Garten vertrieben werden. Das ist entscheidend für das Verständnis von Gen 2-3: Die beiden Kapitel sind nicht wirklich eine zweite Schöpfungserzählung nach der ersten, sondern hauptsächlich eine &#039;&#039;&#039;Erzählung über die Vertreibung aus dem Garten Gottes&#039;&#039;&#039;. In diesem Licht müssen dann die einzelnen Verse von Gen 2-3 verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Das heißt auch, dass Gen 1-2,3 und Gen 2,4-3,24 einander gar nicht notwendig widersprechen müssen. Dass die beiden Texte von unterschiedlichen Autoren stammen, ist fast sicher. Davon unabhängig ist es aber möglich, die beiden Erzählungen miteinander zu harmonisieren: In der Auslegung der Alten hat man Gen 2 stets so verstanden, dass „der Autor Mose“ nach der Zusammenfassung der ganzen Schöpfung noch einmal spezieller auf den dritten Tag (Schöpfung der Erde und der Pflanzen) und den fünften und sechsten Tag (Schöpfung der Tiere und des Menschen) eingehen wollte. Geht man hiervon aus, ist der einzige große Unterschied noch der Zeitpunkt der Menschen-Schöpfung: Am Ende in Gen 1, am Anfang dagegen in Gen 2. Versteht man die Menschen-Schöpfung in Gen 2 dann aber noch mit Brichto 1998, S. 76 so, dass sie richtig ja erst abgeschlossen sei mit der Schöpfung der Frau, wonach der Mensch auch erst „männlich und weiblich“ ([[Genesis 1#s27 |Gen 1,27]]) geschaffen sei, muss auch dies kein Widerspruch mehr sein. Das eröffnet dann auch die Möglichkeit, dass die eine Erzählung auf die andere hin geschrieben sein könnte und beide sich so gegenseitig erhellen können – in der neuesten Bibelauslegung beginnt man aber gerade erst wieder, diese Möglichkeit auszuforschen.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|2,4b-6}}&#039;&#039;&#039;2,4b-6&#039;&#039;&#039; schildern dabei zunächst eine &#039;&#039;defiziente&#039;&#039; Schöpfung: Himmel und Erde gibt es bereits; auf der Erde wachsen aber noch keine Pflanzen: Dafür braucht es den Erdling (heb. &#039;&#039;`adam&#039;&#039;), der den Erdboden (&#039;&#039;`adamah&#039;&#039;) bestellt (Vv. 5), und den Gott daher in &#039;&#039;&#039;V. 7&#039;&#039;&#039; auch „&#039;&#039;aus&#039;&#039; Staub vom Erdboden“ &#039;&#039;herstellt&#039;&#039;. Mensch und Erde danach also Symbionten; der eine braucht den anderen, um seinen Zweck zu erfüllen.&amp;lt;br /&amp;gt;Die Verse greifen dabei ein häufiges Motiv aus altorientalischen Mythen auf: Der Mensch ist das Arbeitstier von Göttern, das sich an ihrer Statt um die Erde zu sorgen hat (s. zu V. 6). Entgegen einer verbreiteten Vorstellung ist der Garten in Eden auch nicht ein Schlaraffenland, in dem der Mensch nicht zu arbeiten braucht, weil Gott bereits alle Bäume wachsen lassen hat, die dem Menschen Nahrung spenden (V. 9), sondern &#039;&#039;&#039;V. 15&#039;&#039;&#039; sagt es explizit: Der Garten Eden ist natürlich ein Lustgarten (&#039;&#039;´eden&#039;&#039;: „Lust, Luxus“) – aber ein Lustgarten &#039;&#039;Gottes&#039;&#039;. Dem &#039;&#039;Menschen&#039;&#039; bestimmt Gott den Garten zur Wohnung, damit dieser dort als Feldarbeiter tätig wird und „im Garten dient“ oder gar „dem Garten dient“. Wenn Gott den Menschen in [[Genesis 3#s23 |Gen 3,23]] aus dem Garten verbannt, damit er „den Erdboden bestellt, von dem er genommen worden war“, ist &#039;&#039;dies&#039;&#039; also keine Strafe, sondern nur Fortsetzung dessen, was der Mensch von Anfang an tun sollte und tat. Verflucht wird dort ja ohnehin nicht der Mann zur Arbeit, sondern der Erdboden; nämlich dergestalt, dass diese Arbeit fortan &#039;&#039;mühseliger&#039;&#039; vonstatten gehen werde ([[Genesis 3#s17 |Gen 3,17f.]]). Insgesamt also: „Die Erde wird nicht zum Nutzen des Menschen geschaffen: Menschen werden geschaffen zum Nutzen der Erde...“ (Habel 2011, S. 49).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das ist wichtig: Sieht man das nicht, hat man keine Wahl, als den Abschnitt {{Anker|18-25}}&#039;&#039;&#039;Vv. 18-25&#039;&#039;&#039; so zu verstehen, dass „das helfende Gegenüber“ des Mannes ihm &#039;&#039;dabei&#039;&#039; helfen soll, „nicht allein zu sein“ – ein anderer Mangel, dem mit einem „helfenden Gegenüber“ Abhilfe geschaffen werden soll, würde dann ja nicht erwähnt. Wonach die Frau wesensmäßig „Gespielin“ des Mannes wäre (Luther: „eine Gehilfin, die um ihn sei“). Oder – noch unschöner – wie z.B. bei [https://isidore.co/aquinas/summa/FP/FP092.html#FPQ92OUTP1 Thomas von Aquin, Summa Theologiae Ia 92 1]:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Meine Antwort: Es war notwendig, dass die Frau – wie die Bibel sagt – zur „Hilfe“ für den Mann geschaffen wurde. Nicht zur Hilfe bei irgendwelchen Arbeiten, wie manche sagen, denn dabei können andere Männer dem Mann ja wesentlich effektiver helfen, sondern zur Hilfe bei der Fortpflanzung. [...] Bei perfekten Tieren kommt nämlich dem Mann die aktive Rolle bei der Fortpflanzung zu, der Frau dagegen die passive [und insofern ist sie „Helferin“].&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viel sinnvoller Greenstein 2002, S. 235f.:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Die meisten Ausleger verstehen den Satz „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist“ so, dass er sich auf das menschliche Geschöpf bezieht; das heißt: Es ist nicht gut &#039;&#039;für den Menschen&#039;&#039;, dass er allein ist. Das hat man dann entweder so verstanden, dass der Mensch sonst einsam wäre oder dass der Mensch allein bliebe, wenn er keinen Geschlechtspartner hätte, mit dem er sich fortpflanzen könnte. Es bietet sich aber noch eine weitere Auslegung an [...]: Es ist nicht gut &#039;&#039;für Gott&#039;&#039;, dass der Mensch allein ist. [...] Der zweite Mensch wurde geschaffen, um dem ersten Menschen dabei zu helfen, &#039;&#039;Gottes Arbeit zu tun. (Hervorhebung und Übersetzung: OfBi).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Greenstein verweist dann noch auf die tatsächlich offensichtlichen Parallelen zum „es ist nicht gut, dass der Erdling allein ist[, &#039;&#039;weil er seine Arbeit sonst nicht schafft&#039;&#039;]“ in [[Exodus 18#s17 |Ex 18,17f.]]; [[Numeri 11#s14 |Num 11,14-17]]; [[Deuteronomium 1#s9 |Dtn 1,9.12]].&amp;lt;br /&amp;gt;Vorausgesetzt ist hier also die Situation des vorhellenistischen Israel, in der der Mann und die Frau(en) eines Haushalts eine „Werk-Gemeinschaft“ bildeten und Frauen selbstverständlich auch bei der Feldarbeit mitwirkten (vgl. dazu z.B. auch Marsman 2003, S. 160f.; Ebeling 2016). Man denke nur an [[Rut 2#s8 |Rut 2,8f.]] (s. auch die Anmerkungen dort), wo bei der Ernte Männer als Schnitter und Frauen als Garbenbinderinnen (und Nachleserinnen) arbeiteten, oder an Simsons Mutter in [[Richter 13#s9 |Ri 13,9]], die gerade ohne ihren Mann auf dem Feld ist, als ihr der Gottesbote begegnet.&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;Danach wäre es auch nicht so (wie der Abschnitt z.B. in der traditionellen christlichen Exegese immer noch oft aufgefasst wird), dass hier Frau und Mann zur zweigeschlechtlichen Zwei-Personen-Ehe berufen würden, sondern Vv. 18-25 sind eine &#039;&#039;Ätiologie&#039;&#039; (und damit ohnehin keine „Vorschrift“) der Ehe &#039;&#039;als der für die Gesellschaft des Alten Israel fundamentalen Arbeitsgemeinschaft&#039;&#039;, die also erklärt, wie es dazu kam, dass Menschen sich überhaupt zusammentun: Weil sie Mitmenschen brauchen, um den Sinn ihres Lebens verwirklichen zu können. Dass mit Gen 2,24 nicht die Zwei-Personen-Ehe in die Schöpfung eingestiftet wird, ist ohnehin klar, weil der kulturelle Kontext, in dem Gen 2-3 geschrieben wurden, die &#039;&#039;Polygamie&#039;&#039; ist, die noch bis in die ersten Jahrhunderte nach der Zeitenwende gebräuchlich blieb. Und dass er keine Vorschrift einer Ehe zwischen Mann und Frau ist, ist auch unabhängig von der Gattung des Textes ebenso klar, weil in Gen 2 ja gar nicht &#039;&#039;Gott&#039;&#039; die Frau zum „passenden“ Gegenüber des Manns erklärt, sondern &#039;&#039;der Mensch&#039;&#039; (V. 23) – nachdem ihm zuvor Gott als potentiellen Partner jegliches Tier vorgestellt hat.&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;Am Ende hat der Mensch also zwei Gegenüber: Der &#039;&#039;`adam&#039;&#039; wurde aus &#039;&#039;`adamah&#039;&#039; geschaffen, um dieser &#039;&#039;`adamah&#039;&#039; „zu dienen“, und zu diesem Zweck braucht ein &#039;&#039;`iš&#039;&#039; eine &#039;&#039;`iššah&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vv. 10-14&#039;&#039;&#039; nennt man die „Paradies-Geographie“. Die meisten Ausleger halten sie für eine spätere Einfügung, mit der ein Schreiber aus irgendeinem Grund gezeigt haben soll, dass er über „Listen-Weisheit“ verfügt. Besser versteht man die Verse von Vv. 8.15 her: Sie sollen erklären, dass und wie die „begehrenswert anzusehenden und gut zu essenden Bäume“ des Gartens (V. 9) dort auch nach der Vertreibung von Gottes Ackerknecht noch wachsen können: Aus dem Garten entspringt nun ein Strom, der so mächtig ist, dass sich aus ihm sogar Euphrat, Tigris und noch weitere Flüsse speisen. Dieser gigantische Strom macht es also entweder überflüssig, dass der Mensch den Garten bewässert, indem er Grundwasser nach oben pumpt, oder er bringt mit sich, dass die Sturzfluten abfließen können, die zuvor den Garten überschwemmt haben (s. zur Übersetzungsproblematik von V. 6). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich &#039;&#039;&#039;Vv. 9bc.16f.&#039;&#039;&#039; mit ihrer Rede von den beiden besonderen Bäumen in der Mitte des Gartens bereiten wie auch &#039;&#039;&#039;V. 25&#039;&#039;&#039; hauptsächlich Kapitel 3 vor; s. daher die Anmerkungen dort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Genesis_2&amp;diff=40227</id>
		<title>Genesis 2</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Genesis_2&amp;diff=40227"/>
		<updated>2025-10-30T20:40:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Syntax&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Zuverlässige Studienfassung}}&lt;br /&gt;
{{Lesefassung kann erstellt werden}}&lt;br /&gt;
{{Lesefassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{L|1}} Die Welt und alles darauf war vollendet, {{L|2}} und so erklärte Gott am siebten Tag sein Werk als vollbracht. Am siebten Tag ruhte er sich aus von diesem Werk. {{L|3}} Und weil er an diesem Tag geruht hatte von dem Werk, an dem er gearbeitet hatte, erklärte er den siebten Tag für heilig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{L|4}}&lt;br /&gt;
{{L|5}}&lt;br /&gt;
{{L|6}}&lt;br /&gt;
{{L|7}}&lt;br /&gt;
{{L|8}}&lt;br /&gt;
{{L|9}}&lt;br /&gt;
{{L|10}}&lt;br /&gt;
{{L|11}}&lt;br /&gt;
{{L|12}}&lt;br /&gt;
{{L|13}}&lt;br /&gt;
{{L|14}}&lt;br /&gt;
{{L|15}}&lt;br /&gt;
{{L|16}}&lt;br /&gt;
{{L|17}}&lt;br /&gt;
{{L|18}}&lt;br /&gt;
{{L|19}}&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|1}} (So)&amp;lt;ref&amp;gt;Nach Zenger 1983, S. 67 (der hier Steck folgt) ist V. 1 nicht Einleitung von Gen 2,2-3, sondern rückblickende Unterschrift von Gen 1,1-31. Das ist aber sehr unwahrscheinlich, da V. 1 durch die wiederholte Verwendung des Wortes {{hebr}}כלה{{hebr ende}} „vollenden“ viel zu sehr mit den folgenden Versen zusammenhängt, als dass man es ohne schwerwiegende Indizien aus diesem Zusammenhang herausreißen dürfte.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Vollendet war (wurde) die Welt (Himmel und Erde)&amp;lt;ref&amp;gt;Der Merismus „Himmel und Erde“ ist der im Hebräischen übliche Ausdruck für den Kosmos/das Universum; vgl. [http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=Genesis_1#note_c Fußnote c] zu Gen 1,1.&amp;lt;/ref&amp;gt; und ihr ganzes Heer (alles darauf und darin),&amp;lt;ref&amp;gt;Das „Heer des Himmels“ sind nach [[Jesaja 40#s26 |Jes 40,26]] die Sterne; entsprechend wird das „Heer von Himmel und Erde“ alles bezeichnen, was sich im Himmel und auf der Erde befindet (vgl. Scharbert 1990, S. 47). Äquivalente Formeln existieren im Assyrischen und Babylonischen, die in etwa das selbe bezeichnen (so z.B. schon Delitzsch 1887, S. 69).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|2}} Darum (und)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Waw&#039;&#039; kann auch eine Folgerung einleiten; vgl. Lexikon / [http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=%D7%95%D6%B0 Lemma {{hebr}}וְ{{hebr ende}}]&amp;lt;/ref&amp;gt; erklärte (erachtete) als vollendet (vollendete)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;erklärte als vollendet (vollendete, erachtete als vollendet)&#039;&#039; - Der folgende Text zeigt deutlich, dass Gott am siebten Tag eben nicht mehr an der Welt arbeitet; das Piel ist daher wohl am besten z.B. mit König und Heidel 1964, S. 127 als deklaratives – vielleicht auch ästimatives – Piel zu deuten. Aber s. noch nächste FN.&amp;lt;/ref&amp;gt;Gott am sechsten (siebten) Tag&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;sechsten (siebten)&#039;&#039; - VUL und Tg stützen MT. Sam, LXX, Syr, die gr. Torah v. Ptolemäus Philadelphus, Jub 2,16 und BerR aber lesen „am sechsten Tag“. Meist wird davon ausgegangen, dass es sich hier um eine theologische Korrektur handle, damit nicht der Eindruck entstünde, Gott habe auch am Sabbat noch gearbeitet (so z.B. Westermann, Soggin, s. auch BHQ). Für ursprünglich halten diese sehr stark bezeugte Variante aber z.B. Ball und Hendel 1998, S. 122, und richtig Ball (1896, S. 73): „{{hebr}}ויכל{{hebr ende}} [„vollenden“] is not the same as {{hebr}}ויכל מן{{hebr ende}} [„aufhören“], but means &#039;&#039;finished, completed&#039;&#039;, as is clear from v. 1 [dazu s. aber vorige FN. Richtig dann aber:] Besides, there is an intentional antithesis between {{hebr}}ביום הששי{{hebr ende}} [„sechster Tag“] and {{hebr}}ביום השביעי{{hebr ende}} [„siebter Tag“]. Else why not {{hebr}}וישבת בו{{hebr ende}} [„und er ruhte an ihm“] in the second clause (&#039;&#039;cf.&#039;&#039; v. 3)?“&amp;lt;/ref&amp;gt; sein Werk (seine Arbeit), das er gemacht hatte; und er ruhte (hörte auf, feierte, arbeitete nicht)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;ruhte (hörte auf, feierte, arbeitete&#039;&#039; - Mit dem Verb {{hebr}}שבת{{hebr ende}} (&#039;&#039;schabat&#039;&#039;) wird häufig die konstitutive Tätigkeit bezeichnet, die man am Sabbat ausführt, beide Wörter klingen fast identisch, vielleicht hängen sie außerdem etymologisch zusammen. Zusammen mit der Nennung des „siebten Tages“ ({{hebr}}יוֹם שְבִיעִי{{hebr ende}} &#039;&#039;jom schbi´i&#039;&#039;) muss sich einem hebräischen Hörer ganz notwendig die Assoziation des Sabbats aufdrängen (so z.B. richtig Scharbert). Dennoch wollen neuerdings einige Exegeten merkwürdigerweise den Bezug der Verse 1-3 zum Sabbat in Abrede stellen. Das ist entschieden abzulehnen; hier einen engen Zusammenhang mit dem Sabbat zu verneinen ist, als würde man einem deutschen Text, in dem es heißt, jemand würde „am siebten Tag der Woche sonntagen“ den Bezug zum Sonntag absprechen. Dass gerade dem Gott JHWH, der nach dem Talmud (b.Ber 6a.7a) Sabbats sogar Tephilin trägt, der Sabbat verwehrt sein sollte, ist durchaus nicht einzusehen. Vgl. ebenso Cole 2003.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Jede der obigen Übersetzungsalternativen ist in der Forschung mehrfach vertreten worden; wir haben uns nur deshalb für „ruhen“ entschieden, da das Ruhen des Schöpfergottes nach Vollendung der Schöpfung ein verbreitetes Motiv in altorientalischen Schöpfungsmythen ist (vgl. z.B. Atwell 2000, S. 445).&amp;lt;/ref&amp;gt; am siebten Tag von seinem ganzen Werk (seiner ganzen Arbeit), das er gemacht hatte.&lt;br /&gt;
{{S|3}} Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn für heilig (heiligte ihn),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;erklärte ihn für heilig (heiligte ihn)&#039;&#039; - Auch hier ist entweder die faktitive oder die deklarative Piel-Deutung möglich. Da hier aber offensichtlich eine Ätiologie (Ursprungsmythos) des Sabbats vorliegt, der seinen Lesern erklären will, &#039;&#039;warum&#039;&#039; der Sabbat heilig ist, liegt vielleicht auch hier die deklarative Deutung näher.&amp;lt;/ref&amp;gt; da er an ihm von seinem ganzen Werk (all seiner Arbeit), das er arbeitend (indem er es gemacht hatte)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;arbeitend (indem er es gemacht hatte)&#039;&#039; - Auf den Ausdruck {{hebr}}אֲשֶׁר-בָּרָא אֱלֹהִים לַעֲשׂוֹת{{hebr ende}} (wörtl.: „[das Werk], das Gott geschaffen hatte, indem er es gemacht hatte“) wird selten eingegangen; die sehr unterschiedlichen Übersetzungen zeigen aber, wie schwierig er ist (Bspp.: Delitzsch: „das er schöpferisch ausgeführt hatte“, König: „das Gott geschaffen hatte, indem er (es) machte“, Soggin: „das Gott durch sein Wirken geschaffen hatte“. Zenger, BigS und Kirchentagsübersetzung sogar „das Gott geschaffen hat, um zu machen“, was immer das heißen soll). Viele Übersetzungen streichen daher entweder eines der Verben (z.B. ALTER: „that He had done“) oder formulieren komplett um (z.B. EÜ: „nachdem er das ganze Werk der Schöpfung vollendet hatte“).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
So rätselhaft ist der Versteil aber wohl gar nicht: „denn an ihm hatte er geruht“ berichtet von Gottes Ruhen, „von seinem Werk, dass er geschaffen hatte, indem er es machte“ blickt dagegen zurück auf die diesem Ruhen entgegengesetzte erste Arbeitswoche Gottes. Das „indem er es gemacht hatte“ unterstreicht dabei nur noch zusätzlich diesen Gegensatz, indem sie einen weiteren „Arbeits“-Begriff darauf-häuft. Wir haben versucht, dies durch die Umformulierung „arbeitend geschaffen“ ausdrücklich zu machen.&amp;lt;/ref&amp;gt; geschaffen hatte, geruht hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Qatal ist hier wegen des rückblickenden Charakters der Textsorte „Ätiologie“ sehr sicher plusquamperfektisch zu übersetzen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Die Aufteilung der Bibel in Kapitel wurde erst im 14. Jh. von der Vulgata übernommen und in den hebräischen Text eingefügt. Im Falle von Gen 1-2 ist man sich in der Exegese einig, dass hier die Kapitelaufteilung nicht die Struktur des hebräischen Textes trifft. Uneinigkeit allerdings besteht darin, ob der Text stattdessen richtiger zwischen Gen 2,3 und Gen 2,4, zwischen Gen 2,4a und Gen 2,4b oder zwischen Gen 2,4 und Gen 2,5 (diese letzte Variante haben wir bisher nur bei Collins 1999 und bei Delitzsch 1887 entdeckt) anzusetzen wäre.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Klares Indiz dabei ist der Einsatz von Gen 2,4 mit der sog. &#039;&#039;Toledot&#039;&#039;-Formel „Dies ist die Geschichte“, die sonst in der sog. „Priesterschrift“ noch weitere 10 Male vorkommt und bis auf [[Genesis 36#s9 |Gen 36,9]] stets als Überschrift fungiert. Wenn keine starken Argumente für eine andere Aufteilung vorgebracht werden - und derart schlagende Argumente haben wir bisher nirgends entdecken können - muss daher auch hier Kap. 1 mit Gen 2,3 enden und Gen 2,4 das nächste Kapitel einleiten; so z.B. auch Bandstra 2008; Junker 1953; König 1919; Lode 2002; NET; Wenham 1987. Dafür spricht außerdem, dass der MT nach Gen 2,3 den Sektionsmarker &#039;&#039;Petucha&#039;&#039; hat, nach Gen 2,4a und Gen 2,4b dagegen nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|4}} {Dies [sind]} &#039;&#039;&#039;Die Nachkommen (Erzeugnisse; [ist] die Geschichte?; [ist] das Buch der Nachkommen?)&#039;&#039;&#039;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Nachkommen&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;Nachkommen&#039;&#039; (V. 4) + &#039;&#039;Hauch des Lebens&#039;&#039; (V. 7) - In V. 4 steht die selbe Überschrift wie in [[Genesis 6#s9 |Gen 6,9]]; [[Genesis 10#s1 |10,1]]; [[Genesis 11#s10 |11,10]].[[Genesis 11#s27 |27]]: &#039;&#039;toledot&#039;&#039; von X. Weil die meisten neueren Exegeten denken, in Gen 2-3 ginge es hauptsächlich um den Menschen, erwägenswert und sinnvoll Fischer 2018 und Carr 2021: Bei den anderen vier Stellen wird damit die Aufzählung der / Erzählung über die &#039;&#039;Nachkommen&#039;&#039; von X eingeleitet; entsprechend erscheint also hier der Mensch als „Nachkomme“ von Himmel und Erde.&amp;lt;br /&amp;gt;Wie der Mensch „Nachkomme“ der Erde sein soll, ist in 7a auch offensichtlich. Wie er gleichzeitig Nachkomme des Himmels sein soll, allerdings weniger. Möglich wäre dies: In [[Kohelet 12#s7 |Pred 12,7]] zerfällt der Mensch wieder in seine Bestandteile: Es wird „&#039;&#039;zurückkehren der Staub zur Erde, wie er gewesen ist / und der Atem/Hauch/Wind wird zurückkehren zu Gott, der ihn gegeben hat.&#039;&#039;“ Damit wird ein in hellenistischen Texten häufiges Motiv verdichtet; vgl. [[Jesus Sirach 40#s11 |Sir 40,11]]: „&#039;&#039;Alles, was von der Erde kam, kehrt zur Erde zurück, und was aus der Höhe kam, in die Höhe&#039;&#039;“; Epicharmus: „&#039;&#039;[Der Mensch] löste sich wieder auf: Die Erde zur Erde, der Geist nach oben&#039;&#039;“; Lukrez: „&#039;&#039;So steigt alles auf, so kehrt alles zurück: Erde nimmt, was Erde gab, und zurück zum Himmel steigt wieder auf der ätherische Himmelstau, der herunterfiel.&#039;&#039;“ (gr. Parallelen bei Ginsburg 1861, S. 468). Kann man schon hier erste Spuren der Vorstellung annehmen, der „Atem“/„Hauch“/„Wind“ sei dasjenige, was dem Menschen &#039;&#039;aus der Höhe&#039;&#039; zugeeignet wurde? Vgl. noch [[Ijob 34#s14 |Ijob 34,14]]; [[Psalm 104#s29 |Ps 104,29]]; [[Psalm 146#s4 |146,4]]; [[Kohelet 3#s21 |Pred 3,21]]. S. auch im Midrasch: „&#039;&#039;[Die Stelle] lehrt, dass [der Mensch ursprünglich] als leblose Masse geschaffen wurde, die von der Erde bis in den Himmel ragte, von wo ihm dann der Hauch verliehen wurde.&#039;&#039;“&amp;lt;br /&amp;gt;Alternativ wie z.B. Ramban und Sforno: „Nachkommen von Himmel und Erde“ sind nicht nur die Menschen, sondern alle Lebewesen, die ihr Dasein der Erde und dem Regen verdanken. Auch das ist nicht unproblematisch: der Regen erscheint zwar häufiger als Frucht des Himmels, Gen 2-3 gehen aber ja explizit noch von einer Situation aus, in der es noch &#039;&#039;nicht&#039;&#039; regnet (s. V. 5).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Die meisten alten Vrs. wie MT. LXX aber wie in [[Genesis 5#s1 |Gen 5,1]]: „Dies ist das Buch der Nachkommen“. Auch Philo kannte diese Variante. Und auch TgN übersetzt hier wie dort: „Dies ist die Genealogie der Nachkommen“. Zu TgN vgl. aber McNamara 1992, S. 56: TgN hat noch häufiger die Kurzform der Überschrift „Dies sind die Nachkommen“ mit der Langform „Dies ist die Genealogie der Nachkommen“ übersetzt; textkritisch relevant ist das eher nicht; es wäre dann nur ein Zufall, dass TgN hier mit LXX zusammenstimmt. Ball 1896 hielt die Variante von LXX, TgN und Philo noch für ursprünglich, wahrscheinlicher richtig aber Hendel 1998 und BHQ: Assimilation an Gen 5,1, die nächste Stelle, in der diese Überschrift kommt.&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&#039;von Himmel und Erde (des Landes), als sie geschaffen&#039;&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Gen 2,4.png|mini|rechts|Gen 2,4 in [https://digitalcollections.jtsa.edu/islandora/object/jts%3A267103#page/30/mode/1up JTS L44a]]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;geschaffen&#039;&#039; - Eines von je nach Handschrift etwa 100 Wörtern in der hebräischen Bibel, in denen ein Buchstabe abnorm geschrieben wird. In diesem Fall ist das &#039;&#039;He&#039;&#039; in &#039;&#039;be&#039;&#039;&#039;h&#039;&#039;&#039;ibbar`am&#039;&#039; („bei ihrem Geschaffen-werden“) kleiner als die anderen Buchstaben. In vielen der ältesten Handschriften ist das nicht so und auch hier sieht man deutlich, dass das kleiner geschriebene He eine (mit anderer Tinte geschriebene) nachträgliche Korrektur ist. Dennoch hat Ball 1896 auf dieser Basis erwogen, ob statt &#039;&#039;bhbr`m&#039;&#039; nicht vielleicht &#039;&#039;bbr`m&#039;&#039; („als er sie schuf“) ursprünglich sei; BHK und BHS hielten das sogar für wahrscheinlich. Die Bedeutung dieser kleiner geschriebenen Buchstaben ist aber nicht klar; alternativ denkt z.B. Eisenstein in [https://www.jewishencyclopedia.com/articles/13809-small-and-large-letters EncJud XI 411f.], mit ihnen solle darauf hingewiesen werden, dass der jeweilige Buchstabe Gegenstand einer Auslegung in Talmud, Midrasch etc. sei. So auch schon Rabbi Culi im Me&#039;am Lo&#039;ez. Hier gibt es in der Tat sogar gleich zwei solcher Auslegungen: &#039;&#039;Man lese nicht &#039;&#039;bhbr`m&#039;&#039; („bei ihrem Geschaffen-werden“), sondern &#039;&#039;bh br`m&#039;&#039; („er erschuf sie mit einem He“). Warum wurde die Welt mit einem He geschaffen?&#039;&#039;. (b.Men 29b). (1) &#039;&#039;Bei allen Buchstaben macht es Mühe, sie auszusprechen, nur das &#039;&#039;He&#039;&#039; macht keine Mühe. Entsprechend schuf der Heilige, gepriesen sei Er, die Welt ohne Mühe und Arbeit.&#039;&#039; (BerR xii 10). (2) &#039;&#039;Weil das He unten offen ist – dies ist ein Zeichen dafür, dass alle Kreaturen in die Unterwelt hinabsteigen werden. Weil das He eine Spitze hat – [dies ist ein Zeichen dafür], dass, sobald sie hinabfahren, sie auch aufsteigen. Und weil das He an allen Seiten geöffnet ist – dies ist ein Zeichen dafür, dass Gott allen, die bereuen, eine Tür öffnet.&#039;&#039; (j.Chag ii 1,15; ähnlich Raschi und Ramban).&amp;lt;br /&amp;gt;Klar ist jedenfalls, dass die abnorme Schreibweise keinesfalls alleinige Basis dafür sein kann, den Text zu ändern.&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&#039;wurden&#039;&#039;&#039;:&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Gen 2,4-6&#039;&#039; eignen alle typischen Merkmale biblischer Poesie. Sachsse 1921; Ouro 2002, S. 225 und Polak 2002, S. 22 haben daher in der Tat 2,5-6 als Lyrik analysiert; Sievers 1907b, S. 6; Procksch 1913, S. 20; Gray 1915, S. 220-222 und Walsh 1977, S. 162 sogar 2,4b-6. Die meisten tun das nicht, und das Gesamt von 2,4a-6 hat m.W. (S.W.) bisher niemand als einheitliches Gedicht interpretiert. Das sollte daher auch OfBi besser nicht tun; um die poetische Struktur erkenntlich zu machen, habe ich die Verse immerhin in die poetischen Zeilen gegliedert. Poetisch analysiert wäre zu formatieren:&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;Dies sind die Nachkommen von Himmel und Erde, als sie geschaffen wurden&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Am Tag, als JHWH-Gott Erde und Himmel machte:&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Alle Sträucher der Steppe waren noch nicht auf der Erde&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;und alle Kräuter des Feldes wuchsen noch nicht,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;weil JHWH-Gott es nicht regnen ließ über der Erde&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;und es keinen Erdling gab, um den Erdboden zu bestellen,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;aber Flut emporstieg aus der Erde,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;und das Angesicht des Erdbodens tränkte.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als JHWH-Gott (Am Tag, [an dem])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;JHWH-Gott&#039;&#039; - sehr seltene Gottesbezeichnung, die sich fast nur in den Büchern der Chroniken und in Gen 2-3 findet (im Gegensatz zu „Gott“ in Gen 1 und „JHWH“ in Gen 4). Die traditionelle Erklärung ist die z.B. von Collins 2006 und Gertz 2018: Ursprünglich sei in Gen 2-3 „JHWH“ gewesen sein; dies wäre dann spät mit dem „Gott“ aus Gen 1 kombiniert worden, um Kontinuität zwischen Gen 1 und Gen 2-3 zu stiften und um zu signalisieren, dass Gen 1 und Gen 2-3 komplementär als „zwei Seiten einer Medaille“ zu lesen seien, die vom selben „Gott“ sprechen.&amp;lt;br /&amp;gt;Liest man dagegen Gen 2-3 mit Gen 1 und Gen 4 zusammen, lässt sich eine schrittweise Transformation Gottes erkennen: Von &#039;&#039;`elohim&#039;&#039; in Gen 1 über &#039;&#039;JHWH-`elohim&#039;&#039; in Gen 2-3 bis zu &#039;&#039;JHWH&#039;&#039; im Kapitel Gen 4, das passend in [[Genesis 4#s26 |Gen 4,26]] schließt mit: „Damals begann man, den Namen JHWHs anzurufen“.&amp;lt;/ref&amp;gt; Erde (Land) und Himmel machte,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Die Syntax von &#039;&#039;Gen 2,4&#039;&#039; ist umstritten. Geht man davon aus, dass mit Gen 2,4a (und nicht Gen 2,4b) das nächste Kapitel beginnt (s.o.), sind immer noch mehrere Auflösungen möglich. Prominentere Auflösungen in neueren Kommentaren sind folgende:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Gen 2,4a = Überschrift; Gen 2,4b = Nebensatz, Gen 2,5-6 = Parenthese, Gen 2,7 = Hauptsatz (z.B. Arneth 2007b, S. 24.129; Arnold 2009; Fischer 2018; Gertz 2018; Carr 2021; auch B-R, BigS, MEN, TEX)&amp;lt;br /&amp;gt;(2) 2,4a = Überschrift; 2,4b = NS, 2,5 = HS (z.B. Soggin 1997; auch EÜ, HER05, H-R, NeÜ, NL, R-S, TUR u.a.)&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Gen 2,4a = Überschrift; Gen 2,4b-6 = Nebensätze zum Hauptsatz Gen 2,7 (Bandstra 2008; auch ZÜR; ähnlich z.B. Steck 1970; Goldingay 2020)&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Gen 2,4a = HS, Gen 2,4b = NS; Gen 2,5a = NS, Gen 2,6b-6 = Parenthese, Gen 2,7=HS (Collins 2006; auch SLT).&amp;lt;br /&amp;gt;Klar ist im Kontext von Gen 1-11, dass Gen 2,4 (Teil einer) Überschrift ist; s. [[Genesis 6#s9 |Gen 6,9]]; [[Genesis 10#s1 |10,1]]; [[Genesis 11#s10 |11,10]]; [[Genesis 11#s27 |11,27]]. Das ist aber noch nicht sehr hilfreich: Entweder ist diese Überschrift hier bei ihrem ersten Vorkommen um 2,4b erweitert, oder sie ist nur um 2,4aB („als sie geschaffen wurden“) erweitert und 2,4b beginnt den eigentlichen Text – zwischen (1) - (3) vs. (4) lässt sich auf dieser Basis noch nicht entscheiden.&amp;lt;br /&amp;gt;Für (4) spricht zunächst, dass Gen 2,4a und Gen 2,4b offensichtlich bewusst chiastisch formuliert sind: „Dies sind die Nachkommen (a) von Himmel (b) und Erde, (c) als sie geschaffen wurden, (c&#039;) als Gott-JHWH machte (b&#039;) Erde (a&#039;) und Himmel.“ Dagegen und für (1) - (3) aber spricht, dass in 2,4a „Himmel und Erde“ im Heb. Artikel haben, in 2,4b aber nicht, was bei einem NS-HS-Gefüge so nicht zu erwarten wäre, und dass nach den anderen Überschriften in Gen 1-11 asyndetisch (d.h. ohne „und“) fortgefahren wird, Gen 2,5 dagegen mit „und“ beginnt (richtig Carr 2021). Für (2) spricht außerdem: Viele entscheiden sich hauptsächlich deshalb für (1), weil dann Gen 2,4-7 syntaktisch ihrer Deutung der Syntax von Gen 1,1-3 entsprechen würde. OfBi hat dort anders aufgelöst; orientieren wir uns an diesem häufigsten Argument, wäre in OfBi hier (2) vorzuziehen: Sowohl Gen 1,1-3 als auch Gen 2,4b-7 hätten dann die Abfolge [temporaler Nebensatz] - [X existiert noch nicht] - [Schöpfungstätigkeit Gottes]. Und für (3) spricht zusätzlich, dass Gen 2,4-7 dann einem häufigen Sprachmuster von Schöpfungserzählungen mit vielen Nebensätzen vor dem ersten Hauptsatz entsprechen würde. Vgl. z.B. Enuma Elisch I 1-9: &#039;&#039;Als in der Höhe dem Himmel noch kein Name gegeben war, und in der Tiefe der Unterwelt noch nicht mit Namen genannt wurde, ... als noch keine Götter gezeugt worden waren, (und) keiner mit Namen genannt war, als noch kein Schicksal zugeteilt war – da bildeten sich in die[sen beiden] die Götter.&#039;&#039; (nach COS 1.111).&amp;lt;br /&amp;gt;Insgesamt sprechen die meisten Argumente also für (2) oder (3); eine sichere Entscheidung ist hier aber nicht möglich. Wir haben uns daher am häufigsten Argument, das hier für (2) spricht, orientiert.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|5}} war alles Unkraut (waren alle Sträucher) des Feldes noch nicht auf der Erde&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
und wuchsen alle Nutzpflanzen (Kräuter) des Feldes noch nicht (sprossten noch nicht empor),&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
weil JHWH-Gott es nicht regnen ließ (noch nicht regnen lassen hatte) über (auf) der Erde&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
und es keinen Erdling (Menschen) gab, um [auf] dem (um dem) Erdboden&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Erdling (Mensch)&#039;&#039; + &#039;&#039;Erdboden&#039;&#039;&#039; - Hier wird mit der Verwandtschaft der Wörter „Mensch“ (&#039;&#039;`adam&#039;&#039;) und „Erdboden“ (&#039;&#039;`adamah&#039;&#039;) gespielt: Der Mensch ist erstens &#039;&#039;aus&#039;&#039; Erde – ist ein „Erdenkloß“ (Luther) und daher „Sohn der Erde“ – und &#039;&#039;dient&#039;&#039; zweitens der Erde – ist also ein „Erdling“, ist &#039;&#039;wesensmäßig&#039;&#039; „Ackerknecht“. Die Üs. „Erdling“ folgt dem guten Vorschlag von Meyers 1988, S. 81f.; Scoralick 2018, S. 72.&amp;lt;br /&amp;gt;Hyperbaton: Unkraut wuchs nicht (5a), weil es nicht regnete (5c), und Nutzpflanzen gab es nicht (5b), weil kein Mensch den Erdboden bestellte (5d; gut Futato 1998, S. 5).&amp;lt;/ref&amp;gt; zu dienen (zu arbeiten),&amp;lt;ref name=&amp;quot;dienen&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;dienen (arbeiten)&#039;&#039; (Vv. 5.15) + &#039;&#039;hüte (bewahre, bewachen)&#039;&#039; (V. 15) - dt. Üss. manchmal: „bebaue und pflege“ (so H-R, R-S, ähnlich PAT: „bebaue und erhalte“), was kontextuell natürlich stimmig ist, aber verschleiert, welch auffällige Verben im Heb. verwendet werden. &#039;&#039;´abad&#039;&#039; heißt manchmal in der Tat schlechthin „arbeiten“ ([[Exodus 20#s9 |Ex 20,9]] = [[Deuteronomium 5#s13 |Dtn 5,13]]; ([[Kohelet 5#s11 |Pred 5,11]]?)) und dann auch „an etw. arbeiten, etw. bearbeiten“ (s. bes. [[Sprichwörter 12#s11 |Spr 12,11]] = [[Sprichwörter 28#s19 |Spr 28,19]]; auch [[Deuteronomium 15#s19 |Dtn 15,19]]; [[Deuteronomium 28#s39 |28,39]]; [[Jesaja 19#s9 |Jes 19,9]]); primär heißt es aber „dienen, für jmdn einen Dienst verrichten“ (dies auch in [[2 Samuel 9#s10 |2 Sam 9,10]]; [[Sacharja 13#s5 |Sach 13,5]]). Davon abgeleitet ist &#039;&#039;´ebed&#039;&#039; („Diener, Sklave“). Vor dem Hintergrund verwandter altorientalischer Mythen, in denen der Mensch geschaffen wird, um für die Götter die Feldarbeit zu verrichten (s. zu V. 6), ist daher fast sicher, dass der Mensch mit diesem Wort zu Gottes Förster des Gartens bestimmt wird: Er soll „im Garten Dienst tun“ oder sogar „dem Garten dienen“. Vgl. z.B. Good 2009, S. 26; Habel 2011, S. 52; Tsukimoto 2014, S. 333-335.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;šamar&#039;&#039; heißt „bewachen, bewahren“ und wird sonst nicht von landwirtschaftlicher Tätigkeit im engeren Sinn verwendet (aber s. gleich); im gewöhnlichen Sinn z.B. sicher bewusst in [[Genesis 3#s24 |Gen 3,24]]; ähnlich von Nabals Ländereien in [[1 Samuel 25#s21 |1 Sam 25,21]]. Die meisten dt. Üss. frei: „bearbeiten und bewahren“, als würde der Mensch mit dem zweiten Verb zum Naturschützer bestimmt (was im weiteren Sinn in Gen 2 natürlich wirklich geschieht). So auch wirklich Habel 2011: „Moreover, the coupling of &#039;&#039;abad&#039;&#039; with &#039;&#039;shamar&#039;&#039; (keep/preserve) in Gen. 2.15 suggests that this combination of verbs means something like ‚serve and preserve‘ or ‚care for and conserve‘.“ (S. 49).&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Das auch in Hld 1,6 verwendete sinnverwandte &#039;&#039;naṭar&#039;&#039; (aram. für &#039;&#039;naṣar&#039;&#039; „beschützen“, falls es nicht von *&#039;&#039;naṣar&#039;&#039; „blühen, sprießen“ abgeleitet ist, vgl. &#039;&#039;neṣar&#039;&#039; „Spross, Schössling“) in [[Hohelied 8#s11 |Hld 8,11f.]] könnte nahelegen, dass „einen Garten/ein Feld hüten“ &#039;&#039;doch&#039;&#039; auch für landwirtschaftliche Subunternehmer-Tätigkeiten verwendet werden kann. Danach hätte &#039;&#039;šamar&#039;&#039; fast die selbe Bed. wie &#039;&#039;´abad&#039;&#039;: „Feldknecht und Reisiger sein“.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
(2) Chizkuni konkretisiert das „bewachen“: „&#039;&#039;um ihn vor Tieren zu schützen, die [Pflanzen] niedertrampeln könnten.&#039;&#039;“ Ähnlich Radak; ähnlich etwas allgemeiner Chaim ben Attar im &#039;&#039;Or haChajim&#039;&#039;, einem Torah-Kommentar aus dem 18. Jhd.: „&#039;&#039;vor schädlichen Dingen, die die Pflanzen verderben könnten&#039;&#039;“. Diese Aufgabe gab es im Ackerbau des Alten Orients wohl wirklich, manchmal mussten daher Mädchen Weingärten „behüten“ (s. [[Hohelied 1#s6 |Hld 1,6]] und vgl. dazu erstens P.Anastasi I 24.2 [„&#039;&#039;Du wirst ein kleines Mädchen finden, das den Garten bewacht.&#039;&#039;“] und zweitens [[Hohelied 2#s15 |Hld 2,15]]; [[Psalm 80#s14 |Ps 80,14]]; [[Jesaja 5#s5 |Jes 5,5]]; [[Hosea 2#s15 |Hos 2,15]]).&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Am wahrscheinlichsten aber wird das Wort hier v.a. verwendet, um [[Genesis 3#s24 |Gen 3,24]] vorzubereiten: Obwohl nicht klar ist, &#039;&#039;vor wem&#039;&#039; der Mensch den Garten „bewachen“ soll, soll hier &#039;&#039;er&#039;&#039; ihn vor Eindringlingen bewachen – wohingegen in Gen 3,24 der Garten &#039;&#039;vor ihm&#039;&#039; und &#039;&#039;seinem&#039;&#039; Eindringen bewacht werden soll. So schon Gregor von Nyssa, In Cant Hom 2 zum „Weingarten“ in [[Hohelied 1#s6 |Hld 1,6]]: „&#039;&#039;Man muss aber unter dem ‚Weinberg‘ dasselbe verstehen wie das Paradies. Denn auch dort wurde der Mensch beauftragt, das Paradies zu bewachen [wie in Hld 1,6 das Mädchen den Weinberg ‚hüten‘ – nach Gregor: ‚gegen Feinde beschützen‘ – soll]. Die Nachlässigkeit in der Bewachung aber vertreibt den Menschen aus dem Paradies und macht ihn zum Bewohner des Westens, nachdem sie ihn vom Osten entfernt hat.&#039;&#039;“&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Weil &#039;&#039;šamar&#039;&#039; mit Tieren / Herden als Objekt auch „Hirte sein“ bedeutet, denkt Goldingay 2020, mit dem Wort sei neben der Feldarbeit auch die Arbeit an Tieren („caring for animals“, S. 60) gemeint. Das liegt sehr fern, ähnlich aber schon ApkMos (1. Jhd. n. Chr.?), wo die Deutungen (3)-(4) miteinander kombiniert sind: In ApkMos 15 hütet Adam die männlichen Tiere im Norden und Osten Edens, Eva dagegen die weiblichen im Süden und Westen (wie im Koran wird das Paradies also vorgestellt als geviertelter Garten). Sodann verführt die Schlange Eva „von der Paradiesmauer“ herab (ApkMos 17), woraufhin ihr Eva in ApkMos 18 das Paradies „öffnet“.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Die Fügung „dienen und bewahren“ wird in der hebräischen Bibel sonst v.a. in zwei Kontexten verwendet:&amp;lt;br /&amp;gt;(5) „Gott dienen und seine Gebote bewahren=halten“ ([[Deuteronomium 13#s5 |Dtn 13,5]]; [[Josua 22#s5 |Jos 22,5]]; [[Maleachi 3#s14 |Mal 3,14]]). Die alten jüdischen Ausleger haben hieran gedacht: TgJ und TgN übersetzen „&#039;&#039;am Gebot arbeiten und Gottes Gebote halten&#039;&#039;“; so deuten auch der Midrasch, Sifre zu Dtn 41,24 und PRE 12; ebenso der christliche Ausleger Severian von Gabala in &#039;&#039;Über die Erschaffung der Welt&#039;&#039; 5.5 (vgl. ACC, S. 60): „&#039;&#039;Gottes Gebote zu halten und diesen Geboten zu folgen war der Gottes-‚Dienst‘. ... Ebenso, wie es ‚Arbeit‘ ist, an Christus zu glauben, galt das für Adams treues Wahren des Gebotes Gottes.&#039;&#039;“&amp;lt;br /&amp;gt;(6) Der liturgische Dienst im Tempel hieß „Dienst und Wacht“; im Tempel tätig zu sein daher „den Dienst dienen und die Wacht wachen“ ([[Numeri 3#s7 |Num 3,7]]; [[Numeri 8#s26 |8,26]]; ähnlich [[Numeri 3#s8 |Num 3,8]]; [[Numeri 18#s7 |18,7]]). Einige neuere Exegeten denken daher, mit diesem Ausdruck solle der Mensch als Urbild des Priesters dargestellt werden, der mit seiner Arbeit im Garten den Vorläufer des Tempeldienstes tut (so z.B. Wenham 1987; Witte 1998, S. 270; Beale 2018). Das ist eine schöne Deutung, man wird sie aber eher als modernen Midrasch werten müssen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|6}} aber (und) Sturzflut (Grundwasser, Nebel, Gewölk)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Sturzflut (Grundwasser, Nebel, Gewölk)&#039;&#039; - Entweder wird hier die notwendige Vorbedingung dafür geschildert, dass der Mensch trotz Abwesenheit von Regenwasser etwas an der Trockenheit des Erdbodens ändern kann (heraufzuholendes [s. die nächste FN] „Grundwasser“) oder neben dem mangelnden Regen und dem mangelnden Menschen wird ein weiterer Grund genannt, warum aktuell noch keine Pflanzen wachsen: Weil in regelmäßigen Abständen Sturzfluten die Erde überschwemmen (so Kidner 1966; Tsumura 1989 S. 119). Nach dieser zweiten Alternative gemeint sind wahrscheinlich artesische Quellen. Das lehrt eine nahe Parallele: Das sumerische Paradies &#039;&#039;Dilmun&#039;&#039;, wo auch der Lebensbaum des Gilgamesch-Epos stand, ist fast sicher identisch mit der Insel Bahrain (zur Lage s. die Karten unten). Die „Quellen“, von denen dort die Rede ist, sind dann sehr wahrscheinlich die artesischen Quellen, für die Bahrain einst bekannt war, die heute aber leider versiegt sind. Vgl. dazu Rausch u.a. 2014.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Genauer&#039;&#039;&#039;: Heb. &#039;&#039;´ed&#039;&#039;, unsicheres Wort: neben Gen 2,6 nur noch in [[Ijob 36#s27 |Ijob 36,27]].&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Die meisten leiten ab von einem akkadischen Kognat &#039;&#039;edû&#039;&#039; mit der Bed. &#039;&#039;Wasserflut, Sturzflut&#039;&#039;, daher z.B. LUT: „ein Strom“, ZÜR: „ein Wasserschwall“. So aber keine der alten Üss.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Mankowski 2000 und Arnold 2009 leiten ab vom sumerischen &#039;&#039;adea&#039;&#039; („Grundwasser, Bewässerung“; die Ableitung von einem sumerischen &#039;&#039;id&#039;&#039; „Fluss“ dagegen hat sich als Fehler erwiesen, vgl. Speiser 1955, S. 9; Tsumura 1989, S. 104. Gegen Tsumuras weiteren sumerischen Alternativvorschlag vgl. Hasel / Hasel 2000, S. 325), daher z.B. BigS: „ein Quell“, NeÜ: „Grundwasser“. So schon LXX, VUL, Syr: „Quelle / Brunnen“.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Yahuda 1933, S. 157; Görg 1986, S. 23f. und Hasel / Hasel 2000 leiten ab von ägyptischen und arabischen Kognaten mit der Bed. „Nebel / Tau“ (dagegen vgl. aber die Einwände von Müller in Witte 1998, S. 84f. FN 30), daher z.B. NL: „Nebel“, SLT: „ein Dunst“. So fast alle alten jüd. Ausleger.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Dahood 1981, S. 535f.; Kline 1996 und Futato 1998, S. 6-9 schließlich leiten ab von einem unsicheren eblaitischen &#039;&#039;ì-du&#039;&#039; („Wolke“. Hier sind die Einwände von Hasel / Hasel 2000, S. 330 nicht fair; richtig bleibt aber: Das Kognat ist und bleibt unsicher. Und der Text wäre unsinnig: Welchen Sinn sollen die Wolken haben, wenn es gleichzeitig heißt, dass es noch nicht regnet?). So keine der neueren Üss., aber schon TgO: „Wolke“; ebenso der Midrasch („Wolken haben fünf Namen: &#039;&#039;´ab&#039;&#039;, &#039;&#039;`ed&#039;&#039;, &#039;&#039;´anan&#039;&#039;, &#039;&#039;nasi&#039;&#039; und &#039;&#039;ḥaziz&#039;&#039;.“) und noch Schüle 2006, S. 149: „Da stieg eine Wolke auf von der Erde und tränkte die Oberfläche des Erdbodens.“&amp;lt;br /&amp;gt;(5) Das „Feuchtigkeit“ in EÜ und PAT scheint komplett aus dem Kontext abgeleitet zu sein.&amp;lt;br /&amp;gt;Vorzuziehen ist klar (1) oder (2): Gen 2,5-6 schildern ja offensichtlich einen Erde, auf der noch &#039;&#039;keine&#039;&#039; Pflanzen wachsen; bei den meisten Vorschlägen allerdings hat man nach Kognaten gesucht, nach denen V. 6 besagt, dass die Erde trotz noch nicht vorhandenem Regen auf alternative Weisen bewässert wird.&amp;lt;/ref&amp;gt; aus der Erde emporzusteigen pflegte (indem er das Grundwasser heraufholte&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;indem er das Grundwasser heraufholte&#039;&#039; - so Bea 1933, S. 147ff.: Man analysiere &#039;&#039;ja´aleh&#039;&#039; nicht als Qal, sondern als das homonyme Hifil, und den Satz nicht als selbstständigen Satz, sondern als durch Wortstellung (Objekt - Verb) markierten modalen Nebensatz. Meines Erachtens (S.W.) ist dies die rundeste Interpretation.&amp;lt;br /&amp;gt;Vor allem spricht dafür, dass sich so interpretiert dann viele Anklänge an verwandte Schöpfungsmythen fänden. Drei Beispiele: (1) Im sumerischen Mythos „Enki und Ninmach“ und im babylonischen Atramchasis-Mythos werden die Menschen &#039;&#039;deshalb&#039;&#039; geschaffen, weil die Götter keine Lust mehr haben, selbst Kanäle graben und sie mit ihren Gefäßen mit Wasser füllen zu müssen. Diese beiden Mythen sind sehr bekannt; ähnlich ist es auch im zweisprachigen (sumerischen und akkadischen) Schöpfungsmythos VAT 9307 / KAR 4. Die Aufgabe des Menschen wird dort so bestimmt: „&#039;&#039;Das Arbeitspensum der Götter sei ihr Arbeitspensum! Auf ewige Tage den Grenzgraben festzusetzen, Hacke und Tragkorb in ihre Hand zu legen, die große Wohnung der Götter für einen erhabenen Hochsitz geeignet zu machen, Flur an Flur (zu planen), auf ewige Tage den Grenzgraben festzusetzen, den Deich herzurichten, den Grenzgraben festzusetzen, das Grundstück zu bewässern, Pflanzen gedeihen zu lassen, Regen in Menge ...&#039;&#039;“ (TUAT III/4, S. 607). (2) In einem sumerischen Fragment ist dieses „Wasser-Schöpfen“ paradigmatisch für die Zeit des Menschen; die Zeit vor seiner Erschaffung wird daher beschrieben mit „&#039;&#039;An, der Herr, erhellte den Himmel, die Erde war dunkel, in die Unterwelt wurde [noch] nicht geschaut, &#039;&#039;aus der Tiefe wurde (noch) kein Wasser geschöpft&#039;&#039;, [noch war] nichts geschaffen...&#039;&#039;“ (TUAT III/3, S. 353). (3) Vergleichbar ist auch der sumerische Mythos „Enki, Ninsikila und Ninchursaga“. Dort wird von der Entstehung der urzeitlichen Stadt Tilmun (Dilmun, s.o.) berichtet: Der Gott Enki hat sie seiner Tochter zum Geschenk gemacht. Doch sie spricht: „&#039;&#039;Tilmun, eine Stadt, hast du gegeben, eine Stadt hast du gegeben, was soll ich mit deiner Schenkung? Eine Stadt, die in den Kanälen kein Wasser hat! Tilmun, eine Stadt hast du gegeben, eine Stadt hast du gegeben, was soll ich mit deiner Schenkung?&#039;&#039;“ Anders als in den ersten vier Beispielen ist das Wasser-Schöpfen hier aber nicht Aufgabe des Menschen; stattdessen spricht Enki: „&#039;&#039;Möge Utu, der am Himmel steht, ... aus dem Munde des Wassers, das in der Erde strömt, dir süßes Wasser aus der Erde kommen lassen, daraus das Wasser in deine großen Becken aufsteigen lassen, möge er dir deine Stadt Wasser des Überflusses trinken lassen, Tilmun dir Wasser des Überflusses trinken lassen, ... möge deine Stadt das Haus des Ertrages des Kais des Landes Sumer sein...!&#039;&#039;“ (ebd., S. 367f.).&amp;lt;br /&amp;gt;Dafür spricht auch, dass dann erklärlich würde, warum &#039;&#039;`adam&#039;&#039; nicht nur ein Wortspiel bildet mit &#039;&#039;`adamah&#039;&#039;, sondern auch mit &#039;&#039;`ed&#039;&#039; ({{hebr}}אד{{hebr ende}} – {{hebr}}אדם{{hebr ende}} – {{hebr}}אדמה{{hebr ende}}; vgl. gut Jacob 1934, S. 82f.): Des Menschen Auftrag wäre es dann eben, &#039;&#039;`ed&#039;&#039; auf die &#039;&#039;`adamah&#039;&#039; zu bringen.&amp;lt;br /&amp;gt;Mir (S.W.) ist die Interpretation Beas daher ausgesprochen sympathisch; weil er mit dieser Interpretation bisher aber m.W. allein steht, sollte auch OfBi nicht dieser Interpretation folgen.&amp;lt;br /&amp;gt;Erwägenswert ist außerdem noch der Vorschlag von Bandstra 2008, S. 123, das „noch nicht“ aus 5ab tue double duty, und der ähnliche und bessere Vorschlag von Saadia (erwogen auch von Radak), Calmet 1730, S. 16f. und Sachsse 1921, S. 279f., das „es gab kein“ aus 5c tue double duty: „Unkraut und Nutzpflanzen wuchsen noch nicht, weil es keinen Erdling gab, der den Erdboden bestellte, und [noch nicht] Grundwasser aufzusteigen pflegte / und [weil] es [kein] Grundwasser [gab], [das] aufzusteigen pflegte...“. Dagegen aber richtig McClellan 1939, S. 110 (vgl. auch Houbigant 1777b, S. 4f.): Das „noch nicht“ ist zu weit entfernt, um double duty zu tun, und „kein“ kann nicht double duty tun, weil 6a im Heb. stattdessen „nicht“ (&#039;&#039;lo`&#039;&#039;) erforderte.&amp;lt;/ref&amp;gt;)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
und die ganze Oberfläche (das ganze Angesicht) des Erdbodens zu [er]tränken pflegte (gaben zu trinken).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|7}} Da formte (bildete, gestaltete) JHWH-Gott den Erdling (Menschen): Staub&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Khnum töpfert.jpg|mini|rechts|Ägyptisches Relief in Dendera: Der Gott Khnum töpfert ein Kind, die Göttin Isis verleiht ihm Leben. (c) Didia via [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Chnum-ihy-isis.jpg Wikimedia Commons] ]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Staub&#039;&#039; - nicht „Lehm“ o.ä., woraus man gut etwas formen könnte und woraus nach [[Ijob 10#s9 |Ijob 10,9]]; [[Ijob 33#s6 |33,6]]; [[Jesaja 29#s16 |Jes 29,16]]; [[Jesaja 45#s9 |45,9]]; [[Jesaja 64#s8 |64,8]] wirklich auch der Mensch geformt ist. Auch das macht in V. 6 die Bed. „Grundwasser heraufholen“ noch mal wahrscheinlicher; der Grund für die Wortwahl wäre dann, dass die Erde eben noch nicht durch „einen Strom“, „Feuchtigkeit“, „Wolken“ oder „Tau“ befeuchtet wurde, so dass es noch gar keinen „Lehm“ gab. Alternativ muss man annehmen, mit „Staub“ solle bereits hier auf die Sterblichkeit des Menschen hingewiesen werden. Aber ob der Mensch zu diesem Zeitpunkt bereits als sterblich gedacht sein soll, ist ganz ungewiss.&amp;lt;br /&amp;gt;Die Schöpfung des Menschen aus Erde ist ein Urmythos und findet sich nicht nur in mehreren altorientalischen Mythen, sondern auch in der griechischen Mythologie, in afrikanischen Volksmärchen etc. (vgl. Becking 2011, S. 6f.).&amp;lt;/ref&amp;gt; vom&amp;lt;ref&amp;gt;Die Präp. &#039;&#039;vom&#039;&#039; kommt im Hebräischen überraschend; erwartet hätte man eine Genitivkonstruktion „Staub des Erdbodens“. Sicher soll damit V. 23 vorbereitet werden: Wie der Rohstoff für die Frau „&#039;&#039;vom&#039;&#039; Menschen“ genommen werden wird, so hier der Rohstoff für den Menschen „&#039;&#039;vom&#039;&#039; Erdboden“.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: In der jüdischen Antike wurde dies Basis einer schönen Auslegung: Mit „Staub &#039;&#039;vom&#039;&#039; Erdboden“ solle gesagt sein, dass Gott Erde aus allen vier Himmelsrichtungen zusammensammelte, um den Menschen zu formen, damit der Mensch bei seinem Tod auch in allen vier Himmelsrichtungen von der Erde wieder aufgenommen werde (so Midrasch Tanchuma, Pekudei 3; auch Raschi u.a.). Nach Gen 2,7 wäre der Mensch so selbst noch im Tod „Weltbürger:in“. Ähnlich auch schon TgJ, der bei dieser Gelegenheit auch noch wundervoll betont, dass bereits zu dieser Zeit der Mensch mit all seinen Hautfarben geschaffen worden sei: „&#039;&#039;Er nahm Staub vom Ort des Tempels und aus allen vier Himmelsrichtungen der Welt, außerdem ein Gemisch aus allen Wassern der Welt und schuf ihn rot (braun), schwarz und weiß.&#039;&#039;“&amp;lt;/ref&amp;gt; Erdboden (formte JHWH-Gott den Erdling [aus] Staub vom Erdboden und...). {{par|Genesis|3|19}} {{par|Ijob|33|6}} {{par|Psalm|103|14}} {{par|Jesaja|29|16}} {{par|Jesaja|64|8}} {{par|Jeremia|18|1|2}} {{par|1 Korinther|15|47}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und er blies (atmete) in seine Nase Hauch (Wind) des Lebens,&amp;lt;ref name=&amp;quot;Nachkommen&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;und [so] wurde der Erdling (Mensch) [zu] einem Lebewesen (einer lebendigen Seele).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Gen 2,7b wurde von den alten jüdischen und christlichen Auslegern sehr häufig als Beleg dafür genommen, dass der Mensch seine &#039;&#039;Seele&#039;&#039; von Gott empfangen hatte, und dies werde hier gesagt (Radak, Sforno; Tertullian, Basilius, Chrysostomus u.a. Zwei Beispiele: [1] Ramban: „&#039;&#039;Der Vers sagt, dass er den Hauch des Lebens in seine Nase geblasen habe, um uns darüber in Kenntnis zu setzen, dass die Seele nicht aus den Elementen besteht ..., sondern vom Geist Gottes herrührt.&#039;&#039;“; [2] Gregor von Nazianz, Dogmatischer Hymnus 7: „&#039;&#039;Die Seele ist der Atem Gottes, ist himmlisch&#039; Ding vermischt mit tiefster Erde, ist Licht, gesperrt in eine Höhle – und doch ganz göttlich, unzerstörbar...&#039;&#039;“). Gesagt wird das hier nicht: &#039;&#039;nešamah&#039;&#039; ist nicht die „Seele“, sondern der „Atem“, der jedem Lebewesen eignet und der es erst zu einer &#039;&#039;nefeš ḥajah&#039;&#039; („einer lebendigen Seele“ = „einem Lebewesen“) macht, was gleichfalls kein Alleinstellungsmerkmal des Menschen ist: Auch die Tiere werden in [[Genesis 1#s20 |Gen 1,20]] als „lebendige Seelen“ bezeichnet, auch sie haben in [[Genesis 7#s21 |Gen 7,21f]] „Atem (statt: Hauch) des Lebens“ in ihrer Nase. Ganz prosaisch und richtiger daher ibn Ezra: „&#039;&#039;Die Bedeutung von ‚er blies in seine Nase Hauch des Lebens‘ ist: Der Mensch lebt vermöge seiner Nasenlöcher. Durch sie entweicht die vom Herzen erhitzte Luft und wird durch frische Luft ersetzt.&#039;&#039;“ Alleinstellungsmerkmal könnte hier allenfalls sein, dass nur vom Menschen explizit gesagt wird, dass ihm sein Atem &#039;&#039;von Gott&#039;&#039; eingehaucht wurde. So Chizkuni: „&#039;&#039;‚Er blies in seine Nase den Hauch des Lebens‘ – Gott höchstselbst behauchte den Menschen mit dem Hauch des Lebens; etwas, was er für kein anderes seiner Geschöpfe getan hatte. Warum war dies nötig? Damit der Mensch Weisheit haben könne, d.h. heiligen Geist.&#039;&#039;“ (ähnlich Haag 1970, S. 46; Sarna 2001, S. 17).&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|27|3}} {{par|Ijob|33|4}}&lt;br /&gt;
{{S|8}} Und JHWH-Gott pflanzte einen Garten (Park) in Eden (Lust, Wonne) im Osten (im [fernen] Osten, in der Urzeit),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;im Osten (im [fernen] Osten, in der Urzeit)&#039;&#039; - (1) Ob &#039;&#039;miqqedem&#039;&#039; (mit der Präp. &#039;&#039;mi(n)-&#039;&#039; statt &#039;&#039;be-&#039;&#039; wie in &#039;&#039;be´eden&#039;&#039; „in Eden“) wirklich eine zweite Ortsangabe ist, ist umstritten. Dafür z.B. Bührer 2014, S. 212 und Carr 2021 mit dem sehr richtigen Hinweis auf [[Genesis 2#s14 |Gen 2,14]]; [[Genesis 3#s24 |3,24]]. So auch LXX und z.B. auch schon Basilius der Große in &#039;&#039;Über den Heiligen Geist&#039;&#039; 27.66: „&#039;&#039;Aus diesem Grund blicken wir beim Beten nach Osten. Nur wenige wissen, dass der Grund dafür ist, dass wir damit in Richtung unseres einstigen Heimatlands blicken, das Gott in Eden gen Osten gepflanzt hatte.&#039;&#039;“&amp;lt;br /&amp;gt;(2) &#039;&#039;miqqedem&#039;&#039; hat häufiger auch zeitliche Bed.: „zur Urzeit“. So daher fast alle alten Vrs.: Aq, Sym, Theod, VUL, Syr, TgJ. Nur TgO und TgN verwenden das selbe Wort wie MT und sind daher nicht eindeutig. Auch der Midrasch kennt diese Deutung: „&#039;&#039;Du glaubst vielleicht, &#039;&#039;miqqedem&#039;&#039; bedeute ‚vor der Schöpfung der Welt‘, aber das ist nicht der Fall. Vielmehr bedeutet es: ‚vor der Schöpfung Adams‘, denn Adam wurde am sechsten Tag geschaffen, der Garten in Eden dagegen am dritten.&#039;&#039;“ Vgl. auch 4 Esra 3,6: &#039;&#039;Dann führtest du [den Menschen] ins Paradies, das deine Hand gepflanzt hatte, ehe die Erde entstand.&#039;&#039;. So bes. Stordalen 2000, S. 261-270; z.B. auch Jericke 2013, S. 26.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Gertz 2018 schließlich übersetzt mit „in der Urzeit im fernen Osten“, um offenzuhalten, ob der Ausdruck lokal oder temporal gemeint sei, und gleichzeitig klarzumachen, dass hier von keinem konkreten Ort die Rede sei. Ich (S.W.) halte das für klug und für die LF für erwägenswert.&amp;lt;br /&amp;gt;Ausnahmslos alle dt. Üss. wählen wie die meisten Kommentare etwas wie „im Osten“ und verfremden höchstens ein wenig mit der Üs. „gegen Morgen“ (LUT 84, SLT 51). Wegen Gen 3,24 ist das auch in der Tat am wahrscheinlichsten, gemeint ist aber wohl wirklich etwas wie Gertz&#039; „ferner Osten“: „Der Osten, wo die Sonne aufgeht, ist ein symbolischer Ort, der &#039;&#039;Zwischen-Raum&#039;&#039; an der Grenze von Himmel und Erde, der Ort, zu dem Gilgamesch reisen musste, um Unsterblichkeit zu erlangen“ (Goldingay 2020, S. 58).&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;und er setzte dort[hin] den Erdling (Menschen), den er geformt (gebildet, gestaltet) hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;den Erdling (Menschen), den er gebildet hatte&#039;&#039; - Wiederaufnahme von V. 7: &#039;&#039;er bildete den Erdling... den Erdling, den er gebildet hatte&#039;&#039; (gut Walsh 1977, S. 162). Geht man nicht davon aus, dass Gen 2 ein echtes Gedicht ist, liegt es daher eher fern, dass Vv. 7.8 zu unterschiedlichen Abschnitten gehören (wie oft gegliedert wird). In einem Gedicht dagegen könnte dies das Stilmittel der „Concatenatio“ sein, das gerade signalisieren würde, dass die Verse mit den einander entsprechenden Zeilen zu unterschiedlichen Strophen gehören.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|9}} Und JHWH-Gott ließ aus dem Erdboden jeglichen Baum sprießen, begehrenswert anzusehen und gut als Essen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und der Baum des Lebens&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Baum des Lebens&#039;&#039; - ein weiterer Urmythos: Erzählungen von Bäumen, die ewiges Leben schenken, gab es im ganzen Alten Orient und auch vielfach in der skandinavisch-germanischen Welt. Viele Beispiele hat Wünsche 1905 zusammengetragen. In den meisten dieser Mythen dienen die Früchte dieses Baums als Speise für die &#039;&#039;Götter&#039;&#039;; wahrscheinlich ist daher, dass dieser Baum in der ursprünglichen Sage nicht etwa als „Test“ für den Menschen o.Ä. in den Garten gepflanzt wurde, sondern dass er zum gewöhnlichen Ensemble eines „Gottes-Gartens“ gehörte.&amp;lt;/ref&amp;gt; [wuchs (war)] (er ließ sprießen jeglichen Baum..., auch den Baum des Lebens)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Die meisten dt. Üss. wie in der Alternativübersetzung. Nach den hebräischen Akzenten ist 9b aber offensichtlich ein zweiter Hauptsatz und liefert nicht ein zweites und drittes Subjekt im selben Hauptsatz nach.&amp;lt;/ref&amp;gt; mitten im Garten&amp;lt;br /&amp;gt;und der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse [auch].&amp;lt;ref&amp;gt;Zum &#039;&#039;Baum der Erkenntnis von Gut und Böse&#039;&#039; s. die Anmerkungen zu Gen 3.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[auch]&#039;&#039; - Auch der zweite Baum wuchs in der Mitte des Gartens. Syntaktisch ist Gen 2,9b eine sogenannte „gespaltene Koordination“ (vgl. bes. Michel 1997b, S. 1-22; z.B. auch Carr 2021; Mettinger 2007, S. 22; Bauks 2012, S. 268; Bührer 2014, S. 213f.): Im Hebräischen kann eine Aussage &#039;&#039;a&#039;&#039; sowohl über Subjekt &#039;&#039;A&#039;&#039; als auch über Subjekt &#039;&#039;B&#039;&#039; ausgesagt werden, indem man einen Satz bildet mit dem Muster &#039;&#039;A a und B&#039;&#039;, hier also etwa: „Baum 1 war X und Baum 2“ = „Baum 1 und 2 waren X“. Das wussten schon die alten jüd. Exegeten, die daher gar nicht über die grammatische Konstruktion nachdachten, sondern gleich darüber, wie es denn möglich sei, dass &#039;&#039;zwei&#039;&#039; Bäume &#039;&#039;exakt&#039;&#039; in der Mitte des Gartens wachsen könnten (z.B.: Sie teilten sich &#039;&#039;einen&#039;&#039; Stamm, oder: Baum 2 wuchs um Baum 1 herum etc.). Dass mit „Mitte“ nicht die &#039;&#039;exakte&#039;&#039; Mitte gemeint sein muss, ist aber ja klar.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|10}} {Und} Ein Strom nun geht aus (würde ausgehen)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Verben&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;geht aus&#039;&#039; + &#039;&#039;teilt sich&#039;&#039; + &#039;&#039;und wird&#039;&#039; - Das erste Vb. ist Partizip; i.d.R. wird es daher präsentisch gedeutet: Der Fluss tut dies immer noch; für den Verfasser befände sich der Garten also immer noch irgendwo. Das zweite ist ein Yiqtol- und das dritte ein Weqatal-Verb. Beide Vb.-Formen werden i.d.R. zum Ausdruck von Zukünftigkeit oder Modalität verwendet. Daher etwa Bandstra 2008: „A river &#039;&#039;exits&#039;&#039;. ... From there it &#039;&#039;will divide&#039;&#039;. And it &#039;&#039;will become&#039;&#039; four heads.“&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Das Partizip allerdings ist im klassischen Bibelhebräisch zeitlos; seine Temporalität muss aus dem Kontext erschlossen werden und kann dann ebenfalls Zukunft sein (Bsp.: [[Jona 1#s3 |Jon 1,3]]: „Er fand ein Schiff, das nach Tarschisch &#039;&#039;fahren würde&#039;&#039;“; vgl. z.B. GKC §116d). Der Nahkontext mit dem Yiqtol- und Weqatal-Verb spricht dann eigentlich dafür, dass auch das Ptz. zukünftig zu deuten ist: Aktuell hat der Garten noch keine Wasserquelle, weshalb es den Menschen braucht. Später allerdings – nach der Verbannung des Menschen – &#039;&#039;würde&#039;&#039; ein Strom von Eden ausgehen, um den Garten zu bewässern, und &#039;&#039;würde&#039;&#039; sich dann wieder in vier Flüsse teilen. So aber niemand.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) JM §119u denkt an durative Vergangenheit: „Er teilte sich dauerhaft und wurde dauerhaft zu vier Häuptern“. Aber wie soll „teilen“ und „zu etwas werden“ anders durativ sein als „ausgehen“?&amp;lt;br /&amp;gt;(3) An Joüons „duratives Yiqtol der Vergangenheit“ glauben ohnehin nicht viele hebraistische Grammatiker. GKC §107d etwa daher dagegen: iterative Vergangenheit: „... Gn 2:10 represents the river as going out of Eden in a continuous, uninterrupted stream, but {{hebr}}יִפָּרֵר{{hebr ende}}, which immediately follows, describes how the parting of its waters is always taking place afresh.“; ebenso Dav §54b; Nic 40; Bartelmus 1982, S. 201. Idem; und: der Fluss wird doch gerade nicht &#039;&#039;wiederholt&#039;&#039; zu mehreren Flüssen, sondern konkret zu den genannten vier? Dagegen vgl. auch HKL III §160.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Vielleicht auch nur durch Wortstellung (Waw-X-Yiqtol) markierter temporaler Nebensatz: „... wonach er sich von dort aus teilt und zu vier Flusshäuptern wird“?&amp;lt;br /&amp;gt;Aber alle dt. Üss. übergehen das und übersetzen schlicht gleichzeitig mit dem Partizip in 10a; das sollte dann besser auch OfBi tun.&amp;lt;/ref&amp;gt; von Eden, um den Garten zu tränken (ertränken),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;von Eden, um den Garten zu tränken&#039;&#039; legt wie „ein Garten &#039;&#039;in&#039;&#039; Eden“ nahe, dass der Garten und Eden nicht identisch sind. V. 15 dagegen „der Garten Eden“; offenbar sind der Eden und der Garten in Eden koextensiv. Dann entspringt der Fluss im Garten selbst.&amp;lt;/ref&amp;gt; und von dort aus teilt er sich (würde er sich teilen) und wird (würde werden)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Verben&amp;quot; /&amp;gt; zu vier Häuptern (Fluss-Quellen, Fluss-Anfängen).&amp;lt;ref name=&amp;quot;Namen&amp;quot;&amp;gt;[[Datei:Paradies 2.jpg|rahmenlos|rechts|Lage des Paradieses, Variante 1]]&lt;br /&gt;
Die Lage der &#039;&#039;vier Flüsse&#039;&#039; und damit auch die Lage Edens und des Gottesgartens ist umstritten. Klar identifizierbar sind Tigris und Euphrat, und damit auch „Assur“, das dann nicht Assyrien, sondern seine gleichnamige Hauptstadt &#039;&#039;Aššur&#039;&#039; meinen muss (die anders als das Gros Assyriens westlich des Tigris lag). Umstritten sind der Pischon (vgl. [https://www.odb.bibelwissenschaft.de/ortsnamen/ortsname.php?n=95 Pischon (odb)]) und das Land Hawila (vgl. [https://www.odb.bibelwissenschaft.de/ortsnamen/ortsname.php?n=49 Hawila (odb)]) in V. 11 und der Gihon (vgl. [https://www.odb.bibelwissenschaft.de/ortsnamen/ortsname.php?n=267 Gihon, Strom (odb)]) und das Land Kusch (vgl. [https://www.odb.bibelwissenschaft.de/ortsnamen/ortsname.php?n=66 Kusch (odb)]) in V. 13. Besonders sechs Deutungsvarianten sind im Umlauf, keine ist wirklich überzeugend:&amp;lt;br /&amp;gt;(1a) Klassisch wird der &#039;&#039;Giḥon&#039;&#039; (von &#039;&#039;gi(a)ḥ&#039;&#039; „hervorbrechen, hervorkommen“ &amp;gt; „der Quell-Fluss“) mit dem Nil identifiziert (so schon [[Jesus Sirach 24#s27 |Sir 24,27]]; Jer 2,18 LXX; 1QGenAp 21,15; JosAnt I 39f.), v.a. weil &#039;&#039;Kusch&#039;&#039; meist ein Volk im damaligen Südägypten meint. Den &#039;&#039;Pischon&#039;&#039; (vielleicht von äg. &#039;&#039;p3 šnj&#039;&#039; „der Umgreifende“; eher von heb. &#039;&#039;puš&#039;&#039; „springen“ &amp;gt; „rauschender Fluss“) hielten schon Josephus, Eusebius und die Targumim ganz fernliegend für den Ganges in Indien (nicht auf der Karte); wohl, weil damit gleich vier kulturprägende Flüsse auf einmal aus Eden entsprängen.&amp;lt;br /&amp;gt;(1b) Aber der Nil wird häufig in der Bibel erwähnt und heißt nie „Gihon“. Witte 1998, S. 265-267; Gerhards 2013, S. 202; Kang 2020, S. 95f. u.a. halten daher den &#039;&#039;Pischon&#039;&#039; für den Nil (wie er ebenfalls nie bezeichnet wird) und den Gihon für das gleichnamige Bächlein, das in Jerusalem entspringt, und das durch die Behauptung, dass es bis zu den Kuschiten fließe und sogar das ganze Land umgebe, aufgewertet werden soll. Ähnlich halten Gertz 2018 und Carr 2021 den Gihon für den Nil, der aber als „Gihon“ bezeichnet werde, um so ebenfalls das Jerusalemer Bächlein aufzuwerten. Hawila und der Pischon müssten dann am besten wie in (3b) erklärt werden, s. gleich.&amp;lt;br /&amp;gt;(1c) Haag 1970, S. 37f., Sarna 2001 und Jericke 2013b dagegen halten den Gihon für den weißen und den Pischon für den blauen Nil, also den südwestlichen und den südöstlichen Quellfluss des ägyptischen Nils. Beide würden mit den Kunstnamen „Quellwasser“ und „Sprudelwasser“ bezeichnet. Hawila wird dann nach den Genealogien in [[Genesis 10#s7 |Gen 10,7]]; [[1 Chroniken 1#s9 |1 Chr 1,9]] (neben Saba, Sabta, Ragma, Scheba und Dedan) ans Rote Meer und genauer an die Westküste östlich des Nils verortet, was zum blauen Nil passen würde. Wie aber der weiße Nil ganz Kusch umflossen haben soll, verstehe ich (S.W.) nicht.&amp;lt;br /&amp;gt;Nach (1a-c) wären die Ortsangaben also geographisch nicht logisch: Euphrat und Tigris haben keine gemeinsame Quelle, Nil und Ganges und Gihon sind weder mit diesen beiden noch miteinander verbunden. Die Ortsangabe wäre dann vergleichbar mit dem Ort, da der Regenbogen die Erde berührt, oder mit Coleridges „sacred Alph river“ in Xanadu: ein mythisches Nirgendwo.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Es sei denn, man deutet wie Ephrem der Syrer: „&#039;&#039;Weil das Paradies sehr hoch liegt, werden die Flüsse wieder verschluckt, fließen dann ... wie durch eine große Wasserleitung durch die Erde unter dem Meer zur Erde. Dann speit die Erde sie alle wieder aus: Als die Donau (!) – das ist der Pischon – im Westen, als den Gihon im Süden, und als Euphrat und Tigris im Norden.&#039;&#039;“ Ähnlich bar Salibi, Mose bar Kepha und noch Rav Hirsch.&amp;lt;br /&amp;gt;[[Datei:Paradies 1.jpg|rahmenlos|rechts|Lage des Paradieses, Variante 2]] (3a) Die verbreitetste alternative Deutung ist diese: Man verstehe „Ein Fluss geht aus von Eden und teilt sich dort...“ nicht als Aussage über die Flussrichtung, sondern nur über den von Eden aus gesehenen Verlauf der Flüsse. Mit dem Fluss, der sich dann in Euphrat und Tigris teilt, ist dann der Schatt al-Arab gemeint, in den die beiden kurz vor dem Persischen Golf zusammenfließen. Weiter: Der samaritanische Pentateuch gibt den Gihon mit &#039;&#039;`Asqop&#039;&#039; wieder, was Speiser 1967, S. 25 sinnvoll mit dem Karkeh identifiziert, der in den selben Fluss mündet wie Euphrat und Tigris. Zu &#039;&#039;Kusch&#039;&#039; vgl. dann am ausführlichsten Burrell 2020, S. 147-167 (und wieder bereits Speiser 1967, S. 25; z.B. auch Harris 1968, S. 179): Mehrere Quellen legen nahe, dass &#039;&#039;Kusch&#039;&#039; nicht nur Äthiopien südlich von Ägypten bezeichnen konnte, sondern auch eine mesopotamische Region – was ebenfalls in die entsprechende Gegend weisen würde. Der Pischon schließlich wird d.Ö. mit dem einstigen Pasitigris gleichgesetzt, dem heutigen Karun (so z.B. Hölscher 1949, S. 35-44; Dietrich 2001), der auch in sumerischen und akkadischen Mythen häufig erwähnt wird. Hawila endlich wird man dann am besten nicht als Eigennamen eines Ortes oder Stamms verstehen, sondern – da das Wort im MT und SamP ohnehin einen für Eigennamen unüblichen Artikel trägt – als Klassennomen: „das Sandland“ = „die Wüste“. Nach dieser Variante würden Gen 2,10-14 das Paradies also auf geographisch sinnvolle Weise an den Persischen Golf ins Delta von Euphrat, Tigris, Karkeh und Karun verorten.&amp;lt;br /&amp;gt;(3b) Möglich dann noch: Hawila könnte nach den Genealogien in Gen 10,7; 1 Chr 1,9 auch auf der Ostseite des Roten Meeres auf der Arabischen Halbinsel liegen. Der m.E. beste Vorschlag ist der von Knauf 1985, S. 64, der Ort sei mit Ha&#039;il zu identifizieren. Das passt einigermaßen zu einem neuerdings populären Vorschlag (vgl. z.B. Scolnic 2005, S. 21f.), mit dem vierten Fluss sei der heute ausgetrocknete, früher aber (in der Tat) große „Kuwait-Fluss“ gemeint, der einst durch das Wadi Batin floss. So insgesamt z.B. Collins 2006: Wadi Batin, Karun oder Karkeh, Euphrat, Tigris. Auch nach dieser Deutung läge Eden am Schatt al-Arab im heutigen Irak. Das passt auch gut zu den „ertränkenden Fluten“ in V. 6: In diesem Flussdelta liegt ein (aktuell vom Austrocknen bedrohtes) Marschland, wie es in dieser Wüstenregion so selten ist, dass die UNESCO es 2016 zum Welterbe erklärt hat.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|11}} Der Name des ersten [ist] „Pischon“;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Namen&amp;quot; /&amp;gt; das [ist der,] der das ganze Land Hawila (der das ganze Sandland)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Namen&amp;quot; /&amp;gt; umfließt, wo es das Gold&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;das Gold&#039;&#039; - also besonders viel Gold oder, wie V. 12 sagt, Gold von besonders hoher Qualität (so Radak, König 1919; Haag 1970, S. 39).&amp;lt;/ref&amp;gt; gibt.&lt;br /&gt;
{{S|12}} Und das Gold jenes Landes ist gut. Dort gibt es auch das Bdelliumharz (die Perle?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Bdelliumharz (die Perle?)&#039;&#039; - unsicheres Wort; nur noch in [[Numeri 11#s7 |Num 11,7]]. LXX: „Kohle“ woraus Goldingay 2020 ableiten will, es seien Rubine gemeint. Aq, VUL und der Midrasch (s. gleich) &#039;&#039;Bdelliumharz&#039;&#039;, eine Art Weihrauch. Die gr. und lat. Worte sind dem heb. sehr ähnlich; Goldingay glaubt daher, dies sei ein &#039;&#039;false friend&#039;&#039; und daher eine Fehlübersetzung von Aq und VUL. Aber s. Rabbi Aibu (4./5. Jhd.) im Midrasch: „&#039;&#039;Du glaubst jetzt vielleicht, dass das &#039;&#039;bedolach&#039;&#039; des Apothekers / Parfum-Herstellers gemeint sei. [...] Aber wie das folgende Wort ein Edelstein ist, so ist auch dies ein Edelstein.&#039;&#039;“ – auch das heb. Wort hatte also sicher (auch) diese Bed. So auch alle dt. Üss.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Saadia, ibn Balaam und Radak dagegen halten es für die „Perle“ (Radak berichtet bei der Gelegenheit faszinierend, wie man sich zu seiner Zeit die Entstehung von Perlen vorstellte: Perlen sind Tautropfen, die in Flüssen versunken waren). Das passte besser als Bdelliumharz, da es sich hier neben dem Gold und dem Schoham-Stein immerhin ebenfalls um einen Bodenschatz im weitesten Sinne handelt, aber für diese Bed. gibt es kein Indiz. Die mutmaßliche Geschichte hinter dieser Deutung ist ein kleines Lehrstück; sie sei daher hier am Anfang der Bibel kurz nacherzählt: TgO übersetzt ins Aramäische: &#039;&#039;bdwlḥ`&#039;&#039; ({{hebr}}בדולחא{{hebr ende}}) &#039;&#039;w`bnj bwrl`&#039;&#039; ({{hebr}}בורלא{{hebr ende}}), „Bdellium und Beryl-Stein“. Syr dann ursprünglich wohl fast ebenso: ܒܕܘܠܚܐ ܘܟܐ̈ܦܐ ܕܒܪܘܠܐ &#039;&#039;bdwlḥ` wk`p` dbrwl`&#039;&#039;. Unter Einfluss von &#039;&#039;brwl`&#039;&#039; verliest ein Schreiber dann aber &#039;&#039;bdwlḥ`&#039;&#039; (ܒܕܘܠܚܐ) als &#039;&#039;brwlḥ`&#039;&#039; (ܒܪܘܠܚܐ, „Perle“, s. Smith). Vom Syrischen wanderte dies dann zu Saadja ins Arabische; vielleicht wieder vermittelt durch Mose bar Kepha, den Saadja eifrig gelesen zu haben scheint und der nach Syr kommentiert: „&#039;&#039;Der Hebräer bezeichnet mit &#039;&#039;brwlḥ`&#039;&#039; die Perle&#039;&#039;“ (fast ebenso bar Salibi). Und von Saadja schließlich wandert es über Radak wieder zurück in die hebräische Auslegung. Was lehrt, mit welcher Vorsicht diese späteren Auslegungen auszuwerten sind: Sie haben eine Jahrhunderte währende Vorgeschichte. &#039;&#039;Diese&#039;&#039; Vorgeschichte jedenfalls macht klar, dass „Perle“ fast sicher nicht Bed. des heb. Wortes ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; und den Schoham-Stein.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Schoham-Stein&#039;&#039; - irgendein Edelstein. TgO, TgJ, Syr: „Beryl“; Aq, Sym, Theod, VUL: „Onyx“ (so auch ELB, R-S, SLT). Wegen der Nähe von &#039;&#039;šoham&#039;&#039; zu akk. &#039;&#039;šamtu&#039;&#039; („rot“) viele neuere auch „Karneol“; z.B. Gertz 2018, S. 114, auch B-R, PAT, EÜ, H-R, ZÜR. Die meisten dt. Üss.: „den Schoham-Stein“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|13}} Und der Name des zweiten Stromes ist „Gihon“;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Namen&amp;quot; /&amp;gt; das [ist der,] der das ganze Land Kusch&amp;lt;ref name=&amp;quot;Namen&amp;quot; /&amp;gt; umfließt.&lt;br /&gt;
{{S|14}} Und der Name des dritten Stromes ist „Tigris“;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Namen&amp;quot; /&amp;gt; das [ist der,] der östlich von Assur (Assyrien)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Namen&amp;quot; /&amp;gt; fließt. Und der vierte Strom, das [ist] der Eufrat.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|15}} {Und} JHWH-Gott nahm&amp;lt;ref&amp;gt;Zum &#039;&#039;nehmen&#039;&#039; vgl. bes. gut Haag 1970, S. 40, der auf die Parallelen [[Exodus 6#s7 |Ex 6,7]]; [[Numeri 3#s12 |Num 3,12]]; [[Deuteronomium 4#s20 |Dtn 4,20]]; [[Josua 24#s3 |Jos 24,3-15]]; [[2 Samuel 7#s8 |2 Sam 7,8]]; [[1 Könige 11#s37 |1 Kön 11,37]]; [[Psalm 78#s70 |Ps 78,70]]; [[Jesaja 66#s21 |Jes 66,21]]; [[Amos 7#s15 |Am 7,15]]; [[Haggai 2#s23 |Hag 2,23]] hinweist: Dass Gott jemanden „nimmt“, ist i.d.R. ein Bild dafür, dass er ihm ein bestimmtes Schicksal zuweist.&amp;lt;br /&amp;gt;Der Midrasch, Raschi und Radak dagegen denken, Gott habe den Menschen an einem bestimmten Ort geschaffen, und von dort werde er tatächlich „genommen“ und dann im Garten wieder abgesetzt. So schon TgJ: „&#039;&#039;JHWH-Gott nahm Adam vom Berg der Verehrung herunter, dem Ort, wo er geschaffen worden war&#039;&#039;“.&amp;lt;/ref&amp;gt; [also] den Erdling (Menschen)([, den er geschaffen hatte]&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: So LXX; auch TgJ (s.o.) stützt dies. Aber sicher Assimilation an V. 8; so richtig Hendel 1998, S. 124; BHQ.&amp;lt;/ref&amp;gt;) und ließ ihn wohnen im (setzte ihn in den)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;ließ ihn wohnen im (setzte ihn in den)&#039;&#039; - &#039;&#039;nuḥ&#039;&#039; hat zwei unterschiedliche Hifil-Formen: (1) &#039;&#039;heniaḥ&#039;&#039; und (2) &#039;&#039;hinniaḥ&#039;&#039;. Beide haben us. Bed.: (1) „jmdm Ruhe / einen Wohnort geben“, (2) „etw./jmdn absetzen, liegen lassen, in Ruhe lassen“ (vgl. JM §80p). MT, LXX, Sym und VUL deuten die Konsonanten wie (2); TgO, TgN und Midrasch („er ließ ihn wohnen“) wie (1). Letzteres z.B. auch Witte 1998, S. 269. Das ist sinnvoller. MT, LXX, Sym und VUL haben wahrscheinlich „er nahm den Menschen“ wörtlich verstanden  (s. zwei FN zuvor) und daher hier das Vb. in der zweiten Bed. genommen, die auch fast der des Verbs in V. 8 entspricht. Näher liegt aber (1). Will man den Sinn des Heb. wiedergeben, üs. vielleicht: „er bestimmte ihm den Garten zur Wohnung“ o.Ä. Gut EÜ: „Er gab ihm seinen Wohnsitz im Garten Eden“ auch EÜ aber davor: „Er nahm den Menschen“. Die anderen dt. Üss. alle „nahm und setzte“.&amp;lt;/ref&amp;gt; Garten Eden, damit er (um zu) [in] ihm&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Das im Heb. fem. &#039;&#039;ihm&#039;&#039; bezieht sich auf die ganze Fügung „Garten Eden“, in der das mask. „Garten“ wegen dem fem. „Eden“ ebenfalls fem. ist; so richtig BrSynt §16g; Haag 1970, S. 41; Bührer 2014, S. 218. &#039;&#039;gan&#039;&#039; („Garten“) ist sicher nicht sowohl mask. als auch fem. (so schon ibn Ezra, Ramban), da neben dem mask. &#039;&#039;gan&#039;&#039; ja auch das fem. &#039;&#039;ganah&#039;&#039; existiert.&amp;lt;/ref&amp;gt; (damit er ihm) diene (arbeite) und ihn hüte (bewahre, bewache).&amp;lt;ref name=&amp;quot;dienen&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|16}} Und JHWH-Gott gebot&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Im Talmud wird in b.San 56 geglaubt, in diesem Vers würden die sieben „noachidischen Gebote“ grundgelegt, also die göttlichen Gebote, die nicht nur für alle Jüd:innen, sondern für alle Menschen gelten: Mit fast jedem Wort würde auf eines dieser Gebote angespielt, die ausführlicher andernorts in der Bibel ausformuliert seien, und zwar dergestalt, dass Worte verwendet werden, die sich auch in den ersten fünf dieser ausführlicheren Formulierungen finden (vgl. auch Chizkuni, Rabbenu Bahja):&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Das Gebot der Rechtspflege: &#039;&#039;es gebot&#039;&#039;, s. [[Genesis 18#s19 |Gen 18,19]].&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Das Verbot der Gotteslästerung: &#039;&#039;JHWH&#039;&#039;, s. [[Levitikus 24#s16 |Lev 24,16]].&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Das Verbot des Götzendienstes: &#039;&#039;Gott&#039;&#039;, s. [[Exodus 20#s3 |Ex 20,3]].&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Das Verbot des Blutvergießens: &#039;&#039;dem Erdling &#039;&#039;, s. [[Genesis 9#s6 |Gen 9,6]].&amp;lt;br /&amp;gt;(5): Das Verbot der Unzucht: &#039;&#039;besagend&#039;&#039;, s. [[Jeremia 3#s1 |Jer 3,1]].&amp;lt;br /&amp;gt;(6) Das Verbot es Raubes: &#039;&#039;von allen Bäumen des Gartens&#039;&#039;.&amp;lt;br /&amp;gt;(7) Das Verbot, &#039;&#039;lebende&#039;&#039; Tiere zu essen: &#039;&#039;darfst du essen&#039;&#039;.&amp;lt;br /&amp;gt;In der Folge entspann sich ein Auslegungsstreit darüber, ob dies wirklich die korrekten sieben noachidischen Gebote seien, die hier gesammelt wurden, ob der Vers vielleicht noch auf weitere Gebote anspiele (Bsp: In b.San 56b selbst glaubt Rabbi Eleazar, auch auf das für jüdische Gesetze so typische Gebot der Kreuzung von Tieren und Pflanzen werde hier angespielt, weil hier mit „von jedem Baum“ nur jene Bäume gemeint sein könnten, die Gott „natürlich“ erschaffen hatte und nicht solche, die erst vom Menschen gekreuzt wurden.) und ob dies vielleicht gar nicht der Fall sei, sondern Vv. 16f. „einfach nur“ das Verbot wiedergäben, dass Adam nicht von diesem konkreten Baum essen dürfe. Diese Diskussion braucht (und kann) hier nicht nachgezeichnet werden; die obigen sieben sind klar die Mehrheitsmeinung in der halachischen Auslegung.&amp;lt;br /&amp;gt;In der protestantischen Theologie werden die beiden Verse aus einem anderen Grund diskutiert: In [[Hosea 6#s7 |Hos 6,7]] und in [[Jesus Sirach 14#s17 |Sir 14,17]] LXX wird dieses Gebot als ein „Bund“ bezeichnet. Danach wäre dies schon vor dem Bund, den Gott mit Noah schloss, der erste „Bund“, den Gott mit dem Menschen geschlossen hatte. Im Lichte von Gen 9 könnte man ihn etwa so formulieren: „Ich gewähre dir, von allen Pflanzen des Gartens zu essen. Im Gegenzug gebe ich dir ein Gebot – nur eines! –, das du halten musst: Iss nicht vom verbotenen Baum!“. Man nennt diesen Bund daher auch den „Werkbund“ (&#039;&#039;foedus operum&#039;&#039;), der aber bereits von Adam und Eva stellvertretend für alle Menschen gebrochen worden sei. Dahinter stecken zwei theologische Ideen: Erstens ist die Theorie vom adamitischen Werkbund an sich nur eine legalistische Umformulierung der Erbsündenlehre; in dieser Umformulierung aber wird besonders betont, dass die Gnade der Sünde vorausging: &#039;&#039;Zuerst&#039;&#039; hatte Gott mit dem Menschen einen Bund geschlossen, &#039;&#039;danach&#039;&#039; hatte der Mensch das erste Mal gesündigt. Zweitens lässt sich mit dieser Idee genauer formulieren, was Christus geleistet habe: &#039;&#039;Dieser Werkbund&#039;&#039; sei es gewesen, den Christus dann wieder aufrichtete (s. [[Römer 5#s12 |Röm 5,12-21]]), nun aber nicht als „Werkbund“, bei dem der Mensch ein bestimmtes Werk tun müsse, sondern als „&#039;&#039;Gnaden&#039;&#039;-Bund“ (&#039;&#039;foedus gratiae&#039;&#039;), der den an Christus Glaubenden „einfach so“ geschenkt würde. Die Werkbund-Idee wird noch heute v.a. im reformierten und evangelikalen Christentum diskutiert.&amp;lt;/ref&amp;gt; dem (auf den) Erdling (Menschen) {besagend}: Von jedem Baum darfst (sollst) du durchaus essen (essend).&lt;br /&gt;
{{S|17}} Vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse aber: Nicht darfst du essen [etwas] von ihm. Denn am Tag, [an dem] (wenn)&amp;lt;ref name=&amp;quot;V 17&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;am Tag, [an dem] (wenn)&#039;&#039; + &#039;&#039;sterben&#039;&#039; - die Crux von Gen 2: Offensichtlich stirbt der Mensch in Gen 3 ja nicht, oder jedenfalls nicht schon „am Tag, an dem er vom Baum isst“. Die meisten behelfen sich damit, „am Tag, [an dem]“ mit „wenn“ zu übersetzen, was der Ausdruck wirklich d.Ö. bedeutet (z.B. Mettinger 2007, S. 22. Effektiv ähnlich schon der Midrasch: „ein Tag“ = „ein Gottestag“ wie in [[Psalm 90#s4 |Ps 90,4]], also 1000 Jahre). Aber richtig Bührer 2014, S. 218: &lt;br /&gt;
: „Das Problem wird dadurch vergrößert, dass der Vers in 3,4f. in negierter Form wieder aufgenommen wird. Die Schlange spricht zur Frau: ‚Ihr werdet nicht sterben... An dem Tag [...], da ihr von ihm (dem verbotenen Baum) esst, werden eure Augen aufgetan...‘ Tatsächlich werden unmittelbar nach dem Essen der Frucht ihre Augen ‚aufgetan‘. Die Analogie zu 3,5 und den darauf folgenden Ereignissen spricht dafür, auch in 2,17 mit einer Koinzidenz des Essens und der Konsequenz daraus zu rechnen.“ &lt;br /&gt;
Sollte es eine Lösung geben, liegt sie also entweder im Wort „sterben“ oder in der Konsequenz Gottes: Entweder hat es Gott wirklich so gemeint, wie es hier klingt, wird dann in Gen 3 aber spontan gnädig sein und die Strafe nicht durchsetzen (so schon ibn Ezra; z.B. auch Gertz 2018; Goldingay 2020), oder mit „sterben“ ist etwas anderes gemeint – etwa wie in [[1 Könige 2#s37 |1 Kön 2,37]] „von diesem Tag an seid ihr zum Tod verurteilt“ (so schon TgJ; auch Saadia, Lekach Tob, Ramban, noch Hirsch), „ihr werdet sterblich werden“ (so schon Aq, Quinta; auch Chizkuni, Rabbenu Bahja; Tur, auch Blum 2010, S. 16; Bührer 2014, S. 218), „ihr werdet früher sterben als geplant“ (Radak), „ihr werdet den spirituellen Tod der Entfremdung von Gott sterben“ (Collins 2006; was auch immer das bedeuten soll) o.ä. Vgl. ebenso vieldeutig [[Weisheit 2#s23 |Weish 2,23f.]]; [[Römer 5#s12 |Röm 5,12-14]].&amp;lt;br /&amp;gt;Richtig Blum 2010, S. 16: [[Genesis 3#s19 |Gen 3,19]], wo vom Todes-&#039;&#039;Geschick&#039;&#039; des verbannten und verdammten Menschen spricht, macht sehr wahrscheinlich, dass hier wirklich „Sterblichkeit“ gemeint ist, und zwar konkreter in Form des Todesurteils Gottes, dass dem Menschen künftig der Zugang zum Baum des Lebens verwehrt werden wird.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Die christliche Tradition indes hat die Crux anders aufgelöst: Für Christ:innen ist hier vom &#039;&#039;ewigen Leben&#039;&#039; die Rede: Nach dem Opfer Christi sterben Christ:innen nicht mehr den „ewigen / finalen Tod“ (Augustinus, Gottesstaat 13.12), sondern Christus hat ihnen stattdessen das „ewige Leben“ wieder-gewonnen (vgl. wieder [[Römer 5#s12 |Röm 5,12-21]]; z.B. auch die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre 29-30).&amp;lt;/ref&amp;gt; du davon isst, wirst (musst) du durchaus sterben (sterbend).&amp;lt;ref name=&amp;quot;V 17&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|18}} Und JHWH-Gott dachte (sagte): „Es ist nicht gut, dass der Erdling (Menschen) allein ist. Ich werde (will) ihm einen (Lasst uns ihm einen; Ich werde sie ihm als&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Lasst uns ihm einen&#039;&#039; - so LXX, VUL, Jub 3,4 wie in [[Genesis 1#s26 |Gen 1,26]]. Wahrscheinlich richtig Hendel 1998, S. 124, BHQ: Assimilation an diesen Vers.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;ich werde sie machen&#039;&#039; - So Leningradensis mit Mappiq in &#039;&#039;`e´eßehh&#039;&#039; (statt &#039;&#039;`e´eßeh&#039;&#039;), daher: „ich will &#039;&#039;sie&#039;&#039; machen“. So fast keine andere Handschrift, keine der Vrs. und kein:e Textkritiker:in; sicher nur eine Fehlinterpretation von L.&amp;lt;/ref&amp;gt;) Beistand (eine Hilfe, eine Gehilfin)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Beistand&amp;quot;&amp;gt;Traditionell und bis heute übersetzt mit &#039;&#039;Hilfe&#039;&#039; oder &#039;&#039;Gehilfin&#039;&#039;. Besser &#039;&#039;Beistand&#039;&#039;; das heb. &#039;&#039;´ezer&#039;&#039; drückt keine Subordination aus wie das dt. „Hilfe“ und noch mehr „Gehilfin“ (richtig z.B. Gertz 2018, Goldingay 2020, Carr 2021). Was genau mit dieser „Hilfe“ gemeint ist, ist umstritten. Diskutiert wird: „Damit er nicht einsam sei“ (z.B. Bührer 2014, S. 224; Gertz 2018; so schon der Midrasch), „Damit er sich fortpflanzen könne“ (z.B. Clines 1990, S. 32-35; so schon Ambrosius, Augustinus) oder „damit sie sich die Arbeit teilen können“ (z.B. Goldingay 2020; schon Ephrem der Syrer, Sforno). Am wahrscheinlichsten ist hier Letzteres gemeint. S. näher die Anmerkungen.&amp;lt;/ref&amp;gt; machen als sein Gegenüber.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;Gegenüber&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;als Gegenüber&#039;&#039; - also „ihm ganz entsprechend“ (Scharbert 1990, S. 52); anders als die Tiere, die ihm zwar durchaus hätten „helfen“ können (Chizkuni) – ihm aber nicht entsprachen.  Nicht wie NL: „ein Wesen, das zu ihm passt“; es geht um &#039;&#039;wechselseitige&#039;&#039; Entsprechung. Gut daher LUT: „eine Hilfe, die ihm entspricht“. Am besten vielleicht in Orientierung an BB: „ich will ihm einen Beistand machen – ein Gegenüber, das ihm entspricht.“&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Schöner Midrasch: Bei der Auslegung von [[Genesis 1#s27 |Gen 1,27]] dachten einige Rabbinen an den platonischen Mythos des Kugelmenschen: Der Mensch sei als &#039;&#039;ein&#039;&#039; männlich-weibliches Kompositwesen geschaffen (s. z.B. im Talmud, b.Ber 61). Entsprechend dann hier Ramban, Tur, Rabbenu Bahja, Chaim ben Attar: &#039;&#039;Als Gegenüber&#039;&#039; bedeute: Als zweites Wesen, das dem Menschen &#039;&#039;gegenüber&#039;&#039; stehen kann – wonach Gott den Kugelmenschen teilt.&amp;lt;br /&amp;gt;Ebenso schön Radak: &#039;&#039;Als Gegenüber&#039;&#039;, nämlich dann, wenn der Mann droht, auf einen Pfad der Sünde zu geraten – dann soll ihm die Frau in den Weg treten.&amp;lt;br /&amp;gt;Radak leitet dann aus dieser Stelle auch noch ab, dass der Mann höher stehe als die Frau, da sie ja nur eines seiner Körperteile sei, weshalb es ja nur logisch sei, dass Männer stärker und intelligenter seien als Frauen. Dagegen s. zu V. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Jesus Sirach|36|29}}&lt;br /&gt;
{{S|19}} Und JHWH-Gott formte (bildete, gestaltete) ([weiterhin (noch einmal)]&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[weiterhin (noch einmal)]&#039;&#039; - so SamP, LXX. Ball 1896, S. 73 hält das für ursprünglich; das „weiterhin“ soll zurückverweisen auf V. 7. Hendel 1998, S. 124 und BHQ dagegen beziehen es (wie schon der Midrasch) als „noch einmal“ zurück auf [[Genesis 1#s24 |Gen 1,24f.]] und erklären es daher zum „explizierenden Plus“. Weil eine spätere Einfügung leichter erklärlich ist als ein späterer Ausfall, sinnvoller wie Hendel und BHQ.&amp;lt;/ref&amp;gt;) aus dem Erdboden jedes wilde Tier (Lebewesen des Feldes) und jeden Vogel des Himmels, und er brachte [jedes Tier] ([es])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039; - SamP, TgO und TgJ wie MT ohne Objekt: „er brachte zum Menschen“. Dass „jedes wilde Tier und jeder Vogel des Himmels“ Objekt ist, muss man sich dann hinzudenken. LXX, VUL, Syr und TgN dagegen haben alle ein zusätzliches „es“. Sicher richtig BHQ: Dies setzt keinen alternativen Wortlaut voraus, sondern ist explizierende Einfügung.&amp;lt;/ref&amp;gt; zum Erdling (Menschen), um zu sehen, wie er es nennen würde; und wie immer der Erdling (Mensch) – als Lebewesen (lebendige Seele)! – es nennen würde (wie immer der Erdling, das Lebewesen, es nenne würde?; wie immer der Erdling es, das Lebewesen, nennen würde?; wie immer der Erdling es als Lebewesen nennen würde? was immer der Erdling „Lebewesen“ nenne würde?; wie immer der Mensch es {ein Lebewesen} nennen würde?),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;der Mensch – als Lebewesen!&#039;&#039; - die anderen grammatischen Auflösungen und textkritischen Lösungen in dt. Üss. sind unmöglich oder zu gewagt, s.u. Nimmt man Gen 2-3 für sich und löst auf wie oben, lässt sich die Stelle kaum anders erklären als mit Hirsch: „Der Mensch gibt den Dingen Namen, nicht als Gott, der dem Wesen der Dinge auf den Grund schaut, sondern von seinem individuellen Standpunkt aus, als [bloßes Lebewesen].“ Ähnlich Chizkuni: „als Lebewesen“ wird präzisiert, um zu betonen, dass nicht &#039;&#039;Gott&#039;&#039; die Tiere benennt und sodann nur Gott die Namen der Tiere kennt, sondern eben auch der Mensch, der daher nicht jedes Mal extra Gott befragen muss, wie ein Tier heiße (anders als Hirsch gehen allerdings Chizkuni wie auch der Midrasch und Rabbenu Bahja davon aus, dass der Mensch vermöge seines „von Gott gegebenen Atems“ &#039;&#039;als Lebewesen&#039;&#039; eben doch dazu in der Lage war, bei der Benennung der Tiere ihrem Wesen auf den Grund zu sehen, weshalb er z.B. den Esel &#039;&#039;ḥmwr&#039;&#039; nannte, da er ja &#039;&#039;ḥwmr&#039;&#039; [eine Maßeinheit für Getreide] transportiere). Vgl. auch Tur: „&#039;&#039;Die Bedeutung von ‚das sollte sein Name sein‘ ist: Gott war mit den Namen einverstanden, die Adam den Tieren gab, und bezeichnete von da an auch selbst die Tiere mit den Namen, die Adam ihnen gegeben hatte.&#039;&#039;“&amp;lt;br /&amp;gt;Vielleicht ist die Stelle allerdings besser textgeschichtlich zu erklären: Die Versteile über die Benennung der Tiere in Vv. 19f. könnten eine aus V. 23 abgeleitete spätere Ergänzung sein, die eine Leerstelle aus Gen 1 füllen soll: Die Namen von Tag, Nacht, Himmel, Erde und Meer kommen von Gott; woher die Namen der Tiere (und Pflanzen) kommen, wird dort aber nicht erwähnt. Das würde dann hier nachgeliefert: Sie kommen &#039;&#039;von den Lebewesen selbst&#039;&#039;!&amp;lt;br /&amp;gt;Alternativ nimmmt Schellenberg 2007 mit fast allen neueren Kommentaren an, dass die Namensgabe ein „Herrschaftsakt“ sei, mit dem der Mensch Macht über die Tiere ausübe, so dass gesagt wäre: „Wie immer der Mensch – obwohl auch er ein Lebewesen ist! – es nennen würde, so würde sein Name sein“. Aber das ist sicher unrichtig; gg. die Deutung der Namensgabe als einem Herrschafstakt vgl. Ramsey 1988 und Büsing 1994 und s. nur [[Genesis 16#s13 |Gen 16,13]], wo Hagar &#039;&#039;Gott&#039;&#039; einen Namen gibt, [[Genesis 33#s20 |Gen 33,20]], wo Jakob einem Altar als Wohnort Gottes den Namen „Gott, Gottheit Israels“ gibt, und [[Genesis 26#s17 |Gen 26,17-21]], wo Isaak just da, wo er zwei Orte &#039;&#039;aufgibt&#039;&#039;, diese benennt.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Lebewesen&#039;&#039; steht an einer merkwürdigen Position im Satz. (1) Entweder bezieht es sich auf den Menschen ([a] als Apposition: &#039;&#039;der Mensch, das Lebewesen&#039;&#039;, oder [b] als adverbialer Akkusativ: &#039;&#039;der Mensch als Lebewesen&#039;&#039;) (2) oder auf &#039;&#039;lo&#039;&#039; („es“: [a] als Apposition: &#039;&#039;wie der Mensch es, das Lebewesen, benennen würde&#039;&#039;, oder [b] als adverbialer Akkusativ: &#039;&#039;wie der Mensch es als Lebewesen benennen würde&#039;&#039;). Für (1a) TAF, für (1b) z.B. Gertz 2018, ZÜR; für (2a) z.B. ibn Ezra; Fischer 2018; auch ELB, EÜ, H-R, LUT, PAT; für (2b) B-R. Bei (1a) würde man aber Artikel erwarten (vgl. Schellenberg 2007, S. 301), bei (2a+b) stört die Wortstellung (vgl. HKL III, §333e. Die fehlende Präp. dagegen stört auch bei [2a] nicht, vgl. Holmstedt / Jones 2017, S. 23).&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Theoretisch möglich noch wie Ramban, Tur, Speiser 1964 und Bandstra 2008: „Whatever the human being called a living being, it became its name“ (Goldingay 2020), aber das liegt ja völlig fern – was hätte der Mensch denn &#039;&#039;nicht&#039;&#039; „Lebewesen“ nennen sollen (so richtig schon Sifte Chakamim)?&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Raschi und Radak schließlich halten die Konstruktion für eine Art Casus pendens mit verkehrter Wortfolge: „jedes Lebewesen – wie immer der Mensch es nennen würde, so...“ = „wie immer der Mensch jedes Lebewesen nennen würde, so...“. Aber selbst, wenn es diese Konstruktion gäbe, wäre das unmöglich, da dann mindestens „jedes“ bei „Lebewesen“ stehen müsste.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: (5) Ball 1896, S. 73, BHK, BHS und z.B. noch Bührer 2014, S. 222, MEN und HER05 halten die Fügung daher für eine sekundäre Glosse. Als Ausdrucksvariante des zweiten &#039;&#039;lo&#039;&#039; wäre es auch wirklich gut erklärlich: „Wie immer der Erdling &amp;lt;s&amp;gt;es&amp;lt;/s&amp;gt; [ein Lebewesen] nennen würde, das sollte sein Name sein.“ Aber alle Vrs. stützen MT; Hendel 1998 und BHQ folgen dem daher richtig nicht mehr.&amp;lt;/ref&amp;gt; das sollte sein Name sein.&lt;br /&gt;
{{S|20}} Also (und) gab (rief) der Erdling (Mensch) allem Vieh&amp;lt;ref&amp;gt;Man beachte, wie die Kategorie des „&#039;&#039;Viehs&#039;&#039;“ (vs. „wilde Tiere“) erst im Zusammenhang mit der Benennung der Tiere durch Adam in Gen 2 eingeführt wird (gut beobachtet Magonet 1992, S. 40), was noch auffälliger ist, da es von dieser Kategorie durch die „Vögel“ getrennt wird. Ist, synchron gelesen, hier schon der Unterwerfungs-Auftrag aus Gen 1 umgesetzt? Ist „Vieh“ vom Menschen unterworfenes und separiertes Wild?&amp;lt;/ref&amp;gt; und den (allen)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039; - SamP, TgO, TgN wie MT: &#039;&#039;den Vögeln&#039;&#039;. LXX, TgJ, Syr und VUL dagegen wie bei „Vieh“ und „wilde Tiere“: &#039;&#039;allen Vögeln&#039;&#039;. So auch 4 MSS, wahrscheinlich also nicht nur an den Kontext angleichende Übersetzung (so BHQ, ähnlich schon ibn Ezra). Ball 1896, BHK, BHS und Hendel 1998, S. 124 halten dies für ursprünglich; nach Hendel soll es ein Homoiteleuton gewesen sein (&#039;&#039;w&amp;lt;u&amp;gt;l&amp;lt;/u&amp;gt;k&amp;lt;u&amp;gt;l&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039; „und alle“ &amp;gt; &#039;&#039;wl&#039;&#039; „und die“). Weit wahrscheinlicher Assimilation an das Vieh und die wilden Tiere. Der Text ist in Ordnung; Aufzählungen in der heb. Bibel müssen nicht symmetrisch sein.&amp;lt;/ref&amp;gt; Vögeln am Himmel (des Himmels) und allen wilden Tieren (Getier des Feldes) Namen. Aber für Adam (für den Erdling, für einen Erdling?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;für Adam (für den Erdling, für einen Erdling?)&#039;&#039; - ohne Artikel. (1) Auf den ersten Blick daher &#039;&#039;für Adam&#039;&#039;, denn Eigennamen weisen keine Artikel auf. So übersetzen daher z.B. Sarna 2001 und Collins 2006. Sonst kaum jemand; unter den dt. Üss. so auch nur ELB. (2) Einige Ausleger (z.B. Goldingay 2020; Arneth 2007b, S. 129; Bührer 2014, S. 189) glauben dagegen, &#039;&#039;`adam&#039;&#039; werde hier als Gattungs-Begriff verwendet: „für &#039;&#039;einen Menschen&#039;&#039;“. So auch B-R, MEN, R-S, TEX. Aber richtig Ball 1896, S. 73: Gerade auch Nomen, die als Gattungsbegriffe verwendet werden, haben Artikel. (3) Die meisten Ausleger und Üss. halten dies daher für eine Fehl-Vokalisation im MT: Korrekt sei nicht &#039;&#039;le`adam&#039;&#039; („für Adam“), sondern &#039;&#039;la`adam&#039;&#039; („für den Menschen“). Aber es ist doch sehr auffällig, dass spätestens hier &#039;&#039;alle&#039;&#039; alten Vrs. von der selben Vokalisierung ausgehen wie MT. Der Midrasch und Rabbenu Bahja erdichten sogar einen Grund: Offenbar hat der Mensch ineins mit den Tieren hier auch gleich sich selbst den Namen „Adam“ gegeben:  „&#039;&#039;Als Gott Adam fragte, was sein eigener Name sein solle, antwortete dieser: ‚Adam‘. Er erklärte, diesen Namen habe er gewählt, da er ja aus &#039;&#039;`adamah&#039;&#039; geschaffen sei.&#039;&#039;“ (Bahja). Hier umzuvokalisieren ist also zu gewagt. So daher früher zwar Ball 1896, BHK, BHS, heute richtiger aber nicht mehr Hendel 1998 und BHQ. Die meisten der neuesten Kommentare aber schon, z.B. Fischer 2018, Gertz 2018, Carr 2021.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) NeÜ&#039;s „für sich“ folgt offenbar der Erklärung von ibn Ezra, Radak und Tur, s. nächste FN.&amp;lt;/ref&amp;gt; fand sich (er)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039; - auf den ersten Blick &#039;&#039;fand er&#039;&#039;; Subjekt könnte (1) Gott sein oder (2) der Mensch, der auch direkt zuvor Subjekt des Verbs war. Wie (2) auch schon TgN, ibn Ezra, Radak und Tur. Die letzten drei weisen klug hin auf [[Genesis 4#s23 |Gen 4,23]]; [[Exodus 24#s1 |Ex 24,1]] und [[1 Samuel 12#s11 |1 Sam 12,11]], wo jeweils ähnlich Lamech, Gott und Samuel von sich nicht als „ich“, sondern als „Lamech“, „JHWH“ und „Samuel“ sprechen. Vergleichbare Stellen gibt es wirklich häufig, aber mit unserem Vers vergleichbar sind sie nicht sehr gut: Anders als diese ist „[Der Mensch] fand für den Menschen keinen Beistand“ ja keine wörtl. Rede. (3) Die meisten übersetzen daher wahrscheinlich richtig mit LXX, VUL, TgO, TgJ und Syr impersonal: „&#039;&#039;es&#039;&#039; fand &#039;&#039;sich&#039;&#039;“.&amp;lt;br /&amp;gt;Die Frage ist theologisch nicht ganz unbedeutsam: Klar ist auf jeden Fall, dass auch die Entstehung der Tiere hier so erklärt wird, dass sie ursprünglich als potentielle &#039;&#039;Partner&#039;&#039; des Menschen konzipiert waren. Und dann lässt sich der Vers weiter entweder so deuten, (a) dass die Tiere diesem Anspruch aber nicht genügen, (b) oder so, dass sie (nur) &#039;&#039;in den Augen des Menschen&#039;&#039; diesem Anspruch nicht genügen. Die alten Rabbinen kombinieren überwiegend beide Deutungen: Gott habe natürlich bereits gewusst, dass die Tiere keine adäquaten Partner des Menschen seien, daher habe er die Tier-Parade aus V. 20 veranstaltet, damit dies auch der Mensch auf ewig einsehe und sodann akzeptiere, dass Gottes Not-OP in V. 21 nötig sei (so Ramban, Chizkuni, Tur). Ähnlich sehr witzig schon der Talmud in b.Jeb 63a: „&#039;&#039;Rabbi Eleazar [2. Jhd.] sagte: [....Dieser Vers] lehrt, dass Adam mit jedem Vieh und jedem wilden Tier geschlafen hatte. Erst, als er mit Eva geschlafen hatte, war er befriedigt.&#039;&#039;“&amp;lt;/ref&amp;gt; kein Beistand (keine Hilfe / Gehilfin)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Beistand&amp;quot; /&amp;gt; als sein Gegenüber.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Gegenüber&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|21}} Da (und) ließ JHWH-Gott einen Tiefschlaf über den Erdling (Menschen) fallen (kommen), so dass er schlief (und er schlief ein). Dann (und) nahm er&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;er nahm&#039;&#039; - Im Talmud ist in b.San 39a eine schöne Tradition überliefert: &#039;&#039;Der Kaiser sprach zu Rabbi Gamaliel (1. Jhd.): Euer Gott ist ein Dieb, denn es heißt: [... ‚Er nahm eine seiner Rippen und baute daraus eine Frau‘]. Da sagte seine Tochter: ‚Lass nur, ich will ihm antworten.‘ Dann sagte sie zu ihm: ‚Schick mir einen Polizisten!‘ – ‚Wozu?‘ – ‚Heute Nacht haben uns Diebe ausgeraubt; sie haben einen silbernen Pokal gestohlen, aber dafür einen goldenen Pokal zurückgelassen!‘ – ‚Solche Diebe können gerne jeden Tag kommen.‘ – ‚[Nicht wahr?] Muss es nicht [ähnlich] angenehm für Adam gewesen sein, eine Rippe geraubt zu bekommen, dafür aber eine Magd zur Bedienung zu erhalten?‘&#039;&#039;“&amp;lt;br /&amp;gt;Ist „Magd zur Bedienung“ Sarkasmus (was angesichts der Sprecherin recht wahrscheinlich ist), könnte dies die erste feministische Textauslegung überhaupt sein.&amp;lt;/ref&amp;gt; eine [Rippe (Seite)] von seinen Rippen (Seiten)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Rippe (Seite)&#039;&#039; - Meist „Rippe“. Sonst wird das Wort in der Bibel nur für die „Seite“ oder die „Etage“ eines Gebäudes verwendet; alternativ daher zu verstehen als „eine seiner Seiten“, was die Schöpfung der Frau „aus Knochen &#039;&#039;und&#039;&#039; Fleisch“ (V. 23) besser erklärt (so NET; Batto 1992, S. 54; Ebach 2009, S. 7; erwogen auch von Goldingay 2020). Dt. Üss. und neuere Kommentare aber sehr einheitlich und mit allen Vrs. und mit 4 Makk 18,7: „Rippe“ (die Einwände von Kawashima 2006, S. 52 allerdings greifen nicht: Das Verb passt nicht besser zur Rippe als zur Seite, die man sich ja ebenfalls nicht einfach von einem Menschen „nehmen“ kann, auch ein Mensch mit md. zwei Seiten hat &#039;&#039;mehrere&#039;&#039; Seiten, „von denen“ eine genommen kann, und dass „der Mann“ als identisch mit „dem Erdling“ gedacht wird, steht ja nicht zur Debatte – die Frage nach „Rippe“ vs. „Seite“ ist eine semantische und text-logische Frage, keine feministische oder antifeministische).&amp;lt;br /&amp;gt;Im Midrasch ist ein Auslegungsstreit darüber überliefert, ob „Rippe“ oder „Seite“ gemeint sei (für Letzteres Rabbi Samuel ben Nachmani [3./4. Jhd.]). Für „Seite“ optieren noch weitere jüd. Ausleger, die hier wieder an den Kugelmenschen denken (s. zu Vv. 18.20) – daher noch genauer eigentlich: „er nahm eine seiner &#039;&#039;Hälften&#039;&#039;“ (z.B. Raschi, ibn Ezra, Abravanel und noch Hirsch).&amp;lt;/ref&amp;gt; und verschloss ihren Ort ([die Stelle] unter ihr)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;ihren Ort ([die Stelle] unter ihr)&#039;&#039; - w. „unter ihr“, was besser zur Bed. „Seite“ als „Rippe“ zu passen scheint. Vgl. aber [[Exodus 16#s29 |Ex 16,29]]; [[2 Samuel 2#s23 |2 Sam 2,23]]; [[Ijob 40#s12 |Ijob 40,12]], wo „unter jmdm“ jeweils bed.: „der Ort, wo jmd war“, entsprechend dann hier: „der Ort, wo sie (die Rippe/Seite) einst saß“. Ähnlich [[Psalm 37#s10 |Ps 37,10]]; [[Psalm 103#s16 |103,16]] u.ö.&amp;lt;/ref&amp;gt; [mit] Fleisch. &lt;br /&gt;
{{S|22}} Dann (und) baute&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;baute&#039;&#039; ist eigentlich ein Begriff aus der Architektur. Schön ALTER: Wie oben die Erschaffung des Menschen aus Lehm mit einem Wort bezeichnet wurde, das man eher für das Töpfern verwenden würde, so hier bei der Erschaffung der Frau aus Knochen mit einem Wort, das besser zur Konstruktion mit harten Materialien passt.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Im Midrasch leitet Rabbi Jose ben Zimra (2./3. Jhd.) und im Talmud (b.Nid 45b) Rabbi Chisda (3./4. Jhd.) &#039;&#039;wajjiben&#039;&#039; nicht von &#039;&#039;banah&#039;&#039; („bauen“) ab, sondern von &#039;&#039;bin&#039;&#039; („verstehen, verständig sein“), daher: „&#039;&#039;[...Dieser Vers] lehrt, dass der Heilige – gepriesen sei er! – der Frau mehr Verstand (&#039;&#039;binah&#039;&#039;) gegeben hat als dem Mann.&#039;&#039;“. Diese Auslegung ist vielleicht der Grund, warum die weitergehenden Auslegungen der Rabbinen zur Schöpfung der Frau i.d.R. wertschätzender sind als die der alten christlichen Ausleger.&amp;lt;/ref&amp;gt; JHWH-Gott die Rippe (Seite), die er vom (aus dem) Erdling (Menschen) genommen hatte (nahm), zu einer Frau und führte sie&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Ein Wort, das bei jüd. Hochzeiten auch für die Tätigkeit des Anführers einer Braut-Prozession verwendet wird. Viele alte Ausleger haben daher hier an eine solche Brautprozession, z.B. b.Ber 61a, b.Erub 18b, ARN 4,3, PRE 12 und viele Rabbis im Midrasch. Luther und Goldingay 2020 übertragen das ähnlich auf eine christliche Hochzeit: Gott werde vorgestellt wie der Brautvater, der seine Tochter dem Mann zuführt.&amp;lt;/ref&amp;gt; zu dem Erdling (Menschen). &lt;br /&gt;
{{S|23}} Da (und) rief (sagte) der Erdling (Mensch): &lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Dies (diese, dieses Mal)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Dies (diese)&#039;&#039; - Das Pronomen ist zwar feminin, (1) kann sich aber entweder auf „Knochen“ (f) (2) oder die Frau beziehen und muss entsprechend übersetzt werden. (3) Möglich auch: „Dieses Mal“; so Tg, Saadia, Ramban. Die Doppelung „Dieses Mal“ und „endlich“ würde den Satz nur noch stärker machen. Aber neben &#039;&#039;diese&#039;&#039; in Zeile c und Zeile d, wo es sich jeweils zweifellos auf die Frau bezieht, liegt ein anderes Verständnis als (2) hier sehr fern.&amp;lt;/ref&amp;gt; endlich [ist(&#039;s)] Gebein von meinem Gebein&lt;br /&gt;
_Und Fleisch von meinem Fleisch!&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch&#039;&#039; - Abwandlung der heb. Verwandtschaftsformel „Du bist mein Gebein und mein Fleisch“ ([[Genesis 29#s14 |Gen 29,14]]; [[Richter 9#s2 |Ri 9,2]]; [[2 Samuel 5#s1 |2 Sam 5,1]]; [[2 Samuel 19#s13 |2 Sam 19,13f.]]; [[1 Chroniken 11#s1 |1 Chr 11,1]]), die an diesen Kontext angepasst wurde. Sicher verwendet, um die „Familienähnlichkeit“ zu unterstreichen, die Mann und Frau anders als Mensch und Tier eignen. Mensch und Tier haben mit dem „Erdboden“ die selbe Mutter und sind damit mindestens Halbgeschwister, aber Mann und Frau sind im Vergleich dazu geradezu siamesische Zwillinge.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Diese wird „Frau“&amp;lt;ref name=&amp;quot;23&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;Frau&#039;&#039; + &#039;&#039;Mann&#039;&#039; - Unübersetzbares Wortspiel im Heb., da das Wort für „Frau“ ({{Hebr}}אִשָּׁה{{Hebr ende}} &#039;&#039;`iššah&#039;&#039;) klingt wie das Femininum des Worts für Mann ({{Hebr}}אִישׁ{{Hebr ende}} &#039;&#039;`iš&#039;&#039;). Luther versuchte, dies mit der etwas missverständliche Übersetzung „Mann und Männin“ zu übertragen. So heute noch LUT 17; auch ELB, MEN, NL, PAT, SLT, TAF, TEX, ZÜR 31 (nicht mehr ZÜR 07). Besser B-R und ähnlich BigS, NeÜ: „Die sei gerufen &#039;&#039;Ischa&#039;&#039;, Weib, denn von &#039;&#039;Isch&#039;&#039;, vom Mann, ist die genommen.“&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Wie MT auch Sym, Theod, VUL, TgJ, TgN, Syr. Dagegen SamP, LXX, TgO und Jub 3,6 setzen ein anderes Wortspiel voraus: „Diese soll &#039;&#039;`iššah&#039;&#039; („Frau“) genannt werden, denn von &#039;&#039;`iššahh&#039;&#039; (&#039;&#039;ihrem&#039;&#039; Ehemann‘) wurde sie genommen!“ Ball 1896 hielt das für ursprünglich, Hendel 1998 dagegen hielt es für eine Harmonisierung mit [[Genesis 3#s6 |Gen 3,6]] und BHQ noch sinnvoller für eine Harmonisierung mit V. 24. Das ist wahrscheinlicher: Beide Wortspiele sind stark, aber das in MT ist nicht derart besser als das in SamP, dass Letzteres zu Ersterem korrigiert worden sein sollte. Und natürlich sind „Frau und Mann“ ein viel erwartbareres Paar als „Frau und Ehemann“.&amp;lt;/ref&amp;gt; genannt werden (Zu dieser wird „Frau“ gesagt), &lt;br /&gt;
_Denn vom Mann&amp;lt;ref name=&amp;quot;23&amp;quot; /&amp;gt; wurde genommen diese (wurde sie genommen).“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;diese&#039;&#039; - fein wird das kleine Gedicht gerahmt vom selben Wort (&#039;&#039;zo`t&#039;&#039;, „diese“), mit dem Zeile 1 und Zeile 3 beginnen.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Jedenfalls in MT, SamP und den Tgg. LXX, VUL, Syr und einige MT-MSS haben dieses abschließende &#039;&#039;zo`t&#039;&#039; nicht. Hendel 1998 und BHQ halten es daher für ein explizierendes Plus, das später eingefügt worden sei. Aber eine solche Explikation wäre nach dem &#039;&#039;zo`t&#039;&#039; in Zeile 3 unnötig. Die Frage ist kaum entscheidbar; weder ein Ausfall noch eine Einfügung sind gut erklärlich.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|24}} Daher (darum) [kommt es, dass]&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Daher (darum) [kommt es, dass]&#039;&#039; - W. nur „darum“, hier wie öfter ist dies aber die typische Einleitung einer „ätiologischen Erklärung“, also eines Erzählerkommentars, der aus einer alten Geschichte erklärt, warum heute etwas so ist, wie es ist. Das erklärt auch die Verbform Yiqtol, die hier neben Qatal gebräuchlich ist: W. „Aus diesem Grund &#039;&#039;würde [später]&#039;&#039; geschehen“ (s. ähnlich [[Genesis 10#s9 |Gen 10,9]]; [[Numeri 21#s14 |Num 21,14]].[[Numeri 21#s27|27]]; [[1 Samuel 19#s24 |1 Sam 19,24]]; [[2 Samuel 5#s8 |2 Sam 5,8]]). Dass gerade hier die Yiqtol-Variante gewählt wird, ist klar: Adam und Eva haben ja gar keine leiblichen Eltern; die Ätiologie blickt also vollständig in die Zukunft. Gut übersetzt daher Brichto 1998, S. 75: „Hence it is...“&amp;lt;/ref&amp;gt; verlässt (lässt zurück; wird verlassen) ein Mann seinen Vater und seine Mutter und hängt sich an seine Frau, und (so dass, dann) sie (die beiden)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;sie&#039;&#039; nur im MT. Alle anderen Vrs. dagegen „die beiden“ wie in V. 25. Auch im NT wird der Vers mehrfach so zitiert und auch Philo kannte diese Textvariante. Wegen dieser überwältigenden externen Evidenz hielten dies Ball 1896, S. 73 und BHK für ursprünglich und findet sich diese Variante auch in vielen dt. Üss., aber richtig Hendel 1998, S. 124 und BHQ: Sicher Angleichung an V. 25; ein Ausfall dagegen wäre unerklärlich. – Ein Lehrstück der Textkritik gleich zu Beginn der Bibel: Externe Evidenz heißt sehr wenig für die Wahrscheinlichkeit der Ursprünglichkeit einer Textvariante.&amp;lt;/ref&amp;gt; werden (werden sein) zu einem Fleisch.&amp;lt;ref&amp;gt;Dass &#039;&#039;ein Mann seine Eltern&#039;&#039; verlässt, ist gar nicht der Fall, umgekehrt verlässt im Alten Israel bei einer Heirat &#039;&#039;die Frau&#039;&#039; ihre Eltern. Wahrscheinlich ein Bild, das gleichzeitig damit, dass es überhaupt auf die Institution der Ehe anspielt (dazu s. aber die Anmerkungen), spezieller besagt: So eng die Bindung zwischen einem Menschen und seinen Eltern auch ist – das Eheband, das Menschen miteinander zu einer neuen Familie verbindet, bindet noch enger (So Blum 2010, S. 12; Gertz 2018; Goldingay 2020). Ähnlich schon PRE 34: „&#039;&#039;Bis ein Mann heiratet, richtet seine Liebe sich auf seine Eltern; wenn er heiratet, wird seine Liebe auf seine Ehefrau transferiert.&#039;&#039;“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Mit &#039;&#039;sich hängen an&#039;&#039; und &#039;&#039;ein Fleisch werden&#039;&#039; ist entgegen den Beteuerungen vieler Kommentatoren kein Sex gemeint. Zum „ein Fleisch werden“ vgl. deutlich [[1 Korinther 6#s16 |1 Kor 6,16]]. Besser als die wörtl. Üs. daher BB, GN, HfA: „Sie werden eins mit Leib und Seele“; NL: „sie werden zu einer Einheit“.&amp;lt;br /&amp;gt;„Sich hängen an“ meint in [[Genesis 34#s3 |Gen 34,3]] zwar in der Tat die Liebe zwischen Mann und Frau, aus der dort sogar auch wirklich Geschlechtsverkehr folgt. Primär meint das Wort aber die &#039;&#039;Zusammengehörigkeit&#039;&#039;, s. z.B. [[Numeri 36#s7 |Num 36,7.9]] (Israeliten sollen „an ihrem Land hängen“ = „es nicht fortgeben“); [[Deuteronomium 4#s4 |Dtn 4,4]]; [[Deuteronomium 10s#20 |10,20]]; [[Deuteronomium 11#s22 |11,22]] u.ö. (die häufigste Verwendung: „an Gott hängen“ = „Gott treu verehren“); [[Josua 23#s12 |Jos 23,12]] („Israel soll sich nicht an andere Nationen hängen und sich nicht mit ihnen verschwägern“); [[Rut 1#s14 |Rut 1,14]] (Orpa verlässt ihre Schwiegermutter, Rut aber „hängt sich an sie“ = „bleibt bei ihr“; s. dazu noch [[Rut 1#s16 |Rut 1,16]]) usw. Die meisten dt. Üss. wählen daher „anhangen“, noch treffender aber EÜ 80, HER05, NL: „Er bindet sich an seine Frau“.&amp;lt;br /&amp;gt;Insgesamt daher am sinngemäßesten: „Daher kommt es, dass ein Mann sich von seinen Eltern löst, sich stattdessen an seine Frau bindet und die beiden mit Leib und Seele eins werden.“&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Deuteronomium|10|20}} {{par|Jesus Sirach|19|2}} {{par|Eph|5|31}} {{par|Mk|10|7}} {{par|Mt|19|5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|25}} {und} Beide hatten kein Gewand (waren nackt),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;kein Gewand&#039;&#039; - w. „sie waren nackt“. Komplexes Wortspiel: &#039;&#039;nackt&#039;&#039; ist in Gen 2-3 sonst &#039;&#039;´erum&#039;&#039;, hier aber &#039;&#039;´arum&#039;&#039; und damit gleichlautend mit dem &#039;&#039;´arum&#039;&#039; („gewandt“) im folgenden Vers (→ irreguläre Assonanz), aber &#039;&#039;anders&#039;&#039;-lautend als das „nackt“ in Gen 3,7. Zu diesem Wortspiel s. die Anmerkungen zu Kap. 3. Gen 2,25 gehört damit auch eher zu Gen 3,1-7 als zu Gen 2,18-24 (so z.B. Sarna 2001; Good 2009; Brichto 1998, S. 79); die meisten halten ihn ähnlich für einen „Brückenvers“. Dagegen Arnold 2009 und Willi-Plein 1995, S. 6 wegen der Syntax von Gen 3,1, aber das Waw-X-Qatal dort markiert nur den Subjektwechsel, nicht einen neuen Abschnitt.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Faustregel: Je jünger eine Auslegung, desto stärker ist diese Nacktheit sexualisiert worden. Bis erstens dahin, dass die witzige Vorstellung der christlichen Philosophie hier eingetragen wird, bei Adam und Eva und bei späteren Menschen nach ihrem Tod sei es so (gewesen), dass sie ihre Sexualorgane willentlich bewegen könnten wie unsereiner die Arme oder Beine (ähnlich schon Augustinus, Gottesstaat 14.17: „&#039;&#039;Sie wussten natürlich, dass sie nackt waren, aber sie schämten sich nicht, weil noch keine Begierde ihre Sexualorgane gegen ihre willentliche Entscheidung erregte. Die Zeit war noch nicht gekommen, da die Rebellion des Körpers Zeuge von und Vorwurf gegen die Rebellion des Menschen wider seinen Schöpfer sein würde.&#039;&#039;“), und bis zweitens dahin, dass gesagt werden konnte, Sünde „konzentriere sich in den Sexualorganen“, was der Grund dafür sei, dass Juden beschnitten werden (Or haChaim). Dass mit der Sünde auch die Sexualität in die Welt gekommen sei, sehe man dann daran, dass Adam und Eva sich ab Gen 3,7 eben doch schämen.&amp;lt;br /&amp;gt;Neuere Ausleger weisen demgegenüber regelmäßig darauf hin, dass Nacktheit in der Bibel nie sexuell konnotiert sei, sondern ein Zeichen der Schande: Arme waren nackt, Kriegsgefangene waren nackt etc., aber die Nacktheit von Mann und Frau würde nie problematisiert. Das stimmt so auch nicht; s. [[2 Samuel 6#s20 |2 Sam 6,20]], wo Michal die leichte Bekleidung Davids explizit kritisiert, weil er sich mit ihr „vor den Frauen seiner Untergebenen“ entblößt habe; richtig ist aber dennoch, dass Nacktheit in der Bibel &#039;&#039;primär&#039;&#039; Ausdruck der &#039;&#039;Statuslosigkeit&#039;&#039; und nicht sexuell aufgeladen war. Das wäre angesichts der Kleidungsnormen im Alten Orient auch merkwürdig, s. zu [[Genesis 3#s7 |Gen 3,7]]. Ohnehin kann man sich fragen, ob es denn eigentlich wirklich der Fall ist, dass gerade Ehemann und Ehefrau sich in ihrer Nacktheit voreinander schämen und deshalb ihre Scham voreinander verbergen &#039;&#039;wollen&#039;&#039;, und dass deshalb dieser Zustand hier ätiologisch erklärt werden müsste. Aus b.Schab 9b geht hervor, dass man im Alten Israel sogar das Abendessen ohne Gürtel – d.h.: komplett unbekleidet – einnehmen konnte (Rabbi Chaninah [4. Jhd.]: „Wann beginnt das Abendessen? Wenn man seinen Gürtel geöffnet hat.“); hier gilt dies also sogar noch weniger als in unserer Kultur. Den Sinn erfasst daher wohl richtiger Philo in &#039;&#039;Fragen und Antworten zur Genesis&#039;&#039;: „&#039;&#039;Sie schämten sich zweitens nicht wegen ihrer Arglosigkeit und der Schlichtheit ihrer Sitten und wegen ihrer natürlichen Disposition, zu der noch keinen Hauch von &#039;&#039;Stolz&#039;&#039; gehörte.&#039;&#039;“: Kleidung ist im Alten Orient ein &#039;&#039;Status-Symbol&#039;&#039;, Kleidungslosigkeit heißt Statuslosigkeit, heißt: „Ich stehe niedrig“ – was nach dem Vergehen Adams und Evas ja auch wirklich der Fall war.&amp;lt;/ref&amp;gt; der Erdling (Mensch) und seine Frau, aber (und) sie mussten sich nicht voreinander schämen (pflegten nicht, einander zu beschämen).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;sich voreinander schämen müssen (einander zu beschämen pflegen)&#039;&#039; - Hitpolel. Hitpolel als Variante des Hitpael macht i.d.R. ein Verb reflexiv („&#039;&#039;sich&#039;&#039; schämen“) oder reziprok („&#039;&#039;einander&#039;&#039; beschämen“). Bei &#039;&#039;boš&#039;&#039; ist schon der Qal reflexiv; Funktion kann daher hier nur Reziprozität sein. Basis der Verb-Transformation könnte sowohl das Qal („sich schämen“) als auch ein in dieser Bed. nicht belegter Polel („jmdn beschämen“) sein, daher die beiden Übersetzungsalternativen. Letztere halten Gertz 2018; Sasson 1985 und Hartenstein 2005, S. 286 für richtig. Grammatisch ist das gut möglich, aber idiomatisch für „jmdn beschämen“ ist das häufige &#039;&#039;kalam&#039;&#039; Hifil (z.B. [[Sprichwörter 28#s7 |Spr 28,7]]), weshalb ja auch der Polel von &#039;&#039;boš&#039;&#039; in dieser Bed. gar nicht belegt ist, der stattdessen die Sonder-Bed. „sich verzögern“ angenommen hat.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit &#039;&#039;&#039;Gen 2,2-3&#039;&#039;&#039; endet der Schöpfungsbericht; mit &#039;&#039;&#039;Gen 2,4&#039;&#039;&#039; beginnt ein neuer Abschnitt. Das zeigt schon ein kurzer Blick auf die Struktur: Der Abschluss in Gen 2,2-3 ist offensichtlich:&lt;br /&gt;
: (a) &#039;&#039;Gott erklärte als vollendet am sechsten Tag&#039;&#039; (b1) &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;sein Werk&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;, (b2) &#039;&#039;das &#039;&#039;&#039;er gemacht&#039;&#039;&#039; hatte,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
: (a&#039;) &#039;&#039;und ruhte sich am siebten Tag aus&#039;&#039; (b1&#039;) &#039;&#039;von &#039;&#039;&#039;seinem ganzen Werk&#039;&#039;&#039;,&#039;&#039; (b2&#039;) &#039;&#039;das &#039;&#039;&#039;er gemacht&#039;&#039;&#039; hatte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
: (a&amp;lt;nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) &#039;&#039;Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn für heilig, da er an ihm ausgeruht hatte&#039;&#039; (b1&amp;lt;nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) &#039;&#039;von &#039;&#039;&#039;seinem ganzen Werk&#039;&#039;&#039;,&#039;&#039; (b2&amp;lt;nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) &#039;&#039;das Gott &#039;&#039;&#039;machend&#039;&#039;&#039; geschaffen hatte.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Gen 2,2-3 wird von manchen Ausleger:innen für einen Bericht über den „siebten Schöpfungstag“, an dem Gott nach dem Menschen nicht den &#039;&#039;Menschen&#039;&#039;, sondern &#039;&#039;den Sabbat&#039;&#039; als die „Krone der Schöpfung“ geschaffen habe. Dass hier nebenbei erklärt wird, woher der Sabbat kommt, ist offensichtlich. Dass dieser Sabbat das siebte Schöpfungswerk wäre, liegt aber nicht sehr nahe, weil V. 7 auch unabhängig davon, dass die üblichen Strukturelemente der ersten sechs Schöpfungstage in Gen 1 fehlen und dass in Gen 2,1 explizit gesagt wird, dass mit Gen 1,31 die Welt „vollendet“ ist, die Rede vom sechsten und vom siebten Tag jeweils nur Einleitung dieses Sprachspiels ist, auf dem hier klar der Fokus liegt: Gott hat sein Werk getan, getan, getan – und ist nun fertig.&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;Mit „&#039;&#039;das Gott machend geschaffen hatte&#039;&#039;“, heb. &#039;&#039;`ašer-&#039;&#039;&#039;bara`  `elohim&#039;&#039;&#039; la´aßot&#039;&#039; wird noch einmal die Brücke geschlagen zu Gen 1,1: Das zweitletzte und drittletzte Wort ist das selbe wie das zweite und dritte dort: &#039;&#039;berešit &#039;&#039;&#039;bara` `elohim&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass mit Gen 2,4 ein neuer Abschnitt beginnt, kann man nach diesen beiden Struktur-Spielen also kaum bezweifeln, und Gen 2,4 legt mit einem deutlichen Chiasmus sogar noch ein drittes dazu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Dies sind die Nachkommen von&#039;&#039; (a) &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Himmel&#039;&#039;&#039; und&#039;&#039; (b) &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Erde&#039;&#039;&#039;, als sie&#039;&#039; (c) &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;geschaffen&#039;&#039;&#039; wurden:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Als JHWH-Gott&#039;&#039; (c&#039;) &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;machte&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; (b&#039;) &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Erde&#039;&#039;&#039; und&#039;&#039; (a&#039;) &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Himmel&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit beginnt der Abschnitt &#039;&#039;&#039;Gen 2,4-3,24&#039;&#039;&#039;, den man oft einen „zweiten Schöpfungsbericht“ nach Gen 1,1-2,3 nennt. Dass es &#039;&#039;zwei&#039;&#039; Schöpfungserzählungen gegeben haben soll, wäre auch gar nicht verwunderlich: Uns sind auch jeweils mehrere sumerische, babylonische und akkadische Schöpfungserzählungen überliefert und tatsächlich finden sich  auch in der Bibel noch eine Reihe weiterer Schöpfungsberichte: [[Psalm 104 |Ps 104]] besingt in Lied-Form die Schöpfung der Welt, in [[Sprichwörter 8#s22 |Spr 8,22-31]] schildert die Weisheit die Weltschöpfung aus ihrer Perspektive und in [[Jesus Sirach 42#s15 |Sir 42,15-43,33]] buchstabiert Jesus Sirach preisend die einzelnen Schöpfungswerke durch. Entsprechend ist häufig und viel darüber nachgedacht worden, worin diese beiden Schöpfungsberichte sich entsprechen und worin sie sich unterscheiden.&amp;lt;br /&amp;gt;Tatsächlich liegt der Fokus von Gen 2-3 aber gar nicht auf der Schöpfung. Nach der Überschrift Gen 2,4a beginnt Gen 2,4-3,24 strukturell sehr ähnlich wie Gen 1,1-2,3:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! !! Gen 1,1-2,3 !! Gen 2,4b-3,24&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;&#039;Zeitlicher Vordersatz&#039;&#039;&#039; || &#039;&#039;Am Anfang [davon, dass]&amp;lt;br /&amp;gt;Gott schuf Himmel und Erde,&#039;&#039; || &#039;&#039;Am Tag, [an dem]&amp;lt;br /&amp;gt;JHWH-Gott machte Erde und Himmel,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;&#039;Hauptsatz: Überschwemmung statt Erde&#039;&#039;&#039; || &#039;&#039;war die Erde nichts und nichts: Dunkelheit war über der Oberfläche der Tiefe und ein Wind Gottes stürmte über der Oberfläche des Wassers.&#039;&#039; || &#039;&#039;war alles Unkraut des Feldes noch nicht auf der Erde und wuchsen alle Nutzpflanzen des Feldes noch nicht, weil JHWH-Gott es nicht regnen ließ über der Erde und es keinen Erdling gab, um den Erdboden zu bestellen, aber Sturzflut aus der Erde emporzusteigen pflegte und die ganze Ob{erfläche des Erdbodens zu ertränken pflegte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;&#039;Beginn der Schöpfung&#039;&#039;&#039; || &#039;&#039;Da sprach Gott ...&#039;&#039; || &#039;&#039;Da formte Gott ...&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dieser Schöpfung selbst wird aber nur in wenigen der darauf folgenden Verse berichtet: (a) Der Mann wird in &#039;&#039;&#039;V. 7&#039;&#039;&#039; erschaffen, (b) der Garten (in) Eden (c) und die Bäume des Gartens in &#039;&#039;&#039;Vv. 8f.&#039;&#039;&#039;, (d) die Tiere in &#039;&#039;&#039;Vv. 18-19&#039;&#039;&#039; (e) und die Frau in &#039;&#039;&#039;Vv. 21-22&#039;&#039;&#039;. Alles andere, was in den oben erwähnten Schöpfungstexten sonst erwähnt wird, ist hier ausgespart – was hier geschaffen wird, ist nur das „Dramatis Personae“ von Gen 3, wo (d&#039;) ein Tier (e&#039;) die Frau dazu verführt, (c&#039;) von einem Baum des Gartens zu essen, diese wiederum (a&#039;) den Mann zum Selben verführt und danach beide (b&#039;) aus dem Garten vertrieben werden. Das ist entscheidend für das Verständnis von Gen 2-3: Die beiden Kapitel sind nicht wirklich eine zweite Schöpfungserzählung nach der ersten, sondern hauptsächlich eine &#039;&#039;&#039;Erzählung über die Vertreibung aus dem Garten Gottes&#039;&#039;&#039;. In diesem Licht müssen dann die einzelnen Verse von Gen 2-3 verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Das heißt auch, dass Gen 1-2,3 und Gen 2,4-3,24 einander gar nicht notwendig widersprechen müssen. Dass die beiden Texte von unterschiedlichen Autoren stammen, ist fast sicher. Davon unabhängig ist es aber möglich, die beiden Erzählungen miteinander zu harmonisieren: In der Auslegung der Alten hat man Gen 2 stets so verstanden, dass „der Autor Mose“ nach der Zusammenfassung der ganzen Schöpfung noch einmal spezieller auf den dritten Tag (Schöpfung der Erde und der Pflanzen) und den fünften und sechsten Tag (Schöpfung der Tiere und des Menschen) eingehen wollte. Geht man hiervon aus, ist der einzige große Unterschied noch der Zeitpunkt der Menschen-Schöpfung: Am Ende in Gen 1, am Anfang dagegen in Gen 2. Versteht man die Menschen-Schöpfung in Gen 2 dann aber noch mit Brichto 1998, S. 76 so, dass sie richtig ja erst abgeschlossen sei mit der Schöpfung der Frau, wonach der Mensch auch erst „männlich und weiblich“ ([[Genesis 1#s27 |Gen 1,27]]) geschaffen sei, muss auch dies kein Widerspruch mehr sein. Das eröffnet dann auch die Möglichkeit, dass die eine Erzählung auf die andere hin geschrieben sein könnte und beide sich so gegenseitig erhellen können – in der neuesten Bibelauslegung beginnt man aber gerade erst wieder, diese Möglichkeit auszuforschen.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|2,4b-6}}&#039;&#039;&#039;2,4b-6&#039;&#039;&#039; schildern dabei zunächst eine &#039;&#039;defiziente&#039;&#039; Schöpfung: Himmel und Erde gibt es bereits; auf der Erde wachsen aber noch keine Pflanzen: Dafür braucht es den Erdling (heb. &#039;&#039;`adam&#039;&#039;), der den Erdboden (&#039;&#039;`adamah&#039;&#039;) bestellt (Vv. 5), und den Gott daher in &#039;&#039;&#039;V. 7&#039;&#039;&#039; auch „&#039;&#039;aus&#039;&#039; Staub vom Erdboden“ &#039;&#039;herstellt&#039;&#039;. Mensch und Erde danach also Symbionten; der eine braucht den anderen, um seinen Zweck zu erfüllen.&amp;lt;br /&amp;gt;Die Verse greifen dabei ein häufiges Motiv aus altorientalischen Mythen auf: Der Mensch ist das Arbeitstier von Göttern, das sich an ihrer Statt um die Erde zu sorgen hat (s. zu V. 6). Entgegen einer verbreiteten Vorstellung ist der Garten in Eden auch nicht ein Schlaraffenland, in dem der Mensch nicht zu arbeiten braucht, weil Gott bereits alle Bäume wachsen lassen hat, die dem Menschen Nahrung spenden (V. 9), sondern &#039;&#039;&#039;V. 15&#039;&#039;&#039; sagt es explizit: Der Garten Eden ist natürlich ein Lustgarten (&#039;&#039;´eden&#039;&#039;: „Lust, Luxus“) – aber ein Lustgarten &#039;&#039;Gottes&#039;&#039;. Dem &#039;&#039;Menschen&#039;&#039; bestimmt Gott den Garten zur Wohnung, damit dieser dort als Feldarbeiter tätig wird und „im Garten dient“ oder gar „dem Garten dient“. Wenn Gott den Menschen in [[Genesis 3#s23 |Gen 3,23]] aus dem Garten verbannt, damit er „den Erdboden bestellt, von dem er genommen worden war“, ist &#039;&#039;dies&#039;&#039; also keine Strafe, sondern nur Fortsetzung dessen, was der Mensch von Anfang an tun sollte und tat. Verflucht wird dort ja ohnehin nicht der Mann zur Arbeit, sondern der Erdboden; nämlich dergestalt, dass diese Arbeit fortan &#039;&#039;mühseliger&#039;&#039; vonstatten gehen werde ([[Genesis 3#s17 |Gen 3,17f.]]). Insgesamt also: „Die Erde wird nicht zum Nutzen des Menschen geschaffen: Menschen werden geschaffen zum Nutzen der Erde...“ (Habel 2011, S. 49).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das ist wichtig: Sieht man das nicht, hat man keine Wahl, als den Abschnitt {{Anker|18-25}}&#039;&#039;&#039;Vv. 18-25&#039;&#039;&#039; so zu verstehen, dass „das helfende Gegenüber“ des Mannes ihm &#039;&#039;dabei&#039;&#039; helfen soll, „nicht allein zu sein“ – ein anderer Mangel, dem mit einem „helfenden Gegenüber“ Abhilfe geschaffen werden soll, würde dann ja nicht erwähnt. Wonach die Frau wesensmäßig „Gespielin“ des Mannes wäre (Luther: „eine Gehilfin, die um ihn sei“). Oder – noch unschöner – wie z.B. bei [https://isidore.co/aquinas/summa/FP/FP092.html#FPQ92OUTP1 Thomas von Aquin, Summa Theologiae Ia 92 1]:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Meine Antwort: Es war notwendig, dass die Frau – wie die Bibel sagt – zur „Hilfe“ für den Mann geschaffen wurde. Nicht zur Hilfe bei irgendwelchen Arbeiten, wie manche sagen, denn dabei können andere Männer dem Mann ja wesentlich effektiver helfen, sondern zur Hilfe bei der Fortpflanzung. [...] Bei perfekten Tieren kommt nämlich dem Mann die aktive Rolle bei der Fortpflanzung zu, der Frau dagegen die passive [und insofern ist sie „Helferin“].&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viel sinnvoller Greenstein 2002, S. 235f.:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Die meisten Ausleger verstehen den Satz „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist“ so, dass er sich auf das menschliche Geschöpf bezieht; das heißt: Es ist nicht gut &#039;&#039;für den Menschen&#039;&#039;, dass er allein ist. Das hat man dann entweder so verstanden, dass der Mensch sonst einsam wäre oder dass der Mensch allein bliebe, wenn er keinen Geschlechtspartner hätte, mit dem er sich fortpflanzen könnte. Es bietet sich aber noch eine weitere Auslegung an [...]: Es ist nicht gut &#039;&#039;für Gott&#039;&#039;, dass der Mensch allein ist. [...] Der zweite Mensch wurde geschaffen, um dem ersten Menschen dabei zu helfen, &#039;&#039;Gottes Arbeit zu tun. (Hervorhebung und Übersetzung: OfBi).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Greenstein verweist dann noch auf die tatsächlich offensichtlichen Parallelen zum „es ist nicht gut, dass der Erdling allein ist[, &#039;&#039;weil er seine Arbeit sonst nicht schafft&#039;&#039;]“ in [[Exodus 18#s17 |Ex 18,17f.]]; [[Numeri 11#s14 |Num 11,14-17]]; [[Deuteronomium 1#s9 |Dtn 1,9.12]].&amp;lt;br /&amp;gt;Vorausgesetzt ist hier also die Situation des vorhellenistischen Israel, in der der Mann und die Frau(en) eines Haushalts eine „Werk-Gemeinschaft“ bildeten und Frauen selbstverständlich auch bei der Feldarbeit mitwirkten (vgl. dazu z.B. auch Marsman 2003, S. 160f.; Ebeling 2016). Man denke nur an [[Rut 2#s8 |Rut 2,8f.]] (s. auch die Anmerkungen dort), wo bei der Ernte Männer als Schnitter und Frauen als Garbenbinderinnen (und Nachleserinnen) arbeiteten, oder an Simsons Mutter in [[Richter 13#s9 |Ri 13,9]], die gerade ohne ihren Mann auf dem Feld ist, als ihr der Gottesbote begegnet.&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;Danach wäre es auch nicht so (wie der Abschnitt z.B. in der traditionellen christlichen Exegese immer noch oft aufgefasst wird), dass hier Frau und Mann zur zweigeschlechtlichen Zwei-Personen-Ehe berufen würden, sondern Vv. 18-25 sind eine &#039;&#039;Ätiologie&#039;&#039; (und damit ohnehin keine „Vorschrift“) der Ehe &#039;&#039;als der für die Gesellschaft des Alten Israel fundamentalen Arbeitsgemeinschaft&#039;&#039;, die also erklärt, wie es dazu kam, dass Menschen sich überhaupt zusammentun: Weil sie Mitmenschen brauchen, um den Sinn ihres Lebens verwirklichen zu können. Dass mit Gen 2,24 nicht die Zwei-Personen-Ehe in die Schöpfung eingestiftet wird, ist ohnehin klar, weil der kulturelle Kontext, in dem Gen 2-3 geschrieben wurden, die &#039;&#039;Polygamie&#039;&#039; ist, die noch bis in die ersten Jahrhunderte nach der Zeitenwende gebräuchlich blieb. Und dass er keine Vorschrift einer Ehe zwischen Mann und Frau ist, ist auch unabhängig von der Gattung des Textes ebenso klar, weil in Gen 2 ja gar nicht &#039;&#039;Gott&#039;&#039; die Frau zum „passenden“ Gegenüber des Manns erklärt, sondern &#039;&#039;der Mensch&#039;&#039; (V. 23) – nachdem ihm zuvor Gott als potentiellen Partner jegliches Tier vorgestellt hat.&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;Am Ende hat der Mensch also zwei Gegenüber: Der &#039;&#039;`adam&#039;&#039; wurde aus &#039;&#039;`adamah&#039;&#039; geschaffen, um dieser &#039;&#039;`adamah&#039;&#039; „zu dienen“, und zu diesem Zweck braucht ein &#039;&#039;`iš&#039;&#039; eine &#039;&#039;`iššah&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vv. 10-14&#039;&#039;&#039; nennt man die „Paradies-Geographie“. Die meisten Ausleger halten sie für eine spätere Einfügung, mit der ein Schreiber aus irgendeinem Grund gezeigt haben soll, dass er über „Listen-Weisheit“ verfügt. Besser versteht man die Verse von Vv. 8.15 her: Sie sollen erklären, dass und wie die „begehrenswert anzusehenden und gut zu essenden Bäume“ des Gartens (V. 9) dort auch nach der Vertreibung von Gottes Ackerknecht noch wachsen können: Aus dem Garten entspringt nun ein Strom, der so mächtig ist, dass sich aus ihm sogar Euphrat, Tigris und noch weitere Flüsse speisen. Dieser gigantische Strom macht es also entweder überflüssig, dass der Mensch den Garten bewässert, indem er Grundwasser nach oben pumpt, oder er bringt mit sich, dass die Sturzfluten abfließen können, die zuvor den Garten überschwemmt haben (s. zur Übersetzungsproblematik von V. 6). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich &#039;&#039;&#039;Vv. 9bc.16f.&#039;&#039;&#039; mit ihrer Rede von den beiden besonderen Bäumen in der Mitte des Gartens bereiten wie auch &#039;&#039;&#039;V. 25&#039;&#039;&#039; hauptsächlich Kapitel 3 vor; s. daher die Anmerkungen dort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Genesis_30&amp;diff=40226</id>
		<title>Genesis 30</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Genesis_30&amp;diff=40226"/>
		<updated>2025-10-30T20:31:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Syntax&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Ungeprüfte Studienfassung}}&lt;br /&gt;
{{Lesefassung folgt später}}&lt;br /&gt;
{{Zuverlässige Studienfassung|Vers 25-43}}&lt;br /&gt;
{{Lesefassung kann erstellt werden|Vers 25-43}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Lesefassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{L|1}}&lt;br /&gt;
{{L|2}}&lt;br /&gt;
{{L|3}}&lt;br /&gt;
{{L|4}}&lt;br /&gt;
{{L|5}}&lt;br /&gt;
{{L|6}}&lt;br /&gt;
{{L|7}}&lt;br /&gt;
{{L|8}}&lt;br /&gt;
{{L|9}}&lt;br /&gt;
{{L|10}}&lt;br /&gt;
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{{L|12}}&lt;br /&gt;
{{L|13}}&lt;br /&gt;
{{L|14}}&lt;br /&gt;
{{L|15}}&lt;br /&gt;
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{{L|18}}&lt;br /&gt;
{{L|19}}&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
{{S|25}} {Und es geschah,} Als Rahel den Josef gebar (geboren hatte), sagte Jakob zu Laban: „Lass mich gehen, damit ich an meinen Ort und in mein Land gehen kann! {{par|Genesis|24|54}}&lt;br /&gt;
{{S|26}} Gib [mir] (Gib heraus)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT nur: „Gib“. Darin wird MT gestützt von SamP, einigen LXX-Handschriften und TgO, alle anderen Textzeugen (Jub 28,25; LXX-Mss, VL, VUL, Syr, TgJ, TgN) haben ein zusätzliches &#039;&#039;mir&#039;&#039;. Im Heb. ist ein solches „mir“ nicht nötig, s. [[Genesis 47#s19 |Gen 47,19]]; [[1 Samuel 9#s23 |1 Sam 9,23]]; [[2 Samuel 3#s14 |2 Sam 3,14]]; [[2 Könige 10#s15 |2 Kön 10,15]]. LXX und Syr ergänzen auch dort teilweise „mir“ (LXX: 1 Sam 9,23; 2 Sam 3,14; Syr: Gen 47,19; 2 Sam 3,14), Tg und VUL aber an keiner dieser Stellen und LXX und Syr auch an den anderen nicht. Besonders das Plus in Tg + VUL darf man also nicht ohne Weiteres als stilistische Korrektur abtun, sondern dies scheint eine echte Variante zu sein. Am Sinn und am Tonfall scheint dies nichts zu ändern. Besser übersetzt man daher „gib mir“, was jedenfalls im Deutschen natürlicher klingt.&amp;lt;/ref&amp;gt; meine Frau und meine Kinder, für die ich dir gedient habe, damit ich gehen kann! Denn du, du weißt [ja um] meinen Dienst, [mit] dem ich dir gedient habe!“&lt;br /&gt;
{{S|27}} Da sagte zu ihm Laban: „Wenn ich nur Gefallen in deinen Augen gefunden habe... –&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Wenn ich Gefallen in deinen Augen gefunden habe...&#039;&#039; ist für gewöhnlich Einleitung einer Bitte an einen Höhergestellten. Von einem Höhergestellten an einen Tiefergestellten wie hier ist die Formel also ganz ausnehmend höflich. Eine Bitte allerdings – die kommt Laban dann nicht über die Lippen; stattdessen bricht er den Satz ab und hebt neu an.&amp;lt;/ref&amp;gt; ich hatte gewahrsagt (habe getestet, hatte Pech?, hatte Erfolg?);&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;ich habe gewahrsagt (habe getestet, hatte Pech?, hatte Erfolg?)&#039;&#039; - schwieriges Wort. Für die LF am sinnvollsten wäre etwas wie „Ich hatte es schon früher vorhergesagt, und tatsächlich: Gott hat mich um deinetwillen gesegnet.“&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Genauer&#039;&#039;&#039;: Heb. &#039;&#039;niḥašti&#039;&#039;, (1) prima vista klar „ich habe gewahrsagt“, genauer: „Omen haben&#039;s mir verraten: ...“. So deuten die aktuellsten Kommentator:innen (Goldingay 2020; Peterson 2022; Tröndle 2023, S 165); dies stützen auch LXX, VL, TgJ und TgN. Warum hier aber Laban überhaupt von seinem früheren „Wahrsagen“ sprechen sollte, ist so schwer verständlich, dass wenige glücklich mit dieser Deutung sind. Die beste Erklärung bei Krauss / Küchler 2004, S. 175: Der kurze Vers soll Rachels Diebstahl von Labans Wahrsage-Instrumenten im nächsten Kapitel vorbereiten, unser Vers also nur literarisch dazu dienen, zu zeigen, dass Laban wirklich wahrsagen kann.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) TgO, Syr, VUL und der Midrasch haben stattdessen etwas wie „ich habe getestet/herausgefunden“, obwohl es im Aramäischen und Syrischen ein fast gleichlautendes synonymes Verb wie heb. &#039;&#039;naḥaš&#039;&#039; gibt. (2a) Ball 1896 mutmaßt daher, dass ihnen statt &#039;&#039;nḥštj&#039;&#039; die Konsonanten &#039;&#039;nß(j)tj&#039;&#039; vorgelegen haben könnte, was sie dann als &#039;&#039;ns(j)tj&#039;&#039; („ich habe getestet“) verstanden hätten, da Sin und Samech vielerorts gleich klang und &#039;&#039;nasiti&#039;&#039; daher wohl auch &#039;&#039;naßiti&#039;&#039; geschrieben werden konnte. Graphisch wäre das leicht möglich; vgl. {{hebr}}נחשתי{{hebr ende}} mit {{hebr}}נשתי{{hebr ende}}. (2b) Alternativ könnte dies aber auch nur eine theologische Interpretation sein; gut z.B. Grossfeld 1994, S. 109: Dass Gott Laban &#039;&#039;gesegnet&#039;&#039; hat, obwohl dieser auf schlecht angesehene Omen vertraut, kann für spätere Autoren schlecht zusammengepasst haben, weshalb TgO, Syr, VUL und Midrasch zur „harmloseren“ Variante „ich hab&#039;s ausgetestet“ gegriffen hätten. Das textkritische Zeugnis ist also nicht sehr stark.&amp;lt;br /&amp;gt;Das in dt. Üss. häufigste „Ich habe es erfahren / ich spüre / ich hab&#039;s erraten / ...“ erklärt sich hieraus, ist aber keine gute Übersetzung selbst von &#039;&#039;nasiti&#039;&#039;.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) [https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/freimann/content/pageview/558496 Michaelis 1792, S. 1632] hatte das heb. &#039;&#039;naḥaš&#039;&#039; noch abgeleitet vom arab. &#039;&#039;naḥuša&#039;&#039; („Pech haben“). Daher Michaelis 1775: „Ich hatte vorhin allerley Unglücksfälle, aber Jehova hat mich um deintwillen geseegnet“. Das ist sehr erwägenswert und zu Unrecht in Vergessenheit geraten. V. 27b sagte dann das selbe wie V. 30: „Ich hatte Pech gehabt, dann hat Gott mich um deinetwillen gesegnet“ – „Du hattest wenig vor meiner Zeit, dann hat sich&#039;s zu einer Menge ausgebreitet!“ Eine Übersetzung wie diese erklärte auch am besten die Verbfolge Qatal – Wayyiqtol in unserem Vers (richtig Torczyner  1917, Sp. 10); [https://en.wikisource.org/wiki/Gesenius%27_Hebrew_Grammar/111._The_Imperfect_with_W%C4%81w_Consecutive#cite_ref-4 GKC 111h FN 4] ist offensichtlich nur eine ad hoc-Erklärung. Dieser Ansatz ist daher mein (S.W.) Favorit, kann ob seines Alters aber schlecht für die LF gewählt werden.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Recht verbreitet ist es im Gegensatz zu (3), nach Sperber 1913 das Verb abzuleiten vom akk. &#039;&#039;naḫāšu&#039;&#039; („gedeihen, Erfolg haben“; so z.B. Wenham 1994; Hamilton 1995; Sarna 2001). Daher PAT: „Ich bin reich geworden, und der Herr hat mich um deinetwillen gesegnet“ (ähnlich HfA). Wegen der Verbfolge ist dieser Ansatz dem von Michaelis klar unterlegen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
(5) Schließlich das „Ich stand unter günstigen Vorzeichen und...“ in EÜ 80, ZÜR und bei Recker 2000 ist nur ein Kompromiss aus (1) und (4).&amp;lt;/ref&amp;gt; dann hat JHWH mich um deinetwillen (mit deiner Ankunft?)&amp;lt;ref name=&amp;quot;27.30&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;um deinetwillen (mit deiner Ankunft?)&#039;&#039; (V. 27) + &#039;&#039;mit meiner Ankunft (um meinetwillen?)&#039;&#039; (V. 30) - In Vv. 27.30 stehen im Heb. zwei unterschiedliche Ausdrücke: „um deinetwillen“ und „(gleichzeitig) mit meinem Bein“. Letzterer, der sonst nur noch [[Habakuk 3#s5 |Hab 3,5]] steht, ist wahrscheinlich eine Variante von „bei jmds Bein“ = „direkt hinter jmdm“ in [[Exodus 11#s8 |Ex 11,8]]; [[Richter 8#s5 |Ri 8,5]]; [[1 Samuel 25#s27 |1 Sam 25,27]] (so hier auch TgJ), also: Gottes Segen folgt Jakob „auf dem Fuße“. Alternativ erklärt es Ball 1896 allgemeiner als „nach mir“, da es sowohl hier als auch in Hab 3,5 mit &#039;&#039;lpnj&#039;&#039; („vor jmdm“ = „vor jmds Ankunft“) zusammensteht; noch beliebter ist die alternative Erklärung „mit deinem Bein“ = „auf Schritt und Tritt; wohin ich auch ging“ (z.B. Skinner 1910; Wenham 1994; Hamilton 1995).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: LXX (teilweise auch VL) hatte in V. 27 offenbar den selben Ausdruck vorliegen wie in V. 30: „mit deiner Ankunft“. Umgekehrt übersetzen TgO, TgN und Syr in V. 30 mit dem selben Ausdruck wie in V. 27. Beides sind wahrscheinlich Angleichungen von V. 27 an den ähnlichen V. 30 und umgekehrt.&amp;lt;/ref&amp;gt; gesegnet!{“}&lt;br /&gt;
{{S|28}} {Und er sagte: „}&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Und er sagte&#039;&#039; - Überflüssig, da Laban ja bereits in V. 27 spricht. Verbreitet sind diverse ad hoc-Erklärungen: Fokkelman 1975, S. 142f. liest heraus, dass Laban zwischen Vv. 27.28 „fieberhaft nachgedacht“ habe, was er nun sagen könnte. Zakovitch 1999, S. 128 denkt, solche überflüssigen Redeeinleitungen sollten „Nachgedanken“ markieren, während Wenham 1994 annimmt, extra eingeleitete Redeteile sollten besonders höflich klingen. Cotter 2003 schließlich erklärt rhetorisch: Der Erzähler habe Spannung aufbauen wollen. Aber solche überflüssigen Redeeinleitungen lassen sich gut einheitlich erklären: Offenbar ist es so, dass es im althebräischen Stil natürlich war, unterschiedliche Redeakte innerhalb derselben Rede doppelt einzuleiten, wie es deutlich auch gleich noch mal in [[Genesis 31#s51 |Gen 31,51]] (nach V. 48) geschieht (weitere Bspp. unten). Im Deutschen muss man sie dann aussparen (wie das hier auch LXX und VUL getan haben), da dergleichen dort nicht natürlich klingt.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Beispiele&#039;&#039;&#039;: In [[Genesis 17#s3 |Gen 17,3-16]] wird die Gottesrede drei Mal eingeleitet; jede Einleitung steht einem eigenen Redeakt voran: V. 3 der Verheißung Gottes, V. 9 seinen Forderungen, V. 15 einer weiteren Verheißung. Kurz zuvor folgte ähnlich in [[Genesis 15#s2 |Gen 15,2-3.5]] auf Abrams Frage in V. 2 sein Vorwurf in V. 3, woraufhin Gott in V. 5a ihn zu einem Blick in den Himmel auffordert und nach einer zweiten Redeeinleitung in V. 5b ein Versprechen gibt, wie auch Gottes Engel in [[Genesis 16#s9 |Gen 16,9]] einen Auftrag gibt, um dann in V. 10 mit einer weiteren Redeeinleitung ein Versprechen anzuschließen. In [[Genesis 41#s39 |Gen 41,39-41]] ernennt Pharao den Joseph in Vv. 39f. zu seinem Stellvertreter, um dann in V. 41 noch einmal feierlich zu erklären: „Du stehst jetzt über dem ganzen Land“. In [[Numeri 32#s2 |Num 32,2-5]] beginnen die Sprecher in Vv. 2-4 mit einer Beschreibung eines Landstrichs, um dann in V. 5 Mose das Land zum Geschenk zu machen. In [[Richter 8#s23 |Ri 8,23f.]] antwortet Gideon zunächst auf die Bitte seiner Gesprächsparter, um in V. 24 seinerseits eine Bitte auszusprechen. In [[Rut 2#s20 |Rut 2,20]] werden Jubelruf und Erläuterung Naomis doppelt eingeleitet. In [[1 Samuel 16#s10 |1 Sam 16,10f.]] erklärt Samuel zunächst, keiner von Isais Söhnen sei zum König geeignet, um dann in V. 11 nach David zu fragen. In [[1 Samuel 17#s34 |1 Sam 17,34-37]] berichtet David zunächst, wie er schon Löwen und Bären besiegt habe, um dann in V. 37 feierlich zu erklären, Gott werde ihn auch nun gewiss wieder beschützen. de Regt 1999, S. 59-69 und Runge 2007, S. 169 glauben ähnlich, solche doppelten Redeeinleitungen sollten den „Höhepunkt“ einer Rede eigens markieren, aber nicht viele der eigens eingeleiteten Rede-Teile lassen sich gut als Höhepunkte erkennen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bestimme deinen Lohn (auf mir=) den ich zu bezahlen habe, und ich werde ihn geben!“&lt;br /&gt;
{{S|29}} Er (sagte zu=) antwortete ihm: „Du, du weißt [ja] darum, wie ich dir gedient habe, und darum, was geschah mit deinem Vieh bei mir!&lt;br /&gt;
{{S|30}} Denn wenig [war&#039;s], was dein war (vor mir=) vor meiner Ankunft; dann hat sich&#039;s ausgebreitet zu einer Menge! JHWH hat dich gesegnet mit (meinem Schritt=) meiner Ankunft (um meinetwillen?)!&amp;lt;ref name=&amp;quot;27.30&amp;quot; /&amp;gt; (Und nun=) Also: Wann kann auch ich&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;auch ich&#039;&#039; - nicht: „auch ich, während aktuell nur meine beiden Frauen für &#039;&#039;unseren&#039;&#039; Wohlstand arbeiten“ (Raschi, Radak). Ebenso wenig: „Wann kann ich auch für meinen Haushalt arbeiten, statt nur für deinen?“ (Ramban, Tur). Sondern: „Wann kann auch ich für meinen Haushalt arbeiten, anstatt dass wir beide nur in deine Tasche arbeiten?“ So z.B. Sforno: „Wann wird&#039;s mir möglich sein, Segen auf mein Haus zu bringen – auf die selbe Weise, wie du ihn durch meine Gegenwart auf deines brachtest!?“.&amp;lt;/ref&amp;gt; etwas für &#039;&#039;meinen&#039;&#039; Haushalt tun?“&lt;br /&gt;
{{S|31}} Da (sagte=) fragte (er=) Laban: „Was soll ich dir geben?“&amp;lt;br /&amp;gt;Da (sagte=) erwiderte Jakob: „Du musst mir gar nichts geben, wenn du für mich diese Sache tust: Ich werde (darf) wieder weiden dein Kleinvieh; [es] hüten.&lt;br /&gt;
{{S|32}} Ich werde (am Tag=) heute durch all dein Kleinvieh ziehen, um auszusondern (...ziehen. Sondere aus...!)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;um auszusondern (sondere aus!)&#039;&#039; - Das zweite Verb könnte entweder Infinitiv sein und von Jakobs Handeln sprechen oder Imperativ und dann von Labans Handeln sprechen. Weil in V. 35 dann wirklich &#039;&#039;Laban&#039;&#039; das Aussondern übernimmt, haben schon LXX und VUL das Verb als Imperativ genommen; so z.B auch Seebass 1999; Ruppert 2005; Tröndle 2023, S. 165; auch B-R, EÜ; R-S, SLT, ZÜR 31. Aber das liegt ganz fern; dass Laban aussondern sollte, passt ja denkbar schlecht dazu, dass &#039;&#039;Jakob&#039;&#039; durch das Kleinvieh ziehen will (richtig Taschner 2000, S. 99 FN 59). Besser erklärt man das Gegeneinander von V. 32 vs. V. 35 literarisch: Noch am selben Tag bricht Laban das erste Mal den gerade geschlossenen Vertrag und überlässt das Aussondern eben nicht Jakob, wie es abgesprochen war, sondern dünnt bereits zuvor Jakobs Lohn empfindlich aus.&amp;lt;/ref&amp;gt; jedes gesprenkelte und gefleckte&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;gefleckt&#039;&#039; - Wortspiel; in heb. &#039;&#039;ṭalu`&#039;&#039; klingt &#039;&#039;ṭaleh&#039;&#039; („Lamm“) an, dessen Plural in [[Jesaja 40#s11 |Jes 40,11]] und in nachbiblischen Texten sogar mit den gleichen Konsonanten wie &#039;&#039;ṭalu`&#039;&#039; gebildet wird: &#039;&#039;ṭala`im&#039;&#039;. Die Bed. ist klar: In [[Josua 9#s5 |Jos 9,5]] wird das Wort von „geflicktem“ Schuhwerk verwendet; ähnlich ist &#039;&#039;ṭala`&#039;&#039; im Talmud, b.Ber 43b der „Flicken“. Die in englischen Üss. verbreitete Übersetzung „vielfarbig“ ist also falsch; ebenso falsch ist die Annahme z.B. von Steinmann 2019, Jakob verlange „alle &#039;&#039;vielfarbigen&#039;&#039;“ Ziegen und Laban  gestehe ihm dann nur gefleckte und gestreifte zu („Jacob was supposed to receive all the variegated sheep [30:3], but Laban made it more specific: spotted sheep and then streaked sheep [v. 8].“).&amp;lt;/ref&amp;gt; Tier&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;jedes gesprenkelte und gefleckte Tier&#039;&#039; - Nicht: „Schaf / Lamm“, wie die meisten Üss. übersetzen: Nach [[Exodus 12#s5 |Ex 12,5]]; [[Numeri 15#s11 |Num 15,11]]; [[Deuteronomium 14#s4 |Dtn 14,4]] heißt &#039;&#039;ßeh&#039;&#039; klar „Herdentier“ und ist Oberbegriff von Schafen &#039;&#039;und&#039;&#039; Ziegen. Wahrscheinlich haben wir danach hier ein Stilmittel vor uns: Dass Jakob haarklein auseinanderlegt, welche Tiere genau ihm zugesprochen werden sollen, wird dadurch unterstrichen, dass er drei „Tierklassen“ benennt, bei denen die zweite und dritte bereits in der ersten aufgehoben sind: „(ab) &#039;&#039;Jedes &amp;lt;u&amp;gt;gesprenkelte und gefleckte&amp;lt;/u&amp;gt; &#039;&#039;&#039;Tier&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; (a) &#039;&#039;und jedes schwarze Schaf-&#039;&#039;&#039;Tier&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; (b) &#039;&#039;und jede &amp;lt;u&amp;gt;gefleckte und gesprenkelte&amp;lt;/u&amp;gt; Ziege&#039;&#039;.“ Umso schwerer wiegt dann, was Jakob dem Laban in [[Genesis 31#s7 |Gen 31,7f.41]] vorwirft.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: U.a. deshalb, weil man sich an „gefleckten Schafen“ stieß (dabei &#039;&#039;gibt&#039;&#039; es in der Tat gefleckte Schafe; eine verbreitete Rasse ist sogar nach unserer Geschichte „[https://de.wikipedia.org/wiki/Jakobschaf Jakobschaf]“ getauft worden), vor allem aber, weil diese Phrase in LXX fehlt, haben z.B. Ball 1896 und BHK die Phrase noch für eine sekundäre Ergänzung gehalten und streichen wollen. Heute hält man umgekehrt i.d.R. die kürzere Variante in LXX für ein Homoiteleuton; w. steht im Heb. nämlich „&amp;lt;s&amp;gt;&#039;&#039;&#039;jedes Tier,&#039;&#039;&#039; gesprenkelt und gefleckt und&amp;lt;/s&amp;gt; &#039;&#039;&#039;jedes Tier,&#039;&#039;&#039; schwarz, unter den Lämmern“, wo die hier durchgestrichene Passage leicht wegen der identischen und hier gefetteten Phrasen überlesen worden sein könnte.&amp;lt;/ref&amp;gt; und jedes schwarze (braune, ?)&amp;lt;ref name=&amp;quot;schwarz&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;schwarz&#039;&#039; - welchen Farbton &#039;&#039;ḥum&#039;&#039; genau bezeichnet, ist unsicher. Das ist ärgerlich, denn die Farbe ist hier nicht unwichtig; s. die Anmerkungen. (1) Brenner 1982, S. 123 übersetzt mit Syr und z.B. ibn Ezra und Radak „schwarz“ (Radak dabei mit gutem Hinweis auf den arabischen Sprachgebrauch), (2) VUL hat teils „schwarz“, teils „dunkel“ und entsprechend empfiehlt Gradwohl 1963, S. 50f. „braunschwarz“; (3) LXX hat „dunkel“; (4) im modernen Hebräisch heißt das Wort „braun“; (5) TgJ und TgN schließlich übersetzen „rot“, wo man aber hinzusagen muss, dass in der Antike „braun“ als Stufe im Farbspektrum von „rot“ gesehen wurde (vgl. Avioz 2019, S. 461. Auch für Plinius sind in NatHist viii 73 daher asiatische Schafe „rot“, Homer kennt in Od 9.426 ähnlich „dunkelviolette Schafe“ und vielleicht ist daher auch im akk. Text Tigl. III 15.3f. mit den „Schafen mit purpurrot gefärbter Wolle“ die natürliche Fellfarbe der Tiere gemeint), weshalb auch Raschi und Ramban erläutern: „braun, leicht rötlich“. Klar ist aber, dass mit &#039;&#039;ḥum&#039;&#039;-Schafen &#039;&#039;ein-&#039;&#039;farbige Schafe bezeichnet werden. „Schwarze Schafe“ kann richtig sein, wäre aber irreführend, weil schwarze Schafe heute Ausnahmeerscheinungen sind, früher aber nicht waren (s. die Anmerkungen). Besser übersetzt man in die LF daher „braune Schafe“.&amp;lt;/ref&amp;gt; Tier unter den Lämmern und jedes Gefleckte und Gesprenkelte unter den Ziegen, und [es] sei mein Lohn (und [solches] sei mein Lohn; dann wird mir Lohn (werden=) zuwachsen).&amp;lt;ref&amp;gt;Zu &#039;&#039;[es] (solches)&#039;&#039; s. die Anmerkungen. In der LF übersetzt man vielleicht am besten: „... unter den Ziegen: Mein Lohn“, mit einer FN à la: „Worauf genau sich ‚mein Lohn‘ bezieht, ist im Hebräischen unklar. Wahrscheinlich bewusst; vermutlich ist dies nämlich einer der Knackpunkte der Erzählung: Laban macht sich diese Lücke in ihrer Lohnabsprache sogleich zunutze, indem er es &#039;&#039;nicht&#039;&#039; auf die Tiere bezieht, die aktuell in seiner Herde sind, und diese daher den Herden seiner Söhne zuführt. Nachdem Jakob dem in den Versen 37-43 ein Schnippchen schlägt, versucht Laban in Gen 31,43 gleich noch einmal, sich diese Lücke zunutze zu machen, indem er es auch nicht auf die von nun an geborenen Tiere bezieht, sondern auch diese zu &#039;&#039;seinen&#039;&#039; Tieren erklären will. Das macht Laban zum ersten Winkeladvokaten der Weltliteratur. Seine Winkelzüge macht noch härter, dass Jakob seinen Vorschlag damit stützt, dass dieser Deal sich am leichtesten ‚redlich‘ ausgestalten lassen kann, weil man so ja auf den ersten Blick sieht, welche Tiere wem gehören: Von eben dieser ‚Redlichkeit‘ hat Laban kein Quäntchen.“&amp;lt;br /&amp;gt;Die Alternative &#039;&#039;dann wird mir Lohn zuwachsen&#039;&#039; hat alternativ Lux 2009, S. 73 vorgeschlagen: „Mein Lohn wird sich dann schon einstellen“.  Sprachlich ist das möglich. Dann wäre die Logik von Gen 30-31 eine ganz andere: &#039;&#039;Jakob&#039;&#039; hätte auf einen Trick gesonnen, wie er seinen Schwiegervater zunächst mit einem ökonomisch unattraktiv scheinenden Vorschlag in Sicherheit wiegen könnte („nimm gerne alle besonders gefärbten Tiere von mir; irgendwie wird mir schon auch Lohn zukommen“), ihn dann aber mit dem im Folgenden beschriebenen Zuchttrick übers Ohr hauen könnte. Die klassische Deutung ist aber vorzuziehen, da sie die auffällige Unbestimmtheit des Wortes „sondere aus! / ... um auszusondern“ am Anfang des Verses und die Unklarheit noch in V. 33, wer nun eigentlich aussondert, runder erklärt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|33}} Dann wird für mich (mir) (antworten=) zeugen meine Gerechtigkeit am (an einem) kommenden Tag (=morgen?, =in Zukunft?), wenn (weil) du kommen wirst (sie kommen wird, ich kommen werde) über meinen (wegen meinem) Lohn vor (deinem Gesicht=) dir (dich).&amp;lt;ref&amp;gt;Schwierigster Satz der Perikope. Gehen wir vom Wortlaut des MT aus, sind mindestens vier Deutungen gleichermaßen möglich; die LF sollte aber die dritte wählen:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) „[Ich verspreche dir, ich werde die Aufteilung ehrlich vornehmen.] Am morgigen Tag, wenn du kommen wirst, um meinen Lohn zu besehen, werde ich mich als gerecht erweisen: Alles, was dann nicht schwarzes Schaf oder farbige Ziege ist, soll dann als gestohlen gelten.“ (so z.B. PAT: „Und das soll dann morgen der Beweis für meine Redlichkeit sein, wenn mein Lohn dir zu Gesicht kommt: Alle [anderen Tiere] sollen als von mir gestohlen gelten“; ähnlich EÜ, LUT, NeÜ).&amp;lt;br /&amp;gt;(2)„[Was auch immer bei diesem Deal für mich herauskommen wird, werde ich akzeptieren:] Meine Gerechtigkeit wird für mich zeugen am künftigen Tag [der Endabrechnung], an dem du besehen wirst, was bei mir als Ertrag zusammengekommen ist: Alles, was nicht schwarzes Schaf oder farbige Ziege ist, soll dann als gestohlen gelten[; mehr werde ich nicht fordern, so wenig es am Ende auch ist]“ (so z.B. ZÜR: „Und meine Redlichkeit wird dann für mich sprechen, wenn du kommst, um meinen Lohn nachzuprüfen: Alle[ anderen Tiere] sollen als von mir gestohlen gelten“; ähnlich TUR).&amp;lt;br /&amp;gt;(3) „[Diese Aussonderung und diese Vereinbarung soll nämlich vor allem dazu dienen, meine Redlichkeit zu garantieren:] So wird dann meine Redlichkeit für mich zeugen, wenn du kommst, um meinen Lohn zu besehen[, weil man ja auf den ersten Blick erkennt, welche Tiere dein und welche mein sind].“ (so Michaelis: „Auf die Art werde ich künftig immer den Beweis meiner Ehrlichkeit haben: und was unter den [Tieren andersfarbig ist], das soll gestohlen heißen, wenn es sich in meiner Herde findet“; ähnlich GN, NL).&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Oder es wird vorausgesetzt, dass bei diesem Deal allein Gott dem Jakob Ertrag als Lohn für seine Gerechtigkeit verschaffen kann, indem er Schafe schwärzt und Ziegen färbt, obwohl schwarze und farbige Muttertiere bereits entfernt wurden. Dann: „Dann wird am Tag [der Endabrechnung], an dem du besehen wirst, was bei mir als Ertrag zusammengekommen ist, dieser Ertrag [allein] (Antwort=) Frucht meiner Gerechtigkeit sein. Dagegen alles, was nicht schwarzes Schaf oder farbige Ziege ist, soll dann als gestohlen gelten.“ (so wohl SLT: „So wird dann meine Gerechtigkeit für mich sprechen am künftigen Tag vor deinen Augen, wenn du wegen meines Lohnes kommst.“; ähnlich R-S).&amp;lt;br /&amp;gt;Unter diesen Optionen wählt man am besten nicht (1), da einige Textvarianten bezeugt sind, nach denen nur vom künftigen Zahltag die Rede sein kann und nicht vom morgigen „Besichtigungs-Tag“ (s.u.). Für (4) muss man viele Zusatzannahmen treffen. (3) passt glatter zum vorangehenden Vers als (2). Schön an (3) und (4) ist außerdem, dass der trickreiche Jakob dann großsprecherisch auf seine „Redlichkeit“ abheben würde – um dann, nachdem Laban sich massiv unredlich verhalten hat, seinerseits gerade nicht seine Redlichkeit, sondern „antike genetische Tricks“ walten zu lassen. Das passte gut zu seinem Charakter im Jakobszyklus.&amp;lt;br/&amp;gt;&amp;lt;b&amp;gt;Genauer&amp;lt;/b&amp;gt; zu den einzelnen Schwierigkeiten:&amp;lt;br /&amp;gt;(1a) &#039;&#039;&#039;Meine Gerechtigkeit wird für mich antworten&#039;&#039; nimmt man heute ziemlich einheitlich für „meine Gerechtigkeit wird für mich zeugen“ und dies dann wiederum als „ich werde mich als gerecht erweisen.“ (z.B. Gunkel 1964, S. 339: „Dann wirst du einmal deutlich sehen [was du sonst wohl bezweifelt hast], daß ich ein ehrlicher Mann bin.“) Das würde dann durch den letzten Satz des Verses noch gesteigert, fügte sich also gut in den Vers.&amp;lt;br /&amp;gt;(1b) Genau so möglich ist aber: „Der Deal ist deshalb so schön, weil sein Ausgang allein von meiner Gerechtigkeit abhängt, bzw. davon, wie mich Gott für diese meine Gerechtigkeit entlohnt“ (so z.B. Hieronymus, Sforno, Nikolaus von Lyra, Tirinus): Am fraglichen Tag „wird mir meine Gerechtigkeit antworten“, d.h. „wird das Ergebnis allein von meiner Gerechtigkeit abhängen“.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Raschi, ibn Ezra und Sforno nehmen klug noch das „vor deinem Gesicht = vor dir“ vom Ende des Satzes hinzu und entledigen sich damit auch dieser Schwierigkeit: „Meine Gerechtigkeit wird &#039;&#039;vor dir&#039;&#039; für mich zeugen / mir antworten“. Ähnlich Speiser 1964 : „Meine Gerechtigkeit vor dir“ = „Your own view of my honesty“; Seebass 1999: „meine Loyalität vor dir“. Aber nach der Wortstellung muss man gewiss annehmen, dass dies zu einem anderen Satzteil gehört: (2a) Entweder &#039;&#039;kommt&#039;&#039; jemand oder etwas „über/wegen meinem Lohn &#039;&#039;zu Laban&#039;&#039;“ oder (2b) es geht um Jakobs „Lohn &#039;&#039;vor Laban&#039;&#039;“, also um die Tiere, wenn Laban sie sich einmal besieht.&amp;lt;br /&amp;gt;Geht man von (2a) aus, lässt sich der Satz unterschiedlich konstruieren; je nachdem, wer oder was „kommt“:&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
(3a) MT nämlich lässt sich nicht anders als nach (2b) auflösen: „Wenn du wegen/über meinen Lohn vor dir kommst“ &amp;gt; „wenn du kommst, damit mein Lohn vor dir sei“ &amp;gt; „wenn du kommst, um meinen Lohn zu besehen.“ Damit steht MT allerdings auch fast allein und wird nur gestützt durch Syr, TgJ, TgO und teilweise TgN. (Die Targumim und Syr zeigen dabei auch, dass „über jemandes Lohn kommen“ sehr wahrscheinlich kein Idiom mit einer Bed. wie „jemandes Lohnabrechnung überprüfen“ o.Ä. ist – so z.B. Hamilton 1995: „whenever you go over these wages of mine“ –, sondern dass „kommen“ absolut genommen werden muss: TgJ ersetzt „kommen“ durch „sein“, TgO hat die beiden Varianten „betreten“ und „gehen“, TgN und Syr nur „betreten“. Also: „Wenn du wegen meinem Lohn &#039;&#039;vorbeikommst&#039;&#039;“).&amp;lt;br /&amp;gt;(3b) LXX (+ VL&amp;lt;sup&amp;gt;S&amp;lt;/sup&amp;gt;) löst nach (2a) auf, setzt die selben Konsonanten wie MT voraus, deutet aber als Fem.-Verb mit der „Gerechtigkeit“ als Subjekt: „weil sie (=meine Gerechtigkeit) mein Lohn vor dir sein wird“ (via „...[als] mein Lohn vor dich kommt“?). Das soll wahrscheinlich das selbe bedeuten wie die oben erwähnte Deutung von Hieronymus &amp;amp; Co: „Am fraglichen Tag wird meine Gerechtigkeit offen zutage treten, denn du kannst sie ja direkt am Resultat ablesen, das ich wider alle Wahrscheinlichkeit erarbeitet habe.“ Ebenso löst verständlicher Raschi auf, deutet aber anders: „Meine Gerechtigkeit wird vor dich kommen und für mich Zeugnis ablegen.“, nämlich insofern, als du beim Besehen meines Lohns keinen Betrug feststellen wirst. Diese Deutung Raschis war in der frühen Neuzeit recht beliebt.&amp;lt;br /&amp;gt;(3c) SamP, VL&amp;lt;sup&amp;gt;O&amp;lt;/sup&amp;gt; und VUL dagegen haben oder setzen nicht &#039;&#039;tabo`&#039;&#039; voraus, sondern &#039;&#039;jabo`&#039;&#039; („er = mein Lohn / der künftige Tag kommt“). SamP offenbar: „denn er (=der kommende Tag) naht dir wegen meinem Lohn (?)“. Ähnlich VUL: „wenn dir der Tag der Absprache naht“ (via „am künftigen Tag, wenn [dieser] dir wegen meinem Lohn naht“?). Runder VL&amp;lt;sup&amp;gt;O&amp;lt;/sup&amp;gt;: „am künftigen Tag, wenn mein Lohn vor dich kommen wird“. Ball 1896 hält dies &#039;&#039;jabo`&#039;&#039; für ursprünglich, nimmt aber zusätzlich an, statt &#039;&#039;´al&#039;&#039; („wegen, über“) habe ursprünglich &#039;&#039;kol&#039;&#039; („all“) gestanden: „wenn all mein Lohn vor dich kommt“. Das ist möglich, aber nur indirekt durch VL belegt, deren Übersetzung anders unmöglich wäre. Mit VL und VUL gemeint wäre schlicht: „&#039;&#039;Wenn der Zahltag naht&#039;&#039;, werde ich mich als gerecht erweisen“. SamP verstehe ich (S.W.) ohne Balls zusätzliche Emendierung nicht; mit ihr ließe sich übersetzen wie in VL.&amp;lt;br /&amp;gt;(3d) Eine Variante im TgN setzt am glattesten statt &#039;&#039;tabo`&#039;&#039; („du kommst“) &#039;&#039;`abo`&#039;&#039; („ich komme“) voraus: „wenn ich wegen meinem Lohn vor dich komme“. Wieder wäre schlicht vom Zahltag die Rede. Leider ist dies so schwach bezeugt, dass man es gewiss als spätere Vereinfachung werten müssen wird.&amp;lt;br /&amp;gt;(4a) Einige neuere Übersetzungen haben sich stark davon leiten lassen, dass &#039;&#039;b*jom&#039;&#039; im Heb. keinen Artikel hat, und übersetzen daher: „An &#039;&#039;irgendeinem&#039;&#039; Tag“: „&#039;&#039;Wann immer&#039;&#039; du meinen Lohn besehen wirst, werde ich mich darin als gerecht erweisen, dass keine weißen Schafe und einfarbigen Ziegen in meiner Herde sind“ (so z.B. Allioli, LUT 12, MEN, TEX, ZÜR 31; gute Parallele in [[2 Samuel 18#s20 |2 Sam 18,20]]). Aber das macht nicht viel Sinn; Jakob wird als Labans Hirte ja immer auch solche Tiere bei sich haben. Die Artikellosigkeit ist wahrscheinlich auch nicht bedeutsam; auch mit zeitlicher Näherbestimmung kann &#039;&#039;jom&#039;&#039; offenbar als Constructus und daher artikellos konstruiert werden. S. z.B. [[Numeri 7#s78 |Num 7,78]]; [[2 Chroniken 29#s17 |2 Chr 29,17]]; [[Nehemia 9#s1 |Neh 9,1]], was gewiss nicht heißt: „&#039;&#039;ein&#039;&#039; zwölfter / sechszehnter / vierundzwanzigster Tag“. Alternativ muss man davon ausgehen, dass die Vrs., die mit „morgen“ übersetzen (TgJ, VL, ähnlich TgN, Syr), von einer Vokalisierung mit Artikel ausgingen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Alles, was nicht gesprenkelt und gefleckt [ist] unter den Ziegen und schwarz (braun, ?) unter den Lämmern – [als] gestohlen [gelte] es bei mir!“&lt;br /&gt;
{{S|34}} Da sagte Laban: „Deal! (Siehe!)&amp;lt;ref&amp;gt;Prima vista &#039;&#039;Siehe!&#039;&#039;. Im späteren Hebräisch heißt &#039;&#039;hen&#039;&#039; aber auch „Ja!“. Jesu Ausspruch „Euer Ja sei ein Ja!“ in [[Matthäus 5#s37 |Mt 5,37]] z.B. ist in b.B.M. 49a ähnlich überliefert als „dein &#039;&#039;hen&#039;&#039; sei redlich und dein ‚Nein‘ sei redlich!“ (gut Rosenmüller 1821, S. 472; BrSynt §4).&amp;lt;/ref&amp;gt; Durchaus geschehe [es] (nach deinem Wort/deinen Worten=), wie du gesagt hast!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|35}} Dann sonderte er (an diesem=) am selben Tag die gestreiften und gefleckten Ziegenböcke und alle gesprenkelten und gefleckten Zicken – alles, was weiß an sich [hatte] –&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;alles, was weiß an sich hatte&#039;&#039; ist nach MT, SamP-MSs, TgJ.O.N, VUL abschließende Zusammenfassung der vorangehenden Aufzählung. LXX, Syr, TgC und einige SamP-MSs dagegen hatten offenbar einen Text mit zusätzlichem „und“ vorliegen, wonach „alles, was weiß an sich hatte“ ein drittes Glied in dieser Aufzählung wäre: „die gestreiften und gefleckten Ziegenböcke und alle gesprenkelten und gefleckten Zicken und alles was weiß an sich hatte und alles Schwarze unter den Lämmern.“ In VL schließlich fehlt merkwürdigerweise das ganze Glied – eine Vereinfachung, weil dies schon mit den beiden vorangehenden Gliedern gesagt wurde, oder ein (zu) schwaches Zeugnis für einen kürzeren Wortlaut? Am Sinn änderte es jedenfalls jeweils nicht viel.&amp;lt;/ref&amp;gt; und alles Schwarze (Braune, ?)&amp;lt;ref name=&amp;quot;schwarz&amp;quot; /&amp;gt; unter den Lämmern.&amp;lt;ref&amp;gt;Welche Tiere genau Laban aussondert, sollte man wahrscheinlich nicht zu genau nehmen (wie z.B. die alten jüdischen Ausleger es taten), à la: „Dann bleiben ja immer noch gesprenkelte Böcke, gestreifte Zicken und schwarze Mutterschafe übrig!“ Die genaue Auflistung soll wahrscheinlich vielmehr unterstreichen, wie weitreichend Laban aussondert: „gefleckt“ wird gleich doppelt genannt, mit „Böcken, Zicken und Lämmern“ wird über dieses „Vater, Mutter, Kind“-Schema jedes Alter und Geschlecht genannt; die Ziegen werden unnötig noch einmal durch „alles, was nur irgendetwas Weißes an sich hatte“ zusammengefasst und direkt aufeinander folgt „weiß“ und „schwarz“ als Quasi-Merismus.&amp;lt;br /&amp;gt;Mit diesem Vers setzen außerdem zwei Wortspiele ein: (1) „Laban“ heißt „der Weiße“; es ist daher vielsagend, dass Laban „alles, was weiß an sich hatte“ zu sich nimmt, obwohl dieser Ausdruck vorher noch nicht fiel. (2) „Jakob“ könnte auch „der Gestreifte“ heißen (s. zu [[Genesis 25#s26 |Gen 25,26]]). Dass Laban auch die „gestreiften“ Tiere entfernt, obwohl wieder auch von diesen Tieren zuvor gar nicht die Rede war, ist ebenso vielsagend: Laban entfernt nicht nur alles, was sein ist, sondern sogar explizit auch noch die „Jakobs-Tiere“ aus Jakobs Herde. Jakob wird sich gleich dafür rächen, indem er Äste „labant“ („so einschneidet, dass &#039;&#039;weißes&#039;&#039; Holz sichtbar wird“) und so nicht nur „Jakobs-Tiere“ züchtet, sondern auch Tiere „mit &#039;&#039;laban&#039;&#039;“, die &#039;&#039;ihm&#039;&#039; gehören werden: Jakob wird den Enteigner enteignen (ähnlich gut Park 2010).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;´aqudim&#039;&#039; („gestreift“) ist allerdings textkritisch nicht ganz sicher: LXX, VL, Syr und TgN übersetzen, als stünde wie im folgenden Glied &#039;&#039;nequdim&#039;&#039; („gesprenkelt“). MT wird aber v.a. gestützt durch Sym und TgO, die dem neuen Wort die seltsame Bed. „weißfüßig“ geben (so auch einige jüd. Ausleger). Danach ist die Variante von LXX &amp;amp; Co. sehr wahrscheinlich als versehentliche Assimilation zu werten.&amp;lt;/ref&amp;gt; Und er gab&#039;s in die Hand seiner Söhne&lt;br /&gt;
{{S|36}} und legte eine Weg[strecke] von drei Tagen zwischen sich (zwischen sie?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Die Alternative bezeugen LXX und SamP. Das ist runder als der Wortlaut von MT, da &#039;&#039;Laban&#039;&#039; laut dem vorangehenden Vers ja gar keine Tiere bei sich hat und daher keinen Abstand zu Jakob einhalten muss. Damit ist gleichzeitig wahrscheinlich, dass die Textvariante in LXX spätere Vereinfachung ist.&amp;lt;br /&amp;gt;Eine weitere Variante bezeugt Syr: „Er (=Jakob) legte eine Wegstrecke von drei Tagen zwischen sich und &#039;&#039;Laban&#039;&#039;“; klar ebenfalls eine nachträgliche Textänderung vermutlich aus dem Grund, dass der Rest des Verses von Jakob spricht und man wirklich annehmen darf, dass Laban zum „Einlegen“ dieser Distanz nicht selbst fortgezogen ist, sondern Jakob fortgeschickt hat.&amp;lt;/ref&amp;gt; und {zwischen} Jakob (Laban).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Jakob (Laban)&#039;&#039; - Die Variante steht nur in Syr. Man muss sie ernst nehmen: Dass in Vv. 35f. &#039;&#039;Laban&#039;&#039; und nicht Jakob handelt, muss erst aus diesem Wort erschlossen werden; die beiden Verse überraschen auch, nachdem Jakob in V. 32 gesagt hat, &#039;&#039;er&#039;&#039; werde durch die Herde gehen (s. die Anmerkungen). Auch literarisch erklärte die Syr-Variante einige Auffälligkeiten des Textes besser; allem voran diese: In [[Genesis 31#s20 |Gen 31,20]] „stiehlt Jakob das &#039;&#039;leb&#039;&#039; von Laban“ (sein „Herz“), hier nimmt jemand aus Labans Herde „alles, was &#039;&#039;laban&#039;&#039; an sich hat“ („weiß“ an sich hat) – beide Wortspiele passten noch besser zusammen, wenn auch hier &#039;&#039;Jakob&#039;&#039; dass &#039;&#039;Labane&#039;&#039; an sich nimmt, wie er auch im Folgenden &#039;&#039;Labanes&#039;&#039; für seine Herde produzieren wird (s.o.). Wäre die Variante etwas stärker bezeugt als nur durch Syr, würde man sie zweifellos für ursprünglich und den Text von MT für eine ideologische Korrektur halten, mit der Jakob vom Vorwurf freigemacht werden soll, er habe sich widerrechtlich auch die &#039;&#039;gestreiften&#039;&#039; Böcke und überhaupt „alles, was weiß an sich hatte“ angeeignet. Da die Variante aber eben nur durch Syr gestützt wird, halten alle Ausleger diese Variante für sekundär.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{Und} Jakob weidete das übrige Kleinvieh Labans.&lt;br /&gt;
{{S|37}} Dann nahm sich Jakob weißes Geäst: Storax (=Weiß-Baum; Pappel?) und Mandel und Platane (=Nackt-Baum).&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Baumarten 3.png|mini|Drei Baumarten in Gen 30,37. (c) 1: [https://identify.plantnet.org/ru/the-plant-list/species/Styrax%20officinalis%20L./data identify.plantnet.org], 2: [https://www.youtube.com/watch?v=fThjdPaX78Q Youtube: Arresha], 3: [https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/f/f4/Platanus_wrightii_bark.jpg/256px-Platanus_wrightii_bark.jpg Wikimedia]]]Die drei Baumarten entsprechen in ihrer Zahl den drei Mustern der Ziegen: gestreift, gefleckt und gesprenkelt. Warum gerade diese drei Bäume gewählt wurden, lässt sich auch einigermaßen erklären: Die Identität ist zwar nur beim Mandelbaum unumstritten (&#039;&#039;luz&#039;&#039;; so heißt die Mandel auch im Arabischen). Aber auch beim letzten Baumnamen &#039;&#039;´armon&#039;&#039;  (w. „Nackt-Baum“, nur noch in [[Ezechiel 31#s8 |Ez 31,8]]; [[Jesus Sirach 24#s14 |Sir 24,14]]) sind sich die meisten Pflanzenkundler einig, und warum sie so einheitlich mit LXX auf die Platane deuten (so z.B. Löw 1924, S. 65; Moldenke / Moldenke 1952, S. 180; Musselman 2012, S. 116), erklärt sich auch leicht: Wie auf dem Bild ganz rechts zu sehen ist, schält sich die Platane von selbst (daher „Nackt-Baum“), ist damit natürlich gescheckt und deshalb vielleicht auch besonders gut geeignet, um auf die beschriebene Weise gescheckte Tiere zu produzieren. Bei &#039;&#039;libneh&#039;&#039; (w. „Weiß-Baum“, sonst nur noch in [[Hosea 4#s13 |Hos 4,13]]) allerdings schwanken Pflanzenkundler zwischen „Pappel“ (so z.B. Löw 1924, S. 338f.; Moldenke / Moldenke 1952, S. 225; so LXX in Hos 4,13) und „Storaxbaum“ (so z.B. Rosenmüller 1830, S. 261; Zohary 1986, S. 118; so LXX hier). Stark für den Storaxbaum spricht aber, dass er auch im Arabischen u.a. &#039;&#039;livnah&#039;&#039; / &#039;&#039;luvnah&#039;&#039; heißt. Wie man auf dem Bild links sieht, gilt für ihn ähnliches wie für die Platane, wenn auch weniger stark ausgeprägt. Der Mandelbaum fällt dann aus dem Muster. Ist wirklich die Färbung Grund für die Wahl gerade dieser drei Bäume, wie dies Storaxbaum und Platane nahelegen, muss man bei den Mandel-„Ästen“ vielleicht an sehr dicke Äste denken: Charakteristisch für den Mandelbaum ist eine auffällige Färbung im &#039;&#039;Querschnitt&#039;&#039; des Holzes.&amp;lt;/ref&amp;gt; Er spalte in sie weiße Spalte (entrindete von ihnen Rinde?),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;er spaltete Spalte&#039;&#039; - Heb. &#039;&#039;paṣal&#039;&#039;, nur hier belegt. Im Aramäischen heißt das genaue Kognat „spalten“, im Syrischen „spalten, öffnen“, im Mittelhebräischen ebenfalls „spalten“. (Fast?) alle geben dem Wort dennoch die Bed. „schälen“, weil scheinbar alle alten Vrs. so übersetzen. Bei LXX und VUL ist das wirklich so; dort liegt dies aber daran, dass sie den Vorgang noch genauer ausfabulieren: Für beide hätte Jakob die Äste derart partiell geschält, dass die verbliebene Rinde Muster bildete, die den erwünschten Fellmustern der Tiere entspräche. Diese Tradition ist auch bei den jüd. Auslegern reich belegt. Syr und die Targumim dagegen sind weniger klar; alle übersetzen mit &#039;&#039;qalap&#039;&#039;, was man in Wörterbüchern ebenfalls als „abschälen“ listet. Dass das Wort diese Bedeutung &#039;&#039;auch&#039;&#039; haben kann, ist sicher, z.B. in b.Nid 17a. Gleichzeitig steht die selbe Wortform aber z.B. in [[Psalm 78#s47 |Ps 78,47]], wo das hebräische „er erschlug ihre Weinstöcke mit Hagel“ angeblich durch „er schälte ihre Weinstöcke mit Hagel“ übersetzt worden sein soll, oder in [[2 Könige 18#s16 |2 Kön 18,16]], wo das hebräische „er zerbrach den Torflügel“ angeblich mit „er schälte die Tore ab“ übersetzt worden sein soll (s. [https://cal.huc.edu/showlevy.php?page=2:366 Levy, ChW 366]). Beide Belegstellen machen sehr wahrscheinlich, dass auch dieses Wort im D-Stamm auch „zerschlagen, abschlagen“ bedeuten kann. Die Vrs. sind also kein so sicherer Wegweiser, wie es zunächst scheint.&amp;lt;br /&amp;gt;In Wörterbüchern rechtfertigt man die Bed. „schälen“ etymologisch mit Verweis auf arabisches &#039;&#039;BṢL&#039;&#039; II („Rinde abschälen“). Neuerdings verweist man außerdem gelegentlich auf ein ugaritisches &#039;&#039;pzl&#039;&#039;, bei dem man erstens erst noch zusätzlich annehmen muss, dass es nur Nebenform eines unbelegten &#039;&#039;pṣl&#039;&#039; sei, und zweitens, dass „dem Menschen wird seine Schwäche abgeschält“ ein sinnvoller Ausdruck sei, weil sein Ausspruch z.B. begleitet wäre vom Ritual, eine Zwiebel zu schälen (Bordreuil / Caquot 1980, S. 349; Saracino 1982, S. 341; Hamilton 1995). Das ist schwerlich eine ausreichend sichere Basis, um auf ihr die Deutung des heb. Wortes abstützen zu dürfen; angesichts der Existenz von arab. &#039;&#039;BṢL&#039;&#039; ist es außerdem eine ganz unnötige Annahme.&amp;lt;br /&amp;gt;Wägen wir dann zwischen „spalten“ und „Rinde abschälen“ ab, liegt auch unabhängig von diesem Ugaritistik-Vorschlag „spalten“ näher: Erstens läge statt der Präp. &#039;&#039;b-&#039;&#039; die Präp. &#039;&#039;m-&#039;&#039; näher, wenn gesagt werden sollte, dass „&#039;&#039;von&#039;&#039; den Ästen“ Rinde „abgerindet“ worden sei. Und zweitens ist in der Etymologie das Aramäische und Mittelhebräische doch indikativer für das Bibelhebräische als das Arabische (oder Ugaritische). Dass dies die bessere Option ist, ist also insgesamt fast sicher.&amp;lt;/ref&amp;gt; [derart] das Weiße freilegend, das an den Ästen [war].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|38}} Dann setzte (legte, stellte) er die Äste, die er gespalten hatte, in (an) die Tröge ([Wasser-]Läufe?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Nicht: &#039;&#039;Wasserläufe&#039;&#039;, was verwandt mit aram. &#039;&#039;rahaṭ&#039;&#039; („laufen“) wäre, sondern nach [[Exodus 2#s16 |Ex 2,16]] klar „Sammelbehälter“, verwandt mit arab. &#039;&#039;rahaṭa&#039;&#039; („gesammelt werden“, vgl. Nöldeke 1897, S. 187).&amp;lt;/ref&amp;gt; an den Tränkeplätzen des Wassers, zu denen (fürs Wasser-Trinken, wohin)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039; - Die Alternative nur in SamP, VL und VUL, wohl um das leicht redundante „in die Tröge an den Tränkeplätzen des Wassers“ zu glätten (richtig BHQ, Tröndle 2023, S. 167).&amp;lt;/ref&amp;gt; das Kleinvieh (üblicherweise) kam, um im Angesicht des Kleinviehs zu trinken (um zu trinken – [direkt] vor die Augen des Kleinviehs).&amp;lt;br /&amp;gt;{Und} Sie waren brünstig,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;brünstig werden&#039;&#039; ist im Heb. auffällig gebaut: mit maskulinem Prä- und femininem Suffix. Die Masoreten haben diese Stelle und [[1 Samuel 6#s12 |1 Sam 6,12]]; [[Daniel 8#s22 |Dan 8,22]] daher damit kommentiert, dass hier jeweils ein „androgyne Wortform“ stünde. Zur Form vgl. aber Mey II §63.4b: Obwohl es in unserem Kontext so scheinen könnte, ist sie insgesamt nicht bedeutsam. Zur Bed. d. Wortes und gegen das theoretisch ebenfalls passende „einander begatten“ vgl. Hieronymus, Hebraicae Quaestiones. „Werfen“, „gebären“, wie noch häufiger übersetzt wird, passt nicht mal vom Kontext her.&amp;lt;/ref&amp;gt; wenn sie zum Trinken kamen,&lt;br /&gt;
{{S|39}} (und=) ergo war das Kleinvieh brünstig (zu den Ästen=) auf die Äste hingewandt, und das Kleinvieh gebar [daher] Gestreiftes, Gesprenkeltes und Geflecktes.&amp;lt;ref&amp;gt;(1) Einer der frühesten klaren Beleg der „Kallipädie“-Vorstellung, also des Glaubens daran, das Aussehen eines Nachkommen werde bestimmt von dem, was seine Mutter im Moment der Empfängnis und/oder kurz danach vor Augen / im Kopf hat. Entweder funktioniert Jakobs Technik so, dass die Äste &#039;&#039;ins&#039;&#039; Wasser gelegt werden, so dass sich im Wasser das Spiegelbild der dunklen Ziegen und die gescheckten und gestreiften Äste zu gescheckten und gestreiften Ziegen überlagern. Oder – wahrscheinlicher wegen der Formulierung „angesichts der Herde“ – sie funktioniert so, dass die Äste derart &#039;&#039;an&#039;&#039; die Wasserläufe gestellt werden, dass sie als Sichtschutz den Blick der sonst „angesichts der Herde trinkenden“ Tiere auf diese Herde versperren, so dass ihnen in ihrer Erregung statt dunklem Vieh geschecktes Geäst vor Augen ist (so LXX, VUL: „angesichts der Äste“). Oder man verbindet beides wie Syr: „in die Tröge, zu denen das Kleinvieh üblicherweise kam, um &#039;&#039;einander gegenüber&#039;&#039; zu trinken“. Ähnlich Westermann 1981; Boecker 1992 und Krauss / Küchler 2004, die „angesichts des Kleinviehs“ nicht vom „Trinken“ abhängen lassen, sondern vom „in-die-Tröge-Legen“ (s. die Alternativübersetzung). Am ehesten hat wirklich Syr das „angesichts der Herde“ richtig verstanden. So und so wäre es dann jeweils die Tatsache, dass sie ein geschecktes Bild vor Augen haben, die dazü führte, dass die Ziegen farbige Nachkommen zeugen und empfangen.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Parallelen&#039;&#039;&#039;: Noegel 1997, S. 9 wendet ein, diese Vorstellung sei das erste Mal im 5. Jhd. n. Chr. belegt, aber das ist nicht wahr. Aristoteles schreibt schon im 4. Jhd. v. Chr., tierische Nachkommen ähnelten ihren Eltern mehr als menschliche Nachkommen, da Menschen „im Moment der Zeugung Unterschiedlicheres durch den Kopf geht als Tieren“ (Problemata 10.10), und Aetius zitiert Empedokles (5. Jhd. v. Chr.), der das selbe Phänomen damit erklärt, „&#039;&#039;[dass] Embryos durch die Einbildungskraft der Frau zur Zeit ihrer Empfängnis geformt werden. Denn häufig verlieben sich Frauen in Statuen von Männern und in Bilder und bringen dann Nachwuchs hervor, das diesen ähnelt&#039;&#039;“ (Doxographi Graeci 5.12.2; Üs. nach Doninger / Spinner 1998, S. 100). Ihren ausführlichsten antiken Ausdruck findet diese Vorstellung in der Gynäkologie des Soranus von Ephesus, der im 4. Jhd. n. Chr. schreibt: „&#039;&#039;Wunderbarerweise hat auch der Zustand der Seele Einfluss auf die Gestaltung des Empfangenen. So wurden solche, die im Augenblicke des Coitus Affen sahen, mit affenähnlichen Wesen schwanger. Ein missgestalteter Herrscher von Kypros zwang seine Gattin während des Coitus auf sehr schöne Statuen zu blicken und erzeugte so schön gestaltete Kinder. Die Pferdezüchter stellen beim Bespringen vor die Stuten edle Tiere [!].&#039;&#039;“ (§39, Üs. [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN543073386?tify=%7B%22pages%22%3A%5B39%5D%2C%22pan%22%3A%7B%22x%22%3A0.454%2C%22y%22%3A0.359%7D%2C%22view%22%3A%22info%22%2C%22zoom%22%3A1.102%7D Lüneburg]). Stol 2000, S. 156 glaubt, diese Vorstellung lasse sich sogar schon in babylonischen Texten nachweisen, und zitiert u.a. den folgenden Text, bei dem dies wirklich wahrscheinlich ist: „&#039;&#039;Die Frau eines Mannes wurde von einem anderen schwanger und wird fortwährend zu Ischtar beten und dabei die ganze Zeit auf ihren Mann blicken: ‚Ich werde das, was in meinem Leib ist, aussehen lassen wie meinen Ehemann!‘&#039;&#039;“ (BRM 4 12:36f.). Sehr viele weitere Belegstellen findet man bei [https://books.google.de/books?id=T2yFHAAACAAJ&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA1 Preuß 1892].&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Alternative?&#039;&#039;&#039;: (2) Einigen neueren Auslegern ist es offenbar unangenehm, dass sich solcher Aberglaube auch in der Bibel finden soll, und erklären die Szene daher stattdessen mit moderner Biologie: Die Schwärze schwarzer Schafe und die Färbung farbiger Ziegen seien rezessive Erbanlagen, die auch in äußerlich weißen Schafen und schwarzen Ziegen angelegt sein können. So sei „wirklich“ zu erklären, wie die gefärbten Tiere geboren wurden, und Jakobs „Ast-Aktion“ sei nur ein Täuschungsmanöver gewesen, mit dem Jakob vor Laban verbergen wollte, dass er tatsächlich raffinierte Zuchtmethoden anwandte (z.B. Etkin 1965; Feliks 1997; Alter 1996, S. 165). Was damit gewonnen sein soll, verstehe ich (S.W.) nicht: auch dann würde die Erzählung ja die Kallipädie-Vorstellung voraussetzen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|40}} Die Lämmer wiederum separierte Jakob, und machte, [dass] in der Herde Labans die Gesichter des Kleinviehs (zu=) hingewandt auf das Gestreifte und alles Schwarze (Braune, ?)&amp;lt;ref name=&amp;quot;schwarz&amp;quot; /&amp;gt; war.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Trick mit den Ziegen wird variiert mit den Lämmern wiederholt: In Ermangelung schwarzer Schafe sorgt Jakob dafür, dass die weißen Schafe in der Herde Labans in ihrer Brunst Gestreiftes und Schwarzes – nämlich Jakobs Ziegen und Labans Ziegen – vor Augen haben, so dass auch Labans Schafe gestreifte und schwarze Junge für Jakob gebären.&amp;lt;br /&amp;gt;„in der Herde Labans“ nehme ich mit Rosenmüller 1821 und Baumgarten 1843 als Ortsangabe des Verbs („er tat das in der Herde Labans“), nicht als Spezifikation von „das Gestreifte und alles Schwarze (in der Herde Labans)“, da „das Gestreifte“ ja &#039;&#039;Jakob&#039;&#039; gehört.&amp;lt;br /&amp;gt;Möglich vielleicht auch: „Er machte, dass (die Gesichter=) die Besten des Kleinviehs auf das Gestreifte und alles Schwarze hingewandt war“ (so nach Ehrlich 1908, S. 151f.). Aber dieser Sprachgebrauch „Gesicht“ = „Bestes“ ist sonst unbelegt.&amp;lt;br /&amp;gt;Möglich vielleicht außerdem: „Er machte, dass an den (Gesichtern=) besten Positionen der Herde das Gestreifte und alles Schwarze war“ (so Fokkelman 1975 nach TgJ; TgO; Syr). Dito, und wie dies mit der Präp. &#039;&#039;`el&#039;&#039; zusammenstimmen soll, verstehe ich (S.W.) nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; So stellte er sich eigene Herden auf und stellte sie nicht zum Kleinvieh Labans hinzu.&lt;br /&gt;
{{S|41}} Und {so sollte es geschehen} die ganze Brunst (die ganze Zeit der Brunst)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: LXX, TgJ, TgO und Syr-MSS wie in der Alternative, indem sie nach „ganz“ ein zusätzliches &#039;&#039;`et&#039;&#039; („Zeit“) voraussetzen wie ähnlich in in [[Genesis 31#s10 |Gen 31,10]]. Wohl nicht auch VUL (so BHQ, Wevers 1993, S. 494): In „als zur ersten Zeit die Schafe bestiegen wurden“ ist dies „zur ersten Zeit“ mindestens mit-beeinflusst von der Rede vom Brünstig-werden der „gebundenen=starken Schafe“; s. nächste FN. Die längere Textvariante mit &#039;&#039;´et&#039;&#039; jedenfalls halten z.B. Ball 1896, BHK, BHS und z.B. Seebass 1999 und Ruppert 2005 für ursprünglich, aber weit wahrscheinlicher wurde hier der ungewöhnliche Ausdruck an den gebräuchlicheren in Gen 31,10 angeglichen.&amp;lt;/ref&amp;gt; des starken (gebundenen)&amp;lt;ref name=&amp;quot;stark&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;(gebunden=) stark&#039;&#039; (V. 41) vs. &#039;&#039;schwach sein (bedeckt sein, verschmachten)&#039;&#039; (V. 42) - W. &#039;&#039;gebunden&#039;&#039; vs. &#039;&#039;bedeckt&#039;&#039; / &#039;&#039;verschmachtend&#039;&#039;. Heute wird das erste Wort fast einheitlich nach dem Arabischen erklärt und so als „stark“ gedeutet und sodann das zweite in der Bed. umgebogen von „verschmachtend“ zu „schwächlich“. Dem sollte sich die LF anschließen. Sehr gut zu rechtfertigen ist aber v.a. die Deutung des zweiten Wortes nicht (richtig Rav Hirsch: Es „bezeichnet immer zeitlich eingetretene Schwächezustände, nicht aber eine konstitutionelle Schwäche“). Ich (S.W.) möchte daher als Alternative vorschlagen: „Die im Frühling brünstigen Schafe“, die zu dieser Zeit zum Scheren „angebunden“ und daher als „die Gebundenen“ bezeichnet wurden, vs. „die Schafe zur Zeit der Herbst-Brunst“, die zu dieser Zeit „die Bedeckten“ genannt wurden, weil ihnen ab da das Winterfell zu wachsen begann (letzteres schon im Machberet Menachem und bei Raschi). Der Wurf der Ersteren wäre besser als der Wurf der Letzteren, weil Herbstlämmer besseres Futter fanden als Frühlingslämmer. Vgl. Plinius, Naturalis historia viii 72: „&#039;&#039;[Bei Schafen] geht die Zeit der Paarung vom [13. Mai] bis zum [23. Juli]. Die Tragezeit beträgt 150 Tage. Lämmer, die vor dieser Zeit gezeugt werden, sind schwächlich. Die Alten nannten die, die danach [= nach dem 23. Juli] geboren wurden [also im wünschenswerten Zeitraum gezeugt wurden], &#039;&#039;cordi&#039;&#039; [=Gebundene]. Viele ziehen wintergeborene Lämmer den frühlingsgeborenen vor ... Es gibt zwei Hauptarten von Schafen: &#039;&#039;tectum&#039;&#039; [=(von Wolle) bedeckt] und &#039;&#039;colonicum&#039;&#039; [=„Zuchtschaf“? W. „Ackerbau-Schaf“]. Ersteres ist weicher, letzteres delikater, weil es [wegen der Schur selbst von Disteln gequält wird].&#039;&#039;“ (letzte Klammer Konjektur nach Rackham 1940, S. 132. Zu den schwächeren Spätgeborenen vgl. auch Columella, De re rustica vii 3; Varro, De re rustica ii 2.13f.; bei allen dreien auch die genannte Begründung mit dem Futter). So deuteten mit anderen Erklärungen der Wörter auch fast alle Alten, s.u. Ähnlich noch LUT 12: „Wenn aber der Lauf der Frühling-Herde war, legte er die Stäbe [hinein...], aber in der Spätlinge Lauf legte er sie nicht hinein.“. Ähnlich auch Wellhausen 1899, S. 40, der aber &#039;&#039;jaḥam&#039;&#039; falsch mit „werfen“ statt „brünstig sein“ übersetzt: „Immer, wenn die Schafe, die Frühlingslämmer warfen, besprungen wurden ..., wenn sie aber Spätlinge warfen... Und so bekam Laban alle Herbstlämmer und Jakob alle Frühlingslämmer“.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Genauer&#039;&#039;&#039;: Vv. 41.42 kontrastieren zwei Tier-„Klassen“, nämlich &#039;&#039;maquššarot&#039;&#039; in V. 41 und &#039;&#039;´aṭupim&#039;&#039; in V. 42. Beide Klassen stehen im Gegensatz zueinander, was dadurch noch unterstrichen wird, dass die erste in V. 41 mit einem femininen Wort bezeichnet wird, die zweite in V. 42 mit einem maskulinen. &#039;&#039;´aṭap&#039;&#039; heißt w. „sich bedecken, kleiden, verstecken“ ([[Ijob 23#s9 |Ijob 23,9]]; [[Psalm 65#s14 |Ps 65,14]]; [[Psalm 73#s6 |73,6]]; [[Jesus Sirach 11#s4 |Sir 11,4]]) und danach häufiger übertragen „verschmachten, traurig sein“ (ähnlich im Arab.: &#039;&#039;ġašiya&#039;&#039; „bedecken“ – &#039;&#039;ġušiya&#039;&#039; „ohnmächtig werden“), sonst aber nie: „schwächlich sein“. Und &#039;&#039;qašar&#039;&#039; heißt häufig „binden, verbinden, verbünden“; bei Tieren auch „anbinden“ ([[Ijob 39#s10 |Ijob 39,10]]; [[Ijob 40#s20 |40,29]]). Beide Worte treffen sich übrigens darin, dass sie von Schmuck oder prächtiger Kleidung gesagt werden können, mit denen man sich „bedeckt“ ([[Psalm 73#s6 |Ps 73,6]]) oder die man sich „umbindet“ ([[Jesaja 49#s18 |Jes 49,18]]), aber das scheint hier nicht bedeutsam zu sein. Es klingt also so, als würden hier die „(an)gebundenen“ Tiere in V. 41 mit den „bedeckten“ oder „verschmachtenden“ Tieren in V. 42 konstrastiert werden.&amp;lt;br /&amp;gt;Die Alten erklären fast sämtlich grob als „die frühen“ vs. „die späten“ Tiere (Sym exakt so: „die Frühen“ vs. „die Späten“), nämlich entweder genauer (1) als „einander früh vs. spät begattend“ (VUL, wahrscheinlich Raschbam, ähnlich Raschi: „die Schafe, die sich miteinander &#039;&#039;verbündeten&#039;&#039;, um früh gebären zu können“) oder (2) „früh vs. spät geboren“ (Syr, alle Targumim, Radak, ibn Ezra). Vgl. auch im Midrasch: „&#039;&#039;Rabbi Jochanan (2./3. Jhd.) sagte: ‚Die frühgeworfenen Schafe gehörten dem Laban.‘ Resch Lakisch (3. Jhd.) dagegen sagte: ‚Die spätgeworfenen Schafe gehörten dem Laban.‘&#039;&#039;“ Die Logik hinter (2) war bei manchen wahrscheinlich auch die Annahme, dass man regulär Erstgeburten markierte, indem man ihnen eine Schnur umband (s. [[Genesis 38#s28 |Gen 38,28]]); so erklärt nämlich explizit der anonyme Kommentator in Daat Zekenim („Auslegung der Alten“, 12./13. Jhd.) und Aq kontrastiert „die &#039;&#039;Gebundenen&#039;&#039;“ mit „den Spätgeborenen“. Danach hätte sich die Deutung der &#039;&#039;´aṭupim&#039;&#039; als „Spätgeborene“ von selbst ergeben; jedenfalls gibt es für dieses Wort bei den Alten keine ähnliche Erklärung wie beim ersten Wort, warum es die „späten“ Schafe bezeichnen soll. Hieronymus allerdings erläutert, dass „der &#039;&#039;Frühlingswurf&#039;&#039; der Bessere“ war, wonach sich „Frühgeboren“ vs. „Spätgeboren“ auf die beiden Wurf-Zeiten von Schafen im Jahreslauf bezöge (Schafe tragen durchschnittlich fünf Monate und können daher zweimal pro Jahr werfen). Danach müssen wir bei den Alten eigentlich anders differenzieren: (1&#039;) Erstgeburt vs. Nachgeburten, (2&#039;) Frühlingsschafe vs. Herbstschafe, wobei sich hier bei den Alten dann ebenfalls nicht herauslesen lässt, wie sie zu dieser Deutung kamen. Daneben als Sondermeinungen: (3) LXX: „schwanger“ vs. „gebärend“, was schwerlich Sinn macht (so schon Hieronymus). (4) Ramban: „gebunden“ = „einander verbunden“: Tiere, die feste Partner hatten. (5) Midrasch Lekach Tob: „verbündet“ = „diejenigen, die stark genug waren, sich zusammenzurotten“ vs. verschmachtend und daher schwach.&amp;lt;br /&amp;gt;Die meisten Autoren der frühen Neuzeit deuten als „Frühlings- und Herbstschafe“, erklären dann aber die ersteren als „anzubindende = starke Schafe“ (z.B. Franziskus Vatablus, Jakob Bonfrère, Jean de La Haye). [https://books.google.de/books?id=NjxBAAAAcAAJ&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA100 Schultens 1769, S. 100-103] und [https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/freimann/content/pageview/557558 Michaelis 1792b, S. 708f.] haben dies schließlich vereinfacht durch Verweis auf das Arabische, wo manche Worte mit der Grundbedeutung „binden“ auch „stark sein“ bedeuten, und seither steht in Kommentaren regelmäßig ohne weitere Erläuterung „die Starken“ vs. „die Schwachen“ (übrigens gibt es auch im Deutschen ähnliche Wort-Parallelen: „sehnig“ = „kräftig“; ähnlich sprechen wir von „Muskel-&#039;&#039;Strängen&#039;&#039;“). Das erste Wort ließe sich mit den arabischen Parallelen wirklich gut erklären, beim zweiten allerdings ist die Umdeutung von „verschmachtend“ zu „von schwächlicher Konstitution“ aber weniger gut zu rechtfertigen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Kleinviehs setzte (stellte, legte)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Weqatal, nicht Waw-Qatal (wie z.B. WHM analysiert); Waw-Qatal machte nach &#039;&#039;wehajah&#039;&#039; schwerlich Sinn. Das Yiqtol in SamP und Syr ist dafür nur eine Ausdrucksvariante (ähnlich häufiger in SamP), nicht „Assimilation an V. 42“ (BHQ).&amp;lt;/ref&amp;gt; Jakob die Äste vor die Augen des Kleinviehs in (an) die Tröge, so dass es bei den Ästen brünstig wurde.&lt;br /&gt;
{{S|42}} Wenn aber schwach war (bedeckt war, verschmachtete)&amp;lt;ref name=&amp;quot;stark&amp;quot; /&amp;gt; das Kleinvieh, setzte (stellte, legte) [er sie] nicht [hinein]. So wurden die schwachen (bedeckten, verschmachtenden)&amp;lt;ref name=&amp;quot;stark&amp;quot; /&amp;gt; Labans [Tiere] und die starken (gebundenen)&amp;lt;ref name=&amp;quot;stark&amp;quot; /&amp;gt; Jakobs [Tiere].&lt;br /&gt;
{{S|43}} (Der Mann breitete sich sehr, sehr aus=) So breitete sich sein Besitz sehr, sehr aus; (ihm wurden=) er gewann viel Kleinvieh und Mägde und Knechte und Kamele&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Kamele&#039;&#039; müssen kein Anachronismus sein, wie man auch in aktuellen Kommentaren noch häufig lesen kann: Der frühste klare Beleg für das domestizierte Kamel stammt aus dem 18. Jhd. v. Chr. aus Alalakh (Syrien; vgl. Bulliet 1975, S. 64). Das ließe sich selbst mit der biblischen Chronologie vereinbaren, nach der Jakob etwa in diesem Zeitraum gelebt hätte.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Esel. {{par|Genesis|12|16}} {{par|Genesis|24|35}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entweder ist für Jakob die Geburt seines jüngsten Sohnes von seiner Lieblingsfrau in &#039;&#039;&#039;V. 25&#039;&#039;&#039; das Signal, dass es nun endlich Zeit ist, aufzubrechen, oder der Vers sagt, dass durch glückliche / göttliche Fügung die langersehnte Geburt von Rahels Kind mit dem Ende des vierzehnjährigen Dienstens Jakobs bei Laban zusammenfällt. So und so: Endlich scheint die Zeit zur Rückkehr gekommen zu sein. Zwei Dinge stehen dem aber noch entgegen: Rechtliche Schwierigkeiten und Jakobs Armut. Beide Schwierigkeiten werden im Folgenden behoben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vv. 26-43&#039;&#039;&#039; schildern daher die letzten Jahre Jakobs bei Laban und genauer, wie Jakob bei Laban neben reicher Nachkommenschaft auch großen Reichtum erlangt. Der Abschnitt gliedert sich grob in eine Lohnverhandlung in Vv. 26-34, bei der auch besagte rechtliche Schwierigkeiten thematisiert werden, in einen ersten Vertragsbruch Labans in Vv. 35f. und in den Bericht über den Erfolg Jakobs als Viehzüchter in Vv. 35-43. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vv. 26-31b&#039;&#039;&#039; sind kunstvoll gebaut (das Folgende in Anlehnung an Tröndle 2023, S. 169): Die Lohnverhandlung wird dominiert von einem doppelten Verweis auf Jakobs Dienst, der Laban reich gemacht hat (Vv. 26b.29) und einem Verweis auf Gottes Segen, der auf Jakob liegt (Vv. 27.30). Um diese Vv. 26b-27 und 29-30 herum und dazwischen findet die Verhandlung darüber statt, was Laban Jakob „geben“ soll:&lt;br /&gt;
* V. 26a: „&#039;&#039;Gib&#039;&#039; mir meine Frauen und meine Kinder!“&lt;br /&gt;
* Vv. 26b-27: Jakobs Dienst und Gottes Segen&lt;br /&gt;
* V. 28: „Bestimme den Lohn, den ich zu zahlen habe, und ich werde ihn &#039;&#039;geben&#039;&#039;“&lt;br /&gt;
* Vv. 29-30: Jakobs Dienst und Gottes Segen&lt;br /&gt;
* V. 31: „Was soll ich dir &#039;&#039;geben&#039;&#039;?“ – „Du musst mir gar nichts &#039;&#039;geben&#039;&#039;, wenn...“,&lt;br /&gt;
woran sich in Vv. 31b-34 die Absprache des Deals anschließt, den Jakob und Laban schließlich machen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auf den ersten Blick wirkt die Verhandlung damit recht einfach. Tatsächlich werden in ihrem Zuge aber mehrere komplexere rechtliche Streitfragen verhandelt:&amp;lt;br /&amp;gt;Nach &#039;&#039;&#039;V. 26&#039;&#039;&#039; stehen dem Fortgang von Jakobs Familie nicht nur seine Armut entgegen, sondern auch ein rechtliches Hindernis: Annehmen kann man anscheinend eine Situation, wie sie in [[Exodus 21#s2 |Ex 21,2-6]] beschrieben wird: Hat ein Dienstherr seinem „Diener“ binnen der sieben Jahre, die dieser bei ihm diente, eine Frau gegeben und hat diese Frau Kinder bekommen, sind de jure Frau und Kinder Eigentum des Dienstherrn und dieser kann sie nach gusto einfach einbehalten. Laban jedenfalls wird dies in [[Genesis 31#43 |Gen 31,43]] voraussetzen, auch Jakob selbst rechnet in [[Genesis 31#s31 |Gen 31,31]] damit, und dies ist gewiss auch der Grund, warum Jakob hier erst die Herausgabe seiner Familie fordern muss. Jakob betont daher, dass er seine Frauen nicht einfach „erhalten“ hat, sondern dass er sie sich mit seinem Dienst &#039;&#039;verdient&#039;&#039; hat („du, du weißt ja um meinen Dienst“; vgl. Taschner 2000, S. 98f.). In der Version im Jubiläenbuch ist das noch stärker formuliert: „&#039;&#039;Gib mir meine Frauen und meine Kinder..., denn ich habe die Jahre vollendet, während denen ich bei dir gedient habe im Austausch für deine zwei Töchter!&#039;&#039;“ (Jub 28,25). Gleichzeitig betont er in der biblischen Version mit der dreifachen Rede von seinem „Dienen“ doch auch das &#039;&#039;Dienst&#039;&#039;-Verhältnis, in dem er stand. Wahrscheinlich tut er dies, um seinerseits auf rechtliche Regelungen wie die in [[Deuteronomium 15#s13 |Dtn 15,13f.]] anzuspielen (vgl. [[Genesis 31#s42 |Gen 31,42]] mit [[Deuteronomium 15#s13 |Dtn 15,13]]), wonach ein Dienstherr, bei dem ein Diener gedient hat, diesen nicht mit leeren Händen entlassen darf, sondern ihm sozusagen als Startkapital mit Tieren und Saatgut auszustatten hat (so gut Sarna 2001; Waltke/Fredricks 2001).&amp;lt;br /&amp;gt;Laban wiederum scheint das aber bewusst zu überhören. Überaus höflich hebt er in &#039;&#039;&#039;V. 27&#039;&#039;&#039; zu einer Antwort an, um Jakob in &#039;&#039;&#039;V. 28&#039;&#039;&#039; vorgeblich gar einen Blankoscheck auszustellen – aber einen Blankoscheck über Jakobs &#039;&#039;Lohn&#039;&#039;: Dass er ihn mit Geschenken nach Hause schickt, steht außer Frage; will Jakob nicht mit leeren Händen zurückkehren, muss er sich seine Habe schon selbst als Lohnknecht verdienen.&amp;lt;br /&amp;gt;Jakobs Worte in &#039;&#039;&#039;V 29&#039;&#039;&#039; sind danach wohl nicht nur höfliche Floskeln bei einer Verhandlung, sondern durchaus entnervter Vorwurf (gut Cotter 2003): „Du, du weißt ja darum, wie ich dir gedient habe und darum, was mit deinem Vieh bei mir geschah!“, d.h.: Ich habe dich &#039;&#039;reich&#039;&#039; gemacht! Und nun sollte ich dennoch noch weiter für &#039;&#039;dich&#039;&#039; arbeiten? Nein: Wenn du schon so spielen willst, dann will ich dabei immerhin gleichzeitig etwas ausschließlich für &#039;&#039;meinen&#039;&#039; Haushalt tun können (&#039;&#039;&#039;V. 30&#039;&#039;&#039;; gut Goldingay 2020). Jakob fordert also, wie Miller 1993b, S. 33f. und Arnold 2009 richtig gesehen haben, nun immerhin in einem anderen Verhältnis zu Laban weiterarbeiten zu können: Nicht mehr als Diener, sondern als &#039;&#039;Partner&#039;&#039;, der endlich auch einmal Gewinn für seinen eigenen Haushalt erwirtschaften kann.&amp;lt;br /&amp;gt;Darauf wird Laban sich gleich auch einlassen, und es sind diese Verhandlungserfolge, die durch die Progression „Gib meine Frauen und Kinder!“ – „Bestimme den Lohn, den ich zu zahlen habe, und ich werde ihn geben.“ – „Was soll ich dir geben?“ markiert wird: Jakob wird erstens seine Frauen und Kinder erhalten, er wird zweitens noch zusätzlichen Lohn erhalten, und er wird sich diesen drittens nicht als Lohnknecht, sondern als Labans Partner verdienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was genau im folgenden Deal abgesprochen wird und was danach geschieht, ist leider nicht sehr gut verständlich. Klar ist, dass Jakob in &#039;&#039;&#039;V. 31c-33&#039;&#039;&#039; „besonders gefärbte“ Tiere als seinen Lohn einfordert (nicht: „abnorm gefärbt“, s. gleich). Klar ist auch, dass Laban in &#039;&#039;&#039;V. 34&#039;&#039;&#039; sofort auf diesen Deal eingeht, aber nach &#039;&#039;&#039;Vv. 35f.&#039;&#039;&#039; schon am selben Tag das erste Mal wortbrüchig wird, indem entgegen der Absprache &#039;&#039;er&#039;&#039; durch die Herden geht, Jakob um alle oder viele der gefärbten Tiere raubt, diese entführt und den Herden, die er und seine Söhne hüten, zuschlägt (gut Taschner 2000, S. 99f.). Stark Chizkuni: „&#039;&#039;Laban begann sofort mit seinen Vertragsbrüchen, indem er alle Tiere entfernte, die nach allgemeiner Annahme wahrscheinlich Junge [mit den entsprechenden Färbungen] zeugen oder gebären würden. Dieser Vertragsbruch zwang Jakob, einen anderen Weg zu finden...&#039;&#039;“ Dieser andere Weg, auch das ist klar, ist es nach &#039;&#039;&#039;Vv. 37-42&#039;&#039;&#039;, kreative, nach antiker Ansicht aber sinnvolle Zuchtmethoden anzuwenden. Mit diesen steigert er einerseits seinen Anteil in dieser Partnerschaft Tier um Tier, andererseits – zum Teil gewiss auch aus Rache für das in Vv. 35f. Erzählte (gut Galambush 2018) – mindert und schwächt er mit ihnen Labans Anteil immer weiter, bis Labans Söhne in Gen 31,1 ihm gar darob zürnen können, dass er „sich alles einverleibt, was unserem Vater gehörte, und sich von dem, was unserem Vater gehörte, Reichtum verschafft“.&amp;lt;br /&amp;gt;Mit dieser Bewertung haben Labans Söhne wohl Recht. Auch Hosea wird später Jakobs Handeln in diesen letzten Versen harsch verurteilen: „&#039;&#039;Er ist ein Abzocker mit gezinkter Waage in der Hand; er liebt&#039;s zu übervorteilen!&#039;&#039;“ ([[Hosea 12#s8 |Hos 12,8]]). Gut daher Turner 2000b, S. 135: „&#039;&#039;Jakobs Zuchtverhalten mag den Buchstaben ihres Vertrags entsprochen haben, seinem Geist aber gewiss nicht.&#039;&#039;“ Im Codex Hammurapi wäre sein Handeln sogar klar als Rechtsbruch zu gewertet worden: „&#039;&#039;Wenn ein Hirt, dem Rinder oder Kleinvieh zum WEiden gegeben sind, nachdem er zu seiner Zufriedenheit seinen Lohn erhalten hat, die Rinder verringert, das Kleinvieh verringert und den Nachwuchs weniger werden lässt, so soll er seinen vertraglichen Abmachungen entsprechend Nachwuchs und Ertrag abgeben.&#039;&#039;“ (§264, Üs.: TUAT I 73)&amp;lt;br /&amp;gt;So wird hier am Ende also Unrecht mit Unrecht ausgeglichen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Unklar ist aber zweierlei: Erstens klingt das Ende von V. 31 so, als sollten nur &#039;&#039;diejenigen&#039;&#039; besonders gefärbten Tiere Jakobs Lohn sein, die es &#039;&#039;zum Zeitpunkt der Absprache&#039;&#039; in Labans Herde gibt („&#039;&#039;[es]&#039;&#039; = das eben genannte Auszusondernde sei mein Lohn“). Das machte es umso verwerflicher, wie Laban in Vv. 35f. handelt. Dagegen steht aber die Logik der Erzählung von Gen 30,37-31,2, die klar voraussetzt, dass auch die ab Absprache geborenen besonders gefärbten Tiere Jakob gehören, und der Vers [[Genesis 31#s18 |Gen 31,18]], der explizit erklärt, dass es sich wirklich so verhält. Warum dann aber die Formulierung in V. 31?&amp;lt;br /&amp;gt;Noch weiter verkompliziert wird die Sachlage dadurch, dass zum einen [[Genesis 31#s7 |Gen 31,7f.41]] auf einmal von noch weiteren Absprachen zwischen Jakob und Laban sprechen werden, und dass zum anderen Laban in [[Genesis 31#s43 |Gen 31,43]] erklären wird, die Herde, die Jakob bei sich hat, gehöre &#039;&#039;ihm&#039;&#039;. Wahrscheinlich sind diese Spannungen teilweise auch mit unterschiedlichen Autoren zu erklären (s. zum nächsten Kapitel). Wollen wir aber beide Kapitel als kohärente Erzählung lesen, müssen wir entweder davon ausgehen, dass „und mein Lohn sei&#039;s“ ohne Parallelen etwas wie „&#039;&#039;dieses und solches&#039;&#039; sei mein Lohn“ bedeutet und dass Laban in Gen 31,43 die Unwahrheit spricht, oder davon, dass Jakob ungeschickterweise unpräzise gesprochen hat und dass Laban dies erstens sogleich ausnutzt, indem er doch ganz gemäß dieser so formulierten Absprache die Tiere aus Jakobs Herde entfernt, mit denen Jakob eigentlich gerechnet hat, und danach zweitens wirklich nicht zu Unrecht behaupten kann, die Tiere, die Jakob bei sich habe, gehörten ihm (V. 34: „Es geschehe nach deinem Wort“ = „Genau so, wie du es gesagt hast, soll&#039;s geschehen!“). Ich (S.W.) präferiere diese zweite Deutung.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Farbige Tiere.png|mini|Gepunktete und gestreifte Ziegen, schwarzes Schaf. (c) 1: [https://www.britishmuseum.org/collection/object/Y_EA10016-1 BM EA10016,1]; 2: Ryder 1983; 3: [https://ka.wikipedia.org/wiki/%E1%83%A4%E1%83%90%E1%83%98%E1%83%9A%E1%83%98:Animals_ram_mummy.jpg Wikimedia]]]&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es ist zweitens gar nicht klar, ob Jakob in Vv. 31b-33 eigentlich einen außergewöhnlich geringen Anteil fordert, weshalb Laban denn auch sofort einschlägt, oder einen außergewöhnlich großen. Am fraglichsten ist dies bei den Schafen: Jakob fordert entweder die „braunen“ oder die „schwarzen“ Schafe (s. zum Wort in V. 19). Beide waren im Alten Israel aber mitnichten selten: &#039;&#039;&#039;Schwarze Schafe&#039;&#039;&#039; waren zu Jakobs Zeit keine „Freaks of Nature“, die nur durch Zufall geboren wurden, sondern eine eigene Rasse: In babylonischen Texten unterschied man hauptsächlich zwischen sumerischen Schafen, Fettschwanzschafen, Bergschafen und eben „Schwarz-Schafen“. Diese Rassen wurden auch wirklich teilweise in unterschiedlichen Herden gehütet, weil auch an bestimmten Tempeln, bestimmten Göttern oder zu bestimmten Ritualen nur bestimmte Schafrassen geopfert wurden (der Göttin Inana z.B. wurden nur schwarze Schafe geopfert, s. YOS 4,237 und vgl. z.B. Sallaberger 2014, S. 104f.). Aus der Tatsache, dass es eine eigene Rasse „Schwarzschafe“ gab, leitet Sallaberger ab, dass demnach die anderen Rassen weiß gewesen sein mussten, so dass immerhin die Anzahl schwarzer Schafe durchschnittlich gering gewesen sein dürfte. Aber selbst das ist ein non sequitur und wahrscheinlich nachweislich falsch: Schafe im Alten Israel waren vermutlich überwiegend &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;braune&#039;&#039; Schafe&#039;&#039;&#039;. Noch heute überwiegen im Orient braune und schwarze Schafe (Fish 1936, S. 318), Ramban merkt zu unserer Stelle an, dass das selbe im 13. Jhd. galt, und Breniquet 2014, S. 69 nimmt daher auch für die biblische Zeit an, dass Wolle in der Levante üblicherweise von brauner bis schwarzer Farbe war. Gootwine 2017 hat ab S. 16 viele antike mediterrane und orientalische Darstellungen von Schafen zusammengetragen – die meisten gefärbten Darstellungen sind wirklich braun; inklusive derer der Fettschwanzschafe, die biblische Opfertexte klar voraussetzen und die auch am häufigsten in der Levante abgebildet sind. Mindestens diese waren danach sehr wahrscheinlich nicht regulär weiß. Insgesamt daher: Wie viele schwarze/braune Schafe man im alten Israel und speziell in der Herde Labans annehmen darf, ist unklar; jedenfalls gilt aber, dass Jakobs Forderung von „schwarzen/braunen Schafen“ entgegen dem heutigen Sprachgebrauch nicht automatisch heißt, dass er damit außergewöhnliche und daher wenige Schafe fordert: Beide dürften im Alten Israel weit häufiger gewesen sein als im heutigen Europa.&amp;lt;br /&amp;gt;Ob das selbe auch für &#039;&#039;&#039;Ziegen&#039;&#039;&#039; gilt, ist nicht ähnlich klar; jedenfalls war aber „gefleckt“ ebenfalls eine häufige Bezeichnung der Farben auch von Ziegen in babylonischen Texten (vgl. z.B. Steinkeller 1995, S. 55), wonach zumindest die häufige Aussage in Kommentaren, Ziegen seien in der antiken Levante üblicherweiße braun gewesen, ebenfalls falsch ist.&amp;lt;br /&amp;gt;Es ist zweitens wichtig zu wissen, dass ähnliche &#039;&#039;&#039;Lohn-Arrangements&#039;&#039;&#039; wie das zwischen Jakob und Laban aus babylonischen und den Nuzi-Texten gut bekannt sind: Entweder galt dort die Absprache, dass Hirten 20% der neugeborenen Tiere als Lohn erhielten, oder die, dass pro 100 Muttertieren dem Herdenbesitzer 66 2/3 Junge gehörten und Hirten der Überschuss als Lohn zustand, jeweils abzüglich der Verluste, die aufs Konto des Hirten gingen (vgl. z.B. Finkelstein 1968, S. 33f.). Wie genau diese Arrangements dem zwischen Jakob und Laban entsprechen, zeigen [[Genesis 31#s38 |Gen 31,38f.]], wonach Laban nicht nur die Tiere abgezogen hatte, deren Verlust auf Jakobs Konto gingen, sondern auch die, die von wilden Tieren gerissen worden waren und die, die Jakob  selbst verzehrt hatte: In anderen altorientalischen Lohnabsprachen und Gesetzen gehen diese explizit nicht auf Kosten des Hirten (s. zum Vers). In diesem Zusammenhang hat neuerdings aber Kozuh 2015, bes. S. 182-185 gezeigt, dass beide Weisen der Lohnberechnung in Babylon gar nicht realistisch waren und de facto stattdessen dazu dienten, Hirten durch diese unrealistischen Berechnungs-Modelle immer tiefer in die Schuldenfalle zu treiben, so dass sie trotz Lohnabsprachen letztlich doch nur Sklaven waren, die über ihre Kost hinaus gar nichts von ihren Herdenbesitzern erhielten: Herdenbesitzer hatten durch solche Absprachen ein garantiertes Einkommen, Verluste dagegen hatten überwiegend die Hirten zu tragen und als Nebenfolge dieser Arrangements erhielten Herdenbesitzer neben dem garantierten Einkommen auch noch Schuldsklaven obendrein. Können wir auch in dieser Hinsicht ähnliche Arrangements auch als Norm für das Alte Israel annehmen, hätte hier im Gegensatz zu den üblichen Arrangements &#039;&#039;Jakob&#039;&#039; mit den gefärbten Tieren ein garantiertes Einkommen ausgehandelt und hätte nach der Absprache &#039;&#039;allein Laban&#039;&#039; für etwaige Verluste aufkommen müssen, die Jakob zuzuschreiben waren (wogegen er dann nach Gen 31,38f. ebenfalls verstoßen hätte). Nimmt man das alles zusammen, klingt die Absprache hier also sogar nach einem zunächst sehr guten Deal für Jakob, auf den Laban dann nur eingegangen wäre, weil er schon hier auf seinen ersten Vertragsbruch in Vv. 35f. gesonnen hätte. Am Verlauf der Geschichte ändert dies allerdings nicht viel; auch dann gilt, dass nach V. 35 Laban Jakobs Chancen auf reichen Ertrag empfindlich gemindert hat, weshalb dann eben Jakob zu einem „genetischen Trick“ greifen muss.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei aller Unklarheit: Sicher ist mindestens, dass durch Jakobs Raffinesse&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;durch Jakobs Raffinesse&#039;&#039; - ob auch durch Gottes Hilfe, wie [[Genesis 31#s9 |Gen 31,9]] sagt, ist ebenfalls unklar: Wie zuverlässig ist eigentlich der trickreiche Jakob in seinen verschiedenen Aussagen in Gen 31?&amp;lt;/ref&amp;gt; sein Besitz weit über Erwarten anwächst, bis er laut &#039;&#039;&#039;V. 43&#039;&#039;&#039; nach sechs Jahren als „sehr, sehr reicher Mann“ aus dem Deal herausgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Genesis_2&amp;diff=40225</id>
		<title>Genesis 2</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Genesis_2&amp;diff=40225"/>
		<updated>2025-10-30T20:29:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Syntax&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Zuverlässige Studienfassung}}&lt;br /&gt;
{{Lesefassung kann erstellt werden}}&lt;br /&gt;
{{Lesefassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{L|1}} Die Welt und alles darauf war vollendet, {{L|2}} und so erklärte Gott am siebten Tag sein Werk als vollbracht. Am siebten Tag ruhte er sich aus von diesem Werk. {{L|3}} Und weil er an diesem Tag geruht hatte von dem Werk, an dem er gearbeitet hatte, erklärte er den siebten Tag für heilig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{L|4}}&lt;br /&gt;
{{L|5}}&lt;br /&gt;
{{L|6}}&lt;br /&gt;
{{L|7}}&lt;br /&gt;
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{{L|10}}&lt;br /&gt;
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{{L|12}}&lt;br /&gt;
{{L|13}}&lt;br /&gt;
{{L|14}}&lt;br /&gt;
{{L|15}}&lt;br /&gt;
{{L|16}}&lt;br /&gt;
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{{L|25}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|1}} (So)&amp;lt;ref&amp;gt;Nach Zenger 1983, S. 67 (der hier Steck folgt) ist V. 1 nicht Einleitung von Gen 2,2-3, sondern rückblickende Unterschrift von Gen 1,1-31. Das ist aber sehr unwahrscheinlich, da V. 1 durch die wiederholte Verwendung des Wortes {{hebr}}כלה{{hebr ende}} „vollenden“ viel zu sehr mit den folgenden Versen zusammenhängt, als dass man es ohne schwerwiegende Indizien aus diesem Zusammenhang herausreißen dürfte.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Vollendet war (wurde) die Welt (Himmel und Erde)&amp;lt;ref&amp;gt;Der Merismus „Himmel und Erde“ ist der im Hebräischen übliche Ausdruck für den Kosmos/das Universum; vgl. [http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=Genesis_1#note_c Fußnote c] zu Gen 1,1.&amp;lt;/ref&amp;gt; und ihr ganzes Heer (alles darauf und darin),&amp;lt;ref&amp;gt;Das „Heer des Himmels“ sind nach [[Jesaja 40#s26 |Jes 40,26]] die Sterne; entsprechend wird das „Heer von Himmel und Erde“ alles bezeichnen, was sich im Himmel und auf der Erde befindet (vgl. Scharbert 1990, S. 47). Äquivalente Formeln existieren im Assyrischen und Babylonischen, die in etwa das selbe bezeichnen (so z.B. schon Delitzsch 1887, S. 69).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|2}} Darum (und)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Waw&#039;&#039; kann auch eine Folgerung einleiten; vgl. Lexikon / [http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=%D7%95%D6%B0 Lemma {{hebr}}וְ{{hebr ende}}]&amp;lt;/ref&amp;gt; erklärte (erachtete) als vollendet (vollendete)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;erklärte als vollendet (vollendete, erachtete als vollendet)&#039;&#039; - Der folgende Text zeigt deutlich, dass Gott am siebten Tag eben nicht mehr an der Welt arbeitet; das Piel ist daher wohl am besten z.B. mit König und Heidel 1964, S. 127 als deklaratives – vielleicht auch ästimatives – Piel zu deuten. Aber s. noch nächste FN.&amp;lt;/ref&amp;gt;Gott am sechsten (siebten) Tag&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;sechsten (siebten)&#039;&#039; - VUL und Tg stützen MT. Sam, LXX, Syr, die gr. Torah v. Ptolemäus Philadelphus, Jub 2,16 und BerR aber lesen „am sechsten Tag“. Meist wird davon ausgegangen, dass es sich hier um eine theologische Korrektur handle, damit nicht der Eindruck entstünde, Gott habe auch am Sabbat noch gearbeitet (so z.B. Westermann, Soggin, s. auch BHQ). Für ursprünglich halten diese sehr stark bezeugte Variante aber z.B. Ball und Hendel 1998, S. 122, und richtig Ball (1896, S. 73): „{{hebr}}ויכל{{hebr ende}} [„vollenden“] is not the same as {{hebr}}ויכל מן{{hebr ende}} [„aufhören“], but means &#039;&#039;finished, completed&#039;&#039;, as is clear from v. 1 [dazu s. aber vorige FN. Richtig dann aber:] Besides, there is an intentional antithesis between {{hebr}}ביום הששי{{hebr ende}} [„sechster Tag“] and {{hebr}}ביום השביעי{{hebr ende}} [„siebter Tag“]. Else why not {{hebr}}וישבת בו{{hebr ende}} [„und er ruhte an ihm“] in the second clause (&#039;&#039;cf.&#039;&#039; v. 3)?“&amp;lt;/ref&amp;gt; sein Werk (seine Arbeit), das er gemacht hatte; und er ruhte (hörte auf, feierte, arbeitete nicht)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;ruhte (hörte auf, feierte, arbeitete&#039;&#039; - Mit dem Verb {{hebr}}שבת{{hebr ende}} (&#039;&#039;schabat&#039;&#039;) wird häufig die konstitutive Tätigkeit bezeichnet, die man am Sabbat ausführt, beide Wörter klingen fast identisch, vielleicht hängen sie außerdem etymologisch zusammen. Zusammen mit der Nennung des „siebten Tages“ ({{hebr}}יוֹם שְבִיעִי{{hebr ende}} &#039;&#039;jom schbi´i&#039;&#039;) muss sich einem hebräischen Hörer ganz notwendig die Assoziation des Sabbats aufdrängen (so z.B. richtig Scharbert). Dennoch wollen neuerdings einige Exegeten merkwürdigerweise den Bezug der Verse 1-3 zum Sabbat in Abrede stellen. Das ist entschieden abzulehnen; hier einen engen Zusammenhang mit dem Sabbat zu verneinen ist, als würde man einem deutschen Text, in dem es heißt, jemand würde „am siebten Tag der Woche sonntagen“ den Bezug zum Sonntag absprechen. Dass gerade dem Gott JHWH, der nach dem Talmud (b.Ber 6a.7a) Sabbats sogar Tephilin trägt, der Sabbat verwehrt sein sollte, ist durchaus nicht einzusehen. Vgl. ebenso Cole 2003.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Jede der obigen Übersetzungsalternativen ist in der Forschung mehrfach vertreten worden; wir haben uns nur deshalb für „ruhen“ entschieden, da das Ruhen des Schöpfergottes nach Vollendung der Schöpfung ein verbreitetes Motiv in altorientalischen Schöpfungsmythen ist (vgl. z.B. Atwell 2000, S. 445).&amp;lt;/ref&amp;gt; am siebten Tag von seinem ganzen Werk (seiner ganzen Arbeit), das er gemacht hatte.&lt;br /&gt;
{{S|3}} Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn für heilig (heiligte ihn),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;erklärte ihn für heilig (heiligte ihn)&#039;&#039; - Auch hier ist entweder die faktitive oder die deklarative Piel-Deutung möglich. Da hier aber offensichtlich eine Ätiologie (=Ursprungsmythos) des Sabbats vorliegt, der seinen Lesern erklären will, &#039;&#039;warum&#039;&#039; der Sabbat heilig ist, liegt vielleicht auch hier die deklarative Deutung näher.&amp;lt;/ref&amp;gt; da er an ihm von seinem ganzen Werk (all seiner Arbeit), das er arbeitend (indem er es gemacht hatte)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;arbeitend (indem er es gemacht hatte)&#039;&#039; - Auf den Ausdruck {{hebr}}אֲשֶׁר-בָּרָא אֱלֹהִים לַעֲשׂוֹת{{hebr ende}} (wörtl.: „[das Werk], das Gott geschaffen hatte, indem er es gemacht hatte“) wird selten eingegangen; die sehr unterschiedlichen Übersetzungen zeigen aber, wie schwierig er ist (Bspp.: Delitzsch: „das er schöpferisch ausgeführt hatte“, König: „das Gott geschaffen hatte, indem er (es) machte“, Soggin: „das Gott durch sein Wirken geschaffen hatte“. Zenger, BigS und Kirchentagsübersetzung sogar „das Gott geschaffen hat, um zu machen“, was immer das heißen soll). Viele Übersetzungen streichen daher entweder eines der Verben (z.B. ALTER: „that He had done“) oder formulieren komplett um (z.B. EÜ: „nachdem er das ganze Werk der Schöpfung vollendet hatte“).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
So rätselhaft ist der Versteil aber wohl gar nicht: „denn an ihm hatte er geruht“ berichtet von Gottes Ruhen, „von seinem Werk, dass er geschaffen hatte, indem er es machte“ blickt dagegen zurück auf die diesem Ruhen entgegengesetzte erste Arbeitswoche Gottes. Das „indem er es gemacht hatte“ unterstreicht dabei nur noch zusätzlich diesen Gegensatz, indem sie einen weiteren „Arbeits“-Begriff darauf-häuft. Wir haben versucht, dies durch die Umformulierung „arbeitend geschaffen“ ausdrücklich zu machen.&amp;lt;/ref&amp;gt; geschaffen hatte, geruht hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Qatal ist hier wegen des rückblickenden Charakters der Textsorte „Ätiologie“ sehr sicher plusquamperfektisch zu übersetzen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Die Aufteilung der Bibel in Kapitel wurde erst im 14. Jh. von der Vulgata übernommen und in den hebräischen Text eingefügt. Im Falle von Gen 1-2 ist man sich in der Exegese einig, dass hier die Kapitelaufteilung nicht die Struktur des hebräischen Textes trifft. Uneinigkeit allerdings besteht darin, ob der Text stattdessen richtiger zwischen Gen 2,3 und Gen 2,4, zwischen Gen 2,4a und Gen 2,4b oder zwischen Gen 2,4 und Gen 2,5 (diese letzte Variante haben wir bisher nur bei Collins 1999 und bei Delitzsch 1887 entdeckt) anzusetzen wäre.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Klares Indiz dabei ist der Einsatz von Gen 2,4 mit der sog. &#039;&#039;Toledot&#039;&#039;-Formel „Dies ist die Geschichte“, die sonst in der sog. „Priesterschrift“ noch weitere 10 Male vorkommt und bis auf [[Genesis 36#s9 |Gen 36,9]] stets als Überschrift fungiert. Wenn keine starken Argumente für eine andere Aufteilung vorgebracht werden - und derart schlagende Argumente haben wir bisher nirgends entdecken können - muss daher auch hier Kap. 1 mit Gen 2,3 enden und Gen 2,4 das nächste Kapitel einleiten; so z.B. auch Bandstra 2008; Junker 1953; König 1919; Lode 2002; NET; Wenham 1987. Dafür spricht außerdem, dass der MT nach Gen 2,3 den Sektionsmarker &#039;&#039;Petucha&#039;&#039; hat, nach Gen 2,4a und Gen 2,4b dagegen nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|4}} {Dies [sind]} &#039;&#039;&#039;Die Nachkommen (Erzeugnisse; [ist] die Geschichte?; [ist] das Buch der Nachkommen?)&#039;&#039;&#039;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Nachkommen&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;Nachkommen&#039;&#039; (V. 4) + &#039;&#039;Hauch des Lebens&#039;&#039; (V. 7) - In V. 4 steht die selbe Überschrift wie in [[Genesis 6#s9 |Gen 6,9]]; [[Genesis 10#s1 |10,1]]; [[Genesis 11#s10 |11,10]].[[Genesis 11#s27 |27]]: &#039;&#039;toledot&#039;&#039; von X. Weil die meisten neueren Exegeten denken, in Gen 2-3 ginge es hauptsächlich um den Menschen, erwägenswert und sinnvoll Fischer 2018 und Carr 2021: Bei den anderen vier Stellen wird damit die Aufzählung der / Erzählung über die &#039;&#039;Nachkommen&#039;&#039; von X eingeleitet; entsprechend erscheint also hier der Mensch als „Nachkomme“ von Himmel und Erde.&amp;lt;br /&amp;gt;Wie der Mensch „Nachkomme“ der Erde sein soll, ist in 7a auch offensichtlich. Wie er gleichzeitig Nachkomme des Himmels sein soll, allerdings weniger. Möglich wäre dies: In [[Kohelet 12#s7 |Pred 12,7]] zerfällt der Mensch wieder in seine Bestandteile: Es wird „&#039;&#039;zurückkehren der Staub zur Erde, wie er gewesen ist / und der Atem/Hauch/Wind wird zurückkehren zu Gott, der ihn gegeben hat.&#039;&#039;“ Damit wird ein in hellenistischen Texten häufiges Motiv verdichtet; vgl. [[Jesus Sirach 40#s11 |Sir 40,11]]: „&#039;&#039;Alles, was von der Erde kam, kehrt zur Erde zurück, und was aus der Höhe kam, in die Höhe&#039;&#039;“; Epicharmus: „&#039;&#039;[Der Mensch] löste sich wieder auf: Die Erde zur Erde, der Geist nach oben&#039;&#039;“; Lukrez: „&#039;&#039;So steigt alles auf, so kehrt alles zurück: Erde nimmt, was Erde gab, und zurück zum Himmel steigt wieder auf der ätherische Himmelstau, der herunterfiel.&#039;&#039;“ (gr. Parallelen bei Ginsburg 1861, S. 468). Kann man schon hier erste Spuren der Vorstellung annehmen, der „Atem“/„Hauch“/„Wind“ sei dasjenige, was dem Menschen &#039;&#039;aus der Höhe&#039;&#039; zugeeignet wurde? Vgl. noch [[Ijob 34#s14 |Ijob 34,14]]; [[Psalm 104#s29 |Ps 104,29]]; [[Psalm 146#s4 |146,4]]; [[Kohelet 3#s21 |Pred 3,21]]. S. auch im Midrasch: „&#039;&#039;[Die Stelle] lehrt, dass [der Mensch ursprünglich] als leblose Masse geschaffen wurde, die von der Erde bis in den Himmel ragte, von wo ihm dann der Hauch verliehen wurde.&#039;&#039;“&amp;lt;br /&amp;gt;Alternativ wie z.B. Ramban und Sforno: „Nachkommen von Himmel und Erde“ sind nicht nur die Menschen, sondern alle Lebewesen, die ihr Dasein der Erde und dem Regen verdanken. Auch das ist nicht unproblematisch: der Regen erscheint zwar häufiger als Frucht des Himmels, Gen 2-3 gehen aber ja explizit noch von einer Situation aus, in der es noch &#039;&#039;nicht&#039;&#039; regnet (s. V. 5).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Die meisten alten Vrs. wie MT. LXX aber wie in [[Genesis 5#s1 |Gen 5,1]]: „Dies ist das Buch der Nachkommen“. Auch Philo kannte diese Variante. Und auch TgN übersetzt hier wie dort: „Dies ist die Genealogie der Nachkommen“. Zu TgN vgl. aber McNamara 1992, S. 56: TgN hat noch häufiger die Kurzform der Überschrift „Dies sind die Nachkommen“ mit der Langform „Dies ist die Genealogie der Nachkommen“ übersetzt; textkritisch relevant ist das eher nicht; es wäre dann nur ein Zufall, dass TgN hier mit LXX zusammenstimmt. Ball 1896 hielt die Variante von LXX, TgN und Philo noch für ursprünglich, wahrscheinlicher richtig aber Hendel 1998 und BHQ: Assimilation an Gen 5,1, die nächste Stelle, in der diese Überschrift kommt.&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&#039;von Himmel und Erde (des Landes), als sie geschaffen&#039;&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Gen 2,4.png|mini|rechts|Gen 2,4 in [https://digitalcollections.jtsa.edu/islandora/object/jts%3A267103#page/30/mode/1up JTS L44a]]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;geschaffen&#039;&#039; - Eines von je nach Handschrift etwa 100 Wörtern in der hebräischen Bibel, in denen ein Buchstabe abnorm geschrieben wird. In diesem Fall ist das &#039;&#039;He&#039;&#039; in &#039;&#039;be&#039;&#039;&#039;h&#039;&#039;&#039;ibbar`am&#039;&#039; („bei ihrem Geschaffen-werden“) kleiner als die anderen Buchstaben. In vielen der ältesten Handschriften ist das nicht so und auch hier sieht man deutlich, dass das kleiner geschriebene He eine (mit anderer Tinte geschriebene) nachträgliche Korrektur ist. Dennoch hat Ball 1896 auf dieser Basis erwogen, ob statt &#039;&#039;bhbr`m&#039;&#039; nicht vielleicht &#039;&#039;bbr`m&#039;&#039; („als er sie schuf“) ursprünglich sei; BHK und BHS hielten das sogar für wahrscheinlich. Die Bedeutung dieser kleiner geschriebenen Buchstaben ist aber nicht klar; alternativ denkt z.B. Eisenstein in [https://www.jewishencyclopedia.com/articles/13809-small-and-large-letters EncJud XI 411f.], mit ihnen solle darauf hingewiesen werden, dass der jeweilige Buchstabe Gegenstand einer Auslegung in Talmud, Midrasch etc. sei. So auch schon Rabbi Culi im Me&#039;am Lo&#039;ez. Hier gibt es in der Tat sogar gleich zwei solcher Auslegungen: &#039;&#039;Man lese nicht &#039;&#039;bhbr`m&#039;&#039; („bei ihrem Geschaffen-werden“), sondern &#039;&#039;bh br`m&#039;&#039; („er erschuf sie mit einem He“). Warum wurde die Welt mit einem He geschaffen?&#039;&#039;. (b.Men 29b). (1) &#039;&#039;Bei allen Buchstaben macht es Mühe, sie auszusprechen, nur das &#039;&#039;He&#039;&#039; macht keine Mühe. Entsprechend schuf der Heilige, gepriesen sei Er, die Welt ohne Mühe und Arbeit.&#039;&#039; (BerR xii 10). (2) &#039;&#039;Weil das He unten offen ist – dies ist ein Zeichen dafür, dass alle Kreaturen in die Unterwelt hinabsteigen werden. Weil das He eine Spitze hat – [dies ist ein Zeichen dafür], dass, sobald sie hinabfahren, sie auch aufsteigen. Und weil das He an allen Seiten geöffnet ist – dies ist ein Zeichen dafür, dass Gott allen, die bereuen, eine Tür öffnet.&#039;&#039; (j.Chag ii 1,15; ähnlich Raschi und Ramban).&amp;lt;br /&amp;gt;Klar ist jedenfalls, dass die abnorme Schreibweise keinesfalls alleinige Basis dafür sein kann, den Text zu ändern.&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&#039;wurden&#039;&#039;&#039;:&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Gen 2,4-6&#039;&#039; eignen alle typischen Merkmale biblischer Poesie. Sachsse 1921; Ouro 2002, S. 225 und Polak 2002, S. 22 haben daher in der Tat 2,5-6 als Lyrik analysiert; Sievers 1907b, S. 6; Procksch 1913, S. 20; Gray 1915, S. 220-222 und Walsh 1977, S. 162 sogar 2,4b-6. Die meisten tun das nicht, und das Gesamt von 2,4a-6 hat m.W. (S.W.) bisher niemand als einheitliches Gedicht interpretiert. Das sollte daher auch OfBi besser nicht tun; um die poetische Struktur erkenntlich zu machen, habe ich die Verse immerhin in die poetischen Zeilen gegliedert. Poetisch analysiert wäre zu formatieren:&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;Dies sind die Nachkommen von Himmel und Erde, als sie geschaffen wurden&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Am Tag, als JHWH-Gott Erde und Himmel machte:&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Alle Sträucher der Steppe waren noch nicht auf der Erde&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;und alle Kräuter des Feldes wuchsen noch nicht,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;weil JHWH-Gott es nicht regnen ließ über der Erde&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;und es keinen Erdling gab, um den Erdboden zu bestellen,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;aber Flut emporstieg aus der Erde,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;und das Angesicht des Erdbodens tränkte.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
(Am Tag, [an dem] =) Als JHWH-Gott&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;JHWH-Gott&#039;&#039; - sehr seltene Gottesbezeichnung, die sich fast nur in den Büchern der Chroniken und in Gen 2-3 findet (im Gegensatz zu „Gott“ in Gen 1 und „JHWH“ in Gen 4). Die traditionelle Erklärung ist die z.B. von Collins 2006 und Gertz 2018: Ursprünglich sei in Gen 2-3 „JHWH“ gewesen sein; dies wäre dann spät mit dem „Gott“ aus Gen 1 kombiniert worden, um Kontinuität zwischen Gen 1 und Gen 2-3 zu stiften und um zu signalisieren, dass Gen 1 und Gen 2-3 komplementär als „zwei Seiten einer Medaille“ zu lesen seien, die vom selben „Gott“ sprechen.&amp;lt;br /&amp;gt;Liest man dagegen Gen 2-3 mit Gen 1 und Gen 4 zusammen, lässt sich eine schrittweise Transformation Gottes erkennen: Von &#039;&#039;`elohim&#039;&#039; in Gen 1 über &#039;&#039;JHWH-`elohim&#039;&#039; in Gen 2-3 bis zu &#039;&#039;JHWH&#039;&#039; im Kapitel Gen 4, das passend in [[Genesis 4#s26 |Gen 4,26]] schließt mit: „Damals begann man, den Namen JHWHs anzurufen“.&amp;lt;/ref&amp;gt; Erde (Land) und Himmel machte,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Die Syntax von &#039;&#039;Gen 2,4&#039;&#039; ist umstritten. Geht man davon aus, dass mit Gen 2,4a (und nicht Gen 2,4b) das nächste Kapitel beginnt (s.o.), sind immer noch mehrere Auflösungen möglich. Prominentere Auflösungen in neueren Kommentaren sind folgende:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Gen 2,4a = Überschrift; Gen 2,4b = Nebensatz, Gen 2,5-6 = Parenthese, Gen 2,7 = Hauptsatz (z.B. Arneth 2007b, S. 24.129; Arnold 2009; Fischer 2018; Gertz 2018; Carr 2021; auch B-R, BigS, MEN, TEX)&amp;lt;br /&amp;gt;(2) 2,4a = Überschrift; 2,4b = NS, 2,5 = HS (z.B. Soggin 1997; auch EÜ, HER05, H-R, NeÜ, NL, R-S, TUR u.a.)&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Gen 2,4a = Überschrift; Gen 2,4b-6 = Nebensätze zum Hauptsatz Gen 2,7 (Bandstra 2008; auch ZÜR; ähnlich z.B. Steck 1970; Goldingay 2020)&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Gen 2,4a = HS, Gen 2,4b = NS; Gen 2,5a = NS, Gen 2,6b-6 = Parenthese, Gen 2,7=HS (Collins 2006; auch SLT).&amp;lt;br /&amp;gt;Klar ist im Kontext von Gen 1-11, dass Gen 2,4 (Teil einer) Überschrift ist; s. [[Genesis 6#s9 |Gen 6,9]]; [[Genesis 10#s1 |10,1]]; [[Genesis 11#s10 |11,10]]; [[Genesis 11#s27 |11,27]]. Das ist aber noch nicht sehr hilfreich: Entweder ist diese Überschrift hier bei ihrem ersten Vorkommen um 2,4b erweitert, oder sie ist nur um 2,4aB („als sie geschaffen wurden“) erweitert und 2,4b beginnt den eigentlichen Text – zwischen (1) - (3) vs. (4) lässt sich auf dieser Basis noch nicht entscheiden.&amp;lt;br /&amp;gt;Für (4) spricht zunächst, dass Gen 2,4a und Gen 2,4b offensichtlich bewusst chiastisch formuliert sind: „Dies sind die Nachkommen (a) von Himmel (b) und Erde, (c) als sie geschaffen wurden, (c&#039;) als Gott-JHWH machte (b&#039;) Erde (a&#039;) und Himmel.“ Dagegen und für (1) - (3) aber spricht, dass in 2,4a „Himmel und Erde“ im Heb. Artikel haben, in 2,4b aber nicht, was bei einem NS-HS-Gefüge so nicht zu erwarten wäre, und dass nach den anderen Überschriften in Gen 1-11 asyndetisch (d.h. ohne „und“) fortgefahren wird, Gen 2,5 dagegen mit „und“ beginnt (richtig Carr 2021). Für (2) spricht außerdem: Viele entscheiden sich hauptsächlich deshalb für (1), weil dann Gen 2,4-7 syntaktisch ihrer Deutung der Syntax von Gen 1,1-3 entsprechen würde. OfBi hat dort anders aufgelöst; orientieren wir uns an diesem häufigsten Argument, wäre in OfBi hier (2) vorzuziehen: Sowohl Gen 1,1-3 als auch Gen 2,4b-7 hätten dann die Abfolge [temporaler Nebensatz] - [X existiert noch nicht] - [Schöpfungstätigkeit Gottes]. Und für (3) spricht zusätzlich, dass Gen 2,4-7 dann einem häufigen Sprachmuster von Schöpfungserzählungen mit vielen Nebensätzen vor dem ersten Hauptsatz entsprechen würde. Vgl. z.B. Enuma Elisch I 1-9: &#039;&#039;Als in der Höhe dem Himmel noch kein Name gegeben war, und in der Tiefe der Unterwelt noch nicht mit Namen genannt wurde, ... als noch keine Götter gezeugt worden waren, (und) keiner mit Namen genannt war, als noch kein Schicksal zugeteilt war – da bildeten sich in die[sen beiden] die Götter.&#039;&#039; (nach COS 1.111).&amp;lt;br /&amp;gt;Insgesamt sprechen die meisten Argumente also für (2) oder (3); eine sichere Entscheidung ist hier aber nicht möglich. Wir haben uns daher am häufigsten Argument, das hier für (2) spricht, orientiert.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|5}} war(en alle Sträucher=) alles Unkraut des Feldes noch nicht auf der Erde&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
und wuchsen (alle Kräuter=) alle Nutzpflanzen des Feldes noch nicht (sprossten noch nicht empor),&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
weil JHWH-Gott es nicht regnen ließ (noch nicht regnen lassen hatte) über (auf) der Erde&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
und es keinen Erdling (Menschen) gab, um [auf] dem (um dem) Erdboden&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Erdling (Mensch)&#039;&#039; + &#039;&#039;Erdboden&#039;&#039;&#039; - Hier wird mit der Verwandtschaft der Wörter „Mensch“ (&#039;&#039;`adam&#039;&#039;) und „Erdboden“ (&#039;&#039;`adamah&#039;&#039;) gespielt: Der Mensch ist erstens &#039;&#039;aus&#039;&#039; Erde – ist ein „Erdenkloß“ (Luther) und daher „Sohn der Erde“ – und &#039;&#039;dient&#039;&#039; zweitens der Erde – ist also ein „Erdling“, ist &#039;&#039;wesensmäßig&#039;&#039; „Ackerknecht“. Die Üs. „Erdling“ folgt dem guten Vorschlag von Meyers 1988, S. 81f.; Scoralick 2018, S. 72.&amp;lt;br /&amp;gt;Hyperbaton: Unkraut wuchs nicht (5a), weil es nicht regnete (5c), und Nutzpflanzen gab es nicht (5b), weil kein Mensch den Erdboden bestellte (5d; gut Futato 1998, S. 5).&amp;lt;/ref&amp;gt; zu dienen (zu arbeiten),&amp;lt;ref name=&amp;quot;dienen&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;dienen (arbeiten)&#039;&#039; (Vv. 5.15) + &#039;&#039;hüte (bewahre, bewachen)&#039;&#039; (V. 15) - dt. Üss. manchmal: „bebaue und pflege“ (so H-R, R-S, ähnlich PAT: „bebaue und erhalte“), was kontextuell natürlich stimmig ist, aber verschleiert, welch auffällige Verben im Heb. verwendet werden. &#039;&#039;´abad&#039;&#039; heißt manchmal in der Tat schlechthin „arbeiten“ ([[Exodus 20#s9 |Ex 20,9]] = [[Deuteronomium 5#s13 |Dtn 5,13]]; ([[Kohelet 5#s11 |Pred 5,11]]?)) und dann auch „an etw. arbeiten, etw. bearbeiten“ (s. bes. [[Sprichwörter 12#s11 |Spr 12,11]] = [[Sprichwörter 28#s19 |Spr 28,19]]; auch [[Deuteronomium 15#s19 |Dtn 15,19]]; [[Deuteronomium 28#s39 |28,39]]; [[Jesaja 19#s9 |Jes 19,9]]); primär heißt es aber „dienen, für jmdn einen Dienst verrichten“ (dies auch in [[2 Samuel 9#s10 |2 Sam 9,10]]; [[Sacharja 13#s5 |Sach 13,5]]). Davon abgeleitet ist &#039;&#039;´ebed&#039;&#039; („Diener, Sklave“). Vor dem Hintergrund verwandter altorientalischer Mythen, in denen der Mensch geschaffen wird, um für die Götter die Feldarbeit zu verrichten (s. zu V. 6), ist daher fast sicher, dass der Mensch mit diesem Wort zu Gottes Förster des Gartens bestimmt wird: Er soll „im Garten Dienst tun“ oder sogar „dem Garten dienen“. Vgl. z.B. Good 2009, S. 26; Habel 2011, S. 52; Tsukimoto 2014, S. 333-335.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;šamar&#039;&#039; heißt „bewachen, bewahren“ und wird sonst nicht von landwirtschaftlicher Tätigkeit im engeren Sinn verwendet (aber s. gleich); im gewöhnlichen Sinn z.B. sicher bewusst in [[Genesis 3#s24 |Gen 3,24]]; ähnlich von Nabals Ländereien in [[1 Samuel 25#s21 |1 Sam 25,21]]. Die meisten dt. Üss. frei: „bearbeiten und bewahren“, als würde der Mensch mit dem zweiten Verb zum Naturschützer bestimmt (was im weiteren Sinn in Gen 2 natürlich wirklich geschieht). So auch wirklich Habel 2011: „Moreover, the coupling of &#039;&#039;abad&#039;&#039; with &#039;&#039;shamar&#039;&#039; (keep/preserve) in Gen. 2.15 suggests that this combination of verbs means something like ‚serve and preserve‘ or ‚care for and conserve‘.“ (S. 49).&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Das auch in Hld 1,6 verwendete sinnverwandte &#039;&#039;naṭar&#039;&#039; (aram. für &#039;&#039;naṣar&#039;&#039; „beschützen“, falls es nicht von *&#039;&#039;naṣar&#039;&#039; „blühen, sprießen“ abgeleitet ist, vgl. &#039;&#039;neṣar&#039;&#039; „Spross, Schössling“) in [[Hohelied 8#s11 |Hld 8,11f.]] könnte nahelegen, dass „einen Garten/ein Feld hüten“ &#039;&#039;doch&#039;&#039; auch für landwirtschaftliche Subunternehmer-Tätigkeiten verwendet werden kann. Danach hätte &#039;&#039;šamar&#039;&#039; fast die selbe Bed. wie &#039;&#039;´abad&#039;&#039;: „Feldknecht und Reisiger sein“.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
(2) Chizkuni konkretisiert das „bewachen“: „&#039;&#039;um ihn vor Tieren zu schützen, die [Pflanzen] niedertrampeln könnten.&#039;&#039;“ Ähnlich Radak; ähnlich etwas allgemeiner Chaim ben Attar im &#039;&#039;Or haChajim&#039;&#039;, einem Torah-Kommentar aus dem 18. Jhd.: „&#039;&#039;vor schädlichen Dingen, die die Pflanzen verderben könnten&#039;&#039;“. Diese Aufgabe gab es im Ackerbau des Alten Orients wohl wirklich, manchmal mussten daher Mädchen Weingärten „behüten“ (s. [[Hohelied 1#s6 |Hld 1,6]] und vgl. dazu erstens P.Anastasi I 24.2 [„&#039;&#039;Du wirst ein kleines Mädchen finden, das den Garten bewacht.&#039;&#039;“] und zweitens [[Hohelied 2#s15 |Hld 2,15]]; [[Psalm 80#s14 |Ps 80,14]]; [[Jesaja 5#s5 |Jes 5,5]]; [[Hosea 2#s15 |Hos 2,15]]).&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Am wahrscheinlichsten aber wird das Wort hier v.a. verwendet, um [[Genesis 3#s24 |Gen 3,24]] vorzubereiten: Obwohl nicht klar ist, &#039;&#039;vor wem&#039;&#039; der Mensch den Garten „bewachen“ soll, soll hier &#039;&#039;er&#039;&#039; ihn vor Eindringlingen bewachen – wohingegen in Gen 3,24 der Garten &#039;&#039;vor ihm&#039;&#039; und &#039;&#039;seinem&#039;&#039; Eindringen bewacht werden soll. So schon Gregor von Nyssa, In Cant Hom 2 zum „Weingarten“ in [[Hohelied 1#s6 |Hld 1,6]]: „&#039;&#039;Man muss aber unter dem ‚Weinberg‘ dasselbe verstehen wie das Paradies. Denn auch dort wurde der Mensch beauftragt, das Paradies zu bewachen [wie in Hld 1,6 das Mädchen den Weinberg ‚hüten‘ – nach Gregor: ‚gegen Feinde beschützen‘ – soll]. Die Nachlässigkeit in der Bewachung aber vertreibt den Menschen aus dem Paradies und macht ihn zum Bewohner des Westens, nachdem sie ihn vom Osten entfernt hat.&#039;&#039;“&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Weil &#039;&#039;šamar&#039;&#039; mit Tieren / Herden als Objekt auch „Hirte sein“ bedeutet, denkt Goldingay 2020, mit dem Wort sei neben der Feldarbeit auch die Arbeit an Tieren („caring for animals“, S. 60) gemeint. Das liegt sehr fern, ähnlich aber schon ApkMos (1. Jhd. n. Chr.?), wo die Deutungen (3)-(4) miteinander kombiniert sind: In ApkMos 15 hütet Adam die männlichen Tiere im Norden und Osten Edens, Eva dagegen die weiblichen im Süden und Westen (wie im Koran wird das Paradies also vorgestellt als geviertelter Garten). Sodann verführt die Schlange Eva „von der Paradiesmauer“ herab (ApkMos 17), woraufhin ihr Eva in ApkMos 18 das Paradies „öffnet“.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Die Fügung „dienen und bewahren“ wird in der hebräischen Bibel sonst v.a. in zwei Kontexten verwendet:&amp;lt;br /&amp;gt;(5) „Gott dienen und seine Gebote bewahren=halten“ ([[Deuteronomium 13#s5 |Dtn 13,5]]; [[Josua 22#s5 |Jos 22,5]]; [[Maleachi 3#s14 |Mal 3,14]]). Die alten jüdischen Ausleger haben hieran gedacht: TgJ und TgN übersetzen „&#039;&#039;am Gebot arbeiten und Gottes Gebote halten&#039;&#039;“; so deuten auch der Midrasch, Sifre zu Dtn 41,24 und PRE 12; ebenso der christliche Ausleger Severian von Gabala in &#039;&#039;Über die Erschaffung der Welt&#039;&#039; 5.5 (vgl. ACC, S. 60): „&#039;&#039;Gottes Gebote zu halten und diesen Geboten zu folgen war der Gottes-‚Dienst‘. ... Ebenso, wie es ‚Arbeit‘ ist, an Christus zu glauben, galt das für Adams treues Wahren des Gebotes Gottes.&#039;&#039;“&amp;lt;br /&amp;gt;(6) Der liturgische Dienst im Tempel hieß „Dienst und Wacht“; im Tempel tätig zu sein daher „den Dienst dienen und die Wacht wachen“ ([[Numeri 3#s7 |Num 3,7]]; [[Numeri 8#s26 |8,26]]; ähnlich [[Numeri 3#s8 |Num 3,8]]; [[Numeri 18#s7 |18,7]]). Einige neuere Exegeten denken daher, mit diesem Ausdruck solle der Mensch als Urbild des Priesters dargestellt werden, der mit seiner Arbeit im Garten den Vorläufer des Tempeldienstes tut (so z.B. Wenham 1987; Witte 1998, S. 270; Beale 2018). Das ist eine schöne Deutung, man wird sie aber eher als modernen Midrasch werten müssen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|6}} (und=) aber Sturzflut (Grundwasser, Nebel, Gewölk)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Sturzflut (Grundwasser, Nebel, Gewölk)&#039;&#039; - Entweder wird hier die notwendige Vorbedingung dafür geschildert, dass der Mensch trotz Abwesenheit von Regenwasser etwas an der Trockenheit des Erdbodens ändern kann (heraufzuholendes [s. die nächste FN] „Grundwasser“) oder neben dem mangelnden Regen und dem mangelnden Menschen wird ein weiterer Grund genannt, warum aktuell noch keine Pflanzen wachsen: Weil in regelmäßigen Abständen Sturzfluten die Erde überschwemmen (so Kidner 1966; Tsumura 1989 S. 119). Nach dieser zweiten Alternative gemeint sind wahrscheinlich artesische Quellen. Das lehrt eine nahe Parallele: Das sumerische Paradies &#039;&#039;Dilmun&#039;&#039;, wo auch der Lebensbaum des Gilgamesch-Epos stand, ist fast sicher identisch mit der Insel Bahrain (zur Lage s. die Karten unten). Die „Quellen“, von denen dort die Rede ist, sind dann sehr wahrscheinlich die artesischen Quellen, für die Bahrain einst bekannt war, die heute aber leider versiegt sind. Vgl. dazu Rausch u.a. 2014.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Genauer&#039;&#039;&#039;: Heb. &#039;&#039;´ed&#039;&#039;, unsicheres Wort: neben Gen 2,6 nur noch in [[Ijob 36#s27 |Ijob 36,27]].&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Die meisten leiten ab von einem akkadischen Kognat &#039;&#039;edû&#039;&#039; mit der Bed. &#039;&#039;Wasserflut, Sturzflut&#039;&#039;, daher z.B. LUT: „ein Strom“, ZÜR: „ein Wasserschwall“. So aber keine der alten Üss.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Mankowski 2000 und Arnold 2009 leiten ab vom sumerischen &#039;&#039;adea&#039;&#039; („Grundwasser, Bewässerung“; die Ableitung von einem sumerischen &#039;&#039;id&#039;&#039; „Fluss“ dagegen hat sich als Fehler erwiesen, vgl. Speiser 1955, S. 9; Tsumura 1989, S. 104. Gegen Tsumuras weiteren sumerischen Alternativvorschlag vgl. Hasel / Hasel 2000, S. 325), daher z.B. BigS: „ein Quell“, NeÜ: „Grundwasser“. So schon LXX, VUL, Syr: „Quelle / Brunnen“.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Yahuda 1933, S. 157; Görg 1986, S. 23f. und Hasel / Hasel 2000 leiten ab von ägyptischen und arabischen Kognaten mit der Bed. „Nebel / Tau“ (dagegen vgl. aber die Einwände von Müller in Witte 1998, S. 84f. FN 30), daher z.B. NL: „Nebel“, SLT: „ein Dunst“. So fast alle alten jüd. Ausleger.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Dahood 1981, S. 535f.; Kline 1996 und Futato 1998, S. 6-9 schließlich leiten ab von einem unsicheren eblaitischen &#039;&#039;ì-du&#039;&#039; („Wolke“. Hier sind die Einwände von Hasel / Hasel 2000, S. 330 nicht fair; richtig bleibt aber: Das Kognat ist und bleibt unsicher. Und der Text wäre unsinnig: Welchen Sinn sollen die Wolken haben, wenn es gleichzeitig heißt, dass es noch nicht regnet?). So keine der neueren Üss., aber schon TgO: „Wolke“; ebenso der Midrasch („Wolken haben fünf Namen: &#039;&#039;´ab&#039;&#039;, &#039;&#039;`ed&#039;&#039;, &#039;&#039;´anan&#039;&#039;, &#039;&#039;nasi&#039;&#039; und &#039;&#039;ḥaziz&#039;&#039;.“) und noch Schüle 2006, S. 149: „Da stieg eine Wolke auf von der Erde und tränkte die Oberfläche des Erdbodens.“&amp;lt;br /&amp;gt;(5) Das „Feuchtigkeit“ in EÜ und PAT scheint komplett aus dem Kontext abgeleitet zu sein.&amp;lt;br /&amp;gt;Vorzuziehen ist klar (1) oder (2): Gen 2,5-6 schildern ja offensichtlich einen Erde, auf der noch &#039;&#039;keine&#039;&#039; Pflanzen wachsen; bei den meisten Vorschlägen allerdings hat man nach Kognaten gesucht, nach denen V. 6 besagt, dass die Erde trotz noch nicht vorhandenem Regen auf alternative Weisen bewässert wird.&amp;lt;/ref&amp;gt; aus der Erde emporzusteigen pflegte (indem er das Grundwasser heraufholte&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;indem er das Grundwasser heraufholte&#039;&#039; - so Bea 1933, S. 147ff.: Man analysiere &#039;&#039;ja´aleh&#039;&#039; nicht als Qal, sondern als das homonyme Hifil, und den Satz nicht als selbstständigen Satz, sondern als durch Wortstellung (Objekt - Verb) markierten modalen Nebensatz. Meines Erachtens (S.W.) ist dies die rundeste Interpretation.&amp;lt;br /&amp;gt;Vor allem spricht dafür, dass sich so interpretiert dann viele Anklänge an verwandte Schöpfungsmythen fänden. Drei Beispiele: (1) Im sumerischen Mythos „Enki und Ninmach“ und im babylonischen Atramchasis-Mythos werden die Menschen &#039;&#039;deshalb&#039;&#039; geschaffen, weil die Götter keine Lust mehr haben, selbst Kanäle graben und sie mit ihren Gefäßen mit Wasser füllen zu müssen. Diese beiden Mythen sind sehr bekannt; ähnlich ist es auch im zweisprachigen (sumerischen und akkadischen) Schöpfungsmythos VAT 9307 / KAR 4. Die Aufgabe des Menschen wird dort so bestimmt: „&#039;&#039;Das Arbeitspensum der Götter sei ihr Arbeitspensum! Auf ewige Tage den Grenzgraben festzusetzen, Hacke und Tragkorb in ihre Hand zu legen, die große Wohnung der Götter für einen erhabenen Hochsitz geeignet zu machen, Flur an Flur (zu planen), auf ewige Tage den Grenzgraben festzusetzen, den Deich herzurichten, den Grenzgraben festzusetzen, das Grundstück zu bewässern, Pflanzen gedeihen zu lassen, Regen in Menge ...&#039;&#039;“ (TUAT III/4, S. 607). (2) In einem sumerischen Fragment ist dieses „Wasser-Schöpfen“ paradigmatisch für die Zeit des Menschen; die Zeit vor seiner Erschaffung wird daher beschrieben mit „&#039;&#039;An, der Herr, erhellte den Himmel, die Erde war dunkel, in die Unterwelt wurde [noch] nicht geschaut, &#039;&#039;aus der Tiefe wurde (noch) kein Wasser geschöpft&#039;&#039;, [noch war] nichts geschaffen...&#039;&#039;“ (TUAT III/3, S. 353). (3) Vergleichbar ist auch der sumerische Mythos „Enki, Ninsikila und Ninchursaga“. Dort wird von der Entstehung der urzeitlichen Stadt Tilmun (=Dilmun, s.o.) berichtet: Der Gott Enki hat sie seiner Tochter zum Geschenk gemacht. Doch sie spricht: „&#039;&#039;Tilmun, eine Stadt, hast du gegeben, eine Stadt hast du gegeben, was soll ich mit deiner Schenkung? Eine Stadt, die in den Kanälen kein Wasser hat! Tilmun, eine Stadt hast du gegeben, eine Stadt hast du gegeben, was soll ich mit deiner Schenkung?&#039;&#039;“ Anders als in den ersten vier Beispielen ist das Wasser-Schöpfen hier aber nicht Aufgabe des Menschen; stattdessen spricht Enki: „&#039;&#039;Möge Utu, der am Himmel steht, ... aus dem Munde des Wassers, das in der Erde strömt, dir süßes Wasser aus der Erde kommen lassen, daraus das Wasser in deine großen Becken aufsteigen lassen, möge er dir deine Stadt Wasser des Überflusses trinken lassen, Tilmun dir Wasser des Überflusses trinken lassen, ... möge deine Stadt das Haus des Ertrages des Kais des Landes Sumer sein...!&#039;&#039;“ (ebd., S. 367f.).&amp;lt;br /&amp;gt;Dafür spricht auch, dass dann erklärlich würde, warum &#039;&#039;`adam&#039;&#039; nicht nur ein Wortspiel bildet mit &#039;&#039;`adamah&#039;&#039;, sondern auch mit &#039;&#039;`ed&#039;&#039; ({{hebr}}אד{{hebr ende}} – {{hebr}}אדם{{hebr ende}} – {{hebr}}אדמה{{hebr ende}}; vgl. gut Jacob 1934, S. 82f.): Des Menschen Auftrag wäre es dann eben, &#039;&#039;`ed&#039;&#039; auf die &#039;&#039;`adamah&#039;&#039; zu bringen.&amp;lt;br /&amp;gt;Mir (S.W.) ist die Interpretation Beas daher ausgesprochen sympathisch; weil er mit dieser Interpretation bisher aber m.W. allein steht, sollte auch OfBi nicht dieser Interpretation folgen.&amp;lt;br /&amp;gt;Erwägenswert ist außerdem noch der Vorschlag von Bandstra 2008, S. 123, das „noch nicht“ aus 5ab tue double duty, und der ähnliche und bessere Vorschlag von Saadia (erwogen auch von Radak), Calmet 1730, S. 16f. und Sachsse 1921, S. 279f., das „es gab kein“ aus 5c tue double duty: „Unkraut und Nutzpflanzen wuchsen noch nicht, weil es keinen Erdling gab, der den Erdboden bestellte, und [noch nicht] Grundwasser aufzusteigen pflegte / und [weil] es [kein] Grundwasser [gab], [das] aufzusteigen pflegte...“. Dagegen aber richtig McClellan 1939, S. 110 (vgl. auch Houbigant 1777b, S. 4f.): Das „noch nicht“ ist zu weit entfernt, um double duty zu tun, und „kein“ kann nicht double duty tun, weil 6a im Heb. stattdessen „nicht“ (&#039;&#039;lo`&#039;&#039;) erforderte.&amp;lt;/ref&amp;gt;)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
und (das ganze Angesicht=) die ganze Oberfläche des Erdbodens zu [er]tränken pflegte (gaben zu trinken).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|7}} Da formte (bildete, gestaltete) JHWH-Gott den Erdling (Menschen): Staub&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Khnum töpfert.jpg|mini|rechts|Ägyptisches Relief in Dendera: Der Gott Khnum töpfert ein Kind, die Göttin Isis verleiht ihm Leben. (c) Didia via [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Chnum-ihy-isis.jpg Wikimedia Commons] ]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Staub&#039;&#039; - nicht „Lehm“ o.ä., woraus man gut etwas formen könnte und woraus nach [[Ijob 10#s9 |Ijob 10,9]]; [[Ijob 33#s6 |33,6]]; [[Jesaja 29#s16 |Jes 29,16]]; [[Jesaja 45#s9 |45,9]]; [[Jesaja 64#s8 |64,8]] wirklich auch der Mensch geformt ist. Auch das macht in V. 6 die Bed. „Grundwasser heraufholen“ noch mal wahrscheinlicher; der Grund für die Wortwahl wäre dann, dass die Erde eben noch nicht durch „einen Strom“, „Feuchtigkeit“, „Wolken“ oder „Tau“ befeuchtet wurde, so dass es noch gar keinen „Lehm“ gab. Alternativ muss man annehmen, mit „Staub“ solle bereits hier auf die Sterblichkeit des Menschen hingewiesen werden. Aber ob der Mensch zu diesem Zeitpunkt bereits als sterblich gedacht sein soll, ist ganz ungewiss.&amp;lt;br /&amp;gt;Die Schöpfung des Menschen aus Erde ist ein Urmythos und findet sich nicht nur in mehreren altorientalischen Mythen, sondern auch in der griechischen Mythologie, in afrikanischen Volksmärchen etc. (vgl. Becking 2011, S. 6f.).&amp;lt;/ref&amp;gt; vom&amp;lt;ref&amp;gt;Die Präp. &#039;&#039;vom&#039;&#039; kommt im Hebräischen überraschend; erwartet hätte man eine Genitivkonstruktion „Staub des Erdbodens“. Sicher soll damit V. 23 vorbereitet werden: Wie der Rohstoff für die Frau „&#039;&#039;vom&#039;&#039; Menschen“ genommen werden wird, so hier der Rohstoff für den Menschen „&#039;&#039;vom&#039;&#039; Erdboden“.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: In der jüdischen Antike wurde dies Basis einer schönen Auslegung: Mit „Staub &#039;&#039;vom&#039;&#039; Erdboden“ solle gesagt sein, dass Gott Erde aus allen vier Himmelsrichtungen zusammensammelte, um den Menschen zu formen, damit der Mensch bei seinem Tod auch in allen vier Himmelsrichtungen von der Erde wieder aufgenommen werde (so Midrasch Tanchuma, Pekudei 3; auch Raschi u.a.). Nach Gen 2,7 wäre der Mensch so selbst noch im Tod „Weltbürger:in“. Ähnlich auch schon TgJ, der bei dieser Gelegenheit auch noch wundervoll betont, dass bereits zu dieser Zeit der Mensch mit all seinen Hautfarben geschaffen worden sei: „&#039;&#039;Er nahm Staub vom Ort des Tempels und aus allen vier Himmelsrichtungen der Welt, außerdem ein Gemisch aus allen Wassern der Welt und schuf ihn rot (=braun), schwarz und weiß.&#039;&#039;“&amp;lt;/ref&amp;gt; Erdboden (formte JHWH-Gott den Erdling [aus] Staub vom Erdboden und...). {{par|Genesis|3|19}} {{par|Ijob|33|6}} {{par|Psalm|103|14}} {{par|Jesaja|29|16}} {{par|Jesaja|64|8}} {{par|Jeremia|18|1|2}} {{par|1 Korinther|15|47}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und er blies (atmete) in seine Nase Hauch (Wind) des Lebens,&amp;lt;ref name=&amp;quot;Nachkommen&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;und [so] wurde der Erdling (Mensch) [zu] (einer lebendigen Seele =) einem Lebewesen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Gen 2,7b wurde von den alten jüdischen und christlichen Auslegern sehr häufig als Beleg dafür genommen, dass der Mensch seine &#039;&#039;Seele&#039;&#039; von Gott empfangen hatte, und dies werde hier gesagt (Radak, Sforno; Tertullian, Basilius, Chrysostomus u.a. Zwei Beispiele: [1] Ramban: „&#039;&#039;Der Vers sagt, dass er den Hauch des Lebens in seine Nase geblasen habe, um uns darüber in Kenntnis zu setzen, dass die Seele nicht aus den Elementen besteht ..., sondern vom Geist Gottes herrührt.&#039;&#039;“; [2] Gregor von Nazianz, Dogmatischer Hymnus 7: „&#039;&#039;Die Seele ist der Atem Gottes, ist himmlisch&#039; Ding vermischt mit tiefster Erde, ist Licht, gesperrt in eine Höhle – und doch ganz göttlich, unzerstörbar...&#039;&#039;“). Gesagt wird das hier nicht: &#039;&#039;nešamah&#039;&#039; ist nicht die „Seele“, sondern der „Atem“, der jedem Lebewesen eignet und der es erst zu einer &#039;&#039;nefeš ḥajah&#039;&#039; („einer lebendigen Seele“ = „einem Lebewesen“) macht, was gleichfalls kein Alleinstellungsmerkmal des Menschen ist: Auch die Tiere werden in [[Genesis 1#s20 |Gen 1,20]] als „lebendige Seelen“ bezeichnet, auch sie haben in [[Genesis 7#s21 |Gen 7,21f]] „Atem (statt: Hauch) des Lebens“ in ihrer Nase. Ganz prosaisch und richtiger daher ibn Ezra: „&#039;&#039;Die Bedeutung von ‚er blies in seine Nase Hauch des Lebens‘ ist: Der Mensch lebt vermöge seiner Nasenlöcher. Durch sie entweicht die vom Herzen erhitzte Luft und wird durch frische Luft ersetzt.&#039;&#039;“ Alleinstellungsmerkmal könnte hier allenfalls sein, dass nur vom Menschen explizit gesagt wird, dass ihm sein Atem &#039;&#039;von Gott&#039;&#039; eingehaucht wurde. So Chizkuni: „&#039;&#039;‚Er blies in seine Nase den Hauch des Lebens‘ – Gott höchstselbst behauchte den Menschen mit dem Hauch des Lebens; etwas, was er für kein anderes seiner Geschöpfe getan hatte. Warum war dies nötig? Damit der Mensch Weisheit haben könne, d.h. heiligen Geist.&#039;&#039;“ (ähnlich Haag 1970, S. 46; Sarna 2001, S. 17).&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|27|3}} {{par|Ijob|33|4}}&lt;br /&gt;
{{S|8}} Und JHWH-Gott pflanzte einen Garten (Park) in Eden (=Lust, Wonne) im Osten (im [fernen] Osten, in der Urzeit),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;im Osten (im [fernen] Osten, in der Urzeit)&#039;&#039; - (1) Ob &#039;&#039;miqqedem&#039;&#039; (mit der Präp. &#039;&#039;mi(n)-&#039;&#039; statt &#039;&#039;be-&#039;&#039; wie in &#039;&#039;be´eden&#039;&#039; „in Eden“) wirklich eine zweite Ortsangabe ist, ist umstritten. Dafür z.B. Bührer 2014, S. 212 und Carr 2021 mit dem sehr richtigen Hinweis auf [[Genesis 2#s14 |Gen 2,14]]; [[Genesis 3#s24 |3,24]]. So auch LXX und z.B. auch schon Basilius der Große in &#039;&#039;Über den Heiligen Geist&#039;&#039; 27.66: „&#039;&#039;Aus diesem Grund blicken wir beim Beten nach Osten. Nur wenige wissen, dass der Grund dafür ist, dass wir damit in Richtung unseres einstigen Heimatlands blicken, das Gott in Eden gen Osten gepflanzt hatte.&#039;&#039;“&amp;lt;br /&amp;gt;(2) &#039;&#039;miqqedem&#039;&#039; hat häufiger auch zeitliche Bed.: „zur Urzeit“. So daher fast alle alten Vrs.: Aq, Sym, Theod, VUL, Syr, TgJ. Nur TgO und TgN verwenden das selbe Wort wie MT und sind daher nicht eindeutig. Auch der Midrasch kennt diese Deutung: „&#039;&#039;Du glaubst vielleicht, &#039;&#039;miqqedem&#039;&#039; bedeute ‚vor der Schöpfung der Welt‘, aber das ist nicht der Fall. Vielmehr bedeutet es: ‚vor der Schöpfung Adams‘, denn Adam wurde am sechsten Tag geschaffen, der Garten in Eden dagegen am dritten.&#039;&#039;“ Vgl. auch 4 Esra 3,6: &#039;&#039;Dann führtest du [den Menschen] ins Paradies, das deine Hand gepflanzt hatte, ehe die Erde entstand.&#039;&#039;. So bes. Stordalen 2000, S. 261-270; z.B. auch Jericke 2013, S. 26.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Gertz 2018 schließlich übersetzt mit „in der Urzeit im fernen Osten“, um offenzuhalten, ob der Ausdruck lokal oder temporal gemeint sei, und gleichzeitig klarzumachen, dass hier von keinem konkreten Ort die Rede sei. Ich (S.W.) halte das für klug und für die LF für erwägenswert.&amp;lt;br /&amp;gt;Ausnahmslos alle dt. Üss. wählen wie die meisten Kommentare etwas wie „im Osten“ und verfremden höchstens ein wenig mit der Üs. „gegen Morgen“ (LUT 84, SLT 51). Wegen Gen 3,24 ist das auch in der Tat am wahrscheinlichsten, gemeint ist aber wohl wirklich etwas wie Gertz&#039; „ferner Osten“: „Der Osten, wo die Sonne aufgeht, ist ein symbolischer Ort, der &#039;&#039;Zwischen-Raum&#039;&#039; an der Grenze von Himmel und Erde, der Ort, zu dem Gilgamesch reisen musste, um Unsterblichkeit zu erlangen“ (Goldingay 2020, S. 58).&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;und er setzte dort[hin] den Erdling (Menschen), den er geformt (gebildet, gestaltet) hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;den Erdling (Menschen), den er gebildet hatte&#039;&#039; - Wiederaufnahme von V. 7: &#039;&#039;er bildete den Erdling... den Erdling, den er gebildet hatte&#039;&#039; (gut Walsh 1977, S. 162). Geht man nicht davon aus, dass Gen 2 ein echtes Gedicht ist, liegt es daher eher fern, dass Vv. 7.8 zu unterschiedlichen Abschnitten gehören (wie oft gegliedert wird). In einem Gedicht dagegen könnte dies das Stilmittel der „Concatenatio“ sein, das gerade signalisieren würde, dass die Verse mit den einander entsprechenden Zeilen zu unterschiedlichen Strophen gehören.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|9}} Und JHWH-Gott ließ aus dem Erdboden jeglichen Baum sprießen, begehrenswert anzusehen und gut als Essen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und der Baum des Lebens&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Baum des Lebens&#039;&#039; - ein weiterer Urmythos: Erzählungen von Bäumen, die ewiges Leben schenken, gab es im ganzen Alten Orient und auch vielfach in der skandinavisch-germanischen Welt. Viele Beispiele hat Wünsche 1905 zusammengetragen. In den meisten dieser Mythen dienen die Früchte dieses Baums als Speise für die &#039;&#039;Götter&#039;&#039;; wahrscheinlich ist daher, dass dieser Baum in der ursprünglichen Sage nicht etwa als „Test“ für den Menschen o.Ä. in den Garten gepflanzt wurde, sondern dass er zum gewöhnlichen Ensemble eines „Gottes-Gartens“ gehörte.&amp;lt;/ref&amp;gt; [(war =) wuchs] (er ließ sprießen jeglichen Baum..., auch den Baum des Lebens)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Die meisten dt. Üss. wie in der Alternativübersetzung. Nach den hebräischen Akzenten ist 9b aber offensichtlich ein zweiter Hauptsatz und liefert nicht ein zweites und drittes Subjekt im selben Hauptsatz nach.&amp;lt;/ref&amp;gt; mitten im Garten&amp;lt;br /&amp;gt;und der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse [auch].&amp;lt;ref&amp;gt;Zum &#039;&#039;Baum der Erkenntnis von Gut und Böse&#039;&#039; s. die Anmerkungen zu Gen 3.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[auch]&#039;&#039; - Auch der zweite Baum wuchs in der Mitte des Gartens. Syntaktisch ist Gen 2,9b eine sogenannte „gespaltene Koordination“ (vgl. bes. Michel 1997b, S. 1-22; z.B. auch Carr 2021; Mettinger 2007, S. 22; Bauks 2012, S. 268; Bührer 2014, S. 213f.): Im Hebräischen kann eine Aussage &#039;&#039;a&#039;&#039; sowohl über Subjekt &#039;&#039;A&#039;&#039; als auch über Subjekt &#039;&#039;B&#039;&#039; ausgesagt werden, indem man einen Satz bildet mit dem Muster &#039;&#039;A a und B&#039;&#039;, hier also etwa: „Baum 1 war X und Baum 2“ = „Baum 1 und 2 waren X“. Das wussten schon die alten jüd. Exegeten, die daher gar nicht über die grammatische Konstruktion nachdachten, sondern gleich darüber, wie es denn möglich sei, dass &#039;&#039;zwei&#039;&#039; Bäume &#039;&#039;exakt&#039;&#039; in der Mitte des Gartens wachsen könnten (z.B.: Sie teilten sich &#039;&#039;einen&#039;&#039; Stamm, oder: Baum 2 wuchs um Baum 1 herum etc.). Dass mit „Mitte“ nicht die &#039;&#039;exakte&#039;&#039; Mitte gemeint sein muss, ist aber ja klar.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|10}} {Und} Ein Strom nun geht aus (würde ausgehen)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Verben&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;geht aus&#039;&#039; + &#039;&#039;teilt sich&#039;&#039; + &#039;&#039;und wird&#039;&#039; - Das erste Vb. ist Partizip; i.d.R. wird es daher präsentisch gedeutet: Der Fluss tut dies immer noch; für den Verfasser befände sich der Garten also immer noch irgendwo. Das zweite ist ein Yiqtol- und das dritte ein Weqatal-Verb. Beide Vb.-Formen werden i.d.R. zum Ausdruck von Zukünftigkeit oder Modalität verwendet. Daher etwa Bandstra 2008: „A river &#039;&#039;exits&#039;&#039;. ... From there it &#039;&#039;will divide&#039;&#039;. And it &#039;&#039;will become&#039;&#039; four heads.“&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Das Partizip allerdings ist im klassischen Bibelhebräisch zeitlos; seine Temporalität muss aus dem Kontext erschlossen werden und kann dann ebenfalls Zukunft sein (Bsp.: [[Jona 1#s3 |Jon 1,3]]: „Er fand ein Schiff, das nach Tarschisch &#039;&#039;fahren würde&#039;&#039;“; vgl. z.B. GKC §116d). Der Nahkontext mit dem Yiqtol- und Weqatal-Verb spricht dann eigentlich dafür, dass auch das Ptz. zukünftig zu deuten ist: Aktuell hat der Garten noch keine Wasserquelle, weshalb es den Menschen braucht. Später allerdings – nach der Verbannung des Menschen – &#039;&#039;würde&#039;&#039; ein Strom von Eden ausgehen, um den Garten zu bewässern, und &#039;&#039;würde&#039;&#039; sich dann wieder in vier Flüsse teilen. So aber niemand.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) JM §119u denkt an durative Vergangenheit: „Er teilte sich dauerhaft und wurde dauerhaft zu vier Häuptern“. Aber wie soll „teilen“ und „zu etwas werden“ anders durativ sein als „ausgehen“?&amp;lt;br /&amp;gt;(3) An Joüons „duratives Yiqtol der Vergangenheit“ glauben ohnehin nicht viele hebraistische Grammatiker. GKC §107d etwa daher dagegen: iterative Vergangenheit: „... Gn 2:10 represents the river as going out of Eden in a continuous, uninterrupted stream, but {{hebr}}יִפָּרֵר{{hebr ende}}, which immediately follows, describes how the parting of its waters is always taking place afresh.“; ebenso Dav §54b; Nic 40; Bartelmus 1982, S. 201. Idem; und: der Fluss wird doch gerade nicht &#039;&#039;wiederholt&#039;&#039; zu mehreren Flüssen, sondern konkret zu den genannten vier? Dagegen vgl. auch HKL III §160.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Vielleicht auch nur durch Wortstellung (Waw-X-Yiqtol) markierter temporaler Nebensatz: „... wonach er sich von dort aus teilt und zu vier Flusshäuptern wird“?&amp;lt;br /&amp;gt;Aber alle dt. Üss. übergehen das und übersetzen schlicht gleichzeitig mit dem Partizip in 10a; das sollte dann besser auch OfBi tun.&amp;lt;/ref&amp;gt; von Eden, um den Garten zu tränken (ertränken),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;von Eden, um den Garten zu tränken&#039;&#039; legt wie „ein Garten &#039;&#039;in&#039;&#039; Eden“ nahe, dass der Garten und Eden nicht identisch sind. V. 15 dagegen „der Garten Eden“; offenbar sind der Eden und der Garten in Eden koextensiv. Dann entspringt der Fluss im Garten selbst.&amp;lt;/ref&amp;gt; und von dort aus teilt er sich (würde er sich teilen) und wird (würde werden)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Verben&amp;quot; /&amp;gt; zu vier Häuptern (=Fluss-Quellen, Fluss-Anfängen).&amp;lt;ref name=&amp;quot;Namen&amp;quot;&amp;gt;[[Datei:Paradies 2.jpg|rahmenlos|rechts|Lage des Paradieses, Variante 1]]&lt;br /&gt;
Die Lage der &#039;&#039;vier Flüsse&#039;&#039; und damit auch die Lage Edens und des Gottesgartens ist umstritten. Klar identifizierbar sind Tigris und Euphrat, und damit auch „Assur“, das dann nicht Assyrien, sondern seine gleichnamige Hauptstadt &#039;&#039;Aššur&#039;&#039; meinen muss (die anders als das Gros Assyriens westlich des Tigris lag). Umstritten sind der Pischon (vgl. [https://www.odb.bibelwissenschaft.de/ortsnamen/ortsname.php?n=95 Pischon (odb)]) und das Land Hawila (vgl. [https://www.odb.bibelwissenschaft.de/ortsnamen/ortsname.php?n=49 Hawila (odb)]) in V. 11 und der Gihon (vgl. [https://www.odb.bibelwissenschaft.de/ortsnamen/ortsname.php?n=267 Gihon, Strom (odb)]) und das Land Kusch (vgl. [https://www.odb.bibelwissenschaft.de/ortsnamen/ortsname.php?n=66 Kusch (odb)]) in V. 13. Besonders sechs Deutungsvarianten sind im Umlauf, keine ist wirklich überzeugend:&amp;lt;br /&amp;gt;(1a) Klassisch wird der &#039;&#039;Giḥon&#039;&#039; (von &#039;&#039;gi(a)ḥ&#039;&#039; „hervorbrechen, hervorkommen“ &amp;gt; „der Quell-Fluss“) mit dem Nil identifiziert (so schon [[Jesus Sirach 24#s27 |Sir 24,27]]; Jer 2,18 LXX; 1QGenAp 21,15; JosAnt I 39f.), v.a. weil &#039;&#039;Kusch&#039;&#039; meist ein Volk im damaligen Südägypten meint. Den &#039;&#039;Pischon&#039;&#039; (vielleicht von äg. &#039;&#039;p3 šnj&#039;&#039; „der Umgreifende“; eher von heb. &#039;&#039;puš&#039;&#039; „springen“ &amp;gt; „rauschender Fluss“) hielten schon Josephus, Eusebius und die Targumim ganz fernliegend für den Ganges in Indien (nicht auf der Karte); wohl, weil damit gleich vier kulturprägende Flüsse auf einmal aus Eden entsprängen.&amp;lt;br /&amp;gt;(1b) Aber der Nil wird häufig in der Bibel erwähnt und heißt nie „Gihon“. Witte 1998, S. 265-267; Gerhards 2013, S. 202; Kang 2020, S. 95f. u.a. halten daher den &#039;&#039;Pischon&#039;&#039; für den Nil (wie er ebenfalls nie bezeichnet wird) und den Gihon für das gleichnamige Bächlein, das in Jerusalem entspringt, und das durch die Behauptung, dass es bis zu den Kuschiten fließe und sogar das ganze Land umgebe, aufgewertet werden soll. Ähnlich halten Gertz 2018 und Carr 2021 den Gihon für den Nil, der aber als „Gihon“ bezeichnet werde, um so ebenfalls das Jerusalemer Bächlein aufzuwerten. Hawila und der Pischon müssten dann am besten wie in (3b) erklärt werden, s. gleich.&amp;lt;br /&amp;gt;(1c) Haag 1970, S. 37f., Sarna 2001 und Jericke 2013b dagegen halten den Gihon für den weißen und den Pischon für den blauen Nil, also den südwestlichen und den südöstlichen Quellfluss des ägyptischen Nils. Beide würden mit den Kunstnamen „Quellwasser“ und „Sprudelwasser“ bezeichnet. Hawila wird dann nach den Genealogien in [[Genesis 10#s7 |Gen 10,7]]; [[1 Chroniken 1#s9 |1 Chr 1,9]] (neben Saba, Sabta, Ragma, Scheba und Dedan) ans Rote Meer und genauer an die Westküste östlich des Nils verortet, was zum blauen Nil passen würde. Wie aber der weiße Nil ganz Kusch umflossen haben soll, verstehe ich (S.W.) nicht.&amp;lt;br /&amp;gt;Nach (1a-c) wären die Ortsangaben also geographisch nicht logisch: Euphrat und Tigris haben keine gemeinsame Quelle, Nil und Ganges und Gihon sind weder mit diesen beiden noch miteinander verbunden. Die Ortsangabe wäre dann vergleichbar mit dem Ort, da der Regenbogen die Erde berührt, oder mit Coleridges „sacred Alph river“ in Xanadu: ein mythisches Nirgendwo.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Es sei denn, man deutet wie Ephrem der Syrer: „&#039;&#039;Weil das Paradies sehr hoch liegt, werden die Flüsse wieder verschluckt, fließen dann ... wie durch eine große Wasserleitung durch die Erde unter dem Meer zur Erde. Dann speit die Erde sie alle wieder aus: Als die Donau (!) – das ist der Pischon – im Westen, als den Gihon im Süden, und als Euphrat und Tigris im Norden.&#039;&#039;“ Ähnlich bar Salibi, Mose bar Kepha und noch Rav Hirsch.&amp;lt;br /&amp;gt;[[Datei:Paradies 1.jpg|rahmenlos|rechts|Lage des Paradieses, Variante 2]] (3a) Die verbreitetste alternative Deutung ist diese: Man verstehe „Ein Fluss geht aus von Eden und teilt sich dort...“ nicht als Aussage über die Flussrichtung, sondern nur über den von Eden aus gesehenen Verlauf der Flüsse. Mit dem Fluss, der sich dann in Euphrat und Tigris teilt, ist dann der Schatt al-Arab gemeint, in den die beiden kurz vor dem Persischen Golf zusammenfließen. Weiter: Der samaritanische Pentateuch gibt den Gihon mit &#039;&#039;`Asqop&#039;&#039; wieder, was Speiser 1967, S. 25 sinnvoll mit dem Karkeh identifiziert, der in den selben Fluss mündet wie Euphrat und Tigris. Zu &#039;&#039;Kusch&#039;&#039; vgl. dann am ausführlichsten Burrell 2020, S. 147-167 (und wieder bereits Speiser 1967, S. 25; z.B. auch Harris 1968, S. 179): Mehrere Quellen legen nahe, dass &#039;&#039;Kusch&#039;&#039; nicht nur Äthiopien südlich von Ägypten bezeichnen konnte, sondern auch eine mesopotamische Region – was ebenfalls in die entsprechende Gegend weisen würde. Der Pischon schließlich wird d.Ö. mit dem einstigen Pasitigris gleichgesetzt, dem heutigen Karun (so z.B. Hölscher 1949, S. 35-44; Dietrich 2001), der auch in sumerischen und akkadischen Mythen häufig erwähnt wird. Hawila endlich wird man dann am besten nicht als Eigennamen eines Ortes oder Stamms verstehen, sondern – da das Wort im MT und SamP ohnehin einen für Eigennamen unüblichen Artikel trägt – als Klassennomen: „das Sandland“ = „die Wüste“. Nach dieser Variante würden Gen 2,10-14 das Paradies also auf geographisch sinnvolle Weise an den Persischen Golf ins Delta von Euphrat, Tigris, Karkeh und Karun verorten.&amp;lt;br /&amp;gt;(3b) Möglich dann noch: Hawila könnte nach den Genealogien in Gen 10,7; 1 Chr 1,9 auch auf der Ostseite des Roten Meeres auf der Arabischen Halbinsel liegen. Der m.E. beste Vorschlag ist der von Knauf 1985, S. 64, der Ort sei mit Ha&#039;il zu identifizieren. Das passt einigermaßen zu einem neuerdings populären Vorschlag (vgl. z.B. Scolnic 2005, S. 21f.), mit dem vierten Fluss sei der heute ausgetrocknete, früher aber (in der Tat) große „Kuwait-Fluss“ gemeint, der einst durch das Wadi Batin floss. So insgesamt z.B. Collins 2006: Wadi Batin, Karun oder Karkeh, Euphrat, Tigris. Auch nach dieser Deutung läge Eden am Schatt al-Arab im heutigen Irak. Das passt auch gut zu den „ertränkenden Fluten“ in V. 6: In diesem Flussdelta liegt ein (aktuell vom Austrocknen bedrohtes) Marschland, wie es in dieser Wüstenregion so selten ist, dass die UNESCO es 2016 zum Welterbe erklärt hat.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|11}} Der Name des ersten [ist] „Pischon“;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Namen&amp;quot; /&amp;gt; das [ist der,] der das ganze Land Hawila (der das ganze Sandland)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Namen&amp;quot; /&amp;gt; umfließt, wo es das Gold&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;das Gold&#039;&#039; - also besonders viel Gold oder, wie V. 12 sagt, Gold von besonders hoher Qualität (so Radak, König 1919; Haag 1970, S. 39).&amp;lt;/ref&amp;gt; gibt.&lt;br /&gt;
{{S|12}} Und das Gold jenes Landes ist gut. Dort gibt es auch das Bdelliumharz (die Perle?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Bdelliumharz (die Perle?)&#039;&#039; - unsicheres Wort; nur noch in [[Numeri 11#s7 |Num 11,7]]. LXX: „Kohle“ woraus Goldingay 2020 ableiten will, es seien Rubine gemeint. Aq, VUL und der Midrasch (s. gleich) &#039;&#039;Bdelliumharz&#039;&#039;, eine Art Weihrauch. Die gr. und lat. Worte sind dem heb. sehr ähnlich; Goldingay glaubt daher, dies sei ein &#039;&#039;false friend&#039;&#039; und daher eine Fehlübersetzung von Aq und VUL. Aber s. Rabbi Aibu (4./5. Jhd.) im Midrasch: „&#039;&#039;Du glaubst jetzt vielleicht, dass das &#039;&#039;bedolach&#039;&#039; des Apothekers / Parfum-Herstellers gemeint sei. [...] Aber wie das folgende Wort ein Edelstein ist, so ist auch dies ein Edelstein.&#039;&#039;“ – auch das heb. Wort hatte also sicher (auch) diese Bed. So auch alle dt. Üss.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Saadia, ibn Balaam und Radak dagegen halten es für die „Perle“ (Radak berichtet bei der Gelegenheit faszinierend, wie man sich zu seiner Zeit die Entstehung von Perlen vorstellte: Perlen sind Tautropfen, die in Flüssen versunken waren). Das passte besser als Bdelliumharz, da es sich hier neben dem Gold und dem Schoham-Stein immerhin ebenfalls um einen Bodenschatz im weitesten Sinne handelt, aber für diese Bed. gibt es kein Indiz. Die mutmaßliche Geschichte hinter dieser Deutung ist ein kleines Lehrstück; sie sei daher hier am Anfang der Bibel kurz nacherzählt: TgO übersetzt ins Aramäische: &#039;&#039;bdwlḥ`&#039;&#039; ({{hebr}}בדולחא{{hebr ende}}) &#039;&#039;w`bnj bwrl`&#039;&#039; ({{hebr}}בורלא{{hebr ende}}), „Bdellium und Beryl-Stein“. Syr dann ursprünglich wohl fast ebenso: ܒܕܘܠܚܐ ܘܟܐ̈ܦܐ ܕܒܪܘܠܐ &#039;&#039;bdwlḥ` wk`p` dbrwl`&#039;&#039;. Unter Einfluss von &#039;&#039;brwl`&#039;&#039; verliest ein Schreiber dann aber &#039;&#039;bdwlḥ`&#039;&#039; (ܒܕܘܠܚܐ) als &#039;&#039;brwlḥ`&#039;&#039; (ܒܪܘܠܚܐ, „Perle“, s. Smith). Vom Syrischen wanderte dies dann zu Saadja ins Arabische; vielleicht wieder vermittelt durch Mose bar Kepha, den Saadja eifrig gelesen zu haben scheint und der nach Syr kommentiert: „&#039;&#039;Der Hebräer bezeichnet mit &#039;&#039;brwlḥ`&#039;&#039; die Perle&#039;&#039;“ (fast ebenso bar Salibi). Und von Saadja schließlich wandert es über Radak wieder zurück in die hebräische Auslegung. Was lehrt, mit welcher Vorsicht diese späteren Auslegungen auszuwerten sind: Sie haben eine Jahrhunderte währende Vorgeschichte. &#039;&#039;Diese&#039;&#039; Vorgeschichte jedenfalls macht klar, dass „Perle“ fast sicher nicht Bed. des heb. Wortes ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; und den Schoham-Stein.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Schoham-Stein&#039;&#039; - irgendein Edelstein. TgO, TgJ, Syr: „Beryl“; Aq, Sym, Theod, VUL: „Onyx“ (so auch ELB, R-S, SLT). Wegen der Nähe von &#039;&#039;šoham&#039;&#039; zu akk. &#039;&#039;šamtu&#039;&#039; („rot“) viele neuere auch „Karneol“; z.B. Gertz 2018, S. 114, auch B-R, PAT, EÜ, H-R, ZÜR. Die meisten dt. Üss.: „den Schoham-Stein“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|13}} Und der Name des zweiten Stromes ist „Gihon“;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Namen&amp;quot; /&amp;gt; das [ist der,] der das ganze Land Kusch&amp;lt;ref name=&amp;quot;Namen&amp;quot; /&amp;gt; umfließt.&lt;br /&gt;
{{S|14}} Und der Name des dritten Stromes ist „Tigris“;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Namen&amp;quot; /&amp;gt; das [ist der,] der östlich von Assur (Assyrien)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Namen&amp;quot; /&amp;gt; fließt. Und der vierte Strom, das [ist] der Eufrat.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|15}} {Und} JHWH-Gott nahm&amp;lt;ref&amp;gt;Zum &#039;&#039;nehmen&#039;&#039; vgl. bes. gut Haag 1970, S. 40, der auf die Parallelen [[Exodus 6#s7 |Ex 6,7]]; [[Numeri 3#s12 |Num 3,12]]; [[Deuteronomium 4#s20 |Dtn 4,20]]; [[Josua 24#s3 |Jos 24,3-15]]; [[2 Samuel 7#s8 |2 Sam 7,8]]; [[1 Könige 11#s37 |1 Kön 11,37]]; [[Psalm 78#s70 |Ps 78,70]]; [[Jesaja 66#s21 |Jes 66,21]]; [[Amos 7#s15 |Am 7,15]]; [[Haggai 2#s23 |Hag 2,23]] hinweist: Dass Gott jemanden „nimmt“, ist i.d.R. ein Bild dafür, dass er ihm ein bestimmtes Schicksal zuweist.&amp;lt;br /&amp;gt;Der Midrasch, Raschi und Radak dagegen denken, Gott habe den Menschen an einem bestimmten Ort geschaffen, und von dort werde er tatächlich „genommen“ und dann im Garten wieder abgesetzt. So schon TgJ: „&#039;&#039;JHWH-Gott nahm Adam vom Berg der Verehrung herunter, dem Ort, wo er geschaffen worden war&#039;&#039;“.&amp;lt;/ref&amp;gt; [also] den Erdling (Menschen)([, den er geschaffen hatte]&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: So LXX; auch TgJ (s.o.) stützt dies. Aber sicher Assimilation an V. 8; so richtig Hendel 1998, S. 124; BHQ.&amp;lt;/ref&amp;gt;) und ließ ihn wohnen im (setzte ihn in den)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;ließ ihn wohnen im (setzte ihn in den)&#039;&#039; - &#039;&#039;nuḥ&#039;&#039; hat zwei unterschiedliche Hifil-Formen: (1) &#039;&#039;heniaḥ&#039;&#039; und (2) &#039;&#039;hinniaḥ&#039;&#039;. Beide haben us. Bed.: (1) „jmdm Ruhe / einen Wohnort geben“, (2) „etw./jmdn absetzen, liegen lassen, in Ruhe lassen“ (vgl. JM §80p). MT, LXX, Sym und VUL deuten die Konsonanten wie (2); TgO, TgN und Midrasch („er ließ ihn wohnen“) wie (1). Letzteres z.B. auch Witte 1998, S. 269. Das ist sinnvoller. MT, LXX, Sym und VUL haben wahrscheinlich „er nahm den Menschen“ wörtlich verstanden  (s. zwei FN zuvor) und daher hier das Vb. in der zweiten Bed. genommen, die auch fast der des Verbs in V. 8 entspricht. Näher liegt aber (1). Will man den Sinn des Heb. wiedergeben, üs. vielleicht: „er bestimmte ihm den Garten zur Wohnung“ o.Ä. Gut EÜ: „Er gab ihm seinen Wohnsitz im Garten Eden“ auch EÜ aber davor: „Er nahm den Menschen“. Die anderen dt. Üss. alle „nahm und setzte“.&amp;lt;/ref&amp;gt; Garten Eden, (um zu=) damit er [in] ihm&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Das im Heb. fem. &#039;&#039;ihm&#039;&#039; bezieht sich auf die ganze Fügung „Garten Eden“, in der das mask. „Garten“ wegen dem fem. „Eden“ ebenfalls fem. ist; so richtig BrSynt §16g; Haag 1970, S. 41; Bührer 2014, S. 218. &#039;&#039;gan&#039;&#039; („Garten“) ist sicher nicht sowohl mask. als auch fem. (so schon ibn Ezra, Ramban), da neben dem mask. &#039;&#039;gan&#039;&#039; ja auch das fem. &#039;&#039;ganah&#039;&#039; existiert.&amp;lt;/ref&amp;gt; (damit er ihm) diene (arbeite) und ihn hüte (bewahre, bewache).&amp;lt;ref name=&amp;quot;dienen&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|16}} Und JHWH-Gott gebot&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Im Talmud wird in b.San 56 geglaubt, in diesem Vers würden die sieben „noachidischen Gebote“ grundgelegt, also die göttlichen Gebote, die nicht nur für alle Jüd:innen, sondern für alle Menschen gelten: Mit fast jedem Wort würde auf eines dieser Gebote angespielt, die ausführlicher andernorts in der Bibel ausformuliert seien, und zwar dergestalt, dass Worte verwendet werden, die sich auch in den ersten fünf dieser ausführlicheren Formulierungen finden (vgl. auch Chizkuni, Rabbenu Bahja):&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Das Gebot der Rechtspflege: &#039;&#039;es gebot&#039;&#039;, s. [[Genesis 18#s19 |Gen 18,19]].&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Das Verbot der Gotteslästerung: &#039;&#039;JHWH&#039;&#039;, s. [[Levitikus 24#s16 |Lev 24,16]].&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Das Verbot des Götzendienstes: &#039;&#039;Gott&#039;&#039;, s. [[Exodus 20#s3 |Ex 20,3]].&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Das Verbot des Blutvergießens: &#039;&#039;dem Erdling &#039;&#039;, s. [[Genesis 9#s6 |Gen 9,6]].&amp;lt;br /&amp;gt;(5): Das Verbot der Unzucht: &#039;&#039;besagend&#039;&#039;, s. [[Jeremia 3#s1 |Jer 3,1]].&amp;lt;br /&amp;gt;(6) Das Verbot es Raubes: &#039;&#039;von allen Bäumen des Gartens&#039;&#039;.&amp;lt;br /&amp;gt;(7) Das Verbot, &#039;&#039;lebende&#039;&#039; Tiere zu essen: &#039;&#039;darfst du essen&#039;&#039;.&amp;lt;br /&amp;gt;In der Folge entspann sich ein Auslegungsstreit darüber, ob dies wirklich die korrekten sieben noachidischen Gebote seien, die hier gesammelt wurden, ob der Vers vielleicht noch auf weitere Gebote anspiele (Bsp: In b.San 56b selbst glaubt Rabbi Eleazar, auch auf das für jüdische Gesetze so typische Gebot der Kreuzung von Tieren und Pflanzen werde hier angespielt, weil hier mit „von jedem Baum“ nur jene Bäume gemeint sein könnten, die Gott „natürlich“ erschaffen hatte und nicht solche, die erst vom Menschen gekreuzt wurden.) und ob dies vielleicht gar nicht der Fall sei, sondern Vv. 16f. „einfach nur“ das Verbot wiedergäben, dass Adam nicht von diesem konkreten Baum essen dürfe. Diese Diskussion braucht (und kann) hier nicht nachgezeichnet werden; die obigen sieben sind klar die Mehrheitsmeinung in der halachischen Auslegung.&amp;lt;br /&amp;gt;In der protestantischen Theologie werden die beiden Verse aus einem anderen Grund diskutiert: In [[Hosea 6#s7 |Hos 6,7]] und in [[Jesus Sirach 14#s17 |Sir 14,17]] LXX wird dieses Gebot als ein „Bund“ bezeichnet. Danach wäre dies schon vor dem Bund, den Gott mit Noah schloss, der erste „Bund“, den Gott mit dem Menschen geschlossen hatte. Im Lichte von Gen 9 könnte man ihn etwa so formulieren: „Ich gewähre dir, von allen Pflanzen des Gartens zu essen. Im Gegenzug gebe ich dir ein Gebot – nur eines! –, das du halten musst: Iss nicht vom verbotenen Baum!“. Man nennt diesen Bund daher auch den „Werkbund“ (&#039;&#039;foedus operum&#039;&#039;), der aber bereits von Adam und Eva stellvertretend für alle Menschen gebrochen worden sei. Dahinter stecken zwei theologische Ideen: Erstens ist die Theorie vom adamitischen Werkbund an sich nur eine legalistische Umformulierung der Erbsündenlehre; in dieser Umformulierung aber wird besonders betont, dass die Gnade der Sünde vorausging: &#039;&#039;Zuerst&#039;&#039; hatte Gott mit dem Menschen einen Bund geschlossen, &#039;&#039;danach&#039;&#039; hatte der Mensch das erste Mal gesündigt. Zweitens lässt sich mit dieser Idee genauer formulieren, was Christus geleistet habe: &#039;&#039;Dieser Werkbund&#039;&#039; sei es gewesen, den Christus dann wieder aufrichtete (s. [[Römer 5#s12 |Röm 5,12-21]]), nun aber nicht als „Werkbund“, bei dem der Mensch ein bestimmtes Werk tun müsse, sondern als „&#039;&#039;Gnaden&#039;&#039;-Bund“ (&#039;&#039;foedus gratiae&#039;&#039;), der den an Christus Glaubenden „einfach so“ geschenkt würde. Die Werkbund-Idee wird noch heute v.a. im reformierten und evangelikalen Christentum diskutiert.&amp;lt;/ref&amp;gt; ({auf} den=) dem Erdling (Menschen) {besagend}: Von jedem Baum darfst (sollst) du (essend=) durchaus essen.&lt;br /&gt;
{{S|17}} Vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse aber: Nicht darfst du essen [etwas] von ihm. Denn am Tag, [an dem] (wenn)&amp;lt;ref name=&amp;quot;V 17&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;am Tag, [an dem] (wenn)&#039;&#039; + &#039;&#039;sterben&#039;&#039; - die Crux von Gen 2: Offensichtlich stirbt der Mensch in Gen 3 ja nicht, oder jedenfalls nicht schon „am Tag, an dem er vom Baum isst“. Die meisten behelfen sich damit, „am Tag, [an dem]“ mit „wenn“ zu übersetzen, was der Ausdruck wirklich d.Ö. bedeutet (z.B. Mettinger 2007, S. 22. Effektiv ähnlich schon der Midrasch: „ein Tag“ = „ein Gottestag“ wie in [[Psalm 90#s4 |Ps 90,4]], also 1000 Jahre). Aber richtig Bührer 2014, S. 218: &lt;br /&gt;
: „Das Problem wird dadurch vergrößert, dass der Vers in 3,4f. in negierter Form wieder aufgenommen wird. Die Schlange spricht zur Frau: ‚Ihr werdet nicht sterben... An dem Tag [...], da ihr von ihm (dem verbotenen Baum) esst, werden eure Augen aufgetan...‘ Tatsächlich werden unmittelbar nach dem Essen der Frucht ihre Augen ‚aufgetan‘. Die Analogie zu 3,5 und den darauf folgenden Ereignissen spricht dafür, auch in 2,17 mit einer Koinzidenz des Essens und der Konsequenz daraus zu rechnen.“ &lt;br /&gt;
Sollte es eine Lösung geben, liegt sie also entweder im Wort „sterben“ oder in der Konsequenz Gottes: Entweder hat es Gott wirklich so gemeint, wie es hier klingt, wird dann in Gen 3 aber spontan gnädig sein und die Strafe nicht durchsetzen (so schon ibn Ezra; z.B. auch Gertz 2018; Goldingay 2020), oder mit „sterben“ ist etwas anderes gemeint – etwa wie in [[1 Könige 2#s37 |1 Kön 2,37]] „von diesem Tag an seid ihr zum Tod verurteilt“ (so schon TgJ; auch Saadia, Lekach Tob, Ramban, noch Hirsch), „ihr werdet sterblich werden“ (so schon Aq, Quinta; auch Chizkuni, Rabbenu Bahja; Tur, auch Blum 2010, S. 16; Bührer 2014, S. 218), „ihr werdet früher sterben als geplant“ (Radak), „ihr werdet den spirituellen Tod der Entfremdung von Gott sterben“ (Collins 2006; was auch immer das bedeuten soll) o.ä. Vgl. ebenso vieldeutig [[Weisheit 2#s23 |Weish 2,23f.]]; [[Römer 5#s12 |Röm 5,12-14]].&amp;lt;br /&amp;gt;Richtig Blum 2010, S. 16: [[Genesis 3#s19 |Gen 3,19]], wo vom Todes-&#039;&#039;Geschick&#039;&#039; des verbannten und verdammten Menschen spricht, macht sehr wahrscheinlich, dass hier wirklich „Sterblichkeit“ gemeint ist, und zwar konkreter in Form des Todesurteils Gottes, dass dem Menschen künftig der Zugang zum Baum des Lebens verwehrt werden wird.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Die christliche Tradition indes hat die Crux anders aufgelöst: Für Christ:innen ist hier vom &#039;&#039;ewigen Leben&#039;&#039; die Rede: Nach dem Opfer Christi sterben Christ:innen nicht mehr den „ewigen / finalen Tod“ (Augustinus, Gottesstaat 13.12), sondern Christus hat ihnen stattdessen das „ewige Leben“ wieder-gewonnen (vgl. wieder [[Römer 5#s12 |Röm 5,12-21]]; z.B. auch die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre 29-30).&amp;lt;/ref&amp;gt; du davon isst, wirst (musst) du (sterbend=) durchaus sterben.&amp;lt;ref name=&amp;quot;V 17&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|18}} Und JHWH-Gott dachte (sagte): „Es ist nicht gut, dass der Erdling (Menschen) allein ist. Ich werde (will) ihm einen (Lasst uns ihm einen; Ich werde sie ihm als&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Lasst uns ihm einen&#039;&#039; - so LXX, VUL, Jub 3,4 wie in [[Genesis 1#s26 |Gen 1,26]]. Wahrscheinlich richtig Hendel 1998, S. 124, BHQ: Assimilation an diesen Vers.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;ich werde sie machen&#039;&#039; - So Leningradensis mit Mappiq in &#039;&#039;`e´eßehh&#039;&#039; (statt &#039;&#039;`e´eßeh&#039;&#039;), daher: „ich will &#039;&#039;sie&#039;&#039; machen“. So fast keine andere Handschrift, keine der Vrs. und kein:e Textkritiker:in; sicher nur eine Fehlinterpretation von L.&amp;lt;/ref&amp;gt;) Beistand (eine Hilfe, eine Gehilfin)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Beistand&amp;quot;&amp;gt;Traditionell und bis heute übersetzt mit &#039;&#039;Hilfe&#039;&#039; oder &#039;&#039;Gehilfin&#039;&#039;. Besser &#039;&#039;Beistand&#039;&#039;; das heb. &#039;&#039;´ezer&#039;&#039; drückt keine Subordination aus wie das dt. „Hilfe“ und noch mehr „Gehilfin“ (richtig z.B. Gertz 2018, Goldingay 2020, Carr 2021). Was genau mit dieser „Hilfe“ gemeint ist, ist umstritten. Diskutiert wird: „Damit er nicht einsam sei“ (z.B. Bührer 2014, S. 224; Gertz 2018; so schon der Midrasch), „Damit er sich fortpflanzen könne“ (z.B. Clines 1990, S. 32-35; so schon Ambrosius, Augustinus) oder „damit sie sich die Arbeit teilen können“ (z.B. Goldingay 2020; schon Ephrem der Syrer, Sforno). Am wahrscheinlichsten ist hier Letzteres gemeint. S. näher die Anmerkungen.&amp;lt;/ref&amp;gt; machen als sein Gegenüber.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;Gegenüber&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;als Gegenüber&#039;&#039; - also „ihm ganz entsprechend“ (Scharbert 1990, S. 52); anders als die Tiere, die ihm zwar durchaus hätten „helfen“ können (Chizkuni) – ihm aber nicht entsprachen.  Nicht wie NL: „ein Wesen, das zu ihm passt“; es geht um &#039;&#039;wechselseitige&#039;&#039; Entsprechung. Gut daher LUT: „eine Hilfe, die ihm entspricht“. Am besten vielleicht in Orientierung an BB: „ich will ihm einen Beistand machen – ein Gegenüber, das ihm entspricht.“&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Schöner Midrasch: Bei der Auslegung von [[Genesis 1#s27 |Gen 1,27]] dachten einige Rabbinen an den platonischen Mythos des Kugelmenschen: Der Mensch sei als &#039;&#039;ein&#039;&#039; männlich-weibliches Kompositwesen geschaffen (s. z.B. im Talmud, b.Ber 61). Entsprechend dann hier Ramban, Tur, Rabbenu Bahja, Chaim ben Attar: &#039;&#039;Als Gegenüber&#039;&#039; bedeute: Als zweites Wesen, das dem Menschen &#039;&#039;gegenüber&#039;&#039; stehen kann – wonach Gott den Kugelmenschen teilt.&amp;lt;br /&amp;gt;Ebenso schön Radak: &#039;&#039;Als Gegenüber&#039;&#039;, nämlich dann, wenn der Mann droht, auf einen Pfad der Sünde zu geraten – dann soll ihm die Frau in den Weg treten.&amp;lt;br /&amp;gt;Radak leitet dann aus dieser Stelle auch noch ab, dass der Mann höher stehe als die Frau, da sie ja nur eines seiner Körperteile sei, weshalb es ja nur logisch sei, dass Männer stärker und intelligenter seien als Frauen. Dagegen s. zu V. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Jesus Sirach|36|29}}&lt;br /&gt;
{{S|19}} Und JHWH-Gott formte (bildete, gestaltete) ([weiterhin (noch einmal)]&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[weiterhin (noch einmal)]&#039;&#039; - so SamP, LXX. Ball 1896, S. 73 hält das für ursprünglich; das „weiterhin“ soll zurückverweisen auf V. 7. Hendel 1998, S. 124 und BHQ dagegen beziehen es (wie schon der Midrasch) als „noch einmal“ zurück auf [[Genesis 1#s24 |Gen 1,24f.]] und erklären es daher zum „explizierenden Plus“. Weil eine spätere Einfügung leichter erklärlich ist als ein späterer Ausfall, sinnvoller wie Hendel und BHQ.&amp;lt;/ref&amp;gt;) aus dem Erdboden jedes (Lebewesen des Feldes=) wilde Tier und jeden Vogel des Himmels, und er brachte [jedes Tier] ([es])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039; - SamP, TgO und TgJ wie MT ohne Objekt: „er brachte zum Menschen“. Dass „jedes wilde Tier und jeder Vogel des Himmels“ Objekt ist, muss man sich dann hinzudenken. LXX, VUL, Syr und TgN dagegen haben alle ein zusätzliches „es“. Sicher richtig BHQ: Dies setzt keinen alternativen Wortlaut voraus, sondern ist explizierende Einfügung.&amp;lt;/ref&amp;gt; zum Erdling (Menschen), um zu sehen, wie er es nennen würde; und wie immer der Erdling (Mensch) – als (lebendige Seele=) Lebewesen! – es nennen würde (wie immer der Erdling, das Lebewesen, es nenne würde?; wie immer der Erdling es, das Lebewesen, nennen würde?; wie immer der Erdling es als Lebewesen nennen würde? was immer der Erdling „Lebewesen“ nenne würde?; wie immer der Mensch es {ein Lebewesen} nennen würde?),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;der Mensch – als Lebewesen!&#039;&#039; - die anderen grammatischen Auflösungen und textkritischen Lösungen in dt. Üss. sind unmöglich oder zu gewagt, s.u. Nimmt man Gen 2-3 für sich und löst auf wie oben, lässt sich die Stelle kaum anders erklären als mit Hirsch: „Der Mensch gibt den Dingen Namen, nicht als Gott, der dem Wesen der Dinge auf den Grund schaut, sondern von seinem individuellen Standpunkt aus, als [bloßes Lebewesen].“ Ähnlich Chizkuni: „als Lebewesen“ wird präzisiert, um zu betonen, dass nicht &#039;&#039;Gott&#039;&#039; die Tiere benennt und sodann nur Gott die Namen der Tiere kennt, sondern eben auch der Mensch, der daher nicht jedes Mal extra Gott befragen muss, wie ein Tier heiße (anders als Hirsch gehen allerdings Chizkuni wie auch der Midrasch und Rabbenu Bahja davon aus, dass der Mensch vermöge seines „von Gott gegebenen Atems“ &#039;&#039;als Lebewesen&#039;&#039; eben doch dazu in der Lage war, bei der Benennung der Tiere ihrem Wesen auf den Grund zu sehen, weshalb er z.B. den Esel &#039;&#039;ḥmwr&#039;&#039; nannte, da er ja &#039;&#039;ḥwmr&#039;&#039; [eine Maßeinheit für Getreide] transportiere). Vgl. auch Tur: „&#039;&#039;Die Bedeutung von ‚das sollte sein Name sein‘ ist: Gott war mit den Namen einverstanden, die Adam den Tieren gab, und bezeichnete von da an auch selbst die Tiere mit den Namen, die Adam ihnen gegeben hatte.&#039;&#039;“&amp;lt;br /&amp;gt;Vielleicht ist die Stelle allerdings besser textgeschichtlich zu erklären: Die Versteile über die Benennung der Tiere in Vv. 19f. könnten eine aus V. 23 abgeleitete spätere Ergänzung sein, die eine Leerstelle aus Gen 1 füllen soll: Die Namen von Tag, Nacht, Himmel, Erde und Meer kommen von Gott; woher die Namen der Tiere (und Pflanzen) kommen, wird dort aber nicht erwähnt. Das würde dann hier nachgeliefert: Sie kommen &#039;&#039;von den Lebewesen selbst&#039;&#039;!&amp;lt;br /&amp;gt;Alternativ nimmmt Schellenberg 2007 mit fast allen neueren Kommentaren an, dass die Namensgabe ein „Herrschaftsakt“ sei, mit dem der Mensch Macht über die Tiere ausübe, so dass gesagt wäre: „Wie immer der Mensch – obwohl auch er ein Lebewesen ist! – es nennen würde, so würde sein Name sein“. Aber das ist sicher unrichtig; gg. die Deutung der Namensgabe als einem Herrschafstakt vgl. Ramsey 1988 und Büsing 1994 und s. nur [[Genesis 16#s13 |Gen 16,13]], wo Hagar &#039;&#039;Gott&#039;&#039; einen Namen gibt, [[Genesis 33#s20 |Gen 33,20]], wo Jakob einem Altar als Wohnort Gottes den Namen „Gott, Gottheit Israels“ gibt, und [[Genesis 26#s17 |Gen 26,17-21]], wo Isaak just da, wo er zwei Orte &#039;&#039;aufgibt&#039;&#039;, diese benennt.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Lebewesen&#039;&#039; steht an einer merkwürdigen Position im Satz. (1) Entweder bezieht es sich auf den Menschen ([a] als Apposition: &#039;&#039;der Mensch, das Lebewesen&#039;&#039;, oder [b] als adverbialer Akkusativ: &#039;&#039;der Mensch als Lebewesen&#039;&#039;) (2) oder auf &#039;&#039;lo&#039;&#039; („es“: [a] als Apposition: &#039;&#039;wie der Mensch es, das Lebewesen, benennen würde&#039;&#039;, oder [b] als adverbialer Akkusativ: &#039;&#039;wie der Mensch es als Lebewesen benennen würde&#039;&#039;). Für (1a) TAF, für (1b) z.B. Gertz 2018, ZÜR; für (2a) z.B. ibn Ezra; Fischer 2018; auch ELB, EÜ, H-R, LUT, PAT; für (2b) B-R. Bei (1a) würde man aber Artikel erwarten (vgl. Schellenberg 2007, S. 301), bei (2a+b) stört die Wortstellung (vgl. HKL III, §333e. Die fehlende Präp. dagegen stört auch bei [2a] nicht, vgl. Holmstedt / Jones 2017, S. 23).&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Theoretisch möglich noch wie Ramban, Tur, Speiser 1964 und Bandstra 2008: „Whatever the human being called a living being, it became its name“ (Goldingay 2020), aber das liegt ja völlig fern – was hätte der Mensch denn &#039;&#039;nicht&#039;&#039; „Lebewesen“ nennen sollen (so richtig schon Sifte Chakamim)?&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Raschi und Radak schließlich halten die Konstruktion für eine Art Casus pendens mit verkehrter Wortfolge: „jedes Lebewesen – wie immer der Mensch es nennen würde, so...“ = „wie immer der Mensch jedes Lebewesen nennen würde, so...“. Aber selbst, wenn es diese Konstruktion gäbe, wäre das unmöglich, da dann mindestens „jedes“ bei „Lebewesen“ stehen müsste.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: (5) Ball 1896, S. 73, BHK, BHS und z.B. noch Bührer 2014, S. 222, MEN und HER05 halten die Fügung daher für eine sekundäre Glosse. Als Ausdrucksvariante des zweiten &#039;&#039;lo&#039;&#039; wäre es auch wirklich gut erklärlich: „Wie immer der Erdling &amp;lt;s&amp;gt;es&amp;lt;/s&amp;gt; [ein Lebewesen] nennen würde, das sollte sein Name sein.“ Aber alle Vrs. stützen MT; Hendel 1998 und BHQ folgen dem daher richtig nicht mehr.&amp;lt;/ref&amp;gt; das sollte sein Name sein.&lt;br /&gt;
{{S|20}} (Und=) Also (rief=) gab der Erdling (Mensch) allem Vieh&amp;lt;ref&amp;gt;Man beachte, wie die Kategorie des „&#039;&#039;Viehs&#039;&#039;“ (vs. „wilde Tiere“) erst im Zusammenhang mit der Benennung der Tiere durch Adam in Gen 2 eingeführt wird (gut beobachtet Magonet 1992, S. 40), was noch auffälliger ist, da es von dieser Kategorie durch die „Vögel“ getrennt wird. Ist, synchron gelesen, hier schon der Unterwerfungs-Auftrag aus Gen 1 umgesetzt? Ist „Vieh“ vom Menschen unterworfenes und separiertes Wild?&amp;lt;/ref&amp;gt; und den (allen)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039; - SamP, TgO, TgN wie MT: &#039;&#039;den Vögeln&#039;&#039;. LXX, TgJ, Syr und VUL dagegen wie bei „Vieh“ und „wilde Tiere“: &#039;&#039;allen Vögeln&#039;&#039;. So auch 4 MSS, wahrscheinlich also nicht nur an den Kontext angleichende Übersetzung (so BHQ, ähnlich schon ibn Ezra). Ball 1896, BHK, BHS und Hendel 1998, S. 124 halten dies für ursprünglich; nach Hendel soll es ein Homoiteleuton gewesen sein (&#039;&#039;w&amp;lt;u&amp;gt;l&amp;lt;/u&amp;gt;k&amp;lt;u&amp;gt;l&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039; „und alle“ &amp;gt; &#039;&#039;wl&#039;&#039; „und die“). Weit wahrscheinlicher Assimilation an das Vieh und die wilden Tiere. Der Text ist in Ordnung; Aufzählungen in der heb. Bibel müssen nicht symmetrisch sein.&amp;lt;/ref&amp;gt; Vögeln (des Himmels=) am Himmel und allen (Getier des Feldes=) wilden Tieren Namen. Aber für Adam (für den Erdling, für einen Erdling?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;für Adam (für den Erdling, für einen Erdling?)&#039;&#039; - ohne Artikel. (1) Auf den ersten Blick daher &#039;&#039;für Adam&#039;&#039;, denn Eigennamen weisen keine Artikel auf. So übersetzen daher z.B. Sarna 2001 und Collins 2006. Sonst kaum jemand; unter den dt. Üss. so auch nur ELB. (2) Einige Ausleger (z.B. Goldingay 2020; Arneth 2007b, S. 129; Bührer 2014, S. 189) glauben dagegen, &#039;&#039;`adam&#039;&#039; werde hier als Gattungs-Begriff verwendet: „für &#039;&#039;einen Menschen&#039;&#039;“. So auch B-R, MEN, R-S, TEX. Aber richtig Ball 1896, S. 73: Gerade auch Nomen, die als Gattungsbegriffe verwendet werden, haben Artikel. (3) Die meisten Ausleger und Üss. halten dies daher für eine Fehl-Vokalisation im MT: Korrekt sei nicht &#039;&#039;le`adam&#039;&#039; („für Adam“), sondern &#039;&#039;la`adam&#039;&#039; („für den Menschen“). Aber es ist doch sehr auffällig, dass spätestens hier &#039;&#039;alle&#039;&#039; alten Vrs. von der selben Vokalisierung ausgehen wie MT. Der Midrasch und Rabbenu Bahja erdichten sogar einen Grund: Offenbar hat der Mensch ineins mit den Tieren hier auch gleich sich selbst den Namen „Adam“ gegeben:  „&#039;&#039;Als Gott Adam fragte, was sein eigener Name sein solle, antwortete dieser: ‚Adam‘. Er erklärte, diesen Namen habe er gewählt, da er ja aus &#039;&#039;`adamah&#039;&#039; geschaffen sei.&#039;&#039;“ (Bahja). Hier umzuvokalisieren ist also zu gewagt. So daher früher zwar Ball 1896, BHK, BHS, heute richtiger aber nicht mehr Hendel 1998 und BHQ. Die meisten der neuesten Kommentare aber schon, z.B. Fischer 2018, Gertz 2018, Carr 2021.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) NeÜ&#039;s „für sich“ folgt offenbar der Erklärung von ibn Ezra, Radak und Tur, s. nächste FN.&amp;lt;/ref&amp;gt; fand sich (er)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039; - auf den ersten Blick &#039;&#039;fand er&#039;&#039;; Subjekt könnte (1) Gott sein oder (2) der Mensch, der auch direkt zuvor Subjekt des Verbs war. Wie (2) auch schon TgN, ibn Ezra, Radak und Tur. Die letzten drei weisen klug hin auf [[Genesis 4#s23 |Gen 4,23]]; [[Exodus 24#s1 |Ex 24,1]] und [[1 Samuel 12#s11 |1 Sam 12,11]], wo jeweils ähnlich Lamech, Gott und Samuel von sich nicht als „ich“, sondern als „Lamech“, „JHWH“ und „Samuel“ sprechen. Vergleichbare Stellen gibt es wirklich häufig, aber mit unserem Vers vergleichbar sind sie nicht sehr gut: Anders als diese ist „[Der Mensch] fand für den Menschen keinen Beistand“ ja keine wörtl. Rede. (3) Die meisten übersetzen daher wahrscheinlich richtig mit LXX, VUL, TgO, TgJ und Syr impersonal: „&#039;&#039;es&#039;&#039; fand &#039;&#039;sich&#039;&#039;“.&amp;lt;br /&amp;gt;Die Frage ist theologisch nicht ganz unbedeutsam: Klar ist auf jeden Fall, dass auch die Entstehung der Tiere hier so erklärt wird, dass sie ursprünglich als potentielle &#039;&#039;Partner&#039;&#039; des Menschen konzipiert waren. Und dann lässt sich der Vers weiter entweder so deuten, (a) dass die Tiere diesem Anspruch aber nicht genügen, (b) oder so, dass sie (nur) &#039;&#039;in den Augen des Menschen&#039;&#039; diesem Anspruch nicht genügen. Die alten Rabbinen kombinieren überwiegend beide Deutungen: Gott habe natürlich bereits gewusst, dass die Tiere keine adäquaten Partner des Menschen seien, daher habe er die Tier-Parade aus V. 20 veranstaltet, damit dies auch der Mensch auf ewig einsehe und sodann akzeptiere, dass Gottes Not-OP in V. 21 nötig sei (so Ramban, Chizkuni, Tur). Ähnlich sehr witzig schon der Talmud in b.Jeb 63a: „&#039;&#039;Rabbi Eleazar [2. Jhd.] sagte: [....Dieser Vers] lehrt, dass Adam mit jedem Vieh und jedem wilden Tier geschlafen hatte. Erst, als er mit Eva geschlafen hatte, war er befriedigt.&#039;&#039;“&amp;lt;/ref&amp;gt; kein Beistand (keine Hilfe / Gehilfin)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Beistand&amp;quot; /&amp;gt; als sein Gegenüber.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Gegenüber&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|21}} (Und=) Da ließ JHWH-Gott einen Tiefschlaf über den Erdling (Menschen) fallen (kommen), so dass er schlief (und er schlief ein). (Und=) Dann nahm er&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;er nahm&#039;&#039; - Im Talmud ist in b.San 39a eine schöne Tradition überliefert: &#039;&#039;Der Kaiser sprach zu Rabbi Gamaliel (1. Jhd.): Euer Gott ist ein Dieb, denn es heißt: [... ‚Er nahm eine seiner Rippen und baute daraus eine Frau‘]. Da sagte seine Tochter: ‚Lass nur, ich will ihm antworten.‘ Dann sagte sie zu ihm: ‚Schick mir einen Polizisten!‘ – ‚Wozu?‘ – ‚Heute Nacht haben uns Diebe ausgeraubt; sie haben einen silbernen Pokal gestohlen, aber dafür einen goldenen Pokal zurückgelassen!‘ – ‚Solche Diebe können gerne jeden Tag kommen.‘ – ‚[Nicht wahr?] Muss es nicht [ähnlich] angenehm für Adam gewesen sein, eine Rippe geraubt zu bekommen, dafür aber eine Magd zur Bedienung zu erhalten?‘&#039;&#039;“&amp;lt;br /&amp;gt;Ist „Magd zur Bedienung“ Sarkasmus (was angesichts der Sprecherin recht wahrscheinlich ist), könnte dies die erste feministische Textauslegung überhaupt sein.&amp;lt;/ref&amp;gt; eine [Rippe (Seite)] von seinen Rippen (Seiten)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Rippe (Seite)&#039;&#039; - Meist „Rippe“. Sonst wird das Wort in der Bibel nur für die „Seite“ oder die „Etage“ eines Gebäudes verwendet; alternativ daher zu verstehen als „eine seiner Seiten“, was die Schöpfung der Frau „aus Knochen &#039;&#039;und&#039;&#039; Fleisch“ (V. 23) besser erklärt (so NET; Batto 1992, S. 54; Ebach 2009, S. 7; erwogen auch von Goldingay 2020). Dt. Üss. und neuere Kommentare aber sehr einheitlich und mit allen Vrs. und mit 4 Makk 18,7: „Rippe“ (die Einwände von Kawashima 2006, S. 52 allerdings greifen nicht: Das Verb passt nicht besser zur Rippe als zur Seite, die man sich ja ebenfalls nicht einfach von einem Menschen „nehmen“ kann, auch ein Mensch mit md. zwei Seiten hat &#039;&#039;mehrere&#039;&#039; Seiten, „von denen“ eine genommen kann, und dass „der Mann“ als identisch mit „dem Erdling“ gedacht wird, steht ja nicht zur Debatte – die Frage nach „Rippe“ vs. „Seite“ ist eine semantische und text-logische Frage, keine feministische oder antifeministische).&amp;lt;br /&amp;gt;Im Midrasch ist ein Auslegungsstreit darüber überliefert, ob „Rippe“ oder „Seite“ gemeint sei (für Letzteres Rabbi Samuel ben Nachmani [3./4. Jhd.]). Für „Seite“ optieren noch weitere jüd. Ausleger, die hier wieder an den Kugelmenschen denken (s. zu Vv. 18.20) – daher noch genauer eigentlich: „er nahm eine seiner &#039;&#039;Hälften&#039;&#039;“ (z.B. Raschi, ibn Ezra, Abravanel und noch Hirsch).&amp;lt;/ref&amp;gt; und verschloss ihren Ort ([die Stelle] unter ihr)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;ihren Ort ([die Stelle] unter ihr)&#039;&#039; - w. „unter ihr“, was besser zur Bed. „Seite“ als „Rippe“ zu passen scheint. Vgl. aber [[Exodus 16#s29 |Ex 16,29]]; [[2 Samuel 2#s23 |2 Sam 2,23]]; [[Ijob 40#s12 |Ijob 40,12]], wo „unter jmdm“ jeweils bed.: „der Ort, wo jmd war“, entsprechend dann hier: „der Ort, wo sie (die Rippe/Seite) einst saß“. Ähnlich [[Psalm 37#s10 |Ps 37,10]]; [[Psalm 103#s16 |103,16]] u.ö.&amp;lt;/ref&amp;gt; [mit] Fleisch. &lt;br /&gt;
{{S|22}} (Und=) Dann baute&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;baute&#039;&#039; ist eigentlich ein Begriff aus der Architektur. Schön ALTER: Wie oben die Erschaffung des Menschen aus Lehm mit einem Wort bezeichnet wurde, das man eher für das Töpfern verwenden würde, so hier bei der Erschaffung der Frau aus Knochen mit einem Wort, das besser zur Konstruktion mit harten Materialien passt.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Im Midrasch leitet Rabbi Jose ben Zimra (2./3. Jhd.) und im Talmud (b.Nid 45b) Rabbi Chisda (3./4. Jhd.) &#039;&#039;wajjiben&#039;&#039; nicht von &#039;&#039;banah&#039;&#039; („bauen“) ab, sondern von &#039;&#039;bin&#039;&#039; („verstehen, verständig sein“), daher: „&#039;&#039;[...Dieser Vers] lehrt, dass der Heilige – gepriesen sei er! – der Frau mehr Verstand (&#039;&#039;binah&#039;&#039;) gegeben hat als dem Mann.&#039;&#039;“. Diese Auslegung ist vielleicht der Grund, warum die weitergehenden Auslegungen der Rabbinen zur Schöpfung der Frau i.d.R. wertschätzender sind als die der alten christlichen Ausleger.&amp;lt;/ref&amp;gt; JHWH-Gott die Rippe (Seite), die er vom (aus dem) Erdling (Menschen) genommen hatte (nahm), zu einer Frau und führte sie&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Ein Wort, das bei jüd. Hochzeiten auch für die Tätigkeit des Anführers einer Braut-Prozession verwendet wird. Viele alte Ausleger haben daher hier an eine solche Brautprozession, z.B. b.Ber 61a, b.Erub 18b, ARN 4,3, PRE 12 und viele Rabbis im Midrasch. Luther und Goldingay 2020 übertragen das ähnlich auf eine christliche Hochzeit: Gott werde vorgestellt wie der Brautvater, der seine Tochter dem Mann zuführt.&amp;lt;/ref&amp;gt; zu dem Erdling (Menschen). &lt;br /&gt;
{{S|23}} (Und=) Da (sagte=) rief der Erdling (Mensch): &lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Dies (diese, dieses Mal)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Dies (diese)&#039;&#039; - Das Pronomen ist zwar feminin, (1) kann sich aber entweder auf „Knochen“ (f) (2) oder die Frau beziehen und muss entsprechend übersetzt werden. (3) Möglich auch: „Dieses Mal“; so Tg, Saadia, Ramban. Die Doppelung „Dieses Mal“ und „endlich“ würde den Satz nur noch stärker machen. Aber neben &#039;&#039;diese&#039;&#039; in Zeile c und Zeile d, wo es sich jeweils zweifellos auf die Frau bezieht, liegt ein anderes Verständnis als (2) hier sehr fern.&amp;lt;/ref&amp;gt; endlich [ist(&#039;s)] Gebein von meinem Gebein&lt;br /&gt;
_Und Fleisch von meinem Fleisch!&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch&#039;&#039; - Abwandlung der heb. Verwandtschaftsformel „Du bist mein Gebein und mein Fleisch“ ([[Genesis 29#s14 |Gen 29,14]]; [[Richter 9#s2 |Ri 9,2]]; [[2 Samuel 5#s1 |2 Sam 5,1]]; [[2 Samuel 19#s13 |2 Sam 19,13f.]]; [[1 Chroniken 11#s1 |1 Chr 11,1]]), die an diesen Kontext angepasst wurde. Sicher verwendet, um die „Familienähnlichkeit“ zu unterstreichen, die Mann und Frau anders als Mensch und Tier eignen. Mensch und Tier haben mit dem „Erdboden“ die selbe Mutter und sind damit mindestens Halbgeschwister, aber Mann und Frau sind im Vergleich dazu geradezu siamesische Zwillinge.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
(Zu dieser wird ‚Frau‘ gesagt=) Diese wird ‚Frau‘&amp;lt;ref name=&amp;quot;23&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;Frau&#039;&#039; + &#039;&#039;Mann&#039;&#039; - Unübersetzbares Wortspiel im Heb., da das Wort für „Frau“ ({{Hebr}}אִשָּׁה{{Hebr ende}} &#039;&#039;`iššah&#039;&#039;) klingt wie das Femininum des Worts für Mann ({{Hebr}}אִישׁ{{Hebr ende}} &#039;&#039;`iš&#039;&#039;). Luther versuchte, dies mit der etwas missverständliche Übersetzung „Mann und Männin“ zu übertragen. So heute noch LUT 17; auch ELB, MEN, NL, PAT, SLT, TAF, TEX, ZÜR 31 (nicht mehr ZÜR 07). Besser B-R und ähnlich BigS, NeÜ: „Die sei gerufen &#039;&#039;Ischa&#039;&#039;, Weib, denn von &#039;&#039;Isch&#039;&#039;, vom Mann, ist die genommen.“&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Wie MT auch Sym, Theod, VUL, TgJ, TgN, Syr. Dagegen SamP, LXX, TgO und Jub 3,6 setzen ein anderes Wortspiel voraus: „Diese soll &#039;&#039;`iššah&#039;&#039; (‚Frau‘) genannt werden, denn von &#039;&#039;`iššahh&#039;&#039; (‚&#039;&#039;ihrem&#039;&#039; Ehemann‘) wurde sie genommen!“ Ball 1896 hielt das für ursprünglich, Hendel 1998 dagegen hielt es für eine Harmonisierung mit [[Genesis 3#s6 |Gen 3,6]] und BHQ noch sinnvoller für eine Harmonisierung mit V. 24. Das ist wahrscheinlicher: Beide Wortspiele sind stark, aber das in MT ist nicht derart besser als das in SamP, dass Letzteres zu Ersterem korrigiert worden sein sollte. Und natürlich sind „Frau und Mann“ ein viel erwartbareres Paar als „Frau und Ehemann“.&amp;lt;/ref&amp;gt; genannt werden, &lt;br /&gt;
_Denn vom Mann&amp;lt;ref name=&amp;quot;23&amp;quot; /&amp;gt; wurde genommen diese (wurde sie genommen).“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;diese&#039;&#039; - fein wird das kleine Gedicht gerahmt vom selben Wort (&#039;&#039;zo`t&#039;&#039;, „diese“), mit dem Zeile 1 und Zeile 3 beginnen.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Jedenfalls in MT, SamP und den Tgg. LXX, VUL, Syr und einige MT-MSS haben dieses abschließende &#039;&#039;zo`t&#039;&#039; nicht. Hendel 1998 und BHQ halten es daher für ein explizierendes Plus, das später eingefügt worden sei. Aber eine solche Explikation wäre nach dem &#039;&#039;zo`t&#039;&#039; in Zeile 3 unnötig. Die Frage ist kaum entscheidbar; weder ein Ausfall noch eine Einfügung sind gut erklärlich.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|24}} (Darum=) Daher [kommt es, dass]&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;(Darum=) Daher [kommt es, dass]&#039;&#039; - W. nur „darum“, hier wie öfter ist dies aber die typische Einleitung einer „ätiologischen Erklärung“, also eines Erzählerkommentars, der aus einer alten Geschichte erklärt, warum heute etwas so ist, wie es ist. Das erklärt auch die Verbform Yiqtol, die hier neben Qatal gebräuchlich ist: W. „Aus diesem Grund &#039;&#039;würde [später]&#039;&#039; geschehen“ (s. ähnlich [[Genesis 10#s9 |Gen 10,9]]; [[Numeri 21#s14 |Num 21,14]].[[Numeri 21#s27|27]]; [[1 Samuel 19#s24 |1 Sam 19,24]]; [[2 Samuel 5#s8 |2 Sam 5,8]]). Dass gerade hier die Yiqtol-Variante gewählt wird, ist klar: Adam und Eva haben ja gar keine leiblichen Eltern; die Ätiologie blickt also vollständig in die Zukunft. Gut übersetzt daher Brichto 1998, S. 75: „Hence it is...“&amp;lt;/ref&amp;gt; verlässt (lässt zurück; wird verlassen) ein Mann seinen Vater und seine Mutter und hängt sich an seine Frau, und (so dass, dann) sie (die beiden)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;sie&#039;&#039; nur im MT. Alle anderen Vrs. dagegen „die beiden“ wie in V. 25. Auch im NT wird der Vers mehrfach so zitiert und auch Philo kannte diese Textvariante. Wegen dieser überwältigenden externen Evidenz hielten dies Ball 1896, S. 73 und BHK für ursprünglich und findet sich diese Variante auch in vielen dt. Üss., aber richtig Hendel 1998, S. 124 und BHQ: Sicher Angleichung an V. 25; ein Ausfall dagegen wäre unerklärlich. – Ein Lehrstück der Textkritik gleich zu Beginn der Bibel: Externe Evidenz heißt sehr wenig für die Wahrscheinlichkeit der Ursprünglichkeit einer Textvariante.&amp;lt;/ref&amp;gt; werden (werden sein) zu einem Fleisch.&amp;lt;ref&amp;gt;Dass &#039;&#039;ein Mann seine Eltern&#039;&#039; verlässt, ist gar nicht der Fall, umgekehrt verlässt im Alten Israel bei einer Heirat &#039;&#039;die Frau&#039;&#039; ihre Eltern. Wahrscheinlich ein Bild, das gleichzeitig damit, dass es überhaupt auf die Institution der Ehe anspielt (dazu s. aber die Anmerkungen), spezieller besagt: So eng die Bindung zwischen einem Menschen und seinen Eltern auch ist – das Eheband, das Menschen miteinander zu einer neuen Familie verbindet, bindet noch enger (So Blum 2010, S. 12; Gertz 2018; Goldingay 2020). Ähnlich schon PRE 34: „&#039;&#039;Bis ein Mann heiratet, richtet seine Liebe sich auf seine Eltern; wenn er heiratet, wird seine Liebe auf seine Ehefrau transferiert.&#039;&#039;“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Mit &#039;&#039;sich hängen an&#039;&#039; und &#039;&#039;ein Fleisch werden&#039;&#039; ist entgegen den Beteuerungen vieler Kommentatoren kein Sex gemeint. Zum „ein Fleisch werden“ vgl. deutlich [[1 Korinther 6#s16 |1 Kor 6,16]]. Besser als die wörtl. Üs. daher BB, GN, HfA: „Sie werden eins mit Leib und Seele“; NL: „sie werden zu einer Einheit“.&amp;lt;br /&amp;gt;„Sich hängen an“ meint in [[Genesis 34#s3 |Gen 34,3]] zwar in der Tat die Liebe zwischen Mann und Frau, aus der dort sogar auch wirklich Geschlechtsverkehr folgt. Primär meint das Wort aber die &#039;&#039;Zusammengehörigkeit&#039;&#039;, s. z.B. [[Numeri 36#s7 |Num 36,7.9]] (Israeliten sollen „an ihrem Land hängen“ = „es nicht fortgeben“); [[Deuteronomium 4#s4 |Dtn 4,4]]; [[Deuteronomium 10s#20 |10,20]]; [[Deuteronomium 11#s22 |11,22]] u.ö. (die häufigste Verwendung: „an Gott hängen“ = „Gott treu verehren“); [[Josua 23#s12 |Jos 23,12]] („Israel soll sich nicht an andere Nationen hängen und sich nicht mit ihnen verschwägern“); [[Rut 1#s14 |Rut 1,14]] (Orpa verlässt ihre Schwiegermutter, Rut aber „hängt sich an sie“ = „bleibt bei ihr“; s. dazu noch [[Rut 1#s16 |Rut 1,16]]) usw. Die meisten dt. Üss. wählen daher „anhangen“, noch treffender aber EÜ 80, HER05, NL: „Er bindet sich an seine Frau“.&amp;lt;br /&amp;gt;Insgesamt daher am sinngemäßesten: „Daher kommt es, dass ein Mann sich von seinen Eltern löst, sich stattdessen an seine Frau bindet und die beiden mit Leib und Seele eins werden.“&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Deuteronomium|10|20}} {{par|Jesus Sirach|19|2}} {{par|Eph|5|31}} {{par|Mk|10|7}} {{par|Mt|19|5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|25}} {und} Beide (waren nackt=) hatten kein Gewand,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;kein Gewand&#039;&#039; - w. „sie waren nackt“. Komplexes Wortspiel: &#039;&#039;nackt&#039;&#039; ist in Gen 2-3 sonst &#039;&#039;´erum&#039;&#039;, hier aber &#039;&#039;´arum&#039;&#039; und damit gleichlautend mit dem &#039;&#039;´arum&#039;&#039; („gewandt“) im folgenden Vers (=&amp;gt; irreguläre Assonanz), aber &#039;&#039;anders&#039;&#039;-lautend als das „nackt“ in Gen 3,7. Zu diesem Wortspiel s. die Anmerkungen zu Kap. 3. Gen 2,25 gehört damit auch eher zu Gen 3,1-7 als zu Gen 2,18-24 (so z.B. Sarna 2001; Good 2009; Brichto 1998, S. 79); die meisten halten ihn ähnlich für einen „Brückenvers“. Dagegen Arnold 2009 und Willi-Plein 1995, S. 6 wegen der Syntax von Gen 3,1, aber das Waw-X-Qatal dort markiert nur den Subjektwechsel, nicht einen neuen Abschnitt.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Faustregel: Je jünger eine Auslegung, desto stärker ist diese Nacktheit sexualisiert worden. Bis erstens dahin, dass die witzige Vorstellung der christlichen Philosophie hier eingetragen wird, bei Adam und Eva und bei späteren Menschen nach ihrem Tod sei es so (gewesen), dass sie ihre Sexualorgane willentlich bewegen könnten wie unsereiner die Arme oder Beine (ähnlich schon Augustinus, Gottesstaat 14.17: „&#039;&#039;Sie wussten natürlich, dass sie nackt waren, aber sie schämten sich nicht, weil noch keine Begierde ihre Sexualorgane gegen ihre willentliche Entscheidung erregte. Die Zeit war noch nicht gekommen, da die Rebellion des Körpers Zeuge von und Vorwurf gegen die Rebellion des Menschen wider seinen Schöpfer sein würde.&#039;&#039;“), und bis zweitens dahin, dass gesagt werden konnte, Sünde „konzentriere sich in den Sexualorganen“, was der Grund dafür sei, dass Juden beschnitten werden (Or haChaim). Dass mit der Sünde auch die Sexualität in die Welt gekommen sei, sehe man dann daran, dass Adam und Eva sich ab Gen 3,7 eben doch schämen.&amp;lt;br /&amp;gt;Neuere Ausleger weisen demgegenüber regelmäßig darauf hin, dass Nacktheit in der Bibel nie sexuell konnotiert sei, sondern ein Zeichen der Schande: Arme waren nackt, Kriegsgefangene waren nackt etc., aber die Nacktheit von Mann und Frau würde nie problematisiert. Das stimmt so auch nicht; s. [[2 Samuel 6#s20 |2 Sam 6,20]], wo Michal die leichte Bekleidung Davids explizit kritisiert, weil er sich mit ihr „vor den Frauen seiner Untergebenen“ entblößt habe; richtig ist aber dennoch, dass Nacktheit in der Bibel &#039;&#039;primär&#039;&#039; Ausdruck der &#039;&#039;Statuslosigkeit&#039;&#039; und nicht sexuell aufgeladen war. Das wäre angesichts der Kleidungsnormen im Alten Orient auch merkwürdig, s. zu [[Genesis 3#s7 |Gen 3,7]]. Ohnehin kann man sich fragen, ob es denn eigentlich wirklich der Fall ist, dass gerade Ehemann und Ehefrau sich in ihrer Nacktheit voreinander schämen und deshalb ihre Scham voreinander verbergen &#039;&#039;wollen&#039;&#039;, und dass deshalb dieser Zustand hier ätiologisch erklärt werden müsste. Aus b.Schab 9b geht hervor, dass man im Alten Israel sogar das Abendessen ohne Gürtel – d.h.: komplett unbekleidet – einnehmen konnte (Rabbi Chaninah [4. Jhd.]: „Wann beginnt das Abendessen? Wenn man seinen Gürtel geöffnet hat.“); hier gilt dies also sogar noch weniger als in unserer Kultur. Den Sinn erfasst daher wohl richtiger Philo in &#039;&#039;Fragen und Antworten zur Genesis&#039;&#039;: „&#039;&#039;Sie schämten sich zweitens nicht wegen ihrer Arglosigkeit und der Schlichtheit ihrer Sitten und wegen ihrer natürlichen Disposition, zu der noch keinen Hauch von &#039;&#039;Stolz&#039;&#039; gehörte.&#039;&#039;“: Kleidung ist im Alten Orient ein &#039;&#039;Status-Symbol&#039;&#039;, Kleidungslosigkeit heißt Statuslosigkeit, heißt: „Ich stehe niedrig“ – was nach dem Vergehen Adams und Evas ja auch wirklich der Fall war.&amp;lt;/ref&amp;gt; der Erdling (Mensch) und seine Frau, aber (und) sie mussten sich nicht voreinander schämen (pflegten nicht, einander zu beschämen).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;sich voreinander schämen müssen (einander zu beschämen pflegen)&#039;&#039; - Hitpolel. Hitpolel als Variante des Hitpael macht i.d.R. ein Verb reflexiv („&#039;&#039;sich&#039;&#039; schämen“) oder reziprok („&#039;&#039;einander&#039;&#039; beschämen“). Bei &#039;&#039;boš&#039;&#039; ist schon der Qal reflexiv; Funktion kann daher hier nur Reziprozität sein. Basis der Verb-Transformation könnte sowohl das Qal („sich schämen“) als auch ein in dieser Bed. nicht belegter Polel („jmdn beschämen“) sein, daher die beiden Übersetzungsalternativen. Letztere halten Gertz 2018; Sasson 1985 und Hartenstein 2005, S. 286 für richtig. Grammatisch ist das gut möglich, aber idiomatisch für „jmdn beschämen“ ist das häufige &#039;&#039;kalam&#039;&#039; Hifil (z.B. [[Sprichwörter 28#s7 |Spr 28,7]]), weshalb ja auch der Polel von &#039;&#039;boš&#039;&#039; in dieser Bed. gar nicht belegt ist, der stattdessen die Sonder-Bed. „sich verzögern“ angenommen hat.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit &#039;&#039;&#039;Gen 2,2-3&#039;&#039;&#039; endet der Schöpfungsbericht; mit &#039;&#039;&#039;Gen 2,4&#039;&#039;&#039; beginnt ein neuer Abschnitt. Das zeigt schon ein kurzer Blick auf die Struktur: Der Abschluss in Gen 2,2-3 ist offensichtlich:&lt;br /&gt;
: (a) &#039;&#039;Gott erklärte als vollendet am sechsten Tag&#039;&#039; (b1) &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;sein Werk&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;, (b2) &#039;&#039;das &#039;&#039;&#039;er gemacht&#039;&#039;&#039; hatte,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
: (a&#039;) &#039;&#039;und ruhte sich am siebten Tag aus&#039;&#039; (b1&#039;) &#039;&#039;von &#039;&#039;&#039;seinem ganzen Werk&#039;&#039;&#039;,&#039;&#039; (b2&#039;) &#039;&#039;das &#039;&#039;&#039;er gemacht&#039;&#039;&#039; hatte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
: (a&amp;lt;nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) &#039;&#039;Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn für heilig, da er an ihm ausgeruht hatte&#039;&#039; (b1&amp;lt;nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) &#039;&#039;von &#039;&#039;&#039;seinem ganzen Werk&#039;&#039;&#039;,&#039;&#039; (b2&amp;lt;nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) &#039;&#039;das Gott &#039;&#039;&#039;machend&#039;&#039;&#039; geschaffen hatte.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Gen 2,2-3 wird von manchen Ausleger:innen für einen Bericht über den „siebten Schöpfungstag“, an dem Gott nach dem Menschen nicht den &#039;&#039;Menschen&#039;&#039;, sondern &#039;&#039;den Sabbat&#039;&#039; als die „Krone der Schöpfung“ geschaffen habe. Dass hier nebenbei erklärt wird, woher der Sabbat kommt, ist offensichtlich. Dass dieser Sabbat das siebte Schöpfungswerk wäre, liegt aber nicht sehr nahe, weil V. 7 auch unabhängig davon, dass die üblichen Strukturelemente der ersten sechs Schöpfungstage in Gen 1 fehlen und dass in Gen 2,1 explizit gesagt wird, dass mit Gen 1,31 die Welt „vollendet“ ist, die Rede vom sechsten und vom siebten Tag jeweils nur Einleitung dieses Sprachspiels ist, auf dem hier klar der Fokus liegt: Gott hat sein Werk getan, getan, getan – und ist nun fertig.&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;Mit „&#039;&#039;das Gott machend geschaffen hatte&#039;&#039;“, heb. &#039;&#039;`ašer-&#039;&#039;&#039;bara`  `elohim&#039;&#039;&#039; la´aßot&#039;&#039; wird noch einmal die Brücke geschlagen zu Gen 1,1: Das zweitletzte und drittletzte Wort ist das selbe wie das zweite und dritte dort: &#039;&#039;berešit &#039;&#039;&#039;bara` `elohim&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass mit Gen 2,4 ein neuer Abschnitt beginnt, kann man nach diesen beiden Struktur-Spielen also kaum bezweifeln, und Gen 2,4 legt mit einem deutlichen Chiasmus sogar noch ein drittes dazu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Dies sind die Nachkommen von&#039;&#039; (a) &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Himmel&#039;&#039;&#039; und&#039;&#039; (b) &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Erde&#039;&#039;&#039;, als sie&#039;&#039; (c) &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;geschaffen&#039;&#039;&#039; wurden:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Als JHWH-Gott&#039;&#039; (c&#039;) &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;machte&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; (b&#039;) &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Erde&#039;&#039;&#039; und&#039;&#039; (a&#039;) &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Himmel&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit beginnt der Abschnitt &#039;&#039;&#039;Gen 2,4-3,24&#039;&#039;&#039;, den man oft einen „zweiten Schöpfungsbericht“ nach Gen 1,1-2,3 nennt. Dass es &#039;&#039;zwei&#039;&#039; Schöpfungserzählungen gegeben haben soll, wäre auch gar nicht verwunderlich: Uns sind auch jeweils mehrere sumerische, babylonische und akkadische Schöpfungserzählungen überliefert und tatsächlich finden sich  auch in der Bibel noch eine Reihe weiterer Schöpfungsberichte: [[Psalm 104 |Ps 104]] besingt in Lied-Form die Schöpfung der Welt, in [[Sprichwörter 8#s22 |Spr 8,22-31]] schildert die Weisheit die Weltschöpfung aus ihrer Perspektive und in [[Jesus Sirach 42#s15 |Sir 42,15-43,33]] buchstabiert Jesus Sirach preisend die einzelnen Schöpfungswerke durch. Entsprechend ist häufig und viel darüber nachgedacht worden, worin diese beiden Schöpfungsberichte sich entsprechen und worin sie sich unterscheiden.&amp;lt;br /&amp;gt;Tatsächlich liegt der Fokus von Gen 2-3 aber gar nicht auf der Schöpfung. Nach der Überschrift Gen 2,4a beginnt Gen 2,4-3,24 strukturell sehr ähnlich wie Gen 1,1-2,3:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! !! Gen 1,1-2,3 !! Gen 2,4b-3,24&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;&#039;Zeitlicher Vordersatz&#039;&#039;&#039; || &#039;&#039;Am Anfang [davon, dass]&amp;lt;br /&amp;gt;Gott schuf Himmel und Erde,&#039;&#039; || &#039;&#039;Am Tag, [an dem]&amp;lt;br /&amp;gt;JHWH-Gott machte Erde und Himmel,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;&#039;Hauptsatz: Überschwemmung statt Erde&#039;&#039;&#039; || &#039;&#039;war die Erde nichts und nichts: Dunkelheit war über der Oberfläche der Tiefe und ein Wind Gottes stürmte über der Oberfläche des Wassers.&#039;&#039; || &#039;&#039;war alles Unkraut des Feldes noch nicht auf der Erde und wuchsen alle Nutzpflanzen des Feldes noch nicht, weil JHWH-Gott es nicht regnen ließ über der Erde und es keinen Erdling gab, um den Erdboden zu bestellen, aber Sturzflut aus der Erde emporzusteigen pflegte und die ganze Ob{erfläche des Erdbodens zu ertränken pflegte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;&#039;Beginn der Schöpfung&#039;&#039;&#039; || &#039;&#039;Da sprach Gott ...&#039;&#039; || &#039;&#039;Da formte Gott ...&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dieser Schöpfung selbst wird aber nur in wenigen der darauf folgenden Verse berichtet: (a) Der Mann wird in &#039;&#039;&#039;V. 7&#039;&#039;&#039; erschaffen, (b) der Garten (in) Eden (c) und die Bäume des Gartens in &#039;&#039;&#039;Vv. 8f.&#039;&#039;&#039;, (d) die Tiere in &#039;&#039;&#039;Vv. 18-19&#039;&#039;&#039; (e) und die Frau in &#039;&#039;&#039;Vv. 21-22&#039;&#039;&#039;. Alles andere, was in den oben erwähnten Schöpfungstexten sonst erwähnt wird, ist hier ausgespart – was hier geschaffen wird, ist nur das „Dramatis Personae“ von Gen 3, wo (d&#039;) ein Tier (e&#039;) die Frau dazu verführt, (c&#039;) von einem Baum des Gartens zu essen, diese wiederum (a&#039;) den Mann zum Selben verführt und danach beide (b&#039;) aus dem Garten vertrieben werden. Das ist entscheidend für das Verständnis von Gen 2-3: Die beiden Kapitel sind nicht wirklich eine zweite Schöpfungserzählung nach der ersten, sondern hauptsächlich eine &#039;&#039;&#039;Erzählung über die Vertreibung aus dem Garten Gottes&#039;&#039;&#039;. In diesem Licht müssen dann die einzelnen Verse von Gen 2-3 verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Das heißt auch, dass Gen 1-2,3 und Gen 2,4-3,24 einander gar nicht notwendig widersprechen müssen. Dass die beiden Texte von unterschiedlichen Autoren stammen, ist fast sicher. Davon unabhängig ist es aber möglich, die beiden Erzählungen miteinander zu harmonisieren: In der Auslegung der Alten hat man Gen 2 stets so verstanden, dass „der Autor Mose“ nach der Zusammenfassung der ganzen Schöpfung noch einmal spezieller auf den dritten Tag (Schöpfung der Erde und der Pflanzen) und den fünften und sechsten Tag (Schöpfung der Tiere und des Menschen) eingehen wollte. Geht man hiervon aus, ist der einzige große Unterschied noch der Zeitpunkt der Menschen-Schöpfung: Am Ende in Gen 1, am Anfang dagegen in Gen 2. Versteht man die Menschen-Schöpfung in Gen 2 dann aber noch mit Brichto 1998, S. 76 so, dass sie richtig ja erst abgeschlossen sei mit der Schöpfung der Frau, wonach der Mensch auch erst „männlich und weiblich“ ([[Genesis 1#s27 |Gen 1,27]]) geschaffen sei, muss auch dies kein Widerspruch mehr sein. Das eröffnet dann auch die Möglichkeit, dass die eine Erzählung auf die andere hin geschrieben sein könnte und beide sich so gegenseitig erhellen können – in der neuesten Bibelauslegung beginnt man aber gerade erst wieder, diese Möglichkeit auszuforschen.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|2,4b-6}}&#039;&#039;&#039;2,4b-6&#039;&#039;&#039; schildern dabei zunächst eine &#039;&#039;defiziente&#039;&#039; Schöpfung: Himmel und Erde gibt es bereits; auf der Erde wachsen aber noch keine Pflanzen: Dafür braucht es den Erdling (heb. &#039;&#039;`adam&#039;&#039;), der den Erdboden (&#039;&#039;`adamah&#039;&#039;) bestellt (Vv. 5), und den Gott daher in &#039;&#039;&#039;V. 7&#039;&#039;&#039; auch „&#039;&#039;aus&#039;&#039; Staub vom Erdboden“ &#039;&#039;herstellt&#039;&#039;. Mensch und Erde danach also Symbionten; der eine braucht den anderen, um seinen Zweck zu erfüllen.&amp;lt;br /&amp;gt;Die Verse greifen dabei ein häufiges Motiv aus altorientalischen Mythen auf: Der Mensch ist das Arbeitstier von Göttern, das sich an ihrer Statt um die Erde zu sorgen hat (s. zu V. 6). Entgegen einer verbreiteten Vorstellung ist der Garten in Eden auch nicht ein Schlaraffenland, in dem der Mensch nicht zu arbeiten braucht, weil Gott bereits alle Bäume wachsen lassen hat, die dem Menschen Nahrung spenden (V. 9), sondern &#039;&#039;&#039;V. 15&#039;&#039;&#039; sagt es explizit: Der Garten Eden ist natürlich ein Lustgarten (&#039;&#039;´eden&#039;&#039;: „Lust, Luxus“) – aber ein Lustgarten &#039;&#039;Gottes&#039;&#039;. Dem &#039;&#039;Menschen&#039;&#039; bestimmt Gott den Garten zur Wohnung, damit dieser dort als Feldarbeiter tätig wird und „im Garten dient“ oder gar „dem Garten dient“. Wenn Gott den Menschen in [[Genesis 3#s23 |Gen 3,23]] aus dem Garten verbannt, damit er „den Erdboden bestellt, von dem er genommen worden war“, ist &#039;&#039;dies&#039;&#039; also keine Strafe, sondern nur Fortsetzung dessen, was der Mensch von Anfang an tun sollte und tat. Verflucht wird dort ja ohnehin nicht der Mann zur Arbeit, sondern der Erdboden; nämlich dergestalt, dass diese Arbeit fortan &#039;&#039;mühseliger&#039;&#039; vonstatten gehen werde ([[Genesis 3#s17 |Gen 3,17f.]]). Insgesamt also: „Die Erde wird nicht zum Nutzen des Menschen geschaffen: Menschen werden geschaffen zum Nutzen der Erde...“ (Habel 2011, S. 49).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das ist wichtig: Sieht man das nicht, hat man keine Wahl, als den Abschnitt {{Anker|18-25}}&#039;&#039;&#039;Vv. 18-25&#039;&#039;&#039; so zu verstehen, dass „das helfende Gegenüber“ des Mannes ihm &#039;&#039;dabei&#039;&#039; helfen soll, „nicht allein zu sein“ – ein anderer Mangel, dem mit einem „helfenden Gegenüber“ Abhilfe geschaffen werden soll, würde dann ja nicht erwähnt. Wonach die Frau wesensmäßig „Gespielin“ des Mannes wäre (Luther: „eine Gehilfin, die um ihn sei“). Oder – noch unschöner – wie z.B. bei [https://isidore.co/aquinas/summa/FP/FP092.html#FPQ92OUTP1 Thomas von Aquin, Summa Theologiae Ia 92 1]:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Meine Antwort: Es war notwendig, dass die Frau – wie die Bibel sagt – zur „Hilfe“ für den Mann geschaffen wurde. Nicht zur Hilfe bei irgendwelchen Arbeiten, wie manche sagen, denn dabei können andere Männer dem Mann ja wesentlich effektiver helfen, sondern zur Hilfe bei der Fortpflanzung. [...] Bei perfekten Tieren kommt nämlich dem Mann die aktive Rolle bei der Fortpflanzung zu, der Frau dagegen die passive [und insofern ist sie „Helferin“].&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viel sinnvoller Greenstein 2002, S. 235f.:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Die meisten Ausleger verstehen den Satz „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist“ so, dass er sich auf das menschliche Geschöpf bezieht; das heißt: Es ist nicht gut &#039;&#039;für den Menschen&#039;&#039;, dass er allein ist. Das hat man dann entweder so verstanden, dass der Mensch sonst einsam wäre oder dass der Mensch allein bliebe, wenn er keinen Geschlechtspartner hätte, mit dem er sich fortpflanzen könnte. Es bietet sich aber noch eine weitere Auslegung an [...]: Es ist nicht gut &#039;&#039;für Gott&#039;&#039;, dass der Mensch allein ist. [...] Der zweite Mensch wurde geschaffen, um dem ersten Menschen dabei zu helfen, &#039;&#039;Gottes Arbeit zu tun. (Hervorhebung und Übersetzung: OfBi).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Greenstein verweist dann noch auf die tatsächlich offensichtlichen Parallelen zum „es ist nicht gut, dass der Erdling allein ist[, &#039;&#039;weil er seine Arbeit sonst nicht schafft&#039;&#039;]“ in [[Exodus 18#s17 |Ex 18,17f.]]; [[Numeri 11#s14 |Num 11,14-17]]; [[Deuteronomium 1#s9 |Dtn 1,9.12]].&amp;lt;br /&amp;gt;Vorausgesetzt ist hier also die Situation des vorhellenistischen Israel, in der der Mann und die Frau(en) eines Haushalts eine „Werk-Gemeinschaft“ bildeten und Frauen selbstverständlich auch bei der Feldarbeit mitwirkten (vgl. dazu z.B. auch Marsman 2003, S. 160f.; Ebeling 2016). Man denke nur an [[Rut 2#s8 |Rut 2,8f.]] (s. auch die Anmerkungen dort), wo bei der Ernte Männer als Schnitter und Frauen als Garbenbinderinnen (und Nachleserinnen) arbeiteten, oder an Simsons Mutter in [[Richter 13#s9 |Ri 13,9]], die gerade ohne ihren Mann auf dem Feld ist, als ihr der Gottesbote begegnet.&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;Danach wäre es auch nicht so (wie der Abschnitt z.B. in der traditionellen christlichen Exegese immer noch oft aufgefasst wird), dass hier Frau und Mann zur zweigeschlechtlichen Zwei-Personen-Ehe berufen würden, sondern Vv. 18-25 sind eine &#039;&#039;Ätiologie&#039;&#039; (und damit ohnehin keine „Vorschrift“) der Ehe &#039;&#039;als der für die Gesellschaft des Alten Israel fundamentalen Arbeitsgemeinschaft&#039;&#039;, die also erklärt, wie es dazu kam, dass Menschen sich überhaupt zusammentun: Weil sie Mitmenschen brauchen, um den Sinn ihres Lebens verwirklichen zu können. Dass mit Gen 2,24 nicht die Zwei-Personen-Ehe in die Schöpfung eingestiftet wird, ist ohnehin klar, weil der kulturelle Kontext, in dem Gen 2-3 geschrieben wurden, die &#039;&#039;Polygamie&#039;&#039; ist, die noch bis in die ersten Jahrhunderte nach der Zeitenwende gebräuchlich blieb. Und dass er keine Vorschrift einer Ehe zwischen Mann und Frau ist, ist auch unabhängig von der Gattung des Textes ebenso klar, weil in Gen 2 ja gar nicht &#039;&#039;Gott&#039;&#039; die Frau zum „passenden“ Gegenüber des Manns erklärt, sondern &#039;&#039;der Mensch&#039;&#039; (V. 23) – nachdem ihm zuvor Gott als potentiellen Partner jegliches Tier vorgestellt hat.&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;Am Ende hat der Mensch also zwei Gegenüber: Der &#039;&#039;`adam&#039;&#039; wurde aus &#039;&#039;`adamah&#039;&#039; geschaffen, um dieser &#039;&#039;`adamah&#039;&#039; „zu dienen“, und zu diesem Zweck braucht ein &#039;&#039;`iš&#039;&#039; eine &#039;&#039;`iššah&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vv. 10-14&#039;&#039;&#039; nennt man die „Paradies-Geographie“. Die meisten Ausleger halten sie für eine spätere Einfügung, mit der ein Schreiber aus irgendeinem Grund gezeigt haben soll, dass er über „Listen-Weisheit“ verfügt. Besser versteht man die Verse von Vv. 8.15 her: Sie sollen erklären, dass und wie die „begehrenswert anzusehenden und gut zu essenden Bäume“ des Gartens (V. 9) dort auch nach der Vertreibung von Gottes Ackerknecht noch wachsen können: Aus dem Garten entspringt nun ein Strom, der so mächtig ist, dass sich aus ihm sogar Euphrat, Tigris und noch weitere Flüsse speisen. Dieser gigantische Strom macht es also entweder überflüssig, dass der Mensch den Garten bewässert, indem er Grundwasser nach oben pumpt, oder er bringt mit sich, dass die Sturzfluten abfließen können, die zuvor den Garten überschwemmt haben (s. zur Übersetzungsproblematik von V. 6). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich &#039;&#039;&#039;Vv. 9bc.16f.&#039;&#039;&#039; mit ihrer Rede von den beiden besonderen Bäumen in der Mitte des Gartens bereiten wie auch &#039;&#039;&#039;V. 25&#039;&#039;&#039; hauptsächlich Kapitel 3 vor; s. daher die Anmerkungen dort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Genesis_30&amp;diff=40224</id>
		<title>Genesis 30</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Genesis_30&amp;diff=40224"/>
		<updated>2025-10-30T20:29:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Syntax&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Ungeprüfte Studienfassung}}&lt;br /&gt;
{{Lesefassung folgt später}}&lt;br /&gt;
{{Zuverlässige Studienfassung|Vers 25-43}}&lt;br /&gt;
{{Lesefassung kann erstellt werden|Vers 25-43}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Lesefassung}} &#039;&#039;(kommt später)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{L|1}}&lt;br /&gt;
{{L|2}}&lt;br /&gt;
{{L|3}}&lt;br /&gt;
{{L|4}}&lt;br /&gt;
{{L|5}}&lt;br /&gt;
{{L|6}}&lt;br /&gt;
{{L|7}}&lt;br /&gt;
{{L|8}}&lt;br /&gt;
{{L|9}}&lt;br /&gt;
{{L|10}}&lt;br /&gt;
{{L|11}}&lt;br /&gt;
{{L|12}}&lt;br /&gt;
{{L|13}}&lt;br /&gt;
{{L|14}}&lt;br /&gt;
{{L|15}}&lt;br /&gt;
{{L|16}}&lt;br /&gt;
{{L|17}}&lt;br /&gt;
{{L|18}}&lt;br /&gt;
{{L|19}}&lt;br /&gt;
{{L|20}}&lt;br /&gt;
{{L|21}}&lt;br /&gt;
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{{L|32}}&lt;br /&gt;
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{{L|35}}&lt;br /&gt;
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{{L|39}}&lt;br /&gt;
{{L|40}}&lt;br /&gt;
{{L|41}}&lt;br /&gt;
{{L|42}}&lt;br /&gt;
{{L|43}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|2}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|3}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|4}} &lt;br /&gt;
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{{S|7}} &lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
{{S|24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|25}} {Und es geschah,} Als Rahel den Josef gebar (geboren hatte), sagte Jakob zu Laban: „Lass mich gehen, damit ich an meinen Ort und in mein Land gehen kann! {{par|Genesis|24|54}}&lt;br /&gt;
{{S|26}} Gib [mir] (Gib heraus)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT nur: „Gib“. Darin wird MT gestützt von SamP, einigen LXX-Handschriften und TgO, alle anderen Textzeugen (Jub 28,25; LXX-Mss, VL, VUL, Syr, TgJ, TgN) haben ein zusätzliches &#039;&#039;mir&#039;&#039;. Im Heb. ist ein solches „mir“ nicht nötig, s. [[Genesis 47#s19 |Gen 47,19]]; [[1 Samuel 9#s23 |1 Sam 9,23]]; [[2 Samuel 3#s14 |2 Sam 3,14]]; [[2 Könige 10#s15 |2 Kön 10,15]]. LXX und Syr ergänzen auch dort teilweise „mir“ (LXX: 1 Sam 9,23; 2 Sam 3,14; Syr: Gen 47,19; 2 Sam 3,14), Tg und VUL aber an keiner dieser Stellen und LXX und Syr auch an den anderen nicht. Besonders das Plus in Tg + VUL darf man also nicht ohne Weiteres als stilistische Korrektur abtun, sondern dies scheint eine echte Variante zu sein. Am Sinn und am Tonfall scheint dies nichts zu ändern. Besser übersetzt man daher „gib mir“, was jedenfalls im Deutschen natürlicher klingt.&amp;lt;/ref&amp;gt; meine Frau und meine Kinder, für die ich dir gedient habe, damit ich gehen kann! Denn du, du weißt [ja um] meinen Dienst, [mit] dem ich dir gedient habe!“&lt;br /&gt;
{{S|27}} Da sagte zu ihm Laban: „Wenn ich nur Gefallen in deinen Augen gefunden habe... –&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Wenn ich Gefallen in deinen Augen gefunden habe...&#039;&#039; ist für gewöhnlich Einleitung einer Bitte an einen Höhergestellten. Von einem Höhergestellten an einen Tiefergestellten wie hier ist die Formel also ganz ausnehmend höflich. Eine Bitte allerdings – die kommt Laban dann nicht über die Lippen; stattdessen bricht er den Satz ab und hebt neu an.&amp;lt;/ref&amp;gt; ich hatte gewahrsagt (habe getestet, hatte Pech?, hatte Erfolg?);&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;ich habe gewahrsagt (habe getestet, hatte Pech?, hatte Erfolg?)&#039;&#039; - schwieriges Wort. Für die LF am sinnvollsten wäre etwas wie „Ich hatte es schon früher vorhergesagt, und tatsächlich: Gott hat mich um deinetwillen gesegnet.“&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Genauer&#039;&#039;&#039;: Heb. &#039;&#039;niḥašti&#039;&#039;, (1) prima vista klar „ich habe gewahrsagt“, genauer: „Omen haben&#039;s mir verraten: ...“. So deuten die aktuellsten Kommentator:innen (Goldingay 2020; Peterson 2022; Tröndle 2023, S 165); dies stützen auch LXX, VL, TgJ und TgN. Warum hier aber Laban überhaupt von seinem früheren „Wahrsagen“ sprechen sollte, ist so schwer verständlich, dass wenige glücklich mit dieser Deutung sind. Die beste Erklärung bei Krauss / Küchler 2004, S. 175: Der kurze Vers soll Rachels Diebstahl von Labans Wahrsage-Instrumenten im nächsten Kapitel vorbereiten, unser Vers also nur literarisch dazu dienen, zu zeigen, dass Laban wirklich wahrsagen kann.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) TgO, Syr, VUL und der Midrasch haben stattdessen etwas wie „ich habe getestet/herausgefunden“, obwohl es im Aramäischen und Syrischen ein fast gleichlautendes synonymes Verb wie heb. &#039;&#039;naḥaš&#039;&#039; gibt. (2a) Ball 1896 mutmaßt daher, dass ihnen statt &#039;&#039;nḥštj&#039;&#039; die Konsonanten &#039;&#039;nß(j)tj&#039;&#039; vorgelegen haben könnte, was sie dann als &#039;&#039;ns(j)tj&#039;&#039; („ich habe getestet“) verstanden hätten, da Sin und Samech vielerorts gleich klang und &#039;&#039;nasiti&#039;&#039; daher wohl auch &#039;&#039;naßiti&#039;&#039; geschrieben werden konnte. Graphisch wäre das leicht möglich; vgl. {{hebr}}נחשתי{{hebr ende}} mit {{hebr}}נשתי{{hebr ende}}. (2b) Alternativ könnte dies aber auch nur eine theologische Interpretation sein; gut z.B. Grossfeld 1994, S. 109: Dass Gott Laban &#039;&#039;gesegnet&#039;&#039; hat, obwohl dieser auf schlecht angesehene Omen vertraut, kann für spätere Autoren schlecht zusammengepasst haben, weshalb TgO, Syr, VUL und Midrasch zur „harmloseren“ Variante „ich hab&#039;s ausgetestet“ gegriffen hätten. Das textkritische Zeugnis ist also nicht sehr stark.&amp;lt;br /&amp;gt;Das in dt. Üss. häufigste „Ich habe es erfahren / ich spüre / ich hab&#039;s erraten / ...“ erklärt sich hieraus, ist aber keine gute Übersetzung selbst von &#039;&#039;nasiti&#039;&#039;.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) [https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/freimann/content/pageview/558496 Michaelis 1792, S. 1632] hatte das heb. &#039;&#039;naḥaš&#039;&#039; noch abgeleitet vom arab. &#039;&#039;naḥuša&#039;&#039; („Pech haben“). Daher Michaelis 1775: „Ich hatte vorhin allerley Unglücksfälle, aber Jehova hat mich um deintwillen geseegnet“. Das ist sehr erwägenswert und zu Unrecht in Vergessenheit geraten. V. 27b sagte dann das selbe wie V. 30: „Ich hatte Pech gehabt, dann hat Gott mich um deinetwillen gesegnet“ – „Du hattest wenig vor meiner Zeit, dann hat sich&#039;s zu einer Menge ausgebreitet!“ Eine Übersetzung wie diese erklärte auch am besten die Verbfolge Qatal – Wayyiqtol in unserem Vers (richtig Torczyner  1917, Sp. 10); [https://en.wikisource.org/wiki/Gesenius%27_Hebrew_Grammar/111._The_Imperfect_with_W%C4%81w_Consecutive#cite_ref-4 GKC 111h FN 4] ist offensichtlich nur eine ad hoc-Erklärung. Dieser Ansatz ist daher mein (S.W.) Favorit, kann ob seines Alters aber schlecht für die LF gewählt werden.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Recht verbreitet ist es im Gegensatz zu (3), nach Sperber 1913 das Verb abzuleiten vom akk. &#039;&#039;naḫāšu&#039;&#039; („gedeihen, Erfolg haben“; so z.B. Wenham 1994; Hamilton 1995; Sarna 2001). Daher PAT: „Ich bin reich geworden, und der Herr hat mich um deinetwillen gesegnet“ (ähnlich HfA). Wegen der Verbfolge ist dieser Ansatz dem von Michaelis klar unterlegen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
(5) Schließlich das „Ich stand unter günstigen Vorzeichen und...“ in EÜ 80, ZÜR und bei Recker 2000 ist nur ein Kompromiss aus (1) und (4).&amp;lt;/ref&amp;gt; dann hat JHWH mich um deinetwillen (mit deiner Ankunft?)&amp;lt;ref name=&amp;quot;27.30&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;um deinetwillen (mit deiner Ankunft?)&#039;&#039; (V. 27) + &#039;&#039;mit meiner Ankunft (um meinetwillen?)&#039;&#039; (V. 30) - In Vv. 27.30 stehen im Heb. zwei unterschiedliche Ausdrücke: „um deinetwillen“ und „(gleichzeitig) mit meinem Bein“. Letzterer, der sonst nur noch [[Habakuk 3#s5 |Hab 3,5]] steht, ist wahrscheinlich eine Variante von „bei jmds Bein“ = „direkt hinter jmdm“ in [[Exodus 11#s8 |Ex 11,8]]; [[Richter 8#s5 |Ri 8,5]]; [[1 Samuel 25#s27 |1 Sam 25,27]] (so hier auch TgJ), also: Gottes Segen folgt Jakob „auf dem Fuße“. Alternativ erklärt es Ball 1896 allgemeiner als „nach mir“, da es sowohl hier als auch in Hab 3,5 mit &#039;&#039;lpnj&#039;&#039; („vor jmdm“ = „vor jmds Ankunft“) zusammensteht; noch beliebter ist die alternative Erklärung „mit deinem Bein“ = „auf Schritt und Tritt; wohin ich auch ging“ (z.B. Skinner 1910; Wenham 1994; Hamilton 1995).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: LXX (teilweise auch VL) hatte in V. 27 offenbar den selben Ausdruck vorliegen wie in V. 30: „mit deiner Ankunft“. Umgekehrt übersetzen TgO, TgN und Syr in V. 30 mit dem selben Ausdruck wie in V. 27. Beides sind wahrscheinlich Angleichungen von V. 27 an den ähnlichen V. 30 und umgekehrt.&amp;lt;/ref&amp;gt; gesegnet!{“}&lt;br /&gt;
{{S|28}} {Und er sagte: „}&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Und er sagte&#039;&#039; - Überflüssig, da Laban ja bereits in V. 27 spricht. Verbreitet sind diverse ad hoc-Erklärungen: Fokkelman 1975, S. 142f. liest heraus, dass Laban zwischen Vv. 27.28 „fieberhaft nachgedacht“ habe, was er nun sagen könnte. Zakovitch 1999, S. 128 denkt, solche überflüssigen Redeeinleitungen sollten „Nachgedanken“ markieren, während Wenham 1994 annimmt, extra eingeleitete Redeteile sollten besonders höflich klingen. Cotter 2003 schließlich erklärt rhetorisch: Der Erzähler habe Spannung aufbauen wollen. Aber solche überflüssigen Redeeinleitungen lassen sich gut einheitlich erklären: Offenbar ist es so, dass es im althebräischen Stil natürlich war, unterschiedliche Redeakte innerhalb derselben Rede doppelt einzuleiten, wie es deutlich auch gleich noch mal in [[Genesis 31#s51 |Gen 31,51]] (nach V. 48) geschieht (weitere Bspp. unten). Im Deutschen muss man sie dann aussparen (wie das hier auch LXX und VUL getan haben), da dergleichen dort nicht natürlich klingt.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Beispiele&#039;&#039;&#039;: In [[Genesis 17#s3 |Gen 17,3-16]] wird die Gottesrede drei Mal eingeleitet; jede Einleitung steht einem eigenen Redeakt voran: V. 3 der Verheißung Gottes, V. 9 seinen Forderungen, V. 15 einer weiteren Verheißung. Kurz zuvor folgte ähnlich in [[Genesis 15#s2 |Gen 15,2-3.5]] auf Abrams Frage in V. 2 sein Vorwurf in V. 3, woraufhin Gott in V. 5a ihn zu einem Blick in den Himmel auffordert und nach einer zweiten Redeeinleitung in V. 5b ein Versprechen gibt, wie auch Gottes Engel in [[Genesis 16#s9 |Gen 16,9]] einen Auftrag gibt, um dann in V. 10 mit einer weiteren Redeeinleitung ein Versprechen anzuschließen. In [[Genesis 41#s39 |Gen 41,39-41]] ernennt Pharao den Joseph in Vv. 39f. zu seinem Stellvertreter, um dann in V. 41 noch einmal feierlich zu erklären: „Du stehst jetzt über dem ganzen Land“. In [[Numeri 32#s2 |Num 32,2-5]] beginnen die Sprecher in Vv. 2-4 mit einer Beschreibung eines Landstrichs, um dann in V. 5 Mose das Land zum Geschenk zu machen. In [[Richter 8#s23 |Ri 8,23f.]] antwortet Gideon zunächst auf die Bitte seiner Gesprächsparter, um in V. 24 seinerseits eine Bitte auszusprechen. In [[Rut 2#s20 |Rut 2,20]] werden Jubelruf und Erläuterung Naomis doppelt eingeleitet. In [[1 Samuel 16#s10 |1 Sam 16,10f.]] erklärt Samuel zunächst, keiner von Isais Söhnen sei zum König geeignet, um dann in V. 11 nach David zu fragen. In [[1 Samuel 17#s34 |1 Sam 17,34-37]] berichtet David zunächst, wie er schon Löwen und Bären besiegt habe, um dann in V. 37 feierlich zu erklären, Gott werde ihn auch nun gewiss wieder beschützen. de Regt 1999, S. 59-69 und Runge 2007, S. 169 glauben ähnlich, solche doppelten Redeeinleitungen sollten den „Höhepunkt“ einer Rede eigens markieren, aber nicht viele der eigens eingeleiteten Rede-Teile lassen sich gut als Höhepunkte erkennen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bestimme deinen Lohn (auf mir=) den ich zu bezahlen habe, und ich werde ihn geben!“&lt;br /&gt;
{{S|29}} Er (sagte zu=) antwortete ihm: „Du, du weißt [ja] darum, wie ich dir gedient habe, und darum, was geschah mit deinem Vieh bei mir!&lt;br /&gt;
{{S|30}} Denn wenig [war&#039;s], was dein war (vor mir=) vor meiner Ankunft; dann hat sich&#039;s ausgebreitet zu einer Menge! JHWH hat dich gesegnet mit (meinem Schritt=) meiner Ankunft (um meinetwillen?)!&amp;lt;ref name=&amp;quot;27.30&amp;quot; /&amp;gt; (Und nun=) Also: Wann kann auch ich&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;auch ich&#039;&#039; - nicht: „auch ich, während aktuell nur meine beiden Frauen für &#039;&#039;unseren&#039;&#039; Wohlstand arbeiten“ (Raschi, Radak). Ebenso wenig: „Wann kann ich auch für meinen Haushalt arbeiten, statt nur für deinen?“ (Ramban, Tur). Sondern: „Wann kann auch ich für meinen Haushalt arbeiten, anstatt dass wir beide nur in deine Tasche arbeiten?“ So z.B. Sforno: „Wann wird&#039;s mir möglich sein, Segen auf mein Haus zu bringen – auf die selbe Weise, wie du ihn durch meine Gegenwart auf deines brachtest!?“.&amp;lt;/ref&amp;gt; etwas für &#039;&#039;meinen&#039;&#039; Haushalt tun?“&lt;br /&gt;
{{S|31}} Da (sagte=) fragte (er=) Laban: „Was soll ich dir geben?“&amp;lt;br /&amp;gt;Da (sagte=) erwiderte Jakob: „Du musst mir gar nichts geben, wenn du für mich diese Sache tust: Ich werde (darf) wieder weiden dein Kleinvieh; [es] hüten.&lt;br /&gt;
{{S|32}} Ich werde (am Tag=) heute durch all dein Kleinvieh ziehen, um auszusondern (...ziehen. Sondere aus...!)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;um auszusondern (sondere aus!)&#039;&#039; - Das zweite Verb könnte entweder Infinitiv sein und von Jakobs Handeln sprechen oder Imperativ und dann von Labans Handeln sprechen. Weil in V. 35 dann wirklich &#039;&#039;Laban&#039;&#039; das Aussondern übernimmt, haben schon LXX und VUL das Verb als Imperativ genommen; so z.B auch Seebass 1999; Ruppert 2005; Tröndle 2023, S. 165; auch B-R, EÜ; R-S, SLT, ZÜR 31. Aber das liegt ganz fern; dass Laban aussondern sollte, passt ja denkbar schlecht dazu, dass &#039;&#039;Jakob&#039;&#039; durch das Kleinvieh ziehen will (richtig Taschner 2000, S. 99 FN 59). Besser erklärt man das Gegeneinander von V. 32 vs. V. 35 literarisch: Noch am selben Tag bricht Laban das erste Mal den gerade geschlossenen Vertrag und überlässt das Aussondern eben nicht Jakob, wie es abgesprochen war, sondern dünnt bereits zuvor Jakobs Lohn empfindlich aus.&amp;lt;/ref&amp;gt; jedes gesprenkelte und gefleckte&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;gefleckt&#039;&#039; - Wortspiel; in heb. &#039;&#039;ṭalu`&#039;&#039; klingt &#039;&#039;ṭaleh&#039;&#039; („Lamm“) an, dessen Plural in [[Jesaja 40#s11 |Jes 40,11]] und in nachbiblischen Texten sogar mit den gleichen Konsonanten wie &#039;&#039;ṭalu`&#039;&#039; gebildet wird: &#039;&#039;ṭala`im&#039;&#039;. Die Bed. ist klar: In [[Josua 9#s5 |Jos 9,5]] wird das Wort von „geflicktem“ Schuhwerk verwendet; ähnlich ist &#039;&#039;ṭala`&#039;&#039; im Talmud, b.Ber 43b der „Flicken“. Die in englischen Üss. verbreitete Übersetzung „vielfarbig“ ist also falsch; ebenso falsch ist die Annahme z.B. von Steinmann 2019, Jakob verlange „alle &#039;&#039;vielfarbigen&#039;&#039;“ Ziegen und Laban  gestehe ihm dann nur gefleckte und gestreifte zu („Jacob was supposed to receive all the variegated sheep [30:3], but Laban made it more specific: spotted sheep and then streaked sheep [v. 8].“).&amp;lt;/ref&amp;gt; Tier&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;jedes gesprenkelte und gefleckte Tier&#039;&#039; - Nicht: „Schaf / Lamm“, wie die meisten Üss. übersetzen: Nach [[Exodus 12#s5 |Ex 12,5]]; [[Numeri 15#s11 |Num 15,11]]; [[Deuteronomium 14#s4 |Dtn 14,4]] heißt &#039;&#039;ßeh&#039;&#039; klar „Herdentier“ und ist Oberbegriff von Schafen &#039;&#039;und&#039;&#039; Ziegen. Wahrscheinlich haben wir danach hier ein Stilmittel vor uns: Dass Jakob haarklein auseinanderlegt, welche Tiere genau ihm zugesprochen werden sollen, wird dadurch unterstrichen, dass er drei „Tierklassen“ benennt, bei denen die zweite und dritte bereits in der ersten aufgehoben sind: „(ab) &#039;&#039;Jedes &amp;lt;u&amp;gt;gesprenkelte und gefleckte&amp;lt;/u&amp;gt; &#039;&#039;&#039;Tier&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; (a) &#039;&#039;und jedes schwarze Schaf-&#039;&#039;&#039;Tier&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; (b) &#039;&#039;und jede &amp;lt;u&amp;gt;gefleckte und gesprenkelte&amp;lt;/u&amp;gt; Ziege&#039;&#039;.“ Umso schwerer wiegt dann, was Jakob dem Laban in [[Genesis 31#s7 |Gen 31,7f.41]] vorwirft.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: U.a. deshalb, weil man sich an „gefleckten Schafen“ stieß (dabei &#039;&#039;gibt&#039;&#039; es in der Tat gefleckte Schafe; eine verbreitete Rasse ist sogar nach unserer Geschichte „[https://de.wikipedia.org/wiki/Jakobschaf Jakobschaf]“ getauft worden), vor allem aber, weil diese Phrase in LXX fehlt, haben z.B. Ball 1896 und BHK die Phrase noch für eine sekundäre Ergänzung gehalten und streichen wollen. Heute hält man umgekehrt i.d.R. die kürzere Variante in LXX für ein Homoiteleuton; w. steht im Heb. nämlich „&amp;lt;s&amp;gt;&#039;&#039;&#039;jedes Tier,&#039;&#039;&#039; gesprenkelt und gefleckt und&amp;lt;/s&amp;gt; &#039;&#039;&#039;jedes Tier,&#039;&#039;&#039; schwarz, unter den Lämmern“, wo die hier durchgestrichene Passage leicht wegen der identischen und hier gefetteten Phrasen überlesen worden sein könnte.&amp;lt;/ref&amp;gt; und jedes schwarze (braune, ?)&amp;lt;ref name=&amp;quot;schwarz&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;schwarz&#039;&#039; - welchen Farbton &#039;&#039;ḥum&#039;&#039; genau bezeichnet, ist unsicher. Das ist ärgerlich, denn die Farbe ist hier nicht unwichtig; s. die Anmerkungen. (1) Brenner 1982, S. 123 übersetzt mit Syr und z.B. ibn Ezra und Radak „schwarz“ (Radak dabei mit gutem Hinweis auf den arabischen Sprachgebrauch), (2) VUL hat teils „schwarz“, teils „dunkel“ und entsprechend empfiehlt Gradwohl 1963, S. 50f. „braunschwarz“; (3) LXX hat „dunkel“; (4) im modernen Hebräisch heißt das Wort „braun“; (5) TgJ und TgN schließlich übersetzen „rot“, wo man aber hinzusagen muss, dass in der Antike „braun“ als Stufe im Farbspektrum von „rot“ gesehen wurde (vgl. Avioz 2019, S. 461. Auch für Plinius sind in NatHist viii 73 daher asiatische Schafe „rot“, Homer kennt in Od 9.426 ähnlich „dunkelviolette Schafe“ und vielleicht ist daher auch im akk. Text Tigl. III 15.3f. mit den „Schafen mit purpurrot gefärbter Wolle“ die natürliche Fellfarbe der Tiere gemeint), weshalb auch Raschi und Ramban erläutern: „braun, leicht rötlich“. Klar ist aber, dass mit &#039;&#039;ḥum&#039;&#039;-Schafen &#039;&#039;ein-&#039;&#039;farbige Schafe bezeichnet werden. „Schwarze Schafe“ kann richtig sein, wäre aber irreführend, weil schwarze Schafe heute Ausnahmeerscheinungen sind, früher aber nicht waren (s. die Anmerkungen). Besser übersetzt man in die LF daher „braune Schafe“.&amp;lt;/ref&amp;gt; Tier unter den Lämmern und jedes Gefleckte und Gesprenkelte unter den Ziegen, und [es] sei mein Lohn (und [solches] sei mein Lohn; dann wird mir Lohn (werden=) zuwachsen).&amp;lt;ref&amp;gt;Zu &#039;&#039;[es] (solches)&#039;&#039; s. die Anmerkungen. In der LF übersetzt man vielleicht am besten: „... unter den Ziegen: Mein Lohn“, mit einer FN à la: „Worauf genau sich ‚mein Lohn‘ bezieht, ist im Hebräischen unklar. Wahrscheinlich bewusst; vermutlich ist dies nämlich einer der Knackpunkte der Erzählung: Laban macht sich diese Lücke in ihrer Lohnabsprache sogleich zunutze, indem er es &#039;&#039;nicht&#039;&#039; auf die Tiere bezieht, die aktuell in seiner Herde sind, und diese daher den Herden seiner Söhne zuführt. Nachdem Jakob dem in den Versen 37-43 ein Schnippchen schlägt, versucht Laban in Gen 31,43 gleich noch einmal, sich diese Lücke zunutze zu machen, indem er es auch nicht auf die von nun an geborenen Tiere bezieht, sondern auch diese zu &#039;&#039;seinen&#039;&#039; Tieren erklären will. Das macht Laban zum ersten Winkeladvokaten der Weltliteratur. Seine Winkelzüge macht noch härter, dass Jakob seinen Vorschlag damit stützt, dass dieser Deal sich am leichtesten ‚redlich‘ ausgestalten lassen kann, weil man so ja auf den ersten Blick sieht, welche Tiere wem gehören: Von eben dieser ‚Redlichkeit‘ hat Laban kein Quäntchen.“&amp;lt;br /&amp;gt;Die Alternative &#039;&#039;dann wird mir Lohn zuwachsen&#039;&#039; hat alternativ Lux 2009, S. 73 vorgeschlagen: „Mein Lohn wird sich dann schon einstellen“.  Sprachlich ist das möglich. Dann wäre die Logik von Gen 30-31 eine ganz andere: &#039;&#039;Jakob&#039;&#039; hätte auf einen Trick gesonnen, wie er seinen Schwiegervater zunächst mit einem ökonomisch unattraktiv scheinenden Vorschlag in Sicherheit wiegen könnte („nimm gerne alle besonders gefärbten Tiere von mir; irgendwie wird mir schon auch Lohn zukommen“), ihn dann aber mit dem im Folgenden beschriebenen Zuchttrick übers Ohr hauen könnte. Die klassische Deutung ist aber vorzuziehen, da sie die auffällige Unbestimmtheit des Wortes „sondere aus! / ... um auszusondern“ am Anfang des Verses und die Unklarheit noch in V. 33, wer nun eigentlich aussondert, runder erklärt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|33}} Dann wird für mich (mir) (antworten=) zeugen meine Gerechtigkeit am (an einem) kommenden Tag (=morgen?, =in Zukunft?), wenn (weil) du kommen wirst (sie kommen wird, ich kommen werde) über meinen (wegen meinem) Lohn vor (deinem Gesicht=) dir (dich).&amp;lt;ref&amp;gt;Schwierigster Satz der Perikope. Gehen wir vom Wortlaut des MT aus, sind mindestens vier Deutungen gleichermaßen möglich; die LF sollte aber die dritte wählen:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) „[Ich verspreche dir, ich werde die Aufteilung ehrlich vornehmen.] Am morgigen Tag, wenn du kommen wirst, um meinen Lohn zu besehen, werde ich mich als gerecht erweisen: Alles, was dann nicht schwarzes Schaf oder farbige Ziege ist, soll dann als gestohlen gelten.“ (so z.B. PAT: „Und das soll dann morgen der Beweis für meine Redlichkeit sein, wenn mein Lohn dir zu Gesicht kommt: Alle [anderen Tiere] sollen als von mir gestohlen gelten“; ähnlich EÜ, LUT, NeÜ).&amp;lt;br /&amp;gt;(2)„[Was auch immer bei diesem Deal für mich herauskommen wird, werde ich akzeptieren:] Meine Gerechtigkeit wird für mich zeugen am künftigen Tag [der Endabrechnung], an dem du besehen wirst, was bei mir als Ertrag zusammengekommen ist: Alles, was nicht schwarzes Schaf oder farbige Ziege ist, soll dann als gestohlen gelten[; mehr werde ich nicht fordern, so wenig es am Ende auch ist]“ (so z.B. ZÜR: „Und meine Redlichkeit wird dann für mich sprechen, wenn du kommst, um meinen Lohn nachzuprüfen: Alle[ anderen Tiere] sollen als von mir gestohlen gelten“; ähnlich TUR).&amp;lt;br /&amp;gt;(3) „[Diese Aussonderung und diese Vereinbarung soll nämlich vor allem dazu dienen, meine Redlichkeit zu garantieren:] So wird dann meine Redlichkeit für mich zeugen, wenn du kommst, um meinen Lohn zu besehen[, weil man ja auf den ersten Blick erkennt, welche Tiere dein und welche mein sind].“ (so Michaelis: „Auf die Art werde ich künftig immer den Beweis meiner Ehrlichkeit haben: und was unter den [Tieren andersfarbig ist], das soll gestohlen heißen, wenn es sich in meiner Herde findet“; ähnlich GN, NL).&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Oder es wird vorausgesetzt, dass bei diesem Deal allein Gott dem Jakob Ertrag als Lohn für seine Gerechtigkeit verschaffen kann, indem er Schafe schwärzt und Ziegen färbt, obwohl schwarze und farbige Muttertiere bereits entfernt wurden. Dann: „Dann wird am Tag [der Endabrechnung], an dem du besehen wirst, was bei mir als Ertrag zusammengekommen ist, dieser Ertrag [allein] (Antwort=) Frucht meiner Gerechtigkeit sein. Dagegen alles, was nicht schwarzes Schaf oder farbige Ziege ist, soll dann als gestohlen gelten.“ (so wohl SLT: „So wird dann meine Gerechtigkeit für mich sprechen am künftigen Tag vor deinen Augen, wenn du wegen meines Lohnes kommst.“; ähnlich R-S).&amp;lt;br /&amp;gt;Unter diesen Optionen wählt man am besten nicht (1), da einige Textvarianten bezeugt sind, nach denen nur vom künftigen Zahltag die Rede sein kann und nicht vom morgigen „Besichtigungs-Tag“ (s.u.). Für (4) muss man viele Zusatzannahmen treffen. (3) passt glatter zum vorangehenden Vers als (2). Schön an (3) und (4) ist außerdem, dass der trickreiche Jakob dann großsprecherisch auf seine „Redlichkeit“ abheben würde – um dann, nachdem Laban sich massiv unredlich verhalten hat, seinerseits gerade nicht seine Redlichkeit, sondern „antike genetische Tricks“ walten zu lassen. Das passte gut zu seinem Charakter im Jakobszyklus.&amp;lt;br/&amp;gt;&amp;lt;b&amp;gt;Genauer&amp;lt;/b&amp;gt; zu den einzelnen Schwierigkeiten:&amp;lt;br /&amp;gt;(1a) &#039;&#039;&#039;Meine Gerechtigkeit wird für mich antworten&#039;&#039; nimmt man heute ziemlich einheitlich für „meine Gerechtigkeit wird für mich zeugen“ und dies dann wiederum als „ich werde mich als gerecht erweisen.“ (z.B. Gunkel 1964, S. 339: „Dann wirst du einmal deutlich sehen [was du sonst wohl bezweifelt hast], daß ich ein ehrlicher Mann bin.“) Das würde dann durch den letzten Satz des Verses noch gesteigert, fügte sich also gut in den Vers.&amp;lt;br /&amp;gt;(1b) Genau so möglich ist aber: „Der Deal ist deshalb so schön, weil sein Ausgang allein von meiner Gerechtigkeit abhängt, bzw. davon, wie mich Gott für diese meine Gerechtigkeit entlohnt“ (so z.B. Hieronymus, Sforno, Nikolaus von Lyra, Tirinus): Am fraglichen Tag „wird mir meine Gerechtigkeit antworten“, d.h. „wird das Ergebnis allein von meiner Gerechtigkeit abhängen“.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Raschi, ibn Ezra und Sforno nehmen klug noch das „vor deinem Gesicht = vor dir“ vom Ende des Satzes hinzu und entledigen sich damit auch dieser Schwierigkeit: „Meine Gerechtigkeit wird &#039;&#039;vor dir&#039;&#039; für mich zeugen / mir antworten“. Ähnlich Speiser 1964 : „Meine Gerechtigkeit vor dir“ = „Your own view of my honesty“; Seebass 1999: „meine Loyalität vor dir“. Aber nach der Wortstellung muss man gewiss annehmen, dass dies zu einem anderen Satzteil gehört: (2a) Entweder &#039;&#039;kommt&#039;&#039; jemand oder etwas „über/wegen meinem Lohn &#039;&#039;zu Laban&#039;&#039;“ oder (2b) es geht um Jakobs „Lohn &#039;&#039;vor Laban&#039;&#039;“, also um die Tiere, wenn Laban sie sich einmal besieht.&amp;lt;br /&amp;gt;Geht man von (2a) aus, lässt sich der Satz unterschiedlich konstruieren; je nachdem, wer oder was „kommt“:&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
(3a) MT nämlich lässt sich nicht anders als nach (2b) auflösen: „Wenn du wegen/über meinen Lohn vor dir kommst“ &amp;gt; „wenn du kommst, damit mein Lohn vor dir sei“ &amp;gt; „wenn du kommst, um meinen Lohn zu besehen.“ Damit steht MT allerdings auch fast allein und wird nur gestützt durch Syr, TgJ, TgO und teilweise TgN. (Die Targumim und Syr zeigen dabei auch, dass „über jemandes Lohn kommen“ sehr wahrscheinlich kein Idiom mit einer Bed. wie „jemandes Lohnabrechnung überprüfen“ o.Ä. ist – so z.B. Hamilton 1995: „whenever you go over these wages of mine“ –, sondern dass „kommen“ absolut genommen werden muss: TgJ ersetzt „kommen“ durch „sein“, TgO hat die beiden Varianten „betreten“ und „gehen“, TgN und Syr nur „betreten“. Also: „Wenn du wegen meinem Lohn &#039;&#039;vorbeikommst&#039;&#039;“).&amp;lt;br /&amp;gt;(3b) LXX (+ VL&amp;lt;sup&amp;gt;S&amp;lt;/sup&amp;gt;) löst nach (2a) auf, setzt die selben Konsonanten wie MT voraus, deutet aber als Fem.-Verb mit der „Gerechtigkeit“ als Subjekt: „weil sie (=meine Gerechtigkeit) mein Lohn vor dir sein wird“ (via „...[als] mein Lohn vor dich kommt“?). Das soll wahrscheinlich das selbe bedeuten wie die oben erwähnte Deutung von Hieronymus &amp;amp; Co: „Am fraglichen Tag wird meine Gerechtigkeit offen zutage treten, denn du kannst sie ja direkt am Resultat ablesen, das ich wider alle Wahrscheinlichkeit erarbeitet habe.“ Ebenso löst verständlicher Raschi auf, deutet aber anders: „Meine Gerechtigkeit wird vor dich kommen und für mich Zeugnis ablegen.“, nämlich insofern, als du beim Besehen meines Lohns keinen Betrug feststellen wirst. Diese Deutung Raschis war in der frühen Neuzeit recht beliebt.&amp;lt;br /&amp;gt;(3c) SamP, VL&amp;lt;sup&amp;gt;O&amp;lt;/sup&amp;gt; und VUL dagegen haben oder setzen nicht &#039;&#039;tabo`&#039;&#039; voraus, sondern &#039;&#039;jabo`&#039;&#039; („er = mein Lohn / der künftige Tag kommt“). SamP offenbar: „denn er (=der kommende Tag) naht dir wegen meinem Lohn (?)“. Ähnlich VUL: „wenn dir der Tag der Absprache naht“ (via „am künftigen Tag, wenn [dieser] dir wegen meinem Lohn naht“?). Runder VL&amp;lt;sup&amp;gt;O&amp;lt;/sup&amp;gt;: „am künftigen Tag, wenn mein Lohn vor dich kommen wird“. Ball 1896 hält dies &#039;&#039;jabo`&#039;&#039; für ursprünglich, nimmt aber zusätzlich an, statt &#039;&#039;´al&#039;&#039; („wegen, über“) habe ursprünglich &#039;&#039;kol&#039;&#039; („all“) gestanden: „wenn all mein Lohn vor dich kommt“. Das ist möglich, aber nur indirekt durch VL belegt, deren Übersetzung anders unmöglich wäre. Mit VL und VUL gemeint wäre schlicht: „&#039;&#039;Wenn der Zahltag naht&#039;&#039;, werde ich mich als gerecht erweisen“. SamP verstehe ich (S.W.) ohne Balls zusätzliche Emendierung nicht; mit ihr ließe sich übersetzen wie in VL.&amp;lt;br /&amp;gt;(3d) Eine Variante im TgN setzt am glattesten statt &#039;&#039;tabo`&#039;&#039; („du kommst“) &#039;&#039;`abo`&#039;&#039; („ich komme“) voraus: „wenn ich wegen meinem Lohn vor dich komme“. Wieder wäre schlicht vom Zahltag die Rede. Leider ist dies so schwach bezeugt, dass man es gewiss als spätere Vereinfachung werten müssen wird.&amp;lt;br /&amp;gt;(4a) Einige neuere Übersetzungen haben sich stark davon leiten lassen, dass &#039;&#039;b*jom&#039;&#039; im Heb. keinen Artikel hat, und übersetzen daher: „An &#039;&#039;irgendeinem&#039;&#039; Tag“: „&#039;&#039;Wann immer&#039;&#039; du meinen Lohn besehen wirst, werde ich mich darin als gerecht erweisen, dass keine weißen Schafe und einfarbigen Ziegen in meiner Herde sind“ (so z.B. Allioli, LUT 12, MEN, TEX, ZÜR 31; gute Parallele in [[2 Samuel 18#s20 |2 Sam 18,20]]). Aber das macht nicht viel Sinn; Jakob wird als Labans Hirte ja immer auch solche Tiere bei sich haben. Die Artikellosigkeit ist wahrscheinlich auch nicht bedeutsam; auch mit zeitlicher Näherbestimmung kann &#039;&#039;jom&#039;&#039; offenbar als Constructus und daher artikellos konstruiert werden. S. z.B. [[Numeri 7#s78 |Num 7,78]]; [[2 Chroniken 29#s17 |2 Chr 29,17]]; [[Nehemia 9#s1 |Neh 9,1]], was gewiss nicht heißt: „&#039;&#039;ein&#039;&#039; zwölfter / sechszehnter / vierundzwanzigster Tag“. Alternativ muss man davon ausgehen, dass die Vrs., die mit „morgen“ übersetzen (TgJ, VL, ähnlich TgN, Syr), von einer Vokalisierung mit Artikel ausgingen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Alles, was nicht gesprenkelt und gefleckt [ist] unter den Ziegen und schwarz (braun, ?) unter den Lämmern – [als] gestohlen [gelte] es bei mir!“&lt;br /&gt;
{{S|34}} Da sagte Laban: „Deal! (Siehe!)&amp;lt;ref&amp;gt;Prima vista &#039;&#039;Siehe!&#039;&#039;. Im späteren Hebräisch heißt &#039;&#039;hen&#039;&#039; aber auch „Ja!“. Jesu Ausspruch „Euer Ja sei ein Ja!“ in [[Matthäus 5#s37 |Mt 5,37]] z.B. ist in b.B.M. 49a ähnlich überliefert als „dein &#039;&#039;hen&#039;&#039; sei redlich und dein ‚Nein‘ sei redlich!“ (gut Rosenmüller 1821, S. 472; BrSynt §4).&amp;lt;/ref&amp;gt; Durchaus geschehe [es] (nach deinem Wort/deinen Worten=), wie du gesagt hast!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|35}} Dann sonderte er (an diesem=) am selben Tag die gestreiften und gefleckten Ziegenböcke und alle gesprenkelten und gefleckten Zicken – alles, was weiß an sich [hatte] –&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;alles, was weiß an sich hatte&#039;&#039; ist nach MT, SamP-MSs, TgJ.O.N, VUL abschließende Zusammenfassung der vorangehenden Aufzählung. LXX, Syr, TgC und einige SamP-MSs dagegen hatten offenbar einen Text mit zusätzlichem „und“ vorliegen, wonach „alles, was weiß an sich hatte“ ein drittes Glied in dieser Aufzählung wäre: „die gestreiften und gefleckten Ziegenböcke und alle gesprenkelten und gefleckten Zicken und alles was weiß an sich hatte und alles Schwarze unter den Lämmern.“ In VL schließlich fehlt merkwürdigerweise das ganze Glied – eine Vereinfachung, weil dies schon mit den beiden vorangehenden Gliedern gesagt wurde, oder ein (zu) schwaches Zeugnis für einen kürzeren Wortlaut? Am Sinn änderte es jedenfalls jeweils nicht viel.&amp;lt;/ref&amp;gt; und alles Schwarze (Braune, ?)&amp;lt;ref name=&amp;quot;schwarz&amp;quot; /&amp;gt; unter den Lämmern.&amp;lt;ref&amp;gt;Welche Tiere genau Laban aussondert, sollte man wahrscheinlich nicht zu genau nehmen (wie z.B. die alten jüdischen Ausleger es taten), à la: „Dann bleiben ja immer noch gesprenkelte Böcke, gestreifte Zicken und schwarze Mutterschafe übrig!“ Die genaue Auflistung soll wahrscheinlich vielmehr unterstreichen, wie weitreichend Laban aussondert: „gefleckt“ wird gleich doppelt genannt, mit „Böcken, Zicken und Lämmern“ wird über dieses „Vater, Mutter, Kind“-Schema jedes Alter und Geschlecht genannt; die Ziegen werden unnötig noch einmal durch „alles, was nur irgendetwas Weißes an sich hatte“ zusammengefasst und direkt aufeinander folgt „weiß“ und „schwarz“ als Quasi-Merismus.&amp;lt;br /&amp;gt;Mit diesem Vers setzen außerdem zwei Wortspiele ein: (1) „Laban“ heißt „der Weiße“; es ist daher vielsagend, dass Laban „alles, was weiß an sich hatte“ zu sich nimmt, obwohl dieser Ausdruck vorher noch nicht fiel. (2) „Jakob“ könnte auch „der Gestreifte“ heißen (s. zu [[Genesis 25#s26 |Gen 25,26]]). Dass Laban auch die „gestreiften“ Tiere entfernt, obwohl wieder auch von diesen Tieren zuvor gar nicht die Rede war, ist ebenso vielsagend: Laban entfernt nicht nur alles, was sein ist, sondern sogar explizit auch noch die „Jakobs-Tiere“ aus Jakobs Herde. Jakob wird sich gleich dafür rächen, indem er Äste „labant“ („so einschneidet, dass &#039;&#039;weißes&#039;&#039; Holz sichtbar wird“) und so nicht nur „Jakobs-Tiere“ züchtet, sondern auch Tiere „mit &#039;&#039;laban&#039;&#039;“, die &#039;&#039;ihm&#039;&#039; gehören werden: Jakob wird den Enteigner enteignen (ähnlich gut Park 2010).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;´aqudim&#039;&#039; („gestreift“) ist allerdings textkritisch nicht ganz sicher: LXX, VL, Syr und TgN übersetzen, als stünde wie im folgenden Glied &#039;&#039;nequdim&#039;&#039; („gesprenkelt“). MT wird aber v.a. gestützt durch Sym und TgO, die dem neuen Wort die seltsame Bed. „weißfüßig“ geben (so auch einige jüd. Ausleger). Danach ist die Variante von LXX &amp;amp; Co. sehr wahrscheinlich als versehentliche Assimilation zu werten.&amp;lt;/ref&amp;gt; Und er gab&#039;s in die Hand seiner Söhne&lt;br /&gt;
{{S|36}} und legte eine Weg[strecke] von drei Tagen zwischen sich (zwischen sie?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Die Alternative bezeugen LXX und SamP. Das ist runder als der Wortlaut von MT, da &#039;&#039;Laban&#039;&#039; laut dem vorangehenden Vers ja gar keine Tiere bei sich hat und daher keinen Abstand zu Jakob einhalten muss. Damit ist gleichzeitig wahrscheinlich, dass die Textvariante in LXX spätere Vereinfachung ist.&amp;lt;br /&amp;gt;Eine weitere Variante bezeugt Syr: „Er (=Jakob) legte eine Wegstrecke von drei Tagen zwischen sich und &#039;&#039;Laban&#039;&#039;“; klar ebenfalls eine nachträgliche Textänderung vermutlich aus dem Grund, dass der Rest des Verses von Jakob spricht und man wirklich annehmen darf, dass Laban zum „Einlegen“ dieser Distanz nicht selbst fortgezogen ist, sondern Jakob fortgeschickt hat.&amp;lt;/ref&amp;gt; und {zwischen} Jakob (Laban).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Jakob (Laban)&#039;&#039; - Die Variante steht nur in Syr. Man muss sie ernst nehmen: Dass in Vv. 35f. &#039;&#039;Laban&#039;&#039; und nicht Jakob handelt, muss erst aus diesem Wort erschlossen werden; die beiden Verse überraschen auch, nachdem Jakob in V. 32 gesagt hat, &#039;&#039;er&#039;&#039; werde durch die Herde gehen (s. die Anmerkungen). Auch literarisch erklärte die Syr-Variante einige Auffälligkeiten des Textes besser; allem voran diese: In [[Genesis 31#s20 |Gen 31,20]] „stiehlt Jakob das &#039;&#039;leb&#039;&#039; von Laban“ (sein „Herz“), hier nimmt jemand aus Labans Herde „alles, was &#039;&#039;laban&#039;&#039; an sich hat“ („weiß“ an sich hat) – beide Wortspiele passten noch besser zusammen, wenn auch hier &#039;&#039;Jakob&#039;&#039; dass &#039;&#039;Labane&#039;&#039; an sich nimmt, wie er auch im Folgenden &#039;&#039;Labanes&#039;&#039; für seine Herde produzieren wird (s.o.). Wäre die Variante etwas stärker bezeugt als nur durch Syr, würde man sie zweifellos für ursprünglich und den Text von MT für eine ideologische Korrektur halten, mit der Jakob vom Vorwurf freigemacht werden soll, er habe sich widerrechtlich auch die &#039;&#039;gestreiften&#039;&#039; Böcke und überhaupt „alles, was weiß an sich hatte“ angeeignet. Da die Variante aber eben nur durch Syr gestützt wird, halten alle Ausleger diese Variante für sekundär.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{Und} Jakob weidete das übrige Kleinvieh Labans.&lt;br /&gt;
{{S|37}} Dann nahm sich Jakob weißes Geäst: Storax (=Weiß-Baum; Pappel?) und Mandel und Platane (=Nackt-Baum).&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Baumarten 3.png|mini|Drei Baumarten in Gen 30,37. (c) 1: [https://identify.plantnet.org/ru/the-plant-list/species/Styrax%20officinalis%20L./data identify.plantnet.org], 2: [https://www.youtube.com/watch?v=fThjdPaX78Q Youtube: Arresha], 3: [https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/f/f4/Platanus_wrightii_bark.jpg/256px-Platanus_wrightii_bark.jpg Wikimedia]]]Die drei Baumarten entsprechen in ihrer Zahl den drei Mustern der Ziegen: gestreift, gefleckt und gesprenkelt. Warum gerade diese drei Bäume gewählt wurden, lässt sich auch einigermaßen erklären: Die Identität ist zwar nur beim Mandelbaum unumstritten (&#039;&#039;luz&#039;&#039;; so heißt die Mandel auch im Arabischen). Aber auch beim letzten Baumnamen &#039;&#039;´armon&#039;&#039;  (w. „Nackt-Baum“, nur noch in [[Ezechiel 31#s8 |Ez 31,8]]; [[Jesus Sirach 24#s14 |Sir 24,14]]) sind sich die meisten Pflanzenkundler einig, und warum sie so einheitlich mit LXX auf die Platane deuten (so z.B. Löw 1924, S. 65; Moldenke / Moldenke 1952, S. 180; Musselman 2012, S. 116), erklärt sich auch leicht: Wie auf dem Bild ganz rechts zu sehen ist, schält sich die Platane von selbst (daher „Nackt-Baum“), ist damit natürlich gescheckt und deshalb vielleicht auch besonders gut geeignet, um auf die beschriebene Weise gescheckte Tiere zu produzieren. Bei &#039;&#039;libneh&#039;&#039; (w. „Weiß-Baum“, sonst nur noch in [[Hosea 4#s13 |Hos 4,13]]) allerdings schwanken Pflanzenkundler zwischen „Pappel“ (so z.B. Löw 1924, S. 338f.; Moldenke / Moldenke 1952, S. 225; so LXX in Hos 4,13) und „Storaxbaum“ (so z.B. Rosenmüller 1830, S. 261; Zohary 1986, S. 118; so LXX hier). Stark für den Storaxbaum spricht aber, dass er auch im Arabischen u.a. &#039;&#039;livnah&#039;&#039; / &#039;&#039;luvnah&#039;&#039; heißt. Wie man auf dem Bild links sieht, gilt für ihn ähnliches wie für die Platane, wenn auch weniger stark ausgeprägt. Der Mandelbaum fällt dann aus dem Muster. Ist wirklich die Färbung Grund für die Wahl gerade dieser drei Bäume, wie dies Storaxbaum und Platane nahelegen, muss man bei den Mandel-„Ästen“ vielleicht an sehr dicke Äste denken: Charakteristisch für den Mandelbaum ist eine auffällige Färbung im &#039;&#039;Querschnitt&#039;&#039; des Holzes.&amp;lt;/ref&amp;gt; Er spalte in sie weiße Spalte (entrindete von ihnen Rinde?),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;er spaltete Spalte&#039;&#039; - Heb. &#039;&#039;paṣal&#039;&#039;, nur hier belegt. Im Aramäischen heißt das genaue Kognat „spalten“, im Syrischen „spalten, öffnen“, im Mittelhebräischen ebenfalls „spalten“. (Fast?) alle geben dem Wort dennoch die Bed. „schälen“, weil scheinbar alle alten Vrs. so übersetzen. Bei LXX und VUL ist das wirklich so; dort liegt dies aber daran, dass sie den Vorgang noch genauer ausfabulieren: Für beide hätte Jakob die Äste derart partiell geschält, dass die verbliebene Rinde Muster bildete, die den erwünschten Fellmustern der Tiere entspräche. Diese Tradition ist auch bei den jüd. Auslegern reich belegt. Syr und die Targumim dagegen sind weniger klar; alle übersetzen mit &#039;&#039;qalap&#039;&#039;, was man in Wörterbüchern ebenfalls als „abschälen“ listet. Dass das Wort diese Bedeutung &#039;&#039;auch&#039;&#039; haben kann, ist sicher, z.B. in b.Nid 17a. Gleichzeitig steht die selbe Wortform aber z.B. in [[Psalm 78#s47 |Ps 78,47]], wo das hebräische „er erschlug ihre Weinstöcke mit Hagel“ angeblich durch „er schälte ihre Weinstöcke mit Hagel“ übersetzt worden sein soll, oder in [[2 Könige 18#s16 |2 Kön 18,16]], wo das hebräische „er zerbrach den Torflügel“ angeblich mit „er schälte die Tore ab“ übersetzt worden sein soll (s. [https://cal.huc.edu/showlevy.php?page=2:366 Levy, ChW 366]). Beide Belegstellen machen sehr wahrscheinlich, dass auch dieses Wort im D-Stamm auch „zerschlagen, abschlagen“ bedeuten kann. Die Vrs. sind also kein so sicherer Wegweiser, wie es zunächst scheint.&amp;lt;br /&amp;gt;In Wörterbüchern rechtfertigt man die Bed. „schälen“ etymologisch mit Verweis auf arabisches &#039;&#039;BṢL&#039;&#039; II („Rinde abschälen“). Neuerdings verweist man außerdem gelegentlich auf ein ugaritisches &#039;&#039;pzl&#039;&#039;, bei dem man erstens erst noch zusätzlich annehmen muss, dass es nur Nebenform eines unbelegten &#039;&#039;pṣl&#039;&#039; sei, und zweitens, dass „dem Menschen wird seine Schwäche abgeschält“ ein sinnvoller Ausdruck sei, weil sein Ausspruch z.B. begleitet wäre vom Ritual, eine Zwiebel zu schälen (Bordreuil / Caquot 1980, S. 349; Saracino 1982, S. 341; Hamilton 1995). Das ist schwerlich eine ausreichend sichere Basis, um auf ihr die Deutung des heb. Wortes abstützen zu dürfen; angesichts der Existenz von arab. &#039;&#039;BṢL&#039;&#039; ist es außerdem eine ganz unnötige Annahme.&amp;lt;br /&amp;gt;Wägen wir dann zwischen „spalten“ und „Rinde abschälen“ ab, liegt auch unabhängig von diesem Ugaritistik-Vorschlag „spalten“ näher: Erstens läge statt der Präp. &#039;&#039;b-&#039;&#039; die Präp. &#039;&#039;m-&#039;&#039; näher, wenn gesagt werden sollte, dass „&#039;&#039;von&#039;&#039; den Ästen“ Rinde „abgerindet“ worden sei. Und zweitens ist in der Etymologie das Aramäische und Mittelhebräische doch indikativer für das Bibelhebräische als das Arabische (oder Ugaritische). Dass dies die bessere Option ist, ist also insgesamt fast sicher.&amp;lt;/ref&amp;gt; [derart] das Weiße freilegend, das an den Ästen [war].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|38}} Dann setzte (legte, stellte) er die Äste, die er gespalten hatte, in (an) die Tröge ([Wasser-]Läufe?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Nicht: &#039;&#039;Wasserläufe&#039;&#039;, was verwandt mit aram. &#039;&#039;rahaṭ&#039;&#039; („laufen“) wäre, sondern nach [[Exodus 2#s16 |Ex 2,16]] klar „Sammelbehälter“, verwandt mit arab. &#039;&#039;rahaṭa&#039;&#039; („gesammelt werden“, vgl. Nöldeke 1897, S. 187).&amp;lt;/ref&amp;gt; an den Tränkeplätzen des Wassers, zu denen (fürs Wasser-Trinken, wohin)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039; - Die Alternative nur in SamP, VL und VUL, wohl um das leicht redundante „in die Tröge an den Tränkeplätzen des Wassers“ zu glätten (richtig BHQ, Tröndle 2023, S. 167).&amp;lt;/ref&amp;gt; das Kleinvieh (üblicherweise) kam, um im Angesicht des Kleinviehs zu trinken (um zu trinken – [direkt] vor die Augen des Kleinviehs).&amp;lt;br /&amp;gt;{Und} Sie waren brünstig,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;brünstig werden&#039;&#039; ist im Heb. auffällig gebaut: mit maskulinem Prä- und femininem Suffix. Die Masoreten haben diese Stelle und [[1 Samuel 6#s12 |1 Sam 6,12]]; [[Daniel 8#s22 |Dan 8,22]] daher damit kommentiert, dass hier jeweils ein „androgyne Wortform“ stünde. Zur Form vgl. aber Mey II §63.4b: Obwohl es in unserem Kontext so scheinen könnte, ist sie insgesamt nicht bedeutsam. Zur Bed. d. Wortes und gegen das theoretisch ebenfalls passende „einander begatten“ vgl. Hieronymus, Hebraicae Quaestiones. „Werfen“, „gebären“, wie noch häufiger übersetzt wird, passt nicht mal vom Kontext her.&amp;lt;/ref&amp;gt; wenn sie zum Trinken kamen,&lt;br /&gt;
{{S|39}} (und=) ergo war das Kleinvieh brünstig (zu den Ästen=) auf die Äste hingewandt, und das Kleinvieh gebar [daher] Gestreiftes, Gesprenkeltes und Geflecktes.&amp;lt;ref&amp;gt;(1) Einer der frühesten klaren Beleg der „Kallipädie“-Vorstellung, also des Glaubens daran, das Aussehen eines Nachkommen werde bestimmt von dem, was seine Mutter im Moment der Empfängnis und/oder kurz danach vor Augen / im Kopf hat. Entweder funktioniert Jakobs Technik so, dass die Äste &#039;&#039;ins&#039;&#039; Wasser gelegt werden, so dass sich im Wasser das Spiegelbild der dunklen Ziegen und die gescheckten und gestreiften Äste zu gescheckten und gestreiften Ziegen überlagern. Oder – wahrscheinlicher wegen der Formulierung „angesichts der Herde“ – sie funktioniert so, dass die Äste derart &#039;&#039;an&#039;&#039; die Wasserläufe gestellt werden, dass sie als Sichtschutz den Blick der sonst „angesichts der Herde trinkenden“ Tiere auf diese Herde versperren, so dass ihnen in ihrer Erregung statt dunklem Vieh geschecktes Geäst vor Augen ist (so LXX, VUL: „angesichts der Äste“). Oder man verbindet beides wie Syr: „in die Tröge, zu denen das Kleinvieh üblicherweise kam, um &#039;&#039;einander gegenüber&#039;&#039; zu trinken“. Ähnlich Westermann 1981; Boecker 1992 und Krauss / Küchler 2004, die „angesichts des Kleinviehs“ nicht vom „Trinken“ abhängen lassen, sondern vom „in-die-Tröge-Legen“ (s. die Alternativübersetzung). Am ehesten hat wirklich Syr das „angesichts der Herde“ richtig verstanden. So und so wäre es dann jeweils die Tatsache, dass sie ein geschecktes Bild vor Augen haben, die dazü führte, dass die Ziegen farbige Nachkommen zeugen und empfangen.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Parallelen&#039;&#039;&#039;: Noegel 1997, S. 9 wendet ein, diese Vorstellung sei das erste Mal im 5. Jhd. n. Chr. belegt, aber das ist nicht wahr. Aristoteles schreibt schon im 4. Jhd. v. Chr., tierische Nachkommen ähnelten ihren Eltern mehr als menschliche Nachkommen, da Menschen „im Moment der Zeugung Unterschiedlicheres durch den Kopf geht als Tieren“ (Problemata 10.10), und Aetius zitiert Empedokles (5. Jhd. v. Chr.), der das selbe Phänomen damit erklärt, „&#039;&#039;[dass] Embryos durch die Einbildungskraft der Frau zur Zeit ihrer Empfängnis geformt werden. Denn häufig verlieben sich Frauen in Statuen von Männern und in Bilder und bringen dann Nachwuchs hervor, das diesen ähnelt&#039;&#039;“ (Doxographi Graeci 5.12.2; Üs. nach Doninger / Spinner 1998, S. 100). Ihren ausführlichsten antiken Ausdruck findet diese Vorstellung in der Gynäkologie des Soranus von Ephesus, der im 4. Jhd. n. Chr. schreibt: „&#039;&#039;Wunderbarerweise hat auch der Zustand der Seele Einfluss auf die Gestaltung des Empfangenen. So wurden solche, die im Augenblicke des Coitus Affen sahen, mit affenähnlichen Wesen schwanger. Ein missgestalteter Herrscher von Kypros zwang seine Gattin während des Coitus auf sehr schöne Statuen zu blicken und erzeugte so schön gestaltete Kinder. Die Pferdezüchter stellen beim Bespringen vor die Stuten edle Tiere [!].&#039;&#039;“ (§39, Üs. [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN543073386?tify=%7B%22pages%22%3A%5B39%5D%2C%22pan%22%3A%7B%22x%22%3A0.454%2C%22y%22%3A0.359%7D%2C%22view%22%3A%22info%22%2C%22zoom%22%3A1.102%7D Lüneburg]). Stol 2000, S. 156 glaubt, diese Vorstellung lasse sich sogar schon in babylonischen Texten nachweisen, und zitiert u.a. den folgenden Text, bei dem dies wirklich wahrscheinlich ist: „&#039;&#039;Die Frau eines Mannes wurde von einem anderen schwanger und wird fortwährend zu Ischtar beten und dabei die ganze Zeit auf ihren Mann blicken: ‚Ich werde das, was in meinem Leib ist, aussehen lassen wie meinen Ehemann!‘&#039;&#039;“ (BRM 4 12:36f.). Sehr viele weitere Belegstellen findet man bei [https://books.google.de/books?id=T2yFHAAACAAJ&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA1 Preuß 1892].&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Alternative?&#039;&#039;&#039;: (2) Einigen neueren Auslegern ist es offenbar unangenehm, dass sich solcher Aberglaube auch in der Bibel finden soll, und erklären die Szene daher stattdessen mit moderner Biologie: Die Schwärze schwarzer Schafe und die Färbung farbiger Ziegen seien rezessive Erbanlagen, die auch in äußerlich weißen Schafen und schwarzen Ziegen angelegt sein können. So sei „wirklich“ zu erklären, wie die gefärbten Tiere geboren wurden, und Jakobs „Ast-Aktion“ sei nur ein Täuschungsmanöver gewesen, mit dem Jakob vor Laban verbergen wollte, dass er tatsächlich raffinierte Zuchtmethoden anwandte (z.B. Etkin 1965; Feliks 1997; Alter 1996, S. 165). Was damit gewonnen sein soll, verstehe ich (S.W.) nicht: auch dann würde die Erzählung ja die Kallipädie-Vorstellung voraussetzen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|40}} Die Lämmer wiederum separierte Jakob, und machte, [dass] in der Herde Labans die Gesichter des Kleinviehs (zu=) hingewandt auf das Gestreifte und alles Schwarze (Braune, ?)&amp;lt;ref name=&amp;quot;schwarz&amp;quot; /&amp;gt; war.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Trick mit den Ziegen wird variiert mit den Lämmern wiederholt: In Ermangelung schwarzer Schafe sorgt Jakob dafür, dass die weißen Schafe in der Herde Labans in ihrer Brunst Gestreiftes und Schwarzes – nämlich Jakobs Ziegen und Labans Ziegen – vor Augen haben, so dass auch Labans Schafe gestreifte und schwarze Junge für Jakob gebären.&amp;lt;br /&amp;gt;„in der Herde Labans“ nehme ich mit Rosenmüller 1821 und Baumgarten 1843 als Ortsangabe des Verbs („er tat das in der Herde Labans“), nicht als Spezifikation von „das Gestreifte und alles Schwarze (in der Herde Labans)“, da „das Gestreifte“ ja &#039;&#039;Jakob&#039;&#039; gehört.&amp;lt;br /&amp;gt;Möglich vielleicht auch: „Er machte, dass (die Gesichter=) die Besten des Kleinviehs auf das Gestreifte und alles Schwarze hingewandt war“ (so nach Ehrlich 1908, S. 151f.). Aber dieser Sprachgebrauch „Gesicht“ = „Bestes“ ist sonst unbelegt.&amp;lt;br /&amp;gt;Möglich vielleicht außerdem: „Er machte, dass an den (Gesichtern=) besten Positionen der Herde das Gestreifte und alles Schwarze war“ (so Fokkelman 1975 nach TgJ; TgO; Syr). Dito, und wie dies mit der Präp. &#039;&#039;`el&#039;&#039; zusammenstimmen soll, verstehe ich (S.W.) nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; So stellte er sich eigene Herden auf und stellte sie nicht zum Kleinvieh Labans hinzu.&lt;br /&gt;
{{S|41}} Und {so sollte es geschehen} die ganze Brunst (die ganze Zeit der Brunst)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: LXX, TgJ, TgO und Syr-MSS wie in der Alternative, indem sie nach „ganz“ ein zusätzliches &#039;&#039;`et&#039;&#039; („Zeit“) voraussetzen wie ähnlich in in [[Genesis 31#s10 |Gen 31,10]]. Wohl nicht auch VUL (so BHQ, Wevers 1993, S. 494): In „als zur ersten Zeit die Schafe bestiegen wurden“ ist dies „zur ersten Zeit“ mindestens mit-beeinflusst von der Rede vom Brünstig-werden der „gebundenen=starken Schafe“; s. nächste FN. Die längere Textvariante mit &#039;&#039;´et&#039;&#039; jedenfalls halten z.B. Ball 1896, BHK, BHS und z.B. Seebass 1999 und Ruppert 2005 für ursprünglich, aber weit wahrscheinlicher wurde hier der ungewöhnliche Ausdruck an den gebräuchlicheren in Gen 31,10 angeglichen.&amp;lt;/ref&amp;gt; des starken (gebundenen)&amp;lt;ref name=&amp;quot;stark&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;(gebunden=) stark&#039;&#039; (V. 41) vs. &#039;&#039;schwach sein (bedeckt sein, verschmachten)&#039;&#039; (V. 42) - W. &#039;&#039;gebunden&#039;&#039; vs. &#039;&#039;bedeckt&#039;&#039; / &#039;&#039;verschmachtend&#039;&#039;. Heute wird das erste Wort fast einheitlich nach dem Arabischen erklärt und so als „stark“ gedeutet und sodann das zweite in der Bed. umgebogen von „verschmachtend“ zu „schwächlich“. Dem sollte sich die LF anschließen. Sehr gut zu rechtfertigen ist aber v.a. die Deutung des zweiten Wortes nicht (richtig Rav Hirsch: Es „bezeichnet immer zeitlich eingetretene Schwächezustände, nicht aber eine konstitutionelle Schwäche“). Ich (S.W.) möchte daher als Alternative vorschlagen: „Die im Frühling brünstigen Schafe“, die zu dieser Zeit zum Scheren „angebunden“ und daher als „die Gebundenen“ bezeichnet wurden, vs. „die Schafe zur Zeit der Herbst-Brunst“, die zu dieser Zeit „die Bedeckten“ genannt wurden, weil ihnen ab da das Winterfell zu wachsen begann (letzteres schon im Machberet Menachem und bei Raschi). Der Wurf der Ersteren wäre besser als der Wurf der Letzteren, weil Herbstlämmer besseres Futter fanden als Frühlingslämmer. Vgl. Plinius, Naturalis historia viii 72: „&#039;&#039;[Bei Schafen] geht die Zeit der Paarung vom [13. Mai] bis zum [23. Juli]. Die Tragezeit beträgt 150 Tage. Lämmer, die vor dieser Zeit gezeugt werden, sind schwächlich. Die Alten nannten die, die danach [= nach dem 23. Juli] geboren wurden [also im wünschenswerten Zeitraum gezeugt wurden], &#039;&#039;cordi&#039;&#039; [=Gebundene]. Viele ziehen wintergeborene Lämmer den frühlingsgeborenen vor ... Es gibt zwei Hauptarten von Schafen: &#039;&#039;tectum&#039;&#039; [=(von Wolle) bedeckt] und &#039;&#039;colonicum&#039;&#039; [=„Zuchtschaf“? W. „Ackerbau-Schaf“]. Ersteres ist weicher, letzteres delikater, weil es [wegen der Schur selbst von Disteln gequält wird].&#039;&#039;“ (letzte Klammer Konjektur nach Rackham 1940, S. 132. Zu den schwächeren Spätgeborenen vgl. auch Columella, De re rustica vii 3; Varro, De re rustica ii 2.13f.; bei allen dreien auch die genannte Begründung mit dem Futter). So deuteten mit anderen Erklärungen der Wörter auch fast alle Alten, s.u. Ähnlich noch LUT 12: „Wenn aber der Lauf der Frühling-Herde war, legte er die Stäbe [hinein...], aber in der Spätlinge Lauf legte er sie nicht hinein.“. Ähnlich auch Wellhausen 1899, S. 40, der aber &#039;&#039;jaḥam&#039;&#039; falsch mit „werfen“ statt „brünstig sein“ übersetzt: „Immer, wenn die Schafe, die Frühlingslämmer warfen, besprungen wurden ..., wenn sie aber Spätlinge warfen... Und so bekam Laban alle Herbstlämmer und Jakob alle Frühlingslämmer“.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Genauer&#039;&#039;&#039;: Vv. 41.42 kontrastieren zwei Tier-„Klassen“, nämlich &#039;&#039;maquššarot&#039;&#039; in V. 41 und &#039;&#039;´aṭupim&#039;&#039; in V. 42. Beide Klassen stehen im Gegensatz zueinander, was dadurch noch unterstrichen wird, dass die erste in V. 41 mit einem femininen Wort bezeichnet wird, die zweite in V. 42 mit einem maskulinen. &#039;&#039;´aṭap&#039;&#039; heißt w. „sich bedecken, kleiden, verstecken“ ([[Ijob 23#s9 |Ijob 23,9]]; [[Psalm 65#s14 |Ps 65,14]]; [[Psalm 73#s6 |73,6]]; [[Jesus Sirach 11#s4 |Sir 11,4]]) und danach häufiger übertragen „verschmachten, traurig sein“ (ähnlich im Arab.: &#039;&#039;ġašiya&#039;&#039; „bedecken“ – &#039;&#039;ġušiya&#039;&#039; „ohnmächtig werden“), sonst aber nie: „schwächlich sein“. Und &#039;&#039;qašar&#039;&#039; heißt häufig „binden, verbinden, verbünden“; bei Tieren auch „anbinden“ ([[Ijob 39#s10 |Ijob 39,10]]; [[Ijob 40#s20 |40,29]]). Beide Worte treffen sich übrigens darin, dass sie von Schmuck oder prächtiger Kleidung gesagt werden können, mit denen man sich „bedeckt“ ([[Psalm 73#s6 |Ps 73,6]]) oder die man sich „umbindet“ ([[Jesaja 49#s18 |Jes 49,18]]), aber das scheint hier nicht bedeutsam zu sein. Es klingt also so, als würden hier die „(an)gebundenen“ Tiere in V. 41 mit den „bedeckten“ oder „verschmachtenden“ Tieren in V. 42 konstrastiert werden.&amp;lt;br /&amp;gt;Die Alten erklären fast sämtlich grob als „die frühen“ vs. „die späten“ Tiere (Sym exakt so: „die Frühen“ vs. „die Späten“), nämlich entweder genauer (1) als „einander früh vs. spät begattend“ (VUL, wahrscheinlich Raschbam, ähnlich Raschi: „die Schafe, die sich miteinander &#039;&#039;verbündeten&#039;&#039;, um früh gebären zu können“) oder (2) „früh vs. spät geboren“ (Syr, alle Targumim, Radak, ibn Ezra). Vgl. auch im Midrasch: „&#039;&#039;Rabbi Jochanan (2./3. Jhd.) sagte: ‚Die frühgeworfenen Schafe gehörten dem Laban.‘ Resch Lakisch (3. Jhd.) dagegen sagte: ‚Die spätgeworfenen Schafe gehörten dem Laban.‘&#039;&#039;“ Die Logik hinter (2) war bei manchen wahrscheinlich auch die Annahme, dass man regulär Erstgeburten markierte, indem man ihnen eine Schnur umband (s. [[Genesis 38#s28 |Gen 38,28]]); so erklärt nämlich explizit der anonyme Kommentator in Daat Zekenim („Auslegung der Alten“, 12./13. Jhd.) und Aq kontrastiert „die &#039;&#039;Gebundenen&#039;&#039;“ mit „den Spätgeborenen“. Danach hätte sich die Deutung der &#039;&#039;´aṭupim&#039;&#039; als „Spätgeborene“ von selbst ergeben; jedenfalls gibt es für dieses Wort bei den Alten keine ähnliche Erklärung wie beim ersten Wort, warum es die „späten“ Schafe bezeichnen soll. Hieronymus allerdings erläutert, dass „der &#039;&#039;Frühlingswurf&#039;&#039; der Bessere“ war, wonach sich „Frühgeboren“ vs. „Spätgeboren“ auf die beiden Wurf-Zeiten von Schafen im Jahreslauf bezöge (Schafe tragen durchschnittlich fünf Monate und können daher zweimal pro Jahr werfen). Danach müssen wir bei den Alten eigentlich anders differenzieren: (1&#039;) Erstgeburt vs. Nachgeburten, (2&#039;) Frühlingsschafe vs. Herbstschafe, wobei sich hier bei den Alten dann ebenfalls nicht herauslesen lässt, wie sie zu dieser Deutung kamen. Daneben als Sondermeinungen: (3) LXX: „schwanger“ vs. „gebärend“, was schwerlich Sinn macht (so schon Hieronymus). (4) Ramban: „gebunden“ = „einander verbunden“: Tiere, die feste Partner hatten. (5) Midrasch Lekach Tob: „verbündet“ = „diejenigen, die stark genug waren, sich zusammenzurotten“ vs. verschmachtend und daher schwach.&amp;lt;br /&amp;gt;Die meisten Autoren der frühen Neuzeit deuten als „Frühlings- und Herbstschafe“, erklären dann aber die ersteren als „anzubindende = starke Schafe“ (z.B. Franziskus Vatablus, Jakob Bonfrère, Jean de La Haye). [https://books.google.de/books?id=NjxBAAAAcAAJ&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA100 Schultens 1769, S. 100-103] und [https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/freimann/content/pageview/557558 Michaelis 1792b, S. 708f.] haben dies schließlich vereinfacht durch Verweis auf das Arabische, wo manche Worte mit der Grundbedeutung „binden“ auch „stark sein“ bedeuten, und seither steht in Kommentaren regelmäßig ohne weitere Erläuterung „die Starken“ vs. „die Schwachen“ (übrigens gibt es auch im Deutschen ähnliche Wort-Parallelen: „sehnig“ = „kräftig“; ähnlich sprechen wir von „Muskel-&#039;&#039;Strängen&#039;&#039;“). Das erste Wort ließe sich mit den arabischen Parallelen wirklich gut erklären, beim zweiten allerdings ist die Umdeutung von „verschmachtend“ zu „von schwächlicher Konstitution“ aber weniger gut zu rechtfertigen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Kleinviehs setzte (stellte, legte)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Weqatal, nicht Waw-Qatal (wie z.B. WHM analysiert); Waw-Qatal machte nach &#039;&#039;wehajah&#039;&#039; schwerlich Sinn. Das Yiqtol in SamP und Syr ist dafür nur eine Ausdrucksvariante (ähnlich häufiger in SamP), nicht „Assimilation an V. 42“ (BHQ).&amp;lt;/ref&amp;gt; Jakob die Äste vor die Augen des Kleinviehs in (an) die Tröge, so dass es bei den Ästen brünstig wurde.&lt;br /&gt;
{{S|42}} Wenn aber schwach war (bedeckt war, verschmachtete)&amp;lt;ref name=&amp;quot;stark&amp;quot; /&amp;gt; das Kleinvieh, setzte (stellte, legte) [er sie] nicht [hinein]. So wurden die schwachen (bedeckten, verschmachtenden)&amp;lt;ref name=&amp;quot;stark&amp;quot; /&amp;gt; Labans [Tiere] und die starken (gebundenen)&amp;lt;ref name=&amp;quot;stark&amp;quot; /&amp;gt; Jakobs [Tiere].&lt;br /&gt;
{{S|43}} (Der Mann breitete sich sehr, sehr aus=) So breitete sich sein Besitz sehr, sehr aus; (ihm wurden=) er gewann viel Kleinvieh und Mägde und Knechte und Kamele&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Kamele&#039;&#039; müssen kein Anachronismus sein, wie man auch in aktuellen Kommentaren noch häufig lesen kann: Der frühste klare Beleg für das domestizierte Kamel stammt aus dem 18. Jhd. v. Chr. aus Alalakh (Syrien; vgl. Bulliet 1975, S. 64). Das ließe sich selbst mit der biblischen Chronologie vereinbaren, nach der Jakob etwa in diesem Zeitraum gelebt hätte.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Esel. {{par|Genesis|12|16}} {{par|Genesis|24|35}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entweder ist für Jakob die Geburt seines jüngsten Sohnes von seiner Lieblingsfrau in &#039;&#039;&#039;V. 25&#039;&#039;&#039; das Signal, dass es nun endlich Zeit ist, aufzubrechen, oder der Vers sagt, dass durch glückliche / göttliche Fügung die langersehnte Geburt von Rahels Kind mit dem Ende des vierzehnjährigen Dienstens Jakobs bei Laban zusammenfällt. So und so: Endlich scheint die Zeit zur Rückkehr gekommen zu sein. Zwei Dinge stehen dem aber noch entgegen: Rechtliche Schwierigkeiten und Jakobs Armut. Beide Schwierigkeiten werden im Folgenden behoben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vv. 26-43&#039;&#039;&#039; schildern daher die letzten Jahre Jakobs bei Laban und genauer, wie Jakob bei Laban neben reicher Nachkommenschaft auch großen Reichtum erlangt. Der Abschnitt gliedert sich grob in eine Lohnverhandlung in Vv. 26-34, bei der auch besagte rechtliche Schwierigkeiten thematisiert werden, in einen ersten Vertragsbruch Labans in Vv. 35f. und in den Bericht über den Erfolg Jakobs als Viehzüchter in Vv. 35-43. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vv. 26-31b&#039;&#039;&#039; sind kunstvoll gebaut (das Folgende in Anlehnung an Tröndle 2023, S. 169): Die Lohnverhandlung wird dominiert von einem doppelten Verweis auf Jakobs Dienst, der Laban reich gemacht hat (Vv. 26b.29) und einem Verweis auf Gottes Segen, der auf Jakob liegt (Vv. 27.30). Um diese Vv. 26b-27 und 29-30 herum und dazwischen findet die Verhandlung darüber statt, was Laban Jakob „geben“ soll:&lt;br /&gt;
* V. 26a: „&#039;&#039;Gib&#039;&#039; mir meine Frauen und meine Kinder!“&lt;br /&gt;
* Vv. 26b-27: Jakobs Dienst und Gottes Segen&lt;br /&gt;
* V. 28: „Bestimme den Lohn, den ich zu zahlen habe, und ich werde ihn &#039;&#039;geben&#039;&#039;“&lt;br /&gt;
* Vv. 29-30: Jakobs Dienst und Gottes Segen&lt;br /&gt;
* V. 31: „Was soll ich dir &#039;&#039;geben&#039;&#039;?“ – „Du musst mir gar nichts &#039;&#039;geben&#039;&#039;, wenn...“,&lt;br /&gt;
woran sich in Vv. 31b-34 die Absprache des Deals anschließt, den Jakob und Laban schließlich machen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auf den ersten Blick wirkt die Verhandlung damit recht einfach. Tatsächlich werden in ihrem Zuge aber mehrere komplexere rechtliche Streitfragen verhandelt:&amp;lt;br /&amp;gt;Nach &#039;&#039;&#039;V. 26&#039;&#039;&#039; stehen dem Fortgang von Jakobs Familie nicht nur seine Armut entgegen, sondern auch ein rechtliches Hindernis: Annehmen kann man anscheinend eine Situation, wie sie in [[Exodus 21#s2 |Ex 21,2-6]] beschrieben wird: Hat ein Dienstherr seinem „Diener“ binnen der sieben Jahre, die dieser bei ihm diente, eine Frau gegeben und hat diese Frau Kinder bekommen, sind de jure Frau und Kinder Eigentum des Dienstherrn und dieser kann sie nach gusto einfach einbehalten. Laban jedenfalls wird dies in [[Genesis 31#43 |Gen 31,43]] voraussetzen, auch Jakob selbst rechnet in [[Genesis 31#s31 |Gen 31,31]] damit, und dies ist gewiss auch der Grund, warum Jakob hier erst die Herausgabe seiner Familie fordern muss. Jakob betont daher, dass er seine Frauen nicht einfach „erhalten“ hat, sondern dass er sie sich mit seinem Dienst &#039;&#039;verdient&#039;&#039; hat („du, du weißt ja um meinen Dienst“; vgl. Taschner 2000, S. 98f.). In der Version im Jubiläenbuch ist das noch stärker formuliert: „&#039;&#039;Gib mir meine Frauen und meine Kinder..., denn ich habe die Jahre vollendet, während denen ich bei dir gedient habe im Austausch für deine zwei Töchter!&#039;&#039;“ (Jub 28,25). Gleichzeitig betont er in der biblischen Version mit der dreifachen Rede von seinem „Dienen“ doch auch das &#039;&#039;Dienst&#039;&#039;-Verhältnis, in dem er stand. Wahrscheinlich tut er dies, um seinerseits auf rechtliche Regelungen wie die in [[Deuteronomium 15#s13 |Dtn 15,13f.]] anzuspielen (vgl. [[Genesis 31#s42 |Gen 31,42]] mit [[Deuteronomium 15#s13 |Dtn 15,13]]), wonach ein Dienstherr, bei dem ein Diener gedient hat, diesen nicht mit leeren Händen entlassen darf, sondern ihm sozusagen als Startkapital mit Tieren und Saatgut auszustatten hat (so gut Sarna 2001; Waltke/Fredricks 2001).&amp;lt;br /&amp;gt;Laban wiederum scheint das aber bewusst zu überhören. Überaus höflich hebt er in &#039;&#039;&#039;V. 27&#039;&#039;&#039; zu einer Antwort an, um Jakob in &#039;&#039;&#039;V. 28&#039;&#039;&#039; vorgeblich gar einen Blankoscheck auszustellen – aber einen Blankoscheck über Jakobs &#039;&#039;Lohn&#039;&#039;: Dass er ihn mit Geschenken nach Hause schickt, steht außer Frage; will Jakob nicht mit leeren Händen zurückkehren, muss er sich seine Habe schon selbst als Lohnknecht verdienen.&amp;lt;br /&amp;gt;Jakobs Worte in &#039;&#039;&#039;V 29&#039;&#039;&#039; sind danach wohl nicht nur höfliche Floskeln bei einer Verhandlung, sondern durchaus entnervter Vorwurf (gut Cotter 2003): „Du, du weißt ja darum, wie ich dir gedient habe und darum, was mit deinem Vieh bei mir geschah!“, d.h.: Ich habe dich &#039;&#039;reich&#039;&#039; gemacht! Und nun sollte ich dennoch noch weiter für &#039;&#039;dich&#039;&#039; arbeiten? Nein: Wenn du schon so spielen willst, dann will ich dabei immerhin gleichzeitig etwas ausschließlich für &#039;&#039;meinen&#039;&#039; Haushalt tun können (&#039;&#039;&#039;V. 30&#039;&#039;&#039;; gut Goldingay 2020). Jakob fordert also, wie Miller 1993b, S. 33f. und Arnold 2009 richtig gesehen haben, nun immerhin in einem anderen Verhältnis zu Laban weiterarbeiten zu können: Nicht mehr als Diener, sondern als &#039;&#039;Partner&#039;&#039;, der endlich auch einmal Gewinn für seinen eigenen Haushalt erwirtschaften kann.&amp;lt;br /&amp;gt;Darauf wird Laban sich gleich auch einlassen, und es sind diese Verhandlungserfolge, die durch die Progression „Gib meine Frauen und Kinder!“ – „Bestimme den Lohn, den ich zu zahlen habe, und ich werde ihn geben.“ – „Was soll ich dir geben?“ markiert wird: Jakob wird erstens seine Frauen und Kinder erhalten, er wird zweitens noch zusätzlichen Lohn erhalten, und er wird sich diesen drittens nicht als Lohnknecht, sondern als Labans Partner verdienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was genau im folgenden Deal abgesprochen wird und was danach geschieht, ist leider nicht sehr gut verständlich. Klar ist, dass Jakob in &#039;&#039;&#039;V. 31c-33&#039;&#039;&#039; „besonders gefärbte“ Tiere als seinen Lohn einfordert (nicht: „abnorm gefärbt“, s. gleich). Klar ist auch, dass Laban in &#039;&#039;&#039;V. 34&#039;&#039;&#039; sofort auf diesen Deal eingeht, aber nach &#039;&#039;&#039;Vv. 35f.&#039;&#039;&#039; schon am selben Tag das erste Mal wortbrüchig wird, indem entgegen der Absprache &#039;&#039;er&#039;&#039; durch die Herden geht, Jakob um alle oder viele der gefärbten Tiere raubt, diese entführt und den Herden, die er und seine Söhne hüten, zuschlägt (gut Taschner 2000, S. 99f.). Stark Chizkuni: „&#039;&#039;Laban begann sofort mit seinen Vertragsbrüchen, indem er alle Tiere entfernte, die nach allgemeiner Annahme wahrscheinlich Junge [mit den entsprechenden Färbungen] zeugen oder gebären würden. Dieser Vertragsbruch zwang Jakob, einen anderen Weg zu finden...&#039;&#039;“ Dieser andere Weg, auch das ist klar, ist es nach &#039;&#039;&#039;Vv. 37-42&#039;&#039;&#039;, kreative, nach antiker Ansicht aber sinnvolle Zuchtmethoden anzuwenden. Mit diesen steigert er einerseits seinen Anteil in dieser Partnerschaft Tier um Tier, andererseits – zum Teil gewiss auch aus Rache für das in Vv. 35f. Erzählte (gut Galambush 2018) – mindert und schwächt er mit ihnen Labans Anteil immer weiter, bis Labans Söhne in Gen 31,1 ihm gar darob zürnen können, dass er „sich alles einverleibt, was unserem Vater gehörte, und sich von dem, was unserem Vater gehörte, Reichtum verschafft“.&amp;lt;br /&amp;gt;Mit dieser Bewertung haben Labans Söhne wohl Recht. Auch Hosea wird später Jakobs Handeln in diesen letzten Versen harsch verurteilen: „&#039;&#039;Er ist ein Abzocker mit gezinkter Waage in der Hand; er liebt&#039;s zu übervorteilen!&#039;&#039;“ ([[Hosea 12#s8 |Hos 12,8]]). Gut daher Turner 2000b, S. 135: „&#039;&#039;Jakobs Zuchtverhalten mag den Buchstaben ihres Vertrags entsprochen haben, seinem Geist aber gewiss nicht.&#039;&#039;“ Im Codex Hammurapi wäre sein Handeln sogar klar als Rechtsbruch zu gewertet worden: „&#039;&#039;Wenn ein Hirt, dem Rinder oder Kleinvieh zum WEiden gegeben sind, nachdem er zu seiner Zufriedenheit seinen Lohn erhalten hat, die Rinder verringert, das Kleinvieh verringert und den Nachwuchs weniger werden lässt, so soll er seinen vertraglichen Abmachungen entsprechend Nachwuchs und Ertrag abgeben.&#039;&#039;“ (§264, Üs.: TUAT I 73)&amp;lt;br /&amp;gt;So wird hier am Ende also Unrecht mit Unrecht ausgeglichen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Unklar ist aber zweierlei: Erstens klingt das Ende von V. 31 so, als sollten nur &#039;&#039;diejenigen&#039;&#039; besonders gefärbten Tiere Jakobs Lohn sein, die es &#039;&#039;zum Zeitpunkt der Absprache&#039;&#039; in Labans Herde gibt („&#039;&#039;[es]&#039;&#039; = das eben genannte Auszusondernde sei mein Lohn“). Das machte es umso verwerflicher, wie Laban in Vv. 35f. handelt. Dagegen steht aber die Logik der Erzählung von Gen 30,37-31,2, die klar voraussetzt, dass auch die ab Absprache geborenen besonders gefärbten Tiere Jakob gehören, und der Vers [[Genesis 31#s18 |Gen 31,18]], der explizit erklärt, dass es sich wirklich so verhält. Warum dann aber die Formulierung in V. 31?&amp;lt;br /&amp;gt;Noch weiter verkompliziert wird die Sachlage dadurch, dass zum einen [[Genesis 31#s7 |Gen 31,7f.41]] auf einmal von noch weiteren Absprachen zwischen Jakob und Laban sprechen werden, und dass zum anderen Laban in [[Genesis 31#s43 |Gen 31,43]] erklären wird, die Herde, die Jakob bei sich hat, gehöre &#039;&#039;ihm&#039;&#039;. Wahrscheinlich sind diese Spannungen teilweise auch mit unterschiedlichen Autoren zu erklären (s. zum nächsten Kapitel). Wollen wir aber beide Kapitel als kohärente Erzählung lesen, müssen wir entweder davon ausgehen, dass „und mein Lohn sei&#039;s“ ohne Parallelen etwas wie „&#039;&#039;dieses und solches&#039;&#039; sei mein Lohn“ bedeutet und dass Laban in Gen 31,43 die Unwahrheit spricht, oder davon, dass Jakob ungeschickterweise unpräzise gesprochen hat und dass Laban dies erstens sogleich ausnutzt, indem er doch ganz gemäß dieser so formulierten Absprache die Tiere aus Jakobs Herde entfernt, mit denen Jakob eigentlich gerechnet hat, und danach zweitens wirklich nicht zu Unrecht behaupten kann, die Tiere, die Jakob bei sich habe, gehörten ihm (V. 34: „Es geschehe nach deinem Wort“ = „Genau so, wie du es gesagt hast, soll&#039;s geschehen!“). Ich (S.W.) präferiere diese zweite Deutung.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Farbige Tiere.png|mini|Gepunktete und gestreifte Ziegen, schwarzes Schaf. (c) 1: [https://www.britishmuseum.org/collection/object/Y_EA10016-1 BM EA10016,1]; 2: Ryder 1983; 3: [https://ka.wikipedia.org/wiki/%E1%83%A4%E1%83%90%E1%83%98%E1%83%9A%E1%83%98:Animals_ram_mummy.jpg Wikimedia]]]&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es ist zweitens gar nicht klar, ob Jakob in Vv. 31b-33 eigentlich einen außergewöhnlich geringen Anteil fordert, weshalb Laban denn auch sofort einschlägt, oder einen außergewöhnlich großen. Am fraglichsten ist dies bei den Schafen: Jakob fordert entweder die „braunen“ oder die „schwarzen“ Schafe (s. zum Wort in V. 19). Beide waren im Alten Israel aber mitnichten selten: &#039;&#039;&#039;Schwarze Schafe&#039;&#039;&#039; waren zu Jakobs Zeit keine „Freaks of Nature“, die nur durch Zufall geboren wurden, sondern eine eigene Rasse: In babylonischen Texten unterschied man hauptsächlich zwischen sumerischen Schafen, Fettschwanzschafen, Bergschafen und eben „Schwarz-Schafen“. Diese Rassen wurden auch wirklich teilweise in unterschiedlichen Herden gehütet, weil auch an bestimmten Tempeln, bestimmten Göttern oder zu bestimmten Ritualen nur bestimmte Schafrassen geopfert wurden (der Göttin Inana z.B. wurden nur schwarze Schafe geopfert, s. YOS 4,237 und vgl. z.B. Sallaberger 2014, S. 104f.). Aus der Tatsache, dass es eine eigene Rasse „Schwarzschafe“ gab, leitet Sallaberger ab, dass demnach die anderen Rassen weiß gewesen sein mussten, so dass immerhin die Anzahl schwarzer Schafe durchschnittlich gering gewesen sein dürfte. Aber selbst das ist ein non sequitur und wahrscheinlich nachweislich falsch: Schafe im Alten Israel waren vermutlich überwiegend &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;braune&#039;&#039; Schafe&#039;&#039;&#039;. Noch heute überwiegen im Orient braune und schwarze Schafe (Fish 1936, S. 318), Ramban merkt zu unserer Stelle an, dass das selbe im 13. Jhd. galt, und Breniquet 2014, S. 69 nimmt daher auch für die biblische Zeit an, dass Wolle in der Levante üblicherweise von brauner bis schwarzer Farbe war. Gootwine 2017 hat ab S. 16 viele antike mediterrane und orientalische Darstellungen von Schafen zusammengetragen – die meisten gefärbten Darstellungen sind wirklich braun; inklusive derer der Fettschwanzschafe, die biblische Opfertexte klar voraussetzen und die auch am häufigsten in der Levante abgebildet sind. Mindestens diese waren danach sehr wahrscheinlich nicht regulär weiß. Insgesamt daher: Wie viele schwarze/braune Schafe man im alten Israel und speziell in der Herde Labans annehmen darf, ist unklar; jedenfalls gilt aber, dass Jakobs Forderung von „schwarzen/braunen Schafen“ entgegen dem heutigen Sprachgebrauch nicht automatisch heißt, dass er damit außergewöhnliche und daher wenige Schafe fordert: Beide dürften im Alten Israel weit häufiger gewesen sein als im heutigen Europa.&amp;lt;br /&amp;gt;Ob das selbe auch für &#039;&#039;&#039;Ziegen&#039;&#039;&#039; gilt, ist nicht ähnlich klar; jedenfalls war aber „gefleckt“ ebenfalls eine häufige Bezeichnung der Farben auch von Ziegen in babylonischen Texten (vgl. z.B. Steinkeller 1995, S. 55), wonach zumindest die häufige Aussage in Kommentaren, Ziegen seien in der antiken Levante üblicherweiße braun gewesen, ebenfalls falsch ist.&amp;lt;br /&amp;gt;Es ist zweitens wichtig zu wissen, dass ähnliche &#039;&#039;&#039;Lohn-Arrangements&#039;&#039;&#039; wie das zwischen Jakob und Laban aus babylonischen und den Nuzi-Texten gut bekannt sind: Entweder galt dort die Absprache, dass Hirten 20% der neugeborenen Tiere als Lohn erhielten, oder die, dass pro 100 Muttertieren dem Herdenbesitzer 66 2/3 Junge gehörten und Hirten der Überschuss als Lohn zustand, jeweils abzüglich der Verluste, die aufs Konto des Hirten gingen (vgl. z.B. Finkelstein 1968, S. 33f.). Wie genau diese Arrangements dem zwischen Jakob und Laban entsprechen, zeigen [[Genesis 31#s38 |Gen 31,38f.]], wonach Laban nicht nur die Tiere abgezogen hatte, deren Verlust auf Jakobs Konto gingen, sondern auch die, die von wilden Tieren gerissen worden waren und die, die Jakob  selbst verzehrt hatte: In anderen altorientalischen Lohnabsprachen und Gesetzen gehen diese explizit nicht auf Kosten des Hirten (s. zum Vers). In diesem Zusammenhang hat neuerdings aber Kozuh 2015, bes. S. 182-185 gezeigt, dass beide Weisen der Lohnberechnung in Babylon gar nicht realistisch waren und de facto stattdessen dazu dienten, Hirten durch diese unrealistischen Berechnungs-Modelle immer tiefer in die Schuldenfalle zu treiben, so dass sie trotz Lohnabsprachen letztlich doch nur Sklaven waren, die über ihre Kost hinaus gar nichts von ihren Herdenbesitzern erhielten: Herdenbesitzer hatten durch solche Absprachen ein garantiertes Einkommen, Verluste dagegen hatten überwiegend die Hirten zu tragen und als Nebenfolge dieser Arrangements erhielten Herdenbesitzer neben dem garantierten Einkommen auch noch Schuldsklaven obendrein. Können wir auch in dieser Hinsicht ähnliche Arrangements auch als Norm für das Alte Israel annehmen, hätte hier im Gegensatz zu den üblichen Arrangements &#039;&#039;Jakob&#039;&#039; mit den gefärbten Tieren ein garantiertes Einkommen ausgehandelt und hätte nach der Absprache &#039;&#039;allein Laban&#039;&#039; für etwaige Verluste aufkommen müssen, die Jakob zuzuschreiben waren (wogegen er dann nach Gen 31,38f. ebenfalls verstoßen hätte). Nimmt man das alles zusammen, klingt die Absprache hier also sogar nach einem zunächst sehr guten Deal für Jakob, auf den Laban dann nur eingegangen wäre, weil er schon hier auf seinen ersten Vertragsbruch in Vv. 35f. gesonnen hätte. Am Verlauf der Geschichte ändert dies allerdings nicht viel; auch dann gilt, dass nach V. 35 Laban Jakobs Chancen auf reichen Ertrag empfindlich gemindert hat, weshalb dann eben Jakob zu einem „genetischen Trick“ greifen muss.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei aller Unklarheit: Sicher ist mindestens, dass durch Jakobs Raffinesse&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;durch Jakobs Raffinesse&#039;&#039; - ob auch durch Gottes Hilfe, wie [[Genesis 31#s9 |Gen 31,9]] sagt, ist ebenfalls unklar: Wie zuverlässig ist eigentlich der trickreiche Jakob in seinen verschiedenen Aussagen in Gen 31?&amp;lt;/ref&amp;gt; sein Besitz weit über Erwarten anwächst, bis er laut &#039;&#039;&#039;V. 43&#039;&#039;&#039; nach sechs Jahren als „sehr, sehr reicher Mann“ aus dem Deal herausgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
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		<title>Richter 15</title>
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		<updated>2025-10-30T20:29:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Syntax&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Zuverlässige Studienfassung}}&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
{{Lesefassung}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|1}} Nach [einigen] Tagen, in den Tagen der Weizenernte&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;In den Tagen der Weizenernte&#039;&#039;, also im Mai/Juni und gerade, als der Weizen reif ist – das wird in Vv. 4f. wichtig werden. Wann sich die Geschehnisse aus Kap. 14 zugetragen haben, wissen wir nicht, es ist also unklar, wie viel Zeit nach Simsons zornigem Weggang verstrichen ist. Auch der Ausdruck &#039;&#039;nach [einigen] Tagen&#039;&#039; ist nicht sehr aussagekräftig, da gerade nicht „nach &#039;&#039;vielen&#039;&#039; Tagen“ wie z.B. in [[Josua 23#s1 |Jos 23,1]] gesagt wird.&amp;lt;/ref&amp;gt; {geschah&#039;s: Es}  besuchte Simson seine Frau mit einem Ziegen-Böcklein. Er sagte: „Ich will (Lass mich) kommen zu meiner Frau in die (bei meiner Frau in der) Kammer!“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Ich will zu meiner Frau in die Kammer kommen (Ich will bei meiner Frau in der Kammer kommen)&#039;&#039; - Entweder geht also Simson davon aus, mit besagter Frau ordentlich verheiratet zu sein und sie mit seinem zornigen Weggang in Ri 14,19 nur „stehen gelassen“ zu haben. &#039;&#039;In die/der Kammer kommen&#039;&#039; heißt dann weiter entweder „Ich will sie besuchen [um mich mit ihr zu versöhnen]“, und das Ziegen-Böcklein ist in diesem Zusammenhang das antike Pendant einer Schachtel Pralinen (schön Boling 1975). Oder wie noch häufiger ist &#039;&#039;kommen&#039;&#039; ein Euphemismus für „Geschlechtsverkehr haben“; „Ich will bei meiner Frau in der Kammer kommen“ hieße also: „Ich habe Lust auf Sex mit meiner Frau“. Auch dann hätte die Ziege gewiss die selbe Funktion und ist nicht wie in [[Genesis 38#s17 |Gen 38,17]] der Preis, den man auch einer Prostitutierten zahlen würde. Beide Deutungen lassen aber das „&#039;&#039;in die Kammer&#039;&#039; kommen“ unerklärt; noch besser deutet man daher wie Yadin 2002, S. 417 und Sicre 2018: Der Hochzeits-Ritus im Alten Israel wurde nach dem siebentägigen Fest damit abgeschlossen, dass der Bräutigam mit seiner Angetrauten in eine speziell hergerichtete Hochzeitskammer zog (aus der sich später die jüdische &#039;&#039;Chuppa&#039;&#039; entwickeln sollte). Davon ist hier die Rede: Simson hat sich beruhigt und will nun seine Hochzeitsfeier ordentlich mit diesem Ritus abschließen.&amp;lt;br /&amp;gt;In jedem Fall darf man nicht davon ausgehen, dass die Frau tatsächlich noch in ihrem Vaterhaus „in ihrer Kammer“ wohnt (so Ehrlich 1910, S. 134); dass sie noch eine Kammer in ihrem Vaterhaus hätte, ist nur eine falsche Annahme Simsons.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aber ihr Vater (gab&#039;s=) erlaubte ihm nicht, zu kommen.&lt;br /&gt;
{{S|2}} Ihr Vater sagte (dachte): „(Denkend habe ich gedacht=) Ich war gewiss: (Hassend hasst du sie=) Du hasst sie gewiss (Du hast dich gewiss von ihr scheiden lassen)!&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Hassen&#039;&#039; ist in heb. Eheverträgen auch Terminus technicus für die Scheidung; vgl. Morrow 2017 zu Scheidungsurkunden aus Elephantine und s. in der Bibel [[Deuteronomium 24#s3 |Dtn 24,3]]. So deuten unsere Stelle auch Boling 1975 und Webb 2012 und auch Polzin 1980, S. 189; Kim 1993, S. 268; Galpaz-Feller 2006, S. 125. Groß 2009 wendet ein, dass das Wort in [[Richter 14#s16 |Ri 14,16]] nicht in diesem Sinn verwendet werde, aber das hat wenig Aussagekraft; es ist sehr gut möglich, dass diese Deutung richtig ist. Die meisten dt. Üss. übersetzen aber schlicht mit „hassen“; die Übersetzungsvarianten wollen wahrscheinlich nur dies „hassen“ schwächer machen und zeugen nicht von einer anderen Deutung: BB: „Ich war mir sicher, dass du sie satthast“; GN: „Ich dachte, du hättest genug von ihr“; MEN: „Ich mußte doch fest annehmen, daß du nichts mehr von ihr wissen wolltest“; NeÜ: „Ich dachte, du wolltest nichts mehr mit ihr zu tun haben.“; SLT: „Ich dachte, du hast sie gewiss verschmäht“. Am besten übersetzt man wie NeÜ; das lässt beide Optionen offen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Da gab ich sie deinem (Genossen=) Trauzeugen&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Trauzeugen&#039;&#039; - zum Wort s. zu [[Richter 14#s20 |Ri 14,20]].&amp;lt;/ref&amp;gt; [zur Frau]. Ist nicht ihre jüngere Schwester besser (schöner?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;besser (schöner?)&#039;&#039; - w. „besser“. Das heb. Wort kann genauer verschiedenstes meinen und wird in dt. Üss. daher meist konkretisiert zu „schöner“ (z.B GN, EÜ, LUT, SLT, ZÜR; so schon Josef Qara). Nach den Geschehnissen von Kap. 14 können wir uns aber z.B. auch vorstellen: „nicht so verräterisch wie die ältere Schwester und &#039;&#039;damit&#039;&#039; besser“ (so Malbim). Übersetze besser allgemein mit „besser“; ohnehin trägt ja „schöner“ ganz unnötig zusätzlichen Sexismus in die Üs. ein.&amp;lt;/ref&amp;gt; als sie? Es sei doch sie statt jener dein[e Frau]!“&amp;lt;ref&amp;gt;Auffällig assonante Äußerung; jedes Wort nach &#039;&#039;Ist nicht&#039;&#039; endet auf &#039;&#039;-a&#039;&#039;: &#039;&#039;`aḥot&#039;&#039;&#039;ah&#039;&#039;&#039; haqatan&#039;&#039;&#039;ah&#039;&#039;&#039; ṭob&#039;&#039;&#039;ah&#039;&#039;&#039; mimmen&#039;&#039;&#039;ah&#039;&#039;&#039;? tihy-n&#039;&#039;&#039;a`&#039;&#039;&#039; lek&#039;&#039;&#039;a&#039;&#039;&#039; taḥte&#039;&#039;&#039;ha!&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Das ist um so auffälliger nach der doppelten Infinitivkonstruktion zu Beginn der Rede („Denkend dachte ich: Hassend hasst du sie!“). Die kritische Information dagegen – „Da gab ich sie deinem Genossen“ – besteht im Heb. aus nur zwei Worten und geht damit im restlichen Redeschwall des Vaters geradezu unter: &#039;&#039;wa`ettenennah lemere´eka&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Genesis|29|15|30}} {{par|1 Samuel|18|17|19}}&lt;br /&gt;
{{S|3}} Da sagte Simson zu ihm:&amp;lt;ref name=&amp;quot;V. 3&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;ihm&#039;&#039; und &#039;&#039;euch&#039;&#039; nicht nach MT übersetzt, sondern nach LXX u.a. S. näher auf der [https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Kommentar:Richter_15 Kommentarseite]. Im MT steht statt dem ersten Wort „ihnen“, was man übrigens, wenn man es für ursprünglich hält, besser i.S.v. „&#039;&#039;über&#039;&#039; sie“ fasst (richtig Ehrlich 1910, S. 134).&amp;lt;/ref&amp;gt; „Nun (dieses Mal)&amp;lt;ref&amp;gt;Prima vista &#039;&#039;dieses Mal&#039;&#039; im Gegensatz zu [[Richter 14#s19 |Ri 14,19]]. Wenn dieser Vers aber wirklich erst später hinzugefügt wurde (s. dort), ist hier besser nicht zu deuten „dieses Mal im Gegensatz zu einem anderen Mal“, sondern „in diesem Fall; wenn/da das so ist“ (vgl. ähnlich [[Genesis 46#s30 |Gen 46,30]]; [[Deuteronomium 10#s17 |Dtn 10,17]] und [[Jeremia 16#s21 |Jer 16,21]] nach V. 20). Vgl. SLT: „Nun bin ich unschuldig, wenn...!“; ähnlich Allioli nach VUL: „Von nun an bin ich schuldlos...“&amp;lt;/ref&amp;gt; (bin ich unschuldig vor den Philistern=) können mir die Philister nichts vorwerfen,&amp;lt;ref&amp;gt;Wortspiel mit V. 7: Hier &#039;&#039;niqqeti m-&#039;&#039; („ich bin unschuldig im Urteil von“), dort &#039;&#039;niqqamti&#039;&#039; („ich habe mich gerächt“). Beide Ausdrücke betonen, dass Simsons Reaktion nur angemessen ist.&amp;lt;br /&amp;gt;Vielleicht wird wegen diesem Wortspiel die Präp. &#039;&#039;m-&#039;&#039; verwendet. Diese nämlich macht den Ausdruck schwierig. Nicht: „Ich bin unschuldig den Philistern gegenüber“ (so die meisten). &#039;&#039;naqah&#039;&#039; mit der Präp. &#039;&#039;m-&#039;&#039; heißt sonst stets entweder „von [einer Schuld] gegenüber X freigesprochen werden“ oder „von [einem Versprechen] gegenüber X entbunden werden“. Beides macht hier keinen Sinn, wenn man nicht mit Burney 1920 deuten möchte: „Ich bin frei gegenüber den Philistern“, d.h. „werde nach meiner Blutrache meine Schuldigkeit getan haben“. Möglich bleibt als dritte Option daher „ich bin unschuldiger &#039;&#039;als&#039;&#039; die Philister“ (BigS) oder am besten „ich bin unschuldig &#039;&#039;nach dem Urteil&#039;&#039; der Philister“, sc.: „Die Philister können mir nichts vorwerfen, wenn...“ (vgl. Studer 1842 und Wong 2021, der aber lieber V. 3 an V. 7 angleichen will. So schon Ehrlich 1910, S. 134; beide übersehen aber, dass &#039;&#039;niqamti&#039;&#039; in V. 7 mit &#039;&#039;b-&#039;&#039; statt mit &#039;&#039;m-&#039;&#039; steht).&amp;lt;/ref&amp;gt; wenn ich euch&amp;lt;ref name=&amp;quot;V. 3&amp;quot; /&amp;gt; Schlimmes&amp;lt;ref&amp;gt;Wortspiel: &#039;&#039;Schlimmes&#039;&#039; ist im Heb. &#039;&#039;ra´ah&#039;&#039;, „Trauzeuge“ in V. 2 sehr ähnlich &#039;&#039;merea´&#039;&#039;. Simsons handeln &#039;&#039;passt&#039;&#039; auf das der Philister, wie dies ja auch im ganzen Satz zum Ausdruck kommt.&amp;lt;/ref&amp;gt; antue!“&lt;br /&gt;
{{S|4}} Und Simson zog los und fing&amp;lt;ref&amp;gt;Wortspiel: &#039;&#039;er zog los ... er fing&#039;&#039; ist im Heb. &#039;&#039;wajjelek wajjilkod&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; 300 Füchse (Schakale).&amp;lt;ref&amp;gt;Das heb. Wort &#039;&#039;šu´al&#039;&#039; kann wahrscheinlich beide Tiere bezeichnen; vgl. v.a. [[Psalm 63#s11 |Ps 63,11]] (Füchse sind keine Aasfresser, Schakale schon, vgl. ThWAT VII, S. 1194). V.a. ältere Ausleger:innen haben das Wort auch hier als „Schakal“ erklärt, weil Schakale angeblich zutraulicher seien als Füchse und weil Schakale (in der Tat) Rudeltiere, Füchse dagegen Einzelgänger sind – beide Faktoren sollen es „realistischer“ machen, dass Simson hier in kurzer Zeit gleich 300 davon fängt. Dass auch heute noch z.B. Boling 1975; Groß 2009 und Sicre 2018 dieser Deutung folgen, ist recht eigentlich nur eine Nachwirkung dieser „realistischen“ Epoche der Bibelerklärung. Richtig dagegen erstens z.B. Studer 1842; Moore 1906; Burney 1920: Es ist ja offensichtlich, dass hier gerade eine &#039;&#039;fantastische&#039;&#039; Leistung Simsons geschildert werden soll, und auch mit Schakalen wäre sie nicht realistischer als mit Füchsen. Zweitens sprechen einige Parallelen aus der gr. Literatur stark für Füchse statt Schakale. Z.B. schon die, dass der Fuchs anders als der Schakal im Gr. auch den Kosenamen „Feuerschweif“ hat. Bes. aber die beiden folgenden nah verwandten Erzählungen: Ovid berichtet in Fasti IV 679-712 von einem Jüngling, der einen Fuchs fängt, ihn dafür bestrafen will, ihre Hühner gerissen zu haben, ihn daher mit Stroh umwickelt und dies anzündet, woraufhin aber der Fuchs ihm entwischt und ihre Getreidefelder in Brand steckt. Sogar noch näher ist die 11. Fabel von Babrios (1./2. Jhd. n. Chr.): „&#039;&#039;Dem Fuchs, dem Feind der Weinstöcke und der Gärten, wollte einer eine neuartige Misshandlung antun, zündete seinen Schwanz an, band noch Werg daran und ließ ihn davonlaufen. Dem aber wies eine darüber wachende Gottheit den Weg zu den Feldern dessen, der ihn vorwärts trieb mit der Last des Feuers.&#039;&#039;“ (Üs.: Holzberg). Offenbar bedient sich der Autor der Simson-Erzählungen hier also an einem geläufigen griechischen Motiv und spricht dann wirklich von Füchsen, nicht Schakalen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dann nahm er Fackeln, wandte Schwanz zu Schwanz, setzte eine Fackel zwischen [je] zwei Schwänze in die Mitte, &lt;br /&gt;
{{S|5}} entzündete Feuer an den Fackeln, sandte [sie] in die Feldfrüchte&amp;lt;ref name=&amp;quot;Feld&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;in die Feldfrüchte&#039;&#039; + &#039;&#039;bis zur Feldfrucht&#039;&#039; - eigentlich: „Zwischen das stehende Getreide“ im Pl. und „bis zum stehenden Getreide“ im Sg.; im Heb. unterscheidet man zw. &#039;&#039;qamah&#039;&#039; „Gesamt stehenden Getreides“ auf einem ganzen Feld (so hier) und &#039;&#039;qanah&#039;&#039; „einzelner Getreidehalm“ (vgl. Vogelstein 1894, S. 51). Sonst wird &#039;&#039;qamah&#039;&#039; stets im Sg. verwendet, nur hier im Pl.; wohl, um zu betonen, dass die Feldfrüchte gleich mehrerer Felder verbrannt werden.&amp;lt;/ref&amp;gt; der Philister und verbrannte vom Garbenhaufen bis zur Feldfrucht&amp;lt;ref name=&amp;quot;Feld&amp;quot; /&amp;gt; und bis zum Weingarten vom Olivenbaum (?).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;vom Garbenhaufen bis zur Ähre und bis zum Weingarten vom Olivenbaum&#039;&#039; - Offenbar chiastisch formuliert, um zu unterstreichen, wie vollumfänglich die Feldfrüchte der Philister verbrannt werden: &#039;&#039;(a) vom Garbenhaufen (b) bis zum Feld (b&#039;) und bis zum Garten (a&#039;) vom Olivenbaum&#039;&#039;, also sowohl das geerntete als auch das noch stehende Getreide, die Weinreben in den Weingärten und die Olivenbäumen ebendort. Die Üs. „Olivengärten“ statt „bis zum Garten vom Olivenbaum“ z.B. in BigS, GN, HfA, SLT orientiert sich stattdessen einer antiken jüdischen Auslegung. S. näher auf der [https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Kommentar:Richter_15 Kommentarseite].&amp;lt;br /&amp;gt;Ähnlich soll wohl die rasche Satzfolge und das Durcheinander in Vv. 4f. die Mühe Simsons unterstreichen, die dann diese außerordentlichen Folgen zeitigen wird – ganz auffällig wird in diesen Vv. nämlich wieder und wieder (a) vom Fuchs(schwanz) (b) zur Feuer(fackel) und zurück gewechselt: &#039;&#039;Simson zog los und fing &#039;&#039;&#039;(a)&#039;&#039;&#039; 300 Füchse. Dann nahm er &#039;&#039;&#039;(b)&#039;&#039;&#039; Fackeln, wandte &#039;&#039;&#039;(a)&#039;&#039;&#039; Schwanz zu Schwanz, setzte &#039;&#039;&#039;(b)&#039;&#039;&#039; eine Fackel &#039;&#039;&#039;(a)&#039;&#039;&#039; zwischen [je] zwei Schwänze in die Mitte, entzündete &#039;&#039;&#039;(b)&#039;&#039;&#039; Feuer an den Fackeln, sandte &#039;&#039;&#039;(a)&#039;&#039;&#039; [sie] [!] in die Feldfrüchte der Philister &#039;&#039;&#039;(b)&#039;&#039;&#039; und verbrannte vom Garbenhaufen bis zur Feldfrucht und bis zum Weingarten vom Olivenbaum.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|6}} Da fragten (sagten) die Philister: „Wer hat das getan?“&amp;lt;ref&amp;gt;Stark Spronk 2019: &#039;&#039;Wer hat das getan?&#039;&#039; ist geradezu ein Refrain. Im nächsten Vers begründet Simson seine Reaktion mit „Wenn ihr solches tut...“; die Judäer rufen daraufhin aus: „Was hat du uns getan!?“, und in Vv. 10f. behaupten sowohl Simson als auch die Philister, sie hätten nur „getan, wie mir/uns getan wurde“. Auch dieses Sprachspiel unterstreicht die Folge aus Aktion, Reaktion und Gegenreaktion, die hier geschildert wird.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
(Sie sagten=) Man antwortete: „Simson, der Schwiegersohn des Timnäers, weil [dieser] seine Frau genommen und seinem (Genossen=) Trauzeugen gegeben hat.“&amp;lt;br /&amp;gt;Da zogen die Philister hinauf und verbrannten sie und ihren Vater mit {dem} Feuer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|7}} Da sagte Samson zu ihnen: „Wenn ihr solches tun dürftet...! Erst, wenn ich mich an euch gerächt haben werde,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Die Grammatik ist schwierig zu deuten. Wahrscheinlich so: Der zweite Satz ist Vordersatz zum dritten und wird durch sog. „Waw apodoseos“ von diesem getrennt: „Erst, wenn ..., {&amp;lt;s&amp;gt;und&amp;lt;/s&amp;gt;} dann...“. Das einleitende „Wenn“ leitet wie häufig (s. Ges18, S. 70) eine abgebrochene Selbstverfluchung ein: „Wenn ihr solches tun dürftet...!“; hinzudenken muss man sich: „...[soll mir Gott dies und jenes antun]“. D.h. also: „Auf keinen Fall dürft ihr solches tun!“. Vgl. ähnlich konstruiert [[Genesis 42#s15 |Gen 42,15]]. S. näher auf der [https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Kommentar:Richter_15 Kommentarseite]. So schon TUR: „Wenn ihr solches tut..., erst, wenn ich Rache an euch genommen, nachher werde ich ablassen!“ Recht gut dann BB: „Wenn ihr [solches tut], dann gnade euch Gott! Ich werde [nicht ruhen], bis ich mich an euch gerächt habe!“&amp;lt;/ref&amp;gt; {und} werde ich danach aufhören!“&amp;lt;ref&amp;gt;In dt. Üss. meist recht gut übersetzt als „Ich werde nicht eher ruhen, als ich mich an euch gerächt habe!“ Denkbar ist in diesem Kontext auch, dass mit „danach will ich aufhören“ der Rückzug Simsons in die Felsspalte in V. 8 gemeint ist. Ähnlich schon Metzudat David: „Weil ihr das Vergehen an mir gerächt habt, will ich euch nicht auf ewig Feind sein, sondern nur noch einmal bestrafen“: Die Blutrache, die nun noch ansteht, ist, wird Simson noch üben; danach soll es mit Gewalt und Gegengewalt aber genug sein. Gut dann Boling 1975: „But thereafter, I quit!“. Allerdings muss man dafür die Grammatik der beiden ersten Sätze von V. 7 anders und unwahrscheinlicher deuten: „Wenn ihr auch solches tut, werde ich mich dennoch an euch rächen! Aber danach werde ich aufhören.“ (so LUT 45; TAF; Jongeneel 1868, S. 19).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|8}} Also schlug er sie, (an) Schienbein wegen (über, auf, samt) Hüfte,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;(an) Schienbein wegen (über, auf, samt) Hüfte&#039;&#039; - unbekannter Ausdruck, nur hier im AT. Wahrscheinlich ein alternativer Ausdruck von „Auge für Auge, Zahn für Zahn“ (z.B. [[Exodus 21#s24 |Ex 21,24]]), also den Grundsatz der (Blut-)Rache. S. V. 11: „Wie sie getan haben, so habe ich ihnen getan“! Für diese Bed. der Präp. &#039;&#039;´al&#039;&#039; („auf, über, wegen, samt“) s. bes. [[Genesis 20#s3 |Gen 20,3]] („Du bis des Todes &#039;&#039;wegen&#039;&#039; der Frau, die du dir genommen hast“); [[Jeremia 2#s35 |Jer 2,35]] („Ich werde Gericht an dir üben &#039;&#039;wegen&#039;&#039; deiner Behauptung, du habest nicht gesündigt“); [[Jeremia 9#s11 |Jer 9,11f.]] („Wer ... versteht, &#039;&#039;wegen&#039;&#039; was das Land zugrunde geht...? Und JHWH spricht: &#039;&#039;Wegen&#039;&#039; ihrem Verlassen meines Gesetzes...!); ähnlich  [[Ijob 32#s2 |Ijob 32,2]] („Elihu zürnte wider Ijob &#039;&#039;wegen&#039;&#039; [der Tatsache], dass er sich für gerechter hielt als Gott“); [[Psalm 44#s23 |Ps 44,23]] („&#039;&#039;Wegen&#039;&#039; dir [sc. weil wir dir anhangen] werden wir den ganzen Tag getötet!“); [[Psalm 69#s8 |Ps 69,8]] („&#039;&#039;Wegen&#039;&#039; dir [sc. weil ich dir anhange, Gott] werde ich verhöhnt“). &#039;&#039;´al&#039;&#039; wird wahrscheinlich statt üblichem &#039;&#039;taḥat&#039;&#039; („für“) wie eben in „Auge für Auge, Zahn für Zahn“ verwendet, um noch stärker zu machen, dass die Handlungen der Philister überhaupt erst der &#039;&#039;Anlass&#039;&#039; sind, wegen denen er sich völlig zu Recht und im selben Maß an ihnen rächt.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Andere Deutungen&#039;&#039;&#039;: Dieser Vorschlag zu Deutung und Übersetzung des Ausdrucks ist überraschenderweise neu. Stattdessen sind viele andere Deutungen im Umlauf:&amp;lt;br /&amp;gt;(0) Schon Tg kannte ihn offenbar nicht; Tg und danach auch Raschi, Radak und Metzudat David übersetzen fantasievoll: „Fußsoldat samt Kavallerist“, da Kavalleristen sich fortbewegen, indem sie Pferde mit ihren Schienbeinen lenken, und Fußsoldaten, indem sie ihre Hüften bewegen. Die meisten dt. Üss. übersetzen etwas à la „Er zerschlug ihnen Schenkel und Hüften mit gewaltigen Schlägen“ (SLT, TEX, van Ess) oder allgemeiner „Er zerbrach ihnen mit gewaltigen Schlägen die Knochen“ (EÜ, HER05,  LUT, ZÜR).&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Zapletal 1906 und Boling 1975 hoffen, der Ausdruck bedeute das selbe wie das folgende „mit hartem Schlag“. So erklärt bereits Franziskus Vatablus. Aber das steht ja eben schon im Folgenden und ist damit am unwahrscheinlichsten die Bed. des Ausdrucks.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Nelson 2017 hält den Ausdruck für eine Variante des dt. „er zog ihnen die Füße weg“, gemeint wäre also, dass Simson die Philister dergestalt niederwirft, dass &#039;&#039;ihre&#039;&#039; Schienbeine höher als ihre Hüfte sind. So offenbar auch HfA, NeÜ: „Er schlug auf die Philister ein, bis sie alle am Boden lagen.“&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Dagegen Ryan 2007 denkt offenbar an Roundhouse Kicks; für ihn wären &#039;&#039;Simsons&#039;&#039; Schenkel höher als seine Hüften, weil er mit den Schienbeinen die Philister niedertrat.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Ähnlich allgemeiner Burney 1920, Block 1999 und Webb 2012, die den Ausdruck nach der alten Deutung von Castellus und Clericus als Wrestling-Idiom erklären wollen, aber richtig Spronk 2019: Gerade beim Wrestlen durfte man gar nicht zuschlagen.&amp;lt;br /&amp;gt;(5) Spronk 2019 selbst erklärt am witzigsten: „Hüfte“ soll Wechselbegriff für „Hoden“ sein und entsprechend „Schienbein auf Hüfte“ bedeuten, dass Simson die Philister straft, indem er sie in die Weichteile tritt. Harmloser schon Matthew Poole: Er tötete sie nicht, sondern lähmte sie mit Tritten gegen die Hüfte.&amp;lt;br /&amp;gt;Oder (6) Gesenius hat die witzigste Erklärung: „Er [zerriss sie so, dass] Schenkel über Hüfte lagen, mit hartem Schlag“ (Thesaurus, S. 990). Ähnlich besser Rosenmüller 1835: „Er schlug sie an Schienbein und Hüfte“ = „Er schlug ihnen Arm und Bein entzwei“.&amp;lt;br /&amp;gt;(7) JosAnt V.8 §297 übersetzt: „Er schlug sie in der Ebene“. Offenbar hat er also das maskuline &#039;&#039;jarek&#039;&#039; („Hüfte“) wie das feminine &#039;&#039;jarekah&#039;&#039; als „Tal, Hang“ verstanden wie in [[Richter 19#s1 |Ri 19,1.18]]. Meistens sind damit aber die äußersten Regionen eines Landes oder der ganzen Erde gemeint. Ähnlich könnte man das hebräische &#039;&#039;šok&#039;&#039; („Hüfte“) wie das aramäische Homonym verstehen, das „Straße, Marktplatz“ bedeutet, und dann „Er schlug sie [in] &#039;&#039;jarek&#039;&#039; und &#039;&#039;šok&#039;&#039;“ als „Er schlug sie in Stadt und Land“ deuten. Ähnlich schon Sebastian Castalion, Matthew Poole; ähnlich offenbar auch R-S: „Er schlug sie ganz gewaltig auf Hügeln und in Tälern.“&amp;lt;br /&amp;gt;(8) Allioli schließlich muss man aus der christlichen &#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039; erklären: VUL übersetzt frei mit &#039;&#039;ita ut stupentes suram femori imponerent&#039;&#039;, „(Er schlug sie mit [derart] hartem Schlag,) dass sie &#039;&#039;stupentes&#039;&#039; Wade auf Oberschenkel taten.“ &#039;&#039;Stupentes&#039;&#039; könnte man entweder mit „betäubt, starr“ oder mit „sprachlos, erstaunt“ übersetzen. Augustinus hat dies in seiner 55. „Frage über das Richter-Buch“ merkwürdigerweise in der zweiten Bedeutung genommen und so erklärt: „Er schlug sie äußerst wunderbar, das heißt, so, dass sie vor Bewunderung starr das Schienbein über den (Ober)-Schenkel legten, das heißt mit dem einen Fuß über dem anderen Oberschenkel, wie man zu sitzen pflegt, wenn man starr vor Bewunderung ist“ – nach Augustinus müsste man also geradezu frei übersetzen: „Er schlug sie so hart, dass sie mit überschlagenen Beinen dasaßen“. Augustinus Auslegung haben z.B. Nikolaus von Lyra, Jakob Bonfrère, Cornelius a Lapide u.a. übernommen und teilweise noch weiter ausgefaltet, wonach dann Allioli und Nachfolger übersetzen können: „Er schlug sie mit schweren Streichen, so daß sie vor Schrecken ihre Waden an ihre Hüften legten“ und wonach CPDV VUL übersetzt mit: „so much so that, out of astonishment, they laid the calf of the leg upon the thigh.“&amp;lt;/ref&amp;gt; [mit] (großem=) hartem Schlag. Dann zog er hinab und blieb (wohnte) in der (einer) Fels-Spalte (Fels-Strom)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Die meisten alten Versionen sprechen von einem „Felsspalt“. Dagegen VL bezeugt „Fels-Quelle“, LXX ähnlich „Höhlen-Fluss“. Das kann durchaus hier der ursprüngliche Wortlaut gewesen sein; das denkt unter neueren Ausleger:innen sonst aber niemand. S. zur Frage noch die nächste FN und zur Textkritik näher auf der [https://offene-bibel.de/wiki/Kommentar:Richter_15#s8 Kommentarseite].&amp;lt;/ref&amp;gt; von Etam.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Orte&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Orte Ri 15.png|gerahmt|Orte in Ri 15]]&#039;&#039;Fels-Spalte von Etam&#039;&#039; (V. 8) + &#039;&#039;Lehi&#039;&#039; (V. 9) + &#039;&#039;Ejn Haqqore&#039;&#039; (V. 19) - Für die ersten beiden Orte werden hauptsächlich zwei Identifikationen diskutiert. Eine Variante orientiert sich daran, dass der sonstige Wirkungskreis Simsons mit Zora, Eschtaol, Timna und dem Flusstal Sorek so winzig ist und geht davon aus, dass dann also auch die Felsspalte von Etam und aus irgendeinem Grund auch Lehi in direkter Nähe liegen müssen. Tatsächlich gibt es in der Nähe am Wadi Isma&#039;in [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mearat_Shimshon_(Shimshon_cave)_(24882274019).jpg eine natürliche Felshöhle], die auch als &#039;&#039;Me&#039;arat Simson&#039;&#039; („Simson-Höhle“) bekannt ist; hiernach haben bes. einflussreich Schick 1887, S. 143-146 und Gaß / Zissu 2005 diese Höhle mit der Etam-Felsspalte identifiziert. Das ist noch gut möglich (aber s. gleich); der entsprechende Vorschlag zu Lehi aber liegt ganz fern: Das heb. &#039;&#039;leḥi&#039;&#039; („Kieferknochen“) wird in den griechischen Versionen teilweise und wenig überraschend mit &#039;&#039;siagon&#039;&#039; („Kieferknochen“) übersetzt. Weil sonst nichts auf ein Lehi in dieser Gegend weist, hat man sich hiervon leiten lassen und Khirbet es-Sujjagh / Sijjagh mit Lehi gleichgesetzt: aus irgendeinem Grund und ohne Parallelen für einen solchen Vorgang (richtig Lubetski 1992, S. 275; McKinny 2018, S. 55) soll der arabische Ortsname &#039;&#039;sijjagh&#039;&#039; („Goldschmied“) Reflex dieser griechischen &#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039; sein. Das ist extrem fernliegend.&amp;lt;br /&amp;gt;Die andere Variante geht richtig davon aus, dass die Philister in Lehi ja ohnehin gar nicht auf Daniten, sondern auf Judäer stoßen; Lehi scheint danach auch in Ri 15 im judäischen Gebiet zu liegen. Das macht dann sehr wahrscheinlich, dass Lehi identisch ist mit Khirbet Ejn el-Lehi / Lahi (so schon Guérin 1869, S. 396-399; wahlweiße auch Gaß 2010). Direkt daneben entspringt die Haniya-Quelle oder auch „Philipps-Quelle“, da dort nach einer alten Tradition die in [[Apostelgeschichte 8#s26 |Apg 8,38]] berichtete Taufe des Äthiopiers durch Philipp stattgefunden haben soll. Diese wird dann mit der „Quelle des Rufers“ gemeint sein, von der am Ende des Kapitels berichtet wird. Ist man erst in dieser Region, kann man dann außerdem erwägen, ob nicht doch die Fels-Spalte Etam identisch ist mit dem nahegelegenen Ort, der noch heute Etam heißt und wo nahe Khirbet el-Khokh mit ähnlichem Namen die Quelle Atan aus einem Felsen entspringt (so z.B. McKinny 2018, S. 54-56; Na&#039;aman 2012, S. 439; Webb 2012).&amp;lt;br /&amp;gt;Man kann danach zwei Szenarien rekonstruieren: (1) Um seine Stammesgenossen nicht zu gefährden, hat sich Simson aus ihrem Stammesgebiet ins nahegelegene Stammesgebiet der Judäer begeben und dort in einer Felsspalte versteckt. Die Philister wissen nicht, wo genau er ist, und ziehen daher an einen zwischen Simsons Heimat und Simons Versteck gelegenen Ort, um von dort aus in alle Richtungen die Gegend nach ihm abzusuchen. (2) Simson hat sich in einer Höhle nahe seiner Heimat versteckt. Die Philister wissen nicht, wo er ist, und ziehen daher auf gut Glück nach Nordosten, bis sie in Lehi ihr Lager aufschlagen. Variante (1) hat mehr für sich.&amp;lt;br /&amp;gt;Der Name &#039;&#039;Etam&#039;&#039; ist interessant: Wahrscheinlich hängt er zusammen mit &#039;&#039;´ajt&#039;&#039;, das in [[1 Samuel 25#s14 |1 Sam 25,14]] „schreien“ bedeutet; bei Josephus lautet er sogar noch näher nicht &#039;&#039;´Etam&#039;&#039;, sondern &#039;&#039;Aita&#039;&#039;. Gehen wir davon aus, dass statt &#039;&#039;sa´ip&#039;&#039; („Spalte“) wirklich ursprünglich &#039;&#039;`apik&#039;&#039; („Fluss, Höhlung“) im Text von V. 8 gestanden hat (s. vorige FN), zieht sich Simson in die „Fels-Höhlung des Schreiers / Schreivogels“ oder wirklich wie in LXX, VL „an den Fels-Quell des Schreiers / Schreivogels“ zurück, heute also nicht nach Etam, sondern an die Quelle Atan. Das stimmt erstaunlich gut zusammen mit dem Quell, den Gott in V. 18 in Lehi aus dem Felsen entspringen lässt und den Simson / man dann in V. 19 „Quelle des Rufers“ nennt; der Name der Quelle in Etam wäre dann also Inspiration für die Namensgabe in V. 19 gewesen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|9}} Da zogen die Philister hinauf, schlugen in Juda ein Lager auf und verteilten&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;verteilten&#039;&#039; - w. „breiteten sich aus“; daher us. übersetzt: EÜ, PAT: „sie streiften in Lehi umher“; HER05: „sie besetzten das Land bis nach Lehi“, SLT: „sie ließen sich in Lechi nieder“.&amp;lt;/ref&amp;gt; sich in Lehi (=Kinnbacke).&amp;lt;ref name=&amp;quot;Orte&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|10}} Da (sagten=) fragten die Männer von Juda: „Warum seid ihr gegen uns hinaufgezogen?“&amp;lt;br /&amp;gt;Sie (sagten=) antworteten: „Um Simson zu binden, sind wir hinaufgezogen; um ihm zu tun, wie er uns getan hat!“&lt;br /&gt;
{{S|11}} Da zogen 3000 Mann aus Juda in die Fels-Spalte von Etam hinab. Sie sagten zu Simson: „Weißt du [denn] nicht, dass die Philister über uns herrschen? Was hast du uns [da an]getan!?“&amp;lt;br /&amp;gt;Er (sagte=) antwortete ihnen: „Wie sie getan haben, so habe ich ihnen getan.“&lt;br /&gt;
{{S|12}} Sie sagten ihm: „Um dich zu binden, sind wir hinabgestiegen, um dich in die Hand&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. wieder gut Spronk 2019, S. 435: Hier fällt das erste Mal ein weiteres Leitwort von Ri 15, nämlich &#039;&#039;jad&#039;&#039; („Hand“): Simson soll „in die Hand“ der Philister gegeben werden (hier und V. 13). Zu diesem Zweck werden „seine Hände“ gebunden (V. 14). Nachdem er sich befreit hat, nimmt er einen Knochen in „seine Hand“ (V. 15), wirft ihn dann wieder „aus seiner Hand“ (V. 17); preist Gott, dass er ihm den Sieg „in die Hand gegeben“ hat (V. 18a) und fürchtet am Ende dann doch wieder, nun „in die Hand der Philister“ zu fallen. Spronk 2019 und Kim 1993, S. 296 erklären gut, dass dies den „Wandel der Situation Simsons“ zusätzlich unterstreiche: Gefangener der Philister – Krieger gegen die Philister – Sieger über die Philister – beinahe doch Beute der Philister.&amp;lt;/ref&amp;gt; der Philister zu übergeben.“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Simson (sagte=) antwortete ihnen: „Schwört mir, dass &#039;&#039;ihr&#039;&#039; mich nicht töten und ihnen [so] übergeben werdet, auch,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;nicht töten und ihnen [so] übergeben werdet, auch&#039;&#039; fehlt in MT und den meisten Textzeugen; es ist hier nach einem Vorschlag von Kim 1993, S. 160 aus LXX&amp;lt;sup&amp;gt;A, O, L&amp;lt;/sup&amp;gt; und VL übersetzt. Das erklärt auch das „Nein“ besser, mit der die Judäer in V. 13 ihre Antwort einleiten: Doch, sie werden Simson übergeben, aber doch gewiss nicht töten, sondern nur binden. S. näher auf der [https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Kommentar:Richter_15 Kommentarseite].&amp;lt;/ref&amp;gt; wenn ihr mich schlagen werdet!“&amp;lt;ref&amp;gt;Mit im Heb. betontem &#039;&#039;ihr&#039;&#039;; der Schwur wird also wahrscheinlich eingefordert, um sicherzustellen, dass Simson sich nicht gegen &#039;&#039;seine Volksgenossen&#039;&#039; zur Wehr setzen muss, sondern &#039;&#039;allein&#039;&#039; die Philister attackieren kann (so z.B. Crenshaw 1978, S. 88; Groß 2009; Webb 2012).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|13}} Sie (sagten=) antworteten ihm{, sagend}: „Nein! {sondern} (Bindend binden=) Nur binden werden wir dich – und in ihre Hand übergeben –, aber dich (tötend töten=) töten, &#039;&#039;das&#039;&#039; wollen wir nicht!“&amp;lt;br /&amp;gt;Da banden sie ihn mit zwei neuen&amp;lt;ref&amp;gt;Lies: Gleich mit &#039;&#039;zwei&#039;&#039;! Und dann auch noch mit &#039;&#039;neuen&#039;&#039;, also äußerst schwer zerstörbaren Seilen!&amp;lt;/ref&amp;gt; Seilen und brachten ihn hinauf aus dem Felsen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|14}} Er erreichte Lehi, die Philister aber kamen ihm schreiend&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;schreiend&#039;&#039; - wahrscheinlich i.S.v. „triumphierend brüllend“, so EÜ, GN, HfA u.a.: „mit Triumphgeschrei“. Sonst meist nach LUT übersetzt mit „jauchzend“. Rabbi Culi stellt sich in Meam Loez vor, sie seien Simson Beleidigungen ausrufend entgegengelaufen.&amp;lt;/ref&amp;gt; entgegen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;kamen ihm schreiend entgegen&#039;&#039; - die selbe gram. Konstruktion wie in [[Richter 14#s5 |Ri 14,5]] (s. näher dort auf der [https://offene-bibel.de/wiki/Kommentar:Richter_14#s5 Kommentarseite]), w.: „die Philister jauchzten, ihm begegnend“. Gut Kim 1993, S. 289: „Ohne Zweifel in Anlehnung an Ri 14,5 formuliert, um die Philister mit dem Löwen zu parallelisieren“; nach diesem begegnet Simson nun seinen nächsten „Gefährdern“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;Da drang der Geist JHWHs in ihn ein,&amp;lt;ref name=&amp;quot;eindringen&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;drang ein&#039;&#039; - So THAT II, s.v. {{Hebr}}צלך{{Hebr ende}}. Das Wort bezeichnet hier wie in [[Richter 14#s6 |Ri 14,6]] offenbar ein machtvolles oder „gewaltsames“ Eindringen des Geistes JHWHs in Simson, so dass „[mit Macht]“ ergänzt werden könnte.&amp;lt;/ref&amp;gt; und die Seile, die an seinen Armen [waren], wurden wie Flachs, das im Feuer verbrennt, und die Bande schmolzen von seinen Händen.&lt;br /&gt;
{{S|15}} Er fand einen frischen Kieferknochen eines Esels,&amp;lt;ref&amp;gt;[[Datei:Ägyptische Sichel.png|mini|&#039;&#039;&#039;Bild 1&#039;&#039;&#039;: Ägyptisches Holz-Handmesser. (c) [https://archive.org/details/Emery1938/mode/1up?view=theater Emery 1938], pl. 15]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;tright&amp;quot; style=&amp;quot;clear:none&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Neolithische Sichel.jpg|mini|&#039;&#039;&#039;Bild 2&#039;&#039;&#039;: Neolithisches Handmesser (Rek.), Dagon Museum. CC BY-SA 3.0]]&amp;lt;/div&amp;gt;&amp;lt;div class=&amp;quot;tright&amp;quot; style=&amp;quot;clear:none&amp;quot;&amp;gt;[[Datei:Sichel des Iolaos.png|mini|&#039;&#039;&#039;Bild 3&#039;&#039;&#039;: Handmesser des Iolaos. (c) [https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cook1940bd3_1/0891/image,info Cook 1940, S. 796]]]&amp;lt;/div&amp;gt;&amp;lt;div class=&amp;quot;tright&amp;quot; style=&amp;quot;clear:none&amp;quot;&amp;gt;[[Datei:Sichel des Schamasch.png|mini|&#039;&#039;&#039;Bild 4&#039;&#039;&#039;: „Handmesser“ des Schamasch. (c) [https://www.imj.org.il/en/collections/379244-0 IAA 1965-69]]]&amp;lt;/div&amp;gt;&#039;&#039;Kieferknochen eines Esels&#039;&#039; - Keine so absurde Waffe, wie man zunächst denken könnte; ein Esels-Kieferknochen konnte außerdem wirklich zufällig herumliegen: Tier-Kieferknochen wurden vielerorts und auch im Alten Orient als Erntemesser verwendet. Für eine schöne Rekonstruktion s. z.B. Bild 2. Erhalten sind davon aus dem alten Orient aber nur hölzerne Nachbildungen, z.B. auf Bild 1 ein Fund aus Ägypten. Auch Iolaos, der Neffe des Herakles, wird in der griechischen Kunst d.ö. mit einem solchen gezahnten Erntemesser als Waffe dargestellt, s. Bild 3. Gelegentlich kann man lesen, dass das selbe auch für die Götter Marduk und Schamasch gelte (z.B. Barb 1972, S. 388). Aber das scheint ein Mythos zu sein; &#039;&#039;diese&#039;&#039; „Sicheln“ sind offensichtlich Sägen. Für ein schönes Bsp. s. Bild 4. Die Zähne solcher Knochen-Sicheln nutzten sich schnell ab; schon vor biblischer Zeit ging man daher dazu über, statt echten Zähnen Steine in die Knochen einzusetzen, wie dies auf Bild 2 zu sehen ist. Daher hier die Betonung, dass es ein „frischer“ Unterkieferknochen war: Die Zähne waren noch nicht abgenutzt.&amp;lt;/ref&amp;gt; streckte seine Hand aus, nahm [ihn] und schlug mit ihm 1000 Mann.&lt;br /&gt;
{{S|16}} Dann sagte Simson:&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;„Mit dem Kieferknochen eines Esels&lt;br /&gt;
_[schlug ich] Haufen, Doppel-Haufen,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Haufen, Doppel-Haufen&#039;&#039; - Umstrittenste Stelle der Simson-Saga. Der MT lautet prima vista eigentlich: „Mit dem Kieferknochen eines Esels – eines Esels, eines Doppel-esels...“. Am besten deutet man das als irreguläre Assonanz: Gemeint wäre eigentlich &#039;&#039;ḥomer ḥomaratajim&#039;&#039; („ein Haufen, ein Doppel-Haufen“), für den Gleichklang mit &#039;&#039;ḥamor&#039;&#039; („Esel“) in Zeile a ist dies aber vokalisiert worden als &#039;&#039;ḥamor ḥamoratajim&#039;&#039; („ein Esel, ein Doppel-Esel“, so Studer 1842; Keil 1863; schon ibn Ezra zu Gen 3,1; für weitere Beispiele dieses Phänomens s. bei [[Amos 5#s25 |Am 5,25]]). Ähnlich deuten heute die meisten aktuellen  Ausleger:innen (z.B. Webb 2012; Chisholm 2013; Knauf 2016; Nelson 2017; Spronk 2019). „Haufen, Doppel-Haufen“ könnte dann entweder die Menge der lebendigen Feinde meinen, die Simson erschlägt (so z.B. H-R, TAF und van Ess „Mit dem Eselskinnbacken schlug ich eine Rotte, zwei Rotten!“), oder die Menge der Leichen, die Simson aufhäuft (so z.B. EÜ: „Mit dem Kinnbacken eines Esels einen Haufen, zwei Haufen!“). Vgl. für eine ähnliche Konstruktion mit dem selben Wort [[Exodus 8#s10 |Ex 8,10]]: „Sie sammelten sie [zu] Haufen, Haufen“ = „zu Haufen über Haufen“. Mehrere Ausleger:innen verweisen auch auf die grammatisch noch nähere Parallelstelle [[Richter 5#s30 |Ri 5,30]], wo ebenfalls zwei Mal ein Wort im Dual auf ein Wort im Sg. folgt: „Ein Mutterleib, ein Doppel-Mutterleib für Männerkopf“ und „gefärbter Stoff, gefärbter Doppelstoff für Gefangenen-Hals“. Diese Stelle ist zwar genau so umstritten wie unsere, wahrscheinlich ist aber auch dort zu deuten: „Frauen über Frauen für jeden Mann, Stoffe über Stoffe für jeden Gefangenen!“. Entsprechend dann hier: „Ich erschlug Rotte über Rotte!“.&amp;lt;br /&amp;gt;Wie auch immer man unsere Stelle deutet; klar ist, dass Zeile b mit Zeile a klang-spielt. Zwei ähnliche Versuche, das Wortspiel ins Dt. zu transportieren: FÜRST, S. 410: „Mit der Kinnlade des Pack[esels], ein Pack, zwei Pack...!“ (fast ebenso Meier 1856, S. 101; Jongeneel 1868, S. 19); TUR: „Mit des Esels Backen Packen über Packen, mit des Esels Backen schlug ich tausend Mann!“. Weniger sinnvoll BB: „Mit einem Eselskinnbacken konnte ich eine Menge packen“.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Andere Deutungen&#039;&#039;&#039;: (1) Nach der Vokalisierung im MT lautete das „Haufen, Doppelhaufen“ oben wie gesagt eigentlich: „Esel, Doppelesel“. Einige Ausleger:innen haben an dieser Bed. angesetzt:&amp;lt;br /&amp;gt;(1a) Im Midrasch BerR 98,13 wird das heb. &#039;&#039;terijah&#039;&#039; („frisch“) in V. 15 von gr. &#039;&#039;tria&#039;&#039; („drei“) abgeleitet, Simson hätte also einen „Dreier-Esels-Kieferknochen gefunden“. Entsprechend wird dann unsere Stelle verstanden: „Mit dem Kieferknochen eines Esels – genauer: eines mit Zwillingen schwangeren Esels – mit besagtem Kieferknochen also...“&amp;lt;br /&amp;gt;(1b) Umgekehrt deuteten Allioli, Loch/Reischl, Pfaff und Arndt in ihren Üss. „Esel des Doppelesels“ als Ausdruck für einen jungen (da von zwei Eseln gezeugten) Esel. Arndt: „Mit eines Esels Kinnbacken, mit dem Kinnbacken eines jungen Esels...“; wörtlicher Pfaff: „Ein Esel, der von Eseln herkömmt“.&amp;lt;br /&amp;gt;(1c) Witzig schließlich Tomaso Malvenda: Mit dem Kieferknochen eines Esels von doppelter Größe.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Frolov 2013 kombiniert beide Deutungen zum „Doppelhaufen von Eseln“. Wie das sprachlich möglich sein soll und welchen Sinn das haben soll, weiß ich nicht.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) LXX, VL und VUL vokalisieren sicher, JosAnt V.8 §301 wahrscheinlich und Tg und Syr vielleicht anders als MT, nämlich statt &#039;&#039;ḥamor ḥamoratajim&#039;&#039; als &#039;&#039;ḥamor ḥimmarti-m&#039;&#039;. LXX übersetzt das mit „anstreichend strich ich sie an“, das hier aber wie häufig im Sinne von „überstreichen“ = „auslöschen“ zu nehmen ist; VL und VUL danach klarer mit „(auslöschend) habe ich sie ausgelöscht“. Zu JosAnt s. zu (3e), zu Tg und Syr bei (3c). Die ersten drei leiten also das doppelte Wort von &#039;&#039;ḥamar&#039;&#039; I ab („anstreichen“, s. [[Exodus 2#s3 |Ex 2,3]]). So wollen auch BHS, CTAT und BHQ vokalisieren. Auch viele Ausleger:innen. Keiner deutet dieses Wort aber wie LXX, VL und VUL; stattdessen werden neben &#039;&#039;ḥamar&#039;&#039; I („anstreichen“) diverse gleichlautende Verben angenommen:&amp;lt;br /&amp;gt;(3a) Zenner 1888, S. 256 leitet stattdessen ab von &#039;&#039;ḥamar&#039;&#039; II („rot sein“ und im Piel „röten, rot einfärben“, vgl. [[Ijob 16#s16 |Ijob 16,16]]): „Wie hat er sie gefärbt? Natürlich rot, indem er ihnen die Köpfe blutig schlug.“ So zeitgleich Hummelauer 1888; auch Haupt 1914 und wahlweise Burney 1920. Vgl. HER05, PAT: „Mit einem Eselskinnbacken schlug ich sie blutig“; SLT: „Mit dem Eselskinnbacken färbte ich sie rot.“&amp;lt;br /&amp;gt;(3b) Ähnlich: Anzunehmen sei nach dem arabischen &#039;&#039;ḥamara&#039;&#039; ein heb. Verb &#039;&#039;ḥamar&#039;&#039; III mit der Bed. „häuten, abschaben“; „häutend habe ich sie gehäutet“ wäre also wie bei R-S und ZÜR 31 zu deuten: „ich habe sie gründlich geschunden“. So z.B. Michaelis 1792, S. 831; Zapletal 1906, S. 72; CTAT und wahlweise Butler 2009; sehr ähnlich MEN, TEX: „Mit dem Eselskinnbacken habe ich sie gründlich geschoren!“.&amp;lt;br /&amp;gt;(3c) Anzunehmen sei ein Verb &#039;&#039;ḥamar&#039;&#039; IV „aufhäufen“, vgl. eben das Nomen &#039;&#039;ḥomer&#039;&#039; („Haufen“). Im Aramäischen gibt es dieses Verb. „Anhäufend habe ich [sie] angehäuft“ soll dann heißen: „ich habe ihre Leichen übereinandergestapelt“. So z.B. ursprünglich Michaelis 1774, S. 140 („Ich habe sie dicke übereinander gehäuft“); auch Moore 1906; Soggin 1981. Ähnlich deuten das Verb bereits Tg, Syr und Raschi, die außerdem ebenfalls so vokalisiert haben könnten (aber s. auf der [https://offene-bibel.de/wiki/Kommentar:Richter_15 Kommentarseite]); Harrington / Saldarini übersetzen den Tg: „By the jawbone of an ass I have thrown them in piles“. So wohl LUT: „Mit eines Esels Kinnbacken habe ich sie über den Haufen geworfen.“.&amp;lt;br /&amp;gt;(3d) Es gibt ein Verb &#039;&#039;ḥamar&#039;&#039; V mit der Bed. „brennen, kochen“ (s. [[Psalm 46#s4 |Ps 46,4]]; [[Psalm 75#s9 |75,9]]). Davon wollen Houbigant 1777b und Albright 1968, S. 22 das Verb ableiten; „(auf)kochend habe ich (auf)gekocht“ soll nach Houbigant heißen: „ich habe [sie] durcheinandergebracht“ (s. [[Sirach 4#s2 |Sir 4,2]], wo das Verb wahrscheinlich bildlich „aufregen“ bedeutet), nach Albright dagegen: „Wütend habe ich gewütet“ (so wohl auch in [[Sirach 42#s3 |Sir 42,3]]).&amp;lt;br /&amp;gt;(3e) Gelegentlich ein Verb &#039;&#039;ḥamar&#039;&#039; VI von &#039;&#039;ḥamor&#039;&#039; („Esel“) abgeleitet. (3e1) die Bed. von „be-eselnd habe ich sie be-eselt“ soll also sein: „ich habe sie sehr zu Eseln gemacht“. So wahlweise Burney 1920; Martin 1975; auch NIV: „With a donkey&#039;s jaw-bone I have made donkeys of them.“ (3e2) Alternativ wie Levesque 1900: Im Französischen gibt es ein Verb &#039;&#039;rossér&#039;&#039;, das wörtlich „wie ein Pferd behandeln“ bedeutet, aber eigentlich den Sinn „verprügeln“ hat. Entsprechendes nimmt L. für das Heb. an (vgl. [[Numeri 22#s23 |Num 22,23]]!), wonach dann zu übersetzen wäre wie z.B. in NL: „Mit dem Kinnbacken eines Esels habe ich sie gründlich verprügelt!“ So vielleicht auch Sicre 2018: „Con la quijada de un burro, zurra que zurro...“ = „Mit dem Kieferknochen eines Esels, Schlag um Schlag...“. (3e3) Ganz ähnlich Kim 1993, S. 144.292, der aber für „be-eseln“ die Bed. „wie einen Esel forttreiben“ annimmt: „With a donkey&#039;s jawbone, I drove them on like donkeys“. Dies könnte auch die Basis für JosAnt V.8 §301 sein: „Auch rühmte er sich, dass er die Feinde zum Teil erschlagen [=Zeile d], zum Teil in die Flucht getrieben [= Zeile b?] habe.“ Vielleicht folgt dies aber nur der selben Logik wie die Üs. von Arndt, der auf V. 9 verweist und annimmt, alle anderen neben diesen 1000 Philistern müssten also geflohen sein.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Mit dem Kieferknochen eines Esels&lt;br /&gt;
_Schlug ich 1000 Mann!“&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|17}} (Und es geschah=) Als er geendet hatte zu reden, warf er den Kieferknochen aus seiner Hand. [Daher] nannte er (man) diesen Ort „Ramat Lehi“ (=Kieferknochen-Anhöhe).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Kieferknochen-Anhöhe&#039;&#039; oder „Kieferknochen-Wurf“; gespielt wird vielleicht mit dem Verb &#039;&#039;ramah&#039;&#039; („werfen“), obwohl in 17a für „Wegwerfen“ ein anderes Wort verwendet wird (schön Zapletal 1906, S. 72; Groß 2009; ähnlich schon Studer 1842). Noch einmal anders Allioli, der &#039;&#039;rum&#039;&#039; („erhöhen“) i.S.v. „aufheben“ nimmt: „er nannte den Namen dieses Ortes Ramath-Lechi, welches man dollmetschet Aufheben des Kinnbackens.“ &#039;&#039;Ramat&#039;&#039; (Konsonanten: &#039;&#039;rmt&#039;&#039;) klang-spielt außerdem wahrscheinlich mit &#039;&#039;ḥamoratajim&#039;&#039; („Doppel-Esel“, Konsonanten: &#039;&#039;ḥ&#039;&#039;&#039;mrt&#039;&#039;&#039;jm&#039;&#039;; ähnlich Kim 1993, S. 293). Vielleicht wurde gerade deshalb dort der ungewöhnliche Dual verwendet.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|18}} Er hatte (sehr=) großen Durst&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;hatte Durst&#039;&#039; - Witzig Midrasch BerR 98,13: „&#039;&#039;Wer [so viel] plappert, wird [eben] durstig&#039;&#039;“. Alternativ deuten Fishelis / Fishelis 1995 und Bar 2018 dieses „plappern“ als „arrogant sprechen“, Gott hätte Simson also mit Durst gestraft, weil er in V. 17 so arrogant gesprochen habe. Das liest wahrscheinlich zu viel in das aram. &#039;&#039;paṭpiṭ&#039;&#039; („plappern, schnattern“); so deutet aber auch JosAnt V.8 §301: „&#039;&#039;Samson aber wurde durch diese Tat übermütiger als billig und schrieb dieselbe nicht der Hilfe Gottes, sondern seiner eigenen Kraft zu. Auch rühmte er sich, dass er die Feinde zum Teil erschlagen, zum Teil in die Flucht getrieben habe. Als er darauf von heftigem Durst geplagt wurde, erkannte er, dass alle menschliche Kraft schwach sei und Gott allein alles vermöge...&#039;&#039;“ (Üs.: Clementz). So danach auch Ambrosius, Brief 35; später auch Jakob Bonfrère und Cornelius a Lapide.&amp;lt;/ref&amp;gt; und rief JHWH zu {und sagte}: „&#039;&#039;Du&#039;&#039; (gabst=) [warst&#039;s doch, der] gegeben hat in die Hand deines Knechts diese große Rettung!&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;du gabst diese große Rettung in die Hand deines Knechts&#039;&#039;, oder freier: „Du warst&#039;s doch, der mir diese große Rettung ermöglichte!“. Von sich selbst als „dein Knecht“ zu sprechen, ist im Heb. eine häufige Höflichkeitsstrategie beim Sprechen zu Höhergestellten wie insbesondere Gott; „geben in die Hand“ ist ein häufiger Wechselausdruck für „verleihen, gewähren“.&amp;lt;/ref&amp;gt; Und jetzt sollte ich vor Durst sterben und in die Hand der Unbeschnittenen fallen!?“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|19}} Da spaltete Gott den (Mörser=) Felsen (?, Mörser?, Backenzahn?)&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Kreuzfahrerbibel - Samson.png|mini|Kreuzfahrerbibel: Illumination. (c) [https://www.medievaltymes.com/courtyard/images/maciejowski/leaf15/otm15ra.gif medievaltymes.com]]]&amp;lt;div class=&amp;quot;tright&amp;quot; style=&amp;quot;clear:none&amp;quot;&amp;gt;[[Datei:Zanchi - Samson.png|mini|Antonio Zanchi: Samson. (c) [https://www.dorotheum.com/de/l/460561/ Dorotheum]]]&amp;lt;/div&amp;gt;&#039;&#039;Felsen (Mörser?, Backenzahn?)&#039;&#039; - Unsicheres Wort. Was grob gemeint ist, ist aber klar; „gespalten“ werden können in einer Landschaft nur Felsen. Mit „Fels“ übersetzen daher auch frei manche Tg-Mss und Josephus in JosAnt V.8 §301. Hier geschieht dann Ähnliches wie in [[Exodus 17#s6 |Ex 17,6]]; [[Numeri 20#s11 |Num 20,11]]; [[Psalmen 78#s15 |Ps 78,15.20]]; [[Psalm 105#s41 |Ps 105,41]]; [[Jesaja 48#s21 |Jes 48,21]]. Konkret gemeint ist wahrscheinlich die  Haniya-Quelle, die bei el-Lehi aus einem Felsen entspringt, s.o. In der Kunstgeschichte dagegen hat sich eine andere Deutung niedergeschlagen; s. rechts und u. zu (2)&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Genauer&#039;&#039;&#039;: Das Wort steht nur noch in [[Sprichwörter 27#s22 |Spr 27,22]] und bed. dort „Mörser“; außerdem ist heb. &#039;&#039;makteš&#039;&#039; in [[Zefanja 1#s11 |Zef 1,11]] auch ein Ortsname, was hier aber nichts hilft. Abgeleitet ist das Wort von &#039;&#039;kataš&#039;&#039; („schlagen, stoßen“), gespielt wird also auch damit, dass Samson hier die Philister „geschlagen“ hat. Entsprechend heißt das aramäische &#039;&#039;makteš&#039;&#039; „Schlag, Wunde“.&amp;lt;br /&amp;gt;(1) LXX&amp;lt;sup&amp;gt;L&amp;lt;/sup&amp;gt;, Aq und Theod orientieren sich an Spr 27,22: „er spaltete den Mörser“. Gemeint ist dann wahrscheinlich eine „Mulde“ oder „Grube“ in der Landschaft. Vgl. so fast sicher t.Nid 8,6: „Einmal gingen Arbeiter wegen Regen [in eine Höhle], und als sie mit den Schaufeln in ihren Händen gruben, fanden sie einen Mörser voll Knochen“, also eine Knochengrube. Mit „Mulde“ übersetzen fast alle neueren Ausleger:innen und die allermeisten dt. Üss, obwohl das Nomen nicht sehr gut zum Verb „spalten“ passt; so wird es auch [https://youtu.be/SEjJ6H8RxJ8?t=312 im neuen Simson-Film] dargestellt.&amp;lt;br /&amp;gt;(2a) Dagegen am Aramäischen orientieren sich LXX&amp;lt;sup&amp;gt;A, O, R&amp;lt;/sup&amp;gt;, SyH: „die Wunde im Kieferknochen“. Das Selbe ist vielleicht die Basis von (2b) Sym, VUL und anderen Tg-Mss: „den Backenzahn“. Raschi erklärt aber stattdessen diese Übersetzung aus (1), weil angeblich der Kieferknochen, auf dem Zähne sitzen, wie ein Mörser geformt sei (ist das so?), und ältere Ausleger aus dem Griechischen, da dort „Mörserchen“ auch „Backenzahn“ bedeute (aber wie sollte das Tg erklären?). Mit „Backenzahn“ übersetzen jedenfalls auch BigS, LUT 45, ZÜR; ähnlich TAF: „das Gebiss“. Diese Deutung war früher recht beliebt; Gott hätte dann das Wunder vollbracht, den Kieferknochen zu einem Trinkgefäß zu verwandeln, dem nie der Trank ausging (vgl. [[1 Könige 17#s16 |1 Kön 17,16]]; so z.B. Johannes von Damaskus, Orthodoxer Glaube 4.15; so wahrhaftig wahlweise selbst noch Spronk 2019), oder er hätte – noch kurioser – aus dem Boden eine Quelle sprudeln lassen, die &#039;&#039;durch den Backenzahn&#039;&#039; ins Freie floss (Ambrosius, Brief 35; Nikolaus Serarius, Jakob Bonfrère, Matthew Poole). Beide Vorstellungen haben in der bildenden Kunst stark nachgewirkt, s. rechts. Dagegen aber richtig erstens Keil 1863: Dagegen spricht die Formulierung „der Backenzahn(?), &#039;&#039;welcher im&#039;&#039; Kieferknochen ist“. Dagegen zweitens richtig Bertheau 1883: Dagegen spricht der bestimmte Artikel („&#039;&#039;der&#039;&#039; Backenzahn(?)“), da in einem Kieferknochen davon ja mehrere sitzen. Dagegen schließlich drittens richtig Moore 1906: Dagegen spricht der letzte Satz von V. 19.&amp;lt;br /&amp;gt;(3a) LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B&amp;lt;/sup&amp;gt; leitet die Bedeutung aus dem Verb „spalten“ und dem Produkt „Wasser“ ab: „er spaltete die Zisterne“. (3b) Ähnlich VL, die sich nur am Verb orientiert: „er spaltete den Riss“, (3c) und Syr, die sich am „Kieferknochen“ orientiert: „Er spaltete den Kiefer“. Letzteres könnte übrigens auch einen anderen Wortlaut bezeugen, den dann auch BerR 98,13 bezeugte: „&#039;&#039;Nach Rabbi Levi hieß der Ort Lehi, nach den [anderen] Rabbinen dagegen Maktesch.“&amp;lt;/ref&amp;gt; der in Lehi (im Kieferknochen) [war]. Wasser kam daraus hervor, [jener] trank, seine Lebenskraft kehrte zurück und er lebte.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;und er lebte&#039;&#039; - schön Bar 2018, pos. 3188: „In his first prayer to God, Samson asked for his life and he was revived. By contrast, his second prayer asked for his death and his wish was granted.“ Besser übersetzt man daher hier dieses „er lebte“ wörtlich und nicht durch „er lebte wieder auf“ o.Ä.&amp;lt;/ref&amp;gt; Darum nannte er (nennt man) seinen (=des Wassers) Namen „En Haqqore“ (=Quelle des Rufers)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Orte&amp;quot; /&amp;gt;(, die in Lehi [ist] bis zu( diesem=)m heutigen Tag=). Bis zum heutigen Tag gibt es sie in Lehi.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|20}} Und er war Richter Israels in den Tagen der Philister 20 Jahre [lang].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die rechtlichen Verwicklungen nach Kap. 14 deutet man am besten so: Am Ende des Hochzeitsfests, aber noch vor Vollzug seiner Ehe, ist Simson wütend nach Hause abgereist. Diese Ehe will er daher in &#039;&#039;&#039;V. 1&#039;&#039;&#039; nun doch endgültig schließen, indem er mit seiner Verlobten den Ritus des Brautgemachs vollzieht. Sein Schwiegervater in spe jedoch teilt ihm &#039;&#039;&#039;V. 2&#039;&#039;&#039; mit, dass er nun leider seine Verlobte mit einem anderen verheiratet hat, da er davon ausgehen musste, dass Simson kein Interesse mehr an einer Ehe mit ihr hat. Fatalerweise hat er sie dabei mit dem &#039;&#039;einzigen&#039;&#039; verheiratet, mit dem er sich rechtlich durchaus nicht verheiraten hätte dürfen (s. zu Kap. 14); erbost ist sich Simson daher in &#039;&#039;&#039;V. 3&#039;&#039;&#039; sicher, nun selbst in den Augen der Philister im Recht zu sein, wenn er diesem Volk die Schandtat des Schwiegervaters heimzahlt. Aus &#039;&#039;&#039;V. 6&#039;&#039;&#039; lässt sich herauslesen, dass es sich auch wirklich so verhält: Hier noch gehen die Philister nicht gegen Simson vor, um ihm seine Übeltat zu heimzuzahlen, sondern gegen seinen Schwiegervater, um dessen Verbrechen zu bestrafen.&amp;lt;br /&amp;gt;Michaelis 1774, S. 134 wendet gegen diese Logik ein:&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;nun habe ich recht&#039;&#039; usf. - In der That hatter er es wol nicht. Daß Ein Philister ihn beleidiget hatte, gab ihm kein Recht, das ganze Volk anzugreifen, wenn ihm dis nicht Gerechtigkeit versagte, und V. 6. werden wir sehen, daß sie dis gewiß nicht gethan haben würden.&lt;br /&gt;
Aber es ist dies ein üblicher Zug rechtlichen und moralischen Denkens im Alten Testament: Übeltaten sind nicht nur Übeltaten nur &#039;&#039;einer&#039;&#039; Person. Sie sind vielmehr „ansteckend“, es ist daher &#039;&#039;rechtens&#039;&#039;, wenn etwa Gott eine Sünde „bis in die dritte und vierte Generation“ bestraft ([[Exodus 34#s6 |Ex 34,6]]), wenn Gott droht, ob der Sünde Jonas eine ganze Schiffsbesatzung zu versenken ([[Jona 1 |Jon 1]]) oder wenn nach der Sünde Achans in [[Josua 7#s1 |Jos 7,1]] angeblich „ganz Israel gesündigt hat“ ([[Josua 7#s10 |Jos 7,10f.]]), deshalb unterzugehen droht und daher insgesamt Buße tun muss. Was hier geschieht, entspricht ganz dieser Logik: Nur der Schwiegervater Simsons hat verbrecherisch gehandelt. Simson wie auch die Philister gehen aber davon aus, dass dafür rechtens das ganze Philistervolk zu bestrafen ist, und wie dann in Jon 1 Jona von der Schiffsbesatzung ins Meer geworfen und in Jos 7 Achan vom eigenen Volk getötet werden muss, um „die Sünde aus ihrer Mitte auszurotten“, so rotten hier dann die Philister mit der Verbrennung der Schuldigen die Sünde aus ihrer Mitte aus. Dies wiederum ist dann &#039;&#039;&#039;Vf. 7-8&#039;&#039;&#039; Anlass für Simson, (wieder: rechtens) Blutrache zu nehmen („Wenn ihr dies tut...“; vgl. [[Exodus 21#s12 |Ex 21,12]]; [[Leviticus 24#s17 |Lev 24,17.19]]; [[Numeri 35#s30 |Num 35,30f.]]). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Die &#039;&#039;&#039;Fuchs-Aktion&#039;&#039;&#039; in &#039;&#039;&#039;Vv. 4f.&#039;&#039;&#039; soll wahrscheinlich einmal mehr die Cleverness Simsons betonen: V. 5 spielt deutlich auf [[Exodus 22#s5 |Ex 22,5]] an, wo geregelt wird, dass der Verursacher von Feldbränden mit seiner Brandstiftung strafpflichtig wird. Dieses Gesetz wird dadurch umgangen, dass Simson die Füchse zu Brandstiftern macht. Die brandstiftenden Füchse sind ein verbreitetes Motiv in der gr. Literatur; s. zum Wort „Füchse“. Neu ist, dass die Füchse „an den Schwänzen zusammengebunden“ werden; ohne Zweifel soll das die Effizienz der Füchse noch steigern, die dann in ihrer Panik die Fackeln hin und her zerren. Dabei reicht in der gr. Literatur schon &#039;&#039;ein&#039;&#039; Fuchs, um ganze Felder zu entflammen; die Steigerung zu 300 Füchsen und das Verbinden der Schwänze wird also wirklich riesige Mengen an Getreide vernichtet haben, was dann ja auch durch die Formulierung des Endes von &#039;&#039;&#039;V. 5&#039;&#039;&#039; unterstrichen wird.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis hierhin hat sich die Spirale der Gewalt noch ordentlich und rechtlich einwandfrei nach oben geschraubt. Nach V. 8 steht im MT ein sog. &#039;&#039;Setumah&#039;&#039;, ein großer Einschnitt, der u.a. signalisiert, dass nun ein neuer Handlungsbogen beginnt. Und in der Tat: An sich sind nun Schuld und Gegenschuld abgeglichen, und was nun folgt, hat eine ganz neue Qualität: Nun fällt in &#039;&#039;&#039;V. 9&#039;&#039;&#039; das ganze Philistervolk in Juda ein und presst das ganze Judäervolk, um Simsons habhaft zu werden. Woraufhin in &#039;&#039;&#039;V. 11&#039;&#039;&#039; das ganze Judäervolk gegen Simson ins Feld marschiert: Nun herrscht Krieg! Wer daran letztlich Schuld hat, ist gar nicht klar: Simsons Braut, weil sie Simson durch ihren Verrat vergrault hat? Simson, weil er vor Vollzug seiner Ehe abgereist ist? Sein Schwiegervater, weil er Simsons Verlobte ausgerechnet mit seinem Trauzeugen verheiratet hat? Oder die Philister, weil sie mit ihrem Kriegszug in V. 9 endgültig zu weit gegangen sind? Im Recht fühlen sich jedenfalls sowohl Simson als auch die Philister; stark kommentiert Groß 2009, S. 706f.:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: Auf raffinierte Weise lässt der Erzähler Worte der Philister im Mund Simsons und der Judäer wiederkehren. Die Judäer reden 12c [„Um dich zu binden, sind wir herabgekommen“] wie die Philister 10d [„Um Simson zu binden, sind wir hinaufgekommen“]; sie sind deren williges Instrument. Simson seinerseits spricht, wenn auch in gegenläufigem Sinn, 11g-h [„Wie sie mir getan haben, so habe ich ihnen getan!“] wie die Philister in 10d-e [„um ihm zu tun, wie er uns getan hat!“]: Der Konflikt hat schon so viele Phasen durchlaufen, dass beide Seiten in Vergeltung und Gegenvergeltung sich im Recht wähnen und keine der beiden mehr weiß, wer eigentlich begonnen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass es gerade die Judäer sind, die sich in &#039;&#039;&#039;Vv. 11-13&#039;&#039;&#039; zum Instrument der Philister machen lassen, muss man durchaus betonen: Am Anfang des Richterbuches waren sie noch die Lichtgestalten. Nun ist es mit ganz Israel sogar so weit gekommen, dass selbst sie nicht nur die Herrschaft der Philister rundweg als gegeben anerkennen, sondern sogar Gottes erwählten Richter an sie ausliefern wollen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Gott aber macht ihnen einen Strich durch die Rechnung: Wie im Löwenabschnitt in [[Richter 14 |Ri 14]], auf den &#039;&#039;&#039;V. 14&#039;&#039;&#039; in seiner Formulierung auch deutlich anspielt, wird Simson wieder vom Geist Gottes erfüllt. Man muss sich wohl hinzudenken, dass Simson daraufhin von übermenschlicher Kraft erfüllt wird und so seine Fesseln zerreißen kann; jedenfalls fasern sie ihm in der Folge ebenso von den Armen wie später noch einmal in [[Richter 16#s9 |Ri 16,9]]. Offensichtlich auf die Kraft des Gottesgeistes zurückzuführen ist dann aber in &#039;&#039;&#039;V. 15&#039;&#039;&#039; die nächste Heldentat Simsons: Nur mit dem Kieferknochen eines Esels bewaffnet erschlägt er ganze 1000 Mann. Er steht damit in guter Tradition; v.a. im Richter- und den Samuelbüchern vollbringen Richter und Recken immer wieder ähnliche Heldentaten mit ungewöhnlichen oder ärmlichen Waffen: Ehud mit einem selbst gemachten Dolch ([[Richter 3#s15 |Ri 3,15-22]]), Schamgar mit einem Ochsenziemer ([[Richter 3#s31 |Ri 3,31]]), Jael mit Hammer und Zeltpflock ([[Richter 4#s21 |Ri 4,21]]), Gideon mit Widderhörnern ([[Richter 7#s22 |Ri 7,22]]), David mit einer Steinschleuder ([[1 Samuel 17#s49 |1 Sam 17,49]]), Jischbaal mit einer Streitaxt ([[2 Samuel 23#s8 |2 Sam 23,8]]), Abischai mit einem Speer ([[2 Samuel 23#s18 |2 Sam 23,18]]) und Benaja mit einem Stecken ([[2 Samuel 23#s21 |2 Sam 23,21]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Prahllied in V. 16 endet das Kapitel in &#039;&#039;&#039;Vv. 18-20&#039;&#039;&#039; mit einer Legende, die einen weiteren Ort in der Umgebung mit dem Leben Simsons in Verbindung bringen soll, wie das direkt zuvor auch schon &#039;&#039;&#039;V. 17&#039;&#039;&#039; getan hat: Der Ort heißt „Lehi“, weil Simson dort mit einem &#039;&#039;leḥi&#039;&#039; („Kieferknochen“) gekämpft hat, und die Quelle an diesem Ort heißt „En Haqqore“ („Quelle des Rufers“), weil Simson dort um diese Quelle Gott angerufen hat. Dass diese Ortslegende gerade hier eingefügt wird, bringt auch mit sich, dass Ri 14-15 als zweiter Abschnitt von Simsons Geschichte mit einer Anrufung Gottes durch Simson ebenso enden kann wie gleich darauf Ri 16 als dritter Abschnitt seiner Geschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Kohelet_12&amp;diff=40222</id>
		<title>Kohelet 12</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Kohelet_12&amp;diff=40222"/>
		<updated>2025-10-30T20:28:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Syntax&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Studienfassung in Arbeit}}&lt;br /&gt;
{{Zuverlässige Studienfassung|Vers 1-7}}&lt;br /&gt;
{{Lesefassung kann erstellt werden|Vers 1-7}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Lesefassung}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{L|1}}&lt;br /&gt;
{{L|2}}&lt;br /&gt;
{{L|3}}&lt;br /&gt;
{{L|4}}&lt;br /&gt;
{{L|5}}&lt;br /&gt;
{{L|6}}&lt;br /&gt;
{{L|7}}&lt;br /&gt;
{{L|8}}&lt;br /&gt;
{{L|9}}&lt;br /&gt;
{{L|10}}&lt;br /&gt;
{{L|11}}&lt;br /&gt;
{{L|12}}&lt;br /&gt;
{{L|13}}&lt;br /&gt;
{{L|14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|1}} Und ({Und})&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Und ({&amp;lt;s&amp;gt;Und&amp;lt;/s&amp;gt;})&#039;&#039; - &#039;&#039;Und&#039;&#039; könnte hier wie in [[Kohelet 11#s7 |Pred 11,7]] bloß einen neuen Unterabschnitt einleiten (so z.B. Longman), aber gerade hier ist es ganz unproblematisch: Pred 12,1-8 ist sehr klar die Fortsetzung von Pred 11,7-10. S. die Anmerkungen.&amp;lt;/ref&amp;gt; sei eingedenk deines Schöpfers&amp;lt;ref&amp;gt;Mitgehört werden kann wohl wirklich auch: &#039;&#039;Sei eingedenk deines Schöpfers [und damit auch der Tatsache, dass du Geschöpf und damit sterblich bist]&#039;&#039; (so z.B. Cohen, Fox, Murphy). Zunächst und zuvorderst ist V. 1 aber eine sehr viel ausführlichere Variante von [[Kohelet 11#s9 |Pred 11,9e]]: „(Jüngling, mach, was dir gefällt,) aber denke dabei daran, dass Gott dich für alles bestrafen wird [was du Falsches tust].“ Und dann hier: „[Mach, was dir gefällt, Jüngling,] aber denke dabei an Gott [der dich für Missetaten bestrafen wird]“.&amp;lt;br /&amp;gt;„Schöpfer“ (wie ähnlich in [[Ijob 32#s22 |Ijob 32,22]]; [[Ijob 36#s3 |36,3]]; [[Jesaja 43#s1 |Jes 43,1]]) sieht aus wie Plural, ist aber entweder nur Pluralis majestatis für Sg. (z.B. Murphy), späte Orthographie (z.B. Fox), Wortbildung eines III-Alef-Wortes nach dem Muster eines Verbum tertiae infirmae (z.B. Gordis, Seow) oder ähnlich wie in [[Kohelet 11#s9 |Pred 11,9]]; [[Kohelet 12#s7 |12,7]] abnormale Wortverwendung/-bildung zur Herstellung eines Reims (vgl. &#039;&#039;bore`eka&#039;&#039; „dein Schöpfer“ – &#039;&#039;beḥuroteka&#039;&#039; „deine Jugend“; hier ähnlich Köhlmoos; weitere Bspp. bei [[Amos 5#s25 |Am 5,25]]). Auch alle Versionen übersetzen mit Sg. Wohl wegen der ungewöhnlichen Form haben die Alten dennoch intensiver über dieses Wort nachgedacht. Zum Beispiel: „&#039;&#039;Akabja ben Mahalalel sagte: ‚Sei dreier Dinge eingedenk, und du wirst nicht der Macht der Sünde unterliegen: Woher du kamst, wohin du gehst, und vor wem du dich in Zukunft verantworten werden musst. [...]‘ (m.Ab iii 1). Das hat er aus diesem Vers abgeleitet: ‚Sei eingedenk deines &#039;&#039;bore`eka&#039;&#039; [Schöpfers], vor dem du dich verantworten werden musst, sei eingedenk deines &#039;&#039;boreka&#039;&#039; [Grabes], einem Ort von Erde, Maden und Würmern, und sei eingedenk deiner &#039;&#039;be`ereka&#039;&#039; [Quelle], die aus ihrem Ort entspringt, das heißt, dem stinkenden Tröpflein weißen Samens.&#039;&#039;‘“ (Raschi nach j.Sot xi 2). Auch Raschi las den Vers also schon in dieser doppelten Bedeutung: (1) „Denke bei deinem Handeln stets an Gott, denn er wird dir dein Tun vergelten“ und (2) „Denke daran, dass du nur ein Geschöpf bist, (entstanden aus ‚stinkendem Samen‘ und bestimmt für den Ort von Erde, Maden und Würmern).“&amp;lt;/ref&amp;gt; in den Tagen deiner Jugend,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;in den Tagen deiner Jugend&#039;&#039; deshalb, weil hier noch der mit [[Kohelet 11#s9 |Pred 11,9]] begonnene Unterabschnitt fortgesetzt wird, in dem die Jugendzeit mit den „vielen Tagen“ des Langlebigen in Pred 11,8 kontrastiert wird. Fast alle alten und die große Mehrheit der neueren Kommentatoren nehmen allerdings dieses Wort mit dem Rest des Verses zum Schlüssel für den ganzen Abschnitt und denken, dass in Pred 12,1-7 davon die Rede sei, wie schlimm ein hohes Alter ist. Das kann kaum richtig sein; Pred 11,8 macht klar, dass man (natürlich) auch mit einem langen Leben dieses ganze Leben hindurch Freude haben kann. Richtig die Zohar (I 204a): „&#039;&#039;Was sind die ‚argen Tage‘? Wenn du glaubst, das seien die Tage des Alters, liegst du daneben. Ein Mensch kann auch in hohem Alter freudige Jahre genießen, umgeben von Kindern und Enkelkindern. Was sind die argen Tage also dann? Es sind die Tage, an denen man sündigt.&#039;&#039;“ (nach Broch 1982, S. 253). Die „Tage und Jahre, die kommen“ sind dann nicht die Tage und Jahre des Alters, sondern je und je die dunklen Tage, die sich in jedem Lebensabschnitt stets dem Menschen zuschicken können.&amp;lt;br /&amp;gt;Erwähnenswert noch: Maimonides hat auf diesem Vers einen zentralen Aspekt seiner Ethik aufruhen lassen, nämlich seine Theorie der wahren Umkehr: Speziell vom &#039;&#039;Jugendlichen&#039;&#039; sei hier deshalb die Rede, weil man zwei Modi der Umkehr unterscheiden muss. Erstens die Umkehr zu einer Zeit, da man eine Missetat begangen hat und &#039;&#039;noch imstande wäre, sie ein weiteres Mal zu begehen&#039;&#039;, es aber wegen einer „Umkehr“ (&#039;&#039;teschubah&#039;&#039;) nicht tut, und zweitens die Umkehr zu einer Zeit, da man eine früher begangene Untat zwar bereut, sie aber hauptsächlich deshalb nicht mehr begeht, weil man wegen fortgeschrittenen Alters oder verstrichener Gelegenheit ohnehin nicht mehr die Chance dazu hat. Nur, wer auf die erste Weise „umkehrt“, ist ein echter &#039;&#039;ba`al teschubah&#039;&#039; („Meister der Umkehr“); vgl. Hilkot Teschubah 2,1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Bevor kommen werden die argen (bösen) Tage&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;die argen Tage&#039;&#039; im Gegensatz zur „Zeit des Lichts“ in [[Kohelet 11#s7 |Pred 11,7f.]]. Dort war das Licht „gut, angenehm“. Nun dagegen werden die „argen, bösen“ Tage geschildert, die „dunkle“ Tage sind (V. 2). In der LF besser nicht: „böse Tage“; &#039;&#039;ra´ah&#039;&#039; („böse, arg“) ist ein Leitwort in Kohelet und „böse Tage“ sind natürlich nicht „moralisch üble“ Tage, sondern „&#039;&#039;schlimme&#039;&#039; Tage“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und nahen werden die Jahre, über die (an denen) du sagst:&lt;br /&gt;
_„Für mich [liegt] nicht in ihnen&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;ihnen&#039;&#039; bezieht sich zurück sowohl auf die „Jahre“ (im Heb. fem.) als auch die „Tage“ (im Heb. mask.), daher maskulin. Annahme von Genus-Inkongruenz (so z.B. Lauha, Murphy mit Verweis auf [https://en.wikisource.org/wiki/Gesenius%27_Hebrew_Grammar/135._The_Personal_Pronoun#GHGpar-135-o GKC §135o]) ist hier unnötig.&amp;lt;/ref&amp;gt; Freudiges!“,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Für mich liegt nicht in ihnen Freudiges&#039;&#039; - Fast stets übersetzt als „Sie gefallen mir nicht“ oder „Ich habe keinen Gefallen an ihnen“. Im Heb. wird dies aber ganz objektiv geschildert: Es liegt wirklich nichts Freudiges für den Sprechenden in ihnen. Besser in der LF daher vielleicht: „Ich finde an ihnen gar keinen Gefallen.“&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|2}} Bevor sich verfinstern werden (die Sonne und das Licht=) das Licht der Sonne&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;(die Sonne und das Licht=) das Licht der Sonne&#039;&#039; - Hendiadyoin, so sicher richtig Kugel 1999, S. 305.338; Savran 2018, S. 157. „Die Sonne und das Licht“ = daher „das Licht der Sonne“ oder „die leuchtende Sonne“.&amp;lt;br /&amp;gt;Fast alle, die auf das „Licht“ &#039;&#039;neben&#039;&#039; „Sonne, Mond und Sternen“ eingehen, behaupten mit Verweis auf [[Genesis 1#s3 |Gen 1,3-5]], im Weltbild des Alten Israel habe Licht unabhängig von den Himmelskörpern existiert. Das liegt aber schon in Gen 1 ganz fern: nach Gen 1,5 schafft Gott in Gen 1,3-5 nicht „Licht“, sondern „&#039;&#039;den Tag&#039;&#039;“, und in Gen 1,14f. heißt es explizit, dass die Himmelskörper „Lichter sein“ und „über der Erde scheinen“ sollen. Vgl. ähnlich [[Jesaja 13#s10 |Jes 13,10]]; [[Ezechiel 32#s7 |Ez 32,7]] und v.a. [[Amos 8#s9 |Am 8,9]], wo Gott jeweils die Himmelskörper verfinstert, um Dunkelheit über die Erde zu bringen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Und der Mond und die Sterne&lt;br /&gt;
_Und die Wolken nach dem Regen zurückkehren&amp;lt;ref&amp;gt;V. 2 muss nicht unbedingt übernatürliche Geschehnisse schildern. Lesende / Hörende sollen sicher an die apokalyptische Schilderungen wie in [[Jesaja 5#s30 |Jes 5,30]]; [[Jesaja 8#s20 |8,20]]; [[Jesaja 13#s10 |13,10]]; [[Ezechiel 30#s18 |Ez 30,18]]; [[Ezechiel 32#s7 |32,7]]; [[Joel 2#s2 |Joel 2,2.10]]; [[Joel 3#s3 |3,3-4]]; [[Joel 4#s15 |4,15]]; [[Amos 5#s18 |Am 5,18.20]]; [[Zefanja 1#s15 |Zef 1,15]] denken (richtig z.B. Fox, Seow, Schoors; Beal 1998, S. 295; Kang 2016, S. 332), aber auch diese apokalyptischen Geschehnisse könnten zumeist durchaus realistische Vorkommnisse schildern: „[Wie es in der Klimazone Israels tatsächlich gewöhnlich ist, lässt d]ie winterliche Jahreszeit [...] die regelmäßige Helle des Sonnenlichtes bei Tage, und in der Nacht auch das Licht der Nachtgestirne vermissen, indem nach einem Regenguß anders als in den hellen Jahreszeiten der Himmel sich nicht wieder entwölkt, sondern gleich die Wolken für den nächsten Regenguß aufziehen.“ (Zimmerli 1962, S. 246 nach Hertzberg 1957, S. 115; ähnlich z.B. Galling, Lauha). So und so; wichtig ist vor allem: Geschildert werden hier &#039;&#039;dunkle&#039;&#039; Tage; diese werden im Folgenden noch weiter spezifiziert, und auch im Folgenden weiterhin als Tage beschrieben, an denen es nicht etwa einem einzelnen Menschen schlecht geht, sondern in denen wirklich und objektiv der ganze Kosmos freudlos ist. Stark Raschbam: „&#039;&#039;Dieser Vers ist vergleichbar mit [[Jesaja 50#s3 |Jes 50,3]], und ist eine Metapher dafür, wie die Welt für Menschen in ihrem großen Leid dunkel ist.&#039;&#039;“&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|3}} Am Tag, an dem schlottern (zittern) werden die Hüter (Wächter) des Hauses&amp;lt;ref&amp;gt;Die &#039;&#039;Hüter des Hauses&#039;&#039; sind entweder echte Securities, also eine Gruppe von Angestellten, die reichere Anwesen vor Einbrechern etc. sichern sollten (so z.B. Ginsburg, Kang 2016, S. 332; Pérez 2020, S. 185) oder eine Art Hausmeister, die sich ähnlich um das Anwesen zu besorgen hatten, wie z.B. in [[Hohelied 8#s11 |Hld 8,11f.]] die „Hüter von Salomos Weingarten“ landwirtschaftliche Subunternehmer sind, die für Salomo dessen Weingarten bestellen (so z.B. Cohen, Fox; Savran 2018, S. 163). Angezielt ist aber klar der Kontrast zwischen dem „Schlottern“ und dem erwartbaren Stark-Sein der „Hüter“, der auch durch den Parallelismus der „Hüter“ mit den „mächtigen Männern“ unterstrichen wird. Viel besser käme dies in der LF durch eine Üs. mit „Wächter“ zum Ausdruck.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Und sich krümmen werden mächtige Männer&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;mächtige Männer&#039;&#039; - w. „Männer von &#039;&#039;ḥajil&#039;&#039;“, ein Wort mit weiter Bedeutungsspanne, das aber v.a. für „Kraft, Stärke“ (z.B. [[1 Samuel 2#s4 |1 Sam 2,4]]; [[Psalm 18#s40 |Ps 18,40]]; [[Kohelet 10#s10 |Pred 10,10]]) oder für „Besitz, Wohlstand“ steht (z.B. [[Ijob 5#s5 |Ijob 5,5]]; [[Jeremia 17#s3 |Jer 17,3]]; [[Jesaja 60#s5 |Jes 60,5]] s. V. 6). Wegen der zweiten Bedeutung sind hier vielleicht die Dienstgeber der „Hüter“ gemeint, die die behüteten Häuser bewohnen; der Fokus liegt aber auch dann auch auf dem Stark-Sein auch dieser Männer (so auch Savran 2018, S. 163; Pérez 2020, S. 185).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und aufhören (nicht arbeiten) werden die Mahlerinnen,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Mahlerinnen&#039;&#039; - nicht: „Müllerinnen“; dies weckt die falschen Assoziationen. Zum Mahlen vgl. z.B. [https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/200957/ Mühle (WiBiLex)]: Gemahlen wurde Mehl im Alten Israel nicht automatisch in Windmühlen oder Wassermühlen, sondern mit Handmühlen im Privathaushalt, mit denen man Getreide zwischen zwei Steinen händisch zu Mehl zerrieb. Die Handmühle gehörte so sehr zum Grundbedarf eines Haushalts, dass für sie noch strenger als für den Mantel bestimmt wurde, dass sie gar nicht verpfändet werden durfte ([[Deuteronomium 24#s6 |Dtn 24,6]]). Das Mehl-Mahlen war so mühsam und zeitraubend, dass eine Person für das Mahlen des „Tagesbedarf[s] von 4-6 Personen einen ganzen Tag mit Mahlen beschäftigt war“ (ebd.). Es musste daher in der Gesellschaft des Alten Israel, in der Männer tagsüber außer Haus ihren Brotberuf ausüben mussten, notwendig zur Frauenarbeit werden (eine Ausnahme ist [[Richter 16#s21 |Ri 16,21]], dazu s. aber dort). Haushalte, die sich das leisten konnten, beschäftigten daher dafür Mahl-Mägde oder kauften sich Mahl-Sklavinnen (s. [[Exodus 11#s5 |Ex 11,5]]; [[Jesaja 47#s2 |Jes 47,2]]). Das Geräusch des Mahlens war so charakteristisch für die Gesellschaft des Alten Israel, dass das Verstummen der Mühlen auch in [[Jeremia 25#s10 |Jer 25,10]] und [[Offenbarung 18#s22 |Offb 18,22f.]] als Metapher für die Endzeit genommen werden kann: Selbst diese Tätigkeit wird nicht mehr ausgeführt werden. Sehr ähnlich ja hier auch im nächsten Vers.&amp;lt;br /&amp;gt;Etwas besser ist daher jedenfalls die Üs. von H-R: „Mahlmägde“. Ideal ist aber auch diese Üs. noch nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; weil sie wenig geworden sind,&amp;lt;ref&amp;gt;Klangspiel: „sie werden aufhören, weil sie wenig geworden sind“ ist im Heb. &#039;&#039;ba&#039;&#039;&#039;ṭ&#039;&#039;&#039;elu ha&#039;&#039;&#039;ṭṭ&#039;&#039;&#039;oḥano&#039;&#039;&#039;t&#039;&#039;&#039; ki mi´e&#039;&#039;&#039;ṭ&#039;&#039;&#039;u&#039;&#039;. Noegel 2007, S. 14 denkt, diese Häufung von &#039;&#039;t&#039;&#039;-Lauten solle Onomatopoesie für das Mahlen von Mühlen sein. Das ist gut möglich.&amp;lt;br /&amp;gt;„Sie“ sind kaum die Mahlerinnen, die ja gerade nicht aufhören dürften, wenn ihrer nur noch wenige wären. „Sie“ dürften stattdessen &#039;&#039;alle&#039;&#039; Menschen sein: Es braucht nicht mehr gemahlen zu werden, weil hier und im Folgenden eine Geisterstadt beschrieben wird. So z.B. richtig z.B. Davis 1991, S. 309; Fox 1989, S. 292 (vs. S. 302).&amp;lt;br /&amp;gt;Möglich wäre auch, das Verb gegen die Akzente noch in die nächste Zeile zu schieben: „Die Mahlmägde hören auf, weil die aus-dem-Fenster-Guckerinnen so wenig geworden sind und sich verfinstert haben“. Dann müssten die Frauen aus der ersten Gruppe kaum noch mahlen, weil die Frauen der anderen Gruppe, denen sie dienstbar sind, so wenige geworden sind. So aber m.W. niemand.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Und sich verfinstern&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;sich verfinstern&#039;&#039; - D.h. zunächst: Man sieht sie schlechter, weil es so dunkel ist (Delitzsch). Gleichzeitig aber starkes Bild: Die Verfinsterung der Welt in V. 2 ist natürlich nicht nur eine Naturschilderung, sondern Bild für das düstere Dasein. Hier verschwimmen beide Ebenen endgültig: Nicht nur die Welt verfinstert sich, sondern sogar die Menschen selbst. Gut BigS + van Ess: „Es wird denen finster, die durch die Fenster sehen“; am besten PAT: „Dunkel wird es den Frauen, die aus den Fenstern blicken“. Ähnlich in der Zeile zuvor: &#039;&#039;baṭlu&#039;&#039; heißt nicht nur „&#039;&#039;mit etwas&#039;&#039; aufhören“, sondern auch schlechthin „aufhören[, zu sein]“.&amp;lt;br /&amp;gt;Von Menschen wird dieses Wort sonst nicht mehr gesagt, in [[Klagelieder 5#s17 |Klg 5,17]]; [[Psalm 69#s24 |Ps 69,24]] und im aramäischen Spruch des Aḥiqar 73 („Gute Augen mögen nicht verdunkelt werden / und gute Ohren [mögen nicht verstopft werden]“, Weigl 2010, S. 374) aber von Augen: In Ps und Aḥ wirklich vom Erblinden, in Klg aber wahrscheinlich vom Erblinden-vor-Tränen. Seow nimmt daher an, so müsse auch unsere Stelle verstanden werden: „Die Frauen verfinstern sich“ &amp;lt; „Die Augen der Frauen verfinstern sich“ &amp;lt; „Die Frauen weinen so viel, dass sie kaum noch sehen können“. Fox ähnlich kompliziert: Heb. &#039;&#039;qadar&#039;&#039; heißt ebenfalls „verdunkeln“, wird aber häufiger i.S.v. „trauern“ von Menschen gesagt (z.B. [[Psalm 35#s14 |Ps 35,14]]; [[Jeremia 8#s21 |Jer 8,21]]; [[Jeremia 14#s2 |14,2]]). Das soll entsprechend dann nur hier auch für dieses Wort gelten. Ganz fernliegend schließlich Gordis: „Die Frauen verfinstern sich“ = man sieht sie schlechter, weil sie seltener ans Fenster gehen (so auch H-R: „die durch die Fenster lugen, verbergen sich“) Solche Umwege sind gar nicht nötig und machen den Text schwächer, als er ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; werden die aus-den-Fenstern-Guckerinnen,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;aus-den-Fenstern-Guckerinnen&#039;&#039; - Kohelet ist ein junger Text aus der hellenistischen Zeit. Charakteristisch besonders für diese war es, dass Frauen in der israelitischen Gesellschaft idealiter im Haus bleiben mussten, sich nicht auf öffentlichen Plätzen zeigen sollten und nicht mal im Haus selbst von fremden Männeraugen gesehen werden durften (s. z.B. [[Jesus Sirach 42#s9 |Sir 42,9-14]]; [[2 Makkabäer 3#s19 |2 Makk 3,19]]; 3 Makk 1,18; 4 Makk 18,7; Ps.-Phokylides 215f.). Ein krasses Beispiel aus noch etwas jüngerer Zeit: „&#039;&#039;[Als die Häuser der Juden durchsucht wurden, trauerten diese, weil] die weggeschlossenen (!) Frauen, die nicht in die Öffentlichkeit gingen, und die Mädchen, die zu Hause blieben, weil sie sich aus züchtiger Scham vor Männeraugen selbst vor ihren Verwandten verbargen, nun nicht nur Fremden, sondern sogar Soldaten zum Anblick dargeboten wurden.&#039;&#039;“ (Philo, Flac 89). Ebenso krass aber schon Sir 42,11f.: „&#039;&#039;Wache streng über deine Tochter ...: Wo sie sich aufhält, soll kein Fenster sein, kein Ausblick auf die Wege ringsum; keinem Mann darf sie ihre Schönheit zeigen.&#039;&#039;“ Selbst der Liebende in [[Hohelied 2#s9 |Hld 2,9]] muss daher „durchs Fenster und durchs Gitter“ um seine Angebetene werben. Frauen – besonders höhergestellte Frauen – werden in der Bibel daher noch häufiger am Fenster dargestellt; s. noch [[Richter 5#s28 |Ri 5,28f.]]; [[2 Samuel 6#s16 |2 Sam 6,16]]; [[2 Könige 9#s30 |2 Kön 9,30-37]]; [[Sprichwörter 7#s6 |Spr 7,6]] LXX; [[Tobit 3#s11 |Tob 3,11]] (übrigens gibt es von diesen „Frauen im Fenster“-Motiven zufällig auch bildliche Darstellungen aus dem 9.-7. Jhd.; einige bekanntere Bspp. finden sich z.B. bei [http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/propylaeumdok/1103/1/Rehm_Abschied_von_der_Heiligen_Hure_2003.pdf Rehm 2003, S. 506f.]. Die biblische Frau im Fenster und diese Darstellungen hängen aber nicht miteinander zusammen.). Frauen sind zur Abfassungszeit des Kohelet-Buches also häufig „Fenster-Wesen“; besonders höhergestellte Frauen bekam man anders als durchs Fenster kaum zu Gesicht. Von solchen ist dann eben auch hier die Rede. Orientiert man sich daran, dass auch die meisten der anderen biblischen „Fenster-Frauen“ höhergestellte Frauen sind, kann man annehmen, dass dies auch für die Frauen in diesem Vers gelten muss und dass demnach die Fenster-Frauen sich zu den Mahlerinnen also ebenso verhalten wie die mächtigen Männer zu den Hauswächtern. So z.B. auch Ginsburg, Cohen und Fox.&amp;lt;br /&amp;gt;Seow hat leider auf den Aufsatz von Abramsky 1980 hingewiesen, wo diese die Erzählungen von Siseras Mutter (Ri 5), Michal (2 Sam 6) und Isebel (2 Kön 9) miteinander vergleicht, und ihr Ergebnis zusammengefasst mit „The motif of women who look through the window belongs to a literary convention, often used to express the dashed hopes of the women“ (S. 356). So nun z.B. auch Bartholomew; Enns; Bennett 2018, S. 226f.; Savran 2018, S. 164; Pérez 2020, S. 180. Das ist kaum eine adäquate Widergabe von Abramskys Aufsatz, erst recht keine adäquate Deutung der entsprechenden Stellen und darf daher sicher auch nicht von dort aus hier hineingelesen werden.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|4}} Und man schließen wird die Doppelpforte auf der Straße (?, auf dem Platz, zur Straße / zum Platz hin)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;die Doppelpforte auf der Straße (?, auf dem Platz, zur Straße / zum Platz hin)&#039;&#039; - „Straße“ ist im Heb. nicht &#039;&#039;derek&#039;&#039;, &#039;&#039;oreaḥ&#039;&#039; o.Ä., sondern &#039;&#039;šuq&#039;&#039;: die „geschäftige Straße, auch: der Straßenbasar“ – die „Markt-Straße“. Vgl. arab. &#039;&#039;suq&#039;&#039; („der Markt“). Richtig schon LXX: &#039;&#039;agora&#039;&#039;, „der Platz“. Gut dann Alter: „auf dem Markt“, Kugel 1999, S. 305 + Savran 2018, S. 157: „auf dem Markplatz“, am besten Seow: „auf dem Straßen-Basar“. Schon ibn Tibbon hält die „Doppelpforte zur Straße“ daher für die Tür eines Ladens auf einem Markt, in dem Brot verkauft wird. Der Dual von „Tür“ (daher hier „Doppel-Pforte“) legt allerdings nahe, dass an ein großes, zentrales Tor mit zwei Flügeln gedacht ist. Was diese „Doppelpforte zu/auf“ dieser Marktstraße dann aber sein soll, ist ungewiss; vgl. LamR 1,1: „Jeder &#039;&#039;šuq&#039;&#039; hatte 24 [sc. viele] Passagen“ – man kann sich altorientalische Märkte also nicht als abgeschlossenen Platz vorstellen, zu dem man durch ein Haupttor Zugang hatte (was ohnehin klar ist). Der Sinn des Bilds ist dennoch deutlich: Der Markt der Geisterstadt ist tot, auch öffentliches Leben gibt es dort keines mehr.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Beim (Sinken=) Verklingen des Klangs (der Mühle=) des Mühlsteins;&amp;lt;ref&amp;gt;Die sehr aus der Reihe fallende Formulierung mit &#039;&#039;b-&#039;&#039; + Infinitiv markiert hier wahrscheinlich das Ende eines Unterabschnitts. Ab der nächsten Zeile ist erst mal nicht mehr vom Menschen die Rede. Ein ähnlicher Stilbruch begegnet sonst nur noch in 5f mit Partizip statt Yiqtol oder Weqatal, und auch dort folgt darauf in V. 6 sehr klar ein neuer „bevor“-Unterabschnitt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und (sich erhebt=) erklingen wird der Klang des Vogels (und man aufstehen wird zum/beim Klang des Vogels?; und [jemandes Stimme] sich erheben wird zu Vogelgepiepse?; und sich erheben wird zum Klang=Gesang der Vogel?; und sich [wieder] erheben wird zum Klang des Vogels?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;erklingen wird der Klang des Vogels (und man aufstehen wird zum/beim Klang des Vogels?; und [jemandes Stimme] sich erheben wird zu Vogelgepiepse?; und sich erheben wird zum Klang=Gesang der Vogel?; und sich [wieder] erheben wird zum Klang des Vogels?)&#039;&#039; - Wg. dem Lamed vor „Klang“ auf den ersten Blick etwas wie die Alternativen. Am besten nimmt man es mit Seow und Savran 2018, S. 170 nach JM §125l als Lamed des Subjekts. Alternativ: Variante 1 die meisten Neueren (z.B. Lauha, Murphy, Longman, Schoors, Köhlmoos): Man hat einen so leichten Schlaf, dass man schon wegen Vogelgezwitscher aufwacht („zum“=„wegen“) oder schon beim Hahnenschrei aufsteht („beim“). So fast alle dt. Üss. Variante 2 auch nicht wenige (z.B. Plumptre, Zimmerli, Hertzberg): Alte Menschen bekommen qua Alter eine hohe Stimme, die an Vogelgepiepse erinnert (ist das wahr?). Daher BigS: „so dass das Knirschen der Mühle [das für die Stimme eines alten Menschen stehen soll, s. die Anmerkungen] schwindet, hoch wie das Zwitschern der Vögel klingt.“ Variante 3 nach Ginsburg; der Satz bedeutete dann nur: Vögel fliegen auf, um zu singen. Aber „zum Klang“ wäre doch eine unschöne Umschreibung von „um zu singen“. Ähnlich, aber sprachlich unmöglich, Taylor. Variante 4 z.B. PAT: „der Laut der Mühle verklingt – er wird wieder erklingen mit der Stimme der Vögel“. Ähnlich, und wirklich erwägenswert BB: „das Geräusch der Mühle wird leiser, bis es in Vogelgezwitscher übergeht.“ Verbreitet ist schließlich fünftens noch die Textkorrektur von &#039;&#039;wejaqum leqol&#039;&#039; zu &#039;&#039;wejiqmal qol&#039;&#039;, was heißen soll: „es verwelkt die Stimme“ (z.B. Wildeboer, Zapletal, Levy, Galling, BHS). Daher ZÜR 31: „wenn das Zwitschern des Vögleins erstirbt“. Aber richtig Seow: Nach den bekannten Kognaten (z.B. akk. &#039;&#039;kalmatu&#039;&#039; „Ungeziefer“, arab. &#039;&#039;qaml&#039;&#039; „Laus“, syr. &#039;&#039;qmal&#039;&#039; „schimmlig werden“, &#039;&#039;qalma&#039;&#039; „Laus“, s. Ges18) müsste das heißen: „die Stimme verlaust“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Und herunterkommen werden alle Töchter des Lieds,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Töchter des Lieds&#039;&#039; - Theoretisch könnten das Sängerinnen sein (z.B. Fox: Klagesängerinnen, die sich beugen, wie dies der Klage gemäß ist); nach dem Parallelismus sind es aber sicher ebenfalls die Vögel, die sich nun nicht mehr nur hören lassen, sondern niederlassen: Die Geisterstadt wird durch die Tierwelt zurückerobert.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|5}} Sie laut (außerdem) [schon] aus der Höhe blicken werden (Man sich außerdem vor Hohem fürchten wird und...)&lt;br /&gt;
_Auf {und}&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;jr`w w...&#039;&#039;. &#039;&#039;jr`w&#039;&#039; könnte entweder defektiv geschriebenes &#039;&#039;jjr`w&#039;&#039; (wie plene z.B. [[Deuteronomium 2#s4 |Dtn 2,4]]; [[2 Könige 17#s28 |2 Kön 17,28]]; [[Psalm 33#s8 |Ps 33,8]]) von &#039;&#039;jr`&#039;&#039; („sich fürchten“) sein oder von &#039;&#039;r`h&#039;&#039; („sehen, blicken“) kommen. MT, VUL und ähnlich Syr deuten als die erste Variante, viele MSS, LXX und Sym als die zweite. Gegen die zweite Variante spricht zunächst das &#039;&#039;w-&#039;&#039; („und“), das aber entweder Dittographie (s. Syr) oder emphatisches Waw sein könnte („die &#039;&#039;Schrecken&#039;&#039;“). Die meisten Kommentatoren und alle dt. Üss. folgen MT; wie LXX aber wohl besser Seow, Kamano 2002, S. 232; Savran 2018, S. 171. Poetisch läge das näher: Wenn in den vorangehenden Zeilen von den Vögeln die Rede ist und es auch in den folgenden Zeilen um die Natur gehen wird, läge es näher, wenn das auch für diese beiden Zeilen gälte. Die Deutung als „sich fürchten“ ließe sich leicht aus dem parallelen „Schrecken“ erklären. Ist das so, sollte man außerdem &#039;&#039;gam&#039;&#039; („außerdem“) besser als &#039;&#039;gam&#039;&#039; II („laut“) nehmen; zu diesem Wort vgl. z.B. Dahood 1960, S. 402; Beirne 1963, S. 201-3; McDaniel 1968, S. 31; Hillers 1972, S. 10. Gut dann Savran 2018, S. 171f.: „The strophe as a whole gives increasing importance to the birds – first their voice is heard, then they fly low over the scene, and finally they observe and record [the terror on the street].“&amp;lt;br /&amp;gt;Schoors; Anat 1970, S. 379; Pérez 2020, S. 180 deuten „Hohes“ als Umschreibung für Gott, den „Hohen“. Aber richtig Fox (1989, S. 305): Ohne Artikel ist das extrem unwahrscheinlich; die Rede ist nicht von „dem Hohen“, sondern allgemein von „Hohem“. In seinen beiden jüngeren Kommenataren (1999, S. 327; 2004, S. 80) hat sich Fox dann doch einer Variante dieses Vorschlags angeschlossen: Er will &#039;&#039;miggaboah&#039;&#039; umvokalisieren zu &#039;&#039;miggobah&#039;&#039; („[sie fürchten] die Höhe“. Genauer tatsächlich sogar: „[Sie fürchten] aus der Höhe“, was dann angeben soll, aus welcher Richtung das kommt, was da gefürchtet wird. Aber &#039;&#039;m-&#039;&#039; „aus“ markiert nach &#039;&#039;jr`&#039;&#039; „fürchten“ oft auch nur entsemantisiert das Objekt der Furcht, vgl. DCH IV 278, s. z.B. [[Ijob 5#s21 |Ijob 5,21f.]] &#039;&#039;bis&#039;&#039;; [[Psalm 91#s5 |Ps 91,5]]; [[Jeremia 42#s16 |Jer 42,16]] u.ö. Diese Auflösung wäre bei dieser Deutung klar vorzuziehen). Das ist zwar grammatisch besser, dafür ist aber „sie fürchten die Höhe“ doch wohl kaum ein verständlicher Ausdruck für „sie fürchten Gott-in-der-Höhe“. Außerdem hat dieser Vorschlag natürlich noch grundsätzlich gegen sich, dass dafür erst noch umvokalisiert werden muss.&amp;lt;/ref&amp;gt; die Schrecken auf der Straße (dem Platz)&amp;lt;ref&amp;gt;Wortspiel: Im Wort „Schrecken“ (&#039;&#039;ḥtḥtjm&#039;&#039;) steckt das Wort &#039;&#039;tḥt&#039;&#039; („unten“), was schön mit dem „aus der Höhe“ zusammenstimmt.&amp;lt;br /&amp;gt;Nimmt man dagegen die vorangehende Zeile als „Man fürchtet sich vor Hohem“ (s. vorige FN), bildeten die Zeilen derart einen Merismus: Man fürchtet sich (1) vor Hohem und (2) vor Schrecken-auf-der-Straße = Tiefem &amp;gt; Allüberall lauert Schrecken.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und blühen wird (verachtet werden wird)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Heb. &#039;&#039;wejane`ṣ&#039;&#039;. Nach den Vokalen soll dies offenbar eine Kontraktion eines apokopierten &#039;&#039;wejane`eṣ&#039;&#039; sein („er wird verachtet werden“ so Ginsburg; auch Seow; Kang 2016, S. 333) oder das Wort kommt mit intrusivem Alef von &#039;&#039;nṣṣ&#039;&#039; („er wird blühen“; so LXX, VUL und Syr). Noch einmal anders vokalisiert hat offenbar Sym (s. BHQ *110): &#039;&#039;wina`aṣ&#039;&#039; („und er wird unaufmerksam sein“). Fast alle neueren folgen der zweiten Deutung. Zu Seows Einwand, derartige intrusive Alefs für den Vokal &#039;&#039;e&#039;&#039; gebe es nicht, s. die Bspp. in Kutscher 1974, S. 162 und s. [[Ijob 41#s7 |Ijob 41,7]] &#039;&#039;g`wh&#039;&#039; für &#039;&#039;ge(`)woh&#039;&#039; (s. LXX, Aq, VUL; vgl. Delitzsch 1920 §31b; Sutcliffe 1949, S. 68); [[1 Chroniken 5#s26 |1 Chr 5,26]] vs. [[1 Chroniken 5#s6 |1 Chr 5,6]] (&#039;&#039;plnsr&#039;&#039; und &#039;&#039;pln`sr&#039;&#039; je für &#039;&#039;pilne(`)ser&#039;&#039;); [[Jeremia 34#s1 |Jer 34,1]] vs. [[Jeremia 39#s5 |Jer 39,5]] (&#039;&#039;nbwkdnṣr&#039;&#039; und &#039;&#039;nbwkdn`ṣr&#039;&#039; je für &#039;&#039;nebukadne(`)ṣar&#039;&#039;); wohl auch [[Jesaja 30#s21 |Jes 30,21]] &#039;&#039;t`mjnw&#039;&#039; für &#039;&#039;te(`)minu&#039;&#039; (Delitzsch 1920 §31b). Auch die alte jüd. Deutung von V. 1 (s. dort) setzt ja voraus, dass man &#039;&#039;br`k&#039;&#039; auch unter Absehung von &#039;&#039;`&#039;&#039; als &#039;&#039;boreka&#039;&#039; lesen könne.&amp;lt;/ref&amp;gt; (die Mandel=) der Mandelbaum&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;der Mandelbaum&#039;&#039; - Eine der ersten Pflanzen, die nach dem Winter wieder aufblüht – nämlich gar schon, bevor ihm Blätter gewachsen sind. Ben Chorin hat ihm daher ein literarisches Denkmal gesetzt, in dem er als Symbol für das Wiedererwachen der Natur erscheint: „&#039;&#039;Freunde, dass der Mandelzweig / sich in Blüten wiegt, / bleibe uns ein Fingerzeig, / wie das Leben siegt.&#039;&#039;“ Ironischerweise gilt dies hier aber &#039;&#039;nur&#039;&#039; für die Natur, dass das „Leben siegt“. Nicht für den Menschen, s. V. 7.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Und sich beladen wird die Heuschrecke&amp;lt;ref&amp;gt;D.h. wohl: „sie frisst sich voll“; vgl. LXX, VUL: „Sie wird fett“. Ähnlich Loretz 1964b, S. 190: „sie wird schwanger“; so wohl auch Syr, daher: „sie vermehrt sich“. Das „schleppt sich ab/dahin“ in fast allen dt. Üss. ist eine andere Deutung des Hithpael („schleppen“ &amp;gt; „sich schleppen“), aber sicher ein false friend: „sich dahinschleppen“ ist ja ein dt. Idiom, das man so sicher nicht auch im Heb. voraussetzen darf.&amp;lt;br /&amp;gt;Fox (2004), Seow, Savran 2018, S. 172; Pérez 2020, Alter u.a. denken, zwischen den beiden Pflanzen müsse auch die „Heuschrecke“ eine Pflanze sein und deuten daher auf den Johannisbrotbaum, weil dieser im Englischen &#039;&#039;locust&#039;&#039; („Heuschrecke“) heißt. Vom Englischen aufs Hebräische zu schließen, ist aber nun wirklich ein non sequitur. Besser noch Ginsberg,Fox 1989, S. 280, NJPS, die den Text von &#039;&#039;ḥgb&#039;&#039; zu &#039;&#039;ḥzb&#039;&#039; („Meerzwiebel“) korrigieren, oder Löw 1881, S. 263, der rein aus dem Kontext ableitet, „Heuschrecke“ sei der Name der Kapernblüte. Beides geht nicht an. So aber ohnehin keine dt. Üs.&amp;lt;br /&amp;gt;Wahrscheinlich ist dies Lakonie: Die Heuschrecke ist eine der großen Plagen Israels; hier dagegen werden ihr nur zwei Worte gewidmet: &#039;&#039;wejistabbel heḥagab&#039;&#039;. So ist der Lauf der Welt: Sieht man vom Menschen ab, frisst die Heuschrecke nun mal das Getreide, und keinen schert&#039;s.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Und brechen (sich vermehren, [ihre Blätter] verlieren?, platzen?, unwirksam werden?)&amp;lt;ref&amp;gt;Meist: &#039;&#039;die Kaper wird unwirksam werden&#039;&#039;. Das macht nur Sinn, wenn man den Abschnitt als Allegorie auf das Alter nimmt (s. die Anmerkungen). Die Kaper regt den Appetit an; dass sie „unwirksam wird“ soll dann heißen: „Selbst Kapern machen einem keinen Appetit mehr!“ Wie man von „brechen“ auf „unwirksam sein“ kommen will, ist mir aber gar nicht klar (Provans „sie bricht [den Bund]“ &amp;gt; „sie tut nicht, was sie zu tun verspricht“ ist reine Fantasterei). Besser entweder: „die Kaper platzt“, die Kapernfrucht verstreut also ihre Samen, ohne geerntet worden zu sein (s. [https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Capparis_cartilaginea_open_fruit.jpg hier] die Darstellung einer aufgeplatzten Kapernfrucht), oder wie Seow und Kang 2016, S. 333: Das Wort sei abzuleiten von einer Wurzel &#039;&#039;*prr&#039;&#039; II, deren Bed. aus dem arab. &#039;&#039;farra&#039;&#039; („abfallen, abwerfen“) als „Blätter verlieren“ erschlossen werden könne. Beide Bedd. lassen sich aber sonst nicht belegen. Versuchsweise sei daher hier vorgeschlagen: „die Kaper bricht“ (die übliche Bed. des Wortes). Besonders charakteristisch nämlich ist für die Kaper, dass sie auf Felsen wächst, daher in Palästina wie in Deutschland der Efeu Ruinen überwuchert (vgl. z.B. Moldenke / Moldenke 1952, S. 87; Zohary 1986, S. 98. Die Sträucher z.B., die man von Bildern der Klagemauer kennt – z.B. [https://static.wixstatic.com/media/760046_220640ef170c4d98b484d2e92bf45b71~mv2.jpg/v1/fill/w_740,h_416,al_c,q_90/760046_220640ef170c4d98b484d2e92bf45b71~mv2.webp hier] –, sind Kapernpflanzen.) und diese daher wie der Efeu nach und nach zerstört. Zu einem ähnlichen Bild führte der Vorschlag von Loretz 1964b, S. 190, das Wort sei nicht abzuleiten von &#039;&#039;prr&#039;&#039; („brechen“), sondern von &#039;&#039;prh&#039;&#039; („fruchtbar sein“ &amp;gt; „Die Kaper vermehrt sich“, taucht also nach und nach allerorten auf verlassenen Gebäuden auf). Auch dies wäre wieder Lakonie. Ohnehin gilt das für das ganze Trikolon: 6c hat sechs Silben, 6d sieben, 6e acht: Kürzer kann eine Zeile in der heb. Lyrik kaum sein. Vielleicht daher in der LF erwägenswert: „Mandel blüht, Heuschreck frisst, Kaper bricht.“&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT wird nur von Syr gestützt. LXX, VUL und Sym vokalisieren &#039;&#039;wtpr&#039;&#039; alle nicht als &#039;&#039;wetaper&#039;&#039; („sie bricht“), sondern als &#039;&#039;wetupar&#039;&#039; („sie wird gebrochen“) und übersetzen dann entweder so (Sym) oder als „sie wird zerstreut“ (LXX, VUL). Aq vokalisiert wohl als &#039;&#039;weteper&#039;&#039; oder als &#039;&#039;wetipre&#039;&#039; (def. für &#039;&#039;wetipreh&#039;&#039;, „sie bringt Frucht“). BHK und BHS halten die Vokalisierung von Aq für ursprünglich, BHQ die von LXX und VUL; beide, weil der Hifil des MT transitiv wäre, hier aber kein Objekt genannt wird, das die Kaper zerbrechen könnte (daher der obige Vorschlag). Wie BHQ schon Zimmerli und Krüger, was an ihrer Üs. aber nichts ändert. Wie BHS offenbar niemand (?). Dagegen Perles 1895, S. 30; Fox, Pérez 2020, S. 188 und NJPS wollen ähnlich korrigieren zu &#039;&#039;wetipraḥ&#039;&#039; („sie wird blühen“). Warum das besser sein soll als der graphisch wahrscheinlichere Vorschlag von BHS, verstehe ich nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird die Kaper,&lt;br /&gt;
Der Mensch jedoch (denn der Mensch) zu seinem ewigen Haus&amp;lt;ref&amp;gt;Das &#039;&#039;ewige Haus&#039;&#039; ist noch heute im Judentum ein Ausdruck für das Grab; auch in der Antike breit belegt.&amp;lt;br /&amp;gt;Anders als die vielen Verben zuvor, die alle die Zukunft ausdrückten, ist dieses Verb ein Partizip, womit wahrscheinlich eine allgemeine Wahrheit ausgesagt werden soll. Vgl. zur Aussage ähnlich [[Ijob 14#s7 |Ijob 14,7-10]]. Das Weqatal in der folgenden Zeile ist dann wahrscheinlich nicht wieder Futur, sondern nennt die jeweilige Folge dieses Gangs in das ewige Haus.&amp;lt;/ref&amp;gt; geht&lt;br /&gt;
_Und Klagende auf der Straße (dem Platz) wandeln;&amp;lt;ref&amp;gt;Entweder beim letzten Geleit (so die meisten) oder (so stark Ginsburg): die professionellen Klagesänger und -redner, die für ihre Dienste auch bezahlt wurden – diese gab es tatsächlich – kreisen über die öffentliche Plätze wie Geier, begierig darauf, dass der nächste stirbt. Die Tempusfolge macht die zweite Deutung aber unwahrscheinlich. Der „Schrecken auf der Straße“, den die Vögel beobachten können, sind daher eher wirklich die fortwährenden Trauerzüge, die gar kein Ende nehmen wollen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|6}} Bevor zerrissen worden sein (?, zerreißen; gebunden werden?, fortlaufen?) wird&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Das Verb ist im Heb. doppelt überliefert: Im Ketiv als &#039;&#039;jirḥaq&#039;&#039; („es läuft fort“), im Qere als &#039;&#039;jerateq&#039;&#039; („es wird gebunden“). Vgl. die graphisch sehr ähnlichen Wörter {{hebr}}ירחק{{hebr ende}} und {{hebr}}ירתק{{hebr ende}}. Sym („es wird geschnitten“) und VUL („es zerreißt“) setzen wohl &#039;&#039;jinnateq&#039;&#039; voraus ({{hebr}}ינתק{{hebr ende}}). Das halten fast alle für den ursprünglichen Text; so auch BHK, BHS und BHQ in seltener Einmütigkeit. Nur wenige orientieren sich an Qere, und dies meist, indem sie &#039;&#039;jerateq&#039;&#039; als „privativen Nifal“ nehmen, also nicht als „es wird gebunden“, sondern als „es wird gelöst“ (z.B. Levy, Gordis, Longman, CTAT V 876f.). Die Grammatiken kennen aber kein privatives Nifal. Seow und Kang 2016, S. 333 folgen ebenfalls Qere, erklären &#039;&#039;rtq&#039;&#039; aber über aram. &#039;&#039;rtq&#039;&#039; („schlagen, klopfen“). Mit diesem Wort ist wahrscheinlich LXX zu erklären („es stürzt um“); LXX stützt also wohl nicht Ketiv (so BHQ *111), sondern Qere; für die Erklärung des MTs ist es aber wertlos, weil es nur Sinn macht im Verein mit Seows fernliegender Deutung von &#039;&#039;ḥebel&#039;&#039; als „Arm eines mehrarmigen Leuchters“, bei der auch Kang richtig nicht mitgeht.&amp;lt;br /&amp;gt;Legt man die drei Wörter nebeneinander, sollte man meinen, dass Qere ursprünglich war, da daraus am einfachsten die beiden Varianten entstanden sein könnten: Ketiv unter Einfluss des &#039;&#039;taruṣ&#039;&#039; („es läuft“) in der folgenden Zeile, LXX, Sym und VUL aufgrund des Nahkontextes (=&amp;gt; „Band“ &amp;gt; „zerreißen“): {{hebr}}ירחק{{hebr ende}} &amp;lt;= {{hebr}}ירתק{{hebr ende}} =&amp;gt; {{hebr}}ינתק{{hebr ende}}. Man könnte dann annehmen, dass hiermit auf einen Bestattungsbrauch angespielt wird: In Mesopotamien (vgl. Wyganski 2014) und später auch in der westlichen Levante (vgl. Golani 2013, S. 219f.) war es üblich, Frauen mit goldenen oder silbernen Haarbändern zu bestatten. Das Verb in der nächsten Zeile übersetzt Dahood 1968b, S. 516 als „the golden bowl is poured out“. Falls das richtig sein kann (&#039;&#039;ruṣ&#039;&#039; habe ich sonst nirgends von Flüssigkeiten gefunden), wäre von Libationen die Rede, die ebenfalls in der ganzen Levante als Bestattungsbrauch bezeugt sind. Zu 6cd vgl. Seow: Auch das Zerbrechen von Tongefäßen war ein Bestattungsbrauch im Alten Israel. Unter der Maßgabe, dass 6b so übersetzt werden könnte wie bei Dahood, wäre hier Qere vorzuziehen; weil das aber zu unsicher ist, muss hier der Standard-Deutung gefolgt werden.&amp;lt;/ref&amp;gt; das Silberband&lt;br /&gt;
_Und zerbrochen sein (zerbrechen, fortlaufen?) wird&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Heb. &#039;&#039;wetaruṣ&#039;&#039;. Auf den ersten Blick „fortlaufen“ von &#039;&#039;ruṣ&#039;&#039;. So deuten hier auch Aq, Theod, und VUL, sonst m.W. nur noch Hengstenberg und Ginsberg, die „laufen“ als „abstürzen“ o.Ä. verstehen, was aber singulär wäre, und Dahood (s. vorige FN). LXX, Sym, Syr und Tg übersetzen dagegen, als sei das Wort &#039;&#039;weteroṣ&#039;&#039; vokalisiert („sie wird zerbrochen“, von &#039;&#039;rṣṣ&#039;&#039;). So auch Raschi, Raschbam und ibn Ezra. So auch alle neueren (auch BHK, BHS, BHQ); bes. gut Gordis (mit richtigem Hinweis auf [[Sprichwörter 29#s6 |Spr 29,6]]; [[Jesaja 42#s4 |Jes 42,4]]): Die Form hier sei nur Zeichen der schrittweisen Verwischung der Konjugationsunterschiede zwischen hohlen Wurzeln und Reduplikativwurzeln. So auch Murphy. Theoretisch möglich außerdem wie Seow: Ursprünglich müsse gar nicht &#039;&#039;weteroṣ&#039;&#039; gewesen sein, weil man &#039;&#039;wetaruṣ&#039;&#039; auch als impersonal verstehen könne: „man wird zerbrechen“. Das ist rein sprachlich gesehen schon wahr, läuft aber ja völlig der Logik des Textes zuwider.&amp;lt;/ref&amp;gt; die Goldschale,&lt;br /&gt;
Und zerstört worden sein (zerstört werden) wird der Eimer über der Quelle&lt;br /&gt;
_Und zerbrochen worden sein (zerbrechen werden) wird das Rad (der Bottich? der Ball?) neben dem Brunnen&amp;lt;ref&amp;gt;Satzteil-Hyperbaton: Zu erwarten wäre, dass das &#039;&#039;Rad&#039;&#039; „über“ dem Brunnen und der &#039;&#039;Eimer&#039;&#039; „neben“ der Quelle steht / hängt. Die Hinterlassenschaften der Menschen sind völlig wirr in der Gegend verstreut.&amp;lt;br /&amp;gt;Wortspiel: Der &#039;&#039;Brunnen&#039;&#039;, heb. &#039;&#039;bor&#039;&#039;, steht bildlich für das Grab (s. zu V. 1); das Wort harmoniert daher sehr gut mit der direkt folgenden Doppelzeile.&amp;lt;br /&amp;gt;Die Zeilen in V. 6 sind unterschiedlich verstanden worden. Klar ist nach der Formulierung (Zeile a+b: „&#039;&#039;Silber&#039;&#039;-Band“ + „&#039;&#039;Gold&#039;&#039;-Schale“, Zeile c+d: „Eimer &#039;&#039;an der Quelle&#039;&#039;“ + „Rad &#039;&#039;neben dem Brunnen&#039;&#039;“), dass Zeilen a+b und c+d zwei Gruppen  bilden. So wollen auch die masoretischen Akzente den Vers gelesen wissen. Viel klarer wird er dadurch aber noch nicht. Am besten versteht ihn wohl Beal 1998, S. 301, der die Gegenstände schlicht Gegenstände sein lässt: „[...] I propose that sustained focus be given to its more literal sense, namely, a description of demolished and abandoned items used in everyday life. [...] The image here is somewhat like that of a ghost town – the aftermath of a city of chaos.“ – Der Vers müsste dann nicht mehr besagen, als was klar darin steht: Überall liegen zurückgelassene Luxus- und Gebrauchsgegenstände herum, ein Bild für die Trostlosigkeit der Geisterstadt – mehr nicht.&amp;lt;br /&amp;gt;Die meisten Kommentatoren werden stattdessen bei diesem Vers zu Hobby-Ingenieuren. Die Mehrzahl unter ihnen orientiert sich dabei immerhin an der Gruppierung der Zeilen in zwei Gruppen: Silberband + Goldschale sollen insgesamt nur eine Vorrichtung sein und Schöpfrad + Eimer ebenso. Genauer nämlich: Weil auch in [[Sacharja 4#s2 |Sach 4,2f.]] von einer Goldschale die Rede ist, denken viele aus irgendeinem Grund, dass auch hier eine aufgehängte Lampe gemeint sein müsse. Dabei ist die Goldschale in Sach 4 nicht einmal die Lampe, sondern das Ölgefäß darüber. Gelegentlich wird das dennoch sogar noch weiter ausgedeutet; der Absturz und das Zerschellen dieser Lampe kann dann z.B. für das Verlöschen des Lebenslichts stehen. Entsprechend denken dann viele außerdem in Zeilen c+d an eine Schöpfvorrichtung: Ein Eimer sei an einem Schöpfrad aufgehängt. Dabei befinden sich Rad und Eimer doch an unterschiedlichen Orten: „Brunnen“ und „Quelle“ können kaum identisch sein. Auch dies wird gern weiter ausgedeutet (was hier immerhin auch in den einzelnen Bildern liegt): Dass Brunnenrad und Eimer zerstört sind, bedeute, dass man nicht mehr an das Wasser des Lebens komme. Noch komplizierter Levy, Gordis und Fox: Nach Fox sind ganz merkwürdig drei Gegenstände – eine Goldschale, ein Eimer und ein Bottich – an einem Silberband über einen Brunnen aufgehängt, und als dieser zerreißt, stürzt alles ab und zerschellt. Und nach Levy und Gordis hängt ein Silberseil über einem Schöpfrad; an einem Ende hängt eine Goldschale, am anderen als Gegengewicht ein Ball (?). Und wieder: Als das Band zerreißt, stürzt alles ab und zerschellt. Mir scheint: Dergleichen steht hier einfach nicht im Text.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
{{S|7}} Und zurückkehren wird (muss)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039; / &#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;wird (muss)&#039;&#039; - Heb. &#039;&#039;wejašob&#039;&#039;, anscheinend also „zurückkehren &#039;&#039;muss&#039;&#039;“ (obligativer Jussiv) statt &#039;&#039;wejašub&#039;&#039; („zurückkehren &#039;&#039;wird&#039;&#039;“, Yiqtol). Das wäre gar nicht problematisch; auch der Yiqtol in der nächsten Zeile kann obligative Bed. haben und es passte ein solcher Obligativ für sich genommen auch gut zu Kohelets Lebensphilosophie. Weil nach den sehr vielen Yiqtols und Weqatals in den vorangehenden Zeilen aber so sehr auch hier Yiqtol zu erwarten wäre, und v.a., weil in der nächsten Zeile mit &#039;&#039;tašub&#039;&#039; wirklich ein solcher  Yiqtol des selben Worts folgt, wollen z.B. BHS, Galling und Krüger 1996, S. 118 den Text von &#039;&#039;wejašob&#039;&#039; zu &#039;&#039;wejašub&#039;&#039; korrigieren. Nötig ist das nicht: &#039;&#039;wejašob&#039;&#039; könnte auch nur ähnlich wie in [[Kohelet 11#s9 |Pred 11,9]]; [[Kohelet 12#s1 |12,1]] (weitere Bspp. bei [[Amos 5#s25 |Am 5,25]]) eine ungewöhnliche Yiqtol-Bildung sein, mit der das Wort lautlich an das &#039;&#039;wenaroṣ&#039;&#039; in der vorangehenden Zeile zusammengeschlossen werden soll (so gut Ginsburg; auch Schoors, Schwienhorst-Schönberger, Köhlmoos).&amp;lt;/ref&amp;gt; der Lehm zur Erde, wie er gewesen ist,&lt;br /&gt;
_Und der Atem zurückkehren wird (muss) zu Gott, der ihn gegeben hat.&amp;lt;ref&amp;gt;Zum V. s. die Anmerkungen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|8}} (Hauch des Hauchs=) Flüchtig, allzu flüchtig“, spricht der Kohelet,&amp;lt;ref&amp;gt;Zum „Namen“ &#039;&#039;Kohelet&#039;&#039; s. zu [[Kohelet 1#s1 |Pred 1,1]].&amp;lt;/ref&amp;gt; „alles ist (Hauch=) flüchtig!“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|9}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|10}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|11}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|12}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|13}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|14}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}} Koh 12,1-7 nimmt man gerne als separates Gedicht und bezeichnet es dann als das „Letzte Gedicht“ oder das „Letzte Lied“ des Kohelet – oft groß geschrieben wie „die Letzten Dinge“, denn: es geht um den Tod. Danach folgen nur noch mit Vv. 9-11 und Vv. 12-14 zwei Anhänge an das Kohelet-Buch aus fremder Hand.&amp;lt;br /&amp;gt;Tatsächlich wird aber damit das rechte Verständnis dieses „Letzten Lieds“ verbaut: Koh 12,1-7 steht nicht für sich, sondern gehört mit Koh 11,7-10 zu einem etwas längeren und komplexeren Abschnitt. Die Sinnlinien dieses Abschnitts sind grob diese:&lt;br /&gt;
* 11,7: Grundsatz: „Das Licht ist gut!“&lt;br /&gt;
* 11,8: &lt;br /&gt;
** 11,8a: Zeitangabe: „So lange dein Leben auch währt,“ &lt;br /&gt;
** 11,8b: Rat 1: „Freue dich deines Lebens“, aber&lt;br /&gt;
** 11,8c: Rat 2: „Denke dabei auch daran, dass dunkle Tage sich einstellen können“. Denn: &lt;br /&gt;
** 11,8e: Schlusssatz: „Alles, was kommt“ – inklusive den lichten Tagen – „ist flüchtig“. [Dieser Vers ist wichtig: Kohelet setzt hier deutlich voraus, dass auch bei einem langen Leben jeder Tag das Potential hat, ein lichter Tag zu sein. Dazu gleich mehr.]&lt;br /&gt;
* 11,9-10: &lt;br /&gt;
** 11,9aα: Rat 1: „Freue dich, Jüngling“&lt;br /&gt;
** 11,9aβ: Zeitangabe: „in den Tagen deiner Jugendzeit“&lt;br /&gt;
** 11,9c-10b: Entfaltung von Rat 1: Genieße dein Leben, sofern du dich dabei in den ethischen Schranken bewegst, die Gott dir gesetzt hat. Sonst wird er dich dafür bestrafen [und so führtest du selbst Dunkeltage herbei, s. [[Kohelet 8#s12 |Pred 8,12f.]]; auch [[Kohelet 7#s18 |Pred 7,18]]] (11,9e). Noch einmal: Genieße dein Leben. Denn:&lt;br /&gt;
** 11,10c: Schlusssatz: „Jugend und Dunkelhaarigkeit sind flüchtig“&lt;br /&gt;
* 12,1-7:&lt;br /&gt;
** 12,1aα: Rat 2: „Denke an Gott“&lt;br /&gt;
** 12,1aβ: Zeitangabe: „in den Tagen deiner Jugend“&lt;br /&gt;
** 12,1b-7: Entfaltung von Rat 2 (dazu gleich mehr):&lt;br /&gt;
*** 12,1b-d: „...bevor...“&lt;br /&gt;
*** 12,2-5: „...bevor...“&lt;br /&gt;
*** 12,6-7: „... bevor...“&lt;br /&gt;
** 12,8: Schlusssatz: „Flüchtig, allzu flüchtig! Alles ist flüchtig!“ (vgl. ähnlich Schoors; Ogden 1984, S. 193f.; Fredericks 1991, S. 100)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesem letzten Vers endet ursprünglich das Buch Kohelet; passend schlägt er daher einen weiten Bogen zurück zum fast exakt gleich formulierten Vers [[Kohelet 1#s2 |Pred 1,2]], mit dem zusammen er das ganze Buch Koh 1,3-12,7 umrahmt. Denn dies ist ja Kohelets Grund-These: Alles ist flüchtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese groben Linien sind leicht erkennbar. Auch die Frage danach, warum Kohelet einen solchen Fokus gerade auf Jugend und Jugendzeit legt, ist eigentlich schon beantwortet; wird doch gerade aus diesen Versen abgeleitet, dass der &#039;&#039;qahal&#039;&#039;, vor dem der &#039;&#039;qohelet&#039;&#039; referierte, eine Art &#039;&#039;Schulklasse&#039;&#039; aus Jünglingen war (s. zu [[Kohelet 1 |Pred 1]]). „Freu dich, Jüngling, in deiner Jugendzeit“ heißt also zunächst einmal nicht: „Falls du jung bist, freue dich in deiner Jugendzeit“ und gleichzeitig „falls du schon älter bist, hast du Pech gehabt: In der Jugendzeit hättest du dich freuen müssen, denn das Alter ist die Zeit des Leids“, sondern erklärt sich aus der Gesprächssituation – gesagt wird erst mal nur: „&#039;&#039;Du&#039;&#039;, zu dem ich spreche: Freue dich &#039;&#039;jetzt&#039;&#039;“. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das macht die Frage nach der Bedeutung der Verse Pred 12,1-7 aber nicht etwa leichter, sondern viel schwerer – die überwiegende Mehrheit der alten und neuen Kohelet-Forscher:innen hat den Abschnitt nämlich genau so verstanden. Das ist nicht die Auslegung, die mir (S.W.) hier am wahrscheinlichsten scheint; weil sie aber in einem solchen Maße die Mehrheitsmeinung bei der Auslegung dieser Verse ist, sei sie dennoch kurz vorgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Paradigmatisch (und gut) z.B. Zimmer 1999, S. 203:&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &amp;lt;small&amp;gt;&#039;&#039;„Sicherlich wird zu Recht darauf hingewiesen, daß in 12,2ff. zunächst verschiedene Sachverhalte dargestellt werden und daß sich dem Leser damit die Aufgabe stellt, den Zusammenhang dieser z.T. scheinbar beziehungslos nebeneinander stehenden Sachverhalte zu erschließen. Bei diesem Erschließungsprozeß sind m.E. zunächst diejenigen Hinweise dmoninant, die der Leser im Verlauf der Lektüre erhält; und diese verweisen nicht auf die eschatologische oder apokalyptische Bedeutung, die sicherlich zumindest einige der in 12,2ff verwendeten Bilder (auch) haben, sondern auf das Gegenüber von Jugend und Nicht-Jugend. Während man in 11,8 noch unsicher bleibt, was mit den &#039;&#039;finsteren Tagen&#039;&#039; gemeint ist (&#039;&#039;böse Tage&#039;&#039; in einem beliebigen Lebensabschnitt wie in 7,14, das Alter, das Sterben oder die Zeit des Tot-Seins), lenkt die Anrede des jungen Mannes in 11,9 und dann V 10, indem er die Vergänglichkeit der Jugend zu bedenken gibt, die Gedanken des Lesers eindeutig zu den unterschiedlichen Lebensphasen; 12,1 schließlich stellt der Jugendzeit die Mißfallen erweckenden Jahre gegenüber, die zwar nicht mit dem Alter als drittem und letztem großen Lebensabschnitt identisch sein müssen, die aber doch jedem als (mögliche, wenn nicht gar wahrscheinliche) Begleiterscheinungen des fortschreitenden Alters bekannt sind. Und im Fortgang des Leseprozesses wird der Eindruck, daß es sich bei den in 12,2ff geschilderten Sachverhalten um Bilder des Alterns handelt, bestätigt, denn mit dem Alter, zumal dem von erheblichen Gebrechen gezeichneten, kündigt sich der nahende Tod an, der in 12,6 zunächst bildhaft und in 12,7 dann ausdrücklich erscheint.“&#039;&#039;&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Man gelangt zu einer solchen Bedeutung der Verse 2-6, indem man die „beziehungslos nebeneinander stehenden Sachverhalte“ symbolisch auslegt. Es gibt viele verschiedene Varianten dieser symbolischen Auslegung; sehr grob kann man dabei aber eine antike Variante (zu finden in b.Schab 151a-152b, KohR, LevR 18, Tg, bei Hieronymus und den meisten jüdischen Auslegern. S. ausführlicher Knobel 1991, S. 53f.; Kraus 1999f., S. 224-231) und eine moderne Variante (zu finden z.B noch in den Kommentaren von Eaton, Crenshaw, Treier, Longman, Köhlmoos und fast allen älteren Kommentaren; auch noch z.B. bei Frevel 2009, [https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/bitstream/handle/10900/98534/Hieke_123.pdf?sequence=1&amp;amp;isAllowed=y Hieke 2012], Spieckermann 2020) unterscheiden. Nach beiden werden mindestens in Vv. 2-4 Leiden des Alters geschildert und Vers 5f-7 sprechen noch weitergehend vom sich „aus dem Alter automatisch ergebenden“ Tod. In der Reinform der symbolischen Auslegung wird auch V. 5 symbolisch als Beschreibung der Leiden des Alters verstanden; besonders Zeilen c-e dieses Verses sind aber auch bei symbolischen Auslegern äußerst umstritten. Eine ebenfalls recht häufige alternative Auslegung dieser Zeilen ist z.B.: Mit dem Menschen geht es im Alter bergab (Vv. 2-5b), doch unbekümmert davon lebt die Natur wieder auf (Vv. 5c-e), während der Mensch zu Grabe getragen wird (Vv. 5f-7). Hier aber die beiden Reinformen:&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! &amp;lt;small&amp;gt;Vers !! &amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;center&amp;gt;Stelle&amp;lt;/center&amp;gt; !! &amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;center&amp;gt;Antike Allegorese&amp;lt;/center&amp;gt; !! &amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;center&amp;gt;Moderne Allegorese&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 2 ||&amp;lt;small&amp;gt; die Sonne verfinstert sich ||&amp;lt;small&amp;gt; Falten an der Stirn || rowspan=&amp;quot;5&amp;quot; | &amp;lt;small&amp;gt;V. 2 insgesamt: Freudlosigkeit des Daseins alter Menschen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&amp;lt;small&amp;gt; V. 2 ||&amp;lt;small&amp;gt; das Licht verfinstert sich  ||&amp;lt;small&amp;gt; Falten um die Nase (?) &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&amp;lt;small&amp;gt; V. 2 ||&amp;lt;small&amp;gt; der Mond verfinstert sich ||&amp;lt;small&amp;gt; uneinheitlich: Augen / Stirn / Seele / Nase&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 2 ||&amp;lt;small&amp;gt; die Sterne verfinstern sich ||&amp;lt;small&amp;gt; Falten an den Wangen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 2 ||&amp;lt;small&amp;gt; Wolken kehren nach dem Regen zurück||&amp;lt;small&amp;gt; vom vielen Weinen ist der alte Mensch erblindet. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 3 ||&amp;lt;small&amp;gt; Wächter des Hauses zittern ||&amp;lt;small&amp;gt; Rippen werden schwach ||&amp;lt;small&amp;gt; Arme werden schwach&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 3 ||&amp;lt;small&amp;gt; mächtige Männer krümmen sich ||&amp;lt;small&amp;gt; Arme / Beine krümmen sich||&amp;lt;small&amp;gt; Beine krümmen sich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 3 ||&amp;lt;small&amp;gt; Mahlerinnen hören auf||&amp;lt;small&amp;gt; Die wenigen verbliebenen Zähne kauen nicht mehr gut. /&amp;lt;br /&amp;gt;Magen verdaut nicht mehr richtig.||&amp;lt;small&amp;gt; Die wenigen verbliebenen Zähne kauen nicht mehr gut.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 3 ||&amp;lt;small&amp;gt; Fensterfrauen verfinstern sich||&amp;lt;small&amp;gt; Augen werden schwach. ||&amp;lt;small&amp;gt; Ebenso.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 4 ||&amp;lt;small&amp;gt; Doppelpforte wird geschlossen ||&amp;lt;small&amp;gt; Die Körperöffnungen schließen sich (nicht) (sc. Stuhlgang-Probleme). /&amp;lt;br /&amp;gt; (Schön:) Die Türen zur Straße sind die Füße, diese gehen nicht mehr gut. ||&amp;lt;small&amp;gt; Die Lippen artikulieren nicht mehr gut. /&amp;lt;br /&amp;gt;Die Ohren hören nicht mehr gut. /&amp;lt;br /&amp;gt;Man ist sozial isoliert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 4 ||&amp;lt;small&amp;gt; Klang der Mühle verstummt ||&amp;lt;small&amp;gt; Der Magen verdaut nicht mehr ||&amp;lt;small&amp;gt; Wieder: Die Zähne kauen nicht mehr gut.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 4 ||&amp;lt;small&amp;gt; Erheben zu Vogelgezwitscher ||&amp;lt;small&amp;gt; Man hat einen so leichten Schlaf, dass man schon wegen Vogelgezwitscher aufwacht. ||&amp;lt;small&amp;gt; Ebenso. Oder: Die Stimme wird hoch wie Vogelgepiepse.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 4 ||&amp;lt;small&amp;gt; Sinken der Töchter der Musik ||&amp;lt;small&amp;gt; Man kann nur noch leise singen. /&amp;lt;br /&amp;gt; Man wird entscheidungsschwach, weil die Nieren dem Herzen ihren Willen nur leise kund tun. ||&amp;lt;small&amp;gt; Man hört nicht mehr gut. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 5 ||&amp;lt;small&amp;gt; Furcht vor Hohem ||&amp;lt;small&amp;gt; Man fürchtet sich davor, Hügel steigen zu müssen. /&amp;lt;br /&amp;gt;Schön ibn Ezra: Man fürchtet sich vor seinen eigenen Gedanken, die schon im Himmel weilen. ||&amp;lt;small&amp;gt; Ebenso.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 5 ||&amp;lt;small&amp;gt; Schrecken auf der Straße ||&amp;lt;small&amp;gt; Man geht nirgends mehr hin aus Angst davor, nicht den ganzen Weg bewältigen zu können. ||&amp;lt;small&amp;gt; Selbst ebenerdige Wege sind schwer zu bewältigen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 5 ||&amp;lt;small&amp;gt; Mandelbaum blüht ||&amp;lt;small&amp;gt; Die Wirbelsäule wird sichtbar. ||&amp;lt;small&amp;gt; Das Haar wird weiß.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 5 ||&amp;lt;small&amp;gt; Heuschrecke belädt sich ||&amp;lt;small&amp;gt; Man wird impotent. /&amp;lt;br /&amp;gt;Knöchel schwellen an. ||&amp;lt;small&amp;gt; Man wird impotent. /&amp;lt;br /&amp;gt; Man schleppt sich nur noch dahin.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 5 ||&amp;lt;small&amp;gt; Kaper platzt ||&amp;lt;small&amp;gt; Man hat keine Lust mehr auf Geschlechtsverkehr. ||&amp;lt;small&amp;gt; Ebenso, weil die Kaper ein Aphrodisiakum sei (was nicht der Fall zu sein scheint).&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 5 ||&amp;lt;small&amp;gt; Mensch geht ins ewige Haus ||&amp;lt;small&amp;gt; Jedem Menschen ist im Tod ein eigener Ort als „eigenes Haus“ zugewiesen ||rowspan=&amp;quot;2&amp;quot; | &amp;lt;small&amp;gt; selten symbolisch ausgelegt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 5 ||&amp;lt;small&amp;gt; Klagende auf der Straße ||&amp;lt;small&amp;gt; Maden auf dem Körper, wenn man tot ist.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 6 ||&amp;lt;small&amp;gt; Silberband reißt ||&amp;lt;small&amp;gt; Wirbelsäule wird kettenähnlich, wenn man tot ist. ||rowspan=&amp;quot;4&amp;quot; | &amp;lt;small&amp;gt; 6a+b und 6c+d als Symbole für den Tod.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 6 ||&amp;lt;small&amp;gt; Goldschale zerbricht ||&amp;lt;small&amp;gt; Schädel zerbricht, wenn man tot ist.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 6 ||&amp;lt;small&amp;gt; Eimer an der Quelle zerbricht  ||&amp;lt;small&amp;gt;Magen verwest&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;lt;small&amp;gt;V. 6 ||&amp;lt;small&amp;gt; Rad zerbricht ||&amp;lt;small&amp;gt; verschiedene weitere Organe verwesen. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;In der sehr viel älteren Lehre des Ptahhotep (8-21) gibt es eine Passage, mit der sich der so ausgelegte Text dann sehr gut vergleichen ließe:&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &amp;lt;small&amp;gt;&#039;&#039;Gebrechlichkeit ist entstanden, das Greisenalter ist eingetreten,&amp;lt;br /&amp;gt;Schwäche ist gekommen, die kindliche Hilflosigkeit kehrt wieder.&amp;lt;br /&amp;gt;Die Kraft schwindet, denn müde ist mein Herz,&amp;lt;br /&amp;gt;Der Mund ist verstummt, er spricht nicht mehr.&amp;lt;br /&amp;gt;Die Augen sind trübe, die Ohren sind taub,&amp;lt;br /&amp;gt;das Schlafen fällt ihm schwer jeden Tag.&amp;lt;br /&amp;gt;Das Herz ist vergesslich, es erinnert sich nicht an gestern,&amp;lt;br /&amp;gt;der Knochen ist krank wegen der Länge (der Jahre).&amp;lt;br /&amp;gt;Die Nase ist verstopft, sie kann nicht atmen,&amp;lt;br /&amp;gt;denn beschwerlich sind Aufstehen und Niedersetzen.&amp;lt;br /&amp;gt;Das Gute wird zum Schlechten, jeder Geschmackssinn ist geschwunden.&amp;lt;br /&amp;gt;Was das Alter den Menschen antut:&amp;lt;br /&amp;gt;Schlimmes in jeder Weise!&#039;&#039; (Üs.: [https://archiv.ub.uni-heidelberg.de/propylaeumdok/2249/1/Burkard_Die_Lehre_des_Ptahhotep_1991.pdf Burkhard in TUAT III/2], S. 197),&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;und für V. 3 lässt sich das diese Interpretation auch recht gut verteidigen: Auch Galen bezeichnet die Arme die „Wächter des Hauses“, das der Körper ist, und die Zähne als „Mühlen“ (vgl. Braun 1973, S. 105); ähnlich heißen sie im Arabischen „die Müllerinnen“ (s. ibn Tibbon). Eine Deutung der „mächtigen Männer“ als Beine wäre nach der Rede von den Armen sehr naheliegend, ebenso die Bed. „Augen“ von „die Guckerinnen“.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber: Die Bedeutung der anderen Bilder wäre weniger offensichtlich, das Nebeneinander von bildlicher und nicht-bildlicher Rede wäre für biblischen Stil zumindest sehr ungewöhnlich; vor allem aber lässt sich diese Auslegung kaum mit [[Kohelet 11#s8 |Pred 11,8]] am Anfang dieses Abschnitts vereinbaren (s. zu V. 1). Es passt auch schwerlich zusammen z.B. mit [[Kohelet 7#s15 |Pred 7,15]]; [[Kohelet 8#s12 |8,12]], wo es als ungerecht und unerklärlich erklärt wird, dass sündige Menschen ein derart langes Leben haben dürfen, das für Kohelet also offensichtlich etwas &#039;&#039;Gutes&#039;&#039; ist. Zuletzt wäre eine solche Auslegung ausgesprochen altersdiskriminierend; sind andere Auslegungen ähnlich plausibel, sollte eine diskriminierungssensible Auslegung die Verse besser anders verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine hilfreiche Übersicht über die meisten der häufiger vorgeschlagenen alternativen Auslegungen findet sich bei [http://www.scielo.org.za/pdf/ote/v23n2/02.pdf Debel 2010]; die Deutung, die hier folgt, ist eine Variante der dort unter Abschnitt (7) zusammengefassten Interpretationen.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Auslegungstyp (7) wird neben den in Debel referierten Auslegungen von Beal, Krüger und Seow mittlerweile z.B. auch vertreten von Kamano 2002, S. 228-234; Takeuchi 2015, S. 169-180; Kang 2016 und ähnlich von Bartholomew.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wie man an der Struktur des Abschnittes (s.o.) sieht, ist &#039;&#039;&#039;12,1-7&#039;&#039;&#039; Entfaltung von 11,8c: „Der Mensch soll eingedenk sein der Tage der Dunkelheit“. Dies wird in &#039;&#039;&#039;V. 1ab&#039;&#039;&#039; direkt wieder aufgegriffen: „Sei eingedenk deines Schöpfers, bevor die argen Tage kommen.“ Wie noch recht häufig im Kohelet-Buch erscheint also auch hier – und noch deutlicher in [[Kohelet 11#s9 |Pred 11,9]] – Gott als jene unbegreiflichen Macht, über die man gerade so weiß, dass sie Freud und Leid verursacht – und Letzteres besonders dann, wenn man gegen seinen Willen verstoßen hat (s. [[Kohelet 3#s17 |Pred 3,17]]; [[Kohelet 5#s5 |5,5]]; [[Prediger 7#s16 |7,16-18]]; [[Kohelet 8#s5 |8,5f.]].[[Kohelet 8#s12 |12f.]]). „Gedenke deines Schöpfers, bevor die argen Tage kommen“, heißt dann also: „Sei gottesfürchtig, &#039;&#039;damit nicht&#039;&#039; arge Tage kommen“; V. 1 ist damit die ausführlichere Fassung des Caveats in 11,9e: „[Genieße dein Leben,] aber wisse dabei, dass Gott dich wegen all diesem vor Gericht bringen wird.“ &#039;&#039;&#039;1cd&#039;&#039;&#039; ist eine Entfaltung dieser argen Tage: Gemeint ist eine Zeit, die dem Menschen gar nichts Freudiges bietet. Eine solche Zeit ist also (hoffentlich) die Strafe für Missetaten (obwohl sie manchmal unbegreiflicher Weise auch über Gerechte hereinbrechen kann).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;&#039;V. 2&#039;&#039;&#039; schließt sich (nach 1b) ein weiterer „bevor“-Nebensatz an. Was hier beschrieben wird, wird dann in Vv. 3-5 noch genauer bestimmt mit einem V. 2 untergeordneten temporalen Nebensatz: Das in V. 2 geschieht „am Tag, an dem...“. Schon hieran sieht man: Was auf das „bevor“ in 2a folgt, ist offenbar nicht identisch mit dem „bevor“-Satz in 1b: Dort geht es um eine Zeitspanne, hier um einen Zeitpunkt. Doch auch dieser Zeitpunkt ist ein „dunkler Tag“; sogar der ultimative dunkle Tag: Mit Vokabular, das der Bibel-Lesende besonders aus apokalyptischen Texten kennt, wird der Zeitpunkt näher beschrieben zunächst als einer, an dem Sonne, Mond und Sterne sich verfinstern, weil nicht enden wollendes Gewölk den Himmel verdeckt. Diesem trostlosen Himmel entspricht in &#039;&#039;&#039;V. 3-4b&#039;&#039;&#039; die trostlose Erde: Selbst starke Wächter zittern und selbst mächtige Männer krümmen sich aus namenlosem Schrecken, die Mahlmägde sind quantitativ kaum noch vorhanden und daher nicht mehr zu hören, die wohlhabenden Frauen qualitativ und daher nicht mehr zu sehen. Dem düsteren Himmel entspricht die dunkle Menschenwelt, in der die Menschen selbst sich „verfinstern“ (3d). Auch außerhalb der Wohnhäuser ist der öffentliche Betrieb in der Stadt zum Erliegen gekommen: Die Marktstraße wurde geschlossen, und, wieder: Nicht einmal das für die Stadt des alten Israel so charakteristische Geräusch des Mahlens lässt sich noch vernehmen. Der Mensch schwindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darauf wendet sich der Blick wieder nach oben: In &#039;&#039;&#039;4c-5e&#039;&#039;&#039; sind statt dem Geräusch des Mahlens nun Vögel zu vernehmen; diese „Töchter des Gesangs“ senken sich langsam über die Stadt und blicken auf den „Schrecken auf der Straße“ hinab. Und unten, da blüht der Mandelbaum auf; statt den Schnittern im Getreidefeld belädt sich die Heuschrecke mit Früchten, und „die Kaper bricht“. Heißt Letzteres (wie oben vorgeschlagen), dass sie aus Ruinen emporwächst und diese „zerbricht“, ist auch dies (wie die Rede von den hinabsteigenden Vögeln in die menschenleere Stadt) ein Bild dafür, wie die Natur diese Geisterstadt zurückerobert (s. ähnlich [[Jesaja 13#s21 |Jes 13,21]]; [[Jesaja 34#s13 |34,13]]; [[Jeremia 50#s39 |Jer 50,39]]). Heißt es dagegen, wie es heute oft stattdessen verstanden wird, dass ihre Früchte aufplatzen oder sie ihre Blätter verliert (s.o.) schildern 5c-e stattdessen den Lebenszyklus der Natur: Der Mandelbaum blüht als erster auf, wenn der Winter sich seinem Ende zuneigt. Die Heuschrecke schreitet im späten Frühjahr oder im Frühsommer an die Ernte, die Kapernfrucht platzt im Hochsommer oder verliert im Herbst ihre Blätter (vgl. ähnlich Köhlmoos; Tantlevskij 2019). Der Mensch dagegen ist (bereits) tot: Zu sehen sind auf den Marktstraßen nur noch Trauerprozessionen, bei denen Klagende den Verstorbenen das letzte Geleit geben (&#039;&#039;&#039;5fg&#039;&#039;&#039;).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;Dieser&#039;&#039; dunkle Tag ist also wirklich der ultimative dunkle Tag: Beschrieben wird das Ende der Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zurück bleiben von ihnen nach dem dritten „bevor“-Nebensatz in &#039;&#039;&#039;V. 6&#039;&#039;&#039; nur noch Überreste: Zerrissene Bänder, zerschellte Schalen, zerborstene Eimer, zerbrochene Räder. Mehr nicht. Denn der Mensch selbst hinterlässt keine Spuren (&#039;&#039;&#039;V. 7&#039;&#039;&#039;): Sein Leib verrottet und wird wieder zu Erde, seinen Atem haucht er aus, worauf dieser spurlos wieder zu Gott zurückkehrt, der ihn dem Menschen erst gegeben hat. Was dann und dort mit diesem Atem geschieht, das weiß Kohelet in [[Kohelet 3#s19 |Pred 3,19-21]] nicht.&amp;lt;br /&amp;gt;Wenn hier anders als dort angenommen wird, dass der Atem des Menschen zu Gott zurückkehrt, darf man dies sehr wahrscheinlich dennoch nicht verstehen als eine Art „Himmelfahrt der unsterblichen Seele“: Der „Lebensatem“ ist ein sehr anderes Konzept als die „Seele“. Selbst in Midrasch ExR 31,15 wird der Vers daher nicht auf eine unsterbliche Seele gedeutet. Als Gott gefragt wird, warum er keinen Lohn für all seine Gaben fordert, antwortet er dort nämlich: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;„Seht, wie viel ich verleihe. Und ich nehme doch keinen Zins. Seht, wie viel die Erde verleiht. Und auch sie nimmt doch keinen Zins. Ich nehme nur das Startkapital, das ich geliehen habe, und auch sie nimmt nur das ihre, wie ja geschrieben steht: ‚Zurückkehren wird der Lehm zur Erde, wie er gewesen, / und der Atem wird zurückkehren zu Gott, der ihn gegeben hat.‘“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was hier also dann doch „zu Gott zurückkehrt“, ist keine „Seele“, sondern nur das Leben, das Gott den Menschen in [[Genesis 2#s7 |Gen 2,7]] &#039;&#039;verliehen&#039;&#039; hat. „Der Atem kehrt zu Gott zurück“ heißt dann nur: „Der Mensch haucht seinen Atem aus“.&amp;lt;br /&amp;gt;So jedenfalls m.W. alle neueren Kommentatoren. Völlig sicher ist das aber nicht: Kohelet (und ebenso Jesus Sirach, [[Jesus Sirach 40#s11 |40,11]]: „Alles, was von der Erde kam, kehrt zur Erde zurück, und was aus der Höhe kam, in die Höhe.“) zitiert hier deutlich ein griechisches Sprichwort, das bei mehreren Autoren belegt ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;Epicharmus&#039;&#039;&#039;: „Sie waren zusammengefügt und lösten sich wieder auf und kehrten zurück an den Ort, woher sie kamen: Die Erde zur Erde, der Geist nach oben.“ &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;Euripides&#039;&#039;&#039;: „Der Körper werde in der Erde begraben. Woher jedes Teil kam, dahin kehrt es zurück: Der Geist zum Äther, der Körper zur Erde. Nicht als unser Eigen besitzen wir sie, nur als Gäste und als Lehen.“ &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;Lukrez&#039;&#039;&#039;: „So steigt alles auf, so kehrt alles zurück: Erde nimmt, was Erde gab, und zurück zum Himmel steigt wieder auf der ätherische Himmelstau, der herunterfiel.“ (&#039;&#039;apud&#039;&#039; Ginsburg 1861, S. 468)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mindestens wird hier also die hebräische Vorstellung vom „Lebensatem“ &#039;&#039;verquickt&#039;&#039; mit der griechischen vom „ätherischen Geist“, und auch Pred 3,19-21 zeigt ja, dass Kohelet zumindest die Vorstellung bekannt war, dass es einen qualitativen Unterschied gebe zwischen menschlichem und tierischem „Atem“, der dann mehr sein muss als nur das Schnaufen der Lebewesen. &#039;&#039;Wie sehr&#039;&#039; hier griechische Vorstellungen mit den hebräischen verschmolzen sind, ist aber nicht zu erkennen.&amp;lt;br /&amp;gt;Vermutlich aber nicht sehr stark, denn was der Sinn dieses Verses in diesem Kontext ist, sagt dann &#039;&#039;&#039;V. 8&#039;&#039;&#039;: „Flüchtig, allzu flüchtig! Alles ist flüchtig“: Der Mensch vergeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pred 12,1-7 ist damit insgesamt die ultimative Warnung zur Gottesfürchtigkeit. Straft Gott, folgen Unglückstage (12,1), oder folgt sogar der ultimative dunkle Tage (12,2-5) – der Todestag, mit dem der Mensch aufhört, „unter der Sonne“ (s. zu [[Kohelet 1#s3 |Pred 1,3]]) zu wandeln, und das, was sich daran anschließt (12,6-7): Das beinahe spurlose Verschwinden des Menschen. Die Zusammenfassung des Kohelet-Buches, die der spätere Ergänzer gleich in Vv. 13f. geben wird, ist zumindest für Pred 12,1-7 also korrekt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=1_Samuel_2&amp;diff=40221</id>
		<title>1 Samuel 2</title>
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		<updated>2025-10-30T20:27:00Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Syntax&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Lesefassung}} &#039;&#039;(kommt später)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|1}} Hanna betete {und sprach}:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein Herz freut sich (jauchzt, frohlockt, triumphiert) über JHWH,&lt;br /&gt;
erhoben (siegreich) ist mein Horn&amp;lt;ref&amp;gt;Das Horn ist ein Symbol der Kraft, des Wohlseins. Das dte. „den Kopf hoch tragen“, „erhobenen Hauptes“ gibt das gemeinte wieder.&amp;lt;/ref&amp;gt; wegen JHWH.&lt;br /&gt;
Weit offen ist mein Mund gegen meine Gegner (Feinde),&lt;br /&gt;
denn ich habe mich über deine Hilfe gefreut (= deiner Hilfe erfreut).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|2}} Keiner [ist] heilig wie JHWH,&lt;br /&gt;
denn außer dir [ist] keiner,&lt;br /&gt;
und [es gibt] keinen Fels&amp;lt;ref&amp;gt;Der Fels ist Zufluchtstätte.&amp;lt;/ref&amp;gt; wie unseren Gott.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|3}} Macht euch nicht groß und redet „hoch, hoch“!&lt;br /&gt;
Freches kommt aus eurem Mund.&lt;br /&gt;
Denn JHWH ist ein Gott des Wissens.&lt;br /&gt;
von ihm werden die Taten der Menschen geprüft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|4}} Der Bogen der Starken ist zerbrochen,&lt;br /&gt;
aber die gestrauchelt sind, gürten Kraft [um sich].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|5}} Die Satten verdingen sich um Brot&lt;br /&gt;
aber die Hungernden hören auf [zu hungern].&lt;br /&gt;
Die Unfruchtbare gebiert sieben,&lt;br /&gt;
aber die viele Kinder hat, trocknet ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|6}} JHWH tötet (lässt sterben) und erhält am Leben (macht lebendig), &lt;br /&gt;
er lässt herabsteigen (bringt hinab) in den Scheol&amp;lt;ref&amp;gt;Das Totenreich, die Unterwelt, tief unter der Erdscheibe gelegen.&amp;lt;/ref&amp;gt; und er lässt hinaufsteigen (bringt hinauf).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|7}} JHWH macht arm (lässt verarmen) und macht reich, &lt;br /&gt;
er erniedrigt (demütigt) und&amp;lt;ref&amp;gt;אף dient zu Betonung des Gesagten, wird oft mit „und“ wiedergegeben, Gesenius S. 86.&amp;lt;/ref&amp;gt; erhöht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|8}} Er stellt auf (richtet auf) aus dem Staub den Hilflosen, aus der Abfallgrube (dem Aschehaufen) erhöht er den Armen, &lt;br /&gt;
um [ihn] unter Fürsten zu setzen, &lt;br /&gt;
und den Thron (Sessel) der Ehre (des Ruhms, des Reichtums) teilt er ihnen als Erbschaft aus. &lt;br /&gt;
Denn für JHWH [sind] (JHWH gehören) die Säulen der Erde, &lt;br /&gt;
und auf sie hat er gesetzt das Festland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|9}} Die Füße seiner Frommen&amp;lt;ref&amp;gt;An anderen Stellen (z.B. Ps. 50,5) ist mit den „Frommen JHWHs“ vermutlich ganz Israel gemeint.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird er bewachen (behüten) &lt;br /&gt;
und die Frevler (Gottlosen) werden umkommen (verstummen) in der Finsternis. &lt;br /&gt;
Denn nicht aus [eigener] Kraft wird ein Mann (Mensch) stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|10}} JHWH macht mutlos, die sich gegen ihn wenden;&lt;br /&gt;
er lässt es donnern im Himmel.&lt;br /&gt;
JHWH hält Gericht über die Enden der Erde&lt;br /&gt;
und gibt Macht seinem König&lt;br /&gt;
und richtet das Horn auf seines Gesalbten&amp;lt;ref&amp;gt;Hebräisch: Meschiach. Hier ist aber noch nicht an den Messias gedacht, sondern an den König, der mit Öl zum König gesalbt wird (vgl. 1.Samuel 10 und 16). Eigentlich dürfte an dieser Stelle noch nicht vom König die Rede sein, denn das Königtum wird ja erst mit Saul eingesetzt.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|11}} Und Elkana ging nach Rama in sein Haus. Und der Knabe diente JHWH vor dem Priester Eli.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|12}} Aber die Söhne Elis waren nichtsnutzige Söhne. Sie wussten nichts von JHWH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|13}} und der Pflicht der Priester gegenüber dem Volk. Zu jedermann, der opferte, kam der Knecht des Priesters, wenn das Fleisch kochte, und hatte eine dreizinkige Fleischgabel in seiner Hand&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|14}} und steckte sie in den Kessel&amp;lt;ref&amp;gt;Es folgen vier Begriffe für Kochgefäße, von denen man heute nicht mehr sagen kann, was sie bezeichnet haben. Luther zählt auf: Tiegel, Kessel, Pfanne, Topf; Zürcher Bibel: Becken, Topf, Kessel, Pfanne; BasisBibel: Kessel, Topf, Pfanne, Schüssel. Man wird hier wohl frei verschiedene Arten von Kochgeschirren aufzählen dürfen.&amp;lt;/ref&amp;gt; oder den Kochtopf oder den Kessel oder den Kochtopf. Alles, was die Fleischgabel heraufholte, nahm der Priester für sich. So taten sie an ganz Israel, die dort nach Silo kamen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|15}} Auch bevor sie das Beste (das Fett) in Rauch aufgehen ließen, da kam der Knecht des Priesters und sagte zum Menschen, der opferte: Gib Fleisch zum Braten für den Priester, aber nimm nicht gekochtes Fleisch von dir, sondern rohes&amp;lt;ref&amp;gt;Wörtlich: lebendes.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|16}} Und wenn der Mensch ihm antwortete: Das Beste (das Fett) soll jetzt in Rauch aufgehen, dann nimm dir, was deine Seele sich wünscht, sagte er: Nein! Sondern jetzt gib [es]! Wenn nicht, nehme ich [es] mit Gewalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|17}} Und die Sünde der Knechte war sehr groß vor dem Angesicht JHWHs, denn die[se] Menschen verachteten das Speiseopfer JHWHs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|18}} Und  Samuel diente vor JHWH. Der Knabe war umgürtet mit einem leinernen Priestergewand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|19}} Und ein kleines Obergewand machte ihm seine Mutter und brachte es ihm hinauf jährlich, wenn ihr Mann hinaufging, um das jährliche Opfer darzubringen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|20}} Und Eli segnete Elkana und seine Frau und sprach: JHWH gebe dir Nachkommen von dieser Frau anstelle des erbetenen, der von JHWH erbeten wurde. Und sie gingen zu ihrem Ort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|21}} Denn JHWH suchte Hannah auf und sie empfing und gebar drei Söhne und zwei Töchter. Und der Knabe Samuel wurde kräftig bei JHWH.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|22}} Und Eli war sehr alt und er hörte alles, was seine Söhne ganz Israel antaten und dass sie sich legten zu den Frauen, die Dienst taten vor dem Zelt der Begegnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|23}} Und er sprach zu ihnen: Warum tut ihr diese Geschichten, die ich höre, eure bösen Taten, von diesem ganzen Volk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|24}} Tut das nicht, meine Söhne, denn das Gehörte ist nicht gut, das ich höre von den Opfernden aus dem Volk JHWHs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|25}} Wenn sich ein Mensch gegen einen Menschen verfehlt, entscheidet Gott; aber wenn sich ein Mensch gegen JHWH verfehlt, wer ist dann sein Schiedsrichter? Aber sie hörten nicht auf die Stimme ihres Vaters, denn JHWH wollte sie töten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|26}} Aber der Knabe Samuel wurde immer größer und war beliebt sowohl bei Jahwe als auch bei den Menschen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|27}} Und es kam ein Mann Gottes zu Eli und er sprach zu ihm: So spricht JHWH: Habe ich mich nicht gerade&amp;lt;ref&amp;gt;Wiedergabe der figura etymologica (Infinitiv und finites Verb desselben Wortes betonen/ steigern die Bedeutung des Wortes).&amp;lt;/ref&amp;gt; dem Haus deines Vaters offenbart,  als sie in Ägypten waren und dem Haus des Pharao gehörten?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|28}} Und ich erwählte ihn aus allen Stämmen Israels mir zum Priester, zu opfern auf meinem Altar und Räucherwerk zu räuchern und vor mir den Priesterschurz zu tragen. Und ich gab dem Haus deines Vaters alle Feueropfer der Kinder Israels.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|29}} Warum seht ihr mit Unlust meine Schlachtopfer und Speiseopfer, die ich befohlen habe für meine Wohnung? Und du hast deine Söhne mehr geehrt als mich, dass ihr euch mästetet am Besten aller Speiseopfer meines Volkes Israel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|30}} Darum, Spruch Jahwes, des Gottes Israels: Gewiß&amp;lt;ref&amp;gt;Figura etymologica.&amp;lt;/ref&amp;gt; habe ich gesagt, dein Haus und das Haus deines Vaters werden vor mir wandeln in Ewigkeit. Aber jetzt, Spruch Jahwes: Das sei ferne von mir! Denn wer mich ehrt, den werde ich ehren und wer mich gering schätzt, die werden gering (verächtlich) sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|31}} Siehe, es werden Tage kommen, da werde ich deinen Arm abhauen und den Arm des Hauses deines Vaters, so dass kein alter Mann mehr in deinem Haus sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|32}} Und du wirst mit Unlust sehen einen Fremden in der Wohnung Gottes mit allem, was er Israel Gutes erweist. Und es wird kein alter Mann sein in deinem Haus sein alle Tage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|33}} Und ein Mensch wird nicht ausgerottet von dir vom Altar, damit deine Augen erlöschen und deine Seele verschmachtet. Die ganze Mehrzahl deines Hauses wird sterben, [wenn sie] erwachsen [sind].&amp;lt;ref&amp;gt;Wörtlich: Männer.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|34}} Und das soll das Zeichen sein für dich, was kommen wird über deine beiden Söhne, über Hofni und Pinchas: an einem Tag werden beide sterben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|35}} Und ich werde mir beschaffen einen verlässlichen Priester, der handelt nach meinem Herzen und meiner Seele, und ich baue ihm ein festes Haus, und er wird wandeln vor meinem Gesalbten alle Tage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|36}} Und es wird geschehen: Jeder, der übrig bleibt in deinem Haus, wird kommen, um ihn zu bitten um Bezahlung mit Geld und um ein Rundbrot und er wird sprechen: Geselle mich doch zu einem aus deiner Priesterschaft, damit ich einen Brocken Brot zu essen habe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Exodus_20&amp;diff=40220</id>
		<title>Exodus 20</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Exodus_20&amp;diff=40220"/>
		<updated>2025-10-30T20:23:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Syntax&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Zuverlässige Studienfassung}}&lt;br /&gt;
{{Lesefassung kann erstellt werden}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Lesefassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
((Die Zehn Sprüche))&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{L|1}} Dann sprach Gott alle diese Sprüche:&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{L|2}} „Ich bin (/|Jahwe|/euer HERR/ICH/), euer Gott, der euch aus eurem Sklavenhaus, aus dem Land der Ägypter, geführt hat.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{L|3}} Ihr dürft in meiner Gegenwart keine anderen Götter haben – {{L|4}} das heißt, ihr dürft euch kein Kultbild anderer Götter machen: Keinerlei Darstellung von etwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde –; {{L|5}} ihr dürft euch vor ihnen nicht verneigen und euch ihnen nicht unterwerfen lassen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn ich, (/euer HERR/ICH/), euer Gott, bin ein eifersüchtiger Gott. Wer mich hasst, für dessen Verbrechen bestrafe ich noch seine Nachkommen bis zur dritten, nein, bis zur vierten Generation; {{L|6}} aber meine Güte erweise ich bis zur tausendsten Generation an denen, die mich lieben und meinen Geboten folgen.&amp;lt;ref&amp;gt;Missverständlicher Satz, der zusammen mit [[Numeri 14 |Num 14]] gelesen werden muss: Dort handelt Gott explizit nach dem Prinzip „4 Generationen Strafe, 1000 Generationen Güte“ – und &#039;&#039;vergibt&#039;&#039; daher den Schuldigen. „4 Generationen Strafe, 1000 Generationen Güte“ heißt also wahrscheinlich nur: „Weitaus bereiter zur Vergebung als zur Strafe“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{L|7}} Ihr dürft euch nicht unheilvoll (/zu eurem HERRN/zu MIR/), eurem Gott, bekennen, denn (/euer HERR/ER/) wird denjenigen nicht freisprechen, der sich unheilvoll zu ihm bekennt.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{L|8}} Vergiss nicht, den Sabbat-Tag als heiligen Tag zu begehen! {{L|9}} Sechs Tage lang dürft ihr arbeiten und deinen Geschäften nachgehen, {{L|10}} aber der siebte Tag ist der Sabbat; er gehört (/eurem HERRN/IHM/), eurem Gott. Da dürft ihr keinem Geschäft nachgehen: Ihr nicht, euer Sohn und eure Tochter nicht, euer Knecht und eure Magd und euer Vieh und euer bei euch angestellter Immigrant aus eurem Ort nicht! {{L|11}} Denn sechs Tage lang hat (/euer GOTT/ER/) den Himmel und die Erde, das Meer und alles, was darauf und darin ist, gemacht, aber am siebten Tag hat er sich ausgeruht. Deshalb hat (/euer GOTT/ER/) den Sabbat-Tag gesegnet und ihn zum heiligen Tag erklärt.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{L|12}} Seid respektvoll und gehorsam gegenüber eurem Vater und eurer Mutter. Dann werdet ihr lange leben können auf dem Land, dass (/euer HERR/ER/), euer Gott, euch geben wird.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{L|13}} Ihr dürft weder Mord noch Totschlag begehen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{L|14}} Ihr dürft keine Ehe brechen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{L|15}} Ihr dürft nicht stehlen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{L|16}} Ihr dürft vor Gericht nicht falsch gegen euren Mitmenschen aussagen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{L|17}} Ihr dürft euch das Haus deines Mitmenschen nicht aneignen wollen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr dürft die Frau eures Mitmenschen oder seinen Knecht oder seine Magd oder sein Rind oder seinen Esel oder irgendjemanden, der eurem Mitmenschen gehört, nicht entführen wollen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
((Mose wird zum Sprecher Israels))&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{L|18}} Währenddessen sah das ganze Volk die Donnerschläge und das Feuer und das Schofargetöse und den rauchenden Berg. Da fürchtete sich das Volk, zitterte, stellte sich weit entfernt hin {{L|19}} und sagte zu Mose: „Sprich du mit uns! Dann wollen wir hören. Aber (/unser GOTT/ER/) soll nicht mit uns sprechen, sonst sterben wir!“&amp;lt;br /&amp;gt;{{L|20}} Mose antwortete dem Volk: „Fürchtet euch nicht! Gott wollte euch auf die Probe stellen; er will ja, dass ihr euch stets vor Augen haltet, dass ihm Ehrfurcht gebührt, so dass ihr nicht sündigt.“&amp;lt;br /&amp;gt;{{L|21}} Und so blieb das Volk in der Ferne stehen, während Mose sich dem Wolkendunkel nahte, wo Gott war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
((Offenbarung des Bundesbuchs))&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{L|22}}&lt;br /&gt;
{{L|23}}&lt;br /&gt;
{{L|24}}&lt;br /&gt;
{{L|25}}&lt;br /&gt;
{{L|26}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|1}}&amp;lt;ref&amp;gt;Die Offene Bibel folgt hier der Verszählung der BHS. Recht eigentlich ist das nicht gut zu rechtfertigen. Im hebräischen Text entspricht der europäischen Einteilung in „Verse“ die Gliederung desselben durch besondere Lesezeichen namens „Akzente“. Für Ex 20 und Dtn 5 gilt die Besonderheit, dass in den einflussreichsten hebräischen Handschriften zwei Weisen der „Verszählungen“ gleichzeitig durch die masoretischen Akzente markiert werden. Die erste, „&#039;&#039;ṭa´ame ha-`eljon&#039;&#039;“ genannt („obere Akzente“), teilt den Text in zehn Abschnitte, die offenbar der Zehnzahl der Sprüche entsprechen sollen. Die zweite („&#039;&#039;ṭa´ame ha-taḥton&#039;&#039;“, „untere Akzente“) akzentuiert den Text, wie man gewöhnliche biblische Texte akzentuieren würde, und zieht daher z.B. die vier kurzen Sprüche gegen Ende zu einem Vers zusammen. In der lateinischen Tradition der Verszählung wurden aber &#039;&#039;beide&#039;&#039; zusammenaddiert, weshalb in westlichen Bibeln die zehn Sprüche erst in V. 17 enden.&amp;lt;br /&amp;gt;Einer der Gründe für das Aufkommen der besonderen Akzentuierung war gewiss, dass unsicher ist, &#039;&#039;welche&#039;&#039; der nun folgenden Sätze jeweils zu den „&#039;&#039;zehn&#039;&#039; Sprüchen“ zusammengezogen werden müssen: Auch, wenn wir naheliegend davon ausgehen, dass jeder mindestens ein Ge- oder Verbot enthalten muss, finden wir insgesamt mindestens 12 davon, die irgendwie zu kombinieren sind (vgl. zur Problematik schön allgemeinverständlich z.B. Youngblood 1994). Einigkeit herrscht bei V. 7-16. Aber erstens ist V. 17 in Dtn 5 so gestaltet, dass man ihn dort als zwei Gebote auffassen muss. So zählen auch traditionell v.a. Katholiken und Lutheraner; so wird aber auch bereits durch die Einteilung des hebräischen Texts durch Freiräume („Petucha und Setuma“) gedeutet, die daher in Ex 20 nur auf 9 Abschnitte kommt. Zweitens und vor allem sind Vv. 2-6 umstritten: In der synagogalen Interpretation nimmt man heute V. 2 als eigenes Gebot und dann Vv. 3-6 als &#039;&#039;ein&#039;&#039; langes Gebot über die Verehrung fremder Götter. So gliedern auch Katholiken und Lutheraner, nehmen V. 2 dann aber als Prolog für alle zehn Sprüche. Ebenfalls in der synagogalen Interpretation verbreitet war die alternative Ansicht, Vv. 2-6 bildeten nur &#039;&#039;ein&#039;&#039; Gebot (und V. 17 dann eben zwei). Die Stuttgarter Handschrift [https://digital.wlb-stuttgart.de/sammlungen/sammlungsliste/werksansicht?tx_dlf%5Bdouble%5D=0&amp;amp;tx_dlf%5Bid%5D=8528&amp;amp;tx_dlf%5Border%5D=title&amp;amp;tx_dlf%5Bpage%5D=206&amp;amp;cHash=a73852f24a7663b9f1417e08e45ca0d3 Cod.Bibl.fol. 2] etwa, wo für gewöhnlich nach jedem hebräischen Vers der entsprechende Vers eines Targum steht, hat daher hier den Targum erst nach V. 6; so will neuerdings auch wieder DeRouchie 2013 gliedern. Orthodoxe, reformierte und anglikanische Kirchen sehen V. 2 ebenfalls als Prolog für die gesamten 10 Sprüche, teilen dann aber auf in die zwei Gebote V. 3 und Vv. 4-6. Adventisten schließlich zählen Vv. 2-3 als das erste und Vv. 4-6 als das zweite Gebot.&amp;lt;br /&amp;gt;[[Datei:Ex 20,2-4.png|mini|Links: Damaskus-Pentateuch. Oben: „Bei ‚Ich‘ gehört der Akzent Paschta zu den unteren Akzenten[, die erste Akzentreihe der &#039;&#039;oberen&#039;&#039; endet also mit V. 2, weil die untere weiter reicht].“&amp;lt;br /&amp;gt;Unten erklärt Jacobson als: „[Erst] ‚Du sollst nicht machen‘ [in V. 4 ist] Versbeginn bei den unteren Akzenten“, heißt aber nur: „Merka gehört zur unteren Akzentreihe[, ergo das folgende Pazer zur oberen].“&amp;lt;br /&amp;gt; Rechts: G20. Oben:  „Bei ‚Ich‘ gehört der Akzent Tifcha zu den unteren Akzenten[, also endet die erste Akzentreihe der &#039;&#039;unteren&#039;&#039; Akzente mit V. 2, die der oberen also frühestens in V. 3].“&amp;lt;br /&amp;gt;Das „Bei ‚du sollst nicht haben‘ [in V. 3] gehört Merka zu den unteren Akzenten“ müsste dann allerdings ein Fehler sein. Bei der nächsten Anmerkung ist G20 aber wieder auf der früheren Spur.]]&#039;&#039;&#039;Genauer&#039;&#039;&#039;: Man nimmt heute gemeinhin an, die masoretischen Akzente sprächen für die erste synagogale Interpretation: V. 2 als erstes Gebot, Vv. 3-6 als zweites und V. 17 als &#039;&#039;ein&#039;&#039; Doppelgebot. Das ist so aber wahrscheinlich nicht richtig, was offenbar bisher noch niemandem aufgefallen ist. Welche Akzente jeweils zu den die Gebote markierenden &#039;&#039;ṭa´ame ha-`eljon&#039;&#039; gehören, ist nicht immer klar zu erkennen. Vgl. zur heute traditionellen Interpretation bes. ausführlich Japhet 1896, S. 157-166 (man ignoriere seine Ausführungen zum Rebia in V. 2; dieses ist nur ein Druckfehler in seiner Textausgabe). Breuer 1990 nun hat versucht, diese Interpretation noch weiter abzustützen, indem er erstens die Regel aufgestellt hat, zu den &#039;&#039;ṭa´ame ha-`eljon&#039;&#039; gehörten bei nebeneinanderstehenden Akzenten immer die Linken, und indem er auf den Damaskus-Pentateuch hingewiesen hat, wo vermerkt ist, dass der Silluq am Ende von V. 3 &#039;&#039;nicht&#039;&#039; zu dieser Reihe gehöre, wonach man also V. 3 bei der Gebotszählung nicht von V. 2 scheiden dürfe. Bei dieser Interpretation der Akzente sind ihm Jacobson o.J. und DeRouchie 2013 gefolgt; auch Dotan druckt die 10 Sprüche so in der Biblia Hebraica Leningradensia ab. Aber die Rechts-Links-Regel scheint falsch zu sein; man vergleiche rechts die Position der beiden Merkaim. Und neben den Anmerkungen im [https://www.loc.gov/resource/gdcwdl.wdl_11364/?sp=145&amp;amp;r=0.063,0.092,0.599,0.302,0 Damaskus-Pentateuch], die ähnlich übrigens auch im „[https://digitalcollections.jtsa.edu/islandora/object/jts%3A267103#page/197/mode/1up Codex Hilleli]“ und in [https://www.nli.org.il/en/discover/manuscripts/hebrew-manuscripts/viewerpage?vid=MANUSCRIPTS&amp;amp;docid=PNX_MANUSCRIPTS990001516540205171-1 EVR I Bibl 86] (Bild 88) stehen (die Randbemerkungen geben übrigens, wenn man diese drei Handschriften vergleicht, an, welche konjunktiven Akzente zu den unteren Akzenten gehören, nicht, wo jeweils ein Vers beginnt), scheint z.B. [https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b107203474/f104.item.zoom G20] eine alternative Tradition zu bezeugen, nach der die erste Akzentreihe der &#039;&#039;ṭa´ame ha-`eljon&#039;&#039; &#039;&#039;nicht&#039;&#039; in V. 2 endet. Nach dieser Tradition reichte wie bei den Adventisten das erste Gebot von V. 2 bis V. 3 und das zweite von V. 4 bis V. 6, wie wahrscheinlich auch schon JosAnt 3.91f und Philo, Dec 50f. und sicher Sifre Num 112 gegliedert haben. Damit lassen hebräische Handschriften zu: (1) Vv. 2-6 sind &#039;&#039;ein&#039;&#039; Gebot (Petucha und Setuma; Targum). (2) V. 2 ist Prolog oder &#039;&#039;ein&#039;&#039; Gebot und Vv. 3-6 sind &#039;&#039;ein&#039;&#039; weiteres (Akzente: Tradition 1; Judentum, Katholiken, Lutheraner). (3) Vv. 2-3 sind ein Gebot und Vv. 4-6 ein weiteres (Akzente: Tradition 2; Adventisten). Von den Handschriften her – die, wie man hier schön deutlich sieht, aber ja auch nur &#039;&#039;bestimmte&#039;&#039; theologische Traditionen und Interpretationen festhalten, nicht „die richtige“ Interpretation – ist nur die Interpretation unmöglich, die nur V. 3 und Vv. 4-6 als zwei Gebote betrachtet.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Anm. d. ZL (S.W.)&#039;&#039;&#039;: Übrigens irritiert mich sehr, wie in Ex 20 das Lesezeichen Sof Pasuq verwendet wird. In Dtn 5 folgt die SP-Setzung offenbar keiner Regel. Aber in Ex 20 finden wir 10x Sof Pasuq, und dies offenbar unabhängig von der oberen und unteren Akzentuierung. Möglicherweise wird durch Sof Pasuq also auch noch eine vierte (!) Zählweise festgehalten, bei der V. 6 als eigener Ausspruch herausgehoben werden sollte: (1) V. 2 („Ich bin dein Gott“) – (2) Vv. 3-5 (Fremdgötter und Götterbilder) – (3) V. 6 (1000 Generationen Gnade) – (4-9) Vv. 7-16 (Name - Falschzeugnis) – (10) V. 17 (Begehren).&amp;lt;/ref&amp;gt;Dann sprach Gott alle diese Sprüche (Worte) {wie folgt}:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|2}} „Ich [bin] JHWH, dein&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;dein&#039;&#039; - Wer ist „Du“? Die Frage hat zwei Seiten: „Du“ in den 10 Sprüchen ist singular und maskulin. Ist mit diesem Sg.-Mask.-„Du“ das ganze Volk Israels als Kollektiv gemeint oder sind einzelne Personen angesprochen? Und nachdem das „Du“ in den nachfolgenden Sprüchen z.B. Eltern, Knechte und eigene Immigranten (!) hat, Ehen brechen kann, also männlich ist (s. zum Spruch) und nach Ehefrauen anderer „gieren“ kann – gehört jede:r Israelit:in zum angesprochenen Kollektiv Israel resp. zu den angesprochenen einzelnen „Dus“ oder nur bestimmte Gruppen? Die Frage ist gar nicht sehr umstritten: Besonders einflussreich bei der zweiten Frage war in der neueren Auslegung Crüsemann 1983, S. 28f., der aus den verschiedenen Sprüchen eine Adressatengruppe herauskonstruiert hat: Angesprochen seien ausschließlich erwachsene, volljährige, männliche, besitzende, freie Bio-Israeliten (ebenso z.B. Clines 1995, S. 33; Houtman 2000; Schmitz 2021, S. 18-21 und von Ex 19 her Plaskow 1991, S. 25-27). Mir (S.W.) scheint aber: Es würde doch auch niemand ernsthaft behaupten, dass wegen dem Gebot, Vater und Mutter zu ehren, nur jene angesprochen sind, bei denen sowohl Vater als auch Mutter noch am Leben sind. Dass mehrere Gebote nur für Untergruppen der Dekalog-Adressaten &#039;&#039;relevant&#039;&#039; sind, lässt keinen Schluss darauf zu, wer im Dekalog tatsächlich &#039;&#039;adressiert&#039;&#039; ist.&amp;lt;br /&amp;gt;Was die erste Frage angeht: Eine recht große Mehrheit denkt heute, dass nicht Israel als Ganzes mit dem „Du“ gemeint sei, sondern: „Die Seele des Dekalogs aber ist sein ‚Du‘; hier wird [...] geboten, und zwar [je]dem [Einzelnen], der angesprochen wird, dem Hörer. [...J]edenfalls hat zu allen Zeiten nur der den Dekalog wirklich aufgenommen, der ihn als zu ihm selber gesprochen vernahm, das heisst, der das darin niedergelegte Angesprochenwordensein [...] als sein eigenes Angesprochenwerden erfuhr.“ (Buber 2019, S. 464; ebenso z.B. Köckert 2007, S. 21; Greenstein 2011, S. 3; Dohmen 2014, S. 194). Das ist zwar tiefsinnig, aber vom Numerus der Textoberfläche auf den Numerus der Adressaten rückzuschließen, geht auch nicht an; dass etwa in Dtn 12-26 der Sg. dennoch das Kollektiv Israel meint, ist in der Dtn-Auslegung die Standard-Meinung. Und richtig zu den Zehn Sprüchen dann z.B. Baker 2017, S. 32: Folgen wir dem Text, wie er sich selbst darbietet, ist der Dekalog der grundlegende Text für den Vertrag Gottes mit seinem ganzen Vertragsvolk Israel und zumindest bei Mose Referat des Dekalogs in Dtn 5 wird er eingeleitet mit „Höre, &#039;&#039;Israel&#039;&#039;“ ([[Deuteronomium 5#s1 |Dtn 5,1]]) und beschlossen mit „Diese Sprüche hat JHWH auf dem Berg zur &#039;&#039;ganzen Versammlung&#039;&#039; gesprochen“ ([[Deuteronomium 5#s22 |Dtn 5,22]]); und gemeint ist damit eine Vertragsvolk-Versammlung, als zu der gehörig in [[Deuteronomium 29#s8 |Dtn 29,8-10]] aufgezählt werden: „&#039;&#039;eure Oberhäupter, eure Stämme, eure Ältesten und eure Anführer – &#039;&#039;alle&#039;&#039; Männer Israels –, eure Kinder, eure Frauen, dein (!) Immigrant in deinem Lager, [alle] vom Holzfäller bis zum Wasserträger&#039;&#039;“ (vgl. auch [[Deuteronomium 31#s12 |Dtn 31,12f.]]). Richtiger als mit Buber wird man daher wohl mit Zimmerli 1989, S. 120 sagen müssen: „Das Gebot Jahwes betrifft zunächst Israel als Volk. Es geht nicht vom Einzelnen aus, sondern von der Gemeinschaft, die durch Jahwes Ruf betroffen ist. [...] Das Gebot Jahwes meint die Gemeinschaft und nun allerdings auch gerade den Einzelnen in dieser Gemeinschaft. [...] Auch die immer wieder aufflammende Diskussion darüber, ob der Dekalog es mit dem Einzelnen oder mit dem Volke zu tun habe, kann lediglich verdeutlichen, wie selbstverständlich hier der Anruf an den Einzelnen in den Anruf an ganz Israel eingebettet ist.“&amp;lt;/ref&amp;gt; Gott&amp;lt;ref&amp;gt;Nicht: „Ich, JHWH, bin dein Gott“ (so z.B. Jacob 1997; Kass 2021; BigS) – jedenfalls nicht nach der masoretischen Akzentuierung: Apposition schlägt jede andere Wortfügung, wenn es darum geht, welche Wortverbindungen durch die Akzente zusammengezogen und welche getrennt werden. Bei „Ich, JHWH, bin dein Gott“, wo „&#039;&#039;JHWH&#039;&#039;“ Apposition zu „&#039;&#039;ich&#039;&#039;“ wäre, müsste der Trenner stattdessen nach „&#039;&#039;JHWH&#039;&#039;“ stehen, nicht wie hier nach „&#039;&#039;ich&#039;&#039;“.&amp;lt;br /&amp;gt;Gott stellt sich also hier seinem Volk vor als „dein Gott JHWH, der dich aus Ägypten geführt hat“ (eine geprägte Wendung im Deuteronomium, bei der ebenfalls stets „dein Gott“ in Apposition zu „JHWH“ steht, s. die Parallelstellen) – ähnlich, wie er sich Mose zuvor als „JHWH, der Gott deiner Vorfahren“ vorgestellt hatte ([[Exodus 3#s6 |Ex 3,6]]). Anders also dort ist JHWH aber hier kein „Gott der Vergangenheit“ mehr: Er ist ein Gott, der &#039;&#039;soeben&#039;&#039; heilsam an seinem Volk gehandelt hat und der auf dieser Basis die nun folgenden Vertragsbedingungen für einen Vasallenvertrag mit seinem Volk stellen kann.&amp;lt;br /&amp;gt;Auch formal erinnert der Vers an die Eröffnung eines Vasallenvertrags, da diese ähnlich wie unser Abschnitt regelmäßig mit einer kurzen Selbsteinführung desjenigen begannen, der die Vertragsbedingungen bestimmen konnte. Köckert 2007, S. 44 und Coogan 2014, S. 52 etwa denken auch wirklich, der Vers sei bewusst antiken Vasallenverträgen nachempfunden worden. Eine weitere mögliche und noch nähere Parallele sind aber antike Gesetzessammlungen. Hammurapi beginnt seinen berühmten Codex bspw. mit „Ich bin Hammurapi, der Hirte...“; Ähnliches begegnet in den Gesetzessammlungen von Urnammu, von Lipit Ischtar und im Codex Eschnunna. Müsste man sich die Gestaltung der Einleitung erklären, sollte man besser an diese Parallelen denken (so hier z.B. auch Albertz 2015; Reicke 1973, S. 2 überschreibt den Vers gar mit „Die Autorität des Gesetzgebers“). Aber der Sinn des Verses erschließt sich ja auch ohne diese Parallelen ganz von selbst.&amp;lt;/ref&amp;gt;, der dich aus dem Land der Ägypter (Ägypten), dem Haus der Sklaven (Knechte; aus dem Sklavenhaus) herausgeführt hat. {{par|Exodus|13|3}} {{par|Exodus|13|14}} {{par|Deuteronomium|6|12}} {{par|Deuteronomium|7|8}} {{par|Deuteronomium|8|14}} {{par|Deuteronomium|13|6}} {{par|Deuteronomium|13|11}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|3}} Du sollst (darfst; [Deshalb] darfst du...) keine anderen Götter vor mir (neben mir, statt mir?, mir ins Angesicht?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;vor mir (neben mir, statt mir?, mir ins Angesicht?)&#039;&#039; - sehr unklarer Ausdruck. W. „vor/auf/gegen mein(em) Angesicht“; „&#039;&#039;Angesicht&#039;&#039;“ ist im Heb. aber sehr häufig derart bedeutungsentleert, dass Ausdrücke mit „Angesicht“ oft nur als umständlichere Präpositionen verwendet werden können (vgl. z.B. BrSynt §110k), daher z.B. „vor meinem Angesicht“ = „vor mir“. Dass grundsätzlich irgendetwas in die Richtung gefordert wird, Israel dürfe keine anderen Götter &#039;&#039;neben&#039;&#039; JHWH verehren, ist klar. „Neben mir“ oder „außer mir“ ist daher mit gutem Recht die mit Abstand häufigste Übersetzung (so auch schon LXX, Syr und die Targumim), obwohl die häufige Wortfügung sonst &#039;&#039;nie&#039;&#039; in dieser Bed. verwendet wird. Will man sich an der gewöhnlichen Bedeutung der Wortfügung orientieren, übersetzt man daher besser wie unten unter (3).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Genauere Deutungen&#039;&#039;&#039;, die daher vorgeschlagen wurden: (1) Markl 2007, S. 105 und Stoppel 2018, S. 68 haben die alte Deutung „mir zum Trotz“ (König 1917, S. 87) aufgefrischt; S. erklärt sie wie schon Propp 2006 witzig entsprechend dem Englischen „in your face“. Dagegen vgl. aber richtig Knieriem 1965, S. 25; Weinfeld 1991: Aus den drei von König zitierten Stellen [[Ijob 1#s11 |Ijob 1,11]]; [[Ijob 6#s28 |6,28]] und [[Jesaja 65#s3 |Jes 65,3]] lässt sich diese Bed. nicht ableiten.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Krebernik 1995, S. 31 und Köckert 2007, S. 50 nehmen an, der Ausdruck stamme aus der Formelsprache antiker Vasallenverträge, da es in einem assyrischen Vasallenvertrag Assurbanipals einen ähnlich schlecht verständlichen Ausdruck gibt: „&#039;&#039;ihr sollt keinen anderen König &#039;&#039;ina UGU-šú&#039;&#039; (w.: ‚auf ihm‘) suchen!&#039;&#039;“ „Auf ihm“ soll dann ein ungewöhnlicher Ausdrück für „an seiner Statt“ sein. Aber von nur einem assyrischen Beleg und einem hebräischen, die einander nicht einmal entsprechen, auf eine sprachübergreifende Formel zu schließen, ist viel zu gewagt. Propp 2006 will die selbe Bed. aus heb. Parallelstellen ableiten, aber bei keiner der von ihm zitierten Stellen macht das auch nur Sinn.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Möglich scheint mir (S.W.) daher nur die Deutung von Knieriem 1965, Houtman 1997, S. 59 und Dozeman 2009: „Vor meinem Gesicht“ = „vor meinen Augen“: Fremde Götter haben nichts in meinem Tempel oder vor meinem Zelt oder vor meinem heiligen Berg zu suchen. Der zweite Satz, der sich so störend zwischen die „anderen Götter“ in V. 3 und das „vor &#039;&#039;ihnen&#039;&#039;“, das sich auf die Götter beiziehen muss, schiebt, ist dann eine vielleicht sekundäre (so z.B. gut Smend 1997, S. 23f.), aber eine treffende Glosse: Gemeint ist etwas &#039;&#039;Gegenständliches&#039;&#039;, das ebenso störend zwischen den körperlich präsent gedachten Gott und sein Volk tritt wie hier der störende V. 4 zwischen Vv. 3.5 – und v.a. genau wie das goldene Kalb, das die Israeliten in den nächsten Kapiteln direkt vor dem Gottesberg erschaffen. Dann würde hier gar nicht allgemein die Fremdgötterei verboten, sondern nur der Mischkult. Das kann schon sein: Wir werden noch zwei weitere Male feststellen, dass der Dekalog laxer ist als andere Gebotssammlungen und mitnichten so allgemein und umfassend formuliert ist, wie man zunächst meint.&amp;lt;/ref&amp;gt; haben –&amp;lt;ref&amp;gt;W. „Andere Götter dürfen vor mir nicht für dich &#039;&#039;sein&#039;&#039;“. Übersetzen wir „vor mir“ mit den alten Versionen als „außer mir, neben mir“ (s. vorige FN), lässt es die Formulierung sowohl zu, bei diesem Gebot an einen echten Monotheismus zu denken („Du sollst davon ausgehen, dass außer mir keine anderen Götter existieren“) als auch, wie meist angenommen wird, an „Monolatrie“, also die Verehrung allein von JHWH, obwohl gleichzeitig die Existenz anderer Götter anerkannt wird. Verwandte theologische Entwicklungen im Umfeld Altisraels (vgl. z.B. Baumann 2006) machen auch bei einer Übersetzung mit „neben mir“ wirklich die Monolatrie-Deutung weit wahrscheinlicher.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Exodus|22|19}} {{par|Exodus|23|13}} {{par|Exodus|23|24}} {{par|Exodus|34|14}} {{par|Deuteronomium|6|14}} {{par|Deuteronomium|11|16}} {{par|Deuteronomium|13|2|4}} {{par|Psalm|81|10}} {{par|Jeremia|25|6}}&lt;br /&gt;
{{S|4}} Du sollst (darfst) dir kein Götterdarstellung (kein Bild) machen: {und} Keinerlei Gestalt (Jegliches)&amp;lt;ref&amp;gt;Exodus verknüpft die beiden Ausdrücke mit &#039;&#039;Waw&#039;&#039;. In [[Deuteronomium 5#s8 |Dtn 5,8]] stehen sie dagegen unverbunden hintereinander. Die Formulierung in Dtn &#039;&#039;könnte&#039;&#039; man als hebräische Constructus-Verbindung auflösen („Du sollst dir keine Götterdarstellung&#039;&#039;von&#039;&#039; jeglicher Gestalt machen“). Hossfeld 1982 und Dohmen 1985 nehmen das an und gehen sogar so weit, dass sie glauben, das „keine Götterdarstellung &#039;&#039;und&#039;&#039; keinerlei Gestalt“ in Ex solle mit seinen &#039;&#039;zwei&#039;&#039; Objekten das Plural-Personalpronomen „sie“ in V. 5 auffangen, das sich dann auf diese beiden Worte bezöge statt auf die Fremdgötter wie in Dtn, und so V. 3 und Vv. 4-5 in zwei Gebote splitten. Aber das liegt ganz fern; dann würde mit „und keinerlei Gestalt“ ja jegliche bildliche Darstellung verboten, nicht nur die von Göttern. Besser nimmt man daher mit Childs 1974; Graupner 1987, S. 314 und Albertz 2015 an, dass das Waw hier ein sog. „explikatives Waw“ ist: „Du sollst dir keine Götterdarstellung machen, &#039;&#039;das heißt präziser&#039;&#039;: keinerlei Gestalt...“ Ist das richtig, bezieht sich das „vor &#039;&#039;ihnen&#039;&#039;“ auch in Ex zurück auf die Fremdgötter, wonach dann mit der „Götterdarstellung, jeglicher Gestalt“ ebenfalls konkret Darstellungen &#039;&#039;anderer&#039;&#039; Götter gemeint sein müssen. Vgl. so klar die Umformulierung von LAB 11,6: „&#039;&#039;Du sollst dir keine geschnitzten Götter machen und auch kein verabscheuungswürdiges Bild von [anzubetenden] Sonne und Mond.&#039;&#039;“&amp;lt;br /&amp;gt;Spätere Autoren haben daher dem Dekalog [[Deuteronomium 4 |Dtn 4]] vorangestellt (zu Dtn 4 als späterer Interpretation des Bilderverbots vgl. v.a. Holter 2003), wo auch die „Gestaltung“ von &#039;&#039;JHWH&#039;&#039;-Bildern verboten wird ([[Deuteronomium 4#s15 |Dtn 4,15f.]]) – aber in &#039;&#039;unserem&#039;&#039; Vers liegt dies noch nicht im Blick (richtig Obbink 1929; Houtman 2000; Dozeman 2009).&amp;lt;/ref&amp;gt; [von etwas], das am (im) Himmel oben oder {das} auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde [ist] –; {{par|Exodus|20|23}} {{par|Exodus|34|17}} {{par|Leviticus|19|4}} {{par|Leviticus|26|1}} {{par|Deuteronomium|27|15}}&lt;br /&gt;
{{S|5}} Du sollst (darfst) dich nicht vor ihnen&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;ihnen&#039;&#039;, also den Göttern. S. die Parallelstellen, die nur eine Auswahl derer sind, die man nennen könnte: „sich niederwerfen und dienen“ tut man nach biblischem Sprachgebrauch standardmäßig (vor) fremden Göttern (richtig z.B. Zimmerli 1950, S. 37f.; Schüngel-Straumann 1973, S. 80; Miller 2009, S. 14). Die Logik von Vv. 3-5a ist also: „(1) In meiner Gegenwart will ich keine anderen Götter sehen. (2) Fang gar nicht erst an, sie mit Kultbildern darzustellen. (3) Vor allem sollst du dich fremden Göttern nicht unterwerfen. Denn: ...“&amp;lt;/ref&amp;gt; niederwerfen und dazu bringen lassen, ihnen zu dienen,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;sich dazu bringen lassen, ihnen zu dienen&#039;&#039; - so mit der hebräischen Vokalisierung, die auch durch 1QPhyl; 4QDtn&amp;lt;sup&amp;gt;n&amp;lt;/sup&amp;gt;; 4QPhyl&amp;lt;sup&amp;gt;b.j&amp;lt;/sup&amp;gt; bezeugt wird. Die Üs. der großen Mehrheit, „du sollst ihnen nicht dienen“, vokalisiert entweder &#039;&#039;to´obdem&#039;&#039; um zu &#039;&#039;ta´abdem&#039;&#039; (so z.B. Albertz 2015) oder erklärt die Wortform mit [https://en.wikisource.org/wiki/Gesenius%27_Hebrew_Grammar/60._Imperfect_with_Pronominal_Suffixes GKC §60b] als irreguläre Wortbildung mit der selben Bed. wie &#039;&#039;ta´abdem&#039;&#039; (so z.B. BHQ Dtn). Aber dafür gibt es keinen Anlass; „sich zum Dienst &#039;&#039;bringen lassen&#039;&#039;“ passt hervorragend in einem Kontext, in dem dieser Dienst bewusst parallelisiert wird dem Sklavendienst in Ägypten. Mit dem heb. Text übersetzen daher z.B. auch Dohmen 2004 und Stoppel 2018, S. 68. Der Einwand von Propp 2006, dies erfordere noch ein Suffix, ist mir (S.W.) unverständlich; Hofal in dieser Bed. steht regelmäßig ohne Suffix.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Exodus|23|24}} {{par|Deuteronomium|8|19}} {{par|Deuteronomium|11|16}} {{par|Deuteronomium|17|3}} {{par|Deuteronomium|29|25}} {{par|Deuteronomium|30|17|18}} {{par|Josua|23|16}} {{par|Richter|2|19}} {{par|1 Könige|9|6}} {{par|2 Könige|17|35}} {{par|Jeremia|13|10}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
denn ich, JHWH, dein Gott, [bin] ein eifersüchtiger (leidenschaftlicher) Gott, [der für] die Schuld (Sünde) der Vorfahren (Väter) ihre Nachkommen (die Söhne) heimsucht (bestraft) bis in die dritte und vierte [Generation] [bei denen, die] mich hassen&amp;lt;ref name=&amp;quot;hassen&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;hassen&#039;&#039; + &#039;&#039;lieben&#039;&#039; wird gelegentlich so erklärt, dass die Begriffe hier keine Emotionen bezeichneten, sondern beide Worte Begriffe aus dem altorientalischen Vasallenvertragswesen seien und Menschen beschrieben, die ihrem Vertragsherrn &#039;&#039;treu&#039;&#039; vs. &#039;&#039;untreu&#039;&#039; sind (vgl. z.B. Levinson 2006, S. 168; Köckert 2007, S. 52). Ich (S.W.) bin unsicher, ob das so richtig ist. Es stimmt zwar, dass Vasallen in solchen Verträgen häufig dazu aufgefordert werden, ihre Herren zu „lieben“. Dass das &#039;&#039;gleichbedeutend&#039;&#039; ist mit „Vasallentreue“, ist damit aber noch nicht gesagt, und die Forderung, dass sie ihre Herrn nicht „hassen“ sollen, ist in Verträgen nicht ähnlich gebräuchlich. Besser geht man daher nicht von Vertragsterminologie aus und erklärt die beiden Worte stattdessen doch z.B. mit Jacob 1997 und Dozeman 2009 so, dass Gott hier auf emotionale Begriffe aus den Bereichen von Liebe und Ehe zurückgreift: Für den „eifersüchtigen“ Gott teilt sich die Welt in solche, die ihn „lieben“ und solche, die ihn „hassen“. Andere gibt es nicht. Auch das Schwarz-Weiß-Denken ist eine der Sprachen der Liebe.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&amp;lt;ref&amp;gt;Vieldiskutierter Vers, da Gott hier auf den ersten Blick die &#039;&#039;Sippenstrafe&#039;&#039; für Fremdgötterverehrung verhängt (vgl. zu dieser Deutung am klarsten Krašovec 1994). Es &#039;&#039;gibt&#039;&#039; in der Bibel Verse, aus denen eine ähnliche Vorstellung von einer generationenübergreifenden Strafe spricht. Diese sind dann aber regelmäßig Beteuerung der eigenen Unschuld, die von Leidenden gesprochen werden: „Ich leide unter der Schuld meiner Vorfahren[; ich selber bin aber doch ganz unschuldig!]“ ([[Psalm 79#s8 |Ps 79,8]]; [[Klagelieder 5#s7 |Klg 5,7]]; ähnlich [[2 Chroniken 29#s6 |2 Chr 29,6-9]]; ähnlich auch [[2 Könige 22#s13 |2 Kön 22,13]]; ähnlich schließlich auch der Fluchspruch in [[Psalm 109#s8 |Ps 109,8-15]]). Man darf sie daher nicht als dogmatische Thesen missverstehen. Dass Gott nüchtern betrachtet und de facto &#039;&#039;nicht&#039;&#039; so handelt, sagen eine ganze Reihe von Versen explizit; s. [[Deuteronomium 7#s9 |Dtn 7,9f.]] (fast direkt nach dem deuteronomischen Dekalog); [[Deuteronomium 24#s16 |Dtn 24,16]]; [[Jeremia 31#s29 |Jer 31,29f.]]; [[Ezechiel 18#s2 |Ez 18,2-4.19f.]]. Auch davon unabhängig ist der Vers wahrscheinlich missverstanden, wenn man ihn als Androhung generationenübergreifenden Strafhandelns liest:&amp;lt;br /&amp;gt;Wichtig für das rechte Verständnis des Verses ist es erstens, zu sehen, dass der Vers V. 2 wieder aufgreift: „Ich [bin] dein Gott JHWH, der...“ – „Ich, dein Gott JHWH, bin...“ (gut gesehen von Auffret 2014, S. 818). Wichtig ist es zweitens, zu sehen, dass der zweite Teil der Begründung gar nicht den vorangehenden Hauptsatz begründet (*„Verehre keine fremden Götter, denn meine Huld währt 1000 Generationen für jene, die mich lieben“). Vv. 5b-6 begründen also nicht nur 5a, sondern schließen und runden die in V. 2 begonnene Selbstvorstellung Gottes ab und begründen den ganzen Abschnitt Vv. 3-5b: „Ich, JHWH, will dein Gott sein, also bete nicht stattdessen zu anderen Göttern und verehre nicht stattdessen Götterbilder, denn ich, JHWH, bin ein eifersüchtiger und ein huldvoller Gott.“&amp;lt;br /&amp;gt;Für dies letztere lies: „denn ich, JHWH, bin ein &#039;&#039;besserer&#039;&#039; Gott als diese“: Die Pointe beim letzten Teil ist natürlich das Verhältnis 4 Generationen Strafe vs. 1000 Generationen Huld. Gott greift den verbreiteten Volksglauben von der generationenübergreifenden Strafe auf – und transformiert ihn durch seine Ergänzung in V. 6 (ähnlich in [[Exodus 34#s6 |Ex 34,6f.]] durch eine andere Ergänzung, s. gleich). Wie, das zeigt [[Numeri 14 |Num 14]], wo dieses Prinzip angewendet wird (und &#039;&#039;nicht&#039;&#039; in einem Kontext von Fremdgötterverehrung angewendet wird, was das eben Gesagte bestätigt): Wieder einmal murren die Israeliten. Da erscheint JHWH, gerät in Eifer und droht, sein ganzes Volk zu vernichten (V. 12). Doch Mose beschwichtigt ihn, indem er in V. 18 unseren Teilvers (in der Version von Ex 34,6f.) zitiert – „Du gerätst doch nur langsam in Zorn, bist groß an Güte, vergibst Ungerechtigkeit und Gesetzesbruch, entschuldigst aber nicht die Schuldigen und suchst die Ungerechtigkeit der Väter heim an ihren Nachkommen der dritten, nein, der vierten Generation!“ – und in V. 19 fortfährt: „Darum vergib doch die Ungerechtigkeit dieses Volkes!“ – und das &#039;&#039;tut&#039;&#039; Gott; entsprechend seinem Wesen straft er die Übeltäter &#039;&#039;nicht&#039;&#039; bis zur vierten Generation, sondern vergibt ihnen (V. 20) und beschränkt daher seine Strafe auf die aktuelle Generation (Vv. 22f.).&amp;lt;br /&amp;gt;„Ich strafe für vier Generationen, bin aber huldvoll für 1000 Generationen“ ist danach keine verquere göttliche Arithmetik, bei der Gott leider ganz übersieht, dass die 1000 Generationen Huld doch leere Worte sind, wenn gleichzeitig jede Missetat bis in die vierte Generation bestraft wird. Sondern es ist nur eine verquere Formulierung für „ich bin ein eifernder Gott. Aber meine Huld ist noch viel größer als mein Eifer. So einer bin ich, JHWH, euer Gott, der euch aus Ägypten geführt hat.“&amp;lt;br /&amp;gt;Dennoch werden die Verse üblicherweise verstanden als Ausdruck für das generationenübergreifende Strafhandeln Gottes; seit Beginn der Bibelauslegung hat man es daher unternommen, die Verse zu entschärfen. &#039;&#039;&#039;Einige Beispiele&#039;&#039;&#039; (weitere z.B. bei Neudecker 2000; Weiss 2017):&amp;lt;br /&amp;gt;(1) In der Mechilta de Rabbi Schimon ist die Meinung festgehalten, das Wort für „heimsuchen“ müsse man hier nur i.S.v. „bemerken“ nehmen. Ähnlich noch Dohmen 2004: „der die Schuld der Väter bei ihren Kindern &#039;&#039;prüft&#039;&#039;“. Beides ist sprachlich möglich, aber der Satz ist ein Gemeinplatz in der Bibel, bei dem man daher nicht einfach einzelne Worte gegen den Strich deuten darf; s. die Parallelstellen; s. auch die Umformulierung in [[Deuteronomium 4#s23 |Dtn 4,23-26]].&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Die häufigste Variante: Was hier gesagt wird, gilt nur, wenn sich auch die Kinder der Übeltäter ähnlich schuldig machen. Daher ergänzt z.B. der Targum Onkelos: „Ich räche die Sünden der Väter an ihren &#039;&#039;rebellischen&#039;&#039; Kindern; bis zur dritten und vierten Generation bei denen, die mich hassen, &#039;&#039;wenn die Kinder ihren Vätern im Sündigen nachtun&#039;&#039;.“ (fast ebenso TgN; b.San 27b; Raschi); ähnlich LAB 11,6: „Ich bin ein Gott, der die Sünden der &#039;&#039;bereits Gestorbenen&#039;&#039; an den &#039;&#039;lebenden&#039;&#039; Söhnen der Gottlosen vergilt, &#039;&#039;wenn auch diese auf den Wegen ihrer Eltern wandeln&#039;&#039;, bis ins dritte und vierte Geschlecht.“ – hier wird also sogar noch zusätzlich eingeschränkt, Kinder würden allenfalls dann für die Schuld ihrer Vorfahren bestraft, wenn diese schon vor ihrer Zeit aus ihrer Verantwortung entschlafen sind. Einige neuere Ausleger wollen dies zusätzlich damit abstützen, dass sie „&#039;&#039;bei denen, die ihn hassen/lieben&#039;&#039;“ nicht auf die Missetäter beziehen, sondern auf deren Kinder: „Ich suche die Schuld der Väter bei ihren Nachkommen heim, genauer gesagt bei jenen [Kindern], die mich hassen.“ So oder ähnlich z.B. schon Ambrosiaster, Quaestiones 14; Bonaventura, Collatio 2; z.B. auch Cassuto 1967; Schmid 1999, S. 33; Houtman 2000; Baker 2017, S. 54f. Das ergäbe ein ähnliches theologisches Modell wie (3), aber dass mit den „Hassenden“ die Missetäter selbst gemeint sind, ist nach dem Parallelstellen ziemlich klar.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Richtiger übersetzen müsste man: „&#039;&#039;Spätestens&#039;&#039; in der vierten Generation“: Gott ist zwar ein gerechter Gott, der Missetaten durchaus bestraft – aber er ist auch ein langmütiger Gott, der den Familien von Missetätern bisweilen so lange Zeit gibt, Buße zu tun, bis selbst schon ihre Urenkel geboren worden sind. Spätestens dann aber wird er zur Tat schreiten, denn länger lebt ja kein Missetäter (Rabbi Juda [2. Jhd.] in der Mechilta de Rabbi Schimon; Ephräm der Syrer; ibn Ezra; Ramban). Das müsste man dann anders als Juda, Ephräm oder ähnlich z.B. Muffs 1992, S. 21f. wenigstens so verstehen, dass dann Gottes Strafe über sämtliche vier Generationen hereinbricht, die ja nun lange genug Zeit zur Buße hatten, und nicht so, dass &#039;&#039;nur&#039;&#039; die vierte Generation bestraft wird: Dass Gott Missetäter davonkommen lässt, aber ihre unschuldigen Urenkel bestraft, eignet sich weder gut für einen Aufweis der Gnade Gottes noch als Warnung vor Vergehen. Sprachlich wäre diese Deutung möglich, konzeptuell harmonierte es aber ebenso wenig mit Dtn 7,9 etc. wie die traditionelle Interpretation, wenn auch Gott am Ende etwas besser da steht.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Hieronymus, Ep 147,3: Die Rede von den Generationen ist nur ein Bild dafür, dass Gott Sündern Zeit zur Reue lässt, bevor er sie bestraft.&amp;lt;br /&amp;gt;(5+6) Köckert 2007, S. 51f.: 1000 Generationen Gnädigkeit sind doch viel länger als vier Generationen Strafe, der Text nimmt also zwar Sippenhaft an, will aber vor allem zum Ausdruck bringen, dass Gottes Huld viel größer ist als sein Eifer. Mit ähnlicher Stoßrichtung Houtman 2000: Nur vier Generationen zu bestrafen, das ist doch immerhin noch besser als Stellen wie [[2 Samuel 12#s10 |2 Sam 12,10]] oder [[1 Samuel 2#s31 |1 Sam 2,31-33]]; [[2 Samuel 3#s29 |2 Sam 3,29]], wo sogar noch ferne Generationen unter der Schuld von Missetätern zu leiden haben. Ähnlich schon Augustinus, Enchiridion 47: Dass Gott sein Strafhandeln maximal bis zur vierten Generation ausdehnt, ist doch schon Gnade! Aber beides ist doch nur zynisch – der vierten Generation hilft das wenig.&amp;lt;/ref&amp;gt;{{par|Exodus|34|7}} {{par|Numeri|14|18}} {{par|Jesaja|14|21}}  {{par|Jeremia|2|9}} {{par|Jeremia|32|18}}&lt;br /&gt;
{{S|6}} aber liebende Treue (Huld, Liebe, Güte) tausenden [Generationen] [bei denen] erweist (tut), [die] mich lieben und meine Gebote befolgen.&lt;br /&gt;
{{S|7}} Du sollst (darfst) den Namen JHWHs, deines Gottes, nicht unnütz (schändlich)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;unnütz (schändlich)&#039;&#039; - w. „zu Nichtigem/Schändlichem“.&amp;lt;/ref&amp;gt; tragen ([auf den Lippen] tragen?),&amp;lt;ref name=&amp;quot;tragen&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;tragen&#039;&#039;, Heb. &#039;&#039;naśa`&#039;&#039;, hält man meist für eine Abkürzung des Ausdrucks „etwas auf den Lippen tragen“, der sich aber sonst nur noch einmal in [[Psalm 16#s4 |Ps 16,4]] findet. Gemeint wäre dann, dass der Name „nicht unnütz/schändlich ausgesprochen werden darf“ (so z.B. Houtman 2000; Markl 2007, S. 111; Miller 2009, S. 68; Albertz 2015), was man dann wiederum schon in der Antike mit Abstand am häufigsten konkret auf ein verkehrtes Schwören bei Gott bezogen hat. Die Annahme einer geprägten Wendung nur auf der Basis der einen Belegstelle Ps 16,4 und die noch weiterführende Annahme, diese Wendung sei hier auch noch abgekürzt, ist äußerst gewagt. Besser sollte man auf [[Jesaja 3#s7 |Jes 3,7]] und wohl [[Exodus 23#s1 |Ex 23,1]] verweisen, wo anscheinend wirklich alleiniges &#039;&#039;naśa`&#039;&#039; i.S.v. „sprechen“ verwendet wird (vgl. ähnlich im Deutschen: „anheben“ = „sprechen“). Was genau man sich unter einem „den Namen Gottes zu Nichtigem/Schändlichem sprechen“ vorzustellen hat, ist dann aber immer noch unklar; dass wirklich etwas wie Schwüre beim Gottesnamen gemeint sind, ist allenfalls ein educated guess. Neuere Ausleger beschränken sich in der Auslegung daher oft darauf, verschiedene Gelegenheiten aufzuzählen, bei denen man den Gottesnamen aussprechen und damit falsch handeln könnte: Bei Schwüren, aber auch bei Gelübden, bei Flüchen, in der Zauberei, ... (s. z.B. Dozeman 2009; Baker 2017, S. 64f.; Rom-Shiloni 2019, S. 141). Nota bene: Die Präzisierung „zu Nichtigem/Schändlichem“ setzt voraus, dass das strenge Verbot, den Gottesnamen überhaupt auszusprechen, noch nicht galt. Selbst die alten jüdischen Ausleger dachten zumeist nicht hieran, anders als viele aktuelle populärtheologische Auslegungen.&amp;lt;br /&amp;gt;[[Datei:Haremhab.jpg|mini|Skulptur des ägyptischen Generals Haremhab; hier dargestellt als Schreiber. Auf seinem Arm das Symbol des Gottes Amun. Ägypten, 13. Jhd. v. Chr. CC0 via [https://www.metmuseum.org/art/collection/search/544692 TheMet]]]Unabhängig davon findet neuerdings in der Auslegung eine alternative Deutung immer mehr Anhänger: Der entsprechende akkadische Ausdruck „&#039;&#039;našû&#039;&#039; einen Namen“ heißt „(als Zeichen der Zugehörigkeit) einen Namen &#039;&#039;als Brandmal&#039;&#039; tragen“ (CAD 11, S. 86). Bei der im CAD verzeichneten Belegstelle wird dies von einer gebrandmarkten Kuh gesagt; der entsprechende Brauch ist aber im ganzen Umland Israels und der westlichen Antike auch bei Menschen sehr breit bezeugt: Besonders Sklaven eines Besitzers, Soldaten eines Königs oder Diener eines Gottes trugen den Namen oder das Symbol ihres Herrn als Branding, als Tattoo oder als Narbendekoration auf der Haut, meist entweder auf dem Arm oder auf der Stirn (für Beispiele s. z.B. ThWNT VII s.v. &#039;&#039;stigma&#039;&#039;, Mendelsohn 1949, S. 42-50; Stolper 1998; Dandamaev 2009, S. 229-234; Huehnergard/Liebowitz 2013; für Beispiele speziell für den Namen oder das Symbol JHWHs vgl. z.B. Jacobs 2014, S. 7-16 und s. zu [https://offene-bibel.de/wiki/Gen_4/Pers%C3%B6nliche_Fassung_(Sebastian_Walter)#l15 Sebastians PF von Gen 4,15]). Auch von Judäern ist dies belegt; so in den Elephantine-Briefen B33: „&#039;&#039;Peṭosiri ..., ein Sklave, brandmarkte seine rechte Hand auf Aramäisch [mit] einem Brandmal, das lautete: ‚gehört Mibtachja‘.&#039;&#039;“; B39: „&#039;&#039;Meschullam ben Zakkur ... sagte zu seiner Sklaven Tapemet, die auf ihrer rechten Hand gebrandmarkt war wie folgt: ‚gehört Meschullam‘...&#039;&#039;“ (Üs. nach Porten 1996, S. 200.220). Noch [https://de.wikisource.org/wiki/Phokylides Pseudo-Phokylides] muss um die Zeitenwende dazu mahnen, die Brandmarkung von Sklaven doch bitte zu unterlassen (225) und Philo berichtet noch zur selben Zeit in SpecLeg I 58 vom entsprechenden Brauch beim „Götzendienst“. Bar-Ilan 1989, 2018; Block 2011 und v.a. Imes 2018 in Buchlänge haben daher vorgeschlagen, den Ausdruck auch hier entsprechend zu deuten: Gott soll der einzige Gott der Israeliten sein, entsprechend sollen diese – wahrscheinlich metaphorisch – seinen Namen tragen, und dies nur nicht &#039;&#039;laššaw`&#039;&#039;: „ohne Effekt“ oder gar so, dass sie &#039;&#039;gleichzeitig&#039;&#039; freveln – und hieraus folgen dann glatt alle weiteren Ge- und Verbote im folgenden Text. Diese Deutung ist besser: so gelesen ist der Ausdruck klar und fügt sich das Gebot besser zum Vorangehenden und baut eine Brücke zum Folgenden.&amp;lt;/ref&amp;gt; denn JHWH wird [denjenigen] nicht für unschuldig erklären (vergeben, ungestraft lassen), der seinen Namen unnütz trägt ([auf den Lippen] trägt).&amp;lt;ref name=&amp;quot;tragen&amp;quot; /&amp;gt; &lt;br /&gt;
{{S|8}} Denke daran, den Sabbat-Tag zu heiligen (Denke/Erinnere dich an den Sabbat-Tag, ihn zu heiligen)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Casus pendens. So übersetzen sehr merkwürdig aber nur H-R und TEX; fast alle anderen: „Denke an den Sabbat, &#039;&#039;dass&#039;&#039; du ihn heiligst“, was man sogar im Deutschen als Casus pendens erkennt. Will man die Wortstellung des Heb. nachahmen, kann man  übersetzen wie EÜ: „Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig“.&amp;lt;/ref&amp;gt; (Denke an den Sabbat, indem du ihn heiligst / um ihn [so] zu heiligen). &lt;br /&gt;
{{S|9}} Sechs Tage [lang] darfst (sollst, kannst) du arbeiten&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;arbeiten&#039;&#039; - Heb. &#039;&#039;´abad&#039;&#039;, das übliche Wort für „arbeiten“. Gleichzeitig aber dasselbe Wort, das auch in V. 5 i.S.v. „dienen“ verwendet wird und wovon auch das Wort für „Sklave“ in „Sklavenhaus“ (V. 2) abgeleitet ist: Nachdem Gott Israel aus dem Sklavenhaus befreit hat, verhindert er mit seinen Vorgaben, dass sich Israel anderen göttlichen Herrn als Sklaven unterwerfen und zu Sklaven ihrer Arbeit werden können: Israel hat frei zu sein, grundsätzlich und speziell in Bezug auf andere Götter und die Arbeit (gut Crüsemann 1983, S. 58).&amp;lt;/ref&amp;gt; und alle deine Arbeit verrichten,&lt;br /&gt;
{{S|10}} doch der siebte Tag [ist] [der]&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: „Sabbat“ schillert zwischen Eigenname und Klassennomen; es gibt daher mehrere Stellen wie diese, bei denen man einen Artikel vermisst und im Dt. ergänzen muss (vgl. Grund 2011, S. 94). Die Üs. „ein Ruhetag“ in manchen Üss. ist falsch; sie geht noch von der alten Meinung aus, „Sabbat“ leite sich ab vom Verb &#039;&#039;šabbat&#039;&#039; („aufhören“, also: „Aufhör-Tag“ = „Ruhetag“) statt vom akkadischen &#039;&#039;šabattu&#039;&#039; („Vollmond“, s. zur Etymologie bes. Rechenmacher 1996; Grund 2011, S. 43-49).&amp;lt;/ref&amp;gt; Sabbat für JHWH,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Sabbat für JHWH&#039;&#039;, d.h. er ist „JHWH geheiligt“, „&#039;&#039;gehört&#039;&#039; nicht mehr dir, sondern JHWH“.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Anm. d. ZL&#039;&#039;&#039; (S.W.): Aber der Fokus liegt hier klar auf „&#039;&#039;für JHWH&#039;&#039;“, nicht auf „&#039;&#039;Sabbat&#039;&#039;“. Ich möchte daher vorschlagen, „&#039;&#039;Sabbat&#039;&#039;“ als Apposition zum „&#039;&#039;siebten Tag&#039;&#039;“ aufzulösen (zur Artikellosigkeit s. vorige FN): „Der siebte Tag, der Sabbat, [ist/sei] für JHWH“: er &#039;&#039;gehört&#039;&#039; JHWH. Im Heb. ist das Prädikat dann nur &#039;&#039;l-JHWH&#039;&#039;, wie man auch beim auf die Haut geschriebenen Gottesnamen &#039;&#039;l-JHWH&#039;&#039; geschrieben hätte. Eine Neben-Pointe ist dann: „Gehörst du mir, gehört auch dein Sabbat mir“. So hat m.W. aber bisher niemand aufgelöst.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Spekulation d. ZL&#039;&#039;&#039; (S.W.): Ist das richtig, fällt auf, dass „Sabbat“ hier alle drei Male präzisiert wird: In Vv. 8.11 durch die Formulierung „Sabbat-&#039;&#039;Tag&#039;&#039;“ und die jeweilige Ergänzung, dass es der siebte Tag nach den sechs Tagen nicht-Sabbat ist, und in V. 10 durch die besagte Apposition „der siebte Tag, der Sabbat“. Man ist sich heute in der Forschung recht einig, dass der alte Ruhetag alle sieben Tage (s. [[Exodus 23#s10 |Ex 23,10-12]]; [[Exodus 34#s21 |34,21]]) und der alte Vollmond-Sabbat (s. bes. [[2 Könige 4#s23 |2 Kön 4,23]]; [[Jesaja 1#s13 |Jes 1,13]]; [[Hosea 2#s13 |Hos 2,13]]; [[Amos 8#s5 |Am 8,5]]) erst in der exilischen oder früh-nachexilischen Zeit zusammengeführt wurden, wonach erst der je siebte Tag zum arbeitsfreien Sabbat wurde (vgl. einführend [https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/25732/ Sabbat (AT) (WiBiLex)]; dort weitere Lit.). Man ist sich auch einig, dass der Dekalog – oder, falls wirklich eine &#039;&#039;Kurzform&#039;&#039; des Dekalogs schon älter sein sollte, mindestens die erste Vollform des Sabbatgebots – nicht wesentlich später entstanden sein dürfte. Es ist dann gut möglich, dass das doppelte „der Sabbat-Tag ... &#039;&#039;am siebten Tag&#039;&#039;“ und das „&#039;&#039;der siebte Tag&#039;&#039; – gemeint ist der Sabbat“ gezielt dazu dienten, die Identität von siebtem Tag und Sabbat überhaupt erst zu etablieren (vgl. ähnlich z.B. Smend 1997, S. 28; Köckert 2007, S. 69f.). Dann wäre dies der Witz der priesterschriftlichen Variante des Sabbatgebots in Ex: Anders als in der Dtn-Version würde bewusst nicht dazu aufgefordert, „die Heiligung des Sabbats zu &#039;&#039;achten&#039;&#039;“, sondern sich daran „zu &#039;&#039;erinnern&#039;&#039;“, und der Sabbat würde nicht mit dem einstigen Frondienst in Ägypten begründet, sondern als ältester und bereits mit der Schöpfung in [[Genesis 2#s1 |Gen 2,1-3]] eingeführter Feiertag vorgestellt, um damit diesen neuen heiligen Tag als ältestmögliche Tradition darzustellen.&amp;lt;/ref&amp;gt; deinen Gott. Du sollst [an diesem Tag] (darfst) keinerlei Arbeit verrichten – [weder] du noch dein Sohn und deine Tochter, noch dein Knecht (Sklave) und deine Magd (Sklavin) und dein Vieh (Tier) und dein Gast (Fremder), der [sich] in deinen [Stadt-]Toren [aufhält].&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Fremder in deinen Toren&#039;&#039; - Also   der in deinem Ort wohnende Immigrant, der oft als Tagelöhner für dich arbeitet, weil er selbst keinen Landbesitz hat.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Exodus|23|12}} {{par|Exodus|34|21}} {{par|Leviticus|23|3}} {{par|Jeremia|17|22}}&lt;br /&gt;
{{S|11}} Denn sechs Tage [lang] (in sechs Tagen) hat JHWH den Himmel und die Erde, das Meer und alles, was darin (in ihnen) [ist], gemacht, aber (dann; und) am siebten Tag geruht. Deshalb hat JHWH den Sabbat-Tag gesegnet und ihn als heilig erklärt (geheiligt). {{par|Genesis|2|1|3}} {{par|Exodus|31|13|17}}&lt;br /&gt;
{{S|12}} Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit dein Leben lang sein wird (deine Tage lang sein werden) auf dem Land (dem Grund), den JHWH, dein Gott, dir geben wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Gut Meynet 2013, S. 11: Erwartet hätte man erstens „Ehre deine Eltern, damit &#039;&#039;ihre&#039;&#039; Tage lang sein werden“ und zweitens „damit deine Tage lang sein werden auf dem Land, dass &#039;&#039;sie&#039;&#039; dir geben werden“. Beide naheliegenden Zusammenhänge werden hier aufgebrochen: &#039;&#039;Du selbst&#039;&#039; bist es, dessen Tage sich so verlängern werden, und &#039;&#039;Gott&#039;&#039; ist es, der dir das Land gibt, auf dem du deine langen Tage verbringen darfst. Man darf sich danach wahrscheinlich nicht fragen, was eigentlich der logische Zusammenhang von Elternehrung und langem Leben ist: Die überraschende Formulierung soll gerade zum Ausdruck bringen, dass dies die Frucht der Treue zu diesem Gebot Gottes ist. Vgl. LAB 11,9, wo dies durch eine Ergänzung ausdrücklich gemacht wird: &#039;&#039;Gott&#039;&#039; ist es, der dich dann derart segnen wird („&#039;&#039;Liebe deinen Vater und deine Mutter, und du sollst sie fürchten, und dann wird dir dein Licht aufsteigen. Und ich werde dem Himmel Befehl geben, und er wird dir seinen Regen gewähren, und die Erde wird ihre Frucht schnell bringen. Und du wirst viele Tage leben...&#039;&#039;“, Üs.: Dietzfelbinger). Verwandt ist die Erklärung von Cassuto 1967: Langes Leben folgt nicht speziell aus der Ehrung der Eltern, sondern Gott lohnt grundsätzlich gutes Handeln wie insbesondere die Treue gegenüber seinen Geboten mit langem Leben (s. [[Exodus 23#s24 |Ex 23,24-26]]; [[Deuteronomium 6#s1 |Dtn 6,1f.]]; [[Deuteronomium 11#s8 |11,8f.]]; [[Deuteronomium 22#s6 |22,6f.]]; [[1 Könige 3#s14 |1 Kön 3,14]]; [[Psalm 41#s2 |Ps 41,2f.]]; dagegen [[Deuteronomium 4#s26 |Dtn 4,26f.]]; [[Deuteronomium 30#s16 |30,16-20]]).&amp;lt;br /&amp;gt;Will man bei dieser Deutung nicht mitgehen, bieten sich verschiedene Optionen an, den &#039;&#039;&#039;Zusammenhang&#039;&#039;&#039; doch „logischer“ zu erklären: (1) [[Jesus Sirach 3#s8 |Sir 3,8f.]] („&#039;&#039;In Wort und Tat ehre deinen Vater, damit von ihm Segen auf dich kommt! Der Segen des Vaters schafft den Wurzelgrund, der Fluch der Mutter jedoch rupft die Pflanze aus.&#039;&#039;“; der zweite Satz ist wahrscheinlich Entfaltung der Rede vom „lange leben auf dem Land“ in unserem V.) legt nahe, dass es der Segen der Eltern ist, der langes Leben verleiht (zum lebensverlängernden Segen s. [[Deuteronomium 30#s16 |Dtn 30,16-20]]). (2) Vorstellen könnte man sich mit Bekhor Schor, Köckert 2007, S. 75 und Miller 2009, S. 203f. auch noch etwas wie: Wenn du deine Eltern ehrst, werden wahrscheinlicher auch deine Kinder dich ehren und so wirst du lange leben können – vgl. insb. [[Jesus Sirach 3#s5 |Sir 3,5]]: „&#039;&#039;Wer den Vater ehrt, wird selbst durch die eigenen Kinder erfreut werden.&#039;&#039;“ Diesen Konnex gibt es auch häufiger in der griechischen Spruchweisheit (z.B. Sprüche der sieben Weisen, Spruch 8: „&#039;&#039;Welche Gefälligkeit du den Eltern erweist, solche kannst du auch selbst im Alter von deinen Kindern erwarten.&#039;&#039;“; Pseudo-Isocrates, Ad Dem 14a: „&#039;&#039;Verhalte dich so gegenüber deinen Eltern, wie du dir wünschst, dass deine Kinder sich dir gegenüber verhalten.&#039;&#039;“ (3) Die Erklärung von Jacob 1997 und Houtman 2000, Ehrung der Eltern sei Bedingung für einen gesunden Volkskörper, der dann als Kollektiv lang im Land Israel existieren kann (ähnlich schon ibn Ezra), scheint mir (S.W.) arg kompliziert. (4) Markl 2007, S. 118 deutet anscheinend so: Auf das Verfluchen der Eltern und den Ungehorsam ihnen gegenüber steht die Todesstrafe ([[Leviticus 20#s9 |Lev 20,9]]; [[Deuteronomium 21#s18 |Dtn 21,18f.]]); „lange leben“ heißt also nur: „nicht vorzeitig zur Strafe getötet werden“. Aber „lange leben“ ist doch wohl etwas anderes als „nicht früh getötet werden“?&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Wie aber „ehrt“ man eigentlich seine Eltern?&#039;&#039;&#039; – Besonders zwei Deutungen bieten sich an:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Die aussagekräftigste Parallele in der Bibel ist [[Maleachi 1#s6 |Mal 1,6f.]]: „&#039;&#039;Ein Sohn muss den Vater ehren und ein Sklave den Herrn. Wenn ich, Gott, Vater bin, wo werde ich geehrt? Und wenn ich Herr bin, wo werde ich gefürchtet? ... Ihr bringt unreines Brot als Opfer auf meinem Altar dar und sprecht dann auch noch: ‚Hm? Wo sollen wir dich denn verunreinigt haben?!‘, und gleichzeitig: ‚Ich verachte JHWHs Altar!‘&#039;&#039;“. JHWH als Vater zu „ehren“ hieße demnach, ihm durch Wort und Tat den gebührenden Respekt zukommen zu lassen. Ähnlich ist wahrscheinlich auch [[Leviticus 19#3 |Lev 19,3]] zu verstehen: „&#039;&#039;Ihr sollt vor euren Eltern Furcht/Ehrfurcht haben!&#039;&#039;“ Was das in Bezug auf die eigenen Eltern konkreter bedeuten kann, lässt sich dann ex negativo bestimmen: Es gibt viele Stellen in der Bibel, die sagen, wie man sich gegenüber den eigenen Eltern &#039;&#039;nicht&#039;&#039; verhalten soll und die gut mit diesen beiden Stellen und unserem Vers harmonieren. Dazu gehört es insbesondere, die eigenen Eltern zu &#039;&#039;verachten&#039;&#039; ([[Deuteronomium 27#s16 |Dtn 27,16]]; [[Sprichwörter 23#s22 |Spr 23,22]]; [[Sprichwörter 30,17 |30,17]]; [[Ezechiel 22#s7 |Ez 22,7]]; [[Micha 7#s6 |Mi 7,6]]) und sie zu &#039;&#039;verfluchen&#039;&#039; oder zu &#039;&#039;verspotten&#039;&#039; ([[Exodus 21#s15 |Ex 21,15.17]]; [[Leviticus 20#s9 |Lev 20,9]]; [[Sprichwörter 20#s20 |Spr 20,20]]; [[Sprichwörter 30#s11 |30,11]]; [[Jesus Sirach 3#s16 |Sir 3,16]]. Vgl. noch [[Jesus Sirach 3#13 |Sir 3,13]]: Dies gilt auch, wenn sie bereits dement sind). Außerdem beziehen [[Epheser 6#s1 |Eph 6,1-3]] und 4QInstr&amp;lt;sup&amp;gt;b&amp;lt;/sup&amp;gt; 2 III 15-19 das Gebot konkreter auf die Pflicht, seinen Eltern zu &#039;&#039;gehorchen&#039;&#039; (s. auch [[Deuteronomium 21#s18 |Dtn 21,18-21]]; [[Sprichwörter 1#s8 |Spr 1,8]]; [[Sprichwörter 23#s22 |23,22]]; [[Sprichwörter 30#s17 |30,17]]; [[Micha 7#s6 |Mi 7,6]]; [[Jesus Sirach 3#s1 |Sir 3,1]]; [[Tobit 4#s4 |Tob 4,4]]), was an diesen Stellen übrigens zumeist die Pflicht &#039;&#039;erwachsener&#039;&#039; Kinder ist, nicht von minderjährigen. Nicht direkt zur Pflicht der „Ehrung“ gehört es wahrscheinlich, die Eltern nicht zu &#039;&#039;berauben&#039;&#039; ([[Sprichwörter 28#s24 |Spr 28,24]]) oder gar handgreiflich gegen sie zu werden ([[Sprichwörter 19#s26 |Spr 19,26]]), aber dies versteht sich danach ja von selbst.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Im Alten Israel gab es keine Altersvorsorge und keine Pflegeheime; versorgt und gepflegt wurden alte Eltern von ihren Kindern (s. z.B. [[Tobit 4#s3 |Tob 4,3f.]]; Talmud, b.Jeb 65b). Vor allem im Talmud, b.Qid 31b, wird unser Ausdruck so verstanden: „&#039;&#039;Die Weisen lehren: Was heißt ... ‚(die Eltern) ehren‘? – Sie mit Essen und Trinken versorgen, sie bekleiden und bedecken, sie ausführen und zurückbringen&#039;&#039;“ So deuten unseren Vers z.B. auch Lang 2015, S. 32; Zink 2016, S. 43f. und Trimm 2017, S. 249. Näher liegt vom Wort her aber Deutung (1).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Ptz., verwendet als Futurum instans (vgl. [https://en.wikisource.org/wiki/Gesenius%27_Hebrew_Grammar/116._The_Participles#GHGpar-116-p GKC §116p]).&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
{{S|13}} Du sollst (darfst) nicht morden.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;morden&#039;&#039; - nicht: „töten“; heb. &#039;&#039;raṣah&#039;&#039; steht speziell für das „gewalttätige [... unmoralische] Töten“ (ThWAT VII, Sp. 654), allerdings nicht notwendig auch für das „schuldhafte“ (ebd.), sondern auch für den versehentlichen Totschlag ([[Deuteromium 4#s41 |Dtn 4,41f.]]; [[Josua 20#s3 |Jos 20,3]]). Wieder ist der Dekalog laxer als z.B. [[Genesis 9#s6 |Gen 9,6]], wo das Blutvergießen schlechthin mit der Todesstrafe belegt wird.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Exodus|21|12|14}} {{par|Numeri|35|15|28}} {{par|Deuteronomium|19|4|13}} {{par|Jeremia|7|9}} {{par|Hosea|4|2}}&lt;br /&gt;
{{S|14}} Du sollst (darfst) nicht die Ehe brechen.&amp;lt;ref&amp;gt;Wichtig: &#039;&#039;Ehebruch&#039;&#039; ist im polygamen Israel nicht schon jeder Verkehr außerhalb der eigenen Ehe. Geschlechtsverkehr zwischen einem verheirateten Mann und einer unverheirateten Frau z.B. ist kein „Ehebruch“, sondern hat nur zur Folge, dass der Mann dann auch noch diese Frau heiraten muss ([[Exodus 22#s15 |Ex 22,15f.]]; [[Deuteronomium 22#s28 |Dtn 22,28f.]]). Gemeint ist hier also nur der &#039;&#039;Einbruch&#039;&#039; in eine &#039;&#039;andere&#039;&#039; Ehe (vgl. z.B. Köckert 2007, S. 78; Coogan 2014, S. 84; Baker 2017, S. 113f.).&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Leviticus|20|10}} {{par|Deuteronomium|22|22|24}}&lt;br /&gt;
{{S|15}} Du sollst (darfst) nicht stehlen (kidnappen?&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;kidnappen&#039;&#039; - so Mechilta; b.San 85b; Raschi, Ramban; kürzlich auch wieder Coogan 2014, S. 85, da ihm sonst die Überschneidungen dieses Gebots mit dem letzten zu groß wären. Vgl. [[Exodus 21#s16 |Ex 21,16]]; [[Deuteronomium 24#s7 |Dtn 24,7]], wo zwar das selbe Verb verwendet wird, aber natürlich anders als hier noch präzisiert wird, dass von „gestohlenen“ &#039;&#039;Menschen&#039;&#039; die Rede ist. Dass dies auch hier gemeint ist, liegt äußerst fern. S. noch zum letzten Gebot.&amp;lt;/ref&amp;gt;). {{par|Leviticus|19|13}} {{par|Sacharja|5|3|4}} {{par|Epheser|4|28}}&lt;br /&gt;
{{S|16}} Du sollst (darfst) nicht aussagen gegen deinen Mitmenschen (Nächsten)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Nächster&amp;quot;&amp;gt;Der &#039;&#039;Nächste&#039;&#039;, heb. &#039;&#039;re´&#039;&#039;, von &#039;&#039;ra´ah&#039;&#039; („zusammensein, Umgang haben mit“), ist jeweils der, mit dem man „Umgang hat“ (Jacob 1997; Dohmen 2004; Albertz 2015) und daher nicht auf bestimmte Gruppen von Menschen wie den „Volksgenossen“ (Cassuto 1967; Childs 1974; Baker 2017, S. 136) oder gar nur den „Vollbürger aus dem eigenen Volk“ (Childs 1974; Crüsemann 1983, S. 63; Houtman 2000) eingeschränkt: In [[Exodus 11#s2 |Ex 11,2]] etwa sind auch &#039;&#039;Ägypter&#039;&#039; „Nächste“ von Israeliten. Die Pointe des Gleichnisses vom barmherzigen Samariter ([[Lukas 10#s25 |Lk 10,25-37]]) ist es ebenfalls, dass nicht nur Volksgenossen und erst recht nicht nur höhergestellte Volksgenossen „Nächste“ sind. Am besten übersetzt man daher mit etwas wie „Mitmensch“. Köckert 2007, S. 81 verbindet den Ausdruck klug mit der Philosophie von Kant: Der „Nächste“ ist jeweils das Gegenüber, „an dem die eigene Freiheit ihre Grenze findet“.&amp;lt;/ref&amp;gt; [als] lügnerischer Zeuge ([mit] lügnerischem Zeugnis).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Zeuge&#039;&#039; - Gemeint ist mit dem Wort speziell derjenige, der vor Gericht aussagt. Inbegriffen ist allerdings auch der, den man heute als „Ankläger“ oder „Verteidiger“ bezeichnen würde (vgl. Wells 2004, S. 44-48); am treffendsten ist daher zu übersetzen: „Du sollst vor Gericht nicht lügen“. Ein drittes Mal ist der Dekalog hier laxer als z.B. [[Leviticus 19#s11 |Lev 19,11]], wonach man grundsätzlich nicht lügen darf, oder [[Exodus 23#s7 |Ex 23,7]], wonach man nicht einmal in die Nähe von Lügen kommen soll.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Exodus|23|1}} {{par|Deuteronomium|19|16|19}} {{par|Sprichwörter|25|18}}&lt;br /&gt;
{{S|17}} Du sollst (darfst) nicht gieren&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;gieren&#039;&#039; - trad. „begehren“. So sollte man nicht mehr übersetzen, da das Gebot in der populären Auslegung oft ungut und unzutreffend dahin konkretisiert wurde, sich in die Frau eines anderen zu verlieben oder einen anderen um seine Habe zu beneiden. Das kann das heb. Wort &#039;&#039;ḥamad&#039;&#039; selten zwar auch bedeuten ([[Jesaja 53#s2 |Jes 53,2]]: „Hässliche Menschen &#039;&#039;attraktiv finden&#039;&#039;“; [[Sprichwörter 1#s29 |Spr 1,29]]: „&#039;&#039;Lust daran haben&#039;&#039;, andere zu verspotten“; [[Hohelied 2#s3 |Hld 2,3]]: „&#039;&#039;Gefallen daran finden&#039;&#039;, im Schatten eines Baums zu sitzen“). Sonst steht das Verb aber stets dafür, etwas &#039;&#039;haben zu wollen&#039;&#039;, oft konkret als Vorstufe des Raubs (z.B. [[Exodus 34#s24 |Ex 34,24]]; [[Deuteronomium 7#s25 |Dtn 7,25]]; [[Josua 7#s21 |Jos 7,21]]; [[Sprichwörter 12#s12 |Spr 12,12]]; [[Amos 2#s7 |Am 2,7]]; [[Micha 2#s2 |Mi 2,2]]). Das ist hier weit wahrscheinlicher gemeint, da ja kaum verboten wird, z.B. das Rind eines Mitmenschen prachtvoll zu finden (richtig z.B. Houtman 2000; Dohmen 2004; Köckert 2007, S. 83). Schüngel-Straumann 1973, S. 57; Crüsemann 1983, S. 76f.; Coogan 2014, S. 90; Albertz 2015, S. 70 glauben gar, das Verb stehe gar nicht für das „Gieren“, sondern synekdochisch bereits für den Raub. Aber dann hätte Coogan recht und das Gebot wäre wirklich identisch mit den Verboten von Diebstahl und Ehebruch.&amp;lt;/ref&amp;gt; nach dem Haus deines Mitmenschen (Nächsten).&amp;lt;ref name=&amp;quot;Nächster&amp;quot; /&amp;gt; Du sollst (darfst) nicht gieren nach der Frau deines Mitmenschen (Nächsten)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Nächster&amp;quot; /&amp;gt; oder seinem Sklaven (Knecht) oder seiner Sklavin (Magd) oder seinem Rind oder seinem Esel oder irgendjemanden, der (irgendetwas, das) deinem Mitmenschen (Nächsten)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Nächster&amp;quot; /&amp;gt; [gehört].“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|18}} {Und} [Wie gesagt] [war (war gewesen)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;war gewesen&#039;&#039; - so v.a. Cassuto 1967; Jacob 1997 nach Raschbam: Vv. 18-21 lassen nicht erkennen, dass soeben der Dekalog offenbart wurde. Eine sehr große Mehrheit an Auslegern nimmt daher an, dass der Dekalog erst später hier eingefügt wurde und 20,18 ursprünglich direkt an 19,19 anschloss. Raschbam, Cassuto und Jacob wollen das selbe Phänomen stattdessen damit erklären, dass Exodus hier nicht chronologisch erzähle, sondern dass das in Vv. 18-21 Berichtete schon vor der Offenbarung des Dekalogs geschehen sei, nämlich ebenfalls just nach dem, was Ex 19,19 berichtete, und dass die Erzählung davon aus irgendeinem Grund hier nur noch nachgeliefert worden sei. Das liegt sehr fern.&amp;lt;/ref&amp;gt;] das ganze Volk sehend (wahrnehmend?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;sehend (wahrnehmend?)&#039;&#039; - Heb. &#039;&#039;R`H&#039;&#039;, womit meist &#039;&#039;visuelle&#039;&#039; Wahrnehmungen bezeichnet werden, was nicht gut zu den Donnerschlägen und zum Schofargetöse passt. ibn Ezra; Dohmen 2004; Albertz 2015 u.a. denken, dies sei unproblematisch, da das Verb auch allgemein „wahrnehmen“ mit &#039;&#039;akustischen&#039;&#039; Sinneseindrücken als Objekt bedeuten könne. Das wäre möglich, s. neben Vv. 18.23 noch [[Genesis 42#s1 |Gen 42,1f.]]; [[1 Samuel 19#s3 |1 Sam 19,3]]; dazu ThWAT VII 235. Aber mindestens SamP sah es offenbar als nötig an, hier sprachlich zu glätten, und bietet daher stattdessen den Wortlaut „Das ganze Volk &#039;&#039;hörte&#039;&#039; die Donnerschläge und das Schofargetöse und sie &#039;&#039;sahen&#039;&#039; ...“ Vgl. auch Mechilta de Rabbi Schimon: „Für gewöhnlich ist&#039;s unmöglich, Donner zu sehen.“ Wahrscheinlicher ist das Verb hier also doch erklärungsbedürftig.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Einige Vorschläge&#039;&#039;&#039;: (1) Schwienhorst-Schönberger 2005, S. 57f. und Berner 2013, S. 387, denken, allein über dieses Verb solle zum Ausdruck kommen, dass das Volk übrigens leider von Gottes Offenbarung gar nichts verstanden, sondern nur unverständliche optische Eindrücke wahrgenommen habe. Aber welcher Hörer hätte sich das so erschlossen? Nimmt man noch V. 19 hinzu, der den Anschein erweckt, als hätten die Israeliten gar nichts von einer Gottesrede mitbekommen, müsste man dann ja sogar am natürlichsten annehmen, dass das Volk nicht einmal &#039;&#039;begriffen&#039;&#039; hätte, dass der entsetzliche Lärm Gottes Sprechen war. (2) Ich (S.W.) möchte daher alternativ und wohl einfacher vorschlagen: Im nächsten V. bittet das Volk ja explizit darum, JHWH nicht (mehr) hören zu müssen. Wahrscheinlich soll daher bereits durch das Fehlen von „Hören“ in diesem V. nur angedeutet werden, dass das Volk entsetzt wegehört hat. Beide Deutungen erklären auch am besten das Partizip „es [war] sehend (gewesen)“ zu Beginn des Verses, das wohl ausdrücken soll, dass dieses Sehen zeitgleich mit der Offenbarung des Dekalogs geschah. (3a) Wieder anders glauben ibn Ezra und Kass 2021, S. 335f., das nicht ganz passende Wort solle die Verwirrung des Volks ausdrücken; (3b) Sarna 1991 und Sommer 2015, S. 41 meinen ähnlich, durch das unpassende Verb solle das Übernatürliche der Selbstoffenbarung Gottes als unbeschreiblich dargestellt werden. (4) Markl 2007, S. 124f. schließlich schlägt vor, mit dem Verb solle nur auf den V. [[Exodus 19#s11 |Ex 19,11]] angespielt werden, nach dem Gott „vor den &#039;&#039;Augen&#039;&#039; des Volks“ auf den Berg hinabsteigen würde.&amp;lt;/ref&amp;gt; die Donnerschläge und die Fackeln&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Fackeln&#039;&#039; - V. 18 soll offensichtlich noch einmal die übernatürlichen Phänomene aus [[Exodus 19#s16 |Ex 19,16.18]] zusammenfassen. Danach sind die Fackeln vielleicht die „Blitze“ aus V. 16 (so z.B. Stoppel 2018, S. 295; Kass 2021, S. 335; die meisten dt. Üss. inkl. SLT 51: „Donnerschläge und Blitze“), wahrscheinlicher aber die einzelnen Lohen des Feuers aus V. 18 (so ELB, NeÜ, SLT 2000, TAF, TUR, van Ess: „Donnerschläge und Flammen“).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Redaktionskritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Dass&#039;&#039; diese Phänomene in einer Wiederaufnahme noch einmal aufgegriffen werden, macht sehr wahrscheinlich, dass dieser Versteil (bis „rauchender Berg“) erst später gemeinsam mit dem Dekalog hier eingefügt wurde. So die meisten Redaktionskritiker. Da der Versteil sich aber glatt in die Erzählung fügt, kann man ihn problemlos mitübersetzen.&amp;lt;/ref&amp;gt; und das Schofar-Getöse und den rauchenden Berg. Da fürchtete sich (sah&#039;s)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Die meisten Vrs. wie MT: „es sah“. LXX und VUL aber mit anderer Vokalisierung: „es fürchtete sich“. Wahrscheinlicher wurde ursprüngliches „fürchten“ an „sehen“ in V. 18a assimiliert als dass ursprüngliches „sehen“ an das „fürchten“ in V. 20 assimiliert wurde. So z.B. auch Houtman 2000; Propp 2006; Albertz 2015.&amp;lt;/ref&amp;gt; das (ganze)&amp;lt;ref name=&amp;quot;ganz&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: SamP, LXX, TgJ assimiliert in V. 18b an 18a: „das &#039;&#039;ganze&#039;&#039; Volk“. Ähnlich viele LXX-MSS, VL und JosAnt 11,15 in V. 21.&amp;lt;/ref&amp;gt; Volk, zitterte (stolperte zurück?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;zitterte (stolperte zurück?)&#039;&#039; - Die Alternative nach ibn Ezra; so auch Ehrlich 1908, S. 345; Houtman 2000; Dohmen 2004; ALTER. ibn Ezra und Ehrlich leiten diese Wortbed. aber nur daraus ab, dass das Volk am Ende des Verses „in der Ferne steht“. Da &#039;&#039;´MD&#039;&#039; auch „sich hinstellen“ bedeuten kann, ist das Versende aber unproblematisch und keinesfalls stark genug als Indiz zur Ansetzung einer weiteren Nebenbed. des häufigen Verbs &#039;&#039;NW´&#039;&#039; („zittern, schwanken, umhergehen“). Auch die Vrs. deuten durch die Bank als „zittern“, inkl. 4Q377 2 ii 9. So explizit auch Mechilta: „&#039;&#039;´md&#039;&#039; heißt nur ‚schwanken‘.“ Urkomisch sogar der Midrasch zu den Zehn Geboten: Mehrere frühjüdische Schriften ergänzen zum „sich in der Ferne hinstellen“: „&#039;&#039;12 Meilen&#039;&#039; in der Ferne“; hiernach der Midrasch: „Als die Israeliten die göttliche Rede hörten, wurden sie zwölf Meilen weit fortgeschleudert.“&amp;lt;/ref&amp;gt; und stellte sich entfernt hin (stand entfernt),&lt;br /&gt;
{{S|19}} und sie sagten zu Mose: „Rede du mit uns, dann wollen wir hören! Aber JHWH soll nicht mit uns reden, damit wir nicht sterben!“&lt;br /&gt;
{{S|20}} Da sagte Mose zum Volk: „Fürchtet euch nicht! Denn zum Zweck, euch zu erproben (versuchen), ist JHWH gekommen und zum Zweck, dass die Furcht vor ihm vor (auf) eurem Gesicht sei,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;die Furcht vor ihm soll vor (auf) eurem Gesicht sein&#039;&#039;, entweder soll also Israel sich stets vor Augen halten, dass Gott Ehrfurcht gebührt (Propp 2006), oder der Israelit hat einer zu sein, dem die Ehrfurcht vor Gott beständig ins Gesicht geschrieben steht (wie für [https://www.vatican.va/content/francesco/de/cotidie/2017/documents/papa-francesco-cotidie_20171221_die-freude-der-vergebung.html Papst Franziskus] dem Christen die Freude über die Erlösung beständig ins Gesicht geschrieben stehen soll; so zur Stelle Jacob 1997). Die meisten kommunikativen dt. Üss. übersetzen frei „damit ihr Ehrfurcht vor ihm habt“ o.Ä.; wie Propp aber z.B. EÜ, LUT, TUR, ZÜR („damit die Furcht vor ihm euch vor Augen stehe“); BB („Haltet euch vor Augen, dass er zu fürchten ist“); MEN, ZÜR 31 („damit die Furcht vor ihm euch gegenwärtig bleibt“); wahrscheinlich wie Jacob B-R („dass seine Furcht euch überm Antlitz sei“).&amp;lt;/ref&amp;gt; damit ihr nicht sündigt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Schwieriger Satz; zum einen wegen der paradoxen Formulierung „Fürchtet euch nicht, denn Gott ist gekommen, damit ihr Furcht habt“, zum anderen wegen der Rede von der „Erprobung“ / „Versuchung“, einem komplexen Konzept im AT (dazu vgl. z.B. Lohfink 1981, S. 58-70; Frevel 2018, S. 35-38; Braulik 2019, S. 25-39). Zu berücksichtigen ist auch [[Deuteronomium 5#s28 |Dtn 5,28f.]] (&#039;&#039;[Gott sprach: „Über die Bitte, dass du statt ihnen mit mir sprichst, ist zu sagen:] Alles, was sie gesprochen haben, ist gut. Oh dass sie sich doch diese Gesinnung, mich alle Zeit zu fürchten und meine Gebote zu beachten, bewahren mögen! Dann wird es ihnen und ihren Nachkommen auf ewig wohl ergehen!“&#039;&#039;): Unabhängig davon, ob Ex 20,18-21 oder Dtn 5,23-33 älter ist (s. nächste FN), wird in jedem Fall einer der beiden Aussprüche durch den anderen kommentiert.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;Erprobung&#039;&#039; durch Gott in der Wüste ist eine geläufige Idee in den Büchern Ex und Dtn, s. [[Exodus 15#s25 |Ex 15,25]]; [[Exodus 16#s4 |16,4]]; [[Deuteronomium 4#s34 |Dtn 4,34]]; [[Deuteronomium 7#s19 |7,19]]; [[Deuteronomium 8#s2 |8,2.16]]; [[Deuteronomium 29#s2 |29,2]]; [[Deuteronomium 33#s8 |33,8]]; konzeptuell ähnlich auch [[Genesis 22#s1 |Gen 22,1]]; [[Deuteronomium 13#s4 |Dtn 13,4]]; [[Richter 2#s22 |Ri 2,22]]; [[Richter 3#s1 |3,1.4]]; [[2 Chroniken 32#s31 |2 Chr 32,31]]. Schon die bloße Versliste macht sehr wahrscheinlich, dass die Idee der Wüsten-Erprobung eine deuteronomistische ist, dass also eher Ex 20,19-20 nach Dtn 5,23-29 gebildet wurde als umgekehrt. Genauer liegt in dieser Idee: Gott hat durch eine Reihe von Erprobungen Israel &#039;&#039;darauf trainiert&#039;&#039;, „sein Volk“ zu sein (Dtn 4,34), das seine Gebote hält, und gewährt ihm als Gegenleistung für das Bestehen jeder Trainingseinheit wie auch für das Halten seiner Gebote jeweils Gnadengaben. In Ex 15,23-27 kommt die Idee am konzisesten zum Ausdruck: Israel hat Durst, findet aber zunächst nur bitteres Wasser (23-24). Mose macht das Wasser trinkbar, gibt dem Volk bei dieser Gelegenheit ein erstes Mal Gebote und kommentiert dies damit, dass dies „Erprobung“ sei (25f.). Offenbar bewährt sich das Volk, und also führt Gott sie in V. 27 nach Elim, einem Ort mit gleich zwölf Wasserquellen. Vgl. so ausführlich auch das ganze Kap. [[Deuteronomium 8#s1 |Dtn 8]].&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;Unser Vers&#039;&#039; mit der überraschenden Formulierung „Fürchtet euch nicht, denn Gott ist gekommen, damit ihr Furcht habt“ lässt sich dann entweder so verstehen, dass das Volk bei dieser konkreten Gelegenheit Gottes Probe bereits bestanden hat, weshalb gar kein Grund mehr zur Furcht besteht: (1) Childs 1974; Houtman 2000; Irsigler 2021, S. 282: Sie haben sich grundsätzlich als Gott fürchtend erwiesen und so seine Probe bestanden; (2) Jacob 1997: Sie haben richtig damit gewählt, Mose zu ihrem Propheten zu machen, was Gott nach [[Exodus 19#s9 |Ex 19,9]] ja wirklich geplant hatte; (3) Stoppel 2018, S. 306: Sie haben richtig damit gewählt, dass sie nicht wie in [[Exodus 19#s13 |Ex 19,13]] gestattet auf den Berg gestiegen sind, sondern respektvoll Abstand gewahrt haben; (4) Albertz 2015: Alles davon.&amp;lt;br /&amp;gt;Oder man versteht ihn à la „Jungs, ihr kennt das doch schon! Das ist nur wieder eine Probe von Gott“ – aber bestanden ist &#039;&#039;diese&#039;&#039; Probe noch nicht. (5) Gemeint ist nämlich der Dekalog, der als Kurzfassung von Gottes Geboten &#039;&#039;soeben&#039;&#039; nur schon mal testweise erlassen wurde (Propp 2006), (6) oder die 40-tägige Abwesenheit von Mose, die sich &#039;&#039;gleich&#039;&#039; anschließen wird (Ruppert 1972, S. 62). Bei diesen beiden Proben würden die Israeliten dann in [[Exodus 32 |Kap. 32]] durchfallen.&amp;lt;br /&amp;gt;Liest man unseren Vers mit Dtn 5,28f. zusammen, liegt davon klar (1) am nächsten. Jede der Deutungen oben erfordert dabei, „Furcht“ im doppelten Sinn zu nehmen: „&#039;&#039;Habt keine Angst&#039;&#039;: Gott will ja nur, dass ihr &#039;&#039;Ehrfurcht&#039;&#039; vor ihm habt.“ (z.B. Childs 1974; Oswald 1998, S. 51; Propp 2006).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|21}} [Während] sich [also] das (ganze)&amp;lt;ref name=&amp;quot;ganz&amp;quot; /&amp;gt; Volk entfernt hingestellt hatte,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Redaktionskritik&#039;&#039;&#039;: Die meisten neueren Redaktionskritiker halten Vv. 19-20 für eine spätere Ergänzung nach Dtn 5. Dafür sprechen in der Tat stark die Wiederaufnahme von V. 18 in V. 21 und die Tatsache, dass die Versuchungs-Idee in V. 20 wahrscheinlich eine deuteronomistische Idee ist (s. vorige FN). Für eine ausführliche Analyse vgl. Berner 2013, S. 384; ebenso z.B. Oswald 1998, S. 50; Aurelius 2003, S. 159; Germany 2017, S. 117. Blum 1990, S. 93f. und Schmitt 2022b, S. 46 haben eingewandt, dass Dtn 5 glatter ist als Ex 20,18-21, was überraschte, wenn Dtn 5 der Geber- und Ex 20 der Nehmertext wäre. Aber sperrig ist der Abschnitt Ex 20,18-21 in der Formulierung nur wegen der Wiederaufnahme, die so erklärlich wurde. Konzeptuell ist er eigentlich nicht sperrig; er wirkt auf den Ausleger nur so, weil in der Exegese so viele verschiedene Deutungsvorschläge zur „Erprobung“ in V. 20 nebeneinander diskutiert werden. Aber das ist ja nicht die Schuld des Textes. Wie schon die deuteronomistische Ergänzung in Ex 19,3-8 fügt sich auch diese glatt in den Textverlauf, so dass man sie ohne Probleme mitübersetzen kann.&amp;lt;/ref&amp;gt; nahte sich Mose dem Wolkendunkel, wo JHWH [war].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|22}} Dann sagte JHWH zu Mose: „Dies sollst du den Israeliten (Söhnen Israels) sagen:&amp;lt;br /&amp;gt;‚[Weil]&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[Weil]&#039;&#039; - Nur durch Wortstellung (S – V statt V – S) markierter Nebensatz. Mit „weil“ übersetzt m.W. kein Kommentar, stattdessen werden Vv. 22.23 regelmäßig als zwei Hauptsätze übersetzt. Dass V. 22 aber auch textlogisch die &#039;&#039;Basis&#039;&#039; ist, &#039;&#039;auf der&#039;&#039; Vv. 23ff. geboten werden, ist klar (s. z.B. Cassuto 1967; Sprinkle 1994, S. 37; Houtman 1997, S. 51; Propp 2006); z.B. auch Tigay 2004, S. 203; Kass 2021, GN, LUT, MEN, NeÜ, NL, SLT leiten daher stattdessen V. 23 ein mit „Darum“.&amp;lt;/ref&amp;gt; ihr gesehen habt,&amp;lt;ref&amp;gt;„&#039;&#039;Sehen&#039;&#039;“ ist wieder das Verb &#039;&#039;R`H&#039;&#039; wie in V. 18. Hier ist es aber unproblematisch: Dass es vom Himmel her war, von wo Gott mit ihnen redete, mussten die Israeliten ja wirklich &#039;&#039;sehen&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; dass (wie) ich vom Himmel (her)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;vom Himmel (her)&#039;&#039; - Mit dem „vom-Himmel-her-Reden“ ist gewiss die Offenbarung der Zehn Sprüche gemeint. Diese erfolgte in Exodus aber strenggenommen vom &#039;&#039;Berg&#039;&#039; aus, nicht &#039;&#039;vom Himmel&#039;&#039; her wie in [[Deuteronomium 4#s36 |Dtn 4,36]]. Überraschend viele Ausleger nehmen daher an, ein deuteronomistischer Autor habe den Wortlaut unseres Verses nur hier ziemlich unpassend an die Szenerie von Dtn 4 angepasst, wonach der Text sich nun mit dem Rest von Ex 19-20 beißt (z.B. selbst noch Albertz 2015). Aber das wäre ein merkwürdiger Autor, der Ex 19 unangetastet gelassen und nur hier den Text geändert hätte. Die komplizierte Annahme ist auch ganz unnötig; dass der Berg nach der Herabkunft Gottes in den Himmel ragt, ließ sich in [[Exodus 19#s18 |Ex 19,18]] ja deutlich sehen – auch von diesem Berggipfel aus sprechend &#039;&#039;ist&#039;&#039; Gott damit noch im Himmel (ähnlich z.B. Cassuto 1967; Sprinkle 1994, S. 30; Oswald 1998, S. 155; Propp 2006).&amp;lt;/ref&amp;gt; mit euch gesprochen habe,&lt;br /&gt;
{{S|23}} dürft ihr nicht machen bei mir Götter aus Silber, und Götter aus Gold dürft ihr nicht machen euch (dürft ihr nichts machen bei mir: Götter aus Silber und...?)&amp;lt;ref&amp;gt;Umstrittener Satz. Nach den Akzenten des hebräischen Textes müsste man auflösen wie in der Alternativübersetzung (zu „nichts bei mir“ vgl. v.a. [[Jesaja 63#s3 |Jes 63,3]]: „Von den Völkern [war] &#039;&#039;kein Mensch&#039;&#039; bei mir.“). Ob das sprachlich möglich ist, ist aber nicht sicher, da umstritten ist, ob heb. &#039;&#039;lo`&#039;&#039; („nicht“) wirklich auch nominal übersetzt werden kann („ihr dürft &#039;&#039;nichts&#039;&#039; bei mir machen“, sc. „ihr dürft nichts machen, was dann bei mir wäre“, wie laut V. 3 „keine Götterbilder vor mir“ stehen dürfen). Ließe sich &#039;&#039;lo`&#039;&#039; wirklich so übersetzen, sollte man wegen der klaren Parallele zu V. 3 gewiss dem hebräischen Text folgen und so übersetzen wie in der Alternative. Dies tun z.B. Houtman 1997, S. 50; Jacob 1997; Janowski 2011, S. 4; Albertz 2015; Schmitt 2022c, S. 220. Aber es gibt keine guten Parallelen für diese Verwendung von &#039;&#039;lo`&#039;&#039;: Anhänger der Dahood-Schule nennen zwar häufiger v.a. einige Ijob-Stellen ([[Ijob 3#s16 |Ijob 3,16]]; [[Ijob 6#s21 |6,21]]; [[Ijob 9#s16 |9,16]] [wo auch noch der Athnach zu verschieben sein soll]; [[Ijob 11#s11 |11,11]]; [[Ijob 24#s25 |24,25]]; [[Ijob 31#s32 |31,32]]; [[Sprichwörter 19#s7 |Spr 19,7]]; [[Jesaja 53#s3 |Jes 53,3]]). Nur bei Ijob 6,21 wird diese Ansicht aber auch in Mainstream-Lexika wie BDB oder HALOT geteilt; ähnlich ZLH („Ihr seid ein Nein geworden“). Und da gerade in diesem Vers nicht einmal sicher ist, ob dort überhaupt auch wirklich unser Wort steht (s. zur Stelle), kann man diese Übersetzung hier nicht mit diesem unsicheren Vers rechtfertigen. Besser vertretbar ist es daher, entgegen den hebräischen Akzenten das „Götter aus Silber“ noch zum ersten Satz zu ziehen und dann zu übersetzen wie oben vorgeschlagen (so die meisten).&amp;lt;br /&amp;gt;Der Satz ist dann ein Hyperbaton: Sowohl „bei mir“ als auch „für euch“ bezieht sich auf beide Objekte, also: „Ihr dürft euch für euch nichts machen, das dann bei mir wäre: Weder Götterbilder aus Silber noch Götterbilder aus Gold“.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Statt „&#039;&#039;bei mir&#039;&#039;“ setzt LXX wie in 23b auch in Zeile a „für euch“ voraus; ähnlich Syr: „bei mir für euch“; in VUL fehlen beide Ausdrücke. Aber LXX ist gewiss nur Assimilation von Zeile a an Zeile b, Syr ein Kompromiss aus LXX und MT.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|24}} Einen Altar&amp;lt;ref&amp;gt;Sehr spannende Bestimmungen. (a) Die häufigste Form öffentlicher Altäre, die man in Israel gefunden hat, sind Altäre aus behauenem Kalkstein, (a1) entweder aus zurechtgehauenen Quadern wie der zu [https://offene-bibel.de/wiki/Amos_3#note_x Am 3,14] abgebildete (weitere Abbildungen z.B. bei Waszkowiak 2014, S. 49.57) oder (a2) in einem Stück aus dem Fels gehauen wie die [https://www.biblewalks.com/shilohaltars Schilo-Altäre]. (b) Vergleichbar mit a1 sind Altäre aus gebrannten Lehmziegeln wie die von [https://static.cambridge.org/binary/version/id/urn:cambridge.org:id:binary:20210226033700577-0040:S0033822220001046:S0033822220001046_fig6.png Tell el-Hayyat] oder Tell Haror. (c) Der Opferaltar, der in [[Exodus 27#s1 |Ex 27,1f.]] für die Stiftshütte gebaut werden soll, wird aus Holz und Kupfer sein; (d) der Räucheraltar der Stiftshütte in [[Exodus 37#s25 |Gen 37,25]] aus Holz und Gold; ebenso der Altar des Jerusalemer Tempels in [[1 Könige 6#s20 |1 Kön 6,20]].&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed-hover&amp;quot; class=&amp;quot;float-right&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Altar 1 - Feldsteinaltar Arad.png|Bild 1: Feldstein-und-Lehm-Altar, Arad, 10. Jhd. (c) [https://madainproject.com/tel_arad_temple MadainProject]&lt;br /&gt;
Datei:Altar 3 - Lehm und Gips, Aschkelon.png|Bild 2: Überkalkter Lehm-Altar, Aschkelon, 12. Jhd. (c) Master/Aja 2011, S. 138.&lt;br /&gt;
Datei:Altar 2 - Feldstein, Begehbar, Mt Ebal.png|Bild 3: „Josua-Altar“: Begehbarer Feldstein-Altar, Mt. Ebal, 13./12. Jhd. (c) [https://www.jpost.com/jerusalem-report/mount-ebal-more-than-meets-the-eye-661400 Jerusalem Post]&lt;br /&gt;
Datei:Altar 4 - Miniaturaltar, Rehov.jpg|Bild 4: Miniatur-Altar aus Lehm, Rehov (10. Jhd.). (c) [https://www.imj.org.il/en/collections/372497-0 IM, IAA 2007-579]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;Mindestens die Altartypen (a), (c) und (d) scheinen mit den Bestimmungen hier aber verboten zu werden: Entweder wird mit allen Versen insgesamt nur &#039;&#039;ein&#039;&#039; Altartyp erlaubt, der aus sowohl Erde als auch unbehauenen Feldsteinen erbaut werden soll wie der auf Bild 1 oder der von Motza [https://youtu.be/6TMPoqJcdAg?si=68Ng-F1pl8TMEFNY&amp;amp;t=736 in diesem YouTube-Video]. Oder es werden bis zu drei verschiedene Arten von Altären zugelassen: Erstens ein reiner Erdaltar, wie er – zweifellos auch wegen der vergänglichen Konstruktionsweise (richtig Stendebach 1976, S. 180) – nur sehr selten gefunden wurde; rechts auf Bild 2 etwa ein überkalkter und nur deshalb so gut erhaltener Erdaltar aus Aschkelon (Philistäa). Da es solche aber zweifellos &#039;&#039;gab&#039;&#039;, ist es unwahrscheinlich, dass die Bezeichnung „Erdaltäre“ eigentlich „Lehmziegel-Altäre“ meint (so z.B. Conrad 1968, S. 21-31; Crüsemann 2015, S. 202; Schmitt 2022c, S. 218). Zweitens wieder der nicht-begehbare Erd-und-Feldstein-Altar wie der auf Bild 1. Und drittens ein reiner Feldsteinaltar, den man sich dann als mit Rampe begehbaren Großaltar vorzustellen hat wie den berühmten „Josua-Altar“ auf dem Ebal (Bild 3), der aber nicht mit Treppe begehbar sein darf wie der in [https://holylandphotos.org/browse.asp?s=1,2,5,24,63&amp;amp;img=INJVMG04 Megiddo] (oder der in [[Ezechiel 43#s12 |Ez 43,12]]).&amp;lt;br /&amp;gt;Was davon wahrscheinlicher ist, hängt auch davon ab, ob mit V. 26 das Besteigen von Altären absolut oder nur das Besteigen von Altären über Treppen statt Rampen verboten wird: Gilt Letzteres und es wird also vorausgesetzt, dass immerhin manche Altäre sehr wohl über Rampen bestiegen werden dürfen, spräche das für die zweite Option, da bisher bei Ausgrabungen kein &#039;&#039;begehbarer&#039;&#039; Erd(-und-Feldstein)-Altar gefunden wurden. Gilt Ersteres, wäre die erste Option ebenso möglich. Aber auch die Tatsache, dass Vv. 24.25 zwischen „Altären aus Erde“ und „Altären aus Steinen“ differenzieren, macht die zweite Option wahrscheinlicher: „Altäre aus Erde“ ist Oberbegriff (Sprinkle 1994, S. 38), darunter fallen sowohl reine Erdaltäre, Erd-und-Stein-Altäre und reine Stein-Altäre, und über letztere macht dann V. 26 noch eine weitere Vorgabe.&amp;lt;br /&amp;gt;Wie ist das zu erklären, dass gerade die wichtigsten Altäre der Bibel hier in dieser wichtigsten, von Gott höchstselbst formulierten und niedergeschriebenen Gesetzessammlung verboten werden? Vier Erklärungsansätze sind verbreitet; der erste ist der mir (S.W.) sympathischste:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Sie werden gar nicht verboten; Ex 20 spricht nur über andere Altäre. Und andererseits werden an anderen Stellen der Bibel, wo es heißt, nur in Jerusalem dürfe ein Tempel stehen und nur Priester dürften in diesem Tempel Opfer darbringen, entgegen dem üblichen Verständnis nicht auch lokale &#039;&#039;Altäre&#039;&#039; für den privaten oder regionalen Opferkult verboten: Die regionalen Opferstätten, wohin JHWH nur zeitweise „kommt“, und der große Jerusalemer Tempel, wo „JHWHs Name &#039;&#039;wohnt&#039;&#039;“, existierten zeitgleich; die kleinen Altäre waren auch rechtlich offiziell erlaubt und Ex 20 bestimmt nur, dass sie keine &#039;&#039;kostbaren&#039;&#039; Altäre sein dürfen, damit sie einem Zentral-Heiligtum keine Konkurrenz machen (Sprinkle 1994, S. 44; Pitkänen 2000, S. 56; bes. stark Foreman 2019). Damit lassen sich dann übrigens auch die Miniatur-Altäre erklären, die man zu Hunderten in Israel gefunden hat (vgl. v.a. Zwickel 1990; Katalog aktualisiert durch Szanton 2014; für Abbildungen früher Exemplare s. noch Gat 2019, S. 17ff.24ff., für Abbildungen später Exemplare Stern 2019, S. 90.94.06) und auf denen vermutlich Privatpersonen im eigenen Wohnhaus oder bei ihren Feldern als Opfergaben Brot oder symbolisch Räucherwerk dargebracht haben (Zwickel 1990, S. 250): Auch mit der Errichtung staatlicher Tempel blieben die Israeliten ein „Königreich von Priestern“ ([[Exodus 19#s6 |Ex 19,6]]) und opferte sogar zu Hause, ohne dabei auf ein professionelles Priestertum angewiesen zu sein. Nach [[Jeremia 44#s15 |Jer 44,15-19.24-28]] scheinen zu Hause übrigens v.a. Frauen als Priesterinnen geopfert zu haben. Diese Deutung passt am besten zu den Ergebnissen von archäologischen Ausgrabungen (vgl. z.B. Zwickel 2012; Faust 2019: Der israelitische Kult &#039;&#039;nie&#039;&#039; ein überwiegend an zentralen Tempeln praktizierter Kult) und mehrere Stellen selbst im Dtn lassen sich so am besten erklären.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Die verschiedenen Altarkonzepte sind chronologisch zu erklären: Hier in der Wüste und noch bis zur Einführung der Monarchie sind lokale Altäre gestattet, danach aber ist Opfern nur noch am Jerusalemer Tempel erlaubt (z.B. Houtman 1997, S. 72.74; Otto 1999, S. 348f.).&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Die verschiedenen Altarkonzepte sind chronologisch zu erklären: Wie der Wechsel vom Sg. zum Pl. zeigt, gilt dieses Altargebot nur konkret für den einen Altarbau von Mose in [[Exodus 24#s4 |Ex 24,4]], danach gelten die Vorgaben von Dtn 12 (Hossfeld 1982, S. 182f.; Schwienhorst-Schönberger 1990, S. 295; Kilchör 2019, S. 458f.). Aber der Sg. ist gewiss nicht auf Mose zu beziehen, in Ex 24 opfern schließlich die Jünglinge statt Mose, und auch danach werden auch im dtn. Geschichtswerk noch weitere Altäre gebaut.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Die unterschiedlichen Altarkonzepte sind texthistorisch zu erklären: Entweder bietet Ex 20 die älteste Vorstellung, und nach und nach sind immer prachtvollere Altartypen und immer engere Regularien dazu, wer an ihnen opfern dürfe, bestimmt und veröffentlicht worden (so die meisten). Oder Ex 20 bietet einen sehr jungen Text: Entweder soll in diesem nur polemisch gegen die Zentralisierungsbestimmungen des Dtn angeschrieben werden (Conrad 1968, S. 15; Halbe 1975, S. 377ff.; 481f.) oder die deuteronomischen Bestimmungen sollen für die Exilssituation novelliert werden: Weil es im babylonischen Exil weder in Israel noch in Babylon ein zentrales Heiligtum und oft auch keine Priester gab, wurden für diese Zeit auch Opfer an ärmlichen Altären von Nicht-Priestern erlaubt, was dann aber zur Zeit von Esra/Neh wieder zurückgenommen worden wäre (so z.B. Oswald 1998, S. 142f., Levin 2003, S. 99f.; Chavel 2015).&amp;lt;/ref&amp;gt; aus Erde sollst du mir [stattdessen] machen, und auf ihm opfern deine Brandopfer und deine Gemeinschaftsopfer (?),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Brandopfer und Gemeinschaftsopfer&#039;&#039; - zwei der häufigsten Opfer-Arten in der Bibel. Der Ablauf der ersten wird am ausführlichsten geschildert in [[Genesis 22 |Gen 22]] und [[1 Könige 18 |1 Kön 18]]. Auch ihr Name ist klar: Wörtlich heißt sie „Aufstiegs-Opfer“, der Fokus des Namens liegt also darauf, dass eine zu verbrennende Speise im Rauch zu Gott „aufsteigt“. Auch bei der zweiten ist der Ablauf relativ klar (s. z.B. [[Leviticus 3#s7 |Lev 3,7ff.]]): Gemeint ist eine Opferhandlung, bei der ein Teil der Opfergabe für Gott verbrannt und ein anderer Teil bei einem Gemeinschaftsmahl verzehrt wurde. Gott geopfert wurde und Opfergabe war dabei strenggenommen nur der erste Teil; das Wort bezeichnet aber (bes. in jüngeren Texten) noch häufiger den gesamten Zusammenhang Teilweise-Verbrennen-und-teilweise-Essen (vgl. z.B. Willi-Plein 1993, S. 92-95). Ihr Name ist aber umstritten: Heb. heißt sie &#039;&#039;šalm&#039;&#039;, was sich gewiss herleitet vom Verb &#039;&#039;ŠLM&#039;&#039;, das aber unterschiedlichste Bedeutungen hat: (1) „abschließen, ganz machen“, daher z.B. Lisowsky: „Abschlussopfer“ (nach dem Brandopfer); (2) „ganz sein, heil sein“, daher z.B. ZÜR: „Heilsopfer“; (3) „heil sein, in Frieden sein“, daher z.B. SLT: „Friedensopfer“; (4) „einen Handel abschließen, bezahlen“, nach „Bezahlungs-Opfer“ daher z.B. LUT: „Dankopfer“. Weil die Wortbed. so unsicher ist, übersetzen einige Üss. frei, indem sie nur den Ablauf dieses Opfertyps umschreiben: BigS, GN, R-S: „Mahlopfer“; HER05, NGÜ: „Gemeinschaftsopfer“. Das ist wohl die beste Option.&amp;lt;/ref&amp;gt; dein Kleinvieh und dein Rindvieh.&amp;lt;br /&amp;gt;Überall, wo ich meinen Namen ausrufe (anrufen lasse?, wo du meinen Namen anrufst),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;ich rufe meinen Namen aus (ich lasse ihn anrufen?, du rufst ihn an)&#039;&#039; - Schwierige Stelle. Das heb. Verb ist der Hifil von &#039;&#039;ZKR&#039;&#039;. Wird das Verb in dieser Wortform mit dem „Namen Gottes“ als Objekt verwendet, sind sonst stets &#039;&#039;Menschen&#039;&#039; Subjekt dieses Verbs, die dann Gottes Namen „&#039;&#039;anrufen&#039;&#039;“ oder Gottes „&#039;&#039;gedenken&#039;&#039;“ (Gottes Namens) – für gewöhnlich &#039;&#039;ZKR&#039;&#039;t Gott nicht selbst seinen Namen, wie dies hier die meisten Versionen bezeugen.&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Syr und die Targumim TgN, FTV, PTF bezeugen stattdessen die 2. Pers., was dem gewöhnlichen Sprachgebrauch entspricht: „der Ort, an dem &#039;&#039;ihr&#039;&#039; meinen Namen anruft“. Entweder ist dies eine spätere Angleichung an den üblichen Sprachgebrauch (so urteilen die meisten), oder die 1. Pers. in MT und den anderen Textzeugen ist Angleichung des Verbs an die anderen Verben in der 1. Person oder theologische Angleichung an [[Deuteronomium 12#s5 |Dtn 12,5]], und Syr etc. bieten den ursprünglichen Wortlaut (so urteilen z.B. Heger 1999, S. 28-30; Tigay 2004, S. 203; van Seters 2006, S. 170-173; Chavel 2015, S. 177-179).&amp;lt;br /&amp;gt;(2) In dt. Üss. folgt man sehr einheitlich dem MT und deutet den Hifil dann kausativ: „der Ort, an dem ich meines Namens gedenken &#039;&#039;lasse&#039;&#039;“ = „der Ort, an dem ich meinem Namen ein Gedächtnis stifte“ (z.B. EÜ) oder „der Ort, wo ich meinen Namen anrufen &#039;&#039;lasse&#039;&#039;“ = „an jeder Stätte, die ich dazu bestimmen werde, dass man mich daselbst verehre“ (z.B. TEX). Aber richtig Schottroff 1964, S. 248: Der Hifil von &#039;&#039;ZKR&#039;&#039; ist nie derart kausativ.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Folgt man daher MT, müsste man stattdessen deuten wie ebd.; Stamm 1945, S. 306; Levin 2003, S. 102; Levinson 2008, S. 313f.: Besonders [[Genesis 26#s24 |Gen 26,24.25]] und [[Genesis 28#s13 |Gen 28,13.16-18]] schildern, wie Gott zwei Menschen erscheint, seinen Namen nennt, und wie diese daraufhin am selben Ort einen Altar errichten und Gott opfern. Das Selbe geschieht hier, s. zur Namensnennung V. 2, zum Altarbau und Opfer direkt nach der Offenbarung von Dekalog und Bundesbuch [[Exodus 24#s4 |Ex 24,4f.]]. Auch sonst werden im Buch Genesis Altäre häufig nach einer Erscheinung Gottes errichtet; auch, wenn nicht berichtet wird, dass Gott bei dieser Erscheinung seinen Namen genannt habe. Hält man den Wortlaut des MT für ursprünglich, müsste man den Text so deuten: „Überall dort (aber auch nur dort sicher), wo ich dir erscheine und bezeuge, dass wirklich ich es bin, der dir da erscheint, darfst du einen Altar bauen, und dann garantiere ich: jedes Mal, wenn du dann dort opferst, werde ich zu dir kommen und dich segnen.“&amp;lt;br /&amp;gt;Man muss abwägen zwischen (1): Üs. nach Syr oder (3): Üs. nach Stamm. Nur, weil (3) mehr Rückhalt in dt. Üss. und in der Exegese hat, wird hier (3) vorgezogen; an sich ist die textkritische Frage fast unentscheidbar.&amp;lt;/ref&amp;gt; ([dort])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: SamP, LXX, TgO wie in der Alternative, was nicht nur &#039;&#039;šm(j)&#039;&#039; („mein Name“), sondern &#039;&#039;šm(j) šm&#039;&#039; („mein Name, dort“) voraussetzt. Das kann gut der ursprüngliche Wortlaut gewesen sein; am Sinn des Texts ändert es aber nichts.&amp;lt;/ref&amp;gt; werde ich zu dir kommen und dich segnen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|25}} Wenn du mir einen Altar aus Steinen machst, darfst du nicht bauen mit ihnen als mit Behauenen,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: W. „Du darfst nicht bauen sie Behauene“. Akkusativobjekt ist nicht „&#039;&#039;er&#039;&#039;“, also der Altar, sondern auf das Verb folgt „&#039;&#039;sie&#039;&#039;“, die Steine. Ist der Text korrekt, muss dies Akkusativ des Stoffes sein (ebenso [[Deuteronomium 27#s6 |Dtn 27,6]]; [[1 Könige 15#s22 |1 Kön 15,22]]; bes. [[1 Könige 18#s32 |1 Kön 18,32]]) und auch das folgende „&#039;&#039;Behauene&#039;&#039;“ ist nicht Objekt des Verbs, sondern das Objekt ist erspart und „Behauene“ steht stattdessen in Apposition zum Akkusativ des Stoffs: „du darfst [den Altar] nicht mit ihnen in Form von &#039;&#039;behauenen&#039;&#039; Steinen erbauen“, sc.: „verwende für den Altarbau keine behauenen Steine!“&amp;lt;/ref&amp;gt; denn [dann] hättest du dein Schwert (dein Meisel?) über ihn&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;ihn&#039;&#039; - laut dem heb. Text: über „jeden einzelnen Stein“, wieder nicht der Altar, der im Heb. ein anderes Genus hätte.&amp;lt;/ref&amp;gt; gehoben&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;gehoben&#039;&#039; - Vielleicht ein Wortspiel: „heben“ ist auch ein &#039;&#039;terminus technicus&#039;&#039; aus dem israelitischen Kultwesen: Über einen Altar „gehoben“ werden sonst Opfergaben. Diese Handlung würde hier mit dem „Heben des Schwerts über seinen Steinen“ pervertiert (gtu z.B. Propp 2006).&amp;lt;/ref&amp;gt; und ihn entweiht.&amp;lt;ref&amp;gt;Mit einem &#039;&#039;Schwert&#039;&#039; werden Steine sonst nicht behauen. Der Vorschlag z.B. noch von Houtman 1997, S. 56, aus [[Josua 5#s2 |Jos 5,2f.]] ließe sich ableiten, dass heb. &#039;&#039;ḥarb&#039;&#039; auch speziell ein „Werkzeug zur Steinbearbeitung“ bezeichnet werden könnte, liegt sehr fern: Gewiss soll doch dort nicht gesagt werden, dass Israeliten mit einem &#039;&#039;Meisel&#039;&#039; beschnitten worden seien, sondern das „Stein-Messer“ ist ein antikes Messer &#039;&#039;aus&#039;&#039; Stein statt aus Metall, wie es im Alten Israel selbst noch in der frühen Eisenzeit sehr gebräuchlich war. Besser ist noch die Erklärung z.B. von ibn Ezra und Ramban, &#039;&#039;ḥarb&#039;&#039; sei gar nicht speziell das Schwert, sondern hier abzuleiten vom Verb &#039;&#039;ḤRB&#039;&#039; („schneiden, spalten“) und bezeichne qua „Schneid-Ding, Spalt-Ding“ doch den Meisel. Dagegen spricht aber die sonst sehr einheitliche Verwendung des häufigen Worts &#039;&#039;ḥarb&#039;&#039;. Nach einer der beiden Erklärungen übersetzen dennoch auch viele Neuere hier einfachhin mit „Meisel“ oder „Werkzeug“ (z.B. Dozeman 2009, Albertz 2015, Kass 2021; die meisten dt. Üss. inkl. ZÜR 07).&amp;lt;br /&amp;gt;Kann &#039;&#039;ḥarb&#039;&#039; nicht den „Meisel“ bezeichnen, muss man sich fragen, warum dann hier &#039;&#039;ḥarb&#039;&#039; („Schwert/Messer“) statt &#039;&#039;garzen&#039;&#039; („Meisel“) wie in [[1 Könige 6#s7 |1 Kön 6,7]] gesagt wird. In der Mechilta wird u.a. angenommen, „Schwert“ sei Metonymie für „Eisen“, so dass der Halbvers in die selbe Richtung ginge wie [[Deuteronomium 27#s5 |Dtn 27,5]]; [[Josua 8#s31 |Jos 8,31]] (daher R-S, SLT, TAF, van Ess, ZÜR 31: „Eisen“; BigS, TEX: „Eisenwerkzeug“). Das könnte richtig sein: Man könnte hinter all diesen Versen den weit verbreiteten Aberglauben (ibn Ezra: „&#039;&#039;Wir sollten nicht nach einer [rationalen] Erklärung für dieses Gebot suchen.&#039;&#039;“) annehmen, Metall und Übernatürliches seien Gegensätze, weshalb Heiliges wie selbst die Bärte von Priestern nicht in Kontakt mit Metall kommen (Bspp. bei [https://en.wikisource.org/wiki/The_Golden_Bough/Tabooed_Things Frazer 21 §2]) und z.B. für den Altarbau nur &#039;&#039;`abanim šalimot&#039;&#039; („heile Steine“) verwendet werden dürfen ([[Deuteronomium 27#s6 |Dtn 27,6]]; [[Josua 8#s31 |Jos 8,31]]; [[1 Könige 6#s7 |1 Kön 6,7]]). Das „Schwert“ könnte dann der &#039;&#039;Inbegriff&#039;&#039; solchen Metalls sein und stünde &#039;&#039;deshalb&#039;&#039; ungewöhnlich als Gegensatz zur „Heil-heit“ der Steine (vgl. Olyan 1996) metonymisch für „Eisen“ oder „Metall“. Ist das richtig, übersetzt man besser frei: „... denn dann hättest du ein Eisenwerkzeug über sie gehoben und sie beschädigt“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|26}} Und du darfst nicht auf Stufen auf (zu) meinen Altar hinaufsteigen, damit nicht deine Nacktheit über (auf, vor) ihm entblößt wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Wird hier das Besteigen des Altars schlechthin verboten oder nur speziell das Besteigen &#039;&#039;über Treppen&#039;&#039; statt Rampen (s. zu V. 24), weil dabei der menschliche Schambereich leichter entblößt werden könnte? Dies hängt auch davon ab, &#039;&#039;warum&#039;&#039; und &#039;&#039;vor wem&#039;&#039; die menschliche Scham nicht entblößt werden darf: Geziemt sich das nicht gegenüber dem heiligen Altar oder geziemt sich das nicht gegenüber anderen Menschen, wenn man in der Funktion des Opfernden auf dem Altar steht? In beiden Fällen wäre Altisrael mit dieser Ansicht ein Sonderfall im Alten Nahen Osten: Nacktheit galt dort grundsätzlich nicht als anstößig, sondern allenfalls als entwürdigend (s. zu [[Genesis 3#s7 |Gen 3,7]]), und auch deshalb finden sich sogar mehrere Abbildungen von Menschen, die nackt Götter opfern – manche davon wie z.B. [https://www.themorgan.org/exhibitions/online/she-who-wrote/wall-plaque-libation-scenes diese hier aus Ur] erwecken den Eindruck, als sei am Altar Nacktheit sogar normaler als anderswo. [[Exodus 28#s42 |Ex 28,42f.]] hilft auch nicht weiter: Hier wird zwar Priestern die als altisraelitisches Kleidungsstück ungewöhnliche Hose vorgeschrieben, aber wieder lässt sich nicht erkennen, ob damit die Scham des Hosenträgers vor dem Altar oder vor Mitmenschen verborgen werden soll. Das einzige schwache Indiz, an das wir uns hier zur Deutung halten können, ist daher die parallele Formulierung von Vv. 25.26 mit der Präp. &#039;&#039;´al&#039;&#039;: „Du hättest sonst dein Metallwerkzeug &#039;&#039;über ihn&#039;&#039; gehoben“ und „damit nicht &#039;&#039;über ihm&#039;&#039; deine Scham entblößt wird“. Das legt leicht nahe, dass sowohl das Metallwerkzeug &#039;&#039;über&#039;&#039; den Altarsteinen als auch die menschliche Scham &#039;&#039;über&#039;&#039; dem Altar das Problematische sind. Ist das richtig, ist wahrscheinlicher, dass das Besteigen des Altars hier grundsätzlich problematisch ist (wonach ja auch nach einer Besteigung per Rampe die menschliche Scham von unten sichtbar wäre), weshalb die Priesterschrift, die die Praxis der Ritualbesteigung beibehalten will, die Priesterhose gebietet, unser Gebot dagegen gleich die Treppe verbietet, über die ein Altar bestiegen werden könnte.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
Der in &#039;&#039;&#039;Vv. 1-17&#039;&#039;&#039; überlieferte Text ist als „Die Zehn Gebote“ bekannt und lässt sich in seiner historischen Wirkung kaum überschätzen. Ob allerdings im Exodusbuch hier wirklich „zehn Gebote“ erlassen werden, ist gar nicht so klar. Der Text ist doppelt überliefert und steht noch ein zweites Mal in [[Deuteronomium 5#s6 |Dtn 5,6-21]]. Es gibt einige Unterschiede auch im Wortlaut des Textes selbst. Doch dies ist nicht das Verwirrende; verwirrend sind vielmehr die Unterschiede in der Rahmung: „Zehn Sprüche“ (nie: „Gebote“) auf „zwei steinernen Tafeln“ sind der Text in Ex 20,1-17 // Dtn 5,6-21 nur im Buch Deuteronomium ([[Deuteronomium 4#s13 |Dtn 4,13]]; [[Deuteronomium 5#s22 |5,22]]). Die natürlichste Bedeutung des Texts im Exodusbuch dagegen ist, dass Gott dem Mose laut [[Exodus 24#s12 |Ex 24,12]]; [[Exodus 31#s18 |31,18]] das in [[Exodus 20#s22 |Ex 20,22-23,33]] überlieferte &#039;&#039;Bundesbuch&#039;&#039; und vielleicht das nachgereichte Sabbatgebot in [[Exodus 31#s13 |Ex 31,13-17]] auf steinernen Tafeln überreicht, dass Mose diese Tafeln in [[Exodus 32#s15 |Ex 32,15f.19f.]] zerbricht und dann in [[Exodus 34#s28 |Ex 34,28]] mit [[Exodus 34#s10 |Ex 34,10-26]] &#039;&#039;andere&#039;&#039; Sprüche noch einmal auf steinerne Tafeln schreibt, und dass erst diese als „zehn Sprüche“ bezeichnet werden. Für den Text in Ex 20,2-17 gilt beides nicht: Weder steht er auf den berühmten steinernen Tafeln noch wird er irgendwo als „zehn Gebote“ o.ä. bezeichnet. Hinzu kommt dann noch die Merkwürdigkeit, dass in &#039;&#039;&#039;Vv. 18-21&#039;&#039;&#039; das um den Sinai versammelte Volk von der eben ergangenen Offenbarung gar keine Notiz zu nehmen scheint; als hätte Gott geschwiegen, wenden sie sich an Mose, dass bitte er für sie mit Gott sprechen solle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;In der neuen Auslegung werden beide Merkwürdigkeiten – dass Ex 20,2-17 nach der Logik des Texts gar nicht die „zehn Sprüche“ zu sein scheinen und dass das Volk so gar nicht auf die Offenbarung dieser Verse reagiert – meist texthistorisch erklärt. Die Rekonstruktion der Textgeschichte ist wieder äußerst umstritten, aber am plausibelsten ist die schon ältere von Hossfeld 1982 (auch Hossfeld 2005; ebenso z.B. Schmidt 1993, S. 29; Konkel 2008, S. 270): Ex 20,1-17 stand ursprünglich gar nicht im Exodus-Text, sondern an [[Exodus 19#s18 |Ex 19,18]] schlossen sich unmittelbar &#039;&#039;&#039;Vv. 18-21&#039;&#039;&#039; als Einleitung des sehr alten Bundesbuches an. Die Autoren hinter [[Deuteronomium 5 |Dtn 5]] hätten aus Bundesbuch(, Ex 34) und [[Hosea 4#s2 |Hos 4,2]] eine Einleitung zu ihrer Gesetzessammlung in Dtn 12-26 verfasst, die sie als direkte Offenbarung Gottes an das Volk gestaltet hätten, um etwas von ähnlicher Würde zu konstruieren wie das Bundesbuch als von Gott selbst formuliertem Vertragstext. Als dann gegen Ende der biblischen Textgeschichte Gen-Num und Dtn-2 Kön zusammengefügt wurden, hätten die Redaktoren Ex und Dtn unter anderem dadurch aneinander angeglichen, indem sie den Text aus Dtn 5 leicht verändert nach Ex 20 kopiert hätten. Aber:&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den ersten Blick ist der Text in Ex 20 also recht sperrig. Aber man kann auch den Text, wie er jetzt vorliegt, gut verstehen: Nachdem Gott wie nie zuvor und auch danach nie wieder höchstselbst dem gesamten Volk auf dem Sinai erschienen ist, spricht er auch noch Face to Face zu seinem Volk, was ebenfalls einzig hier im Ersten Testament vorkommt. Doch auf die Israeliten – wieder: die nörgelnden und ungehorsamen Israeliten (s. [[Exodus 14#s11 |Ex 14,11f.]]; [[Exodus 15#s24 |15,24]]; [[Exodus 16#s2 |16,2f.]].[[Exodus 16#s25 |25-29]]; [[Exodus 17#s2 |17,2-7]]) – scheint das &#039;&#039;Wie&#039;&#039; der Offenbarung in Vv. 1-17 offenbar weit größeren Eindruck zu machen als das &#039;&#039;Was&#039;&#039; derselben: Mit keinem Wort wird erkennbar, dass sie von ihrem Inhalt überhaupt Notiz genommen haben; in &#039;&#039;&#039;V. 18&#039;&#039;&#039; fehlt sehr auffällig sogar ein Wort für das „Hören“ des Volks. Der Vers endet damit, dass das Volk sich in die Gottferne begibt. Stattdessen bitten sie in &#039;&#039;&#039;V. 19&#039;&#039;&#039; den Mose: Lieber wollen sie &#039;&#039;ihn&#039;&#039; hören, &#039;&#039;er&#039;&#039; soll für sie mit Gott und vor allem für Gott mit ihnen sprechen. Aber Gott selbst zu hören? Nein, das können sie nicht ertragen. Mose beruhigt das Volk in &#039;&#039;&#039;V. 20&#039;&#039;&#039;: Ihre Ehrfurcht ist die angemessene Reaktion auf Gottes Größe; mit dieser Ehrfurcht haben sie nach [[Exodus 15#s25 |Ex 15,25]] und anders als in [[Exodus 16#s4 |Ex 16,4]] eine weitere Probe Gottes bestanden: Nun ist wirklich zu erwarten, dass sie als Gottes Volk dessen Geboten Folge leisten und so „nicht sündigen“ werden. Und so macht sich Mose, nachdem in Vv. 1-17 der Dekalog als Grundlage für den Vertragsschluss zwischen Gott und Israel offenbart wurde, in &#039;&#039;&#039;V. 21&#039;&#039;&#039; auf, um mit dem Bundesbuch ebendiese Gebote zu empfangen.&amp;lt;br /&amp;gt;Aber man muss sich doch fragen, ob eigentlich Mose die Reaktion des Volks wirklich richtig interpretiert hat: Während Gott sich im Exodusbuch nämlich gleich noch einmal selbst überbietet, eigenhändig eine Gesetzessammlung ausformuliert und darüber hinaus eigenhändig zwei Gesetzestafeln anfertigt ([[Exodus 24#s12 |Ex 24,12]]), erweist sich Gottes auserwähltes Volk direkt nach der Ratifizierung des Vertrags in [[Exodus 24#3 |Ex 24,3-11]] &#039;&#039;schon wieder&#039;&#039; als völlig unzulänglich und wird eben &#039;&#039;nicht&#039;&#039; der Erwartung gerecht, Gottes Geboten zu folgen, sondern bastelt sich just in dem Moment, da Mose die Tafeln in Empfang nehmen will, einen eigenen Götzen und bricht damit direkt den ersten Spruch des Dekalogs und das erste Gebot des Bundesbuchs. Hätten sie in V. 18 doch nur besser zugehört...&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Zeichen des Vertragsbruches zerbricht dann Mose in [[Exodus 32#s19 |Ex 32,19f.]] die beiden Vertragstafeln, und erst nach langer Diskussion lässt sich Gott darauf ein, noch einmal einen Vertrag mit Israel zu schließen – diesmal auf der Basis des Vertragstextes von Ex 34.&amp;lt;br /&amp;gt;Wie ist also die Reaktion des Volk in den Vv. 18-21 einzuschätzen? Wirklich als angemessen? Und wie ist es im Exodusbuch einzuschätzen, dass Mose zum Sprecher Israels ernannt wird? Nach Ex 19,9 entspricht dies Gottes Plan. Aber ist es wirklich auch &#039;&#039;gut&#039;&#039;? Und vor allem: Was ist im Exodusbuch eigentlich der Text in 20,2-17? Lediglich Gottes erster Entwurf, der aber schon beim Hören zu viel ist für die Israeliten, der daher direkt in der Folge gleich zweimal revidiert wird und nur noch aus sozusagen archivarischem Interesse im Exodusbuch überliefert wird? Oder die unüberbietbare Formulierung des Vertrags zwischen Gott und Israel – das, was Gott &#039;&#039;eigentlich&#039;&#039; von seinem Volk verlangt? Und was bietet dann der Text in Ex 34,10-26? Bloß die klägliche Restmenge an Geboten, die allein Israel einzuhalten imstande ist? Oder die „Zehn Gebote letzter Hand“, die Krone der Gesetzeswerke im Exodusbuch? Beides lässt der Text offen und müssen sich Lesende selbst beantworten. Wie auch immer die Antwort ausfällt: Daneben steht gleichzeitig immer die Erzählvariante im Buch Deuteronomium, wo &#039;&#039;Gott selbst&#039;&#039; die Reaktion des Volks gutheißt und wo auch die „zehn Sprüche“ &#039;&#039;mitnichten&#039;&#039; überholt werden, sondern vielmehr das gesamte deuteronomische Gesetzeswerk präsentiert wird als Auslegung und Novellierung dieser grundlegenden zehn Sprüche Gottes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An die Offenbarung der Zehn Sprüche schließt sich gleich ein weiterer Spitzentext des Ersten Testaments an, nämlich in &#039;&#039;&#039;Ex 20,2-23,33&#039;&#039;&#039; die Offenbarung des „Bundesbuchs“, also der grosso modo ältesten Gesetzessammlung überhaupt in der Bibel. Eingeleitet wird es in &#039;&#039;&#039;Vv. 22-26&#039;&#039;&#039; durch zwei Gebote, die regeln, welche Objekte man für die Ausübung der JHWH-Religion „machen“ darf. Genauer bestimmen &#039;&#039;&#039;Vv. 22f.&#039;&#039;&#039; mit einer Variante des ersten Spruchs in Vv. 3-5: Man darf sich keine Bilder anderer Götter „machen“, die dann „bei Gott“ – wahrscheinlich also wieder: an einem Kultort JHWHs – stünden.&amp;lt;br /&amp;gt;Darauf folgen in &#039;&#039;&#039;Vv. 24-26&#039;&#039;&#039; mit dem sogenannten „Altargesetz“ genauerer Bestimmungen dazu, was man Gott stattdessen „machen“ soll. Ausschließlich die einfachstmögliche Variante von Altären wird hier erlaubt: aus Erde und/oder aus Steinen, nicht mit Metall bearbeitet, nicht mit Treppe ausgestattet. Besonders der Jerusalemer Edelmetall-Treppen-Altar, den viele andere Bibelstellen im Gegenteil als den einzig zulässigen Altar darstellen, wäre danach in mehrerlei Hinsicht verboten. Vielleicht soll sogar auch mit der genaueren Bestimmung, nicht Götterbilder allgemein, sondern speziell Silber- und Gold-Götter seien verboten, noch zusätzlich auf diesen Goldaltar angespielt werden. Nebenbei wird unter der Hand anscheinend auch noch das Kultpriestertum für überflüssig erklärt, denn auf der Vielzahl von Dreckhaufen-Altären sollst „du“ opfern – und nach [[Exodus 24#s5 |Ex 24,5]] ist dieses &#039;&#039;du&#039;&#039; nicht Mose, sondern wie in den Zehn Sprüchen gehören dann zu diesem „Du“ wieder „&#039;&#039;alle Männer Israels, ihre Kinder, ihre Frauen, die Immigranten, ja, alle vom Holzfäller bis zum Wasserträger&#039;&#039;“  ([[Deuteronomium 29#s8 |Dtn 29,8-10]]; s. zu V. 2).&amp;lt;br /&amp;gt;Man &#039;&#039;kann&#039;&#039; dieses Altargebot und das gegenteilige Gebot der „Kultzentralisierung“ nach Jerusalem sinnvoll so auslegen, dass beide miteinander harmonieren (s. zum Wort „Altar“ in V. 24). Bestenfalls bedeutete eine solche Auslegung aber, dass man entweder das Bundesbuch falsch versteht, wenn man es als allgemeingültiges Grundgesetz Israels auffasst, oder dass man mindestens Grundanliegen des Buchs Deuteronomium, das besonders entschieden für die Kultzentralisierung eintritt, regelmäßig falsch verstanden hat. Am ehesten wird man sich daher doch damit bescheiden müssen: Neben der Ansicht im Deuteronomium, zulässig sei nur der von der Priestergruppe der Leviten getragene Kult in Jerusalem, findet sich in der Bibel &#039;&#039;auch&#039;&#039; und sogar an derart zentraler Stelle die gegenteilige Ansicht, Priester seien überflüssig und der Jerusalemer Tempelkult nicht gottgefällig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Deuteronomium_8&amp;diff=40219</id>
		<title>Deuteronomium 8</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Deuteronomium_8&amp;diff=40219"/>
		<updated>2025-10-30T20:20:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Syntax&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Ungeprüfte Studienfassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Lesefassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{L|1}}&lt;br /&gt;
{{L|2}}&lt;br /&gt;
{{L|3}}&lt;br /&gt;
{{L|4}}&lt;br /&gt;
{{L|5}}&lt;br /&gt;
{{L|6}}&lt;br /&gt;
{{L|7}}&lt;br /&gt;
{{L|8}}&lt;br /&gt;
{{L|9}}&lt;br /&gt;
{{L|10}}&lt;br /&gt;
{{L|11}}&lt;br /&gt;
{{L|12}}&lt;br /&gt;
{{L|13}}&lt;br /&gt;
{{L|14}}&lt;br /&gt;
{{L|15}}&lt;br /&gt;
{{L|16}}&lt;br /&gt;
{{L|17}}&lt;br /&gt;
{{L|18}}&lt;br /&gt;
{{L|19}}&lt;br /&gt;
{{L|20}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|1}} Alle Gebote, die ich dir heute gebiete, sollt ihr halten, dass ihr sie tut, damit ihr am Leben bleibt&amp;lt;ref&amp;gt;Wörtlich: leben werdet.&amp;lt;/ref&amp;gt; und zahlreich werdet und hingelangt und in Besitz nehmt das Land, das JHWH euren Vätern (zu)geschworen hat.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{S|2}} Und du sollst dich erinnern an den ganzen Weg, den dich JHWH, dein Gott, geführt hat diese 40 Jahre in der Wüste, um dich zu demütigen (demütig zu machen)&amp;lt;ref&amp;gt;Das Verb hat die Grundbedeutung „erniedrigen, unterdrücken” und ist stets mit negativer Konnotierung verbunden. „Später hat es in gottesdienstliche Sprache Eingang gefunden und bezeichnet dort nicht mehr die brutale Unterdrückung und Versklavung, sondern die Haltung einer Demut (vgl. Ps 90,15; 119,75; Hi 30,11): Gott ist es, der ‚niedrig’ macht. Dieser Sprachgebrauch der Frömmigkeit liegt hier vor; die Formulierung ist als Kontrastbegriff zum ‚erhöhten Herzen’ (Überheblichkeit) von V. 14 gewählt.” Rose, S. 459.&amp;lt;/ref&amp;gt; und zu prüfen (auf die Probe zu stellen), um zu erkennen, was in deinem Herzen ist, ob du seine Gebote befolgen wirst oder nicht.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{S|3}} Und er demütigte dich (machte dich demütig) und ließ dich hungern. Und er gab dir das Man(na)&amp;lt;ref&amp;gt;מָּן֙ ist das Manna, aber auch das Fragewort Was?, vgl. die Etymologie zu Manna Exodus 16,15.&amp;lt;/ref&amp;gt; zu essen, das du nicht kanntest und das deine Väter nicht gekannt hatten, um dich erkennen zu lassen, dass nicht allein vom Brot der Mensch lebt, denn (sondern) von allen Äußerungen&amp;lt;ref&amp;gt;Wörtlich: sondern von dem ganzen Ausgehen des Mundes JHWHs. Nicht nur das verbale Wort ist gemeint, sondern die Schöpfermacht Gottes, vgl. Rose, S. 459f.&amp;lt;/ref&amp;gt; des Mundes JHWHs lebt der Mensch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|4}} Deine Kleidung ist nicht zerfallen von dir (ist dir nicht vom Leib gefallen) und deine Füße sind nicht angeschwollen diese 40 Jahre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|5}} Erkenne in deinem Herzen, dass wie man sein Kind&amp;lt;ref&amp;gt;Wörtlich: seinen Sohn&amp;lt;/ref&amp;gt; zurechtweist, JHWH, dein Gott, dich zurechtweist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|6}} Und du sollst die Gebote JHWHs, deines Gottes, befolgen, indem du auf seinem Weg gehst und ihn fürchtest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|7}} Denn JHWH, dein Gott, bringt dich in ein gutes Land. Ein Land mit Wasserläufen,&amp;lt;ref&amp;gt;Gemeint sind Wadis, die üblicherweise die meiste Zeit trocken sind und nur bei Regen Wasser führen - hier führen sie immer Wasser, vgl. Rose, S. 461.&amp;lt;/ref&amp;gt; Quellen und Grundwasser,&amp;lt;ref&amp;gt;Das Wasser, auf dem die Erdscheibe schwimmt, die „Urflut”, das aus dem Boden austritt, vgl. Rose, S. 461.&amp;lt;/ref&amp;gt; das hervorkommt (hervorsprudelt) in der Ebene und auf dem Hügel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|8}} Ein Land mit Weizen und Gerste, mit (Wein)Rebe, Feige und Granatapfel. Ein Land mit Ölbaum und Honig.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{S|9}} Ein Land, in dem du dein Brot nicht rationiert&amp;lt;ref&amp;gt;„Das im hebräischen Text gebrauchte Wort stammt aus der Sprache Mesopotamiens und meint nicht allgemein ‚Armut’ (um die zu bezeichnen, brauchte man nicht einen Begriff aus einer anderen Sprache als Fremdwort zu übernehmen!), sondern ein besonderes soziales und wirtschaftliches Phänomen. Am wahrscheinlichsten ist, bei diesem Begriff an eine staatlich gelenkte Versorgungs- und Rationierungspraxis zu denken.” Rose, S. 461.&amp;lt;/ref&amp;gt; essen&amp;lt;ref&amp;gt;„Brot essen” ist eine Umschreibung für „sich ernähren”, vgl. Rose, S. 461.&amp;lt;/ref&amp;gt; wirst. In ihm wird es dir an nichts fehlen. Ein Land, in dem die Steine Eisen(haltig) sind und aus dessen Bergen du Kupfer aushauen (brechen, schürfen) wirst.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Reichtum an Bodenschätzen entspricht nicht der Realität: Das westjordanische Bergland hat so gut wie keine Bodenschätze zu bieten, vgl. Rose, S. 462.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|10}} Du wirst essen und satt werden und JHWH, deinen Gott, preisen wegen des guten Landes, das er dir gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|11}} Hüte dich, dass du JHWH, deinen Gott, nicht vergisst, dass du nicht befolgst seine Gebote, seine Rechtssatzungen und seine Vorschriften, die ich dir heute gebiete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|12}} Dass (Damit) nicht, wenn du isst und satt wirst und schöne Häuser baust und [be]wohnst,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|13}} und deine Rinder und dein Kleinvieh zahlreich wird, Gold und Silber sich bei dir mehren und alles, was dein ist, mehr wird,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|14}} dein Herz stolz wird und du JHWH vergisst, deinen Gott, der dich herausgeführt hat aus dem Land Ägypten, aus dem Sklavenzwinger (Sklavenhaus).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|15}} Der dich führte in der großen und furchtbaren Wüste der Feuerschlange und des Skorpions&amp;lt;ref&amp;gt;Die „Aufzählung konkreter Details … beginnt mit dem Aspekt der Wasserlosigkeit. Um diese anschaulich zu machen, werden an erster Stelle die Schlangen genannt, von denen man annahm, dass sie den trockenen Erdboden fressen (Mi 7,17; Jes 65,25; vgl. 1.Mose 3,14) … Der Akzent liegt also nicht primär auf der Bedrohung des Menschen durch die Tiere der Steppe und Wüste (dann hätte man z.B. die Nennung des Löwen erwarten können), sondern in der Veranschaulichung der Wasserlosigkeit.” Rose, S. 463.&amp;lt;/ref&amp;gt; und der Gebiete, wo es kein Wasser gibt. Der für dich Wasser hervorbrachte aus dem Kieselfels.&amp;lt;ref&amp;gt;Ein Fremdwort aus der Sprache Mesopotamiens, das die besondere Härte des Felsens betont. Im Arabischen steht das Wort für ‚Diamant’, vgl. Rose, S. 464. Übertragen könnte man übersetzen: Aus dem härtesten Fels.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|16}} Der dir Man(na) zu essen gab in der Wüste,&amp;lt;ref&amp;gt;Manna, das zuckerhaltige Sekret von Schildläusen, die an Tamarinden saugen und das in Form runder Tröpfchen auftrocknet, war ein bekanntes Nahrungsmittel in der Wüste, vgl. Rose, S. 464.&amp;lt;/ref&amp;gt; das deine Väter nicht gekannt hatten, damit er dich demütigte (demütig machte) und damit er dich auf die Probe stellte, um dir zuletzt&amp;lt;ref&amp;gt;Wörtlich: Um dich gut zu machen/ dir Gutes zu erweisen in deinem Danach, vgl. Rose, S. 464.&amp;lt;/ref&amp;gt; wohl zu tun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|17}} Wenn&amp;lt;ref&amp;gt;Konsekutives Perfekt zu Beginn der Verse 17 und 18 beschreibt m.E. ein wenn-dann-Verhältnis.&amp;lt;/ref&amp;gt; du in deinem Herzen sprichst: Meine Kraft und die Machtfülle meiner Hand verschafften (machten) mir dieses Vermögen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|18}} dann sollst du an JHWH, deinen Gott, denken. Denn er gab dir Kraft, Vermögen zu erwirtschaften (schaffen), indem er den Bund aufrichtete, den er deinen Vätern geschworen hatte, wie es heute ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|19}} Und es soll geschehen: Wenn du wirklich&amp;lt;ref&amp;gt;Figura etymologica aus Infintiv absolutus und finiter Form desselben Verbs.&amp;lt;/ref&amp;gt; JHWH, deinen Gott, vergisst, dass&amp;lt;ref&amp;gt;Consekutives Perfekt.&amp;lt;/ref&amp;gt; du anderen Göttern hinterherläufst und ihnen dienst und sie anbetest (verehrst), dann warne ich euch heute, dass ihr gewiss (sicher)&amp;lt;ref&amp;gt;Figura etymologica aus Infintiv absolutus und finiter Form desselben Verbs.&amp;lt;/ref&amp;gt; zugrunde gehen werdet.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{S|20}} Wie die Völker, die JHWH vor euch ausrottete (vernichtete), so werdet ihr ausgerottet (vernichtet) werden dafür, dass ihr nicht auf die Stimme JHWHs, eures Gottes, gehört habt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Apostelgeschichte_15&amp;diff=40218</id>
		<title>Apostelgeschichte 15</title>
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		<updated>2025-10-30T20:07:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Syntax&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Lesefassung}} &#039;&#039;(kommt später)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
{{S|12}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|13}} Nachdem sie [fertig]gesprochen hatten, antwortete Jakobus&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Jakobus&#039;&#039; - der (leibliche) Bruder Jesu (s. [[Galater 1#s19 |Gal 1,19]]). Zu dieser Zeit der „Papst“ der Urkirche, insofern er das Oberhaupt der Jerusalemer Urgemeinde in der „Mitte der Welt“ war. Nach [[Galater 2#s11 |Gal 2,11f.]] konnte er selbst Petrus zurechtweisen, nach [[Apostelgeschichte 21#s18 |Apg 21,18f.]] war er es, dem selbst Paulus Bericht zu erstatten hatte, und entsprechend ist ja auch hier er es, der „das letzte Wort hat“. Auch [[Apostelgeschichte 12#s17 |Apg 12,17]] zeugen immerhin von seiner herausgehobenen Stellung, da er als einziger eigens genannt wird. Wann und warum er Petrus als Oberhaupt der Urgemeinde ablöste, ist nicht überliefert.&amp;lt;/ref&amp;gt; {indem er sprach}: „{Männer} Brüder, hört mich!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|14}} Simon&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Simon&#039;&#039; - tatsächlich „Symeon“, anders als sonst legt Lukas dem Judenchristen Jakobus hier die hebräische Lautung des Namens von Simon Petrus in den Mund. Offenbar soll schon hierdurch die Jakobus und seine Position als einer und eine charakterisiert werden, die spezifisch judenchristlich ist (gut Schaefer 2012, S. 244f.).&amp;lt;/ref&amp;gt; hat erzählt, wie Gott zuerst&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;zuerst&#039;&#039; - nämlich durch Petrus, der nach V. 7 „am Anfang“ den nicht-jüdischen Nationen Gottes Wort verkündete.&amp;lt;/ref&amp;gt; heimgesucht hat, um sich (darauf geschaut hat, sich)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;heimgesucht hat&#039;&#039; - d.h. „heilsgeschichtlich an ihnen wirksam war“ (so gut Pervo; auch Tannehill 1990, S. 187); ein für Lukas typischer Septuagintismus (s. auch [[Lukas 1#s68 |Lk 1,68]].[[Lukas 1#s78 |78]]; [[Lukas 7#s16 |7,16]]; [[Apostelgeschichte 7#s13 |Apg 7,13]]). Petrus war hier also Instrument von Gottes Heilsplan. Alternativ nach Mehrheitsdeutung: „wie Gott zuerst &#039;&#039;darauf geschaut hat&#039;&#039;“; Jakobus spräche dann nur mit „einer gewissen feierlichen Umständlichkeit“ (Haenchen 1977, S. 430).&amp;lt;/ref&amp;gt; zu gewinnen (nehmen) aus [nicht-jüdischen] Nationen ein Volk&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;aus den Nationen ein Volk&#039;&#039; - gut Conzelmann 1963, S. 83: „bewußt paradoxe Formulierung“. Gottes Heilsplan liegt quer zu Völker- und Nationengrenzen.&amp;lt;/ref&amp;gt; für seinen Namen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;für seinen Namen&#039;&#039; - also „damit sie seinen Namen trügen“ als &#039;&#039;sein&#039;&#039; Volk. Der Ausdruck ist abgeleitet aus V. 17, wo er wiederum aus [[Amos 9#s12 |Am 9,12]] übernommen wird. Jakobus erfasst die Bed. des Heb. exakt: Das Volk, das Gottes Namen trägt, ist sonst stets ausschließlich Israel – nur nicht in Am 9,12, wo darunter auch nicht-jüdische Völker fallen. S. näher dort.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|15}} Und hiermit (damit)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: „hiermit“ (d.h. mit dem, was Petrus und ich eben sagten) z.B. nach B {{hebr}}א{{hebr ende}} A C, „damit“ („derart“) v.a. nach D. Ropes 1926, S. 142 hält Letzteres für ursprünglich, Pervo besser Ersteres: D habe mit „derart“ sicherstellen wollen, dass ein Leser &#039;&#039;tuto&#039;&#039; („dies, damit, mit diesem“) nicht missverstehe als auf Simon Petrus bezogen („Und mit diesem (Petrus) stimmen die Worte der Propheten überein“).&amp;lt;/ref&amp;gt; stimmen die Worte der Propheten&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;der Propheten&#039;&#039; - zitiert wird nur Amos. Gemeint ist entweder die Buchsammlung „der Prophetenschriften“ oder die Teilsammlung der „zwölf kleinen Propheten“, zu denen jeweils das Buch Amos gehört.&amp;lt;/ref&amp;gt; überein. Denn (wie geschrieben steht) es steht &amp;lt;ref&amp;gt;[[Amos 9#s11 |Amos 9,11f.]]) wird hauptsächlich locker nach der LXX zitiert, wie üblich bei Lukas. Das heißt aber auch: Die Worte stammen sicher nicht ursprünglich von Jakobus, der nicht aus der LXX zitiert hätte, sondern Jakobus Rede ist eine lukanische Schöpfung.&amp;lt;/ref&amp;gt; geschrieben:&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|16}} ‚‚&#039;&#039;Danach werde ich wieder-umkehren&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Danach werde ich wieder-umkehren&#039;&#039; steht so nicht in [[Amos 9#s11|Am 9,11]]. „werde ich wieder-umkehren“ hat dort gar keine Entsprechung, „danach“ ist dort stattdessen „an jenem Tag“, d.h. am Gerichtstag Gottes. Seltsam Pervo: „Danach“ habe sich ursprünglich auf „den Zeitpunkt der Zerstörung des Tempels“ bezogen. Dabei stammt „danach“ gar nicht aus dem MT oder der LXX, ist also stattdessen eine bewusste Textänderung des Lukas. Gemeint ist wohl kein konkreter Zeitpunkt, sondern das „absolute Danach“, also die nun angebrochene Phase der Heilsgeschichte, in der nicht nur Israel Gottes Volk ist, sondern in der Menschen „aus der Mitte Jerusalems“ (V. 24) ausgehen, um die ganze Welt bis nach Rom am „Ende der Welt“ zu Gott zu bekehren (Schaefer 2012, S. 262: „die gegenwärtige Zeit der Mission“). Ganz glatt ist das auch nicht, aber die Alternativen sind nicht besser:&amp;lt;br /&amp;gt;Alternativ z.B. Bauckham 1996, S. 163, der glaubt, Lukas habe „danach“ gemeinsam mit „werde ich wieder-umkehren“ aus [[Hosea 3#s5 |Hos 3,5]] LXX übernommen („Danach werden umkehren die Israeliten“) – aber warum hätte er das tun sollen? Subjekt sind in Hos 3,5 ja die Israeliten, nicht Gott, und was Jakobus Eintragung in den Amostext zu seinem Argument beiträgt, würde nach dieser Herleitung nicht klar. Besser noch Fitzmyer, der denkt, „danach“ stamme aus [[Jeremia 12#s15 |Jer 12,15]]. Diesen Vers kann man an sich zwar wirklich gut mit [[Amos 9#s11 |Am 9,11f.]] zusammenlesen, aber dass tatsächlich auf diesen Vers angespielt werden soll, lässt sich nur aus dem „danach“ nun wirklich nicht erkennen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und ich werde wieder-erbauen das Zelt Davids, das verfallene,&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Zusammenziehung zweier Zeilen aus Am 9,11f. LXX: „&#039;&#039;Ich werde&#039;&#039; aufrichten &#039;&#039;das Zelt Davids, das verfallene, und wieder-erbauen&#039;&#039; seine Ruinen.“ („Zelt“ statt „Hütte“ in MT). Was genau gesagt werden soll, ist unklar:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Ist die weltumspannende Urkirche das „&#039;&#039;neue&#039;&#039; Israel“, nachdem das alte Zelt verfallen ist – löst hier also die Jesusbewegung das Judentum ab? Diese Deutung war in der älteren christlichen Theologie weit verbreitet; man bezeichnet sie heute gelegentlich als „&#039;&#039;&#039;Substitutionslehre&#039;&#039;&#039;“. So z.B. noch Roloff 1981, S. 232: „Vielmehr haben zuerst die Apostel aus dem alten Gottesvolk das wahre Israel der Endzeit gesammelt (V. 16), damit nunmehr auch die Heiden aus allen Völkern in die Gemeinschaft des Gottesvolkes eingebracht werden können. Dieses kann seinem Wesen nach nur eines sein; es gibt nicht ein Gottesvolk aus den Heiden neben einem aus den Juden, sondern nur das eine Volk Gottes, das das erneuerte Israel ist und das zugleich die ganze Menschheit umfassen soll.“&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Oder steht es als „&#039;&#039;wieder&#039;&#039;-errichtetes“ Zelt in Kontinuität zum jüdischen Israel, so dass die Heidenchristen nun nur zum jüdischen Volk Gottes &#039;&#039;hinzukämen&#039;&#039; und so die Mauerrisse des Hauses Israel stopften (Am 9,11)? Diese Variante bezeichnet man heute gelegentlich als „&#039;&#039;&#039;Enlargement Theology&#039;&#039;&#039;“, also als „Ausweitungs-Theologie“. So z.B. Schaefer 2012, S. 262f.: „Als ‚Gottesvolk aus den Heidenvölkern‘ (Apg 15,14 [...]) treten sie an die Seite des Gottesvolkes Israel, so dass beide Gruppen das endzeitliche Gottesvolk erst vollständig anzeigen. Die Ergänzung Israels durch die Heiden ist in der Schrift seit alters bezeugt.“&amp;lt;br /&amp;gt;In der exegetischen Forschung ist dies sehr umstritten und das Bild gibt wirklich beides her.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Eine dritte Variante findet sich bes. gut z.B. bei Lohfink 1975, S. 59f.: Der Aufbau des neuen Gottesvolks geschehe in der lukanischen Ekklesiologie so, dass zunächst „aus“ den Juden das „wahre und gläubige Israel“ zusammengesammelt und danach „aus“ den Heiden der Rest des neuen Israel diesen hinzugefügt würde. Man könnte dies als die „&#039;&#039;&#039;Sammlungs- und Einbringungstheorie&#039;&#039;&#039;“ bezeichnen. An sich ist dies nur eine Spielform der Substitutionslehre; noch dazu aber eine, die so immerhin in dieser Perikope gar nicht angelegt ist, sondern in sie hineingelesen werden muss. Und ob sie sich andernorts in den lukanischen Schriften findet, ist zumindest fraglich: Verbindendes Element der „judenfeindlichen“ Stellen in Apg ist ja nicht zunächst, dass Juden christusgläubig werden müssten, sondern dass Lukas „die Juden“ oder „das Volk“ jeweils als zunächst &#039;&#039;christus-feindlich&#039;&#039; darstellt und Paulus fordern lässt, dass sie von dieser ihre Christus-Feindschaft ablassen und ihre Sünden wie insbesondere die Tatsache bereuen sollen, dass sie Christus kreuzigen lassen haben. Hier ist aber auch dies kein Thema; stattdessen leitet Jakobus aus seinem Schriftbeweis gerade nicht ab, dass – wie Äußerungen des Paulus dies gelegentlich nahelegen – das jüdische Gesetz nun völlig abgetan sei und eine neue Sammlung begonnen habe, sondern den Kompromiss aus Vv. 19-21, der die Heidenchristen in eingeschränkte Kontinuität mit dem Judentum stellt und mit den Judenchristen, für die das jüdische Gesetz natürlich &#039;&#039;nicht&#039;&#039; abgetan ist (richtig Schaefer 2012, S. 259.263).&amp;lt;br /&amp;gt;Lässt sich zwischen (1) und (2) exegetisch nicht entscheiden, müssen andere Faktoren die Entscheidung leiten, und wichtig dann wohl v.a.: Solange keine starken Argumente für die erste Deutung beibegracht werden können, sollte man den Vers besser entsprechend der zweiten Deutung lesen, da diese sich besser mit der ökumenischen Theologie verbinden lässt. Für weitere Denkmodelle neben der Enlargement Theology s. z.B. [https://www.ekd.de/ekd_de/ds_doc/Messianische_Juden.pdf Gemeinsamer Ausschuss „Kirche und Judentum“ (2019): Judenchristen – jüdische Christen – „messianische Juden“. S. 14].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_&#039;&#039;Und seine Trümmer (sein Zerstörtes)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Beide Varianten finden sich schon in Am 9,11 LXX, sind also Angleichungen des NT-Textes an die jeweils verwendete LXX-Vorlage. Ursprünglich ist sicher „Trümmer“, w. „das Nieder-Getrümmerte“; die Variante ist w. „das Umgestürzte / Zerstörte“.&amp;lt;/ref&amp;gt; werde ich wieder-erbauen&#039;&#039;&lt;br /&gt;
_&#039;&#039;Und wieder-aufstellen werde ich es,&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Jakobus / Lukas streichen „wie in den Tagen der Vorzeit“, das sich in Am 9,11 LXX noch an diese Zeile anschließt: Es soll eben nicht der alte glanzvolle Status Quo &#039;&#039;wieder&#039;&#039;-hergestellt werden, sondern etwas &#039;&#039;Neues&#039;&#039; und noch nicht Dagewesenes soll geschaffen werden.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|17}} &#039;&#039;Damit suchen&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Im MT von Am 9,12: „damit in Besitz nehmen“; der LXX-Übersetzer hat heb. &#039;&#039;jjršw&#039;&#039; mit heb. &#039;&#039;jdršw&#039;&#039; verlesen. Apg 15,17 übernimmt diesen Fehler.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird der Rest (werden die Übriggebliebenen)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;die Übriggebliebenen&#039;&#039; meint in [[Amos 9#s11 |Am 9,11]] noch die &#039;&#039;Überlebenden&#039;&#039; nach der Invasion der Assyrer. LXX und dann noch mehr Jakobus machen daraus durch Änderungen des Wortlauts den &#039;&#039;Rest&#039;&#039;, also alle, die noch nicht zu Gottes Volk gehören. S. noch nächste FN.&amp;lt;/ref&amp;gt; der Menschen&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;der Menschen&#039;&#039; ist ein weiterer Lesefehler von LXX, den Apg 15,17 übernimmt: statt &#039;&#039;`edom&#039;&#039; („den Rest Edoms“) hat der Schreiber von LXX &#039;&#039;`adam&#039;&#039; („der Mensch“) gelesen. Gerade das macht die LXX-Fassung aber so passend für Lukas / Jakobus: Nun gemeint ist „der ganze Rest“ der Menschen, also alle Menschen, die bis dato noch nicht zu Gottes Volk gehören konnten. In rabbinischen Schriften findet sich eine Auslegung von [[Amos 9#s12 |Am 9,12]], die das „Volk-Gottes-tum“ ähnlich von Israel ausweitet auf die anderen Völker, s. dort zu „über die ausgerufen ist mein Name“.&amp;lt;/ref&amp;gt; den Herrn,&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;den Herrn&#039;&#039; findet sich nur in wenigen LXX-Codices und ist sicher selbst in der LXX sekundäre Ergänzung. Eine sinnvolle aber: Nachdem LXX zwei der drei vorangehenden Wörter verlesen hat, macht der Text keinen Sinn mehr, da ein Objekt fehlt („damit suchen werden die Übriggebliebenen der Menschen Ø.“). In der Fassung, die Jakobus zitiert, dient die Wiedererrichtung des Zeltes Gottes nun der &#039;&#039;Gott&#039;&#039;-Suche aller Menschen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_&#039;&#039;das heißt (ja, und) alle [nicht-jüdischen] Nationen, über welche mein Name gerufen ist!‘&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&#039;&#039;– spricht der Herr, der dies alles macht {{S|18}} bekannt seit jeher (der macht all dies, [was] seit jeher bekannt ist).‘&#039;&#039;“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;bekannt seit jeher (dies, [was] seit jeher bekannt ist)&#039;&#039; - die letzte Änderung des Textes durch Jakobus / Lukas; dieser letzte Teil hat keine Entsprechung in MT oder LXX. In Am 9,12 absolut: „spricht der Herr, der dies macht.“ Jakobus variiert dies entweder (a) zu „der dies &#039;&#039;seit jeher bekannt&#039;&#039; macht“, der also schon zur Zeit des Amos prophezeien lassen hat, dass es sich so zutragen wird und soll, (b) zu „der dies tut, was &#039;&#039;uns&#039;&#039; seit jeher bekannt ist“, nämlich eben durch die Prophetie des Amos, oder (c) zu „was &#039;&#039;ihm&#039;&#039; seit jeher bekannt ist“, was Gott also schon zu Urzeiten beschlossen hat. Letzteres ist ziemlich unwahrscheinlich, so dennoch z.B. EÜ, GN („ich, der Herr, werde tun, was ich seit Urzeiten beschlossen habe“). Man hat diese Ergänzung oft auf [[Jesaja 45#s21 |Jes 45,21]] zurückführen wollen, aber aus Jes 45,21 LXX stammt sie sicher nicht: „Lass sie sich nahen, damit ihnen &#039;&#039;bekannt&#039;&#039; wird, wer veranlasst hat, dass diese Dinge &#039;&#039;seit jeher&#039;&#039; gehört würden.“ Wahrscheinlicher verwendet hier Jakobus also tatsächlich diesen Mini-Satz des Amos, um damit selbst einen Kommentar zu dieser Prophetie abzugeben: Es ist Gottes Wille, der da im Ausspruch des Amos durchscheint, dank Amos kennen wir ihn auch schon seit jeher, ergo müssen wir auch demgemäß handeln.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Wohl deshalb, weil das Amoszitat mit „dies alles macht“ endet und danach „bekannt seit jeher“ für sich genommen unvollständig ist, wenn es nicht mit V. 17 verbunden wird, sind verschiedene alternative Textvarianten entstanden, z.B. in A D: „Bekannt seit jeher ist / [ist] dem Herrn sein Werk / Wirken“, was dann auch in die Vulgata wanderte. Aber die Gründe für diese Varianten sind offensichtlich; dieser längere Text ist klar sekundär (so auch TCNT 379).&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
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		<author><name>Olaf</name></author>
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		<title>Apostelgeschichte 15</title>
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		<updated>2025-10-30T20:05:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Syntax&lt;/p&gt;
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&lt;div&gt;{{Lesefassung}} &#039;&#039;(kommt später)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
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{{S|12}} &lt;br /&gt;
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{{S|13}} Nachdem sie [fertig]gesprochen hatten, antwortete Jakobus&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Jakobus&#039;&#039; - der (leibliche) Bruder Jesu (s. [[Galater 1#s19 |Gal 1,19]]). Zu dieser Zeit der „Papst“ der Urkirche, insofern er das Oberhaupt der Jerusalemer Urgemeinde in der „Mitte der Welt“ war. Nach [[Galater 2#s11 |Gal 2,11f.]] konnte er selbst Petrus zurechtweisen, nach [[Apostelgeschichte 21#s18 |Apg 21,18f.]] war er es, dem selbst Paulus Bericht zu erstatten hatte, und entsprechend ist ja auch hier er es, der „das letzte Wort hat“. Auch [[Apostelgeschichte 12#s17 |Apg 12,17]] zeugen immerhin von seiner herausgehobenen Stellung, da er als einziger eigens genannt wird. Wann und warum er Petrus als Oberhaupt der Urgemeinde ablöste, ist nicht überliefert.&amp;lt;/ref&amp;gt; {indem er sprach}: „{Männer} Brüder, hört mich!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|14}} Simon&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Simon&#039;&#039; - tatsächlich „Symeon“, anders als sonst legt Lukas dem Judenchristen Jakobus hier die hebräische Lautung des Namens von Simon Petrus in den Mund. Offenbar soll schon hierdurch die Jakobus und seine Position als einer und eine charakterisiert werden, die spezifisch judenchristlich ist (gut Schaefer 2012, S. 244f.).&amp;lt;/ref&amp;gt; hat erzählt, wie Gott zuerst&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;zuerst&#039;&#039; - nämlich durch Petrus, der nach V. 7 „am Anfang“ den nicht-jüdischen Nationen Gottes Wort verkündete.&amp;lt;/ref&amp;gt; heimgesucht hat, um sich (darauf geschaut hat, sich)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;heimgesucht hat&#039;&#039; - d.h. „heilsgeschichtlich an ihnen wirksam war“ (so gut Pervo; auch Tannehill 1990, S. 187); ein für Lukas typischer Septuagintismus (s. auch [[Lukas 1#s68 |Lk 1,68]].[[Lukas 1#s78 |78]]; [[Lukas 7#s16 |7,16]]; [[Apostelgeschichte 7#s13 |Apg 7,13]]). Petrus war hier also Instrument von Gottes Heilsplan. Alternativ nach Mehrheitsdeutung: „wie Gott zuerst &#039;&#039;darauf geschaut hat&#039;&#039;“; Jakobus spräche dann nur mit „einer gewissen feierlichen Umständlichkeit“ (Haenchen 1977, S. 430).&amp;lt;/ref&amp;gt; zu gewinnen (nehmen) aus [nicht-jüdischen] Nationen ein Volk&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;aus den Nationen ein Volk&#039;&#039; - gut Conzelmann 1963, S. 83: „bewußt paradoxe Formulierung“. Gottes Heilsplan liegt quer zu Völker- und Nationengrenzen.&amp;lt;/ref&amp;gt; für seinen Namen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;für seinen Namen&#039;&#039; - also „damit sie seinen Namen trügen“ als &#039;&#039;sein&#039;&#039; Volk. Der Ausdruck ist abgeleitet aus V. 17, wo er wiederum aus [[Amos 9#s12 |Am 9,12]] übernommen wird. Jakobus erfasst die Bed. des Heb. exakt: Das Volk, das Gottes Namen trägt, ist sonst stets ausschließlich Israel – nur nicht in Am 9,12, wo darunter auch nicht-jüdische Völker fallen. S. näher dort.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|15}} Und hiermit (damit)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: „hiermit“ (d.h. mit dem, was Petrus und ich eben sagten) z.B. nach B {{hebr}}א{{hebr ende}} A C, „damit“ („derart“) v.a. nach D. Ropes 1926, S. 142 hält Letzteres für ursprünglich, Pervo besser Ersteres: D habe mit „derart“ sicherstellen wollen, dass ein Leser &#039;&#039;tuto&#039;&#039; („dies, damit, mit diesem“) nicht missverstehe als auf Simon Petrus bezogen („Und mit diesem (Petrus) stimmen die Worte der Propheten überein“).&amp;lt;/ref&amp;gt; stimmen die Worte der Propheten&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;der Propheten&#039;&#039; - zitiert wird nur Amos. Gemeint ist entweder die Buchsammlung „der Prophetenschriften“ oder die Teilsammlung der „zwölf kleinen Propheten“, zu denen jeweils das Buch Amos gehört.&amp;lt;/ref&amp;gt; überein. Denn (wie geschrieben steht) es steht (in [[Amos 9#s11 |Am 9,11f.]])&amp;lt;ref&amp;gt;Am 9,11f. wird hauptsächlich locker nach der LXX zitiert, wie üblich bei Lukas. Das heißt aber auch: Die Worte stammen sicher nicht ursprünglich von Jakobus, der nicht aus der LXX zitiert hätte, sondern Jakobus Rede ist eine lukanische Schöpfung.&amp;lt;/ref&amp;gt; geschrieben:&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|16}} ‚‚&#039;&#039;Danach werde ich wieder-umkehren&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Danach werde ich wieder-umkehren&#039;&#039; steht so nicht in [[Amos 9#s11|Am 9,11]]. „werde ich wieder-umkehren“ hat dort gar keine Entsprechung, „danach“ ist dort stattdessen „an jenem Tag“, d.h. am Gerichtstag Gottes. Seltsam Pervo: „Danach“ habe sich ursprünglich auf „den Zeitpunkt der Zerstörung des Tempels“ bezogen. Dabei stammt „danach“ gar nicht aus dem MT oder der LXX, ist also stattdessen eine bewusste Textänderung des Lukas. Gemeint ist wohl kein konkreter Zeitpunkt, sondern das „absolute Danach“, also die nun angebrochene Phase der Heilsgeschichte, in der nicht nur Israel Gottes Volk ist, sondern in der Menschen „aus der Mitte Jerusalems“ (V. 24) ausgehen, um die ganze Welt bis nach Rom am „Ende der Welt“ zu Gott zu bekehren (Schaefer 2012, S. 262: „die gegenwärtige Zeit der Mission“). Ganz glatt ist das auch nicht, aber die Alternativen sind nicht besser:&amp;lt;br /&amp;gt;Alternativ z.B. Bauckham 1996, S. 163, der glaubt, Lukas habe „danach“ gemeinsam mit „werde ich wieder-umkehren“ aus [[Hosea 3#s5 |Hos 3,5]] LXX übernommen („Danach werden umkehren die Israeliten“) – aber warum hätte er das tun sollen? Subjekt sind in Hos 3,5 ja die Israeliten, nicht Gott, und was Jakobus Eintragung in den Amostext zu seinem Argument beiträgt, würde nach dieser Herleitung nicht klar. Besser noch Fitzmyer, der denkt, „danach“ stamme aus [[Jeremia 12#s15 |Jer 12,15]]. Diesen Vers kann man an sich zwar wirklich gut mit [[Amos 9#s11 |Am 9,11f.]] zusammenlesen, aber dass tatsächlich auf diesen Vers angespielt werden soll, lässt sich nur aus dem „danach“ nun wirklich nicht erkennen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und ich werde wieder-erbauen das Zelt Davids, das verfallene,&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Zusammenziehung zweier Zeilen aus Am 9,11f. LXX: „&#039;&#039;Ich werde&#039;&#039; aufrichten &#039;&#039;das Zelt Davids, das verfallene, und wieder-erbauen&#039;&#039; seine Ruinen.“ („Zelt“ statt „Hütte“ in MT). Was genau gesagt werden soll, ist unklar:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Ist die weltumspannende Urkirche das „&#039;&#039;neue&#039;&#039; Israel“, nachdem das alte Zelt verfallen ist – löst hier also die Jesusbewegung das Judentum ab? Diese Deutung war in der älteren christlichen Theologie weit verbreitet; man bezeichnet sie heute gelegentlich als „&#039;&#039;&#039;Substitutionslehre&#039;&#039;&#039;“. So z.B. noch Roloff 1981, S. 232: „Vielmehr haben zuerst die Apostel aus dem alten Gottesvolk das wahre Israel der Endzeit gesammelt (V. 16), damit nunmehr auch die Heiden aus allen Völkern in die Gemeinschaft des Gottesvolkes eingebracht werden können. Dieses kann seinem Wesen nach nur eines sein; es gibt nicht ein Gottesvolk aus den Heiden neben einem aus den Juden, sondern nur das eine Volk Gottes, das das erneuerte Israel ist und das zugleich die ganze Menschheit umfassen soll.“&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Oder steht es als „&#039;&#039;wieder&#039;&#039;-errichtetes“ Zelt in Kontinuität zum jüdischen Israel, so dass die Heidenchristen nun nur zum jüdischen Volk Gottes &#039;&#039;hinzukämen&#039;&#039; und so die Mauerrisse des Hauses Israel stopften (Am 9,11)? Diese Variante bezeichnet man heute gelegentlich als „&#039;&#039;&#039;Enlargement Theology&#039;&#039;&#039;“, also als „Ausweitungs-Theologie“. So z.B. Schaefer 2012, S. 262f.: „Als ‚Gottesvolk aus den Heidenvölkern‘ (Apg 15,14 [...]) treten sie an die Seite des Gottesvolkes Israel, so dass beide Gruppen das endzeitliche Gottesvolk erst vollständig anzeigen. Die Ergänzung Israels durch die Heiden ist in der Schrift seit alters bezeugt.“&amp;lt;br /&amp;gt;In der exegetischen Forschung ist dies sehr umstritten und das Bild gibt wirklich beides her.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Eine dritte Variante findet sich bes. gut z.B. bei Lohfink 1975, S. 59f.: Der Aufbau des neuen Gottesvolks geschehe in der lukanischen Ekklesiologie so, dass zunächst „aus“ den Juden das „wahre und gläubige Israel“ zusammengesammelt und danach „aus“ den Heiden der Rest des neuen Israel diesen hinzugefügt würde. Man könnte dies als die „&#039;&#039;&#039;Sammlungs- und Einbringungstheorie&#039;&#039;&#039;“ bezeichnen. An sich ist dies nur eine Spielform der Substitutionslehre; noch dazu aber eine, die so immerhin in dieser Perikope gar nicht angelegt ist, sondern in sie hineingelesen werden muss. Und ob sie sich andernorts in den lukanischen Schriften findet, ist zumindest fraglich: Verbindendes Element der „judenfeindlichen“ Stellen in Apg ist ja nicht zunächst, dass Juden christusgläubig werden müssten, sondern dass Lukas „die Juden“ oder „das Volk“ jeweils als zunächst &#039;&#039;christus-feindlich&#039;&#039; darstellt und Paulus fordern lässt, dass sie von dieser ihre Christus-Feindschaft ablassen und ihre Sünden wie insbesondere die Tatsache bereuen sollen, dass sie Christus kreuzigen lassen haben. Hier ist aber auch dies kein Thema; stattdessen leitet Jakobus aus seinem Schriftbeweis gerade nicht ab, dass – wie Äußerungen des Paulus dies gelegentlich nahelegen – das jüdische Gesetz nun völlig abgetan sei und eine neue Sammlung begonnen habe, sondern den Kompromiss aus Vv. 19-21, der die Heidenchristen in eingeschränkte Kontinuität mit dem Judentum stellt und mit den Judenchristen, für die das jüdische Gesetz natürlich &#039;&#039;nicht&#039;&#039; abgetan ist (richtig Schaefer 2012, S. 259.263).&amp;lt;br /&amp;gt;Lässt sich zwischen (1) und (2) exegetisch nicht entscheiden, müssen andere Faktoren die Entscheidung leiten, und wichtig dann wohl v.a.: Solange keine starken Argumente für die erste Deutung beibegracht werden können, sollte man den Vers besser entsprechend der zweiten Deutung lesen, da diese sich besser mit der ökumenischen Theologie verbinden lässt. Für weitere Denkmodelle neben der Enlargement Theology s. z.B. [https://www.ekd.de/ekd_de/ds_doc/Messianische_Juden.pdf Gemeinsamer Ausschuss „Kirche und Judentum“ (2019): Judenchristen – jüdische Christen – „messianische Juden“. S. 14].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_&#039;&#039;Und seine Trümmer (sein Zerstörtes)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Beide Varianten finden sich schon in Am 9,11 LXX, sind also Angleichungen des NT-Textes an die jeweils verwendete LXX-Vorlage. Ursprünglich ist sicher „Trümmer“, w. „das Nieder-Getrümmerte“; die Variante ist w. „das Umgestürzte / Zerstörte“.&amp;lt;/ref&amp;gt; werde ich wieder-erbauen&#039;&#039;&lt;br /&gt;
_&#039;&#039;Und wieder-aufstellen werde ich es,&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Jakobus / Lukas streichen „wie in den Tagen der Vorzeit“, das sich in Am 9,11 LXX noch an diese Zeile anschließt: Es soll eben nicht der alte glanzvolle Status Quo &#039;&#039;wieder&#039;&#039;-hergestellt werden, sondern etwas &#039;&#039;Neues&#039;&#039; und noch nicht Dagewesenes soll geschaffen werden.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|17}} &#039;&#039;Damit suchen&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Im MT von Am 9,12: „damit in Besitz nehmen“; der LXX-Übersetzer hat heb. &#039;&#039;jjršw&#039;&#039; mit heb. &#039;&#039;jdršw&#039;&#039; verlesen. Apg 15,17 übernimmt diesen Fehler.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird der Rest (werden die Übriggebliebenen)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;die Übriggebliebenen&#039;&#039; meint in [[Amos 9#s11 |Am 9,11]] noch die &#039;&#039;Überlebenden&#039;&#039; nach der Invasion der Assyrer. LXX und dann noch mehr Jakobus machen daraus durch Änderungen des Wortlauts den &#039;&#039;Rest&#039;&#039;, also alle, die noch nicht zu Gottes Volk gehören. S. noch nächste FN.&amp;lt;/ref&amp;gt; der Menschen&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;der Menschen&#039;&#039; ist ein weiterer Lesefehler von LXX, den Apg 15,17 übernimmt: statt &#039;&#039;`edom&#039;&#039; („den Rest Edoms“) hat der Schreiber von LXX &#039;&#039;`adam&#039;&#039; („der Mensch“) gelesen. Gerade das macht die LXX-Fassung aber so passend für Lukas / Jakobus: Nun gemeint ist „der ganze Rest“ der Menschen, also alle Menschen, die bis dato noch nicht zu Gottes Volk gehören konnten. In rabbinischen Schriften findet sich eine Auslegung von [[Amos 9#s12 |Am 9,12]], die das „Volk-Gottes-tum“ ähnlich von Israel ausweitet auf die anderen Völker, s. dort zu „über die ausgerufen ist mein Name“.&amp;lt;/ref&amp;gt; den Herrn,&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;den Herrn&#039;&#039; findet sich nur in wenigen LXX-Codices und ist sicher selbst in der LXX sekundäre Ergänzung. Eine sinnvolle aber: Nachdem LXX zwei der drei vorangehenden Wörter verlesen hat, macht der Text keinen Sinn mehr, da ein Objekt fehlt („damit suchen werden die Übriggebliebenen der Menschen Ø.“). In der Fassung, die Jakobus zitiert, dient die Wiedererrichtung des Zeltes Gottes nun der &#039;&#039;Gott&#039;&#039;-Suche aller Menschen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_&#039;&#039;das heißt (ja, und) alle [nicht-jüdischen] Nationen, über welche mein Name gerufen ist!‘&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&#039;&#039;– spricht der Herr, der dies alles macht {{S|18}} bekannt seit jeher (der macht all dies, [was] seit jeher bekannt ist).‘&#039;&#039;“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;bekannt seit jeher (dies, [was] seit jeher bekannt ist)&#039;&#039; - die letzte Änderung des Textes durch Jakobus / Lukas; dieser letzte Teil hat keine Entsprechung in MT oder LXX. In Am 9,12 absolut: „spricht der Herr, der dies macht.“ Jakobus variiert dies entweder (a) zu „der dies &#039;&#039;seit jeher bekannt&#039;&#039; macht“, der also schon zur Zeit des Amos prophezeien lassen hat, dass es sich so zutragen wird und soll, (b) zu „der dies tut, was &#039;&#039;uns&#039;&#039; seit jeher bekannt ist“, nämlich eben durch die Prophetie des Amos, oder (c) zu „was &#039;&#039;ihm&#039;&#039; seit jeher bekannt ist“, was Gott also schon zu Urzeiten beschlossen hat. Letzteres ist ziemlich unwahrscheinlich, so dennoch z.B. EÜ, GN („ich, der Herr, werde tun, was ich seit Urzeiten beschlossen habe“). Man hat diese Ergänzung oft auf [[Jesaja 45#s21 |Jes 45,21]] zurückführen wollen, aber aus Jes 45,21 LXX stammt sie sicher nicht: „Lass sie sich nahen, damit ihnen &#039;&#039;bekannt&#039;&#039; wird, wer veranlasst hat, dass diese Dinge &#039;&#039;seit jeher&#039;&#039; gehört würden.“ Wahrscheinlicher verwendet hier Jakobus also tatsächlich diesen Mini-Satz des Amos, um damit selbst einen Kommentar zu dieser Prophetie abzugeben: Es ist Gottes Wille, der da im Ausspruch des Amos durchscheint, dank Amos kennen wir ihn auch schon seit jeher, ergo müssen wir auch demgemäß handeln.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Wohl deshalb, weil das Amoszitat mit „dies alles macht“ endet und danach „bekannt seit jeher“ für sich genommen unvollständig ist, wenn es nicht mit V. 17 verbunden wird, sind verschiedene alternative Textvarianten entstanden, z.B. in A D: „Bekannt seit jeher ist / [ist] dem Herrn sein Werk / Wirken“, was dann auch in die Vulgata wanderte. Aber die Gründe für diese Varianten sind offensichtlich; dieser längere Text ist klar sekundär (so auch TCNT 379).&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
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{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Apostelgeschichte_15&amp;diff=40216</id>
		<title>Apostelgeschichte 15</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Apostelgeschichte_15&amp;diff=40216"/>
		<updated>2025-10-30T20:03:26Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Syntax&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Lesefassung}} &#039;&#039;(kommt später)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
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{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
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{{S|13}} Nachdem sie [fertig]gesprochen hatten, antwortete Jakobus&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Jakobus&#039;&#039; - der (leibliche) Bruder Jesu (s. [[Galater 1#s19 |Gal 1,19]]). Zu dieser Zeit der „Papst“ der Urkirche, insofern er das Oberhaupt der Jerusalemer Urgemeinde in der „Mitte der Welt“ war. Nach [[Galater 2#s11 |Gal 2,11f.]] konnte er selbst Petrus zurechtweisen, nach [[Apostelgeschichte 21#s18 |Apg 21,18f.]] war er es, dem selbst Paulus Bericht zu erstatten hatte, und entsprechend ist ja auch hier er es, der „das letzte Wort hat“. Auch [[Apostelgeschichte 12#s17 |Apg 12,17]] zeugen immerhin von seiner herausgehobenen Stellung, da er als einziger eigens genannt wird. Wann und warum er Petrus als Oberhaupt der Urgemeinde ablöste, ist nicht überliefert.&amp;lt;/ref&amp;gt; {indem er sprach}: „{Männer} Brüder, hört mich!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|14}} Simon&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Simon&#039;&#039; - tatsächlich „Symeon“, anders als sonst legt Lukas dem Judenchristen Jakobus hier die hebräische Lautung des Namens von Simon Petrus in den Mund. Offenbar soll schon hierdurch die Jakobus und seine Position als einer und eine charakterisiert werden, die spezifisch judenchristlich ist (gut Schaefer 2012, S. 244f.).&amp;lt;/ref&amp;gt; hat erzählt, wie Gott zuerst&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;zuerst&#039;&#039; - nämlich durch Petrus, der nach V. 7 „am Anfang“ den nicht-jüdischen Nationen Gottes Wort verkündete.&amp;lt;/ref&amp;gt; heimgesucht hat, um sich (darauf geschaut hat, sich)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;heimgesucht hat&#039;&#039; - d.h. „heilsgeschichtlich an ihnen wirksam war“ (so gut Pervo; auch Tannehill 1990, S. 187); ein für Lukas typischer Septuagintismus (s. auch [[Lukas 1#s68 |Lk 1,68]].[[Lukas 1#s78 |78]]; [[Lukas 7#s16 |7,16]]; [[Apostelgeschichte 7#s13 |Apg 7,13]]). Petrus war hier also Instrument von Gottes Heilsplan. Alternativ nach Mehrheitsdeutung: „wie Gott zuerst &#039;&#039;darauf geschaut hat&#039;&#039;“; Jakobus spräche dann nur mit „einer gewissen feierlichen Umständlichkeit“ (Haenchen 1977, S. 430).&amp;lt;/ref&amp;gt; zu gewinnen (nehmen) aus [nicht-jüdischen] Nationen ein Volk&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;aus den Nationen ein Volk&#039;&#039; - gut Conzelmann 1963, S. 83: „bewußt paradoxe Formulierung“. Gottes Heilsplan liegt quer zu Völker- und Nationengrenzen.&amp;lt;/ref&amp;gt; für seinen Namen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;für seinen Namen&#039;&#039; - also „damit sie seinen Namen trügen“ als &#039;&#039;sein&#039;&#039; Volk. Der Ausdruck ist abgeleitet aus V. 17, wo er wiederum aus [[Amos 9#s12 |Am 9,12]] übernommen wird. Jakobus erfasst die Bed. des Heb. exakt: Das Volk, das Gottes Namen trägt, ist sonst stets ausschließlich Israel – nur nicht in Am 9,12, wo darunter auch nicht-jüdische Völker fallen. S. näher dort.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|15}} Und hiermit (damit)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: „hiermit“ (d.h. mit dem, was Petrus und ich eben sagten) z.B. nach B {{hebr}}א{{hebr ende}} A C, „damit“ (=„derart“) v.a. nach D. Ropes 1926, S. 142 hält Letzteres für ursprünglich, Pervo besser Ersteres: D habe mit „derart“ sicherstellen wollen, dass ein Leser &#039;&#039;tuto&#039;&#039; („dies, damit, mit diesem“) nicht missverstehe als auf Simon Petrus bezogen („Und mit diesem = Petrus stimmen die Worte der Propheten überein“).&amp;lt;/ref&amp;gt; stimmen die Worte der Propheten&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;der Propheten&#039;&#039; - zitiert wird nur Amos. Gemeint ist entweder die Buchsammlung „der Prophetenschriften“ oder die Teilsammlung der „zwölf kleinen Propheten“, zu denen jeweils das Buch Amos gehört.&amp;lt;/ref&amp;gt; überein. Denn (wie geschrieben steht) es steht (in [[Amos 9#s11 |Am 9,11f.]])&amp;lt;ref&amp;gt;Am 9,11f. wird hauptsächlich locker nach der LXX zitiert, wie üblich bei Lukas. Das heißt aber auch: Die Worte stammen sicher nicht ursprünglich von Jakobus, der nicht aus der LXX zitiert hätte, sondern Jakobus Rede ist eine lukanische Schöpfung.&amp;lt;/ref&amp;gt; geschrieben:&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|16}} ‚‚&#039;&#039;Danach werde ich wieder-umkehren&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Danach werde ich wieder-umkehren&#039;&#039; steht so nicht in [[Amos 9#s11|Am 9,11]]. „werde ich wieder-umkehren“ hat dort gar keine Entsprechung, „danach“ ist dort stattdessen „an jenem Tag“, d.h. am Gerichtstag Gottes. Seltsam Pervo: „Danach“ habe sich ursprünglich auf „den Zeitpunkt der Zerstörung des Tempels“ bezogen. Dabei stammt „danach“ gar nicht aus dem MT oder der LXX, ist also stattdessen eine bewusste Textänderung des Lukas. Gemeint ist wohl kein konkreter Zeitpunkt, sondern das „absolute Danach“, also die nun angebrochene Phase der Heilsgeschichte, in der nicht nur Israel Gottes Volk ist, sondern in der Menschen „aus der Mitte Jerusalems“ (V. 24) ausgehen, um die ganze Welt bis nach Rom am „Ende der Welt“ zu Gott zu bekehren (Schaefer 2012, S. 262: „die gegenwärtige Zeit der Mission“). Ganz glatt ist das auch nicht, aber die Alternativen sind nicht besser:&amp;lt;br /&amp;gt;Alternativ z.B. Bauckham 1996, S. 163, der glaubt, Lukas habe „danach“ gemeinsam mit „werde ich wieder-umkehren“ aus [[Hosea 3#s5 |Hos 3,5]] LXX übernommen („Danach werden umkehren die Israeliten“) – aber warum hätte er das tun sollen? Subjekt sind in Hos 3,5 ja die Israeliten, nicht Gott, und was Jakobus Eintragung in den Amostext zu seinem Argument beiträgt, würde nach dieser Herleitung nicht klar. Besser noch Fitzmyer, der denkt, „danach“ stamme aus [[Jeremia 12#s15 |Jer 12,15]]. Diesen Vers kann man an sich zwar wirklich gut mit [[Amos 9#s11 |Am 9,11f.]] zusammenlesen, aber dass tatsächlich auf diesen Vers angespielt werden soll, lässt sich nur aus dem „danach“ nun wirklich nicht erkennen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und ich werde wieder-erbauen das Zelt Davids, das verfallene,&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Zusammenziehung zweier Zeilen aus Am 9,11f. LXX: „&#039;&#039;Ich werde&#039;&#039; aufrichten &#039;&#039;das Zelt Davids, das verfallene, und wieder-erbauen&#039;&#039; seine Ruinen.“ („Zelt“ statt „Hütte“ in MT). Was genau gesagt werden soll, ist unklar:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Ist die weltumspannende Urkirche das „&#039;&#039;neue&#039;&#039; Israel“, nachdem das alte Zelt verfallen ist – löst hier also die Jesusbewegung das Judentum ab? Diese Deutung war in der älteren christlichen Theologie weit verbreitet; man bezeichnet sie heute gelegentlich als „&#039;&#039;&#039;Substitutionslehre&#039;&#039;&#039;“. So z.B. noch Roloff 1981, S. 232: „Vielmehr haben zuerst die Apostel aus dem alten Gottesvolk das wahre Israel der Endzeit gesammelt (V. 16), damit nunmehr auch die Heiden aus allen Völkern in die Gemeinschaft des Gottesvolkes eingebracht werden können. Dieses kann seinem Wesen nach nur eines sein; es gibt nicht ein Gottesvolk aus den Heiden neben einem aus den Juden, sondern nur das eine Volk Gottes, das das erneuerte Israel ist und das zugleich die ganze Menschheit umfassen soll.“&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Oder steht es als „&#039;&#039;wieder&#039;&#039;-errichtetes“ Zelt in Kontinuität zum jüdischen Israel, so dass die Heidenchristen nun nur zum jüdischen Volk Gottes &#039;&#039;hinzukämen&#039;&#039; und so die Mauerrisse des Hauses Israel stopften (Am 9,11)? Diese Variante bezeichnet man heute gelegentlich als „&#039;&#039;&#039;Enlargement Theology&#039;&#039;&#039;“, also als „Ausweitungs-Theologie“. So z.B. Schaefer 2012, S. 262f.: „Als ‚Gottesvolk aus den Heidenvölkern‘ (Apg 15,14 [...]) treten sie an die Seite des Gottesvolkes Israel, so dass beide Gruppen das endzeitliche Gottesvolk erst vollständig anzeigen. Die Ergänzung Israels durch die Heiden ist in der Schrift seit alters bezeugt.“&amp;lt;br /&amp;gt;In der exegetischen Forschung ist dies sehr umstritten und das Bild gibt wirklich beides her.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Eine dritte Variante findet sich bes. gut z.B. bei Lohfink 1975, S. 59f.: Der Aufbau des neuen Gottesvolks geschehe in der lukanischen Ekklesiologie so, dass zunächst „aus“ den Juden das „wahre und gläubige Israel“ zusammengesammelt und danach „aus“ den Heiden der Rest des neuen Israel diesen hinzugefügt würde. Man könnte dies als die „&#039;&#039;&#039;Sammlungs- und Einbringungstheorie&#039;&#039;&#039;“ bezeichnen. An sich ist dies nur eine Spielform der Substitutionslehre; noch dazu aber eine, die so immerhin in dieser Perikope gar nicht angelegt ist, sondern in sie hineingelesen werden muss. Und ob sie sich andernorts in den lukanischen Schriften findet, ist zumindest fraglich: Verbindendes Element der „judenfeindlichen“ Stellen in Apg ist ja nicht zunächst, dass Juden christusgläubig werden müssten, sondern dass Lukas „die Juden“ oder „das Volk“ jeweils als zunächst &#039;&#039;christus-feindlich&#039;&#039; darstellt und Paulus fordern lässt, dass sie von dieser ihre Christus-Feindschaft ablassen und ihre Sünden wie insbesondere die Tatsache bereuen sollen, dass sie Christus kreuzigen lassen haben. Hier ist aber auch dies kein Thema; stattdessen leitet Jakobus aus seinem Schriftbeweis gerade nicht ab, dass – wie Äußerungen des Paulus dies gelegentlich nahelegen – das jüdische Gesetz nun völlig abgetan sei und eine neue Sammlung begonnen habe, sondern den Kompromiss aus Vv. 19-21, der die Heidenchristen in eingeschränkte Kontinuität mit dem Judentum stellt und mit den Judenchristen, für die das jüdische Gesetz natürlich &#039;&#039;nicht&#039;&#039; abgetan ist (richtig Schaefer 2012, S. 259.263).&amp;lt;br /&amp;gt;Lässt sich zwischen (1) und (2) exegetisch nicht entscheiden, müssen andere Faktoren die Entscheidung leiten, und wichtig dann wohl v.a.: Solange keine starken Argumente für die erste Deutung beibegracht werden können, sollte man den Vers besser entsprechend der zweiten Deutung lesen, da diese sich besser mit der ökumenischen Theologie verbinden lässt. Für weitere Denkmodelle neben der Enlargement Theology s. z.B. [https://www.ekd.de/ekd_de/ds_doc/Messianische_Juden.pdf Gemeinsamer Ausschuss „Kirche und Judentum“ (2019): Judenchristen – jüdische Christen – „messianische Juden“. S. 14].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_&#039;&#039;Und seine Trümmer (sein Zerstörtes)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Beide Varianten finden sich schon in Am 9,11 LXX, sind also Angleichungen des NT-Textes an die jeweils verwendete LXX-Vorlage. Ursprünglich ist sicher „Trümmer“, w. „das Nieder-Getrümmerte“; die Variante ist w. „das Umgestürzte / Zerstörte“.&amp;lt;/ref&amp;gt; werde ich wieder-erbauen&#039;&#039;&lt;br /&gt;
_&#039;&#039;Und wieder-aufstellen werde ich es,&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Jakobus / Lukas streichen „wie in den Tagen der Vorzeit“, das sich in Am 9,11 LXX noch an diese Zeile anschließt: Es soll eben nicht der alte glanzvolle Status Quo &#039;&#039;wieder&#039;&#039;-hergestellt werden, sondern etwas &#039;&#039;Neues&#039;&#039; und noch nicht Dagewesenes soll geschaffen werden.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|17}} &#039;&#039;Damit suchen&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Im MT von Am 9,12: „damit in Besitz nehmen“; der LXX-Übersetzer hat heb. &#039;&#039;jjršw&#039;&#039; mit heb. &#039;&#039;jdršw&#039;&#039; verlesen. Apg 15,17 übernimmt diesen Fehler.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird der Rest (werden die Übriggebliebenen)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;die Übriggebliebenen&#039;&#039; meint in [[Amos 9#s11 |Am 9,11]] noch die &#039;&#039;Überlebenden&#039;&#039; nach der Invasion der Assyrer. LXX und dann noch mehr Jakobus machen daraus durch Änderungen des Wortlauts den &#039;&#039;Rest&#039;&#039;, also alle, die noch nicht zu Gottes Volk gehören. S. noch nächste FN.&amp;lt;/ref&amp;gt; der Menschen&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;der Menschen&#039;&#039; ist ein weiterer Lesefehler von LXX, den Apg 15,17 übernimmt: statt &#039;&#039;`edom&#039;&#039; („den Rest Edoms“) hat der Schreiber von LXX &#039;&#039;`adam&#039;&#039; („der Mensch“) gelesen. Gerade das macht die LXX-Fassung aber so passend für Lukas / Jakobus: Nun gemeint ist „der ganze Rest“ der Menschen, also alle Menschen, die bis dato noch nicht zu Gottes Volk gehören konnten. In rabbinischen Schriften findet sich eine Auslegung von [[Amos 9#s12 |Am 9,12]], die das „Volk-Gottes-tum“ ähnlich von Israel ausweitet auf die anderen Völker, s. dort zu „über die ausgerufen ist mein Name“.&amp;lt;/ref&amp;gt; den Herrn,&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;den Herrn&#039;&#039; findet sich nur in wenigen LXX-Codices und ist sicher selbst in der LXX sekundäre Ergänzung. Eine sinnvolle aber: Nachdem LXX zwei der drei vorangehenden Wörter verlesen hat, macht der Text keinen Sinn mehr, da ein Objekt fehlt („damit suchen werden die Übriggebliebenen der Menschen Ø.“). In der Fassung, die Jakobus zitiert, dient die Wiedererrichtung des Zeltes Gottes nun der &#039;&#039;Gott&#039;&#039;-Suche aller Menschen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_&#039;&#039;das heißt (ja, und) alle [nicht-jüdischen] Nationen, über welche mein Name gerufen ist!‘&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&#039;&#039;– spricht der Herr, der dies alles macht {{S|18}} bekannt seit jeher (der macht all dies, [was] seit jeher bekannt ist).‘&#039;&#039;“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;bekannt seit jeher (dies, [was] seit jeher bekannt ist)&#039;&#039; - die letzte Änderung des Textes durch Jakobus / Lukas; dieser letzte Teil hat keine Entsprechung in MT oder LXX. In Am 9,12 absolut: „spricht der Herr, der dies macht.“ Jakobus variiert dies entweder (a) zu „der dies &#039;&#039;seit jeher bekannt&#039;&#039; macht“, der also schon zur Zeit des Amos prophezeien lassen hat, dass es sich so zutragen wird und soll, (b) zu „der dies tut, was &#039;&#039;uns&#039;&#039; seit jeher bekannt ist“, nämlich eben durch die Prophetie des Amos, oder (c) zu „was &#039;&#039;ihm&#039;&#039; seit jeher bekannt ist“, was Gott also schon zu Urzeiten beschlossen hat. Letzteres ist ziemlich unwahrscheinlich, so dennoch z.B. EÜ, GN („ich, der Herr, werde tun, was ich seit Urzeiten beschlossen habe“). Man hat diese Ergänzung oft auf [[Jesaja 45#s21 |Jes 45,21]] zurückführen wollen, aber aus Jes 45,21 LXX stammt sie sicher nicht: „Lass sie sich nahen, damit ihnen &#039;&#039;bekannt&#039;&#039; wird, wer veranlasst hat, dass diese Dinge &#039;&#039;seit jeher&#039;&#039; gehört würden.“ Wahrscheinlicher verwendet hier Jakobus also tatsächlich diesen Mini-Satz des Amos, um damit selbst einen Kommentar zu dieser Prophetie abzugeben: Es ist Gottes Wille, der da im Ausspruch des Amos durchscheint, dank Amos kennen wir ihn auch schon seit jeher, ergo müssen wir auch demgemäß handeln.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Wohl deshalb, weil das Amoszitat mit „dies alles macht“ endet und danach „bekannt seit jeher“ für sich genommen unvollständig ist, wenn es nicht mit V. 17 verbunden wird, sind verschiedene alternative Textvarianten entstanden, z.B. in A D: „Bekannt seit jeher ist / [ist] dem Herrn sein Werk / Wirken“, was dann auch in die Vulgata wanderte. Aber die Gründe für diese Varianten sind offensichtlich; dieser längere Text ist klar sekundär (so auch TCNT 379).&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
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{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Apostelgeschichte_15&amp;diff=40215</id>
		<title>Apostelgeschichte 15</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Apostelgeschichte_15&amp;diff=40215"/>
		<updated>2025-10-30T20:00:39Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Syntax&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Lesefassung}} &#039;&#039;(kommt später)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|1}} &lt;br /&gt;
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{{S|12}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|13}} Nachdem sie [fertig]gesprochen hatten, antwortete Jakobus&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Jakobus&#039;&#039; - der (leibliche) Bruder Jesu (s. [[Galater 1#s19 |Gal 1,19]]). Zu dieser Zeit der „Papst“ der Urkirche, insofern er das Oberhaupt der Jerusalemer Urgemeinde in der „Mitte der Welt“ war. Nach [[Galater 2#s11 |Gal 2,11f.]] konnte er selbst Petrus zurechtweisen, nach [[Apostelgeschichte 21#s18 |Apg 21,18f.]] war er es, dem selbst Paulus Bericht zu erstatten hatte, und entsprechend ist ja auch hier er es, der „das letzte Wort hat“. Auch [[Apostelgeschichte 12#s17 |Apg 12,17]] zeugen immerhin von seiner herausgehobenen Stellung, da er als einziger eigens genannt wird. Wann und warum er Petrus als Oberhaupt der Urgemeinde ablöste, ist nicht überliefert.&amp;lt;/ref&amp;gt; {indem er sprach}: „{Männer} Brüder, hört mich!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|14}} Simon&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Simon&#039;&#039; - tatsächlich „Symeon“, anders als sonst legt Lukas dem Judenchristen Jakobus hier die hebräische Lautung des Namens von Simon Petrus in den Mund. Offenbar soll schon hierdurch die Jakobus und seine Position als einer und eine charakterisiert werden, die spezifisch judenchristlich ist (gut Schaefer 2012, S. 244f.).&amp;lt;/ref&amp;gt; hat erzählt, wie Gott zuerst&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;zuerst&#039;&#039; - nämlich durch Petrus, der nach V. 7 „am Anfang“ den nicht-jüdischen Nationen Gottes Wort verkündete.&amp;lt;/ref&amp;gt; heimgesucht hat, um sich (darauf geschaut hat, sich)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;heimgesucht hat&#039;&#039; - d.h. „heilsgeschichtlich an ihnen wirksam war“ (so gut Pervo; auch Tannehill 1990, S. 187); ein für Lukas typischer Septuagintismus (s. auch [[Lukas 1#s68 |Lk 1,68]].[[Lukas 1#s78 |78]]; [[Lukas 7#s16 |7,16]]; [[Apostelgeschichte 7#s13 |Apg 7,13]]). Petrus war hier also Instrument von Gottes Heilsplan. Alternativ nach Mehrheitsdeutung: „wie Gott zuerst &#039;&#039;darauf geschaut hat&#039;&#039;“; Jakobus spräche dann nur mit „einer gewissen feierlichen Umständlichkeit“ (Haenchen 1977, S. 430).&amp;lt;/ref&amp;gt; zu (nehmen=) gewinnen aus [nicht-jüdischen] Nationen ein Volk&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;aus den Nationen ein Volk&#039;&#039; - gut Conzelmann 1963, S. 83: „bewußt paradoxe Formulierung“. Gottes Heilsplan liegt quer zu Völker- und Nationengrenzen.&amp;lt;/ref&amp;gt; für seinen Namen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;für seinen Namen&#039;&#039; - also „damit sie seinen Namen trügen“ als &#039;&#039;sein&#039;&#039; Volk. Der Ausdruck ist abgeleitet aus V. 17, wo er wiederum aus [[Amos 9#s12 |Am 9,12]] übernommen wird. Jakobus erfasst die Bed. des Heb. exakt: Das Volk, das Gottes Namen trägt, ist sonst stets ausschließlich Israel – nur nicht in Am 9,12, wo darunter auch nicht-jüdische Völker fallen. S. näher dort.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|15}} Und hiermit (damit)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: „hiermit“ (d.h. mit dem, was Petrus und ich eben sagten) z.B. nach B {{hebr}}א{{hebr ende}} A C, „damit“ (=„derart“) v.a. nach D. Ropes 1926, S. 142 hält Letzteres für ursprünglich, Pervo besser Ersteres: D habe mit „derart“ sicherstellen wollen, dass ein Leser &#039;&#039;tuto&#039;&#039; („dies, damit, mit diesem“) nicht missverstehe als auf Simon Petrus bezogen („Und mit diesem = Petrus stimmen die Worte der Propheten überein“).&amp;lt;/ref&amp;gt; stimmen die Worte der Propheten&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;der Propheten&#039;&#039; - zitiert wird nur Amos. Gemeint ist entweder die Buchsammlung „der Prophetenschriften“ oder die Teilsammlung der „zwölf kleinen Propheten“, zu denen jeweils das Buch Amos gehört.&amp;lt;/ref&amp;gt; überein(, wie geschrieben steht=). Denn es steht (in [[Amos 9#s11 |Am 9,11f.]])&amp;lt;ref&amp;gt;Am 9,11f. wird hauptsächlich locker nach der LXX zitiert, wie üblich bei Lukas. Das heißt aber auch: Die Worte stammen sicher nicht ursprünglich von Jakobus, der nicht aus der LXX zitiert hätte, sondern Jakobus Rede ist eine lukanische Schöpfung.&amp;lt;/ref&amp;gt; geschrieben:&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|16}} ‚‚&#039;&#039;Danach werde ich wieder-umkehren&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Danach werde ich wieder-umkehren&#039;&#039; steht so nicht in [[Amos 9#s11|Am 9,11]]. „werde ich wieder-umkehren“ hat dort gar keine Entsprechung, „danach“ ist dort stattdessen „an jenem Tag“, d.h. am Gerichtstag Gottes. Seltsam Pervo: „Danach“ habe sich ursprünglich auf „den Zeitpunkt der Zerstörung des Tempels“ bezogen. Dabei stammt „danach“ gar nicht aus dem MT oder der LXX, ist also stattdessen eine bewusste Textänderung des Lukas. Gemeint ist wohl kein konkreter Zeitpunkt, sondern das „absolute Danach“, also die nun angebrochene Phase der Heilsgeschichte, in der nicht nur Israel Gottes Volk ist, sondern in der Menschen „aus der Mitte Jerusalems“ (V. 24) ausgehen, um die ganze Welt bis nach Rom am „Ende der Welt“ zu Gott zu bekehren (Schaefer 2012, S. 262: „die gegenwärtige Zeit der Mission“). Ganz glatt ist das auch nicht, aber die Alternativen sind nicht besser:&amp;lt;br /&amp;gt;Alternativ z.B. Bauckham 1996, S. 163, der glaubt, Lukas habe „danach“ gemeinsam mit „werde ich wieder-umkehren“ aus [[Hosea 3#s5 |Hos 3,5]] LXX übernommen („Danach werden umkehren die Israeliten“) – aber warum hätte er das tun sollen? Subjekt sind in Hos 3,5 ja die Israeliten, nicht Gott, und was Jakobus Eintragung in den Amostext zu seinem Argument beiträgt, würde nach dieser Herleitung nicht klar. Besser noch Fitzmyer, der denkt, „danach“ stamme aus [[Jeremia 12#s15 |Jer 12,15]]. Diesen Vers kann man an sich zwar wirklich gut mit [[Amos 9#s11 |Am 9,11f.]] zusammenlesen, aber dass tatsächlich auf diesen Vers angespielt werden soll, lässt sich nur aus dem „danach“ nun wirklich nicht erkennen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und ich werde wieder-erbauen das Zelt Davids, das verfallene,&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Zusammenziehung zweier Zeilen aus Am 9,11f. LXX: „&#039;&#039;Ich werde&#039;&#039; aufrichten &#039;&#039;das Zelt Davids, das verfallene, und wieder-erbauen&#039;&#039; seine Ruinen.“ („Zelt“ statt „Hütte“ in MT). Was genau gesagt werden soll, ist unklar:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Ist die weltumspannende Urkirche das „&#039;&#039;neue&#039;&#039; Israel“, nachdem das alte Zelt verfallen ist – löst hier also die Jesusbewegung das Judentum ab? Diese Deutung war in der älteren christlichen Theologie weit verbreitet; man bezeichnet sie heute gelegentlich als „&#039;&#039;&#039;Substitutionslehre&#039;&#039;&#039;“. So z.B. noch Roloff 1981, S. 232: „Vielmehr haben zuerst die Apostel aus dem alten Gottesvolk das wahre Israel der Endzeit gesammelt (V. 16), damit nunmehr auch die Heiden aus allen Völkern in die Gemeinschaft des Gottesvolkes eingebracht werden können. Dieses kann seinem Wesen nach nur eines sein; es gibt nicht ein Gottesvolk aus den Heiden neben einem aus den Juden, sondern nur das eine Volk Gottes, das das erneuerte Israel ist und das zugleich die ganze Menschheit umfassen soll.“&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Oder steht es als „&#039;&#039;wieder&#039;&#039;-errichtetes“ Zelt in Kontinuität zum jüdischen Israel, so dass die Heidenchristen nun nur zum jüdischen Volk Gottes &#039;&#039;hinzukämen&#039;&#039; und so die Mauerrisse des Hauses Israel stopften (Am 9,11)? Diese Variante bezeichnet man heute gelegentlich als „&#039;&#039;&#039;Enlargement Theology&#039;&#039;&#039;“, also als „Ausweitungs-Theologie“. So z.B. Schaefer 2012, S. 262f.: „Als ‚Gottesvolk aus den Heidenvölkern‘ (Apg 15,14 [...]) treten sie an die Seite des Gottesvolkes Israel, so dass beide Gruppen das endzeitliche Gottesvolk erst vollständig anzeigen. Die Ergänzung Israels durch die Heiden ist in der Schrift seit alters bezeugt.“&amp;lt;br /&amp;gt;In der exegetischen Forschung ist dies sehr umstritten und das Bild gibt wirklich beides her.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Eine dritte Variante findet sich bes. gut z.B. bei Lohfink 1975, S. 59f.: Der Aufbau des neuen Gottesvolks geschehe in der lukanischen Ekklesiologie so, dass zunächst „aus“ den Juden das „wahre und gläubige Israel“ zusammengesammelt und danach „aus“ den Heiden der Rest des neuen Israel diesen hinzugefügt würde. Man könnte dies als die „&#039;&#039;&#039;Sammlungs- und Einbringungstheorie&#039;&#039;&#039;“ bezeichnen. An sich ist dies nur eine Spielform der Substitutionslehre; noch dazu aber eine, die so immerhin in dieser Perikope gar nicht angelegt ist, sondern in sie hineingelesen werden muss. Und ob sie sich andernorts in den lukanischen Schriften findet, ist zumindest fraglich: Verbindendes Element der „judenfeindlichen“ Stellen in Apg ist ja nicht zunächst, dass Juden christusgläubig werden müssten, sondern dass Lukas „die Juden“ oder „das Volk“ jeweils als zunächst &#039;&#039;christus-feindlich&#039;&#039; darstellt und Paulus fordern lässt, dass sie von dieser ihre Christus-Feindschaft ablassen und ihre Sünden wie insbesondere die Tatsache bereuen sollen, dass sie Christus kreuzigen lassen haben. Hier ist aber auch dies kein Thema; stattdessen leitet Jakobus aus seinem Schriftbeweis gerade nicht ab, dass – wie Äußerungen des Paulus dies gelegentlich nahelegen – das jüdische Gesetz nun völlig abgetan sei und eine neue Sammlung begonnen habe, sondern den Kompromiss aus Vv. 19-21, der die Heidenchristen in eingeschränkte Kontinuität mit dem Judentum stellt und mit den Judenchristen, für die das jüdische Gesetz natürlich &#039;&#039;nicht&#039;&#039; abgetan ist (richtig Schaefer 2012, S. 259.263).&amp;lt;br /&amp;gt;Lässt sich zwischen (1) und (2) exegetisch nicht entscheiden, müssen andere Faktoren die Entscheidung leiten, und wichtig dann wohl v.a.: Solange keine starken Argumente für die erste Deutung beibegracht werden können, sollte man den Vers besser entsprechend der zweiten Deutung lesen, da diese sich besser mit der ökumenischen Theologie verbinden lässt. Für weitere Denkmodelle neben der Enlargement Theology s. z.B. [https://www.ekd.de/ekd_de/ds_doc/Messianische_Juden.pdf Gemeinsamer Ausschuss „Kirche und Judentum“ (2019): Judenchristen – jüdische Christen – „messianische Juden“. S. 14].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_&#039;&#039;Und seine Trümmer (sein Zerstörtes)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Beide Varianten finden sich schon in Am 9,11 LXX, sind also Angleichungen des NT-Textes an die jeweils verwendete LXX-Vorlage. Ursprünglich ist sicher „Trümmer“, w. „das Nieder-Getrümmerte“; die Variante ist w. „das Umgestürzte / Zerstörte“.&amp;lt;/ref&amp;gt; werde ich wieder-erbauen&#039;&#039;&lt;br /&gt;
_&#039;&#039;Und wieder-aufstellen werde ich es,&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Jakobus / Lukas streichen „wie in den Tagen der Vorzeit“, das sich in Am 9,11 LXX noch an diese Zeile anschließt: Es soll eben nicht der alte glanzvolle Status Quo &#039;&#039;wieder&#039;&#039;-hergestellt werden, sondern etwas &#039;&#039;Neues&#039;&#039; und noch nicht Dagewesenes soll geschaffen werden.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|17}} &#039;&#039;Damit suchen&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Im MT von Am 9,12: „damit in Besitz nehmen“; der LXX-Übersetzer hat heb. &#039;&#039;jjršw&#039;&#039; mit heb. &#039;&#039;jdršw&#039;&#039; verlesen. Apg 15,17 übernimmt diesen Fehler.&amp;lt;/ref&amp;gt; (werden die Übriggebliebenen=) wird der Rest&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;die Übriggebliebenen&#039;&#039; meint in [[Amos 9#s11 |Am 9,11]] noch die &#039;&#039;Überlebenden&#039;&#039; nach der Invasion der Assyrer. LXX und dann noch mehr Jakobus machen daraus durch Änderungen des Wortlauts den &#039;&#039;Rest&#039;&#039;, also alle, die noch nicht zu Gottes Volk gehören. S. noch nächste FN.&amp;lt;/ref&amp;gt; der Menschen&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;der Menschen&#039;&#039; ist ein weiterer Lesefehler von LXX, den Apg 15,17 übernimmt: statt &#039;&#039;`edom&#039;&#039; („den Rest Edoms“) hat der Schreiber von LXX &#039;&#039;`adam&#039;&#039; („der Mensch“) gelesen. Gerade das macht die LXX-Fassung aber so passend für Lukas / Jakobus: Nun gemeint ist „der ganze Rest“ der Menschen, also alle Menschen, die bis dato noch nicht zu Gottes Volk gehören konnten. In rabbinischen Schriften findet sich eine Auslegung von [[Amos 9#s12 |Am 9,12]], die das „Volk-Gottes-tum“ ähnlich von Israel ausweitet auf die anderen Völker, s. dort zu „über die ausgerufen ist mein Name“.&amp;lt;/ref&amp;gt; den Herrn,&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;den Herrn&#039;&#039; findet sich nur in wenigen LXX-Codices und ist sicher selbst in der LXX sekundäre Ergänzung. Eine sinnvolle aber: Nachdem LXX zwei der drei vorangehenden Wörter verlesen hat, macht der Text keinen Sinn mehr, da ein Objekt fehlt („damit suchen werden die Übriggebliebenen der Menschen Ø.“). In der Fassung, die Jakobus zitiert, dient die Wiedererrichtung des Zeltes Gottes nun der &#039;&#039;Gott&#039;&#039;-Suche aller Menschen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_&#039;&#039;das heißt (ja, und) alle [nicht-jüdischen] Nationen, über welche mein Name gerufen ist!‘&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&#039;&#039;– spricht der Herr, der dies alles macht {{S|18}} bekannt seit jeher (der macht all dies, [was] seit jeher bekannt ist).‘&#039;&#039;“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;bekannt seit jeher (dies, [was] seit jeher bekannt ist)&#039;&#039; - die letzte Änderung des Textes durch Jakobus / Lukas; dieser letzte Teil hat keine Entsprechung in MT oder LXX. In Am 9,12 absolut: „spricht der Herr, der dies macht.“ Jakobus variiert dies entweder (a) zu „der dies &#039;&#039;seit jeher bekannt&#039;&#039; macht“, der also schon zur Zeit des Amos prophezeien lassen hat, dass es sich so zutragen wird und soll, (b) zu „der dies tut, was &#039;&#039;uns&#039;&#039; seit jeher bekannt ist“, nämlich eben durch die Prophetie des Amos, oder (c) zu „was &#039;&#039;ihm&#039;&#039; seit jeher bekannt ist“, was Gott also schon zu Urzeiten beschlossen hat. Letzteres ist ziemlich unwahrscheinlich, so dennoch z.B. EÜ, GN („ich, der Herr, werde tun, was ich seit Urzeiten beschlossen habe“). Man hat diese Ergänzung oft auf [[Jesaja 45#s21 |Jes 45,21]] zurückführen wollen, aber aus Jes 45,21 LXX stammt sie sicher nicht: „Lass sie sich nahen, damit ihnen &#039;&#039;bekannt&#039;&#039; wird, wer veranlasst hat, dass diese Dinge &#039;&#039;seit jeher&#039;&#039; gehört würden.“ Wahrscheinlicher verwendet hier Jakobus also tatsächlich diesen Mini-Satz des Amos, um damit selbst einen Kommentar zu dieser Prophetie abzugeben: Es ist Gottes Wille, der da im Ausspruch des Amos durchscheint, dank Amos kennen wir ihn auch schon seit jeher, ergo müssen wir auch demgemäß handeln.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Wohl deshalb, weil das Amoszitat mit „dies alles macht“ endet und danach „bekannt seit jeher“ für sich genommen unvollständig ist, wenn es nicht mit V. 17 verbunden wird, sind verschiedene alternative Textvarianten entstanden, z.B. in A D: „Bekannt seit jeher ist / [ist] dem Herrn sein Werk / Wirken“, was dann auch in die Vulgata wanderte. Aber die Gründe für diese Varianten sind offensichtlich; dieser längere Text ist klar sekundär (so auch TCNT 379).&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
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{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Psalm_37&amp;diff=40214</id>
		<title>Psalm 37</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Psalm_37&amp;diff=40214"/>
		<updated>2025-10-30T19:52:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Syntax&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Zuverlässige Studienfassung}}&lt;br /&gt;
{{Lesefassung kann erstellt werden}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Lesefassung}} &#039;&#039;(kommt später)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
{{S|1}} &#039;&#039;Von David (Für David, Aus der Davids-Sammlung)&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Von David (Für David, Aus der Davids-Sammlung)&#039;&#039; steht in vielen Psalm-Überschriften: in 73 Überschriften der hebräischen Bibel und sogar in 87 Überschriften des LXX-Psalters. Am besten deutet man sie als Angabe des Verfassers David, nimmt diese Angabe aber nicht historisch, sondern z.B. mit Childs 1971 als alte, aber spätere Interpretationen des folgenden Psalms, die für eine adäquate Auslegung desselben ignoriert werden muss. S. genauer zu [[Psalm 3#s1 |Ps 3]].&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Wie häufig in den Ps-Überschriften sind auch hier die Zeugnisse in den Überschriften in den alten Vrs. nicht einheitlich: Einige gr. Zeugen ergänzen „Psalm (Davids)“, einige neben &#039;&#039;leDavid&#039;&#039; auch &#039;&#039;la-mnaṣeaḥ&#039;&#039; („für den Chorleiter / Ritualvorsteher / ...(?)“), einige beides. Ursprünglich sind diese Varianzen sicher nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;[&#039;&#039;&#039;A&#039;&#039;&#039;]&amp;lt;ref&amp;gt;Ps 37 ist ein sog. „akrostischer“ Psalm: I.d.R. jede vierte Zeile beginnt in alphabetischer Reihenfolge mit einem neuen Buchstaben. [https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb10311823?page=244 Ewald] hat das kongenial im Deutschen nachgeahmt. Einige Unregelmäßigkeiten gibt es bei der Zahl der Zeilen einer solchen alphabetischen Strophe, die einzige größere Unregelmäßigkeit findet sich in V. 28, wo der erwartete Buchstabe nicht steht (s. dort), und evt. in V. 23 und V. 39, wo jeweils manche Versionen einen Text bezeugen, der „nicht ganz“ mit dem korrekten Buchstaben beginnt (s. dort).&amp;lt;/ref&amp;gt; (Brenne=) Zürne Bösewichtern nicht (Wetteifere nicht mit&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Wetteifern&#039;&#039; - So Hieronymus mit dem selben Wort, mit dem er in VUL das &#039;&#039;zweite&#039;&#039; Vb. übersetzt, und Saadja. Vgl. außerdem Tg, Ms M: „begehre nicht nach den Übeltätern“, Syr: „sei nicht neidisch auf Übeltäter“. Vgl. schließlich noch b.Ber 7b: Man solle nicht lesen &#039;&#039;titḥar&#039;&#039; („zürne“), sondern &#039;&#039;teqanne`&#039;&#039; („wetteifere“). Das könnte einen alternativen Wortlaut nahelegen, aber vergleicht man dann noch die Kommentare von Saadja und ibn Ezra, sieht man, dass es &#039;&#039;dieses&#039;&#039; Wort war, dem sie diese Bed. gegeben haben – vielleicht aber ausgehend von der Variante in Tg, Ms M (&#039;&#039;trgg&#039;&#039; statt &#039;&#039;tgrg&#039;&#039;).&amp;lt;/ref&amp;gt;),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Keine Banalität; in der jüd. Auslegungsgeschichte hat man sogar explizit gegen diesen Vers Einspruch erhoben: b.Meg 6b + b.DER 2,29: „Es ist erlaubt, gegen Übeltäter zu eifern. Sollte dir jemand zuflüstern: ‚Zürne Bösewichtern nicht und beneide Übeltäter nicht‘ – nur, wer sich selbst schuldig fühlt, würde so etwas sagen.“ Jedoch: Gerade das soll der Angesprochene nicht tun, und dies ist gottgefällig.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Sprichwörter|24|19}}&lt;br /&gt;
_([und])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[und]&#039;&#039; - So viele MSS; u.a. einige wichtige und alte Handschriften (z.B. G5, G7, G11, G20, KA1; zu den Handschriften-Siglen s. die Seite [https://offene-bibel.de/wiki/Benutzer:Sebastian_Walter/Wichtige_MSS Wichtige Handschriften]). Die alten Vrs. stützen aber L. &amp;lt;/ref&amp;gt; Beneide Übeltäter nicht, {{par|Psalm|73|3}} {{par|Sprichwörter|3|31}} {{par|Sprichwörter|23|17}} {{par|Sprichwörter|24|1}} {{par|Sprichwörter|24|19}}&lt;br /&gt;
{{S|2}} denn wie {das} Gras werden sie schnell verdorren &lt;br /&gt;
_Und wie grünes Kraut werden sie eingehen! {{par|Ijob|8|12}} {{par|Psalm|90|5|6}} {{par|Psalm|103|15|16}} {{par|Psalm|129|6}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|3}} [&#039;&#039;&#039;B&#039;&#039;&#039;] Vertraue auf JHWH und tue Gutes, {{par|Psalm|4|6}} {{par|Psalm|26|1}}&lt;br /&gt;
_Bewohne das Land (die Erde) und weide (so wirst du weiden können) Treue (in Sicherheit, weide treu/sicher, weide dich an seinen Schätzen, strebe nach Treue);&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Treue weiden&#039;&#039; - Etwas unklare Metapher. Klar ist immerhin, dass V. 3 mit V. 2 spielt: Wie die Übeltäter „wie Gras“ verschwinden werden, wird der Angesprochene dagegen „weiden“ können. Wahrscheinlich ist dies außerdem ein Wortspiel: &#039;&#039;re´eh&#039;&#039; („weide“) klingt im jüngeren Bibelhebräisch fast identisch mit &#039;&#039;re`eh&#039;&#039; („sieh“), also „und sieh Treue“ = „und du wirst [Gottes] Treue sehen=erfahren können!“ (vgl. V. 34: „Du wirst’s sehen“).&amp;lt;br /&amp;gt;Was näherhin die Bed. angeht, bieten sich vier Deutungen an:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Der Angesprochene erscheint wie in [[Psalm 23 |Ps 23]] als Schaf, daher: „Friss Treue“ = Gott wird dich in seiner Treue sättigen / mit seiner Treue regelrecht abfüllen. So schon VUL: „Weide dich an der Treue [Gottes]“; Cheung 2015, S. 54: „Graze on faithfulness“; ELB.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Ebenso, daher aber: „Friss in Sicherheit“, weil du dabei nicht mehr von den eingegangenen Übeltätern gestört und bedroht werden wirst. So z.B. Tiquillahuanca 2008, S. 11: „Bewohne das Land und beweide (es) in Sicherheit!“; Ruiz 2015, S. 17: „Weide in Sicherheit!“; z.B. auch HER05, TUR.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Der Angesprochene erscheint als Hirte, die „Treue“ als die Herde, die er „weiden“ = „pflegen“ soll: „Kultiviere deine Treue zu Gott“ = „Werde immer treuer“. So Tg: „Befleißige dich der Treue“; Syr: „Strebe nach Treue“; z.B. auch Witte 2013, S. 415: „Hege Treue!“. So die meisten Üss., z.B. BB, EÜ, HfA, LUT, MÜN, NeÜ, NGÜ, SLT, ZÜR.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Duhm 1899 vergleicht gut das häufige Nomen &#039;&#039;re´ut&#039;&#039; in Kohelet, das „Streben, Haschen“ zu bedeuten scheint. &#039;&#039;ra´ah&#039;&#039; müsste dann entsprechend ebenfalls „streben“ bedeuten können (Duhm: „erstrebe treue“ → „übe Treue“).&amp;lt;br /&amp;gt;Liest man V. 3 mit V. 4 zusammen, ist (1) am wahrscheinlichsten; „friss Gottes Treue“ ≙ „Gott wird dir die Bitten deines Herzens gewähren“. 3b nimmt man dann am besten als Folge-Imperative, also nicht „Bewohne...!“, sondern „dann wirst du bewohnen können“ (richtig von Lengerke 1847, Graetz 1882, Kissane 1953).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Fast alle Vrs. wie in der Primär-Üs., nur LXX + VUL: „Weide dich an seinen Reichtümern“, was statt &#039;&#039;`emunah&#039;&#039; („Treue, Sicherheit“) &#039;&#039;ḥamoneh&#039;&#039; („seine Menge/Schätze“) voraussetzt. So z.B. H-R: „Dann bleibst du im Land und genießt seine Güter“. Fast sicher soll dies aber nur das etwas schwierige Bild vereinfachen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|4}} Sei über JHWH entzückt (hab deine Wonne an JHWH),&amp;lt;ref&amp;gt;Anstatt gegen Übeltäter zu zürnen. Gut Goldingay 2006, S. 520: „The remedy for negative feelings that come from looking at others is to look at Yhwh and let appropriate feelings arise.“ Vgl. aber auch [[Ijob 34#s9 |Ijob 34,9]], wo sich erkennen lässt, dass das „Entzückt-sein“ über JHWH in der Tat eine Tugend war, die man jemandem auftragen konnte; u.a. sicher, weil man seinem Entzücken Ausdruck verleihen konnte durch Jubel vor dem Altar Gottes u.ä. (s. [[Psalm 43#s4 |Ps 43,4]]).&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|22|26}} {{par|Ijob|27|10}} {{par|Ijob|34|9}} {{par|Psalm|43|4}} {{par|Jesaja|58|14}}&lt;br /&gt;
_Dann wird er dir gewähren die Bitten deines Herzens. {{par|Psalm|21|3}} {{par|Psalm|145|19}} {{par|1 Könige|3|5}} {{par|2 Chronik|1|17}} {{par|Matthäus|7|7}} {{par|Johannes|15|7}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|5}} [&#039;&#039;&#039;C&#039;&#039;&#039;] Wälze auf JHWH deinen Weg (deine Wege)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Wälze deinen Weg&#039;&#039; - Ausdruck dafür, das eigene Schicksal der Fürsorge Gottes anzuvertrauen, auf dass dieser sich darum kümmere; s. noch [[Psalm 22#s9 |Ps 22,9]]; [[Sprichwörter 16#s3 |Spr 16,3]]; [[1Petrus 5#s7 |1 Pet 5,7]]. Sinnvoll BB + NGÜ: „Lass den Herrn deinen Weg bestimmen“, TEX: „Stelle Jahwe dein Geschick anheim“.&amp;lt;br /&amp;gt;Vielleicht ein Wortspiel: Syr übersetzt „Mach deinen Weg gerade“, versteht „wälzen“ also offenbar als „glattwalzen“, was hier sicher nicht primär gemeint ist, aber sprachlich möglich ist. Wer seinen Weg „glattgewalzt“ hat, ist aber identisch mit dem mit „geradem Weg“ in V. 14.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: LXX, VUL, Tg lesen &#039;&#039;gl&#039;&#039; nicht wie MT, Hier und Syr als &#039;&#039;gol&#039;&#039; („Wälze“), sondern als &#039;&#039;gal&#039;&#039; („Offenbare“); Tg und einige Mss lesen außerdem die Konsonanten für „deinen Weg“ mit anderen Vokalen als Pl. „deine Wege“; also: „Tu Gott deine(n) Weg(e) kund!“ Was das bedeuten soll, wäre aber unklar; sicher hat es Gott ja nicht nötig, dass man ihm erst „seinen Weg offenbart“. Richtig hält dies auch keine dt. Üss. für ursprünglich.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Und vertrau auf ihn, dann wird er handeln: (dann wird er [dies] tun:) {{par|Psalm|22|32}} {{par|Matthäus|6|25|26}} {{par|1 Thessalonicher|5|24}}&lt;br /&gt;
{{S|6}} Er wird aufstrahlen lassen deine Gerechtigkeit wie {das} Licht&lt;br /&gt;
_Und dein Recht (deine Gerichtsentscheide)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;deine Gerichtsentscheide&#039;&#039; - so Syr und wenige Mss., die die Konsonanten von MT anders als L und die anderen Vrs. als Pl. vokalisieren. Angezielt war sicher der Sg.&amp;lt;/ref&amp;gt; wie {die} Mittag[shelle].&amp;lt;ref&amp;gt;Gut Hitzig 1863, S. 206: „Er wird deine Rechtschaffenheit glänzend sich herausstellen lassen durch entsprechendes äußeres Schicksal“. Vgl. ähnlich [[Jesaja 62#s1 |Jes 62,1]], wo nicht nur die Gerechtigkeit als die Ursache des „Strahlens“ genannt wird, sondern etwas verständlicher auch die Segenstat Gottes als die Folge dieser Gerechtigkeit: „bis Jerusalems Gerechtigkeit wie Lichtglanz leuchtet und seine Rettung wie eine lodernde Fackel.“ Vgl. auch [[Maleachi 4#s2 |Mal 4,2]]; [[Ijob 11#s14 |Ijob 11,14-17]]; [[Jesaja 60#s1 |Jes 60,1f.]]&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|11|17}} {{par|Jesaja|62|1}} {{par|Maleachi|4|2}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|7}} [&#039;&#039;&#039;D&#039;&#039;&#039;] Schweige vor JHWH und warte auf (tanze vor)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;warte auf (tanze vor)&#039;&#039; - Wortspiel durch mehrdeutiges Wort: Leitet man es ab von &#039;&#039;ḥil&#039;&#039; II (einer NF von &#039;&#039;jaḥal&#039;&#039;, vgl. Kittel 1914; Goldingay 2006; Cheung 2015, S. 54; Witte 2013, S. 416), bed. es „warten auf“, leitet man es ab von &#039;&#039;ḥil&#039;&#039; I, heißt es „tanzen vor“. Aufgerufen wird also zu einem sichtbaren Ausdruck der Vorfreude: „Tänzle vor JHWH!“&amp;lt;/ref&amp;gt; ihm, {{par|Psalm|4|5}} {{par|Psalm|39|2|3}} {{par|Psalm|62|2}}&lt;br /&gt;
_(Brenne=) Zürne nicht – wenn sein Weg gelingt –&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;wenn sein Weg gelingt&#039;&#039; - W. „wenn er seinen Weg zum Gelingen bringt“, im Gegensatz zu dir, der du deinen Weg JHWH anheim gestellt hast.&amp;lt;br /&amp;gt;Wortspiel: das Wort heißt auch „brennen“ (s. zu [[Amos 5#s6 |Am 5,6]]). Auch das Verb zu Beginn der Zeile heißt zunächst „brennen“, und die Konsonanten von &#039;&#039;`iš&#039;&#039; („Mann“) sind die selben wie von &#039;&#039;`eš&#039;&#039; („Feuer“). Wahrscheinlich soll damit nachgebildet werden – wie es in V. 8 dann auch explizit gesagt wird – dass man sich mit solchem „Entbrennen“ nur dem Übeltäter gemein macht: dem Hitzkopf, der sich durch das Leben brennt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Dem Mann, der Intrigen ausführt!&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|8}} [&#039;&#039;&#039;E&#039;&#039;&#039;] Lass ab vom (Brennen=) Zorn und gib auf den Grimm,&lt;br /&gt;
_(brenne=) zürne nicht, [es führt] nur zum Bösen (gar bis zum Bösen)!&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;nur zum Bösen&#039;&#039; - Schön verständlich Böhler 2021: „sonst tust du gar noch Böses!“&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|39|2}} {{par|Sprichwörter|14|29}} {{par|Sprichwörter|16|32}} {{par|Epheser|4|31}} {{par|Jakobus|1|19|20}}&lt;br /&gt;
{{S|9}} Denn Bösewichter werden abgeschnitten!&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;abgeschnitten&#039;&#039; - d.i. getötet; erstarrte Metapher, bei der das menschliche Leben als Textilie dargestellt wird (s. zu [[Ijob 4#s21 |Ijob 4,21]]).&amp;lt;br /&amp;gt;Wortspiel: Das Wort für „hoffen“ in 9b heißt auch „binden“ und ist damit der Gegensatz zum „abgeschnitten-Werden“: Wer auf JHWH hofft = bindet, wird nicht abgeschnitten = getötet.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Heb. &#039;&#039;jikkaretun&#039;&#039; statt &#039;&#039;jikkaretu&#039;&#039; (wie in Ps 37,22), das &#039;&#039;-n&#039;&#039; (ein sog. „paragogisches Nun“) macht das Wort wahrscheinlich noch emphatischer (GKC §47m; JM §44e). Daher oben das Ausrufezeichen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Wer aber auf JHWH hofft, der&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Der&#039;&#039; - Heb. &#039;&#039;hemmah&#039;&#039;, Wortspiel mit &#039;&#039;ḥemmah&#039;&#039; („Grimm“) in V. 8: Nicht der &#039;&#039;Grimmende&#039;&#039; wird das Land besitzen, sondern nur &#039;&#039;derjenige&#039;&#039;, der sich ganz auf JHWH verlässt.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;hemmah&#039;&#039; würde man i.d.R. als Signal für den Beginn eines dritten Kolons nehmen; weil seine Existenz sich hier aber literarisch erklären lässt, sollte man V. 9 besser als Bikolon denn als Trikolon deuten.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird das Land (die Erde) besitzen (in Besitz nehmen). {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|10}} [&#039;&#039;&#039;F&#039;&#039;&#039;] Nur noch ein Weilchen, und der Frevler wird nicht mehr sein, {{par|Jesaja|29|17}} {{par|Jeremia|51|33}}&lt;br /&gt;
_[&#039;&#039;&#039;F&#039;&#039;&#039;] Und du wirst (ich werde)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Alle Vrs. wie MT, nur 4QpPs: „&#039;&#039;ich&#039;&#039; werde untersuchen“. Craigie 1983 hält dies für ursprünglich, aber wahrscheinlicher ist dies Assimilation an V. 36, wo 4QpPs ebenfalls anders als MT nicht „er ging vorüber“, sondern „&#039;&#039;ich&#039;&#039; ging vorüber“ hat. Dass hier sogar an diese Stelle assimiliert wird, macht noch wahrscheinlicher, dass dort „ich“ ursprünglich ist; s. dort.&amp;lt;/ref&amp;gt; den Ort, wo er war,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;den Ort, wo er war&#039;&#039; - W. „seinen Ort“; in dieser Bed. z.B. auch verwendet in [[Psalm 103#s16 |Ps 103,16]].&amp;lt;/ref&amp;gt; untersuchen, aber er wird nicht [da] sein.&amp;lt;ref&amp;gt;Gut erklärt von Ruiz 2015, S. 29: „Nur noch ein Weilchen“ = „es dauert nicht mehr lang“; „und &#039;&#039;du&#039;&#039; wirst den Ort untersuchen“ = „auf jeden Fall wird es noch geschehen, während du lebst“.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|8|18}} {{par|Ijob|20|9}} {{par|Psalm|103|16}}&lt;br /&gt;
{{S|11}} [&#039;&#039;&#039;F&#039;&#039;&#039;] Aber die Elenden (Armen) werden das Land (die Erde) besitzen (in Besitz nehmen) {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}} {{par|Matthäus|5|5}}&lt;br /&gt;
_[&#039;&#039;&#039;F&#039;&#039;&#039;] Und entzückt sein über die (ihre Wonne haben an der) Fülle des Friedens (Wohlergehens, Heil-Seins). {{par|Psalm|72|7}} {{par|Jesaja|54|13}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|12}} [&#039;&#039;&#039;G&#039;&#039;&#039;] Der Frevler sinnt gegen den Gerechten {{par|Psalm|31|14}} {{par|Micha|2|1}}&lt;br /&gt;
_Und knirscht gegen ihn mit den Zähnen. {{par|Psalm|35|16}} {{par|Klagelieder|2|16}}&lt;br /&gt;
{{S|13}} Der Herr (JHWH)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Der Herr (JHwH)&#039;&#039; - Die einzige Stelle im Ps., wo explizit gesagt wird, dass &#039;&#039;Gott&#039;&#039; am Übeltäter handeln wird; sonst werden sicher bewusst Passiv-Formulierungen u.ä. verwendet (s. die Anmerkungen). Gleichzeitig die einzige Stelle, wo auffällig nicht der Gottesname „JHWH“ verwendet wird, sondern das distanziertere „der Herr“ – sicher nicht zufällig.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: 4QpPs und wenige (allerdings wichtige, z.B. G20, KA10, KA27b, KA30, KA36; zu den Handschriften-Siglen s. die Seite [https://offene-bibel.de/wiki/Benutzer:Sebastian_Walter/Wichtige_MSS Wichtige Handschriften]) Mss allerdings auch hier „JHWH“. Doch sicher ist dies nur Angleichung auf den sonstigen Sprachgebrauch des Psalms, der von Gott sonst durchgehend als von „JHWH“ spricht.&amp;lt;/ref&amp;gt; kann über ihn (darüber) [nur] lachen (muss über ihn/darüber lachen), {{par|Psalm|2|4}} {{par|Psalm|59|9}}&lt;br /&gt;
_Denn er sieht (sinnt darauf&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;sinnt darauf&#039;&#039; - zu dieser Bed. s. [[Psalm 66#s18 |Ps 66,18]] u.ö. So hier aber niemand.&amp;lt;/ref&amp;gt;), dass sein Tag&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;sein Tag&#039;&#039; - Entweder „der Tag JHWHs“, also der große Gerichtstag, der eine Zeitenwende einleiten wird, oder „der [schicksalhafte] Tag des Frevlers“ (so explizit Tg). Letztlich kommt hier beides auf das Selbe hinaus, wahrscheinlicher ist hier aber Letzteres, da V. 13 wohl im Gegensatz zu V. 18 stehen soll (richtig Hacham 1979, S. 209; Levine 2003, S. 76). NGÜ + NL: „Der Tag des Gerichts“, BB + GN + HfA + NeÜ: „Der Tag der Abrechnung“; will man den Gegensatz besser erkennbar machen, vielleicht eher: „denn er weiß, dass seine Tage gezählt sind.“&amp;lt;/ref&amp;gt; kommen wird (kommt).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;kommen wird&#039;&#039; - So MT und alle Vrs.; nur 4QpPs und 5 Mss (darunter KA17b) Qatal: &#039;&#039;kommt&#039;&#039;. Am Sinn würde es nichts ändern, darüber hinaus wird man ohnehin auch &#039;&#039;kj bw`&#039;&#039; in diesen Mss besser als &#039;&#039;kj jbw`&#039;&#039; mit „shared consonant“ erklären.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|18|20}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|14}} [&#039;&#039;&#039;H&#039;&#039;&#039;] Das Schwert ziehen die Frevler&lt;br /&gt;
_Und spannen ihren Bogen, {{par|Psalm|64|4}}&lt;br /&gt;
Um zu fällen den Unterdrückten (Demütigen) und Bedürftigen,&lt;br /&gt;
_([Und])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[und]&#039;&#039; - So nur 4QpPs.&amp;lt;/ref&amp;gt; Um zu schlachten, die (geraden=) rechten (Weges=) Wandels (Herzens)&amp;lt;ref&amp;gt;Wortspiel: „Bogen &#039;&#039;spannen&#039;&#039;“ = &#039;&#039;darku&#039;&#039;, „Weg“ = &#039;&#039;darek&#039;&#039;. „Rechten Wandels zu sein“ heißt natürlich, „auf Gottes Pfaden zu wandeln“, also gerecht zu leben.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT&#039;s „Weg“ wird gestützt durch Hier, Tg, Syr; dagegen LXX, VUL und einige (auch: wichtige) Mss bezeugen „Herz“. Für ursprünglich halten das z.B. Buttenwieser 1938 und Zorell 1928, und in der Tat ließe es sich gut erklären als Verschreibung unter Einfluss des &#039;&#039;darku&#039;&#039; in 14b. Eher ist die Variante mit „Herz“ aber Angleichung an den üblicheren Ausdruck in [[Psalm 7#s11 |Ps 7,11]]; [[Psalm 11#s2 |11,2]]; [[Psalm 32#s11 |32,11]]; [[Psalm 36#s11 |36,11]] u.ö., sicher unter Einfluss des im nächsten V. folgenden „Herz“. Das spricht übrigens dafür, dass der Psalm mindestens schon vor der Üs. durch LXX stichisch niedergeschrieben worden ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; sind. {{par|Klagelieder|2|21}}&lt;br /&gt;
{{S|15}} [&#039;&#039;&#039;H&#039;&#039;&#039;] Ihr Schwert wird dringen in ihr [eigenes] Herz {{par|Psalm|7|16}} {{par|Psalm|9|16}} {{par|Psalm|35|8}} {{par|Sprichwörter|28|10}}&lt;br /&gt;
_Und ihre Bögen werden zerbrochen werden. {{par|1 Samuel|2|4}} {{par|Psalm|46|10}} {{par|Psalm|76|5}} {{par|Jeremia|49|35}} {{par|Jeremia|51|56}} {{par|Hosea|1|5}} {{par|Hosea|2|18|20}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|16}} [&#039;&#039;&#039;I&#039;&#039;&#039;] Besser ist ein Bisschen für den Gerechten&lt;br /&gt;
_Als der der viele Überfluss (Tumult) der Frevler (als der Überfluss der vielen Frevler),&amp;lt;ref&amp;gt;Ein sog. &#039;&#039;țob&#039;&#039;-Spruch, eine übliche Form heb. Sprichwörter. Nowack 1888 und Herkenne 1936 verweisen schön auf das entspr. dt. Sprichwort „Unrecht Gut gedeiht nicht gut.“&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT&#039;s „als der Überfluss der vielen Frevler“ wird gestützt durch 4QpPs, Aq, Sym und Tg. Dagegen LXX, Syr, VUL und Hier setzen statt &#039;&#039;rbjm&#039;&#039; voraus: &#039;&#039;rb&#039;&#039;, „als der viele Überfluss der Frevler“. Für ursprünglich halten das zB. Wellhausen 1895; BHS; Craigie 1983. Was tatsächlich ursprünglich war, lässt sich kaum entscheiden, poetisch aber macht LXX &amp;amp; Co. mehr Sinn: „der Gerechte“ aus 16a wird hier durch den Plural „die Frevler“ gesteigert, „das Bisschen“ aus 16a durch das „viele“ in „der viele Überfluss“ in 16b. Und &#039;&#039;rabbim&#039;&#039; im MT lässt sich leicht als falsche Assimilation an das vorangehende &#039;&#039;reša´im&#039;&#039; erklären, eine Änderung von &#039;&#039;rabbim&#039;&#039; zu &#039;&#039;rab&#039;&#039; dagegen weniger gut. Besser folgt man daher hier BHS als CTAT V, S. 215, wo MT für wahrscheinlicher ursprünglich gehalten wird.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Sprichwörter|15|16}} {{par|Tobit|12|8}}&lt;br /&gt;
{{S|17}} Denn die Arme&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Arme&#039;&#039; - Hier wohl nicht genannt als dasjenige, womit Frevler sich ihren Reichtum erwirtschaften können (so Craigie 1983; Cheung 2015, S. 66), sondern nach den Parallelen [[Ijob 38#s15 |Ijob 38,15]]; [[Ezechiel 30#s21 |Ez 30,21]] als dasjenige, womit man kämpfen kann: Die Vernichtung setzt sich fort und mit den Bögen werden auch gleich die Arme der Frevler zerbrochen; ihr eigener Niedergang ist dann eben damit zu erklären, dass sie überhaupt erst die Hand gegen die Gerechten erhoben haben: Eine Umkehrstrafe&amp;lt;/ref&amp;gt; der Frevler werden zerbrochen werden {{par|Ijob|38|15}} {{par|Psalm|10|15}} {{par|Ezechiel|30|21}}&lt;br /&gt;
_Aber es stützt die Gerechten JHWH. {{par|Richter|1|24}} {{par|Psalm|41|13}} {{par|Psalm|63|9}} {{par|Psalm|119|117}} {{par|Psalm|145|14}} {{par|Jesaja|41|10}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|18}} [&#039;&#039;&#039;J&#039;&#039;&#039;] Es kennt JHWH die Tage (die Wege)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Alle Vrs. wie MT, nur LXX: „die Wege“. Buttenwieser 1938 hält das für ursprünglich, aber sicher richtig Ross 2011: Assimilation an [[Psalm 1#s6 |Ps 1,6]].&amp;lt;/ref&amp;gt; der Makellosen {{par|Psalm|1|6}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
_Drum hat ihr Erbteil&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Erbteil&#039;&#039; - Also das Stück Land vom „Land“ Israel, das ihrer Familie einst von JHWH zugesprochen wurde. Hier wichtiges Wort; es zeigt, dass es im Psalm nicht &#039;&#039;nur&#039;&#039; um die Frage geht, wem „das Land Israel“ oder gar „die Erde“ gehört oder gehören wird, sondern dass diese große Frage sich im Kleinen realisiert: Darin, ob „den Armen und Elenden“ ihr Land von den ungerechten Reichen geraubt werden wird oder nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; für immer [Bestand].  {{par|Sprichwörter|28|10}}&lt;br /&gt;
{{S|19}} Sie werden nicht zuschanden (beschämt) werden zur Zeit des Übels&lt;br /&gt;
_Und in den Tagen des Hungers werden sie satt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Klangspiel: &#039;&#039;jißba´u&#039;&#039; („satt werden“) ist fast ein Anagramm von &#039;&#039;jibošu&#039;&#039; („zuschanden werden“); in &#039;&#039;ra´abon&#039;&#039; („Hunger“) klingt &#039;&#039;ra´ah&#039;&#039; („Übel“) an. In 4QpPs ist das sogar noch deutlicher; &#039;&#039;ra´abon&#039;&#039; ist dort &#039;&#039;ra´ab&#039;&#039; wie in [[Psalm 33#s19 |Ps 33,19]].&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|5|20}} {{par|Psalm|33|19}} {{par|Sprichwörter|10|3}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|20}} [&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] Denn die Frevler werden umkommen {{par|Richter|5|31}} {{par|Psalm|92|10}}&lt;br /&gt;
_Und die Feinde (Geliebten)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Geliebte&#039;&#039; - So 4QpPs: &#039;&#039;`hbj&#039;&#039; statt &#039;&#039;`jbj&#039;&#039; („Feinde“). Sicher sollte damit aber das „die Feinde JHWHs [waren] wie prächtige Auen“, das auf den ersten Blick wie eine Preisung der so Beschriebenen klingt, geglättet werden. Der Parallelismus legt aber sehr nahe, dass gegen die masoretischen Akzente „wie prächtige Auen“ mit dem ersten „werden sie vergehen“ zu verbinden ist (wie schon Syr aufgelöst hat; so auch schon Hupfeld 1858 und Graetz 1882; z.B. auch Craigie 1983; Goldingay 2006; Meynet 2015, S. 108), was diese Textkorrektur von 4QpPs überflüssig macht.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gottes,&lt;br /&gt;
[&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] Wie {die} (Pracht der Auen=) prächtige [&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] Auen (prächtiges Vieh)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: (1) &#039;&#039;krjm&#039;&#039; ist von MT als &#039;&#039;karim&#039;&#039; („Auen“) aufgefasst worden, (2) von Sym, Tg und Hier als &#039;&#039;kerem&#039;&#039; („[wie die Pracht,] wie das Vieh“) – Sym und Hier vereindeutigen witzigerweise zu „wie Einhörner“ –, (3) LXX, VUL und Syr schließlich deuteten stattdessen als &#039;&#039;kerum&#039;&#039; und übersetzen mit „als sie geehrt &#039;&#039;und gerühmt&#039;&#039; wurden“. (4) 4QpPs hat im Pescher eine Doppelinterpretation („Kleinvieh [=Sym] der Weiden [=MT]“). In der Üs. steht dagegen &#039;&#039;kwrjm&#039;&#039;. Damit hat man (5) einen Emendationsvorschlag von Wellhausen 1895 stützen wollen (so z.B. noch Seybold 1996), statt &#039;&#039;kiqar karim&#039;&#039; („wie prächtige Auen“) sei &#039;&#039;kiqod kurim&#039;&#039; („wie das Brennen eines Schmelztiegels“) zu lesen, aber richtig Cheung 2015, S. 56 FN 11: &#039;&#039;-w-&#039;&#039; wird hier wie noch öfter in Qumran Mater lectionis für Qameṣ sein und damit ebenfalls MT stützen.&amp;lt;br /&amp;gt;Klar ist nach diesen Varianten, dass der ursprüngliche Konsonantentext &#039;&#039;krm&#039;&#039; war, und angezielt wird in diesem Kontext damit wie in MT &#039;&#039;karim&#039;&#039; gewesen sein: V. 2 „sie werden wie Gras verdorren, wie grünes Kraut eingehen“ – V. 20 „wie prächtige Weiden werden sie vergehen“ – Vv. 35f. „Er war wie eine belaubte Zeder; dann ging ich wieder vorbei und er war nicht mehr da“.&amp;lt;br /&amp;gt;Übrigens vokalisiert auch von Lengerke 1847 als „Vieh“, deutet dann aber auch dies auf die Weiden: „die Pracht der Schafe“ = „ihre Weiden“ – selbst dann also, wenn ursprünglich wirklich &#039;&#039;kerem&#039;&#039; angezielt gewesen sein sollte, würde man dies hier als einen Ausdruck für Wiesen deuten wollen.&amp;lt;/ref&amp;gt; [&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] werden sie vergehen,&lt;br /&gt;
_[&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] Wie {der} (Im) Rauch [&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] werden sie vergehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Klangspiel: Nicht nur 20a beginnt hier mit dem Konsonanten k, sondern in 20cd jedes Wort: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;iqar &#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;arim &#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;alu &#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;e´ašan &#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;alu&#039;&#039;.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: So jedenfalls in 4QpPs, LXX, Sym, VUL, Hier, Syr und vielen Mss (CTAT V, S. S. 217 ist schlicht irreführend: „Cependant les témoins habituels du texte tibérien classique appuient la leçon {{hebr}}בעשן{{hebr ende}}“ – aber was soll das schon heißen, der „klassische tiberische Text“ ist ja nur ein Teil von einer von mehreren masoretischen Textfamilien?). L und Tg dagegen haben nicht „&#039;&#039;wie&#039;&#039; Rauch“ mit {{hebr}}כ{{hebr ende}}, sondern „&#039;&#039;im&#039;&#039; Rauch“ mit {{hebr}}ב{{hebr ende}}, wahrscheinlich entweder ein reiner Schreibfehler oder Angleichung an [[Psalm 102#s4 |Ps 102,4]]. Dort ist das „im Rauch“ auch gut erklärlich: „Meine Tage schwinden im Rauch“ weil „meine Gebeine wie ein Feuerbrand glühen“. Hier gilt das auch dann kaum, wenn in 20c „Pracht des Viehs“ zu lesen und als „[zu verbrennendes] Fett der Opferschafe“ zu deuten wäre; auch dies vergeht nach israelitischem Verständnis ja nicht „im Rauch“, sondern steigt „&#039;&#039;als&#039;&#039; Rauch (und Duft)“ in die Nase Gottes.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|68|3}} {{par|Hosea|13|3}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|21}} [&#039;&#039;&#039;L&#039;&#039;&#039;] Leiht sich der Frevler, will (kann) er nicht zurückzahlen,&lt;br /&gt;
_Der Gerechte aber ist gnädig (mildtätig) und gibt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vb. 1, 3 und 4 sind Partizipien. Nicht also: „Sie werden gnädig sein und geben &#039;&#039;können&#039;&#039;“ o.Ä.: V. 21b ist sicher keine Verheißung (wie [[Deuteronomium 28#s12 |Dtn 28,12]].[[Deuteronomium 28#s44 |44]]), sondern Charakterisierung des aktuellen Tuns der Gerechten. V. 21a &#039;&#039;könnte&#039;&#039; eine Warnung sein („er &#039;&#039;wird&#039;&#039; nicht zurückzahlen [&#039;&#039;können&#039;&#039;]“), ist dann aber in diesem Kontext wohl ebenfalls Charakterisierung. Die entscheidenden Aussagen sind dann: Der eine &#039;&#039;will&#039;&#039; nicht zurückzahlen, der andere ist &#039;&#039;gnädig&#039;&#039;. So und so richtig Croft 1997, S. 59: Vv. 21.25 zeigen, dass man sich den „Armen“ aus Vv. 14.16 nicht tatsächlich als materiell arm vorstellen darf; „arm“ sind die Gerechten in &#039;&#039;diesem&#039;&#039; Psalm nur insofern, als &#039;&#039;sie&#039;&#039; sich &#039;&#039;nicht&#039;&#039; bereichern.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|22}} Darum (Denn)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Darum (denn)&#039;&#039; - ist das richtig, was in der vorigen FN gesagt wurde, muss &#039;&#039;ki&#039;&#039; hier wie häufig, aber wie sonst nicht mehr in diesem Ps, „darum“ bedeuten.&amp;lt;/ref&amp;gt; werden seine Gesegneten (die ihn Segnenden)&amp;lt;ref name=&amp;quot;V 22&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;seine Gesegneten (die ihn Segnenden) + seine Verfluchten (die ihn Verfluchenden)&#039;&#039; - Die beiden Partizipien in V. 22 werden von den Vrs. unterschiedlich vokalisiert: Von MT, Tg und Hier beide passiv („gesegnet, verflucht“), von LXX und VUL beide aktiv („segnend, verfluchend“), von Syr nach den meisten Mss merkwürdigerweise das erste aktiv, das zweite passiv (in 8a1c und 12t1.4 aber auch Syr wie MT). Fast alle Neueren folgen hier der Deutung von MT.&amp;lt;/ref&amp;gt; das Land (die Erde) besitzen (in Besitz nehmen),&lt;br /&gt;
_Aber seine Verfluchten (die ihn Verfluchenden)&amp;lt;ref name=&amp;quot;V 22&amp;quot; /&amp;gt; werden abgeschnitten werden. {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Sprichwörter|3|33}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}} {{par|Matthäus|5|5}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|23}} [&#039;&#039;&#039;M&#039;&#039;&#039;] ([Denn])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[Denn]&#039;&#039; - So merkwürdigerweise 4QpPs, wonach auch hier die Strophe nicht mit dem zu erwartenden Buchstaben begänne.&amp;lt;/ref&amp;gt; Von JHWH werden die Schritte des Mannes gelenkt,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;JHWH lenkt die Schritte eines Mannes&#039;&#039;, d.i., er entscheidet über sein Schicksal, vgl. deutlich die Parallelstellen. D.h. hier natürlich wieder: Denjenigen, der gottgefällig lebt, segnet er. Kontraintuitiver Weise sind also die „Schritte“ eines Menschen nicht das, worüber ein Mensch selbst verfügen könnte.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Sprichwörter|16|9}} {{par|Sprichwörter|20|24}} {{par|Jeremia|10|23}}&lt;br /&gt;
_Wenn er an dessen Wandel Gefallen hat:&lt;br /&gt;
{{S|24}} Auch, wenn er zu fallen drohte, würfe es ihn nicht hin, {{par|Psalm|94|18}} {{par|Sprichwörter|24|16}}&lt;br /&gt;
_Denn JHWH stützt seinen Arm.&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|25}} [&#039;&#039;&#039;N&#039;&#039;&#039;] Jung war ich, ([und])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT wird nur durch Hier gestützt: 4QpPs, LXX, VUL, Tg, Syr und einige Mss haben vor &#039;&#039;auch&#039;&#039; zusätzlich &#039;&#039;und&#039;&#039;, wie dies hier auch erwartbar wäre. Gerade deshalb wird MT und Hier aber der ursprüngliche Wortlaut sein.&amp;lt;/ref&amp;gt; bin auch alt geworden,&lt;br /&gt;
_Aber nie sah ich, dass ein Gerechter verlassen worden wäre, {{par|Ijob|4|7}}&lt;br /&gt;
_So dass (und dass) seine Nachkommenschaft Brot suchen müssen hätte:&amp;lt;ref&amp;gt;Ein ganz schwieriger Vers. Exakt vom Gegenteil sprechen z.B. [[Ijob 9#s22 |Ijob 9,23f.]]; [[Kohelet 7#s15 |Pred 7,15]], und die Entsprechung in der Parallelstelle [[Ijob 4#s7 |Ijob 4,7]] wird danach abgetan als das „Traumgesabbel“ von Elifaz. Es lässt sich nicht weg-diskutieren: Ps 37,25 spricht sich derart stark für den (selbst intergenerationellen) Tun-Ergehens-Zusammenhang aus, dass selbst parallele biblische Texte hier nicht mitgehen können.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|34|11}}&lt;br /&gt;
{{S|26}} Den ganzen Tag ist er gnädig (mildtätig) und verleiht,&lt;br /&gt;
_Und seiner Nachkommenschaft [ist&#039;s] zum Segen (seine Nachkommenschaft wird zu einem Segen).&amp;lt;ref&amp;gt;So sinnvoll Stolz 1983, S. 61: „Seiner Nachkommenschaft gereicht es zum Segen.“. So auch Bernfeld, ELB, GN, HER05, HfA; am besten NGÜ: „Noch seine Nachkommen werden durch ihn gesegnet sein“. So auch schon LXX, VUL, Hier, Syr, Raschi. Radak gibt zwei Erklärungen: (1) Weil Gesegnete wie der Angesprochene ihren Segen weiterzugeben pflegen (eine Art trickle-down-Effekt des Segens), (2) weil andere, die von ihm Gutes erfuhren, ihrerseits um seintwillen seine Nachkommenschaft segnen werden (Letzteres auch bei ibn Ezra). Sonst stets wie in der Alternative.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|27}} [&#039;&#039;&#039;O&#039;&#039;&#039;] Weiche vom Üblen und tue Gutes {{par|Psalm|34|15}} {{par|Sprichwörter|3|7}} {{par|Jesaja|1|16|17}}&lt;br /&gt;
_Und wohne für immer:&amp;lt;ref&amp;gt;Wieder Folge-Imperativ: „So wirst du für immer wohnen können“.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Hier, Tg und Syr wie MT. Dagegen LXX und VUL setzen voraus: „auf &#039;&#039;immer und&#039;&#039; ewig“. Metrisch würde man das hier auch erwarten; für ursprünglich halten das daher auch Kittel 1914 und wahlweise Witte 2013, S. 417.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|28}} Weil JHWH Recht liebt, {{par|Psalm|45|8}} {{par|Psalm|99|4}} {{par|Jesaja|61|8}}&lt;br /&gt;
_Wird er nicht verlassen seine Frommen. {{par|Jesaja|59|21}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Für immer werden [sie] bewahrt ([&#039;&#039;&#039;P&#039;&#039;&#039;] Übeltäter werden für immer ausradiert)&amp;lt;ref&amp;gt;Hier erwartet man eine Zeile, die mit dem Buchstaben &#039;&#039;´Ajin&#039;&#039; beginnt. Der MT dagegen beginnt mit der Präp. Lamed, erst darauf folgt der erwartete Buchstabe. Viele Ausleger haben daher einen anderslautenden Text aus LXX rekonstruieren wollen (s.u.). Aber die vorgeschlagene Textkorrektur geht wohl nicht an. Vielleicht daher so: Mit `Ajin beginnt auch das Wort für „Übeltat“ in V. 1c; möglicherweise soll im fehlenden `Ajin also das gänzliche Fehlen der „Nachkommenschaft der Frevler“ und ihrer Übeltaten zum Ausdruck gebracht werden.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Die meisten Textzeugen stützen MT. Allerdings mehrere LXX-Gruppen, Sym und VUL haben hier eine fünfte Zeile; MT&#039;s „Für immer wird [dieser] bewahrt, aber die Nachkommenschaft von Frevlern wird abgeschnitten“ entspricht dort „für immer werden sie bewahrt, &#039;&#039;Gesetzlose aber werden gejagt/verjagt&#039;&#039;, und die Nachkommen der Frevler werden ausgerottet.“ Daraus haben viele ein ursprüngliches „Übeltäter werden für immer ausradiert“ rekonstruiert: &#039;&#039;´wl(j)m l´wlm nšmdw&#039;&#039;: &#039;&#039;´wl(j)m&#039;&#039; wäre wegen der Ähnlichkeit mit &#039;&#039;l´wlm&#039;&#039; übersehen worden und die Verschreibung von Resch mit Dalet ist ein sehr häufiger Schreibfehler. Die Übersetzung des ursprünglichen Wortlauts wäre dann also als Konflation zusätzlich zur Übersetzung des fehlerhaften Texts in die LXX geraten. So z.B. schon Houbigant 1777; auch Wellhausen 1895; BHK, BHS; Seybold 1996; Broyles 1999; Fokkelman 2000, S. 139 FN 54; Witte 2013, S. 417; ähnlich Jones 2019, S. 174 FN 20: &#039;&#039;´wlm l´wlm nṣmtw&#039;&#039; nach [[Psalm 69#s5 |Ps 69,5]]; [[Psalm 101#s5 |101,5]] wie schon Rahlfs. Aber das kritische Wort ist gerade &#039;&#039;´awalim&#039;&#039; „Übeltäter“; richtig nämlich Graetz 1882: Das heb. Wort ist als Entsprechung des gr. Wortes nirgends belegt. &#039;&#039;nšmdw&#039;&#039; ist gleichfalls keine belegte und auch keine sehr naheliegende Entsprechung des gr. Verbs (richtig Cheung 2015, S. 56; Böhler 2021), weshalb Jones 2019 seinen alternativen Vorschlag macht, der aber graphisch dann doch recht weit von MT entfernt ist. Darüber hinaus, dass die Vorlage von LXX nur so schwach bezeugt ist, ist LXX also auch gar keine gute Basis, um auf ihr die erwünschte Textrekonstruktion aufruhen zu lassen. Wahrscheinlicher ist es, dass in einer Handschrift wegen der Ähnlichkeit von 28d mit 38b hier 38a ergänzt wurde.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Ps 37,28.png|mini|Ps 37,28 in 4QpPs. (c) [https://www.deadseascrolls.org.il/explore-the-archive/image/B-506743 Deadseascrolls.org].]]Einige haben u.a. wohl daher behauptet, immerhin &#039;&#039;nšmdw&#039;&#039; statt &#039;&#039;nšmrw&#039;&#039; würde auch durch 4QpPs gestützt, aber richtig CTAT V 223: Anders als z.B. in DJD V 45 transkribiert, steht in 4QpPs sicher wie im MT &#039;&#039;nšmrw&#039;&#039;, vgl. auf dem Foto rechts den fraglichen Buchstaben mit dem Resch im direkt folgenden Wort. 4QpPs könnte mit LXX enger verwandt sein als mit MT, s. in V. 20 &#039;&#039;k´šn&#039;&#039; in 4QpPs, LXX, VUL, Syr vs. MT&#039;s &#039;&#039;b´šn&#039;&#039;, in V. 25 &#039;&#039;wgm&#039;&#039; in 4QpPs und LXX vs. MT&#039;s &#039;&#039;gm&#039;&#039; und in V. 35 &#039;&#039;`´bwr&#039;&#039; in 4QpPs, LXX, VUL, Syr vs. MT&#039;s &#039;&#039;wj´br&#039;&#039;. Dann wäre das Zeugnis besagter LXX-Textgruppen in diesem Vers umso schwächer. Man wird aber doch fragen müssen: Wie soll der Wortlaut von LXX denn sonst entstanden sein? Er ist sicher als Konflation zu erklären, und Textkorrekturen, wie diese eine wäre – poetische Verbesserungen, um z.B. wie hier ein Akrostichon lyrisch zu glätten –, sind mir (S.W.) sonst gar nicht bekannt.&amp;lt;br /&amp;gt;Die externe Evidenz mit nur einigen LXX-Zeugen ist also ziemlich schwach, die interne Evidenz – ein mit ´Ajin beginnendes Wort wäre hier so sehr zu erwarten, und der LXX-Wortlaut lässt sich kaum anders erklären denn mit einem heb. Original – dagegen ist sehr stark. Textkritisch lassen sich beide Optionen begründet vertreten; wir folgen daher hier der Mehrheits-Position in dt. Üss. und damit dem MT.&amp;lt;br /&amp;gt;En passant sei noch darauf hingewiesen, dass CTAT&#039;s Argument für MT, „der Poet habe ja schließlich auch kein Problem damit gehabt, die T-Strophe mit &#039;&#039;w-t...&#039;&#039; statt &#039;&#039;t...&#039;&#039; zu beginnen“, sicher nicht angeht; die Konjunktion wird man kaum „dem Poeten“ zuschreiben dürfen (so aber schon de Wette 1829; Maurer 1838; von Lengerke 1847; z.B. auch Böhler 2021). Ebenso wenig richtig dürfte ebd. sein, dass wir nur die Option haben zwischen „für immer wird dieser bewahrt“ und „Sünder werden ausradiert“, nicht aber „Sünder werden für immer ausradiert“, weil in LXX nur die Zwei-Wort-Variante belegt sei: LXX würde zwei Ein-Wort-Konflationen bezeugen; die gesamte Zeile muss man daraus rekonstruieren, und &#039;&#039;l´wlm&#039;&#039; wird man hier weit eher mit-rekonstruieren, weil dies Wort erst Grund für den Ausfall von &#039;&#039;´wlm&#039;&#039; gewesen wäre.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Aber die Nachkommenschaft von Frevlern wird abgeschnitten. {{par|Psalm|21|10}} {{par|Psalm|55|23}} {{par|Jesaja|14|21}} {{par|Baruch|4|1}}&lt;br /&gt;
{{S|29}} Die Gerechten werden besitzen (in Besitz nehmen) das Land (die Erde) {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}}&lt;br /&gt;
_Und für ewig&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;für ewig&#039;&#039; - eine Art break up-Parallelismus: Die häufige Fügung &#039;&#039;le´olam wa´ed&#039;&#039; („für immer und ewig“) wird aufgebrochen und als „für immer“ und „für ewig“ auf 28c und 29b verteilt, so dass sie das erste und vorletzte Wort dieser Strophe sind. Bemerkenswert ist außerdem, dass „für immer“ bereits in 27b stand, dort ebenfalls mit dem Vb. „wohnen“: „Wohne für immer“ (V. 27) – „für immer werden sie bewahrt“ (V. 28) – „und sie werden wohnen für ewig darin“ (V. 29). Dass ist zu auffällig, als dass es Zufall sein könnte, und die mittlere Klausel ist darüber hinaus gerade jene, wegen der V. 28c nicht mit `Ajin beginnt (s. vorige FN) – was mit dieser Formulierung zum Ausdruck gebracht werden soll, verstehe ich (S.W.) aber nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; wohnen darin.&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|30}} [&#039;&#039;&#039;Q&#039;&#039;&#039;] Der Mund des Gerechten redet (Weisheit=) Weises &lt;br /&gt;
_Und seine Zunge spricht (Recht=) Rechtes, {{par|Sprichwörter|10|31}}&lt;br /&gt;
{{S|31}} [Weil] die (&#039;&#039;torah&#039;&#039;=) Weisung seines Gottes in seinem Herzen [ist], {{par|Psalm|119|11}} {{par|Psalm|119|34}} {{par|Jeremia|31|33}}&lt;br /&gt;
_[Drum]&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[Drum]&#039;&#039; - So nach LXX, Sym, VUL, Syr, Saadja, 1 Ms. Dagegen 4QpPs, Tg und Hier stützen MT. Für ursprünglich halten die Variante mit &#039;&#039;w-&#039;&#039; z.B. auch Herkenne 1936; Craigie 1983; Ross 2011. Es ist aber gar nicht notwendig, dass &#039;&#039;w-&#039;&#039; ursprünglich zum Text gehörte; der vlS in 31 kann auch ohne &#039;&#039;w-&#039;&#039; Protasis von 31b gewesen sein und ist sicher so gedacht, da man Vv. 30f. sonst als Trikolon + Monokolon analysieren müsste.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird sein Schritt nicht wanken. {{par|Psalm|17|5}} {{par|Sprichwörter|4|4}} {{par|Baruch|4|1}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|32}} [&#039;&#039;&#039;R&#039;&#039;&#039;] Der Frevler lauert auf den Gerechten&lt;br /&gt;
_Und versucht, ihn zu töten. {{par|Psalm|10|8|10}} {{par|Jeremia|20|10}}&lt;br /&gt;
{{S|33}} JHWH wird ihn nicht seiner (Hand=) Gewalt überlassen&lt;br /&gt;
_Und nicht verurteilen&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;verurteilen&#039;&#039; - Wortspiel mit 32a: „verurteilen“ ist w. „zum Frevler machen=erklären“. Böhler 2021 sinngemäß richtig: „er wird nicht zulassen, dass man ihn für Frevels schuldig erklärt“, was als Übersetzung der Zeile aber ja ganz den Witz nimmt.&amp;lt;/ref&amp;gt; lassen, wenn er gerichtet wird.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;wenn er gerichtet wird&#039;&#039; - nämlich vor dem Gericht, vor das der Frevler ihn offenbar stellen will (so z.B. Hitzig 1863; Herkenne 1936; Kissane 1953). Das scheint zu bedeuten, dass „Gerechte“ nie zu Unrecht verurteilt werden und ist dann ähnlich schwer zu akzeptieren wie V. 25. Ross 2011 versucht, den Vers zu retten mit der Deutung, gemeint sei: „Auch, wenn er zu Unrecht verurteilt wird, sieht ihn immerhin &#039;&#039;JHWH&#039;&#039; nie als verurteilenswert an.“ (vgl. VUL, Hier: „Er wird ihn nicht &#039;&#039;verdammen&#039;&#039;, auch, wenn über ihn geurteilt wird“. Vgl. auch [[Römer 8#s33 |Röm 8,33f.]]). Aber, böse gefragt: Was soll das bringen? Was durch den ganzen Psalm hindurch versprochen wird, ist ja innerweltliches Heil; auch hier muss man dann erwarten, dass von einem solch „weltlichen“ Segen die Rede ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|124|6|7}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|34}} [&#039;&#039;&#039;S&#039;&#039;&#039;] Hoffe auf JHWH und achte auf seinen Weg, {{par|Ijob|17|9}} {{par|Ijob|23|11}} {{par|Sprichwörter|20|22}}&lt;br /&gt;
_Dann wird er dich [dazu] erhöhen, zu besitzen (in Besitz zu nehmen) das Land (die Erde). {{par|Psalm|92|10}} {{par|Psalm|112|9}} {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}} {{par|Matthäus|5|5}} {{par|Lukas|14|11}} {{par|1 Petrus|5|6}}&lt;br /&gt;
Wenn abgeschnitten&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;abgeschnitten&#039;&#039; - Wieder das selbe Wortspiel wie in V. 9: „Binde dich an = Hoffe auf JHWH“ vs. „die Frevler werden abgeschnitten = getötet werden“.&amp;lt;/ref&amp;gt; werden die Frevler, wirst du&#039;s sehen (auf das Abgeschnitten-Werden der Frevler wirst zu blicken können). {{par|Psalm|52|8}} {{par|Psalm|91|8}} {{par|Psalm|92|12}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|35}} [&#039;&#039;&#039;T&#039;&#039;&#039;]&amp;lt;ref&amp;gt;Klangspiel: Im Heb. beginnt der V. wie erwartet mit &#039;&#039;r&#039;&#039;. Dieser Konsonant durchzieht aber den ganzen Vers, gemeinsam mit dem Konsonanten `Ajin: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;a`iti &#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;aša&#039;&#039;&#039;´&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;´&#039;&#039;&#039;a&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;iṣ / umit&#039;&#039;&#039;´&#039;&#039;&#039;a&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;eh ke`e&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;ez ha&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;a&#039;&#039;&#039;´&#039;&#039;&#039;anan&#039;&#039;. Ist der Ps sehr jung, könnte auch Alef in &#039;&#039;ra`iti&#039;&#039; und &#039;&#039;ke`erez&#039;&#039; ähnlich wie ´Ajin geklungen haben. Resch und ´Ajin sind die Konsonanten für &#039;&#039;ra´&#039;&#039; („Übles, Böses“): Wie die ausladenden Äste einer Zeder hat sich hier der Böse über den ganzen Vers ausgebreitet und alles mit seinen Wurzeln durchdrungen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ich sah [einmal] einen gewaltigen Frevler,&lt;br /&gt;
_[Der] aufschoss wie eine Zeder im Saft (der sich entblößte wie ein Angestammter im Saft?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;der aufschoss (der sich entblößte)&#039;&#039; - Heb. &#039;&#039;mit´areh&#039;&#039;, auf den ersten Blick: „der sich entblößte“. Rhotatizismus für &#039;&#039;mit´aleh&#039;&#039; („der aufschoss“), das auch in [[Jesaja 55#s13 |Jes 55,13]]; [[Ezechiel 47#s12 |Ez 47,12]] von Bäumen gesagt wird (vgl. Fitzgerald 1978, S. 486; Craigie 1983).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Zeder im Saft (Angestammter im Saft)&#039;&#039; -  Für das &#039;&#039;`ezraḥ ra´anan&#039;&#039; („Angestammter im Saft“) in MT, Hier lies nach LXX, VUL &#039;&#039;ke`erez hara´anan&#039;&#039; („Zeder im Saft“, vgl. {{hebr}}אזרח רענן{{hebr ende}} mit {{hebr}}ארז הרענן{{hebr ende}}). So z.B. auch Wellhausen 1895; Terrien 2003; Perdue 1977, S. 334; Stolz 1983, S. 62; Gies 2018, S. 2018. Noch weit mehr wollen ganz LXX und VUL folgen und „Zedern des Libanon“ lesen (z.B. Seybold 1996; Broyles 1999; Witte 2013, S. 418), aber das wäre graphisch weit von MT entfernt und „Zedern &#039;&#039;des Libanon&#039;&#039;“ ist eine leicht erklärliche stilistische Variante von „Zedern im Saft“, da Libanon-Zedern berühmt und der Libanon bekannt für seine Fruchtbarkeit waren (s. bes. klar [[Ezechiel 31#s3 |Ez 31,3]], auch [[1 Könige 4#s33 |1 Kön 4,33]]; [[Psalm 29#s5 |Ps 29,5]]; [[Psalm 92#s13 |92,13]]; [[Psalm 104#s16 |104,16]]; [[Jesaja 2#s13 |Jes 2,13]]; [[Jesaja 37#s24 |37,24]]).&amp;lt;br /&amp;gt;Tg und Syr sind nicht eindeutig zuzuordnen: Beide übersetzen mit „Bäume“ (Tg: „fest gepflanzter Baum mit dichter Krone“, Syr: „Bäume im Wald“). Viele Neuere nehmen an, dass „Angestammter“ auch ein Ausdruck für heimische Bäume sein könne (z.B. Cheung 2015, S. 64: „per Wortspiel“; besser Maurer 1838, der auf einen verwandten arabischen Sprachgebrauch verweist). Ist das wahr, könnten Tg und Syr auch MT bezeugen. Aber wahrscheinlich ist es nicht; für einen solchen Sprachgebrauch im Hebräischen fehlt jede Parallele.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|1|3}} {{par|Jesaja|44|4}} {{par|Jeremia|17|8}} {{par|Ezechiel|19|10}}&lt;br /&gt;
{{S|36}} Ich ging [wieder] vorüber (und man ging vorüber, und er ging hinüber),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT&#039;s &#039;&#039;wj`br&#039;&#039; („und man/er ging vorüber“) wird nur von Sym und Tg gestützt; dagegen 4QpPs, LXX, VUL, Hier (!) und Syr haben alle &#039;&#039;`´br&#039;&#039; („ich ging vorüber“). 4QpPs hat wahrscheinlich sogar V. 10 an diese Stelle angeglichen. Eine Änderung von &#039;&#039;wj`br&#039;&#039; nach &#039;&#039;`´br&#039;&#039; ließe sich zwar leicht als Angleichung an das Vb. in 36b erklären; ebenso gut aber eine umgekehrte Änderung als Angleichung an 35b. Die neuesten Kommentatoren und Üss. folgen überwiegend MT (z.B. Terrien 2003; Goldingay 2006; Ross 2011; Böhler 2021; Tiquillahuanca 2008, S. 18; Witte 2013, S. 418; Cheung 2015, S. 57; Ruiz 2015, S. 19), aber das Zeugnis für 1. Prs. ist hier zu stark.&amp;lt;br /&amp;gt;4QpPs und VUL haben außerdem beide noch eine ähnliche, unerklärliche Ergänzung: 4QpPs: „ich zog &#039;&#039;vor ihm&#039;&#039; vorüber“, VUL: „&#039;&#039;sein Ort&#039;&#039; ließ sich nicht finden“. Könnte VUL &#039;&#039;lepanajw&#039;&#039; mit „sein Ort“ übersetzt haben? Dann bezeugten beide das selbe Plus. Noch einmal nachweisen lässt sich dies aber nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; und, siehe!, er war nicht mehr [da],&lt;br /&gt;
_Und ich suchte ihn, aber er ließ sich nicht finden.{{par|Jesaja|10|18|19}} {{par|Jesaja|10|33|34}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|37}} [&#039;&#039;&#039;U&#039;&#039;&#039;] Achte [also] auf den Aufrechten (Aufrichtigkeit) und sieh auf den Integren (strebe nach/weide Integrität),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Aufrechter (Aufrichtigkeit)&#039;&#039; + &#039;&#039;Integrer (Integrität)&#039;&#039; - Variante 1 jeweils nach MT, Tg, Syr, Variante 2 jeweils nach LXX, VUL, Hier; jeweils werden nur die selben Konsonanten unterschiedlich vokalisiert. Wählt man Variante 2, nimmt man „auf etwas schauen“ besser i.S.v. „streben nach“, oder man nimmt mit Syr &#039;&#039;r`h&#039;&#039; („sehen“) als NF von &#039;&#039;r´h&#039;&#039; („weiden“; ähnlich z.B. Broyles 1999: „shepherd faithfulness“), vgl. V. 3b. Die NF würde natürlich verwendet für das Wortspiel, dass dann „weiden“ gleichzeitig als „sehen“ parallel ginge mit dem vorangehenden „im Blick behalten“.&amp;lt;br /&amp;gt;Var 2 z.B. LUT: „Bleibe fromm und halte dich recht“ (auch H-R, PAT, TUR, van Ess, ZÜR 31 [nicht mehr ZÜR 07]); Var 1 z.B. EÜ: „Achte auf den Lauteren und sieh auf den Redlichen“ (so die meisten Üss.). Schön BB: „Halte dich an den, der vorbildlich lebt! Schau auf den, der sich aufrichtig verhält!“ So schon Raschi: „Nimm den Unschuldigen genau in Blick, um von seinen Taten zu lernen“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Denn ein Mann des Friedens hat Zukunft (Nachkunft)&lt;br /&gt;
{{S|38}} Aber Sünder werden sämtlich ausradiert,&lt;br /&gt;
_Die Zukunft (Nachkunft) von Frevlern wird abgeschnitten. {{par|Ijob|18|19}} {{par|Sprichwörter|2|22}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|39}} [&#039;&#039;&#039;V&#039;&#039;&#039;] {Aber}&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT, LXX, VUL und Tg haben oder setzen alle ein &#039;&#039;w-&#039;&#039; („aber“) zu Versbeginn voraus. Dann begänne auch dieser Vers nicht mit dem zu erwartenden Buchstaben. Hier, Syr und wenige Mss aber haben dieses &#039;&#039;w-&#039;&#039; nicht; für ursprünglich halten diese Variante z.B. auch Wellhausen 1895, BHS, Witte 2013, S. 418.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Rettung der Gerechten [wird kommen] von JHWH,&lt;br /&gt;
_Ihrer Zuflucht zur Zeit der Bedrängnis,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Bedrängnis&#039;&#039; - Wortspiel: &#039;&#039;ṣarah&#039;&#039; („Bedrängnis“) klingt sehr ähnlich wie &#039;&#039;zera´&#039;&#039; („Nachkommenschaft“). Für den Frommen schimmert selbst in der Bedrängnis die heilvolle Zukunft durch.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Jeremia|14|8}} {{par|Jeremia|16|19}}&lt;br /&gt;
{{S|40}} Und es wird helfen (hilft) ihnen JHWH und sie befreien (befreit sie),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT hat 2x Wayyiqtol, was nur für Vergangenheit oder Gegenwart verwendet werden kann und schlecht mit Yiqtol im folgenden Vers zusammenstimmt, was aber auch von Syr gestützt wird. Besser vokalisiert man mit LXX, VUL, Hier und den meisten Tg-Mss beide Male als WeYiqtol; so richtig Zuber 1986.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
_Er wird sie befreien von Frevlern und retten,&lt;br /&gt;
Weil sie sich zu ihm geflüchtet haben.&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
Ps 37 gehört (gemeinsam mit md. [[Psalm 1 |Ps 1]]; [[Psalm 49 |49]]; [[Psalm 73 |73]]; [[Psalm 112 |112]]; [[Psalm 127 |127]]; [[Psalm 128 |128]]; [[Psalm 133 |133]]) zu den sogenannten „Weisheitspsalmen“. Die Funktion dieser Weisheitspsalmen ist ein Rätsel: Offensichtlich ist Ps 37 nicht verfasst worden, damit man ihn bete, sondern ein konkreter Gegenüber wird angesprochen, um ihn mit einer Reihe von Weisheitslehren zu ermahnen, wie sie auch im Buch der Sprichwörter stehen könnten (und zum Teil auch stehen, vgl. oben die Spr-Parallelstellen, die teilweise fast wörtlich einzelnen Zeilen des Psalms entsprechen). Warum eine solche Weisheitslehre aber im Buch der Psalmen und nicht im Buch der Sprichwörter steht, ist schwer erklärlich. Vielleicht ist er nur ins Psalmenbuch aufgenommen worden, weil man schon früh angenommen hat, sein Verfasser sei David gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ps 37 kreist besonders um ein Sprichwort, das refrainartig in mehreren Variationen wiederholt wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Personengruppe A wird das Land besitzen,&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Personengruppe B aber wird abgeschnitten werden!&#039;&#039; (Vv. 9.11.22.28.29.34.38)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Personengruppe A wird dabei immer wieder bezeichnet als „die Gerechten“ und außerdem wechselnd als „die auf JHWH Hoffenden“ (V. 9), „die Elenden“ (V. 11), „die Unterdrückten und Bedürftigen“ (V. 14a), „die, die rechten Wandels sind“ (V. 14b), „die Makellosen“ (V. 18), „die von Gott Gesegneten“ (V. 22), „Gottes Fromme“ (V. 28), „Männer des Friedens“ (V. 37) und wahrscheinlich als „die Aufrechten“ und „die Integren“ (V. 37), Personengruppe B immer wieder als „die Frevler“ und außerdem wechselnd als „die Bösewichter“ (Vv. 1.9), „die Übeltäter“ (V. 1), „die Intriganten“ (V. 7), „die Feinde Gottes“ (V. 20), „die von Gott Verfluchten“ (V. 22), und „die Sünder“ (V. 38).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;Grundannahme&#039;&#039;&#039; ist danach schon klar: Wer nicht gottgefällig lebt, den wird dereinst Gott töten und seine Nachkommenschaft ausrotten, wer es dagegen tut, wird dereinst „das Land besitzen“ – weil ja niemand sonst mehr übrig ist.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der größte Teil des Psalms erklärt sich schon hieraus: In &#039;&#039;&#039;Vv. 1-6&#039;&#039;&#039; wird der Angesprochene ermahnt, gottgefällig zu leben, weil Gottgefälligkeit von Gott belohnt werden wird. In &#039;&#039;&#039;Vv. 7-8&#039;&#039;&#039; wird die Mahnung noch einmal wiederholt, die Begründung aber wird in &#039;&#039;&#039;Vv. 9-11&#039;&#039;&#039; dazu entfaltet, dass Gottgefälligkeit belohnt, Übeltäterei aber bestraft wird, so dass am Ende „der Übeltäter nicht mehr da ist, die Elenden dagegen das Land besitzen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;&#039;Vv. 12-15&#039;&#039;&#039; wird entweder ein Beispiel für die Übeltäterei der Frevler herausgegriffen oder aber es wird nun endlich dasjenige genannt, was die Übeltäter eigentlich zu Übeltätern macht. Ersteres ist wahrscheinlicher, s. zu V. 21. Man hat aus diesen Versen ableiten wollen, die konkret gemeinte Übeltat sei Ausbeutung: offenbar würde Personengruppe A von Personengruppe B ausgebeutet – v.a., indem sie ihnen das Land rauben – und der Psalm sei also auch sozialkritisch. Aber das einzige, was das eventuell nahelegen könnte, ist die Bezeichnung „Bedürftige“ in 14c, denn was tatsächlich konkret von Personengruppe B berichtet wird, ist gerade nicht Ausbeutung, sondern ist ein Mordversuch. Und das passt zur Bezeichnung „Bedürftige“: Als solche werden im AT nämlich &#039;&#039;nicht&#039;&#039; nur sozial Schwache bezeichnet, sondern häufig „[gelten] als Symptome des ‚Armseins vor Gott‘ [...]: böse Widerfahrnisse ([[Psalm 40#s13 |Ps 40,13]]), Verachtung ([[Psalm 69#s9 |Ps 69,9]]), Verfolgung ([[Psalm 35#s1 |Ps 35,1ff.]]; [[Psalm 109#s2 |109,2ff.]]), Krankheit ([[Psalm 109#s22 |Ps 109,22ff.]]), Todesverfallenheit ([[Psalm 88#s4 |88,4ff.]]) u.a.“ (THAT I 24). Von anderen Personen bedroht zu werden, liegt genau auf dieser Linie, und dagegen, dass Personengruppe A ausgesprochen arm ist, sprechen ja explizit Vv. 21.26. Personengruppe B ist zwar offensichtlich wirklich reicher als Personengruppe A (V. 16), aber was sich aus Vv. 12-15 herauslesen lässt, ist erst mal nur: Anscheinend wird Personengruppe A von Personengruppe B bedroht, was denn auch deren Zürnen gegen diese (Vv. 1.7) und das Hoffen und Vertrauen auf JHWH (Vv. 3.5) erklärt. Und dieser, so heißt es direkt im Anschluss wird auch wirklich handeln: Nach &#039;&#039;&#039;Vv. 16-20&#039;&#039;&#039; hat Personengruppe B gar nichts von ihrem Überfluss, denn, wieder: Frevler wird Gott wie Rauch vergehen lassen, Gottgefällige und sogar auch ihre Nachkommen dagegen auf ewig bewahren.&amp;lt;br /&amp;gt;In &#039;&#039;&#039;Vv. 21-26&#039;&#039;&#039; wird ein weiteres Symptom des Frevler-Seins vs. Gerecht-Seins genannt: Zum Frevler-Sein gehört auch, geliehenes Geld nicht zurückzuzahlen, zum Gerecht-sein auch, sogar mildtätig zu sein, also offenbar: Geld zu verschenken. Das ist sicher nicht das Entscheidende, das einen Frevler zum Frevler und einen Gerechten zum Gerechten macht; offenbar sollen also mit Vv. 12-14 und Vv. 21.26 je ein &#039;&#039;Beispiel&#039;&#039; für Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit genannt werden: Mildtätig zu sein einerseits und gewaltbereit zu sein andererseits. Man wähle das eine und meide das andere, denn, wieder: Die einen werden dereinst „das Land besitzen“, die anderen „abgeschnitten werden“. So war es immer und so wird es immer sein, kann der Dichter aus Erfahrung berichten (V. 25). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Spätestens dieser Vers ist schwere Kost in unserer Theodizee-geschulten Zeit: Es lässt sich ja leicht überprüfen, dass dem &#039;&#039;nicht&#039;&#039; so ist – dass Gerechte immer von Gott gesegnet und Ungerechte immer von Gott bestraft würden. Es lohnt sich, hier eine längere Passage von Goldingay 2006, S. 534 zu zitieren:&amp;lt;br /&amp;gt;„Kommentatoren betonen häufig, dass man Ps 37 mit den weniger optimistischen Texten im Buch Ijob oder den Aussprüchen Jesu zusammenlesen müsse. Das ist ein Code für: Ps 37 ist nicht wahr. Ps 37 soll damit ins Abseits gestellt werden. Und man irrt damit darüber hinaus in mehrerlei Hinsicht: Die Perspektive des Psalms wird durch die Geschichte von Ijob zu Beginn und am Ende ja &#039;&#039;bestätigt&#039;&#039;, nicht negiert, und Jesus stützt sie ebenfalls, wenn er die Menschen ermutigt: ‚Strebt zuvorderst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, und all dies – Essen, Trinken, Kleidung, ... – wird euch dann ebenfalls geschenkt werden‘ ([[Matthäus 6#s33 |Mt 6,33]]). Jesus übernimmt sogar einen der Segenssprüche in V. 11 (s. [[Matthäus 5#s5|Mt 5,5]]...). Psalm 37 anerkennt explizit, dass es nicht immer so geschieht – es ist ja sogar so, dass der Psalm gar nicht geschrieben werden müssen hätte, wenn dem nicht so wäre. Aber er besteht darauf, dass negative Erfahrungen den Glaubenden nicht um die Überzeugung bringen dürfen, dass Gott sich dennoch wirklich dafür engagiert, dass die moralische Ordnung der Welt ‚funktioniert‘.“&amp;lt;br /&amp;gt;Psalm 37 ist dann keine theoretische Theodizee, er ist &#039;&#039;angewandte&#039;&#039; Theodizee. &#039;&#039;Warum&#039;&#039; die moralische Weltordnung nicht immer funktioniert, sagt der Psalm nicht (und sagt auch kein anderer Vers in der Bibel); aber er ermutigt angesichts dieser Problematik: Nichtsdestotrotz &#039;&#039;gibt&#039;&#039; es diese moralische Weltordnung, und es &#039;&#039;gibt&#039;&#039; das Grundprinzip, dass Gerechte gesegnet und Ungerechte bestraft werden. Sei standhaft und vertraue darauf! (Und man darf mit Kant ergänzen: Was sonst bleibt einem übrig? Ohne die Annahme, gutes Handeln werde einem auch vergolten, fehlt der Moral die entscheidende Triebfeder.)&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vv. 27-29&#039;&#039;&#039; wiederholen noch einmal die Grundannahme des Psalms und erweitert sie um die Dimension der Zeit: Gerechte werden gesegnet, – und zwar für immer (27b), für immer (28c) und für ewig (29b).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Vv. 30-34&#039;&#039;&#039; konkretisieren diese Gerechtigkeit noch ein wenig mehr: Gerecht sein heißt, sich von der Weisheit leiten zu lassen: Weisheit im Mund, Recht auf der Zunge und Weisung Gottes im Herzen zu haben. – Gerechtigkeit ist nicht nur eine Frage des Handelns, sondern auch des Redens und Denkens: Auch dies soll gottgefällig sein; Gott wird es lohnen. Und noch ein letztes Mal wird das selbe in &#039;&#039;&#039;Vv. 35-40&#039;&#039;&#039; wiederholt: Man achte darauf, wen man sich zum Vorbild nimmt. So gewaltig ein Frevler auch scheinen mag: Allzu schnell kann er dahin sein, wie der kleine Erfahrungsbericht des Dichters in Vv. 35f. lehrt. Man halte sich daher besser Aufrechte, Gerechte und Männer des Friedens, denn solche wird Gott zur Zeit der Bedrängnis „retten, ihnen helfen und sie befreien, wenn sie sich zu ihm flüchten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Psalm_37&amp;diff=40213</id>
		<title>Psalm 37</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Psalm_37&amp;diff=40213"/>
		<updated>2025-10-30T19:48:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Syntax&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Zuverlässige Studienfassung}}&lt;br /&gt;
{{Lesefassung kann erstellt werden}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Lesefassung}} &#039;&#039;(kommt später)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
{{S|1}} &#039;&#039;Von David (Für David, Aus der Davids-Sammlung)&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Von David (Für David, Aus der Davids-Sammlung)&#039;&#039; steht in vielen Psalm-Überschriften: in 73 Überschriften der hebräischen Bibel und sogar in 87 Überschriften des LXX-Psalters. Am besten deutet man sie als Angabe des Verfassers David, nimmt diese Angabe aber nicht historisch, sondern z.B. mit Childs 1971 als alte, aber spätere Interpretationen des folgenden Psalms, die für eine adäquate Auslegung desselben ignoriert werden muss. S. genauer zu [[Psalm 3#s1 |Ps 3]].&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Wie häufig in den Ps-Überschriften sind auch hier die Zeugnisse in den Überschriften in den alten Vrs. nicht einheitlich: Einige gr. Zeugen ergänzen „Psalm (Davids)“, einige neben &#039;&#039;leDavid&#039;&#039; auch &#039;&#039;la-mnaṣeaḥ&#039;&#039; („für den Chorleiter / Ritualvorsteher / ...(?)“), einige beides. Ursprünglich sind diese Varianzen sicher nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;[&#039;&#039;&#039;A&#039;&#039;&#039;]&amp;lt;ref&amp;gt;Ps 37 ist ein sog. „akrostischer“ Psalm: I.d.R. jede vierte Zeile beginnt in alphabetischer Reihenfolge mit einem neuen Buchstaben. [https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb10311823?page=244 Ewald] hat das kongenial im Deutschen nachgeahmt. Einige Unregelmäßigkeiten gibt es bei der Zahl der Zeilen einer solchen alphabetischen Strophe, die einzige größere Unregelmäßigkeit findet sich in V. 28, wo der erwartete Buchstabe nicht steht (s. dort), und evt. in V. 23 und V. 39, wo jeweils manche Versionen einen Text bezeugen, der „nicht ganz“ mit dem korrekten Buchstaben beginnt (s. dort).&amp;lt;/ref&amp;gt; (Brenne=) Zürne Bösewichtern nicht (Wetteifere nicht mit&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Wetteifern&#039;&#039; - So Hieronymus mit dem selben Wort, mit dem er in VUL das &#039;&#039;zweite&#039;&#039; Vb. übersetzt, und Saadja. Vgl. außerdem Tg, Ms M: „begehre nicht nach den Übeltätern“, Syr: „sei nicht neidisch auf Übeltäter“. Vgl. schließlich noch b.Ber 7b: Man solle nicht lesen &#039;&#039;titḥar&#039;&#039; („zürne“), sondern &#039;&#039;teqanne`&#039;&#039; („wetteifere“). Das könnte einen alternativen Wortlaut nahelegen, aber vergleicht man dann noch die Kommentare von Saadja und ibn Ezra, sieht man, dass es &#039;&#039;dieses&#039;&#039; Wort war, dem sie diese Bed. gegeben haben – vielleicht aber ausgehend von der Variante in Tg, Ms M (&#039;&#039;trgg&#039;&#039; statt &#039;&#039;tgrg&#039;&#039;).&amp;lt;/ref&amp;gt;),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Keine Banalität; in der jüd. Auslegungsgeschichte hat man sogar explizit gegen diesen Vers Einspruch erhoben: b.Meg 6b + b.DER 2,29: „Es ist erlaubt, gegen Übeltäter zu eifern. Sollte dir jemand zuflüstern: ‚Zürne Bösewichtern nicht und beneide Übeltäter nicht‘ – nur, wer sich selbst schuldig fühlt, würde so etwas sagen.“ Jedoch: Gerade das soll der Angesprochene nicht tun, und dies ist gottgefällig.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Sprichwörter|24|19}}&lt;br /&gt;
_([und])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[und]&#039;&#039; - So viele MSS; u.a. einige wichtige und alte Handschriften (z.B. G5, G7, G11, G20, KA1; zu den Handschriften-Siglen s. die Seite [https://offene-bibel.de/wiki/Benutzer:Sebastian_Walter/Wichtige_MSS Wichtige Handschriften]). Die alten Vrs. stützen aber L. &amp;lt;/ref&amp;gt; Beneide Übeltäter nicht, {{par|Psalm|73|3}} {{par|Sprichwörter|3|31}} {{par|Sprichwörter|23|17}} {{par|Sprichwörter|24|1}} {{par|Sprichwörter|24|19}}&lt;br /&gt;
{{S|2}} denn wie {das} Gras werden sie schnell verdorren &lt;br /&gt;
_Und wie grünes Kraut werden sie eingehen! {{par|Ijob|8|12}} {{par|Psalm|90|5|6}} {{par|Psalm|103|15|16}} {{par|Psalm|129|6}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|3}} [&#039;&#039;&#039;B&#039;&#039;&#039;] Vertraue auf JHWH und tue Gutes, {{par|Psalm|4|6}} {{par|Psalm|26|1}}&lt;br /&gt;
_Bewohne das Land (die Erde) und weide (so wirst du weiden können) Treue (in Sicherheit, weide treu/sicher, weide dich an seinen Schätzen, strebe nach Treue);&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Treue weiden&#039;&#039; - Etwas unklare Metapher. Klar ist immerhin, dass V. 3 mit V. 2 spielt: Wie die Übeltäter „wie Gras“ verschwinden werden, wird der Angesprochene dagegen „weiden“ können. Wahrscheinlich ist dies außerdem ein Wortspiel: &#039;&#039;re´eh&#039;&#039; („weide“) klingt im jüngeren Bibelhebräisch fast identisch mit &#039;&#039;re`eh&#039;&#039; („sieh“), also „und sieh Treue“ = „und du wirst [Gottes] Treue sehen=erfahren können!“ (vgl. V. 34: „Du wirst’s sehen“).&amp;lt;br /&amp;gt;Was näherhin die Bed. angeht, bieten sich vier Deutungen an:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Der Angesprochene erscheint wie in [[Psalm 23 |Ps 23]] als Schaf, daher: „Friss Treue“ = Gott wird dich in seiner Treue sättigen / mit seiner Treue regelrecht abfüllen. So schon VUL: „Weide dich an der Treue [Gottes]“; Cheung 2015, S. 54: „Graze on faithfulness“; ELB.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Ebenso, daher aber: „Friss in Sicherheit“, weil du dabei nicht mehr von den eingegangenen Übeltätern gestört und bedroht werden wirst. So z.B. Tiquillahuanca 2008, S. 11: „Bewohne das Land und beweide (es) in Sicherheit!“; Ruiz 2015, S. 17: „Weide in Sicherheit!“; z.B. auch HER05, TUR.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Der Angesprochene erscheint als Hirte, die „Treue“ als die Herde, die er „weiden“ = „pflegen“ soll: „Kultiviere deine Treue zu Gott“ = „Werde immer treuer“. So Tg: „Befleißige dich der Treue“; Syr: „Strebe nach Treue“; z.B. auch Witte 2013, S. 415: „Hege Treue!“. So die meisten Üss., z.B. BB, EÜ, HfA, LUT, MÜN, NeÜ, NGÜ, SLT, ZÜR.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Duhm 1899 vergleicht gut das häufige Nomen &#039;&#039;re´ut&#039;&#039; in Kohelet, das „Streben, Haschen“ zu bedeuten scheint. &#039;&#039;ra´ah&#039;&#039; müsste dann entsprechend ebenfalls „streben“ bedeuten können (Duhm: „erstrebe treue“ → „übe Treue“).&amp;lt;br /&amp;gt;Liest man V. 3 mit V. 4 zusammen, ist (1) am wahrscheinlichsten; „friss Gottes Treue“ ≙ „Gott wird dir die Bitten deines Herzens gewähren“. 3b nimmt man dann am besten als Folge-Imperative, also nicht „Bewohne...!“, sondern „dann wirst du bewohnen können“ (richtig von Lengerke 1847, Graetz 1882, Kissane 1953).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Fast alle Vrs. wie in der Primär-Üs., nur LXX + VUL: „Weide dich an seinen Reichtümern“, was statt &#039;&#039;`emunah&#039;&#039; („Treue, Sicherheit“) &#039;&#039;ḥamoneh&#039;&#039; („seine Menge/Schätze“) voraussetzt. So z.B. H-R: „Dann bleibst du im Land und genießt seine Güter“. Fast sicher soll dies aber nur das etwas schwierige Bild vereinfachen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|4}} Sei über JHWH entzückt (hab deine Wonne an JHWH),&amp;lt;ref&amp;gt;Anstatt gegen Übeltäter zu zürnen. Gut Goldingay 2006, S. 520: „The remedy for negative feelings that come from looking at others is to look at Yhwh and let appropriate feelings arise.“ Vgl. aber auch [[Ijob 34#s9 |Ijob 34,9]], wo sich erkennen lässt, dass das „Entzückt-sein“ über JHWH in der Tat eine Tugend war, die man jemandem auftragen konnte; u.a. sicher, weil man seinem Entzücken Ausdruck verleihen konnte durch Jubel vor dem Altar Gottes u.ä. (s. [[Psalm 43#s4 |Ps 43,4]]).&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|22|26}} {{par|Ijob|27|10}} {{par|Ijob|34|9}} {{par|Psalm|43|4}} {{par|Jesaja|58|14}}&lt;br /&gt;
_Dann wird er dir gewähren die Bitten deines Herzens. {{par|Psalm|21|3}} {{par|Psalm|145|19}} {{par|1 Könige|3|5}} {{par|2 Chronik|1|17}} {{par|Matthäus|7|7}} {{par|Johannes|15|7}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|5}} [&#039;&#039;&#039;C&#039;&#039;&#039;] Wälze auf JHWH deinen Weg (deine Wege)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Wälze deinen Weg&#039;&#039; - Ausdruck dafür, das eigene Schicksal der Fürsorge Gottes anzuvertrauen, auf dass dieser sich darum kümmere; s. noch [[Psalm 22#s9 |Ps 22,9]]; [[Sprichwörter 16#s3 |Spr 16,3]]; [[1Petrus 5#s7 |1 Pet 5,7]]. Sinnvoll BB + NGÜ: „Lass den Herrn deinen Weg bestimmen“, TEX: „Stelle Jahwe dein Geschick anheim“.&amp;lt;br /&amp;gt;Vielleicht ein Wortspiel: Syr übersetzt „Mach deinen Weg gerade“, versteht „wälzen“ also offenbar als „glattwalzen“, was hier sicher nicht primär gemeint ist, aber sprachlich möglich ist. Wer seinen Weg „glattgewalzt“ hat, ist aber identisch mit dem mit „geradem Weg“ in V. 14.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: LXX, VUL, Tg lesen &#039;&#039;gl&#039;&#039; nicht wie MT, Hier und Syr als &#039;&#039;gol&#039;&#039; („Wälze“), sondern als &#039;&#039;gal&#039;&#039; („Offenbare“); Tg und einige Mss lesen außerdem die Konsonanten für „deinen Weg“ mit anderen Vokalen als Pl. „deine Wege“; also: „Tu Gott deine(n) Weg(e) kund!“ Was das bedeuten soll, wäre aber unklar; sicher hat es Gott ja nicht nötig, dass man ihm erst „seinen Weg offenbart“. Richtig hält dies auch keine dt. Üss. für ursprünglich.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Und vertrau auf ihn, dann wird er handeln: (dann wird er [dies] tun:) {{par|Psalm|22|32}} {{par|Matthäus|6|25|26}} {{par|1 Thessalonicher|5|24}}&lt;br /&gt;
{{S|6}} Er wird aufstrahlen lassen deine Gerechtigkeit wie {das} Licht&lt;br /&gt;
_Und dein Recht (deine Gerichtsentscheide)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;deine Gerichtsentscheide&#039;&#039; - so Syr und wenige Mss., die die Konsonanten von MT anders als L und die anderen Vrs. als Pl. vokalisieren. Angezielt war sicher der Sg.&amp;lt;/ref&amp;gt; wie {die} Mittag[shelle].&amp;lt;ref&amp;gt;Gut Hitzig 1863, S. 206: „Er wird deine Rechtschaffenheit glänzend sich herausstellen lassen durch entsprechendes äußeres Schicksal“. Vgl. ähnlich [[Jesaja 62#s1 |Jes 62,1]], wo nicht nur die Gerechtigkeit als die Ursache des „Strahlens“ genannt wird, sondern etwas verständlicher auch die Segenstat Gottes als die Folge dieser Gerechtigkeit: „bis Jerusalems Gerechtigkeit wie Lichtglanz leuchtet und seine Rettung wie eine lodernde Fackel.“ Vgl. auch [[Maleachi 4#s2 |Mal 4,2]]; [[Ijob 11#s14 |Ijob 11,14-17]]; [[Jesaja 60#s1 |Jes 60,1f.]]&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|11|17}} {{par|Jesaja|62|1}} {{par|Maleachi|4|2}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|7}} [&#039;&#039;&#039;D&#039;&#039;&#039;] Schweige vor JHWH und warte auf (tanze vor)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;warte auf (tanze vor)&#039;&#039; - Wortspiel durch mehrdeutiges Wort: Leitet man es ab von &#039;&#039;ḥil&#039;&#039; II (einer NF von &#039;&#039;jaḥal&#039;&#039;, vgl. Kittel 1914; Goldingay 2006; Cheung 2015, S. 54; Witte 2013, S. 416), bed. es „warten auf“, leitet man es ab von &#039;&#039;ḥil&#039;&#039; I, heißt es „tanzen vor“. Aufgerufen wird also zu einem sichtbaren Ausdruck der Vorfreude: „Tänzle vor JHWH!“&amp;lt;/ref&amp;gt; ihm, {{par|Psalm|4|5}} {{par|Psalm|39|2|3}} {{par|Psalm|62|2}}&lt;br /&gt;
_(Brenne=) Zürne nicht – wenn sein Weg gelingt –&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;wenn sein Weg gelingt&#039;&#039; - W. „wenn er seinen Weg zum Gelingen bringt“, im Gegensatz zu dir, der du deinen Weg JHWH anheim gestellt hast.&amp;lt;br /&amp;gt;Wortspiel: das Wort heißt auch „brennen“ (s. zu [[Amos 5#s6 |Am 5,6]]). Auch das Verb zu Beginn der Zeile heißt zunächst „brennen“, und die Konsonanten von &#039;&#039;`iš&#039;&#039; („Mann“) sind die selben wie von &#039;&#039;`eš&#039;&#039; („Feuer“). Wahrscheinlich soll damit nachgebildet werden – wie es in V. 8 dann auch explizit gesagt wird – dass man sich mit solchem „Entbrennen“ nur dem Übeltäter gemein macht: dem Hitzkopf, der sich durch das Leben brennt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Dem Mann, der Intrigen ausführt!&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|8}} [&#039;&#039;&#039;E&#039;&#039;&#039;] Lass ab vom (Brennen=) Zorn und gib auf den Grimm,&lt;br /&gt;
_(brenne=) zürne nicht, [es führt] nur zum Bösen (gar bis zum Bösen)!&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;nur zum Bösen&#039;&#039; - Schön verständlich Böhler 2021: „sonst tust du gar noch Böses!“&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|39|2}} {{par|Sprichwörter|14|29}} {{par|Sprichwörter|16|32}} {{par|Epheser|4|31}} {{par|Jakobus|1|19|20}}&lt;br /&gt;
{{S|9}} Denn Bösewichter werden abgeschnitten!&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;abgeschnitten&#039;&#039; - d.i. getötet; erstarrte Metapher, bei der das menschliche Leben als Textilie dargestellt wird (s. zu [[Ijob 4#s21 |Ijob 4,21]]).&amp;lt;br /&amp;gt;Wortspiel: Das Wort für „hoffen“ in 9b heißt auch „binden“ und ist damit der Gegensatz zum „abgeschnitten-Werden“: Wer auf JHWH hofft = bindet, wird nicht abgeschnitten = getötet.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Heb. &#039;&#039;jikkaretun&#039;&#039; statt &#039;&#039;jikkaretu&#039;&#039; (wie in Ps 37,22), das &#039;&#039;-n&#039;&#039; (ein sog. „paragogisches Nun“) macht das Wort wahrscheinlich noch emphatischer (GKC §47m; JM §44e). Daher oben das Ausrufezeichen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Wer aber auf JHWH hofft, der&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Der&#039;&#039; - Heb. &#039;&#039;hemmah&#039;&#039;, Wortspiel mit &#039;&#039;ḥemmah&#039;&#039; („Grimm“) in V. 8: Nicht der &#039;&#039;Grimmende&#039;&#039; wird das Land besitzen, sondern nur &#039;&#039;derjenige&#039;&#039;, der sich ganz auf JHWH verlässt.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;hemmah&#039;&#039; würde man i.d.R. als Signal für den Beginn eines dritten Kolons nehmen; weil seine Existenz sich hier aber literarisch erklären lässt, sollte man V. 9 besser als Bikolon denn als Trikolon deuten.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird das Land (die Erde) besitzen (in Besitz nehmen). {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|10}} [&#039;&#039;&#039;F&#039;&#039;&#039;] Nur noch ein Weilchen, und der Frevler wird nicht mehr sein, {{par|Jesaja|29|17}} {{par|Jeremia|51|33}}&lt;br /&gt;
_[&#039;&#039;&#039;F&#039;&#039;&#039;] Und du wirst (ich werde)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Alle Vrs. wie MT, nur 4QpPs: „&#039;&#039;ich&#039;&#039; werde untersuchen“. Craigie 1983 hält dies für ursprünglich, aber wahrscheinlicher ist dies Assimilation an V. 36, wo 4QpPs ebenfalls anders als MT nicht „er ging vorüber“, sondern „&#039;&#039;ich&#039;&#039; ging vorüber“ hat. Dass hier sogar an diese Stelle assimiliert wird, macht noch wahrscheinlicher, dass dort „ich“ ursprünglich ist; s. dort.&amp;lt;/ref&amp;gt; den Ort, wo er war,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;den Ort, wo er war&#039;&#039; - W. „seinen Ort“; in dieser Bed. z.B. auch verwendet in [[Psalm 103#s16 |Ps 103,16]].&amp;lt;/ref&amp;gt; untersuchen, aber er wird nicht [da] sein.&amp;lt;ref&amp;gt;Gut erklärt von Ruiz 2015, S. 29: „Nur noch ein Weilchen“ = „es dauert nicht mehr lang“; „und &#039;&#039;du&#039;&#039; wirst den Ort untersuchen“ = „auf jeden Fall wird es noch geschehen, während du lebst“.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|8|18}} {{par|Ijob|20|9}} {{par|Psalm|103|16}}&lt;br /&gt;
{{S|11}} [&#039;&#039;&#039;F&#039;&#039;&#039;] Aber die Elenden (Armen) werden das Land (die Erde) besitzen (in Besitz nehmen) {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}} {{par|Matthäus|5|5}}&lt;br /&gt;
_[&#039;&#039;&#039;F&#039;&#039;&#039;] Und entzückt sein über die (ihre Wonne haben an der) Fülle des Friedens (Wohlergehens, Heil-Seins). {{par|Psalm|72|7}} {{par|Jesaja|54|13}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|12}} [&#039;&#039;&#039;G&#039;&#039;&#039;] Der Frevler sinnt gegen den Gerechten {{par|Psalm|31|14}} {{par|Micha|2|1}}&lt;br /&gt;
_Und knirscht gegen ihn mit den Zähnen. {{par|Psalm|35|16}} {{par|Klagelieder|2|16}}&lt;br /&gt;
{{S|13}} Der Herr (JHWH)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Der Herr (JHwH)&#039;&#039; - Die einzige Stelle im Ps., wo explizit gesagt wird, dass &#039;&#039;Gott&#039;&#039; am Übeltäter handeln wird; sonst werden sicher bewusst Passiv-Formulierungen u.ä. verwendet (s. die Anmerkungen). Gleichzeitig die einzige Stelle, wo auffällig nicht der Gottesname „JHWH“ verwendet wird, sondern das distanziertere „der Herr“ – sicher nicht zufällig.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: 4QpPs und wenige (allerdings wichtige, z.B. G20, KA10, KA27b, KA30, KA36; zu den Handschriften-Siglen s. die Seite [https://offene-bibel.de/wiki/Benutzer:Sebastian_Walter/Wichtige_MSS Wichtige Handschriften]) Mss allerdings auch hier „JHWH“. Doch sicher ist dies nur Angleichung auf den sonstigen Sprachgebrauch des Psalms, der von Gott sonst durchgehend als von „JHWH“ spricht.&amp;lt;/ref&amp;gt; kann über ihn (darüber) [nur] lachen (muss über ihn/darüber lachen), {{par|Psalm|2|4}} {{par|Psalm|59|9}}&lt;br /&gt;
_Denn er sieht (sinnt darauf&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;sinnt darauf&#039;&#039; - zu dieser Bed. s. [[Psalm 66#s18 |Ps 66,18]] u.ö. So hier aber niemand.&amp;lt;/ref&amp;gt;), dass sein Tag&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;sein Tag&#039;&#039; - Entweder „der Tag JHWHs“, also der große Gerichtstag, der eine Zeitenwende einleiten wird, oder „der [schicksalhafte] Tag des Frevlers“ (so explizit Tg). Letztlich kommt hier beides auf das Selbe hinaus, wahrscheinlicher ist hier aber Letzteres, da V. 13 wohl im Gegensatz zu V. 18 stehen soll (richtig Hacham 1979, S. 209; Levine 2003, S. 76). NGÜ + NL: „Der Tag des Gerichts“, BB + GN + HfA + NeÜ: „Der Tag der Abrechnung“; will man den Gegensatz besser erkennbar machen, vielleicht eher: „denn er weiß, dass seine Tage gezählt sind.“&amp;lt;/ref&amp;gt; kommen wird (kommt).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;kommen wird&#039;&#039; - So MT und alle Vrs.; nur 4QpPs und 5 Mss (darunter KA17b) Qatal: &#039;&#039;kommt&#039;&#039;. Am Sinn würde es nichts ändern, darüber hinaus wird man ohnehin auch &#039;&#039;kj bw`&#039;&#039; in diesen Mss besser als &#039;&#039;kj jbw`&#039;&#039; mit „shared consonant“ erklären.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|18|20}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|14}} [&#039;&#039;&#039;H&#039;&#039;&#039;] Das Schwert ziehen die Frevler&lt;br /&gt;
_Und spannen ihren Bogen, {{par|Psalm|64|4}}&lt;br /&gt;
Um zu fällen den Unterdrückten (Demütigen) und Bedürftigen,&lt;br /&gt;
_([Und])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[und]&#039;&#039; - So nur 4QpPs.&amp;lt;/ref&amp;gt; Um zu schlachten, die (geraden=) rechten (Weges=) Wandels (Herzens)&amp;lt;ref&amp;gt;Wortspiel: „Bogen &#039;&#039;spannen&#039;&#039;“ = &#039;&#039;darku&#039;&#039;, „Weg“ = &#039;&#039;darek&#039;&#039;. „Rechten Wandels zu sein“ heißt natürlich, „auf Gottes Pfaden zu wandeln“, also gerecht zu leben.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT&#039;s „Weg“ wird gestützt durch Hier, Tg, Syr; dagegen LXX, VUL und einige (auch: wichtige) Mss bezeugen „Herz“. Für ursprünglich halten das z.B. Buttenwieser 1938 und Zorell 1928, und in der Tat ließe es sich gut erklären als Verschreibung unter Einfluss des &#039;&#039;darku&#039;&#039; in 14b. Eher ist die Variante mit „Herz“ aber Angleichung an den üblicheren Ausdruck in [[Psalm 7#s11 |Ps 7,11]]; [[Psalm 11#s2 |11,2]]; [[Psalm 32#s11 |32,11]]; [[Psalm 36#s11 |36,11]] u.ö., sicher unter Einfluss des im nächsten V. folgenden „Herz“. Das spricht übrigens dafür, dass der Psalm mindestens schon vor der Üs. durch LXX stichisch niedergeschrieben worden ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; sind. {{par|Klagelieder|2|21}}&lt;br /&gt;
{{S|15}} [&#039;&#039;&#039;H&#039;&#039;&#039;] Ihr Schwert wird dringen in ihr [eigenes] Herz {{par|Psalm|7|16}} {{par|Psalm|9|16}} {{par|Psalm|35|8}} {{par|Sprichwörter|28|10}}&lt;br /&gt;
_Und ihre Bögen werden zerbrochen werden. {{par|1 Samuel|2|4}} {{par|Psalm|46|10}} {{par|Psalm|76|5}} {{par|Jeremia|49|35}} {{par|Jeremia|51|56}} {{par|Hosea|1|5}} {{par|Hosea|2|18|20}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|16}} [&#039;&#039;&#039;I&#039;&#039;&#039;] Besser ist ein Bisschen für den Gerechten&lt;br /&gt;
_Als der der viele Überfluss (Tumult) der Frevler (als der Überfluss der vielen Frevler),&amp;lt;ref&amp;gt;Ein sog. &#039;&#039;țob&#039;&#039;-Spruch, eine übliche Form heb. Sprichwörter. Nowack 1888 und Herkenne 1936 verweisen schön auf das entspr. dt. Sprichwort „Unrecht Gut gedeiht nicht gut.“&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT&#039;s „als der Überfluss der vielen Frevler“ wird gestützt durch 4QpPs, Aq, Sym und Tg. Dagegen LXX, Syr, VUL und Hier setzen statt &#039;&#039;rbjm&#039;&#039; voraus: &#039;&#039;rb&#039;&#039;, „als der viele Überfluss der Frevler“. Für ursprünglich halten das zB. Wellhausen 1895; BHS; Craigie 1983. Was tatsächlich ursprünglich war, lässt sich kaum entscheiden, poetisch aber macht LXX &amp;amp; Co. mehr Sinn: „der Gerechte“ aus 16a wird hier durch den Plural „die Frevler“ gesteigert, „das Bisschen“ aus 16a durch das „viele“ in „der viele Überfluss“ in 16b. Und &#039;&#039;rabbim&#039;&#039; im MT lässt sich leicht als falsche Assimilation an das vorangehende &#039;&#039;reša´im&#039;&#039; erklären, eine Änderung von &#039;&#039;rabbim&#039;&#039; zu &#039;&#039;rab&#039;&#039; dagegen weniger gut. Besser folgt man daher hier BHS als CTAT V, S. 215, wo MT für wahrscheinlicher ursprünglich gehalten wird.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Sprichwörter|15|16}} {{par|Tobit|12|8}}&lt;br /&gt;
{{S|17}} Denn die Arme&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Arme&#039;&#039; - Hier wohl nicht genannt als dasjenige, womit Frevler sich ihren Reichtum erwirtschaften können (so Craigie 1983; Cheung 2015, S. 66), sondern nach den Parallelen [[Ijob 38#s15 |Ijob 38,15]]; [[Ezechiel 30#s21 |Ez 30,21]] als dasjenige, womit man kämpfen kann: Die Vernichtung setzt sich fort und mit den Bögen werden auch gleich die Arme der Frevler zerbrochen; ihr eigener Niedergang ist dann eben damit zu erklären, dass sie überhaupt erst die Hand gegen die Gerechten erhoben haben: Eine Umkehrstrafe&amp;lt;/ref&amp;gt; der Frevler werden zerbrochen werden {{par|Ijob|38|15}} {{par|Psalm|10|15}} {{par|Ezechiel|30|21}}&lt;br /&gt;
_Aber es stützt die Gerechten JHWH. {{par|Richter|1|24}} {{par|Psalm|41|13}} {{par|Psalm|63|9}} {{par|Psalm|119|117}} {{par|Psalm|145|14}} {{par|Jesaja|41|10}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|18}} [&#039;&#039;&#039;J&#039;&#039;&#039;] Es kennt JHWH die Tage (die Wege)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Alle Vrs. wie MT, nur LXX: „die Wege“. Buttenwieser 1938 hält das für ursprünglich, aber sicher richtig Ross 2011: Assimilation an [[Psalm 1#s6 |Ps 1,6]].&amp;lt;/ref&amp;gt; der Makellosen {{par|Psalm|1|6}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
_Drum hat ihr Erbteil&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Erbteil&#039;&#039; - Also das Stück Land vom „Land“ Israel, das ihrer Familie einst von JHWH zugesprochen wurde. Hier wichtiges Wort; es zeigt, dass es im Psalm nicht &#039;&#039;nur&#039;&#039; um die Frage geht, wem „das Land Israel“ oder gar „die Erde“ gehört oder gehören wird, sondern dass diese große Frage sich im Kleinen realisiert: Darin, ob „den Armen und Elenden“ ihr Land von den ungerechten Reichen geraubt werden wird oder nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; für immer [Bestand].  {{par|Sprichwörter|28|10}}&lt;br /&gt;
{{S|19}} Sie werden nicht zuschanden (beschämt) werden zur Zeit des Übels&lt;br /&gt;
_Und in den Tagen des Hungers werden sie satt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Klangspiel: &#039;&#039;jißba´u&#039;&#039; („satt werden“) ist fast ein Anagramm von &#039;&#039;jibošu&#039;&#039; („zuschanden werden“); in &#039;&#039;ra´abon&#039;&#039; („Hunger“) klingt &#039;&#039;ra´ah&#039;&#039; („Übel“) an. In 4QpPs ist das sogar noch deutlicher; &#039;&#039;ra´abon&#039;&#039; ist dort &#039;&#039;ra´ab&#039;&#039; wie in [[Psalm 33#s19 |Ps 33,19]].&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|5|20}} {{par|Psalm|33|19}} {{par|Sprichwörter|10|3}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|20}} [&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] Denn die Frevler werden umkommen {{par|Richter|5|31}} {{par|Psalm|92|10}}&lt;br /&gt;
_Und die Feinde (Geliebten)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Geliebte&#039;&#039; - So 4QpPs: &#039;&#039;`hbj&#039;&#039; statt &#039;&#039;`jbj&#039;&#039; („Feinde“). Sicher sollte damit aber das „die Feinde JHWHs [waren] wie prächtige Auen“, das auf den ersten Blick wie eine Preisung der so Beschriebenen klingt, geglättet werden. Der Parallelismus legt aber sehr nahe, dass gegen die masoretischen Akzente „wie prächtige Auen“ mit dem ersten „werden sie vergehen“ zu verbinden ist (wie schon Syr aufgelöst hat; so auch schon Hupfeld 1858 und Graetz 1882; z.B. auch Craigie 1983; Goldingay 2006; Meynet 2015, S. 108), was diese Textkorrektur von 4QpPs überflüssig macht.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gottes,&lt;br /&gt;
[&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] Wie {die} (Pracht der Auen=) prächtige [&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] Auen (prächtiges Vieh)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: (1) &#039;&#039;krjm&#039;&#039; ist von MT als &#039;&#039;karim&#039;&#039; („Auen“) aufgefasst worden, (2) von Sym, Tg und Hier als &#039;&#039;kerem&#039;&#039; („[wie die Pracht,] wie das Vieh“) – Sym und Hier vereindeutigen witzigerweise zu „wie Einhörner“ –, (3) LXX, VUL und Syr schließlich deuteten stattdessen als &#039;&#039;kerum&#039;&#039; und übersetzen mit „als sie geehrt &#039;&#039;und gerühmt&#039;&#039; wurden“. (4) 4QpPs hat im Pescher eine Doppelinterpretation („Kleinvieh [=Sym] der Weiden [=MT]“). In der Üs. steht dagegen &#039;&#039;kwrjm&#039;&#039;. Damit hat man (5) einen Emendationsvorschlag von Wellhausen 1895 stützen wollen (so z.B. noch Seybold 1996), statt &#039;&#039;kiqar karim&#039;&#039; („wie prächtige Auen“) sei &#039;&#039;kiqod kurim&#039;&#039; („wie das Brennen eines Schmelztiegels“) zu lesen, aber richtig Cheung 2015, S. 56 FN 11: &#039;&#039;-w-&#039;&#039; wird hier wie noch öfter in Qumran Mater lectionis für Qameṣ sein und damit ebenfalls MT stützen.&amp;lt;br /&amp;gt;Klar ist nach diesen Varianten, dass der ursprüngliche Konsonantentext &#039;&#039;krm&#039;&#039; war, und angezielt wird in diesem Kontext damit wie in MT &#039;&#039;karim&#039;&#039; gewesen sein: V. 2 „sie werden wie Gras verdorren, wie grünes Kraut eingehen“ – V. 20 „wie prächtige Weiden werden sie vergehen“ – Vv. 35f. „Er war wie eine belaubte Zeder; dann ging ich wieder vorbei und er war nicht mehr da“.&amp;lt;br /&amp;gt;Übrigens vokalisiert auch von Lengerke 1847 als „Vieh“, deutet dann aber auch dies auf die Weiden: „die Pracht der Schafe“ = „ihre Weiden“ – selbst dann also, wenn ursprünglich wirklich &#039;&#039;kerem&#039;&#039; angezielt gewesen sein sollte, würde man dies hier als einen Ausdruck für Wiesen deuten wollen.&amp;lt;/ref&amp;gt; [&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] werden sie vergehen,&lt;br /&gt;
_[&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] Wie {der} (Im) Rauch [&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] werden sie vergehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Klangspiel: Nicht nur 20a beginnt hier mit dem Konsonanten k, sondern in 20cd jedes Wort: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;iqar &#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;arim &#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;alu &#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;e´ašan &#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;alu&#039;&#039;.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: So jedenfalls in 4QpPs, LXX, Sym, VUL, Hier, Syr und vielen Mss (CTAT V, S. S. 217 ist schlicht irreführend: „Cependant les témoins habituels du texte tibérien classique appuient la leçon {{hebr}}בעשן{{hebr ende}}“ – aber was soll das schon heißen, der „klassische tiberische Text“ ist ja nur ein Teil von einer von mehreren masoretischen Textfamilien?). L und Tg dagegen haben nicht „&#039;&#039;wie&#039;&#039; Rauch“ mit {{hebr}}כ{{hebr ende}}, sondern „&#039;&#039;im&#039;&#039; Rauch“ mit {{hebr}}ב{{hebr ende}}, wahrscheinlich entweder ein reiner Schreibfehler oder Angleichung an [[Psalm 102#s4 |Ps 102,4]]. Dort ist das „im Rauch“ auch gut erklärlich: „Meine Tage schwinden im Rauch“ weil „meine Gebeine wie ein Feuerbrand glühen“. Hier gilt das auch dann kaum, wenn in 20c „Pracht des Viehs“ zu lesen und als „[zu verbrennendes] Fett der Opferschafe“ zu deuten wäre; auch dies vergeht nach israelitischem Verständnis ja nicht „im Rauch“, sondern steigt „&#039;&#039;als&#039;&#039; Rauch (und Duft)“ in die Nase Gottes.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|68|3}} {{par|Hosea|13|3}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|21}} [&#039;&#039;&#039;L&#039;&#039;&#039;] Leiht sich der Frevler, will (kann) er nicht zurückzahlen,&lt;br /&gt;
_Der Gerechte aber ist gnädig (mildtätig) und gibt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vb. 1, 3 und 4 sind Partizipien. Nicht also: „Sie werden gnädig sein und geben &#039;&#039;können&#039;&#039;“ o.Ä.: V. 21b ist sicher keine Verheißung (wie [[Deuteronomium 28#s12 |Dtn 28,12]].[[Deuteronomium 28#s44 |44]]), sondern Charakterisierung des aktuellen Tuns der Gerechten. V. 21a &#039;&#039;könnte&#039;&#039; eine Warnung sein („er &#039;&#039;wird&#039;&#039; nicht zurückzahlen [&#039;&#039;können&#039;&#039;]“), ist dann aber in diesem Kontext wohl ebenfalls Charakterisierung. Die entscheidenden Aussagen sind dann: Der eine &#039;&#039;will&#039;&#039; nicht zurückzahlen, der andere ist &#039;&#039;gnädig&#039;&#039;. So und so richtig Croft 1997, S. 59: Vv. 21.25 zeigen, dass man sich den „Armen“ aus Vv. 14.16 nicht tatsächlich als materiell arm vorstellen darf; „arm“ sind die Gerechten in &#039;&#039;diesem&#039;&#039; Psalm nur insofern, als &#039;&#039;sie&#039;&#039; sich &#039;&#039;nicht&#039;&#039; bereichern.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|22}} Darum (Denn)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Darum (denn)&#039;&#039; - ist das richtig, was in der vorigen FN gesagt wurde, muss &#039;&#039;ki&#039;&#039; hier wie häufig, aber wie sonst nicht mehr in diesem Ps, „darum“ bedeuten.&amp;lt;/ref&amp;gt; werden seine Gesegneten (die ihn Segnenden)&amp;lt;ref name=&amp;quot;V 22&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;seine Gesegneten (die ihn Segnenden) + seine Verfluchten (die ihn Verfluchenden)&#039;&#039; - Die beiden Partizipien in V. 22 werden von den Vrs. unterschiedlich vokalisiert: Von MT, Tg und Hier beide passiv („gesegnet, verflucht“), von LXX und VUL beide aktiv („segnend, verfluchend“), von Syr nach den meisten Mss merkwürdigerweise das erste aktiv, das zweite passiv (in 8a1c und 12t1.4 aber auch Syr wie MT). Fast alle Neueren folgen hier der Deutung von MT.&amp;lt;/ref&amp;gt; das Land (die Erde) besitzen (in Besitz nehmen),&lt;br /&gt;
_Aber seine Verfluchten (die ihn Verfluchenden)&amp;lt;ref name=&amp;quot;V 22&amp;quot; /&amp;gt; werden abgeschnitten werden. {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Sprichwörter|3|33}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}} {{par|Matthäus|5|5}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|23}} [&#039;&#039;&#039;M&#039;&#039;&#039;] ([Denn])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[Denn]&#039;&#039; - So merkwürdigerweise 4QpPs, wonach auch hier die Strophe nicht mit dem zu erwartenden Buchstaben begänne.&amp;lt;/ref&amp;gt; Von JHWH werden die Schritte des Mannes gelenkt,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;JHWH lenkt die Schritte eines Mannes&#039;&#039;, d.i., er entscheidet über sein Schicksal, vgl. deutlich die Parallelstellen. D.h. hier natürlich wieder: Denjenigen, der gottgefällig lebt, segnet er. Kontraintuitiver Weise sind also die „Schritte“ eines Menschen nicht das, worüber ein Mensch selbst verfügen könnte.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Sprichwörter|16|9}} {{par|Sprichwörter|20|24}} {{par|Jeremia|10|23}}&lt;br /&gt;
_Wenn er an dessen Wandel Gefallen hat:&lt;br /&gt;
{{S|24}} Auch, wenn er zu fallen drohte, würfe es ihn nicht hin, {{par|Psalm|94|18}} {{par|Sprichwörter|24|16}}&lt;br /&gt;
_Denn JHWH stützt seinen Arm.&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|25}} [&#039;&#039;&#039;N&#039;&#039;&#039;] Jung war ich, ([und])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT wird nur durch Hier gestützt: 4QpPs, LXX, VUL, Tg, Syr und einige Mss haben vor &#039;&#039;auch&#039;&#039; zusätzlich &#039;&#039;und&#039;&#039;, wie dies hier auch erwartbar wäre. Gerade deshalb wird MT und Hier aber der ursprüngliche Wortlaut sein.&amp;lt;/ref&amp;gt; bin auch alt geworden,&lt;br /&gt;
_Aber nie sah ich, dass ein Gerechter verlassen worden wäre, {{par|Ijob|4|7}}&lt;br /&gt;
_So dass (und dass) seine Nachkommenschaft Brot suchen müssen hätte:&amp;lt;ref&amp;gt;Ein ganz schwieriger Vers. Exakt vom Gegenteil sprechen z.B. [[Ijob 9#s22 |Ijob 9,23f.]]; [[Kohelet 7#s15 |Pred 7,15]], und die Entsprechung in der Parallelstelle [[Ijob 4#s7 |Ijob 4,7]] wird danach abgetan als das „Traumgesabbel“ von Elifaz. Es lässt sich nicht weg-diskutieren: Ps 37,25 spricht sich derart stark für den (selbst intergenerationellen) Tun-Ergehens-Zusammenhang aus, dass selbst parallele biblische Texte hier nicht mitgehen können.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|34|11}}&lt;br /&gt;
{{S|26}} Den ganzen Tag ist er gnädig (mildtätig) und verleiht,&lt;br /&gt;
_Und seiner Nachkommenschaft [ist&#039;s] zum Segen (seine Nachkommenschaft wird zu einem Segen).&amp;lt;ref&amp;gt;So sinnvoll Stolz 1983, S. 61: „Seiner Nachkommenschaft gereicht es zum Segen.“. So auch Bernfeld, ELB, GN, HER05, HfA; am besten NGÜ: „Noch seine Nachkommen werden durch ihn gesegnet sein“. So auch schon LXX, VUL, Hier, Syr, Raschi. Radak gibt zwei Erklärungen: (1) Weil Gesegnete wie der Angesprochene ihren Segen weiterzugeben pflegen (eine Art trickle-down-Effekt des Segens), (2) weil andere, die von ihm Gutes erfuhren, ihrerseits um seintwillen seine Nachkommenschaft segnen werden (Letzteres auch bei ibn Ezra). Sonst stets wie in der Alternative.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|27}} [&#039;&#039;&#039;O&#039;&#039;&#039;] Weiche vom Üblen und tue Gutes {{par|Psalm|34|15}} {{par|Sprichwörter|3|7}} {{par|Jesaja|1|16|17}}&lt;br /&gt;
_Und wohne für immer:&amp;lt;ref&amp;gt;Wieder Folge-Imperativ: „So wirst du für immer wohnen können“.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Hier, Tg und Syr wie MT. Dagegen LXX und VUL setzen voraus: „auf &#039;&#039;immer und&#039;&#039; ewig“. Metrisch würde man das hier auch erwarten; für ursprünglich halten das daher auch Kittel 1914 und wahlweise Witte 2013, S. 417.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|28}} Weil JHWH Recht liebt, {{par|Psalm|45|8}} {{par|Psalm|99|4}} {{par|Jesaja|61|8}}&lt;br /&gt;
_Wird er nicht verlassen seine Frommen. {{par|Jesaja|59|21}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Für immer werden [sie] bewahrt ([&#039;&#039;&#039;P&#039;&#039;&#039;] Übeltäter werden für immer ausradiert)&amp;lt;ref&amp;gt;Hier erwartet man eine Zeile, die mit dem Buchstaben &#039;&#039;´Ajin&#039;&#039; beginnt. Der MT dagegen beginnt mit der Präp. Lamed, erst darauf folgt der erwartete Buchstabe. Viele Ausleger haben daher einen anderslautenden Text aus LXX rekonstruieren wollen (s.u.). Aber die vorgeschlagene Textkorrektur geht wohl nicht an. Vielleicht daher so: Mit `Ajin beginnt auch das Wort für „Übeltat“ in V. 1c; möglicherweise soll im fehlenden `Ajin also das gänzliche Fehlen der „Nachkommenschaft der Frevler“ und ihrer Übeltaten zum Ausdruck gebracht werden.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Die meisten Textzeugen stützen MT. Allerdings mehrere LXX-Gruppen, Sym und VUL haben hier eine fünfte Zeile; MT&#039;s „Für immer wird [dieser] bewahrt, aber die Nachkommenschaft von Frevlern wird abgeschnitten“ entspricht dort „für immer werden sie bewahrt, &#039;&#039;Gesetzlose aber werden gejagt/verjagt&#039;&#039;, und die Nachkommen der Frevler werden ausgerottet.“ Daraus haben viele ein ursprüngliches „Übeltäter werden für immer ausradiert“ rekonstruiert: &#039;&#039;´wl(j)m l´wlm nšmdw&#039;&#039;: &#039;&#039;´wl(j)m&#039;&#039; wäre wegen der Ähnlichkeit mit &#039;&#039;l´wlm&#039;&#039; übersehen worden und die Verschreibung von Resch mit Dalet ist ein sehr häufiger Schreibfehler. Die Übersetzung des ursprünglichen Wortlauts wäre dann also als Konflation zusätzlich zur Übersetzung des fehlerhaften Texts in die LXX geraten. So z.B. schon Houbigant 1777; auch Wellhausen 1895; BHK, BHS; Seybold 1996; Broyles 1999; Fokkelman 2000, S. 139 FN 54; Witte 2013, S. 417; ähnlich Jones 2019, S. 174 FN 20: &#039;&#039;´wlm l´wlm nṣmtw&#039;&#039; nach [[Psalm 69#s5 |Ps 69,5]]; [[Psalm 101#s5 |101,5]] wie schon Rahlfs. Aber das kritische Wort ist gerade &#039;&#039;´awalim&#039;&#039; „Übeltäter“; richtig nämlich Graetz 1882: Das heb. Wort ist als Entsprechung des gr. Wortes nirgends belegt. &#039;&#039;nšmdw&#039;&#039; ist gleichfalls keine belegte und auch keine sehr naheliegende Entsprechung des gr. Verbs (richtig Cheung 2015, S. 56; Böhler 2021), weshalb Jones 2019 seinen alternativen Vorschlag macht, der aber graphisch dann doch recht weit von MT entfernt ist. Darüber hinaus, dass die Vorlage von LXX nur so schwach bezeugt ist, ist LXX also auch gar keine gute Basis, um auf ihr die erwünschte Textrekonstruktion aufruhen zu lassen. Wahrscheinlicher ist es, dass in einer Handschrift wegen der Ähnlichkeit von 28d mit 38b hier 38a ergänzt wurde.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Ps 37,28.png|mini|Ps 37,28 in 4QpPs. (c) [https://www.deadseascrolls.org.il/explore-the-archive/image/B-506743 Deadseascrolls.org].]]Einige haben u.a. wohl daher behauptet, immerhin &#039;&#039;nšmdw&#039;&#039; statt &#039;&#039;nšmrw&#039;&#039; würde auch durch 4QpPs gestützt, aber richtig CTAT V 223: Anders als z.B. in DJD V 45 transkribiert, steht in 4QpPs sicher wie im MT &#039;&#039;nšmrw&#039;&#039;, vgl. auf dem Foto rechts den fraglichen Buchstaben mit dem Resch im direkt folgenden Wort. 4QpPs könnte mit LXX enger verwandt sein als mit MT, s. in V. 20 &#039;&#039;k´šn&#039;&#039; in 4QpPs, LXX, VUL, Syr vs. MT&#039;s &#039;&#039;b´šn&#039;&#039;, in V. 25 &#039;&#039;wgm&#039;&#039; in 4QpPs und LXX vs. MT&#039;s &#039;&#039;gm&#039;&#039; und in V. 35 &#039;&#039;`´bwr&#039;&#039; in 4QpPs, LXX, VUL, Syr vs. MT&#039;s &#039;&#039;wj´br&#039;&#039;. Dann wäre das Zeugnis besagter LXX-Textgruppen in diesem Vers umso schwächer. Man wird aber doch fragen müssen: Wie soll der Wortlaut von LXX denn sonst entstanden sein? Er ist sicher als Konflation zu erklären, und Textkorrekturen, wie diese eine wäre – poetische Verbesserungen, um z.B. wie hier ein Akrostichon lyrisch zu glätten –, sind mir (S.W.) sonst gar nicht bekannt.&amp;lt;br /&amp;gt;Die externe Evidenz mit nur einigen LXX-Zeugen ist also ziemlich schwach, die interne Evidenz – ein mit ´Ajin beginnendes Wort wäre hier so sehr zu erwarten, und der LXX-Wortlaut lässt sich kaum anders erklären denn mit einem heb. Original – dagegen ist sehr stark. Textkritisch lassen sich beide Optionen begründet vertreten; wir folgen daher hier der Mehrheits-Position in dt. Üss. und damit dem MT.&amp;lt;br /&amp;gt;En passant sei noch darauf hingewiesen, dass CTAT&#039;s Argument für MT, „der Poet habe ja schließlich auch kein Problem damit gehabt, die T-Strophe mit &#039;&#039;w-t...&#039;&#039; statt &#039;&#039;t...&#039;&#039; zu beginnen“, sicher nicht angeht; die Konjunktion wird man kaum „dem Poeten“ zuschreiben dürfen (so aber schon de Wette 1829; Maurer 1838; von Lengerke 1847; z.B. auch Böhler 2021). Ebenso wenig richtig dürfte ebd. sein, dass wir nur die Option haben zwischen „für immer wird dieser bewahrt“ und „Sünder werden ausradiert“, nicht aber „Sünder werden für immer ausradiert“, weil in LXX nur die Zwei-Wort-Variante belegt sei: LXX würde zwei Ein-Wort-Konflationen bezeugen; die gesamte Zeile muss man daraus rekonstruieren, und &#039;&#039;l´wlm&#039;&#039; wird man hier weit eher mit-rekonstruieren, weil dies Wort erst Grund für den Ausfall von &#039;&#039;´wlm&#039;&#039; gewesen wäre.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Aber die Nachkommenschaft von Frevlern wird abgeschnitten. {{par|Psalm|21|10}} {{par|Psalm|55|23}} {{par|Jesaja|14|21}} {{par|Baruch|4|1}}&lt;br /&gt;
{{S|29}} Die Gerechten werden besitzen (in Besitz nehmen) das Land (die Erde) {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}}&lt;br /&gt;
_Und für ewig&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;für ewig&#039;&#039; - eine Art break up-Parallelismus: Die häufige Fügung &#039;&#039;le´olam wa´ed&#039;&#039; („für immer und ewig“) wird aufgebrochen und als „für immer“ und „für ewig“ auf 28c und 29b verteilt, so dass sie das erste und vorletzte Wort dieser Strophe sind. Bemerkenswert ist außerdem, dass „für immer“ bereits in 27b stand, dort ebenfalls mit dem Vb. „wohnen“: „Wohne für immer“ (V. 27) – „für immer werden sie bewahrt“ (V. 28) – „und sie werden wohnen für ewig darin“ (V. 29). Dass ist zu auffällig, als dass es Zufall sein könnte, und die mittlere Klausel ist darüber hinaus gerade jene, wegen der V. 28c nicht mit `Ajin beginnt (s. vorige FN) – was mit dieser Formulierung zum Ausdruck gebracht werden soll, verstehe ich (S.W.) aber nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; wohnen darin.&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|30}} [&#039;&#039;&#039;Q&#039;&#039;&#039;] Der Mund des Gerechten redet (Weisheit=) Weises &lt;br /&gt;
_Und seine Zunge spricht (Recht=) Rechtes, {{par|Sprichwörter|10|31}}&lt;br /&gt;
{{S|31}} [Weil] die (&#039;&#039;torah&#039;&#039;=) Weisung seines Gottes in seinem Herzen [ist], {{par|Psalm|119|11}} {{par|Psalm|119|34}} {{par|Jeremia|31|33}}&lt;br /&gt;
_[Drum]&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[Drum]&#039;&#039; - So nach LXX, Sym, VUL, Syr, Saadja, 1 Ms. Dagegen 4QpPs, Tg und Hier stützen MT. Für ursprünglich halten die Variante mit &#039;&#039;w-&#039;&#039; z.B. auch Herkenne 1936; Craigie 1983; Ross 2011. Es ist aber gar nicht notwendig, dass &#039;&#039;w-&#039;&#039; ursprünglich zum Text gehörte; der vlS in 31 kann auch ohne &#039;&#039;w-&#039;&#039; Protasis von 31b gewesen sein und ist sicher so gedacht, da man Vv. 30f. sonst als Trikolon + Monokolon analysieren müsste.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird sein Schritt nicht wanken. {{par|Psalm|17|5}} {{par|Sprichwörter|4|4}} {{par|Baruch|4|1}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|32}} [&#039;&#039;&#039;R&#039;&#039;&#039;] Der Frevler lauert auf den Gerechten&lt;br /&gt;
_Und versucht, ihn zu töten. {{par|Psalm|10|8|10}} {{par|Jeremia|20|10}}&lt;br /&gt;
{{S|33}} JHWH wird ihn nicht seiner (Hand=) Gewalt überlassen&lt;br /&gt;
_Und nicht verurteilen&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;verurteilen&#039;&#039; - Wortspiel mit 32a: „verurteilen“ ist w. „zum Frevler machen=erklären“. Böhler 2021 sinngemäß richtig: „er wird nicht zulassen, dass man ihn für Frevels schuldig erklärt“, was als Übersetzung der Zeile aber ja ganz den Witz nimmt.&amp;lt;/ref&amp;gt; lassen, wenn er gerichtet wird.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;wenn er gerichtet wird&#039;&#039; - nämlich vor dem Gericht, vor das der Frevler ihn offenbar stellen will (so z.B. Hitzig 1863; Herkenne 1936; Kissane 1953). Das scheint zu bedeuten, dass „Gerechte“ nie zu Unrecht verurteilt werden und ist dann ähnlich schwer zu akzeptieren wie V. 25. Ross 2011 versucht, den Vers zu retten mit der Deutung, gemeint sei: „Auch, wenn er zu Unrecht verurteilt wird, sieht ihn immerhin &#039;&#039;JHWH&#039;&#039; nie als verurteilenswert an.“ (vgl. VUL, Hier: „Er wird ihn nicht &#039;&#039;verdammen&#039;&#039;, auch, wenn über ihn geurteilt wird“. Vgl. auch [[Römer 8#s33 |Röm 8,33f.]]). Aber, böse gefragt: Was soll das bringen? Was durch den ganzen Psalm hindurch versprochen wird, ist ja innerweltliches Heil; auch hier muss man dann erwarten, dass von einem solch „weltlichen“ Segen die Rede ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|124|6|7}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|34}} [&#039;&#039;&#039;S&#039;&#039;&#039;] Hoffe auf JHWH und achte auf seinen Weg, {{par|Ijob|17|9}} {{par|Ijob|23|11}} {{par|Sprichwörter|20|22}}&lt;br /&gt;
_Dann wird er dich [dazu] erhöhen, zu besitzen (in Besitz zu nehmen) das Land (die Erde). {{par|Psalm|92|10}} {{par|Psalm|112|9}} {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}} {{par|Matthäus|5|5}} {{par|Lukas|14|11}} {{par|1 Petrus|5|6}}&lt;br /&gt;
Wenn abgeschnitten&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;abgeschnitten&#039;&#039; - Wieder das selbe Wortspiel wie in V. 9: „Binde dich an = Hoffe auf JHWH“ vs. „die Frevler werden abgeschnitten = getötet werden“.&amp;lt;/ref&amp;gt; werden die Frevler, wirst du&#039;s sehen (auf das Abgeschnitten-Werden der Frevler wirst zu blicken können). {{par|Psalm|52|8}} {{par|Psalm|91|8}} {{par|Psalm|92|12}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|35}} [&#039;&#039;&#039;T&#039;&#039;&#039;]&amp;lt;ref&amp;gt;Klangspiel: Im Heb. beginnt der V. wie erwartet mit &#039;&#039;r&#039;&#039;. Dieser Konsonant durchzieht aber den ganzen Vers, gemeinsam mit dem Konsonanten `Ajin: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;a`iti &#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;aša&#039;&#039;&#039;´&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;´&#039;&#039;&#039;a&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;iṣ / umit&#039;&#039;&#039;´&#039;&#039;&#039;a&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;eh ke`e&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;ez ha&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;a&#039;&#039;&#039;´&#039;&#039;&#039;anan&#039;&#039;. Ist der Ps sehr jung, könnte auch Alef in &#039;&#039;ra`iti&#039;&#039; und &#039;&#039;ke`erez&#039;&#039; ähnlich wie ´Ajin geklungen haben. Resch und ´Ajin sind die Konsonanten für &#039;&#039;ra´&#039;&#039; („Übles, Böses“): Wie die ausladenden Äste einer Zeder hat sich hier der Böse über den ganzen Vers ausgebreitet und alles mit seinen Wurzeln durchdrungen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ich sah [einmal] einen gewaltigen Frevler,&lt;br /&gt;
_[Der] aufschoss wie eine Zeder im Saft (der sich entblößte wie ein Angestammter im Saft?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;der aufschoss (der sich entblößte)&#039;&#039; - Heb. &#039;&#039;mit´areh&#039;&#039;, auf den ersten Blick: „der sich entblößte“. Rhotatizismus für &#039;&#039;mit´aleh&#039;&#039; („der aufschoss“), das auch in [[Jesaja 55#s13 |Jes 55,13]]; [[Ezechiel 47#s12 |Ez 47,12]] von Bäumen gesagt wird (vgl. Fitzgerald 1978, S. 486; Craigie 1983).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Zeder im Saft (Angestammter im Saft)&#039;&#039; -  Für das &#039;&#039;`ezraḥ ra´anan&#039;&#039; („Angestammter im Saft“) in MT, Hier lies nach LXX, VUL &#039;&#039;ke`erez hara´anan&#039;&#039; („Zeder im Saft“, vgl. {{hebr}}אזרח רענן{{hebr ende}} mit {{hebr}}ארז הרענן{{hebr ende}}). So z.B. auch Wellhausen 1895; Terrien 2003; Perdue 1977, S. 334; Stolz 1983, S. 62; Gies 2018, S. 2018. Noch weit mehr wollen ganz LXX und VUL folgen und „Zedern des Libanon“ lesen (z.B. Seybold 1996; Broyles 1999; Witte 2013, S. 418), aber das wäre graphisch weit von MT entfernt und „Zedern &#039;&#039;des Libanon&#039;&#039;“ ist eine leicht erklärliche stilistische Variante von „Zedern im Saft“, da Libanon-Zedern berühmt und der Libanon bekannt für seine Fruchtbarkeit waren (s. bes. klar [[Ezechiel 31#s3 |Ez 31,3]], auch [[1 Könige 4#s33 |1 Kön 4,33]]; [[Psalm 29#s5 |Ps 29,5]]; [[Psalm 92#s13 |92,13]]; [[Psalm 104#s16 |104,16]]; [[Jesaja 2#s13 |Jes 2,13]]; [[Jesaja 37#s24 |37,24]]).&amp;lt;br /&amp;gt;Tg und Syr sind nicht eindeutig zuzuordnen: Beide übersetzen mit „Bäume“ (Tg: „fest gepflanzter Baum mit dichter Krone“, Syr: „Bäume im Wald“). Viele Neuere nehmen an, dass „Angestammter“ auch ein Ausdruck für heimische Bäume sein könne (z.B. Cheung 2015, S. 64: „per Wortspiel“; besser Maurer 1838, der auf einen verwandten arabischen Sprachgebrauch verweist). Ist das wahr, könnten Tg und Syr auch MT bezeugen. Aber wahrscheinlich ist es nicht; für einen solchen Sprachgebrauch im Hebräischen fehlt jede Parallele.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|1|3}} {{par|Jesaja|44|4}} {{par|Jeremia|17|8}} {{par|Ezechiel|19|10}}&lt;br /&gt;
{{S|36}} Ich ging [wieder] vorüber (und man ging vorüber, und er ging hinüber),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT&#039;s &#039;&#039;wj`br&#039;&#039; („und man/er ging vorüber“) wird nur von Sym und Tg gestützt; dagegen 4QpPs, LXX, VUL, Hier (!) und Syr haben alle &#039;&#039;`´br&#039;&#039; („ich ging vorüber“). 4QpPs hat wahrscheinlich sogar V. 10 an diese Stelle angeglichen. Eine Änderung von &#039;&#039;wj`br&#039;&#039; nach &#039;&#039;`´br&#039;&#039; ließe sich zwar leicht als Angleichung an das Vb. in 36b erklären; ebenso gut aber eine umgekehrte Änderung als Angleichung an 35b. Die neuesten Kommentatoren und Üss. folgen überwiegend MT (z.B. Terrien 2003; Goldingay 2006; Ross 2011; Böhler 2021; Tiquillahuanca 2008, S. 18; Witte 2013, S. 418; Cheung 2015, S. 57; Ruiz 2015, S. 19), aber das Zeugnis für 1. Prs. ist hier zu stark.&amp;lt;br /&amp;gt;4QpPs und VUL haben außerdem beide noch eine ähnliche, unerklärliche Ergänzung: 4QpPs: „ich zog &#039;&#039;vor ihm&#039;&#039; vorüber“, VUL: „&#039;&#039;sein Ort&#039;&#039; ließ sich nicht finden“. Könnte VUL &#039;&#039;lepanajw&#039;&#039; mit „sein Ort“ übersetzt haben? Dann bezeugten beide das selbe Plus. Noch einmal nachweisen lässt sich dies aber nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; und, siehe!, er war nicht mehr [da],&lt;br /&gt;
_Und ich suchte ihn, aber er ließ sich nicht finden.{{par|Jesaja|10|18|19}} {{par|Jesaja|10|33|34}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|37}} [&#039;&#039;&#039;U&#039;&#039;&#039;] Achte [also] auf den Aufrechten (Aufrichtigkeit) und sieh auf den Integren (strebe nach/weide Integrität),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Aufrechter (Aufrichtigkeit)&#039;&#039; + &#039;&#039;Integrer (Integrität)&#039;&#039; - Variante 1 jeweils nach MT, Tg, Syr, Variante 2 jeweils nach LXX, VUL, Hier; jeweils werden nur die selben Konsonanten unterschiedlich vokalisiert. Wählt man Variante 2, nimmt man „auf etwas schauen“ besser i.S.v. „streben nach“, oder man nimmt mit Syr &#039;&#039;r`h&#039;&#039; („sehen“) als NF von &#039;&#039;r´h&#039;&#039; („weiden“; ähnlich z.B. Broyles 1999: „shepherd faithfulness“), vgl. V. 3b. Die NF würde natürlich verwendet für das Wortspiel, dass dann „weiden“ gleichzeitig als „sehen“ parallel ginge mit dem vorangehenden „im Blick behalten“.&amp;lt;br /&amp;gt;Var 2 z.B. LUT: „Bleibe fromm und halte dich recht“ (auch H-R, PAT, TUR, van Ess, ZÜR 31 [nicht mehr ZÜR 07]); Var 1 z.B. EÜ: „Achte auf den Lauteren und sieh auf den Redlichen“ (so die meisten Üss.). Schön BB: „Halte dich an den, der vorbildlich lebt! Schau auf den, der sich aufrichtig verhält!“ So schon Raschi: „Nimm den Unschuldigen genau in Blick, um von seinen Taten zu lernen“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Denn ein Mann des Friedens hat Zukunft (Nachkunft)&lt;br /&gt;
{{S|38}} Aber Sünder werden sämtlich ausradiert,&lt;br /&gt;
_Die Zukunft (Nachkunft) von Frevlern wird abgeschnitten. {{par|Ijob|18|19}} {{par|Sprichwörter|2|22}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|39}} [&#039;&#039;&#039;V&#039;&#039;&#039;] {Aber}&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT, LXX, VUL und Tg haben oder setzen alle ein &#039;&#039;w-&#039;&#039; („aber“) zu Versbeginn voraus. Dann begänne auch dieser Vers nicht mit dem zu erwartenden Buchstaben. Hier, Syr und wenige Mss aber haben dieses &#039;&#039;w-&#039;&#039; nicht; für ursprünglich halten diese Variante z.B. auch Wellhausen 1895, BHS, Witte 2013, S. 418.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Rettung der Gerechten [wird kommen] von JHWH,&lt;br /&gt;
_Ihrer Zuflucht zur Zeit der Bedrängnis,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Bedrängnis&#039;&#039; - Wortspiel: &#039;&#039;ṣarah&#039;&#039; („Bedrängnis“) klingt sehr ähnlich wie &#039;&#039;zera´&#039;&#039; („Nachkommenschaft“). Für den Frommen schimmert selbst in der Bedrängnis die heilvolle Zukunft durch.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Jeremia|14|8}} {{par|Jeremia|16|19}}&lt;br /&gt;
{{S|40}} Und es wird helfen (hilft) ihnen JHWH und sie befreien (befreit sie),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT hat 2x Wayyiqtol, was nur für Vergangenheit oder Gegenwart verwendet werden kann und schlecht mit Yiqtol im folgenden Vers zusammenstimmt, was aber auch von Syr gestützt wird. Besser vokalisiert man mit LXX, VUL, Hier und den meisten Tg-Mss beide Male als WeYiqtol; so richtig Zuber 1986.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
_Er wird sie befreien von Frevlern und retten,&lt;br /&gt;
Weil sie sich zu ihm geflüchtet haben.&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
Ps 37 gehört (gemeinsam mit md. [[Psalm 1 |Ps 1]]; [[Psalm 49 |49]]; [[Psalm 73 |73]]; [[Psalm 112 |112]]; [[Psalm 127 |127]]; [[Psalm 128 |128]]; [[Psalm 133 |133]]) zu den sogenannten „Weisheitspsalmen“. Die Funktion dieser Weisheitspsalmen ist ein Rätsel: Offensichtlich ist Ps 37 nicht verfasst worden, damit man ihn bete, sondern ein konkreter Gegenüber wird angesprochen, um ihn mit einer Reihe von Weisheitslehren zu ermahnen, wie sie auch im Buch der Sprichwörter stehen könnten (und zum Teil auch stehen, vgl. oben die Spr-Parallelstellen, die teilweise fast wörtlich einzelnen Zeilen des Psalms entsprechen). Warum eine solche Weisheitslehre aber im Buch der Psalmen und nicht im Buch der Sprichwörter steht, ist schwer erklärlich. Vielleicht ist er nur ins Psalmenbuch aufgenommen worden, weil man schon früh angenommen hat, sein Verfasser sei David gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ps 37 kreist besonders um ein Sprichwort, das refrainartig in mehreren Variationen wiederholt wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Personengruppe A wird das Land besitzen,&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Personengruppe B aber wird abgeschnitten werden!&#039;&#039; (Vv. 9.11.22.28.29.34.38)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Personengruppe A wird dabei immer wieder bezeichnet als „die Gerechten“ und außerdem wechselnd als „die auf JHWH Hoffenden“ (V. 9), „die Elenden“ (V. 11), „die Unterdrückten und Bedürftigen“ (V. 14a), „die, die rechten Wandels sind“ (V. 14b), „die Makellosen“ (V. 18), „die von Gott Gesegneten“ (V. 22), „Gottes Fromme“ (V. 28), „Männer des Friedens“ (V. 37) und wahrscheinlich als „die Aufrechten“ und „die Integren“ (V. 37), Personengruppe B immer wieder als „die Frevler“ und außerdem wechselnd als „die Bösewichter“ (Vv. 1.9), „die Übeltäter“ (V. 1), „die Intriganten“ (V. 7), „die Feinde Gottes“ (V. 20), „die von Gott Verfluchten“ (V. 22), und „die Sünder“ (V. 38).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;Grundannahme&#039;&#039;&#039; ist danach schon klar: Wer nicht gottgefällig lebt, den wird dereinst Gott töten und seine Nachkommenschaft ausrotten, wer es dagegen tut, wird dereinst „das Land besitzen“ – weil ja niemand sonst mehr übrig ist.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der größte Teil des Psalms erklärt sich schon hieraus: In &#039;&#039;&#039;Vv. 1-6&#039;&#039;&#039; wird der Angesprochene ermahnt, gottgefällig zu leben, weil Gottgefälligkeit von Gott belohnt werden wird. In &#039;&#039;&#039;Vv. 7-8&#039;&#039;&#039; wird die Mahnung noch einmal wiederholt, die Begründung aber wird in &#039;&#039;&#039;Vv. 9-11&#039;&#039;&#039; dazu entfaltet, dass Gottgefälligkeit belohnt, Übeltäterei aber bestraft wird, so dass am Ende „der Übeltäter nicht mehr da ist, die Elenden dagegen das Land besitzen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;&#039;Vv. 12-15&#039;&#039;&#039; wird entweder ein Beispiel für die Übeltäterei der Frevler herausgegriffen oder aber es wird nun endlich dasjenige genannt, was die Übeltäter eigentlich zu Übeltätern macht. Ersteres ist wahrscheinlicher, s. zu V. 21. Man hat aus diesen Versen ableiten wollen, die konkret gemeinte Übeltat sei Ausbeutung: offenbar würde Personengruppe A von Personengruppe B ausgebeutet – v.a., indem sie ihnen das Land rauben – und der Psalm sei also auch sozialkritisch. Aber das einzige, was das eventuell nahelegen könnte, ist die Bezeichnung „Bedürftige“ in 14c, denn was tatsächlich konkret von Personengruppe B berichtet wird, ist gerade nicht Ausbeutung, sondern ist ein Mordversuch. Und das passt zur Bezeichnung „Bedürftige“: Als solche werden im AT nämlich &#039;&#039;nicht&#039;&#039; nur sozial Schwache bezeichnet, sondern häufig „[gelten] als Symptome des ‚Armseins vor Gott‘ [...]: böse Widerfahrnisse ([[Psalm 40#s13 |Ps 40,13]]), Verachtung ([[Psalm 69#s9 |Ps 69,9]]), Verfolgung ([[Psalm 35#s1 |Ps 35,1ff.]]; [[Psalm 109#s2 |109,2ff.]]), Krankheit ([[Psalm 109#s22 |Ps 109,22ff.]]), Todesverfallenheit ([[Psalm 88#s4 |88,4ff.]]) u.a.“ (THAT I 24). Von anderen Personen bedroht zu werden, liegt genau auf dieser Linie, und dagegen, dass Personengruppe A ausgesprochen arm ist, sprechen ja explizit Vv. 21.26. Personengruppe B ist zwar offensichtlich wirklich reicher als Personengruppe A (V. 16), aber was sich aus Vv. 12-15 herauslesen lässt, ist erst mal nur: Anscheinend wird Personengruppe A von Personengruppe B bedroht, was denn auch deren Zürnen gegen diese (Vv. 1.7) und das Hoffen und Vertrauen auf JHWH (Vv. 3.5) erklärt. Und dieser, so heißt es direkt im Anschluss wird auch wirklich handeln: Nach &#039;&#039;&#039;Vv. 16-20&#039;&#039;&#039; hat Personengruppe B gar nichts von ihrem Überfluss, denn, wieder: Frevler wird Gott wie Rauch vergehen lassen, Gottgefällige und sogar auch ihre Nachkommen dagegen auf ewig bewahren.&amp;lt;br /&amp;gt;In &#039;&#039;&#039;Vv. 21-26&#039;&#039;&#039; wird ein weiteres Symptom des Frevler-Seins vs. Gerecht-Seins genannt: Zum Frevler-Sein gehört auch, geliehenes Geld nicht zurückzuzahlen, zum Gerecht-sein auch, sogar mildtätig zu sein, also offenbar: Geld zu verschenken. Das ist sicher nicht das Entscheidende, das einen Frevler zum Frevler und einen Gerechten zum Gerechten macht; offenbar sollen also mit Vv. 12-14 und Vv. 21.26 je ein &#039;&#039;Beispiel&#039;&#039; für Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit genannt werden: Mildtätig zu sein einerseits und gewaltbereit zu sein andererseits. Man wähle das eine und meide das andere, denn, wieder: Die einen werden dereinst „das Land besitzen“, die anderen „abgeschnitten werden“. So war es immer und so wird es immer sein, kann der Dichter aus Erfahrung berichten (V. 25). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Spätestens dieser Vers ist schwere Kost in unserer Theodizee-geschulten Zeit: Es lässt sich ja leicht überprüfen, dass dem &#039;&#039;nicht&#039;&#039; so ist – dass Gerechte immer von Gott gesegnet und Ungerechte immer von Gott bestraft würden. Es lohnt sich, hier eine längere Passage von Goldingay 2006, S. 534 zu zitieren:&amp;lt;br /&amp;gt;„Kommentatoren betonen häufig, dass man Ps 37 mit den weniger optimistischen Texten im Buch Ijob oder den Aussprüchen Jesu zusammenlesen müsse. Das ist ein Code für: Ps 37 ist nicht wahr. Ps 37 soll damit ins Abseits gestellt werden. Und man irrt damit darüber hinaus in mehrerlei Hinsicht: Die Perspektive des Psalms wird durch die Geschichte von Ijob zu Beginn und am Ende ja &#039;&#039;bestätigt&#039;&#039;, nicht negiert, und Jesus stützt sie ebenfalls, wenn er die Menschen ermutigt: „Strebt zuvorderst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, und all dies – Essen, Trinken, Kleidung, ... – wird euch dann ebenfalls geschenkt werden“ ([[Matthäus 6#s33 |Mt 6,33]]). Jesus übernimmt sogar einen der Segenssprüche in V. 11 (s. [[Matthäus 5#s5|Mt 5,5]]...). Psalm 37 anerkennt explizit, dass es nicht immer so geschieht – es ist ja sogar so, dass der Psalm gar nicht geschrieben werden müssen hätte, wenn dem nicht so wäre. Aber er besteht darauf, dass negative Erfahrungen den Glaubenden nicht um die Überzeugung bringen dürfen, dass Gott sich dennoch wirklich dafür engagiert, dass die moralische Ordnung der Welt ‚funktioniert‘.“&amp;lt;br /&amp;gt;Psalm 37 ist dann keine theoretische Theodizee, er ist &#039;&#039;angewandte&#039;&#039; Theodizee. &#039;&#039;Warum&#039;&#039; die moralische Weltordnung nicht immer funktioniert, sagt der Psalm nicht (und sagt auch kein anderer Vers in der Bibel); aber er ermutigt angesichts dieser Problematik: Nichtsdestotrotz &#039;&#039;gibt&#039;&#039; es diese moralische Weltordnung, und es &#039;&#039;gibt&#039;&#039; das Grundprinzip, dass Gerechte gesegnet und Ungerechte bestraft werden. Sei standhaft und vertraue darauf! (Und man darf mit Kant ergänzen: Was sonst bleibt einem übrig? Ohne die Annahme, gutes Handeln werde einem auch vergolten, fehlt der Moral die entscheidende Triebfeder.)&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vv. 27-29&#039;&#039;&#039; wiederholen noch einmal die Grundannahme des Psalms und erweitert sie um die Dimension der Zeit: Gerechte werden gesegnet, – und zwar für immer (27b), für immer (28c) und für ewig (29b).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Vv. 30-34&#039;&#039;&#039; konkretisieren diese Gerechtigkeit noch ein wenig mehr: Gerecht sein heißt, sich von der Weisheit leiten zu lassen: Weisheit im Mund, Recht auf der Zunge und Weisung Gottes im Herzen zu haben. – Gerechtigkeit ist nicht nur eine Frage des Handelns, sondern auch des Redens und Denkens: Auch dies soll gottgefällig sein; Gott wird es lohnen. Und noch ein letztes Mal wird das selbe in &#039;&#039;&#039;Vv. 35-40&#039;&#039;&#039; wiederholt: Man achte darauf, wen man sich zum Vorbild nimmt. So gewaltig ein Frevler auch scheinen mag: Allzu schnell kann er dahin sein, wie der kleine Erfahrungsbericht des Dichters in Vv. 35f. lehrt. Man halte sich daher besser Aufrechte, Gerechte und Männer des Friedens, denn solche wird Gott zur Zeit der Bedrängnis „retten, ihnen helfen und sie befreien, wenn sie sich zu ihm flüchten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Psalm_37&amp;diff=40212</id>
		<title>Psalm 37</title>
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		<updated>2025-10-30T19:46:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Syntax&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Zuverlässige Studienfassung}}&lt;br /&gt;
{{Lesefassung kann erstellt werden}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Lesefassung}} &#039;&#039;(kommt später)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
{{S|1}} &#039;&#039;Von David (Für David, Aus der Davids-Sammlung)&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Von David (Für David, Aus der Davids-Sammlung)&#039;&#039; steht in vielen Psalm-Überschriften: in 73 Überschriften der hebräischen Bibel und sogar in 87 Überschriften des LXX-Psalters. Am besten deutet man sie als Angabe des Verfassers David, nimmt diese Angabe aber nicht historisch, sondern z.B. mit Childs 1971 als alte, aber spätere Interpretationen des folgenden Psalms, die für eine adäquate Auslegung desselben ignoriert werden muss. S. genauer zu [[Psalm 3#s1 |Ps 3]].&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Wie häufig in den Ps-Überschriften sind auch hier die Zeugnisse in den Überschriften in den alten Vrs. nicht einheitlich: Einige gr. Zeugen ergänzen „Psalm (Davids)“, einige neben &#039;&#039;leDavid&#039;&#039; auch &#039;&#039;la-mnaṣeaḥ&#039;&#039; („für den Chorleiter / Ritualvorsteher / ...(?)“), einige beides. Ursprünglich sind diese Varianzen sicher nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;[&#039;&#039;&#039;A&#039;&#039;&#039;]&amp;lt;ref&amp;gt;Ps 37 ist ein sog. „akrostischer“ Psalm: I.d.R. jede vierte Zeile beginnt in alphabetischer Reihenfolge mit einem neuen Buchstaben. [https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb10311823?page=244 Ewald] hat das kongenial im Deutschen nachgeahmt. Einige Unregelmäßigkeiten gibt es bei der Zahl der Zeilen einer solchen alphabetischen Strophe, die einzige größere Unregelmäßigkeit findet sich in V. 28, wo der erwartete Buchstabe nicht steht (s. dort), und evt. in V. 23 und V. 39, wo jeweils manche Versionen einen Text bezeugen, der „nicht ganz“ mit dem korrekten Buchstaben beginnt (s. dort).&amp;lt;/ref&amp;gt; (Brenne=) Zürne Bösewichtern nicht (Wetteifere nicht mit&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Wetteifern&#039;&#039; - So Hieronymus mit dem selben Wort, mit dem er in VUL das &#039;&#039;zweite&#039;&#039; Vb. übersetzt, und Saadja. Vgl. außerdem Tg, Ms M: „begehre nicht nach den Übeltätern“, Syr: „sei nicht neidisch auf Übeltäter“. Vgl. schließlich noch b.Ber 7b: Man solle nicht lesen &#039;&#039;titḥar&#039;&#039; („zürne“), sondern &#039;&#039;teqanne`&#039;&#039; („wetteifere“). Das könnte einen alternativen Wortlaut nahelegen, aber vergleicht man dann noch die Kommentare von Saadja und ibn Ezra, sieht man, dass es &#039;&#039;dieses&#039;&#039; Wort war, dem sie diese Bed. gegeben haben – vielleicht aber ausgehend von der Variante in Tg, Ms M (&#039;&#039;trgg&#039;&#039; statt &#039;&#039;tgrg&#039;&#039;).&amp;lt;/ref&amp;gt;),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Keine Banalität; in der jüd. Auslegungsgeschichte hat man sogar explizit gegen diesen Vers Einspruch erhoben: b.Meg 6b + b.DER 2,29: „Es ist erlaubt, gegen Übeltäter zu eifern. Sollte dir jemand zuflüstern: ‚Zürne Bösewichtern nicht und beneide Übeltäter nicht‘ – nur, wer sich selbst schuldig fühlt, würde so etwas sagen.“ Jedoch: Gerade das soll der Angesprochene nicht tun, und dies ist gottgefällig.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Sprichwörter|24|19}}&lt;br /&gt;
_([und])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[und]&#039;&#039; - So viele MSS; u.a. einige wichtige und alte Handschriften (z.B. G5, G7, G11, G20, KA1; zu den Handschriften-Siglen s. die Seite [https://offene-bibel.de/wiki/Benutzer:Sebastian_Walter/Wichtige_MSS Wichtige Handschriften]). Die alten Vrs. stützen aber L. &amp;lt;/ref&amp;gt; Beneide Übeltäter nicht, {{par|Psalm|73|3}} {{par|Sprichwörter|3|31}} {{par|Sprichwörter|23|17}} {{par|Sprichwörter|24|1}} {{par|Sprichwörter|24|19}}&lt;br /&gt;
{{S|2}} denn wie {das} Gras werden sie schnell verdorren &lt;br /&gt;
_Und wie grünes Kraut werden sie eingehen! {{par|Ijob|8|12}} {{par|Psalm|90|5|6}} {{par|Psalm|103|15|16}} {{par|Psalm|129|6}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|3}} [&#039;&#039;&#039;B&#039;&#039;&#039;] Vertraue auf JHWH und tue Gutes, {{par|Psalm|4|6}} {{par|Psalm|26|1}}&lt;br /&gt;
_Bewohne das Land (die Erde) und weide (so wirst du weiden können) Treue (in Sicherheit, weide treu/sicher, weide dich an seinen Schätzen, strebe nach Treue);&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Treue weiden&#039;&#039; - Etwas unklare Metapher. Klar ist immerhin, dass V. 3 mit V. 2 spielt: Wie die Übeltäter „wie Gras“ verschwinden werden, wird der Angesprochene dagegen „weiden“ können. Wahrscheinlich ist dies außerdem ein Wortspiel: &#039;&#039;re´eh&#039;&#039; („weide“) klingt im jüngeren Bibelhebräisch fast identisch mit &#039;&#039;re`eh&#039;&#039; („sieh“), also „und sieh Treue“ = „und du wirst [Gottes] Treue sehen=erfahren können!“ (vgl. V. 34: „Du wirst’s sehen“).&amp;lt;br /&amp;gt;Was näherhin die Bed. angeht, bieten sich vier Deutungen an:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Der Angesprochene erscheint wie in [[Psalm 23 |Ps 23]] als Schaf, daher: „Friss Treue“ = Gott wird dich in seiner Treue sättigen / mit seiner Treue regelrecht abfüllen. So schon VUL: „Weide dich an der Treue [Gottes]“; Cheung 2015, S. 54: „Graze on faithfulness“; ELB.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Ebenso, daher aber: „Friss in Sicherheit“, weil du dabei nicht mehr von den eingegangenen Übeltätern gestört und bedroht werden wirst. So z.B. Tiquillahuanca 2008, S. 11: „Bewohne das Land und beweide (es) in Sicherheit!“; Ruiz 2015, S. 17: „Weide in Sicherheit!“; z.B. auch HER05, TUR.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Der Angesprochene erscheint als Hirte, die „Treue“ als die Herde, die er „weiden“ = „pflegen“ soll: „Kultiviere deine Treue zu Gott“ = „Werde immer treuer“. So Tg: „Befleißige dich der Treue“; Syr: „Strebe nach Treue“; z.B. auch Witte 2013, S. 415: „Hege Treue!“. So die meisten Üss., z.B. BB, EÜ, HfA, LUT, MÜN, NeÜ, NGÜ, SLT, ZÜR.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Duhm 1899 vergleicht gut das häufige Nomen &#039;&#039;re´ut&#039;&#039; in Kohelet, das „Streben, Haschen“ zu bedeuten scheint. &#039;&#039;ra´ah&#039;&#039; müsste dann entsprechend ebenfalls „streben“ bedeuten können (Duhm: „erstrebe treue“ → „übe Treue“).&amp;lt;br /&amp;gt;Liest man V. 3 mit V. 4 zusammen, ist (1) am wahrscheinlichsten; „friss Gottes Treue“ ≙ „Gott wird dir die Bitten deines Herzens gewähren“. 3b nimmt man dann am besten als Folge-Imperative, also nicht „Bewohne...!“, sondern „dann wirst du bewohnen können“ (richtig von Lengerke 1847, Graetz 1882, Kissane 1953).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Fast alle Vrs. wie in der Primär-Üs., nur LXX + VUL: „Weide dich an seinen Reichtümern“, was statt &#039;&#039;`emunah&#039;&#039; („Treue, Sicherheit“) &#039;&#039;ḥamoneh&#039;&#039; („seine Menge/Schätze“) voraussetzt. So z.B. H-R: „Dann bleibst du im Land und genießt seine Güter“. Fast sicher soll dies aber nur das etwas schwierige Bild vereinfachen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|4}} Sei über JHWH entzückt (hab deine Wonne an JHWH),&amp;lt;ref&amp;gt;Anstatt gegen Übeltäter zu zürnen. Gut Goldingay 2006, S. 520: „The remedy for negative feelings that come from looking at others is to look at Yhwh and let appropriate feelings arise.“ Vgl. aber auch [[Ijob 34#s9 |Ijob 34,9]], wo sich erkennen lässt, dass das „Entzückt-sein“ über JHWH in der Tat eine Tugend war, die man jemandem auftragen konnte; u.a. sicher, weil man seinem Entzücken Ausdruck verleihen konnte durch Jubel vor dem Altar Gottes u.ä. (s. [[Psalm 43#s4 |Ps 43,4]]).&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|22|26}} {{par|Ijob|27|10}} {{par|Ijob|34|9}} {{par|Psalm|43|4}} {{par|Jesaja|58|14}}&lt;br /&gt;
_Dann wird er dir gewähren die Bitten deines Herzens. {{par|Psalm|21|3}} {{par|Psalm|145|19}} {{par|1 Könige|3|5}} {{par|2 Chronik|1|17}} {{par|Matthäus|7|7}} {{par|Johannes|15|7}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|5}} [&#039;&#039;&#039;C&#039;&#039;&#039;] Wälze auf JHWH deinen Weg (deine Wege)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Wälze deinen Weg&#039;&#039; - Ausdruck dafür, das eigene Schicksal der Fürsorge Gottes anzuvertrauen, auf dass dieser sich darum kümmere; s. noch [[Psalm 22#s9 |Ps 22,9]]; [[Sprichwörter 16#s3 |Spr 16,3]]; [[1Petrus 5#s7 |1 Pet 5,7]]. Sinnvoll BB + NGÜ: „Lass den Herrn deinen Weg bestimmen“, TEX: „Stelle Jahwe dein Geschick anheim“.&amp;lt;br /&amp;gt;Vielleicht ein Wortspiel: Syr übersetzt „Mach deinen Weg gerade“, versteht „wälzen“ also offenbar als „glattwalzen“, was hier sicher nicht primär gemeint ist, aber sprachlich möglich ist. Wer seinen Weg „glattgewalzt“ hat, ist aber identisch mit dem mit „geradem Weg“ in V. 14.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: LXX, VUL, Tg lesen &#039;&#039;gl&#039;&#039; nicht wie MT, Hier und Syr als &#039;&#039;gol&#039;&#039; („Wälze“), sondern als &#039;&#039;gal&#039;&#039; („Offenbare“); Tg und einige Mss lesen außerdem die Konsonanten für „deinen Weg“ mit anderen Vokalen als Pl. „deine Wege“; also: „Tu Gott deine(n) Weg(e) kund!“ Was das bedeuten soll, wäre aber unklar; sicher hat es Gott ja nicht nötig, dass man ihm erst „seinen Weg offenbart“. Richtig hält dies auch keine dt. Üss. für ursprünglich.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Und vertrau auf ihn, dann wird er handeln: (dann wird er [dies] tun:) {{par|Psalm|22|32}} {{par|Matthäus|6|25|26}} {{par|1 Thessalonicher|5|24}}&lt;br /&gt;
{{S|6}} Er wird aufstrahlen lassen deine Gerechtigkeit wie {das} Licht&lt;br /&gt;
_Und dein Recht (deine Gerichtsentscheide)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;deine Gerichtsentscheide&#039;&#039; - so Syr und wenige Mss., die die Konsonanten von MT anders als L und die anderen Vrs. als Pl. vokalisieren. Angezielt war sicher der Sg.&amp;lt;/ref&amp;gt; wie {die} Mittag[shelle].&amp;lt;ref&amp;gt;Gut Hitzig 1863, S. 206: „Er wird deine Rechtschaffenheit glänzend sich herausstellen lassen durch entsprechendes äußeres Schicksal“. Vgl. ähnlich [[Jesaja 62#s1 |Jes 62,1]], wo nicht nur die Gerechtigkeit als die Ursache des „Strahlens“ genannt wird, sondern etwas verständlicher auch die Segenstat Gottes als die Folge dieser Gerechtigkeit: „bis Jerusalems Gerechtigkeit wie Lichtglanz leuchtet und seine Rettung wie eine lodernde Fackel.“ Vgl. auch [[Maleachi 4#s2 |Mal 4,2]]; [[Ijob 11#s14 |Ijob 11,14-17]]; [[Jesaja 60#s1 |Jes 60,1f.]]&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|11|17}} {{par|Jesaja|62|1}} {{par|Maleachi|4|2}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|7}} [&#039;&#039;&#039;D&#039;&#039;&#039;] Schweige vor JHWH und warte auf (tanze vor)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;warte auf (tanze vor)&#039;&#039; - Wortspiel durch mehrdeutiges Wort: Leitet man es ab von &#039;&#039;ḥil&#039;&#039; II (einer NF von &#039;&#039;jaḥal&#039;&#039;, vgl. Kittel 1914; Goldingay 2006; Cheung 2015, S. 54; Witte 2013, S. 416), bed. es „warten auf“, leitet man es ab von &#039;&#039;ḥil&#039;&#039; I, heißt es „tanzen vor“. Aufgerufen wird also zu einem sichtbaren Ausdruck der Vorfreude: „Tänzle vor JHWH!“&amp;lt;/ref&amp;gt; ihm, {{par|Psalm|4|5}} {{par|Psalm|39|2|3}} {{par|Psalm|62|2}}&lt;br /&gt;
_(Brenne=) Zürne nicht – wenn sein Weg gelingt –&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;wenn sein Weg gelingt&#039;&#039; - W. „wenn er seinen Weg zum Gelingen bringt“, im Gegensatz zu dir, der du deinen Weg JHWH anheim gestellt hast.&amp;lt;br /&amp;gt;Wortspiel: das Wort heißt auch „brennen“ (s. zu [[Amos 5#s6 |Am 5,6]]). Auch das Verb zu Beginn der Zeile heißt zunächst „brennen“, und die Konsonanten von &#039;&#039;`iš&#039;&#039; („Mann“) sind die selben wie von &#039;&#039;`eš&#039;&#039; („Feuer“). Wahrscheinlich soll damit nachgebildet werden – wie es in V. 8 dann auch explizit gesagt wird – dass man sich mit solchem „Entbrennen“ nur dem Übeltäter gemein macht: dem Hitzkopf, der sich durch das Leben brennt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Dem Mann, der Intrigen ausführt!&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|8}} [&#039;&#039;&#039;E&#039;&#039;&#039;] Lass ab vom (Brennen=) Zorn und gib auf den Grimm,&lt;br /&gt;
_(brenne=) zürne nicht, [es führt] nur zum Bösen (gar bis zum Bösen)!&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;nur zum Bösen&#039;&#039; - Schön verständlich Böhler 2021: „sonst tust du gar noch Böses!“&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|39|2}} {{par|Sprichwörter|14|29}} {{par|Sprichwörter|16|32}} {{par|Epheser|4|31}} {{par|Jakobus|1|19|20}}&lt;br /&gt;
{{S|9}} Denn Bösewichter werden abgeschnitten!&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;abgeschnitten&#039;&#039; - d.i. getötet; erstarrte Metapher, bei der das menschliche Leben als Textilie dargestellt wird (s. zu [[Ijob 4#s21 |Ijob 4,21]]).&amp;lt;br /&amp;gt;Wortspiel: Das Wort für „hoffen“ in 9b heißt auch „binden“ und ist damit der Gegensatz zum „abgeschnitten-Werden“: Wer auf JHWH hofft = bindet, wird nicht abgeschnitten = getötet.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Heb. &#039;&#039;jikkaretun&#039;&#039; statt &#039;&#039;jikkaretu&#039;&#039; (wie in Ps 37,22), das &#039;&#039;-n&#039;&#039; (ein sog. „paragogisches Nun“) macht das Wort wahrscheinlich noch emphatischer (GKC §47m; JM §44e). Daher oben das Ausrufezeichen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Wer aber auf JHWH hofft, der&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Der&#039;&#039; - Heb. &#039;&#039;hemmah&#039;&#039;, Wortspiel mit &#039;&#039;ḥemmah&#039;&#039; („Grimm“) in V. 8: Nicht der &#039;&#039;Grimmende&#039;&#039; wird das Land besitzen, sondern nur &#039;&#039;derjenige&#039;&#039;, der sich ganz auf JHWH verlässt.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;hemmah&#039;&#039; würde man i.d.R. als Signal für den Beginn eines dritten Kolons nehmen; weil seine Existenz sich hier aber literarisch erklären lässt, sollte man V. 9 besser als Bikolon denn als Trikolon deuten.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird das Land (die Erde) besitzen (in Besitz nehmen). {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|10}} [&#039;&#039;&#039;F&#039;&#039;&#039;] Nur noch ein Weilchen, und der Frevler wird nicht mehr sein, {{par|Jesaja|29|17}} {{par|Jeremia|51|33}}&lt;br /&gt;
_[&#039;&#039;&#039;F&#039;&#039;&#039;] Und du wirst (ich werde)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Alle Vrs. wie MT, nur 4QpPs: „&#039;&#039;ich&#039;&#039; werde untersuchen“. Craigie 1983 hält dies für ursprünglich, aber wahrscheinlicher ist dies Assimilation an V. 36, wo 4QpPs ebenfalls anders als MT nicht „er ging vorüber“, sondern „&#039;&#039;ich&#039;&#039; ging vorüber“ hat. Dass hier sogar an diese Stelle assimiliert wird, macht noch wahrscheinlicher, dass dort „ich“ ursprünglich ist; s. dort.&amp;lt;/ref&amp;gt; den Ort, wo er war,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;den Ort, wo er war&#039;&#039; - W. „seinen Ort“; in dieser Bed. z.B. auch verwendet in [[Psalm 103#s16 |Ps 103,16]].&amp;lt;/ref&amp;gt; untersuchen, aber er wird nicht [da] sein.&amp;lt;ref&amp;gt;Gut erklärt von Ruiz 2015, S. 29: „Nur noch ein Weilchen“ = „es dauert nicht mehr lang“; „und &#039;&#039;du&#039;&#039; wirst den Ort untersuchen“ = „auf jeden Fall wird es noch geschehen, während du lebst“.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|8|18}} {{par|Ijob|20|9}} {{par|Psalm|103|16}}&lt;br /&gt;
{{S|11}} [&#039;&#039;&#039;F&#039;&#039;&#039;] Aber die Elenden (Armen) werden das Land (die Erde) besitzen (in Besitz nehmen) {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}} {{par|Matthäus|5|5}}&lt;br /&gt;
_[&#039;&#039;&#039;F&#039;&#039;&#039;] Und entzückt sein über die (ihre Wonne haben an der) Fülle des Friedens (Wohlergehens, Heil-Seins). {{par|Psalm|72|7}} {{par|Jesaja|54|13}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|12}} [&#039;&#039;&#039;G&#039;&#039;&#039;] Der Frevler sinnt gegen den Gerechten {{par|Psalm|31|14}} {{par|Micha|2|1}}&lt;br /&gt;
_Und knirscht gegen ihn mit den Zähnen. {{par|Psalm|35|16}} {{par|Klagelieder|2|16}}&lt;br /&gt;
{{S|13}} Der Herr (JHWH)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Der Herr (JHwH)&#039;&#039; - Die einzige Stelle im Ps., wo explizit gesagt wird, dass &#039;&#039;Gott&#039;&#039; am Übeltäter handeln wird; sonst werden sicher bewusst Passiv-Formulierungen u.ä. verwendet (s. die Anmerkungen). Gleichzeitig die einzige Stelle, wo auffällig nicht der Gottesname „JHWH“ verwendet wird, sondern das distanziertere „der Herr“ – sicher nicht zufällig.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: 4QpPs und wenige (allerdings wichtige, z.B. G20, KA10, KA27b, KA30, KA36; zu den Handschriften-Siglen s. die Seite [https://offene-bibel.de/wiki/Benutzer:Sebastian_Walter/Wichtige_MSS Wichtige Handschriften]) Mss allerdings auch hier „JHWH“. Doch sicher ist dies nur Angleichung auf den sonstigen Sprachgebrauch des Psalms, der von Gott sonst durchgehend als von „JHWH“ spricht.&amp;lt;/ref&amp;gt; kann über ihn (darüber) [nur] lachen (muss über ihn/darüber lachen), {{par|Psalm|2|4}} {{par|Psalm|59|9}}&lt;br /&gt;
_Denn er sieht (sinnt darauf&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;sinnt darauf&#039;&#039; - zu dieser Bed. s. [[Psalm 66#s18 |Ps 66,18]] u.ö. So hier aber niemand.&amp;lt;/ref&amp;gt;), dass sein Tag&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;sein Tag&#039;&#039; - Entweder „der Tag JHWHs“, also der große Gerichtstag, der eine Zeitenwende einleiten wird, oder „der [schicksalhafte] Tag des Frevlers“ (so explizit Tg). Letztlich kommt hier beides auf das Selbe hinaus, wahrscheinlicher ist hier aber Letzteres, da V. 13 wohl im Gegensatz zu V. 18 stehen soll (richtig Hacham 1979, S. 209; Levine 2003, S. 76). NGÜ + NL: „Der Tag des Gerichts“, BB + GN + HfA + NeÜ: „Der Tag der Abrechnung“; will man den Gegensatz besser erkennbar machen, vielleicht eher: „denn er weiß, dass seine Tage gezählt sind.“&amp;lt;/ref&amp;gt; kommen wird (kommt).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;kommen wird&#039;&#039; - So MT und alle Vrs.; nur 4QpPs und 5 Mss (darunter KA17b) Qatal: &#039;&#039;kommt&#039;&#039;. Am Sinn würde es nichts ändern, darüber hinaus wird man ohnehin auch &#039;&#039;kj bw`&#039;&#039; in diesen Mss besser als &#039;&#039;kj jbw`&#039;&#039; mit „shared consonant“ erklären.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|18|20}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|14}} [&#039;&#039;&#039;H&#039;&#039;&#039;] Das Schwert ziehen die Frevler&lt;br /&gt;
_Und spannen ihren Bogen, {{par|Psalm|64|4}}&lt;br /&gt;
Um zu fällen den Unterdrückten (Demütigen) und Bedürftigen,&lt;br /&gt;
_([Und])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[und]&#039;&#039; - So nur 4QpPs.&amp;lt;/ref&amp;gt; Um zu schlachten, die (geraden=) rechten (Weges=) Wandels (Herzens)&amp;lt;ref&amp;gt;Wortspiel: „Bogen &#039;&#039;spannen&#039;&#039;“ = &#039;&#039;darku&#039;&#039;, „Weg“ = &#039;&#039;darek&#039;&#039;. „Rechten Wandels zu sein“ heißt natürlich, „auf Gottes Pfaden zu wandeln“, also gerecht zu leben.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT&#039;s „Weg“ wird gestützt durch Hier, Tg, Syr; dagegen LXX, VUL und einige (auch: wichtige) Mss bezeugen „Herz“. Für ursprünglich halten das z.B. Buttenwieser 1938 und Zorell 1928, und in der Tat ließe es sich gut erklären als Verschreibung unter Einfluss des &#039;&#039;darku&#039;&#039; in 14b. Eher ist die Variante mit „Herz“ aber Angleichung an den üblicheren Ausdruck in [[Psalm 7#s11 |Ps 7,11]]; [[Psalm 11#s2 |11,2]]; [[Psalm 32#s11 |32,11]]; [[Psalm 36#s11 |36,11]] u.ö., sicher unter Einfluss des im nächsten V. folgenden „Herz“. Das spricht übrigens dafür, dass der Psalm mindestens schon vor der Üs. durch LXX stichisch niedergeschrieben worden ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; sind. {{par|Klagelieder|2|21}}&lt;br /&gt;
{{S|15}} [&#039;&#039;&#039;H&#039;&#039;&#039;] Ihr Schwert wird dringen in ihr [eigenes] Herz {{par|Psalm|7|16}} {{par|Psalm|9|16}} {{par|Psalm|35|8}} {{par|Sprichwörter|28|10}}&lt;br /&gt;
_Und ihre Bögen werden zerbrochen werden. {{par|1 Samuel|2|4}} {{par|Psalm|46|10}} {{par|Psalm|76|5}} {{par|Jeremia|49|35}} {{par|Jeremia|51|56}} {{par|Hosea|1|5}} {{par|Hosea|2|18|20}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|16}} [&#039;&#039;&#039;I&#039;&#039;&#039;] Besser ist ein Bisschen für den Gerechten&lt;br /&gt;
_Als der der viele Überfluss (Tumult) der Frevler (als der Überfluss der vielen Frevler),&amp;lt;ref&amp;gt;Ein sog. &#039;&#039;țob&#039;&#039;-Spruch, eine übliche Form heb. Sprichwörter. Nowack 1888 und Herkenne 1936 verweisen schön auf das entspr. dt. Sprichwort „Unrecht Gut gedeiht nicht gut.“&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT&#039;s „als der Überfluss der vielen Frevler“ wird gestützt durch 4QpPs, Aq, Sym und Tg. Dagegen LXX, Syr, VUL und Hier setzen statt &#039;&#039;rbjm&#039;&#039; voraus: &#039;&#039;rb&#039;&#039;, „als der viele Überfluss der Frevler“. Für ursprünglich halten das zB. Wellhausen 1895; BHS; Craigie 1983. Was tatsächlich ursprünglich war, lässt sich kaum entscheiden, poetisch aber macht LXX &amp;amp; Co. mehr Sinn: „der Gerechte“ aus 16a wird hier durch den Plural „die Frevler“ gesteigert, „das Bisschen“ aus 16a durch das „viele“ in „der viele Überfluss“ in 16b. Und &#039;&#039;rabbim&#039;&#039; im MT lässt sich leicht als falsche Assimilation an das vorangehende &#039;&#039;reša´im&#039;&#039; erklären, eine Änderung von &#039;&#039;rabbim&#039;&#039; zu &#039;&#039;rab&#039;&#039; dagegen weniger gut. Besser folgt man daher hier BHS als CTAT V, S. 215, wo MT für wahrscheinlicher ursprünglich gehalten wird.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Sprichwörter|15|16}} {{par|Tobit|12|8}}&lt;br /&gt;
{{S|17}} Denn die Arme&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Arme&#039;&#039; - Hier wohl nicht genannt als dasjenige, womit Frevler sich ihren Reichtum erwirtschaften können (so Craigie 1983; Cheung 2015, S. 66), sondern nach den Parallelen [[Ijob 38#s15 |Ijob 38,15]]; [[Ezechiel 30#s21 |Ez 30,21]] als dasjenige, womit man kämpfen kann: Die Vernichtung setzt sich fort und mit den Bögen werden auch gleich die Arme der Frevler zerbrochen; ihr eigener Niedergang ist dann eben damit zu erklären, dass sie überhaupt erst die Hand gegen die Gerechten erhoben haben: Eine Umkehrstrafe&amp;lt;/ref&amp;gt; der Frevler werden zerbrochen werden {{par|Ijob|38|15}} {{par|Psalm|10|15}} {{par|Ezechiel|30|21}}&lt;br /&gt;
_Aber es stützt die Gerechten JHWH. {{par|Richter|1|24}} {{par|Psalm|41|13}} {{par|Psalm|63|9}} {{par|Psalm|119|117}} {{par|Psalm|145|14}} {{par|Jesaja|41|10}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|18}} [&#039;&#039;&#039;J&#039;&#039;&#039;] Es kennt JHWH die Tage (die Wege)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Alle Vrs. wie MT, nur LXX: „die Wege“. Buttenwieser 1938 hält das für ursprünglich, aber sicher richtig Ross 2011: Assimilation an [[Psalm 1#s6 |Ps 1,6]].&amp;lt;/ref&amp;gt; der Makellosen {{par|Psalm|1|6}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
_Drum hat ihr Erbteil&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Erbteil&#039;&#039; - Also das Stück Land vom „Land“ Israel, das ihrer Familie einst von JHWH zugesprochen wurde. Hier wichtiges Wort; es zeigt, dass es im Psalm nicht &#039;&#039;nur&#039;&#039; um die Frage geht, wem „das Land Israel“ oder gar „die Erde“ gehört oder gehören wird, sondern dass diese große Frage sich im Kleinen realisiert: Darin, ob „den Armen und Elenden“ ihr Land von den ungerechten Reichen geraubt werden wird oder nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; für immer [Bestand].  {{par|Sprichwörter|28|10}}&lt;br /&gt;
{{S|19}} Sie werden nicht zuschanden (beschämt) werden zur Zeit des Übels&lt;br /&gt;
_Und in den Tagen des Hungers werden sie satt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Klangspiel: &#039;&#039;jißba´u&#039;&#039; („satt werden“) ist fast ein Anagramm von &#039;&#039;jibošu&#039;&#039; („zuschanden werden“); in &#039;&#039;ra´abon&#039;&#039; („Hunger“) klingt &#039;&#039;ra´ah&#039;&#039; („Übel“) an. In 4QpPs ist das sogar noch deutlicher; &#039;&#039;ra´abon&#039;&#039; ist dort &#039;&#039;ra´ab&#039;&#039; wie in [[Psalm 33#s19 |Ps 33,19]].&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|5|20}} {{par|Psalm|33|19}} {{par|Sprichwörter|10|3}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|20}} [&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] Denn die Frevler werden umkommen {{par|Richter|5|31}} {{par|Psalm|92|10}}&lt;br /&gt;
_Und die Feinde (Geliebten)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Geliebte&#039;&#039; - So 4QpPs: &#039;&#039;`hbj&#039;&#039; statt &#039;&#039;`jbj&#039;&#039; („Feinde“). Sicher sollte damit aber das „die Feinde JHWHs [waren] wie prächtige Auen“, das auf den ersten Blick wie eine Preisung der so Beschriebenen klingt, geglättet werden. Der Parallelismus legt aber sehr nahe, dass gegen die masoretischen Akzente „wie prächtige Auen“ mit dem ersten „werden sie vergehen“ zu verbinden ist (wie schon Syr aufgelöst hat; so auch schon Hupfeld 1858 und Graetz 1882; z.B. auch Craigie 1983; Goldingay 2006; Meynet 2015, S. 108), was diese Textkorrektur von 4QpPs überflüssig macht.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gottes,&lt;br /&gt;
[&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] Wie {die} (Pracht der Auen=) prächtige [&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] Auen (prächtiges Vieh)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: (1) &#039;&#039;krjm&#039;&#039; ist von MT als &#039;&#039;karim&#039;&#039; („Auen“) aufgefasst worden, (2) von Sym, Tg und Hier als &#039;&#039;kerem&#039;&#039; („[wie die Pracht,] wie das Vieh“) – Sym und Hier vereindeutigen witzigerweise zu „wie Einhörner“ –, (3) LXX, VUL und Syr schließlich deuteten stattdessen als &#039;&#039;kerum&#039;&#039; und übersetzen mit „als sie geehrt &#039;&#039;und gerühmt&#039;&#039; wurden“. (4) 4QpPs hat im Pescher eine Doppelinterpretation („Kleinvieh [=Sym] der Weiden [=MT]“). In der Üs. steht dagegen &#039;&#039;kwrjm&#039;&#039;. Damit hat man (5) einen Emendationsvorschlag von Wellhausen 1895 stützen wollen (so z.B. noch Seybold 1996), statt &#039;&#039;kiqar karim&#039;&#039; („wie prächtige Auen“) sei &#039;&#039;kiqod kurim&#039;&#039; („wie das Brennen eines Schmelztiegels“) zu lesen, aber richtig Cheung 2015, S. 56 FN 11: &#039;&#039;-w-&#039;&#039; wird hier wie noch öfter in Qumran Mater lectionis für Qameṣ sein und damit ebenfalls MT stützen.&amp;lt;br /&amp;gt;Klar ist nach diesen Varianten, dass der ursprüngliche Konsonantentext &#039;&#039;krm&#039;&#039; war, und angezielt wird in diesem Kontext damit wie in MT &#039;&#039;karim&#039;&#039; gewesen sein: V. 2 „sie werden wie Gras verdorren, wie grünes Kraut eingehen“ – V. 20 „wie prächtige Weiden werden sie vergehen“ – Vv. 35f. „Er war wie eine belaubte Zeder; dann ging ich wieder vorbei und er war nicht mehr da“.&amp;lt;br /&amp;gt;Übrigens vokalisiert auch von Lengerke 1847 als „Vieh“, deutet dann aber auch dies auf die Weiden: „die Pracht der Schafe“ = „ihre Weiden“ – selbst dann also, wenn ursprünglich wirklich &#039;&#039;kerem&#039;&#039; angezielt gewesen sein sollte, würde man dies hier als einen Ausdruck für Wiesen deuten wollen.&amp;lt;/ref&amp;gt; [&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] werden sie vergehen,&lt;br /&gt;
_[&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] Wie {der} (Im) Rauch [&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] werden sie vergehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Klangspiel: Nicht nur 20a beginnt hier mit dem Konsonanten k, sondern in 20cd jedes Wort: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;iqar &#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;arim &#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;alu &#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;e´ašan &#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;alu&#039;&#039;.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: So jedenfalls in 4QpPs, LXX, Sym, VUL, Hier, Syr und vielen Mss (CTAT V, S. S. 217 ist schlicht irreführend: „Cependant les témoins habituels du texte tibérien classique appuient la leçon {{hebr}}בעשן{{hebr ende}}“ – aber was soll das schon heißen, der „klassische tiberische Text“ ist ja nur ein Teil von einer von mehreren masoretischen Textfamilien?). L und Tg dagegen haben nicht „&#039;&#039;wie&#039;&#039; Rauch“ mit {{hebr}}כ{{hebr ende}}, sondern „&#039;&#039;im&#039;&#039; Rauch“ mit {{hebr}}ב{{hebr ende}}, wahrscheinlich entweder ein reiner Schreibfehler oder Angleichung an [[Psalm 102#s4 |Ps 102,4]]. Dort ist das „im Rauch“ auch gut erklärlich: „Meine Tage schwinden im Rauch“ weil „meine Gebeine wie ein Feuerbrand glühen“. Hier gilt das auch dann kaum, wenn in 20c „Pracht des Viehs“ zu lesen und als „[zu verbrennendes] Fett der Opferschafe“ zu deuten wäre; auch dies vergeht nach israelitischem Verständnis ja nicht „im Rauch“, sondern steigt „&#039;&#039;als&#039;&#039; Rauch (und Duft)“ in die Nase Gottes.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|68|3}} {{par|Hosea|13|3}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|21}} [&#039;&#039;&#039;L&#039;&#039;&#039;] Leiht sich der Frevler, will (kann) er nicht zurückzahlen,&lt;br /&gt;
_Der Gerechte aber ist gnädig (mildtätig) und gibt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vb. 1, 3 und 4 sind Partizipien. Nicht also: „Sie werden gnädig sein und geben &#039;&#039;können&#039;&#039;“ o.Ä.: V. 21b ist sicher keine Verheißung (wie [[Deuteronomium 28#s12 |Dtn 28,12]].[[Deuteronomium 28#s44 |44]]), sondern Charakterisierung des aktuellen Tuns der Gerechten. V. 21a &#039;&#039;könnte&#039;&#039; eine Warnung sein („er &#039;&#039;wird&#039;&#039; nicht zurückzahlen [&#039;&#039;können&#039;&#039;]“), ist dann aber in diesem Kontext wohl ebenfalls Charakterisierung. Die entscheidenden Aussagen sind dann: Der eine &#039;&#039;will&#039;&#039; nicht zurückzahlen, der andere ist &#039;&#039;gnädig&#039;&#039;. So und so richtig Croft 1997, S. 59: Vv. 21.25 zeigen, dass man sich den „Armen“ aus Vv. 14.16 nicht tatsächlich als materiell arm vorstellen darf; „arm“ sind die Gerechten in &#039;&#039;diesem&#039;&#039; Psalm nur insofern, als &#039;&#039;sie&#039;&#039; sich &#039;&#039;nicht&#039;&#039; bereichern.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|22}} Darum (Denn)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Darum (denn)&#039;&#039; - ist das richtig, was in der vorigen FN gesagt wurde, muss &#039;&#039;ki&#039;&#039; hier wie häufig, aber wie sonst nicht mehr in diesem Ps, „darum“ bedeuten.&amp;lt;/ref&amp;gt; werden seine Gesegneten (die ihn Segnenden)&amp;lt;ref name=&amp;quot;V 22&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;seine Gesegneten (die ihn Segnenden) + seine Verfluchten (die ihn Verfluchenden)&#039;&#039; - Die beiden Partizipien in V. 22 werden von den Vrs. unterschiedlich vokalisiert: Von MT, Tg und Hier beide passiv („gesegnet, verflucht“), von LXX und VUL beide aktiv („segnend, verfluchend“), von Syr nach den meisten Mss merkwürdigerweise das erste aktiv, das zweite passiv (in 8a1c und 12t1.4 aber auch Syr wie MT). Fast alle Neueren folgen hier der Deutung von MT.&amp;lt;/ref&amp;gt; das Land (die Erde) besitzen (in Besitz nehmen),&lt;br /&gt;
_Aber seine Verfluchten (die ihn Verfluchenden)&amp;lt;ref name=&amp;quot;V 22&amp;quot; /&amp;gt; werden abgeschnitten werden. {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Sprichwörter|3|33}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}} {{par|Matthäus|5|5}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|23}} [&#039;&#039;&#039;M&#039;&#039;&#039;] ([Denn])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[Denn]&#039;&#039; - So merkwürdigerweise 4QpPs, wonach auch hier die Strophe nicht mit dem zu erwartenden Buchstaben begänne.&amp;lt;/ref&amp;gt; Von JHWH werden die Schritte des Mannes gelenkt,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;JHWH lenkt die Schritte eines Mannes&#039;&#039;, d.i., er entscheidet über sein Schicksal, vgl. deutlich die Parallelstellen. D.h. hier natürlich wieder: Denjenigen, der gottgefällig lebt, segnet er. Kontraintuitiver Weise sind also die „Schritte“ eines Menschen nicht das, worüber ein Mensch selbst verfügen könnte.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Sprichwörter|16|9}} {{par|Sprichwörter|20|24}} {{par|Jeremia|10|23}}&lt;br /&gt;
_Wenn er an dessen Wandel Gefallen hat:&lt;br /&gt;
{{S|24}} Auch, wenn er zu fallen drohte, würfe es ihn nicht hin, {{par|Psalm|94|18}} {{par|Sprichwörter|24|16}}&lt;br /&gt;
_Denn JHWH stützt seinen Arm.&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|25}} [&#039;&#039;&#039;N&#039;&#039;&#039;] Jung war ich, ([und])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT wird nur durch Hier gestützt: 4QpPs, LXX, VUL, Tg, Syr und einige Mss haben vor &#039;&#039;auch&#039;&#039; zusätzlich &#039;&#039;und&#039;&#039;, wie dies hier auch erwartbar wäre. Gerade deshalb wird MT und Hier aber der ursprüngliche Wortlaut sein.&amp;lt;/ref&amp;gt; bin auch alt geworden,&lt;br /&gt;
_Aber nie sah ich, dass ein Gerechter verlassen worden wäre, {{par|Ijob|4|7}}&lt;br /&gt;
_So dass (und dass) seine Nachkommenschaft Brot suchen müssen hätte:&amp;lt;ref&amp;gt;Ein ganz schwieriger Vers. Exakt vom Gegenteil sprechen z.B. [[Ijob 9#s22 |Ijob 9,23f.]]; [[Kohelet 7#s15 |Pred 7,15]], und die Entsprechung in der Parallelstelle [[Ijob 4#s7 |Ijob 4,7]] wird danach abgetan als das „Traumgesabbel“ von Elifaz. Es lässt sich nicht weg-diskutieren: Ps 37,25 spricht sich derart stark für den (selbst intergenerationellen) Tun-Ergehens-Zusammenhang aus, dass selbst parallele biblische Texte hier nicht mitgehen können.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|34|11}}&lt;br /&gt;
{{S|26}} Den ganzen Tag ist er gnädig (mildtätig) und verleiht,&lt;br /&gt;
_Und seiner Nachkommenschaft [ist&#039;s] zum Segen (seine Nachkommenschaft wird zu einem Segen).&amp;lt;ref&amp;gt;So sinnvoll Stolz 1983, S. 61: „Seiner Nachkommenschaft gereicht es zum Segen.“. So auch Bernfeld, ELB, GN, HER05, HfA; am besten NGÜ: „Noch seine Nachkommen werden durch ihn gesegnet sein“. So auch schon LXX, VUL, Hier, Syr, Raschi. Radak gibt zwei Erklärungen: (1) Weil Gesegnete wie der Angesprochene ihren Segen weiterzugeben pflegen (eine Art trickle-down-Effekt des Segens), (2) weil andere, die von ihm Gutes erfuhren, ihrerseits um seintwillen seine Nachkommenschaft segnen werden (Letzteres auch bei ibn Ezra). Sonst stets wie in der Alternative.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|27}} [&#039;&#039;&#039;O&#039;&#039;&#039;] Weiche vom Üblen und tue Gutes {{par|Psalm|34|15}} {{par|Sprichwörter|3|7}} {{par|Jesaja|1|16|17}}&lt;br /&gt;
_Und wohne für immer:&amp;lt;ref&amp;gt;Wieder Folge-Imperativ: „So wirst du für immer wohnen können“.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Hier, Tg und Syr wie MT. Dagegen LXX und VUL setzen voraus: „auf &#039;&#039;immer und&#039;&#039; ewig“. Metrisch würde man das hier auch erwarten; für ursprünglich halten das daher auch Kittel 1914 und wahlweise Witte 2013, S. 417.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|28}} Weil JHWH Recht liebt, {{par|Psalm|45|8}} {{par|Psalm|99|4}} {{par|Jesaja|61|8}}&lt;br /&gt;
_Wird er nicht verlassen seine Frommen. {{par|Jesaja|59|21}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Für immer werden [sie] bewahrt ([&#039;&#039;&#039;P&#039;&#039;&#039;] Übeltäter werden für immer ausradiert)&amp;lt;ref&amp;gt;Hier erwartet man eine Zeile, die mit dem Buchstaben &#039;&#039;´Ajin&#039;&#039; beginnt. Der MT dagegen beginnt mit der Präp. Lamed, erst darauf folgt der erwartete Buchstabe. Viele Ausleger haben daher einen anderslautenden Text aus LXX rekonstruieren wollen (s.u.). Aber die vorgeschlagene Textkorrektur geht wohl nicht an. Vielleicht daher so: Mit `Ajin beginnt auch das Wort für „Übeltat“ in V. 1c; möglicherweise soll im fehlenden `Ajin also das gänzliche Fehlen der „Nachkommenschaft der Frevler“ und ihrer Übeltaten zum Ausdruck gebracht werden.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Die meisten Textzeugen stützen MT. Allerdings mehrere LXX-Gruppen, Sym und VUL haben hier eine fünfte Zeile; MT&#039;s „Für immer wird [dieser] bewahrt, aber die Nachkommenschaft von Frevlern wird abgeschnitten“ entspricht dort „für immer werden sie bewahrt, &#039;&#039;Gesetzlose aber werden gejagt/verjagt&#039;&#039;, und die Nachkommen der Frevler werden ausgerottet.“ Daraus haben viele ein ursprüngliches „Übeltäter werden für immer ausradiert“ rekonstruiert: &#039;&#039;´wl(j)m l´wlm nšmdw&#039;&#039;: &#039;&#039;´wl(j)m&#039;&#039; wäre wegen der Ähnlichkeit mit &#039;&#039;l´wlm&#039;&#039; übersehen worden und die Verschreibung von Resch mit Dalet ist ein sehr häufiger Schreibfehler. Die Übersetzung des ursprünglichen Wortlauts wäre dann also als Konflation zusätzlich zur Übersetzung des fehlerhaften Texts in die LXX geraten. So z.B. schon Houbigant 1777; auch Wellhausen 1895; BHK, BHS; Seybold 1996; Broyles 1999; Fokkelman 2000, S. 139 FN 54; Witte 2013, S. 417; ähnlich Jones 2019, S. 174 FN 20: &#039;&#039;´wlm l´wlm nṣmtw&#039;&#039; nach [[Psalm 69#s5 |Ps 69,5]]; [[Psalm 101#s5 |101,5]] wie schon Rahlfs. Aber das kritische Wort ist gerade &#039;&#039;´awalim&#039;&#039; „Übeltäter“; richtig nämlich Graetz 1882: Das heb. Wort ist als Entsprechung des gr. Wortes nirgends belegt. &#039;&#039;nšmdw&#039;&#039; ist gleichfalls keine belegte und auch keine sehr naheliegende Entsprechung des gr. Verbs (richtig Cheung 2015, S. 56; Böhler 2021), weshalb Jones 2019 seinen alternativen Vorschlag macht, der aber graphisch dann doch recht weit von MT entfernt ist. Darüber hinaus, dass die Vorlage von LXX nur so schwach bezeugt ist, ist LXX also auch gar keine gute Basis, um auf ihr die erwünschte Textrekonstruktion aufruhen zu lassen. Wahrscheinlicher ist es, dass in einer Handschrift wegen der Ähnlichkeit von 28d mit 38b hier 38a ergänzt wurde.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Ps 37,28.png|mini|Ps 37,28 in 4QpPs. (c) [https://www.deadseascrolls.org.il/explore-the-archive/image/B-506743 Deadseascrolls.org].]]Einige haben u.a. wohl daher behauptet, immerhin &#039;&#039;nšmdw&#039;&#039; statt &#039;&#039;nšmrw&#039;&#039; würde auch durch 4QpPs gestützt, aber richtig CTAT V 223: Anders als z.B. in DJD V 45 transkribiert, steht in 4QpPs sicher wie im MT &#039;&#039;nšmrw&#039;&#039;, vgl. auf dem Foto rechts den fraglichen Buchstaben mit dem Resch im direkt folgenden Wort. 4QpPs könnte mit LXX enger verwandt sein als mit MT, s. in V. 20 &#039;&#039;k´šn&#039;&#039; in 4QpPs, LXX, VUL, Syr vs. MT&#039;s &#039;&#039;b´šn&#039;&#039;, in V. 25 &#039;&#039;wgm&#039;&#039; in 4QpPs und LXX vs. MT&#039;s &#039;&#039;gm&#039;&#039; und in V. 35 &#039;&#039;`´bwr&#039;&#039; in 4QpPs, LXX, VUL, Syr vs. MT&#039;s &#039;&#039;wj´br&#039;&#039;. Dann wäre das Zeugnis besagter LXX-Textgruppen in diesem Vers umso schwächer. Man wird aber doch fragen müssen: Wie soll der Wortlaut von LXX denn sonst entstanden sein? Er ist sicher als Konflation zu erklären, und Textkorrekturen, wie diese eine wäre – poetische Verbesserungen, um z.B. wie hier ein Akrostichon lyrisch zu glätten –, sind mir (S.W.) sonst gar nicht bekannt.&amp;lt;br /&amp;gt;Die externe Evidenz mit nur einigen LXX-Zeugen ist also ziemlich schwach, die interne Evidenz – ein mit ´Ajin beginnendes Wort wäre hier so sehr zu erwarten, und der LXX-Wortlaut lässt sich kaum anders erklären denn mit einem heb. Original – dagegen ist sehr stark. Textkritisch lassen sich beide Optionen begründet vertreten; wir folgen daher hier der Mehrheits-Position in dt. Üss. und damit dem MT.&amp;lt;br /&amp;gt;En passant sei noch darauf hingewiesen, dass CTAT&#039;s Argument für MT, „der Poet habe ja schließlich auch kein Problem damit gehabt, die T-Strophe mit &#039;&#039;w-t...&#039;&#039; statt &#039;&#039;t...&#039;&#039; zu beginnen“, sicher nicht angeht; die Konjunktion wird man kaum „dem Poeten“ zuschreiben dürfen (so aber schon de Wette 1829; Maurer 1838; von Lengerke 1847; z.B. auch Böhler 2021). Ebenso wenig richtig dürfte ebd. sein, dass wir nur die Option haben zwischen „für immer wird dieser bewahrt“ und „Sünder werden ausradiert“, nicht aber „Sünder werden für immer ausradiert“, weil in LXX nur die Zwei-Wort-Variante belegt sei: LXX würde zwei Ein-Wort-Konflationen bezeugen; die gesamte Zeile muss man daraus rekonstruieren, und &#039;&#039;l´wlm&#039;&#039; wird man hier weit eher mit-rekonstruieren, weil dies Wort erst Grund für den Ausfall von &#039;&#039;´wlm&#039;&#039; gewesen wäre.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Aber die Nachkommenschaft von Frevlern wird abgeschnitten. {{par|Psalm|21|10}} {{par|Psalm|55|23}} {{par|Jesaja|14|21}} {{par|Baruch|4|1}}&lt;br /&gt;
{{S|29}} Die Gerechten werden besitzen (in Besitz nehmen) das Land (die Erde) {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}}&lt;br /&gt;
_Und für ewig&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;für ewig&#039;&#039; - eine Art break up-Parallelismus: Die häufige Fügung &#039;&#039;le´olam wa´ed&#039;&#039; („für immer und ewig“) wird aufgebrochen und als „für immer“ und „für ewig“ auf 28c und 29b verteilt, so dass sie das erste und vorletzte Wort dieser Strophe sind. Bemerkenswert ist außerdem, dass „für immer“ bereits in 27b stand, dort ebenfalls mit dem Vb. „wohnen“: „Wohne für immer“ (V. 27) – „für immer werden sie bewahrt“ (V. 28) – „und sie werden wohnen für ewig darin“ (V. 29). Dass ist zu auffällig, als dass es Zufall sein könnte, und die mittlere Klausel ist darüber hinaus gerade jene, wegen der V. 28c nicht mit `Ajin beginnt (s. vorige FN) – was mit dieser Formulierung zum Ausdruck gebracht werden soll, verstehe ich (S.W.) aber nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; wohnen darin.&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|30}} [&#039;&#039;&#039;Q&#039;&#039;&#039;] Der Mund des Gerechten redet (Weisheit=) Weises &lt;br /&gt;
_Und seine Zunge spricht (Recht=) Rechtes, {{par|Sprichwörter|10|31}}&lt;br /&gt;
{{S|31}} [Weil] die (&#039;&#039;torah&#039;&#039;=) Weisung seines Gottes in seinem Herzen [ist], {{par|Psalm|119|11}} {{par|Psalm|119|34}} {{par|Jeremia|31|33}}&lt;br /&gt;
_[Drum]&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[Drum]&#039;&#039; - So nach LXX, Sym, VUL, Syr, Saadja, 1 Ms. Dagegen 4QpPs, Tg und Hier stützen MT. Für ursprünglich halten die Variante mit &#039;&#039;w-&#039;&#039; z.B. auch Herkenne 1936; Craigie 1983; Ross 2011. Es ist aber gar nicht notwendig, dass &#039;&#039;w-&#039;&#039; ursprünglich zum Text gehörte; der vlS in 31 kann auch ohne &#039;&#039;w-&#039;&#039; Protasis von 31b gewesen sein und ist sicher so gedacht, da man Vv. 30f. sonst als Trikolon + Monokolon analysieren müsste.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird sein Schritt nicht wanken. {{par|Psalm|17|5}} {{par|Sprichwörter|4|4}} {{par|Baruch|4|1}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|32}} [&#039;&#039;&#039;R&#039;&#039;&#039;] Der Frevler lauert auf den Gerechten&lt;br /&gt;
_Und versucht, ihn zu töten. {{par|Psalm|10|8|10}} {{par|Jeremia|20|10}}&lt;br /&gt;
{{S|33}} JHWH wird ihn nicht seiner (Hand=) Gewalt überlassen&lt;br /&gt;
_Und nicht verurteilen&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;verurteilen&#039;&#039; - Wortspiel mit 32a: „verurteilen“ ist w. „zum Frevler machen=erklären“. Böhler 2021 sinngemäß richtig: „er wird nicht zulassen, dass man ihn für Frevels schuldig erklärt“, was als Übersetzung der Zeile aber ja ganz den Witz nimmt.&amp;lt;/ref&amp;gt; lassen, wenn er gerichtet wird.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;wenn er gerichtet wird&#039;&#039; - nämlich vor dem Gericht, vor das der Frevler ihn offenbar stellen will (so z.B. Hitzig 1863; Herkenne 1936; Kissane 1953). Das scheint zu bedeuten, dass „Gerechte“ nie zu Unrecht verurteilt werden und ist dann ähnlich schwer zu akzeptieren wie V. 25. Ross 2011 versucht, den Vers zu retten mit der Deutung, gemeint sei: „Auch, wenn er zu Unrecht verurteilt wird, sieht ihn immerhin &#039;&#039;JHWH&#039;&#039; nie als verurteilenswert an.“ (vgl. VUL, Hier: „Er wird ihn nicht &#039;&#039;verdammen&#039;&#039;, auch, wenn über ihn geurteilt wird“. Vgl. auch [[Römer 8#s33 |Röm 8,33f.]]). Aber, böse gefragt: Was soll das bringen? Was durch den ganzen Psalm hindurch versprochen wird, ist ja innerweltliches Heil; auch hier muss man dann erwarten, dass von einem solch „weltlichen“ Segen die Rede ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|124|6|7}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|34}} [&#039;&#039;&#039;S&#039;&#039;&#039;] Hoffe auf JHWH und achte auf seinen Weg, {{par|Ijob|17|9}} {{par|Ijob|23|11}} {{par|Sprichwörter|20|22}}&lt;br /&gt;
_Dann wird er dich [dazu] erhöhen, zu besitzen (in Besitz zu nehmen) das Land (die Erde). {{par|Psalm|92|10}} {{par|Psalm|112|9}} {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}} {{par|Matthäus|5|5}} {{par|Lukas|14|11}} {{par|1 Petrus|5|6}}&lt;br /&gt;
Wenn abgeschnitten&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;abgeschnitten&#039;&#039; - Wieder das selbe Wortspiel wie in V. 9: „Binde dich an = Hoffe auf JHWH“ vs. „die Frevler werden abgeschnitten = getötet werden“.&amp;lt;/ref&amp;gt; werden die Frevler, wirst du&#039;s sehen (auf das Abgeschnitten-Werden der Frevler wirst zu blicken können). {{par|Psalm|52|8}} {{par|Psalm|91|8}} {{par|Psalm|92|12}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|35}} [&#039;&#039;&#039;T&#039;&#039;&#039;]&amp;lt;ref&amp;gt;Klangspiel: Im Heb. beginnt der V. wie erwartet mit &#039;&#039;r&#039;&#039;. Dieser Konsonant durchzieht aber den ganzen Vers, gemeinsam mit dem Konsonanten `Ajin: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;a`iti &#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;aša&#039;&#039;&#039;´&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;´&#039;&#039;&#039;a&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;iṣ / umit&#039;&#039;&#039;´&#039;&#039;&#039;a&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;eh ke`e&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;ez ha&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;a&#039;&#039;&#039;´&#039;&#039;&#039;anan&#039;&#039;. Ist der Ps sehr jung, könnte auch Alef in &#039;&#039;ra`iti&#039;&#039; und &#039;&#039;ke`erez&#039;&#039; ähnlich wie ´Ajin geklungen haben. Resch und ´Ajin sind die Konsonanten für &#039;&#039;ra´&#039;&#039; („Übles, Böses“): Wie die ausladenden Äste einer Zeder hat sich hier der Böse über den ganzen Vers ausgebreitet und alles mit seinen Wurzeln durchdrungen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ich sah [einmal] einen gewaltigen Frevler,&lt;br /&gt;
_[Der] aufschoss wie eine Zeder im Saft (der sich entblößte wie ein Angestammter im Saft?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;der aufschoss (der sich entblößte)&#039;&#039; - Heb. &#039;&#039;mit´areh&#039;&#039;, auf den ersten Blick: „der sich entblößte“. Rhotatizismus für &#039;&#039;mit´aleh&#039;&#039; („der aufschoss“), das auch in [[Jesaja 55#s13 |Jes 55,13]]; [[Ezechiel 47#s12 |Ez 47,12]] von Bäumen gesagt wird (vgl. Fitzgerald 1978, S. 486; Craigie 1983).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Zeder im Saft (Angestammter im Saft)&#039;&#039; -  Für das &#039;&#039;`ezraḥ ra´anan&#039;&#039; („Angestammter im Saft“) in MT, Hier lies nach LXX, VUL &#039;&#039;ke`erez hara´anan&#039;&#039; („Zeder im Saft“, vgl. {{hebr}}אזרח רענן{{hebr ende}} mit {{hebr}}ארז הרענן{{hebr ende}}). So z.B. auch Wellhausen 1895; Terrien 2003; Perdue 1977, S. 334; Stolz 1983, S. 62; Gies 2018, S. 2018. Noch weit mehr wollen ganz LXX und VUL folgen und „Zedern des Libanon“ lesen (z.B. Seybold 1996; Broyles 1999; Witte 2013, S. 418), aber das wäre graphisch weit von MT entfernt und „Zedern &#039;&#039;des Libanon&#039;&#039;“ ist eine leicht erklärliche stilistische Variante von „Zedern im Saft“, da Libanon-Zedern berühmt und der Libanon bekannt für seine Fruchtbarkeit waren (s. bes. klar [[Ezechiel 31#s3 |Ez 31,3]], auch [[1 Könige 4#s33 |1 Kön 4,33]]; [[Psalm 29#s5 |Ps 29,5]]; [[Psalm 92#s13 |92,13]]; [[Psalm 104#s16 |104,16]]; [[Jesaja 2#s13 |Jes 2,13]]; [[Jesaja 37#s24 |37,24]]).&amp;lt;br /&amp;gt;Tg und Syr sind nicht eindeutig zuzuordnen: Beide übersetzen mit „Bäume“ (Tg: „fest gepflanzter Baum mit dichter Krone“, Syr: „Bäume im Wald“). Viele Neuere nehmen an, dass „Angestammter“ auch ein Ausdruck für heimische Bäume sein könne (z.B. Cheung 2015, S. 64: „per Wortspiel“; besser Maurer 1838, der auf einen verwandten arabischen Sprachgebrauch verweist). Ist das wahr, könnten Tg und Syr auch MT bezeugen. Aber wahrscheinlich ist es nicht; für einen solchen Sprachgebrauch im Hebräischen fehlt jede Parallele.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|1|3}} {{par|Jesaja|44|4}} {{par|Jeremia|17|8}} {{par|Ezechiel|19|10}}&lt;br /&gt;
{{S|36}} Ich ging [wieder] vorüber (und man ging vorüber, und er ging hinüber),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT&#039;s &#039;&#039;wj`br&#039;&#039; („und man/er ging vorüber“) wird nur von Sym und Tg gestützt; dagegen 4QpPs, LXX, VUL, Hier (!) und Syr haben alle &#039;&#039;`´br&#039;&#039; („ich ging vorüber“). 4QpPs hat wahrscheinlich sogar V. 10 an diese Stelle angeglichen. Eine Änderung von &#039;&#039;wj`br&#039;&#039; nach &#039;&#039;`´br&#039;&#039; ließe sich zwar leicht als Angleichung an das Vb. in 36b erklären; ebenso gut aber eine umgekehrte Änderung als Angleichung an 35b. Die neuesten Kommentatoren und Üss. folgen überwiegend MT (z.B. Terrien 2003; Goldingay 2006; Ross 2011; Böhler 2021; Tiquillahuanca 2008, S. 18; Witte 2013, S. 418; Cheung 2015, S. 57; Ruiz 2015, S. 19), aber das Zeugnis für 1. Prs. ist hier zu stark.&amp;lt;br /&amp;gt;4QpPs und VUL haben außerdem beide noch eine ähnliche, unerklärliche Ergänzung: 4QpPs: „ich zog &#039;&#039;vor ihm&#039;&#039; vorüber“, VUL: „&#039;&#039;sein Ort&#039;&#039; ließ sich nicht finden“. Könnte VUL &#039;&#039;lepanajw&#039;&#039; mit „sein Ort“ übersetzt haben? Dann bezeugten beide das selbe Plus. Noch einmal nachweisen lässt sich dies aber nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; und, siehe!, er war nicht mehr [da],&lt;br /&gt;
_Und ich suchte ihn, aber er ließ sich nicht finden.{{par|Jesaja|10|18|19}} {{par|Jesaja|10|33|34}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|37}} [&#039;&#039;&#039;U&#039;&#039;&#039;] Achte [also] auf den Aufrechten (Aufrichtigkeit) und sieh auf den Integren (strebe nach/weide Integrität),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Aufrechter (Aufrichtigkeit)&#039;&#039; + &#039;&#039;Integrer (Integrität)&#039;&#039; - Variante 1 jeweils nach MT, Tg, Syr, Variante 2 jeweils nach LXX, VUL, Hier; jeweils werden nur die selben Konsonanten unterschiedlich vokalisiert. Wählt man Variante 2, nimmt man „auf etwas schauen“ besser i.S.v. „streben nach“, oder man nimmt mit Syr &#039;&#039;r`h&#039;&#039; („sehen“) als NF von &#039;&#039;r´h&#039;&#039; („weiden“; ähnlich z.B. Broyles 1999: „shepherd faithfulness“), vgl. V. 3b. Die NF würde natürlich verwendet für das Wortspiel, dass dann „weiden“ gleichzeitig als „sehen“ parallel ginge mit dem vorangehenden „im Blick behalten“.&amp;lt;br /&amp;gt;Var 2 z.B. LUT: „Bleibe fromm und halte dich recht“ (auch H-R, PAT, TUR, van Ess, ZÜR 31 [nicht mehr ZÜR 07]); Var 1 z.B. EÜ: „Achte auf den Lauteren und sieh auf den Redlichen“ (so die meisten Üss.). Schön BB: „Halte dich an den, der vorbildlich lebt! Schau auf den, der sich aufrichtig verhält!“ So schon Raschi: „Nimm den Unschuldigen genau in Blick, um von seinen Taten zu lernen“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Denn ein Mann des Friedens hat Zukunft (Nachkunft)&lt;br /&gt;
{{S|38}} Aber Sünder werden sämtlich ausradiert,&lt;br /&gt;
_Die Zukunft (Nachkunft) von Frevlern wird abgeschnitten. {{par|Ijob|18|19}} {{par|Sprichwörter|2|22}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|39}} [&#039;&#039;&#039;V&#039;&#039;&#039;] {Aber}&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT, LXX, VUL und Tg haben oder setzen alle ein &#039;&#039;w-&#039;&#039; („aber“) zu Versbeginn voraus. Dann begänne auch dieser Vers nicht mit dem zu erwartenden Buchstaben. Hier, Syr und wenige Mss aber haben dieses &#039;&#039;w-&#039;&#039; nicht; für ursprünglich halten diese Variante z.B. auch Wellhausen 1895, BHS, Witte 2013, S. 418.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Rettung der Gerechten [wird kommen] von JHWH,&lt;br /&gt;
_Ihrer Zuflucht zur Zeit der Bedrängnis,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Bedrängnis&#039;&#039; - Wortspiel: &#039;&#039;ṣarah&#039;&#039; („Bedrängnis“) klingt sehr ähnlich wie &#039;&#039;zera´&#039;&#039; („Nachkommenschaft“). Für den Frommen schimmert selbst in der Bedrängnis die heilvolle Zukunft durch.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Jeremia|14|8}} {{par|Jeremia|16|19}}&lt;br /&gt;
{{S|40}} Und es wird helfen (hilft) ihnen JHWH und sie befreien (befreit sie),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT hat 2x Wayyiqtol, was nur für Vergangenheit oder Gegenwart verwendet werden kann und schlecht mit Yiqtol im folgenden Vers zusammenstimmt, was aber auch von Syr gestützt wird. Besser vokalisiert man mit LXX, VUL, Hier und den meisten Tg-Mss beide Male als WeYiqtol; so richtig Zuber 1986.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
_Er wird sie befreien von Frevlern und retten,&lt;br /&gt;
Weil sie sich zu ihm geflüchtet haben.&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
Ps 37 gehört (gemeinsam mit md. [[Psalm 1 |Ps 1]]; [[Psalm 49 |49]]; [[Psalm 73 |73]]; [[Psalm 112 |112]]; [[Psalm 127 |127]]; [[Psalm 128 |128]]; [[Psalm 133 |133]]) zu den sogenannten „Weisheitspsalmen“. Die Funktion dieser Weisheitspsalmen ist ein Rätsel: Offensichtlich ist Ps 37 nicht verfasst worden, damit man ihn bete, sondern ein konkreter Gegenüber wird angesprochen, um ihn mit einer Reihe von Weisheitslehren zu ermahnen, wie sie auch im Buch der Sprichwörter stehen könnten (und zum Teil auch stehen, vgl. oben die Spr-Parallelstellen, die teilweise fast wörtlich einzelnen Zeilen des Psalms entsprechen). Warum eine solche Weisheitslehre aber im Buch der Psalmen und nicht im Buch der Sprichwörter steht, ist schwer erklärlich. Vielleicht ist er nur ins Psalmenbuch aufgenommen worden, weil man schon früh angenommen hat, sein Verfasser sei David gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ps 37 kreist besonders um ein Sprichwort, das refrainartig in mehreren Variationen wiederholt wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Personengruppe A wird das Land besitzen,&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Personengruppe B aber wird abgeschnitten werden!&#039;&#039; (Vv. 9.11.22.28.29.34.38)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Personengruppe A wird dabei immer wieder bezeichnet als „die Gerechten“ und außerdem wechselnd als „die auf JHWH Hoffenden“ (V. 9), „die Elenden“ (V. 11), „die Unterdrückten und Bedürftigen“ (V. 14a), „die, die rechten Wandels sind“ (V. 14b), „die Makellosen“ (V. 18), „die von Gott Gesegneten“ (V. 22), „Gottes Fromme“ (V. 28), „Männer des Friedens“ (V. 37) und wahrscheinlich als „die Aufrechten“ und „die Integren“ (V. 37), Personengruppe B immer wieder als „die Frevler“ und außerdem wechselnd als „die Bösewichter“ (Vv. 1.9), „die Übeltäter“ (V. 1), „die Intriganten“ (V. 7), „die Feinde Gottes“ (V. 20), „die von Gott Verfluchten“ (V. 22), und „die Sünder“ (V. 38).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;Grundannahme&#039;&#039;&#039; ist danach schon klar: Wer nicht gottgefällig lebt, den wird dereinst Gott töten und seine Nachkommenschaft ausrotten, wer es dagegen tut, wird dereinst „das Land besitzen“ – weil ja niemand sonst mehr übrig ist.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der größte Teil des Psalms erklärt sich schon hieraus: In &#039;&#039;&#039;Vv. 1-6&#039;&#039;&#039; wird der Angesprochene ermahnt, gottgefällig zu leben, weil Gottgefälligkeit von Gott belohnt werden wird. In &#039;&#039;&#039;Vv. 7-8&#039;&#039;&#039; wird die Mahnung noch einmal wiederholt, die Begründung aber wird in &#039;&#039;&#039;Vv. 9-11&#039;&#039;&#039; dazu entfaltet, dass Gottgefälligkeit belohnt, Übeltäterei aber bestraft wird, so dass am Ende „der Übeltäter nicht mehr da ist, die Elenden dagegen das Land besitzen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;&#039;Vv. 12-15&#039;&#039;&#039; wird entweder ein Beispiel für die Übeltäterei der Frevler herausgegriffen oder aber es wird nun endlich dasjenige genannt, was die Übeltäter eigentlich zu Übeltätern macht. Ersteres ist wahrscheinlicher, s. zu V. 21. Man hat aus diesen Versen ableiten wollen, die konkret gemeinte Übeltat sei Ausbeutung: offenbar würde Personengruppe A von Personengruppe B ausgebeutet – v.a., indem sie ihnen das Land rauben – und der Psalm sei also auch sozialkritisch. Aber das einzige, was das eventuell nahelegen könnte, ist die Bezeichnung „Bedürftige“ in 14c, denn was tatsächlich konkret von Personengruppe B berichtet wird, ist gerade nicht Ausbeutung, sondern ist ein Mordversuch. Und das passt zur Bezeichnung „Bedürftige“: Als solche werden im AT nämlich &#039;&#039;nicht&#039;&#039; nur sozial Schwache bezeichnet, sondern häufig „[gelten] als Symptome des ‚Armseins vor Gott‘ [...]: böse Widerfahrnisse ([[Psalm 40#s13 |Ps 40,13]]), Verachtung ([[Psalm 69#s9 |Ps 69,9]]), Verfolgung ([[Psalm 35#s1 |Ps 35,1ff.]]; [[Psalm 109#s2 |109,2ff.]]), Krankheit ([[Psalm 109#s22 |Ps 109,22ff.]]), Todesverfallenheit ([[Psalm 88#s4 |88,4ff.]]) u.a.“ (THAT I 24). Von anderen Personen bedroht zu werden, liegt genau auf dieser Linie, und dagegen, dass Personengruppe A ausgesprochen arm ist, sprechen ja explizit Vv. 21.26. Personengruppe B ist zwar offensichtlich wirklich reicher als Personengruppe A (V. 16), aber was sich aus Vv. 12-15 herauslesen lässt, ist erst mal nur: Anscheinend wird Personengruppe A von Personengruppe B bedroht, was denn auch deren Zürnen gegen diese (Vv. 1.7) und das Hoffen und Vertrauen auf JHWH (Vv. 3.5) erklärt. Und dieser, so heißt es direkt im Anschluss wird auch wirklich handeln: Nach &#039;&#039;&#039;Vv. 16-20&#039;&#039;&#039; hat Personengruppe B gar nichts von ihrem Überfluss, denn, wieder: Frevler wird Gott wie Rauch vergehen lassen, Gottgefällige und sogar auch ihre Nachkommen dagegen auf ewig bewahren.&amp;lt;br /&amp;gt;In &#039;&#039;&#039;Vv. 21-26&#039;&#039;&#039; wird ein weiteres Symptom des Frevler-Seins vs. Gerecht-Seins genannt: Zum Frevler-Sein gehört auch, geliehenes Geld nicht zurückzuzahlen, zum Gerecht-sein auch, sogar mildtätig zu sein, also offenbar: Geld zu verschenken. Das ist sicher nicht das Entscheidende, das einen Frevler zum Frevler und einen Gerechten zum Gerechten macht; offenbar sollen also mit Vv. 12-14 und Vv. 21.26 je ein &#039;&#039;Beispiel&#039;&#039; für Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit genannt werden: Mildtätig zu sein einerseits und gewaltbereit zu sein andererseits. Man wähle das eine und meide das andere, denn, wieder: Die einen werden dereinst „das Land besitzen“, die anderen „abgeschnitten werden“. So war es immer und so wird es immer sein, kann der Dichter aus Erfahrung berichten (V. 25). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Spätestens dieser Vers ist schwere Kost in unserer Theodizee-geschulten Zeit: Es lässt sich ja leicht überprüfen, dass dem &#039;&#039;nicht&#039;&#039; so ist – dass Gerechte immer von Gott gesegnet und Ungerechte immer von Gott bestraft würden. Es lohnt sich, hier eine längere Passage von Goldingay 2006, S. 534 zu zitieren:&amp;lt;br /&amp;gt;„Kommentatoren betonen häufig, dass man Ps 37 mit den weniger optimistischen Texten im Buch Ijob oder den Aussprüchen Jesu zusammenlesen müsse. Das ist ein Code für: Ps 37 ist nicht wahr. Ps 37 soll damit ins Abseits gestellt werden. Und man irrt damit darüber hinaus in mehrerlei Hinsicht: Die Perspektive des Psalms wird durch die Geschichte von Ijob zu Beginn und am Ende ja &#039;&#039;bestätigt&#039;&#039;, nicht negiert, und Jesus stützt sie ebenfalls, wenn er die Menschen ermutigt: „Strebt zuvorderst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, und all dies – Essen, Trinken, Kleidung, ... – wird euch dann ebenfalls geschenkt werden“ ([[Matthäus 6#s33 |Mt 6,33]]). Jesus übernimmt sogar einen der Segenssprüche in V. 11 [s. [[Matthäus 5#s5 |Mt 5,5]]...]. Psalm 37 anerkennt explizit, dass es nicht immer so geschieht – es ist ja sogar so, dass der Psalm gar nicht geschrieben werden müssen hätte, wenn dem nicht so wäre. Aber er besteht darauf, dass negative Erfahrungen den Glaubenden nicht um die Überzeugung bringen dürfen, dass Gott sich dennoch wirklich dafür engagiert, dass die moralische Ordnung der Welt ‚funktioniert‘.“&amp;lt;br /&amp;gt;Psalm 37 ist dann keine theoretische Theodizee, er ist &#039;&#039;angewandte&#039;&#039; Theodizee. &#039;&#039;Warum&#039;&#039; die moralische Weltordnung nicht immer funktioniert, sagt der Psalm nicht (und sagt auch kein anderer Vers in der Bibel); aber er ermutigt angesichts dieser Problematik: Nichtsdestotrotz &#039;&#039;gibt&#039;&#039; es diese moralische Weltordnung, und es &#039;&#039;gibt&#039;&#039; das Grundprinzip, dass Gerechte gesegnet und Ungerechte bestraft werden. Sei standhaft und vertraue darauf! (Und man darf mit Kant ergänzen: Was sonst bleibt einem übrig? Ohne die Annahme, gutes Handeln werde einem auch vergolten, fehlt der Moral die entscheidende Triebfeder.)&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vv. 27-29&#039;&#039;&#039; wiederholen noch einmal die Grundannahme des Psalms und erweitert sie um die Dimension der Zeit: Gerechte werden gesegnet, – und zwar für immer (27b), für immer (28c) und für ewig (29b).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Vv. 30-34&#039;&#039;&#039; konkretisieren diese Gerechtigkeit noch ein wenig mehr: Gerecht sein heißt, sich von der Weisheit leiten zu lassen: Weisheit im Mund, Recht auf der Zunge und Weisung Gottes im Herzen zu haben. – Gerechtigkeit ist nicht nur eine Frage des Handelns, sondern auch des Redens und Denkens: Auch dies soll gottgefällig sein; Gott wird es lohnen. Und noch ein letztes Mal wird das selbe in &#039;&#039;&#039;Vv. 35-40&#039;&#039;&#039; wiederholt: Man achte darauf, wen man sich zum Vorbild nimmt. So gewaltig ein Frevler auch scheinen mag: Allzu schnell kann er dahin sein, wie der kleine Erfahrungsbericht des Dichters in Vv. 35f. lehrt. Man halte sich daher besser Aufrechte, Gerechte und Männer des Friedens, denn solche wird Gott zur Zeit der Bedrängnis „retten, ihnen helfen und sie befreien, wenn sie sich zu ihm flüchten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Psalm_37&amp;diff=40211</id>
		<title>Psalm 37</title>
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		<updated>2025-10-30T19:41:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Syntax&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Zuverlässige Studienfassung}}&lt;br /&gt;
{{Lesefassung kann erstellt werden}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Lesefassung}} &#039;&#039;(kommt später)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
{{S|1}} &#039;&#039;Von David (Für David, Aus der Davids-Sammlung)&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Von David (Für David, Aus der Davids-Sammlung)&#039;&#039; steht in vielen Psalm-Überschriften: in 73 Überschriften der hebräischen Bibel und sogar in 87 Überschriften des LXX-Psalters. Am besten deutet man sie als Angabe des Verfassers David, nimmt diese Angabe aber nicht historisch, sondern z.B. mit Childs 1971 als alte, aber spätere Interpretationen des folgenden Psalms, die für eine adäquate Auslegung desselben ignoriert werden muss. S. genauer zu [[Psalm 3#s1 |Ps 3]].&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Wie häufig in den Ps-Überschriften sind auch hier die Zeugnisse in den Überschriften in den alten Vrs. nicht einheitlich: Einige gr. Zeugen ergänzen „Psalm (Davids)“, einige neben &#039;&#039;leDavid&#039;&#039; auch &#039;&#039;la-mnaṣeaḥ&#039;&#039; („für den Chorleiter / Ritualvorsteher / ...(?)“), einige beides. Ursprünglich sind diese Varianzen sicher nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;[&#039;&#039;&#039;A&#039;&#039;&#039;]&amp;lt;ref&amp;gt;Ps 37 ist ein sog. „akrostischer“ Psalm: I.d.R. jede vierte Zeile beginnt in alphabetischer Reihenfolge mit einem neuen Buchstaben. [https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb10311823?page=244 Ewald] hat das kongenial im Deutschen nachgeahmt. Einige Unregelmäßigkeiten gibt es bei der Zahl der Zeilen einer solchen alphabetischen Strophe, die einzige größere Unregelmäßigkeit findet sich in V. 28, wo der erwartete Buchstabe nicht steht (s. dort), und evt. in V. 23 und V. 39, wo jeweils manche Versionen einen Text bezeugen, der „nicht ganz“ mit dem korrekten Buchstaben beginnt (s. dort).&amp;lt;/ref&amp;gt; (Brenne=) Zürne Bösewichtern nicht (Wetteifere nicht mit&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Wetteifern&#039;&#039; - So Hieronymus mit dem selben Wort, mit dem er in VUL das &#039;&#039;zweite&#039;&#039; Vb. übersetzt, und Saadja. Vgl. außerdem Tg, Ms M: „begehre nicht nach den Übeltätern“, Syr: „sei nicht neidisch auf Übeltäter“. Vgl. schließlich noch b.Ber 7b: Man solle nicht lesen &#039;&#039;titḥar&#039;&#039; („zürne“), sondern &#039;&#039;teqanne`&#039;&#039; („wetteifere“). Das könnte einen alternativen Wortlaut nahelegen, aber vergleicht man dann noch die Kommentare von Saadja und ibn Ezra, sieht man, dass es &#039;&#039;dieses&#039;&#039; Wort war, dem sie diese Bed. gegeben haben – vielleicht aber ausgehend von der Variante in Tg, Ms M (&#039;&#039;trgg&#039;&#039; statt &#039;&#039;tgrg&#039;&#039;).&amp;lt;/ref&amp;gt;),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Keine Banalität; in der jüd. Auslegungsgeschichte hat man sogar explizit gegen diesen Vers Einspruch erhoben: b.Meg 6b + b.DER 2,29: „Es ist erlaubt, gegen Übeltäter zu eifern. Sollte dir jemand zuflüstern: ‚Zürne Bösewichtern nicht und beneide Übeltäter nicht‘ – nur, wer sich selbst schuldig fühlt, würde so etwas sagen.“ Jedoch: Gerade das soll der Angesprochene nicht tun, und dies ist gottgefällig.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Sprichwörter|24|19}}&lt;br /&gt;
_([und])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[und]&#039;&#039; - So viele MSS; u.a. einige wichtige und alte Handschriften (z.B. G5, G7, G11, G20, KA1; zu den Handschriften-Siglen s. die Seite [https://offene-bibel.de/wiki/Benutzer:Sebastian_Walter/Wichtige_MSS Wichtige Handschriften]). Die alten Vrs. stützen aber L. &amp;lt;/ref&amp;gt; Beneide Übeltäter nicht, {{par|Psalm|73|3}} {{par|Sprichwörter|3|31}} {{par|Sprichwörter|23|17}} {{par|Sprichwörter|24|1}} {{par|Sprichwörter|24|19}}&lt;br /&gt;
{{S|2}} denn wie {das} Gras werden sie schnell verdorren &lt;br /&gt;
_Und wie grünes Kraut werden sie eingehen! {{par|Ijob|8|12}} {{par|Psalm|90|5|6}} {{par|Psalm|103|15|16}} {{par|Psalm|129|6}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|3}} [&#039;&#039;&#039;B&#039;&#039;&#039;] Vertraue auf JHWH und tue Gutes, {{par|Psalm|4|6}} {{par|Psalm|26|1}}&lt;br /&gt;
_Bewohne das Land (die Erde) und weide (so wirst du weiden können) Treue (in Sicherheit, weide treu/sicher, weide dich an seinen Schätzen, strebe nach Treue);&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Treue weiden&#039;&#039; - Etwas unklare Metapher. Klar ist immerhin, dass V. 3 mit V. 2 spielt: Wie die Übeltäter „wie Gras“ verschwinden werden, wird der Angesprochene dagegen „weiden“ können. Wahrscheinlich ist dies außerdem ein Wortspiel: &#039;&#039;re´eh&#039;&#039; („weide“) klingt im jüngeren Bibelhebräisch fast identisch mit &#039;&#039;re`eh&#039;&#039; („sieh“), also „und sieh Treue“ = „und du wirst [Gottes] Treue sehen=erfahren können!“ (vgl. V. 34: „Du wirst’s sehen“).&amp;lt;br /&amp;gt;Was näherhin die Bed. angeht, bieten sich vier Deutungen an:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Der Angesprochene erscheint wie in [[Psalm 23 |Ps 23]] als Schaf, daher: „Friss Treue“ = Gott wird dich in seiner Treue sättigen / mit seiner Treue regelrecht abfüllen. So schon VUL: „Weide dich an der Treue [Gottes]“; Cheung 2015, S. 54: „Graze on faithfulness“; ELB.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Ebenso, daher aber: „Friss in Sicherheit“, weil du dabei nicht mehr von den eingegangenen Übeltätern gestört und bedroht werden wirst. So z.B. Tiquillahuanca 2008, S. 11: „Bewohne das Land und beweide (es) in Sicherheit!“; Ruiz 2015, S. 17: „Weide in Sicherheit!“; z.B. auch HER05, TUR.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Der Angesprochene erscheint als Hirte, die „Treue“ als die Herde, die er „weiden“ = „pflegen“ soll: „Kultiviere deine Treue zu Gott“ = „Werde immer treuer“. So Tg: „Befleißige dich der Treue“; Syr: „Strebe nach Treue“; z.B. auch Witte 2013, S. 415: „Hege Treue!“. So die meisten Üss., z.B. BB, EÜ, HfA, LUT, MÜN, NeÜ, NGÜ, SLT, ZÜR.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Duhm 1899 vergleicht gut das häufige Nomen &#039;&#039;re´ut&#039;&#039; in Kohelet, das „Streben, Haschen“ zu bedeuten scheint. &#039;&#039;ra´ah&#039;&#039; müsste dann entsprechend ebenfalls „streben“ bedeuten können (Duhm: „erstrebe treue“ → „übe Treue“).&amp;lt;br /&amp;gt;Liest man V. 3 mit V. 4 zusammen, ist (1) am wahrscheinlichsten; „friss Gottes Treue“ ≙ „Gott wird dir die Bitten deines Herzens gewähren“. 3b nimmt man dann am besten als Folge-Imperative, also nicht „Bewohne...!“, sondern „dann wirst du bewohnen können“ (richtig von Lengerke 1847, Graetz 1882, Kissane 1953).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Fast alle Vrs. wie in der Primär-Üs., nur LXX + VUL: „Weide dich an seinen Reichtümern“, was statt &#039;&#039;`emunah&#039;&#039; („Treue, Sicherheit“) &#039;&#039;ḥamoneh&#039;&#039; („seine Menge/Schätze“) voraussetzt. So z.B. H-R: „Dann bleibst du im Land und genießt seine Güter“. Fast sicher soll dies aber nur das etwas schwierige Bild vereinfachen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|4}} Sei über JHWH entzückt (hab deine Wonne an JHWH),&amp;lt;ref&amp;gt;Anstatt gegen Übeltäter zu zürnen. Gut Goldingay 2006, S. 520: „The remedy for negative feelings that come from looking at others is to look at Yhwh and let appropriate feelings arise.“ Vgl. aber auch [[Ijob 34#s9 |Ijob 34,9]], wo sich erkennen lässt, dass das „Entzückt-sein“ über JHWH in der Tat eine Tugend war, die man jemandem auftragen konnte; u.a. sicher, weil man seinem Entzücken Ausdruck verleihen konnte durch Jubel vor dem Altar Gottes u.ä. (s. [[Psalm 43#s4 |Ps 43,4]]).&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|22|26}} {{par|Ijob|27|10}} {{par|Ijob|34|9}} {{par|Psalm|43|4}} {{par|Jesaja|58|14}}&lt;br /&gt;
_Dann wird er dir gewähren die Bitten deines Herzens. {{par|Psalm|21|3}} {{par|Psalm|145|19}} {{par|1 Könige|3|5}} {{par|2 Chronik|1|17}} {{par|Matthäus|7|7}} {{par|Johannes|15|7}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|5}} [&#039;&#039;&#039;C&#039;&#039;&#039;] Wälze auf JHWH deinen Weg (deine Wege)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Wälze deinen Weg&#039;&#039; - Ausdruck dafür, das eigene Schicksal der Fürsorge Gottes anzuvertrauen, auf dass dieser sich darum kümmere; s. noch [[Psalm 22#s9 |Ps 22,9]]; [[Sprichwörter 16#s3 |Spr 16,3]]; [[1Petrus 5#s7 |1 Pet 5,7]]. Sinnvoll BB + NGÜ: „Lass den Herrn deinen Weg bestimmen“, TEX: „Stelle Jahwe dein Geschick anheim“.&amp;lt;br /&amp;gt;Vielleicht ein Wortspiel: Syr übersetzt „Mach deinen Weg gerade“, versteht „wälzen“ also offenbar als „glattwalzen“, was hier sicher nicht primär gemeint ist, aber sprachlich möglich ist. Wer seinen Weg „glattgewalzt“ hat, ist aber identisch mit dem mit „geradem Weg“ in V. 14.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: LXX, VUL, Tg lesen &#039;&#039;gl&#039;&#039; nicht wie MT, Hier und Syr als &#039;&#039;gol&#039;&#039; („Wälze“), sondern als &#039;&#039;gal&#039;&#039; („Offenbare“); Tg und einige Mss lesen außerdem die Konsonanten für „deinen Weg“ mit anderen Vokalen als Pl. „deine Wege“; also: „Tu Gott deine(n) Weg(e) kund!“ Was das bedeuten soll, wäre aber unklar; sicher hat es Gott ja nicht nötig, dass man ihm erst „seinen Weg offenbart“. Richtig hält dies auch keine dt. Üss. für ursprünglich.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Und vertrau auf ihn, dann wird er handeln: (dann wird er [dies] tun:) {{par|Psalm|22|32}} {{par|Matthäus|6|25|26}} {{par|1 Thessalonicher|5|24}}&lt;br /&gt;
{{S|6}} Er wird aufstrahlen lassen deine Gerechtigkeit wie {das} Licht&lt;br /&gt;
_Und dein Recht (deine Gerichtsentscheide)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;deine Gerichtsentscheide&#039;&#039; - so Syr und wenige Mss., die die Konsonanten von MT anders als L und die anderen Vrs. als Pl. vokalisieren. Angezielt war sicher der Sg.&amp;lt;/ref&amp;gt; wie {die} Mittag[shelle].&amp;lt;ref&amp;gt;Gut Hitzig 1863, S. 206: „Er wird deine Rechtschaffenheit glänzend sich herausstellen lassen durch entsprechendes äußeres Schicksal“. Vgl. ähnlich [[Jesaja 62#s1 |Jes 62,1]], wo nicht nur die Gerechtigkeit als die Ursache des „Strahlens“ genannt wird, sondern etwas verständlicher auch die Segenstat Gottes als die Folge dieser Gerechtigkeit: „bis Jerusalems Gerechtigkeit wie Lichtglanz leuchtet und seine Rettung wie eine lodernde Fackel.“ Vgl. auch [[Maleachi 4#s2 |Mal 4,2]]; [[Ijob 11#s14 |Ijob 11,14-17]]; [[Jesaja 60#s1 |Jes 60,1f.]]&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|11|17}} {{par|Jesaja|62|1}} {{par|Maleachi|4|2}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|7}} [&#039;&#039;&#039;D&#039;&#039;&#039;] Schweige vor JHWH und warte auf (tanze vor)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;warte auf (tanze vor)&#039;&#039; - Wortspiel durch mehrdeutiges Wort: Leitet man es ab von &#039;&#039;ḥil&#039;&#039; II (einer NF von &#039;&#039;jaḥal&#039;&#039;, vgl. Kittel 1914; Goldingay 2006; Cheung 2015, S. 54; Witte 2013, S. 416), bed. es „warten auf“, leitet man es ab von &#039;&#039;ḥil&#039;&#039; I, heißt es „tanzen vor“. Aufgerufen wird also zu einem sichtbaren Ausdruck der Vorfreude: „Tänzle vor JHWH!“&amp;lt;/ref&amp;gt; ihm, {{par|Psalm|4|5}} {{par|Psalm|39|2|3}} {{par|Psalm|62|2}}&lt;br /&gt;
_(Brenne=) Zürne nicht – wenn sein Weg gelingt –&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;wenn sein Weg gelingt&#039;&#039; - W. „wenn er seinen Weg zum Gelingen bringt“, im Gegensatz zu dir, der du deinen Weg JHWH anheim gestellt hast.&amp;lt;br /&amp;gt;Wortspiel: das Wort heißt auch „brennen“ (s. zu [[Amos 5#s6 |Am 5,6]]). Auch das Verb zu Beginn der Zeile heißt zunächst „brennen“, und die Konsonanten von &#039;&#039;`iš&#039;&#039; („Mann“) sind die selben wie von &#039;&#039;`eš&#039;&#039; („Feuer“). Wahrscheinlich soll damit nachgebildet werden – wie es in V. 8 dann auch explizit gesagt wird – dass man sich mit solchem „Entbrennen“ nur dem Übeltäter gemein macht: dem Hitzkopf, der sich durch das Leben brennt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Dem Mann, der Intrigen ausführt!&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|8}} [&#039;&#039;&#039;E&#039;&#039;&#039;] Lass ab vom (Brennen=) Zorn und gib auf den Grimm,&lt;br /&gt;
_(brenne=) zürne nicht, [es führt] nur zum Bösen (gar bis zum Bösen)!&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;nur zum Bösen&#039;&#039; - Schön verständlich Böhler 2021: „sonst tust du gar noch Böses!“&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|39|2}} {{par|Sprichwörter|14|29}} {{par|Sprichwörter|16|32}} {{par|Epheser|4|31}} {{par|Jakobus|1|19|20}}&lt;br /&gt;
{{S|9}} Denn Bösewichter werden abgeschnitten!&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;abgeschnitten&#039;&#039; - d.i. getötet; erstarrte Metapher, bei der das menschliche Leben als Textilie dargestellt wird (s. zu [[Ijob 4#s21 |Ijob 4,21]]).&amp;lt;br /&amp;gt;Wortspiel: Das Wort für „hoffen“ in 9b heißt auch „binden“ und ist damit der Gegensatz zum „abgeschnitten-Werden“: Wer auf JHWH hofft = bindet, wird nicht abgeschnitten = getötet.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Heb. &#039;&#039;jikkaretun&#039;&#039; statt &#039;&#039;jikkaretu&#039;&#039; (wie in Ps 37,22), das &#039;&#039;-n&#039;&#039; (ein sog. „paragogisches Nun“) macht das Wort wahrscheinlich noch emphatischer (GKC §47m; JM §44e). Daher oben das Ausrufezeichen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Wer aber auf JHWH hofft, der&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Der&#039;&#039; - Heb. &#039;&#039;hemmah&#039;&#039;, Wortspiel mit &#039;&#039;ḥemmah&#039;&#039; („Grimm“) in V. 8: Nicht der &#039;&#039;Grimmende&#039;&#039; wird das Land besitzen, sondern nur &#039;&#039;derjenige&#039;&#039;, der sich ganz auf JHWH verlässt.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;hemmah&#039;&#039; würde man i.d.R. als Signal für den Beginn eines dritten Kolons nehmen; weil seine Existenz sich hier aber literarisch erklären lässt, sollte man V. 9 besser als Bikolon denn als Trikolon deuten.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird das Land (die Erde) besitzen (in Besitz nehmen). {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|10}} [&#039;&#039;&#039;F&#039;&#039;&#039;] Nur noch ein Weilchen, und der Frevler wird nicht mehr sein, {{par|Jesaja|29|17}} {{par|Jeremia|51|33}}&lt;br /&gt;
_[&#039;&#039;&#039;F&#039;&#039;&#039;] Und du wirst (ich werde)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Alle Vrs. wie MT, nur 4QpPs: „&#039;&#039;ich&#039;&#039; werde untersuchen“. Craigie 1983 hält dies für ursprünglich, aber wahrscheinlicher ist dies Assimilation an V. 36, wo 4QpPs ebenfalls anders als MT nicht „er ging vorüber“, sondern „&#039;&#039;ich&#039;&#039; ging vorüber“ hat. Dass hier sogar an diese Stelle assimiliert wird, macht noch wahrscheinlicher, dass dort „ich“ ursprünglich ist; s. dort.&amp;lt;/ref&amp;gt; den Ort, wo er war,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;den Ort, wo er war&#039;&#039; - W. „seinen Ort“; in dieser Bed. z.B. auch verwendet in [[Psalm 103#s16 |Ps 103,16]].&amp;lt;/ref&amp;gt; untersuchen, aber er wird nicht [da] sein.&amp;lt;ref&amp;gt;Gut erklärt von Ruiz 2015, S. 29: „Nur noch ein Weilchen“ = „es dauert nicht mehr lang“; „und &#039;&#039;du&#039;&#039; wirst den Ort untersuchen“ = „auf jeden Fall wird es noch geschehen, während du lebst“.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|8|18}} {{par|Ijob|20|9}} {{par|Psalm|103|16}}&lt;br /&gt;
{{S|11}} [&#039;&#039;&#039;F&#039;&#039;&#039;] Aber die Elenden (Armen) werden das Land (die Erde) besitzen (in Besitz nehmen) {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}} {{par|Matthäus|5|5}}&lt;br /&gt;
_[&#039;&#039;&#039;F&#039;&#039;&#039;] Und entzückt sein über die (ihre Wonne haben an der) Fülle des Friedens (Wohlergehens, Heil-Seins). {{par|Psalm|72|7}} {{par|Jesaja|54|13}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|12}} [&#039;&#039;&#039;G&#039;&#039;&#039;] Der Frevler sinnt gegen den Gerechten {{par|Psalm|31|14}} {{par|Micha|2|1}}&lt;br /&gt;
_Und knirscht gegen ihn mit den Zähnen. {{par|Psalm|35|16}} {{par|Klagelieder|2|16}}&lt;br /&gt;
{{S|13}} Der Herr (JHWH)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Der Herr (JHwH)&#039;&#039; - Die einzige Stelle im Ps., wo explizit gesagt wird, dass &#039;&#039;Gott&#039;&#039; am Übeltäter handeln wird; sonst werden sicher bewusst Passiv-Formulierungen u.ä. verwendet (s. die Anmerkungen). Gleichzeitig die einzige Stelle, wo auffällig nicht der Gottesname „JHWH“ verwendet wird, sondern das distanziertere „der Herr“ – sicher nicht zufällig.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: 4QpPs und wenige (allerdings wichtige, z.B. G20, KA10, KA27b, KA30, KA36; zu den Handschriften-Siglen s. die Seite [https://offene-bibel.de/wiki/Benutzer:Sebastian_Walter/Wichtige_MSS Wichtige Handschriften]) Mss allerdings auch hier „JHWH“. Doch sicher ist dies nur Angleichung auf den sonstigen Sprachgebrauch des Psalms, der von Gott sonst durchgehend als von „JHWH“ spricht.&amp;lt;/ref&amp;gt; kann über ihn (darüber) [nur] lachen (muss über ihn/darüber lachen), {{par|Psalm|2|4}} {{par|Psalm|59|9}}&lt;br /&gt;
_Denn er sieht (sinnt darauf&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;sinnt darauf&#039;&#039; - zu dieser Bed. s. [[Psalm 66#s18 |Ps 66,18]] u.ö. So hier aber niemand.&amp;lt;/ref&amp;gt;), dass sein Tag&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;sein Tag&#039;&#039; - Entweder „der Tag JHWHs“, also der große Gerichtstag, der eine Zeitenwende einleiten wird, oder „der [schicksalhafte] Tag des Frevlers“ (so explizit Tg). Letztlich kommt hier beides auf das Selbe hinaus, wahrscheinlicher ist hier aber Letzteres, da V. 13 wohl im Gegensatz zu V. 18 stehen soll (richtig Hacham 1979, S. 209; Levine 2003, S. 76). NGÜ + NL: „Der Tag des Gerichts“, BB + GN + HfA + NeÜ: „Der Tag der Abrechnung“; will man den Gegensatz besser erkennbar machen, vielleicht eher: „denn er weiß, dass seine Tage gezählt sind.“&amp;lt;/ref&amp;gt; kommen wird (kommt).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;kommen wird&#039;&#039; - So MT und alle Vrs.; nur 4QpPs und 5 Mss (darunter KA17b) Qatal: &#039;&#039;kommt&#039;&#039;. Am Sinn würde es nichts ändern, darüber hinaus wird man ohnehin auch &#039;&#039;kj bw`&#039;&#039; in diesen Mss besser als &#039;&#039;kj jbw`&#039;&#039; mit „shared consonant“ erklären.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|18|20}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|14}} [&#039;&#039;&#039;H&#039;&#039;&#039;] Das Schwert ziehen die Frevler&lt;br /&gt;
_Und spannen ihren Bogen, {{par|Psalm|64|4}}&lt;br /&gt;
Um zu fällen den Unterdrückten (Demütigen) und Bedürftigen,&lt;br /&gt;
_([Und])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[und]&#039;&#039; - So nur 4QpPs.&amp;lt;/ref&amp;gt; Um zu schlachten, die (geraden=) rechten (Weges=) Wandels (Herzens)&amp;lt;ref&amp;gt;Wortspiel: „Bogen &#039;&#039;spannen&#039;&#039;“ = &#039;&#039;darku&#039;&#039;, „Weg“ = &#039;&#039;darek&#039;&#039;. „Rechten Wandels zu sein“ heißt natürlich, „auf Gottes Pfaden zu wandeln“, also gerecht zu leben.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT&#039;s „Weg“ wird gestützt durch Hier, Tg, Syr; dagegen LXX, VUL und einige (auch: wichtige) Mss bezeugen „Herz“. Für ursprünglich halten das z.B. Buttenwieser 1938 und Zorell 1928, und in der Tat ließe es sich gut erklären als Verschreibung unter Einfluss des &#039;&#039;darku&#039;&#039; in 14b. Eher ist die Variante mit „Herz“ aber Angleichung an den üblicheren Ausdruck in [[Psalm 7#s11 |Ps 7,11]]; [[Psalm 11#s2 |11,2]]; [[Psalm 32#s11 |32,11]]; [[Psalm 36#s11 |36,11]] u.ö., sicher unter Einfluss des im nächsten V. folgenden „Herz“. Das spricht übrigens dafür, dass der Psalm mindestens schon vor der Üs. durch LXX stichisch niedergeschrieben worden ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; sind. {{par|Klagelieder|2|21}}&lt;br /&gt;
{{S|15}} [&#039;&#039;&#039;H&#039;&#039;&#039;] Ihr Schwert wird dringen in ihr [eigenes] Herz {{par|Psalm|7|16}} {{par|Psalm|9|16}} {{par|Psalm|35|8}} {{par|Sprichwörter|28|10}}&lt;br /&gt;
_Und ihre Bögen werden zerbrochen werden. {{par|1 Samuel|2|4}} {{par|Psalm|46|10}} {{par|Psalm|76|5}} {{par|Jeremia|49|35}} {{par|Jeremia|51|56}} {{par|Hosea|1|5}} {{par|Hosea|2|18|20}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|16}} [&#039;&#039;&#039;I&#039;&#039;&#039;] Besser ist ein Bisschen für den Gerechten&lt;br /&gt;
_Als der der viele Überfluss (Tumult) der Frevler (als der Überfluss der vielen Frevler),&amp;lt;ref&amp;gt;Ein sog. &#039;&#039;țob&#039;&#039;-Spruch, eine übliche Form heb. Sprichwörter. Nowack 1888 und Herkenne 1936 verweisen schön auf das entspr. dt. Sprichwort „Unrecht Gut gedeiht nicht gut.“&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT&#039;s „als der Überfluss der vielen Frevler“ wird gestützt durch 4QpPs, Aq, Sym und Tg. Dagegen LXX, Syr, VUL und Hier setzen statt &#039;&#039;rbjm&#039;&#039; voraus: &#039;&#039;rb&#039;&#039;, „als der viele Überfluss der Frevler“. Für ursprünglich halten das zB. Wellhausen 1895; BHS; Craigie 1983. Was tatsächlich ursprünglich war, lässt sich kaum entscheiden, poetisch aber macht LXX &amp;amp; Co. mehr Sinn: „der Gerechte“ aus 16a wird hier durch den Plural „die Frevler“ gesteigert, „das Bisschen“ aus 16a durch das „viele“ in „der viele Überfluss“ in 16b. Und &#039;&#039;rabbim&#039;&#039; im MT lässt sich leicht als falsche Assimilation an das vorangehende &#039;&#039;reša´im&#039;&#039; erklären, eine Änderung von &#039;&#039;rabbim&#039;&#039; zu &#039;&#039;rab&#039;&#039; dagegen weniger gut. Besser folgt man daher hier BHS als CTAT V, S. 215, wo MT für wahrscheinlicher ursprünglich gehalten wird.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Sprichwörter|15|16}} {{par|Tobit|12|8}}&lt;br /&gt;
{{S|17}} Denn die Arme&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Arme&#039;&#039; - Hier wohl nicht genannt als dasjenige, womit Frevler sich ihren Reichtum erwirtschaften können (so Craigie 1983; Cheung 2015, S. 66), sondern nach den Parallelen [[Ijob 38#s15 |Ijob 38,15]]; [[Ezechiel 30#s21 |Ez 30,21]] als dasjenige, womit man kämpfen kann: Die Vernichtung setzt sich fort und mit den Bögen werden auch gleich die Arme der Frevler zerbrochen; ihr eigener Niedergang ist dann eben damit zu erklären, dass sie überhaupt erst die Hand gegen die Gerechten erhoben haben: Eine Umkehrstrafe&amp;lt;/ref&amp;gt; der Frevler werden zerbrochen werden {{par|Ijob|38|15}} {{par|Psalm|10|15}} {{par|Ezechiel|30|21}}&lt;br /&gt;
_Aber es stützt die Gerechten JHWH. {{par|Richter|1|24}} {{par|Psalm|41|13}} {{par|Psalm|63|9}} {{par|Psalm|119|117}} {{par|Psalm|145|14}} {{par|Jesaja|41|10}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|18}} [&#039;&#039;&#039;J&#039;&#039;&#039;] Es kennt JHWH die Tage (die Wege)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Alle Vrs. wie MT, nur LXX: „die Wege“. Buttenwieser 1938 hält das für ursprünglich, aber sicher richtig Ross 2011: Assimilation an [[Psalm 1#s6 |Ps 1,6]].&amp;lt;/ref&amp;gt; der Makellosen {{par|Psalm|1|6}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
_Drum hat ihr Erbteil&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Erbteil&#039;&#039; - Also das Stück Land vom „Land“ Israel, das ihrer Familie einst von JHWH zugesprochen wurde. Hier wichtiges Wort; es zeigt, dass es im Psalm nicht &#039;&#039;nur&#039;&#039; um die Frage geht, wem „das Land Israel“ oder gar „die Erde“ gehört oder gehören wird, sondern dass diese große Frage sich im Kleinen realisiert: Darin, ob „den Armen und Elenden“ ihr Land von den ungerechten Reichen geraubt werden wird oder nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; für immer [Bestand].  {{par|Sprichwörter|28|10}}&lt;br /&gt;
{{S|19}} Sie werden nicht zuschanden (beschämt) werden zur Zeit des Übels&lt;br /&gt;
_Und in den Tagen des Hungers werden sie satt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Klangspiel: &#039;&#039;jißba´u&#039;&#039; („satt werden“) ist fast ein Anagramm von &#039;&#039;jibošu&#039;&#039; („zuschanden werden“); in &#039;&#039;ra´abon&#039;&#039; („Hunger“) klingt &#039;&#039;ra´ah&#039;&#039; („Übel“) an. In 4QpPs ist das sogar noch deutlicher; &#039;&#039;ra´abon&#039;&#039; ist dort &#039;&#039;ra´ab&#039;&#039; wie in [[Psalm 33#s19 |Ps 33,19]].&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|5|20}} {{par|Psalm|33|19}} {{par|Sprichwörter|10|3}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|20}} [&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] Denn die Frevler werden umkommen {{par|Richter|5|31}} {{par|Psalm|92|10}}&lt;br /&gt;
_Und die Feinde (Geliebten)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Geliebte&#039;&#039; - So 4QpPs: &#039;&#039;`hbj&#039;&#039; statt &#039;&#039;`jbj&#039;&#039; („Feinde“). Sicher sollte damit aber das „die Feinde JHWHs [waren] wie prächtige Auen“, das auf den ersten Blick wie eine Preisung der so Beschriebenen klingt, geglättet werden. Der Parallelismus legt aber sehr nahe, dass gegen die masoretischen Akzente „wie prächtige Auen“ mit dem ersten „werden sie vergehen“ zu verbinden ist (wie schon Syr aufgelöst hat; so auch schon Hupfeld 1858 und Graetz 1882; z.B. auch Craigie 1983; Goldingay 2006; Meynet 2015, S. 108), was diese Textkorrektur von 4QpPs überflüssig macht.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gottes,&lt;br /&gt;
[&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] Wie {die} (Pracht der Auen=) prächtige [&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] Auen (prächtiges Vieh)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: (1) &#039;&#039;krjm&#039;&#039; ist von MT als &#039;&#039;karim&#039;&#039; („Auen“) aufgefasst worden, (2) von Sym, Tg und Hier als &#039;&#039;kerem&#039;&#039; („[wie die Pracht,] wie das Vieh“) – Sym und Hier vereindeutigen witzigerweise zu „wie Einhörner“ –, (3) LXX, VUL und Syr schließlich deuteten stattdessen als &#039;&#039;kerum&#039;&#039; und übersetzen mit „als sie geehrt &#039;&#039;und gerühmt&#039;&#039; wurden“. (4) 4QpPs hat im Pescher eine Doppelinterpretation („Kleinvieh [=Sym] der Weiden [=MT]“). In der Üs. steht dagegen &#039;&#039;kwrjm&#039;&#039;. Damit hat man (5) einen Emendationsvorschlag von Wellhausen 1895 stützen wollen (so z.B. noch Seybold 1996), statt &#039;&#039;kiqar karim&#039;&#039; („wie prächtige Auen“) sei &#039;&#039;kiqod kurim&#039;&#039; („wie das Brennen eines Schmelztiegels“) zu lesen, aber richtig Cheung 2015, S. 56 FN 11: &#039;&#039;-w-&#039;&#039; wird hier wie noch öfter in Qumran Mater lectionis für Qameṣ sein und damit ebenfalls MT stützen.&amp;lt;br /&amp;gt;Klar ist nach diesen Varianten, dass der ursprüngliche Konsonantentext &#039;&#039;krm&#039;&#039; war, und angezielt wird in diesem Kontext damit wie in MT &#039;&#039;karim&#039;&#039; gewesen sein: V. 2 „sie werden wie Gras verdorren, wie grünes Kraut eingehen“ – V. 20 „wie prächtige Weiden werden sie vergehen“ – Vv. 35f. „Er war wie eine belaubte Zeder; dann ging ich wieder vorbei und er war nicht mehr da“.&amp;lt;br /&amp;gt;Übrigens vokalisiert auch von Lengerke 1847 als „Vieh“, deutet dann aber auch dies auf die Weiden: „die Pracht der Schafe“ = „ihre Weiden“ – selbst dann also, wenn ursprünglich wirklich &#039;&#039;kerem&#039;&#039; angezielt gewesen sein sollte, würde man dies hier als einen Ausdruck für Wiesen deuten wollen.&amp;lt;/ref&amp;gt; [&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] werden sie vergehen,&lt;br /&gt;
_[&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] Wie {der} (Im) Rauch [&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] werden sie vergehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Klangspiel: Nicht nur 20a beginnt hier mit dem Konsonanten k, sondern in 20cd jedes Wort: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;iqar &#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;arim &#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;alu &#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;e´ašan &#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;alu&#039;&#039;.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: So jedenfalls in 4QpPs, LXX, Sym, VUL, Hier, Syr und vielen Mss (CTAT V, S. S. 217 ist schlicht irreführend: „Cependant les témoins habituels du texte tibérien classique appuient la leçon {{hebr}}בעשן{{hebr ende}}“ – aber was soll das schon heißen, der „klassische tiberische Text“ ist ja nur ein Teil von einer von mehreren masoretischen Textfamilien?). L und Tg dagegen haben nicht „&#039;&#039;wie&#039;&#039; Rauch“ mit {{hebr}}כ{{hebr ende}}, sondern „&#039;&#039;im&#039;&#039; Rauch“ mit {{hebr}}ב{{hebr ende}}, wahrscheinlich entweder ein reiner Schreibfehler oder Angleichung an [[Psalm 102#s4 |Ps 102,4]]. Dort ist das „im Rauch“ auch gut erklärlich: „Meine Tage schwinden im Rauch“ weil „meine Gebeine wie ein Feuerbrand glühen“. Hier gilt das auch dann kaum, wenn in 20c „Pracht des Viehs“ zu lesen und als „[zu verbrennendes] Fett der Opferschafe“ zu deuten wäre; auch dies vergeht nach israelitischem Verständnis ja nicht „im Rauch“, sondern steigt „&#039;&#039;als&#039;&#039; Rauch (und Duft)“ in die Nase Gottes.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|68|3}} {{par|Hosea|13|3}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|21}} [&#039;&#039;&#039;L&#039;&#039;&#039;] Leiht sich der Frevler, will (kann) er nicht zurückzahlen,&lt;br /&gt;
_Der Gerechte aber ist gnädig (mildtätig) und gibt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vb. 1, 3 und 4 sind Partizipien. Nicht also: „Sie werden gnädig sein und geben &#039;&#039;können&#039;&#039;“ o.Ä.: V. 21b ist sicher keine Verheißung (wie [[Deuteronomium 28#s12 |Dtn 28,12]].[[Deuteronomium 28#s44 |44]]), sondern Charakterisierung des aktuellen Tuns der Gerechten. V. 21a &#039;&#039;könnte&#039;&#039; eine Warnung sein („er &#039;&#039;wird&#039;&#039; nicht zurückzahlen [&#039;&#039;können&#039;&#039;]“), ist dann aber in diesem Kontext wohl ebenfalls Charakterisierung. Die entscheidenden Aussagen sind dann: Der eine &#039;&#039;will&#039;&#039; nicht zurückzahlen, der andere ist &#039;&#039;gnädig&#039;&#039;. So und so richtig Croft 1997, S. 59: Vv. 21.25 zeigen, dass man sich den „Armen“ aus Vv. 14.16 nicht tatsächlich als materiell arm vorstellen darf; „arm“ sind die Gerechten in &#039;&#039;diesem&#039;&#039; Psalm nur insofern, als &#039;&#039;sie&#039;&#039; sich &#039;&#039;nicht&#039;&#039; bereichern.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|22}} Darum (Denn)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Darum (denn)&#039;&#039; - ist das richtig, was in der vorigen FN gesagt wurde, muss &#039;&#039;ki&#039;&#039; hier wie häufig, aber wie sonst nicht mehr in diesem Ps, „darum“ bedeuten.&amp;lt;/ref&amp;gt; werden seine Gesegneten (die ihn Segnenden)&amp;lt;ref name=&amp;quot;V 22&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;seine Gesegneten (die ihn Segnenden) + seine Verfluchten (die ihn Verfluchenden)&#039;&#039; - Die beiden Partizipien in V. 22 werden von den Vrs. unterschiedlich vokalisiert: Von MT, Tg und Hier beide passiv („gesegnet, verflucht“), von LXX und VUL beide aktiv („segnend, verfluchend“), von Syr nach den meisten Mss merkwürdigerweise das erste aktiv, das zweite passiv (in 8a1c und 12t1.4 aber auch Syr wie MT). Fast alle Neueren folgen hier der Deutung von MT.&amp;lt;/ref&amp;gt; das Land (die Erde) besitzen (in Besitz nehmen),&lt;br /&gt;
_Aber seine Verfluchten (die ihn Verfluchenden)&amp;lt;ref name=&amp;quot;V 22&amp;quot; /&amp;gt; werden abgeschnitten werden. {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Sprichwörter|3|33}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}} {{par|Matthäus|5|5}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|23}} [&#039;&#039;&#039;M&#039;&#039;&#039;] ([Denn])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[Denn]&#039;&#039; - So merkwürdigerweise 4QpPs, wonach auch hier die Strophe nicht mit dem zu erwartenden Buchstaben begänne.&amp;lt;/ref&amp;gt; Von JHWH werden die Schritte des Mannes gelenkt,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;JHWH lenkt die Schritte eines Mannes&#039;&#039;, d.i., er entscheidet über sein Schicksal, vgl. deutlich die Parallelstellen. D.h. hier natürlich wieder: Denjenigen, der gottgefällig lebt, segnet er. Kontraintuitiver Weise sind also die „Schritte“ eines Menschen nicht das, worüber ein Mensch selbst verfügen könnte.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Sprichwörter|16|9}} {{par|Sprichwörter|20|24}} {{par|Jeremia|10|23}}&lt;br /&gt;
_Wenn er an dessen Wandel Gefallen hat:&lt;br /&gt;
{{S|24}} Auch, wenn er zu fallen drohte, würfe es ihn nicht hin, {{par|Psalm|94|18}} {{par|Sprichwörter|24|16}}&lt;br /&gt;
_Denn JHWH stützt seinen Arm.&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|25}} [&#039;&#039;&#039;N&#039;&#039;&#039;] Jung war ich, ([und])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT wird nur durch Hier gestützt: 4QpPs, LXX, VUL, Tg, Syr und einige Mss haben vor &#039;&#039;auch&#039;&#039; zusätzlich &#039;&#039;und&#039;&#039;, wie dies hier auch erwartbar wäre. Gerade deshalb wird MT und Hier aber der ursprüngliche Wortlaut sein.&amp;lt;/ref&amp;gt; bin auch alt geworden,&lt;br /&gt;
_Aber nie sah ich, dass ein Gerechter verlassen worden wäre, {{par|Ijob|4|7}}&lt;br /&gt;
_So dass (und dass) seine Nachkommenschaft Brot suchen müssen hätte:&amp;lt;ref&amp;gt;Ein ganz schwieriger Vers. Exakt vom Gegenteil sprechen z.B. [[Ijob 9#s22 |Ijob 9,23f.]]; [[Kohelet 7#s15 |Pred 7,15]], und die Entsprechung in der Parallelstelle [[Ijob 4#s7 |Ijob 4,7]] wird danach abgetan als das „Traumgesabbel“ von Elifaz. Es lässt sich nicht weg-diskutieren: Ps 37,25 spricht sich derart stark für den (selbst intergenerationellen) Tun-Ergehens-Zusammenhang aus, dass selbst parallele biblische Texte hier nicht mitgehen können.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|34|11}}&lt;br /&gt;
{{S|26}} Den ganzen Tag ist er gnädig (mildtätig) und verleiht,&lt;br /&gt;
_Und seiner Nachkommenschaft [ist&#039;s] zum Segen (seine Nachkommenschaft wird zu einem Segen).&amp;lt;ref&amp;gt;So sinnvoll Stolz 1983, S. 61: „Seiner Nachkommenschaft gereicht es zum Segen.“. So auch Bernfeld, ELB, GN, HER05, HfA; am besten NGÜ: „Noch seine Nachkommen werden durch ihn gesegnet sein“. So auch schon LXX, VUL, Hier, Syr, Raschi. Radak gibt zwei Erklärungen: (1) Weil Gesegnete wie der Angesprochene ihren Segen weiterzugeben pflegen (eine Art trickle-down-Effekt des Segens), (2) weil andere, die von ihm Gutes erfuhren, ihrerseits um seintwillen seine Nachkommenschaft segnen werden (Letzteres auch bei ibn Ezra). Sonst stets wie in der Alternative.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|27}} [&#039;&#039;&#039;O&#039;&#039;&#039;] Weiche vom Üblen und tue Gutes {{par|Psalm|34|15}} {{par|Sprichwörter|3|7}} {{par|Jesaja|1|16|17}}&lt;br /&gt;
_Und wohne für immer:&amp;lt;ref&amp;gt;Wieder Folge-Imperativ: „So wirst du für immer wohnen können“.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Hier, Tg und Syr wie MT. Dagegen LXX und VUL setzen voraus: „auf &#039;&#039;immer und&#039;&#039; ewig“. Metrisch würde man das hier auch erwarten; für ursprünglich halten das daher auch Kittel 1914 und wahlweise Witte 2013, S. 417.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|28}} Weil JHWH Recht liebt, {{par|Psalm|45|8}} {{par|Psalm|99|4}} {{par|Jesaja|61|8}}&lt;br /&gt;
_Wird er nicht verlassen seine Frommen. {{par|Jesaja|59|21}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Für immer werden [sie] bewahrt ([&#039;&#039;&#039;P&#039;&#039;&#039;] Übeltäter werden für immer ausradiert)&amp;lt;ref&amp;gt;Hier erwartet man eine Zeile, die mit dem Buchstaben &#039;&#039;´Ajin&#039;&#039; beginnt. Der MT dagegen beginnt mit der Präp. Lamed, erst darauf folgt der erwartete Buchstabe. Viele Ausleger haben daher einen anderslautenden Text aus LXX rekonstruieren wollen (s.u.). Aber die vorgeschlagene Textkorrektur geht wohl nicht an. Vielleicht daher so: Mit `Ajin beginnt auch das Wort für „Übeltat“ in V. 1c; möglicherweise soll im fehlenden `Ajin also das gänzliche Fehlen der „Nachkommenschaft der Frevler“ und ihrer Übeltaten zum Ausdruck gebracht werden.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Die meisten Textzeugen stützen MT. Allerdings mehrere LXX-Gruppen, Sym und VUL haben hier eine fünfte Zeile; MT&#039;s „Für immer wird [dieser] bewahrt, aber die Nachkommenschaft von Frevlern wird abgeschnitten“ entspricht dort „für immer werden sie bewahrt, &#039;&#039;Gesetzlose aber werden gejagt/verjagt&#039;&#039;, und die Nachkommen der Frevler werden ausgerottet.“ Daraus haben viele ein ursprüngliches „Übeltäter werden für immer ausradiert“ rekonstruiert: &#039;&#039;´wl(j)m l´wlm nšmdw&#039;&#039;: &#039;&#039;´wl(j)m&#039;&#039; wäre wegen der Ähnlichkeit mit &#039;&#039;l´wlm&#039;&#039; übersehen worden und die Verschreibung von Resch mit Dalet ist ein sehr häufiger Schreibfehler. Die Übersetzung des ursprünglichen Wortlauts wäre dann also als Konflation zusätzlich zur Übersetzung des fehlerhaften Texts in die LXX geraten. So z.B. schon Houbigant 1777; auch Wellhausen 1895; BHK, BHS; Seybold 1996; Broyles 1999; Fokkelman 2000, S. 139 FN 54; Witte 2013, S. 417; ähnlich Jones 2019, S. 174 FN 20: &#039;&#039;´wlm l´wlm nṣmtw&#039;&#039; nach [[Psalm 69#s5 |Ps 69,5]]; [[Psalm 101#s5 |101,5]] wie schon Rahlfs. Aber das kritische Wort ist gerade &#039;&#039;´awalim&#039;&#039; „Übeltäter“; richtig nämlich Graetz 1882: Das heb. Wort ist als Entsprechung des gr. Wortes nirgends belegt. &#039;&#039;nšmdw&#039;&#039; ist gleichfalls keine belegte und auch keine sehr naheliegende Entsprechung des gr. Verbs (richtig Cheung 2015, S. 56; Böhler 2021), weshalb Jones 2019 seinen alternativen Vorschlag macht, der aber graphisch dann doch recht weit von MT entfernt ist. Darüber hinaus, dass die Vorlage von LXX nur so schwach bezeugt ist, ist LXX also auch gar keine gute Basis, um auf ihr die erwünschte Textrekonstruktion aufruhen zu lassen. Wahrscheinlicher ist es, dass in einer Handschrift wegen der Ähnlichkeit von 28d mit 38b hier 38a ergänzt wurde.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Ps 37,28.png|mini|Ps 37,28 in 4QpPs. (c) [https://www.deadseascrolls.org.il/explore-the-archive/image/B-506743 Deadseascrolls.org].]]Einige haben u.a. wohl daher behauptet, immerhin &#039;&#039;nšmdw&#039;&#039; statt &#039;&#039;nšmrw&#039;&#039; würde auch durch 4QpPs gestützt, aber richtig CTAT V 223: Anders als z.B. in DJD V 45 transkribiert, steht in 4QpPs sicher wie im MT &#039;&#039;nšmrw&#039;&#039;, vgl. auf dem Foto rechts den fraglichen Buchstaben mit dem Resch im direkt folgenden Wort. 4QpPs könnte mit LXX enger verwandt sein als mit MT, s. in V. 20 &#039;&#039;k´šn&#039;&#039; in 4QpPs, LXX, VUL, Syr vs. MT&#039;s &#039;&#039;b´šn&#039;&#039;, in V. 25 &#039;&#039;wgm&#039;&#039; in 4QpPs und LXX vs. MT&#039;s &#039;&#039;gm&#039;&#039; und in V. 35 &#039;&#039;`´bwr&#039;&#039; in 4QpPs, LXX, VUL, Syr vs. MT&#039;s &#039;&#039;wj´br&#039;&#039;. Dann wäre das Zeugnis besagter LXX-Textgruppen in diesem Vers umso schwächer. Man wird aber doch fragen müssen: Wie soll der Wortlaut von LXX denn sonst entstanden sein? Er ist sicher als Konflation zu erklären, und Textkorrekturen, wie diese eine wäre – poetische Verbesserungen, um z.B. wie hier ein Akrostichon lyrisch zu glätten –, sind mir (S.W.) sonst gar nicht bekannt.&amp;lt;br /&amp;gt;Die externe Evidenz mit nur einigen LXX-Zeugen ist also ziemlich schwach, die interne Evidenz – ein mit ´Ajin beginnendes Wort wäre hier so sehr zu erwarten, und der LXX-Wortlaut lässt sich kaum anders erklären denn mit einem heb. Original – dagegen ist sehr stark. Textkritisch lassen sich beide Optionen begründet vertreten; wir folgen daher hier der Mehrheits-Position in dt. Üss. und damit dem MT.&amp;lt;br /&amp;gt;En passant sei noch darauf hingewiesen, dass CTAT&#039;s Argument für MT, „der Poet habe ja schließlich auch kein Problem damit gehabt, die T-Strophe mit &#039;&#039;w-t...&#039;&#039; statt &#039;&#039;t...&#039;&#039; zu beginnen“, sicher nicht angeht; die Konjunktion wird man kaum „dem Poeten“ zuschreiben dürfen (so aber schon de Wette 1829; Maurer 1838; von Lengerke 1847; z.B. auch Böhler 2021). Ebenso wenig richtig dürfte ebd. sein, dass wir nur die Option haben zwischen „für immer wird dieser bewahrt“ und „Sünder werden ausradiert“, nicht aber „Sünder werden für immer ausradiert“, weil in LXX nur die Zwei-Wort-Variante belegt sei: LXX würde zwei Ein-Wort-Konflationen bezeugen; die gesamte Zeile muss man daraus rekonstruieren, und &#039;&#039;l´wlm&#039;&#039; wird man hier weit eher mit-rekonstruieren, weil dies Wort erst Grund für den Ausfall von &#039;&#039;´wlm&#039;&#039; gewesen wäre.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Aber die Nachkommenschaft von Frevlern wird abgeschnitten. {{par|Psalm|21|10}} {{par|Psalm|55|23}} {{par|Jesaja|14|21}} {{par|Baruch|4|1}}&lt;br /&gt;
{{S|29}} Die Gerechten werden besitzen (in Besitz nehmen) das Land (die Erde) {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}}&lt;br /&gt;
_Und für ewig&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;für ewig&#039;&#039; - eine Art break up-Parallelismus: Die häufige Fügung &#039;&#039;le´olam wa´ed&#039;&#039; („für immer und ewig“) wird aufgebrochen und als „für immer“ und „für ewig“ auf 28c und 29b verteilt, so dass sie das erste und vorletzte Wort dieser Strophe sind. Bemerkenswert ist außerdem, dass „für immer“ bereits in 27b stand, dort ebenfalls mit dem Vb. „wohnen“: „Wohne für immer“ (V. 27) – „für immer werden sie bewahrt“ (V. 28) – „und sie werden wohnen für ewig darin“ (V. 29). Dass ist zu auffällig, als dass es Zufall sein könnte, und die mittlere Klausel ist darüber hinaus gerade jene, wegen der V. 28c nicht mit `Ajin beginnt (s. vorige FN) – was mit dieser Formulierung zum Ausdruck gebracht werden soll, verstehe ich (S.W.) aber nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; wohnen darin.&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|30}} [&#039;&#039;&#039;Q&#039;&#039;&#039;] Der Mund des Gerechten redet (Weisheit=) Weises &lt;br /&gt;
_Und seine Zunge spricht (Recht=) Rechtes, {{par|Sprichwörter|10|31}}&lt;br /&gt;
{{S|31}} [Weil] die (&#039;&#039;torah&#039;&#039;=) Weisung seines Gottes in seinem Herzen [ist], {{par|Psalm|119|11}} {{par|Psalm|119|34}} {{par|Jeremia|31|33}}&lt;br /&gt;
_[Drum]&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[Drum]&#039;&#039; - So nach LXX, Sym, VUL, Syr, Saadja, 1 Ms. Dagegen 4QpPs, Tg und Hier stützen MT. Für ursprünglich halten die Variante mit &#039;&#039;w-&#039;&#039; z.B. auch Herkenne 1936; Craigie 1983; Ross 2011. Es ist aber gar nicht notwendig, dass &#039;&#039;w-&#039;&#039; ursprünglich zum Text gehörte; der vlS in 31 kann auch ohne &#039;&#039;w-&#039;&#039; Protasis von 31b gewesen sein und ist sicher so gedacht, da man Vv. 30f. sonst als Trikolon + Monokolon analysieren müsste.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird sein Schritt nicht wanken. {{par|Psalm|17|5}} {{par|Sprichwörter|4|4}} {{par|Baruch|4|1}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|32}} [&#039;&#039;&#039;R&#039;&#039;&#039;] Der Frevler lauert auf den Gerechten&lt;br /&gt;
_Und versucht, ihn zu töten. {{par|Psalm|10|8|10}} {{par|Jeremia|20|10}}&lt;br /&gt;
{{S|33}} JHWH wird ihn nicht seiner (Hand=) Gewalt überlassen&lt;br /&gt;
_Und nicht verurteilen&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;verurteilen&#039;&#039; - Wortspiel mit 32a: „verurteilen“ ist w. „zum Frevler machen=erklären“. Böhler 2021 sinngemäß richtig: „er wird nicht zulassen, dass man ihn für Frevels schuldig erklärt“, was als Übersetzung der Zeile aber ja ganz den Witz nimmt.&amp;lt;/ref&amp;gt; lassen, wenn er gerichtet wird.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;wenn er gerichtet wird&#039;&#039; - nämlich vor dem Gericht, vor das der Frevler ihn offenbar stellen will (so z.B. Hitzig 1863; Herkenne 1936; Kissane 1953). Das scheint zu bedeuten, dass „Gerechte“ nie zu Unrecht verurteilt werden und ist dann ähnlich schwer zu akzeptieren wie V. 25. Ross 2011 versucht, den Vers zu retten mit der Deutung, gemeint sei: „Auch, wenn er zu Unrecht verurteilt wird, sieht ihn immerhin &#039;&#039;JHWH&#039;&#039; nie als verurteilenswert an.“ (vgl. VUL, Hier: „Er wird ihn nicht &#039;&#039;verdammen&#039;&#039;, auch, wenn über ihn geurteilt wird“. Vgl. auch [[Römer 8#s33 |Röm 8,33f.]]). Aber, böse gefragt: Was soll das bringen? Was durch den ganzen Psalm hindurch versprochen wird, ist ja innerweltliches Heil; auch hier muss man dann erwarten, dass von einem solch „weltlichen“ Segen die Rede ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|124|6|7}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|34}} [&#039;&#039;&#039;S&#039;&#039;&#039;] Hoffe auf JHWH und achte auf seinen Weg, {{par|Ijob|17|9}} {{par|Ijob|23|11}} {{par|Sprichwörter|20|22}}&lt;br /&gt;
_Dann wird er dich [dazu] erhöhen, zu besitzen (in Besitz zu nehmen) das Land (die Erde). {{par|Psalm|92|10}} {{par|Psalm|112|9}} {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}} {{par|Matthäus|5|5}} {{par|Lukas|14|11}} {{par|1 Petrus|5|6}}&lt;br /&gt;
Wenn abgeschnitten&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;abgeschnitten&#039;&#039; - Wieder das selbe Wortspiel wie in V. 9: „Binde dich an = Hoffe auf JHWH“ vs. „die Frevler werden abgeschnitten = getötet werden“.&amp;lt;/ref&amp;gt; werden die Frevler, wirst du&#039;s sehen (auf das Abgeschnitten-Werden der Frevler wirst zu blicken können). {{par|Psalm|52|8}} {{par|Psalm|91|8}} {{par|Psalm|92|12}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|35}} [&#039;&#039;&#039;T&#039;&#039;&#039;]&amp;lt;ref&amp;gt;Klangspiel: Im Heb. beginnt der V. wie erwartet mit &#039;&#039;r&#039;&#039;. Dieser Konsonant durchzieht aber den ganzen Vers, gemeinsam mit dem Konsonanten `Ajin: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;a`iti &#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;aša&#039;&#039;&#039;´&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;´&#039;&#039;&#039;a&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;iṣ / umit&#039;&#039;&#039;´&#039;&#039;&#039;a&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;eh ke`e&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;ez ha&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;a&#039;&#039;&#039;´&#039;&#039;&#039;anan&#039;&#039;. Ist der Ps sehr jung, könnte auch Alef in &#039;&#039;ra`iti&#039;&#039; und &#039;&#039;ke`erez&#039;&#039; ähnlich wie ´Ajin geklungen haben. Resch und ´Ajin sind die Konsonanten für &#039;&#039;ra´&#039;&#039; („Übles, Böses“): Wie die ausladenden Äste einer Zeder hat sich hier der Böse über den ganzen Vers ausgebreitet und alles mit seinen Wurzeln durchdrungen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ich sah [einmal] einen gewaltigen Frevler,&lt;br /&gt;
_[Der] aufschoss wie eine Zeder im Saft (der sich entblößte wie ein Angestammter im Saft?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;der aufschoss (der sich entblößte)&#039;&#039; - Heb. &#039;&#039;mit´areh&#039;&#039;, auf den ersten Blick: „der sich entblößte“. Rhotatizismus für &#039;&#039;mit´aleh&#039;&#039; („der aufschoss“), das auch in [[Jesaja 55#s13 |Jes 55,13]]; [[Ezechiel 47#s12 |Ez 47,12]] von Bäumen gesagt wird (vgl. Fitzgerald 1978, S. 486; Craigie 1983).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Zeder im Saft (Angestammter im Saft)&#039;&#039; -  Für das &#039;&#039;`ezraḥ ra´anan&#039;&#039; („Angestammter im Saft“) in MT, Hier lies nach LXX, VUL &#039;&#039;ke`erez hara´anan&#039;&#039; („Zeder im Saft“, vgl. {{hebr}}אזרח רענן{{hebr ende}} mit {{hebr}}ארז הרענן{{hebr ende}}). So z.B. auch Wellhausen 1895; Terrien 2003; Perdue 1977, S. 334; Stolz 1983, S. 62; Gies 2018, S. 2018. Noch weit mehr wollen ganz LXX und VUL folgen und „Zedern des Libanon“ lesen (z.B. Seybold 1996; Broyles 1999; Witte 2013, S. 418), aber das wäre graphisch weit von MT entfernt und „Zedern &#039;&#039;des Libanon&#039;&#039;“ ist eine leicht erklärliche stilistische Variante von „Zedern im Saft“, da Libanon-Zedern berühmt und der Libanon bekannt für seine Fruchtbarkeit waren (s. bes. klar [[Ezechiel 31#s3 |Ez 31,3]], auch [[1 Könige 4#s33 |1 Kön 4,33]]; [[Psalm 29#s5 |Ps 29,5]]; [[Psalm 92#s13 |92,13]]; [[Psalm 104#s16 |104,16]]; [[Jesaja 2#s13 |Jes 2,13]]; [[Jesaja 37#s24 |37,24]]).&amp;lt;br /&amp;gt;Tg und Syr sind nicht eindeutig zuzuordnen: Beide übersetzen mit „Bäume“ (Tg: „fest gepflanzter Baum mit dichter Krone“, Syr: „Bäume im Wald“). Viele Neuere nehmen an, dass „Angestammter“ auch ein Ausdruck für heimische Bäume sein könne (z.B. Cheung 2015, S. 64: „per Wortspiel“; besser Maurer 1838, der auf einen verwandten arabischen Sprachgebrauch verweist). Ist das wahr, könnten Tg und Syr auch MT bezeugen. Aber wahrscheinlich ist es nicht; für einen solchen Sprachgebrauch im Hebräischen fehlt jede Parallele.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|1|3}} {{par|Jesaja|44|4}} {{par|Jeremia|17|8}} {{par|Ezechiel|19|10}}&lt;br /&gt;
{{S|36}} Ich ging [wieder] vorüber (und man ging vorüber, und er ging hinüber),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT&#039;s &#039;&#039;wj`br&#039;&#039; („und man/er ging vorüber“) wird nur von Sym und Tg gestützt; dagegen 4QpPs, LXX, VUL, Hier (!) und Syr haben alle &#039;&#039;`´br&#039;&#039; („ich ging vorüber“). 4QpPs hat wahrscheinlich sogar V. 10 an diese Stelle angeglichen. Eine Änderung von &#039;&#039;wj`br&#039;&#039; nach &#039;&#039;`´br&#039;&#039; ließe sich zwar leicht als Angleichung an das Vb. in 36b erklären; ebenso gut aber eine umgekehrte Änderung als Angleichung an 35b. Die neuesten Kommentatoren und Üss. folgen überwiegend MT (z.B. Terrien 2003; Goldingay 2006; Ross 2011; Böhler 2021; Tiquillahuanca 2008, S. 18; Witte 2013, S. 418; Cheung 2015, S. 57; Ruiz 2015, S. 19), aber das Zeugnis für 1. Prs. ist hier zu stark.&amp;lt;br /&amp;gt;4QpPs und VUL haben außerdem beide noch eine ähnliche, unerklärliche Ergänzung: 4QpPs: „ich zog &#039;&#039;vor ihm&#039;&#039; vorüber“, VUL: „&#039;&#039;sein Ort&#039;&#039; ließ sich nicht finden“. Könnte VUL &#039;&#039;lepanajw&#039;&#039; mit „sein Ort“ übersetzt haben? Dann bezeugten beide das selbe Plus. Noch einmal nachweisen lässt sich dies aber nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; und, siehe!, er war nicht mehr [da],&lt;br /&gt;
_Und ich suchte ihn, aber er ließ sich nicht finden.{{par|Jesaja|10|18|19}} {{par|Jesaja|10|33|34}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|37}} [&#039;&#039;&#039;U&#039;&#039;&#039;] Achte [also] auf den Aufrechten (Aufrichtigkeit) und sieh auf den Integren (strebe nach/weide Integrität),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Aufrechter (Aufrichtigkeit)&#039;&#039; + &#039;&#039;Integrer (Integrität)&#039;&#039; - Variante 1 jeweils nach MT, Tg, Syr, Variante 2 jeweils nach LXX, VUL, Hier; jeweils werden nur die selben Konsonanten unterschiedlich vokalisiert. Wählt man Variante 2, nimmt man „auf etwas schauen“ besser i.S.v. „streben nach“, oder man nimmt mit Syr &#039;&#039;r`h&#039;&#039; („sehen“) als NF von &#039;&#039;r´h&#039;&#039; („weiden“; ähnlich z.B. Broyles 1999: „shepherd faithfulness“), vgl. V. 3b. Die NF würde natürlich verwendet für das Wortspiel, dass dann „weiden“ gleichzeitig als „sehen“ parallel ginge mit dem vorangehenden „im Blick behalten“.&amp;lt;br /&amp;gt;Var 2 z.B. LUT: „Bleibe fromm und halte dich recht“ (auch H-R, PAT, TUR, van Ess, ZÜR 31 [nicht mehr ZÜR 07]); Var 1 z.B. EÜ: „Achte auf den Lauteren und sieh auf den Redlichen“ (so die meisten Üss.). Schön BB: „Halte dich an den, der vorbildlich lebt! Schau auf den, der sich aufrichtig verhält!“ So schon Raschi: „Nimm den Unschuldigen genau in Blick, um von seinen Taten zu lernen“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Denn ein Mann des Friedens hat Zukunft (Nachkunft)&lt;br /&gt;
{{S|38}} Aber Sünder werden sämtlich ausradiert,&lt;br /&gt;
_Die Zukunft (Nachkunft) von Frevlern wird abgeschnitten. {{par|Ijob|18|19}} {{par|Sprichwörter|2|22}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|39}} [&#039;&#039;&#039;V&#039;&#039;&#039;] {Aber}&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT, LXX, VUL und Tg haben oder setzen alle ein &#039;&#039;w-&#039;&#039; („aber“) zu Versbeginn voraus. Dann begänne auch dieser Vers nicht mit dem zu erwartenden Buchstaben. Hier, Syr und wenige Mss aber haben dieses &#039;&#039;w-&#039;&#039; nicht; für ursprünglich halten diese Variante z.B. auch Wellhausen 1895, BHS, Witte 2013, S. 418.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Rettung der Gerechten [wird kommen] von JHWH,&lt;br /&gt;
_Ihrer Zuflucht zur Zeit der Bedrängnis,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Bedrängnis&#039;&#039; - Wortspiel: &#039;&#039;ṣarah&#039;&#039; („Bedrängnis“) klingt sehr ähnlich wie &#039;&#039;zera´&#039;&#039; („Nachkommenschaft“). Für den Frommen schimmert selbst in der Bedrängnis die heilvolle Zukunft durch.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Jeremia|14|8}} {{par|Jeremia|16|19}}&lt;br /&gt;
{{S|40}} Und es wird helfen (hilft) ihnen JHWH und sie befreien (befreit sie),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT hat 2x Wayyiqtol, was nur für Vergangenheit oder Gegenwart verwendet werden kann und schlecht mit Yiqtol im folgenden Vers zusammenstimmt, was aber auch von Syr gestützt wird. Besser vokalisiert man mit LXX, VUL, Hier und den meisten Tg-Mss beide Male als WeYiqtol; so richtig Zuber 1986.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
_Er wird sie befreien von Frevlern und retten,&lt;br /&gt;
Weil sie sich zu ihm geflüchtet haben.&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
Ps 37 gehört (gemeinsam mit md. [[Psalm 1 |Ps 1]]; [[Psalm 49 |49]]; [[Psalm 73 |73]]; [[Psalm 112 |112]]; [[Psalm 127 |127]]; [[Psalm 128 |128]]; [[Psalm 133 |133]]) zu den sogenannten „Weisheitspsalmen“. Die Funktion dieser Weisheitspsalmen ist ein Rätsel: Offensichtlich ist Ps 37 nicht verfasst worden, damit man ihn bete, sondern ein konkreter Gegenüber wird angesprochen, um ihn mit einer Reihe von Weisheitslehren zu ermahnen, wie sie auch im Buch der Sprichwörter stehen könnten (und zum Teil auch stehen, vgl. oben die Spr-Parallelstellen, die teilweise fast wörtlich einzelnen Zeilen des Psalms entsprechen). Warum eine solche Weisheitslehre aber im Buch der Psalmen und nicht im Buch der Sprichwörter steht, ist schwer erklärlich. Vielleicht ist er nur ins Psalmenbuch aufgenommen worden, weil man schon früh angenommen hat, sein Verfasser sei David gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ps 37 kreist besonders um ein Sprichwort, das refrainartig in mehreren Variationen wiederholt wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Personengruppe A wird das Land besitzen,&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Personengruppe B aber wird abgeschnitten werden!&#039;&#039; (Vv. 9.11.22.28.29.34.38)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Personengruppe A wird dabei immer wieder bezeichnet als „die Gerechten“ und außerdem wechselnd als „die auf JHWH Hoffenden“ (V. 9), „die Elenden“ (V. 11), „die Unterdrückten und Bedürftigen“ (V. 14a), „die, die rechten Wandels sind“ (V. 14b), „die Makellosen“ (V. 18), „die von Gott Gesegneten“ (V. 22), „Gottes Fromme“ (V. 28), „Männer des Friedens“ (V. 37) und wahrscheinlich als „die Aufrechten“ und „die Integren“ (V. 37), Personengruppe B immer wieder als „die Frevler“ und außerdem wechselnd als „die Bösewichter“ (Vv. 1.9), „die Übeltäter“ (V. 1), „die Intriganten“ (V. 7), „die Feinde Gottes“ (V. 20), „die von Gott Verfluchten“ (V. 22), und „die Sünder“ (V. 38).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;Grundannahme&#039;&#039;&#039; ist danach schon klar: Wer nicht gottgefällig lebt, den wird dereinst Gott töten und seine Nachkommenschaft ausrotten, wer es dagegen tut, wird dereinst „das Land besitzen“ – weil ja niemand sonst mehr übrig ist.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der größte Teil des Psalms erklärt sich schon hieraus: In &#039;&#039;&#039;Vv. 1-6&#039;&#039;&#039; wird der Angesprochene ermahnt, gottgefällig zu leben, weil Gottgefälligkeit von Gott belohnt werden wird. In &#039;&#039;&#039;Vv. 7-8&#039;&#039;&#039; wird die Mahnung noch einmal wiederholt, die Begründung aber wird in &#039;&#039;&#039;Vv. 9-11&#039;&#039;&#039; dazu entfaltet, dass Gottgefälligkeit belohnt, Übeltäterei aber bestraft wird, so dass am Ende „der Übeltäter nicht mehr da ist, die Elenden dagegen das Land besitzen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;&#039;Vv. 12-15&#039;&#039;&#039; wird entweder ein Beispiel für die Übeltäterei der Frevler herausgegriffen oder aber es wird nun endlich dasjenige genannt, was die Übeltäter eigentlich zu Übeltätern macht. Ersteres ist wahrscheinlicher, s. zu V. 21. Man hat aus diesen Versen ableiten wollen, die konkret gemeinte Übeltat sei Ausbeutung: offenbar würde Personengruppe A von Personengruppe B ausgebeutet – v.a., indem sie ihnen das Land rauben – und der Psalm sei also auch sozialkritisch. Aber das einzige, was das eventuell nahelegen könnte, ist die Bezeichnung „Bedürftige“ in 14c, denn was tatsächlich konkret von Personengruppe B berichtet wird, ist gerade nicht Ausbeutung, sondern ist ein Mordversuch. Und das passt zur Bezeichnung „Bedürftige“: Als solche werden im AT nämlich &#039;&#039;nicht&#039;&#039; nur sozial Schwache bezeichnet, sondern häufig „[gelten] als Symptome des ‚Armseins vor Gott‘ [...]: böse Widerfahrnisse ([[Psalm 40#s13 |Ps 40,13]]), Verachtung ([[Psalm 69#s9 |Ps 69,9]]), Verfolgung ([[Psalm 35#s1 |Ps 35,1ff.]]; [[Psalm 109#s2 |109,2ff.]]), Krankheit ([[Psalm 109#s22 |Ps 109,22ff.]]), Todesverfallenheit ([[Psalm 88#s4 |88,4ff.]]) u.a.“ (THAT I 24). Von anderen Personen bedroht zu werden, liegt genau auf dieser Linie, und dagegen, dass Personengruppe A ausgesprochen arm ist, sprechen ja explizit Vv. 21.26. Personengruppe B ist zwar offensichtlich wirklich reicher als Personengruppe A (V. 16), aber was sich aus Vv. 12-15 herauslesen lässt, ist erst mal nur: Anscheinend wird Personengruppe A von Personengruppe B bedroht, was denn auch deren Zürnen gegen diese (Vv. 1.7) und das Hoffen und Vertrauen auf JHWH (Vv. 3.5) erklärt. Und dieser, so heißt es direkt im Anschluss wird auch wirklich handeln: Nach &#039;&#039;&#039;Vv. 16-20&#039;&#039;&#039; hat Personengruppe B gar nichts von ihrem Überfluss, denn, wieder: Frevler wird Gott wie Rauch vergehen lassen, Gottgefällige und sogar auch ihre Nachkommen dagegen auf ewig bewahren.&amp;lt;br /&amp;gt;In &#039;&#039;&#039;Vv. 21-26&#039;&#039;&#039; wird ein weiteres Symptom des Frevler-Seins vs. Gerecht-Seins genannt: Zum Frevler-Sein gehört auch, geliehenes Geld nicht zurückzuzahlen, zum Gerecht-sein auch, sogar mildtätig zu sein, also offenbar: Geld zu verschenken. Das ist sicher nicht das Entscheidende, das einen Frevler zum Frevler und einen Gerechten zum Gerechten macht; offenbar sollen also mit Vv. 12-14 und Vv. 21.26 je ein &#039;&#039;Beispiel&#039;&#039; für Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit genannt werden: Mildtätig zu sein einerseits und gewaltbereit zu sein andererseits. Man wähle das eine und meide das andere, denn, wieder: Die einen werden dereinst „das Land besitzen“, die anderen „abgeschnitten werden“. So war es immer und so wird es immer sein, kann der Dichter aus Erfahrung berichten (V. 25). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Spätestens dieser Vers ist schwere Kost in unserer theodizee-geschulten Zeit: Es lässt sich ja leicht überprüfen, dass dem &#039;&#039;nicht&#039;&#039; so ist – dass Gerechte immer von Gott gesegnet und Ungerechte immer von Gott bestraft würden. Es lohnt sich, hier eine längere Passage von Goldingay 2006, S. 534 zu zitieren:&amp;lt;br /&amp;gt;„Kommentatoren betonen häufig, dass man Ps 37 mit den weniger optimistischen Texten im Buch Ijob oder den Aussprüchen Jesu zusammenlesen müsse. Das ist ein Code für: Ps 37 ist nicht wahr. Ps 37 soll damit ins Abseits gestellt werden. Und man irrt damit darüber hinaus in mehrerlei Hinsicht: Die Perspektive des Psalms wird durch die Geschichte von Ijob zu Beginn und am Ende ja &#039;&#039;bestätigt&#039;&#039;, nicht negiert, und Jesus stützt sie ebenfalls, wenn er die Menschen ermutigt: ‚Strebt zuvorderst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, und all dies – Essen, Trinken, Kleidung, ... – wird euch dann ebenfalls geschenkt werden‘ ([[Matthäus 6#s33 |Mt 6,33]]). Jesus übernimmt sogar einen der Segenssprüche in V. 11 [s. [[Matthäus 5#s5 |Mt 5,5]]...]. Psalm 37 anerkennt explizit, dass es nicht immer so geschieht – es ist ja sogar so, dass der Psalm gar nicht geschrieben werden müssen hätte, wenn dem nicht so wäre. Aber er besteht darauf, dass negative Erfahrungen den Glaubenden nicht um die Überzeugung bringen dürfen, dass Gott sich dennoch wirklich dafür engagiert, dass die moralische Ordnung der Welt ‚funktioniert‘.“&amp;lt;br /&amp;gt;Psalm 37 ist dann keine theoretische Theodizee, er ist &#039;&#039;angewandte&#039;&#039; Theodizee. &#039;&#039;Warum&#039;&#039; die moralische Weltordnung nicht immer funktioniert, sagt der Psalm nicht (und sagt auch kein anderer Vers in der Bibel); aber er ermutigt angesichts dieser Problematik: Nichtsdestotrotz &#039;&#039;gibt&#039;&#039; es diese moralische Weltordnung, und es &#039;&#039;gibt&#039;&#039; das Grundprinzip, dass Gerechte gesegnet und Ungerechte bestraft werden. Sei standhaft und vertraue darauf! (Und man darf mit Kant ergänzen: Was sonst bleibt einem übrig? Ohne die Annahme, gutes Handeln werde einem auch vergolten, fehlt der Moral die entscheidende Triebfeder.)&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vv. 27-29&#039;&#039;&#039; wiederholen noch einmal die Grundannahme des Psalms und erweitert sie um die Dimension der Zeit: Gerechte werden gesegnet, – und zwar für immer (27b), für immer (28c) und für ewig (29b).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Vv. 30-34&#039;&#039;&#039; konkretisieren diese Gerechtigkeit noch ein wenig mehr: Gerecht sein heißt, sich von der Weisheit leiten zu lassen: Weisheit im Mund, Recht auf der Zunge und Weisung Gottes im Herzen zu haben. – Gerechtigkeit ist nicht nur eine Frage des Handelns, sondern auch des Redens und Denkens: Auch dies soll gottgefällig sein; Gott wird es lohnen. Und noch ein letztes Mal wird das selbe in &#039;&#039;&#039;Vv. 35-40&#039;&#039;&#039; wiederholt: Man achte darauf, wen man sich zum Vorbild nimmt. So gewaltig ein Frevler auch scheinen mag: Allzu schnell kann er dahin sein, wie der kleine Erfahrungsbericht des Dichters in Vv. 35f. lehrt. Man halte sich daher besser Aufrechte, Gerechte und Männer des Friedens, denn solche wird Gott zur Zeit der Bedrängnis „retten, ihnen helfen und sie befreien, wenn sie sich zu ihm flüchten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Psalm_37&amp;diff=40210</id>
		<title>Psalm 37</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Psalm_37&amp;diff=40210"/>
		<updated>2025-10-30T19:39:53Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Syntax&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Zuverlässige Studienfassung}}&lt;br /&gt;
{{Lesefassung kann erstellt werden}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Lesefassung}} &#039;&#039;(kommt später)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
{{S|1}} &#039;&#039;Von David (Für David, Aus der Davids-Sammlung)&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Von David (Für David, Aus der Davids-Sammlung)&#039;&#039; steht in vielen Psalm-Überschriften: in 73 Überschriften der hebräischen Bibel und sogar in 87 Überschriften des LXX-Psalters. Am besten deutet man sie als Angabe des Verfassers David, nimmt diese Angabe aber nicht historisch, sondern z.B. mit Childs 1971 als alte, aber spätere Interpretationen des folgenden Psalms, die für eine adäquate Auslegung desselben ignoriert werden muss. S. genauer zu [[Psalm 3#s1 |Ps 3]].&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Wie häufig in den Ps-Überschriften sind auch hier die Zeugnisse in den Überschriften in den alten Vrs. nicht einheitlich: Einige gr. Zeugen ergänzen „Psalm (Davids)“, einige neben &#039;&#039;leDavid&#039;&#039; auch &#039;&#039;la-mnaṣeaḥ&#039;&#039; („für den Chorleiter / Ritualvorsteher / ...(?)“), einige beides. Ursprünglich sind diese Varianzen sicher nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;[&#039;&#039;&#039;A&#039;&#039;&#039;]&amp;lt;ref&amp;gt;Ps 37 ist ein sog. „akrostischer“ Psalm: I.d.R. jede vierte Zeile beginnt in alphabetischer Reihenfolge mit einem neuen Buchstaben. [https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb10311823?page=244 Ewald] hat das kongenial im Deutschen nachgeahmt. Einige Unregelmäßigkeiten gibt es bei der Zahl der Zeilen einer solchen alphabetischen Strophe, die einzige größere Unregelmäßigkeit findet sich in V. 28, wo der erwartete Buchstabe nicht steht (s. dort), und evt. in V. 23 und V. 39, wo jeweils manche Versionen einen Text bezeugen, der „nicht ganz“ mit dem korrekten Buchstaben beginnt (s. dort).&amp;lt;/ref&amp;gt; (Brenne=) Zürne Bösewichtern nicht (Wetteifere nicht mit&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Wetteifern&#039;&#039; - So Hieronymus mit dem selben Wort, mit dem er in VUL das &#039;&#039;zweite&#039;&#039; Vb. übersetzt, und Saadja. Vgl. außerdem Tg, Ms M: „begehre nicht nach den Übeltätern“, Syr: „sei nicht neidisch auf Übeltäter“. Vgl. schließlich noch b.Ber 7b: Man solle nicht lesen &#039;&#039;titḥar&#039;&#039; („zürne“), sondern &#039;&#039;teqanne`&#039;&#039; („wetteifere“). Das könnte einen alternativen Wortlaut nahelegen, aber vergleicht man dann noch die Kommentare von Saadja und ibn Ezra, sieht man, dass es &#039;&#039;dieses&#039;&#039; Wort war, dem sie diese Bed. gegeben haben – vielleicht aber ausgehend von der Variante in Tg, Ms M (&#039;&#039;trgg&#039;&#039; statt &#039;&#039;tgrg&#039;&#039;).&amp;lt;/ref&amp;gt;),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Keine Banalität; in der jüd. Auslegungsgeschichte hat man sogar explizit gegen diesen Vers Einspruch erhoben: b.Meg 6b + b.DER 2,29: „Es ist erlaubt, gegen Übeltäter zu eifern. Sollte dir jemand zuflüstern: ‚Zürne Bösewichtern nicht und beneide Übeltäter nicht‘ – nur, wer sich selbst schuldig fühlt, würde so etwas sagen.“ Jedoch: Gerade das soll der Angesprochene nicht tun, und dies ist gottgefällig.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Sprichwörter|24|19}}&lt;br /&gt;
_([und])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[und]&#039;&#039; - So viele MSS; u.a. einige wichtige und alte Handschriften (z.B. G5, G7, G11, G20, KA1; zu den Handschriften-Siglen s. die Seite [https://offene-bibel.de/wiki/Benutzer:Sebastian_Walter/Wichtige_MSS Wichtige Handschriften]). Die alten Vrs. stützen aber L. &amp;lt;/ref&amp;gt; Beneide Übeltäter nicht, {{par|Psalm|73|3}} {{par|Sprichwörter|3|31}} {{par|Sprichwörter|23|17}} {{par|Sprichwörter|24|1}} {{par|Sprichwörter|24|19}}&lt;br /&gt;
{{S|2}} denn wie {das} Gras werden sie schnell verdorren &lt;br /&gt;
_Und wie grünes Kraut werden sie eingehen! {{par|Ijob|8|12}} {{par|Psalm|90|5|6}} {{par|Psalm|103|15|16}} {{par|Psalm|129|6}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|3}} [&#039;&#039;&#039;B&#039;&#039;&#039;] Vertraue auf JHWH und tue Gutes, {{par|Psalm|4|6}} {{par|Psalm|26|1}}&lt;br /&gt;
_Bewohne das Land (die Erde) und weide (so wirst du weiden können) Treue (in Sicherheit, weide treu/sicher, weide dich an seinen Schätzen, strebe nach Treue);&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Treue weiden&#039;&#039; - Etwas unklare Metapher. Klar ist immerhin, dass V. 3 mit V. 2 spielt: Wie die Übeltäter „wie Gras“ verschwinden werden, wird der Angesprochene dagegen „weiden“ können. Wahrscheinlich ist dies außerdem ein Wortspiel: &#039;&#039;re´eh&#039;&#039; („weide“) klingt im jüngeren Bibelhebräisch fast identisch mit &#039;&#039;re`eh&#039;&#039; („sieh“), also „und sieh Treue“ = „und du wirst [Gottes] Treue sehen=erfahren können!“ (vgl. V. 34: „Du wirst’s sehen“).&amp;lt;br /&amp;gt;Was näherhin die Bed. angeht, bieten sich vier Deutungen an:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Der Angesprochene erscheint wie in [[Psalm 23 |Ps 23]] als Schaf, daher: „Friss Treue“ = Gott wird dich in seiner Treue sättigen / mit seiner Treue regelrecht abfüllen. So schon VUL: „Weide dich an der Treue [Gottes]“; Cheung 2015, S. 54: „Graze on faithfulness“; ELB.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Ebenso, daher aber: „Friss in Sicherheit“, weil du dabei nicht mehr von den eingegangenen Übeltätern gestört und bedroht werden wirst. So z.B. Tiquillahuanca 2008, S. 11: „Bewohne das Land und beweide (es) in Sicherheit!“; Ruiz 2015, S. 17: „Weide in Sicherheit!“; z.B. auch HER05, TUR.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Der Angesprochene erscheint als Hirte, die „Treue“ als die Herde, die er „weiden“ = „pflegen“ soll: „Kultiviere deine Treue zu Gott“ = „Werde immer treuer“. So Tg: „Befleißige dich der Treue“; Syr: „Strebe nach Treue“; z.B. auch Witte 2013, S. 415: „Hege Treue!“. So die meisten Üss., z.B. BB, EÜ, HfA, LUT, MÜN, NeÜ, NGÜ, SLT, ZÜR.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Duhm 1899 vergleicht gut das häufige Nomen &#039;&#039;re´ut&#039;&#039; in Kohelet, das „Streben, Haschen“ zu bedeuten scheint. &#039;&#039;ra´ah&#039;&#039; müsste dann entsprechend ebenfalls „streben“ bedeuten können (Duhm: „erstrebe treue“ → „übe Treue“).&amp;lt;br /&amp;gt;Liest man V. 3 mit V. 4 zusammen, ist (1) am wahrscheinlichsten; „friss Gottes Treue“ ≙ „Gott wird dir die Bitten deines Herzens gewähren“. 3b nimmt man dann am besten als Folge-Imperative, also nicht „Bewohne...!“, sondern „dann wirst du bewohnen können“ (richtig von Lengerke 1847, Graetz 1882, Kissane 1953).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Fast alle Vrs. wie in der Primär-Üs., nur LXX + VUL: „Weide dich an seinen Reichtümern“, was statt &#039;&#039;`emunah&#039;&#039; („Treue, Sicherheit“) &#039;&#039;ḥamoneh&#039;&#039; („seine Menge/Schätze“) voraussetzt. So z.B. H-R: „Dann bleibst du im Land und genießt seine Güter“. Fast sicher soll dies aber nur das etwas schwierige Bild vereinfachen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|4}} Sei über JHWH entzückt (hab deine Wonne an JHWH),&amp;lt;ref&amp;gt;Anstatt gegen Übeltäter zu zürnen. Gut Goldingay 2006, S. 520: „The remedy for negative feelings that come from looking at others is to look at Yhwh and let appropriate feelings arise.“ Vgl. aber auch [[Ijob 34#s9 |Ijob 34,9]], wo sich erkennen lässt, dass das „Entzückt-sein“ über JHWH in der Tat eine Tugend war, die man jemandem auftragen konnte; u.a. sicher, weil man seinem Entzücken Ausdruck verleihen konnte durch Jubel vor dem Altar Gottes u.ä. (s. [[Psalm 43#s4 |Ps 43,4]]).&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|22|26}} {{par|Ijob|27|10}} {{par|Ijob|34|9}} {{par|Psalm|43|4}} {{par|Jesaja|58|14}}&lt;br /&gt;
_Dann wird er dir gewähren die Bitten deines Herzens. {{par|Psalm|21|3}} {{par|Psalm|145|19}} {{par|1 Könige|3|5}} {{par|2 Chronik|1|17}} {{par|Matthäus|7|7}} {{par|Johannes|15|7}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|5}} [&#039;&#039;&#039;C&#039;&#039;&#039;] Wälze auf JHWH deinen Weg (deine Wege)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Wälze deinen Weg&#039;&#039; - Ausdruck dafür, das eigene Schicksal der Fürsorge Gottes anzuvertrauen, auf dass dieser sich darum kümmere; s. noch [[Psalm 22#s9 |Ps 22,9]]; [[Sprichwörter 16#s3 |Spr 16,3]]; [[1Petrus 5#s7 |1 Pet 5,7]]. Sinnvoll BB + NGÜ: „Lass den Herrn deinen Weg bestimmen“, TEX: „Stelle Jahwe dein Geschick anheim“.&amp;lt;br /&amp;gt;Vielleicht ein Wortspiel: Syr übersetzt „Mach deinen Weg gerade“, versteht „wälzen“ also offenbar als „glattwalzen“, was hier sicher nicht primär gemeint ist, aber sprachlich möglich ist. Wer seinen Weg „glattgewalzt“ hat, ist aber identisch mit dem mit „geradem Weg“ in V. 14.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: LXX, VUL, Tg lesen &#039;&#039;gl&#039;&#039; nicht wie MT, Hier und Syr als &#039;&#039;gol&#039;&#039; („Wälze“), sondern als &#039;&#039;gal&#039;&#039; („Offenbare“); Tg und einige Mss lesen außerdem die Konsonanten für „deinen Weg“ mit anderen Vokalen als Pl. „deine Wege“; also: „Tu Gott deine(n) Weg(e) kund!“ Was das bedeuten soll, wäre aber unklar; sicher hat es Gott ja nicht nötig, dass man ihm erst „seinen Weg offenbart“. Richtig hält dies auch keine dt. Üss. für ursprünglich.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Und vertrau auf ihn, dann wird er handeln: (dann wird er [dies] tun:) {{par|Psalm|22|32}} {{par|Matthäus|6|25|26}} {{par|1 Thessalonicher|5|24}}&lt;br /&gt;
{{S|6}} Er wird aufstrahlen lassen deine Gerechtigkeit wie {das} Licht&lt;br /&gt;
_Und dein Recht (deine Gerichtsentscheide)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;deine Gerichtsentscheide&#039;&#039; - so Syr und wenige Mss., die die Konsonanten von MT anders als L und die anderen Vrs. als Pl. vokalisieren. Angezielt war sicher der Sg.&amp;lt;/ref&amp;gt; wie {die} Mittag[shelle].&amp;lt;ref&amp;gt;Gut Hitzig 1863, S. 206: „Er wird deine Rechtschaffenheit glänzend sich herausstellen lassen durch entsprechendes äußeres Schicksal“. Vgl. ähnlich [[Jesaja 62#s1 |Jes 62,1]], wo nicht nur die Gerechtigkeit als die Ursache des „Strahlens“ genannt wird, sondern etwas verständlicher auch die Segenstat Gottes als die Folge dieser Gerechtigkeit: „bis Jerusalems Gerechtigkeit wie Lichtglanz leuchtet und seine Rettung wie eine lodernde Fackel.“ Vgl. auch [[Maleachi 4#s2 |Mal 4,2]]; [[Ijob 11#s14 |Ijob 11,14-17]]; [[Jesaja 60#s1 |Jes 60,1f.]]&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|11|17}} {{par|Jesaja|62|1}} {{par|Maleachi|4|2}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|7}} [&#039;&#039;&#039;D&#039;&#039;&#039;] Schweige vor JHWH und warte auf (tanze vor)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;warte auf (tanze vor)&#039;&#039; - Wortspiel durch mehrdeutiges Wort: Leitet man es ab von &#039;&#039;ḥil&#039;&#039; II (einer NF von &#039;&#039;jaḥal&#039;&#039;, vgl. Kittel 1914; Goldingay 2006; Cheung 2015, S. 54; Witte 2013, S. 416), bed. es „warten auf“, leitet man es ab von &#039;&#039;ḥil&#039;&#039; I, heißt es „tanzen vor“. Aufgerufen wird also zu einem sichtbaren Ausdruck der Vorfreude: „Tänzle vor JHWH!“&amp;lt;/ref&amp;gt; ihm, {{par|Psalm|4|5}} {{par|Psalm|39|2|3}} {{par|Psalm|62|2}}&lt;br /&gt;
_(Brenne=) Zürne nicht – wenn sein Weg gelingt –&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;wenn sein Weg gelingt&#039;&#039; - W. „wenn er seinen Weg zum Gelingen bringt“, im Gegensatz zu dir, der du deinen Weg JHWH anheim gestellt hast.&amp;lt;br /&amp;gt;Wortspiel: das Wort heißt auch „brennen“ (s. zu [[Amos 5#s6 |Am 5,6]]). Auch das Verb zu Beginn der Zeile heißt zunächst „brennen“, und die Konsonanten von &#039;&#039;`iš&#039;&#039; („Mann“) sind die selben wie von &#039;&#039;`eš&#039;&#039; („Feuer“). Wahrscheinlich soll damit nachgebildet werden – wie es in V. 8 dann auch explizit gesagt wird – dass man sich mit solchem „Entbrennen“ nur dem Übeltäter gemein macht: dem Hitzkopf, der sich durch das Leben brennt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Dem Mann, der Intrigen ausführt!&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|8}} [&#039;&#039;&#039;E&#039;&#039;&#039;] Lass ab vom (Brennen=) Zorn und gib auf den Grimm,&lt;br /&gt;
_(brenne=) zürne nicht, [es führt] nur zum Bösen (gar bis zum Bösen)!&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;nur zum Bösen&#039;&#039; - Schön verständlich Böhler 2021: „sonst tust du gar noch Böses!“&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|39|2}} {{par|Sprichwörter|14|29}} {{par|Sprichwörter|16|32}} {{par|Epheser|4|31}} {{par|Jakobus|1|19|20}}&lt;br /&gt;
{{S|9}} Denn Bösewichter werden abgeschnitten!&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;abgeschnitten&#039;&#039; - d.i. getötet; erstarrte Metapher, bei der das menschliche Leben als Textilie dargestellt wird (s. zu [[Ijob 4#s21 |Ijob 4,21]]).&amp;lt;br /&amp;gt;Wortspiel: Das Wort für „hoffen“ in 9b heißt auch „binden“ und ist damit der Gegensatz zum „abgeschnitten-Werden“: Wer auf JHWH hofft = bindet, wird nicht abgeschnitten = getötet.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Heb. &#039;&#039;jikkaretun&#039;&#039; statt &#039;&#039;jikkaretu&#039;&#039; (wie in Ps 37,22), das &#039;&#039;-n&#039;&#039; (ein sog. „paragogisches Nun“) macht das Wort wahrscheinlich noch emphatischer (GKC §47m; JM §44e). Daher oben das Ausrufezeichen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Wer aber auf JHWH hofft, der&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Der&#039;&#039; - Heb. &#039;&#039;hemmah&#039;&#039;, Wortspiel mit &#039;&#039;ḥemmah&#039;&#039; („Grimm“) in V. 8: Nicht der &#039;&#039;Grimmende&#039;&#039; wird das Land besitzen, sondern nur &#039;&#039;derjenige&#039;&#039;, der sich ganz auf JHWH verlässt.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;hemmah&#039;&#039; würde man i.d.R. als Signal für den Beginn eines dritten Kolons nehmen; weil seine Existenz sich hier aber literarisch erklären lässt, sollte man V. 9 besser als Bikolon denn als Trikolon deuten.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird das Land (die Erde) besitzen (in Besitz nehmen). {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|10}} [&#039;&#039;&#039;F&#039;&#039;&#039;] Nur noch ein Weilchen, und der Frevler wird nicht mehr sein, {{par|Jesaja|29|17}} {{par|Jeremia|51|33}}&lt;br /&gt;
_[&#039;&#039;&#039;F&#039;&#039;&#039;] Und du wirst (ich werde)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Alle Vrs. wie MT, nur 4QpPs: „&#039;&#039;ich&#039;&#039; werde untersuchen“. Craigie 1983 hält dies für ursprünglich, aber wahrscheinlicher ist dies Assimilation an V. 36, wo 4QpPs ebenfalls anders als MT nicht „er ging vorüber“, sondern „&#039;&#039;ich&#039;&#039; ging vorüber“ hat. Dass hier sogar an diese Stelle assimiliert wird, macht noch wahrscheinlicher, dass dort „ich“ ursprünglich ist; s. dort.&amp;lt;/ref&amp;gt; den Ort, wo er war,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;den Ort, wo er war&#039;&#039; - W. „seinen Ort“; in dieser Bed. z.B. auch verwendet in [[Psalm 103#s16 |Ps 103,16]].&amp;lt;/ref&amp;gt; untersuchen, aber er wird nicht [da] sein.&amp;lt;ref&amp;gt;Gut erklärt von Ruiz 2015, S. 29: „Nur noch ein Weilchen“ = „es dauert nicht mehr lang“; „und &#039;&#039;du&#039;&#039; wirst den Ort untersuchen“ = „auf jeden Fall wird es noch geschehen, während du lebst“.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|8|18}} {{par|Ijob|20|9}} {{par|Psalm|103|16}}&lt;br /&gt;
{{S|11}} [&#039;&#039;&#039;F&#039;&#039;&#039;] Aber die Elenden (Armen) werden das Land (die Erde) besitzen (in Besitz nehmen) {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}} {{par|Matthäus|5|5}}&lt;br /&gt;
_[&#039;&#039;&#039;F&#039;&#039;&#039;] Und entzückt sein über die (ihre Wonne haben an der) Fülle des Friedens (Wohlergehens, Heil-Seins). {{par|Psalm|72|7}} {{par|Jesaja|54|13}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|12}} [&#039;&#039;&#039;G&#039;&#039;&#039;] Der Frevler sinnt gegen den Gerechten {{par|Psalm|31|14}} {{par|Micha|2|1}}&lt;br /&gt;
_Und knirscht gegen ihn mit den Zähnen. {{par|Psalm|35|16}} {{par|Klagelieder|2|16}}&lt;br /&gt;
{{S|13}} Der Herr (JHWH)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Der Herr (JHwH)&#039;&#039; - Die einzige Stelle im Ps., wo explizit gesagt wird, dass &#039;&#039;Gott&#039;&#039; am Übeltäter handeln wird; sonst werden sicher bewusst Passiv-Formulierungen u.ä. verwendet (s. die Anmerkungen). Gleichzeitig die einzige Stelle, wo auffällig nicht der Gottesname „JHWH“ verwendet wird, sondern das distanziertere „der Herr“ – sicher nicht zufällig.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: 4QpPs und wenige (allerdings wichtige, z.B. G20, KA10, KA27b, KA30, KA36; zu den Handschriften-Siglen s. die Seite [https://offene-bibel.de/wiki/Benutzer:Sebastian_Walter/Wichtige_MSS Wichtige Handschriften]) Mss allerdings auch hier „JHWH“. Doch sicher ist dies nur Angleichung auf den sonstigen Sprachgebrauch des Psalms, der von Gott sonst durchgehend als von „JHWH“ spricht.&amp;lt;/ref&amp;gt; kann über ihn (darüber) [nur] lachen (muss über ihn/darüber lachen), {{par|Psalm|2|4}} {{par|Psalm|59|9}}&lt;br /&gt;
_Denn er sieht (sinnt darauf&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;sinnt darauf&#039;&#039; - zu dieser Bed. s. [[Psalm 66#s18 |Ps 66,18]] u.ö. So hier aber niemand.&amp;lt;/ref&amp;gt;), dass sein Tag&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;sein Tag&#039;&#039; - Entweder „der Tag JHWHs“, also der große Gerichtstag, der eine Zeitenwende einleiten wird, oder „der [schicksalhafte] Tag des Frevlers“ (so explizit Tg). Letztlich kommt hier beides auf das Selbe hinaus, wahrscheinlicher ist hier aber Letzteres, da V. 13 wohl im Gegensatz zu V. 18 stehen soll (richtig Hacham 1979, S. 209; Levine 2003, S. 76). NGÜ + NL: „Der Tag des Gerichts“, BB + GN + HfA + NeÜ: „Der Tag der Abrechnung“; will man den Gegensatz besser erkennbar machen, vielleicht eher: „denn er weiß, dass seine Tage gezählt sind.“&amp;lt;/ref&amp;gt; kommen wird (kommt).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;kommen wird&#039;&#039; - So MT und alle Vrs.; nur 4QpPs und 5 Mss (darunter KA17b) Qatal: &#039;&#039;kommt&#039;&#039;. Am Sinn würde es nichts ändern, darüber hinaus wird man ohnehin auch &#039;&#039;kj bw`&#039;&#039; in diesen Mss besser als &#039;&#039;kj jbw`&#039;&#039; mit „shared consonant“ erklären.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|18|20}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|14}} [&#039;&#039;&#039;H&#039;&#039;&#039;] Das Schwert ziehen die Frevler&lt;br /&gt;
_Und spannen ihren Bogen, {{par|Psalm|64|4}}&lt;br /&gt;
Um zu fällen den Unterdrückten (Demütigen) und Bedürftigen,&lt;br /&gt;
_([Und])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[und]&#039;&#039; - So nur 4QpPs.&amp;lt;/ref&amp;gt; Um zu schlachten, die (geraden=) rechten (Weges=) Wandels (Herzens)&amp;lt;ref&amp;gt;Wortspiel: „Bogen &#039;&#039;spannen&#039;&#039;“ = &#039;&#039;darku&#039;&#039;, „Weg“ = &#039;&#039;darek&#039;&#039;. „Rechten Wandels zu sein“ heißt natürlich, „auf Gottes Pfaden zu wandeln“, also gerecht zu leben.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT&#039;s „Weg“ wird gestützt durch Hier, Tg, Syr; dagegen LXX, VUL und einige (auch: wichtige) Mss bezeugen „Herz“. Für ursprünglich halten das z.B. Buttenwieser 1938 und Zorell 1928, und in der Tat ließe es sich gut erklären als Verschreibung unter Einfluss des &#039;&#039;darku&#039;&#039; in 14b. Eher ist die Variante mit „Herz“ aber Angleichung an den üblicheren Ausdruck in [[Psalm 7#s11 |Ps 7,11]]; [[Psalm 11#s2 |11,2]]; [[Psalm 32#s11 |32,11]]; [[Psalm 36#s11 |36,11]] u.ö., sicher unter Einfluss des im nächsten V. folgenden „Herz“. Das spricht übrigens dafür, dass der Psalm mindestens schon vor der Üs. durch LXX stichisch niedergeschrieben worden ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; sind. {{par|Klagelieder|2|21}}&lt;br /&gt;
{{S|15}} [&#039;&#039;&#039;H&#039;&#039;&#039;] Ihr Schwert wird dringen in ihr [eigenes] Herz {{par|Psam|7|16}} {{par|Psalm|9|16}} {{par|Psalm|35|8}} {{par|Sprichwörter|28|10}}&lt;br /&gt;
_Und ihre Bögen werden zerbrochen werden. {{par|1 Samuel|2|4}} {{par|Psalm|46|10}} {{par|Psalm|76|5}} {{par|Jeremia|49|35}} {{par|Jeremia|51|56}} {{par|Hosea|1|5}} {{par|Hosea|2|18|20}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|16}} [&#039;&#039;&#039;I&#039;&#039;&#039;] Besser ist ein Bisschen für den Gerechten&lt;br /&gt;
_Als der der viele Überfluss (Tumult) der Frevler (als der Überfluss der vielen Frevler),&amp;lt;ref&amp;gt;Ein sog. &#039;&#039;țob&#039;&#039;-Spruch, eine übliche Form heb. Sprichwörter. Nowack 1888 und Herkenne 1936 verweisen schön auf das entspr. dt. Sprichwort „Unrecht Gut gedeiht nicht gut.“&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT&#039;s „als der Überfluss der vielen Frevler“ wird gestützt durch 4QpPs, Aq, Sym und Tg. Dagegen LXX, Syr, VUL und Hier setzen statt &#039;&#039;rbjm&#039;&#039; voraus: &#039;&#039;rb&#039;&#039;, „als der viele Überfluss der Frevler“. Für ursprünglich halten das zB. Wellhausen 1895; BHS; Craigie 1983. Was tatsächlich ursprünglich war, lässt sich kaum entscheiden, poetisch aber macht LXX &amp;amp; Co. mehr Sinn: „der Gerechte“ aus 16a wird hier durch den Plural „die Frevler“ gesteigert, „das Bisschen“ aus 16a durch das „viele“ in „der viele Überfluss“ in 16b. Und &#039;&#039;rabbim&#039;&#039; im MT lässt sich leicht als falsche Assimilation an das vorangehende &#039;&#039;reša´im&#039;&#039; erklären, eine Änderung von &#039;&#039;rabbim&#039;&#039; zu &#039;&#039;rab&#039;&#039; dagegen weniger gut. Besser folgt man daher hier BHS als CTAT V, S. 215, wo MT für wahrscheinlicher ursprünglich gehalten wird.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Sprichwörter|15|16}} {{par|Tobit|12|8}}&lt;br /&gt;
{{S|17}} Denn die Arme&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Arme&#039;&#039; - Hier wohl nicht genannt als dasjenige, womit Frevler sich ihren Reichtum erwirtschaften können (so Craigie 1983; Cheung 2015, S. 66), sondern nach den Parallelen [[Ijob 38#s15 |Ijob 38,15]]; [[Ezechiel 30#s21 |Ez 30,21]] als dasjenige, womit man kämpfen kann: Die Vernichtung setzt sich fort und mit den Bögen werden auch gleich die Arme der Frevler zerbrochen; ihr eigener Niedergang ist dann eben damit zu erklären, dass sie überhaupt erst die Hand gegen die Gerechten erhoben haben: Eine Umkehrstrafe&amp;lt;/ref&amp;gt; der Frevler werden zerbrochen werden {{par|Ijob|38|15}} {{par|Psalm|10|15}} {{par|Ezechiel|30|21}}&lt;br /&gt;
_Aber es stützt die Gerechten JHWH. {{par|Richter|1|24}} {{par|Psalm|41|13}} {{par|Psalm|63|9}} {{par|Psalm|119|117}} {{par|Psalm|145|14}} {{par|Jesaja|41|10}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|18}} [&#039;&#039;&#039;J&#039;&#039;&#039;] Es kennt JHWH die Tage (die Wege)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Alle Vrs. wie MT, nur LXX: „die Wege“. Buttenwieser 1938 hält das für ursprünglich, aber sicher richtig Ross 2011: Assimilation an [[Psalm 1#s6 |Ps 1,6]].&amp;lt;/ref&amp;gt; der Makellosen {{par|Psalm|1|6}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
_Drum hat ihr Erbteil&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Erbteil&#039;&#039; - Also das Stück Land vom „Land“ Israel, das ihrer Familie einst von JHWH zugesprochen wurde. Hier wichtiges Wort; es zeigt, dass es im Psalm nicht &#039;&#039;nur&#039;&#039; um die Frage geht, wem „das Land Israel“ oder gar „die Erde“ gehört oder gehören wird, sondern dass diese große Frage sich im Kleinen realisiert: Darin, ob „den Armen und Elenden“ ihr Land von den ungerechten Reichen geraubt werden wird oder nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; für immer [Bestand].  {{par|Sprichwörter|28|10}}&lt;br /&gt;
{{S|19}} Sie werden nicht zuschanden (beschämt) werden zur Zeit des Übels&lt;br /&gt;
_Und in den Tagen des Hungers werden sie satt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Klangspiel: &#039;&#039;jißba´u&#039;&#039; („satt werden“) ist fast ein Anagramm von &#039;&#039;jibošu&#039;&#039; („zuschanden werden“); in &#039;&#039;ra´abon&#039;&#039; („Hunger“) klingt &#039;&#039;ra´ah&#039;&#039; („Übel“) an. In 4QpPs ist das sogar noch deutlicher; &#039;&#039;ra´abon&#039;&#039; ist dort &#039;&#039;ra´ab&#039;&#039; wie in [[Psalm 33#s19 |Ps 33,19]].&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|5|20}} {{par|Psalm|33|19}} {{par|Sprichwörter|10|3}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|20}} [&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] Denn die Frevler werden umkommen {{par|Richter|5|31}} {{par|Psalm|92|10}}&lt;br /&gt;
_Und die Feinde (Geliebten)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Geliebte&#039;&#039; - So 4QpPs: &#039;&#039;`hbj&#039;&#039; statt &#039;&#039;`jbj&#039;&#039; („Feinde“). Sicher sollte damit aber das „die Feinde JHWHs [waren] wie prächtige Auen“, das auf den ersten Blick wie eine Preisung der so Beschriebenen klingt, geglättet werden. Der Parallelismus legt aber sehr nahe, dass gegen die masoretischen Akzente „wie prächtige Auen“ mit dem ersten „werden sie vergehen“ zu verbinden ist (wie schon Syr aufgelöst hat; so auch schon Hupfeld 1858 und Graetz 1882; z.B. auch Craigie 1983; Goldingay 2006; Meynet 2015, S. 108), was diese Textkorrektur von 4QpPs überflüssig macht.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gottes,&lt;br /&gt;
[&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] Wie {die} (Pracht der Auen=) prächtige [&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] Auen (prächtiges Vieh)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: (1) &#039;&#039;krjm&#039;&#039; ist von MT als &#039;&#039;karim&#039;&#039; („Auen“) aufgefasst worden, (2) von Sym, Tg und Hier als &#039;&#039;kerem&#039;&#039; („[wie die Pracht,] wie das Vieh“) – Sym und Hier vereindeutigen witzigerweise zu „wie Einhörner“ –, (3) LXX, VUL und Syr schließlich deuteten stattdessen als &#039;&#039;kerum&#039;&#039; und übersetzen mit „als sie geehrt &#039;&#039;und gerühmt&#039;&#039; wurden“. (4) 4QpPs hat im Pescher eine Doppelinterpretation („Kleinvieh [=Sym] der Weiden [=MT]“). In der Üs. steht dagegen &#039;&#039;kwrjm&#039;&#039;. Damit hat man (5) einen Emendationsvorschlag von Wellhausen 1895 stützen wollen (so z.B. noch Seybold 1996), statt &#039;&#039;kiqar karim&#039;&#039; („wie prächtige Auen“) sei &#039;&#039;kiqod kurim&#039;&#039; („wie das Brennen eines Schmelztiegels“) zu lesen, aber richtig Cheung 2015, S. 56 FN 11: &#039;&#039;-w-&#039;&#039; wird hier wie noch öfter in Qumran Mater lectionis für Qameṣ sein und damit ebenfalls MT stützen.&amp;lt;br /&amp;gt;Klar ist nach diesen Varianten, dass der ursprüngliche Konsonantentext &#039;&#039;krm&#039;&#039; war, und angezielt wird in diesem Kontext damit wie in MT &#039;&#039;karim&#039;&#039; gewesen sein: V. 2 „sie werden wie Gras verdorren, wie grünes Kraut eingehen“ – V. 20 „wie prächtige Weiden werden sie vergehen“ – Vv. 35f. „Er war wie eine belaubte Zeder; dann ging ich wieder vorbei und er war nicht mehr da“.&amp;lt;br /&amp;gt;Übrigens vokalisiert auch von Lengerke 1847 als „Vieh“, deutet dann aber auch dies auf die Weiden: „die Pracht der Schafe“ = „ihre Weiden“ – selbst dann also, wenn ursprünglich wirklich &#039;&#039;kerem&#039;&#039; angezielt gewesen sein sollte, würde man dies hier als einen Ausdruck für Wiesen deuten wollen.&amp;lt;/ref&amp;gt; [&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] werden sie vergehen,&lt;br /&gt;
_[&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] Wie {der} (Im) Rauch [&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] werden sie vergehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Klangspiel: Nicht nur 20a beginnt hier mit dem Konsonanten k, sondern in 20cd jedes Wort: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;iqar &#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;arim &#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;alu &#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;e´ašan &#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;alu&#039;&#039;.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: So jedenfalls in 4QpPs, LXX, Sym, VUL, Hier, Syr und vielen Mss (CTAT V, S. S. 217 ist schlicht irreführend: „Cependant les témoins habituels du texte tibérien classique appuient la leçon {{hebr}}בעשן{{hebr ende}}“ – aber was soll das schon heißen, der „klassische tiberische Text“ ist ja nur ein Teil von einer von mehreren masoretischen Textfamilien?). L und Tg dagegen haben nicht „&#039;&#039;wie&#039;&#039; Rauch“ mit {{hebr}}כ{{hebr ende}}, sondern „&#039;&#039;im&#039;&#039; Rauch“ mit {{hebr}}ב{{hebr ende}}, wahrscheinlich entweder ein reiner Schreibfehler oder Angleichung an [[Psalm 102#s4 |Ps 102,4]]. Dort ist das „im Rauch“ auch gut erklärlich: „Meine Tage schwinden im Rauch“ weil „meine Gebeine wie ein Feuerbrand glühen“. Hier gilt das auch dann kaum, wenn in 20c „Pracht des Viehs“ zu lesen und als „[zu verbrennendes] Fett der Opferschafe“ zu deuten wäre; auch dies vergeht nach israelitischem Verständnis ja nicht „im Rauch“, sondern steigt „&#039;&#039;als&#039;&#039; Rauch (und Duft)“ in die Nase Gottes.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|68|3}} {{par|Hosea|13|3}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|21}} [&#039;&#039;&#039;L&#039;&#039;&#039;] Leiht sich der Frevler, will (kann) er nicht zurückzahlen,&lt;br /&gt;
_Der Gerechte aber ist gnädig (mildtätig) und gibt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vb. 1, 3 und 4 sind Partizipien. Nicht also: „Sie werden gnädig sein und geben &#039;&#039;können&#039;&#039;“ o.Ä.: V. 21b ist sicher keine Verheißung (wie [[Deuteronomium 28#s12 |Dtn 28,12]].[[Deuteronomium 28#s44 |44]]), sondern Charakterisierung des aktuellen Tuns der Gerechten. V. 21a &#039;&#039;könnte&#039;&#039; eine Warnung sein („er &#039;&#039;wird&#039;&#039; nicht zurückzahlen [&#039;&#039;können&#039;&#039;]“), ist dann aber in diesem Kontext wohl ebenfalls Charakterisierung. Die entscheidenden Aussagen sind dann: Der eine &#039;&#039;will&#039;&#039; nicht zurückzahlen, der andere ist &#039;&#039;gnädig&#039;&#039;. So und so richtig Croft 1997, S. 59: Vv. 21.25 zeigen, dass man sich den „Armen“ aus Vv. 14.16 nicht tatsächlich als materiell arm vorstellen darf; „arm“ sind die Gerechten in &#039;&#039;diesem&#039;&#039; Psalm nur insofern, als &#039;&#039;sie&#039;&#039; sich &#039;&#039;nicht&#039;&#039; bereichern.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|22}} Darum (Denn)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Darum (denn)&#039;&#039; - ist das richtig, was in der vorigen FN gesagt wurde, muss &#039;&#039;ki&#039;&#039; hier wie häufig, aber wie sonst nicht mehr in diesem Ps, „darum“ bedeuten.&amp;lt;/ref&amp;gt; werden seine Gesegneten (die ihn Segnenden)&amp;lt;ref name=&amp;quot;V 22&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;seine Gesegneten (die ihn Segnenden) + seine Verfluchten (die ihn Verfluchenden)&#039;&#039; - Die beiden Partizipien in V. 22 werden von den Vrs. unterschiedlich vokalisiert: Von MT, Tg und Hier beide passiv („gesegnet, verflucht“), von LXX und VUL beide aktiv („segnend, verfluchend“), von Syr nach den meisten Mss merkwürdigerweise das erste aktiv, das zweite passiv (in 8a1c und 12t1.4 aber auch Syr wie MT). Fast alle Neueren folgen hier der Deutung von MT.&amp;lt;/ref&amp;gt; das Land (die Erde) besitzen (in Besitz nehmen),&lt;br /&gt;
_Aber seine Verfluchten (die ihn Verfluchenden)&amp;lt;ref name=&amp;quot;V 22&amp;quot; /&amp;gt; werden abgeschnitten werden. {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Sprichwörter|3|33}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}} {{par|Matthäus|5|5}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|23}} [&#039;&#039;&#039;M&#039;&#039;&#039;] ([Denn])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[Denn]&#039;&#039; - So merkwürdigerweise 4QpPs, wonach auch hier die Strophe nicht mit dem zu erwartenden Buchstaben begänne.&amp;lt;/ref&amp;gt; Von JHWH werden die Schritte des Mannes gelenkt,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;JHWH lenkt die Schritte eines Mannes&#039;&#039;, d.i., er entscheidet über sein Schicksal, vgl. deutlich die Parallelstellen. D.h. hier natürlich wieder: Denjenigen, der gottgefällig lebt, segnet er. Kontraintuitiver Weise sind also die „Schritte“ eines Menschen nicht das, worüber ein Mensch selbst verfügen könnte.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Sprichwörter|16|9}} {{par|Sprichwörter|20|24}} {{par|Jeremia|10|23}}&lt;br /&gt;
_Wenn er an dessen Wandel Gefallen hat:&lt;br /&gt;
{{S|24}} Auch, wenn er zu fallen drohte, würfe es ihn nicht hin, {{par|Psalm|94|18}} {{par|Sprichwörter|24|16}}&lt;br /&gt;
_Denn JHWH stützt seinen Arm.&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|25}} [&#039;&#039;&#039;N&#039;&#039;&#039;] Jung war ich, ([und])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT wird nur durch Hier gestützt: 4QpPs, LXX, VUL, Tg, Syr und einige Mss haben vor &#039;&#039;auch&#039;&#039; zusätzlich &#039;&#039;und&#039;&#039;, wie dies hier auch erwartbar wäre. Gerade deshalb wird MT und Hier aber der ursprüngliche Wortlaut sein.&amp;lt;/ref&amp;gt; bin auch alt geworden,&lt;br /&gt;
_Aber nie sah ich, dass ein Gerechter verlassen worden wäre, {{par|Ijob|4|7}}&lt;br /&gt;
_So dass (und dass) seine Nachkommenschaft Brot suchen müssen hätte:&amp;lt;ref&amp;gt;Ein ganz schwieriger Vers. Exakt vom Gegenteil sprechen z.B. [[Ijob 9#s22 |Ijob 9,23f.]]; [[Kohelet 7#s15 |Pred 7,15]], und die Entsprechung in der Parallelstelle [[Ijob 4#s7 |Ijob 4,7]] wird danach abgetan als das „Traumgesabbel“ von Elifaz. Es lässt sich nicht weg-diskutieren: Ps 37,25 spricht sich derart stark für den (selbst intergenerationellen) Tun-Ergehens-Zusammenhang aus, dass selbst parallele biblische Texte hier nicht mitgehen können.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|34|11}}&lt;br /&gt;
{{S|26}} Den ganzen Tag ist er gnädig (mildtätig) und verleiht,&lt;br /&gt;
_Und seiner Nachkommenschaft [ist&#039;s] zum Segen (seine Nachkommenschaft wird zu einem Segen).&amp;lt;ref&amp;gt;So sinnvoll Stolz 1983, S. 61: „Seiner Nachkommenschaft gereicht es zum Segen.“. So auch Bernfeld, ELB, GN, HER05, HfA; am besten NGÜ: „Noch seine Nachkommen werden durch ihn gesegnet sein“. So auch schon LXX, VUL, Hier, Syr, Raschi. Radak gibt zwei Erklärungen: (1) Weil Gesegnete wie der Angesprochene ihren Segen weiterzugeben pflegen (eine Art trickle-down-Effekt des Segens), (2) weil andere, die von ihm Gutes erfuhren, ihrerseits um seintwillen seine Nachkommenschaft segnen werden (Letzteres auch bei ibn Ezra). Sonst stets wie in der Alternative.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|27}} [&#039;&#039;&#039;O&#039;&#039;&#039;] Weiche vom Üblen und tue Gutes {{par|Psalm|34|15}} {{par|Sprichwörter|3|7}} {{par|Jesaja|1|16|17}}&lt;br /&gt;
_Und wohne für immer:&amp;lt;ref&amp;gt;Wieder Folge-Imperativ: „So wirst du für immer wohnen können“.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Hier, Tg und Syr wie MT. Dagegen LXX und VUL setzen voraus: „auf &#039;&#039;immer und&#039;&#039; ewig“. Metrisch würde man das hier auch erwarten; für ursprünglich halten das daher auch Kittel 1914 und wahlweise Witte 2013, S. 417.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|28}} Weil JHWH Recht liebt, {{par|Psalm|45|8}} {{par|Psalm|99|4}} {{par|Jesaja|61|8}}&lt;br /&gt;
_Wird er nicht verlassen seine Frommen. {{par|Jesaja|59|21}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Für immer werden [sie] bewahrt ([&#039;&#039;&#039;P&#039;&#039;&#039;] Übeltäter werden für immer ausradiert)&amp;lt;ref&amp;gt;Hier erwartet man eine Zeile, die mit dem Buchstaben &#039;&#039;´Ajin&#039;&#039; beginnt. Der MT dagegen beginnt mit der Präp. Lamed, erst darauf folgt der erwartete Buchstabe. Viele Ausleger haben daher einen anderslautenden Text aus LXX rekonstruieren wollen (s.u.). Aber die vorgeschlagene Textkorrektur geht wohl nicht an. Vielleicht daher so: Mit `Ajin beginnt auch das Wort für „Übeltat“ in V. 1c; möglicherweise soll im fehlenden `Ajin also das gänzliche Fehlen der „Nachkommenschaft der Frevler“ und ihrer Übeltaten zum Ausdruck gebracht werden.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Die meisten Textzeugen stützen MT. Allerdings mehrere LXX-Gruppen, Sym und VUL haben hier eine fünfte Zeile; MT&#039;s „Für immer wird [dieser] bewahrt, aber die Nachkommenschaft von Frevlern wird abgeschnitten“ entspricht dort „für immer werden sie bewahrt, &#039;&#039;Gesetzlose aber werden gejagt/verjagt&#039;&#039;, und die Nachkommen der Frevler werden ausgerottet.“ Daraus haben viele ein ursprüngliches „Übeltäter werden für immer ausradiert“ rekonstruiert: &#039;&#039;´wl(j)m l´wlm nšmdw&#039;&#039;: &#039;&#039;´wl(j)m&#039;&#039; wäre wegen der Ähnlichkeit mit &#039;&#039;l´wlm&#039;&#039; übersehen worden und die Verschreibung von Resch mit Dalet ist ein sehr häufiger Schreibfehler. Die Übersetzung des ursprünglichen Wortlauts wäre dann also als Konflation zusätzlich zur Übersetzung des fehlerhaften Texts in die LXX geraten. So z.B. schon Houbigant 1777; auch Wellhausen 1895; BHK, BHS; Seybold 1996; Broyles 1999; Fokkelman 2000, S. 139 FN 54; Witte 2013, S. 417; ähnlich Jones 2019, S. 174 FN 20: &#039;&#039;´wlm l´wlm nṣmtw&#039;&#039; nach [[Psalm 69#s5 |Ps 69,5]]; [[Psalm 101#s5 |101,5]] wie schon Rahlfs. Aber das kritische Wort ist gerade &#039;&#039;´awalim&#039;&#039; „Übeltäter“; richtig nämlich Graetz 1882: Das heb. Wort ist als Entsprechung des gr. Wortes nirgends belegt. &#039;&#039;nšmdw&#039;&#039; ist gleichfalls keine belegte und auch keine sehr naheliegende Entsprechung des gr. Verbs (richtig Cheung 2015, S. 56; Böhler 2021), weshalb Jones 2019 seinen alternativen Vorschlag macht, der aber graphisch dann doch recht weit von MT entfernt ist. Darüber hinaus, dass die Vorlage von LXX nur so schwach bezeugt ist, ist LXX also auch gar keine gute Basis, um auf ihr die erwünschte Textrekonstruktion aufruhen zu lassen. Wahrscheinlicher ist es, dass in einer Handschrift wegen der Ähnlichkeit von 28d mit 38b hier 38a ergänzt wurde.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Ps 37,28.png|mini|Ps 37,28 in 4QpPs. (c) [https://www.deadseascrolls.org.il/explore-the-archive/image/B-506743 Deadseascrolls.org].]]Einige haben u.a. wohl daher behauptet, immerhin &#039;&#039;nšmdw&#039;&#039; statt &#039;&#039;nšmrw&#039;&#039; würde auch durch 4QpPs gestützt, aber richtig CTAT V 223: Anders als z.B. in DJD V 45 transkribiert, steht in 4QpPs sicher wie im MT &#039;&#039;nšmrw&#039;&#039;, vgl. auf dem Foto rechts den fraglichen Buchstaben mit dem Resch im direkt folgenden Wort. 4QpPs könnte mit LXX enger verwandt sein als mit MT, s. in V. 20 &#039;&#039;k´šn&#039;&#039; in 4QpPs, LXX, VUL, Syr vs. MT&#039;s &#039;&#039;b´šn&#039;&#039;, in V. 25 &#039;&#039;wgm&#039;&#039; in 4QpPs und LXX vs. MT&#039;s &#039;&#039;gm&#039;&#039; und in V. 35 &#039;&#039;`´bwr&#039;&#039; in 4QpPs, LXX, VUL, Syr vs. MT&#039;s &#039;&#039;wj´br&#039;&#039;. Dann wäre das Zeugnis besagter LXX-Textgruppen in diesem Vers umso schwächer. Man wird aber doch fragen müssen: Wie soll der Wortlaut von LXX denn sonst entstanden sein? Er ist sicher als Konflation zu erklären, und Textkorrekturen, wie diese eine wäre – poetische Verbesserungen, um z.B. wie hier ein Akrostichon lyrisch zu glätten –, sind mir (S.W.) sonst gar nicht bekannt.&amp;lt;br /&amp;gt;Die externe Evidenz mit nur einigen LXX-Zeugen ist also ziemlich schwach, die interne Evidenz – ein mit ´Ajin beginnendes Wort wäre hier so sehr zu erwarten, und der LXX-Wortlaut lässt sich kaum anders erklären denn mit einem heb. Original – dagegen ist sehr stark. Textkritisch lassen sich beide Optionen begründet vertreten; wir folgen daher hier der Mehrheits-Position in dt. Üss. und damit dem MT.&amp;lt;br /&amp;gt;En passant sei noch darauf hingewiesen, dass CTAT&#039;s Argument für MT, „der Poet habe ja schließlich auch kein Problem damit gehabt, die T-Strophe mit &#039;&#039;w-t...&#039;&#039; statt &#039;&#039;t...&#039;&#039; zu beginnen“, sicher nicht angeht; die Konjunktion wird man kaum „dem Poeten“ zuschreiben dürfen (so aber schon de Wette 1829; Maurer 1838; von Lengerke 1847; z.B. auch Böhler 2021). Ebenso wenig richtig dürfte ebd. sein, dass wir nur die Option haben zwischen „für immer wird dieser bewahrt“ und „Sünder werden ausradiert“, nicht aber „Sünder werden für immer ausradiert“, weil in LXX nur die Zwei-Wort-Variante belegt sei: LXX würde zwei Ein-Wort-Konflationen bezeugen; die gesamte Zeile muss man daraus rekonstruieren, und &#039;&#039;l´wlm&#039;&#039; wird man hier weit eher mit-rekonstruieren, weil dies Wort erst Grund für den Ausfall von &#039;&#039;´wlm&#039;&#039; gewesen wäre.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Aber die Nachkommenschaft von Frevlern wird abgeschnitten. {{par|Psalm|21|10}} {{par|Psalm|55|23}} {{par|Jesaja|14|21}} {{par|Baruch|4|1}}&lt;br /&gt;
{{S|29}} Die Gerechten werden besitzen (in Besitz nehmen) das Land (die Erde) {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}}&lt;br /&gt;
_Und für ewig&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;für ewig&#039;&#039; - eine Art break up-Parallelismus: Die häufige Fügung &#039;&#039;le´olam wa´ed&#039;&#039; („für immer und ewig“) wird aufgebrochen und als „für immer“ und „für ewig“ auf 28c und 29b verteilt, so dass sie das erste und vorletzte Wort dieser Strophe sind. Bemerkenswert ist außerdem, dass „für immer“ bereits in 27b stand, dort ebenfalls mit dem Vb. „wohnen“: „Wohne für immer“ (V. 27) – „für immer werden sie bewahrt“ (V. 28) – „und sie werden wohnen für ewig darin“ (V. 29). Dass ist zu auffällig, als dass es Zufall sein könnte, und die mittlere Klausel ist darüber hinaus gerade jene, wegen der V. 28c nicht mit `Ajin beginnt (s. vorige FN) – was mit dieser Formulierung zum Ausdruck gebracht werden soll, verstehe ich (S.W.) aber nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; wohnen darin.&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|30}} [&#039;&#039;&#039;Q&#039;&#039;&#039;] Der Mund des Gerechten redet (Weisheit=) Weises &lt;br /&gt;
_Und seine Zunge spricht (Recht=) Rechtes, {{par|Sprichwörter|10|31}}&lt;br /&gt;
{{S|31}} [Weil] die (&#039;&#039;torah&#039;&#039;=) Weisung seines Gottes in seinem Herzen [ist], {{par|Psalm|119|11}} {{par|Psalm|119|34}} {{par|Jeremia|31|33}}&lt;br /&gt;
_[Drum]&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[Drum]&#039;&#039; - So nach LXX, Sym, VUL, Syr, Saadja, 1 Ms. Dagegen 4QpPs, Tg und Hier stützen MT. Für ursprünglich halten die Variante mit &#039;&#039;w-&#039;&#039; z.B. auch Herkenne 1936; Craigie 1983; Ross 2011. Es ist aber gar nicht notwendig, dass &#039;&#039;w-&#039;&#039; ursprünglich zum Text gehörte; der vlS in 31 kann auch ohne &#039;&#039;w-&#039;&#039; Protasis von 31b gewesen sein und ist sicher so gedacht, da man Vv. 30f. sonst als Trikolon + Monokolon analysieren müsste.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird sein Schritt nicht wanken. {{par|Psalm|17|5}} {{par|Sprichwörter|4|4}} {{par|Baruch|4|1}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|32}} [&#039;&#039;&#039;R&#039;&#039;&#039;] Der Frevler lauert auf den Gerechten&lt;br /&gt;
_Und versucht, ihn zu töten. {{par|Psalm|10|8|10}} {{par|Jeremia|20|10}}&lt;br /&gt;
{{S|33}} JHWH wird ihn nicht seiner (Hand=) Gewalt überlassen&lt;br /&gt;
_Und nicht verurteilen&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;verurteilen&#039;&#039; - Wortspiel mit 32a: „verurteilen“ ist w. „zum Frevler machen=erklären“. Böhler 2021 sinngemäß richtig: „er wird nicht zulassen, dass man ihn für Frevels schuldig erklärt“, was als Übersetzung der Zeile aber ja ganz den Witz nimmt.&amp;lt;/ref&amp;gt; lassen, wenn er gerichtet wird.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;wenn er gerichtet wird&#039;&#039; - nämlich vor dem Gericht, vor das der Frevler ihn offenbar stellen will (so z.B. Hitzig 1863; Herkenne 1936; Kissane 1953). Das scheint zu bedeuten, dass „Gerechte“ nie zu Unrecht verurteilt werden und ist dann ähnlich schwer zu akzeptieren wie V. 25. Ross 2011 versucht, den Vers zu retten mit der Deutung, gemeint sei: „Auch, wenn er zu Unrecht verurteilt wird, sieht ihn immerhin &#039;&#039;JHWH&#039;&#039; nie als verurteilenswert an.“ (vgl. VUL, Hier: „Er wird ihn nicht &#039;&#039;verdammen&#039;&#039;, auch, wenn über ihn geurteilt wird“. Vgl. auch [[Römer 8#s33 |Röm 8,33f.]]). Aber, böse gefragt: Was soll das bringen? Was durch den ganzen Psalm hindurch versprochen wird, ist ja innerweltliches Heil; auch hier muss man dann erwarten, dass von einem solch „weltlichen“ Segen die Rede ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|124|6|7}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|34}} [&#039;&#039;&#039;S&#039;&#039;&#039;] Hoffe auf JHWH und achte auf seinen Weg, {{par|Ijob|17|9}} {{par|Ijob|23|11}} {{par|Sprichwörter|20|22}}&lt;br /&gt;
_Dann wird er dich [dazu] erhöhen, zu besitzen (in Besitz zu nehmen) das Land (die Erde). {{par|Psalm|92|10}} {{par|Psalm|112|9}} {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}} {{par|Matthäus|5|5}} {{par|Lukas|14|11}} {{par|1 Petrus|5|6}}&lt;br /&gt;
Wenn abgeschnitten&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;abgeschnitten&#039;&#039; - Wieder das selbe Wortspiel wie in V. 9: „Binde dich an = Hoffe auf JHWH“ vs. „die Frevler werden abgeschnitten = getötet werden“.&amp;lt;/ref&amp;gt; werden die Frevler, wirst du&#039;s sehen (auf das Abgeschnitten-Werden der Frevler wirst zu blicken können). {{par|Psalm|52|8}} {{par|Psalm|91|8}} {{par|Psalm|92|12}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|35}} [&#039;&#039;&#039;T&#039;&#039;&#039;]&amp;lt;ref&amp;gt;Klangspiel: Im Heb. beginnt der V. wie erwartet mit &#039;&#039;r&#039;&#039;. Dieser Konsonant durchzieht aber den ganzen Vers, gemeinsam mit dem Konsonanten `Ajin: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;a`iti &#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;aša&#039;&#039;&#039;´&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;´&#039;&#039;&#039;a&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;iṣ / umit&#039;&#039;&#039;´&#039;&#039;&#039;a&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;eh ke`e&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;ez ha&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;a&#039;&#039;&#039;´&#039;&#039;&#039;anan&#039;&#039;. Ist der Ps sehr jung, könnte auch Alef in &#039;&#039;ra`iti&#039;&#039; und &#039;&#039;ke`erez&#039;&#039; ähnlich wie ´Ajin geklungen haben. Resch und ´Ajin sind die Konsonanten für &#039;&#039;ra´&#039;&#039; („Übles, Böses“): Wie die ausladenden Äste einer Zeder hat sich hier der Böse über den ganzen Vers ausgebreitet und alles mit seinen Wurzeln durchdrungen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ich sah [einmal] einen gewaltigen Frevler,&lt;br /&gt;
_[Der] aufschoss wie eine Zeder im Saft (der sich entblößte wie ein Angestammter im Saft?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;der aufschoss (der sich entblößte)&#039;&#039; - Heb. &#039;&#039;mit´areh&#039;&#039;, auf den ersten Blick: „der sich entblößte“. Rhotatizismus für &#039;&#039;mit´aleh&#039;&#039; („der aufschoss“), das auch in [[Jesaja 55#s13 |Jes 55,13]]; [[Ezechiel 47#s12 |Ez 47,12]] von Bäumen gesagt wird (vgl. Fitzgerald 1978, S. 486; Craigie 1983).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Zeder im Saft (Angestammter im Saft)&#039;&#039; -  Für das &#039;&#039;`ezraḥ ra´anan&#039;&#039; („Angestammter im Saft“) in MT, Hier lies nach LXX, VUL &#039;&#039;ke`erez hara´anan&#039;&#039; („Zeder im Saft“, vgl. {{hebr}}אזרח רענן{{hebr ende}} mit {{hebr}}ארז הרענן{{hebr ende}}). So z.B. auch Wellhausen 1895; Terrien 2003; Perdue 1977, S. 334; Stolz 1983, S. 62; Gies 2018, S. 2018. Noch weit mehr wollen ganz LXX und VUL folgen und „Zedern des Libanon“ lesen (z.B. Seybold 1996; Broyles 1999; Witte 2013, S. 418), aber das wäre graphisch weit von MT entfernt und „Zedern &#039;&#039;des Libanon&#039;&#039;“ ist eine leicht erklärliche stilistische Variante von „Zedern im Saft“, da Libanon-Zedern berühmt und der Libanon bekannt für seine Fruchtbarkeit waren (s. bes. klar [[Ezechiel 31#s3 |Ez 31,3]], auch [[1 Könige 4#s33 |1 Kön 4,33]]; [[Psalm 29#s5 |Ps 29,5]]; [[Psalm 92#s13 |92,13]]; [[Psalm 104#s16 |104,16]]; [[Jesaja 2#s13 |Jes 2,13]]; [[Jesaja 37#s24 |37,24]]).&amp;lt;br /&amp;gt;Tg und Syr sind nicht eindeutig zuzuordnen: Beide übersetzen mit „Bäume“ (Tg: „fest gepflanzter Baum mit dichter Krone“, Syr: „Bäume im Wald“). Viele Neuere nehmen an, dass „Angestammter“ auch ein Ausdruck für heimische Bäume sein könne (z.B. Cheung 2015, S. 64: „per Wortspiel“; besser Maurer 1838, der auf einen verwandten arabischen Sprachgebrauch verweist). Ist das wahr, könnten Tg und Syr auch MT bezeugen. Aber wahrscheinlich ist es nicht; für einen solchen Sprachgebrauch im Hebräischen fehlt jede Parallele.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|1|3}} {{par|Jesaja|44|4}} {{par|Jeremia|17|8}} {{par|Ezechiel|19|10}}&lt;br /&gt;
{{S|36}} Ich ging [wieder] vorüber (und man ging vorüber, und er ging hinüber),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT&#039;s &#039;&#039;wj`br&#039;&#039; („und man/er ging vorüber“) wird nur von Sym und Tg gestützt; dagegen 4QpPs, LXX, VUL, Hier (!) und Syr haben alle &#039;&#039;`´br&#039;&#039; („ich ging vorüber“). 4QpPs hat wahrscheinlich sogar V. 10 an diese Stelle angeglichen. Eine Änderung von &#039;&#039;wj`br&#039;&#039; nach &#039;&#039;`´br&#039;&#039; ließe sich zwar leicht als Angleichung an das Vb. in 36b erklären; ebenso gut aber eine umgekehrte Änderung als Angleichung an 35b. Die neuesten Kommentatoren und Üss. folgen überwiegend MT (z.B. Terrien 2003; Goldingay 2006; Ross 2011; Böhler 2021; Tiquillahuanca 2008, S. 18; Witte 2013, S. 418; Cheung 2015, S. 57; Ruiz 2015, S. 19), aber das Zeugnis für 1. Prs. ist hier zu stark.&amp;lt;br /&amp;gt;4QpPs und VUL haben außerdem beide noch eine ähnliche, unerklärliche Ergänzung: 4QpPs: „ich zog &#039;&#039;vor ihm&#039;&#039; vorüber“, VUL: „&#039;&#039;sein Ort&#039;&#039; ließ sich nicht finden“. Könnte VUL &#039;&#039;lepanajw&#039;&#039; mit „sein Ort“ übersetzt haben? Dann bezeugten beide das selbe Plus. Noch einmal nachweisen lässt sich dies aber nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; und, siehe!, er war nicht mehr [da],&lt;br /&gt;
_Und ich suchte ihn, aber er ließ sich nicht finden.{{par|Jesaja|10|18|19}} {{par|Jesaja|10|33|34}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|37}} [&#039;&#039;&#039;U&#039;&#039;&#039;] Achte [also] auf den Aufrechten (Aufrichtigkeit) und sieh auf den Integren (strebe nach/weide Integrität),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Aufrechter (Aufrichtigkeit)&#039;&#039; + &#039;&#039;Integrer (Integrität)&#039;&#039; - Variante 1 jeweils nach MT, Tg, Syr, Variante 2 jeweils nach LXX, VUL, Hier; jeweils werden nur die selben Konsonanten unterschiedlich vokalisiert. Wählt man Variante 2, nimmt man „auf etwas schauen“ besser i.S.v. „streben nach“, oder man nimmt mit Syr &#039;&#039;r`h&#039;&#039; („sehen“) als NF von &#039;&#039;r´h&#039;&#039; („weiden“; ähnlich z.B. Broyles 1999: „shepherd faithfulness“), vgl. V. 3b. Die NF würde natürlich verwendet für das Wortspiel, dass dann „weiden“ gleichzeitig als „sehen“ parallel ginge mit dem vorangehenden „im Blick behalten“.&amp;lt;br /&amp;gt;Var 2 z.B. LUT: „Bleibe fromm und halte dich recht“ (auch H-R, PAT, TUR, van Ess, ZÜR 31 [nicht mehr ZÜR 07]); Var 1 z.B. EÜ: „Achte auf den Lauteren und sieh auf den Redlichen“ (so die meisten Üss.). Schön BB: „Halte dich an den, der vorbildlich lebt! Schau auf den, der sich aufrichtig verhält!“ So schon Raschi: „Nimm den Unschuldigen genau in Blick, um von seinen Taten zu lernen“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Denn ein Mann des Friedens hat Zukunft (Nachkunft)&lt;br /&gt;
{{S|38}} Aber Sünder werden sämtlich ausradiert,&lt;br /&gt;
_Die Zukunft (Nachkunft) von Frevlern wird abgeschnitten. {{par|Ijob|18|19}} {{par|Sprichwörter|2|22}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|39}} [&#039;&#039;&#039;V&#039;&#039;&#039;] {Aber}&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT, LXX, VUL und Tg haben oder setzen alle ein &#039;&#039;w-&#039;&#039; („aber“) zu Versbeginn voraus. Dann begänne auch dieser Vers nicht mit dem zu erwartenden Buchstaben. Hier, Syr und wenige Mss aber haben dieses &#039;&#039;w-&#039;&#039; nicht; für ursprünglich halten diese Variante z.B. auch Wellhausen 1895, BHS, Witte 2013, S. 418.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Rettung der Gerechten [wird kommen] von JHWH,&lt;br /&gt;
_Ihrer Zuflucht zur Zeit der Bedrängnis,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Bedrängnis&#039;&#039; - Wortspiel: &#039;&#039;ṣarah&#039;&#039; („Bedrängnis“) klingt sehr ähnlich wie &#039;&#039;zera´&#039;&#039; („Nachkommenschaft“). Für den Frommen schimmert selbst in der Bedrängnis die heilvolle Zukunft durch.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Jeremia|14|8}} {{par|Jeremia|16|19}}&lt;br /&gt;
{{S|40}} Und es wird helfen (hilft) ihnen JHWH und sie befreien (befreit sie),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT hat 2x Wayyiqtol, was nur für Vergangenheit oder Gegenwart verwendet werden kann und schlecht mit Yiqtol im folgenden Vers zusammenstimmt, was aber auch von Syr gestützt wird. Besser vokalisiert man mit LXX, VUL, Hier und den meisten Tg-Mss beide Male als WeYiqtol; so richtig Zuber 1986.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
_Er wird sie befreien von Frevlern und retten,&lt;br /&gt;
Weil sie sich zu ihm geflüchtet haben.&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
Ps 37 gehört (gemeinsam mit md. [[Psalm 1 |Ps 1]]; [[Psalm 49 |49]]; [[Psalm 73 |73]]; [[Psalm 112 |112]]; [[Psalm 127 |127]]; [[Psalm 128 |128]]; [[Psalm 133 |133]]) zu den sogenannten „Weisheitspsalmen“. Die Funktion dieser Weisheitspsalmen ist ein Rätsel: Offensichtlich ist Ps 37 nicht verfasst worden, damit man ihn bete, sondern ein konkreter Gegenüber wird angesprochen, um ihn mit einer Reihe von Weisheitslehren zu ermahnen, wie sie auch im Buch der Sprichwörter stehen könnten (und zum Teil auch stehen, vgl. oben die Spr-Parallelstellen, die teilweise fast wörtlich einzelnen Zeilen des Psalms entsprechen). Warum eine solche Weisheitslehre aber im Buch der Psalmen und nicht im Buch der Sprichwörter steht, ist schwer erklärlich. Vielleicht ist er nur ins Psalmenbuch aufgenommen worden, weil man schon früh angenommen hat, sein Verfasser sei David gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ps 37 kreist besonders um ein Sprichwort, das refrainartig in mehreren Variationen wiederholt wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Personengruppe A wird das Land besitzen,&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Personengruppe B aber wird abgeschnitten werden!&#039;&#039; (Vv. 9.11.22.28.29.34.38)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Personengruppe A wird dabei immer wieder bezeichnet als „die Gerechten“ und außerdem wechselnd als „die auf JHWH Hoffenden“ (V. 9), „die Elenden“ (V. 11), „die Unterdrückten und Bedürftigen“ (V. 14a), „die, die rechten Wandels sind“ (V. 14b), „die Makellosen“ (V. 18), „die von Gott Gesegneten“ (V. 22), „Gottes Fromme“ (V. 28), „Männer des Friedens“ (V. 37) und wahrscheinlich als „die Aufrechten“ und „die Integren“ (V. 37), Personengruppe B immer wieder als „die Frevler“ und außerdem wechselnd als „die Bösewichter“ (Vv. 1.9), „die Übeltäter“ (V. 1), „die Intriganten“ (V. 7), „die Feinde Gottes“ (V. 20), „die von Gott Verfluchten“ (V. 22), und „die Sünder“ (V. 38).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;Grundannahme&#039;&#039;&#039; ist danach schon klar: Wer nicht gottgefällig lebt, den wird dereinst Gott töten und seine Nachkommenschaft ausrotten, wer es dagegen tut, wird dereinst „das Land besitzen“ – weil ja niemand sonst mehr übrig ist.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der größte Teil des Psalms erklärt sich schon hieraus: In &#039;&#039;&#039;Vv. 1-6&#039;&#039;&#039; wird der Angesprochene ermahnt, gottgefällig zu leben, weil Gottgefälligkeit von Gott belohnt werden wird. In &#039;&#039;&#039;Vv. 7-8&#039;&#039;&#039; wird die Mahnung noch einmal wiederholt, die Begründung aber wird in &#039;&#039;&#039;Vv. 9-11&#039;&#039;&#039; dazu entfaltet, dass Gottgefälligkeit belohnt, Übeltäterei aber bestraft wird, so dass am Ende „der Übeltäter nicht mehr da ist, die Elenden dagegen das Land besitzen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;&#039;Vv. 12-15&#039;&#039;&#039; wird entweder ein Beispiel für die Übeltäterei der Frevler herausgegriffen oder aber es wird nun endlich dasjenige genannt, was die Übeltäter eigentlich zu Übeltätern macht. Ersteres ist wahrscheinlicher, s. zu V. 21. Man hat aus diesen Versen ableiten wollen, die konkret gemeinte Übeltat sei Ausbeutung: offenbar würde Personengruppe A von Personengruppe B ausgebeutet – v.a., indem sie ihnen das Land rauben – und der Psalm sei also auch sozialkritisch. Aber das einzige, was das eventuell nahelegen könnte, ist die Bezeichnung „Bedürftige“ in 14c, denn was tatsächlich konkret von Personengruppe B berichtet wird, ist gerade nicht Ausbeutung, sondern ist ein Mordversuch. Und das passt zur Bezeichnung „Bedürftige“: Als solche werden im AT nämlich &#039;&#039;nicht&#039;&#039; nur sozial Schwache bezeichnet, sondern häufig „[gelten] als Symptome des ‚Armseins vor Gott‘ [...]: böse Widerfahrnisse ([[Psalm 40#s13 |Ps 40,13]]), Verachtung ([[Psalm 69#s9 |Ps 69,9]]), Verfolgung ([[Psalm 35#s1 |Ps 35,1ff.]]; [[Psalm 109#s2 |109,2ff.]]), Krankheit ([[Psalm 109#s22 |Ps 109,22ff.]]), Todesverfallenheit ([[Psalm 88#s4 |88,4ff.]]) u.a.“ (THAT I 24). Von anderen Personen bedroht zu werden, liegt genau auf dieser Linie, und dagegen, dass Personengruppe A ausgesprochen arm ist, sprechen ja explizit Vv. 21.26. Personengruppe B ist zwar offensichtlich wirklich reicher als Personengruppe A (V. 16), aber was sich aus Vv. 12-15 herauslesen lässt, ist erst mal nur: Anscheinend wird Personengruppe A von Personengruppe B bedroht, was denn auch deren Zürnen gegen diese (Vv. 1.7) und das Hoffen und Vertrauen auf JHWH (Vv. 3.5) erklärt. Und dieser, so heißt es direkt im Anschluss wird auch wirklich handeln: Nach &#039;&#039;&#039;Vv. 16-20&#039;&#039;&#039; hat Personengruppe B gar nichts von ihrem Überfluss, denn, wieder: Frevler wird Gott wie Rauch vergehen lassen, Gottgefällige und sogar auch ihre Nachkommen dagegen auf ewig bewahren.&amp;lt;br /&amp;gt;In &#039;&#039;&#039;Vv. 21-26&#039;&#039;&#039; wird ein weiteres Symptom des Frevler-Seins vs. Gerecht-Seins genannt: Zum Frevler-Sein gehört auch, geliehenes Geld nicht zurückzuzahlen, zum Gerecht-sein auch, sogar mildtätig zu sein, also offenbar: Geld zu verschenken. Das ist sicher nicht das Entscheidende, das einen Frevler zum Frevler und einen Gerechten zum Gerechten macht; offenbar sollen also mit Vv. 12-14 und Vv. 21.26 je ein &#039;&#039;Beispiel&#039;&#039; für Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit genannt werden: Mildtätig zu sein einerseits und gewaltbereit zu sein andererseits. Man wähle das eine und meide das andere, denn, wieder: Die einen werden dereinst „das Land besitzen“, die anderen „abgeschnitten werden“. So war es immer und so wird es immer sein, kann der Dichter aus Erfahrung berichten (V. 25). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Spätestens dieser Vers ist schwere Kost in unserer theodizee-geschulten Zeit: Es lässt sich ja leicht überprüfen, dass dem &#039;&#039;nicht&#039;&#039; so ist – dass Gerechte immer von Gott gesegnet und Ungerechte immer von Gott bestraft würden. Es lohnt sich, hier eine längere Passage von Goldingay 2006, S. 534 zu zitieren:&amp;lt;br /&amp;gt;„Kommentatoren betonen häufig, dass man Ps 37 mit den weniger optimistischen Texten im Buch Ijob oder den Aussprüchen Jesu zusammenlesen müsse. Das ist ein Code für: Ps 37 ist nicht wahr. Ps 37 soll damit ins Abseits gestellt werden. Und man irrt damit darüber hinaus in mehrerlei Hinsicht: Die Perspektive des Psalms wird durch die Geschichte von Ijob zu Beginn und am Ende ja &#039;&#039;bestätigt&#039;&#039;, nicht negiert, und Jesus stützt sie ebenfalls, wenn er die Menschen ermutigt: ‚Strebt zuvorderst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, und all dies – Essen, Trinken, Kleidung, ... – wird euch dann ebenfalls geschenkt werden‘ ([[Matthäus 6#s33 |Mt 6,33]]). Jesus übernimmt sogar einen der Segenssprüche in V. 11 [s. [[Matthäus 5#s5 |Mt 5,5]]...]. Psalm 37 anerkennt explizit, dass es nicht immer so geschieht – es ist ja sogar so, dass der Psalm gar nicht geschrieben werden müssen hätte, wenn dem nicht so wäre. Aber er besteht darauf, dass negative Erfahrungen den Glaubenden nicht um die Überzeugung bringen dürfen, dass Gott sich dennoch wirklich dafür engagiert, dass die moralische Ordnung der Welt ‚funktioniert‘.“&amp;lt;br /&amp;gt;Psalm 37 ist dann keine theoretische Theodizee, er ist &#039;&#039;angewandte&#039;&#039; Theodizee. &#039;&#039;Warum&#039;&#039; die moralische Weltordnung nicht immer funktioniert, sagt der Psalm nicht (und sagt auch kein anderer Vers in der Bibel); aber er ermutigt angesichts dieser Problematik: Nichtsdestotrotz &#039;&#039;gibt&#039;&#039; es diese moralische Weltordnung, und es &#039;&#039;gibt&#039;&#039; das Grundprinzip, dass Gerechte gesegnet und Ungerechte bestraft werden. Sei standhaft und vertraue darauf! (Und man darf mit Kant ergänzen: Was sonst bleibt einem übrig? Ohne die Annahme, gutes Handeln werde einem auch vergolten, fehlt der Moral die entscheidende Triebfeder.)&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vv. 27-29&#039;&#039;&#039; wiederholen noch einmal die Grundannahme des Psalms und erweitert sie um die Dimension der Zeit: Gerechte werden gesegnet, – und zwar für immer (27b), für immer (28c) und für ewig (29b).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Vv. 30-34&#039;&#039;&#039; konkretisieren diese Gerechtigkeit noch ein wenig mehr: Gerecht sein heißt, sich von der Weisheit leiten zu lassen: Weisheit im Mund, Recht auf der Zunge und Weisung Gottes im Herzen zu haben. – Gerechtigkeit ist nicht nur eine Frage des Handelns, sondern auch des Redens und Denkens: Auch dies soll gottgefällig sein; Gott wird es lohnen. Und noch ein letztes Mal wird das selbe in &#039;&#039;&#039;Vv. 35-40&#039;&#039;&#039; wiederholt: Man achte darauf, wen man sich zum Vorbild nimmt. So gewaltig ein Frevler auch scheinen mag: Allzu schnell kann er dahin sein, wie der kleine Erfahrungsbericht des Dichters in Vv. 35f. lehrt. Man halte sich daher besser Aufrechte, Gerechte und Männer des Friedens, denn solche wird Gott zur Zeit der Bedrängnis „retten, ihnen helfen und sie befreien, wenn sie sich zu ihm flüchten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Psalm_37&amp;diff=40209</id>
		<title>Psalm 37</title>
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		<updated>2025-10-30T19:33:01Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Syntax&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Zuverlässige Studienfassung}}&lt;br /&gt;
{{Lesefassung kann erstellt werden}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Lesefassung}} &#039;&#039;(kommt später)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
{{S|1}} &#039;&#039;Von David (Für David, Aus der Davids-Sammlung)&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Von David (Für David, Aus der Davids-Sammlung)&#039;&#039; steht in vielen Psalm-Überschriften: in 73 Überschriften der hebräischen Bibel und sogar in 87 Überschriften des LXX-Psalters. Am besten deutet man sie als Angabe des Verfassers David, nimmt diese Angabe aber nicht historisch, sondern z.B. mit Childs 1971 als alte, aber spätere Interpretationen des folgenden Psalms, die für eine adäquate Auslegung desselben ignoriert werden muss. S. genauer zu [[Psalm 3#s1 |Ps 3]].&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Wie häufig in den Ps-Überschriften sind auch hier die Zeugnisse in den Überschriften in den alten Vrs. nicht einheitlich: Einige gr. Zeugen ergänzen „Psalm (Davids)“, einige neben &#039;&#039;leDavid&#039;&#039; auch &#039;&#039;la-mnaṣeaḥ&#039;&#039; („für den Chorleiter / Ritualvorsteher / ...(?)“), einige beides. Ursprünglich sind diese Varianzen sicher nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;[&#039;&#039;&#039;A&#039;&#039;&#039;]&amp;lt;ref&amp;gt;Ps 37 ist ein sog. „akrostischer“ Psalm: I.d.R. jede vierte Zeile beginnt in alphabetischer Reihenfolge mit einem neuen Buchstaben. [https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb10311823?page=244 Ewald] hat das kongenial im Deutschen nachgeahmt. Einige Unregelmäßigkeiten gibt es bei der Zahl der Zeilen einer solchen alphabetischen Strophe, die einzige größere Unregelmäßigkeit findet sich in V. 28, wo der erwartete Buchstabe nicht steht (s. dort), und evt. in V. 23 und V. 39, wo jeweils manche Versionen einen Text bezeugen, der „nicht ganz“ mit dem korrekten Buchstaben beginnt (s. dort).&amp;lt;/ref&amp;gt; (Brenne=) Zürne Bösewichtern nicht (Wetteifere nicht mit&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Wetteifern&#039;&#039; - So Hieronymus mit dem selben Wort, mit dem er in VUL das &#039;&#039;zweite&#039;&#039; Vb. übersetzt, und Saadja. Vgl. außerdem Tg, Ms M: „begehre nicht nach den Übeltätern“, Syr: „sei nicht neidisch auf Übeltäter“. Vgl. schließlich noch b.Ber 7b: Man solle nicht lesen &#039;&#039;titḥar&#039;&#039; („zürne“), sondern &#039;&#039;teqanne`&#039;&#039; („wetteifere“). Das könnte einen alternativen Wortlaut nahelegen, aber vergleicht man dann noch die Kommentare von Saadja und ibn Ezra, sieht man, dass es &#039;&#039;dieses&#039;&#039; Wort war, dem sie diese Bed. gegeben haben – vielleicht aber ausgehend von der Variante in Tg, Ms M (&#039;&#039;trgg&#039;&#039; statt &#039;&#039;tgrg&#039;&#039;).&amp;lt;/ref&amp;gt;),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Keine Banalität; in der jüd. Auslegungsgeschichte hat man sogar explizit gegen diesen Vers Einspruch erhoben: b.Meg 6b + b.DER 2,29: „Es ist erlaubt, gegen Übeltäter zu eifern. Sollte dir jemand zuflüstern: ‚Zürne Bösewichtern nicht und beneide Übeltäter nicht‘ – nur, wer sich selbst schuldig fühlt, würde so etwas sagen.“ Jedoch: Gerade das soll der Angesprochene nicht tun, und dies ist gottgefällig.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Sprichwörter|24|19}}&lt;br /&gt;
_([und])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[und]&#039;&#039; - So viele MSS; u.a. einige wichtige und alte Handschriften (z.B. G5, G7, G11, G20, KA1; zu den Handschriften-Siglen s. die Seite [https://offene-bibel.de/wiki/Benutzer:Sebastian_Walter/Wichtige_MSS Wichtige Handschriften]). Die alten Vrs. stützen aber L. &amp;lt;/ref&amp;gt; Beneide Übeltäter nicht, {{par|Psalm|73|3}} {{par|Sprichwörter|3|31}} {{par|Sprichwörter|23|17}} {{par|Sprichwörter|24|1}} {{par|Sprichwörter|24|19}}&lt;br /&gt;
{{S|2}} denn wie {das} Gras werden sie schnell verdorren &lt;br /&gt;
_Und wie grünes Kraut werden sie eingehen! {{par|Ijob|8|12}} {{par|Psalm|90|5|6}} {{par|Psalm|103|15|16}} {{par|Psalm|129|6}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|3}} [&#039;&#039;&#039;B&#039;&#039;&#039;] Vertraue auf JHWH und tue Gutes, {{par|Psalm|4|6}} {{par|Psalm|26|1}}&lt;br /&gt;
_Bewohne das Land (die Erde) und weide (so wirst du weiden können) Treue (in Sicherheit, weide treu/sicher, weide dich an seinen Schätzen, strebe nach Treue);&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Treue weiden&#039;&#039; - Etwas unklare Metapher. Klar ist immerhin, dass V. 3 mit V. 2 spielt: Wie die Übeltäter „wie Gras“ verschwinden werden, wird der Angesprochene dagegen „weiden“ können. Wahrscheinlich ist dies außerdem ein Wortspiel: &#039;&#039;re´eh&#039;&#039; („weide“) klingt im jüngeren Bibelhebräisch fast identisch mit &#039;&#039;re`eh&#039;&#039; („sieh“), also „und sieh Treue“ = „und du wirst [Gottes] Treue sehen=erfahren können!“ (vgl. V. 34: „Du wirst’s sehen“).&amp;lt;br /&amp;gt;Was näherhin die Bed. angeht, bieten sich vier Deutungen an:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Der Angesprochene erscheint wie in [[Psalm 23 |Ps 23]] als Schaf, daher: „Friss Treue“ = Gott wird dich in seiner Treue sättigen / mit seiner Treue regelrecht abfüllen. So schon VUL: „Weide dich an der Treue [Gottes]“; Cheung 2015, S. 54: „Graze on faithfulness“; ELB.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Ebenso, daher aber: „Friss in Sicherheit“, weil du dabei nicht mehr von den eingegangenen Übeltätern gestört und bedroht werden wirst. So z.B. Tiquillahuanca 2008, S. 11: „Bewohne das Land und beweide (es) in Sicherheit!“; Ruiz 2015, S. 17: „Weide in Sicherheit!“; z.B. auch HER05, TUR.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Der Angesprochene erscheint als Hirte, die „Treue“ als die Herde, die er „weiden“ = „pflegen“ soll: „Kultiviere deine Treue zu Gott“ = „Werde immer treuer“. So Tg: „Befleißige dich der Treue“; Syr: „Strebe nach Treue“; z.B. auch Witte 2013, S. 415: „Hege Treue!“. So die meisten Üss., z.B. BB, EÜ, HfA, LUT, MÜN, NeÜ, NGÜ, SLT, ZÜR.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Duhm 1899 vergleicht gut das häufige Nomen &#039;&#039;re´ut&#039;&#039; in Kohelet, das „Streben, Haschen“ zu bedeuten scheint. &#039;&#039;ra´ah&#039;&#039; müsste dann entsprechend ebenfalls „streben“ bedeuten können (Duhm: „erstrebe treue“ → „übe Treue“).&amp;lt;br /&amp;gt;Liest man V. 3 mit V. 4 zusammen, ist (1) am wahrscheinlichsten; „friss Gottes Treue“ ≙ „Gott wird dir die Bitten deines Herzens gewähren“. 3b nimmt man dann am besten als Folge-Imperative, also nicht „Bewohne...!“, sondern „dann wirst du bewohnen können“ (richtig von Lengerke 1847, Graetz 1882, Kissane 1953).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Fast alle Vrs. wie in der Primär-Üs., nur LXX + VUL: „Weide dich an seinen Reichtümern“, was statt &#039;&#039;`emunah&#039;&#039; („Treue, Sicherheit“) &#039;&#039;ḥamoneh&#039;&#039; („seine Menge/Schätze“) voraussetzt. So z.B. H-R: „Dann bleibst du im Land und genießt seine Güter“. Fast sicher soll dies aber nur das etwas schwierige Bild vereinfachen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|4}} Sei über JHWH entzückt (hab deine Wonne an JHWH),&amp;lt;ref&amp;gt;Anstatt gegen Übeltäter zu zürnen. Gut Goldingay 2006, S. 520: „The remedy for negative feelings that come from looking at others is to look at Yhwh and let appropriate feelings arise.“ Vgl. aber auch [[Ijob 34#s9 |Ijob 34,9]], wo sich erkennen lässt, dass das „Entzückt-sein“ über JHWH in der Tat eine Tugend war, die man jemandem auftragen konnte; u.a. sicher, weil man seinem Entzücken Ausdruck verleihen konnte durch Jubel vor dem Altar Gottes u.ä. (s. [[Palm 43#s4 |Ps 43,4]]).&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|22|26}} {{par|Ijob|27|10}} {{par|Ijob|34|9}} {{par|Psalm|43|4}} {{par|Jesaja|58|14}}&lt;br /&gt;
_Dann wird er dir gewähren die Bitten deines Herzens. {{par|Psalm|21|3}} {{par|Psalm|145|19}} {{par|1 Könige|3|5}} {{par|2 Chroniken|1|17}} {{par|Matthäus|7|7}} {{par|Johannes|15|7}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|5}} [&#039;&#039;&#039;C&#039;&#039;&#039;] Wälze auf JHWH deinen Weg (deine Wege)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Wälze deinen Weg&#039;&#039; - Ausdruck dafür, das eigene Schicksal der Fürsorge Gottes anzuvertrauen, auf dass dieser sich darum kümmere; s. noch [[Psalm 22#s9 |Ps 22,9]]; [[Sprichwörter 16#s3 |Spr 16,3]]; [[1Petrus 5#s7 |1 Pet 5,7]]. Sinnvoll BB + NGÜ: „Lass den Herrn deinen Weg bestimmen“, TEX: „Stelle Jahwe dein Geschick anheim“.&amp;lt;br /&amp;gt;Vielleicht ein Wortspiel: Syr übersetzt „Mach deinen Weg gerade“, versteht „wälzen“ also offenbar als „glattwalzen“, was hier sicher nicht primär gemeint ist, aber sprachlich möglich ist. Wer seinen Weg „glattgewalzt“ hat, ist aber identisch mit dem mit „geradem Weg“ in V. 14.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: LXX, VUL, Tg lesen &#039;&#039;gl&#039;&#039; nicht wie MT, Hier und Syr als &#039;&#039;gol&#039;&#039; („Wälze“), sondern als &#039;&#039;gal&#039;&#039; („Offenbare“); Tg und einige Mss lesen außerdem die Konsonanten für „deinen Weg“ mit anderen Vokalen als Pl. „deine Wege“; also: „Tu Gott deine(n) Weg(e) kund!“ Was das bedeuten soll, wäre aber unklar; sicher hat es Gott ja nicht nötig, dass man ihm erst „seinen Weg offenbart“. Richtig hält dies auch keine dt. Üss. für ursprünglich.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Und vertrau auf ihn, dann wird er handeln: (dann wird er [dies] tun:) {{par|Psalm|22|32}} {{par|Matthäus|6|25|26}} {{par|1 Thessalonicher|5|24}}&lt;br /&gt;
{{S|6}} Er wird aufstrahlen lassen deine Gerechtigkeit wie {das} Licht&lt;br /&gt;
_Und dein Recht (deine Gerichtsentscheide)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;deine Gerichtsentscheide&#039;&#039; - so Syr und wenige Mss., die die Konsonanten von MT anders als L und die anderen Vrs. als Pl. vokalisieren. Angezielt war sicher der Sg.&amp;lt;/ref&amp;gt; wie {die} Mittag[shelle].&amp;lt;ref&amp;gt;Gut Hitzig 1863, S. 206: „Er wird deine Rechtschaffenheit glänzend sich herausstellen lassen durch entsprechendes äußeres Schicksal“. Vgl. ähnlich [[Jesaja 62#s1 |Jes 62,1]], wo nicht nur die Gerechtigkeit als die Ursache des „Strahlens“ genannt wird, sondern etwas verständlicher auch die Segenstat Gottes als die Folge dieser Gerechtigkeit: „bis Jerusalems Gerechtigkeit wie Lichtglanz leuchtet und seine Rettung wie eine lodernde Fackel.“ Vgl. auch [[Maleachi 4#s2 |Mal 4,2]]; [[Ijob 11#s14 |Ijob 11,14-17]]; [[Jesaja 60#s1 |Jes 60,1f.]]&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|11|17}} {{par|Jesaja|62|1}} {{par|Maleachi|4|2}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|7}} [&#039;&#039;&#039;D&#039;&#039;&#039;] Schweige vor JHWH und warte auf (tanze vor)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;warte auf (tanze vor)&#039;&#039; - Wortspiel durch mehrdeutiges Wort: Leitet man es ab von &#039;&#039;ḥil&#039;&#039; II (einer NF von &#039;&#039;jaḥal&#039;&#039;, vgl. Kittel 1914; Goldingay 2006; Cheung 2015, S. 54; Witte 2013, S. 416), bed. es „warten auf“, leitet man es ab von &#039;&#039;ḥil&#039;&#039; I, heißt es „tanzen vor“. Aufgerufen wird also zu einem sichtbaren Ausdruck der Vorfreude: „Tänzle vor JHWH!“&amp;lt;/ref&amp;gt; ihm, {{par|Psalm|4|5}} {{par|Psalm|39|2|3}} {{par|Psalm|62|2}}&lt;br /&gt;
_(Brenne=) Zürne nicht – wenn sein Weg gelingt –&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;wenn sein Weg gelingt&#039;&#039; - W. „wenn er seinen Weg zum Gelingen bringt“, im Gegensatz zu dir, der du deinen Weg JHWH anheim gestellt hast.&amp;lt;br /&amp;gt;Wortspiel: das Wort heißt auch „brennen“ (s. zu [[Amos 5#s6 |Am 5,6]]). Auch das Verb zu Beginn der Zeile heißt zunächst „brennen“, und die Konsonanten von &#039;&#039;`iš&#039;&#039; („Mann“) sind die selben wie von &#039;&#039;`eš&#039;&#039; („Feuer“). Wahrscheinlich soll damit nachgebildet werden – wie es in V. 8 dann auch explizit gesagt wird – dass man sich mit solchem „Entbrennen“ nur dem Übeltäter gemein macht: dem Hitzkopf, der sich durch das Leben brennt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Dem Mann, der Intrigen ausführt!&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|8}} [&#039;&#039;&#039;E&#039;&#039;&#039;] Lass ab vom (Brennen=) Zorn und gib auf den Grimm,&lt;br /&gt;
_(brenne=) zürne nicht, [es führt] nur zum Bösen (gar bis zum Bösen)!&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;nur zum Bösen&#039;&#039; - Schön verständlich Böhler 2021: „sonst tust du gar noch Böses!“&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|39|2}} {{par|Sprichwörter|14|29}} {{par|Sprichwörter|16|32}} {{par|Epheser|4|31}} {{par|Jakobus|1|19|20}}&lt;br /&gt;
{{S|9}} Denn Bösewichter werden abgeschnitten!&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;abgeschnitten&#039;&#039; - d.i. getötet; erstarrte Metapher, bei der das menschliche Leben als Textilie dargestellt wird (s. zu [[Ijob 4#s21 |Ijob 4,21]]).&amp;lt;br /&amp;gt;Wortspiel: Das Wort für „hoffen“ in 9b heißt auch „binden“ und ist damit der Gegensatz zum „abgeschnitten-Werden“: Wer auf JHWH hofft = bindet, wird nicht abgeschnitten = getötet.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Heb. &#039;&#039;jikkaretun&#039;&#039; statt &#039;&#039;jikkaretu&#039;&#039; (wie in Ps 37,22), das &#039;&#039;-n&#039;&#039; (ein sog. „paragogisches Nun“) macht das Wort wahrscheinlich noch emphatischer (GKC §47m; JM §44e). Daher oben das Ausrufezeichen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Wer aber auf JHWH hofft, der&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Der&#039;&#039; - Heb. &#039;&#039;hemmah&#039;&#039;, Wortspiel mit &#039;&#039;ḥemmah&#039;&#039; („Grimm“) in V. 8: Nicht der &#039;&#039;Grimmende&#039;&#039; wird das Land besitzen, sondern nur &#039;&#039;derjenige&#039;&#039;, der sich ganz auf JHWH verlässt.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;hemmah&#039;&#039; würde man i.d.R. als Signal für den Beginn eines dritten Kolons nehmen; weil seine Existenz sich hier aber literarisch erklären lässt, sollte man V. 9 besser als Bikolon denn als Trikolon deuten.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird das Land (die Erde) besitzen (in Besitz nehmen). {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|10}} [&#039;&#039;&#039;F&#039;&#039;&#039;] Nur noch ein Weilchen, und der Frevler wird nicht mehr sein, {{par|Jesaja|29|17}} {{par|Jeremia|51|33}}&lt;br /&gt;
_[&#039;&#039;&#039;F&#039;&#039;&#039;] Und du wirst (ich werde)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Alle Vrs. wie MT, nur 4QpPs: „&#039;&#039;ich&#039;&#039; werde untersuchen“. Craigie 1983 hält dies für ursprünglich, aber wahrscheinlicher ist dies Assimilation an V. 36, wo 4QpPs ebenfalls anders als MT nicht „er ging vorüber“, sondern „&#039;&#039;ich&#039;&#039; ging vorüber“ hat. Dass hier sogar an diese Stelle assimiliert wird, macht noch wahrscheinlicher, dass dort „ich“ ursprünglich ist; s. dort.&amp;lt;/ref&amp;gt; den Ort, wo er war,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;den Ort, wo er war&#039;&#039; - W. „seinen Ort“; in dieser Bed. z.B. auch verwendet in [[Psalm 103#s16 |Ps 103,16]].&amp;lt;/ref&amp;gt; untersuchen, aber er wird nicht [da] sein.&amp;lt;ref&amp;gt;Gut erklärt von Ruiz 2015, S. 29: „Nur noch ein Weilchen“ = „es dauert nicht mehr lang“; „und &#039;&#039;du&#039;&#039; wirst den Ort untersuchen“ = „auf jeden Fall wird es noch geschehen, während du lebst“.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|8|18}} {{par|Ijob|20|9}} {{par|Psalm|103|16}}&lt;br /&gt;
{{S|11}} [&#039;&#039;&#039;F&#039;&#039;&#039;] Aber die Elenden (Armen) werden das Land (die Erde) besitzen (in Besitz nehmen) {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}} {{par|Matthäus|5|5}}&lt;br /&gt;
_[&#039;&#039;&#039;F&#039;&#039;&#039;] Und entzückt sein über die (ihre Wonne haben an der) Fülle des Friedens (Wohlergehens, Heil-Seins). {{par|Psalm|72|7}} {{par|Jesaja|54|13}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|12}} [&#039;&#039;&#039;G&#039;&#039;&#039;] Der Frevler sinnt gegen den Gerechten {{par|Psalm|31|14}} {{par|Micha|2|1}}&lt;br /&gt;
_Und knirscht gegen ihn mit den Zähnen. {{par|Psalm|35|16}} {{par|Klagelieder|2|16}}&lt;br /&gt;
{{S|13}} Der Herr (JHWH)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Der Herr (JHwH)&#039;&#039; - Die einzige Stelle im Ps., wo explizit gesagt wird, dass &#039;&#039;Gott&#039;&#039; am Übeltäter handeln wird; sonst werden sicher bewusst Passiv-Formulierungen u.ä. verwendet (s. die Anmerkungen). Gleichzeitig die einzige Stelle, wo auffällig nicht der Gottesname „JHWH“ verwendet wird, sondern das distanziertere „der Herr“ – sicher nicht zufällig.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: 4QpPs und wenige (allerdings wichtige, z.B. G20, KA10, KA27b, KA30, KA36; zu den Handschriften-Siglen s. die Seite [https://offene-bibel.de/wiki/Benutzer:Sebastian_Walter/Wichtige_MSS Wichtige Handschriften]) Mss allerdings auch hier „JHWH“. Doch sicher ist dies nur Angleichung auf den sonstigen Sprachgebrauch des Psalms, der von Gott sonst durchgehend als von „JHWH“ spricht.&amp;lt;/ref&amp;gt; kann über ihn (darüber) [nur] lachen (muss über ihn/darüber lachen), {{par|Psalm|2|4}} {{par|Psalm|59|9}}&lt;br /&gt;
_Denn er sieht (sinnt darauf&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;sinnt darauf&#039;&#039; - zu dieser Bed. s. [[Psalm 66#s18 |Ps 66,18]] u.ö. So hier aber niemand.&amp;lt;/ref&amp;gt;), dass sein Tag&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;sein Tag&#039;&#039; - Entweder „der Tag JHWHs“, also der große Gerichtstag, der eine Zeitenwende einleiten wird, oder „der [schicksalhafte] Tag des Frevlers“ (so explizit Tg). Letztlich kommt hier beides auf das Selbe hinaus, wahrscheinlicher ist hier aber Letzteres, da V. 13 wohl im Gegensatz zu V. 18 stehen soll (richtig Hacham 1979, S. 209; Levine 2003, S. 76). NGÜ + NL: „Der Tag des Gerichts“, BB + GN + HfA + NeÜ: „Der Tag der Abrechnung“; will man den Gegensatz besser erkennbar machen, vielleicht eher: „denn er weiß, dass seine Tage gezählt sind.“&amp;lt;/ref&amp;gt; kommen wird (kommt).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;kommen wird&#039;&#039; - So MT und alle Vrs.; nur 4QpPs und 5 Mss (darunter KA17b) Qatal: &#039;&#039;kommt&#039;&#039;. Am Sinn würde es nichts ändern, darüber hinaus wird man ohnehin auch &#039;&#039;kj bw`&#039;&#039; in diesen Mss besser als &#039;&#039;kj jbw`&#039;&#039; mit „shared consonant“ erklären.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|18|20}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|14}} [&#039;&#039;&#039;H&#039;&#039;&#039;] Das Schwert ziehen die Frevler&lt;br /&gt;
_Und spannen ihren Bogen, {{par|Psalm|64|4}}&lt;br /&gt;
Um zu fällen den Unterdrückten (Demütigen) und Bedürftigen,&lt;br /&gt;
_([Und])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[und]&#039;&#039; - So nur 4QpPs.&amp;lt;/ref&amp;gt; Um zu schlachten, die (geraden=) rechten (Weges=) Wandels (Herzens)&amp;lt;ref&amp;gt;Wortspiel: „Bogen &#039;&#039;spannen&#039;&#039;“ = &#039;&#039;darku&#039;&#039;, „Weg“ = &#039;&#039;darek&#039;&#039;. „Rechten Wandels zu sein“ heißt natürlich, „auf Gottes Pfaden zu wandeln“, also gerecht zu leben.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT&#039;s „Weg“ wird gestützt durch Hier, Tg, Syr; dagegen LXX, VUL und einige (auch: wichtige) Mss bezeugen „Herz“. Für ursprünglich halten das z.B. Buttenwieser 1938 und Zorell 1928, und in der Tat ließe es sich gut erklären als Verschreibung unter Einfluss des &#039;&#039;darku&#039;&#039; in 14b. Eher ist die Variante mit „Herz“ aber Angleichung an den üblicheren Ausdruck in [[Psalm 7#s11 |Ps 7,11]]; [[Psalm 11#s2 |11,2]]; [[Psalm 32#s11 |32,11]]; [[Psalm 36#s11 |36,11]] u.ö., sicher unter Einfluss des im nächsten V. folgenden „Herz“. Das spricht übrigens dafür, dass der Psalm mindestens schon vor der Üs. durch LXX stichisch niedergeschrieben worden ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; sind. {{par|Klagelieder|2|21}}&lt;br /&gt;
{{S|15}} [&#039;&#039;&#039;H&#039;&#039;&#039;] Ihr Schwert wird dringen in ihr [eigenes] Herz {{par|Psam|7|16}} {{par|Psalm|9|16}} {{par|Psalm|35|8}} {{par|Sprichwörter|28|10}}&lt;br /&gt;
_Und ihre Bögen werden zerbrochen werden. {{par|1 Samuel|2|4}} {{par|Psalm|46|10}} {{par|Psalm|76|5}} {{par|Jeremia|49|35}} {{par|Jeremia|51|56}} {{par|Hosea|1|5}} {{par|Hosea|2|18|20}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|16}} [&#039;&#039;&#039;I&#039;&#039;&#039;] Besser ist ein Bisschen für den Gerechten&lt;br /&gt;
_Als der der viele Überfluss (Tumult) der Frevler (als der Überfluss der vielen Frevler),&amp;lt;ref&amp;gt;Ein sog. &#039;&#039;țob&#039;&#039;-Spruch, eine übliche Form heb. Sprichwörter. Nowack 1888 und Herkenne 1936 verweisen schön auf das entspr. dt. Sprichwort „Unrecht Gut gedeiht nicht gut.“&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT&#039;s „als der Überfluss der vielen Frevler“ wird gestützt durch 4QpPs, Aq, Sym und Tg. Dagegen LXX, Syr, VUL und Hier setzen statt &#039;&#039;rbjm&#039;&#039; voraus: &#039;&#039;rb&#039;&#039;, „als der viele Überfluss der Frevler“. Für ursprünglich halten das zB. Wellhausen 1895; BHS; Craigie 1983. Was tatsächlich ursprünglich war, lässt sich kaum entscheiden, poetisch aber macht LXX &amp;amp; Co. mehr Sinn: „der Gerechte“ aus 16a wird hier durch den Plural „die Frevler“ gesteigert, „das Bisschen“ aus 16a durch das „viele“ in „der viele Überfluss“ in 16b. Und &#039;&#039;rabbim&#039;&#039; im MT lässt sich leicht als falsche Assimilation an das vorangehende &#039;&#039;reša´im&#039;&#039; erklären, eine Änderung von &#039;&#039;rabbim&#039;&#039; zu &#039;&#039;rab&#039;&#039; dagegen weniger gut. Besser folgt man daher hier BHS als CTAT V, S. 215, wo MT für wahrscheinlicher ursprünglich gehalten wird.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Sprichwörter|15|16}} {{par|Tobit|12|8}}&lt;br /&gt;
{{S|17}} Denn die Arme&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Arme&#039;&#039; - Hier wohl nicht genannt als dasjenige, womit Frevler sich ihren Reichtum erwirtschaften können (so Craigie 1983; Cheung 2015, S. 66), sondern nach den Parallelen [[Ijob 38#s15 |Ijob 38,15]]; [[Ezechiel 30#s21 |Ez 30,21]] als dasjenige, womit man kämpfen kann: Die Vernichtung setzt sich fort und mit den Bögen werden auch gleich die Arme der Frevler zerbrochen; ihr eigener Niedergang ist dann eben damit zu erklären, dass sie überhaupt erst die Hand gegen die Gerechten erhoben haben: Eine Umkehrstrafe&amp;lt;/ref&amp;gt; der Frevler werden zerbrochen werden {{par|Ijob|38|15}} {{par|Psalm|10|15}} {{par|Ezechiel|30|21}}&lt;br /&gt;
_Aber es stützt die Gerechten JHWH. {{par|Richter|1|24}} {{par|Psalm|41|13}} {{par|Psalm|63|9}} {{par|Psalm|119|117}} {{par|Psalm|145|14}} {{par|Jesaja|41|10}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|18}} [&#039;&#039;&#039;J&#039;&#039;&#039;] Es kennt JHWH die Tage (die Wege)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Alle Vrs. wie MT, nur LXX: „die Wege“. Buttenwieser 1938 hält das für ursprünglich, aber sicher richtig Ross 2011: Assimilation an [[Psalm 1#s6 |Ps 1,6]].&amp;lt;/ref&amp;gt; der Makellosen {{par|Psalm|1|6}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
_Drum hat ihr Erbteil&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Erbteil&#039;&#039; - Also das Stück Land vom „Land“ Israel, das ihrer Familie einst von JHWH zugesprochen wurde. Hier wichtiges Wort; es zeigt, dass es im Psalm nicht &#039;&#039;nur&#039;&#039; um die Frage geht, wem „das Land Israel“ oder gar „die Erde“ gehört oder gehören wird, sondern dass diese große Frage sich im Kleinen realisiert: Darin, ob „den Armen und Elenden“ ihr Land von den ungerechten Reichen geraubt werden wird oder nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; für immer [Bestand].  {{par|Sprichwörter|28|10}}&lt;br /&gt;
{{S|19}} Sie werden nicht zuschanden (beschämt) werden zur Zeit des Übels&lt;br /&gt;
_Und in den Tagen des Hungers werden sie satt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Klangspiel: &#039;&#039;jißba´u&#039;&#039; („satt werden“) ist fast ein Anagramm von &#039;&#039;jibošu&#039;&#039; („zuschanden werden“); in &#039;&#039;ra´abon&#039;&#039; („Hunger“) klingt &#039;&#039;ra´ah&#039;&#039; („Übel“) an. In 4QpPs ist das sogar noch deutlicher; &#039;&#039;ra´abon&#039;&#039; ist dort &#039;&#039;ra´ab&#039;&#039; wie in [[Psalm 33#s19 |Ps 33,19]].&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|5|20}} {{par|Psalm|33|19}} {{par|Sprichwörter|10|3}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|20}} [&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] Denn die Frevler werden umkommen {{par|Richter|5|31}} {{par|Psalm|92|10}}&lt;br /&gt;
_Und die Feinde (Geliebten)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Geliebte&#039;&#039; - So 4QpPs: &#039;&#039;`hbj&#039;&#039; statt &#039;&#039;`jbj&#039;&#039; („Feinde“). Sicher sollte damit aber das „die Feinde JHWHs [waren] wie prächtige Auen“, das auf den ersten Blick wie eine Preisung der so Beschriebenen klingt, geglättet werden. Der Parallelismus legt aber sehr nahe, dass gegen die masoretischen Akzente „wie prächtige Auen“ mit dem ersten „werden sie vergehen“ zu verbinden ist (wie schon Syr aufgelöst hat; so auch schon Hupfeld 1858 und Graetz 1882; z.B. auch Craigie 1983; Goldingay 2006; Meynet 2015, S. 108), was diese Textkorrektur von 4QpPs überflüssig macht.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gottes,&lt;br /&gt;
[&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] Wie {die} (Pracht der Auen=) prächtige [&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] Auen (prächtiges Vieh)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: (1) &#039;&#039;krjm&#039;&#039; ist von MT als &#039;&#039;karim&#039;&#039; („Auen“) aufgefasst worden, (2) von Sym, Tg und Hier als &#039;&#039;kerem&#039;&#039; („[wie die Pracht,] wie das Vieh“) – Sym und Hier vereindeutigen witzigerweise zu „wie Einhörner“ –, (3) LXX, VUL und Syr schließlich deuteten stattdessen als &#039;&#039;kerum&#039;&#039; und übersetzen mit „als sie geehrt &#039;&#039;und gerühmt&#039;&#039; wurden“. (4) 4QpPs hat im Pescher eine Doppelinterpretation („Kleinvieh [=Sym] der Weiden [=MT]“). In der Üs. steht dagegen &#039;&#039;kwrjm&#039;&#039;. Damit hat man (5) einen Emendationsvorschlag von Wellhausen 1895 stützen wollen (so z.B. noch Seybold 1996), statt &#039;&#039;kiqar karim&#039;&#039; („wie prächtige Auen“) sei &#039;&#039;kiqod kurim&#039;&#039; („wie das Brennen eines Schmelztiegels“) zu lesen, aber richtig Cheung 2015, S. 56 FN 11: &#039;&#039;-w-&#039;&#039; wird hier wie noch öfter in Qumran Mater lectionis für Qameṣ sein und damit ebenfalls MT stützen.&amp;lt;br /&amp;gt;Klar ist nach diesen Varianten, dass der ursprüngliche Konsonantentext &#039;&#039;krm&#039;&#039; war, und angezielt wird in diesem Kontext damit wie in MT &#039;&#039;karim&#039;&#039; gewesen sein: V. 2 „sie werden wie Gras verdorren, wie grünes Kraut eingehen“ – V. 20 „wie prächtige Weiden werden sie vergehen“ – Vv. 35f. „Er war wie eine belaubte Zeder; dann ging ich wieder vorbei und er war nicht mehr da“.&amp;lt;br /&amp;gt;Übrigens vokalisiert auch von Lengerke 1847 als „Vieh“, deutet dann aber auch dies auf die Weiden: „die Pracht der Schafe“ = „ihre Weiden“ – selbst dann also, wenn ursprünglich wirklich &#039;&#039;kerem&#039;&#039; angezielt gewesen sein sollte, würde man dies hier als einen Ausdruck für Wiesen deuten wollen.&amp;lt;/ref&amp;gt; [&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] werden sie vergehen,&lt;br /&gt;
_[&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] Wie {der} (Im) Rauch [&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] werden sie vergehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Klangspiel: Nicht nur 20a beginnt hier mit dem Konsonanten k, sondern in 20cd jedes Wort: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;iqar &#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;arim &#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;alu &#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;e´ašan &#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;alu&#039;&#039;.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: So jedenfalls in 4QpPs, LXX, Sym, VUL, Hier, Syr und vielen Mss (CTAT V, S. S. 217 ist schlicht irreführend: „Cependant les témoins habituels du texte tibérien classique appuient la leçon {{hebr}}בעשן{{hebr ende}}“ – aber was soll das schon heißen, der „klassische tiberische Text“ ist ja nur ein Teil von einer von mehreren masoretischen Textfamilien?). L und Tg dagegen haben nicht „&#039;&#039;wie&#039;&#039; Rauch“ mit {{hebr}}כ{{hebr ende}}, sondern „&#039;&#039;im&#039;&#039; Rauch“ mit {{hebr}}ב{{hebr ende}}, wahrscheinlich entweder ein reiner Schreibfehler oder Angleichung an [[Psalm 102#s4 |Ps 102,4]]. Dort ist das „im Rauch“ auch gut erklärlich: „Meine Tage schwinden im Rauch“ weil „meine Gebeine wie ein Feuerbrand glühen“. Hier gilt das auch dann kaum, wenn in 20c „Pracht des Viehs“ zu lesen und als „[zu verbrennendes] Fett der Opferschafe“ zu deuten wäre; auch dies vergeht nach israelitischem Verständnis ja nicht „im Rauch“, sondern steigt „&#039;&#039;als&#039;&#039; Rauch (und Duft)“ in die Nase Gottes.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|68|3}} {{par|Hosea|13|3}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|21}} [&#039;&#039;&#039;L&#039;&#039;&#039;] Leiht sich der Frevler, will (kann) er nicht zurückzahlen,&lt;br /&gt;
_Der Gerechte aber ist gnädig (mildtätig) und gibt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vb. 1, 3 und 4 sind Partizipien. Nicht also: „Sie werden gnädig sein und geben &#039;&#039;können&#039;&#039;“ o.Ä.: V. 21b ist sicher keine Verheißung (wie [[Deuteronomium 28#s12 |Dtn 28,12]].[[Deuteronomium 28#s44 |44]]), sondern Charakterisierung des aktuellen Tuns der Gerechten. V. 21a &#039;&#039;könnte&#039;&#039; eine Warnung sein („er &#039;&#039;wird&#039;&#039; nicht zurückzahlen [&#039;&#039;können&#039;&#039;]“), ist dann aber in diesem Kontext wohl ebenfalls Charakterisierung. Die entscheidenden Aussagen sind dann: Der eine &#039;&#039;will&#039;&#039; nicht zurückzahlen, der andere ist &#039;&#039;gnädig&#039;&#039;. So und so richtig Croft 1997, S. 59: Vv. 21.25 zeigen, dass man sich den „Armen“ aus Vv. 14.16 nicht tatsächlich als materiell arm vorstellen darf; „arm“ sind die Gerechten in &#039;&#039;diesem&#039;&#039; Psalm nur insofern, als &#039;&#039;sie&#039;&#039; sich &#039;&#039;nicht&#039;&#039; bereichern.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|22}} Darum (Denn)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Darum (denn)&#039;&#039; - ist das richtig, was in der vorigen FN gesagt wurde, muss &#039;&#039;ki&#039;&#039; hier wie häufig, aber wie sonst nicht mehr in diesem Ps, „darum“ bedeuten.&amp;lt;/ref&amp;gt; werden seine Gesegneten (die ihn Segnenden)&amp;lt;ref name=&amp;quot;V 22&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;seine Gesegneten (die ihn Segnenden) + seine Verfluchten (die ihn Verfluchenden)&#039;&#039; - Die beiden Partizipien in V. 22 werden von den Vrs. unterschiedlich vokalisiert: Von MT, Tg und Hier beide passiv („gesegnet, verflucht“), von LXX und VUL beide aktiv („segnend, verfluchend“), von Syr nach den meisten Mss merkwürdigerweise das erste aktiv, das zweite passiv (in 8a1c und 12t1.4 aber auch Syr wie MT). Fast alle Neueren folgen hier der Deutung von MT.&amp;lt;/ref&amp;gt; das Land (die Erde) besitzen (in Besitz nehmen),&lt;br /&gt;
_Aber seine Verfluchten (die ihn Verfluchenden)&amp;lt;ref name=&amp;quot;V 22&amp;quot; /&amp;gt; werden abgeschnitten werden. {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Sprichwörter|3|33}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}} {{par|Matthäus|5|5}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|23}} [&#039;&#039;&#039;M&#039;&#039;&#039;] ([Denn])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[Denn]&#039;&#039; - So merkwürdigerweise 4QpPs, wonach auch hier die Strophe nicht mit dem zu erwartenden Buchstaben begänne.&amp;lt;/ref&amp;gt; Von JHWH werden die Schritte des Mannes gelenkt,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;JHWH lenkt die Schritte eines Mannes&#039;&#039;, d.i., er entscheidet über sein Schicksal, vgl. deutlich die Parallelstellen. D.h. hier natürlich wieder: Denjenigen, der gottgefällig lebt, segnet er. Kontraintuitiver Weise sind also die „Schritte“ eines Menschen nicht das, worüber ein Mensch selbst verfügen könnte.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Sprichwörter|16|9}} {{par|Sprichwörter|20|24}} {{par|Jeremia|10|23}}&lt;br /&gt;
_Wenn er an dessen Wandel Gefallen hat:&lt;br /&gt;
{{S|24}} Auch, wenn er zu fallen drohte, würfe es ihn nicht hin, {{par|Psalm|94|18}} {{par|Sprichwörter|24|16}}&lt;br /&gt;
_Denn JHWH stützt seinen Arm.&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|25}} [&#039;&#039;&#039;N&#039;&#039;&#039;] Jung war ich, ([und])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT wird nur durch Hier gestützt: 4QpPs, LXX, VUL, Tg, Syr und einige Mss haben vor &#039;&#039;auch&#039;&#039; zusätzlich &#039;&#039;und&#039;&#039;, wie dies hier auch erwartbar wäre. Gerade deshalb wird MT und Hier aber der ursprüngliche Wortlaut sein.&amp;lt;/ref&amp;gt; bin auch alt geworden,&lt;br /&gt;
_Aber nie sah ich, dass ein Gerechter verlassen worden wäre, {{par|Ijob|4|7}}&lt;br /&gt;
_So dass (und dass) seine Nachkommenschaft Brot suchen müssen hätte:&amp;lt;ref&amp;gt;Ein ganz schwieriger Vers. Exakt vom Gegenteil sprechen z.B. [[Ijob 9#s22 |Ijob 9,23f.]]; [[Kohelet 7#s15 |Pred 7,15]], und die Entsprechung in der Parallelstelle [[Ijob 4#s7 |Ijob 4,7]] wird danach abgetan als das „Traumgesabbel“ von Elifaz. Es lässt sich nicht weg-diskutieren: Ps 37,25 spricht sich derart stark für den (selbst intergenerationellen) Tun-Ergehens-Zusammenhang aus, dass selbst parallele biblische Texte hier nicht mitgehen können.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|34|11}}&lt;br /&gt;
{{S|26}} Den ganzen Tag ist er gnädig (mildtätig) und verleiht,&lt;br /&gt;
_Und seiner Nachkommenschaft [ist&#039;s] zum Segen (seine Nachkommenschaft wird zu einem Segen).&amp;lt;ref&amp;gt;So sinnvoll Stolz 1983, S. 61: „Seiner Nachkommenschaft gereicht es zum Segen.“. So auch Bernfeld, ELB, GN, HER05, HfA; am besten NGÜ: „Noch seine Nachkommen werden durch ihn gesegnet sein“. So auch schon LXX, VUL, Hier, Syr, Raschi. Radak gibt zwei Erklärungen: (1) Weil Gesegnete wie der Angesprochene ihren Segen weiterzugeben pflegen (eine Art trickle-down-Effekt des Segens), (2) weil andere, die von ihm Gutes erfuhren, ihrerseits um seintwillen seine Nachkommenschaft segnen werden (Letzteres auch bei ibn Ezra). Sonst stets wie in der Alternative.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|27}} [&#039;&#039;&#039;O&#039;&#039;&#039;] Weiche vom Üblen und tue Gutes {{par|Psalm|34|15}} {{par|Sprichwörter|3|7}} {{par|Jesaja|1|16|17}}&lt;br /&gt;
_Und wohne für immer:&amp;lt;ref&amp;gt;Wieder Folge-Imperativ: „So wirst du für immer wohnen können“.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Hier, Tg und Syr wie MT. Dagegen LXX und VUL setzen voraus: „auf &#039;&#039;immer und&#039;&#039; ewig“. Metrisch würde man das hier auch erwarten; für ursprünglich halten das daher auch Kittel 1914 und wahlweise Witte 2013, S. 417.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|28}} Weil JHWH Recht liebt, {{par|Psalm|45|8}} {{par|Psalm|99|4}} {{par|Jesaja|61|8}}&lt;br /&gt;
_Wird er nicht verlassen seine Frommen. {{par|Jesaja|59|21}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Für immer werden [sie] bewahrt ([&#039;&#039;&#039;P&#039;&#039;&#039;] Übeltäter werden für immer ausradiert)&amp;lt;ref&amp;gt;Hier erwartet man eine Zeile, die mit dem Buchstaben &#039;&#039;´Ajin&#039;&#039; beginnt. Der MT dagegen beginnt mit der Präp. Lamed, erst darauf folgt der erwartete Buchstabe. Viele Ausleger haben daher einen anderslautenden Text aus LXX rekonstruieren wollen (s.u.). Aber die vorgeschlagene Textkorrektur geht wohl nicht an. Vielleicht daher so: Mit `Ajin beginnt auch das Wort für „Übeltat“ in V. 1c; möglicherweise soll im fehlenden `Ajin also das gänzliche Fehlen der „Nachkommenschaft der Frevler“ und ihrer Übeltaten zum Ausdruck gebracht werden.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Die meisten Textzeugen stützen MT. Allerdings mehrere LXX-Gruppen, Sym und VUL haben hier eine fünfte Zeile; MT&#039;s „Für immer wird [dieser] bewahrt, aber die Nachkommenschaft von Frevlern wird abgeschnitten“ entspricht dort „für immer werden sie bewahrt, &#039;&#039;Gesetzlose aber werden gejagt/verjagt&#039;&#039;, und die Nachkommen der Frevler werden ausgerottet.“ Daraus haben viele ein ursprüngliches „Übeltäter werden für immer ausradiert“ rekonstruiert: &#039;&#039;´wl(j)m l´wlm nšmdw&#039;&#039;: &#039;&#039;´wl(j)m&#039;&#039; wäre wegen der Ähnlichkeit mit &#039;&#039;l´wlm&#039;&#039; übersehen worden und die Verschreibung von Resch mit Dalet ist ein sehr häufiger Schreibfehler. Die Übersetzung des ursprünglichen Wortlauts wäre dann also als Konflation zusätzlich zur Übersetzung des fehlerhaften Texts in die LXX geraten. So z.B. schon Houbigant 1777; auch Wellhausen 1895; BHK, BHS; Seybold 1996; Broyles 1999; Fokkelman 2000, S. 139 FN 54; Witte 2013, S. 417; ähnlich Jones 2019, S. 174 FN 20: &#039;&#039;´wlm l´wlm nṣmtw&#039;&#039; nach [[Psalm 69#s5 |Ps 69,5]]; [[Psalm 101#s5 |101,5]] wie schon Rahlfs. Aber das kritische Wort ist gerade &#039;&#039;´awalim&#039;&#039; „Übeltäter“; richtig nämlich Graetz 1882: Das heb. Wort ist als Entsprechung des gr. Wortes nirgends belegt. &#039;&#039;nšmdw&#039;&#039; ist gleichfalls keine belegte und auch keine sehr naheliegende Entsprechung des gr. Verbs (richtig Cheung 2015, S. 56; Böhler 2021), weshalb Jones 2019 seinen alternativen Vorschlag macht, der aber graphisch dann doch recht weit von MT entfernt ist. Darüber hinaus, dass die Vorlage von LXX nur so schwach bezeugt ist, ist LXX also auch gar keine gute Basis, um auf ihr die erwünschte Textrekonstruktion aufruhen zu lassen. Wahrscheinlicher ist es, dass in einer Handschrift wegen der Ähnlichkeit von 28d mit 38b hier 38a ergänzt wurde.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Ps 37,28.png|mini|Ps 37,28 in 4QpPs. (c) [https://www.deadseascrolls.org.il/explore-the-archive/image/B-506743 Deadseascrolls.org].]]Einige haben u.a. wohl daher behauptet, immerhin &#039;&#039;nšmdw&#039;&#039; statt &#039;&#039;nšmrw&#039;&#039; würde auch durch 4QpPs gestützt, aber richtig CTAT V 223: Anders als z.B. in DJD V 45 transkribiert, steht in 4QpPs sicher wie im MT &#039;&#039;nšmrw&#039;&#039;, vgl. auf dem Foto rechts den fraglichen Buchstaben mit dem Resch im direkt folgenden Wort. 4QpPs könnte mit LXX enger verwandt sein als mit MT, s. in V. 20 &#039;&#039;k´šn&#039;&#039; in 4QpPs, LXX, VUL, Syr vs. MT&#039;s &#039;&#039;b´šn&#039;&#039;, in V. 25 &#039;&#039;wgm&#039;&#039; in 4QpPs und LXX vs. MT&#039;s &#039;&#039;gm&#039;&#039; und in V. 35 &#039;&#039;`´bwr&#039;&#039; in 4QpPs, LXX, VUL, Syr vs. MT&#039;s &#039;&#039;wj´br&#039;&#039;. Dann wäre das Zeugnis besagter LXX-Textgruppen in diesem Vers umso schwächer. Man wird aber doch fragen müssen: Wie soll der Wortlaut von LXX denn sonst entstanden sein? Er ist sicher als Konflation zu erklären, und Textkorrekturen, wie diese eine wäre – poetische Verbesserungen, um z.B. wie hier ein Akrostichon lyrisch zu glätten –, sind mir (S.W.) sonst gar nicht bekannt.&amp;lt;br /&amp;gt;Die externe Evidenz mit nur einigen LXX-Zeugen ist also ziemlich schwach, die interne Evidenz – ein mit ´Ajin beginnendes Wort wäre hier so sehr zu erwarten, und der LXX-Wortlaut lässt sich kaum anders erklären denn mit einem heb. Original – dagegen ist sehr stark. Textkritisch lassen sich beide Optionen begründet vertreten; wir folgen daher hier der Mehrheits-Position in dt. Üss. und damit dem MT.&amp;lt;br /&amp;gt;En passant sei noch darauf hingewiesen, dass CTAT&#039;s Argument für MT, „der Poet habe ja schließlich auch kein Problem damit gehabt, die T-Strophe mit &#039;&#039;w-t...&#039;&#039; statt &#039;&#039;t...&#039;&#039; zu beginnen“, sicher nicht angeht; die Konjunktion wird man kaum „dem Poeten“ zuschreiben dürfen (so aber schon de Wette 1829; Maurer 1838; von Lengerke 1847; z.B. auch Böhler 2021). Ebenso wenig richtig dürfte ebd. sein, dass wir nur die Option haben zwischen „für immer wird dieser bewahrt“ und „Sünder werden ausradiert“, nicht aber „Sünder werden für immer ausradiert“, weil in LXX nur die Zwei-Wort-Variante belegt sei: LXX würde zwei Ein-Wort-Konflationen bezeugen; die gesamte Zeile muss man daraus rekonstruieren, und &#039;&#039;l´wlm&#039;&#039; wird man hier weit eher mit-rekonstruieren, weil dies Wort erst Grund für den Ausfall von &#039;&#039;´wlm&#039;&#039; gewesen wäre.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Aber die Nachkommenschaft von Frevlern wird abgeschnitten. {{par|Psalm|21|10}} {{par|Psalm|55|23}} {{par|Jesaja|14|21}} {{par|Baruch|4|1}}&lt;br /&gt;
{{S|29}} Die Gerechten werden besitzen (in Besitz nehmen) das Land (die Erde) {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}}&lt;br /&gt;
_Und für ewig&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;für ewig&#039;&#039; - eine Art break up-Parallelismus: Die häufige Fügung &#039;&#039;le´olam wa´ed&#039;&#039; („für immer und ewig“) wird aufgebrochen und als „für immer“ und „für ewig“ auf 28c und 29b verteilt, so dass sie das erste und vorletzte Wort dieser Strophe sind. Bemerkenswert ist außerdem, dass „für immer“ bereits in 27b stand, dort ebenfalls mit dem Vb. „wohnen“: „Wohne für immer“ (V. 27) – „für immer werden sie bewahrt“ (V. 28) – „und sie werden wohnen für ewig darin“ (V. 29). Dass ist zu auffällig, als dass es Zufall sein könnte, und die mittlere Klausel ist darüber hinaus gerade jene, wegen der V. 28c nicht mit `Ajin beginnt (s. vorige FN) – was mit dieser Formulierung zum Ausdruck gebracht werden soll, verstehe ich (S.W.) aber nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; wohnen darin.&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|30}} [&#039;&#039;&#039;Q&#039;&#039;&#039;] Der Mund des Gerechten redet (Weisheit=) Weises &lt;br /&gt;
_Und seine Zunge spricht (Recht=) Rechtes, {{par|Sprichwörter|10|31}}&lt;br /&gt;
{{S|31}} [Weil] die (&#039;&#039;torah&#039;&#039;=) Weisung seines Gottes in seinem Herzen [ist], {{par|Psalm|119|11}} {{par|Psalm|119|34}} {{par|Jeremia|31|33}}&lt;br /&gt;
_[Drum]&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[Drum]&#039;&#039; - So nach LXX, Sym, VUL, Syr, Saadja, 1 Ms. Dagegen 4QpPs, Tg und Hier stützen MT. Für ursprünglich halten die Variante mit &#039;&#039;w-&#039;&#039; z.B. auch Herkenne 1936; Craigie 1983; Ross 2011. Es ist aber gar nicht notwendig, dass &#039;&#039;w-&#039;&#039; ursprünglich zum Text gehörte; der vlS in 31 kann auch ohne &#039;&#039;w-&#039;&#039; Protasis von 31b gewesen sein und ist sicher so gedacht, da man Vv. 30f. sonst als Trikolon + Monokolon analysieren müsste.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird sein Schritt nicht wanken. {{par|Psalm|17|5}} {{par|Sprichwörter|4|4}} {{par|Baruch|4|1}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|32}} [&#039;&#039;&#039;R&#039;&#039;&#039;] Der Frevler lauert auf den Gerechten&lt;br /&gt;
_Und versucht, ihn zu töten. {{par|Psalm|10|8|10}} {{par|Jeremia|20|10}}&lt;br /&gt;
{{S|33}} JHWH wird ihn nicht seiner (Hand=) Gewalt überlassen&lt;br /&gt;
_Und nicht verurteilen&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;verurteilen&#039;&#039; - Wortspiel mit 32a: „verurteilen“ ist w. „zum Frevler machen=erklären“. Böhler 2021 sinngemäß richtig: „er wird nicht zulassen, dass man ihn für Frevels schuldig erklärt“, was als Übersetzung der Zeile aber ja ganz den Witz nimmt.&amp;lt;/ref&amp;gt; lassen, wenn er gerichtet wird.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;wenn er gerichtet wird&#039;&#039; - nämlich vor dem Gericht, vor das der Frevler ihn offenbar stellen will (so z.B. Hitzig 1863; Herkenne 1936; Kissane 1953). Das scheint zu bedeuten, dass „Gerechte“ nie zu Unrecht verurteilt werden und ist dann ähnlich schwer zu akzeptieren wie V. 25. Ross 2011 versucht, den Vers zu retten mit der Deutung, gemeint sei: „Auch, wenn er zu Unrecht verurteilt wird, sieht ihn immerhin &#039;&#039;JHWH&#039;&#039; nie als verurteilenswert an.“ (vgl. VUL, Hier: „Er wird ihn nicht &#039;&#039;verdammen&#039;&#039;, auch, wenn über ihn geurteilt wird“. Vgl. auch [[Römer 8#s33 |Röm 8,33f.]]). Aber, böse gefragt: Was soll das bringen? Was durch den ganzen Psalm hindurch versprochen wird, ist ja innerweltliches Heil; auch hier muss man dann erwarten, dass von einem solch „weltlichen“ Segen die Rede ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|124|6|7}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|34}} [&#039;&#039;&#039;S&#039;&#039;&#039;] Hoffe auf JHWH und achte auf seinen Weg, {{par|Ijob|17|9}} {{par|Ijob|23|11}} {{par|Sprichwörter|20|22}}&lt;br /&gt;
_Dann wird er dich [dazu] erhöhen, zu besitzen (in Besitz zu nehmen) das Land (die Erde). {{par|Psalm|92|10}} {{par|Psalm|112|9}} {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}} {{par|Matthäus|5|5}} {{par|Lukas|14|11}} {{par|1 Petrus|5|6}}&lt;br /&gt;
Wenn abgeschnitten&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;abgeschnitten&#039;&#039; - Wieder das selbe Wortspiel wie in V. 9: „Binde dich an = Hoffe auf JHWH“ vs. „die Frevler werden abgeschnitten = getötet werden“.&amp;lt;/ref&amp;gt; werden die Frevler, wirst du&#039;s sehen (auf das Abgeschnitten-Werden der Frevler wirst zu blicken können). {{par|Psalm|52|8}} {{par|Psalm|91|8}} {{par|Psalm|92|12}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|35}} [&#039;&#039;&#039;T&#039;&#039;&#039;]&amp;lt;ref&amp;gt;Klangspiel: Im Heb. beginnt der V. wie erwartet mit &#039;&#039;r&#039;&#039;. Dieser Konsonant durchzieht aber den ganzen Vers, gemeinsam mit dem Konsonanten `Ajin: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;a`iti &#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;aša&#039;&#039;&#039;´&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;´&#039;&#039;&#039;a&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;iṣ / umit&#039;&#039;&#039;´&#039;&#039;&#039;a&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;eh ke`e&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;ez ha&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;a&#039;&#039;&#039;´&#039;&#039;&#039;anan&#039;&#039;. Ist der Ps sehr jung, könnte auch Alef in &#039;&#039;ra`iti&#039;&#039; und &#039;&#039;ke`erez&#039;&#039; ähnlich wie ´Ajin geklungen haben. Resch und ´Ajin sind die Konsonanten für &#039;&#039;ra´&#039;&#039; („Übles, Böses“): Wie die ausladenden Äste einer Zeder hat sich hier der Böse über den ganzen Vers ausgebreitet und alles mit seinen Wurzeln durchdrungen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ich sah [einmal] einen gewaltigen Frevler,&lt;br /&gt;
_[Der] aufschoss wie eine Zeder im Saft (der sich entblößte wie ein Angestammter im Saft?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;der aufschoss (der sich entblößte)&#039;&#039; - Heb. &#039;&#039;mit´areh&#039;&#039;, auf den ersten Blick: „der sich entblößte“. Rhotatizismus für &#039;&#039;mit´aleh&#039;&#039; („der aufschoss“), das auch in [[Jesaja 55#s13 |Jes 55,13]]; [[Ezechiel 47#s12 |Ez 47,12]] von Bäumen gesagt wird (vgl. Fitzgerald 1978, S. 486; Craigie 1983).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Zeder im Saft (Angestammter im Saft)&#039;&#039; -  Für das &#039;&#039;`ezraḥ ra´anan&#039;&#039; („Angestammter im Saft“) in MT, Hier lies nach LXX, VUL &#039;&#039;ke`erez hara´anan&#039;&#039; („Zeder im Saft“, vgl. {{hebr}}אזרח רענן{{hebr ende}} mit {{hebr}}ארז הרענן{{hebr ende}}). So z.B. auch Wellhausen 1895; Terrien 2003; Perdue 1977, S. 334; Stolz 1983, S. 62; Gies 2018, S. 2018. Noch weit mehr wollen ganz LXX und VUL folgen und „Zedern des Libanon“ lesen (z.B. Seybold 1996; Broyles 1999; Witte 2013, S. 418), aber das wäre graphisch weit von MT entfernt und „Zedern &#039;&#039;des Libanon&#039;&#039;“ ist eine leicht erklärliche stilistische Variante von „Zedern im Saft“, da Libanon-Zedern berühmt und der Libanon bekannt für seine Fruchtbarkeit waren (s. bes. klar [[Ezechiel 31#s3 |Ez 31,3]], auch [[1 Könige 4#s33 |1 Kön 4,33]]; [[Psalm 29#s5 |Ps 29,5]]; [[Psalm 92#s13 |92,13]]; [[Psalm 104#s16 |104,16]]; [[Jesaja 2#s13 |Jes 2,13]]; [[Jesaja 37#s24 |37,24]]).&amp;lt;br /&amp;gt;Tg und Syr sind nicht eindeutig zuzuordnen: Beide übersetzen mit „Bäume“ (Tg: „fest gepflanzter Baum mit dichter Krone“, Syr: „Bäume im Wald“). Viele Neuere nehmen an, dass „Angestammter“ auch ein Ausdruck für heimische Bäume sein könne (z.B. Cheung 2015, S. 64: „per Wortspiel“; besser Maurer 1838, der auf einen verwandten arabischen Sprachgebrauch verweist). Ist das wahr, könnten Tg und Syr auch MT bezeugen. Aber wahrscheinlich ist es nicht; für einen solchen Sprachgebrauch im Hebräischen fehlt jede Parallele.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|1|3}} {{par|Jesaja|44|4}} {{par|Jeremia|17|8}} {{par|Ezechiel|19|10}}&lt;br /&gt;
{{S|36}} Ich ging [wieder] vorüber (und man ging vorüber, und er ging hinüber),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT&#039;s &#039;&#039;wj`br&#039;&#039; („und man/er ging vorüber“) wird nur von Sym und Tg gestützt; dagegen 4QpPs, LXX, VUL, Hier (!) und Syr haben alle &#039;&#039;`´br&#039;&#039; („ich ging vorüber“). 4QpPs hat wahrscheinlich sogar V. 10 an diese Stelle angeglichen. Eine Änderung von &#039;&#039;wj`br&#039;&#039; nach &#039;&#039;`´br&#039;&#039; ließe sich zwar leicht als Angleichung an das Vb. in 36b erklären; ebenso gut aber eine umgekehrte Änderung als Angleichung an 35b. Die neuesten Kommentatoren und Üss. folgen überwiegend MT (z.B. Terrien 2003; Goldingay 2006; Ross 2011; Böhler 2021; Tiquillahuanca 2008, S. 18; Witte 2013, S. 418; Cheung 2015, S. 57; Ruiz 2015, S. 19), aber das Zeugnis für 1. Prs. ist hier zu stark.&amp;lt;br /&amp;gt;4QpPs und VUL haben außerdem beide noch eine ähnliche, unerklärliche Ergänzung: 4QpPs: „ich zog &#039;&#039;vor ihm&#039;&#039; vorüber“, VUL: „&#039;&#039;sein Ort&#039;&#039; ließ sich nicht finden“. Könnte VUL &#039;&#039;lepanajw&#039;&#039; mit „sein Ort“ übersetzt haben? Dann bezeugten beide das selbe Plus. Noch einmal nachweisen lässt sich dies aber nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; und, siehe!, er war nicht mehr [da],&lt;br /&gt;
_Und ich suchte ihn, aber er ließ sich nicht finden.{{par|Jesaja|10|18|19}} {{par|Jesaja|10|33|34}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|37}} [&#039;&#039;&#039;U&#039;&#039;&#039;] Achte [also] auf den Aufrechten (Aufrichtigkeit) und sieh auf den Integren (strebe nach/weide Integrität),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Aufrechter (Aufrichtigkeit)&#039;&#039; + &#039;&#039;Integrer (Integrität)&#039;&#039; - Variante 1 jeweils nach MT, Tg, Syr, Variante 2 jeweils nach LXX, VUL, Hier; jeweils werden nur die selben Konsonanten unterschiedlich vokalisiert. Wählt man Variante 2, nimmt man „auf etwas schauen“ besser i.S.v. „streben nach“, oder man nimmt mit Syr &#039;&#039;r`h&#039;&#039; („sehen“) als NF von &#039;&#039;r´h&#039;&#039; („weiden“; ähnlich z.B. Broyles 1999: „shepherd faithfulness“), vgl. V. 3b. Die NF würde natürlich verwendet für das Wortspiel, dass dann „weiden“ gleichzeitig als „sehen“ parallel ginge mit dem vorangehenden „im Blick behalten“.&amp;lt;br /&amp;gt;Var 2 z.B. LUT: „Bleibe fromm und halte dich recht“ (auch H-R, PAT, TUR, van Ess, ZÜR 31 [nicht mehr ZÜR 07]); Var 1 z.B. EÜ: „Achte auf den Lauteren und sieh auf den Redlichen“ (so die meisten Üss.). Schön BB: „Halte dich an den, der vorbildlich lebt! Schau auf den, der sich aufrichtig verhält!“ So schon Raschi: „Nimm den Unschuldigen genau in Blick, um von seinen Taten zu lernen“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Denn ein Mann des Friedens hat Zukunft (Nachkunft)&lt;br /&gt;
{{S|38}} Aber Sünder werden sämtlich ausradiert,&lt;br /&gt;
_Die Zukunft (Nachkunft) von Frevlern wird abgeschnitten. {{par|Ijob|18|19}} {{par|Sprichwörter|2|22}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|39}} [&#039;&#039;&#039;V&#039;&#039;&#039;] {Aber}&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT, LXX, VUL und Tg haben oder setzen alle ein &#039;&#039;w-&#039;&#039; („aber“) zu Versbeginn voraus. Dann begänne auch dieser Vers nicht mit dem zu erwartenden Buchstaben. Hier, Syr und wenige Mss aber haben dieses &#039;&#039;w-&#039;&#039; nicht; für ursprünglich halten diese Variante z.B. auch Wellhausen 1895, BHS, Witte 2013, S. 418.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Rettung der Gerechten [wird kommen] von JHWH,&lt;br /&gt;
_Ihrer Zuflucht zur Zeit der Bedrängnis,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Bedrängnis&#039;&#039; - Wortspiel: &#039;&#039;ṣarah&#039;&#039; („Bedrängnis“) klingt sehr ähnlich wie &#039;&#039;zera´&#039;&#039; („Nachkommenschaft“). Für den Frommen schimmert selbst in der Bedrängnis die heilvolle Zukunft durch.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Jeremia|14|8}} {{par|Jeremia|16|19}}&lt;br /&gt;
{{S|40}} Und es wird helfen (hilft) ihnen JHWH und sie befreien (befreit sie),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT hat 2x Wayyiqtol, was nur für Vergangenheit oder Gegenwart verwendet werden kann und schlecht mit Yiqtol im folgenden Vers zusammenstimmt, was aber auch von Syr gestützt wird. Besser vokalisiert man mit LXX, VUL, Hier und den meisten Tg-Mss beide Male als WeYiqtol; so richtig Zuber 1986.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
_Er wird sie befreien von Frevlern und retten,&lt;br /&gt;
Weil sie sich zu ihm geflüchtet haben.&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
Ps 37 gehört (gemeinsam mit md. [[Psalm 1 |Ps 1]]; [[Psalm 49 |49]]; [[Psalm 73 |73]]; [[Psalm 112 |112]]; [[Psalm 127 |127]]; [[Psalm 128 |128]]; [[Psalm 133 |133]]) zu den sogenannten „Weisheitspsalmen“. Die Funktion dieser Weisheitspsalmen ist ein Rätsel: Offensichtlich ist Ps 37 nicht verfasst worden, damit man ihn bete, sondern ein konkreter Gegenüber wird angesprochen, um ihn mit einer Reihe von Weisheitslehren zu ermahnen, wie sie auch im Buch der Sprichwörter stehen könnten (und zum Teil auch stehen, vgl. oben die Spr-Parallelstellen, die teilweise fast wörtlich einzelnen Zeilen des Psalms entsprechen). Warum eine solche Weisheitslehre aber im Buch der Psalmen und nicht im Buch der Sprichwörter steht, ist schwer erklärlich. Vielleicht ist er nur ins Psalmenbuch aufgenommen worden, weil man schon früh angenommen hat, sein Verfasser sei David gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ps 37 kreist besonders um ein Sprichwort, das refrainartig in mehreren Variationen wiederholt wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Personengruppe A wird das Land besitzen,&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Personengruppe B aber wird abgeschnitten werden!&#039;&#039; (Vv. 9.11.22.28.29.34.38)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Personengruppe A wird dabei immer wieder bezeichnet als „die Gerechten“ und außerdem wechselnd als „die auf JHWH Hoffenden“ (V. 9), „die Elenden“ (V. 11), „die Unterdrückten und Bedürftigen“ (V. 14a), „die, die rechten Wandels sind“ (V. 14b), „die Makellosen“ (V. 18), „die von Gott Gesegneten“ (V. 22), „Gottes Fromme“ (V. 28), „Männer des Friedens“ (V. 37) und wahrscheinlich als „die Aufrechten“ und „die Integren“ (V. 37), Personengruppe B immer wieder als „die Frevler“ und außerdem wechselnd als „die Bösewichter“ (Vv. 1.9), „die Übeltäter“ (V. 1), „die Intriganten“ (V. 7), „die Feinde Gottes“ (V. 20), „die von Gott Verfluchten“ (V. 22), und „die Sünder“ (V. 38).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;Grundannahme&#039;&#039;&#039; ist danach schon klar: Wer nicht gottgefällig lebt, den wird dereinst Gott töten und seine Nachkommenschaft ausrotten, wer es dagegen tut, wird dereinst „das Land besitzen“ – weil ja niemand sonst mehr übrig ist.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der größte Teil des Psalms erklärt sich schon hieraus: In &#039;&#039;&#039;Vv. 1-6&#039;&#039;&#039; wird der Angesprochene ermahnt, gottgefällig zu leben, weil Gottgefälligkeit von Gott belohnt werden wird. In &#039;&#039;&#039;Vv. 7-8&#039;&#039;&#039; wird die Mahnung noch einmal wiederholt, die Begründung aber wird in &#039;&#039;&#039;Vv. 9-11&#039;&#039;&#039; dazu entfaltet, dass Gottgefälligkeit belohnt, Übeltäterei aber bestraft wird, so dass am Ende „der Übeltäter nicht mehr da ist, die Elenden dagegen das Land besitzen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;&#039;Vv. 12-15&#039;&#039;&#039; wird entweder ein Beispiel für die Übeltäterei der Frevler herausgegriffen oder aber es wird nun endlich dasjenige genannt, was die Übeltäter eigentlich zu Übeltätern macht. Ersteres ist wahrscheinlicher, s. zu V. 21. Man hat aus diesen Versen ableiten wollen, die konkret gemeinte Übeltat sei Ausbeutung: offenbar würde Personengruppe A von Personengruppe B ausgebeutet – v.a., indem sie ihnen das Land rauben – und der Psalm sei also auch sozialkritisch. Aber das einzige, was das eventuell nahelegen könnte, ist die Bezeichnung „Bedürftige“ in 14c, denn was tatsächlich konkret von Personengruppe B berichtet wird, ist gerade nicht Ausbeutung, sondern ist ein Mordversuch. Und das passt zur Bezeichnung „Bedürftige“: Als solche werden im AT nämlich &#039;&#039;nicht&#039;&#039; nur sozial Schwache bezeichnet, sondern häufig „[gelten] als Symptome des ‚Armseins vor Gott‘ [...]: böse Widerfahrnisse ([[Psalm 40#s13 |Ps 40,13]]), Verachtung ([[Psalm 69#s9 |Ps 69,9]]), Verfolgung ([[Psalm 35#s1 |Ps 35,1ff.]]; [[Psalm 109#s2 |109,2ff.]]), Krankheit ([[Psalm 109#s22 |Ps 109,22ff.]]), Todesverfallenheit ([[Psalm 88#s4 |88,4ff.]]) u.a.“ (THAT I 24). Von anderen Personen bedroht zu werden, liegt genau auf dieser Linie, und dagegen, dass Personengruppe A ausgesprochen arm ist, sprechen ja explizit Vv. 21.26. Personengruppe B ist zwar offensichtlich wirklich reicher als Personengruppe A (V. 16), aber was sich aus Vv. 12-15 herauslesen lässt, ist erst mal nur: Anscheinend wird Personengruppe A von Personengruppe B bedroht, was denn auch deren Zürnen gegen diese (Vv. 1.7) und das Hoffen und Vertrauen auf JHWH (Vv. 3.5) erklärt. Und dieser, so heißt es direkt im Anschluss wird auch wirklich handeln: Nach &#039;&#039;&#039;Vv. 16-20&#039;&#039;&#039; hat Personengruppe B gar nichts von ihrem Überfluss, denn, wieder: Frevler wird Gott wie Rauch vergehen lassen, Gottgefällige und sogar auch ihre Nachkommen dagegen auf ewig bewahren.&amp;lt;br /&amp;gt;In &#039;&#039;&#039;Vv. 21-26&#039;&#039;&#039; wird ein weiteres Symptom des Frevler-Seins vs. Gerecht-Seins genannt: Zum Frevler-Sein gehört auch, geliehenes Geld nicht zurückzuzahlen, zum Gerecht-sein auch, sogar mildtätig zu sein, also offenbar: Geld zu verschenken. Das ist sicher nicht das Entscheidende, das einen Frevler zum Frevler und einen Gerechten zum Gerechten macht; offenbar sollen also mit Vv. 12-14 und Vv. 21.26 je ein &#039;&#039;Beispiel&#039;&#039; für Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit genannt werden: Mildtätig zu sein einerseits und gewaltbereit zu sein andererseits. Man wähle das eine und meide das andere, denn, wieder: Die einen werden dereinst „das Land besitzen“, die anderen „abgeschnitten werden“. So war es immer und so wird es immer sein, kann der Dichter aus Erfahrung berichten (V. 25). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Spätestens dieser Vers ist schwere Kost in unserer theodizee-geschulten Zeit: Es lässt sich ja leicht überprüfen, dass dem &#039;&#039;nicht&#039;&#039; so ist – dass Gerechte immer von Gott gesegnet und Ungerechte immer von Gott bestraft würden. Es lohnt sich, hier eine längere Passage von Goldingay 2006, S. 534 zu zitieren:&amp;lt;br /&amp;gt;„Kommentatoren betonen häufig, dass man Ps 37 mit den weniger optimistischen Texten im Buch Ijob oder den Aussprüchen Jesu zusammenlesen müsse. Das ist ein Code für: Ps 37 ist nicht wahr. Ps 37 soll damit ins Abseits gestellt werden. Und man irrt damit darüber hinaus in mehrerlei Hinsicht: Die Perspektive des Psalms wird durch die Geschichte von Ijob zu Beginn und am Ende ja &#039;&#039;bestätigt&#039;&#039;, nicht negiert, und Jesus stützt sie ebenfalls, wenn er die Menschen ermutigt: ‚Strebt zuvorderst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, und all dies – Essen, Trinken, Kleidung, ... – wird euch dann ebenfalls geschenkt werden‘ ([[Matthäus 6#s33 |Mt 6,33]]). Jesus übernimmt sogar einen der Segenssprüche in V. 11 [s. [[Matthäus 5#s5 |Mt 5,5]]...]. Psalm 37 anerkennt explizit, dass es nicht immer so geschieht – es ist ja sogar so, dass der Psalm gar nicht geschrieben werden müssen hätte, wenn dem nicht so wäre. Aber er besteht darauf, dass negative Erfahrungen den Glaubenden nicht um die Überzeugung bringen dürfen, dass Gott sich dennoch wirklich dafür engagiert, dass die moralische Ordnung der Welt ‚funktioniert‘.“&amp;lt;br /&amp;gt;Psalm 37 ist dann keine theoretische Theodizee, er ist &#039;&#039;angewandte&#039;&#039; Theodizee. &#039;&#039;Warum&#039;&#039; die moralische Weltordnung nicht immer funktioniert, sagt der Psalm nicht (und sagt auch kein anderer Vers in der Bibel); aber er ermutigt angesichts dieser Problematik: Nichtsdestotrotz &#039;&#039;gibt&#039;&#039; es diese moralische Weltordnung, und es &#039;&#039;gibt&#039;&#039; das Grundprinzip, dass Gerechte gesegnet und Ungerechte bestraft werden. Sei standhaft und vertraue darauf! (Und man darf mit Kant ergänzen: Was sonst bleibt einem übrig? Ohne die Annahme, gutes Handeln werde einem auch vergolten, fehlt der Moral die entscheidende Triebfeder.)&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vv. 27-29&#039;&#039;&#039; wiederholen noch einmal die Grundannahme des Psalms und erweitert sie um die Dimension der Zeit: Gerechte werden gesegnet, – und zwar für immer (27b), für immer (28c) und für ewig (29b).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Vv. 30-34&#039;&#039;&#039; konkretisieren diese Gerechtigkeit noch ein wenig mehr: Gerecht sein heißt, sich von der Weisheit leiten zu lassen: Weisheit im Mund, Recht auf der Zunge und Weisung Gottes im Herzen zu haben. – Gerechtigkeit ist nicht nur eine Frage des Handelns, sondern auch des Redens und Denkens: Auch dies soll gottgefällig sein; Gott wird es lohnen. Und noch ein letztes Mal wird das selbe in &#039;&#039;&#039;Vv. 35-40&#039;&#039;&#039; wiederholt: Man achte darauf, wen man sich zum Vorbild nimmt. So gewaltig ein Frevler auch scheinen mag: Allzu schnell kann er dahin sein, wie der kleine Erfahrungsbericht des Dichters in Vv. 35f. lehrt. Man halte sich daher besser Aufrechte, Gerechte und Männer des Friedens, denn solche wird Gott zur Zeit der Bedrängnis „retten, ihnen helfen und sie befreien, wenn sie sich zu ihm flüchten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Psalm_37&amp;diff=40208</id>
		<title>Psalm 37</title>
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		<updated>2025-10-30T19:29:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Syntax&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Zuverlässige Studienfassung}}&lt;br /&gt;
{{Lesefassung kann erstellt werden}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Lesefassung}} &#039;&#039;(kommt später)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
{{S|1}} &#039;&#039;Von David (Für David, Aus der Davids-Sammlung)&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Von David (Für David, Aus der Davids-Sammlung)&#039;&#039; steht in vielen Psalm-Überschriften: in 73 Überschriften der hebräischen Bibel und sogar in 87 Überschriften des LXX-Psalters. Am besten deutet man sie als Angabe des Verfassers David, nimmt diese Angabe aber nicht historisch, sondern z.B. mit Childs 1971 als alte, aber spätere Interpretationen des folgenden Psalms, die für eine adäquate Auslegung desselben ignoriert werden muss. S. genauer zu [[Psalm 3#s1 |Ps 3]].&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Wie häufig in den Ps-Überschriften sind auch hier die Zeugnisse in den Überschriften in den alten Vrs. nicht einheitlich: Einige gr. Zeugen ergänzen „Psalm (Davids)“, einige neben &#039;&#039;leDavid&#039;&#039; auch &#039;&#039;la-mnaṣeaḥ&#039;&#039; („für den Chorleiter / Ritualvorsteher / ...(?)“), einige beides. Ursprünglich sind diese Varianzen sicher nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;[&#039;&#039;&#039;A&#039;&#039;&#039;]&amp;lt;ref&amp;gt;Ps 37 ist ein sog. „akrostischer“ Psalm: I.d.R. jede vierte Zeile beginnt in alphabetischer Reihenfolge mit einem neuen Buchstaben. [https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb10311823?page=244 Ewald] hat das kongenial im Deutschen nachgeahmt. Einige Unregelmäßigkeiten gibt es bei der Zahl der Zeilen einer solchen alphabetischen Strophe, die einzige größere Unregelmäßigkeit findet sich in V. 28, wo der erwartete Buchstabe nicht steht (s. dort), und evt. in V. 23 und V. 39, wo jeweils manche Versionen einen Text bezeugen, der „nicht ganz“ mit dem korrekten Buchstaben beginnt (s. dort).&amp;lt;/ref&amp;gt; (Brenne=) Zürne Bösewichtern nicht (Wetteifere nicht mit&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Wetteifern&#039;&#039; - So Hieronymus mit dem selben Wort, mit dem er in VUL das &#039;&#039;zweite&#039;&#039; Vb. übersetzt, und Saadja. Vgl. außerdem Tg, Ms M: „begehre nicht nach den Übeltätern“, Syr: „sei nicht neidisch auf Übeltäter“. Vgl. schließlich noch b.Ber 7b: Man solle nicht lesen &#039;&#039;titḥar&#039;&#039; („zürne“), sondern &#039;&#039;teqanne`&#039;&#039; („wetteifere“). Das könnte einen alternativen Wortlaut nahelegen, aber vergleicht man dann noch die Kommentare von Saadja und ibn Ezra, sieht man, dass es &#039;&#039;dieses&#039;&#039; Wort war, dem sie diese Bed. gegeben haben – vielleicht aber ausgehend von der Variante in Tg, Ms M (&#039;&#039;trgg&#039;&#039; statt &#039;&#039;tgrg&#039;&#039;).&amp;lt;/ref&amp;gt;),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Keine Banalität; in der jüd. Auslegungsgeschichte hat man sogar explizit gegen diesen Vers Einspruch erhoben: b.Meg 6b + b.DER 2,29: „Es ist erlaubt, gegen Übeltäter zu eifern. Sollte dir jemand zuflüstern: ‚Zürne Bösewichtern nicht und beneide Übeltäter nicht‘ – nur, wer sich selbst schuldig fühlt, würde so etwas sagen.“ Jedoch: Gerade das soll der Angesprochene nicht tun, und dies ist gottgefällig.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Sprichwörter|24|19}}&lt;br /&gt;
_([und])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[und]&#039;&#039; - So viele MSS; u.a. einige wichtige und alte Handschriften (z.B. G5, G7, G11, G20, KA1; zu den Handschriften-Siglen s. die Seite [https://offene-bibel.de/wiki/Benutzer:Sebastian_Walter/Wichtige_MSS Wichtige Handschriften]). Die alten Vrs. stützen aber L. &amp;lt;/ref&amp;gt; Beneide Übeltäter nicht, {{par|Psalm|73|3}} {{par|Sprichwörter|3|31}} {{par|Sprichwörter|23|17}} {{par|Sprichwörter|24|1}} {{par|Sprichwörter|24|19}}&lt;br /&gt;
{{S|2}} denn wie {das} Gras werden sie schnell verdorren &lt;br /&gt;
_Und wie grünes Kraut werden sie eingehen! {{par|Ijob|8|12}} {{par|Psalm|90|5|6}} {{par|Psalm|103|15|16}} {{par|Psalm|129|6}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|3}} [&#039;&#039;&#039;B&#039;&#039;&#039;] Vertraue auf JHWH und tue Gutes, {{par|Psalm|4|6}} {{par|Psalm|26|1}}&lt;br /&gt;
_Bewohne das Land (die Erde) und weide (so wirst du weiden können) Treue (in Sicherheit, weide treu/sicher, weide dich an seinen Schätzen, strebe nach Treue);&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Treue weiden&#039;&#039; - Etwas unklare Metapher. Klar ist immerhin, dass V. 3 mit V. 2 spielt: Wie die Übeltäter „wie Gras“ verschwinden werden, wird der Angesprochene dagegen „weiden“ können. Wahrscheinlich ist dies außerdem ein Wortspiel: &#039;&#039;re´eh&#039;&#039; („weide“) klingt im jüngeren Bibelhebräisch fast identisch mit &#039;&#039;re`eh&#039;&#039; („sieh“), also „und sieh Treue“ = „und du wirst [Gottes] Treue sehen=erfahren können!“ (vgl. V. 34: „Du wirst’s sehen“).&amp;lt;br /&amp;gt;Was näherhin die Bed. angeht, bieten sich vier Deutungen an:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Der Angesprochene erscheint wie in [[Psalm 23 |Ps 23]] als Schaf, daher: „Friss Treue“ = Gott wird dich in seiner Treue sättigen / mit seiner Treue regelrecht abfüllen. So schon VUL: „Weide dich an der Treue [Gottes]“; Cheung 2015, S. 54: „Graze on faithfulness“; ELB.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Ebenso, daher aber: „Friss in Sicherheit“, weil du dabei nicht mehr von den eingegangenen Übeltätern gestört und bedroht werden wirst. So z.B. Tiquillahuanca 2008, S. 11: „Bewohne das Land und beweide (es) in Sicherheit!“; Ruiz 2015, S. 17: „Weide in Sicherheit!“; z.B. auch HER05, TUR.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Der Angesprochene erscheint als Hirte, die „Treue“ als die Herde, die er „weiden“ = „pflegen“ soll: „Kultiviere deine Treue zu Gott“ = „Werde immer treuer“. So Tg: „Befleißige dich der Treue“; Syr: „Strebe nach Treue“; z.B. auch Witte 2013, S. 415: „Hege Treue!“. So die meisten Üss., z.B. BB, EÜ, HfA, LUT, MÜN, NeÜ, NGÜ, SLT, ZÜR.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Duhm 1899 vergleicht gut das häufige Nomen &#039;&#039;re´ut&#039;&#039; in Kohelet, das „Streben, Haschen“ zu bedeuten scheint. &#039;&#039;ra´ah&#039;&#039; müsste dann entsprechend ebenfalls „streben“ bedeuten können (Duhm: „erstrebe treue“ &amp;gt; „übe Treue“).&amp;lt;br /&amp;gt;Liest man V. 3 mit V. 4 zusammen, ist (1) am wahrscheinlichsten; „friss Gottes Treue“ ≙ „Gott wird dir die Bitten deines Herzens gewähren“. 3b nimmt man dann am besten als Folge-Imperative, also nicht „Bewohne...!“, sondern „dann wirst du bewohnen können“ (richtig von Lengerke 1847, Graetz 1882, Kissane 1953).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Fast alle Vrs. wie in der Primär-Üs., nur LXX + VUL: „Weide dich an seinen Reichtümern“, was statt &#039;&#039;`emunah&#039;&#039; („Treue, Sicherheit“) &#039;&#039;ḥamoneh&#039;&#039; („seine Menge/Schätze“) voraussetzt. So z.B. H-R: „Dann bleibst du im Land und genießt seine Güter“. Fast sicher soll dies aber nur das etwas schwierige Bild vereinfachen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|4}} Sei über JHWH entzückt (hab deine Wonne an JHWH),&amp;lt;ref&amp;gt;Anstatt gegen Übeltäter zu zürnen. Gut Goldingay 2006, S. 520: „The remedy for negative feelings that come from looking at others is to look at Yhwh and let appropriate feelings arise.“ Vgl. aber auch [[Ijob 34#s9 |Ijob 34,9]], wo sich erkennen lässt, dass das „Entzückt-sein“ über JHWH in der Tat eine Tugend war, die man jemandem auftragen konnte; u.a. sicher, weil man seinem Entzücken Ausdruck verleihen konnte durch Jubel vor dem Altar Gottes u.ä. (s. [[Palm 43#s4 |Ps 43,4]]).&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|22|26}} {{par|Ijob|27|10}} {{par|Ijob|34|9}} {{par|Psalm|43|4}} {{par|Jesaja|58|14}}&lt;br /&gt;
_Dann wird er dir gewähren die Bitten deines Herzens. {{par|Psalm|21|3}} {{par|Psalm|145|19}} {{par|1 Könige|3|5}} {{par|2 Chroniken|1|17}} {{par|Matthäus|7|7}} {{par|Johannes|15|7}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|5}} [&#039;&#039;&#039;C&#039;&#039;&#039;] Wälze auf JHWH deinen Weg (deine Wege)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Wälze deinen Weg&#039;&#039; - Ausdruck dafür, das eigene Schicksal der Fürsorge Gottes anzuvertrauen, auf dass dieser sich darum kümmere; s. noch [[Psalm 22#s9 |Ps 22,9]]; [[Sprichwörter 16#s3 |Spr 16,3]]; [[1Petrus 5#s7 |1 Pet 5,7]]. Sinnvoll BB + NGÜ: „Lass den Herrn deinen Weg bestimmen“, TEX: „Stelle Jahwe dein Geschick anheim“.&amp;lt;br /&amp;gt;Vielleicht ein Wortspiel: Syr übersetzt „Mach deinen Weg gerade“, versteht „wälzen“ also offenbar als „glattwalzen“, was hier sicher nicht primär gemeint ist, aber sprachlich möglich ist. Wer seinen Weg „glattgewalzt“ hat, ist aber identisch mit dem mit „geradem Weg“ in V. 14.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: LXX, VUL, Tg lesen &#039;&#039;gl&#039;&#039; nicht wie MT, Hier und Syr als &#039;&#039;gol&#039;&#039; („Wälze“), sondern als &#039;&#039;gal&#039;&#039; („Offenbare“); Tg und einige Mss lesen außerdem die Konsonanten für „deinen Weg“ mit anderen Vokalen als Pl. „deine Wege“; also: „Tu Gott deine(n) Weg(e) kund!“ Was das bedeuten soll, wäre aber unklar; sicher hat es Gott ja nicht nötig, dass man ihm erst „seinen Weg offenbart“. Richtig hält dies auch keine dt. Üss. für ursprünglich.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Und vertrau auf ihn, dann wird er handeln: (dann wird er [dies] tun:) {{par|Psalm|22|32}} {{par|Matthäus|6|25|26}} {{par|1 Thessalonicher|5|24}}&lt;br /&gt;
{{S|6}} Er wird aufstrahlen lassen deine Gerechtigkeit wie {das} Licht&lt;br /&gt;
_Und dein Recht (deine Gerichtsentscheide)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;deine Gerichtsentscheide&#039;&#039; - so Syr und wenige Mss., die die Konsonanten von MT anders als L und die anderen Vrs. als Pl. vokalisieren. Angezielt war sicher der Sg.&amp;lt;/ref&amp;gt; wie {die} Mittag[shelle].&amp;lt;ref&amp;gt;Gut Hitzig 1863, S. 206: „Er wird deine Rechtschaffenheit glänzend sich herausstellen lassen durch entsprechendes äußeres Schicksal“. Vgl. ähnlich [[Jesaja 62#s1 |Jes 62,1]], wo nicht nur die Gerechtigkeit als die Ursache des „Strahlens“ genannt wird, sondern etwas verständlicher auch die Segenstat Gottes als die Folge dieser Gerechtigkeit: „bis Jerusalems Gerechtigkeit wie Lichtglanz leuchtet und seine Rettung wie eine lodernde Fackel.“ Vgl. auch [[Maleachi 4#s2 |Mal 4,2]]; [[Ijob 11#s14 |Ijob 11,14-17]]; [[Jesaja 60#s1 |Jes 60,1f.]]&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|11|17}} {{par|Jesaja|62|1}} {{par|Maleachi|4|2}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|7}} [&#039;&#039;&#039;D&#039;&#039;&#039;] Schweige vor JHWH und warte auf (tanze vor)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;warte auf (tanze vor)&#039;&#039; - Wortspiel durch mehrdeutiges Wort: Leitet man es ab von &#039;&#039;ḥil&#039;&#039; II (einer NF von &#039;&#039;jaḥal&#039;&#039;, vgl. Kittel 1914; Goldingay 2006; Cheung 2015, S. 54; Witte 2013, S. 416), bed. es „warten auf“, leitet man es ab von &#039;&#039;ḥil&#039;&#039; I, heißt es „tanzen vor“. Aufgerufen wird also zu einem sichtbaren Ausdruck der Vorfreude: „Tänzle vor JHWH!“&amp;lt;/ref&amp;gt; ihm, {{par|Psalm|4|5}} {{par|Psalm|39|2|3}} {{par|Psalm|62|2}}&lt;br /&gt;
_(Brenne=) Zürne nicht – wenn sein Weg gelingt –&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;wenn sein Weg gelingt&#039;&#039; - W. „wenn er seinen Weg zum Gelingen bringt“, im Gegensatz zu dir, der du deinen Weg JHWH anheim gestellt hast.&amp;lt;br /&amp;gt;Wortspiel: das Wort heißt auch „brennen“ (s. zu [[Amos 5#s6 |Am 5,6]]). Auch das Verb zu Beginn der Zeile heißt zunächst „brennen“, und die Konsonanten von &#039;&#039;`iš&#039;&#039; („Mann“) sind die selben wie von &#039;&#039;`eš&#039;&#039; („Feuer“). Wahrscheinlich soll damit nachgebildet werden – wie es in V. 8 dann auch explizit gesagt wird – dass man sich mit solchem „Entbrennen“ nur dem Übeltäter gemein macht: dem Hitzkopf, der sich durch das Leben brennt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Dem Mann, der Intrigen ausführt!&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|8}} [&#039;&#039;&#039;E&#039;&#039;&#039;] Lass ab vom (Brennen=) Zorn und gib auf den Grimm,&lt;br /&gt;
_(brenne=) zürne nicht, [es führt] nur zum Bösen (gar bis zum Bösen)!&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;nur zum Bösen&#039;&#039; - Schön verständlich Böhler 2021: „sonst tust du gar noch Böses!“&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|39|2}} {{par|Sprichwörter|14|29}} {{par|Sprichwörter|16|32}} {{par|Epheser|4|31}} {{par|Jakobus|1|19|20}}&lt;br /&gt;
{{S|9}} Denn Bösewichter werden abgeschnitten!&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;abgeschnitten&#039;&#039; - d.i. getötet; erstarrte Metapher, bei der das menschliche Leben als Textilie dargestellt wird (s. zu [[Ijob 4#s21 |Ijob 4,21]]).&amp;lt;br /&amp;gt;Wortspiel: Das Wort für „hoffen“ in 9b heißt auch „binden“ und ist damit der Gegensatz zum „abgeschnitten-Werden“: Wer auf JHWH hofft = bindet, wird nicht abgeschnitten = getötet.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Heb. &#039;&#039;jikkaretun&#039;&#039; statt &#039;&#039;jikkaretu&#039;&#039; (wie in Ps 37,22), das &#039;&#039;-n&#039;&#039; (ein sog. „paragogisches Nun“) macht das Wort wahrscheinlich noch emphatischer (GKC §47m; JM §44e). Daher oben das Ausrufezeichen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Wer aber auf JHWH hofft, der&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Der&#039;&#039; - Heb. &#039;&#039;hemmah&#039;&#039;, Wortspiel mit &#039;&#039;ḥemmah&#039;&#039; („Grimm“) in V. 8: Nicht der &#039;&#039;Grimmende&#039;&#039; wird das Land besitzen, sondern nur &#039;&#039;derjenige&#039;&#039;, der sich ganz auf JHWH verlässt.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;hemmah&#039;&#039; würde man i.d.R. als Signal für den Beginn eines dritten Kolons nehmen; weil seine Existenz sich hier aber literarisch erklären lässt, sollte man V. 9 besser als Bikolon denn als Trikolon deuten.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird das Land (die Erde) besitzen (in Besitz nehmen). {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|10}} [&#039;&#039;&#039;F&#039;&#039;&#039;] Nur noch ein Weilchen, und der Frevler wird nicht mehr sein, {{par|Jesaja|29|17}} {{par|Jeremia|51|33}}&lt;br /&gt;
_[&#039;&#039;&#039;F&#039;&#039;&#039;] Und du wirst (ich werde)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Alle Vrs. wie MT, nur 4QpPs: „&#039;&#039;ich&#039;&#039; werde untersuchen“. Craigie 1983 hält dies für ursprünglich, aber wahrscheinlicher ist dies Assimilation an V. 36, wo 4QpPs ebenfalls anders als MT nicht „er ging vorüber“, sondern „&#039;&#039;ich&#039;&#039; ging vorüber“ hat. Dass hier sogar an diese Stelle assimiliert wird, macht noch wahrscheinlicher, dass dort „ich“ ursprünglich ist; s. dort.&amp;lt;/ref&amp;gt; den Ort, wo er war,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;den Ort, wo er war&#039;&#039; - W. „seinen Ort“; in dieser Bed. z.B. auch verwendet in [[Psalm 103#s16 |Ps 103,16]].&amp;lt;/ref&amp;gt; untersuchen, aber er wird nicht [da] sein.&amp;lt;ref&amp;gt;Gut erklärt von Ruiz 2015, S. 29: „Nur noch ein Weilchen“ = „es dauert nicht mehr lang“; „und &#039;&#039;du&#039;&#039; wirst den Ort untersuchen“ = „auf jeden Fall wird es noch geschehen, während du lebst“.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|8|18}} {{par|Ijob|20|9}} {{par|Psalm|103|16}}&lt;br /&gt;
{{S|11}} [&#039;&#039;&#039;F&#039;&#039;&#039;] Aber die Elenden (Armen) werden das Land (die Erde) besitzen (in Besitz nehmen) {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}} {{par|Matthäus|5|5}}&lt;br /&gt;
_[&#039;&#039;&#039;F&#039;&#039;&#039;] Und entzückt sein über die (ihre Wonne haben an der) Fülle des Friedens (Wohlergehens, Heil-Seins). {{par|Psalm|72|7}} {{par|Jesaja|54|13}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|12}} [&#039;&#039;&#039;G&#039;&#039;&#039;] Der Frevler sinnt gegen den Gerechten {{par|Psalm|31|14}} {{par|Micha|2|1}}&lt;br /&gt;
_Und knirscht gegen ihn mit den Zähnen. {{par|Psalm|35|16}} {{par|Klagelieder|2|16}}&lt;br /&gt;
{{S|13}} Der Herr (JHWH)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Der Herr (JHwH)&#039;&#039; - Die einzige Stelle im Ps., wo explizit gesagt wird, dass &#039;&#039;Gott&#039;&#039; am Übeltäter handeln wird; sonst werden sicher bewusst Passiv-Formulierungen u.ä. verwendet (s. die Anmerkungen). Gleichzeitig die einzige Stelle, wo auffällig nicht der Gottesname „JHWH“ verwendet wird, sondern das distanziertere „der Herr“ – sicher nicht zufällig.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: 4QpPs und wenige (allerdings wichtige, z.B. G20, KA10, KA27b, KA30, KA36; zu den Handschriften-Siglen s. die Seite [https://offene-bibel.de/wiki/Benutzer:Sebastian_Walter/Wichtige_MSS Wichtige Handschriften]) Mss allerdings auch hier „JHWH“. Doch sicher ist dies nur Angleichung auf den sonstigen Sprachgebrauch des Psalms, der von Gott sonst durchgehend als von „JHWH“ spricht.&amp;lt;/ref&amp;gt; kann über ihn (darüber) [nur] lachen (muss über ihn/darüber lachen), {{par|Psalm|2|4}} {{par|Psalm|59|9}}&lt;br /&gt;
_Denn er sieht (sinnt darauf&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;sinnt darauf&#039;&#039; - zu dieser Bed. s. [[Psalm 66#s18 |Ps 66,18]] u.ö. So hier aber niemand.&amp;lt;/ref&amp;gt;), dass sein Tag&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;sein Tag&#039;&#039; - Entweder „der Tag JHWHs“, also der große Gerichtstag, der eine Zeitenwende einleiten wird, oder „der [schicksalhafte] Tag des Frevlers“ (so explizit Tg). Letztlich kommt hier beides auf das Selbe hinaus, wahrscheinlicher ist hier aber Letzteres, da V. 13 wohl im Gegensatz zu V. 18 stehen soll (richtig Hacham 1979, S. 209; Levine 2003, S. 76). NGÜ + NL: „Der Tag des Gerichts“, BB + GN + HfA + NeÜ: „Der Tag der Abrechnung“; will man den Gegensatz besser erkennbar machen, vielleicht eher: „denn er weiß, dass seine Tage gezählt sind.“&amp;lt;/ref&amp;gt; kommen wird (kommt).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;kommen wird&#039;&#039; - So MT und alle Vrs.; nur 4QpPs und 5 Mss (darunter KA17b) Qatal: &#039;&#039;kommt&#039;&#039;. Am Sinn würde es nichts ändern, darüber hinaus wird man ohnehin auch &#039;&#039;kj bw`&#039;&#039; in diesen Mss besser als &#039;&#039;kj jbw`&#039;&#039; mit „shared consonant“ erklären.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|18|20}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|14}} [&#039;&#039;&#039;H&#039;&#039;&#039;] Das Schwert ziehen die Frevler&lt;br /&gt;
_Und spannen ihren Bogen, {{par|Psalm|64|4}}&lt;br /&gt;
Um zu fällen den Unterdrückten (Demütigen) und Bedürftigen,&lt;br /&gt;
_([Und])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[und]&#039;&#039; - So nur 4QpPs.&amp;lt;/ref&amp;gt; Um zu schlachten, die (geraden=) rechten (Weges=) Wandels (Herzens)&amp;lt;ref&amp;gt;Wortspiel: „Bogen &#039;&#039;spannen&#039;&#039;“ = &#039;&#039;darku&#039;&#039;, „Weg“ = &#039;&#039;darek&#039;&#039;. „Rechten Wandels zu sein“ heißt natürlich, „auf Gottes Pfaden zu wandeln“, also gerecht zu leben.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT&#039;s „Weg“ wird gestützt durch Hier, Tg, Syr; dagegen LXX, VUL und einige (auch: wichtige) Mss bezeugen „Herz“. Für ursprünglich halten das z.B. Buttenwieser 1938 und Zorell 1928, und in der Tat ließe es sich gut erklären als Verschreibung unter Einfluss des &#039;&#039;darku&#039;&#039; in 14b. Eher ist die Variante mit „Herz“ aber Angleichung an den üblicheren Ausdruck in [[Psalm 7#s11 |Ps 7,11]]; [[Psalm 11#s2 |11,2]]; [[Psalm 32#s11 |32,11]]; [[Psalm 36#s11 |36,11]] u.ö., sicher unter Einfluss des im nächsten V. folgenden „Herz“. Das spricht übrigens dafür, dass der Psalm mindestens schon vor der Üs. durch LXX stichisch niedergeschrieben worden ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; sind. {{par|Klagelieder|2|21}}&lt;br /&gt;
{{S|15}} [&#039;&#039;&#039;H&#039;&#039;&#039;] Ihr Schwert wird dringen in ihr [eigenes] Herz {{par|Psam|7|16}} {{par|Psalm|9|16}} {{par|Psalm|35|8}} {{par|Sprichwörter|28|10}}&lt;br /&gt;
_Und ihre Bögen werden zerbrochen werden. {{par|1 Samuel|2|4}} {{par|Psalm|46|10}} {{par|Psalm|76|5}} {{par|Jeremia|49|35}} {{par|Jeremia|51|56}} {{par|Hosea|1|5}} {{par|Hosea|2|18|20}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|16}} [&#039;&#039;&#039;I&#039;&#039;&#039;] Besser ist ein Bisschen für den Gerechten&lt;br /&gt;
_Als der der viele Überfluss (Tumult) der Frevler (als der Überfluss der vielen Frevler),&amp;lt;ref&amp;gt;Ein sog. &#039;&#039;țob&#039;&#039;-Spruch, eine übliche Form heb. Sprichwörter. Nowack 1888 und Herkenne 1936 verweisen schön auf das entspr. dt. Sprichwort „Unrecht Gut gedeiht nicht gut.“&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT&#039;s „als der Überfluss der vielen Frevler“ wird gestützt durch 4QpPs, Aq, Sym und Tg. Dagegen LXX, Syr, VUL und Hier setzen statt &#039;&#039;rbjm&#039;&#039; voraus: &#039;&#039;rb&#039;&#039;, „als der viele Überfluss der Frevler“. Für ursprünglich halten das zB. Wellhausen 1895; BHS; Craigie 1983. Was tatsächlich ursprünglich war, lässt sich kaum entscheiden, poetisch aber macht LXX &amp;amp; Co. mehr Sinn: „der Gerechte“ aus 16a wird hier durch den Plural „die Frevler“ gesteigert, „das Bisschen“ aus 16a durch das „viele“ in „der viele Überfluss“ in 16b. Und &#039;&#039;rabbim&#039;&#039; im MT lässt sich leicht als falsche Assimilation an das vorangehende &#039;&#039;reša´im&#039;&#039; erklären, eine Änderung von &#039;&#039;rabbim&#039;&#039; zu &#039;&#039;rab&#039;&#039; dagegen weniger gut. Besser folgt man daher hier BHS als CTAT V, S. 215, wo MT für wahrscheinlicher ursprünglich gehalten wird.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Sprichwörter|15|16}} {{par|Tobit|12|8}}&lt;br /&gt;
{{S|17}} Denn die Arme&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Arme&#039;&#039; - Hier wohl nicht genannt als dasjenige, womit Frevler sich ihren Reichtum erwirtschaften können (so Craigie 1983; Cheung 2015, S. 66), sondern nach den Parallelen [[Ijob 38#s15 |Ijob 38,15]]; [[Ezechiel 30#s21 |Ez 30,21]] als dasjenige, womit man kämpfen kann: Die Vernichtung setzt sich fort und mit den Bögen werden auch gleich die Arme der Frevler zerbrochen; ihr eigener Niedergang ist dann eben damit zu erklären, dass sie überhaupt erst die Hand gegen die Gerechten erhoben haben: Eine Umkehrstrafe&amp;lt;/ref&amp;gt; der Frevler werden zerbrochen werden {{par|Ijob|38|15}} {{par|Psalm|10|15}} {{par|Ezechiel|30|21}}&lt;br /&gt;
_Aber es stützt die Gerechten JHWH. {{par|Richter|1|24}} {{par|Psalm|41|13}} {{par|Psalm|63|9}} {{par|Psalm|119|117}} {{par|Psalm|145|14}} {{par|Jesaja|41|10}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|18}} [&#039;&#039;&#039;J&#039;&#039;&#039;] Es kennt JHWH die Tage (die Wege)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Alle Vrs. wie MT, nur LXX: „die Wege“. Buttenwieser 1938 hält das für ursprünglich, aber sicher richtig Ross 2011: Assimilation an [[Psalm 1#s6 |Ps 1,6]].&amp;lt;/ref&amp;gt; der Makellosen {{par|Psalm|1|6}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
_Drum hat ihr Erbteil&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Erbteil&#039;&#039; - Also das Stück Land vom „Land“ Israel, das ihrer Familie einst von JHWH zugesprochen wurde. Hier wichtiges Wort; es zeigt, dass es im Psalm nicht &#039;&#039;nur&#039;&#039; um die Frage geht, wem „das Land Israel“ oder gar „die Erde“ gehört oder gehören wird, sondern dass diese große Frage sich im Kleinen realisiert: Darin, ob „den Armen und Elenden“ ihr Land von den ungerechten Reichen geraubt werden wird oder nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; für immer [Bestand].  {{par|Sprichwörter|28|10}}&lt;br /&gt;
{{S|19}} Sie werden nicht zuschanden (beschämt) werden zur Zeit des Übels&lt;br /&gt;
_Und in den Tagen des Hungers werden sie satt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Klangspiel: &#039;&#039;jißba´u&#039;&#039; („satt werden“) ist fast ein Anagramm von &#039;&#039;jibošu&#039;&#039; („zuschanden werden“); in &#039;&#039;ra´abon&#039;&#039; („Hunger“) klingt &#039;&#039;ra´ah&#039;&#039; („Übel“) an. In 4QpPs ist das sogar noch deutlicher; &#039;&#039;ra´abon&#039;&#039; ist dort &#039;&#039;ra´ab&#039;&#039; wie in [[Psalm 33#s19 |Ps 33,19]].&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|5|20}} {{par|Psalm|33|19}} {{par|Sprichwörter|10|3}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|20}} [&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] Denn die Frevler werden umkommen {{par|Richter|5|31}} {{par|Psalm|92|10}}&lt;br /&gt;
_Und die Feinde (Geliebten)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Geliebte&#039;&#039; - So 4QpPs: &#039;&#039;`hbj&#039;&#039; statt &#039;&#039;`jbj&#039;&#039; („Feinde“). Sicher sollte damit aber das „die Feinde JHWHs [waren] wie prächtige Auen“, das auf den ersten Blick wie eine Preisung der so Beschriebenen klingt, geglättet werden. Der Parallelismus legt aber sehr nahe, dass gegen die masoretischen Akzente „wie prächtige Auen“ mit dem ersten „werden sie vergehen“ zu verbinden ist (wie schon Syr aufgelöst hat; so auch schon Hupfeld 1858 und Graetz 1882; z.B. auch Craigie 1983; Goldingay 2006; Meynet 2015, S. 108), was diese Textkorrektur von 4QpPs überflüssig macht.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gottes,&lt;br /&gt;
[&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] Wie {die} (Pracht der Auen=) prächtige [&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] Auen (prächtiges Vieh)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: (1) &#039;&#039;krjm&#039;&#039; ist von MT als &#039;&#039;karim&#039;&#039; („Auen“) aufgefasst worden, (2) von Sym, Tg und Hier als &#039;&#039;kerem&#039;&#039; („[wie die Pracht,] wie das Vieh“) – Sym und Hier vereindeutigen witzigerweise zu „wie Einhörner“ –, (3) LXX, VUL und Syr schließlich deuteten stattdessen als &#039;&#039;kerum&#039;&#039; und übersetzen mit „als sie geehrt &#039;&#039;und gerühmt&#039;&#039; wurden“. (4) 4QpPs hat im Pescher eine Doppelinterpretation („Kleinvieh [=Sym] der Weiden [=MT]“). In der Üs. steht dagegen &#039;&#039;kwrjm&#039;&#039;. Damit hat man (5) einen Emendationsvorschlag von Wellhausen 1895 stützen wollen (so z.B. noch Seybold 1996), statt &#039;&#039;kiqar karim&#039;&#039; („wie prächtige Auen“) sei &#039;&#039;kiqod kurim&#039;&#039; („wie das Brennen eines Schmelztiegels“) zu lesen, aber richtig Cheung 2015, S. 56 FN 11: &#039;&#039;-w-&#039;&#039; wird hier wie noch öfter in Qumran Mater lectionis für Qameṣ sein und damit ebenfalls MT stützen.&amp;lt;br /&amp;gt;Klar ist nach diesen Varianten, dass der ursprüngliche Konsonantentext &#039;&#039;krm&#039;&#039; war, und angezielt wird in diesem Kontext damit wie in MT &#039;&#039;karim&#039;&#039; gewesen sein: V. 2 „sie werden wie Gras verdorren, wie grünes Kraut eingehen“ – V. 20 „wie prächtige Weiden werden sie vergehen“ – Vv. 35f. „Er war wie eine belaubte Zeder; dann ging ich wieder vorbei und er war nicht mehr da“.&amp;lt;br /&amp;gt;Übrigens vokalisiert auch von Lengerke 1847 als „Vieh“, deutet dann aber auch dies auf die Weiden: „die Pracht der Schafe“ = „ihre Weiden“ – selbst dann also, wenn ursprünglich wirklich &#039;&#039;kerem&#039;&#039; angezielt gewesen sein sollte, würde man dies hier als einen Ausdruck für Wiesen deuten wollen.&amp;lt;/ref&amp;gt; [&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] werden sie vergehen,&lt;br /&gt;
_[&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] Wie {der} (Im) Rauch [&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] werden sie vergehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Klangspiel: Nicht nur 20a beginnt hier mit dem Konsonanten k, sondern in 20cd jedes Wort: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;iqar &#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;arim &#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;alu &#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;e´ašan &#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;alu&#039;&#039;.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: So jedenfalls in 4QpPs, LXX, Sym, VUL, Hier, Syr und vielen Mss (CTAT V, S. S. 217 ist schlicht irreführend: „Cependant les témoins habituels du texte tibérien classique appuient la leçon {{hebr}}בעשן{{hebr ende}}“ – aber was soll das schon heißen, der „klassische tiberische Text“ ist ja nur ein Teil von einer von mehreren masoretischen Textfamilien?). L und Tg dagegen haben nicht „&#039;&#039;wie&#039;&#039; Rauch“ mit {{hebr}}כ{{hebr ende}}, sondern „&#039;&#039;im&#039;&#039; Rauch“ mit {{hebr}}ב{{hebr ende}}, wahrscheinlich entweder ein reiner Schreibfehler oder Angleichung an [[Psalm 102#s4 |Ps 102,4]]. Dort ist das „im Rauch“ auch gut erklärlich: „Meine Tage schwinden im Rauch“ weil „meine Gebeine wie ein Feuerbrand glühen“. Hier gilt das auch dann kaum, wenn in 20c „Pracht des Viehs“ zu lesen und als „[zu verbrennendes] Fett der Opferschafe“ zu deuten wäre; auch dies vergeht nach israelitischem Verständnis ja nicht „im Rauch“, sondern steigt „&#039;&#039;als&#039;&#039; Rauch (und Duft)“ in die Nase Gottes.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|68|3}} {{par|Hosea|13|3}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|21}} [&#039;&#039;&#039;L&#039;&#039;&#039;] Leiht sich der Frevler, will (kann) er nicht zurückzahlen,&lt;br /&gt;
_Der Gerechte aber ist gnädig (mildtätig) und gibt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vb. 1, 3 und 4 sind Partizipien. Nicht also: „Sie werden gnädig sein und geben &#039;&#039;können&#039;&#039;“ o.Ä.: V. 21b ist sicher keine Verheißung (wie [[Deuteronomium 28#s12 |Dtn 28,12]].[[Deuteronomium 28#s44 |44]]), sondern Charakterisierung des aktuellen Tuns der Gerechten. V. 21a &#039;&#039;könnte&#039;&#039; eine Warnung sein („er &#039;&#039;wird&#039;&#039; nicht zurückzahlen [&#039;&#039;können&#039;&#039;]“), ist dann aber in diesem Kontext wohl ebenfalls Charakterisierung. Die entscheidenden Aussagen sind dann: Der eine &#039;&#039;will&#039;&#039; nicht zurückzahlen, der andere ist &#039;&#039;gnädig&#039;&#039;. So und so richtig Croft 1997, S. 59: Vv. 21.25 zeigen, dass man sich den „Armen“ aus Vv. 14.16 nicht tatsächlich als materiell arm vorstellen darf; „arm“ sind die Gerechten in &#039;&#039;diesem&#039;&#039; Psalm nur insofern, als &#039;&#039;sie&#039;&#039; sich &#039;&#039;nicht&#039;&#039; bereichern.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|22}} Darum (Denn)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Darum (denn)&#039;&#039; - ist das richtig, was in der vorigen FN gesagt wurde, muss &#039;&#039;ki&#039;&#039; hier wie häufig, aber wie sonst nicht mehr in diesem Ps, „darum“ bedeuten.&amp;lt;/ref&amp;gt; werden seine Gesegneten (die ihn Segnenden)&amp;lt;ref name=&amp;quot;V 22&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;seine Gesegneten (die ihn Segnenden) + seine Verfluchten (die ihn Verfluchenden)&#039;&#039; - Die beiden Partizipien in V. 22 werden von den Vrs. unterschiedlich vokalisiert: Von MT, Tg und Hier beide passiv („gesegnet, verflucht“), von LXX und VUL beide aktiv („segnend, verfluchend“), von Syr nach den meisten Mss merkwürdigerweise das erste aktiv, das zweite passiv (in 8a1c und 12t1.4 aber auch Syr wie MT). Fast alle Neueren folgen hier der Deutung von MT.&amp;lt;/ref&amp;gt; das Land (die Erde) besitzen (in Besitz nehmen),&lt;br /&gt;
_Aber seine Verfluchten (die ihn Verfluchenden)&amp;lt;ref name=&amp;quot;V 22&amp;quot; /&amp;gt; werden abgeschnitten werden. {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Sprichwörter|3|33}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}} {{par|Matthäus|5|5}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|23}} [&#039;&#039;&#039;M&#039;&#039;&#039;] ([Denn])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[Denn]&#039;&#039; - So merkwürdigerweise 4QpPs, wonach auch hier die Strophe nicht mit dem zu erwartenden Buchstaben begänne.&amp;lt;/ref&amp;gt; Von JHWH werden die Schritte des Mannes gelenkt,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;JHWH lenkt die Schritte eines Mannes&#039;&#039;, d.i., er entscheidet über sein Schicksal, vgl. deutlich die Parallelstellen. D.h. hier natürlich wieder: Denjenigen, der gottgefällig lebt, segnet er. Kontraintuitiver Weise sind also die „Schritte“ eines Menschen nicht das, worüber ein Mensch selbst verfügen könnte.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Sprichwörter|16|9}} {{par|Sprichwörter|20|24}} {{par|Jeremia|10|23}}&lt;br /&gt;
_Wenn er an dessen Wandel Gefallen hat:&lt;br /&gt;
{{S|24}} Auch, wenn er zu fallen drohte, würfe es ihn nicht hin, {{par|Psalm|94|18}} {{par|Sprichwörter|24|16}}&lt;br /&gt;
_Denn JHWH stützt seinen Arm.&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|25}} [&#039;&#039;&#039;N&#039;&#039;&#039;] Jung war ich, ([und])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT wird nur durch Hier gestützt: 4QpPs, LXX, VUL, Tg, Syr und einige Mss haben vor &#039;&#039;auch&#039;&#039; zusätzlich &#039;&#039;und&#039;&#039;, wie dies hier auch erwartbar wäre. Gerade deshalb wird MT und Hier aber der ursprüngliche Wortlaut sein.&amp;lt;/ref&amp;gt; bin auch alt geworden,&lt;br /&gt;
_Aber nie sah ich, dass ein Gerechter verlassen worden wäre, {{par|Ijob|4|7}}&lt;br /&gt;
_So dass (und dass) seine Nachkommenschaft Brot suchen müssen hätte:&amp;lt;ref&amp;gt;Ein ganz schwieriger Vers. Exakt vom Gegenteil sprechen z.B. [[Ijob 9#s22 |Ijob 9,23f.]]; [[Kohelet 7#s15 |Pred 7,15]], und die Entsprechung in der Parallelstelle [[Ijob 4#s7 |Ijob 4,7]] wird danach abgetan als das „Traumgesabbel“ von Elifaz. Es lässt sich nicht weg-diskutieren: Ps 37,25 spricht sich derart stark für den (selbst intergenerationellen) Tun-Ergehens-Zusammenhang aus, dass selbst parallele biblische Texte hier nicht mitgehen können.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|34|11}}&lt;br /&gt;
{{S|26}} Den ganzen Tag ist er gnädig (mildtätig) und verleiht,&lt;br /&gt;
_Und seiner Nachkommenschaft [ist&#039;s] zum Segen (seine Nachkommenschaft wird zu einem Segen).&amp;lt;ref&amp;gt;So sinnvoll Stolz 1983, S. 61: „Seiner Nachkommenschaft gereicht es zum Segen.“. So auch Bernfeld, ELB, GN, HER05, HfA; am besten NGÜ: „Noch seine Nachkommen werden durch ihn gesegnet sein“. So auch schon LXX, VUL, Hier, Syr, Raschi. Radak gibt zwei Erklärungen: (1) Weil Gesegnete wie der Angesprochene ihren Segen weiterzugeben pflegen (eine Art trickle-down-Effekt des Segens), (2) weil andere, die von ihm Gutes erfuhren, ihrerseits um seintwillen seine Nachkommenschaft segnen werden (Letzteres auch bei ibn Ezra). Sonst stets wie in der Alternative.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|27}} [&#039;&#039;&#039;O&#039;&#039;&#039;] Weiche vom Üblen und tue Gutes {{par|Psalm|34|15}} {{par|Sprichwörter|3|7}} {{par|Jesaja|1|16|17}}&lt;br /&gt;
_Und wohne für immer:&amp;lt;ref&amp;gt;Wieder Folge-Imperativ: „So wirst du für immer wohnen können“.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Hier, Tg und Syr wie MT. Dagegen LXX und VUL setzen voraus: „auf &#039;&#039;immer und&#039;&#039; ewig“. Metrisch würde man das hier auch erwarten; für ursprünglich halten das daher auch Kittel 1914 und wahlweise Witte 2013, S. 417.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|28}} Weil JHWH Recht liebt, {{par|Psalm|45|8}} {{par|Psalm|99|4}} {{par|Jesaja|61|8}}&lt;br /&gt;
_Wird er nicht verlassen seine Frommen. {{par|Jesaja|59|21}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Für immer werden [sie] bewahrt ([&#039;&#039;&#039;P&#039;&#039;&#039;] Übeltäter werden für immer ausradiert)&amp;lt;ref&amp;gt;Hier erwartet man eine Zeile, die mit dem Buchstaben &#039;&#039;´Ajin&#039;&#039; beginnt. Der MT dagegen beginnt mit der Präp. Lamed, erst darauf folgt der erwartete Buchstabe. Viele Ausleger haben daher einen anderslautenden Text aus LXX rekonstruieren wollen (s.u.). Aber die vorgeschlagene Textkorrektur geht wohl nicht an. Vielleicht daher so: Mit `Ajin beginnt auch das Wort für „Übeltat“ in V. 1c; möglicherweise soll im fehlenden `Ajin also das gänzliche Fehlen der „Nachkommenschaft der Frevler“ und ihrer Übeltaten zum Ausdruck gebracht werden.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Die meisten Textzeugen stützen MT. Allerdings mehrere LXX-Gruppen, Sym und VUL haben hier eine fünfte Zeile; MT&#039;s „Für immer wird [dieser] bewahrt, aber die Nachkommenschaft von Frevlern wird abgeschnitten“ entspricht dort „für immer werden sie bewahrt, &#039;&#039;Gesetzlose aber werden gejagt/verjagt&#039;&#039;, und die Nachkommen der Frevler werden ausgerottet.“ Daraus haben viele ein ursprüngliches „Übeltäter werden für immer ausradiert“ rekonstruiert: &#039;&#039;´wl(j)m l´wlm nšmdw&#039;&#039;: &#039;&#039;´wl(j)m&#039;&#039; wäre wegen der Ähnlichkeit mit &#039;&#039;l´wlm&#039;&#039; übersehen worden und die Verschreibung von Resch mit Dalet ist ein sehr häufiger Schreibfehler. Die Übersetzung des ursprünglichen Wortlauts wäre dann also als Konflation zusätzlich zur Übersetzung des fehlerhaften Texts in die LXX geraten. So z.B. schon Houbigant 1777; auch Wellhausen 1895; BHK, BHS; Seybold 1996; Broyles 1999; Fokkelman 2000, S. 139 FN 54; Witte 2013, S. 417; ähnlich Jones 2019, S. 174 FN 20: &#039;&#039;´wlm l´wlm nṣmtw&#039;&#039; nach [[Psalm 69#s5 |Ps 69,5]]; [[Psalm 101#s5 |101,5]] wie schon Rahlfs. Aber das kritische Wort ist gerade &#039;&#039;´awalim&#039;&#039; „Übeltäter“; richtig nämlich Graetz 1882: Das heb. Wort ist als Entsprechung des gr. Wortes nirgends belegt. &#039;&#039;nšmdw&#039;&#039; ist gleichfalls keine belegte und auch keine sehr naheliegende Entsprechung des gr. Verbs (richtig Cheung 2015, S. 56; Böhler 2021), weshalb Jones 2019 seinen alternativen Vorschlag macht, der aber graphisch dann doch recht weit von MT entfernt ist. Darüber hinaus, dass die Vorlage von LXX nur so schwach bezeugt ist, ist LXX also auch gar keine gute Basis, um auf ihr die erwünschte Textrekonstruktion aufruhen zu lassen. Wahrscheinlicher ist es, dass in einer Handschrift wegen der Ähnlichkeit von 28d mit 38b hier 38a ergänzt wurde.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Ps 37,28.png|mini|Ps 37,28 in 4QpPs. (c) [https://www.deadseascrolls.org.il/explore-the-archive/image/B-506743 Deadseascrolls.org].]]Einige haben u.a. wohl daher behauptet, immerhin &#039;&#039;nšmdw&#039;&#039; statt &#039;&#039;nšmrw&#039;&#039; würde auch durch 4QpPs gestützt, aber richtig CTAT V 223: Anders als z.B. in DJD V 45 transkribiert, steht in 4QpPs sicher wie im MT &#039;&#039;nšmrw&#039;&#039;, vgl. auf dem Foto rechts den fraglichen Buchstaben mit dem Resch im direkt folgenden Wort. 4QpPs könnte mit LXX enger verwandt sein als mit MT, s. in V. 20 &#039;&#039;k´šn&#039;&#039; in 4QpPs, LXX, VUL, Syr vs. MT&#039;s &#039;&#039;b´šn&#039;&#039;, in V. 25 &#039;&#039;wgm&#039;&#039; in 4QpPs und LXX vs. MT&#039;s &#039;&#039;gm&#039;&#039; und in V. 35 &#039;&#039;`´bwr&#039;&#039; in 4QpPs, LXX, VUL, Syr vs. MT&#039;s &#039;&#039;wj´br&#039;&#039;. Dann wäre das Zeugnis besagter LXX-Textgruppen in diesem Vers umso schwächer. Man wird aber doch fragen müssen: Wie soll der Wortlaut von LXX denn sonst entstanden sein? Er ist sicher als Konflation zu erklären, und Textkorrekturen, wie diese eine wäre – poetische Verbesserungen, um z.B. wie hier ein Akrostichon lyrisch zu glätten –, sind mir (S.W.) sonst gar nicht bekannt.&amp;lt;br /&amp;gt;Die externe Evidenz mit nur einigen LXX-Zeugen ist also ziemlich schwach, die interne Evidenz – ein mit ´Ajin beginnendes Wort wäre hier so sehr zu erwarten, und der LXX-Wortlaut lässt sich kaum anders erklären denn mit einem heb. Original – dagegen ist sehr stark. Textkritisch lassen sich beide Optionen begründet vertreten; wir folgen daher hier der Mehrheits-Position in dt. Üss. und damit dem MT.&amp;lt;br /&amp;gt;En passant sei noch darauf hingewiesen, dass CTAT&#039;s Argument für MT, „der Poet habe ja schließlich auch kein Problem damit gehabt, die T-Strophe mit &#039;&#039;w-t...&#039;&#039; statt &#039;&#039;t...&#039;&#039; zu beginnen“, sicher nicht angeht; die Konjunktion wird man kaum „dem Poeten“ zuschreiben dürfen (so aber schon de Wette 1829; Maurer 1838; von Lengerke 1847; z.B. auch Böhler 2021). Ebenso wenig richtig dürfte ebd. sein, dass wir nur die Option haben zwischen „für immer wird dieser bewahrt“ und „Sünder werden ausradiert“, nicht aber „Sünder werden für immer ausradiert“, weil in LXX nur die Zwei-Wort-Variante belegt sei: LXX würde zwei Ein-Wort-Konflationen bezeugen; die gesamte Zeile muss man daraus rekonstruieren, und &#039;&#039;l´wlm&#039;&#039; wird man hier weit eher mit-rekonstruieren, weil dies Wort erst Grund für den Ausfall von &#039;&#039;´wlm&#039;&#039; gewesen wäre.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Aber die Nachkommenschaft von Frevlern wird abgeschnitten. {{par|Psalm|21|10}} {{par|Psalm|55|23}} {{par|Jesaja|14|21}} {{par|Baruch|4|1}}&lt;br /&gt;
{{S|29}} Die Gerechten werden besitzen (in Besitz nehmen) das Land (die Erde) {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}}&lt;br /&gt;
_Und für ewig&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;für ewig&#039;&#039; - eine Art break up-Parallelismus: Die häufige Fügung &#039;&#039;le´olam wa´ed&#039;&#039; („für immer und ewig“) wird aufgebrochen und als „für immer“ und „für ewig“ auf 28c und 29b verteilt, so dass sie das erste und vorletzte Wort dieser Strophe sind. Bemerkenswert ist außerdem, dass „für immer“ bereits in 27b stand, dort ebenfalls mit dem Vb. „wohnen“: „Wohne für immer“ (V. 27) – „für immer werden sie bewahrt“ (V. 28) – „und sie werden wohnen für ewig darin“ (V. 29). Dass ist zu auffällig, als dass es Zufall sein könnte, und die mittlere Klausel ist darüber hinaus gerade jene, wegen der V. 28c nicht mit `Ajin beginnt (s. vorige FN) – was mit dieser Formulierung zum Ausdruck gebracht werden soll, verstehe ich (S.W.) aber nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; wohnen darin.&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|30}} [&#039;&#039;&#039;Q&#039;&#039;&#039;] Der Mund des Gerechten redet (Weisheit=) Weises &lt;br /&gt;
_Und seine Zunge spricht (Recht=) Rechtes, {{par|Sprichwörter|10|31}}&lt;br /&gt;
{{S|31}} [Weil] die (&#039;&#039;torah&#039;&#039;=) Weisung seines Gottes in seinem Herzen [ist], {{par|Psalm|119|11}} {{par|Psalm|119|34}} {{par|Jeremia|31|33}}&lt;br /&gt;
_[Drum]&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[Drum]&#039;&#039; - So nach LXX, Sym, VUL, Syr, Saadja, 1 Ms. Dagegen 4QpPs, Tg und Hier stützen MT. Für ursprünglich halten die Variante mit &#039;&#039;w-&#039;&#039; z.B. auch Herkenne 1936; Craigie 1983; Ross 2011. Es ist aber gar nicht notwendig, dass &#039;&#039;w-&#039;&#039; ursprünglich zum Text gehörte; der vlS in 31 kann auch ohne &#039;&#039;w-&#039;&#039; Protasis von 31b gewesen sein und ist sicher so gedacht, da man Vv. 30f. sonst als Trikolon + Monokolon analysieren müsste.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird sein Schritt nicht wanken. {{par|Psalm|17|5}} {{par|Sprichwörter|4|4}} {{par|Baruch|4|1}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|32}} [&#039;&#039;&#039;R&#039;&#039;&#039;] Der Frevler lauert auf den Gerechten&lt;br /&gt;
_Und versucht, ihn zu töten. {{par|Psalm|10|8|10}} {{par|Jeremia|20|10}}&lt;br /&gt;
{{S|33}} JHWH wird ihn nicht seiner (Hand=) Gewalt überlassen&lt;br /&gt;
_Und nicht verurteilen&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;verurteilen&#039;&#039; - Wortspiel mit 32a: „verurteilen“ ist w. „zum Frevler machen=erklären“. Böhler 2021 sinngemäß richtig: „er wird nicht zulassen, dass man ihn für Frevels schuldig erklärt“, was als Übersetzung der Zeile aber ja ganz den Witz nimmt.&amp;lt;/ref&amp;gt; lassen, wenn er gerichtet wird.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;wenn er gerichtet wird&#039;&#039; - nämlich vor dem Gericht, vor das der Frevler ihn offenbar stellen will (so z.B. Hitzig 1863; Herkenne 1936; Kissane 1953). Das scheint zu bedeuten, dass „Gerechte“ nie zu Unrecht verurteilt werden und ist dann ähnlich schwer zu akzeptieren wie V. 25. Ross 2011 versucht, den Vers zu retten mit der Deutung, gemeint sei: „Auch, wenn er zu Unrecht verurteilt wird, sieht ihn immerhin &#039;&#039;JHWH&#039;&#039; nie als verurteilenswert an.“ (vgl. VUL, Hier: „Er wird ihn nicht &#039;&#039;verdammen&#039;&#039;, auch, wenn über ihn geurteilt wird“. Vgl. auch [[Römer 8#s33 |Röm 8,33f.]]). Aber, böse gefragt: Was soll das bringen? Was durch den ganzen Psalm hindurch versprochen wird, ist ja innerweltliches Heil; auch hier muss man dann erwarten, dass von einem solch „weltlichen“ Segen die Rede ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|124|6|7}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|34}} [&#039;&#039;&#039;S&#039;&#039;&#039;] Hoffe auf JHWH und achte auf seinen Weg, {{par|Ijob|17|9}} {{par|Ijob|23|11}} {{par|Sprichwörter|20|22}}&lt;br /&gt;
_Dann wird er dich [dazu] erhöhen, zu besitzen (in Besitz zu nehmen) das Land (die Erde). {{par|Psalm|92|10}} {{par|Psalm|112|9}} {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}} {{par|Matthäus|5|5}} {{par|Lukas|14|11}} {{par|1 Petrus|5|6}}&lt;br /&gt;
Wenn abgeschnitten&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;abgeschnitten&#039;&#039; - Wieder das selbe Wortspiel wie in V. 9: „Binde dich an = Hoffe auf JHWH“ vs. „die Frevler werden abgeschnitten = getötet werden“.&amp;lt;/ref&amp;gt; werden die Frevler, wirst du&#039;s sehen (auf das Abgeschnitten-Werden der Frevler wirst zu blicken können). {{par|Psalm|52|8}} {{par|Psalm|91|8}} {{par|Psalm|92|12}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|35}} [&#039;&#039;&#039;T&#039;&#039;&#039;]&amp;lt;ref&amp;gt;Klangspiel: Im Heb. beginnt der V. wie erwartet mit &#039;&#039;r&#039;&#039;. Dieser Konsonant durchzieht aber den ganzen Vers, gemeinsam mit dem Konsonanten `Ajin: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;a`iti &#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;aša&#039;&#039;&#039;´&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;´&#039;&#039;&#039;a&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;iṣ / umit&#039;&#039;&#039;´&#039;&#039;&#039;a&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;eh ke`e&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;ez ha&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;a&#039;&#039;&#039;´&#039;&#039;&#039;anan&#039;&#039;. Ist der Ps sehr jung, könnte auch Alef in &#039;&#039;ra`iti&#039;&#039; und &#039;&#039;ke`erez&#039;&#039; ähnlich wie ´Ajin geklungen haben. Resch und ´Ajin sind die Konsonanten für &#039;&#039;ra´&#039;&#039; („Übles, Böses“): Wie die ausladenden Äste einer Zeder hat sich hier der Böse über den ganzen Vers ausgebreitet und alles mit seinen Wurzeln durchdrungen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ich sah [einmal] einen gewaltigen Frevler,&lt;br /&gt;
_[Der] aufschoss wie eine Zeder im Saft (der sich entblößte wie ein Angestammter im Saft?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;der aufschoss (der sich entblößte)&#039;&#039; - Heb. &#039;&#039;mit´areh&#039;&#039;, auf den ersten Blick: „der sich entblößte“. Rhotatizismus für &#039;&#039;mit´aleh&#039;&#039; („der aufschoss“), das auch in [[Jesaja 55#s13 |Jes 55,13]]; [[Ezechiel 47#s12 |Ez 47,12]] von Bäumen gesagt wird (vgl. Fitzgerald 1978, S. 486; Craigie 1983).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Zeder im Saft (Angestammter im Saft)&#039;&#039; -  Für das &#039;&#039;`ezraḥ ra´anan&#039;&#039; („Angestammter im Saft“) in MT, Hier lies nach LXX, VUL &#039;&#039;ke`erez hara´anan&#039;&#039; („Zeder im Saft“, vgl. {{hebr}}אזרח רענן{{hebr ende}} mit {{hebr}}ארז הרענן{{hebr ende}}). So z.B. auch Wellhausen 1895; Terrien 2003; Perdue 1977, S. 334; Stolz 1983, S. 62; Gies 2018, S. 2018. Noch weit mehr wollen ganz LXX und VUL folgen und „Zedern des Libanon“ lesen (z.B. Seybold 1996; Broyles 1999; Witte 2013, S. 418), aber das wäre graphisch weit von MT entfernt und „Zedern &#039;&#039;des Libanon&#039;&#039;“ ist eine leicht erklärliche stilistische Variante von „Zedern im Saft“, da Libanon-Zedern berühmt und der Libanon bekannt für seine Fruchtbarkeit waren (s. bes. klar [[Ezechiel 31#s3 |Ez 31,3]], auch [[1 Könige 4#s33 |1 Kön 4,33]]; [[Psalm 29#s5 |Ps 29,5]]; [[Psalm 92#s13 |92,13]]; [[Psalm 104#s16 |104,16]]; [[Jesaja 2#s13 |Jes 2,13]]; [[Jesaja 37#s24 |37,24]]).&amp;lt;br /&amp;gt;Tg und Syr sind nicht eindeutig zuzuordnen: Beide übersetzen mit „Bäume“ (Tg: „fest gepflanzter Baum mit dichter Krone“, Syr: „Bäume im Wald“). Viele Neuere nehmen an, dass „Angestammter“ auch ein Ausdruck für heimische Bäume sein könne (z.B. Cheung 2015, S. 64: „per Wortspiel“; besser Maurer 1838, der auf einen verwandten arabischen Sprachgebrauch verweist). Ist das wahr, könnten Tg und Syr auch MT bezeugen. Aber wahrscheinlich ist es nicht; für einen solchen Sprachgebrauch im Hebräischen fehlt jede Parallele.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|1|3}} {{par|Jesaja|44|4}} {{par|Jeremia|17|8}} {{par|Ezechiel|19|10}}&lt;br /&gt;
{{S|36}} Ich ging [wieder] vorüber (und man ging vorüber, und er ging hinüber),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT&#039;s &#039;&#039;wj`br&#039;&#039; („und man/er ging vorüber“) wird nur von Sym und Tg gestützt; dagegen 4QpPs, LXX, VUL, Hier (!) und Syr haben alle &#039;&#039;`´br&#039;&#039; („ich ging vorüber“). 4QpPs hat wahrscheinlich sogar V. 10 an diese Stelle angeglichen. Eine Änderung von &#039;&#039;wj`br&#039;&#039; nach &#039;&#039;`´br&#039;&#039; ließe sich zwar leicht als Angleichung an das Vb. in 36b erklären; ebenso gut aber eine umgekehrte Änderung als Angleichung an 35b. Die neuesten Kommentatoren und Üss. folgen überwiegend MT (z.B. Terrien 2003; Goldingay 2006; Ross 2011; Böhler 2021; Tiquillahuanca 2008, S. 18; Witte 2013, S. 418; Cheung 2015, S. 57; Ruiz 2015, S. 19), aber das Zeugnis für 1. Prs. ist hier zu stark.&amp;lt;br /&amp;gt;4QpPs und VUL haben außerdem beide noch eine ähnliche, unerklärliche Ergänzung: 4QpPs: „ich zog &#039;&#039;vor ihm&#039;&#039; vorüber“, VUL: „&#039;&#039;sein Ort&#039;&#039; ließ sich nicht finden“. Könnte VUL &#039;&#039;lepanajw&#039;&#039; mit „sein Ort“ übersetzt haben? Dann bezeugten beide das selbe Plus. Noch einmal nachweisen lässt sich dies aber nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; und, siehe!, er war nicht mehr [da],&lt;br /&gt;
_Und ich suchte ihn, aber er ließ sich nicht finden.{{par|Jesaja|10|18|19}} {{par|Jesaja|10|33|34}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|37}} [&#039;&#039;&#039;U&#039;&#039;&#039;] Achte [also] auf den Aufrechten (Aufrichtigkeit) und sieh auf den Integren (strebe nach/weide Integrität),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Aufrechter (Aufrichtigkeit)&#039;&#039; + &#039;&#039;Integrer (Integrität)&#039;&#039; - Variante 1 jeweils nach MT, Tg, Syr, Variante 2 jeweils nach LXX, VUL, Hier; jeweils werden nur die selben Konsonanten unterschiedlich vokalisiert. Wählt man Variante 2, nimmt man „auf etwas schauen“ besser i.S.v. „streben nach“, oder man nimmt mit Syr &#039;&#039;r`h&#039;&#039; („sehen“) als NF von &#039;&#039;r´h&#039;&#039; („weiden“; ähnlich z.B. Broyles 1999: „shepherd faithfulness“), vgl. V. 3b. Die NF würde natürlich verwendet für das Wortspiel, dass dann „weiden“ gleichzeitig als „sehen“ parallel ginge mit dem vorangehenden „im Blick behalten“.&amp;lt;br /&amp;gt;Var 2 z.B. LUT: „Bleibe fromm und halte dich recht“ (auch H-R, PAT, TUR, van Ess, ZÜR 31 [nicht mehr ZÜR 07]); Var 1 z.B. EÜ: „Achte auf den Lauteren und sieh auf den Redlichen“ (so die meisten Üss.). Schön BB: „Halte dich an den, der vorbildlich lebt! Schau auf den, der sich aufrichtig verhält!“ So schon Raschi: „Nimm den Unschuldigen genau in Blick, um von seinen Taten zu lernen“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Denn ein Mann des Friedens hat Zukunft (Nachkunft)&lt;br /&gt;
{{S|38}} Aber Sünder werden sämtlich ausradiert,&lt;br /&gt;
_Die Zukunft (Nachkunft) von Frevlern wird abgeschnitten. {{par|Ijob|18|19}} {{par|Sprichwörter|2|22}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|39}} [&#039;&#039;&#039;V&#039;&#039;&#039;] {Aber}&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT, LXX, VUL und Tg haben oder setzen alle ein &#039;&#039;w-&#039;&#039; („aber“) zu Versbeginn voraus. Dann begänne auch dieser Vers nicht mit dem zu erwartenden Buchstaben. Hier, Syr und wenige Mss aber haben dieses &#039;&#039;w-&#039;&#039; nicht; für ursprünglich halten diese Variante z.B. auch Wellhausen 1895, BHS, Witte 2013, S. 418.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Rettung der Gerechten [wird kommen] von JHWH,&lt;br /&gt;
_Ihrer Zuflucht zur Zeit der Bedrängnis,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Bedrängnis&#039;&#039; - Wortspiel: &#039;&#039;ṣarah&#039;&#039; („Bedrängnis“) klingt sehr ähnlich wie &#039;&#039;zera´&#039;&#039; („Nachkommenschaft“). Für den Frommen schimmert selbst in der Bedrängnis die heilvolle Zukunft durch.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Jeremia|14|8}} {{par|Jeremia|16|19}}&lt;br /&gt;
{{S|40}} Und es wird helfen (hilft) ihnen JHWH und sie befreien (befreit sie),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT hat 2x Wayyiqtol, was nur für Vergangenheit oder Gegenwart verwendet werden kann und schlecht mit Yiqtol im folgenden Vers zusammenstimmt, was aber auch von Syr gestützt wird. Besser vokalisiert man mit LXX, VUL, Hier und den meisten Tg-Mss beide Male als WeYiqtol; so richtig Zuber 1986.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
_Er wird sie befreien von Frevlern und retten,&lt;br /&gt;
Weil sie sich zu ihm geflüchtet haben.&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
Ps 37 gehört (gemeinsam mit md. [[Psalm 1 |Ps 1]]; [[Psalm 49 |49]]; [[Psalm 73 |73]]; [[Psalm 112 |112]]; [[Psalm 127 |127]]; [[Psalm 128 |128]]; [[Psalm 133 |133]]) zu den sogenannten „Weisheitspsalmen“. Die Funktion dieser Weisheitspsalmen ist ein Rätsel: Offensichtlich ist Ps 37 nicht verfasst worden, damit man ihn bete, sondern ein konkreter Gegenüber wird angesprochen, um ihn mit einer Reihe von Weisheitslehren zu ermahnen, wie sie auch im Buch der Sprichwörter stehen könnten (und zum Teil auch stehen, vgl. oben die Spr-Parallelstellen, die teilweise fast wörtlich einzelnen Zeilen des Psalms entsprechen). Warum eine solche Weisheitslehre aber im Buch der Psalmen und nicht im Buch der Sprichwörter steht, ist schwer erklärlich. Vielleicht ist er nur ins Psalmenbuch aufgenommen worden, weil man schon früh angenommen hat, sein Verfasser sei David gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ps 37 kreist besonders um ein Sprichwort, das refrainartig in mehreren Variationen wiederholt wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Personengruppe A wird das Land besitzen,&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Personengruppe B aber wird abgeschnitten werden!&#039;&#039; (Vv. 9.11.22.28.29.34.38)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Personengruppe A wird dabei immer wieder bezeichnet als „die Gerechten“ und außerdem wechselnd als „die auf JHWH Hoffenden“ (V. 9), „die Elenden“ (V. 11), „die Unterdrückten und Bedürftigen“ (V. 14a), „die, die rechten Wandels sind“ (V. 14b), „die Makellosen“ (V. 18), „die von Gott Gesegneten“ (V. 22), „Gottes Fromme“ (V. 28), „Männer des Friedens“ (V. 37) und wahrscheinlich als „die Aufrechten“ und „die Integren“ (V. 37), Personengruppe B immer wieder als „die Frevler“ und außerdem wechselnd als „die Bösewichter“ (Vv. 1.9), „die Übeltäter“ (V. 1), „die Intriganten“ (V. 7), „die Feinde Gottes“ (V. 20), „die von Gott Verfluchten“ (V. 22), und „die Sünder“ (V. 38).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;Grundannahme&#039;&#039;&#039; ist danach schon klar: Wer nicht gottgefällig lebt, den wird dereinst Gott töten und seine Nachkommenschaft ausrotten, wer es dagegen tut, wird dereinst „das Land besitzen“ – weil ja niemand sonst mehr übrig ist.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der größte Teil des Psalms erklärt sich schon hieraus: In &#039;&#039;&#039;Vv. 1-6&#039;&#039;&#039; wird der Angesprochene ermahnt, gottgefällig zu leben, weil Gottgefälligkeit von Gott belohnt werden wird. In &#039;&#039;&#039;Vv. 7-8&#039;&#039;&#039; wird die Mahnung noch einmal wiederholt, die Begründung aber wird in &#039;&#039;&#039;Vv. 9-11&#039;&#039;&#039; dazu entfaltet, dass Gottgefälligkeit belohnt, Übeltäterei aber bestraft wird, so dass am Ende „der Übeltäter nicht mehr da ist, die Elenden dagegen das Land besitzen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;&#039;Vv. 12-15&#039;&#039;&#039; wird entweder ein Beispiel für die Übeltäterei der Frevler herausgegriffen oder aber es wird nun endlich dasjenige genannt, was die Übeltäter eigentlich zu Übeltätern macht. Ersteres ist wahrscheinlicher, s. zu V. 21. Man hat aus diesen Versen ableiten wollen, die konkret gemeinte Übeltat sei Ausbeutung: offenbar würde Personengruppe A von Personengruppe B ausgebeutet – v.a., indem sie ihnen das Land rauben – und der Psalm sei also auch sozialkritisch. Aber das einzige, was das eventuell nahelegen könnte, ist die Bezeichnung „Bedürftige“ in 14c, denn was tatsächlich konkret von Personengruppe B berichtet wird, ist gerade nicht Ausbeutung, sondern ist ein Mordversuch. Und das passt zur Bezeichnung „Bedürftige“: Als solche werden im AT nämlich &#039;&#039;nicht&#039;&#039; nur sozial Schwache bezeichnet, sondern häufig „[gelten] als Symptome des ‚Armseins vor Gott‘ [...]: böse Widerfahrnisse ([[Psalm 40#s13 |Ps 40,13]]), Verachtung ([[Psalm 69#s9 |Ps 69,9]]), Verfolgung ([[Psalm 35#s1 |Ps 35,1ff.]]; [[Psalm 109#s2 |109,2ff.]]), Krankheit ([[Psalm 109#s22 |Ps 109,22ff.]]), Todesverfallenheit ([[Psalm 88#s4 |88,4ff.]]) u.a.“ (THAT I 24). Von anderen Personen bedroht zu werden, liegt genau auf dieser Linie, und dagegen, dass Personengruppe A ausgesprochen arm ist, sprechen ja explizit Vv. 21.26. Personengruppe B ist zwar offensichtlich wirklich reicher als Personengruppe A (V. 16), aber was sich aus Vv. 12-15 herauslesen lässt, ist erst mal nur: Anscheinend wird Personengruppe A von Personengruppe B bedroht, was denn auch deren Zürnen gegen diese (Vv. 1.7) und das Hoffen und Vertrauen auf JHWH (Vv. 3.5) erklärt. Und dieser, so heißt es direkt im Anschluss wird auch wirklich handeln: Nach &#039;&#039;&#039;Vv. 16-20&#039;&#039;&#039; hat Personengruppe B gar nichts von ihrem Überfluss, denn, wieder: Frevler wird Gott wie Rauch vergehen lassen, Gottgefällige und sogar auch ihre Nachkommen dagegen auf ewig bewahren.&amp;lt;br /&amp;gt;In &#039;&#039;&#039;Vv. 21-26&#039;&#039;&#039; wird ein weiteres Symptom des Frevler-Seins vs. Gerecht-Seins genannt: Zum Frevler-Sein gehört auch, geliehenes Geld nicht zurückzuzahlen, zum Gerecht-sein auch, sogar mildtätig zu sein, also offenbar: Geld zu verschenken. Das ist sicher nicht das Entscheidende, das einen Frevler zum Frevler und einen Gerechten zum Gerechten macht; offenbar sollen also mit Vv. 12-14 und Vv. 21.26 je ein &#039;&#039;Beispiel&#039;&#039; für Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit genannt werden: Mildtätig zu sein einerseits und gewaltbereit zu sein andererseits. Man wähle das eine und meide das andere, denn, wieder: Die einen werden dereinst „das Land besitzen“, die anderen „abgeschnitten werden“. So war es immer und so wird es immer sein, kann der Dichter aus Erfahrung berichten (V. 25). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Spätestens dieser Vers ist schwere Kost in unserer theodizee-geschulten Zeit: Es lässt sich ja leicht überprüfen, dass dem &#039;&#039;nicht&#039;&#039; so ist – dass Gerechte immer von Gott gesegnet und Ungerechte immer von Gott bestraft würden. Es lohnt sich, hier eine längere Passage von Goldingay 2006, S. 534 zu zitieren:&amp;lt;br /&amp;gt;„Kommentatoren betonen häufig, dass man Ps 37 mit den weniger optimistischen Texten im Buch Ijob oder den Aussprüchen Jesu zusammenlesen müsse. Das ist ein Code für: Ps 37 ist nicht wahr. Ps 37 soll damit ins Abseits gestellt werden. Und man irrt damit darüber hinaus in mehrerlei Hinsicht: Die Perspektive des Psalms wird durch die Geschichte von Ijob zu Beginn und am Ende ja &#039;&#039;bestätigt&#039;&#039;, nicht negiert, und Jesus stützt sie ebenfalls, wenn er die Menschen ermutigt: ‚Strebt zuvorderst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, und all dies – Essen, Trinken, Kleidung, ... – wird euch dann ebenfalls geschenkt werden‘ ([[Matthäus 6#s33 |Mt 6,33]]). Jesus übernimmt sogar einen der Segenssprüche in V. 11 [s. [[Matthäus 5#s5 |Mt 5,5]]...]. Psalm 37 anerkennt explizit, dass es nicht immer so geschieht – es ist ja sogar so, dass der Psalm gar nicht geschrieben werden müssen hätte, wenn dem nicht so wäre. Aber er besteht darauf, dass negative Erfahrungen den Glaubenden nicht um die Überzeugung bringen dürfen, dass Gott sich dennoch wirklich dafür engagiert, dass die moralische Ordnung der Welt ‚funktioniert‘.“&amp;lt;br /&amp;gt;Psalm 37 ist dann keine theoretische Theodizee, er ist &#039;&#039;angewandte&#039;&#039; Theodizee. &#039;&#039;Warum&#039;&#039; die moralische Weltordnung nicht immer funktioniert, sagt der Psalm nicht (und sagt auch kein anderer Vers in der Bibel); aber er ermutigt angesichts dieser Problematik: Nichtsdestotrotz &#039;&#039;gibt&#039;&#039; es diese moralische Weltordnung, und es &#039;&#039;gibt&#039;&#039; das Grundprinzip, dass Gerechte gesegnet und Ungerechte bestraft werden. Sei standhaft und vertraue darauf! (Und man darf mit Kant ergänzen: Was sonst bleibt einem übrig? Ohne die Annahme, gutes Handeln werde einem auch vergolten, fehlt der Moral die entscheidende Triebfeder.)&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vv. 27-29&#039;&#039;&#039; wiederholen noch einmal die Grundannahme des Psalms und erweitert sie um die Dimension der Zeit: Gerechte werden gesegnet, – und zwar für immer (27b), für immer (28c) und für ewig (29b).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Vv. 30-34&#039;&#039;&#039; konkretisieren diese Gerechtigkeit noch ein wenig mehr: Gerecht sein heißt, sich von der Weisheit leiten zu lassen: Weisheit im Mund, Recht auf der Zunge und Weisung Gottes im Herzen zu haben. – Gerechtigkeit ist nicht nur eine Frage des Handelns, sondern auch des Redens und Denkens: Auch dies soll gottgefällig sein; Gott wird es lohnen. Und noch ein letztes Mal wird das selbe in &#039;&#039;&#039;Vv. 35-40&#039;&#039;&#039; wiederholt: Man achte darauf, wen man sich zum Vorbild nimmt. So gewaltig ein Frevler auch scheinen mag: Allzu schnell kann er dahin sein, wie der kleine Erfahrungsbericht des Dichters in Vv. 35f. lehrt. Man halte sich daher besser Aufrechte, Gerechte und Männer des Friedens, denn solche wird Gott zur Zeit der Bedrängnis „retten, ihnen helfen und sie befreien, wenn sie sich zu ihm flüchten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Psalm_37&amp;diff=40207</id>
		<title>Psalm 37</title>
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		<updated>2025-10-30T19:28:59Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Anführungszeichen&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Zuverlässige Studienfassung}}&lt;br /&gt;
{{Lesefassung kann erstellt werden}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Lesefassung}} &#039;&#039;(kommt später)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
{{S|1}} &#039;&#039;Von David (Für David, Aus der Davids-Sammlung)&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Von David (Für David, Aus der Davids-Sammlung)&#039;&#039; steht in vielen Psalm-Überschriften: in 73 Überschriften der hebräischen Bibel und sogar in 87 Überschriften des LXX-Psalters. Am besten deutet man sie als Angabe des Verfassers David, nimmt diese Angabe aber nicht historisch, sondern z.B. mit Childs 1971 als alte, aber spätere Interpretationen des folgenden Psalms, die für eine adäquate Auslegung desselben ignoriert werden muss. S. genauer zu [[Psalm 3#s1 |Ps 3]].&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Wie häufig in den Ps-Überschriften sind auch hier die Zeugnisse in den Überschriften in den alten Vrs. nicht einheitlich: Einige gr. Zeugen ergänzen „Psalm (Davids)“, einige neben &#039;&#039;leDavid&#039;&#039; auch &#039;&#039;la-mnaṣeaḥ&#039;&#039; („für den Chorleiter / Ritualvorsteher / ...(?)“), einige beides. Ursprünglich sind diese Varianzen sicher nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;[&#039;&#039;&#039;A&#039;&#039;&#039;]&amp;lt;ref&amp;gt;Ps 37 ist ein sog. „akrostischer“ Psalm: I.d.R. jede vierte Zeile beginnt in alphabetischer Reihenfolge mit einem neuen Buchstaben. [https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb10311823?page=244 Ewald] hat das kongenial im Deutschen nachgeahmt. Einige Unregelmäßigkeiten gibt es bei der Zahl der Zeilen einer solchen alphabetischen Strophe, die einzige größere Unregelmäßigkeit findet sich in V. 28, wo der erwartete Buchstabe nicht steht (s. dort), und evt. in V. 23 und V. 39, wo jeweils manche Versionen einen Text bezeugen, der „nicht ganz“ mit dem korrekten Buchstaben beginnt (s. dort).&amp;lt;/ref&amp;gt; (Brenne=) Zürne Bösewichtern nicht (Wetteifere nicht mit&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Wetteifern&#039;&#039; - So Hieronymus mit dem selben Wort, mit dem er in VUL das &#039;&#039;zweite&#039;&#039; Vb. übersetzt, und Saadja. Vgl. außerdem Tg, Ms M: „begehre nicht nach den Übeltätern“, Syr: „sei nicht neidisch auf Übeltäter“. Vgl. schließlich noch b.Ber 7b: Man solle nicht lesen &#039;&#039;titḥar&#039;&#039; („zürne“), sondern &#039;&#039;teqanne`&#039;&#039; („wetteifere“). Das könnte einen alternativen Wortlaut nahelegen, aber vergleicht man dann noch die Kommentare von Saadja und ibn Ezra, sieht man, dass es &#039;&#039;dieses&#039;&#039; Wort war, dem sie diese Bed. gegeben haben – vielleicht aber ausgehend von der Variante in Tg, Ms M (&#039;&#039;trgg&#039;&#039; statt &#039;&#039;tgrg&#039;&#039;).&amp;lt;/ref&amp;gt;),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Auslegungsgeschichte&#039;&#039;&#039;: Keine Banalität; in der jüd. Auslegungsgeschichte hat man sogar explizit gegen diesen Vers Einspruch erhoben: b.Meg 6b + b.DER 2,29: „Es ist erlaubt, gegen Übeltäter zu eifern. Sollte dir jemand zuflüstern: ‚Zürne Bösewichtern nicht und beneide Übeltäter nicht‘ – nur, wer sich selbst schuldig fühlt, würde so etwas sagen.“ Jedoch: Gerade das soll der Angesprochene nicht tun, und dies ist gottgefällig.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Sprichwörter|24|19}}&lt;br /&gt;
_([und])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[und]&#039;&#039; - So viele MSS; u.a. einige wichtige und alte Handschriften (z.B. G5, G7, G11, G20, KA1; zu den Handschriften-Siglen s. die Seite [https://offene-bibel.de/wiki/Benutzer:Sebastian_Walter/Wichtige_MSS Wichtige Handschriften]). Die alten Vrs. stützen aber L. &amp;lt;/ref&amp;gt; Beneide Übeltäter nicht, {{par|Psalm|73|3}} {{par|Sprichwörter|3|31}} {{par|Sprichwörter|23|17}} {{par|Sprichwörter|24|1}} {{par|Sprichwörter|24|19}}&lt;br /&gt;
{{S|2}} denn wie {das} Gras werden sie schnell verdorren &lt;br /&gt;
_Und wie grünes Kraut werden sie eingehen! {{par|Ijob|8|12}} {{par|Psalm|90|5|6}} {{par|Psalm|103|15|16}} {{par|Psalm|129|6}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|3}} [&#039;&#039;&#039;B&#039;&#039;&#039;] Vertraue auf JHWH und tue Gutes, {{par|Psalm|4|6}} {{par|Psalm|26|1}}&lt;br /&gt;
_Bewohne das Land (die Erde) und weide (so wirst du weiden können) Treue ((in) Sicherheit, weide treu/sicher, weide dich an seinen Schätzen, strebe nach Treue);&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Treue weiden&#039;&#039; - Etwas unklare Metapher. Klar ist immerhin, dass V. 3 mit V. 2 spielt: Wie die Übeltäter „wie Gras“ verschwinden werden, wird der Angesprochene dagegen „weiden“ können. Wahrscheinlich ist dies außerdem ein Wortspiel: &#039;&#039;re´eh&#039;&#039; („weide“) klingt im jüngeren Bibelhebräisch fast identisch mit &#039;&#039;re`eh&#039;&#039; („sieh“), also „und sieh Treue“ = „und du wirst [Gottes] Treue sehen=erfahren können!“ (vgl. V. 34: „Du wirst’s sehen“).&amp;lt;br /&amp;gt;Was näherhin die Bed. angeht, bieten sich vier Deutungen an:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Der Angesprochene erscheint wie in [[Psalm 23 |Ps 23]] als Schaf, daher: „Friss Treue“ = Gott wird dich in seiner Treue sättigen / mit seiner Treue regelrecht abfüllen. So schon VUL: „Weide dich an der Treue [Gottes]“; Cheung 2015, S. 54: „Graze on faithfulness“; ELB.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Ebenso, daher aber: „Friss in Sicherheit“, weil du dabei nicht mehr von den eingegangenen Übeltätern gestört und bedroht werden wirst. So z.B. Tiquillahuanca 2008, S. 11: „Bewohne das Land und beweide (es) in Sicherheit!“; Ruiz 2015, S. 17: „Weide in Sicherheit!“; z.B. auch HER05, TUR.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Der Angesprochene erscheint als Hirte, die „Treue“ als die Herde, die er „weiden“ = „pflegen“ soll: „Kultiviere deine Treue zu Gott“ = „Werde immer treuer“. So Tg: „Befleißige dich der Treue“; Syr: „Strebe nach Treue“; z.B. auch Witte 2013, S. 415: „Hege Treue!“. So die meisten Üss., z.B. BB, EÜ, HfA, LUT, MÜN, NeÜ, NGÜ, SLT, ZÜR.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Duhm 1899 vergleicht gut das häufige Nomen &#039;&#039;re´ut&#039;&#039; in Kohelet, das „Streben, Haschen“ zu bedeuten scheint. &#039;&#039;ra´ah&#039;&#039; müsste dann entsprechend ebenfalls „streben“ bedeuten können (Duhm: „erstrebe treue“ &amp;gt; „übe Treue“).&amp;lt;br /&amp;gt;Liest man V. 3 mit V. 4 zusammen, ist (1) am wahrscheinlichsten; „friss Gottes Treue“ ≙ „Gott wird dir die Bitten deines Herzens gewähren“. 3b nimmt man dann am besten als Folge-Imperative, also nicht „Bewohne...!“, sondern „dann wirst du bewohnen können“ (richtig von Lengerke 1847, Graetz 1882, Kissane 1953).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Fast alle Vrs. wie in der Primär-Üs., nur LXX + VUL: „Weide dich an seinen Reichtümern“, was statt &#039;&#039;`emunah&#039;&#039; („Treue, Sicherheit“) &#039;&#039;ḥamoneh&#039;&#039; („seine Menge/Schätze“) voraussetzt. So z.B. H-R: „Dann bleibst du im Land und genießt seine Güter“. Fast sicher soll dies aber nur das etwas schwierige Bild vereinfachen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|4}} Sei über JHWH entzückt (hab deine Wonne an JHWH),&amp;lt;ref&amp;gt;Anstatt gegen Übeltäter zu zürnen. Gut Goldingay 2006, S. 520: „The remedy for negative feelings that come from looking at others is to look at Yhwh and let appropriate feelings arise.“ Vgl. aber auch [[Ijob 34#s9 |Ijob 34,9]], wo sich erkennen lässt, dass das „Entzückt-sein“ über JHWH in der Tat eine Tugend war, die man jemandem auftragen konnte; u.a. sicher, weil man seinem Entzücken Ausdruck verleihen konnte durch Jubel vor dem Altar Gottes u.ä. (s. [[Palm 43#s4 |Ps 43,4]]).&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|22|26}} {{par|Ijob|27|10}} {{par|Ijob|34|9}} {{par|Psalm|43|4}} {{par|Jesaja|58|14}}&lt;br /&gt;
_Dann wird er dir gewähren die Bitten deines Herzens. {{par|Psalm|21|3}} {{par|Psalm|145|19}} {{par|1 Könige|3|5}} {{par|2 Chroniken|1|17}} {{par|Matthäus|7|7}} {{par|Johannes|15|7}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|5}} [&#039;&#039;&#039;C&#039;&#039;&#039;] Wälze auf JHWH deinen Weg (deine Wege)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Wälze deinen Weg&#039;&#039; - Ausdruck dafür, das eigene Schicksal der Fürsorge Gottes anzuvertrauen, auf dass dieser sich darum kümmere; s. noch [[Psalm 22#s9 |Ps 22,9]]; [[Sprichwörter 16#s3 |Spr 16,3]]; [[1Petrus 5#s7 |1 Pet 5,7]]. Sinnvoll BB + NGÜ: „Lass den Herrn deinen Weg bestimmen“, TEX: „Stelle Jahwe dein Geschick anheim“.&amp;lt;br /&amp;gt;Vielleicht ein Wortspiel: Syr übersetzt „Mach deinen Weg gerade“, versteht „wälzen“ also offenbar als „glattwalzen“, was hier sicher nicht primär gemeint ist, aber sprachlich möglich ist. Wer seinen Weg „glattgewalzt“ hat, ist aber identisch mit dem mit „geradem Weg“ in V. 14.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: LXX, VUL, Tg lesen &#039;&#039;gl&#039;&#039; nicht wie MT, Hier und Syr als &#039;&#039;gol&#039;&#039; („Wälze“), sondern als &#039;&#039;gal&#039;&#039; („Offenbare“); Tg und einige Mss lesen außerdem die Konsonanten für „deinen Weg“ mit anderen Vokalen als Pl. „deine Wege“; also: „Tu Gott deine(n) Weg(e) kund!“ Was das bedeuten soll, wäre aber unklar; sicher hat es Gott ja nicht nötig, dass man ihm erst „seinen Weg offenbart“. Richtig hält dies auch keine dt. Üss. für ursprünglich.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Und vertrau auf ihn, dann wird er handeln: (dann wird er [dies] tun:) {{par|Psalm|22|32}} {{par|Matthäus|6|25|26}} {{par|1 Thessalonicher|5|24}}&lt;br /&gt;
{{S|6}} Er wird aufstrahlen lassen deine Gerechtigkeit wie {das} Licht&lt;br /&gt;
_Und dein Recht (deine Gerichtsentscheide)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;deine Gerichtsentscheide&#039;&#039; - so Syr und wenige Mss., die die Konsonanten von MT anders als L und die anderen Vrs. als Pl. vokalisieren. Angezielt war sicher der Sg.&amp;lt;/ref&amp;gt; wie {die} Mittag[shelle].&amp;lt;ref&amp;gt;Gut Hitzig 1863, S. 206: „Er wird deine Rechtschaffenheit glänzend sich herausstellen lassen durch entsprechendes äußeres Schicksal“. Vgl. ähnlich [[Jesaja 62#s1 |Jes 62,1]], wo nicht nur die Gerechtigkeit als die Ursache des „Strahlens“ genannt wird, sondern etwas verständlicher auch die Segenstat Gottes als die Folge dieser Gerechtigkeit: „bis Jerusalems Gerechtigkeit wie Lichtglanz leuchtet und seine Rettung wie eine lodernde Fackel.“ Vgl. auch [[Maleachi 4#s2 |Mal 4,2]]; [[Ijob 11#s14 |Ijob 11,14-17]]; [[Jesaja 60#s1 |Jes 60,1f.]]&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|11|17}} {{par|Jesaja|62|1}} {{par|Maleachi|4|2}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|7}} [&#039;&#039;&#039;D&#039;&#039;&#039;] Schweige vor JHWH und warte auf (tanze vor)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;warte auf (tanze vor)&#039;&#039; - Wortspiel durch mehrdeutiges Wort: Leitet man es ab von &#039;&#039;ḥil&#039;&#039; II (einer NF von &#039;&#039;jaḥal&#039;&#039;, vgl. Kittel 1914; Goldingay 2006; Cheung 2015, S. 54; Witte 2013, S. 416), bed. es „warten auf“, leitet man es ab von &#039;&#039;ḥil&#039;&#039; I, heißt es „tanzen vor“. Aufgerufen wird also zu einem sichtbaren Ausdruck der Vorfreude: „Tänzle vor JHWH!“&amp;lt;/ref&amp;gt; ihm, {{par|Psalm|4|5}} {{par|Psalm|39|2|3}} {{par|Psalm|62|2}}&lt;br /&gt;
_(Brenne=) Zürne nicht – wenn sein Weg gelingt –&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;wenn sein Weg gelingt&#039;&#039; - W. „wenn er seinen Weg zum Gelingen bringt“, im Gegensatz zu dir, der du deinen Weg JHWH anheim gestellt hast.&amp;lt;br /&amp;gt;Wortspiel: das Wort heißt auch „brennen“ (s. zu [[Amos 5#s6 |Am 5,6]]). Auch das Verb zu Beginn der Zeile heißt zunächst „brennen“, und die Konsonanten von &#039;&#039;`iš&#039;&#039; („Mann“) sind die selben wie von &#039;&#039;`eš&#039;&#039; („Feuer“). Wahrscheinlich soll damit nachgebildet werden – wie es in V. 8 dann auch explizit gesagt wird – dass man sich mit solchem „Entbrennen“ nur dem Übeltäter gemein macht: dem Hitzkopf, der sich durch das Leben brennt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Dem Mann, der Intrigen ausführt!&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|8}} [&#039;&#039;&#039;E&#039;&#039;&#039;] Lass ab vom (Brennen=) Zorn und gib auf den Grimm,&lt;br /&gt;
_(brenne=) zürne nicht, [es führt] nur zum Bösen (gar bis zum Bösen)!&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;nur zum Bösen&#039;&#039; - Schön verständlich Böhler 2021: „sonst tust du gar noch Böses!“&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|39|2}} {{par|Sprichwörter|14|29}} {{par|Sprichwörter|16|32}} {{par|Epheser|4|31}} {{par|Jakobus|1|19|20}}&lt;br /&gt;
{{S|9}} Denn Bösewichter werden abgeschnitten!&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;abgeschnitten&#039;&#039; - d.i. getötet; erstarrte Metapher, bei der das menschliche Leben als Textilie dargestellt wird (s. zu [[Ijob 4#s21 |Ijob 4,21]]).&amp;lt;br /&amp;gt;Wortspiel: Das Wort für „hoffen“ in 9b heißt auch „binden“ und ist damit der Gegensatz zum „abgeschnitten-Werden“: Wer auf JHWH hofft = bindet, wird nicht abgeschnitten = getötet.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Heb. &#039;&#039;jikkaretun&#039;&#039; statt &#039;&#039;jikkaretu&#039;&#039; (wie in Ps 37,22), das &#039;&#039;-n&#039;&#039; (ein sog. „paragogisches Nun“) macht das Wort wahrscheinlich noch emphatischer (GKC §47m; JM §44e). Daher oben das Ausrufezeichen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Wer aber auf JHWH hofft, der&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Der&#039;&#039; - Heb. &#039;&#039;hemmah&#039;&#039;, Wortspiel mit &#039;&#039;ḥemmah&#039;&#039; („Grimm“) in V. 8: Nicht der &#039;&#039;Grimmende&#039;&#039; wird das Land besitzen, sondern nur &#039;&#039;derjenige&#039;&#039;, der sich ganz auf JHWH verlässt.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;hemmah&#039;&#039; würde man i.d.R. als Signal für den Beginn eines dritten Kolons nehmen; weil seine Existenz sich hier aber literarisch erklären lässt, sollte man V. 9 besser als Bikolon denn als Trikolon deuten.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird das Land (die Erde) besitzen (in Besitz nehmen). {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|10}} [&#039;&#039;&#039;F&#039;&#039;&#039;] Nur noch ein Weilchen, und der Frevler wird nicht mehr sein, {{par|Jesaja|29|17}} {{par|Jeremia|51|33}}&lt;br /&gt;
_[&#039;&#039;&#039;F&#039;&#039;&#039;] Und du wirst (ich werde)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Alle Vrs. wie MT, nur 4QpPs: „&#039;&#039;ich&#039;&#039; werde untersuchen“. Craigie 1983 hält dies für ursprünglich, aber wahrscheinlicher ist dies Assimilation an V. 36, wo 4QpPs ebenfalls anders als MT nicht „er ging vorüber“, sondern „&#039;&#039;ich&#039;&#039; ging vorüber“ hat. Dass hier sogar an diese Stelle assimiliert wird, macht noch wahrscheinlicher, dass dort „ich“ ursprünglich ist; s. dort.&amp;lt;/ref&amp;gt; den Ort, wo er war,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;den Ort, wo er war&#039;&#039; - W. „seinen Ort“; in dieser Bed. z.B. auch verwendet in [[Psalm 103#s16 |Ps 103,16]].&amp;lt;/ref&amp;gt; untersuchen, aber er wird nicht [da] sein.&amp;lt;ref&amp;gt;Gut erklärt von Ruiz 2015, S. 29: „Nur noch ein Weilchen“ = „es dauert nicht mehr lang“; „und &#039;&#039;du&#039;&#039; wirst den Ort untersuchen“ = „auf jeden Fall wird es noch geschehen, während du lebst“.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|8|18}} {{par|Ijob|20|9}} {{par|Psalm|103|16}}&lt;br /&gt;
{{S|11}} [&#039;&#039;&#039;F&#039;&#039;&#039;] Aber die Elenden (Armen) werden das Land (die Erde) besitzen (in Besitz nehmen) {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}} {{par|Matthäus|5|5}}&lt;br /&gt;
_[&#039;&#039;&#039;F&#039;&#039;&#039;] Und entzückt sein über die (ihre Wonne haben an der) Fülle des Friedens (Wohlergehens, Heil-Seins). {{par|Psalm|72|7}} {{par|Jesaja|54|13}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|12}} [&#039;&#039;&#039;G&#039;&#039;&#039;] Der Frevler sinnt gegen den Gerechten {{par|Psalm|31|14}} {{par|Micha|2|1}}&lt;br /&gt;
_Und knirscht gegen ihn mit den Zähnen. {{par|Psalm|35|16}} {{par|Klagelieder|2|16}}&lt;br /&gt;
{{S|13}} Der Herr (JHWH)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Der Herr (JHwH)&#039;&#039; - Die einzige Stelle im Ps., wo explizit gesagt wird, dass &#039;&#039;Gott&#039;&#039; am Übeltäter handeln wird; sonst werden sicher bewusst Passiv-Formulierungen u.ä. verwendet (s. die Anmerkungen). Gleichzeitig die einzige Stelle, wo auffällig nicht der Gottesname „JHWH“ verwendet wird, sondern das distanziertere „der Herr“ – sicher nicht zufällig.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: 4QpPs und wenige (allerdings wichtige, z.B. G20, KA10, KA27b, KA30, KA36; zu den Handschriften-Siglen s. die Seite [https://offene-bibel.de/wiki/Benutzer:Sebastian_Walter/Wichtige_MSS Wichtige Handschriften]) Mss allerdings auch hier „JHWH“. Doch sicher ist dies nur Angleichung auf den sonstigen Sprachgebrauch des Psalms, der von Gott sonst durchgehend als von „JHWH“ spricht.&amp;lt;/ref&amp;gt; kann über ihn (darüber) [nur] lachen (muss über ihn/darüber lachen), {{par|Psalm|2|4}} {{par|Psalm|59|9}}&lt;br /&gt;
_Denn er sieht (sinnt darauf&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;sinnt darauf&#039;&#039; - zu dieser Bed. s. [[Psalm 66#s18 |Ps 66,18]] u.ö. So hier aber niemand.&amp;lt;/ref&amp;gt;), dass sein Tag&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;sein Tag&#039;&#039; - Entweder „der Tag JHWHs“, also der große Gerichtstag, der eine Zeitenwende einleiten wird, oder „der [schicksalhafte] Tag des Frevlers“ (so explizit Tg). Letztlich kommt hier beides auf das Selbe hinaus, wahrscheinlicher ist hier aber Letzteres, da V. 13 wohl im Gegensatz zu V. 18 stehen soll (richtig Hacham 1979, S. 209; Levine 2003, S. 76). NGÜ + NL: „Der Tag des Gerichts“, BB + GN + HfA + NeÜ: „Der Tag der Abrechnung“; will man den Gegensatz besser erkennbar machen, vielleicht eher: „denn er weiß, dass seine Tage gezählt sind.“&amp;lt;/ref&amp;gt; kommen wird (kommt).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;kommen wird&#039;&#039; - So MT und alle Vrs.; nur 4QpPs und 5 Mss (darunter KA17b) Qatal: &#039;&#039;kommt&#039;&#039;. Am Sinn würde es nichts ändern, darüber hinaus wird man ohnehin auch &#039;&#039;kj bw`&#039;&#039; in diesen Mss besser als &#039;&#039;kj jbw`&#039;&#039; mit „shared consonant“ erklären.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|18|20}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|14}} [&#039;&#039;&#039;H&#039;&#039;&#039;] Das Schwert ziehen die Frevler&lt;br /&gt;
_Und spannen ihren Bogen, {{par|Psalm|64|4}}&lt;br /&gt;
Um zu fällen den Unterdrückten (Demütigen) und Bedürftigen,&lt;br /&gt;
_([Und])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[und]&#039;&#039; - So nur 4QpPs.&amp;lt;/ref&amp;gt; Um zu schlachten, die (geraden=) rechten (Weges=) Wandels (Herzens)&amp;lt;ref&amp;gt;Wortspiel: „Bogen &#039;&#039;spannen&#039;&#039;“ = &#039;&#039;darku&#039;&#039;, „Weg“ = &#039;&#039;darek&#039;&#039;. „Rechten Wandels zu sein“ heißt natürlich, „auf Gottes Pfaden zu wandeln“, also gerecht zu leben.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT&#039;s „Weg“ wird gestützt durch Hier, Tg, Syr; dagegen LXX, VUL und einige (auch: wichtige) Mss bezeugen „Herz“. Für ursprünglich halten das z.B. Buttenwieser 1938 und Zorell 1928, und in der Tat ließe es sich gut erklären als Verschreibung unter Einfluss des &#039;&#039;darku&#039;&#039; in 14b. Eher ist die Variante mit „Herz“ aber Angleichung an den üblicheren Ausdruck in [[Psalm 7#s11 |Ps 7,11]]; [[Psalm 11#s2 |11,2]]; [[Psalm 32#s11 |32,11]]; [[Psalm 36#s11 |36,11]] u.ö., sicher unter Einfluss des im nächsten V. folgenden „Herz“. Das spricht übrigens dafür, dass der Psalm mindestens schon vor der Üs. durch LXX stichisch niedergeschrieben worden ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; sind. {{par|Klagelieder|2|21}}&lt;br /&gt;
{{S|15}} [&#039;&#039;&#039;H&#039;&#039;&#039;] Ihr Schwert wird dringen in ihr [eigenes] Herz {{par|Psam|7|16}} {{par|Psalm|9|16}} {{par|Psalm|35|8}} {{par|Sprichwörter|28|10}}&lt;br /&gt;
_Und ihre Bögen werden zerbrochen werden. {{par|1 Samuel|2|4}} {{par|Psalm|46|10}} {{par|Psalm|76|5}} {{par|Jeremia|49|35}} {{par|Jeremia|51|56}} {{par|Hosea|1|5}} {{par|Hosea|2|18|20}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|16}} [&#039;&#039;&#039;I&#039;&#039;&#039;] Besser ist ein Bisschen für den Gerechten&lt;br /&gt;
_Als der der viele Überfluss (Tumult) der Frevler (als der Überfluss der vielen Frevler),&amp;lt;ref&amp;gt;Ein sog. &#039;&#039;țob&#039;&#039;-Spruch, eine übliche Form heb. Sprichwörter. Nowack 1888 und Herkenne 1936 verweisen schön auf das entspr. dt. Sprichwort „Unrecht Gut gedeiht nicht gut.“&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT&#039;s „als der Überfluss der vielen Frevler“ wird gestützt durch 4QpPs, Aq, Sym und Tg. Dagegen LXX, Syr, VUL und Hier setzen statt &#039;&#039;rbjm&#039;&#039; voraus: &#039;&#039;rb&#039;&#039;, „als der viele Überfluss der Frevler“. Für ursprünglich halten das zB. Wellhausen 1895; BHS; Craigie 1983. Was tatsächlich ursprünglich war, lässt sich kaum entscheiden, poetisch aber macht LXX &amp;amp; Co. mehr Sinn: „der Gerechte“ aus 16a wird hier durch den Plural „die Frevler“ gesteigert, „das Bisschen“ aus 16a durch das „viele“ in „der viele Überfluss“ in 16b. Und &#039;&#039;rabbim&#039;&#039; im MT lässt sich leicht als falsche Assimilation an das vorangehende &#039;&#039;reša´im&#039;&#039; erklären, eine Änderung von &#039;&#039;rabbim&#039;&#039; zu &#039;&#039;rab&#039;&#039; dagegen weniger gut. Besser folgt man daher hier BHS als CTAT V, S. 215, wo MT für wahrscheinlicher ursprünglich gehalten wird.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Sprichwörter|15|16}} {{par|Tobit|12|8}}&lt;br /&gt;
{{S|17}} Denn die Arme&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Arme&#039;&#039; - Hier wohl nicht genannt als dasjenige, womit Frevler sich ihren Reichtum erwirtschaften können (so Craigie 1983; Cheung 2015, S. 66), sondern nach den Parallelen [[Ijob 38#s15 |Ijob 38,15]]; [[Ezechiel 30#s21 |Ez 30,21]] als dasjenige, womit man kämpfen kann: Die Vernichtung setzt sich fort und mit den Bögen werden auch gleich die Arme der Frevler zerbrochen; ihr eigener Niedergang ist dann eben damit zu erklären, dass sie überhaupt erst die Hand gegen die Gerechten erhoben haben: Eine Umkehrstrafe&amp;lt;/ref&amp;gt; der Frevler werden zerbrochen werden {{par|Ijob|38|15}} {{par|Psalm|10|15}} {{par|Ezechiel|30|21}}&lt;br /&gt;
_Aber es stützt die Gerechten JHWH. {{par|Richter|1|24}} {{par|Psalm|41|13}} {{par|Psalm|63|9}} {{par|Psalm|119|117}} {{par|Psalm|145|14}} {{par|Jesaja|41|10}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|18}} [&#039;&#039;&#039;J&#039;&#039;&#039;] Es kennt JHWH die Tage (die Wege)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Alle Vrs. wie MT, nur LXX: „die Wege“. Buttenwieser 1938 hält das für ursprünglich, aber sicher richtig Ross 2011: Assimilation an [[Psalm 1#s6 |Ps 1,6]].&amp;lt;/ref&amp;gt; der Makellosen {{par|Psalm|1|6}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
_Drum hat ihr Erbteil&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Erbteil&#039;&#039; - Also das Stück Land vom „Land“ Israel, das ihrer Familie einst von JHWH zugesprochen wurde. Hier wichtiges Wort; es zeigt, dass es im Psalm nicht &#039;&#039;nur&#039;&#039; um die Frage geht, wem „das Land Israel“ oder gar „die Erde“ gehört oder gehören wird, sondern dass diese große Frage sich im Kleinen realisiert: Darin, ob „den Armen und Elenden“ ihr Land von den ungerechten Reichen geraubt werden wird oder nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; für immer [Bestand].  {{par|Sprichwörter|28|10}}&lt;br /&gt;
{{S|19}} Sie werden nicht zuschanden (beschämt) werden zur Zeit des Übels&lt;br /&gt;
_Und in den Tagen des Hungers werden sie satt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Klangspiel: &#039;&#039;jißba´u&#039;&#039; („satt werden“) ist fast ein Anagramm von &#039;&#039;jibošu&#039;&#039; („zuschanden werden“); in &#039;&#039;ra´abon&#039;&#039; („Hunger“) klingt &#039;&#039;ra´ah&#039;&#039; („Übel“) an. In 4QpPs ist das sogar noch deutlicher; &#039;&#039;ra´abon&#039;&#039; ist dort &#039;&#039;ra´ab&#039;&#039; wie in [[Psalm 33#s19 |Ps 33,19]].&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Ijob|5|20}} {{par|Psalm|33|19}} {{par|Sprichwörter|10|3}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|20}} [&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] Denn die Frevler werden umkommen {{par|Richter|5|31}} {{par|Psalm|92|10}}&lt;br /&gt;
_Und die Feinde (Geliebten)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Geliebte&#039;&#039; - So 4QpPs: &#039;&#039;`hbj&#039;&#039; statt &#039;&#039;`jbj&#039;&#039; („Feinde“). Sicher sollte damit aber das „die Feinde JHWHs [waren] wie prächtige Auen“, das auf den ersten Blick wie eine Preisung der so Beschriebenen klingt, geglättet werden. Der Parallelismus legt aber sehr nahe, dass gegen die masoretischen Akzente „wie prächtige Auen“ mit dem ersten „werden sie vergehen“ zu verbinden ist (wie schon Syr aufgelöst hat; so auch schon Hupfeld 1858 und Graetz 1882; z.B. auch Craigie 1983; Goldingay 2006; Meynet 2015, S. 108), was diese Textkorrektur von 4QpPs überflüssig macht.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gottes,&lt;br /&gt;
[&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] Wie {die} (Pracht der Auen=) prächtige [&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] Auen (prächtiges Vieh)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: (1) &#039;&#039;krjm&#039;&#039; ist von MT als &#039;&#039;karim&#039;&#039; („Auen“) aufgefasst worden, (2) von Sym, Tg und Hier als &#039;&#039;kerem&#039;&#039; („[wie die Pracht,] wie das Vieh“) – Sym und Hier vereindeutigen witzigerweise zu „wie Einhörner“ –, (3) LXX, VUL und Syr schließlich deuteten stattdessen als &#039;&#039;kerum&#039;&#039; und übersetzen mit „als sie geehrt &#039;&#039;und gerühmt&#039;&#039; wurden“. (4) 4QpPs hat im Pescher eine Doppelinterpretation („Kleinvieh [=Sym] der Weiden [=MT]“). In der Üs. steht dagegen &#039;&#039;kwrjm&#039;&#039;. Damit hat man (5) einen Emendationsvorschlag von Wellhausen 1895 stützen wollen (so z.B. noch Seybold 1996), statt &#039;&#039;kiqar karim&#039;&#039; („wie prächtige Auen“) sei &#039;&#039;kiqod kurim&#039;&#039; („wie das Brennen eines Schmelztiegels“) zu lesen, aber richtig Cheung 2015, S. 56 FN 11: &#039;&#039;-w-&#039;&#039; wird hier wie noch öfter in Qumran Mater lectionis für Qameṣ sein und damit ebenfalls MT stützen.&amp;lt;br /&amp;gt;Klar ist nach diesen Varianten, dass der ursprüngliche Konsonantentext &#039;&#039;krm&#039;&#039; war, und angezielt wird in diesem Kontext damit wie in MT &#039;&#039;karim&#039;&#039; gewesen sein: V. 2 „sie werden wie Gras verdorren, wie grünes Kraut eingehen“ – V. 20 „wie prächtige Weiden werden sie vergehen“ – Vv. 35f. „Er war wie eine belaubte Zeder; dann ging ich wieder vorbei und er war nicht mehr da“.&amp;lt;br /&amp;gt;Übrigens vokalisiert auch von Lengerke 1847 als „Vieh“, deutet dann aber auch dies auf die Weiden: „die Pracht der Schafe“ = „ihre Weiden“ – selbst dann also, wenn ursprünglich wirklich &#039;&#039;kerem&#039;&#039; angezielt gewesen sein sollte, würde man dies hier als einen Ausdruck für Wiesen deuten wollen.&amp;lt;/ref&amp;gt; [&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] werden sie vergehen,&lt;br /&gt;
_[&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] Wie {der} (Im) Rauch [&#039;&#039;&#039;K&#039;&#039;&#039;] werden sie vergehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Klangspiel: Nicht nur 20a beginnt hier mit dem Konsonanten k, sondern in 20cd jedes Wort: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;iqar &#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;arim &#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;alu &#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;e´ašan &#039;&#039;&#039;k&#039;&#039;&#039;alu&#039;&#039;.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: So jedenfalls in 4QpPs, LXX, Sym, VUL, Hier, Syr und vielen Mss (CTAT V, S. S. 217 ist schlicht irreführend: „Cependant les témoins habituels du texte tibérien classique appuient la leçon {{hebr}}בעשן{{hebr ende}}“ – aber was soll das schon heißen, der „klassische tiberische Text“ ist ja nur ein Teil von einer von mehreren masoretischen Textfamilien?). L und Tg dagegen haben nicht „&#039;&#039;wie&#039;&#039; Rauch“ mit {{hebr}}כ{{hebr ende}}, sondern „&#039;&#039;im&#039;&#039; Rauch“ mit {{hebr}}ב{{hebr ende}}, wahrscheinlich entweder ein reiner Schreibfehler oder Angleichung an [[Psalm 102#s4 |Ps 102,4]]. Dort ist das „im Rauch“ auch gut erklärlich: „Meine Tage schwinden im Rauch“ weil „meine Gebeine wie ein Feuerbrand glühen“. Hier gilt das auch dann kaum, wenn in 20c „Pracht des Viehs“ zu lesen und als „[zu verbrennendes] Fett der Opferschafe“ zu deuten wäre; auch dies vergeht nach israelitischem Verständnis ja nicht „im Rauch“, sondern steigt „&#039;&#039;als&#039;&#039; Rauch (und Duft)“ in die Nase Gottes.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|68|3}} {{par|Hosea|13|3}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|21}} [&#039;&#039;&#039;L&#039;&#039;&#039;] Leiht sich der Frevler, will (kann) er nicht zurückzahlen,&lt;br /&gt;
_Der Gerechte aber ist gnädig (mildtätig) und gibt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vb. 1, 3 und 4 sind Partizipien. Nicht also: „Sie werden gnädig sein und geben &#039;&#039;können&#039;&#039;“ o.Ä.: V. 21b ist sicher keine Verheißung (wie [[Deuteronomium 28#s12 |Dtn 28,12]].[[Deuteronomium 28#s44 |44]]), sondern Charakterisierung des aktuellen Tuns der Gerechten. V. 21a &#039;&#039;könnte&#039;&#039; eine Warnung sein („er &#039;&#039;wird&#039;&#039; nicht zurückzahlen [&#039;&#039;können&#039;&#039;]“), ist dann aber in diesem Kontext wohl ebenfalls Charakterisierung. Die entscheidenden Aussagen sind dann: Der eine &#039;&#039;will&#039;&#039; nicht zurückzahlen, der andere ist &#039;&#039;gnädig&#039;&#039;. So und so richtig Croft 1997, S. 59: Vv. 21.25 zeigen, dass man sich den „Armen“ aus Vv. 14.16 nicht tatsächlich als materiell arm vorstellen darf; „arm“ sind die Gerechten in &#039;&#039;diesem&#039;&#039; Psalm nur insofern, als &#039;&#039;sie&#039;&#039; sich &#039;&#039;nicht&#039;&#039; bereichern.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|22}} Darum (Denn)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Darum (denn)&#039;&#039; - ist das richtig, was in der vorigen FN gesagt wurde, muss &#039;&#039;ki&#039;&#039; hier wie häufig, aber wie sonst nicht mehr in diesem Ps, „darum“ bedeuten.&amp;lt;/ref&amp;gt; werden seine Gesegneten (die ihn Segnenden)&amp;lt;ref name=&amp;quot;V 22&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;seine Gesegneten (die ihn Segnenden) + seine Verfluchten (die ihn Verfluchenden)&#039;&#039; - Die beiden Partizipien in V. 22 werden von den Vrs. unterschiedlich vokalisiert: Von MT, Tg und Hier beide passiv („gesegnet, verflucht“), von LXX und VUL beide aktiv („segnend, verfluchend“), von Syr nach den meisten Mss merkwürdigerweise das erste aktiv, das zweite passiv (in 8a1c und 12t1.4 aber auch Syr wie MT). Fast alle Neueren folgen hier der Deutung von MT.&amp;lt;/ref&amp;gt; das Land (die Erde) besitzen (in Besitz nehmen),&lt;br /&gt;
_Aber seine Verfluchten (die ihn Verfluchenden)&amp;lt;ref name=&amp;quot;V 22&amp;quot; /&amp;gt; werden abgeschnitten werden. {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Sprichwörter|3|33}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}} {{par|Matthäus|5|5}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|23}} [&#039;&#039;&#039;M&#039;&#039;&#039;] ([Denn])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[Denn]&#039;&#039; - So merkwürdigerweise 4QpPs, wonach auch hier die Strophe nicht mit dem zu erwartenden Buchstaben begänne.&amp;lt;/ref&amp;gt; Von JHWH werden die Schritte des Mannes gelenkt,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;JHWH lenkt die Schritte eines Mannes&#039;&#039;, d.i., er entscheidet über sein Schicksal, vgl. deutlich die Parallelstellen. D.h. hier natürlich wieder: Denjenigen, der gottgefällig lebt, segnet er. Kontraintuitiver Weise sind also die „Schritte“ eines Menschen nicht das, worüber ein Mensch selbst verfügen könnte.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Sprichwörter|16|9}} {{par|Sprichwörter|20|24}} {{par|Jeremia|10|23}}&lt;br /&gt;
_Wenn er an dessen Wandel Gefallen hat:&lt;br /&gt;
{{S|24}} Auch, wenn er zu fallen drohte, würfe es ihn nicht hin, {{par|Psalm|94|18}} {{par|Sprichwörter|24|16}}&lt;br /&gt;
_Denn JHWH stützt seinen Arm.&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|25}} [&#039;&#039;&#039;N&#039;&#039;&#039;] Jung war ich, ([und])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT wird nur durch Hier gestützt: 4QpPs, LXX, VUL, Tg, Syr und einige Mss haben vor &#039;&#039;auch&#039;&#039; zusätzlich &#039;&#039;und&#039;&#039;, wie dies hier auch erwartbar wäre. Gerade deshalb wird MT und Hier aber der ursprüngliche Wortlaut sein.&amp;lt;/ref&amp;gt; bin auch alt geworden,&lt;br /&gt;
_Aber nie sah ich, dass ein Gerechter verlassen worden wäre, {{par|Ijob|4|7}}&lt;br /&gt;
_So dass (und dass) seine Nachkommenschaft Brot suchen müssen hätte:&amp;lt;ref&amp;gt;Ein ganz schwieriger Vers. Exakt vom Gegenteil sprechen z.B. [[Ijob 9#s22 |Ijob 9,23f.]]; [[Kohelet 7#s15 |Pred 7,15]], und die Entsprechung in der Parallelstelle [[Ijob 4#s7 |Ijob 4,7]] wird danach abgetan als das „Traumgesabbel“ von Elifaz. Es lässt sich nicht weg-diskutieren: Ps 37,25 spricht sich derart stark für den (selbst intergenerationellen) Tun-Ergehens-Zusammenhang aus, dass selbst parallele biblische Texte hier nicht mitgehen können.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|34|11}}&lt;br /&gt;
{{S|26}} Den ganzen Tag ist er gnädig (mildtätig) und verleiht,&lt;br /&gt;
_Und seiner Nachkommenschaft [ist&#039;s] zum Segen (seine Nachkommenschaft wird zu einem Segen).&amp;lt;ref&amp;gt;So sinnvoll Stolz 1983, S. 61: „Seiner Nachkommenschaft gereicht es zum Segen.“. So auch Bernfeld, ELB, GN, HER05, HfA; am besten NGÜ: „Noch seine Nachkommen werden durch ihn gesegnet sein“. So auch schon LXX, VUL, Hier, Syr, Raschi. Radak gibt zwei Erklärungen: (1) Weil Gesegnete wie der Angesprochene ihren Segen weiterzugeben pflegen (eine Art trickle-down-Effekt des Segens), (2) weil andere, die von ihm Gutes erfuhren, ihrerseits um seintwillen seine Nachkommenschaft segnen werden (Letzteres auch bei ibn Ezra). Sonst stets wie in der Alternative.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|27}} [&#039;&#039;&#039;O&#039;&#039;&#039;] Weiche vom Üblen und tue Gutes {{par|Psalm|34|15}} {{par|Sprichwörter|3|7}} {{par|Jesaja|1|16|17}}&lt;br /&gt;
_Und wohne für immer:&amp;lt;ref&amp;gt;Wieder Folge-Imperativ: „So wirst du für immer wohnen können“.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Hier, Tg und Syr wie MT. Dagegen LXX und VUL setzen voraus: „auf &#039;&#039;immer und&#039;&#039; ewig“. Metrisch würde man das hier auch erwarten; für ursprünglich halten das daher auch Kittel 1914 und wahlweise Witte 2013, S. 417.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|28}} Weil JHWH Recht liebt, {{par|Psalm|45|8}} {{par|Psalm|99|4}} {{par|Jesaja|61|8}}&lt;br /&gt;
_Wird er nicht verlassen seine Frommen. {{par|Jesaja|59|21}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Für immer werden [sie] bewahrt ([&#039;&#039;&#039;P&#039;&#039;&#039;] Übeltäter werden für immer ausradiert)&amp;lt;ref&amp;gt;Hier erwartet man eine Zeile, die mit dem Buchstaben &#039;&#039;´Ajin&#039;&#039; beginnt. Der MT dagegen beginnt mit der Präp. Lamed, erst darauf folgt der erwartete Buchstabe. Viele Ausleger haben daher einen anderslautenden Text aus LXX rekonstruieren wollen (s.u.). Aber die vorgeschlagene Textkorrektur geht wohl nicht an. Vielleicht daher so: Mit `Ajin beginnt auch das Wort für „Übeltat“ in V. 1c; möglicherweise soll im fehlenden `Ajin also das gänzliche Fehlen der „Nachkommenschaft der Frevler“ und ihrer Übeltaten zum Ausdruck gebracht werden.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Die meisten Textzeugen stützen MT. Allerdings mehrere LXX-Gruppen, Sym und VUL haben hier eine fünfte Zeile; MT&#039;s „Für immer wird [dieser] bewahrt, aber die Nachkommenschaft von Frevlern wird abgeschnitten“ entspricht dort „für immer werden sie bewahrt, &#039;&#039;Gesetzlose aber werden gejagt/verjagt&#039;&#039;, und die Nachkommen der Frevler werden ausgerottet.“ Daraus haben viele ein ursprüngliches „Übeltäter werden für immer ausradiert“ rekonstruiert: &#039;&#039;´wl(j)m l´wlm nšmdw&#039;&#039;: &#039;&#039;´wl(j)m&#039;&#039; wäre wegen der Ähnlichkeit mit &#039;&#039;l´wlm&#039;&#039; übersehen worden und die Verschreibung von Resch mit Dalet ist ein sehr häufiger Schreibfehler. Die Übersetzung des ursprünglichen Wortlauts wäre dann also als Konflation zusätzlich zur Übersetzung des fehlerhaften Texts in die LXX geraten. So z.B. schon Houbigant 1777; auch Wellhausen 1895; BHK, BHS; Seybold 1996; Broyles 1999; Fokkelman 2000, S. 139 FN 54; Witte 2013, S. 417; ähnlich Jones 2019, S. 174 FN 20: &#039;&#039;´wlm l´wlm nṣmtw&#039;&#039; nach [[Psalm 69#s5 |Ps 69,5]]; [[Psalm 101#s5 |101,5]] wie schon Rahlfs. Aber das kritische Wort ist gerade &#039;&#039;´awalim&#039;&#039; „Übeltäter“; richtig nämlich Graetz 1882: Das heb. Wort ist als Entsprechung des gr. Wortes nirgends belegt. &#039;&#039;nšmdw&#039;&#039; ist gleichfalls keine belegte und auch keine sehr naheliegende Entsprechung des gr. Verbs (richtig Cheung 2015, S. 56; Böhler 2021), weshalb Jones 2019 seinen alternativen Vorschlag macht, der aber graphisch dann doch recht weit von MT entfernt ist. Darüber hinaus, dass die Vorlage von LXX nur so schwach bezeugt ist, ist LXX also auch gar keine gute Basis, um auf ihr die erwünschte Textrekonstruktion aufruhen zu lassen. Wahrscheinlicher ist es, dass in einer Handschrift wegen der Ähnlichkeit von 28d mit 38b hier 38a ergänzt wurde.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Ps 37,28.png|mini|Ps 37,28 in 4QpPs. (c) [https://www.deadseascrolls.org.il/explore-the-archive/image/B-506743 Deadseascrolls.org].]]Einige haben u.a. wohl daher behauptet, immerhin &#039;&#039;nšmdw&#039;&#039; statt &#039;&#039;nšmrw&#039;&#039; würde auch durch 4QpPs gestützt, aber richtig CTAT V 223: Anders als z.B. in DJD V 45 transkribiert, steht in 4QpPs sicher wie im MT &#039;&#039;nšmrw&#039;&#039;, vgl. auf dem Foto rechts den fraglichen Buchstaben mit dem Resch im direkt folgenden Wort. 4QpPs könnte mit LXX enger verwandt sein als mit MT, s. in V. 20 &#039;&#039;k´šn&#039;&#039; in 4QpPs, LXX, VUL, Syr vs. MT&#039;s &#039;&#039;b´šn&#039;&#039;, in V. 25 &#039;&#039;wgm&#039;&#039; in 4QpPs und LXX vs. MT&#039;s &#039;&#039;gm&#039;&#039; und in V. 35 &#039;&#039;`´bwr&#039;&#039; in 4QpPs, LXX, VUL, Syr vs. MT&#039;s &#039;&#039;wj´br&#039;&#039;. Dann wäre das Zeugnis besagter LXX-Textgruppen in diesem Vers umso schwächer. Man wird aber doch fragen müssen: Wie soll der Wortlaut von LXX denn sonst entstanden sein? Er ist sicher als Konflation zu erklären, und Textkorrekturen, wie diese eine wäre – poetische Verbesserungen, um z.B. wie hier ein Akrostichon lyrisch zu glätten –, sind mir (S.W.) sonst gar nicht bekannt.&amp;lt;br /&amp;gt;Die externe Evidenz mit nur einigen LXX-Zeugen ist also ziemlich schwach, die interne Evidenz – ein mit ´Ajin beginnendes Wort wäre hier so sehr zu erwarten, und der LXX-Wortlaut lässt sich kaum anders erklären denn mit einem heb. Original – dagegen ist sehr stark. Textkritisch lassen sich beide Optionen begründet vertreten; wir folgen daher hier der Mehrheits-Position in dt. Üss. und damit dem MT.&amp;lt;br /&amp;gt;En passant sei noch darauf hingewiesen, dass CTAT&#039;s Argument für MT, „der Poet habe ja schließlich auch kein Problem damit gehabt, die T-Strophe mit &#039;&#039;w-t...&#039;&#039; statt &#039;&#039;t...&#039;&#039; zu beginnen“, sicher nicht angeht; die Konjunktion wird man kaum „dem Poeten“ zuschreiben dürfen (so aber schon de Wette 1829; Maurer 1838; von Lengerke 1847; z.B. auch Böhler 2021). Ebenso wenig richtig dürfte ebd. sein, dass wir nur die Option haben zwischen „für immer wird dieser bewahrt“ und „Sünder werden ausradiert“, nicht aber „Sünder werden für immer ausradiert“, weil in LXX nur die Zwei-Wort-Variante belegt sei: LXX würde zwei Ein-Wort-Konflationen bezeugen; die gesamte Zeile muss man daraus rekonstruieren, und &#039;&#039;l´wlm&#039;&#039; wird man hier weit eher mit-rekonstruieren, weil dies Wort erst Grund für den Ausfall von &#039;&#039;´wlm&#039;&#039; gewesen wäre.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Aber die Nachkommenschaft von Frevlern wird abgeschnitten. {{par|Psalm|21|10}} {{par|Psalm|55|23}} {{par|Jesaja|14|21}} {{par|Baruch|4|1}}&lt;br /&gt;
{{S|29}} Die Gerechten werden besitzen (in Besitz nehmen) das Land (die Erde) {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}}&lt;br /&gt;
_Und für ewig&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;für ewig&#039;&#039; - eine Art break up-Parallelismus: Die häufige Fügung &#039;&#039;le´olam wa´ed&#039;&#039; („für immer und ewig“) wird aufgebrochen und als „für immer“ und „für ewig“ auf 28c und 29b verteilt, so dass sie das erste und vorletzte Wort dieser Strophe sind. Bemerkenswert ist außerdem, dass „für immer“ bereits in 27b stand, dort ebenfalls mit dem Vb. „wohnen“: „Wohne für immer“ (V. 27) – „für immer werden sie bewahrt“ (V. 28) – „und sie werden wohnen für ewig darin“ (V. 29). Dass ist zu auffällig, als dass es Zufall sein könnte, und die mittlere Klausel ist darüber hinaus gerade jene, wegen der V. 28c nicht mit `Ajin beginnt (s. vorige FN) – was mit dieser Formulierung zum Ausdruck gebracht werden soll, verstehe ich (S.W.) aber nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; wohnen darin.&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|30}} [&#039;&#039;&#039;Q&#039;&#039;&#039;] Der Mund des Gerechten redet (Weisheit=) Weises &lt;br /&gt;
_Und seine Zunge spricht (Recht=) Rechtes, {{par|Sprichwörter|10|31}}&lt;br /&gt;
{{S|31}} [Weil] die (&#039;&#039;torah&#039;&#039;=) Weisung seines Gottes in seinem Herzen [ist], {{par|Psalm|119|11}} {{par|Psalm|119|34}} {{par|Jeremia|31|33}}&lt;br /&gt;
_[Drum]&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[Drum]&#039;&#039; - So nach LXX, Sym, VUL, Syr, Saadja, 1 Ms. Dagegen 4QpPs, Tg und Hier stützen MT. Für ursprünglich halten die Variante mit &#039;&#039;w-&#039;&#039; z.B. auch Herkenne 1936; Craigie 1983; Ross 2011. Es ist aber gar nicht notwendig, dass &#039;&#039;w-&#039;&#039; ursprünglich zum Text gehörte; der vlS in 31 kann auch ohne &#039;&#039;w-&#039;&#039; Protasis von 31b gewesen sein und ist sicher so gedacht, da man Vv. 30f. sonst als Trikolon + Monokolon analysieren müsste.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird sein Schritt nicht wanken. {{par|Psalm|17|5}} {{par|Sprichwörter|4|4}} {{par|Baruch|4|1}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|32}} [&#039;&#039;&#039;R&#039;&#039;&#039;] Der Frevler lauert auf den Gerechten&lt;br /&gt;
_Und versucht, ihn zu töten. {{par|Psalm|10|8|10}} {{par|Jeremia|20|10}}&lt;br /&gt;
{{S|33}} JHWH wird ihn nicht seiner (Hand=) Gewalt überlassen&lt;br /&gt;
_Und nicht verurteilen&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;verurteilen&#039;&#039; - Wortspiel mit 32a: „verurteilen“ ist w. „zum Frevler machen=erklären“. Böhler 2021 sinngemäß richtig: „er wird nicht zulassen, dass man ihn für Frevels schuldig erklärt“, was als Übersetzung der Zeile aber ja ganz den Witz nimmt.&amp;lt;/ref&amp;gt; lassen, wenn er gerichtet wird.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;wenn er gerichtet wird&#039;&#039; - nämlich vor dem Gericht, vor das der Frevler ihn offenbar stellen will (so z.B. Hitzig 1863; Herkenne 1936; Kissane 1953). Das scheint zu bedeuten, dass „Gerechte“ nie zu Unrecht verurteilt werden und ist dann ähnlich schwer zu akzeptieren wie V. 25. Ross 2011 versucht, den Vers zu retten mit der Deutung, gemeint sei: „Auch, wenn er zu Unrecht verurteilt wird, sieht ihn immerhin &#039;&#039;JHWH&#039;&#039; nie als verurteilenswert an.“ (vgl. VUL, Hier: „Er wird ihn nicht &#039;&#039;verdammen&#039;&#039;, auch, wenn über ihn geurteilt wird“. Vgl. auch [[Römer 8#s33 |Röm 8,33f.]]). Aber, böse gefragt: Was soll das bringen? Was durch den ganzen Psalm hindurch versprochen wird, ist ja innerweltliches Heil; auch hier muss man dann erwarten, dass von einem solch „weltlichen“ Segen die Rede ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|124|6|7}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|34}} [&#039;&#039;&#039;S&#039;&#039;&#039;] Hoffe auf JHWH und achte auf seinen Weg, {{par|Ijob|17|9}} {{par|Ijob|23|11}} {{par|Sprichwörter|20|22}}&lt;br /&gt;
_Dann wird er dich [dazu] erhöhen, zu besitzen (in Besitz zu nehmen) das Land (die Erde). {{par|Psalm|92|10}} {{par|Psalm|112|9}} {{par|Sprichwörter|2|21|22}} {{par|Jesaja|57|13}} {{par|Jesaja|60|21}} {{par|Matthäus|5|5}} {{par|Lukas|14|11}} {{par|1 Petrus|5|6}}&lt;br /&gt;
Wenn abgeschnitten&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;abgeschnitten&#039;&#039; - Wieder das selbe Wortspiel wie in V. 9: „Binde dich an = Hoffe auf JHWH“ vs. „die Frevler werden abgeschnitten = getötet werden“.&amp;lt;/ref&amp;gt; werden die Frevler, wirst du&#039;s sehen (auf das Abgeschnitten-Werden der Frevler wirst zu blicken können). {{par|Psalm|52|8}} {{par|Psalm|91|8}} {{par|Psalm|92|12}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|35}} [&#039;&#039;&#039;T&#039;&#039;&#039;]&amp;lt;ref&amp;gt;Klangspiel: Im Heb. beginnt der V. wie erwartet mit &#039;&#039;r&#039;&#039;. Dieser Konsonant durchzieht aber den ganzen Vers, gemeinsam mit dem Konsonanten `Ajin: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;a`iti &#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;aša&#039;&#039;&#039;´&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;´&#039;&#039;&#039;a&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;iṣ / umit&#039;&#039;&#039;´&#039;&#039;&#039;a&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;eh ke`e&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;ez ha&#039;&#039;&#039;r&#039;&#039;&#039;a&#039;&#039;&#039;´&#039;&#039;&#039;anan&#039;&#039;. Ist der Ps sehr jung, könnte auch Alef in &#039;&#039;ra`iti&#039;&#039; und &#039;&#039;ke`erez&#039;&#039; ähnlich wie ´Ajin geklungen haben. Resch und ´Ajin sind die Konsonanten für &#039;&#039;ra´&#039;&#039; („Übles, Böses“): Wie die ausladenden Äste einer Zeder hat sich hier der Böse über den ganzen Vers ausgebreitet und alles mit seinen Wurzeln durchdrungen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ich sah [einmal] einen gewaltigen Frevler,&lt;br /&gt;
_[Der] aufschoss wie eine Zeder im Saft (der sich entblößte wie ein Angestammter im Saft?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;der aufschoss (der sich entblößte)&#039;&#039; - Heb. &#039;&#039;mit´areh&#039;&#039;, auf den ersten Blick: „der sich entblößte“. Rhotatizismus für &#039;&#039;mit´aleh&#039;&#039; („der aufschoss“), das auch in [[Jesaja 55#s13 |Jes 55,13]]; [[Ezechiel 47#s12 |Ez 47,12]] von Bäumen gesagt wird (vgl. Fitzgerald 1978, S. 486; Craigie 1983).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Zeder im Saft (Angestammter im Saft)&#039;&#039; -  Für das &#039;&#039;`ezraḥ ra´anan&#039;&#039; („Angestammter im Saft“) in MT, Hier lies nach LXX, VUL &#039;&#039;ke`erez hara´anan&#039;&#039; („Zeder im Saft“, vgl. {{hebr}}אזרח רענן{{hebr ende}} mit {{hebr}}ארז הרענן{{hebr ende}}). So z.B. auch Wellhausen 1895; Terrien 2003; Perdue 1977, S. 334; Stolz 1983, S. 62; Gies 2018, S. 2018. Noch weit mehr wollen ganz LXX und VUL folgen und „Zedern des Libanon“ lesen (z.B. Seybold 1996; Broyles 1999; Witte 2013, S. 418), aber das wäre graphisch weit von MT entfernt und „Zedern &#039;&#039;des Libanon&#039;&#039;“ ist eine leicht erklärliche stilistische Variante von „Zedern im Saft“, da Libanon-Zedern berühmt und der Libanon bekannt für seine Fruchtbarkeit waren (s. bes. klar [[Ezechiel 31#s3 |Ez 31,3]], auch [[1 Könige 4#s33 |1 Kön 4,33]]; [[Psalm 29#s5 |Ps 29,5]]; [[Psalm 92#s13 |92,13]]; [[Psalm 104#s16 |104,16]]; [[Jesaja 2#s13 |Jes 2,13]]; [[Jesaja 37#s24 |37,24]]).&amp;lt;br /&amp;gt;Tg und Syr sind nicht eindeutig zuzuordnen: Beide übersetzen mit „Bäume“ (Tg: „fest gepflanzter Baum mit dichter Krone“, Syr: „Bäume im Wald“). Viele Neuere nehmen an, dass „Angestammter“ auch ein Ausdruck für heimische Bäume sein könne (z.B. Cheung 2015, S. 64: „per Wortspiel“; besser Maurer 1838, der auf einen verwandten arabischen Sprachgebrauch verweist). Ist das wahr, könnten Tg und Syr auch MT bezeugen. Aber wahrscheinlich ist es nicht; für einen solchen Sprachgebrauch im Hebräischen fehlt jede Parallele.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Psalm|1|3}} {{par|Jesaja|44|4}} {{par|Jeremia|17|8}} {{par|Ezechiel|19|10}}&lt;br /&gt;
{{S|36}} Ich ging [wieder] vorüber (und man ging vorüber, und er ging hinüber),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT&#039;s &#039;&#039;wj`br&#039;&#039; („und man/er ging vorüber“) wird nur von Sym und Tg gestützt; dagegen 4QpPs, LXX, VUL, Hier (!) und Syr haben alle &#039;&#039;`´br&#039;&#039; („ich ging vorüber“). 4QpPs hat wahrscheinlich sogar V. 10 an diese Stelle angeglichen. Eine Änderung von &#039;&#039;wj`br&#039;&#039; nach &#039;&#039;`´br&#039;&#039; ließe sich zwar leicht als Angleichung an das Vb. in 36b erklären; ebenso gut aber eine umgekehrte Änderung als Angleichung an 35b. Die neuesten Kommentatoren und Üss. folgen überwiegend MT (z.B. Terrien 2003; Goldingay 2006; Ross 2011; Böhler 2021; Tiquillahuanca 2008, S. 18; Witte 2013, S. 418; Cheung 2015, S. 57; Ruiz 2015, S. 19), aber das Zeugnis für 1. Prs. ist hier zu stark.&amp;lt;br /&amp;gt;4QpPs und VUL haben außerdem beide noch eine ähnliche, unerklärliche Ergänzung: 4QpPs: „ich zog &#039;&#039;vor ihm&#039;&#039; vorüber“, VUL: „&#039;&#039;sein Ort&#039;&#039; ließ sich nicht finden“. Könnte VUL &#039;&#039;lepanajw&#039;&#039; mit „sein Ort“ übersetzt haben? Dann bezeugten beide das selbe Plus. Noch einmal nachweisen lässt sich dies aber nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; und, siehe!, er war nicht mehr [da],&lt;br /&gt;
_Und ich suchte ihn, aber er ließ sich nicht finden.{{par|Jesaja|10|18|19}} {{par|Jesaja|10|33|34}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|37}} [&#039;&#039;&#039;U&#039;&#039;&#039;] Achte [also] auf den Aufrechten (Aufrichtigkeit) und sieh auf den Integren (strebe nach/weide Integrität),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Aufrechter (Aufrichtigkeit)&#039;&#039; + &#039;&#039;Integrer (Integrität)&#039;&#039; - Variante 1 jeweils nach MT, Tg, Syr, Variante 2 jeweils nach LXX, VUL, Hier; jeweils werden nur die selben Konsonanten unterschiedlich vokalisiert. Wählt man Variante 2, nimmt man „auf etwas schauen“ besser i.S.v. „streben nach“, oder man nimmt mit Syr &#039;&#039;r`h&#039;&#039; („sehen“) als NF von &#039;&#039;r´h&#039;&#039; („weiden“; ähnlich z.B. Broyles 1999: „shepherd faithfulness“), vgl. V. 3b. Die NF würde natürlich verwendet für das Wortspiel, dass dann „weiden“ gleichzeitig als „sehen“ parallel ginge mit dem vorangehenden „im Blick behalten“.&amp;lt;br /&amp;gt;Var 2 z.B. LUT: „Bleibe fromm und halte dich recht“ (auch H-R, PAT, TUR, van Ess, ZÜR 31 [nicht mehr ZÜR 07]); Var 1 z.B. EÜ: „Achte auf den Lauteren und sieh auf den Redlichen“ (so die meisten Üss.). Schön BB: „Halte dich an den, der vorbildlich lebt! Schau auf den, der sich aufrichtig verhält!“ So schon Raschi: „Nimm den Unschuldigen genau in Blick, um von seinen Taten zu lernen“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Denn ein Mann des Friedens hat Zukunft (Nachkunft)&lt;br /&gt;
{{S|38}} Aber Sünder werden sämtlich ausradiert,&lt;br /&gt;
_Die Zukunft (Nachkunft) von Frevlern wird abgeschnitten. {{par|Ijob|18|19}} {{par|Sprichwörter|2|22}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|39}} [&#039;&#039;&#039;V&#039;&#039;&#039;] {Aber}&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT, LXX, VUL und Tg haben oder setzen alle ein &#039;&#039;w-&#039;&#039; („aber“) zu Versbeginn voraus. Dann begänne auch dieser Vers nicht mit dem zu erwartenden Buchstaben. Hier, Syr und wenige Mss aber haben dieses &#039;&#039;w-&#039;&#039; nicht; für ursprünglich halten diese Variante z.B. auch Wellhausen 1895, BHS, Witte 2013, S. 418.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Rettung der Gerechten [wird kommen] von JHWH,&lt;br /&gt;
_Ihrer Zuflucht zur Zeit der Bedrängnis,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Bedrängnis&#039;&#039; - Wortspiel: &#039;&#039;ṣarah&#039;&#039; („Bedrängnis“) klingt sehr ähnlich wie &#039;&#039;zera´&#039;&#039; („Nachkommenschaft“). Für den Frommen schimmert selbst in der Bedrängnis die heilvolle Zukunft durch.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Jeremia|14|8}} {{par|Jeremia|16|19}}&lt;br /&gt;
{{S|40}} Und es wird helfen (hilft) ihnen JHWH und sie befreien (befreit sie),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT hat 2x Wayyiqtol, was nur für Vergangenheit oder Gegenwart verwendet werden kann und schlecht mit Yiqtol im folgenden Vers zusammenstimmt, was aber auch von Syr gestützt wird. Besser vokalisiert man mit LXX, VUL, Hier und den meisten Tg-Mss beide Male als WeYiqtol; so richtig Zuber 1986.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
_Er wird sie befreien von Frevlern und retten,&lt;br /&gt;
Weil sie sich zu ihm geflüchtet haben.&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
Ps 37 gehört (gemeinsam mit md. [[Psalm 1 |Ps 1]]; [[Psalm 49 |49]]; [[Psalm 73 |73]]; [[Psalm 112 |112]]; [[Psalm 127 |127]]; [[Psalm 128 |128]]; [[Psalm 133 |133]]) zu den sogenannten „Weisheitspsalmen“. Die Funktion dieser Weisheitspsalmen ist ein Rätsel: Offensichtlich ist Ps 37 nicht verfasst worden, damit man ihn bete, sondern ein konkreter Gegenüber wird angesprochen, um ihn mit einer Reihe von Weisheitslehren zu ermahnen, wie sie auch im Buch der Sprichwörter stehen könnten (und zum Teil auch stehen, vgl. oben die Spr-Parallelstellen, die teilweise fast wörtlich einzelnen Zeilen des Psalms entsprechen). Warum eine solche Weisheitslehre aber im Buch der Psalmen und nicht im Buch der Sprichwörter steht, ist schwer erklärlich. Vielleicht ist er nur ins Psalmenbuch aufgenommen worden, weil man schon früh angenommen hat, sein Verfasser sei David gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ps 37 kreist besonders um ein Sprichwort, das refrainartig in mehreren Variationen wiederholt wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Personengruppe A wird das Land besitzen,&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Personengruppe B aber wird abgeschnitten werden!&#039;&#039; (Vv. 9.11.22.28.29.34.38)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Personengruppe A wird dabei immer wieder bezeichnet als „die Gerechten“ und außerdem wechselnd als „die auf JHWH Hoffenden“ (V. 9), „die Elenden“ (V. 11), „die Unterdrückten und Bedürftigen“ (V. 14a), „die, die rechten Wandels sind“ (V. 14b), „die Makellosen“ (V. 18), „die von Gott Gesegneten“ (V. 22), „Gottes Fromme“ (V. 28), „Männer des Friedens“ (V. 37) und wahrscheinlich als „die Aufrechten“ und „die Integren“ (V. 37), Personengruppe B immer wieder als „die Frevler“ und außerdem wechselnd als „die Bösewichter“ (Vv. 1.9), „die Übeltäter“ (V. 1), „die Intriganten“ (V. 7), „die Feinde Gottes“ (V. 20), „die von Gott Verfluchten“ (V. 22), und „die Sünder“ (V. 38).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;Grundannahme&#039;&#039;&#039; ist danach schon klar: Wer nicht gottgefällig lebt, den wird dereinst Gott töten und seine Nachkommenschaft ausrotten, wer es dagegen tut, wird dereinst „das Land besitzen“ – weil ja niemand sonst mehr übrig ist.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der größte Teil des Psalms erklärt sich schon hieraus: In &#039;&#039;&#039;Vv. 1-6&#039;&#039;&#039; wird der Angesprochene ermahnt, gottgefällig zu leben, weil Gottgefälligkeit von Gott belohnt werden wird. In &#039;&#039;&#039;Vv. 7-8&#039;&#039;&#039; wird die Mahnung noch einmal wiederholt, die Begründung aber wird in &#039;&#039;&#039;Vv. 9-11&#039;&#039;&#039; dazu entfaltet, dass Gottgefälligkeit belohnt, Übeltäterei aber bestraft wird, so dass am Ende „der Übeltäter nicht mehr da ist, die Elenden dagegen das Land besitzen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;&#039;Vv. 12-15&#039;&#039;&#039; wird entweder ein Beispiel für die Übeltäterei der Frevler herausgegriffen oder aber es wird nun endlich dasjenige genannt, was die Übeltäter eigentlich zu Übeltätern macht. Ersteres ist wahrscheinlicher, s. zu V. 21. Man hat aus diesen Versen ableiten wollen, die konkret gemeinte Übeltat sei Ausbeutung: offenbar würde Personengruppe A von Personengruppe B ausgebeutet – v.a., indem sie ihnen das Land rauben – und der Psalm sei also auch sozialkritisch. Aber das einzige, was das eventuell nahelegen könnte, ist die Bezeichnung „Bedürftige“ in 14c, denn was tatsächlich konkret von Personengruppe B berichtet wird, ist gerade nicht Ausbeutung, sondern ist ein Mordversuch. Und das passt zur Bezeichnung „Bedürftige“: Als solche werden im AT nämlich &#039;&#039;nicht&#039;&#039; nur sozial Schwache bezeichnet, sondern häufig „[gelten] als Symptome des ‚Armseins vor Gott‘ [...]: böse Widerfahrnisse ([[Psalm 40#s13 |Ps 40,13]]), Verachtung ([[Psalm 69#s9 |Ps 69,9]]), Verfolgung ([[Psalm 35#s1 |Ps 35,1ff.]]; [[Psalm 109#s2 |109,2ff.]]), Krankheit ([[Psalm 109#s22 |Ps 109,22ff.]]), Todesverfallenheit ([[Psalm 88#s4 |88,4ff.]]) u.a.“ (THAT I 24). Von anderen Personen bedroht zu werden, liegt genau auf dieser Linie, und dagegen, dass Personengruppe A ausgesprochen arm ist, sprechen ja explizit Vv. 21.26. Personengruppe B ist zwar offensichtlich wirklich reicher als Personengruppe A (V. 16), aber was sich aus Vv. 12-15 herauslesen lässt, ist erst mal nur: Anscheinend wird Personengruppe A von Personengruppe B bedroht, was denn auch deren Zürnen gegen diese (Vv. 1.7) und das Hoffen und Vertrauen auf JHWH (Vv. 3.5) erklärt. Und dieser, so heißt es direkt im Anschluss wird auch wirklich handeln: Nach &#039;&#039;&#039;Vv. 16-20&#039;&#039;&#039; hat Personengruppe B gar nichts von ihrem Überfluss, denn, wieder: Frevler wird Gott wie Rauch vergehen lassen, Gottgefällige und sogar auch ihre Nachkommen dagegen auf ewig bewahren.&amp;lt;br /&amp;gt;In &#039;&#039;&#039;Vv. 21-26&#039;&#039;&#039; wird ein weiteres Symptom des Frevler-Seins vs. Gerecht-Seins genannt: Zum Frevler-Sein gehört auch, geliehenes Geld nicht zurückzuzahlen, zum Gerecht-sein auch, sogar mildtätig zu sein, also offenbar: Geld zu verschenken. Das ist sicher nicht das Entscheidende, das einen Frevler zum Frevler und einen Gerechten zum Gerechten macht; offenbar sollen also mit Vv. 12-14 und Vv. 21.26 je ein &#039;&#039;Beispiel&#039;&#039; für Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit genannt werden: Mildtätig zu sein einerseits und gewaltbereit zu sein andererseits. Man wähle das eine und meide das andere, denn, wieder: Die einen werden dereinst „das Land besitzen“, die anderen „abgeschnitten werden“. So war es immer und so wird es immer sein, kann der Dichter aus Erfahrung berichten (V. 25). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Spätestens dieser Vers ist schwere Kost in unserer theodizee-geschulten Zeit: Es lässt sich ja leicht überprüfen, dass dem &#039;&#039;nicht&#039;&#039; so ist – dass Gerechte immer von Gott gesegnet und Ungerechte immer von Gott bestraft würden. Es lohnt sich, hier eine längere Passage von Goldingay 2006, S. 534 zu zitieren:&amp;lt;br /&amp;gt;„Kommentatoren betonen häufig, dass man Ps 37 mit den weniger optimistischen Texten im Buch Ijob oder den Aussprüchen Jesu zusammenlesen müsse. Das ist ein Code für: Ps 37 ist nicht wahr. Ps 37 soll damit ins Abseits gestellt werden. Und man irrt damit darüber hinaus in mehrerlei Hinsicht: Die Perspektive des Psalms wird durch die Geschichte von Ijob zu Beginn und am Ende ja &#039;&#039;bestätigt&#039;&#039;, nicht negiert, und Jesus stützt sie ebenfalls, wenn er die Menschen ermutigt: ‚Strebt zuvorderst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, und all dies – Essen, Trinken, Kleidung, ... – wird euch dann ebenfalls geschenkt werden‘ ([[Matthäus 6#s33 |Mt 6,33]]). Jesus übernimmt sogar einen der Segenssprüche in V. 11 [s. [[Matthäus 5#s5 |Mt 5,5]]...]. Psalm 37 anerkennt explizit, dass es nicht immer so geschieht – es ist ja sogar so, dass der Psalm gar nicht geschrieben werden müssen hätte, wenn dem nicht so wäre. Aber er besteht darauf, dass negative Erfahrungen den Glaubenden nicht um die Überzeugung bringen dürfen, dass Gott sich dennoch wirklich dafür engagiert, dass die moralische Ordnung der Welt ‚funktioniert‘.“&amp;lt;br /&amp;gt;Psalm 37 ist dann keine theoretische Theodizee, er ist &#039;&#039;angewandte&#039;&#039; Theodizee. &#039;&#039;Warum&#039;&#039; die moralische Weltordnung nicht immer funktioniert, sagt der Psalm nicht (und sagt auch kein anderer Vers in der Bibel); aber er ermutigt angesichts dieser Problematik: Nichtsdestotrotz &#039;&#039;gibt&#039;&#039; es diese moralische Weltordnung, und es &#039;&#039;gibt&#039;&#039; das Grundprinzip, dass Gerechte gesegnet und Ungerechte bestraft werden. Sei standhaft und vertraue darauf! (Und man darf mit Kant ergänzen: Was sonst bleibt einem übrig? Ohne die Annahme, gutes Handeln werde einem auch vergolten, fehlt der Moral die entscheidende Triebfeder.)&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vv. 27-29&#039;&#039;&#039; wiederholen noch einmal die Grundannahme des Psalms und erweitert sie um die Dimension der Zeit: Gerechte werden gesegnet, – und zwar für immer (27b), für immer (28c) und für ewig (29b).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Vv. 30-34&#039;&#039;&#039; konkretisieren diese Gerechtigkeit noch ein wenig mehr: Gerecht sein heißt, sich von der Weisheit leiten zu lassen: Weisheit im Mund, Recht auf der Zunge und Weisung Gottes im Herzen zu haben. – Gerechtigkeit ist nicht nur eine Frage des Handelns, sondern auch des Redens und Denkens: Auch dies soll gottgefällig sein; Gott wird es lohnen. Und noch ein letztes Mal wird das selbe in &#039;&#039;&#039;Vv. 35-40&#039;&#039;&#039; wiederholt: Man achte darauf, wen man sich zum Vorbild nimmt. So gewaltig ein Frevler auch scheinen mag: Allzu schnell kann er dahin sein, wie der kleine Erfahrungsbericht des Dichters in Vv. 35f. lehrt. Man halte sich daher besser Aufrechte, Gerechte und Männer des Friedens, denn solche wird Gott zur Zeit der Bedrängnis „retten, ihnen helfen und sie befreien, wenn sie sich zu ihm flüchten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Jesaja_2&amp;diff=40206</id>
		<title>Jesaja 2</title>
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		<updated>2025-10-30T19:22:53Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Syntax&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Lesefassung}} &#039;&#039;(kommt später)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|2}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|3}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|5}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|6}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|7}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|8}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|9}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|10}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|11}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|12}} Denn (ein Tag [ist] dem JHWH Zebaot=) es wird kommen ein Tag von JHWH Zebaot&lt;br /&gt;
Über alles Hochmütige und Erhöhte (Hohe)&lt;br /&gt;
_Und über alles Erhabene (Gehobene) – erniedrigt wird&#039;s!&lt;br /&gt;
{{S|13}} {Und}&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;{&amp;lt;s&amp;gt;und&amp;lt;/s&amp;gt;}&#039;&#039; - das erste „und“ muss im Dt. leider unübersetzt bleiben: Im Heb. kann anders als „und“ im Dt. die Konjunktion &#039;&#039;we-&#039;&#039; wie hier auch bloß Appositionen markieren und ist dann keine Konjunktion. Die Formulierung dient natürlich dazu, noch ein weiteres „und über“ im Text unterzubringen.&amp;lt;/ref&amp;gt; über alle Zedern des Libanon[-Gebirges], &lt;br /&gt;
_Die Erhöhten und erhabenen,&lt;br /&gt;
_Und über alle Eichen des Baschan[-Gebirges]&lt;br /&gt;
{{S|14}} Und über alle erhöhten Berge&lt;br /&gt;
_Und über alle erhabenen Hügel&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Berge ... Hügel&#039;&#039; - G-Shift, ein häufiges Stilmittel in der heb. Poesie: „Berge“ sind im Heb. maskulin und haben daher ebenso wie ihr Adjektiv-Attribut die Nachsilbe &#039;&#039;-im&#039;&#039;, „Hügel“ sind feminin und haben daher ebenso wie ihr Attribut die Nachsilbe &#039;&#039;-ot&#039;&#039;: &#039;&#039;hehar&#039;&#039;&#039;im&#039;&#039;&#039; harom&#039;&#039;&#039;im&#039;&#039;&#039; ... wehagaba´&#039;&#039;&#039;ot&#039;&#039;&#039; hannischa`&#039;&#039;&#039;ot&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|15}} Und über allen hohen Turm&lt;br /&gt;
_Und über alle abweisende Mauer&amp;lt;ref&amp;gt;Lautspiel im Heb.: &#039;&#039;hohen&#039;&#039; in 15a und &#039;&#039;Mauer&#039;&#039; in 15b hatten ursprünglich die umgekehrte Vokalfolge: &#039;&#039;g&#039;&#039;&#039;a&#039;&#039;&#039;b&#039;&#039;&#039;o&#039;&#039;&#039;h&#039;&#039; – &#039;&#039;ḥ&#039;&#039;&#039;o&#039;&#039;&#039;m&#039;&#039;&#039;a&#039;&#039;&#039;h&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|16}} Und über alle Tarschisch-Schiffe&lt;br /&gt;
_Und über alle begehrenswerte Anblicke:&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Jes 2 Erfurt 3.jpg|mini|Jes 2,14-16 in Erfurt 3]]&lt;br /&gt;
In hebräischen Schriften wirken diese Zeilen noch eindrücklicher: In vielen Handschriften entspricht die Länge dieser Zeilen genau einer Standard-Zeile, so dass der Leser sich schon auf den ersten Blick mit einer langen Liste konfrontiert sieht, deren jedes Item mit dem selben Wort beginnt. Rechts ein Beispiel aus der Handschrift Erfurt 3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|17}} Erniedrigt wird die Hoffart der Person&lt;br /&gt;
_Und gebeugt der Hochmut der Menschen:&lt;br /&gt;
Oben sein wird JHWH allein&lt;br /&gt;
_An diesem Tag!&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|18}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|19}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|20}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|21}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|22}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=1_K%C3%B6nige_19&amp;diff=40205</id>
		<title>1 Könige 19</title>
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		<updated>2025-10-30T17:31:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Syntax&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Zuverlässige Studienfassung}}&lt;br /&gt;
{{Lesefassung kann erstellt werden}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Lesefassung}} &#039;&#039;(kommt später)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|1}} Dann erzählte Ahab der Isebel([, seiner Frau],)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Alle Vrs. wie in der Primärüs.; nur LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B&amp;lt;/sup&amp;gt; präzisiert: „Isebel, &#039;&#039;seiner Frau&#039;&#039;“. LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B&amp;lt;/sup&amp;gt; und LXX&amp;lt;sup&amp;gt;L&amp;lt;/sup&amp;gt; präzisieren in diesem Kapitel ausgesprochen häufig die handelnden Subjekte (meist durch Benennung, wo der ursprüngliche Text nur „[Er] VERB“ hat). Das ist jeweils so sicher sekundär, dass es i.F. gar nicht erwähnt werden wird.&amp;lt;/ref&amp;gt; alles, was Elija getan hatte, und wie (alles darüber, wie)&amp;lt;!--&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT wie im vorangehenden Teilsatz: &#039;&#039;we`et-kol-`ašer&#039;&#039;; dort: „alles, was“, hier zur Not: „alles darüber, wie“. LXX, VUL, Syr und 1 MS dagegen setzen &#039;&#039;wa`ašer&#039;&#039; („und was“) oder &#039;&#039;weka`ašer&#039;&#039; („und wie“) voraus. MT ist sicher Angleichung an den vorangehenden Teilsatz; so auch Stade/Schwally, BHK; auch Cogan 2001; DeVries 2004; Sweeney 2007; Thiel 2007.&amp;lt;/ref&amp;gt;--&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Textkritik&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Unbedeutende Textkritische Differenz; die Mehrheit der Ausleger hält die Variante in der Primärübersetzung für die ursprüngliche.&amp;lt;/ref&amp;gt; er getötet hatte alle ({alle})&amp;lt;!--&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: „alle“ nach MT, VUL, Tg, Syr, wenigen LXX-Mss und VL. Gestützt wird das zusätzlich dadurch, dass Syr und Tg dies dann auch noch präzisieren: „alle Propheten &#039;&#039;des Baal&#039;&#039;“ (Syr; auch LXX-Mss) / „alle &#039;&#039;falschen&#039;&#039; Propheten“ (Tg). In LXX und 7 MSS dagegen fehlt dieses „alle“. Stade/Schwally, BHK, BHS und z.B. DeVries 2004 halten die kürzere Variante für ursprünglich, aber richtig wohl Pruin 2006, S. 253, Thiel 2007, S. 218: Über die starke Bezeugung hinaus ist MT auch noch die lectio difficilior, weil Elija in 1 Kön 18 ja gar nicht &#039;&#039;alle&#039;&#039; Propheten getötet hat.&amp;lt;/ref&amp;gt;--&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Textkritik&amp;quot; /&amp;gt; die Propheten mit dem Schwert.&lt;br /&gt;
{{S|2}} Da sandte Isebel einen Boten ([eine Botschaft])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT, Aq, Sym, VUL, Tg, Syr, einigen LXX-Mss und wenigen VL-Mss: „einen Boten“. Laut LXX&amp;lt;sup&amp;gt;H&amp;lt;/sup&amp;gt; stand dieses Nomen aber nicht in Origines&#039; Vorlage; auch LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B, L&amp;lt;/sup&amp;gt; bezeugen es nicht. Im Heb. wäre es auch in der Tat verzichtbar. Stade/Schwally, DeVries 2004 und Hugo 2010, S. 19 halten daher den kürzeren Text für ursprünglich. Aber angesichts der so starken Bezeugung sollte man die kürzere Variante besser so erklären, dass ein Schreiber der LXX-Vorlagen nicht damit einverstanden war, dass Isebel hier derart mit JHWH parallelisiert wird – auch dieser nämlich wird in V. 7 einen Boten schicken.&amp;lt;/ref&amp;gt; zu Elija wie folgt: „Bist du Elija, bin ich Isebel! Woraus folgt:&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Bist du Elija, bin ich Isebel! Woraus folgt: ...&#039;&#039; - D.h. „Du magst zwar ein nicht unbedeutender Prophet sein, aber ich bin, verdammt noch mal, die &#039;&#039;Königin&#039;&#039;!“ (so z.B. Cogan 2001; Hugo 2010, S 25). Wahrscheinlich falsch die alternative Deutung von Gray 1970, DeVries 2004: „Du bist zwar ‚JHWH ist Gott!‘, aber ich bin ‚Wo ist Baal!‘“ – Isebel würde dann also mit der Bedeutung ihrer beider Namen spielen, um zu signalisieren, dass der Wettstreit zwischen JHWH und Baal aus 1 Kön 18 noch lange nicht zu Ende gekämpft ist und nun persönlich wird: Sie als die Baals-Repräsentantin würde veranlassen, dass es Elija als JHWH-Repräsentanten an den Kragen ginge. Aber &#039;&#039;Isebel&#039;&#039; ist kaum zu erklären als „Wo ist Baal“ – das ´Ajin von &#039;&#039;ba´al&#039;&#039; fehlt ja in &#039;&#039;-bel&#039;&#039; –, sondern als &#039;&#039;`i&#039;&#039; + &#039;&#039;zebl&#039;&#039;, „Wo ist der Fürst?“ Mit diesem „Fürst“ wird auch ein Gott gemeint sein, aber das angebliche Wortspiel an dieser Stelle funktioniert dann nicht mehr. Denkbar wäre dann aber ein anderes Wortspiel: Vgl. [[Psalm 42#s4 |Ps 42,4.11]] („Meine Feinde verhöhnen mich: ‚Wo ist dein Gott!?‘“), dann: „Du bist vielleicht ‚JHWH ist Gott‘, aber ich bin (und sage dir): ‚Wo ist er denn, dein Fürst!?‘“&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Bist du Elija, bin ich Isebel! Woraus folgt:&#039;&#039; - Nur bezeugt durch LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B, L&amp;lt;/sup&amp;gt; und VL. Eine spätere Ergänzung wäre aber kaum erklärlich, einen Ausfall könnte man sich dagegen als Parablepsis erklären: Offenbar irrten die Augen eines Schreibers vom ersten &#039;&#039;le`mor&#039;&#039; („wie folgt“) direkt zum zweiten („woraus folgt“) ab (Eissfeldt 1967, S. 66; z.B. auch DeVries 2004; Thiel 2007; Schenker 2004, S. 134; Hugo 2010, S. 18).&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies möge Gott (mögen die Götter?)&amp;lt;!--&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Gott (Götter?)&#039;&#039; - Der Gott Israels und wohl auch andere Götter wird und werden im Heb. mit dem &#039;&#039;Plural&#039;&#039;-Wort „Götter“ bezeichnet. Manche LXX-Varianten übersetzen das „Götter“ an unserer Stelle mit Pl., andere mit Sg., und manche haben daraus ableiten wollen, dass ursprünglich hier nicht &#039;&#039;`elohim&#039;&#039; („Götter“), sondern &#039;&#039;`el&#039;&#039; („Gott“ = Baal) gestanden habe. Aber es ist ja nicht mal gewiss, wie die Vorlage dieser Sg.-LXX zu rekonstruieren ist, und die anderen Vrs. setzen sicher Pl. voraus. Am Sinn ändert es ohnehin nichts: In den meisten Verwendungen dieser Formel (s. übernächste FN) ist explizit von &#039;&#039;JHWH&#039;&#039; die Rede; entsprechend darf man erwarten, dass die Baals-Anhängerin Isebel hier nur von &#039;&#039;ihrem&#039;&#039; einen Gott Baal spricht.&amp;lt;/ref&amp;gt;--&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Textkritik&amp;quot; /&amp;gt; mir ([mir])&amp;lt;!--&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;mir&#039;&#039; steht in einigen MT-Mss nicht und lag auch Origines nicht vor. Alle anderen Vrs. bezeugen es und es gehört auch fest zur Formel; die Minus-Variante ist sicher ein reiner Schreibfehler.&amp;lt;/ref&amp;gt;--&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Textkritik&amp;quot; /&amp;gt; antun und darüber hinaus jenes,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Dies möge Gott mir antun und darüber hinaus jenes, wenn nicht&#039;&#039; - sehr gebräuchliche Schwurformel (s. [[Rut 1#s17 |Rut 1,17]]; [[1 Samuel 3#s17 |1 Sam 3,17]]; [[1 Samuel 14#s44 |14,44]]; [[1 Samuel 20#s13 |20,13]]; [[1 Samuel 25#s22 |25,22]]; [[2 Samuel 3#s9 |2 Sam 3,9]].[[2 Samuel 3#s35 |35]]; [[2 Samuel 19#s14 |19,14]]; [[1 Könige 2#s23 |1 Kön 2,23]]; [[1 Könige 6#s31 |6,31]]; [[1 Könige 20#s10 |20,10]]; [[2 Könige 6#s31 |6,31]]). Gemeint ist etwa: „Ich schwöre: Ich werde Folgendes tun! Tue ich es nicht, soll mir ein schlimmes Unheil widerfahren!“ Das Unheil, das man mit dieser Schwurformel auf sich selbst herabruft, ist so entsetzlich, dass es stets nur mit „dies und darüber hinaus jenes“ umschrieben wird. Stark PAT: „Ich schwöre, und die Götter mögen mich strafen, wenn ich dich morgen ...“&amp;lt;/ref&amp;gt; wenn nicht morgen um diese Zeit dein Leben gleich dem Leben eines der ihren ist!“&lt;br /&gt;
{{S|3}} Da fürchtete sich (Er sah&#039;s)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;er fürchtete sich (er sah&#039;s)&#039;&#039; - Beide Wörter haben im Heb. die selben Konsonanten. Als „er sah&#039;s“ vokalisieren MT und Tg, sicher näherliegend als „er fürchtete sich“ aber LXX, JosAnt §348; VUL, Syr und auch wenige Mss und ein Tg-Ms. Fast alle halten denn auch richtig dies für die ursprünglich angezielte Bed. CTAT III, S. 372 u.v.a. erklären MT und Tg damit, dass ein Schreiber nicht vom eisernen Elija hätte sagen wollen, er habe sich gefürchtet – aber was hiernach folgt, stellt ihn ja in noch wesentlich schlechteres Licht als dieses Verb.&amp;lt;/ref&amp;gt; Elija und erhob sich und lief um sein Leben und kam&amp;lt;ref name=&amp;quot;34&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;er lief um sein Leben und kam&#039;&#039; (V. 3) + &#039;&#039;Nachdem er gelaufen war, kam er&#039;&#039; (V. 4) - Häufige Doppelverbformel, mit der unterstrichen wird, dass eine &#039;&#039;längere&#039;&#039; Reise unternommen wird (s. zu [[Rut 2#s3 |Rut 2,3]]). V. 4a sollte daher im Dt. besser umformuliert werden. Besser als der Vorschlag der SF oben wäre einer, der in der LF deutlicher machte, wie parallel Vv. 4.5 formuliert sind: „[VERB] und [VERB] unter einem einsamen Ginsterbusch“.&amp;lt;/ref&amp;gt; nach Beerscheba, das zu[m Königreich]&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;zum Königreich&#039;&#039; hat zwar auch eine leichte textkritische Stütze; so und so sollte man es aber im Dt. ergänzen, denn dies ist gemeint: Elija entzieht sich mit seiner Flucht nach Beerscheba am südlichsten Rand Judas dem Einflussbereich der zürnenden Königin.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B, L&amp;lt;/sup&amp;gt; nämlich präzisieren ähnlich: „im Lande Juda“. Vielleicht ist dies aber sogar nur inner-griechische Korruption des Artikels &#039;&#039;tän&#039;&#039; zum Nomen &#039;&#039;gän&#039;&#039; („Land“); auch davon unabhängig würde man es sicher als sekundär beurteilen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Juda [gehörte]. {{par|Genesis|19|7}} {{par|1 Samuel|19|11}} {{par|2 Könige|7|7}} Dort ließ er seinen [Dienst-]Knaben zurück. {{par|Genesis|22|5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|4}} Nachdem er einen [ganzen] Tag lang&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;einen [ganzen] Tag lang&#039;&#039; - W. „den Weg eines Tages“.&amp;lt;/ref&amp;gt; in die Wüste gelaufen war, {kam er und}&amp;lt;ref name=&amp;quot;34&amp;quot; /&amp;gt; setzte er sich unter einen einsamen&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;einen einsamen&#039;&#039; - w. „unter &#039;&#039;einen&#039;&#039;“ mit Numerale statt unbest. Artikel; zur Bed. „einsam“ vgl. richtig Gray 1970; Knauf 2019.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ginsterbusch. Er wünschte seinem Leben, zu sterben, {{par|Numeri|11|5}} {{par|Jona|4|8}} [indem] er sprach: „Genug jetzt, JHWH! (Ich habe genug, JHWH)!&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Genug jetzt, JHWH! (Ich habe genug, JHWH)&#039;&#039; - Ein unerhörter Ausruf. Man sieht das schon daran, dass die Vrs. zu unterschiedlichen Strategien griffen, um ihn abzuschwächen.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Nämlich: (1) LXX&amp;lt;sup&amp;gt;L&amp;lt;/sup&amp;gt; streicht das „JHWH“, was die mit MT übereinstimmenden VL und das LXX-Ms c2 als sekundär erweisen; (2) die anderen LXX-Mss verschieben das Wort nach „nimm mein Leben von mir“, (3) die Vorlagen von VUL und Syr ergänzen ein &#039;&#039;li&#039;&#039; (w. „[Genug] für mich“, also „Ich kann nicht mehr!“), (4) Tg kombiniert mehrere Strategien, indem er erstens ebenfalls das &#039;&#039;li&#039;&#039; ergänzt und zweitens die ganze Wortfolge „jetzt, JWHW“ nach hinten schiebt.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Der trennende Akzent zwischen „genug“ und „jetzt“ spricht nicht gegen diese Auflösung; er rührt daher, dass „JHWH“ als Vokativ mit dem vorangehenden Wort verbunden werden und daher ein trennender Akzent andernsorts und daher eben hier stehen muss.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nimm mein Leben ([von mir]),&amp;lt;!--&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;von mir&#039;&#039; nach LXX und 1 Ms; assim-[[Jona 4#s3 |Jon 4,3]].&amp;lt;/ref&amp;gt;--&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Textkritik&amp;quot; /&amp;gt; {{par|Jona|4|3}} {{par|Tobit|3|6}} denn ich bin nicht besser (dran) als meine Vorfahren (Vorgänger?)!“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;ich bin nicht besser (dran) als meine Vorfahren (Vorgänger?)&#039;&#039; - entweder also: (1) „offensichtlich bin ich nichts Besonderes“, die Verzweiflung hat ihm den Glauben genommen, Instrument für Gottes wunderbares Handeln zu sein (z.B. Cogan 2001). (2) „Ich bin nicht besser dran als meine Vorfahren“: wie sie gestorben sind, bin nun auch ich dem Tode nahe! (so z.B. Hauser 1990, S. 63). So schon JosAnt §348: „Er verlangte nach dem Tod, da er nicht besser als seine Väter sei und nach deren Heimgang keine Freude mehr am Leben habe.“ (3) „Ich bin nicht besser als meine Vorgänger“, ich habe nicht mehr erreicht als die Propheten vor mir! (so Jeremias 1996, S. 487; Dharamraj 2006, S. 53; Thiel 2007), was allerdings nur funktioniert, wenn man wirklich aus [[2 Könige 2#s12 |2 Kön 2,12]] ableiten kann, dass ein Prophet seine Vorgänger als seine „Väter“ bezeichnen konnte, und das ist sehr unsicher. Mindestens zwischen (1) und (2) wird man sich gar nicht entscheiden müssen, sondern wird hier beides hören dürfen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|5}} Dann legte er sich hin und schlief unter einem einsamen Ginsterbusch (dort?).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;unter einem einsamen Ginsterbusch (dort?)&#039;&#039; - MT, LXX&amp;lt;sup&amp;gt;H&amp;lt;/sup&amp;gt;, εβρ, VUL, Tg, Syr: „er schlief unter einem einsamen Ginsterbusch.“ LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B&amp;lt;/sup&amp;gt; dagegen: „er schlief &#039;&#039;dort&#039;&#039; unter dem Busch“, LXX&amp;lt;sup&amp;gt;L&amp;lt;/sup&amp;gt; „er schlief unter dem Busch &#039;&#039;dort&#039;&#039;“. Ganz merkwürdig leitet die Mehrzahl der Exegeten &#039;&#039;hieraus&#039;&#039; ab, dass entweder sowohl „unter einem einsamen Ginsterbusch“ als auch „dort“ sekundär seien oder sogar, dass „dort“ ursprünglich und „unter einem (einsamen) Ginsterbusch“ sekundäre Angleichung an V. 4 sei. So z.B. Stade/Schwally, BHK, BHS, Trebolle Barrera 1989; auch Würthwein 1984, Cogan 2001, Thiel 2007. Weit wahrscheinlicher stand in einer Handschrift &#039;&#039;šam&#039;&#039; am Rand, sollte die ungewöhnliche Wiederholung des „einsamen Ginsterbuschs“ ersetzen und ist daher an unterschiedlichen Orten in die Vorlagen von LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B&amp;lt;/sup&amp;gt; und LXX&amp;lt;sup&amp;gt;L&amp;lt;/sup&amp;gt; geraten. Dass LXX den „Ginsterbusch“ hier mit einem anderen Nomen als in V. 4 übersetzt und „ein“ streicht, wird aus den selben stilistischen Gründen geschehen sein.&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch da (siehe)!, einer (ein Bote)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: „Ein Bote“ nach MT, Aq, Sym, Tg, Syr; ähnlich VUL wie in V. 7: „ein Bote JHWHs“. LXX dagegen einheitlich: &#039;&#039;tis&#039;&#039;, „jemand“; ebenso JosAnt §349 („etwas Unsichtbares“). Trotz dieser starken Bezeugung ist wahrscheinlich die LXX-Variante ursprünglich und die MT-Variante unvollständige Assimilation an V. 7; so richtig Trebolle Barrera 1989, S. 144; Hugo 2010, S. 19; z.B. auch DeVries 2004.&amp;lt;/ref&amp;gt; stößt (fasst) ihn an und spricht zu ihm: „Steh auf, iss!“&lt;br /&gt;
{{S|6}} Und er schaute [sich um], und da (siehe)!, zu seinem Haupt (auf seiner Kopfstütze?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;zu seinem Haupt (auf seiner Kopfstütze?)&#039;&#039; - Zur Alternative: Im Heb. steht die Nahrung auf Elijas &#039;&#039;mero`š&#039;&#039;, einer Wortbildung aus &#039;&#039;ro`š&#039;&#039; („Kopf“) und dem Lokal-Präfix &#039;&#039;m-&#039;&#039;. Vgl. z.B. &#039;&#039;zabal&#039;&#039; „wohnen“ &amp;gt; &#039;&#039;mizbal&#039;&#039; „Wohnort“, &#039;&#039;satar&#039;&#039; „verstecken“ &amp;gt; &#039;&#039;mistar&#039;&#039; „Versteck“ und v.a. &#039;&#039;šakab&#039;&#039; „liegen“ &amp;gt; &#039;&#039;miškab&#039;&#039; „Liegeort“ = „Bett“; entsprechend dann hier &#039;&#039;ro`š&#039;&#039; „Kopf“ &amp;gt; &#039;&#039;mero`š&#039;&#039; „Kopf-Ort“ = Kopfstütze? So jedenfalls Syr: &#039;&#039;`essad&#039;&#039; „Kopfstütze, Kissen“. Gemeint sein könnte etwas wie der Stein des Jakob, vgl. [[Genesis 28#s11 |Gen 28,11]] mit dem selben Wort, was nicht heißen muss: „er nahm einen Stein und legte ihn nieder an seinem Kopf-Ort“, sondern auch bedeuten könnte: „... und legte ihn nieder als seine Kopfstütze“. In vielen Kulturen nimmt man beim Nächtigen im Freien auch heute noch einen Stein oder ein Stück Holz als Kopfstütze; einerseits, weil selbst dies bequemer ist, als den Kopf direkt auf den Boden zu legen (wie jeder Camper bestätigen können wird), andererseits aber wohl auch, damit bspw. Skorpione nicht so leicht an den Kopf des:der Schlafenden gelangen können. Vgl. noch [[1 Samuel 19#s13 |1 Sam 19,13]]: „Michal nahm die Teraphim, legte [sie] ins Bett und das Geflecht aus Ziegenhaar auf sein &#039;&#039;mero`š&#039;&#039; und deckte es mit einer Decke zu.“ (auch V. 16). Wg. dem Sg.-Suffix („&#039;&#039;sein&#039;&#039; &#039;&#039;mero`š&#039;&#039;“) ist &#039;&#039;mero`š&#039;&#039; hier sicher nicht „der Ort am Kopf &#039;&#039;der&#039;&#039; Teraphim“ (ein Pluralwort, s. [[Genesis 31#s34 |Gen 31,34]]: „Rachel hatte die Teraphim genommen und &#039;&#039;sie&#039;&#039; im Sattel versteckt“). Dann ist es also ein &#039;&#039;Teil des Bettes Davids&#039;&#039;, auf &#039;&#039;dessen&#039;&#039; &#039;&#039;mero`š&#039;&#039; Michal das Ziegenhaar-Geflecht legt. In [[1 Samuel 26#s7 |1 Sam 26,7]].11f.16 wäre dann entsprechend „[an] seiner Kopfstütze“ zu übersetzen. Ich (S.W.) halte diese Deutung v.a. an drei erstgenannten Stellen für besser. So übersetzt dort aber niemand, daher besser auch nicht OfBi.&amp;lt;/ref&amp;gt; [standen] ein auf Kohle (Glühsteinen) [gebackener]&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;auf Kohle (Glühsteinen) [gebacken]&#039;&#039; - VUL legt nahe, wie dies zu verstehen ist: &#039;&#039;subcinericius panis&#039;&#039;, ein „Unter-Aschen-Brot“. Gemeint ist mit dem Wort dann wie in [[Jesaja 6#s6 |Jes 6,6]] &#039;&#039;Kohle&#039;&#039; (so EÜ: „ein Brot, das in glühender Asche gebacken war“), also kein „Glühstein“, der das Pendant einer Pfanne wäre (so Knauf 2019, auch NL: „ein Stück auf heißen Steinen gebackenes Brot“), was sich ohnehin schlecht mit dem Pl. verträgt, und das Brot ein „Aschenbrot“, das man buk, indem man es direkt auf die Kohle gab und weitere Kohle darüber häufte, damit er von beiden Seiten erhitzt wird (wie ebenfalls noch heute in vielen Kulturen, Abb. z.B. auf dem Blog [https://anthrochef.com/2017/08/11/ash-bread/ Anthrochef]). Erwähnt wird sie dann nicht, weil „Glühstein-Brot“ &#039;&#039;besseres&#039;&#039; Brot war, sondern weil durch die Formulierung die „Kohle“ (heiß) und das „Wasser“ (kalt) eine Art Merismus bilden: „ein Fladen der Kohle und eine Krug des Wassers“. Gleichzeitig ist die Formulierung chiastisch: (A) Nahrung – (B) Instrument – (B&#039;) Instrument – (A&#039;) Nahrung. Im Deutschen lässt sich das leicht nachbilden: „Ein Aschenbrot und ein Wasserkrug“. S. noch übernächste FN: V. 6 ist offensichtlich gehobene, kunstvoll formulierte Prosa.&amp;lt;/ref&amp;gt; Fladen und ein Krug mit Wasser. Da ([stand er auf und])&amp;lt;!--&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;er stand auf&#039;&#039; nur nach LXX (außer LXX&amp;lt;sup&amp;gt;H&amp;lt;/sup&amp;gt;), VL; assim-V. 5.&amp;lt;/ref&amp;gt;--&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Textkritik&amp;quot; /&amp;gt; aß er und trank er und legte sich wieder hin (kehrte um und legte sich).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;er trank und kehrte um und legte sich&#039;&#039; - „kehrte um und legte sich“ i.S.v. „er legte sich wieder“ ist eine ganz gewöhnliche Konstr. im Heb.; hier aber auffällig, da das Ende des Verses so stark assonant ist: &#039;&#039;wajješt wajjašab wajjiškab&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|7}} Und es kam zurück der Bote (Engel)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Bote (Engel)&#039;&#039; - W. „Bote“. „Boten Gottes“ übersetzt man in dt. Üss. meist (und auch hier stets) mit „Engel“, denn solche sind dann fast stets gemeint. Folgt man mit der SF hier in V. 2 den Vrs., die auch Isebel einen „Boten“ schicken lassen, sollte man durchaus auch hier so übersetzen, dass diese Parallelität erkennbar wird; hält man dagegen das „Bote“ dort für sekundär, ist es hier gleich und man sollte besser mit „Engel“ übersetzen.&amp;lt;/ref&amp;gt; JHWHs ein zweites Mal (da kehrte ein zweiter Bote JHWHs zurück) und stieß (fasste) ihn an und sagte: „Steh auf, iss! Denn [sonst ist] zu weit (genug)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;zu weit&#039;&#039; - w. „genug“, das selbe Wort, das Elija Gott in V. 4 entgegengeschleudert hat. Wenn möglich, sollte das in der LF erkennbar sein. Vielleicht: „Sonst ist&#039;s nicht genug für deinen weiten Weg“? Oder wie B-R: „Erheb dich, iß, genug noch hast du des Wegs.“&amp;lt;/ref&amp;gt; für dich der Weg!“&lt;br /&gt;
{{S|8}} Da stand er auf ({stand er auf}&amp;lt;!--&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: ohne „stand er auf“ nur LXX&amp;lt;sup&amp;gt;H&amp;lt;/sup&amp;gt;. Offenbar zwei unterschiedliche Textüberlieferungen: In V. 6 bezeugt unter den LXX-Versionen nur LXX&amp;lt;sup&amp;gt;H&amp;lt;/sup&amp;gt; dieses „stand er auf“ nicht. Auch dieses ist aber sicher als Assimilation hier an V. 7 zu werten.&amp;lt;/ref&amp;gt;--&amp;gt;)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Textkritik&amp;quot; /&amp;gt; und aß und trank und ging mit der Kraft dieses Essens 40 Tage und 40 Nächte [durch] bis zum ([Gottes-])Berg Horeb.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B, L, H&amp;lt;/sup&amp;gt;: „Berg Horeb“. Dagegen MT, LXX&amp;lt;sup&amp;gt;A&amp;lt;/sup&amp;gt;, VL, εβρ, Tg, VUL, Syr: „Gottesberg Horeb“, assim-[[Exodus 3#s1 |Ex 3,1]]. So auch Stade/Schwally; Hugo 2010. Umgekehrt ist ein spätererer Ausfall kaum erklärlich (eine Kombination aus App. + Constr. ist mitnichten „schwierig“ – so Thiel 2007 –, sondern ganz gewöhnlich und sehr häufig im Heb.). JosAnt §349 übrigens „Sinai“. Man könnte versucht sein, damit die Position sehr weniger Ausleger zu stützen, die glauben, nicht „Gottes-“, sondern „&#039;&#039;Horeb&#039;&#039;“ sei hier sekundär, aber wahrscheinlich wird man diese Üs. von Josephus eher als freie Übersetzung werten müssen, da der Horeb häufiger „Sinai“ genannt und daher besser unter diesem Namen bekannt war.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|9}} Und er kam dort zur Höhle (zu einer Höhle)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;zur Höhle (zu einer Höhle)&#039;&#039; - Die „Höhle“ hat auch in [[Genesis 19#s30 |Gen 19,30]]; [[1 Könige 13#s11 |1 Kön 13,11]]; [[1 Könige 18#s4 |18,4.13]] unerwartet Artikel; dies muss also nichts bedeuten (richtig Simon 1997, S. 322; Cogan 2001). Dennoch wird der:die Leser:in hier, in dieser Szene, die so oft und so deutlich auf Mose anspielt (s. die Anmerkungen), und auf dem Horeb, wo Mose in einer Felsspalte seine Gottesbegegnung hatte (s. [[Exodus 33#s22 |Ex 33,22]]), sicher auch an exakt diese Felsspalte/Höhle denken dürfen (so gut z.B. Cohn 1982, S. 342; Dharamraj 2006, S. 55f.; Thiel 2007).&amp;lt;/ref&amp;gt; und übernachtete dort. Und da (siehe)!, das Wort JHWHs [ergeht (erging)] an ihn! Es fragte ihn ({ihn}&amp;lt;!--&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Die kürzere Variante in LXX (ohne LXX&amp;lt;sup&amp;gt;H&amp;lt;/sup&amp;gt;) und wenigen Mss. Assim-V. 13.&amp;lt;/ref&amp;gt;--&amp;gt;):&amp;lt;ref name=&amp;quot;Textkritik&amp;quot; /&amp;gt; „Was willst du hier (Was [ist] mit dir, [dass du] hier [bist]), Elija?“&amp;lt;ref name=&amp;quot;9.13&amp;quot;&amp;gt;Wortspiel: „Was ist mit dir“ ist im masoretischen Text zwar &#039;&#039;mah-leka&#039;&#039;, lautete ursprünglich aber &#039;&#039;mah-lak&#039;&#039; und klingt daher sehr ähnlich wie der &#039;&#039;malak&#039;&#039;, der „Bote“ (s.o.). Die Frage ist die standardmäßige Eröffnung z.B. einer Königsaudienz, mit der Empfangene eingeladen wurde, sein Begehr zu nennen (gut Seybold 1973, S. 8; z.B. auch Cogan 2001; Dharamraj 2006, S. 58; vgl. [[2 Samuel 14#s5 |2 Sam 12,5]]; [[1 Könige 1#s16 |1 Kön 1,16]]; [[2 Könige 6#s28 |2 Kön 6,28]]; [[Esther 5#s3 |Est 5,3]]). Dennoch sollte man nicht zu frei als etwas wie „Was ist dein Begehr?“ o.Ä. übersetzen; sicher sollte der:die Leser:in mindestens &#039;&#039;mit&#039;&#039;-hören: „Was willst du &#039;&#039;hier&#039;&#039;? [Du sollst doch in Israel sein!]“ (richtig z.B. Hauser 1990, S. 71; von Nordheim 1992, S. 138; Fetherolf 2017, S. 203). So schon JosAnt §349: „Plötzlich fragte ihn eine Stimme, von der er nicht wusste, woher sie kam, warum er die Stadt verlassen und sich hierher begeben habe.“&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|10}} Da sprach er: &lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;„Ich habe ja (so) geeifert (Eifernd habe ich geeifert)&amp;lt;ref name=&amp;quot;10.14 1&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;geeifert&#039;&#039; - Mehrdeutiges Wort. Entweder: „Ich war so eifrig / tüchtig“ (z.B. [[2 Könige 10#s16 |2 Kön 10,16]]. Man denke auch an die „Zeloten“ = „die Eiferer“ = „die fanatischen JHWH-Anhänger“, zu denen z.B. auch Judas Iskariot gehört haben soll) oder: „Ich war so eifersüchtig“ (wie Gott ein eifersüchtiger Gott ist; ich war also ausgesprochen unduldsam mit der Baalsverehrung der Israeliten. S. [[Exodus 20#s5 |Ex 20,5]]). An sich spricht sehr wenig dafür, dass man hier an die zweite Bed. zu denken hat und die Parallele in 2 Kön 10,16 zu unserer Stelle ist ja offensichtlich; dennoch wird diese zweite Bed. nicht selten gewählt von jenen, die Elija in diesem Kapitel als größenwahnsinnig interpretieren wollen (s. die Anmerkungen).&amp;lt;br /&amp;gt;Auch die Funktion dieser ersten Zeile ist nicht ganz klar: Entweder will Elija seine Abwesenheit aus Israel mit dem Hinweis darauf abmildern, welch treuer Gottesdiener er war (Dann: „Ich habe ja außerordentlich geeifert!“), oder er will den Kontrast unterstreichen: „Ich habe so geeifert, aber alles umsonst, und jetzt wollen sie mir ans Leben!“ Der heb. Text lässt beides zu.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|2 Könige|10|16}}&lt;br /&gt;
_Für JHWH Zebaot (für JHWH, den Gott Zebaot),&amp;lt;ref name=&amp;quot;10.14 2&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;JHWH, den Gott Zebaot&#039;&#039; vs. &#039;&#039;JHWH Zebaot&#039;&#039; - Die kürzere Variante anscheinend in V. 10 in LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B, A, L&amp;lt;/sup&amp;gt;, VL, in V. 14 nur in LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B, A&amp;lt;/sup&amp;gt;. Die anderen Vrs. jeweils alle wie MT. Aber das ist etwas ungewiss; Gottesnamen werden häufig sehr divers geschrieben und übersetzt, und dies nicht nur in den antiken Versionen, sondern selbst noch in den mittelalterlichen Handschriften.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;deinen Bund verlassen&#039;&#039; vs. &#039;&#039;dich verlassen&#039;&#039;: Ähnlich: Die kürzere Variante in V. 10 in LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B, A, L&amp;lt;/sup&amp;gt;, VL, in V. 14 nur in LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B, L&amp;lt;/sup&amp;gt;. Die anderen Vrs. alle wie MT. Was davon ursprünglicher ist, lässt sich kaum erkennen; die Ausleger verteilen sich auch recht ausgewogen auf beide Varianten.&amp;lt;br /&amp;gt;Das stärkste Indiz ist dann bei beiden Varianten die Differenz in VL, bei der ersten die in LXX&amp;lt;sup&amp;gt;L&amp;lt;/sup&amp;gt;, bei der zweiten die in LXX&amp;lt;sup&amp;gt;A&amp;lt;/sup&amp;gt;: Bezeugen diese in V. 10 die kürzere Variante und in V. 14 die längere, könnte das heißen, dass in V. 10 die kürzere und in V. 14 die längere Variante ursprünglich war und dann von den meisten Vrs. V. 10 an V. 14 angeglichen wurde, in LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B, (L), (A)&amp;lt;/sup&amp;gt; dagegen V. 14 an V. 10. Insgesamt den ursprünglichen Wortlaut hätte dann nur VL bewahrt. Das ist wie gesagt recht unsicher, aber die beste Erklärung für diese komplexe Textdifferenz.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber (denn) verlassen haben dich (gebrochen haben deinen Bund)&amp;lt;ref name=&amp;quot;10.14 2&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Die Israeliten (Söhne Israels),&lt;br /&gt;
Indem sie deine Altäre zerstörten&lt;br /&gt;
_Und deine Propheten töteten mit dem Schwert!&amp;lt;ref name=&amp;quot;10.14 3&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Nicht: „Sie haben erstens deinen Bund gebrochen, zweitens deine Altäre zerstört und drittens deine Propheten getötet“: Die Wortstellung (1: V O S – 2: O V – 3: O V) gemeinsam mit den Akzenten ([ [1]&amp;lt;sub&amp;gt;Zaqef&amp;lt;/sub&amp;gt; [2&amp;lt;sub&amp;gt;Zaqef&amp;lt;/sub&amp;gt; 3]&amp;lt;sub&amp;gt;Athnach&amp;lt;/sub&amp;gt; ]) machen klar, dass Zeilen 2 und 3 Nebensätze zu Zeile 1 sein müssen.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Nehemia|9|26}} {{par|Römer|11|3}} {{par|Jeremia|2|30}} {{par|Lukas|11|47}} {{par|Matthäus|23|31}} {{par|Apostelgeschichte|7|52}} {{par|1 Thessalonicher|2|15}}&lt;br /&gt;
Ich bin übrig, ich, ich allein –&lt;br /&gt;
_Und sie verfolgen mein Leben, um&#039;s [mir] zu nehmen!“&amp;lt;ref name=&amp;quot;10.14 4&amp;quot;&amp;gt;Dass noch niemand Vv. 10.14 als Gedicht erkannt hat, ist erstaunlich. Es ist so kunstvoll gebaut, dass es eine längere FN lohnt:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Zeilen a-d betonen die unterschiedlichen Kontraste: Zeilen b.d zunächst die „Israeliten“ vs. „JHWH Zebaot“.  Bedeutungsmäßig stimmt der militärische Gottestitel „JHWH der Heere“ gut zusammen mit den „Söhnen von &#039;&#039;jißra `el&#039;&#039; (‚Gott streitet‘)“. Aber wie wenig passt diese Bezeichnung zu den Israeliten! – Für JHWH „gestritten“ (nämlich: „&#039;&#039;geeifert&#039;&#039;“) hat nur Elija (Zeile a), wohingegen die Israeliten ihn „&#039;&#039;verlassen&#039;&#039;“ haben (Zeile c). Um den Text so weben zu können, hat der Dichter zum seltenen Vierzeiler gegriffen, in dem nicht a mit b und c mit d parallel gehen, sondern die &#039;&#039;Doppelzeile&#039;&#039; ab mit ihrer antithetischen Doppelzeile cd.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Dass Zeilen e.f parallel sind, ist offensichtlich. Auch lautlich: Ursprünglich lautete „zerstörten“ &#039;&#039;harasu&#039;&#039;, „töteten“ sehr ähnlich &#039;&#039;haragu&#039;&#039;. Zum „töten“ passt lautlich auch das „Schwert“: &#039;&#039;haragu baḥarb&#039;&#039;. – Die „Gottes-Streiter“ haben danach nicht etwa nur Gott verlassen, sondern sich zerstörend und mordend gegen ihn gewandt, der vertreten wird durch die unbelebten „Altäre“ und die belebten (nun aber nicht mehr lebenden) „Propheten“.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Zeilen g.h kontrastieren noch mal Elija, der nach dem Mord an den Propheten ganz allein „übrig“ ist, und die Israeliten, die auch ihm sein Leben noch „nehmen“ wollen. Dass sich Zeile h überdies rückbezieht auf Zeile f, ist ebenfalls offensichtlich.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Zeilen ab und gh, in denen Elija Thema ist, umrahmen Zeilen c-f, in denen die Israeliten Thema sind; diese Verse in der Mitte motivieren den Wandel vom eifernden Elija in ab zum bedrohten Elija in gh.&amp;lt;br /&amp;gt;(5) Und schließlich werden die Zeilen ab.c-f insgesamt noch einmal konzentriert in Zeilen g.h aufgegriffen: &#039;&#039;Ich&#039;&#039; habe für dich gestritten (ab), &#039;&#039;sie&#039;&#039; haben sich vergangen (c-f) – jetzt bin nur noch &#039;&#039;ich&#039;&#039; übrig (g), und &#039;&#039;sie&#039;&#039; wollen sich an mir vergehen (h)!&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|11}} Und es sprach: „Geh ([morgen])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: „morgen“ nur nach LXX (ohne LXX&amp;lt;sup&amp;gt;H&amp;lt;/sup&amp;gt;), VL, JosAnt §351 („am Morgen“). Wahrscheinlich richtig DeVries 2004: Verschreibung von &#039;&#039;bhr&#039;&#039; („auf den Berg“) als &#039;&#039;mhr&#039;&#039; („morgen“). Die Korrektur „auf den Berg“ ist dann zusätzlich in LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B, L&amp;lt;/sup&amp;gt;, εβρ und VL an der falschen Stelle nach „vor JHWH“ und in LXX&amp;lt;sup&amp;gt;A&amp;lt;/sup&amp;gt; an der richtigen Stelle ergänzt worden.&amp;lt;/ref&amp;gt; hinaus und stell dich auf den Berg vor JHWH!“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und da (siehe)!, JHWH zieht vorüber:&amp;lt;ref&amp;gt;(1) So deutet die Mehrheit. (2) Oder: „Geh hinaus und stell dich auf den Berg vor JHWH, denn siehe, JHWH ist im Begriff, vorüberzuziehen“ – und erst dann folgt der Bericht. So schon LXX, die „vorüberziehen“ noch mit Futur übersetzt hat, was aber sicher auf die Verlesung von &#039;&#039;bhr&#039;&#039; („auf dem Berg“) als &#039;&#039;mhr&#039;&#039; („morgen“) zurückzuführen ist. Die Deutung legt sich aber tatsächlich deshalb schnell nahe, weil nach der Erwähnung des „Vorüberziehens“ JHWHs noch einmal ein Schritt zurück gemacht wird, um zu schildern, was diesem Vorüberziehen &#039;&#039;vorausgeht&#039;&#039;. Aber dies ist eine starke Minderheitenposition; bekannt sind mir (S.W.) als neuere Vertreter nur Pruin 2006, S. 252; Knauf 2019; NIV; NRSV.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Oder: Vv. 11f. sind insgesamt Ankündigung; das Geschehen selbst würde dann gar nicht berichtet, weil es in der Ankündigung schon so ausführlich geschildert wurde. So z.B. Walsh 1996; Cogan 2001; Robinson 1991, S. 521; Simon 1997, S. 214; Dharamraj 2006, S. 80; Rogland 2012, S. 92; ALTER – diese Position hat also eine ganze Reihe recht bedeutender Vertreter. Es gibt in der Tat vergleichbare Stellen in der Bibel, die so konstruiert sind. S. etwa [[Exodus 9#s13 |Ex 9,13-20]], wo zwischen Vv. 19.20 gar nicht noch mal geschildert wird, wie Mose die Botschaft Gottes auch wirklich überbringt, oder ganz entsprechend [[1 Könige 21#s17 |1 Kön 21,17-20]]. An unserer Stelle stört dann aber V. 13a stark, wo das „Hinausgehen“ Elijas anders als das „Vorüberziehen“ JHWHs eben doch berichtet wird.&amp;lt;br /&amp;gt;Auflösung (2) ist daher jedenfalls weit wahrscheinlicher als Auflösung (3); fraglich ist, ob Auflösung (2) auch der Standard-Auflösung vorzuziehen ist. Rein grammatisch ist sie möglich; &#039;&#039;hinneh&#039;&#039; („Da!, siehe!“) + Partizip kann in der Tat auch für Futurum instans („etw./jmd. ist &#039;&#039;im Begriff&#039;&#039;, zu geschehen / etwas zu tun“) verwendet werden (vgl. z.B. [https://en.wikisource.org/wiki/Gesenius%27_Hebrew_Grammar/116._The_Participles#GHGpar-116-p GKC §116p]). Im Kontext von 1 Kön 19 aber ist das sehr unwahrscheinlich; „und da!“ leitet hier stets übernatürliche Geschehnisse ein (s. neben diesem V. noch Vv. 5.6.9.13). Die beste Deutung ist daher die: 11b ist ein sog. „proleptisches Summarium“, das das gleich zu schildernde entscheidende Geschehnis bereits vorausnimmt (daher oben der Anschluss mit Doppelpunkt). Das wird dann entfaltet: Genauer geschieht es so, dass dem „Vorüberziehen“ Gottes zunächst Sturm, Erdbeben und Feuer vorausgehen. Den &#039;&#039;qol demamah daqqah&#039;&#039; danach (s. zu V. 12) deutet Elija richtig als Zeichen dafür, dass &#039;&#039;nun&#039;&#039; Gott vorüberziehen wird, und daher verlässt er erst dann die Höhle. Dass Elija damit die Geschehnisse richtig verstanden hat, zeigt dann V. 13b an, wo ihn in der Tat Gott noch einmal anspricht.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Exodus|33|19}} {{par|Exodus|34|7}} &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ein Sturm (Wind, Hauch, Geist), stark und mächtig, zerschmettert Berge und zertrümmert Felsen vor JHWH,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
im Sturm [ist] JHWH nicht (Und im Sturm [ist] JHWH).&amp;lt;!--&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Die Primärüs. nach fast allen Vrs.; die Alternative, die einen Text ohne „nicht“ voraussetzt, nur in LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B, H&amp;lt;/sup&amp;gt;: „vor JHWH, in JHWHs Sturm“. Sehr wahrscheinlich ein bloßer Flüchtigkeitsfehler. Zur Not ließe sich das aber sogar sinnvoll auflösen. S. [[2 Samuel 22#s16 |2 Sam 22,16]] = [[Psalm 18#s16 |Ps 18,16]]; [[Psalm 33#s6 |Ps 33,6.9]]; [[Psalm 104#s7 |Ps 104,7]] und vielleicht [[Genesis 1#s2 |Gen 1,2]], wo Gottes Rede als Donner und Sturm dargestellt wird, die in [[2 Samuel 22#s14 |2 Sam 22,14]] = [[Psalm 18#s14 |Ps 18,14]] auch „Hagel und Feuerglut“ mit sich bringt und die in [[Exodus 15#s8 |Ex 15,8.10]] und Ps 104,7 z.B. auch Fluten sich auftürmen lassen kann. Vielleicht hat ein Schreiber hieran gedacht und daher das „nicht“ übersehen.&amp;lt;/ref&amp;gt;--&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Textkritik&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und nach dem Sturm ein Erdbeben,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
im Erdbeben [ist] JHWH nicht.&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
{{S|12}} Und nach dem Erdbeben Feuer,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Feuer&#039;&#039; - Wahrscheinlich ein Feuerregen oder ein durch Blitze entzündetes Feuer; so wird jedenfalls die sehr nahe Parallelstelle [[Exodus 19#s16 |Ex 19,16-18]] üblicherweise verstanden.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Exodus|19|16|18}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
im Feuer [ist] JHWH nicht.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und nach dem Feuer ein feiner, stiller Klang (eine feine, leise Stimme; ein dünnes, klagendes/betäubendes = ein gespenstisches Geräusch; ein Geräusch zermalmender Vernichtung).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;ein feiner, stiller Klang (eine feine, leise Stimme; ein dünnes, klagendes/betäubendes = ein gespenstisches Geräusch; ein Geräusch zermalmender Vernichtung)&#039;&#039; - eine der meist-diskutierten Stellen der Bibel. Die Bed. des ganzen Ausdrucks ist und bleibt unsicher; am besten wählt man aber etwas wie den obigen Primärvorschlag. Die Kombination von Taktilem („fein, pulverartig“) mit Akkustischem („geräuschlos“) soll dann die übernatürliche Unbeschreiblichkeit des &#039;&#039;qol&#039;&#039; betonen, der „geräuschlose Klang“ soll als Oxymoron das Selbe leisten (gut z.B. Walsh 1996; Dharamraj 2006, S. 93).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Genauer&#039;&#039;&#039;: Gehen wir die Wörter einzeln durch. Heb. &#039;&#039;qol demamah daqqah&#039;&#039;.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;qol&#039;&#039; kann sowohl „Klang“ als auch „Stimme“ bedeuten. In V. 13 wird das selbe Wort von fast allen als „Stimme“ gedeutet. Dazu jedoch richtig Eidevall 2011, S. 105: Dass das Wort dort keinen Artikel hat, kann nahelegen, dass der &#039;&#039;qol&#039;&#039; dort nicht identisch mit dem &#039;&#039;qol&#039;&#039; in V. 12 ist; es könnte also ganz unproblematisch hier „Klang“ und dort „Stimme“ bedeuten. Rhetorisch nahe liegt das aber nicht. Klar ist jedenfalls wegen den beiden anderen Worten (s. gleich), dass mindestens in V. 12 &#039;&#039;nicht&#039;&#039; an eine menschliche Stimme zu denken ist. Besser übersetzt man daher mit „Klang“, um das Bild zu wahren. Der V. [[Exodus 19#s19 |Ex 19,19]], auf den oft hingewiesen wird, ist übrigens wahrscheinlich ein false friend; s. dort.&amp;lt;br /&amp;gt;Zunächst weiter zu &#039;&#039;daqqah&#039;&#039;, das einfacher ist als das zweite Wort: &#039;&#039;daqqah&#039;&#039; kommt von &#039;&#039;daqaq&#039;&#039; („zermalmen, pulverisieren“); abgleitet ist z.B. auch &#039;&#039;daq&#039;&#039; („fein, pulverisiert“) und &#039;&#039;doq&#039;&#039; (nur [[Jesaja 40#s22 |Jes 40,22]]: „etwas ganz Feines/Dünnes“ = „ein Schleier“). Das Wort ist Adjektiv-Attribut zu &#039;&#039;demamah&#039;&#039;, diese ist also entweder eine „zermalmende &#039;&#039;demamah&#039;&#039;“ oder eine „feine &#039;&#039;demamah&#039;&#039;“.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese &#039;&#039;daqqah-demamah&#039;&#039; spezifiziert insgesamt &#039;&#039;qol&#039;&#039;, dieser ist also ist ein „&#039;&#039;daqqah-demamah-qol&#039;&#039;“. &#039;&#039;demamah&#039;&#039; nun ist notorisch schwierig: Auf den ersten Blick scheint man es ableiten zu müssen vom Wort / von der heb. „Wurzel“ &#039;&#039;damam&#039;&#039; (s. gleich). &#039;&#039;damam&#039;&#039; ist aber eine sog. „reduplikative Wurzel“ (d.h., der zweite und der dritte Konsonant des Wortes ist der Selbe), und solche reduplikativen Wurzeln lassen sich häufig nicht gut abgrenzen von ihren sog. „metaplastischen Nebenformen“, also von den entsprechenden „hohlen Wurzeln“ (d.h. Wörtern mit langem &#039;&#039;u&#039;&#039; oder &#039;&#039;i&#039;&#039; zwischen den beiden Konsonanten am Rand; hier also: &#039;&#039;dūm&#039;&#039;) und „schwachen Wurzeln“ (d.h. Wörtern mit zwei Konsonanten und &#039;&#039;h&#039;&#039; oder &#039;&#039;`&#039;&#039; als drittem Konsonant, hier also &#039;&#039;damah&#039;&#039;): Bei vielen Wörtern ist unklar, ob ein Wort IaIIaII (wie &#039;&#039;damam&#039;&#039;), ein Wort IūII (wie &#039;&#039;dūm&#039;&#039;) und ein Wort IaIIaH / IaIIa` (wie &#039;&#039;damah&#039;&#039;) das selbe Wort sind, unterschiedliche Wörter sind, oder beides, so dass es z.B. ein &#039;&#039;damam&#039;&#039; mit Bedeutung A und ein zweites &#039;&#039;damam&#039;&#039; mit der selben Bedeutung B wie ein Wort &#039;&#039;dūm&#039;&#039; gäbe.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Insgesamt&#039;&#039;&#039; dann: Bei unserem Wort &#039;&#039;demamah&#039;&#039; könnte man daher denken an folgende Bedeutungen: (1a) „still sein“ (nicht: „leise sein“; gemeint ist die &#039;&#039;Abwesenheit&#039;&#039; von Geräusch oder Bewegung, wie z.B. in der „Windstille“. S. in Ges18 s.v. &#039;&#039;damam&#039;&#039; I, das aber wahrscheinlich besser als &#039;&#039;dūm&#039;&#039; zu führen wäre). Das ist die häufigste Deutung; gemeint wäre dann „feine Stille“ (B-R: „eine Stimme verschwebenden Schweigens“; NeÜ: „der Ton eines dahinschwebenden Schweigens“). Sicher nicht: „sanfte Leis-heit“, wie in allen anderen dt. Üss. gedeutet wird; zu behaupten, ein &#039;&#039;qol demamah&#039;&#039; sei eine „leise Stimme“, ist, als würde man sagen, der „weiße Rappe“ sei ein „hellgraues Pferd“.&amp;lt;br /&amp;gt;(1b) Abgeleitet vom selben Wort: „still stehen lassend“ = „erstarren lassend“, also „ein dünnes, betäubendes d.i. ein gespenstisches Geräusch“ (so de Boer 1951, S. 179; Seybold 1973, S. 13). Sehr nahe liegt das aber nicht; der Brückenschlag vom „feinen betäubenden“ zum „gespenstischen“ Geräusch ist ziemlich gewagt.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) „verwüstend, vernichtend“ (in Ges18 s.v. &#039;&#039;damam&#039;&#039; II), wahrscheinlich eine Nebenform von (3) „vernichten“ (in Ges18 s.v. &#039;&#039;damah&#039;&#039; II). Nach beiden Ableitungen also: „ein Klang von zermalmender Vernichtung“. So niemand, aber s. gleich.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) „klagen“ (&#039;&#039;damam&#039;&#039; III, dazu s. z.B. Schick 1913; Dahood 1965, S. 25; McDaniel 1968, s. 39). Lust 1975 will von hier aus noch weiter die Bed. von &#039;&#039;damam&#039;&#039; zu „brüllen“ umbiegen und kommt so zur Üs. „crushing and roaring sound“ (S. 112). Zur Not ist das wohl möglich; mit einer Ableitung nach (2) und (3) kommt man aber ja zur selben Bed. und diese Ableitung ist sprachlich sicher glatter. Der Vorschlag ist sehr erwägenswert; er hat erstens den entscheidenden Vorteil, dass man dafür nicht gleichzeitig von einer Synästhesie und einem Oxymoron ausgehen muss, um die Fügung sinnvoll zu deuten, und zweitens den, dass dann der &#039;&#039;qol&#039;&#039; in weit größere Nähe zum &#039;&#039;qol&#039;&#039; in [[Exodus 19#s19 |Ex 19,19]] rückt.&amp;lt;br /&amp;gt;(5) „gleichen, ähneln“ (in Ges18 s.v. &#039;&#039;damah&#039;&#039; I). S. z.B. [[Hohelied 2#s9 |Hld 2,9]]: „Mein Geliebter ist so ähnlich wie = gleicht einer Gazelle“. &#039;&#039;demamah&#039;&#039; wäre dann eine Variante des &#039;&#039;demut&#039;&#039; Ezechiels, mit dem er ausdrückt, dass seine Worte nicht &#039;&#039;genau&#039;&#039; das treffen, was er in seinen Visionen geschaut hat und berichtet. S. z.B. [[Ezechiel 1#s10 |Ez 1,10]]: „Die &#039;&#039;demut&#039;&#039; ihrer Gesichter waren Menschengesichter“ = „ihre Gesichter waren so ähnlich wie Menschengesichter“. Das funktioniert hier nicht, aber s.u.&amp;lt;br /&amp;gt;Weil mindestens die Abwägung zwischen dem „feinen, leisen Klang“ und dem „Klang zermalmender Vernichtung“ so schwierig ist, muss man &#039;&#039;&#039;Vergleichsstellen&#039;&#039;&#039; heranziehen. Herangezogen wurden:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) [[Ijob 4#s16 |Ijob 4,16]], aber das ist verfehlt, s. zum Vers. Elifaz berichtet sicher, &#039;&#039;zunächst&#039;&#039; habe Stille geherrscht, &#039;&#039;danach&#039;&#039; habe er eine Stimme vernommen. Damit ist er eine sehr nahe Parallele für die Abfolge unserer Vv. 12.13; für die Bed. nur von V. 12 ist er aber irrelevant.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) [[Psalm 107#s29 |Ps 107,29]]: „Gott verwandelt den Sturm in &#039;&#039;demamah&#039;&#039; und die Wellen legen sich.“ Das deutet man gewöhnlich so, dass beide Sätze das Selbe sagen, &#039;&#039;demamah&#039;&#039; also „Windstille“ bedeutet und Ps 107,29 damit Deutung (1) stützt. Richtig zwar Lust: Theoretisch könnte man, wenn man nur auf diesen Vers schaut, beide Zeilen auch als antithetischen Parallelismus deuten: „Gott steigert [zunächst noch] den Sturm zur Vernichtung, dann legen sich die Wellen“ – aber liest man den V. zusammen mit V. 28, liegt das sehr fern. Ps 107,29 ist also wirklich ein starkes Indiz dafür, dass unser V. heißt: „Nach dem Sturm hörte ich das Geräusch von &#039;&#039;daqqah&#039;&#039;-Windstille“.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) [[Psalm 93#s3 |Ps 93,3]], auf den gut Lust hinweist: „Fluten erhoben ihren &#039;&#039;qol&#039;&#039;, Fluten erhoben ihre &#039;&#039;daki&#039;&#039;.“ An diesen V. denkt man nicht gleich, aber Lust hat Recht: &#039;&#039;daki&#039;&#039; kommt von &#039;&#039;dakka`&#039;&#039;, einer Nebenform von &#039;&#039;daqaq&#039;&#039; (s.o.). Auch hier also stehen &#039;&#039;qol&#039;&#039; und &#039;&#039;daqaq&#039;&#039; beieinander – und hier in der Bed. „Geräusch“ und „Vernichtung“: „Fluten erschallten = Fluten vernichteten“. Das stützt Deutung (2), aber nicht so stark, wie Ps 107,29 Deutung (1) stützt.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Die Wichtigste und zugleich Schwierigste: 4Q405 frgs. 20-22 7f.12f.: „&#039;&#039;Die Cherubim fallen vor ihm nieder und preisen. Wenn sie sich erheben, ist da göttlicher &#039;&#039;qol demamah&#039;&#039; zu hören, und ein jauchzender Lärm, wenn sie ihre Flügel öffnen, ein göttlicher &#039;&#039;qol demamah&#039;&#039;. [...] Und der &#039;&#039;qol demamah&#039;&#039; des Segens [ist] im Lärm ihres sich-Bewegens. [...] Dann kommt der Klang ihres freudigen Jauchzens zur Ruhe, und &#039;&#039;qol demamah&#039;&#039; des Segens Gottes [ist] in allen göttlichen Abteilungen, und der Klang des Preises&#039;&#039;“. Vgl. auch frg. 19: „&#039;&#039;Unter dem wunderbaren inneren Schrein [klingt] der ruhige &#039;&#039;qol demamah&#039;&#039; des Segens Gottes&#039;&#039;“. Man hat sich hier bei der Deutung offenbar stark beeinflussen lassen von der Rede von der „Ruhe“ in frg. 20-22 13 und der vom „ruhig“ in frg. 19 und daher &#039;&#039;demamah&#039;&#039; stets als „geräuschlos“ gedeutet. Aber in frg. 20-22 13 wird ja nur gesagt, dass die Engel aufhören, zu jauchzen, &#039;&#039;wonach&#039;&#039; laut hörbar der Segen erklingt. Und das „ruhig“ in frg. 19 ist im Heb. &#039;&#039;šaqaṭ&#039;&#039;, ein Wort, das keine akkustische Qualität beschreibt, sondern einen Zustand oder eine Stimmung: „friedvoll, gelöst“. Dagegen das zweifache „(jauchzender) Lärm“ in frg. 20-22 macht sehr wahrscheinlich, dass gerade &#039;&#039;nicht&#039;&#039; an „geräuschlose“ Äußerungen zu denken ist. Woran dann? Ich (S.W.) sehe zwei Optionen: Entweder, man geht mit Newsom 1985, S. 313 und Eidevall 2011, S. 106 davon aus, dass die Ausdrücke an diesen Stellen quasi-mechanisch aus 1 Kön 19,12 in 4Q405 übernommen wurden, nach der Logik: „Offenbar klingt Göttliches wie &#039;&#039;qol demamah&#039;&#039;, also sagen wir das hier auch [aber um klar zu machen, dass wir nicht ‚geräuschlos‘ &#039;&#039;meinen&#039;&#039;, obwohl es zunächst so klingt, setzen wir jeweils noch einen anderen Ausdruck daneben].“ Dann ließe sich aus 4Q405 gar nichts für unsere Stelle ableiten. Oder: Blickt man noch etwas genauer auf den Text, fällt erstens auf, dass &#039;&#039;demamah&#039;&#039; stets zwischen &#039;&#039;qol&#039;&#039; und „Gott“, „göttlich“ oder „Segen“ steht und stets (anders als hier) Constructus ist, und dass zweitens die beiden &#039;&#039;demamah&#039;&#039;-Abschnitte einen &#039;&#039;demut&#039;&#039;-und&#039;&#039;mare`&#039;&#039; („Gleichheit-und-Aussehen“)-Abschnitt umrahmen (Z. 10: „[Der Thron] hatte &#039;&#039;das Aussehen&#039;&#039; von Feuer. ... Um sie herum war &#039;&#039;etwas Ähnliches&#039;&#039; wie Ströme von Feuer.“). Vielleicht ist hier &#039;&#039;demamah&#039;&#039; also wirklich eine Variante von &#039;&#039;demut&#039;&#039;: „&#039;&#039;Die Cherubim fallen vor ihm nieder und preisen. Wenn sie sich erheben, ist da &#039;&#039;quasi&#039;&#039;-göttlicher Klang zu vernehmen, und ein jauchzender Lärm, wenn sie ihre Flügel öffnen, ein &#039;&#039;quasi&#039;&#039;-göttlicher Klang. ... Und ein Klang &#039;&#039;wie von&#039;&#039; Segen ist im Lärm ihres sich-Bewegens. Dann kommt der Klang ihres freudigen Jauchzens zu Ruhe, und &#039;&#039;etwas wie&#039;&#039; Segen Gottes [erklingt] in allen göttlichen Abteilungen und der Klang des Preises.&#039;&#039;“ und „&#039;&#039;Unter dem wunderbaren inneren Schrein [klingt] ein Klang &#039;&#039;wie von&#039;&#039; friedvollem Segen Gottes.&#039;&#039;“ Was dann jeweils nur bedeutete: Wenn die Cherubim sich bewegen, klingt das wie Segen Gottes – ähnlich, wie laut b.Sot 9b Gottes Geist gleich Glöckchen klingt oder wie es ähnlich nach Glöckchen-Klang klingt, wenn irische Elfen fliegen. Beide Optionen sind aber nicht sehr zufriedenstellend: Option 1 nicht, weil man dann annehmen muss, dass &#039;&#039;qol demamah&#039;&#039; in 4Q405 mehr oder weniger sinnlos verwendet wird, Option 2 nicht, weil man dann annehmen muss, dass &#039;&#039;qol demamah&#039;&#039; in 4Q405 und an unserer Stelle ganz Unterschiedliches bedeuten. Will man 1 Kön 19,12 und 4Q405 miteinander harmonieren lassen, hat man fast keine Wahl, als &#039;&#039;qol demamah&#039;&#039; an beiden Stellen „geräuschloser Klang“ bedeuten zu lassen, so schwierig sich das auch mit der Rede vom „Lärm“ in 4Q405 vereinbaren lässt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|13}} Als Elija[&#039;s] hörte, umwickelte er sein Gesicht mit seinem Mantel.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Er umwickelte sein Gesicht&#039;&#039; - Als Schutzmaßnahme; Gott kann im Normalfall nicht ungeschützt sehen, ohne zu sterben. S. v.a. [[Exodus 33#s21 |Ex 33,21-23]]; auch [[Exodus 3#s6 |Ex 3,6]]; [[Richter 6#s22 |Ri 6,22f.]]; [[Richter 13#s20 |13,20]]; [[Ezechiel 1#s28 |Ez 1,28]]; [[Daniel 10#s9 |Dan 10,9]] und vgl. z.B. Gray 1970; Cogan 2001 und Dharamraj 2006, S. 114.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dann ging er hinaus und stellte sich in den Eingang der Höhle (unter die Höhle).&amp;lt;ref&amp;gt;Dass sich Elija nicht „auf die Spitze des Bergs“, sondern „&#039;&#039;an den Eingang der Höhle&#039;&#039;“ begibt, haben jene, die glauben, Elija würde in diesem Kapitel sehr negativ geschildert, so interpretiert, dass auch dies Zeichen seines Ungehorsams sei (z.B. Walsh 1996; Robinson 1991, S. 521; Flannery 2008, S. 169). Aber die Höhle ist ja zweifellos eine Berghöhle; auch mit seinem Hinausgehen aus der Höhle steht Elija dann „auf dem Berg“ (richtig Dharamraj 2006, S. 115).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;in den Eingang der Höhle (unter die Höhle)&#039;&#039; - Wie MT auch Sym, LXX&amp;lt;sup&amp;gt;H&amp;lt;/sup&amp;gt;, Tg, VUL, Syr; wohl auch JosAnt §351 („als er aus der Höhle hinausging“). Dagegen LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B, A&amp;lt;/sup&amp;gt;: „&#039;&#039;unter&#039;&#039; die Höhle“, LXX&amp;lt;sup&amp;gt;L&amp;lt;/sup&amp;gt;: „&#039;&#039;vor&#039;&#039; die Höhle“. LXX&amp;lt;sup&amp;gt;L&amp;lt;/sup&amp;gt; könnte sogar nur freie Übertragung des „Eingangs der Höhle“ sein (vgl. JosAnt, die zur selben Textfamilie gehören wie LXX&amp;lt;sup&amp;gt;L&amp;lt;/sup&amp;gt;), aber LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B, A&amp;lt;/sup&amp;gt; haben sicher statt &#039;&#039;ptḥ hm´rh&#039;&#039; („Öffnung der Höhle“) gelesen: &#039;&#039;tḥt m´rh&#039;&#039; (richtig Stade/Schwally).&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;Und da (siehe)!, an ihn [ergeht (erging)] ein Klang (eine Stimme)! Er fragte ([ihn)&amp;lt;!--&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[ihn]&#039;&#039; - So Syr, einige MT-Mss und einige Tg-Mss. Assim-V. 9.&amp;lt;/ref&amp;gt;--&amp;gt;]:&amp;lt;ref name=&amp;quot;Textkritik&amp;quot; /&amp;gt; „Was willst du hier (Was [ist] mit dir, [dass du] hier [bist]), Elija?“&amp;lt;ref name=&amp;quot;9.13&amp;quot; /&amp;gt; &lt;br /&gt;
{{S|14}} Da sprach er: &lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;„Ich habe ja (so) geeifert (Eifernd habe ich geeifert)&amp;lt;ref name=&amp;quot;10.14 1&amp;quot; /&amp;gt; {{par|2 Könige|10|16}}&lt;br /&gt;
_Für JHWH, den Gott Zebaot (für JHWH Zebaot),&amp;lt;ref name=&amp;quot;10.14 2&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber (denn) gebrochen (verlassen) haben deinen Bund (verlassen haben dich)&amp;lt;ref name=&amp;quot;10.14 2&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Die Israeliten (Söhne Israels),&lt;br /&gt;
Indem sie deine Altäre zerstörten&lt;br /&gt;
_Und deine Propheten töteten mit dem Schwert!&amp;lt;ref name=&amp;quot;10.14 3&amp;quot; /&amp;gt; {{par|Nehemia|9|26}} {{par|Römer|11|3}} {{par|Jeremia|2|30}} {{par|Lukas|11|47}} {{par|Matthäus|23|31}} {{par|Apostelgeschichte|7|52}} {{par|1 Thessalonicher|2|15}}&lt;br /&gt;
Ich bin übrig, ich, ich allein –&lt;br /&gt;
_Und sie verfolgen mein Leben, um&#039;s [mir] zu nehmen!“&amp;lt;ref name=&amp;quot;10.14 4&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|15}} Da sagte JHWH zu ihm: „Geh! Kehr um für deinen (zurück zu/auf deinem?) Weg([! und du sollst kommen]) zur Wüste nach Damaskus!&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Geh! Kehr um für deinen Weg zur Wüste nach Damaskus!&#039;&#039; - Gesagt wird gerade nicht: „Kehr um! &#039;&#039;Mach dich auf den Weg...&#039;&#039;“, sondern eben „Mach dich auf! &#039;&#039;Kehr um für deinen Weg&#039;&#039;“. Vielleicht, um zu betonen: Es ist kein &#039;&#039;neuer&#039;&#039; Auftrag, den JHWH dem Elija hier gibt, sondern er &#039;&#039;gehört&#039;&#039; zu seinem Auftrag als Prophet. Elija würde dann damit weder „als Prophet abgesetzt“ (so z.B. von Rad, ThAT II, S. 34; Robinson 1991) noch „erneut als Prophet berufen“ (so z.B. DeVries 2004; Dharamraj 2006, S. 133), sondern sein „neuer“ Auftrag wäre dann nur Fortsetzung seines ursprünglichen, Prophet zu sein.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Nicht: &#039;&#039;Geh zurück auf deinem Weg durch die Wüste von/nach Damaskus!&#039;&#039; = „Geh wieder zurück auf dem selben Weg, der durch die nach Damaskus führende Wüste verläuft“. Das wäre nicht idiomatisch; „auf einem Weg zurückkehren“ ist Heb. &#039;&#039;šub bederek&#039;&#039; mit der Präp. &#039;&#039;b-&#039;&#039; statt &#039;&#039;l-&#039;&#039; (s. [[Deuteronomium 17#s16 |Dtn 17,16]]; [[Deuteronomium 28#s68 |28,68]]; [[1 Könige 13#s9 |1 Kön 13,9f.]]; [[2 Könige 19#s33 |2 Kön 19,33]]; [[Jesaja 37#s34 |Jes 37,34]]). Sprachlich möglich wäre „Kehre zurück &#039;&#039;zu&#039;&#039; deinem Weg“ = „Kehr zurück &#039;&#039;zu&#039;&#039; diesem Weg, der durch die Wüste von/nach Damaskus verläuft“ (s. z.B. [[Deuteronomium 28#s32 |Dtn 28,32]]: „zurückkehren &#039;&#039;zu&#039;&#039; dir“; [[Rut 1#s10 |Rut 1,10]]: „zurückkehren &#039;&#039;zu&#039;&#039; deinem Volk“; [[2 Chroniken 30#s9 |2 Chr 30,9]]: „zurückkehren &#039;&#039;in&#039;&#039; dieses Land“). Aber es macht wenig Sinn: Auf diesem Weg war Elija ja gar nicht. V. 20 lehrt, wie der Ausdruck zu übersetzen ist: Dort steht der selbe Ausdruck („Geh, kehr um!“) absolut (d.h. ohne eine folgende Präpositionalphrase) und Elija fordert Elischa damit nur auf, sich &#039;&#039;von ihm&#039;&#039; wieder &#039;&#039;wegzukehren&#039;&#039; (daher V. 21: „Da kehrte er sich von hinter ihm um“, d.h. „da ging er von ihm weg“). Exakt so auch [[2 Samuel 3#s16 |2 Sam 3,16]]. Vgl. ähnlich mit der Präp. &#039;&#039;l-&#039;&#039; z.B. [[Jesaja 63#s17 |Jes 63,17]]: „umkehren &#039;&#039;für&#039;&#039; deine Diener“; [[Deuteronomium 24#s19 |Dtn 24,19]]: „umkehren, &#039;&#039;um sie&#039;&#039; zu holen“. Richtig Knauf 2019, S. 286: „Da Elija nicht von Damaskus zum Horeb gekommen ist, heißt das ‚geh umkehren‘ im Klartext: ‚Vergiss deine dumme Flucht, nimm deinen Dienst an der Stelle wieder auf, von der du weggelaufen bist, und führe aus, was ich mit dir jetzt vorhabe‘.“ Die ersten beiden Worte sagen also nur, Elija solle umkehren, und die folgenden drei präzisieren, warum: Elija soll nun nach Damaskus.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[Und du sollst kommen]&#039;&#039; einheitlich in LXX und VL; alle anderen Vrs. wie MT. Sehr wahrscheinlich Ergänzung zur Glättung des Textes aus dem selben Grund: Weil Elija ja gar nicht um/nach Damaskus unterwegs war. Aber das ist unnötig, s.o.&amp;lt;/ref&amp;gt; Und wenn du angekommen bist,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Nicht „und du sollst kommen“ (so z.B. WHM): Pänultima-Betonung, also kein Weqatal, sondern Waw-Qatal (richtig z.B. Knauf 2019).&amp;lt;/ref&amp;gt; sollst du Hazael („Gesehen hat Gott“) zum König über Aram salben!“&lt;br /&gt;
{{S|16}} Und Jehu („JH[WH] ist er“),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;JH[WH] ist er&#039;&#039; - Zur Semantik des Namens vgl. [https://www.dahpn.gwi.uni-muenchen.de/wp-content/uploads/MSSAP.pdf#0256 MSSAP §255f.]: Wohl ein preisender Ausruf, mit dem bei der Geburt des Sohnes die Größe JHWHs gelobt wurde.&amp;lt;/ref&amp;gt; den Nachfahren (Sohn) des Nimschi („Marder“),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Nachfahre des Nimschi&#039;&#039; - nämlich Enkel, s. [[2 Könige 9#s2 |2 Kön 9,2.14]] vs. [[2 Könige 9#s20 |2 Kön 9,20]]; [[2 Chroniken 22#s7 |2 Chr 22,7]]. Ungewöhnlich; in Namen ist &#039;&#039;ben&#039;&#039; eigentlich stets Einleitung des Patronyms, also des Vaters.&amp;lt;/ref&amp;gt; sollst du salben zum König über Israel,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und Elischa („Gott hat gerettet“), den Sohn des Schafat („Er hat gerichtet“) aus Abel-Mehola („Bach des Reigentanzes“; {aus Abel-Mehola})&amp;lt;ref&amp;gt;Zum Ort und Ortsnamen &#039;&#039;Abel-Mehola&#039;&#039; s. [https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/12168/#h7 Abel (in Ortsnamen) (WiBiLex)].&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Aus Abel-Mehola&#039;&#039; steht in wenigen LXX-Mss an anderer Stelle und fehlt in wenigen MT-Mss. DeVries hält es daher für sekundär. Thiel 2007 hält dagegen, weil die Information, Elischa stamme aus Abel-Mehola, nirgendwo sonst überliefert sei und daher auch nicht von irgendwo anders hier eingedrungen sei, müsse der Ausdruck ursprünglich sein – aber das ist ein schwaches Argument; natürlich gab es auch nicht verschriftliche Traditionen über die großen Figuren der Bibel, die hier nachträglich eingefügt werden hätten können. Entscheidend ist, dass das textkritische Zeugnis für eine Version ohne diese Phrase denkbar schwach ist und dass die Versetzung überdies rein stilistisch zu erklären sein könnte. Wie es in den MT-Mss zu diesem Ausfall gekommen ist, ist aber wirklich nicht gut erklärlich.&amp;lt;/ref&amp;gt; sollst du salben zum Propheten nach dir (unter dir, an deiner Statt)!&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;nach dir&#039;&#039; - In dieser Bed. wird der Ausdruck oft z.B. in [[2 Könige 15 |2 Kön 15]] verwendet (vgl. Dharamraj 2006, S. 135. So z.B. GN, HfA; auch PATMOS: „Und wenn du einmal tot bist, soll Elischa mein Prophet sein“). Das macht hier mehr Sinn als die häufige Üs. „an deiner Statt“, die zwar sprachlich gut möglich ist, aber nicht naheliegt, da Elija z.B. in [[1 Könige 21 |1 Kön 21]] und [[2 Könige 1 |2 Kön 1]] nach wie vor als Prophet wirkt. „Unter dir“ (so Dharamraj 2006, S. 133 selbst) ist ebenso gut möglich, s. V. 21 und [[2 Könige 2#s3 |2 Kön 2,3.5]]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|17}} Und es soll (wird) geschehen:&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;Wer vorm Schwert des Hazael entkommt,&lt;br /&gt;
_Denn soll (wird) Jehu töten,&lt;br /&gt;
Und wer vorm Schwert des Jehu entkommt,&lt;br /&gt;
_Denn soll (wird) Elischa töten.&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|18}} Aber ich werde (du wirst&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Du wirst&#039;&#039; nach LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B, A, H&amp;lt;/sup&amp;gt;; alle anderen Vrs. inkl. LXX&amp;lt;sup&amp;gt;L&amp;lt;/sup&amp;gt; und [[Römer 11#s4 |Röm 11,4]] wie MT. Hugo 2010, S. 31 glaubt, MT sei Assimilation an den Kontext: Ein Schreiber habe Elija durch Gott ersetzt, weil hier Elija ja abgesetzt würde. Dhamaraj 2006, S. 132 umgekehrt: Die LXX-Variante sei Assimilation der Verbform an die Verbformen in Vv. 15f. Beide Erklärungen sind aber nicht sehr gut: Dass Elija hier abgesetzt wird, ist sehr wahrscheinlich nicht der Fall, und zwischen den Verbformen aus Vv. 15f. und dieser liegen fünf weitere Verben. Am besten daher wie Stade/Schwally und z.B. Thiel 2007: Wahrscheinlich war nur &#039;&#039;hš`rt(j)&#039;&#039; defektiv geschrieben und wurde daher von den einen als &#039;&#039;hiš`arta&#039;&#039; („du wirst übrig lassen“) und von den anderen weit näherliegend als &#039;&#039;hiš`arti&#039;&#039; („ich werde übrig lassen“) gedeutet.&amp;lt;/ref&amp;gt;) übrig lassen in Israel 7000 [Mann]: {{par|Zefanja|3|12}}&lt;br /&gt;
Alle Knie, die sich vor Baal nicht beugten, {{par|1 Könige|8|54}}&lt;br /&gt;
_Und allen Mund, der ihn nicht küsste.“ {{par|Hosea|13|2}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|19}} Da ging er von dort [fort] und stieß dort ({dort})&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;dort ({&amp;lt;s&amp;gt;dort&amp;lt;/s&amp;gt;})&#039;&#039; - So nur LXX&amp;lt;sup&amp;gt;L&amp;lt;/sup&amp;gt;. Alle anderen Vrs. incl. LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B, A, H&amp;lt;/sup&amp;gt; und VL wie MT. Aber wie das zweite „dort“ in die Vorlage von LXX&amp;lt;sup&amp;gt;L&amp;lt;/sup&amp;gt; gelangt sein soll, wäre kaum erklärlich: Das erste ist &#039;&#039;miššam&#039;&#039;, das zweite nur &#039;&#039;šam&#039;&#039;, so dass man von keinem Kopierfehler ausgehen kann. Und eine bewusste Einfügung macht wenig Sinn, da gerade das zweite &#039;&#039;šam&#039;&#039; nicht viel Sinn ergibt: Es fehlt ja eine Ortsangabe, auf die sich dieses zweite &#039;&#039;šam&#039;&#039; beziehen könnte. Trebolle Barrera 1989, S. 145 hält es daher für primär und für eine Parallelisierung des V. mit dem V. 9, der den vorangehenden Abschnitt eröffnete und wo ähnlich und ähnlich redundant doppeltes „dort“ steht. Vgl. auch den doppelten „einsamen Ginsterbusch“ in den Vv. 4f, die das X-Qatal in V. 4 ebenfalls als Beginn eines neuen Abschnittes ausweist.  Das dürfte die sinnvollste Erklärung sein; die anderen Vrs. hätten das Wort dann gestrichen, weil es in diesem V. so sperrig ist. Eine gute Erklärung für diese Doppelungen von Ortsangaben zu Beginn von Abschnitten hat m.W. (S.W.) bisher noch niemand gegeben.&amp;lt;/ref&amp;gt; auf Elischa, den Sohn des Schafat. Der pflügte gerade mit zwölf [Rinder-]Gespannen vor sich; er selbst [war] beim Zwölften. {{par|Exodus|3|1|2}} {{par|Richter|6|11|12}} {{par|1 Samuel|11|5|6}} {{par|1 Samuel|16|11|13}} {{par|Amos|7|14}} Elija ging zu ihm (zog an ihm vorüber?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Fast alle Vrs. und Mss wie in der Primärüs.; Ausnahme: Syr. So z.B. auch LUT: „Er ging zu ihm“. Die Präpp. &#039;&#039;`el&#039;&#039; („[hin] zu“) und &#039;&#039;´al&#039;&#039; („[vorüber] an“) werden aber im MT sehr häufig austauschbar verwendet. BHS glaubt, dies sei auch hier der Fall, ähnlich glauben Stade/Schwally und BHK, &#039;&#039;der Text&#039;&#039; habe ursprünglich anders gelautet und eben &#039;&#039;´al&#039;&#039; statt &#039;&#039;`el&#039;&#039; gehabt, was sich mit Syr stützen ließe. So z.B. auch EÜ: „Im Vorbeigehen“. Von Elija würde dann hier der selbe Ausdruck verwendet wie oben vom „Vorüberziehen“ Gottes. Das machte auch die folgende Aussage besser erklärlich, dass Elischa dem Elija „nachrennen“ muss. Aber es ist ja nicht nötig; dass Elija nach seinem Mantel-Überwurf wieder weggegangen ist, wird ja auch aus einem Text mit &#039;&#039;`el&#039;&#039; ersichtlich. Gegen die Annahme eines Schreibfehlers spricht außerdem, dass die &#039;&#039;´al&#039;&#039;-Variante nur durch Syr gestützt wird, was sich leicht als Assimilation an den obigen Ausdruck und/oder die folgende Präp. erklären lässt; gegen die Annahme, &#039;&#039;`el&#039;&#039; würde hier statt &#039;&#039;´al&#039;&#039; verwendet, spricht, dass es doch unwahrscheinlich wäre, dass gerade hier eine andere Präp. als oben verwendet würde, wenn es dem Text wirklich gerade darum ginge, Elija mit Gott zu parallelisieren.&amp;lt;/ref&amp;gt; und warf ihm seinen Mantel über (zu).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;warf ihm seinen Mantel über&#039;&#039; - Offenbar ein Symbol dafür, dass Elischa sein Nachfolger werden wird; vgl. [[Numeri 20#s25 |Num 20,25f.]]. CHANCELLOR/LEPLAR daher: „Elija kam und warf seinen Mantel über ihn. Das war das Zeichen, dass er mit ihm ziehen sollte.“ [[2 Könige 1#s8 |2 Kön 1,8]]; [[Sacharja 13#s4 |Sach 13,4]]; [[Matthäus 3#s4 |Mt 3,4]] und [[Markus 1#s6 |Mk 1,6]] legen darüber hinaus nahe, dass das grobe Gewand grundsätzlich Amtstracht eines Propheten und speziell die Elijas gewesen ist (so die meisten Kommentoren). Gut dann GN: „Seinen Prophetenmantel“.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;warf ihm seinen Mantel über (zu)&#039;&#039; - Die selbe Problematik wie eben (s. vorige FN). Hier aber haben auch einige MT-Mss &#039;&#039;´alajw&#039;&#039; und auch LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B, A, H&amp;lt;/sup&amp;gt;, VUL, Tg, Syr stützen es; in den MT-Mss, in denen stattdessen &#039;&#039;`el&#039;&#039; steht, wurde sicher an die vorangehende Präp. assimiliert.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|20}} Da verließ er die Rinder, rannte hinter Elija her und sagte: „Lass mich doch bitte meinen Vater ([und meine Mutter]&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;und meine Mutter&#039;&#039; fehlt in LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B, H&amp;lt;/sup&amp;gt;. LXX&amp;lt;sup&amp;gt;A, L&amp;lt;/sup&amp;gt;, VL und die anderen Vrs. wie im MT mit der längeren Variante. Sicher eine Expansion des Texts; so richtig Stade/Schwally; Hugo 2010, S. 19. Die umgekehrte Erklärung, „und meine Mutter“ sei als Haplographie entfallen (z.B. DeVries 2004), ignoriert die Konjunktion &#039;&#039;w-&#039;&#039;, wegen der das Wort „meine Mutter“ gar nicht ebenso beginnt wie „mein Vater“.&amp;lt;/ref&amp;gt;) küssen, dann werde ich hinter dir hergehen!“ Und er sagte zu ihm: „Geh, kehr um! Ach, was (Denn was) habe ich dir getan?“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Ach, was (denn was) habe ich an dir getan?&#039;&#039; - Schwer verständlich. (1) Ich (S.W.) schlage vor: „Was habe ich dir nur angetan!? Geh nur, kehr um. [Wenigstens das will ich dir erlauben.]“. So vielleicht MEN: „Gehe immerhin noch einmal zurück; denn was habe ich dir getan?“. Sonst wahlweise gedeutet wie folgt:&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Elija stelle Elischa mit der Behauptung, seine Handlung habe ja gar keine tiefergehende Bed. gehabt, auf die Probe („was habe ich schon gemacht? Nichts!“; z.B. Cogan 2001);&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Elija weist Elischa schroff zurecht: „Mach dich fort! Du taugst nicht zum Propheten; wie gut, dass es in Wirklichkeit gar nicht bedeutsam war, was ich an dir tat!“ (z.B. Fohrer 1968, S. 24; ähnlich wieder Knauf 2019; z.B. auch PAT: „Kehre um, denn was soll ich mit dir?“). Lukas könnte den V. so verstanden haben, s. die klare Parallele [[Lukas 9#s61 |Lk 9,61f.]]. Vielleicht soll dort aber auch nur einmal mehr dargestellt werden, wie viel radikaler Jesus ist als z.B. Elija.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Elija gewähre ihm seine Bitte gern („Geh nur. Ist schließlich nichts Krasses, was ich gerade mit dir gemacht habe“; z.B. ALTER; ähnlich NeÜ: „Geh nur, ich habe dich ja nicht gezwungen.“);&amp;lt;br /&amp;gt;(5) „aber [denk daran], was ich an dir getan habe“, d.h. „aber komm wieder zurück; is&#039; wichtig!“ (z.B. Sweeney 2007; z.B. auch EÜ, GN, LUT, ZÜR: „Geh nur, aber komm dann zurück! Aber vergiss nicht, was ich an dir getan habe“).&amp;lt;br /&amp;gt;Letzteres ist schwer glaublich, da dann gerade das, wozu aufgefordert würde, ausgespart wäre; (4) beißt sich entscheidend mit der Darstellung prophetischen Leidens in 1 Kön 18,1-19,18, das das ganze Kapitel hindurch Thema war. (2) und (3) sind am rundesten, kommen aber sehr unmotiviert und werden auch später nicht mehr aufgegriffen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|21}} Da kehrte er (Aber er kehrte) sich weg von ihm (um von hinter ihm), nahm das Rindergespann und schlachtete es. Dann kochte er ihnen das Fleisch mit dem Geschirr der Rinder,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;er schlachtete es. Dann kochte er ihnen das Fleisch mit dem Geschirr der Rinder&#039;&#039; - &#039;&#039;b&#039;&#039;-Assonanz: &#039;&#039;wajjiz&#039;&#039;&#039;b&#039;&#039;&#039;aḥehu u&#039;&#039;&#039;b&#039;&#039;&#039;ikli ha&#039;&#039;&#039;b&#039;&#039;&#039;aqar &#039;&#039;&#039;b&#039;&#039;&#039;išelam ha&#039;&#039;&#039;b&#039;&#039;&#039;aßar&#039;&#039;. Dies soll vermutlich die Dramatik des Akts unterstreichen: Elischa bricht alle Brücken hinter sich ab.&amp;lt;br /&amp;gt;Ob in diesem Akt wirklich nur Elischas künftige Fürsorglichkeit angedeutet wird, scheint mir (S.W.) mindestens unsicher: Sehr deutlich sind die Parallelen zu Saul in [[1 Samuel 11#s7 |1 Sam 11,7]]. Dort ist Sauls Vernichtung seines Ochsengespanns eine Drohung. Hier sind die &#039;&#039;zwölf&#039;&#039; Gespanne, mit denen Elischa pflügt, natürlich nicht nur Zeichen dafür, wie wohlhabend er ist, sondern Symbol für die zwölf Stämme Israels. Schon „pflügen“ selbst ist gelegentlich ein Bild für die Vernichtung (s. [[Psalm 129#s3 |Ps 129,3]]; [[Jeremia 26#s18 |Jer 26,18]]; [[Micha 3#s12 |Mi 3,12]]), endgültig dann aber die Tatsache, dass Elischa sich an den zwölf Gespannen vergreift, spielt auf das künftige Geschick Israels an.&amp;lt;/ref&amp;gt; gab&#039;s dem Volk, und es aß. Dann stand er auf, ging hinter Elija [her] und diente ihm. {{par|1 Samuel|11|7}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;&#039;1 Kön 19&#039;&#039;&#039; folgt auf 1 Kön 17-18 ein merkwürdiges Stück israelitischer Erzählkunst. Man könnte diese Geschichte eine „Meta-Erzählung“ nennen, denn was hier berichtet wird, ist in Gänze eine Art Kommentar zu diesen beiden vorangegangenen Kapiteln. Der Botschaft Elijas an König Ahab in 1 Kön 17,1 entspricht die Botschaft von Königin Isebel an Elija in &#039;&#039;&#039;V. 1f.&#039;&#039;&#039;. Die Todesdrohung in dieser Botschaft ist wohl nicht sonderlich ernst zu nehmen; hätte Isebel ihn wirklich töten wollen, hätte sie Elija keine Botschaft geschickt, sondern Soldaten (richtig DeVries 2004; Thiel 2007; Merecz 2009). Sicher ist ihr Ziel (wie das von Amazja in [[Amos 7 |Am 7]]), Elija aus dem Land zu treiben. Ganz überraschend gelingt ihr das nicht nur, sondern die Boschaft schlägt ein wie eine Bombe: Wie Elija in 1 Kön 17,2f. vor König Ahab zum Bach Kerit und in 17,9 nach Sarepta flieht (md. der zweite Ort und wahrscheinlich auch der erste liegt außerhalb Israels), flieht er hier in &#039;&#039;&#039;V. 3&#039;&#039;&#039; nach Beerscheba außerhalb Israels. Aber wie Gott in 17,4-5.9-16 Elija durch Raben und die Witwe von Sarepta ernährt hat, so ernährt er ihn hier in &#039;&#039;&#039;Vv. 5-7&#039;&#039;&#039; zwei Mal durch einen Engel. Sogar „Fladen und Wasserkrug“ in V. 6 entspricht dem „Wasserkrug“ in 17,10 und dem „Fladen“ in 17,11.13. Wahrscheinlich soll auch die „Wiederbelebung“ Elijas in &#039;&#039;&#039;Vv. 4f.&#039;&#039;&#039; der Wiederbelebung des Sohns der Witwe in 17,17-24 entsprechen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran schließt sich in in &#039;&#039;&#039;Vv. 9-14&#039;&#039;&#039; ein Abschnitt an, der deutlichst an [[Exodus 19 |Ex 19]]; [[Exodus 33 |33-34]] erinnert, dabei aber nach dem Formular einer Königsaudienz gestaltet ist (gut Seybold 1973, S. 8; Macholz 1980, S. 331; Blum 1997, S. 287): Wie Mose gelangt Elija auf den Berg Horeb. Dort muss er nach der Eröffnungsfrage „Was willst du hier“, die standardmäßig Audienzen einleitet (s. zum Vers), zunächst dem „Wort JHWHs“ sein Anliegen vortragen, bevor ihm die Audienz gewährt wird. Ebenfalls wie bei einer Audienz wird ihm zuvor noch eine Wartezeit beschieden, bevor er Gott selbst begegnen wird, wo er dann erneut und nun „wirklich“ sein Anliegen vortragen können wird.&amp;lt;br /&amp;gt;Wie Mose „aus einer Felsspalte heraus“ ([[Exodus 33#s22 |Ex 33,22]]) Gott begegnete, verbringt er diese Wartezeit „in der Höhle“, nachdem er in &#039;&#039;&#039;V. 8&#039;&#039;&#039; 40 Tage und 40 Nächte ohne Brot und Wasser unterwegs war, wie Mose in [[Exodus 34#s28 |Ex 34,28]] 40 Tage und 40 Nächte ohne Wasser und Brot auf dem Horeb verbrachte. Erst recht die Begegnung mit Gott selbst (=die Audienz) ist ganz in Auseinandersetzung mit Ex 33 gestaltet, aber mit entscheidenden Unterschieden: Gott „zieht vorüber“ (&#039;&#039;&#039;V. 11&#039;&#039;&#039;), wie Gott an Mose „vorüberzog“ ([[Exodus 33#s19 |Ex 33,19]]). Dass Elija davor „sein Gesicht verhüllt“ (&#039;&#039;&#039;V. 13&#039;&#039;&#039;), spielt  an auf die Vorstellung u.a. in [[Exodus 33#s20 |Ex 33,20]], dass kein Mensch „Gott sehen könne, ohne zu sterben. Wie in [[Exodus 19#s16 |Ex 19,16-18]] Moses Begegnung mit Gott in V. 20 Gewitter, „mächtiger Hörnerklang“, ein Vulkanausbruch und ein Beben vorausgeht, so in &#039;&#039;&#039;Vv. 11f.&#039;&#039;&#039; ein Sturm, ein Vulkanausbruch, ein Beben und ein „Klang“, der vielleicht als „Klang zermalmender Vernichtung“ bezeichnet wird, mindestens aber dies bedeuten kann &#039;&#039;gleichzeitig&#039;&#039; damit, dass er als „Klang feiner Stille“ bezeichnet wird. Mit dem selben „Klang“ antwortet Gott dann dem Elija ebenso, wie er mit ihm in [[Exodus 19#s19 |Ex 19,19]] mit Mose sprach. Die Schau Gottes selbst jedoch – wird überraschend mit keinem Wort erwähnt. Dazu s. gleich noch einmal mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichzeitig wird – darüber hinaus, dass der Berg Horeb in Kapitel 19 natürlich Spiegelbild des Karmel in Kapitel 18 ist – in Vv. 9-14 v.a. mit den &#039;&#039;&#039;Vv. 10.14&#039;&#039;&#039; der Bogen zurück zu Kapitel 18 geschlagen: Dass die Israeliten ihre Propheten ermordet hätten, verweist zurück auf [[1 Könige 18#s4 |1 Kön 18,4]], dass sie Gottes Altäre zerstört hätten, auf [[1 Könige 18#s30 |1 Kön 18,30]]; mit „ich bin übrig, ich, ich allein“ wiederholt Elija seinen Ausruf aus [[1 Könige 18#s22 |1 Kön 18,22]].&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;Die Tatsache, dass das ja gar nicht stimme, weil nach den selben Versen doch Obadja 100 Propheten gerettet und Elija einen Altar wiederrichtet habe, hat eine große Gruppe v.a. deutscher Exegeten als Grundlage genommen für die Annahme, dass 1 Kön 19 unabhängig von 1 Kön 17-18 entstanden sei und &#039;&#039;daher&#039;&#039; nicht gut mit diesen Kapiteln harmoniere. Dagegen spricht alles, was auch sonst gegen derartige Redaktionskritik spricht: Jede Redaktionskritik, die von Redaktoren ausgeht, die so unverständig arbeiten, dass ihnen selbst Spannungen wie diese nicht auffallen, ist unplausible Redaktionskritik (so richtig z.B. auch kürzlich wieder Ziemer 2020, S. 17). Eine ebenso große Gruppe v.a. englischsprachiger Exegeten hat auf dem selben Fundament dagegen angenommen, dass Elija hier als „drama king“ dargestellt würde, der komplett überdramatisiere, was ihm in V. 1 angedroht wird. Letzteres ist aktuell sogar die dominante Interpretation in der Exegese von 1 Kön 19: Elija reagiere in V. 3 komplett über, beleidige Gott gar in V. 4, sei trotzig in V. 5, stilisiere sich mit seiner Pilgerfahrt zum Horeb in V. 8 unangemessener Weise selbst als zweiter Mose, stelle in Vv. 10.14 die Situation in Israel völlig falsch und überdramatisch dar, begebe sich dann in V. 13 nicht einmal „auf den Berg“, sondern lediglich „in den Höhleneingang“, akzeptiere außerdem durchaus nicht, was ihm Gott in Vv. 11-12 demonstrieren wolle und &#039;&#039;wiederhole&#039;&#039; deshalb dann einfach noch einmal in V. 14 exakt seine Klage aus V. 10, weshalb ihn Gott folgerichtig als Prophet absetze. Als krönenden Abschluss führe er dann von dessen drei letzten Aufträgen in Vv. 19-21 nur den letzten auf denkbar halbherzige Weise aus. Aber es ist ja &#039;&#039;wahr&#039;&#039;, was Elija sagt:&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Elija hat ja auch Recht: Die Israeliten &#039;&#039;haben&#039;&#039; auf Befehl Isebels die JHWH-Propheten getötet, die Israeliten &#039;&#039;haben&#039;&#039; die JHWH-Altäre zerstört, und da die übrigen 100 Propheten sich in einer Höhle verbergen, ist Elija &#039;&#039;wirklich&#039;&#039; der letzte aktive JHWH-Prophet auf weiter Flur. Und entscheidend vor allem: Nach den folgenden Versen sieht Gott es &#039;&#039;genauso&#039;&#039; wie Elija.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort Gottes in &#039;&#039;&#039;Vv. 15-18&#039;&#039;&#039; ergibt sich denn auch logisch aus der Klage Elijas. V.a. entspricht der Klage, dass die Israeliten Gottes Propheten ermordet und seine Altäre zerstört hätten, die Salbung Jehus zum König in &#039;&#039;&#039;V. 16&#039;&#039;&#039;, da dieser in [[2 Könige 10#s18 |2 Kön 10,18]] bei einer Opferfeier sämtliche Propheten und Priester des Baal ermorden lassen  und in [[2 Könige 9#s7 |2 Kön 9,7]] „wegen des Bluts der Propheten“ als Gottes Mittler handeln wird, durch den sich dieser „an Isebel“ und ihrem ganzen Haus rächen kann. Dass „einzig Elija übrig ist“, hat seine Entsprechung in den kümmerlichen 7000 Mann in &#039;&#039;&#039;Vv. 18&#039;&#039;&#039;, die Gott in Israel übrig lassen wird, denn weil „die Söhne Israels Gott verlassen haben“, ist nach &#039;&#039;&#039;V. 15&#039;&#039;&#039; Gottes Instrument der Wahl der aramäische König Hazael, durch den JHWH laut [[2 Könige 10#s32 |2 Kön 10,32]] „damit begann, Israel abzuhauen: Hazael schlug sie im ganzen Gebiet Israels“. Israel, das erwählte Volk JHWHs – so sagt es Gott hier – ist reif zum Gericht. „Durch den einen [König] wird sich das Strafgericht von außen gegen Israel wenden, durch den anderen von innen heraus.“ (von Rad, ThAT II, S. 34).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Gleichzeitig deutet sich hier das erste Mal ein Motiv an, auf das man im Folgenden noch häufig in der Bibel stoßen wird: Das des „Rests“, das dann konzentriert in den Prophetien des Amos, des Hosea und des Jesaja begegnen wird (vgl. dazu bes. Hasel 1974; zur Stelle bes. S. 168-172). Weil „ganz Israel von Gott abgefallen ist“, wird „ganz Israel vernichtet werden“ – bis auf einen kleinen Rest Gerechter, der dann Keimzelle werden soll für eine glorreiche Zukunft Israels. Tatsächlich ist dieses Motiv sogar, prominent an das Ende der Gottesrede gestellt, der Höhepunkt und das Ziel der ganzen Rede. Von einer „glorreichen Zukunft“ aber, auf die die 7000 vorausweisen könnten, ist &#039;&#039;hier&#039;&#039; noch keine Rede – 1 Kön 19,1-18 endet vielleicht in Moll, wahrscheinlich sogar auf einem Missklang: Bis auf diese 7000 Mann wird ganz Israel vernichtet werden. Vv. 15-18 dienen damit v.a. zur Vorbereitung von 2 Kön 9-10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rede davon, dass Gott „&#039;&#039;nicht&#039;&#039; im Sturm ist, &#039;&#039;nicht&#039;&#039; im Feuer, &#039;&#039;nicht&#039;&#039; im Beben“, und seine Stimme ist „eine Stimme der &#039;&#039;Stille&#039;&#039;“ ist, hat am besten Dharamraj 2006, S. 109 interpretiert: &#039;&#039;Wo&#039;&#039; Gott &#039;&#039;stattdessen&#039;&#039; ist und wie er erscheint, wird im &#039;&#039;Text&#039;&#039; von 1 Kön 19 selbst &#039;&#039;ausgespart&#039;&#039;, obwohl Elija der Erzählung nach Gott sehr wohl begegnet. Was derart in 1 Kön 19 &#039;&#039;geschildert&#039;&#039; wird, ist eine „leere Theophanie“: Gott ist nicht mehr da; er hat Israel verlassen.&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;Ist das richtig, wäre es ein Fehler, wenn man aus 1 Kön 19,12 Rückschlüsse über das „Wesen“ Gottes ziehen wollte. Das hat man so häufig getan, dass die wichtigsten Positionen hier wenigstens genannt seien:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Vv. 11f. sollen zeigen, dass Gott &#039;&#039;anders ist als der Sturmgott Baal&#039;&#039;. Man muss dafür aus Stellen wie [[Psalm 18#s8 |Ps 18,8-15]]; [[Psalm 50#s3 |50,3]]; [[Psalm 77#s19 |77,19]]; [[Psalm 97#s1 |97,1-5]]; [[Jesaja 28#s2 |Jes 28,2]]; [[Jesaja 29#s6 |29,6]]; [[Jesaja 30#s30 |30,30]]; [[Nahum 1#s3 |Nah 1,3-6]] und ähnlichen Stellen ableiten, dass Sturmgötter &#039;&#039;und nicht andere Götter&#039;&#039; mit Attributen wie begleitendem Sturm, Feuer und Erdbeben dargestellt würden, dass dies also in diesem Kontext bes. für Baal gelte und ein:e Leser:in bei der Lektüre von Vv. 11f. daher zunächst an Baal und nicht an JHWH gedacht hätte, was dann aber die Vv. selbst kommentierten mit: „So ist Gott &#039;&#039;nicht&#039;&#039;; &#039;&#039;er&#039;&#039; ist fein und leise. Und: Er ist damit &#039;&#039;mehr&#039;&#039; als Baal; vor der Baals-Königin Isebel braucht Elija sich also nicht zu fürchten“ (z.B. von Nordheim 1992, S. 143f.).&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Ähnlich: Elija mag jetzt verzweifelt sein, weil derart chaotische Zustände in Israel herrschen. Aber Gott ist sogar &#039;&#039;noch mehr&#039;&#039; als selbst die urtümlichen Chaosmächte Sturm, Feuer, Beben. Die Chaos-Königin Isebel habe also keine Chance (z.B. Eidevall 2011, S. 103).&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Vv. 11f. seien gegen klassische &#039;&#039;JHWH&#039;&#039;-Vorstellungen gerichtet: Sturm, Feuer und Erdbeben sind, wie man an den eben aufgezählten Stellen sieht, übliche „Begleiter“ JHWHs. Dagegen dann Vv. 11f.: „Das sind doch nur mythische Vorstellungen; Gott erfährt man vielmehr als feine, leise Stimme, mit denen er v.a. seine &#039;&#039;Gebote&#039;&#039; erlässt, vermöge derer der &#039;&#039;Bund&#039;&#039; zwischen ihm und Israel besteht, und denen Elija nun bitte gefälligst wieder Folge zu leisten habe“ (z.B. Robinson 1972; Robinson 1991, S. 527; Thiel 2007).&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Vv. 11f. seien ein Kommentar zu 1 Kön 18: Dort hat Gott im Feuer wundermächtig gehandelt. Vv. 11f. wollten demgegenüber sagen: „So kann und wird Gott &#039;&#039;nicht regelmäßig&#039;&#039; handeln; zumeist wird er gar kaum wahrnehmbar als feine, leise Stimme in der Welt wirken. Speziell Elija wird daher im Folgenden sogar den Eindruck haben können, auf sich allein gestellt zu sein, doch er solle sich nicht fürchten: Gott wird fein und leise wirken, aber er &#039;&#039;wird&#039;&#039; wirken“ (z.B. Hauser 1990, S. 69f.75).&amp;lt;br /&amp;gt;(5) Vv. 11f. belehren nicht zuvorderst über Gott, sondern darüber, wie &#039;&#039;der Mensch&#039;&#039; Gott erfahren könne: In der Stille, wenn er ganz auf das Hören auf die feine Stimme Gottes ausgerichtet sei (so z.B. Sommer 1999, S. 441f.; Adam 2018, S. 172).&amp;lt;br /&amp;gt;(6) Langenhorst paraphrasiert: „Nun wusste er, wie der HERR sich ihm zeigen wollte, sanft, zärtlich, leicht.“ (LANGENHORST/KREJTSCHI, S. 100)&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;&#039;Vv. 19-21&#039;&#039;&#039; wird noch im Schnelldurchlauf die Berufung des Elischa berichtet, während die Krönung Jehus und Hazaels von &#039;&#039;Elischa&#039;&#039; erst in [[2 Könige 8 |2 Kön 8-9]] durchgeführt werden wird. Zu den Vv. ist das Nötigste bereits in den FNn gesagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=1_K%C3%B6nige_19&amp;diff=40204</id>
		<title>1 Könige 19</title>
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		<updated>2025-10-30T17:28:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Syntax&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Zuverlässige Studienfassung}}&lt;br /&gt;
{{Lesefassung kann erstellt werden}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Lesefassung}} &#039;&#039;(kommt später)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|1}} Dann erzählte Ahab der Isebel([, seiner Frau],)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Alle Vrs. wie in der Primärüs.; nur LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B&amp;lt;/sup&amp;gt; präzisiert: „Isebel, &#039;&#039;seiner Frau&#039;&#039;“. LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B&amp;lt;/sup&amp;gt; und LXX&amp;lt;sup&amp;gt;L&amp;lt;/sup&amp;gt; präzisieren in diesem Kapitel ausgesprochen häufig die handelnden Subjekte (meist durch Benennung, wo der ursprüngliche Text nur „[Er] VERB“ hat). Das ist jeweils so sicher sekundär, dass es i.F. gar nicht erwähnt werden wird.&amp;lt;/ref&amp;gt; alles, was Elija getan hatte, und wie (alles darüber, wie)&amp;lt;!--&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT wie im vorangehenden Teilsatz: &#039;&#039;we`et-kol-`ašer&#039;&#039;; dort: „alles, was“, hier zur Not: „alles darüber, wie“. LXX, VUL, Syr und 1 MS dagegen setzen &#039;&#039;wa`ašer&#039;&#039; („und was“) oder &#039;&#039;weka`ašer&#039;&#039; („und wie“) voraus. MT ist sicher Angleichung an den vorangehenden Teilsatz; so auch Stade/Schwally, BHK; auch Cogan 2001; DeVries 2004; Sweeney 2007; Thiel 2007.&amp;lt;/ref&amp;gt;--&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Textkritik&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Unbedeutende Textkritische Differenz; die Mehrheit der Ausleger hält die Variante in der Primärübersetzung für die ursprüngliche.&amp;lt;/ref&amp;gt; er getötet hatte alle ({alle})&amp;lt;!--&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: „alle“ nach MT, VUL, Tg, Syr, wenigen LXX-Mss und VL. Gestützt wird das zusätzlich dadurch, dass Syr und Tg dies dann auch noch präzisieren: „alle Propheten &#039;&#039;des Baal&#039;&#039;“ (Syr; auch LXX-Mss) / „alle &#039;&#039;falschen&#039;&#039; Propheten“ (Tg). In LXX und 7 MSS dagegen fehlt dieses „alle“. Stade/Schwally, BHK, BHS und z.B. DeVries 2004 halten die kürzere Variante für ursprünglich, aber richtig wohl Pruin 2006, S. 253, Thiel 2007, S. 218: Über die starke Bezeugung hinaus ist MT auch noch die lectio difficilior, weil Elija in 1 Kön 18 ja gar nicht &#039;&#039;alle&#039;&#039; Propheten getötet hat.&amp;lt;/ref&amp;gt;--&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Textkritik&amp;quot; /&amp;gt; die Propheten mit dem Schwert.&lt;br /&gt;
{{S|2}} Da sandte Isebel einen Boten ([eine Botschaft])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: MT, Aq, Sym, VUL, Tg, Syr, einigen LXX-Mss und wenigen VL-Mss: „einen Boten“. Laut LXX&amp;lt;sup&amp;gt;H&amp;lt;/sup&amp;gt; stand dieses Nomen aber nicht in Origines&#039; Vorlage; auch LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B, L&amp;lt;/sup&amp;gt; bezeugen es nicht. Im Heb. wäre es auch in der Tat verzichtbar. Stade/Schwally, DeVries 2004 und Hugo 2010, S. 19 halten daher den kürzeren Text für ursprünglich. Aber angesichts der so starken Bezeugung sollte man die kürzere Variante besser so erklären, dass ein Schreiber der LXX-Vorlagen nicht damit einverstanden war, dass Isebel hier derart mit JHWH parallelisiert wird – auch dieser nämlich wird in V. 7 einen Boten schicken.&amp;lt;/ref&amp;gt; zu Elija wie folgt: „Bist du Elija, bin ich Isebel! Woraus folgt:&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Bist du Elija, bin ich Isebel! Woraus folgt: ...&#039;&#039; - D.h. „Du magst zwar ein nicht unbedeutender Prophet sein, aber ich bin, verdammt noch mal, die &#039;&#039;Königin&#039;&#039;!“ (so z.B. Cogan 2001; Hugo 2010, S 25). Wahrscheinlich falsch die alternative Deutung von Gray 1970, DeVries 2004: „Du bist zwar ‚JHWH ist Gott!‘, aber ich bin ‚Wo ist Baal!‘“ – Isebel würde dann also mit der Bedeutung ihrer beider Namen spielen, um zu signalisieren, dass der Wettstreit zwischen JHWH und Baal aus 1 Kön 18 noch lange nicht zu Ende gekämpft ist und nun persönlich wird: Sie als die Baals-Repräsentantin würde veranlassen, dass es Elija als JHWH-Repräsentanten an den Kragen ginge. Aber &#039;&#039;Isebel&#039;&#039; ist kaum zu erklären als „Wo ist Baal“ – das ´Ajin von &#039;&#039;ba´al&#039;&#039; fehlt ja in &#039;&#039;-bel&#039;&#039; –, sondern als &#039;&#039;`i&#039;&#039; + &#039;&#039;zebl&#039;&#039;, „Wo ist der Fürst?“ Mit diesem „Fürst“ wird auch ein Gott gemeint sein, aber das angebliche Wortspiel an dieser Stelle funktioniert dann nicht mehr. Denkbar wäre dann aber ein anderes Wortspiel: Vgl. [[Psalm 42#s4 |Ps 42,4.11]] („Meine Feinde verhöhnen mich: ‚Wo ist dein Gott!?‘“), dann: „Du bist vielleicht ‚JHWH ist Gott‘, aber ich bin (und sage dir): ‚Wo ist er denn, dein Fürst!?‘“&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Bist du Elija, bin ich Isebel! Woraus folgt:&#039;&#039; - Nur bezeugt durch LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B, L&amp;lt;/sup&amp;gt; und VL. Eine spätere Ergänzung wäre aber kaum erklärlich, einen Ausfall könnte man sich dagegen als Parablepsis erklären: Offenbar irrten die Augen eines Schreibers vom ersten &#039;&#039;le`mor&#039;&#039; („wie folgt“) direkt zum zweiten („woraus folgt“) ab (Eissfeldt 1967, S. 66; z.B. auch DeVries 2004; Thiel 2007; Schenker 2004, S. 134; Hugo 2010, S. 18).&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies möge Gott (mögen die Götter?)&amp;lt;!--&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Gott (Götter?)&#039;&#039; - Der Gott Israels und wohl auch andere Götter wird und werden im Heb. mit dem &#039;&#039;Plural&#039;&#039;-Wort „Götter“ bezeichnet. Manche LXX-Varianten übersetzen das „Götter“ an unserer Stelle mit Pl., andere mit Sg., und manche haben daraus ableiten wollen, dass ursprünglich hier nicht &#039;&#039;`elohim&#039;&#039; („Götter“), sondern &#039;&#039;`el&#039;&#039; („Gott“ = Baal) gestanden habe. Aber es ist ja nicht mal gewiss, wie die Vorlage dieser Sg.-LXX zu rekonstruieren ist, und die anderen Vrs. setzen sicher Pl. voraus. Am Sinn ändert es ohnehin nichts: In den meisten Verwendungen dieser Formel (s. übernächste FN) ist explizit von &#039;&#039;JHWH&#039;&#039; die Rede; entsprechend darf man erwarten, dass die Baals-Anhängerin Isebel hier nur von &#039;&#039;ihrem&#039;&#039; einen Gott Baal spricht.&amp;lt;/ref&amp;gt;--&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Textkritik&amp;quot; /&amp;gt; mir ([mir])&amp;lt;!--&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;mir&#039;&#039; steht in einigen MT-Mss nicht und lag auch Origines nicht vor. Alle anderen Vrs. bezeugen es und es gehört auch fest zur Formel; die Minus-Variante ist sicher ein reiner Schreibfehler.&amp;lt;/ref&amp;gt;--&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Textkritik&amp;quot; /&amp;gt; antun und darüber hinaus jenes,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Dies möge Gott mir antun und darüber hinaus jenes, wenn nicht&#039;&#039; - sehr gebräuchliche Schwurformel (s. [[Rut 1#s17 |Rut 1,17]]; [[1 Samuel 3#s17 |1 Sam 3,17]]; [[1 Samuel 14#s44 |14,44]]; [[1 Samuel 20#s13 |20,13]]; [[1 Samuel 25#s22 |25,22]]; [[2 Samuel 3#s9 |2 Sam 3,9]].[[2 Samuel 3#s35 |35]]; [[2 Samuel 19#s14 |19,14]]; [[1 Könige 2#s23 |1 Kön 2,23]]; [[1 Könige 6#s31 |6,31]]; [[1 Könige 20#s10 |20,10]]; [[2 Könige 6#s31 |6,31]]). Gemeint ist etwa: „Ich schwöre: Ich werde Folgendes tun! Tue ich es nicht, soll mir ein schlimmes Unheil widerfahren!“ Das Unheil, das man mit dieser Schwurformel auf sich selbst herabruft, ist so entsetzlich, dass es stets nur mit „dies und darüber hinaus jenes“ umschrieben wird. Stark PAT: „Ich schwöre, und die Götter mögen mich strafen, wenn ich dich morgen ...“&amp;lt;/ref&amp;gt; wenn nicht morgen um diese Zeit dein Leben gleich dem Leben eines der ihren ist!“&lt;br /&gt;
{{S|3}} Da fürchtete sich (Er sah&#039;s)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;er fürchtete sich (er sah&#039;s)&#039;&#039; - Beide Wörter haben im Heb. die selben Konsonanten. Als „er sah&#039;s“ vokalisieren MT und Tg, sicher näherliegend als „er fürchtete sich“ aber LXX, JosAnt §348; VUL, Syr und auch wenige Mss und ein Tg-Ms. Fast alle halten denn auch richtig dies für die ursprünglich angezielte Bed. CTAT III, S. 372 u.v.a. erklären MT und Tg damit, dass ein Schreiber nicht vom eisernen Elija hätte sagen wollen, er habe sich gefürchtet – aber was hiernach folgt, stellt ihn ja in noch wesentlich schlechteres Licht als dieses Verb.&amp;lt;/ref&amp;gt; Elija und erhob sich und lief um sein Leben und kam&amp;lt;ref name=&amp;quot;34&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;er lief um sein Leben und kam&#039;&#039; (V. 3) + &#039;&#039;Nachdem er gelaufen war, kam er&#039;&#039; (V. 4) - Häufige Doppelverbformel, mit der unterstrichen wird, dass eine &#039;&#039;längere&#039;&#039; Reise unternommen wird (s. zu [[Rut 2#s3 |Rut 2,3]]). V. 4a sollte daher im Dt. besser umformuliert werden. Besser als der Vorschlag der SF oben wäre einer, der in der LF deutlicher machte, wie parallel Vv. 4.5 formuliert sind: „[VERB] und [VERB] unter einem einsamen Ginsterbusch“.&amp;lt;/ref&amp;gt; nach Beerscheba, das zu[m Königreich]&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;zum Königreich&#039;&#039; hat zwar auch eine leichte textkritische Stütze; so und so sollte man es aber im Dt. ergänzen, denn dies ist gemeint: Elija entzieht sich mit seiner Flucht nach Beerscheba am südlichsten Rand Judas dem Einflussbereich der zürnenden Königin.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B, L&amp;lt;/sup&amp;gt; nämlich präzisieren ähnlich: „im Lande Juda“. Vielleicht ist dies aber sogar nur inner-griechische Korruption des Artikels &#039;&#039;tän&#039;&#039; zum Nomen &#039;&#039;gän&#039;&#039; („Land“); auch davon unabhängig würde man es sicher als sekundär beurteilen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Juda [gehörte]. {{par|Genesis|19|7}} {{par|1 Samuel|19|11}} {{par|2 Könige|7|7}} Dort ließ er seinen [Dienst-]Knaben zurück. {{par|Genesis|22|5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|4}} Nachdem er einen [ganzen] Tag lang&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;einen [ganzen] Tag lang&#039;&#039; - W. „den Weg eines Tages“.&amp;lt;/ref&amp;gt; in die Wüste gelaufen war, {kam er und}&amp;lt;ref name=&amp;quot;34&amp;quot; /&amp;gt; setzte er sich unter einen einsamen&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;einen einsamen&#039;&#039; - w. „unter &#039;&#039;einen&#039;&#039;“ mit Numerale statt unbest. Artikel; zur Bed. „einsam“ vgl. richtig Gray 1970; Knauf 2019.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ginsterbusch. Er wünschte seinem Leben, zu sterben, {{par|Numeri|11|5}} {{par|Jona|4|8}} [indem] er sprach: „Genug jetzt, JHWH! (Ich habe genug, JHWH)!&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Genug jetzt, JHWH! (Ich habe genug, JHWH)&#039;&#039; - Ein unerhörter Ausruf. Man sieht das schon daran, dass die Vrs. zu unterschiedlichen Strategien griffen, um ihn abzuschwächen.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Nämlich: (1) LXX&amp;lt;sup&amp;gt;L&amp;lt;/sup&amp;gt; streicht das „JHWH“, was die mit MT übereinstimmenden VL und das LXX-Ms c2 als sekundär erweisen; (2) die anderen LXX-Mss verschieben das Wort nach „nimm mein Leben von mir“, (3) die Vorlagen von VUL und Syr ergänzen ein &#039;&#039;li&#039;&#039; (w. „[Genug] für mich“, also „Ich kann nicht mehr!“), (4) Tg kombiniert mehrere Strategien, indem er erstens ebenfalls das &#039;&#039;li&#039;&#039; ergänzt und zweitens die ganze Wortfolge „jetzt, JWHW“ nach hinten schiebt.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Der trennende Akzent zwischen „genug“ und „jetzt“ spricht nicht gegen diese Auflösung; er rührt daher, dass „JHWH“ als Vokativ mit dem vorangehenden Wort verbunden werden und daher ein trennender Akzent andernsorts und daher eben hier stehen muss.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nimm mein Leben ([von mir]),&amp;lt;!--&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;von mir&#039;&#039; nach LXX und 1 Ms; assim-[[Jona 4#s3 |Jon 4,3]].&amp;lt;/ref&amp;gt;--&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Textkritik&amp;quot; /&amp;gt; {{par|Jona|4|3}} {{par|Tobit|3|6}} denn ich bin nicht besser (dran) als meine Vorfahren (Vorgänger?)!“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;ich bin nicht besser (dran) als meine Vorfahren (Vorgänger?)&#039;&#039; - entweder also: (1) „offensichtlich bin ich nichts Besonderes“, die Verzweiflung hat ihm den Glauben genommen, Instrument für Gottes wunderbares Handeln zu sein (z.B. Cogan 2001). (2) „Ich bin nicht besser dran als meine Vorfahren“: wie sie gestorben sind, bin nun auch ich dem Tode nahe! (so z.B. Hauser 1990, S. 63). So schon JosAnt §348: „Er verlangte nach dem Tod, da er nicht besser als seine Väter sei und nach deren Heimgang keine Freude mehr am Leben habe.“ (3) „Ich bin nicht besser als meine Vorgänger“, ich habe nicht mehr erreicht als die Propheten vor mir! (so Jeremias 1996, S. 487; Dharamraj 2006, S. 53; Thiel 2007), was allerdings nur funktioniert, wenn man wirklich aus [[2 Könige 2#s12 |2 Kön 2,12]] ableiten kann, dass ein Prophet seine Vorgänger als seine „Väter“ bezeichnen konnte, und das ist sehr unsicher. Mindestens zwischen (1) und (2) wird man sich gar nicht entscheiden müssen, sondern wird hier beides hören dürfen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|5}} Dann legte er sich hin und schlief unter einem einsamen Ginsterbusch (dort?).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;unter einem einsamen Ginsterbusch (dort?)&#039;&#039; - MT, LXX&amp;lt;sup&amp;gt;H&amp;lt;/sup&amp;gt;, εβρ, VUL, Tg, Syr: „er schlief unter einem einsamen Ginsterbusch.“ LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B&amp;lt;/sup&amp;gt; dagegen: „er schlief &#039;&#039;dort&#039;&#039; unter dem Busch“, LXX&amp;lt;sup&amp;gt;L&amp;lt;/sup&amp;gt; „er schlief unter dem Busch &#039;&#039;dort&#039;&#039;“. Ganz merkwürdig leitet die Mehrzahl der Exegeten &#039;&#039;hieraus&#039;&#039; ab, dass entweder sowohl „unter einem einsamen Ginsterbusch“ als auch „dort“ sekundär seien oder sogar, dass „dort“ ursprünglich und „unter einem (einsamen) Ginsterbusch“ sekundäre Angleichung an V. 4 sei. So z.B. Stade/Schwally, BHK, BHS, Trebolle Barrera 1989; auch Würthwein 1984, Cogan 2001, Thiel 2007. Weit wahrscheinlicher stand in einer Handschrift &#039;&#039;šam&#039;&#039; am Rand, sollte die ungewöhnliche Wiederholung des „einsamen Ginsterbuschs“ ersetzen und ist daher an unterschiedlichen Orten in die Vorlagen von LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B&amp;lt;/sup&amp;gt; und LXX&amp;lt;sup&amp;gt;L&amp;lt;/sup&amp;gt; geraten. Dass LXX den „Ginsterbusch“ hier mit einem anderen Nomen als in V. 4 übersetzt und „ein“ streicht, wird aus den selben stilistischen Gründen geschehen sein.&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch da (siehe)!, einer (ein Bote)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: „Ein Bote“ nach MT, Aq, Sym, Tg, Syr; ähnlich VUL wie in V. 7: „ein Bote JHWHs“. LXX dagegen einheitlich: &#039;&#039;tis&#039;&#039;, „jemand“; ebenso JosAnt §349 („etwas Unsichtbares“). Trotz dieser starken Bezeugung ist wahrscheinlich die LXX-Variante ursprünglich und die MT-Variante unvollständige Assimilation an V. 7; so richtig Trebolle Barrera 1989, S. 144; Hugo 2010, S. 19; z.B. auch DeVries 2004.&amp;lt;/ref&amp;gt; stößt (fasst) ihn an und spricht zu ihm: „Steh auf, iss!“&lt;br /&gt;
{{S|6}} Und er schaute [sich um], und da (siehe)!, zu seinem Haupt (auf seiner Kopfstütze?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;zu seinem Haupt (auf seiner Kopfstütze?)&#039;&#039; - Zur Alternative: Im Heb. steht die Nahrung auf Elijas &#039;&#039;mero`š&#039;&#039;, einer Wortbildung aus &#039;&#039;ro`š&#039;&#039; („Kopf“) und dem Lokal-Präfix &#039;&#039;m-&#039;&#039;. Vgl. z.B. &#039;&#039;zabal&#039;&#039; „wohnen“ &amp;gt; &#039;&#039;mizbal&#039;&#039; „Wohnort“, &#039;&#039;satar&#039;&#039; „verstecken“ &amp;gt; &#039;&#039;mistar&#039;&#039; „Versteck“ und v.a. &#039;&#039;šakab&#039;&#039; „liegen“ &amp;gt; &#039;&#039;miškab&#039;&#039; „Liegeort“ = „Bett“; entsprechend dann hier &#039;&#039;ro`š&#039;&#039; „Kopf“ &amp;gt; &#039;&#039;mero`š&#039;&#039; „Kopf-Ort“ = Kopfstütze? So jedenfalls Syr: &#039;&#039;`essad&#039;&#039; „Kopfstütze, Kissen“. Gemeint sein könnte etwas wie der Stein des Jakob, vgl. [[Genesis 28#s11 |Gen 28,11]] mit dem selben Wort, was nicht heißen muss: „er nahm einen Stein und legte ihn nieder an seinem Kopf-Ort“, sondern auch bedeuten könnte: „... und legte ihn nieder als seine Kopfstütze“. In vielen Kulturen nimmt man beim Nächtigen im Freien auch heute noch einen Stein oder ein Stück Holz als Kopfstütze; einerseits, weil selbst dies bequemer ist, als den Kopf direkt auf den Boden zu legen (wie jeder Camper bestätigen können wird), andererseits aber wohl auch, damit bspw. Skorpione nicht so leicht an den Kopf des:der Schlafenden gelangen können. Vgl. noch [[1 Samuel 19#s13 |1 Sam 19,13]]: „Michal nahm die Teraphim, legte [sie] ins Bett und das Geflecht aus Ziegenhaar auf sein &#039;&#039;mero`š&#039;&#039; und deckte es mit einer Decke zu.“ (auch V. 16). Wg. dem Sg.-Suffix („&#039;&#039;sein&#039;&#039; &#039;&#039;mero`š&#039;&#039;“) ist &#039;&#039;mero`š&#039;&#039; hier sicher nicht „der Ort am Kopf &#039;&#039;der&#039;&#039; Teraphim“ (ein Pluralwort, s. [[Genesis 31#s34 |Gen 31,34]]: „Rachel hatte die Teraphim genommen und &#039;&#039;sie&#039;&#039; im Sattel versteckt“). Dann ist es also ein &#039;&#039;Teil des Bettes Davids&#039;&#039;, auf &#039;&#039;dessen&#039;&#039; &#039;&#039;mero`š&#039;&#039; Michal das Ziegenhaar-Geflecht legt. In [[1 Samuel 26#s7 |1 Sam 26,7]].11f.16 wäre dann entsprechend „[an] seiner Kopfstütze“ zu übersetzen. Ich (S.W.) halte diese Deutung v.a. an drei erstgenannten Stellen für besser. So übersetzt dort aber niemand, daher besser auch nicht OfBi.&amp;lt;/ref&amp;gt; [standen] ein auf Kohle (Glühsteinen) [gebackener]&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;auf Kohle (Glühsteinen) [gebacken]&#039;&#039; - VUL legt nahe, wie dies zu verstehen ist: &#039;&#039;subcinericius panis&#039;&#039;, ein „Unter-Aschen-Brot“. Gemeint ist mit dem Wort dann wie in [[Jesaja 6#s6 |Jes 6,6]] &#039;&#039;Kohle&#039;&#039; (so EÜ: „ein Brot, das in glühender Asche gebacken war“), also kein „Glühstein“, der das Pendant einer Pfanne wäre (so Knauf 2019, auch NL: „ein Stück auf heißen Steinen gebackenes Brot“), was sich ohnehin schlecht mit dem Pl. verträgt, und das Brot ein „Aschenbrot“, das man buk, indem man es direkt auf die Kohle gab und weitere Kohle darüber häufte, damit er von beiden Seiten erhitzt wird (wie ebenfalls noch heute in vielen Kulturen, Abb. z.B. auf dem Blog [https://anthrochef.com/2017/08/11/ash-bread/ Anthrochef]). Erwähnt wird sie dann nicht, weil „Glühstein-Brot“ &#039;&#039;besseres&#039;&#039; Brot war, sondern weil durch die Formulierung die „Kohle“ (heiß) und das „Wasser“ (kalt) eine Art Merismus bilden: „ein Fladen der Kohle und eine Krug des Wassers“. Gleichzeitig ist die Formulierung chiastisch: (A) Nahrung – (B) Instrument – (B&#039;) Instrument – (A&#039;) Nahrung. Im Deutschen lässt sich das leicht nachbilden: „Ein Aschenbrot und ein Wasserkrug“. S. noch übernächste FN: V. 6 ist offensichtlich gehobene, kunstvoll formulierte Prosa.&amp;lt;/ref&amp;gt; Fladen und ein Krug mit Wasser. Da ([stand er auf und])&amp;lt;!--&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;er stand auf&#039;&#039; nur nach LXX (außer LXX&amp;lt;sup&amp;gt;H&amp;lt;/sup&amp;gt;), VL; assim-V. 5.&amp;lt;/ref&amp;gt;--&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Textkritik&amp;quot; /&amp;gt; aß er und trank er und (kehrte um und legte sich=) legte sich wieder hin.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;er trank und kehrte um und legte sich&#039;&#039; - „kehrte um und legte sich“ i.S.v. „er legte sich wieder“ ist eine ganz gewöhnliche Konstr. im Heb.; hier aber auffällig, da das Ende des Verses so stark assonant ist: &#039;&#039;wajješt wajjašab wajjiškab&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|7}} Und es kam zurück der Bote (Engel)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Bote (Engel)&#039;&#039; - W. „Bote“. „Boten Gottes“ übersetzt man in dt. Üss. meist (und auch hier stets) mit „Engel“, denn solche sind dann fast stets gemeint. Folgt man mit der SF hier in V. 2 den Vrs., die auch Isebel einen „Boten“ schicken lassen, sollte man durchaus auch hier so übersetzen, dass diese Parallelität erkennbar wird; hält man dagegen das „Bote“ dort für sekundär, ist es hier gleich und man sollte besser mit „Engel“ übersetzen.&amp;lt;/ref&amp;gt; JHWHs ein zweites Mal (da kehrte ein zweiter Bote JHWHs zurück) und stieß (fasste) ihn an und sagte: „Steh auf, iss! Denn [sonst ist] (genug=) zu weit&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;zu weit&#039;&#039; - w. „genug“, das selbe Wort, das Elija Gott in V. 4 entgegengeschleudert hat. Wenn möglich, sollte das in der LF erkennbar sein. Vielleicht: „Sonst ist&#039;s nicht genug für deinen weiten Weg“? Oder wie B-R: „Erheb dich, iß, genug noch hast du des Wegs.“&amp;lt;/ref&amp;gt; für dich der Weg!“&lt;br /&gt;
{{S|8}} Da stand er auf ({stand er auf}&amp;lt;!--&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: ohne „stand er auf“ nur LXX&amp;lt;sup&amp;gt;H&amp;lt;/sup&amp;gt;. Offenbar zwei unterschiedliche Textüberlieferungen: In V. 6 bezeugt unter den LXX-Versionen nur LXX&amp;lt;sup&amp;gt;H&amp;lt;/sup&amp;gt; dieses „stand er auf“ nicht. Auch dieses ist aber sicher als Assimilation hier an V. 7 zu werten.&amp;lt;/ref&amp;gt;--&amp;gt;)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Textkritik&amp;quot; /&amp;gt; und aß und trank und ging mit der Kraft dieses Essens 40 Tage und 40 Nächte [durch] bis zum ([Gottes-])Berg Horeb.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B, L, H&amp;lt;/sup&amp;gt;: „Berg Horeb“. Dagegen MT, LXX&amp;lt;sup&amp;gt;A&amp;lt;/sup&amp;gt;, VL, εβρ, Tg, VUL, Syr: „Gottesberg Horeb“, assim-[[Exodus 3#s1 |Ex 3,1]]. So auch Stade/Schwally; Hugo 2010. Umgekehrt ist ein spätererer Ausfall kaum erklärlich (eine Kombination aus App. + Constr. ist mitnichten „schwierig“ – so Thiel 2007 –, sondern ganz gewöhnlich und sehr häufig im Heb.). JosAnt §349 übrigens „Sinai“. Man könnte versucht sein, damit die Position sehr weniger Ausleger zu stützen, die glauben, nicht „Gottes-“, sondern „&#039;&#039;Horeb&#039;&#039;“ sei hier sekundär, aber wahrscheinlich wird man diese Üs. von Josephus eher als freie Übersetzung werten müssen, da der Horeb häufiger „Sinai“ genannt und daher besser unter diesem Namen bekannt war.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|9}} Und er kam dort zur Höhle (zu einer Höhle)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;zur Höhle (zu einer Höhle)&#039;&#039; - Die „Höhle“ hat auch in [[Genesis 19#s30 |Gen 19,30]]; [[1 Könige 13#s11 |1 Kön 13,11]]; [[1 Könige 18#s4 |18,4.13]] unerwartet Artikel; dies muss also nichts bedeuten (richtig Simon 1997, S. 322; Cogan 2001). Dennoch wird der:die Leser:in hier, in dieser Szene, die so oft und so deutlich auf Mose anspielt (s. die Anmerkungen), und auf dem Horeb, wo Mose in einer Felsspalte seine Gottesbegegnung hatte (s. [[Exodus 33#s22 |Ex 33,22]]), sicher auch an exakt diese Felsspalte/Höhle denken dürfen (so gut z.B. Cohn 1982, S. 342; Dharamraj 2006, S. 55f.; Thiel 2007).&amp;lt;/ref&amp;gt; und übernachtete dort. Und da (siehe)!, das Wort JHWHs [ergeht (erging)] an ihn! Es fragte ihn ({ihn}&amp;lt;!--&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Die kürzere Variante in LXX (ohne LXX&amp;lt;sup&amp;gt;H&amp;lt;/sup&amp;gt;) und wenigen Mss. Assim-V. 13.&amp;lt;/ref&amp;gt;--&amp;gt;):&amp;lt;ref name=&amp;quot;Textkritik&amp;quot; /&amp;gt; „(Was [ist] mit dir, [dass du] hier [bist]=) Was willst du hier, Elija?“&amp;lt;ref name=&amp;quot;9.13&amp;quot;&amp;gt;Wortspiel: „Was ist mit dir“ ist im masoretischen Text zwar &#039;&#039;mah-leka&#039;&#039;, lautete ursprünglich aber &#039;&#039;mah-lak&#039;&#039; und klingt daher sehr ähnlich wie der &#039;&#039;malak&#039;&#039;, der „Bote“ (s.o.). Die Frage ist die standardmäßige Eröffnung z.B. einer Königsaudienz, mit der Empfangene eingeladen wurde, sein Begehr zu nennen (gut Seybold 1973, S. 8; z.B. auch Cogan 2001; Dharamraj 2006, S. 58; vgl. [[2 Samuel 14#s5 |2 Sam 12,5]]; [[1 Könige 1#s16 |1 Kön 1,16]]; [[2 Könige 6#s28 |2 Kön 6,28]]; [[Esther 5#s3 |Est 5,3]]). Dennoch sollte man nicht zu frei als etwas wie „Was ist dein Begehr?“ o.Ä. übersetzen; sicher sollte der:die Leser:in mindestens &#039;&#039;mit&#039;&#039;-hören: „Was willst du &#039;&#039;hier&#039;&#039;? [Du sollst doch in Israel sein!]“ (richtig z.B. Hauser 1990, S. 71; von Nordheim 1992, S. 138; Fetherolf 2017, S. 203). So schon JosAnt §349: „Plötzlich fragte ihn eine Stimme, von der er nicht wusste, woher sie kam, warum er die Stadt verlassen und sich hierher begeben habe.“&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|10}} Da sprach er: &lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;„(Eifernd habe ich geeifert=) Ich habe ja (so) geeifert&amp;lt;ref name=&amp;quot;10.14 1&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;geeifert&#039;&#039; - Mehrdeutiges Wort. Entweder: „Ich war so eifrig / tüchtig“ (z.B. [[2 Könige 10#s16 |2 Kön 10,16]]. Man denke auch an die „Zeloten“ = „die Eiferer“ = „die fanatischen JHWH-Anhänger“, zu denen z.B. auch Judas Iskariot gehört haben soll) oder: „Ich war so eifersüchtig“ (wie Gott ein eifersüchtiger Gott ist; ich war also ausgesprochen unduldsam mit der Baalsverehrung der Israeliten. S. [[Exodus 20#s5 |Ex 20,5]]). An sich spricht sehr wenig dafür, dass man hier an die zweite Bed. zu denken hat und die Parallele in 2 Kön 10,16 zu unserer Stelle ist ja offensichtlich; dennoch wird diese zweite Bed. nicht selten gewählt von jenen, die Elija in diesem Kapitel als größenwahnsinnig interpretieren wollen (s. die Anmerkungen).&amp;lt;br /&amp;gt;Auch die Funktion dieser ersten Zeile ist nicht ganz klar: Entweder will Elija seine Abwesenheit aus Israel mit dem Hinweis darauf abmildern, welch treuer Gottesdiener er war (Dann: „Ich habe ja außerordentlich geeifert!“), oder er will den Kontrast unterstreichen: „Ich habe so geeifert, aber alles umsonst, und jetzt wollen sie mir ans Leben!“ Der heb. Text lässt beides zu.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|2 Könige|10|16}}&lt;br /&gt;
_Für JHWH Zebaot (für JHWH, den Gott Zebaot),&amp;lt;ref name=&amp;quot;10.14 2&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;JHWH, den Gott Zebaot&#039;&#039; vs. &#039;&#039;JHWH Zebaot&#039;&#039; - Die kürzere Variante anscheinend in V. 10 in LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B, A, L&amp;lt;/sup&amp;gt;, VL, in V. 14 nur in LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B, A&amp;lt;/sup&amp;gt;. Die anderen Vrs. jeweils alle wie MT. Aber das ist etwas ungewiss; Gottesnamen werden häufig sehr divers geschrieben und übersetzt, und dies nicht nur in den antiken Versionen, sondern selbst noch in den mittelalterlichen Handschriften.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;deinen Bund verlassen&#039;&#039; vs. &#039;&#039;dich verlassen&#039;&#039;: Ähnlich: Die kürzere Variante in V. 10 in LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B, A, L&amp;lt;/sup&amp;gt;, VL, in V. 14 nur in LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B, L&amp;lt;/sup&amp;gt;. Die anderen Vrs. alle wie MT. Was davon ursprünglicher ist, lässt sich kaum erkennen; die Ausleger verteilen sich auch recht ausgewogen auf beide Varianten.&amp;lt;br /&amp;gt;Das stärkste Indiz ist dann bei beiden Varianten die Differenz in VL, bei der ersten die in LXX&amp;lt;sup&amp;gt;L&amp;lt;/sup&amp;gt;, bei der zweiten die in LXX&amp;lt;sup&amp;gt;A&amp;lt;/sup&amp;gt;: Bezeugen diese in V. 10 die kürzere Variante und in V. 14 die längere, könnte das heißen, dass in V. 10 die kürzere und in V. 14 die längere Variante ursprünglich war und dann von den meisten Vrs. V. 10 an V. 14 angeglichen wurde, in LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B, (L), (A)&amp;lt;/sup&amp;gt; dagegen V. 14 an V. 10. Insgesamt den ursprünglichen Wortlaut hätte dann nur VL bewahrt. Das ist wie gesagt recht unsicher, aber die beste Erklärung für diese komplexe Textdifferenz.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber (denn) verlassen haben dich (gebrochen haben deinen Bund)&amp;lt;ref name=&amp;quot;10.14 2&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Die Israeliten (Söhne Israels),&lt;br /&gt;
Indem sie deine Altäre zerstörten&lt;br /&gt;
_Und deine Propheten töteten mit dem Schwert!&amp;lt;ref name=&amp;quot;10.14 3&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Nicht: „Sie haben erstens deinen Bund gebrochen, zweitens deine Altäre zerstört und drittens deine Propheten getötet“: Die Wortstellung (1: V O S – 2: O V – 3: O V) gemeinsam mit den Akzenten ([ [1]&amp;lt;sub&amp;gt;Zaqef&amp;lt;/sub&amp;gt; [2&amp;lt;sub&amp;gt;Zaqef&amp;lt;/sub&amp;gt; 3]&amp;lt;sub&amp;gt;Athnach&amp;lt;/sub&amp;gt; ]) machen klar, dass Zeilen 2 und 3 Nebensätze zu Zeile 1 sein müssen.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Nehemia|9|26}} {{par|Römer|11|3}} {{par|Jeremia|2|30}} {{par|Lukas|11|47}} {{par|Matthäus|23|31}} {{par|Apostelgeschichte|7|52}} {{par|1 Thessalonicher|2|15}}&lt;br /&gt;
Ich bin übrig, ich, ich allein –&lt;br /&gt;
_Und sie verfolgen mein Leben, um&#039;s [mir] zu nehmen!“&amp;lt;ref name=&amp;quot;10.14 4&amp;quot;&amp;gt;Dass noch niemand Vv. 10.14 als Gedicht erkannt hat, ist erstaunlich. Es ist so kunstvoll gebaut, dass es eine längere FN lohnt:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Zeilen a-d betonen die unterschiedlichen Kontraste: Zeilen b.d zunächst die „Israeliten“ vs. „JHWH Zebaot“.  Bedeutungsmäßig stimmt der militärische Gottestitel „JHWH der Heere“ gut zusammen mit den „Söhnen von &#039;&#039;jißra `el&#039;&#039; (‚Gott streitet‘)“. Aber wie wenig passt diese Bezeichnung zu den Israeliten! – Für JHWH „gestritten“ (nämlich: „&#039;&#039;geeifert&#039;&#039;“) hat nur Elija (Zeile a), wohingegen die Israeliten ihn „&#039;&#039;verlassen&#039;&#039;“ haben (Zeile c). Um den Text so weben zu können, hat der Dichter zum seltenen Vierzeiler gegriffen, in dem nicht a mit b und c mit d parallel gehen, sondern die &#039;&#039;Doppelzeile&#039;&#039; ab mit ihrer antithetischen Doppelzeile cd.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Dass Zeilen e.f parallel sind, ist offensichtlich. Auch lautlich: Ursprünglich lautete „zerstörten“ &#039;&#039;harasu&#039;&#039;, „töteten“ sehr ähnlich &#039;&#039;haragu&#039;&#039;. Zum „töten“ passt lautlich auch das „Schwert“: &#039;&#039;haragu baḥarb&#039;&#039;. – Die „Gottes-Streiter“ haben danach nicht etwa nur Gott verlassen, sondern sich zerstörend und mordend gegen ihn gewandt, der vertreten wird durch die unbelebten „Altäre“ und die belebten (nun aber nicht mehr lebenden) „Propheten“.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Zeilen g.h kontrastieren noch mal Elija, der nach dem Mord an den Propheten ganz allein „übrig“ ist, und die Israeliten, die auch ihm sein Leben noch „nehmen“ wollen. Dass sich Zeile h überdies rückbezieht auf Zeile f, ist ebenfalls offensichtlich.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Zeilen ab und gh, in denen Elija Thema ist, umrahmen Zeilen c-f, in denen die Israeliten Thema sind; diese Verse in der Mitte motivieren den Wandel vom eifernden Elija in ab zum bedrohten Elija in gh.&amp;lt;br /&amp;gt;(5) Und schließlich werden die Zeilen ab.c-f insgesamt noch einmal konzentriert in Zeilen g.h aufgegriffen: &#039;&#039;Ich&#039;&#039; habe für dich gestritten (ab), &#039;&#039;sie&#039;&#039; haben sich vergangen (c-f) – jetzt bin nur noch &#039;&#039;ich&#039;&#039; übrig (g), und &#039;&#039;sie&#039;&#039; wollen sich an mir vergehen (h)!&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|11}} Und es sprach: „Geh ([morgen])&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: „morgen“ nur nach LXX (ohne LXX&amp;lt;sup&amp;gt;H&amp;lt;/sup&amp;gt;), VL, JosAnt §351 („am Morgen“). Wahrscheinlich richtig DeVries 2004: Verschreibung von &#039;&#039;bhr&#039;&#039; („auf den Berg“) als &#039;&#039;mhr&#039;&#039; („morgen“). Die Korrektur „auf den Berg“ ist dann zusätzlich in LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B, L&amp;lt;/sup&amp;gt;, εβρ und VL an der falschen Stelle nach „vor JHWH“ und in LXX&amp;lt;sup&amp;gt;A&amp;lt;/sup&amp;gt; an der richtigen Stelle ergänzt worden.&amp;lt;/ref&amp;gt; hinaus und stell dich auf den Berg vor JHWH!“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und da (siehe)!, JHWH zieht vorüber:&amp;lt;ref&amp;gt;(1) So deutet die Mehrheit. (2) Oder: „Geh hinaus und stell dich auf den Berg vor JHWH, denn siehe, JHWH ist im Begriff, vorüberzuziehen“ – und erst dann folgt der Bericht. So schon LXX, die „vorüberziehen“ noch mit Futur übersetzt hat, was aber sicher auf die Verlesung von &#039;&#039;bhr&#039;&#039; („auf dem Berg“) als &#039;&#039;mhr&#039;&#039; („morgen“) zurückzuführen ist. Die Deutung legt sich aber tatsächlich deshalb schnell nahe, weil nach der Erwähnung des „Vorüberziehens“ JHWHs noch einmal ein Schritt zurück gemacht wird, um zu schildern, was diesem Vorüberziehen &#039;&#039;vorausgeht&#039;&#039;. Aber dies ist eine starke Minderheitenposition; bekannt sind mir (S.W.) als neuere Vertreter nur Pruin 2006, S. 252; Knauf 2019; NIV; NRSV.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Oder: Vv. 11f. sind insgesamt Ankündigung; das Geschehen selbst würde dann gar nicht berichtet, weil es in der Ankündigung schon so ausführlich geschildert wurde. So z.B. Walsh 1996; Cogan 2001; Robinson 1991, S. 521; Simon 1997, S. 214; Dharamraj 2006, S. 80; Rogland 2012, S. 92; ALTER – diese Position hat also eine ganze Reihe recht bedeutender Vertreter. Es gibt in der Tat vergleichbare Stellen in der Bibel, die so konstruiert sind. S. etwa [[Exodus 9#s13 |Ex 9,13-20]], wo zwischen Vv. 19.20 gar nicht noch mal geschildert wird, wie Mose die Botschaft Gottes auch wirklich überbringt, oder ganz entsprechend [[1 Könige 21#s17 |1 Kön 21,17-20]]. An unserer Stelle stört dann aber V. 13a stark, wo das „Hinausgehen“ Elijas anders als das „Vorüberziehen“ JHWHs eben doch berichtet wird.&amp;lt;br /&amp;gt;Auflösung (2) ist daher jedenfalls weit wahrscheinlicher als Auflösung (3); fraglich ist, ob Auflösung (2) auch der Standard-Auflösung vorzuziehen ist. Rein grammatisch ist sie möglich; &#039;&#039;hinneh&#039;&#039; („Da!, siehe!“) + Partizip kann in der Tat auch für Futurum instans („etw./jmd. ist &#039;&#039;im Begriff&#039;&#039;, zu geschehen / etwas zu tun“) verwendet werden (vgl. z.B. [https://en.wikisource.org/wiki/Gesenius%27_Hebrew_Grammar/116._The_Participles#GHGpar-116-p GKC §116p]). Im Kontext von 1 Kön 19 aber ist das sehr unwahrscheinlich; „und da!“ leitet hier stets übernatürliche Geschehnisse ein (s. neben diesem V. noch Vv. 5.6.9.13). Die beste Deutung ist daher die: 11b ist ein sog. „proleptisches Summarium“, das das gleich zu schildernde entscheidende Geschehnis bereits vorausnimmt (daher oben der Anschluss mit Doppelpunkt). Das wird dann entfaltet: Genauer geschieht es so, dass dem „Vorüberziehen“ Gottes zunächst Sturm, Erdbeben und Feuer vorausgehen. Den &#039;&#039;qol demamah daqqah&#039;&#039; danach (s. zu V. 12) deutet Elija richtig als Zeichen dafür, dass &#039;&#039;nun&#039;&#039; Gott vorüberziehen wird, und daher verlässt er erst dann die Höhle. Dass Elija damit die Geschehnisse richtig verstanden hat, zeigt dann V. 13b an, wo ihn in der Tat Gott noch einmal anspricht.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Exodus|33|19}} {{par|Exodus|34|7}} &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ein Sturm (Wind, Hauch, Geist), stark und mächtig, zerschmettert Berge und zertrümmert Felsen vor JHWH,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
im Sturm [ist] JHWH nicht (Und im Sturm [ist] JHWH).&amp;lt;!--&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Die Primärüs. nach fast allen Vrs.; die Alternative, die einen Text ohne „nicht“ voraussetzt, nur in LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B, H&amp;lt;/sup&amp;gt;: „vor JHWH, in JHWHs Sturm“. Sehr wahrscheinlich ein bloßer Flüchtigkeitsfehler. Zur Not ließe sich das aber sogar sinnvoll auflösen. S. [[2 Samuel 22#s16 |2 Sam 22,16]] = [[Psalm 18#s16 |Ps 18,16]]; [[Psalm 33#s6 |Ps 33,6.9]]; [[Psalm 104#s7 |Ps 104,7]] und vielleicht [[Genesis 1#s2 |Gen 1,2]], wo Gottes Rede als Donner und Sturm dargestellt wird, die in [[2 Samuel 22#s14 |2 Sam 22,14]] = [[Psalm 18#s14 |Ps 18,14]] auch „Hagel und Feuerglut“ mit sich bringt und die in [[Exodus 15#s8 |Ex 15,8.10]] und Ps 104,7 z.B. auch Fluten sich auftürmen lassen kann. Vielleicht hat ein Schreiber hieran gedacht und daher das „nicht“ übersehen.&amp;lt;/ref&amp;gt;--&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Textkritik&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und nach dem Sturm ein Erdbeben,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
im Erdbeben [ist] JHWH nicht.&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
{{S|12}} Und nach dem Erdbeben Feuer,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Feuer&#039;&#039; - Wahrscheinlich ein Feuerregen oder ein durch Blitze entzündetes Feuer; so wird jedenfalls die sehr nahe Parallelstelle [[Exodus 19#s16 |Ex 19,16-18]] üblicherweise verstanden.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{par|Exodus|19|16|18}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
im Feuer [ist] JHWH nicht.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und nach dem Feuer ein feiner, stiller Klang (eine feine, leise Stimme; ein dünnes, klagendes/betäubendes = ein gespenstisches Geräusch; ein Geräusch zermalmender Vernichtung).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;ein feiner, stiller Klang (eine feine, leise Stimme; ein dünnes, klagendes/betäubendes = ein gespenstisches Geräusch; ein Geräusch zermalmender Vernichtung)&#039;&#039; - eine der meist-diskutierten Stellen der Bibel. Die Bed. des ganzen Ausdrucks ist und bleibt unsicher; am besten wählt man aber etwas wie den obigen Primärvorschlag. Die Kombination von Taktilem („fein, pulverartig“) mit Akkustischem („geräuschlos“) soll dann die übernatürliche Unbeschreiblichkeit des &#039;&#039;qol&#039;&#039; betonen, der „geräuschlose Klang“ soll als Oxymoron das Selbe leisten (gut z.B. Walsh 1996; Dharamraj 2006, S. 93).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Genauer&#039;&#039;&#039;: Gehen wir die Wörter einzeln durch. Heb. &#039;&#039;qol demamah daqqah&#039;&#039;.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;qol&#039;&#039; kann sowohl „Klang“ als auch „Stimme“ bedeuten. In V. 13 wird das selbe Wort von fast allen als „Stimme“ gedeutet. Dazu jedoch richtig Eidevall 2011, S. 105: Dass das Wort dort keinen Artikel hat, kann nahelegen, dass der &#039;&#039;qol&#039;&#039; dort nicht identisch mit dem &#039;&#039;qol&#039;&#039; in V. 12 ist; es könnte also ganz unproblematisch hier „Klang“ und dort „Stimme“ bedeuten. Rhetorisch nahe liegt das aber nicht. Klar ist jedenfalls wegen den beiden anderen Worten (s. gleich), dass mindestens in V. 12 &#039;&#039;nicht&#039;&#039; an eine menschliche Stimme zu denken ist. Besser übersetzt man daher mit „Klang“, um das Bild zu wahren. Der V. [[Exodus 19#s19 |Ex 19,19]], auf den oft hingewiesen wird, ist übrigens wahrscheinlich ein false friend; s. dort.&amp;lt;br /&amp;gt;Zunächst weiter zu &#039;&#039;daqqah&#039;&#039;, das einfacher ist als das zweite Wort: &#039;&#039;daqqah&#039;&#039; kommt von &#039;&#039;daqaq&#039;&#039; („zermalmen, pulverisieren“); abgleitet ist z.B. auch &#039;&#039;daq&#039;&#039; („fein, pulverisiert“) und &#039;&#039;doq&#039;&#039; (nur [[Jesaja 40#s22 |Jes 40,22]]: „etwas ganz Feines/Dünnes“ = „ein Schleier“). Das Wort ist Adjektiv-Attribut zu &#039;&#039;demamah&#039;&#039;, diese ist also entweder eine „zermalmende &#039;&#039;demamah&#039;&#039;“ oder eine „feine &#039;&#039;demamah&#039;&#039;“.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese &#039;&#039;daqqah-demamah&#039;&#039; spezifiziert insgesamt &#039;&#039;qol&#039;&#039;, dieser ist also ist ein „&#039;&#039;daqqah-demamah-qol&#039;&#039;“. &#039;&#039;demamah&#039;&#039; nun ist notorisch schwierig: Auf den ersten Blick scheint man es ableiten zu müssen vom Wort / von der heb. „Wurzel“ &#039;&#039;damam&#039;&#039; (s. gleich). &#039;&#039;damam&#039;&#039; ist aber eine sog. „reduplikative Wurzel“ (d.h., der zweite und der dritte Konsonant des Wortes ist der Selbe), und solche reduplikativen Wurzeln lassen sich häufig nicht gut abgrenzen von ihren sog. „metaplastischen Nebenformen“, also von den entsprechenden „hohlen Wurzeln“ (d.h. Wörtern mit langem &#039;&#039;u&#039;&#039; oder &#039;&#039;i&#039;&#039; zwischen den beiden Konsonanten am Rand; hier also: &#039;&#039;dūm&#039;&#039;) und „schwachen Wurzeln“ (d.h. Wörtern mit zwei Konsonanten und &#039;&#039;h&#039;&#039; oder &#039;&#039;`&#039;&#039; als drittem Konsonant, hier also &#039;&#039;damah&#039;&#039;): Bei vielen Wörtern ist unklar, ob ein Wort IaIIaII (wie &#039;&#039;damam&#039;&#039;), ein Wort IūII (wie &#039;&#039;dūm&#039;&#039;) und ein Wort IaIIaH / IaIIa` (wie &#039;&#039;damah&#039;&#039;) das selbe Wort sind, unterschiedliche Wörter sind, oder beides, so dass es z.B. ein &#039;&#039;damam&#039;&#039; mit Bedeutung A und ein zweites &#039;&#039;damam&#039;&#039; mit der selben Bedeutung B wie ein Wort &#039;&#039;dūm&#039;&#039; gäbe.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Insgesamt&#039;&#039;&#039; dann: Bei unserem Wort &#039;&#039;demamah&#039;&#039; könnte man daher denken an folgende Bedeutungen: (1a) „still sein“ (nicht: „leise sein“; gemeint ist die &#039;&#039;Abwesenheit&#039;&#039; von Geräusch oder Bewegung, wie z.B. in der „Windstille“. S. in Ges18 s.v. &#039;&#039;damam&#039;&#039; I, das aber wahrscheinlich besser als &#039;&#039;dūm&#039;&#039; zu führen wäre). Das ist die häufigste Deutung; gemeint wäre dann „feine Stille“ (B-R: „eine Stimme verschwebenden Schweigens“; NeÜ: „der Ton eines dahinschwebenden Schweigens“). Sicher nicht: „sanfte Leis-heit“, wie in allen anderen dt. Üss. gedeutet wird; zu behaupten, ein &#039;&#039;qol demamah&#039;&#039; sei eine „leise Stimme“, ist, als würde man sagen, der „weiße Rappe“ sei ein „hellgraues Pferd“.&amp;lt;br /&amp;gt;(1b) Abgeleitet vom selben Wort: „still stehen lassend“ = „erstarren lassend“, also „ein dünnes, betäubendes d.i. ein gespenstisches Geräusch“ (so de Boer 1951, S. 179; Seybold 1973, S. 13). Sehr nahe liegt das aber nicht; der Brückenschlag vom „feinen betäubenden“ zum „gespenstischen“ Geräusch ist ziemlich gewagt.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) „verwüstend, vernichtend“ (in Ges18 s.v. &#039;&#039;damam&#039;&#039; II), wahrscheinlich eine Nebenform von (3) „vernichten“ (in Ges18 s.v. &#039;&#039;damah&#039;&#039; II). Nach beiden Ableitungen also: „ein Klang von zermalmender Vernichtung“. So niemand, aber s. gleich.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) „klagen“ (&#039;&#039;damam&#039;&#039; III, dazu s. z.B. Schick 1913; Dahood 1965, S. 25; McDaniel 1968, s. 39). Lust 1975 will von hier aus noch weiter die Bed. von &#039;&#039;damam&#039;&#039; zu „brüllen“ umbiegen und kommt so zur Üs. „crushing and roaring sound“ (S. 112). Zur Not ist das wohl möglich; mit einer Ableitung nach (2) und (3) kommt man aber ja zur selben Bed. und diese Ableitung ist sprachlich sicher glatter. Der Vorschlag ist sehr erwägenswert; er hat erstens den entscheidenden Vorteil, dass man dafür nicht gleichzeitig von einer Synästhesie und einem Oxymoron ausgehen muss, um die Fügung sinnvoll zu deuten, und zweitens den, dass dann der &#039;&#039;qol&#039;&#039; in weit größere Nähe zum &#039;&#039;qol&#039;&#039; in [[Exodus 19#s19 |Ex 19,19]] rückt.&amp;lt;br /&amp;gt;(5) „gleichen, ähneln“ (in Ges18 s.v. &#039;&#039;damah&#039;&#039; I). S. z.B. [[Hohelied 2#s9 |Hld 2,9]]: „Mein Geliebter ist so ähnlich wie = gleicht einer Gazelle“. &#039;&#039;demamah&#039;&#039; wäre dann eine Variante des &#039;&#039;demut&#039;&#039; Ezechiels, mit dem er ausdrückt, dass seine Worte nicht &#039;&#039;genau&#039;&#039; das treffen, was er in seinen Visionen geschaut hat und berichtet. S. z.B. [[Ezechiel 1#s10 |Ez 1,10]]: „Die &#039;&#039;demut&#039;&#039; ihrer Gesichter waren Menschengesichter“ = „ihre Gesichter waren so ähnlich wie Menschengesichter“. Das funktioniert hier nicht, aber s.u.&amp;lt;br /&amp;gt;Weil mindestens die Abwägung zwischen dem „feinen, leisen Klang“ und dem „Klang zermalmender Vernichtung“ so schwierig ist, muss man &#039;&#039;&#039;Vergleichsstellen&#039;&#039;&#039; heranziehen. Herangezogen wurden:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) [[Ijob 4#s16 |Ijob 4,16]], aber das ist verfehlt, s. zum Vers. Elifaz berichtet sicher, &#039;&#039;zunächst&#039;&#039; habe Stille geherrscht, &#039;&#039;danach&#039;&#039; habe er eine Stimme vernommen. Damit ist er eine sehr nahe Parallele für die Abfolge unserer Vv. 12.13; für die Bed. nur von V. 12 ist er aber irrelevant.&amp;lt;br /&amp;gt;(2) [[Psalm 107#s29 |Ps 107,29]]: „Gott verwandelt den Sturm in &#039;&#039;demamah&#039;&#039; und die Wellen legen sich.“ Das deutet man gewöhnlich so, dass beide Sätze das Selbe sagen, &#039;&#039;demamah&#039;&#039; also „Windstille“ bedeutet und Ps 107,29 damit Deutung (1) stützt. Richtig zwar Lust: Theoretisch könnte man, wenn man nur auf diesen Vers schaut, beide Zeilen auch als antithetischen Parallelismus deuten: „Gott steigert [zunächst noch] den Sturm zur Vernichtung, dann legen sich die Wellen“ – aber liest man den V. zusammen mit V. 28, liegt das sehr fern. Ps 107,29 ist also wirklich ein starkes Indiz dafür, dass unser V. heißt: „Nach dem Sturm hörte ich das Geräusch von &#039;&#039;daqqah&#039;&#039;-Windstille“.&amp;lt;br /&amp;gt;(3) [[Psalm 93#s3 |Ps 93,3]], auf den gut Lust hinweist: „Fluten erhoben ihren &#039;&#039;qol&#039;&#039;, Fluten erhoben ihre &#039;&#039;daki&#039;&#039;.“ An diesen V. denkt man nicht gleich, aber Lust hat Recht: &#039;&#039;daki&#039;&#039; kommt von &#039;&#039;dakka`&#039;&#039;, einer Nebenform von &#039;&#039;daqaq&#039;&#039; (s.o.). Auch hier also stehen &#039;&#039;qol&#039;&#039; und &#039;&#039;daqaq&#039;&#039; beieinander – und hier in der Bed. „Geräusch“ und „Vernichtung“: „Fluten erschallten = Fluten vernichteten“. Das stützt Deutung (2), aber nicht so stark, wie Ps 107,29 Deutung (1) stützt.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Die Wichtigste und zugleich Schwierigste: 4Q405 frgs. 20-22 7f.12f.: „&#039;&#039;Die Cherubim fallen vor ihm nieder und preisen. Wenn sie sich erheben, ist da göttlicher &#039;&#039;qol demamah&#039;&#039; zu hören, und ein jauchzender Lärm, wenn sie ihre Flügel öffnen, ein göttlicher &#039;&#039;qol demamah&#039;&#039;. [...] Und der &#039;&#039;qol demamah&#039;&#039; des Segens [ist] im Lärm ihres sich-Bewegens. [...] Dann kommt der Klang ihres freudigen Jauchzens zur Ruhe, und &#039;&#039;qol demamah&#039;&#039; des Segens Gottes [ist] in allen göttlichen Abteilungen, und der Klang des Preises&#039;&#039;“. Vgl. auch frg. 19: „&#039;&#039;Unter dem wunderbaren inneren Schrein [klingt] der ruhige &#039;&#039;qol demamah&#039;&#039; des Segens Gottes&#039;&#039;“. Man hat sich hier bei der Deutung offenbar stark beeinflussen lassen von der Rede von der „Ruhe“ in frg. 20-22 13 und der vom „ruhig“ in frg. 19 und daher &#039;&#039;demamah&#039;&#039; stets als „geräuschlos“ gedeutet. Aber in frg. 20-22 13 wird ja nur gesagt, dass die Engel aufhören, zu jauchzen, &#039;&#039;wonach&#039;&#039; laut hörbar der Segen erklingt. Und das „ruhig“ in frg. 19 ist im Heb. &#039;&#039;šaqaṭ&#039;&#039;, ein Wort, das keine akkustische Qualität beschreibt, sondern einen Zustand oder eine Stimmung: „friedvoll, gelöst“. Dagegen das zweifache „(jauchzender) Lärm“ in frg. 20-22 macht sehr wahrscheinlich, dass gerade &#039;&#039;nicht&#039;&#039; an „geräuschlose“ Äußerungen zu denken ist. Woran dann? Ich (S.W.) sehe zwei Optionen: Entweder, man geht mit Newsom 1985, S. 313 und Eidevall 2011, S. 106 davon aus, dass die Ausdrücke an diesen Stellen quasi-mechanisch aus 1 Kön 19,12 in 4Q405 übernommen wurden, nach der Logik: „Offenbar klingt Göttliches wie &#039;&#039;qol demamah&#039;&#039;, also sagen wir das hier auch [aber um klar zu machen, dass wir nicht ‚geräuschlos‘ &#039;&#039;meinen&#039;&#039;, obwohl es zunächst so klingt, setzen wir jeweils noch einen anderen Ausdruck daneben].“ Dann ließe sich aus 4Q405 gar nichts für unsere Stelle ableiten. Oder: Blickt man noch etwas genauer auf den Text, fällt erstens auf, dass &#039;&#039;demamah&#039;&#039; stets zwischen &#039;&#039;qol&#039;&#039; und „Gott“, „göttlich“ oder „Segen“ steht und stets (anders als hier) Constructus ist, und dass zweitens die beiden &#039;&#039;demamah&#039;&#039;-Abschnitte einen &#039;&#039;demut&#039;&#039;-und&#039;&#039;mare`&#039;&#039; („Gleichheit-und-Aussehen“)-Abschnitt umrahmen (Z. 10: „[Der Thron] hatte &#039;&#039;das Aussehen&#039;&#039; von Feuer. ... Um sie herum war &#039;&#039;etwas Ähnliches&#039;&#039; wie Ströme von Feuer.“). Vielleicht ist hier &#039;&#039;demamah&#039;&#039; also wirklich eine Variante von &#039;&#039;demut&#039;&#039;: „&#039;&#039;Die Cherubim fallen vor ihm nieder und preisen. Wenn sie sich erheben, ist da &#039;&#039;quasi&#039;&#039;-göttlicher Klang zu vernehmen, und ein jauchzender Lärm, wenn sie ihre Flügel öffnen, ein &#039;&#039;quasi&#039;&#039;-göttlicher Klang. ... Und ein Klang &#039;&#039;wie von&#039;&#039; Segen ist im Lärm ihres sich-Bewegens. Dann kommt der Klang ihres freudigen Jauchzens zu Ruhe, und &#039;&#039;etwas wie&#039;&#039; Segen Gottes [erklingt] in allen göttlichen Abteilungen und der Klang des Preises.&#039;&#039;“ und „&#039;&#039;Unter dem wunderbaren inneren Schrein [klingt] ein Klang &#039;&#039;wie von&#039;&#039; friedvollem Segen Gottes.&#039;&#039;“ Was dann jeweils nur bedeutete: Wenn die Cherubim sich bewegen, klingt das wie Segen Gottes – ähnlich, wie laut b.Sot 9b Gottes Geist gleich Glöckchen klingt oder wie es ähnlich nach Glöckchen-Klang klingt, wenn irische Elfen fliegen. Beide Optionen sind aber nicht sehr zufriedenstellend: Option 1 nicht, weil man dann annehmen muss, dass &#039;&#039;qol demamah&#039;&#039; in 4Q405 mehr oder weniger sinnlos verwendet wird, Option 2 nicht, weil man dann annehmen muss, dass &#039;&#039;qol demamah&#039;&#039; in 4Q405 und an unserer Stelle ganz Unterschiedliches bedeuten. Will man 1 Kön 19,12 und 4Q405 miteinander harmonieren lassen, hat man fast keine Wahl, als &#039;&#039;qol demamah&#039;&#039; an beiden Stellen „geräuschloser Klang“ bedeuten zu lassen, so schwierig sich das auch mit der Rede vom „Lärm“ in 4Q405 vereinbaren lässt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|13}} Als Elija[&#039;s] hörte, umwickelte er sein Gesicht mit seinem Mantel.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Er umwickelte sein Gesicht&#039;&#039; - Als Schutzmaßnahme; Gott kann im Normalfall nicht ungeschützt sehen, ohne zu sterben. S. v.a. [[Exodus 33#s21 |Ex 33,21-23]]; auch [[Exodus 3#s6 |Ex 3,6]]; [[Richter 6#s22 |Ri 6,22f.]]; [[Richter 13#s20 |13,20]]; [[Ezechiel 1#s28 |Ez 1,28]]; [[Daniel 10#s9 |Dan 10,9]] und vgl. z.B. Gray 1970; Cogan 2001 und Dharamraj 2006, S. 114.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dann ging er hinaus und stellte sich in den Eingang der Höhle (unter die Höhle).&amp;lt;ref&amp;gt;Dass sich Elija nicht „auf die Spitze des Bergs“, sondern „&#039;&#039;an den Eingang der Höhle&#039;&#039;“ begibt, haben jene, die glauben, Elija würde in diesem Kapitel sehr negativ geschildert, so interpretiert, dass auch dies Zeichen seines Ungehorsams sei (z.B. Walsh 1996; Robinson 1991, S. 521; Flannery 2008, S. 169). Aber die Höhle ist ja zweifellos eine Berghöhle; auch mit seinem Hinausgehen aus der Höhle steht Elija dann „auf dem Berg“ (richtig Dharamraj 2006, S. 115).&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;in den Eingang der Höhle (unter die Höhle)&#039;&#039; - Wie MT auch Sym, LXX&amp;lt;sup&amp;gt;H&amp;lt;/sup&amp;gt;, Tg, VUL, Syr; wohl auch JosAnt §351 („als er aus der Höhle hinausging“). Dagegen LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B, A&amp;lt;/sup&amp;gt;: „&#039;&#039;unter&#039;&#039; die Höhle“, LXX&amp;lt;sup&amp;gt;L&amp;lt;/sup&amp;gt;: „&#039;&#039;vor&#039;&#039; die Höhle“. LXX&amp;lt;sup&amp;gt;L&amp;lt;/sup&amp;gt; könnte sogar nur freie Übertragung des „Eingangs der Höhle“ sein (vgl. JosAnt, die zur selben Textfamilie gehören wie LXX&amp;lt;sup&amp;gt;L&amp;lt;/sup&amp;gt;), aber LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B, A&amp;lt;/sup&amp;gt; haben sicher statt &#039;&#039;ptḥ hm´rh&#039;&#039; („Öffnung der Höhle“) gelesen: &#039;&#039;tḥt m´rh&#039;&#039; (richtig Stade/Schwally).&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;Und da (siehe)!, an ihn [ergeht (erging)] ein Klang (eine Stimme)! Er fragte ([ihn)&amp;lt;!--&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[ihn]&#039;&#039; - So Syr, einige MT-Mss und einige Tg-Mss. Assim-V. 9.&amp;lt;/ref&amp;gt;--&amp;gt;]:&amp;lt;ref name=&amp;quot;Textkritik&amp;quot; /&amp;gt; „(Was [ist] mit dir, [dass du] hier [bist]=) Was willst du hier, Elija?“&amp;lt;ref name=&amp;quot;9.13&amp;quot; /&amp;gt; &lt;br /&gt;
{{S|14}} Da sprach er: &lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;„(Eifernd habe ich geeifert=) Ich habe ja (so) geeifert&amp;lt;ref name=&amp;quot;10.14 1&amp;quot; /&amp;gt; {{par|2 Könige|10|16}}&lt;br /&gt;
_Für JHWH, den Gott Zebaot (für JHWH Zebaot),&amp;lt;ref name=&amp;quot;10.14 2&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber (denn) (verlassen=) gebrochen haben deinen Bund (verlassen haben dich)&amp;lt;ref name=&amp;quot;10.14 2&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
_Die (Söhne Israels=) Israeliten,&lt;br /&gt;
Indem sie deine Altäre zerstörten&lt;br /&gt;
_Und deine Propheten töteten mit dem Schwert!&amp;lt;ref name=&amp;quot;10.14 3&amp;quot; /&amp;gt; {{par|Nehemia|9|26}} {{par|Römer|11|3}} {{par|Jeremia|2|30}} {{par|Lukas|11|47}} {{par|Matthäus|23|31}} {{par|Apostelgeschichte|7|52}} {{par|1 Thessalonicher|2|15}}&lt;br /&gt;
Ich bin übrig, ich, ich allein –&lt;br /&gt;
_Und sie verfolgen mein Leben, um&#039;s [mir] zu nehmen!“&amp;lt;ref name=&amp;quot;10.14 4&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|15}} Da sagte JHWH zu ihm: „Geh! Kehr um für deinen (zurück zu/auf deinem?) Weg([! und du sollst kommen]) zur Wüste nach Damaskus!&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Geh! Kehr um für deinen Weg zur Wüste nach Damaskus!&#039;&#039; - Gesagt wird gerade nicht: „Kehr um! &#039;&#039;Mach dich auf den Weg...&#039;&#039;“, sondern eben „Mach dich auf! &#039;&#039;Kehr um für deinen Weg&#039;&#039;“. Vielleicht, um zu betonen: Es ist kein &#039;&#039;neuer&#039;&#039; Auftrag, den JHWH dem Elija hier gibt, sondern er &#039;&#039;gehört&#039;&#039; zu seinem Auftrag als Prophet. Elija würde dann damit weder „als Prophet abgesetzt“ (so z.B. von Rad, ThAT II, S. 34; Robinson 1991) noch „erneut als Prophet berufen“ (so z.B. DeVries 2004; Dharamraj 2006, S. 133), sondern sein „neuer“ Auftrag wäre dann nur Fortsetzung seines ursprünglichen, Prophet zu sein.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Nicht: &#039;&#039;Geh zurück auf deinem Weg durch die Wüste von/nach Damaskus!&#039;&#039; = „Geh wieder zurück auf dem selben Weg, der durch die nach Damaskus führende Wüste verläuft“. Das wäre nicht idiomatisch; „auf einem Weg zurückkehren“ ist Heb. &#039;&#039;šub bederek&#039;&#039; mit der Präp. &#039;&#039;b-&#039;&#039; statt &#039;&#039;l-&#039;&#039; (s. [[Deuteronomium 17#s16 |Dtn 17,16]]; [[Deuteronomium 28#s68 |28,68]]; [[1 Könige 13#s9 |1 Kön 13,9f.]]; [[2 Könige 19#s33 |2 Kön 19,33]]; [[Jesaja 37#s34 |Jes 37,34]]). Sprachlich möglich wäre „Kehre zurück &#039;&#039;zu&#039;&#039; deinem Weg“ = „Kehr zurück &#039;&#039;zu&#039;&#039; diesem Weg, der durch die Wüste von/nach Damaskus verläuft“ (s. z.B. [[Deuteronomium 28#s32 |Dtn 28,32]]: „zurückkehren &#039;&#039;zu&#039;&#039; dir“; [[Rut 1#s10 |Rut 1,10]]: „zurückkehren &#039;&#039;zu&#039;&#039; deinem Volk“; [[2 Chroniken 30#s9 |2 Chr 30,9]]: „zurückkehren &#039;&#039;in&#039;&#039; dieses Land“). Aber es macht wenig Sinn: Auf diesem Weg war Elija ja gar nicht. V. 20 lehrt, wie der Ausdruck zu übersetzen ist: Dort steht der selbe Ausdruck („Geh, kehr um!“) absolut (d.h. ohne eine folgende Präpositionalphrase) und Elija fordert Elischa damit nur auf, sich &#039;&#039;von ihm&#039;&#039; wieder &#039;&#039;wegzukehren&#039;&#039; (daher V. 21: „Da kehrte er sich von hinter ihm um“, d.h. „da ging er von ihm weg“). Exakt so auch [[2 Samuel 3#s16 |2 Sam 3,16]]. Vgl. ähnlich mit der Präp. &#039;&#039;l-&#039;&#039; z.B. [[Jesaja 63#s17 |Jes 63,17]]: „umkehren &#039;&#039;für&#039;&#039; deine Diener“; [[Deuteronomium 24#s19 |Dtn 24,19]]: „umkehren, &#039;&#039;um sie&#039;&#039; zu holen“. Richtig Knauf 2019, S. 286: „Da Elija nicht von Damaskus zum Horeb gekommen ist, heißt das ‚geh umkehren‘ im Klartext: ‚Vergiss deine dumme Flucht, nimm deinen Dienst an der Stelle wieder auf, von der du weggelaufen bist, und führe aus, was ich mit dir jetzt vorhabe‘.“ Die ersten beiden Worte sagen also nur, Elija solle umkehren, und die folgenden drei präzisieren, warum: Elija soll nun nach Damaskus.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;[Und du sollst kommen]&#039;&#039; einheitlich in LXX und VL; alle anderen Vrs. wie MT. Sehr wahrscheinlich Ergänzung zur Glättung des Textes aus dem selben Grund: Weil Elija ja gar nicht um/nach Damaskus unterwegs war. Aber das ist unnötig, s.o.&amp;lt;/ref&amp;gt; Und wenn du angekommen bist,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;tFN&#039;&#039;&#039;: Nicht „und du sollst kommen“ (so z.B. WHM): Pänultima-Betonung, also kein Weqatal, sondern Waw-Qatal (richtig z.B. Knauf 2019).&amp;lt;/ref&amp;gt; sollst du Hazael („Gesehen hat Gott“) zum König über Aram salben!“&lt;br /&gt;
{{S|16}} Und Jehu („JH[WH] ist er“),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;JH[WH] ist er&#039;&#039; - Zur Semantik des Namens vgl. [https://www.dahpn.gwi.uni-muenchen.de/wp-content/uploads/MSSAP.pdf#0256 MSSAP §255f.]: Wohl ein preisender Ausruf, mit dem bei der Geburt des Sohnes die Größe JHWHs gelobt wurde.&amp;lt;/ref&amp;gt; den (Sohn=) Nachfahren des Nimschi („Marder“),&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Nachfahre des Nimschi&#039;&#039; - nämlich Enkel, s. [[2 Könige 9#s2 |2 Kön 9,2.14]] vs. [[2 Könige 9#s20 |2 Kön 9,20]]; [[2 Chroniken 22#s7 |2 Chr 22,7]]. Ungewöhnlich; in Namen ist &#039;&#039;ben&#039;&#039; eigentlich stets Einleitung des Patronyms, also des Vaters.&amp;lt;/ref&amp;gt; sollst du salben zum König über Israel,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und Elischa („Gott hat gerettet“), den Sohn des Schafat („Er hat gerichtet“) aus Abel-Mehola („Bach des Reigentanzes“; {aus Abel-Mehola})&amp;lt;ref&amp;gt;Zum Ort und Ortsnamen &#039;&#039;Abel-Mehola&#039;&#039; s. [https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/12168/#h7 Abel (in Ortsnamen) (WiBiLex)].&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Aus Abel-Mehola&#039;&#039; steht in wenigen LXX-Mss an anderer Stelle und fehlt in wenigen MT-Mss. DeVries hält es daher für sekundär. Thiel 2007 hält dagegen, weil die Information, Elischa stamme aus Abel-Mehola, nirgendwo sonst überliefert sei und daher auch nicht von irgendwo anders hier eingedrungen sei, müsse der Ausdruck ursprünglich sein – aber das ist ein schwaches Argument; natürlich gab es auch nicht verschriftliche Traditionen über die großen Figuren der Bibel, die hier nachträglich eingefügt werden hätten können. Entscheidend ist, dass das textkritische Zeugnis für eine Version ohne diese Phrase denkbar schwach ist und dass die Versetzung überdies rein stilistisch zu erklären sein könnte. Wie es in den MT-Mss zu diesem Ausfall gekommen ist, ist aber wirklich nicht gut erklärlich.&amp;lt;/ref&amp;gt; sollst du salben zum Propheten nach dir (unter dir, an deiner Statt)!&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;nach dir&#039;&#039; - In dieser Bed. wird der Ausdruck oft z.B. in [[2 Könige 15 |2 Kön 15]] verwendet (vgl. Dharamraj 2006, S. 135. So z.B. GN, HfA; auch PATMOS: „Und wenn du einmal tot bist, soll Elischa mein Prophet sein“). Das macht hier mehr Sinn als die häufige Üs. „an deiner Statt“, die zwar sprachlich gut möglich ist, aber nicht naheliegt, da Elija z.B. in [[1 Könige 21 |1 Kön 21]] und [[2 Könige 1 |2 Kön 1]] nach wie vor als Prophet wirkt. „Unter dir“ (so Dharamraj 2006, S. 133 selbst) ist ebenso gut möglich, s. V. 21 und [[2 Könige 2#s3 |2 Kön 2,3.5]]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|17}} Und es soll (wird) geschehen:&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;Wer vorm Schwert des Hazael entkommt,&lt;br /&gt;
_Denn soll (wird) Jehu töten,&lt;br /&gt;
Und wer vorm Schwert des Jehu entkommt,&lt;br /&gt;
_Denn soll (wird) Elischa töten.&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|18}} Aber ich werde (du wirst&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;Du wirst&#039;&#039; nach LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B, A, H&amp;lt;/sup&amp;gt;; alle anderen Vrs. inkl. LXX&amp;lt;sup&amp;gt;L&amp;lt;/sup&amp;gt; und [[Römer 11#s4 |Röm 11,4]] wie MT. Hugo 2010, S. 31 glaubt, MT sei Assimilation an den Kontext: Ein Schreiber habe Elija durch Gott ersetzt, weil hier Elija ja abgesetzt würde. Dhamaraj 2006, S. 132 umgekehrt: Die LXX-Variante sei Assimilation der Verbform an die Verbformen in Vv. 15f. Beide Erklärungen sind aber nicht sehr gut: Dass Elija hier abgesetzt wird, ist sehr wahrscheinlich nicht der Fall, und zwischen den Verbformen aus Vv. 15f. und dieser liegen fünf weitere Verben. Am besten daher wie Stade/Schwally und z.B. Thiel 2007: Wahrscheinlich war nur &#039;&#039;hš`rt(j)&#039;&#039; defektiv geschrieben und wurde daher von den einen als &#039;&#039;hiš`arta&#039;&#039; („du wirst übrig lassen“) und von den anderen weit näherliegend als &#039;&#039;hiš`arti&#039;&#039; („ich werde übrig lassen“) gedeutet.&amp;lt;/ref&amp;gt;) übrig lassen in Israel 7000 [Mann]: {{par|Zefanja|3|12}}&lt;br /&gt;
Alle Knie, die sich vor Baal nicht beugten, {{par|1 Könige|8|54}}&lt;br /&gt;
_Und allen Mund, der ihn nicht küsste.“ {{par|Hosea|13|2}}&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|19}} Da ging er von dort [fort] und stieß dort ({dort})&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;dort ({&amp;lt;s&amp;gt;dort&amp;lt;/s&amp;gt;})&#039;&#039; - So nur LXX&amp;lt;sup&amp;gt;L&amp;lt;/sup&amp;gt;. Alle anderen Vrs. incl. LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B, A, H&amp;lt;/sup&amp;gt; und VL wie MT. Aber wie das zweite „dort“ in die Vorlage von LXX&amp;lt;sup&amp;gt;L&amp;lt;/sup&amp;gt; gelangt sein soll, wäre kaum erklärlich: Das erste ist &#039;&#039;miššam&#039;&#039;, das zweite nur &#039;&#039;šam&#039;&#039;, so dass man von keinem Kopierfehler ausgehen kann. Und eine bewusste Einfügung macht wenig Sinn, da gerade das zweite &#039;&#039;šam&#039;&#039; nicht viel Sinn ergibt: Es fehlt ja eine Ortsangabe, auf die sich dieses zweite &#039;&#039;šam&#039;&#039; beziehen könnte. Trebolle Barrera 1989, S. 145 hält es daher für primär und für eine Parallelisierung des V. mit dem V. 9, der den vorangehenden Abschnitt eröffnete und wo ähnlich und ähnlich redundant doppeltes „dort“ steht. Vgl. auch den doppelten „einsamen Ginsterbusch“ in den Vv. 4f, die das X-Qatal in V. 4 ebenfalls als Beginn eines neuen Abschnittes ausweist.  Das dürfte die sinnvollste Erklärung sein; die anderen Vrs. hätten das Wort dann gestrichen, weil es in diesem V. so sperrig ist. Eine gute Erklärung für diese Doppelungen von Ortsangaben zu Beginn von Abschnitten hat m.W. (S.W.) bisher noch niemand gegeben.&amp;lt;/ref&amp;gt; auf Elischa, den Sohn des Schafat. Der pflügte gerade mit zwölf [Rinder-]Gespannen vor sich; er selbst [war] beim Zwölften. {{par|Exodus|3|1|2}} {{par|Richter|6|11|12}} {{par|1 Samuel|11|5|6}} {{par|1 Samuel|16|11|13}} {{par|Amos|7|14}} Elija ging zu ihm (zog an ihm vorüber?)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: Fast alle Vrs. und Mss wie in der Primärüs.; Ausnahme: Syr. So z.B. auch LUT: „Er ging zu ihm“. Die Präpp. &#039;&#039;`el&#039;&#039; („[hin] zu“) und &#039;&#039;´al&#039;&#039; („[vorüber] an“) werden aber im MT sehr häufig austauschbar verwendet. BHS glaubt, dies sei auch hier der Fall, ähnlich glauben Stade/Schwally und BHK, &#039;&#039;der Text&#039;&#039; habe ursprünglich anders gelautet und eben &#039;&#039;´al&#039;&#039; statt &#039;&#039;`el&#039;&#039; gehabt, was sich mit Syr stützen ließe. So z.B. auch EÜ: „Im Vorbeigehen“. Von Elija würde dann hier der selbe Ausdruck verwendet wie oben vom „Vorüberziehen“ Gottes. Das machte auch die folgende Aussage besser erklärlich, dass Elischa dem Elija „nachrennen“ muss. Aber es ist ja nicht nötig; dass Elija nach seinem Mantel-Überwurf wieder weggegangen ist, wird ja auch aus einem Text mit &#039;&#039;`el&#039;&#039; ersichtlich. Gegen die Annahme eines Schreibfehlers spricht außerdem, dass die &#039;&#039;´al&#039;&#039;-Variante nur durch Syr gestützt wird, was sich leicht als Assimilation an den obigen Ausdruck und/oder die folgende Präp. erklären lässt; gegen die Annahme, &#039;&#039;`el&#039;&#039; würde hier statt &#039;&#039;´al&#039;&#039; verwendet, spricht, dass es doch unwahrscheinlich wäre, dass gerade hier eine andere Präp. als oben verwendet würde, wenn es dem Text wirklich gerade darum ginge, Elija mit Gott zu parallelisieren.&amp;lt;/ref&amp;gt; und warf ihm seinen Mantel über (zu).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;warf ihm seinen Mantel über&#039;&#039; - Offenbar ein Symbol dafür, dass Elischa sein Nachfolger werden wird; vgl. [[Numeri 20#s25 |Num 20,25f.]]. CHANCELLOR/LEPLAR daher: „Elija kam und warf seinen Mantel über ihn. Das war das Zeichen, dass er mit ihm ziehen sollte.“ [[2 Könige 1#s8 |2 Kön 1,8]]; [[Sacharja 13#s4 |Sach 13,4]]; [[Matthäus 3#s4 |Mt 3,4]] und [[Markus 1#s6 |Mk 1,6]] legen darüber hinaus nahe, dass das grobe Gewand grundsätzlich Amtstracht eines Propheten und speziell die Elijas gewesen ist (so die meisten Kommentoren). Gut dann GN: „Seinen Prophetenmantel“.&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;warf ihm seinen Mantel über (zu)&#039;&#039; - Die selbe Problematik wie eben (s. vorige FN). Hier aber haben auch einige MT-Mss &#039;&#039;´alajw&#039;&#039; und auch LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B, A, H&amp;lt;/sup&amp;gt;, VUL, Tg, Syr stützen es; in den MT-Mss, in denen stattdessen &#039;&#039;`el&#039;&#039; steht, wurde sicher an die vorangehende Präp. assimiliert.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|20}} Da verließ er die Rinder, rannte hinter Elija her und sagte: „Lass mich doch bitte meinen Vater ([und meine Mutter]&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Textkritik&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;und meine Mutter&#039;&#039; fehlt in LXX&amp;lt;sup&amp;gt;B, H&amp;lt;/sup&amp;gt;. LXX&amp;lt;sup&amp;gt;A, L&amp;lt;/sup&amp;gt;, VL und die anderen Vrs. wie im MT mit der längeren Variante. Sicher eine Expansion des Texts; so richtig Stade/Schwally; Hugo 2010, S. 19. Die umgekehrte Erklärung, „und meine Mutter“ sei als Haplographie entfallen (z.B. DeVries 2004), ignoriert die Konjunktion &#039;&#039;w-&#039;&#039;, wegen der das Wort „meine Mutter“ gar nicht ebenso beginnt wie „mein Vater“.&amp;lt;/ref&amp;gt;) küssen, dann werde ich hinter dir hergehen!“ Und er sagte zu ihm: „Geh, kehr um! Ach, was (Denn was) habe ich dir getan?“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Ach, was (denn was) habe ich an dir getan?&#039;&#039; - Schwer verständlich. (1) Ich (S.W.) schlage vor: „Was habe ich dir nur angetan!? Geh nur, kehr um. [Wenigstens das will ich dir erlauben.]“. So vielleicht MEN: „Gehe immerhin noch einmal zurück; denn was habe ich dir getan?“. Sonst wahlweise gedeutet wie folgt:&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Elija stelle Elischa mit der Behauptung, seine Handlung habe ja gar keine tiefergehende Bed. gehabt, auf die Probe („was habe ich schon gemacht? Nichts!“; z.B. Cogan 2001);&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Elija weist Elischa schroff zurecht: „Mach dich fort! Du taugst nicht zum Propheten; wie gut, dass es in Wirklichkeit gar nicht bedeutsam war, was ich an dir tat!“ (z.B. Fohrer 1968, S. 24; ähnlich wieder Knauf 2019; z.B. auch PAT: „Kehre um, denn was soll ich mit dir?“). Lukas könnte den V. so verstanden haben, s. die klare Parallele [[Lukas 9#s61 |Lk 9,61f.]]. Vielleicht soll dort aber auch nur einmal mehr dargestellt werden, wie viel radikaler Jesus ist als z.B. Elija.&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Elija gewähre ihm seine Bitte gern („Geh nur. Ist schließlich nichts Krasses, was ich gerade mit dir gemacht habe“; z.B. ALTER; ähnlich NeÜ: „Geh nur, ich habe dich ja nicht gezwungen.“);&amp;lt;br /&amp;gt;(5) „aber [denk daran], was ich an dir getan habe“, d.h. „aber komm wieder zurück; is&#039; wichtig!“ (z.B. Sweeney 2007; z.B. auch EÜ, GN, LUT, ZÜR: „Geh nur, aber komm dann zurück! Aber vergiss nicht, was ich an dir getan habe“).&amp;lt;br /&amp;gt;Letzteres ist schwer glaublich, da dann gerade das, wozu aufgefordert würde, ausgespart wäre; (4) beißt sich entscheidend mit der Darstellung prophetischen Leidens in 1 Kön 18,1-19,18, das das ganze Kapitel hindurch Thema war. (2) und (3) sind am rundesten, kommen aber sehr unmotiviert und werden auch später nicht mehr aufgegriffen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{S|21}} Da kehrte er (Aber er kehrte) sich (um von hinter ihm=) weg von ihm (–), nahm das Rindergespann und schlachtete es. Dann kochte er ihnen das Fleisch mit dem Geschirr der Rinder,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;er schlachtete es. Dann kochte er ihnen das Fleisch mit dem Geschirr der Rinder&#039;&#039; - &#039;&#039;b&#039;&#039;-Assonanz: &#039;&#039;wajjiz&#039;&#039;&#039;b&#039;&#039;&#039;aḥehu u&#039;&#039;&#039;b&#039;&#039;&#039;ikli ha&#039;&#039;&#039;b&#039;&#039;&#039;aqar &#039;&#039;&#039;b&#039;&#039;&#039;išelam ha&#039;&#039;&#039;b&#039;&#039;&#039;aßar&#039;&#039;. Dies soll vermutlich die Dramatik des Akts unterstreichen: Elischa bricht alle Brücken hinter sich ab.&amp;lt;br /&amp;gt;Ob in diesem Akt wirklich nur Elischas künftige Fürsorglichkeit angedeutet wird, scheint mir (S.W.) mindestens unsicher: Sehr deutlich sind die Parallelen zu Saul in [[1 Samuel 11#s7 |1 Sam 11,7]]. Dort ist Sauls Vernichtung seines Ochsengespanns eine Drohung. Hier sind die &#039;&#039;zwölf&#039;&#039; Gespanne, mit denen Elischa pflügt, natürlich nicht nur Zeichen dafür, wie wohlhabend er ist, sondern Symbol für die zwölf Stämme Israels. Schon „pflügen“ selbst ist gelegentlich ein Bild für die Vernichtung (s. [[Psalm 129#s3 |Ps 129,3]]; [[Jeremia 26#s18 |Jer 26,18]]; [[Micha 3#s12 |Mi 3,12]]), endgültig dann aber die Tatsache, dass Elischa sich an den zwölf Gespannen vergreift, spielt auf das künftige Geschick Israels an.&amp;lt;/ref&amp;gt; gab&#039;s dem Volk, und es aß. Dann stand er auf, ging hinter Elija [her] und diente ihm. {{par|1 Samuel|11|7}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;&#039;1 Kön 19&#039;&#039;&#039; folgt auf 1 Kön 17-18 ein merkwürdiges Stück israelitischer Erzählkunst. Man könnte diese Geschichte eine „Meta-Erzählung“ nennen, denn was hier berichtet wird, ist in Gänze eine Art Kommentar zu diesen beiden vorangegangenen Kapiteln. Der Botschaft Elijas an König Ahab in 1 Kön 17,1 entspricht die Botschaft von Königin Isebel an Elija in &#039;&#039;&#039;V. 1f.&#039;&#039;&#039;. Die Todesdrohung in dieser Botschaft ist wohl nicht sonderlich ernst zu nehmen; hätte Isebel ihn wirklich töten wollen, hätte sie Elija keine Botschaft geschickt, sondern Soldaten (richtig DeVries 2004; Thiel 2007; Merecz 2009). Sicher ist ihr Ziel (wie das von Amazja in [[Amos 7 |Am 7]]), Elija aus dem Land zu treiben. Ganz überraschend gelingt ihr das nicht nur, sondern die Boschaft schlägt ein wie eine Bombe: Wie Elija in 1 Kön 17,2f. vor König Ahab zum Bach Kerit und in 17,9 nach Sarepta flieht (md. der zweite Ort und wahrscheinlich auch der erste liegt außerhalb Israels), flieht er hier in &#039;&#039;&#039;V. 3&#039;&#039;&#039; nach Beerscheba außerhalb Israels. Aber wie Gott in 17,4-5.9-16 Elija durch Raben und die Witwe von Sarepta ernährt hat, so ernährt er ihn hier in &#039;&#039;&#039;Vv. 5-7&#039;&#039;&#039; zwei Mal durch einen Engel. Sogar „Fladen und Wasserkrug“ in V. 6 entspricht dem „Wasserkrug“ in 17,10 und dem „Fladen“ in 17,11.13. Wahrscheinlich soll auch die „Wiederbelebung“ Elijas in &#039;&#039;&#039;Vv. 4f.&#039;&#039;&#039; der Wiederbelebung des Sohns der Witwe in 17,17-24 entsprechen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran schließt sich in in &#039;&#039;&#039;Vv. 9-14&#039;&#039;&#039; ein Abschnitt an, der deutlichst an [[Exodus 19 |Ex 19]]; [[Exodus 33 |33-34]] erinnert, dabei aber nach dem Formular einer Königsaudienz gestaltet ist (gut Seybold 1973, S. 8; Macholz 1980, S. 331; Blum 1997, S. 287): Wie Mose gelangt Elija auf den Berg Horeb. Dort muss er nach der Eröffnungsfrage „Was willst du hier“, die standardmäßig Audienzen einleitet (s. zum Vers), zunächst dem „Wort JHWHs“ sein Anliegen vortragen, bevor ihm die Audienz gewährt wird. Ebenfalls wie bei einer Audienz wird ihm zuvor noch eine Wartezeit beschieden, bevor er Gott selbst begegnen wird, wo er dann erneut und nun „wirklich“ sein Anliegen vortragen können wird.&amp;lt;br /&amp;gt;Wie Mose „aus einer Felsspalte heraus“ ([[Exodus 33#s22 |Ex 33,22]]) Gott begegnete, verbringt er diese Wartezeit „in der Höhle“, nachdem er in &#039;&#039;&#039;V. 8&#039;&#039;&#039; 40 Tage und 40 Nächte ohne Brot und Wasser unterwegs war, wie Mose in [[Exodus 34#s28 |Ex 34,28]] 40 Tage und 40 Nächte ohne Wasser und Brot auf dem Horeb verbrachte. Erst recht die Begegnung mit Gott selbst (=die Audienz) ist ganz in Auseinandersetzung mit Ex 33 gestaltet, aber mit entscheidenden Unterschieden: Gott „zieht vorüber“ (&#039;&#039;&#039;V. 11&#039;&#039;&#039;), wie Gott an Mose „vorüberzog“ ([[Exodus 33#s19 |Ex 33,19]]). Dass Elija davor „sein Gesicht verhüllt“ (&#039;&#039;&#039;V. 13&#039;&#039;&#039;), spielt  an auf die Vorstellung u.a. in [[Exodus 33#s20 |Ex 33,20]], dass kein Mensch „Gott sehen könne, ohne zu sterben. Wie in [[Exodus 19#s16 |Ex 19,16-18]] Moses Begegnung mit Gott in V. 20 Gewitter, „mächtiger Hörnerklang“, ein Vulkanausbruch und ein Beben vorausgeht, so in &#039;&#039;&#039;Vv. 11f.&#039;&#039;&#039; ein Sturm, ein Vulkanausbruch, ein Beben und ein „Klang“, der vielleicht als „Klang zermalmender Vernichtung“ bezeichnet wird, mindestens aber dies bedeuten kann &#039;&#039;gleichzeitig&#039;&#039; damit, dass er als „Klang feiner Stille“ bezeichnet wird. Mit dem selben „Klang“ antwortet Gott dann dem Elija ebenso, wie er mit ihm in [[Exodus 19#s19 |Ex 19,19]] mit Mose sprach. Die Schau Gottes selbst jedoch – wird überraschend mit keinem Wort erwähnt. Dazu s. gleich noch einmal mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichzeitig wird – darüber hinaus, dass der Berg Horeb in Kapitel 19 natürlich Spiegelbild des Karmel in Kapitel 18 ist – in Vv. 9-14 v.a. mit den &#039;&#039;&#039;Vv. 10.14&#039;&#039;&#039; der Bogen zurück zu Kapitel 18 geschlagen: Dass die Israeliten ihre Propheten ermordet hätten, verweist zurück auf [[1 Könige 18#s4 |1 Kön 18,4]], dass sie Gottes Altäre zerstört hätten, auf [[1 Könige 18#s30 |1 Kön 18,30]]; mit „ich bin übrig, ich, ich allein“ wiederholt Elija seinen Ausruf aus [[1 Könige 18#s22 |1 Kön 18,22]].&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;Die Tatsache, dass das ja gar nicht stimme, weil nach den selben Versen doch Obadja 100 Propheten gerettet und Elija einen Altar wiederrichtet habe, hat eine große Gruppe v.a. deutscher Exegeten als Grundlage genommen für die Annahme, dass 1 Kön 19 unabhängig von 1 Kön 17-18 entstanden sei und &#039;&#039;daher&#039;&#039; nicht gut mit diesen Kapiteln harmoniere. Dagegen spricht alles, was auch sonst gegen derartige Redaktionskritik spricht: Jede Redaktionskritik, die von Redaktoren ausgeht, die so unverständig arbeiten, dass ihnen selbst Spannungen wie diese nicht auffallen, ist unplausible Redaktionskritik (so richtig z.B. auch kürzlich wieder Ziemer 2020, S. 17). Eine ebenso große Gruppe v.a. englischsprachiger Exegeten hat auf dem selben Fundament dagegen angenommen, dass Elija hier als „drama king“ dargestellt würde, der komplett überdramatisiere, was ihm in V. 1 angedroht wird. Letzteres ist aktuell sogar die dominante Interpretation in der Exegese von 1 Kön 19: Elija reagiere in V. 3 komplett über, beleidige Gott gar in V. 4, sei trotzig in V. 5, stilisiere sich mit seiner Pilgerfahrt zum Horeb in V. 8 unangemessener Weise selbst als zweiter Mose, stelle in Vv. 10.14 die Situation in Israel völlig falsch und überdramatisch dar, begebe sich dann in V. 13 nicht einmal „auf den Berg“, sondern lediglich „in den Höhleneingang“, akzeptiere außerdem durchaus nicht, was ihm Gott in Vv. 11-12 demonstrieren wolle und &#039;&#039;wiederhole&#039;&#039; deshalb dann einfach noch einmal in V. 14 exakt seine Klage aus V. 10, weshalb ihn Gott folgerichtig als Prophet absetze. Als krönenden Abschluss führe er dann von dessen drei letzten Aufträgen in Vv. 19-21 nur den letzten auf denkbar halbherzige Weise aus. Aber es ist ja &#039;&#039;wahr&#039;&#039;, was Elija sagt:&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Elija hat ja auch Recht: Die Israeliten &#039;&#039;haben&#039;&#039; auf Befehl Isebels die JHWH-Propheten getötet, die Israeliten &#039;&#039;haben&#039;&#039; die JHWH-Altäre zerstört, und da die übrigen 100 Propheten sich in einer Höhle verbergen, ist Elija &#039;&#039;wirklich&#039;&#039; der letzte aktive JHWH-Prophet auf weiter Flur. Und entscheidend vor allem: Nach den folgenden Versen sieht Gott es &#039;&#039;genauso&#039;&#039; wie Elija.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort Gottes in &#039;&#039;&#039;Vv. 15-18&#039;&#039;&#039; ergibt sich denn auch logisch aus der Klage Elijas. V.a. entspricht der Klage, dass die Israeliten Gottes Propheten ermordet und seine Altäre zerstört hätten, die Salbung Jehus zum König in &#039;&#039;&#039;V. 16&#039;&#039;&#039;, da dieser in [[2 Könige 10#s18 |2 Kön 10,18]] bei einer Opferfeier sämtliche Propheten und Priester des Baal ermorden lassen  und in [[2 Könige 9#s7 |2 Kön 9,7]] „wegen des Bluts der Propheten“ als Gottes Mittler handeln wird, durch den sich dieser „an Isebel“ und ihrem ganzen Haus rächen kann. Dass „einzig Elija übrig ist“, hat seine Entsprechung in den kümmerlichen 7000 Mann in &#039;&#039;&#039;Vv. 18&#039;&#039;&#039;, die Gott in Israel übrig lassen wird, denn weil „die Söhne Israels Gott verlassen haben“, ist nach &#039;&#039;&#039;V. 15&#039;&#039;&#039; Gottes Instrument der Wahl der aramäische König Hazael, durch den JHWH laut [[2 Könige 10#s32 |2 Kön 10,32]] „damit begann, Israel abzuhauen: Hazael schlug sie im ganzen Gebiet Israels“. Israel, das erwählte Volk JHWHs – so sagt es Gott hier – ist reif zum Gericht. „Durch den einen [König] wird sich das Strafgericht von außen gegen Israel wenden, durch den anderen von innen heraus.“ (von Rad, ThAT II, S. 34).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Gleichzeitig deutet sich hier das erste Mal ein Motiv an, auf das man im Folgenden noch häufig in der Bibel stoßen wird: Das des „Rests“, das dann konzentriert in den Prophetien des Amos, des Hosea und des Jesaja begegnen wird (vgl. dazu bes. Hasel 1974; zur Stelle bes. S. 168-172). Weil „ganz Israel von Gott abgefallen ist“, wird „ganz Israel vernichtet werden“ – bis auf einen kleinen Rest Gerechter, der dann Keimzelle werden soll für eine glorreiche Zukunft Israels. Tatsächlich ist dieses Motiv sogar, prominent an das Ende der Gottesrede gestellt, der Höhepunkt und das Ziel der ganzen Rede. Von einer „glorreichen Zukunft“ aber, auf die die 7000 vorausweisen könnten, ist &#039;&#039;hier&#039;&#039; noch keine Rede – 1 Kön 19,1-18 endet vielleicht in Moll, wahrscheinlich sogar auf einem Missklang: Bis auf diese 7000 Mann wird ganz Israel vernichtet werden. Vv. 15-18 dienen damit v.a. zur Vorbereitung von 2 Kön 9-10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rede davon, dass Gott „&#039;&#039;nicht&#039;&#039; im Sturm ist, &#039;&#039;nicht&#039;&#039; im Feuer, &#039;&#039;nicht&#039;&#039; im Beben“, und seine Stimme ist „eine Stimme der &#039;&#039;Stille&#039;&#039;“ ist, hat am besten Dharamraj 2006, S. 109 interpretiert: &#039;&#039;Wo&#039;&#039; Gott &#039;&#039;stattdessen&#039;&#039; ist und wie er erscheint, wird im &#039;&#039;Text&#039;&#039; von 1 Kön 19 selbst &#039;&#039;ausgespart&#039;&#039;, obwohl Elija der Erzählung nach Gott sehr wohl begegnet. Was derart in 1 Kön 19 &#039;&#039;geschildert&#039;&#039; wird, ist eine „leere Theophanie“: Gott ist nicht mehr da; er hat Israel verlassen.&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;Ist das richtig, wäre es ein Fehler, wenn man aus 1 Kön 19,12 Rückschlüsse über das „Wesen“ Gottes ziehen wollte. Das hat man so häufig getan, dass die wichtigsten Positionen hier wenigstens genannt seien:&amp;lt;br /&amp;gt;(1) Vv. 11f. sollen zeigen, dass Gott &#039;&#039;anders ist als der Sturmgott Baal&#039;&#039;. Man muss dafür aus Stellen wie [[Psalm 18#s8 |Ps 18,8-15]]; [[Psalm 50#s3 |50,3]]; [[Psalm 77#s19 |77,19]]; [[Psalm 97#s1 |97,1-5]]; [[Jesaja 28#s2 |Jes 28,2]]; [[Jesaja 29#s6 |29,6]]; [[Jesaja 30#s30 |30,30]]; [[Nahum 1#s3 |Nah 1,3-6]] und ähnlichen Stellen ableiten, dass Sturmgötter &#039;&#039;und nicht andere Götter&#039;&#039; mit Attributen wie begleitendem Sturm, Feuer und Erdbeben dargestellt würden, dass dies also in diesem Kontext bes. für Baal gelte und ein:e Leser:in bei der Lektüre von Vv. 11f. daher zunächst an Baal und nicht an JHWH gedacht hätte, was dann aber die Vv. selbst kommentierten mit: „So ist Gott &#039;&#039;nicht&#039;&#039;; &#039;&#039;er&#039;&#039; ist fein und leise. Und: Er ist damit &#039;&#039;mehr&#039;&#039; als Baal; vor der Baals-Königin Isebel braucht Elija sich also nicht zu fürchten“ (z.B. von Nordheim 1992, S. 143f.).&amp;lt;br /&amp;gt;(2) Ähnlich: Elija mag jetzt verzweifelt sein, weil derart chaotische Zustände in Israel herrschen. Aber Gott ist sogar &#039;&#039;noch mehr&#039;&#039; als selbst die urtümlichen Chaosmächte Sturm, Feuer, Beben. Die Chaos-Königin Isebel habe also keine Chance (z.B. Eidevall 2011, S. 103).&amp;lt;br /&amp;gt;(3) Vv. 11f. seien gegen klassische &#039;&#039;JHWH&#039;&#039;-Vorstellungen gerichtet: Sturm, Feuer und Erdbeben sind, wie man an den eben aufgezählten Stellen sieht, übliche „Begleiter“ JHWHs. Dagegen dann Vv. 11f.: „Das sind doch nur mythische Vorstellungen; Gott erfährt man vielmehr als feine, leise Stimme, mit denen er v.a. seine &#039;&#039;Gebote&#039;&#039; erlässt, vermöge derer der &#039;&#039;Bund&#039;&#039; zwischen ihm und Israel besteht, und denen Elija nun bitte gefälligst wieder Folge zu leisten habe“ (z.B. Robinson 1972; Robinson 1991, S. 527; Thiel 2007).&amp;lt;br /&amp;gt;(4) Vv. 11f. seien ein Kommentar zu 1 Kön 18: Dort hat Gott im Feuer wundermächtig gehandelt. Vv. 11f. wollten demgegenüber sagen: „So kann und wird Gott &#039;&#039;nicht regelmäßig&#039;&#039; handeln; zumeist wird er gar kaum wahrnehmbar als feine, leise Stimme in der Welt wirken. Speziell Elija wird daher im Folgenden sogar den Eindruck haben können, auf sich allein gestellt zu sein, doch er solle sich nicht fürchten: Gott wird fein und leise wirken, aber er &#039;&#039;wird&#039;&#039; wirken“ (z.B. Hauser 1990, S. 69f.75).&amp;lt;br /&amp;gt;(5) Vv. 11f. belehren nicht zuvorderst über Gott, sondern darüber, wie &#039;&#039;der Mensch&#039;&#039; Gott erfahren könne: In der Stille, wenn er ganz auf das Hören auf die feine Stimme Gottes ausgerichtet sei (so z.B. Sommer 1999, S. 441f.; Adam 2018, S. 172).&amp;lt;br /&amp;gt;(6) Langenhorst paraphrasiert: „Nun wusste er, wie der HERR sich ihm zeigen wollte, sanft, zärtlich, leicht.“ (LANGENHORST/KREJTSCHI, S. 100)&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;&#039;Vv. 19-21&#039;&#039;&#039; wird noch im Schnelldurchlauf die Berufung des Elischa berichtet, während die Krönung Jehus und Hazaels von &#039;&#039;Elischa&#039;&#039; erst in [[2 Könige 8 |2 Kön 8-9]] durchgeführt werden wird. Zu den Vv. ist das Nötigste bereits in den FNn gesagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=1_Samuel_4&amp;diff=40203</id>
		<title>1 Samuel 4</title>
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		<updated>2025-10-30T17:24:23Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Syntax&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Ungeprüfte Studienfassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Lesefassung}} &#039;&#039;(kommt später)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|1}} Und es geschah das Wort Samuels an ganz Israel. Und Israel zog aus gegen die Philister zum Krieg. Und sie schlugen ihr Kriegslager auf bei Eben Ezer, und die Philister lagerten in Afek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|2}} Und die Philister stellten sich zum Kampf auf gegen(über) Israel, und der Krieg breitete sich aus.&amp;lt;ref&amp;gt;Das Verb נטש bedeutet im qal ein Feld brach liegen lassen, etwas aufgeben. Für unsere Stelle wird eine Ableitung von יטש erwogen: zusammenschlagen (wie Wellen), zusammenprallen (so Köhler-Baumgartner). Gesenius schlägt die Übersetzung ‚sich ausbreiten’ vor, analog dem nif’al.&amp;lt;/ref&amp;gt; Und Israel wurde geschlagen im Angesicht der Philister. Und es fielen in dem in der Schlachtordnung stehenden Heer auf freiem Feld etwa 4.000 Mann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|3}} Und das Volk kam in das Lager und die Ältesten Israels sagten: Warum hat JHWH uns heute geschlagen im Angesicht der Philister? Lasst uns aus Silo die Lade des JHWH-Bundes (die Lade des Bundes mit JHWH) holen. Und er wird in unsere Mitte kommen und uns aus der Hand unserer Feinde retten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|4}} Und das Volk sandte nach Silo, und sie holten von dort die Lade des Bundes mit JHWH Zebaot, thronend über den Cherubim. Und dort waren die zwei Söhne Elis bei der Lade des Bundes mit Gott (des Gottesbundes), Hofni und Pinchas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|5}} Und es geschah, als die Lade das Bundes mit JHWH (des JHWH-Bundes) ins Lager kam, da jubelte ganz Israel mit großem Jubelgeschrei, sodass die Erde bebte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|6}} Und die Philister hörten den Lärm des Jubels. Und sie sprachen: Was für ein großer Jubellärm ist dies im Lager der Hebräer? Und sie erfuhren, dass die Lade JHWHs ins Lager gekommen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|7}} Und die Philister fürchteten sich, sodass sie sprachen: Gott ist ins Lager gekommen. Und sie sprachen: Wehe uns! Denn so etwas ist noch nie geschehen!&amp;lt;ref&amp;gt;Wörtlich: ist früher nicht geschehen.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|8}} Wehe uns! Wer wird uns der Hand dieser mächtigen Götter entreißen? Diese sind die Götter, die Ägypten geschlagen haben mit allen Plagen in der Wüste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|9}} Philister, zeigt euch stark und seid Männer! Sonst werdet ihr den Hebräern als Sklaven dienen, wie sie euch gedient haben. Seid also Männer und kämpft!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|10}} Und die Philister kämpften, und Israel wurde geschlagen. Und sie flohen, jeder in sein Zelt. Und es war eine sehr große Niederlage. Und es fielen aus Israel 30.000 Fußsoldaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|11}} Und die Lade Gottes wurde weggenommen. Und die zwei Söhne Elis, Hofni und Pinchas, starben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|12}} Und es lief ein Benjaminiter aus der Schlachtordnung und kam nach Silo an jenem Tag und sein Gewand war eingerissen und er hatte Erde auf seinem Haupt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|13}} Und er kam, und da saß Eli auf dem Stuhl neben der Straße und hielt Ausschau, denn er hatte ein ängstliches Herz wegen der Lade Gottes. Und der Mann kam, um es der Stadt zu melden und die ganze Stadt schrie auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|14}} Und Eli hörte das Geschrei und er sagte: Was bedeutet dieser Lärm? Da eilte der Mann und kam und meldete es Eli.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|15}} Und Eli war 98 Jahre alt und seine Augen waren starr geworden und er konnte nicht mehr sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|16}} Und der Mann sprach zu Eli: Ich bin der, der vom Heer gekommen ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Partizip, relativisch aufgelöst.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ich bin heute von der Schlachtordnung geflohen. Und er sprach: Wie steht es denn, mein Sohn?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|17}} Und der Melder&amp;lt;ref&amp;gt;Partizip, wörtlich: der Meldende.&amp;lt;/ref&amp;gt; antwortete und sprach: Israel ist vor den Philistern geflohen und eine große Niederlage ist dem Volk geschehen und auch deine beiden Söhne sind tot, Hofni und Pinchas, und die Lade wurde weggenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|18}} Da geschah es, als der Bote die Lade Gottes erwähnte, da fiel er rücklings vom Stuhl, der an der Seite des Tores war. Und er brach sich das Genick und starb, denn er war ein alter Mann und schwer (korpulent). Und er hatte Israel 40 Jahre gerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|19}} Und seine Schwiegertochter, die Frau des Pinchas, war hochschwanger. Und als sie die Nachricht hörte über das Wegnehmen der Lade Gottes und dass ihr Schwiegervater gestorben war und ihr Mann, da brach sie zusammen und gebar, denn die Wehen kamen über sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|20}} Und als sie im Sterben lag, da sprachen die um sie stehenden [Frauen]&amp;lt;ref&amp;gt;Partizip femininum Pl., im Deutschen ist „Frauen“ zu ergänzen.&amp;lt;/ref&amp;gt; zu ihr: Fürchte dich nicht, denn du hast einen Sohn geboren! Aber sie antwortete nicht und nahm es sich auch nicht zu Herzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|21}} Und sie nannte den Sohn Ikabod und sagte: Die Herrlichkeit ist aus Israel weggegangen, weil die Lade Gottes aus Israel weggenommen worden war und wegen des Schwiegervaters und ihres Mannes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|22}} Und sie sprach: Fortgegangen ist die Herrlichkeit aus Israel, denn die Lade Gottes wurde weggenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=1_Samuel_8&amp;diff=40202</id>
		<title>1 Samuel 8</title>
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		<updated>2025-10-30T17:19:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Leerzeichen&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Lesefassung}} &#039;&#039;(kommt später)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|1}} Und es geschah, als Samuel alt war, setzte er seine Söhne ein als Richter über Israel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|2}} Und der Name seines erstgeborenen Sohnes war Joel, und der Name seines zweiten Abia. Sie waren Richter in Beer-Scheba.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|3}} Aber seine Söhne wandelten nicht in seinen Wegen. Sie waren dem [unrechtmäßigen] Gewinn ergeben. Sie nahmen Bestechung (Geschenke) an und beugten das Recht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|4}} Und alle Ältesten Israels versammelten sich und kamen zu Samuel nach Rama.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|5}} Und sie sprachen zu ihm: Siehe, du bist alt geworden. Und deine Söhne wandeln nicht auf deinen Wegen. Setze uns nun einen König ein, der uns richtet, wie [bei] allen anderen Völkern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|6}} Und das Wort war schlecht in den Augen Samuels, dass sie sagten: Gib uns einen König, der uns richtet. Und Samuel betete zu JHWH.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|7}} Und JHWH sagte zu Samuel: Höre auf die Stimme des Volkes in allem, was sie zu dir sagen. Denn sie haben nicht dich verachtet, sondern sie verachten mich als König über sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|8}} Denn alle Taten, die sie tun von dem Tag an, als ich sie herausführte aus Ägypten, bis zu diesem Tag, [sind]: Sie verlassen mich und dienen anderen Göttern. Das tun sie auch dir an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|9}} Und nun höre auf ihre Stimme, aber ermahne sie und verkünde ihnen das Recht des Königs, der über sie herrschen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|10}} Und Samuel sprach alle Worte JHWHs zum Volk, das von ihm einen König forderte (verlangte).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|11}} Und er sprach: Dies wird das Recht des Königs sein, der über euch herrschen soll: Eure Söhne wird er nehmen und in seinen Kriegswagen (Streitwagen) setzen und zu seinen Reitern [machen], und sie werden vor seinem Kriegswagen (Streitwagen) herlaufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|12}} Und er wird sie für sich einsetzen als Führer (Fürsten) über tausend und Führer (Fürsten) über fünfzig, seine Pflugarbeit zu übernehmen und seine Getreideernte einzubringen und anzufertigen für ihn Ausrüstung für seinen Krieg und Ausrüstung für seinen Streitwagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|13}} Und eure Töchter nimmt er als Köchinnen, als Salbenreiberinnen&amp;lt;ref&amp;gt;Das hebräische Wort hat Anklänge an das akkadische „abarakku“, Konkubine.&amp;lt;/ref&amp;gt; und als Bäckerinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|14}} Und eure Felder und eure Weinberge und eure guten Ölbäume nimmt er und gibt [sie] seinen Dienern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|15}} Und eure Saat und eure Weinberge belegt er mit dem Zehnten und gibt [ihn] seinen Hofbeamten und seinen Dienern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|16}} Und eure Sklaven und Sklavinnen und eure tüchtigen jungen Männer und eure Esel spannt er für seine Geschäfte ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|17}} Euer Kleinvieh belegt er mit dem Zehnten und ihr werdet für ihn zu Sklaven.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|18}} Wenn ihr dann an diesem Tage schreit wegen eures Königs, den ihr euch erwählt habt, dann wird JHWH euch nicht antworten an diesem Tag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|19}} Aber das Volk weigerte sich, auf Samuel zu hören. Und sie sprachen: Nein! Vielmehr ein König soll über uns sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|20}} Auch wir wollen wie alle Völker sein und unser König soll uns richten und vor uns hinziehen und unsere Kriege führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|21}} Und Samuel hörte alle Worte des Volkes und sprach sie in die Ohren JHWHs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|22}} Und JHWH sprach zu Samuel: Höre auf ihre Stimme und setze einen König für sie ein. Da sprach Samuel zu den Männern Israels: Jeder soll in seine Stadt gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
	</entry>
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		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=1_Samuel_8&amp;diff=40201</id>
		<title>1 Samuel 8</title>
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		<updated>2025-10-30T17:16:41Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Anführungszeichen&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Lesefassung}} &#039;&#039;(kommt später)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|1}} Und es geschah, als Samuel alt war, setzte er seine Söhne ein als Richter über Israel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|2}} Und der Name seines erstgeborenen Sohnes war Joel, und der Name seines zweiten Abia. Sie waren Richter in Beer-Scheba.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|3}} Aber seine Söhne wandelten nicht in seinen Wegen. Sie waren dem [unrechtmäßigen] Gewinn ergeben. Sie nahmen Bestechung (Geschenke) an und beugten das Recht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|4}} Und alle Ältesten Israels versammelten sich und kamen zu Samuel nach Rama.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|5}} Und sie sprachen zu ihm: Siehe, du bist alt geworden. Und deine Söhne wandeln nicht auf deinen Wegen. Setze uns nun einen König ein, der uns richtet, wie [bei] allen anderen Völkern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|6}} Und das Wort war schlecht in den Augen Samuels, dass sie sagten: Gib uns einen König, der uns richtet. Und Samuel betete zu JHWH.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|7}} Und JHWH sagte zu Samuel: Höre auf die Stimme des Volkes in allem, was sie zu dir sagen. Denn sie haben nicht dich verachtet, sondern sie verachten mich als König über sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|8}} Denn alle Taten, die sie tun von dem Tag an, als ich sie herausführte aus Ägypten, bis zu diesem Tag, [sind]: Sie verlassen mich und dienen anderen Göttern. Das tun sie auch dir an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|9}} Und nun höre auf ihre Stimme, aber ermahne sie und verkünde ihnen das Recht des Königs, der über sie herrschen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|10}} Und Samuel sprach alle Worte JHWHs zum Volk, das von ihm einen König forderte (verlangte).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|11}} Und er sprach: Dies wird das Recht des Königs sein, der über euch herrschen soll: Eure Söhne wird er nehmen und in seinen Kriegswagen (Streitwagen) setzen und zu seinen Reitern [machen], und sie werden vor seinem Kriegswagen (Streitwagen) herlaufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|12}} Und er wird sie für sich einsetzen als Führer (Fürsten) über tausend und Führer (Fürsten) über fünfzig, seine Pflugarbeit zu übernehmen und seine Getreideernte einzubringen und anzufertigen für ihn Ausrüstung für seinen Krieg und Ausrüstung für seinen Streitwagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|13}} Und eure Töchter nimmt er als Köchinnen, als Salbenreiberinnen&amp;lt;ref&amp;gt;Das hebräische Wort hat Anklänge an das akkadische „abarakku“, Konkubine.&amp;lt;/ref&amp;gt; und als Bäckerinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|14}} Und eure Felder und eure Weinberge und eure guten Ölbäume nimmt er und gibt [sie] seinen Dienern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|15}} Und eure Saat und eure Weinberge belegt er mit dem Zehnten und gibt [ihn] seinen Hofbeamten und seinen Dienern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|16}} Und eure Sklaven und Sklavinnen und eure tüchtigen jungen Männer und eure Esel spannt er für seine Geschäfte ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|17}} Euer Kleinvieh belegt er mit dem Zehnten und ihr werdet für ihn zu Sklaven.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|18}} Wenn ihr dann an diesem Tage schreit wegen eures Königs, den ihr euch erwählt habt, dann wird JHWH euch nicht antworten an diesem Tag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|19}} Aber das Volk weigerte sich, auf Samuel zu hören. Und sie sprachen: Nein! Vielmehr ein König soll über uns sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|20}} Auch wir wollen wie alle Völker sein und unser König soll uns richten und vor uns hinziehen und unsere Kriege führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|21}} Und Samuel hörte alle Worte des Volkes und sprach sie in die Ohren JHWHs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|22}} Und JHWH sprach zu Samuel: Höre auf ihre Stimme und setze einen König für sie ein. Da sprach Samuel zu den Männern Israels: Jeder soll in seine Stadt gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Bemerkungen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Kapitelseite Fuß}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olaf</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=1_Samuel_8&amp;diff=40200</id>
		<title>1 Samuel 8</title>
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		<updated>2025-10-30T17:14:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olaf: Anführungszeichen&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Lesefassung}} &#039;&#039;(kommt später)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Studienfassung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|1}} Und es geschah, als Samuel alt war, setzte er seine Söhne ein als Richter über Israel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|2}} Und der Name seines erstgeborenen Sohnes war Joel, und der Name seines zweiten Abia. Sie waren Richter in Beer-Scheba.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|3}} Aber seine Söhne wandelten nicht in seinen Wegen. Sie waren dem [unrechtmäßigen] Gewinn ergeben. Sie nahmen Bestechung (Geschenke) an und beugten das Recht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|4}} Und alle Ältesten Israels versammelten sich und kamen zu Samuel nach Rama.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|5}} Und sie sprachen zu ihm: Siehe, du bist alt geworden. Und deine Söhne wandeln nicht auf deinen Wegen. Setze uns nun einen König ein, der uns richtet, wie [bei] allen anderen Völkern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|6}} Und das Wort war schlecht in den Augen Samuels, dass sie sagten: Gib uns einen König, der uns richtet. Und Samuel betete zu JHWH.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|7}} Und JHWH sagte zu Samuel: Höre auf die Stimme des Volkes in allem, was sie zu dir sagen. Denn sie haben nicht dich verachtet, sondern sie verachten mich als König über sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|8}} Denn alle Taten, die sie tun von dem Tag an, als ich sie herausführte aus Ägypten, bis zu diesem Tag, [sind]: Sie verlassen mich und dienen anderen Göttern. Das tun sie auch dir an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|9}} Und nun höre auf ihre Stimme, aber ermahne sie und verkünde ihnen das Recht des Königs, der über sie herrschen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|10}} Und Samuel sprach alle Worte JHWHs zum Volk, das von ihm einen König forderte (verlangte).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|11}} Und er sprach: Dies wird das Recht des Königs sein, der über euch herrschen soll: Eure Söhne wird er nehmen und in seinen Kriegswagen (Streitwagen) setzen und zu seinen Reitern [machen], und sie werden vor seinem Kriegswagen (Streitwagen) herlaufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|12}} Und er wird sie für sich einsetzen als Führer (Fürsten) über tausend und Führer (Fürsten) über fünfzig, seine Pflugarbeit zu übernehmen und seine Getreideernte einzubringen und anzufertigen für ihn Ausrüstung für seinen Krieg und Ausrüstung für seinen Streitwagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|13}} Und eure Töchter nimmt er als Köchinnen, als Salbenreiberinnen&amp;lt;ref&amp;gt;Das hebräische Wort hat Anklänge an das akkadische ‚abarakku‘, Konkubine.&amp;lt;/ref&amp;gt; und als Bäckerinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|14}} Und eure Felder und eure Weinberge und eure guten Ölbäume nimmt er und gibt [sie] seinen Dienern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|15}} Und eure Saat und eure Weinberge belegt er mit dem Zehnten und gibt [ihn] seinen Hofbeamten und seinen Dienern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|16}} Und eure Sklaven und Sklavinnen und eure tüchtigen jungen Männer und eure Esel spannt er für seine Geschäfte ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|17}} Euer Kleinvieh belegt er mit dem Zehnten und ihr werdet für ihn zu Sklaven.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|18}} Wenn ihr dann an diesem Tage schreit wegen eures Königs, den ihr euch erwählt habt, dann wird JHWH euch nicht antworten an diesem Tag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|19}} Aber das Volk weigerte sich, auf Samuel zu hören. Und sie sprachen: Nein! Vielmehr ein König soll über uns sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|20}} Auch wir wollen wie alle Völker sein und unser König soll uns richten und vor uns hinziehen und unsere Kriege führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|21}} Und Samuel hörte alle Worte des Volkes und sprach sie in die Ohren JHWHs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{S|22}} Und JHWH sprach zu Samuel: Höre auf ihre Stimme und setze einen König für sie ein. Da sprach Samuel zu den Männern Israels: Jeder soll in seine Stadt gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<author><name>Olaf</name></author>
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